{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-nw-2017.pdf","jurisdiction":"Nordrhein-Westfalen","num_pages":157,"pages":["Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 2017 s sung ex t f a b -T Vora www.im.nrw.de","Impressum Herausgeber Ministerium des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen Friedrichstra\u00dfe 62-80 40217 D\u00fcsseldorf Telefon: 0211/871-01 Telefax: 0211/871-3355 poststelle@im.nrw.de www.im.nrw.de Redaktion Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen Telefon: 0211/871-2821 Telefax: 0211/871-2980 kontakt.verfassungsschutz@im1.nrw.de www.im.nrw.de/verfassungsschutz Bestellservice bestellung.verfassungsschutz@im1.nrw.de www.im.nrw.de/publikationen Stand: Juli 2018 Druck: Schnelldruck Diesfeld, D\u00fcsseldorf 1","2","Vorwort Der Verfassungsschutz hat die Aufgabe, den politischen Extremismus zu beobachten, zu analysieren und die \u00d6ffentlichkeit dar\u00fcber zu informieren. Und die Analyse zeigt deutlich: Wir k\u00f6nnen keine Entwarnung geben. Auch wenn sich die Wachstumsdynamik der salafistischen Szene in 2017 abgeschw\u00e4cht hat und die offene Missionierung nach dem Verbot der Lies-Kampagne weitgehend zum Erliegen gekommen ist, stehen die Sicherheitsbeh\u00f6rden weiterhin vor enormen Herausforderungen: Die Gefahr jihadistischer Anschl\u00e4ge durch Einzelt\u00e4ter und Kleingruppen ist weiterhin hoch. Wir m\u00fcssen davon ausgehen, dass vermehrt Jihadisten, ihre Ehefrauen und die oftmals traumatisierten und gewalterfahrenen Kinder zur\u00fcckkehren. Zudem werden Frauen bei der Radikalisierung im Internet immer aktiver und die salafistischen Hilfsvereine stabilisieren die Szene. Dem begegnen wir konsequent mit repressiven und pr\u00e4ventiven Ma\u00dfnahmen, unsere Aussteigerprogramme erg\u00e4nzen den sicherheitsbeh\u00f6rdlichen Instrumentenkasten. Damit die vielf\u00e4ltigen Aufgaben bew\u00e4ltigt werden k\u00f6nnen, haben wir den Verfassungsschutz in 2017 mit 115 neuen Stellen ausgestattet. Der Rechtsextremismus versucht in die Mitte der Gesellschaft zu dr\u00e4ngen. Organisationen wie die Identit\u00e4re Bewegung geben sich ein modernes und pseudointellektuelles Erscheinungsbild, um die Stigmatisierung des Rechtsextremismus zu \u00fcberwinden. Dabei verschleiern sie ihr wahres Gesicht und propagieren die ethnisch homogene Gesellschaft. Andere Teile der Szene diskutieren Endzeitszenarien und folgern, dass sie sich auf einen B\u00fcrgerkrieg vorbereiten m\u00fcssen. Das Spektrum der Feindbilder reicht von Migranten \u00fcber vermeintlich linke Aktivisten bis hin zu Politikern. Es besteht die Gefahr, dass sich auf diesem N\u00e4hrboden rechtsterroristische Strukturen oder Einzelt\u00e4ter entwickeln k\u00f6nnten. Linksextremistisch motivierte Kriminalit\u00e4t steigt im Zehnjahresvergleich stetig an, auch wenn im Jahresvergleich in 2017 ein R\u00fcckgang zu verzeichnen ist. Der Anteil an Gewaltdelikten bei linksextremistisch motivierter Kriminalit\u00e4t ist \u00fcberproportional hoch. Im Versammlungsgeschehen ist f\u00fcr die gewaltbereiten Autonomen die Polizei der Gegner und stellt f\u00fcr sie immer auch ein Angriffsziel dar. Gewalt wird legitimiert und als \"ziviler Widerstand\" verkl\u00e4rt. Leider ist diese Szene weiterhin anschlussf\u00e4hig f\u00fcr Teile des nichtextremistischen Protestspektrums. Mir pers\u00f6nlich macht der Anstieg antisemitischer Straftaten besondere Sorge. Dabei m\u00fcssen wir uns bewusst sein, dass Straftaten nur eine Seite der Medaille sind. Den allt\u00e4glichen Antisemitismus bildet die Statistik nicht ab. Antisemitismus ist nicht nur in einer bestimmten Bev\u00f6lkerungsgruppe zu finden und kein ausschlie\u00dfliches Merkmal des Rechtsextremismus, sondern tritt in vielen Bereichen unserer Gesellschaft zu Tage. Dagegen m\u00fcssen wir uns gemeinsam entschieden wehren. Die Menschen in NRW k\u00f6nnen sich darauf verlassen, dass der Verfassungsschutz als Fr\u00fchwarnsystem seine Aufgaben erf\u00fcllt. Er sensibilisiert \u00d6ffentlichkeit und Politik. Und schafft damit die Grundlage f\u00fcr eine aufgekl\u00e4rte und informierte Gesellschaft, die der beste Schutz gegen Extremismus jeder Couleur ist. Bei der Abwehr terroristischer Gefahren operiert er im Vorfeld polizeilicher Gefahrenabwehr und Strafverfolgung als unverzichtbarer Baustein im Gef\u00fcge der Sicherheitsbeh\u00f6rden. Herbert Reul Minister des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen 3","Inhaltsverzeichnis Vorbemerkung ..............................................................................................................................................................6 Kompakt........................................................................................................................................................................9 Extremismus in Zahlen ...............................................................................................................................................11 Mitgliederzahlen und -potenziale in Nordrhein-Westfalen......................................................................................11 Entwicklung der Politisch motivierten Kriminalit\u00e4t (PMK) .......................................................................................13 Rechtsextremismus ....................................................................................................................................................19 NPD ........................................................................................................................................................................21 Pro NRW.................................................................................................................................................................26 Pro K\u00f6ln ..................................................................................................................................................................29 Pro Deutschland .....................................................................................................................................................31 Die Rechte ..............................................................................................................................................................33 Der III. Weg.............................................................................................................................................................39 Identit\u00e4re Bewegung Deutschland e.V. ..................................................................................................................42 Neonazis .................................................................................................................................................................46 Rechtsterrorismus...................................................................................................................................................50 Subkulturell gepr\u00e4gter Rechtsextremismus............................................................................................................52 Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter (Reichsb\u00fcrgerbewegung) ................................................................................56 Rechtsextremismus im Internet ..............................................................................................................................61 Rechtsextremistische Zeitschriften .........................................................................................................................63 Linksextremismus .......................................................................................................................................................66 Im Fokus: Hambacher Forst - gewaltt\u00e4tige Klimaproteste und deren Vernetzungen.............................................67 Zusammenschl\u00fcsse innerhalb der Partei DIE LINKE.............................................................................................69 Deutsche Kommunistische Partei (DKP)................................................................................................................71 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) .........................................................................................74 Autonome Linksextremisten ...................................................................................................................................78 Auslandsbezogener Extremismus ..............................................................................................................................81 Im Fokus: Der Kampf um Afrin ..............................................................................................................................82 \u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung (Graue W\u00f6lfe) ...........................................................................................................................84 Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei/-Front (Devrimci Halk Kurtulus Partisi-Cephesi - DHKP-C)........................87 Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Volkskongress Kurdistans (KONGRA-GEL) ......................................................89 4","Islamismus ..................................................................................................................................................................93 Im Fokus: Fl\u00fcchtlinge im extremistischen Salafismus ............................................................................................94 Im Fokus: Gefangenenhilfe im extremistischen Salafismus...................................................................................99 Extremistischer Salafismus...................................................................................................................................101 Hamas...................................................................................................................................................................107 Hizb Allah (Partei Gottes) .....................................................................................................................................109 Hizb ut-Tahrir (Islamische Befreiungspartei - HuT) .............................................................................................111 Kalifatsstaat (Hilafet Devleti).................................................................................................................................113 Muslimbruderschaft (unter anderem IGD) ............................................................................................................114 Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung...........................................................................................................................................116 Islamistische nordkaukasische Szene (INS) ........................................................................................................118 T\u00fcrkische Hizbullah (TH) ......................................................................................................................................120 Furkan-Gemeinschaft ...........................................................................................................................................122 Scientology Organisation (SO) .................................................................................................................................124 Spionageabwehr und Wirtschaftsschutz ..................................................................................................................126 Spionage - Auftraggeber, Ziele und Methoden....................................................................................................127 Aufkl\u00e4rung und Abwehr von Proliferation .............................................................................................................131 Wirtschaftsspionage und Konkurrenzaussp\u00e4hung ...............................................................................................132 Pr\u00e4ventionsarbeit und Aussteigerprogramme ..........................................................................................................135 \u00dcbergreifende Konzepte.......................................................................................................................................136 Pr\u00e4ventionsprogramm Wegweiser........................................................................................................................138 Aussteigerprogramme des Verfassungsschutzes ................................................................................................140 Fachtagungen und Kongresse..............................................................................................................................143 VIR - Ver\u00e4nderungsimpulse setzen bei rechtsorientierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen ..................146 Vortr\u00e4ge und Fortbildungen ..................................................................................................................................148 Ver\u00f6ffentlichungen................................................................................................................................................150 \u00dcber den Verfassungsschutz....................................................................................................................................152 Liste der Bestrebungen und Organisationen ............................................................................................................154 5","Vorbemerkung Der vorliegende Verfassungsschutzbericht bezieht sich auf Ereignisse und Beobachtungen im Jahr 2017. Zeitlich danach liegende Vorf\u00e4lle und Entwicklungen werden punktuell angesprochen, wenn sie von gr\u00f6\u00dferer Bedeutung sind. Hinweise auf Geschehnisse au\u00dferhalb Nordrhein-Westfalens sind aufgenommen, soweit sie f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des Berichts erforderlich sind. Erg\u00e4nzende Informationen finden Sie im Internet unter www.im.nrw.de/verfassungsschutz. Grundlagen und Zielsetzung des Verfassungsschutzes Nach SS 3 Abs. 1 des Gesetzes \u00fcber den Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen (VSG NRW) hat der Verfassungsschutz die Aufgabe, bereits im Vorfeld von konkreten Gef\u00e4hrdungslagen Informationen zu beschaffen, zu sammeln und auszuwerten, die Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten betreffen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder darauf abzielen, die Amtsf\u00fchrung von Verfassungsorganen des Bundes oder eines Landes ungesetzlich zu beeinflussen, oder die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden oder die gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung oder das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker gerichtet sind oder die sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten f\u00fcr eine fremde Macht darstellen. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde sammelt hierzu die f\u00fcr sie relevanten Informationen und wertet sie dahingehend aus, ob tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr eine verfassungsfeindliche Bestrebung gegeben sind oder zumindest gewichtige Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht solcher Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten vorliegen. Weder eine konkrete Gefahr noch eine begangene Straftat sind notwendig, um ihr T\u00e4tigwerden zu legitimieren. Die Berichterstattung im Verfassungsschutzbericht ist bereits dann zul\u00e4ssig, wenn hinreichende Verdachtsmomente gegeben sind. Diese m\u00fcssen sich nicht bis zur Bewertung einer Bestrebung als \"verfassungsfeindlich\" verdichtet haben. Der Verfassungsschutz arbeitet zum Schutz der Verfassung und des Gemeinwesens im Vorfeld konkreter Gefahren oder Straftaten. Er hat bei der Wahrnehmung seines gesetzlichen Auftrags im Wesentlichen Organisationen und Strukturen im Blick. Kennzeichnung Die Namen und Bezeichnungen von Organisationen, Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten, bei denen lediglich tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht f\u00fcr die in SS 3 Abs. 1 VSG NRW beschriebenen Merkmale vorliegen, sind im Gegensatz zu den festgestellten Bestrebungen zwischen den Zeichen \" und \" eingefasst (sogenannte Chevrons). Beispiel: \"Partei XY\" Bei \"Bestrebungen\" handelt es sich nach SS 3 Abs. 3 VSG NRW um politisch bestimmte, zielund zweckgerichtete Verhaltensweisen in einem oder f\u00fcr einen Personenzusammenschluss, der gegen die in SS 3 Abs. 1 genannten Schutzg\u00fcter gerichtet ist. Ein \"Personenzusammenschluss\" setzt mehrere Personen voraus, die gemeinsam handeln. Einzelpersonen stehen nicht unter der Beobachtung des Verfassungsschutzes, es sei denn, ihr Verhalten ist auf die Anwendung von Gewalt gerichtet oder von ihnen geht eine erhebliche Gefahr f\u00fcr eines der Schutzg\u00fcter des Verfassungsschutzgesetzes aus. 6","Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung Im Zentrum steht der Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung - also des nicht zur Disposition stehenden Kerns des Grundgesetzes (SS 3 Abs. 6 VSG NRW). Hierzu z\u00e4hlen: Das Recht des Volkes, die Staatsgewalt in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung auszu\u00fcben und die Volksvertretung in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl zu w\u00e4hlen, die Bindung der Gesetzgebung an die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung und die Bindung der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung an Gesetz und Recht, das Recht auf Bildung und Aus\u00fcbung einer parlamentarischen Opposition, die Abl\u00f6sbarkeit der Regierung und deren Verantwortlichkeit gegen\u00fcber der Volksvertretung, die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte, der Ausschluss jeder Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft und die Achtung der im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechte. Ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik und V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung Daneben beobachtet der Verfassungsschutz Bestrebungen, \"die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden\". Hier geht es beispielsweise um gewaltbereite extremistische Gruppen mit Auslandsbezug, die vom Gebiet der Bundesrepublik Deutschland aus Gewaltaktionen vorbereiten, um eine gewaltsame \u00c4nderung der politischen Verh\u00e4ltnisse im Ausland, insbesondere in ihren Heimatl\u00e4ndern, herbeizuf\u00fchren und die dadurch die Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland zu anderen Staaten beeintr\u00e4chtigen (SS 3 Abs. 1 Nr. 3 VSG NRW). Auch Bestrebungen, die gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung, insbesondere gegen das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker, gerichtet sind, geh\u00f6ren zu den Beobachtungsobjekten des Verfassungsschutzes (SS 3 Abs. 1 Nr. 4 VSG NRW). Der Verfassungsschutz beobachtet international operierende Gruppierungen, die beispielsweise darauf abzielen, konfessionelle oder ethnische Gruppen im Ausland zu bek\u00e4mpfen. In diesem Fall sind die Angriffe nicht auf die staatliche Ordnung oder die Grenzen eines einzelnen anderen Landes gerichtet, sondern gegen bestimmte (Volks-)Gruppen in den betreffenden Staaten. Gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung gerichtet sind damit auch Gruppierungen, die die - notfalls gewaltsame - R\u00fcckgewinnung der ehemaligen deutschen Ostgebiete propagieren. Arbeitsweise des Verfassungsschutzes Bei seiner T\u00e4tigkeit st\u00fctzt sich der Verfassungsschutz in gro\u00dfem Umfang auf offenes Material wie Zeitungen, wissenschaftliche Ver\u00f6ffentlichungen, Radiound Fernsehberichte, Interviews und Parteiprogramme. Sensible Informationen aus geschlossenen Zirkeln werden hingegen h\u00e4ufig mit nachrichtendienstlichen Mitteln gewonnen. Es werden nach Ma\u00dfgabe konkreter gesetzlicher Vorgaben Vertrauenspersonen (V-Personen) eingesetzt und Zielpersonen observiert. In besonders gravierenden Einzelf\u00e4llen erfolgt eine \u00dcberwachung des Postund Telekommunikationsverkehrs. Der Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel ist zur Aufkl\u00e4rung konspirativ arbeitender verfassungsfeindlicher Organisationen notwendig. Die Beschaffung von Informationen durch den Verfassungsschutz unterliegt der Kontrolle des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Landtags NRW und bei bestimmten, die Kommunikation oder die Finanzierung von Bestrebungen betreffenden Ma\u00dfnahmen der Kontrolle durch eine unabh\u00e4ngige Kommission (G 10-Kommission). Typischerweise geben sich extremistische Organisationen in ihren Programmen und \u00f6ffentlichen Auftritten gem\u00e4\u00dfigt, um ihre Akzeptanz und ihre Wahlchancen nicht zu beeintr\u00e4chtigen. Klartext wird h\u00e4ufig nur in den inneren Zirkeln und unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit geredet. Dar\u00fcber muss der Verfassungsschutz verl\u00e4ssliche Informationen erlangen, wenn er sich ein realistisches Bild von den Zielen und den Methoden derartiger Organisationen verschaffen und seinen Auftrag zur Beratung der Politik und Aufkl\u00e4rung der \u00d6ffentlichkeit erf\u00fcllen will. 7","Weitere Informationen und Hintergrund Nutzen Sie unser Webangebot, um erg\u00e4nzende Informationen und Dokumente zu erhalten. Rufen Sie einfach die Adresse www.im.nrw.de/verfassungsschutz in Ihrem Browser auf. 8","Kompakt Politisch motivierte Gewalt R\u00fcckgang der allgemeinen PMK-Zahlen im Vergleich zum Vorjahr. Die Gesamtzahlen verbleiben aber unvermindert auf einem hohen Niveau. Gerade im 10 Jahres-Vergleich l\u00e4sst sich insgesamt eine Zunahme an PMK-Straftaten, insbesondere der Gewaltdelikte, feststellen. Mit dem Jahr 2017 wurden erstmals Straftaten durch Reichsb\u00fcrger bzw. Selbstverwalter systematisch im Rahmen des Kriminalpolizeilichen Meldedienstes der Politisch Motivierten Kriminalit\u00e4t erhoben. Die Zahl der registrierten Straftaten lag im Jahr 2017 bei 85 Straftaten. Rechtsextremismus Ein Teil der rechtsextremistischen Szene radikalisiert sich zunehmend. So werden in der Szene Endzeitund B\u00fcrgerkriegsszenarien diskutiert. Es ist nicht auszuschlie\u00dfen, dass sich auf diesem N\u00e4hrboden rechtsterroristische Strukturen oder Einzelt\u00e4ter entwickeln k\u00f6nnten. Die Neue Rechte, insbesondere die Identit\u00e4re Bewegung, versucht die Stigmatisierung des Rechtsextremismus aufzubrechen, den politischen Diskurs nach \"Rechts\" zu verschieben und anschlussf\u00e4hig f\u00fcr die Mitte der Gesellschaft zu werden. Reichsb\u00fcrger, die die Existenz der Bundesrepublik Deutschland nicht anerkennen, versuchen weiterhin die Handlungsf\u00e4higkeit des Staates zu l\u00e4hmen. Bislang konnte der Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen rund 2.750 Anh\u00e4nger identifizieren (Stand April 2018). Linksextremismus Die autonome linksextremistische Szene zeichnet sich weiterhin durch eine hohe Gewaltbereitschaft gegen Personen und Sachen aus und verkl\u00e4rt diese Haltung als \"zivilen Ungehorsam\". Die gewaltt\u00e4tigen Proteste gegen den G20-Gipfel, an denen auch Linksextremisten aus NRW beteiligt waren, stellten in 2017 den H\u00f6hepunkt dar. In NRW fokussiert sich die Gewaltaus\u00fcbung durch linksextremistisch motiviertes Personenpotenzial auf die Auseinandersetzung um den Braukohletagebau Hambach und den Hambacher Forst. Die dort agierende gewaltorientierte linksextremistische Szene verf\u00fcgt weiterhin \u00fcber ein hohes Ma\u00df an Anschlussf\u00e4higkeit an das demokratische \u00f6kologische Protestspektrum. Auslandsbezogener Extremismus Die Auseinandersetzungen zwischen den politischen Lagern in der T\u00fcrkei spiegeln sich unmittelbar auch in NRW wider. Es gelingt sowohl t\u00fcrkisch-nationalistischen und -rechtsextremistischen Organisationen wie auch linksextremistischen und PKK-nahen Organisationen immer wieder, f\u00fcr ihre jeweiligen Ziele ihre Anh\u00e4ngerschaft umf\u00e4nglich zu mobilisieren. Es wird unvers\u00f6hnlich agitiert, h\u00e4ufig wird Gewalt zum Mittel der Auseinandersetzung. Die Haftsituation und der Gesundheitszustand Abdullah \u00d6calans sind f\u00fcr PKK-nahe Kr\u00e4fte und Organisationen immer wieder Anlass, ihre Forderungen \u00f6ffentlich zu manifestieren. Die organisatorische St\u00e4rke und Vernetzung der kurdisch-extremistischen Szene macht diese europaweit kampagnenf\u00e4hig. PKK-Kader sind grunds\u00e4tzlich in der Lage, Umfang, Intensit\u00e4t und Militanz von Demonstrationen und Aktionen gezielt zu steuern. 9","Islamismus Jihadistischer Salafismus ist weiterhin eine Gefahr. Auch nach der milit\u00e4rischen Niederlage des sogenannten \"Islamischen Staates\" besteht weiterhin die Gefahr terroristischer Anschl\u00e4ge in Deutschland. Jihadistisch motivierte Einzelt\u00e4ter oder Kleingruppen und R\u00fcckkehrer stellen ein Risikopotenzial dar. Politischer Salafismus reorganisiert sich. Vereinsverbote und strafrechtliche Ma\u00dfnahmen haben die \u00f6ffentliche Missionierung fast zum Erliegen gebracht. Die Wachstumsdynamik der salafistischen Szene hat sich abgeschw\u00e4cht. Salafistische Hilfsorganisationen, Gefangenenhilfe und virtuelle Frauennetzwerke gewinnen als Aktionsformen an Bedeutung. Traditioneller Islamismus dr\u00e4ngt in die Zivilgesellschaft. Islamistische Organisationen und Netzwerke - insbesondere aus dem Spektrum der Muslimbruderschaft - versuchen sich als vermeintlich unproblematische Alternative zum extremistischen Salafismus in der deutschen \u00d6ffentlichkeit zu platzieren und gesellschaftliche Anerkennung zu erwerben. Spionageabwehr und Wirtschaftsschutz 2017 bewegten sich Aktivit\u00e4ten ausl\u00e4ndischer Nachrichtendienste auf weiterhin hohem Niveau. Der t\u00fcrkische Nachrichtendienst MIT verst\u00e4rkte seine Aktivit\u00e4ten zur Ausforschung von in Deutschland lebenden Oppositionellen. Bei der weiterhin hohen Zahl von Cyberangriffen auf deutsche Unternehmen wurde zunehmend die einen Angriff auf IT-Systeme vorbereitende Methode des sogenannten Computer-based Social Engineering festgestellt. Pr\u00e4vention und Aussteigerprogramme Vom Start des Wegweiser-Programms bis Ende 2017 wurden \u00fcber 600 junge Menschen betreut. In 11.000 F\u00e4llen wurde das Umfeld beraten und Wegweiser hat insgesamt rund 1.800 Sensibilisierungsveranstaltungen durchgef\u00fchrt. Die Aussteigerprogramme f\u00fcr Rechtsextremisten und Islamisten wurden in 2017 personell aufgestockt. Die Vorbereitungen zum Start eines weiteren Aussteigerprogramms f\u00fcr Szeneangeh\u00f6rige des Linksund auslandsbezogenen Extremismus haben begonnen. 10","Extremismus in Zahlen Mitgliederzahlen und -potenziale in Nordrhein-Westfalen Die Angaben zu den Parteien und Organisationen umfassen grunds\u00e4tzlich alle Mitglieder. Die Angaben sind gerundet und zum Teil gesch\u00e4tzt. Rechtsextremismus 2016 2017 NPD 600 500 Pro NRW 450 400 Pro K\u00f6ln e.V 250 200 Pro Deutschland 100 100 Die Rechte 300 270 Der III. Weg 30 30 IBD 50 60 ARMINIUS-Bund des deutschen Volkes 15 15 In parteiunabh\u00e4ngigen bzw. parteiungebundenen Strukturen, insbesondere 800 850 Neonazistische Kameradschaften Unstrukturiertes rechtsextremistisches Personenpotenzial, insbesondere Skinheads 1350 1350 abz\u00fcglich Doppelmitgliedschaften* -475 -405 Gesamt 3470 3370 davon gewaltorientierte Rechtsextremisten 2000 2000 Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter 2000 2600 * Einzelne Personen k\u00f6nnen gleichzeitig zwei Organisationen oder Gruppierungen zugerechnet werden. Die Mitglieder der Partei Die Rechte werden weiterhin als Neonazis gez\u00e4hlt. 11","Linksextremismus 2016 2017 Gewaltorientierte Linksextremisten, insbesondere Autonome 970 970 DKP 800 800 MLPD 650 650 Gesamt 2420 2420 Auslandsbezogener Extremismus 2016 2017 \"AD\u00dcTDF\" 2000 2000 DHKP-C 200 200 KONGRA-GEL bzw. PKK 2200 2200 Gesamt 4700 4700 Islamismus 2016 2017 Extremistischer Salafismus 2900 3000 davon politisch 2200 2200 davon gewaltbereit 700 800 HAMAS 75 75 Hizb Allah 105 105 Hizb ut-Tahrir 35 35 Kalifatsstaat 220 220 Muslimbruderschaft 65 65 Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung (extremistischer Teil) 250 250 Nordkaukasische Separatisten-Bewegung 70 70 T\u00fcrkische Hizbullah 100 100 Furkan-Gemeinschaft 15 40 Gesamt 3835 3960 12","Entwicklung der Politisch motivierten Kriminalit\u00e4t (PMK) Betrachtung der Gesamtentwicklung In Nordrhein-Westfalen wurden im Jahr 2017 insgesamt 6.599 Politisch motivierte Straftaten bekannt (2016: 7.445). Damit ist im Vergleich zum Vorjahr ein R\u00fcckgang um 846 Delikte bzw. 11,4% zu verzeichnen. Betrachtet nach Deliktsgruppen sind unterschiedliche Entwicklungen festzustellen. So wurden beispielsweise mit 1.406 Sachbesch\u00e4digungen 440 Straftaten mehr gez\u00e4hlt als im Vorjahr. Dagegen waren bei den 322 Verst\u00f6\u00dfen gegen das Versammlungsgesetz starke R\u00fcckg\u00e4nge zu verzeichnen (2016: 861), ebenso bei den K\u00f6rperverletzungsdelikten mit 395 Straftaten (2016: 626). Die Aufkl\u00e4rungsquote im Bereich der PMK f\u00fcr das Jahr 2017 betr\u00e4gt 35,9% (2016: 39,9%). Es wurden mit 2.371 Straftaten im Vergleich zum Vorjahr 601 Delikte weniger aufgekl\u00e4rt (2016: 2.972). Gewaltdelikte der Politisch motivierten Kriminalit\u00e4t (PMK-Gewalt) Die Zahl der bekannt gewordenen Gewaltdelikte mit politischer Motivation ist in Nordrhein-Westfalen im Vergleich zum Jahr 2016 gesunken. Es wurden insgesamt 577 Gewaltdelikte bekannt, das bedeutet einen R\u00fcckgang um 34,7% (2016: 883). 300 Gewaltdelikte konnten polizeilich gekl\u00e4rt werden (2016: 456). Die Aufkl\u00e4rungsquote liegt mit 52% nahezu gleich wie im Vorjahr (2016: 51,6%). Propagandadelikte Einen hohen Anteil der PMK macht j\u00e4hrlich wiederkehrend die Gruppe der Propagandadelikte, also Straftaten der SSSS 86 und 86a StGB, aus. Der Anteil der Propagandadelikte am Straftatenaufkommen der Politisch motivierten Kriminalit\u00e4t ist seit Jahren r\u00fcckl\u00e4ufig, stieg jedoch 2017 in Vergleich zum Vorjahr mit 2.273 Straftaten bzw. 34,4% minimal an (2016: 2.385 Straftaten bzw. 32%). Bei den meisten Propagandadelikten handelt es sich um Hakenkreuz-schmierereien, die nur wenige Ermittlungsans\u00e4tze bieten und daher schwer aufzukl\u00e4ren sind. Mit 33,6% liegt die Aufkl\u00e4rungsquote der Propagandadelikte leicht \u00fcber dem Niveau des Vorjahres (2016: 32,5%). Extremistische Straftaten Von den 6.599 im Jahr 2017 bekannt gewordenen Delikten der PMK sind 6.321 (95,8%) als extremistische Straftaten im Sinne des SS 3 des Gesetzes \u00fcber den Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen eingestuft, weil sie sich beispielsweise gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung richteten. Die Anzahl der als extremistisch einzustufenden Straftaten ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunken, ebenso der Anteil am Gesamtaufkommen der PMK (2016: 7.192 Straftaten bzw. 96,6%). Entwicklung der Ph\u00e4nomen Bereiche der Politisch motivierten Kriminalit\u00e4t Betrachtet man die Entwicklung der PMK differenziert nach Ph\u00e4nomen Bereichen, so zeigen sich unterschiedliche Entwicklungen. In den Bereichen PMK-linksund PMK-rechtssind die Fallzahlen gesunken, im Ph\u00e4nomen Bereich PMK-nicht zuzuordnenist ein Anstieg festzustellen. F\u00fcr die Bereiche PMK-ausl\u00e4ndische Ideologieund PMK-religi\u00f6se Ideologiekann zum Vorjahr aufgrund der Neueinf\u00fchrung beider Ph\u00e4nomen Bereiche zum 01.01.2017 kein valider Vergleich gezogen werden. Betrachtet man die Summe der Delikte beider neuer Ph\u00e4nomen Bereiche und vergleicht diese mit den Straftaten der PMK-Ausl\u00e4nder aus dem Jahr 2016 so ist ein R\u00fcckgang der Fallzahlen festzustellen. Die einzelnen Deliktgruppen, bezogen auf die Ph\u00e4nomen Bereiche, werden durch die in der Anlage 1 befindlichen Tabelle abgebildet. 13","Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t-rechtsDie Anzahl der Straftaten im Ph\u00e4nomen Bereich der PMK-rechtsist mit 3.764 Straftaten (2016: 4.700) im Vergleich zum Vorjahr um 936 Straftaten (19,9%) gesunken. Der R\u00fcckgang ist im Wesentlichen auf weniger Verst\u00f6\u00dfe gegen das Versammlungsgesetz (R\u00fcckgang von 172 auf 36 Straftaten), Beleidigungen (R\u00fcckgang von 438 auf 289 Straftaten), Volksverhetzungen (R\u00fcckgang von 894 auf 700 Straftaten) und Verst\u00f6\u00dfe gegen SSSS 86, 86a StGB (R\u00fcckgang von 2.226 auf 2.062 Straftaten) zur\u00fcckzuf\u00fchren. Propagandadelikte und Volksverhetzungen machen mit 73,4% (2.762 von 3.764 Straftaten), wie in den Vorjahren, den \u00fcberwiegenden Anteil der Straftaten der PMK-rechtsaus (2016: 66,4%). Es konnten 1.383 Straftaten bzw. 36,7% polizeilich gekl\u00e4rt werden. Da-mit liegt die Aufkl\u00e4rungsquote 0,7 Punkte unter dem Wert des Jahres 2016. Insgesamt wurden 1.532 Tatverd\u00e4chtige ermittelt (2016: 1.970). Davon waren 1.357 Personen bzw. 88,6% m\u00e4nnlich und 175 bzw. 11,4% weiblich. Die am h\u00f6chsten belastete Altersgruppe war mit 316 Personen, wie im Vorjahr, die der 30 - 39-j\u00e4hrigen. Es folgte die Gruppe der 40 - 49-j\u00e4hrigen mit 243 Personen. 800 (52,2%) der Tatverd\u00e4chtigen waren bereits zuvor kriminalpolizeilich in Erscheinung getreten (2016: 1.155 bzw. 58,6%). Vorherrschende Themenfelder der PMK-rechtswaren \"Nationalsozialismus/Sozialdarwinismus\" (R\u00fcckgang von 2.569 auf 2.430 Straftaten) und \"Hasskriminalit\u00e4t\" (R\u00fcckgang von 2.376 auf 1.563 Straftaten). Dahinter folgen die Themenfelder \"Konfrontation/politische Einstellung\" (R\u00fcckgang von 744 auf 529 Straftaten), \"Ausl\u00e4nder-/ Asylthematik\" (R\u00fcckgang von 1.105 auf 488 Straftaten) und \"Innenund Sicherheitspolitik (R\u00fcckgang von 496 Straftaten auf 478 Straftaten). Gewaltkriminalit\u00e4t im Ph\u00e4nomen Bereich PMK-rechtsDie Anzahl der Gewaltdelikte durch rechtsmotivierte Tatverd\u00e4chtige ist mit 206 Straftaten gegen\u00fcber dem Vorjahr um 45,9% gesunken (2016: 381 Straftaten). Schwerpunktm\u00e4\u00dfig handelte es sich um K\u00f6rperverletzungen (172 Straftaten bzw. 83,5%). Gewaltdelikte durch \"Rechte\" wurden nach wie vor mehrheitlich im \u00f6ffentlichen Raum ver\u00fcbt und mit 97,1% zumeist unabh\u00e4ngig von Demonstrationen. Die Aufkl\u00e4rungsquote der Gewaltdelikte im Bereich der PMK-rechtsliegt mit 141 gekl\u00e4rten Taten bei 68,4% (2016: 181 Straftaten bzw. 47,5%). Hasskriminalit\u00e4t durch \"Rechte\" Der Hasskriminalit\u00e4t werden Straftaten zugeordnet, wenn in W\u00fcrdigung der Umst\u00e4nde der Tat und/oder der Einstellung des T\u00e4ters Anhaltspunkte daf\u00fcr vorliegen, dass sie gegen eine Person wegen ihrer Nationalit\u00e4t, Volkszugeh\u00f6rigkeit, Rasse, Hautfarbe, Religion, Herkunft oder aufgrund ihres \u00e4u\u00dferlichen Erscheinungsbildes, ihrer Behinderung, ihrer sexuellen Orientierung oder ihres gesellschaftlichen Status gerichtet sind. Die \"Hasskriminalit\u00e4t\" im Ph\u00e4nomen Bereich PMK-rechtsist mit 1 563 Straftaten im Vergleich zum Vorjahr gesunken (2016: 2 376 Straftaten). Auch dem Unterthema \"Fremdenfeindlichkeit\" wurden weniger Delikte als im Vorjahreszeitraum zugeordnet (1.544 Straftaten, 2016: 2.143 Straftaten). Deliktisch gesehen liegen die Schwerpunkte bei Volksverhetzungen (679 Straftaten), Beleidigungen (244 Straftaten) und Straftaten gem. SSSS 86, 86a StGB (224 Straftaten). Auch die Anzahl der Gewaltdelikte im Themenfeld Hasskriminalit\u00e4t ist gesunken (154 Straftaten, 2016: 313 Straftaten), ebenso wie die Anzahl der fremdenfeindlich motivierten Gewaltdelikte (154 Straftaten, 2016: 311 Straftaten). 14","Antisemitische Straftaten Die Anzahl der antisemitischen Straftaten ist von 297 auf 324 Straftaten gestiegen (Anstieg um 9,1%). 294 Straftaten bzw. 90,7% der antisemitischen Straftaten wurden im Jahr 2017 der PMK-rechtszugeordnet. Bei den Deliktsgruppen machten, wie in den Vorjahren, Volksverhetzungen (200 Straftaten), Propagandadelikte (56 Straftaten) und Sachbesch\u00e4digungen (26 Straftaten) mit 87% den \u00fcberwiegenden Anteil der Fallzahlen aus (2016: 91,2%). Auch die Anzahl der antisemitischen Gewaltdelikte ist gestiegen (6 Straftaten, 2016: 2 Straftaten). Reichsb\u00fcrger/Selbstverwalter \"Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter\" sind Gruppierungen und Einzelpersonen, die aus unterschiedlichen Motiven und mit unterschiedlichen Begr\u00fcndungen - unter anderem unter Berufung auf das historische Deutsche Reich, verschw\u00f6rungstheoretische Argumentationsmuster oder ein selbst definiertes Naturrecht - die Existenz der Bundesrepublik Deutsch-land und deren Rechtssystem ablehnen, den demokratisch gew\u00e4hlten Repr\u00e4sentanten die Legitimation absprechen oder sich gar in G\u00e4nze als au\u00dferhalb der Rechtsordnung stehend definieren und bei denen deshalb die Besorgnis besteht, dass sie Verst\u00f6\u00dfe gegen die Rechtsordnung begehen. Auch die Ph\u00e4nomen bezogenen Ereignisse des Jahres 2017 lassen den Schluss zu, dass der Anteil derer, die nicht mehr nachvollziehbare Ideologien bzw. Denkmuster ausleben und teils \u00f6ffentlichkeitswirksam darstellen und/oder das deutsche Rechtssystem behindern, zunimmt. Bereits vor dem versuchten T\u00f6tungsdelikt am 25.08.2016 in Reuden (Sachsen-Anhalt) sowie dem T\u00f6tungsdelikt am 19.10.2016 in Georgensgm\u00fcnd (Bayern) konnte ein Anstieg der Gewalt-delikte in der Szene verzeichnet werden. Somit kann konstatiert werden, dass ein nicht unerheblicher Personenkreis weiterhin den Standpunkt vertritt, die ideologischen Gedankenmuster im Sinne des Selbstschutzes unter Gewaltanwendung zu verteidigen bzw. zu untermauern. 2016 gipfelt die Gewalt in einigen F\u00e4llen zumeist im Rahmen von Exekutivma\u00dfnahmen staatlicher Stellen in der billigenden Inkaufnahme t\u00f6dlicher Verletzungen durch die gesteigerte Bereitschaft zum Einsatz von (Schuss-) Waffen. Vergleichbare F\u00e4lle sind f\u00fcr das Jahr 2017 nicht bekannt geworden. Jedoch wurden im Zusammenhang mit Durchsuchungen eine Vielzahl an (Schuss-) Waffen aufgefunden. Generell scheint die Hemmschwelle hinsichtlich des Einsatzes von Waffen jeglicher Art, gerade bei den sogenannten \"Selbstverwaltern\", weitaus niedriger als in den Kreisen der \"Reichsb\u00fcrger\" zu sein. Aufgrund der vorgenannten Ausf\u00fchrungen k\u00f6nnen auch weiterhin gewaltt\u00e4tige Aktionen im Rahmen von Vollstreckungsma\u00dfnahmen nicht ausgeschlossen werden. Des Weiteren sind im Nachgang derartiger hoheitlicher Ma\u00dfnahmen grunds\u00e4tzlich auch Aktivit\u00e4ten mit Bez\u00fcgen zu staatlichen Vertretern einzukalkulieren, die \u00fcber das bisherige Ma\u00df an St\u00f6raktionen (z. B. vermeintlich juristischer Schriftverkehr, Amtsanma\u00dfungen) hinausgehen k\u00f6nnten. Im Internet ver\u00f6ffentlichte Kommentare zum jeweiligen staatlichen Einsatz, aber auch losgel\u00f6st hiervon, so u. a. im \"anonymen\" Internet ver\u00f6ffentlichte Gewaltfantasien, d\u00fcrften hingegen, vorbehaltlich einer Bewertung im konkreten Einzelfall, zum \u00fcberwiegenden Teil als verbalradikale/emotionale Impulsabfuhr zu werten sein. Eine konkrete Personengefahr der an solchen Handlungen staat/beh\u00f6rdlicherseits Involvierten oder aus Sicht des von der staatlichen Ma\u00dfnahme Betroffenen vermeintlich Verantwortliche geht mit ihnen (zun\u00e4chst) nicht einher. Seit dem Jahr 2017 wurde das Oberthema \"Reichsb\u00fcrger/Selbstverwalter\" im KPMD-PMK eingef\u00fchrt. Die Zahl der 2017 registrierten Straftaten im Themenfeld \"Reichsb\u00fcrger/Selbstverwalter\" liegt bei 85 Straftaten. Davon entfallen 30 Straftaten auf den Ph\u00e4nomen Bereich PMK-rechtsund 55 Straftaten auf den Ph\u00e4nomen Bereich PMK-nicht zuzuordnen-. 74 der 85 Straftaten wurden gekl\u00e4rt (Aufkl\u00e4rungsquote: 87,1%) Von den 85 Straftaten sind zw\u00f6lf Gewaltdelikte (drei im Ph\u00e4nomen Bereich PMK-rechtsund neun im Ph\u00e4nomen Bereich PMK-nicht zuzuordnen-). Hier wurden alle Gewaltdelikte aufgekl\u00e4rt (Aufkl\u00e4rungsquote: 100%). 15","Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t-linksDie Anzahl der Straftaten im Ph\u00e4nomen Bereich der PMK-linksist mit 1.374 Straftaten im Vergleich zum Vorjahr um 12,8% gesunken (2016: 1.576 Straftaten). In 2017 konnten mit 358 Straftaten weniger Straftaten gekl\u00e4rt werden als im Jahr zuvor (2016: 545 Straftaten). Die Aufkl\u00e4rungsquote sank auf 26,1% (2016: 34,6%). Insgesamt wurden 843 (2016: 1.149) Tatverd\u00e4chtige ermittelt. Davon waren 581 (68,9%) m\u00e4nnlich und 262 (31,1%) weiblich. Bei den Alters-gruppen haben sich leichte Verschiebungen ergeben. Der Schwerpunkt liegt nicht wie im Jahr 2016 mit 69,5% bei den 18bis 29-J\u00e4hrigen, sondern mit 513 Personen bzw. 60,9% bei den 21bis 39J\u00e4hrigen. 206 Tatverd\u00e4chtige (24,4%) waren zuvor polizeilich in Erscheinung getreten. Vorherrschende Themenfelder waren wie in den Vorjahren \"Konfrontation mit dem politischen Gegner\" (R\u00fcckgang von 1.114 auf 983 Straftaten), \"Innenund Sicherheitspolitik\" (Anstieg von 784 auf 810 Straftaten) und - trotz deutlichen R\u00fcckgangs - \"Antifaschismus\" (R\u00fcckgang von 1.063 auf 411 Straftaten). Erneut gestiegen im Vergleich zum Vorjahr ist das Themenfeld \"\u00d6kologie/Industrie/Wirtschaft\" (Anstieg von 175 auf 193 Straftaten). Die Straftaten im Zusammenhang mit den Protesten gegen die Rodungen im \"Hambacher Forst\" zum Braunkohletagebau haben zugenommen. In diesem Kontext wurden im Berichtszeitraum 164 Straftaten ver\u00fcbt, die der PMK-linkszugerechnet werden (2016: 138 Straftaten). Der Anteil der Straftaten bei versammlungsrechtlichen Ereignissen am Gesamtaufkommen der PMK-linkslag mit 316 von 1.374 Straftaten bzw. 23% weit unter dem Niveau des Vorjahres (2016: 878 von 1.576 Straftaten bzw. 55,7%). Gewaltkriminalit\u00e4t im Ph\u00e4nomen Bereich PMK-linksDie Anzahl der Gewaltdelikte durch \"Linke\" ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 30,8% gesunken (191 Straftaten, 2016: 276 Straftaten). 41,4% der Gewaltdelikte PMK-links(79 von 191 Straftaten) wurden bei demonstrativen Ereignissen ver\u00fcbt (2016: 170 Straftaten bzw. 61,6%); 29 Straftaten standen im Zusammenhang mit dem Kampf gegen den \"rechten\" Gegner. Dieses Thema begr\u00fcndete somit 15,2% aller Gewalt-delikte PMK-links-, ist aber im Vergleich zum Vorjahr deutlich zur\u00fcckgegangen (2016: 152 bzw. 55,1%). 96 Gewaltdelikte (2016: 142 Straftaten) richteten sich gegen Polizeikr\u00e4fte. 59 davon (61,5%) standen im Zusammenhang mit demonstrativen Ereignissen (2016: 115 Straftaten). Im Jahr 2017 wurden 77 Gewaltdelikte aufgekl\u00e4rt und somit 50 weniger als im Vorjahr (2016: 127 Straftaten). Auch die Aufkl\u00e4rungsquote sank auf 40,3% (2016: 46%). Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t-ausl\u00e4ndische IdeologieIm Jahr 2017 wurden 448 Straftaten im Bereich PMK-ausl\u00e4ndische Ideologiefestgestellt. Die Entwicklung der Fallzahlen in diesem Bereich wird grunds\u00e4tzlich von Ereignissen im Ausland gepr\u00e4gt. 196 Straftaten der PMK-ausl\u00e4ndische Ideologiekonnten polizeilich gekl\u00e4rt werden. Die Aufkl\u00e4rungsquote lag bei 43,8%. Insgesamt wurden 220 Tatverd\u00e4chtige ermittelt. Von diesen waren 198 Personen m\u00e4nnlich (90%) und 22 weiblich (10%). 123 dieser Personen (56%) waren zur Tatzeit zwischen 25 und 49 Jahre alt. 86 Personen (39,1%) waren bereits zuvor kriminalpolizeilich in Erscheinung getreten. Haupts\u00e4chliche Themenfelder waren \"Befreiungsbewegungen/Internationale Solidarit\u00e4t\" (301 Straftaten), \"Innenund Sicherheitspolitik\" (270 Straftaten) und \"Konfrontation/politische Einstellung\" (169 Straftaten). 16","Bei dem Themenfeld \"Konfrontation/politische Einstellung\" handelte es sich in den meisten F\u00e4llen (139 von 169 Straftaten) um Straftaten bei Auseinandersetzungen rivalisierender Ausl\u00e4nder. Ph\u00e4nomenologisch liegt der Schwerpunkt der Delikte im Bereich der PMK-ausl\u00e4ndische Ideologiebei K\u00f6rperverletzungsdelikten (106 Straf-taten), Verst\u00f6\u00dfen gegen das Vereinsgesetz (89 Straftaten), Verst\u00f6\u00dfen gegen das Versammlungsgesetz (68 Straftaten), Beleidigungen (53 Straftaten) und Sachbesch\u00e4digungen (51 Straftaten). 255 Delikte bzw. 56,9% der Straftaten im Bereich der PMK-ausl\u00e4ndische Ideologiewurden im Zusammenhang mit demonstrativen Ereignissen begangen. 285 Straftaten bzw. 63,6% wurden mit dem Befreiungskampf der mit einem Bet\u00e4tigungsverbot belegten PKK begr\u00fcndet. Gewaltkriminalit\u00e4t im Ph\u00e4nomen Bereich PMK-ausl\u00e4ndische IdeologieDie Anzahl der Gewaltdelikte der PMK-ausl\u00e4ndische Ideologielag bei 121 Straftaten. Mehrheitlich handelte es sich dabei um K\u00f6rperverletzungen (106 Straftaten). 103 Gewaltstraftaten wurden dem Unterthema \"PKK/Kurden\" zugeordnet. Darunter sind 90 K\u00f6rperverletzungsdelikte. Die K\u00f6rperverletzungs-delikte stehen zum Gro\u00dfteil im Zusammenhang mit demonstrativen Ereignissen, an denen sowohl t\u00fcrkische als auch kurdische Gruppen beteiligt waren. Allein 70 der 121 Gewaltstraftaten wurden am 04.11.2017 w\u00e4hrend einer Kurdendemonstration in D\u00fcsseldorf begangen. Die Aufkl\u00e4rungsquote bei den Gewaltdelikten der PMK-ausl\u00e4ndische Ideologieliegt mit 50 gekl\u00e4rten Straftaten bei 41,3%. Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t-religi\u00f6se Ideologie(vorher: \"Gef\u00e4hrdung durch den islamistischen Terrorismus\") Im Bereich PMK-religi\u00f6se Ideologiewurden 82 der registrierten126 Straftaten aufgekl\u00e4rt; das entspricht einer Aufkl\u00e4rungsquote von 65,1%. Die Anzahl der Gewaltdelikte im Bereich PMK-religi\u00f6se Ideologiebetrug 15, davon 13 im Themenfeld \"Islamismus/Fundamentalismus\". Neun dieser Straftaten, davon sieben im genannten Themenfeld, wurden aufgekl\u00e4rt (Aufkl\u00e4rungsquote: 60,0 bzw. 53,8%). Die Zahl der 2017 registrierten Straftaten im Themenfeld \"Islamismus/ Fundamentalismus\" betrug 121 Straftaten. Insgesamt 88 Tatverd\u00e4chtige wurden ermittelt: 81 M\u00e4nner (92,0%) und 7 Frauen (8,0%). 55 Tatverd\u00e4chtige waren zwischen 21 und 39 Jahre alt (62,5%). 12,5% hatten das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet und 3,4% waren 60 Jah-re oder \u00e4lter. Ein Tatverd\u00e4chtiger war noch im Kindsalter (1,1%). Die 21 jihadistisch motivierten Anschl\u00e4ge in Europa des Jahres 2017 waren \u00fcberwiegend durch ihre simple Tatbegehung unter Einsatz von Kraftfahrzeugen oder Messern als Tatmittel gepr\u00e4gt. Bei dem einzigen vollendeten Anschlag in Deutschland kam ein Passant durch eine Messerattacke am 28.07.2017 in einem Hamburger Super-markt ums Leben, sechs Personen wurden dabei verletzt. Die Entwicklung der jihadistischen Bedrohungslage in Deutschland im Berichtszeitraum war gepr\u00e4gt durch den weitest gehenden territorialen Verlust des Herrschaftsgebiets des IS im Herbst 2017 sowie die r\u00fcckl\u00e4ufige Propagandaaktivit\u00e4t mit direktem Bezug zu Deutschland. Vor diesem Hintergrund besteht f\u00fcr Nordrhein-Westfalen und die gesamte Bundesrepublik Deutschland weiterhin eine von Einzelt\u00e4tern und/oder Kleingruppen ausgehende, anhaltend hohe abstrakte Gefahr terroristischer Anschl\u00e4ge. Dar\u00fcber hinaus stellen zur\u00fcckkehrende Frauen und Kinder aus dem IS-Gebiet, die weiterhin der Ideologie verbunden sind, eine Herausforderung f\u00fcr Sicherheitsbeh\u00f6rden und die Gesellschaft dar. 17","PMK-ausl\u00e4ndische PMK -religi\u00f6se PMK-nicht PMK-rechtsPMK-linksPMKAusl\u00e4nder IdeologieIdeologie zuzuordnenDeliktsgruppen 2017 2017 2017 2017 (2016) 2017 T\u00f6tungsdelikte 2 (1) 1 (1) 1 0 (2) 0 (0) Brandund Sprengstoffdelikte 14 (32) 21 (22) 0 1 (5) 7 (4) Landfriedensbruchdelikte 0 (6) 12 (43) 6 0 (22) 0 (1) Gef\u00e4hrliche Eingriffe in den Bahn-, 1 (2) 28 (21) 1 0 (2) 5 (2) Schiffs-, Luftund Stra\u00dfenverkehr K\u00f6rperverletzungsdelikte 172 (312) 85 (150) 106 11 (151) 21 (13) Widerstandhandlungen 16 (19) 40 (34) 5 2 (19) 3 (0) Raub, Erpressung, 1 (9) 4 (5) 2 1 (4) 8 (1) Freiheitsberaubung Sexualdelikte 0 (0) 0 (0) 0 0 (0) 0 (0) Zwischensumme 206 (381) 191 (276) 121 15 (205) 44 (21) Bedrohungen, N\u00f6tigungen 47 (81) 30 (30) 19 25 (62) 29 (7) Sachbesch\u00e4digungen 313 (345) 619 (459) 51 11 (109) 412 (53) Propagandadelikte 2062 (2226) 29 (17) 13 4 (25) 165 (117) Volksverhetzungen 700 (894) 6 (2) 20 6 (31) 17 (7) St\u00f6rungen des \u00f6ffentlichen 16 (29) 5 (3) 5 16 (24) 8 (8) Friedens Beleidigungen 289 (438) 113 (116) 53 9 (100) 96 (56) Verst\u00f6\u00dfe gegen das VereinsG 0 (1) 0 (1) 89 4 (116) 0 (0) Verst\u00f6\u00dfe gegen das VersG 36 (172) 209 (589) 68 1 (90) 8 (10) Sonstige Straftaten 95 (133) 172 (83) 9 35 (99) 108 (29) 1374 Gesamt 3764 (4700) 448 126 (861) 887 (308) (1576) 18","Rechtsextremismus Eine seit 2015 bestehende Aufbruchsstimmung in der rechtsextremistischen Szene wird von der Hoffnung gen\u00e4hrt, \u00fcber die gesellschaftliche Diskussion zur Fl\u00fcchtlingspolitik Menschen f\u00fcr rechtsextremistische Organisationen gewinnen zu k\u00f6nnen. Die Szene realisiert mittlerweile, dass fremdenund islamfeindliche Argumentationsmuster im breiten Umfang Fu\u00df gefasst haben, sie selbst davon jedoch bislang nur in geringem Ma\u00dfe profitiert. Ein Teil der Szene reagiert darauf mit zunehmender Radikalisierung. Statt die Mitte der Gesellschaft f\u00fcr rechtsextremistische Positionen zu gewinnen, sollen vorrangig \u00fcberzeugte Rechtsextremisten best\u00e4rkt und mobilisiert werden. Programmatisch zeigt sich dies bei der Partei Die Rechte beispielsweise durch eine Aufnahme nationalsozialistischen Vokabulars in ihr Grundsatzprogramm. Organisatorisch schl\u00e4gt sich diese Entwicklung unter anderem bei der NPD nieder. Im Januar 2018 hat sich der radikalere Teil der Partei im \"v\u00f6lkischen Fl\u00fcgel\" organisiert. Eine verst\u00e4rkte Zusammenarbeit von Die Rechte und dem III. Weg mit teilweise militanten rechtsextremistischen Organisationen im Ausland ist ein weiteres Indiz f\u00fcr eine Radikalisierung. Zudem weisen rechtsextremistische Diskurse, insbesondere \u00fcber Fl\u00fcchtlinge, in diese Richtung. Die Szene diskutiert Endzeitund B\u00fcrgerkriegsszenarien sowie m\u00f6gliche Schritte einer Vorbereitung, beispielsweise mit Kampfsporttraining. Einige h\u00e4ufig virtuell entstehende Gruppierungen sehen eine vermeintliche Notwendigkeit, sich auf einen B\u00fcrgerkrieg vorzubereiten, als gemeinsame \"Klammer\" f\u00fcr ihre Aktivit\u00e4ten. Es findet zunehmend eine Verlagerung in die reale Welt statt, gelegentlich mit der Aufforderung, sich zu bewaffnen. Das Spektrum der Feinbilder reicht von Migranten \u00fcber vermeintlich linke Aktivisten bis zu Politikern. Es besteht die Gefahr, dass sich auf diesem N\u00e4hrboden rechtsterroristische Strukturen oder Einzelt\u00e4ter entwickeln. Ein anderer Teil der Szene, insbesondere die Neue Rechte, verfolgt das Ziel, die Stigmatisierung des Rechtsextremismus aufzubrechen und ihn zu entgrenzen. Es wird versucht, den politischen Diskurs nach \"Rechts\" zu verschieben und anschlussf\u00e4hig f\u00fcr die Mitte der Gesellschaft zu werden. Die Rechtsextremisten nutzen daf\u00fcr insbesondere Zeitschriften, Gruppen in sozialen Netzwerken sowie Online-Foren beispielsweise von Nachrichtenmagazinen. Die Identit\u00e4re Bewegung in Nordrhein-Westfalen versuchte verst\u00e4rkt mit mediengerechten Inszenierungen gefl\u00fcchtete Menschen pauschal als Bedrohung zu diskreditieren. Die Partei Pro Deutschland l\u00f6ste sich auf und rief ihre Mitglieder dazu auf, sich fortan in der AfD zu engagieren. Einige Akteure im rechtsextremistischen Spektrum hoffen, dass sich Erfolge der AfD positiv f\u00fcr den Rechtsextremismus auswirken. Im rechtsextremistischen Blog \"Gegenstrom\", in dem Strategieund Theoriedebatten gef\u00fchrt werden, schreibt ein Autor der AfD beispielsweise die Funktion eines \"T\u00fcr\u00f6ffners\" zu. Dies wird verbunden mit der Hoffnung, dass ihr Einzug in den Bundestag \"zur Resonanzraumerweiterung der m\u00f6glichen Meinungen, des Sagbaren f\u00fchren kann. [...]\". Weiter hei\u00dft es: \"Wir sind also nicht mehr l\u00e4nger nur Getriebene, sondern treiben die anderen vor uns her. Letztlich f\u00fchrt die Resonanzraumerweiterung dazu, dass auch die extreme Rechte eine bessere Ausgangsposition hat als es noch vor dem Auftreten der AfD der Fall war. [...] Die konservativen Rechten \u00f6ffnen die T\u00fcren, durch die die revolution\u00e4ren Rechten nur noch durchgehen m\u00fcssen.\" Eine \"Erlebniswelt Rechtsextremismus\" spricht gezielt Jugendliche und junge Erwachsene an. Sie zeichnet sich durch einen Mix aus Freizeitaktivit\u00e4ten, politischer Agitation und unterhaltenden Mitteln aus. Rechtsextremistische Veranstaltungen mit Musik nahmen 2017 in Nordrhein-Westfalen zu. Deutschlandweit fanden mehrfach Gro\u00dfveranstaltungen der rechtsextremistischen Musikszene mit \u00fcber tausend Teilnehmern statt. Daran nahmen rechtsextremistische Bands und Zuschauer aus Nordrhein-Westfalen teil. Reichsb\u00fcrger erkennen die Existenz der Bundesrepublik Deutschland nicht an. Sie versuchen weiterhin, die Handlungsf\u00e4higkeit des Staates zu l\u00e4hmen. Einige von ihnen besitzen ein erhebliches Gef\u00e4hrdungspotenzial. Der Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen konnte bisher rund 2.750 Anh\u00e4nger identifizieren (Stand: April 2018). Die Szene verbreitet ihre kruden Ansichten \u00fcber das Internet und motiviert zu entsprechenden Aktivit\u00e4ten. Repressive und pr\u00e4ventive Ma\u00dfnahmen des Staates zeigen erste Erfolge bei der Eind\u00e4mmung dieses Ph\u00e4nomens. 19","Die Namen und Bezeichnungen von Organisationen, Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten, bei denen zumindest gewichtige Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht f\u00fcr die in SS 3 Abs. 1 VSG NRW beschriebenen Merkmale vorliegen, sind zwischen den Zeichen \" und \" eingefasst. 20","NPD Sitz / Verbreitung Bundesverband: Berlin; Landesverband: Essen Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1964 (Bundesund Landesverband NRW) Struktur / Repr\u00e4sentanz Bundesvorsitzender: Frank Franz (seit 2014); Landesvorsitzender: Claus Cremer (seit Juni 2008); einstellige Zahl handlungsf\u00e4higer Kreisverb\u00e4nde; insgesamt 17 Ratsund Bezirksvertretungsmandate in Nordrhein-Westfalen Mitglieder / Anh\u00e4nger / Unterst\u00fctzer 2017 Bund: ca. 5.200 Land: ca. 500 Ver\u00f6ffentlichungen Publikationen: Zeitung des Bundesverbandes Deutsche Stimme (monatlich) als Printversion; Web-Angebote: mit den Seiten NPD.de oder NPD.nrw; fast alle Kreisverb\u00e4nde haben eigene Webseiten oder sind in den sozialen Netzwerken vertreten; BlickpunktTV auf einem Videoportal Kurzportrait / Ziele Die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) ist die \u00e4lteste aktive rechtsextremistische Partei. Die Partei will die Demokratie in Deutschland beseitigen und tritt f\u00fcr eine rassistische, antisemitische, revisionistische und fremdenfeindliche Ideologie ein. Vielfach bezieht sich die Partei dabei auf die Ideologie der NSDAP. Die Partei verfolgt ihre verfassungsfeindlichen Ziele auch in einer aggressiv-k\u00e4mpferischen Weise. Finanzierung Staatliche Parteienfinanzierung, Mitgliedsbeitr\u00e4ge und Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die NPD lehnt die freiheitliche Demokratie in Deutschland ab und will diese beseitigen. Dies betrifft wesentliche Prinzipien und Grundwerte unserer Verfassung. So negiert die Partei die tragenden Prinzipien des Grundgesetzes, insbesondere dass jeder Mensch als Individuum und ohne Vorbedingungen eine W\u00fcrde besitzt. Vielmehr spricht die NPD Menschen lediglich eine W\u00fcrde als Teil eines nationalen Kollektivs zu. Die von der NPD verfolgten politischen Ziele laufen auf einen autorit\u00e4ren Staat hinaus, in dem die Prinzipien der durch das Grundgesetz garantierten freiheitlichen demokratischen Grundordnung au\u00dfer Kraft gesetzt werden sollen. Stattdessen verfolgt die NPD eine rechtsextremistische Ideologie, die auf das Prinzip der \"Volksgemeinschaft\" baut und sich vor allem durch Fremdenfeindlichkeit und Rassismus auszeichnet. Eine solche \"Volksgemeinschaft\" definiert die Partei ausschlie\u00dflich nach ethnischen Kriterien. Alle B\u00fcrger, die diesen ethnischen Kriterien nicht gen\u00fcgen, will die Partei aus den demokratischen Prozessen ausschlie\u00dfen und damit entrechten. Das hei\u00dft, dass sie die Gleichheit aller Menschen als allgemeines Menschenrecht nach Art. 3 des Grundgesetzes ablehnt. Die Ablehnung von Ausl\u00e4ndern und Deutschen mit Migrationshintergrund begr\u00fcndet die NPD \"biologisch\". Was darunter zu verstehen ist, wird in einem \"Fragen und Antworten\"-Bereich auf ihrer Webseite erl\u00e4utert, wo es unter anderem zu den Fragen \"Wer ist denn Deutscher? Was versteht die NPD unter 'Volk'?\" hei\u00dft: \"L\u00e4ngst ist erwiesen, dass das Erbliche bei Einzelnen wie bei V\u00f6lkern und Rassen (als evolutionsbiologischen Lebensordnungen verwandter Menschen) gleicherma\u00dfen f\u00fcr die Ausbildung k\u00f6rperlicher wie nicht-k\u00f6rperlicher Merkmale 21","verantwortlich ist. Angeh\u00f6rige anderer Rassen bleiben deshalb k\u00f6rperlich, geistig und seelisch immer Fremdk\u00f6rper, gleich wie lange sie in Deutschland leben [...].\" Auch 2017 setzt die Partei ihre Hetze gegen Migranten und insbesondere gegen Muslime sowie Fl\u00fcchtlingen fort und sch\u00fcrte \u00c4ngste vor einer vermeintlichen \u00dcberfremdung. Indem die NPD den Islam mit Islamismus und Terrorismus gleichsetzt, zeichnet die Partei ein verzerrtes, negatives Bild der hier lebenden Muslime. Aber auch ihren \"traditionellen\" antisemitischen und revisionistischen Themen bleibt die NPD weiterhin treu. Dabei werden antisemitische \u00c4u\u00dferungen verbreitet, der Holocaust oder die Zahl der Opfer in Frage gestellt und die Schuld Deutschlands am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges geleugnet. Die NPD glorifiziert in Beitr\u00e4gen ihrer Parteizeitung \"Deutsche Stimme\" den historischen Nationalsozialismus und stellt sich selbst in die N\u00e4he zu rechtskr\u00e4ftig verurteilten Verbrechern des NS-Regimes. Angesichts der vielfachen Bez\u00fcge auf die Ideologie der NSDAP gibt es eine inhaltliche Wesensverwandtschaft der NPD mit dem Nationalsozialismus, die auch das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil vom 17. Januar 2017 feststellte. Die Partei verfolgt ihre verfassungsfeindlichen Ziele \u00fcberdies in einer aggressiv-k\u00e4mpferischen Weise. Dies zeigt nicht zuletzt ihre Zusammenarbeit mit gewaltbereiten Neonazis und Hooligans. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Am 17. Januar 2017 fand die Urteilsverk\u00fcndung im Verbotsverfahren gegen die NPD vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe statt. Das Gericht stellte die Verfassungsfeindlichkeit fest, weil die Partei nach ihren Zielen und dem Verhalten ihrer Anh\u00e4nger die Beseitigung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung anstrebe und auch auf \"eine Ersetzung der bestehenden Verfassungsordnung durch einen an der ethnischen 'Volksgemeinschaft' ausgerichteten autorit\u00e4ren 'Nationalstaat'\" aus sei. Laut Bundesverfassungsgericht missachte dieses politische Konzept die Menschenw\u00fcrde aller, die der ethnischen Volksgemeinschaft nicht angeh\u00f6ren und sei deshalb mit dem grundgesetzlichen Demokratieprinzip unvereinbar. Das Bundesverfassungsgericht wies den Antrag auf ein Verbot der NPD und ihrer Nebenorganisationen dennoch zur\u00fcck. Es begr\u00fcndete die Entscheidung folgenderma\u00dfen: letztlich fehle es \"jedoch an konkreten Anhaltspunkten von Gewicht, die es zumindest m\u00f6glich erscheinen lassen, dass dieses Handeln zum Erfolg f\u00fchrt.\" Das bedeutet, dass die Partei wegen fehlender Relevanz f\u00fcr die Stabilit\u00e4t der Demokratie in Deutschland nicht verboten wurde. Die NPD feierte den Verfahrensausgang in den sozialen Netzwerken unter anderem als \"Sieg f\u00fcr die Meinungsfreiheit\" mit dem Hinweis, \"zweifacher Verbotsverfahrenssieger\" zu sein. Die Jubelmeldungen der Partei wurden mit dem Versprechen \"Ab heute sind wir wieder voll da!\" flankiert. Letztere Ank\u00fcndigung konnte der Landesverband Nordrhein-Westfalen 2017 nicht einl\u00f6sen. Der nordrhein-westf\u00e4lische Landesvorsitzende Claus Cremer kommentierte das Urteil auf seinem Facebookprofil in v\u00f6lkischer Diktion: \"Dieser Tag wird als der Tag in die Geschichte eingehen, an dem sich die BRD nun auch \u00f6ffentlich und h\u00f6chstrichterlich zum volksfeindlichen Unrechtsstaat erkl\u00e4rt hat.\" Zudem verbreitete er ein Bildposting mit einer positiven Bezugnahme auf \"die Volksgemeinschaft\", der menschenverachtenden Gesellschaftsvorstellung der Nationalsozialisten: \"Die Volksgemeinschaft und der Volksbegriff bleiben zentrale S\u00e4ulen unserer Politik.\" Bei der Begr\u00fcndung des Urteils erw\u00e4hnte das Bundesverfassungsgericht, dass der Bundestag ein Gesetz erlassen k\u00f6nnte, mit dem verfassungsfeindliche Parteien von der staatlichen Finanzierung ausgeschlossen werden k\u00f6nnen. Dies griff der Bundestag auf und \u00e4nderte mit mehr als einer Zweidrittelmehrheit im Juni 2017 die gesetzlichen Regelungen. Die NPD begriff sofort, dass sie in naher Zukunft von dieser Neuregelung betroffen sein k\u00f6nnte und sprach in einem Kommentar, den sie unter anderem auf dem Facebookprofil der nordrhein-westf\u00e4lischen NPD ver\u00f6ffentlichte, von einer \"Lex NPD\". Der Bundesrat beschloss auf der Grundlage der neuen Regelungen am 2. Februar 2018, ein Verfahren beim Bundesverfassungsgericht einzuleiten, um die rechtsextremistische Partei von der staatlichen Parteienfinanzierung auszuschlie\u00dfen. Bundesparteitag Im M\u00e4rz 2017 fand der Bundesparteitag der NPD unter dem Motto \"Ja zu Volk und Heimat!\" statt. Auf diesem stellte sich der amtierende Bundesvorsitzende Frank Franz zur Wiederwahl, der bislang als Interimsl\u00f6sung f\u00fcr die Zeit des Verbotsverfahrens galt. In seiner Bewerbungsrede um den erneuten Parteivorsitz hob Franz hervor, die NPD sei niemals nur Wahlpartei, sondern stets auch \"Sammlungsbewegung und Bewegung an sich\" gewesen und 22","habe sich dabei als \"Speerspitze des nationalistischen Kampfes f\u00fcr die Freiheit des deutschen Volkes\" verstanden. Zentraler Gr\u00fcndungsgedanke sei die Idee, alle Kr\u00e4fte zu sammeln, die f\u00fcr \"ein freies und souver\u00e4nes und v\u00f6lkisches Deutschland\" st\u00fcnden. Der zweite Bewerber war Thorsten Heise, in den der neonazistische Fl\u00fcgel der Partei gro\u00dfe Hoffnungen setzte. Franz, der als f\u00fchrungsschwach gilt, konnte die Wahl mit lediglich 60 Prozent der Stimmen gewinnen, was seine F\u00fchrungsprobleme vergr\u00f6\u00dfern d\u00fcrfte. Heise wurde zu seinem Stellvertreter gew\u00e4hlt. Er ist in der Neonaziszene national und international gut vernetzt. Dessen Wahl l\u00e4sst erkennen, dass nach dem Abschluss des Verbotsverfahrens die radikaleren Kr\u00e4fte in der Partei ihre zuletzt an den Tag gelegte Zur\u00fcckhaltung aufgeben. Landtags-, Bundestagsund Duisburger Oberb\u00fcrgermeisterwahl F\u00fcr die NPD in Nordrhein-Westfalen begann unmittelbar nach der Urteilsverk\u00fcndung die Vorbereitung auf den Landtagswahlkampf. Hierbei war das Sammeln von Unterst\u00fctzungsunterschriften, um zur Teilnahme an der Wahl zugelassen zu werden, von immenser Bedeutung f\u00fcr die Partei. Der Landesverband hatte dabei erhebliche Schwierigkeiten. Offenbar verweigerten Teile der NPD dem Landesvorsitzenden die Gefolgschaft und beteiligten sich nicht an der Sammlung. Einige Male zeigte deshalb die NPD-\"Parteiprominenz\" aus Berlin Pr\u00e4senz und Einsatz an der Basis und nahm an Aktionen teil, bei denen man um Unterschriften warb. Anfang Februar 2017 beteiligte sich unter anderem der Bundesvorsitzende der NPD in Duisburg an sogenannten \"B\u00fcrgergespr\u00e4chen\". Dieser Umstand zeigt, dass der Landesverband trotz seiner internen Konflikte eine strategische Bedeutung f\u00fcr die Bundespartei besitzt. Im Landtagswahlkampf agitierte die Partei vor allen gegen Fl\u00fcchtlinge und Muslime. Migranten stellt die NPD ausschlie\u00dflich negativ dar. So versuchte der Landesvorsitzende im Wahlwerbespot, Migranten als Bedrohung zu charakterisieren: \"Entweder eine multikriminelle Gesellschaft oder eine deutsche Zukunft f\u00fcr unsere Kinder.\" Mit einem LKW mit Lautsprecheranlage tourte der Landesverband durch verschiedene St\u00e4dte, um f\u00fcr sich zu werben. In der Regel nahm von diesen Kundgebungen kaum jemand Notiz. Bei der Landtagswahl erzielte die NPD mit 0,3 Prozent ein sehr schwaches Ergebnis (2012 erzielte sie 0,5 Prozent, 2009 0,7 Prozent und 2005 0,9 Prozent). Um f\u00fcr ihre W\u00e4hlerstimmen Mittel aus der Parteienfinanzierung zu erhalten, h\u00e4tte sie bei der Landtagswahl mindestens 1,0 Prozent erreichen m\u00fcssen, was die NPD deutlich verfehlte. Bei der Sammlung von Unterst\u00fctzungsunterschriften f\u00fcr die Bundestagswahl war man auf die Hilfe des Dortmunder Kreisverbandes von Die Rechte angewiesen, der Unterschriften sammelte, obwohl NPD und Die Rechte als Konkurrenten anzusehen sind. Im Wahlkampf setzte die NPD vor allem auf fl\u00fcchtlingsund islamfeindliche Propaganda. Beispielsweise verbreitete sie auf ihren Facebook-Profilen das Bild von einem Schlauchboot mit vermeintlichen Fl\u00fcchtlingen und schrieb dazu den zynischen Spruch: \"Wir lassen die Luft raus\". In abgesetzter Schrift folgte der Zusatz \"Aus der Asylpolitik\". Die Spitzenkandidatin des Landesverbandes posierte auf einem Bild mit der Aussage \"Nation oder Islam\". Mit dieser plakativen Gegen\u00fcberstellung meint die NPD, dass Muslime keine Deutsche sein k\u00f6nnen, was auf deren Ausgrenzung und Entrechtung hinausl\u00e4uft. F\u00fcr den Bundesverband der NPD war der Antritt in Nordrhein-Westfalen wegen der hohen Einwohnerzahl f\u00fcr das Abschneiden der Partei im Bund enorm wichtig. Zwar gelang der bundesweite Wahlantritt, mit 0,4 Prozent der W\u00e4hlerstimmen verfehlte sie jedoch ihr Wahlziel von mindestens 0,5 Prozent. Und damit den Stimmenanteil, der f\u00fcr Mittel aus der staatlichen Parteienfinanzierung erforderlich gewesen w\u00e4re. Zeitgleich mit der Bundestagswahl fand am 24. September 2017 die Oberb\u00fcrgermeisterwahl in Duisburg statt. Dazu trat die NPD-Ratsfrau im Duisburger Stadtrat als Kandidatin an. In einem Interview zur Vorstellung ihrer Positionen bewirbt sie die NPD als \"einzige bekennende v\u00f6lkische Kraft im Duisburger Rathaus\". Sie erreichte 3,35 Prozent der abgegebenen Stimmen. Seit dem Erstarken der AfD in der deutschen Parteienlandschaft behauptet die NPD, ihre langj\u00e4hrigen Themen w\u00fcrden ihr gestohlen. Damit versuchen die Parteistrategen, die schlechten Wahlergebnisse zu erkl\u00e4ren. So schrieb der Bundesvorstand der NPD einen Tag nach der Bundestagswahl in seiner Wahlanalyse folgendes: \"Die AfD hat alles aufgesogen, was m\u00f6glich war, weil es momentan eben angesagt ist, bei dem vor allem auch von den Medien inszenierten 'Hype' dabei zu sein. [...] Die Hauptkonkurrenten der NPD im Kampf um W\u00e4hlerstimmen sind die AfD und die Linke, was die gestrige Bundestagswahl deutlich vor Augen gef\u00fchrt hat.\" Allerdings ist die anhaltende F\u00fchrungsschw\u00e4che und Spaltung der Partei insbesondere auf Landesebene in Nordrhein-Westfalen ein weiterer wesentlicher Grund f\u00fcr ihre schlechten Resultate. 23","Kommunale Verankerung Die NPD verf\u00fcgt \u00fcber 17 Mandate in kommunalen R\u00e4ten und Bezirksvertretungen. Ihre Aktivit\u00e4ten beschr\u00e4nken sich dort auf den Versuch, \u00f6ffentlichkeitswirksam Antr\u00e4ge und Anfragen zu stellen. Dies gilt insbesondere f\u00fcr die gemeinsame Ratsgruppe von NPD und Die Rechte im Dortmunder Stadtrat. Gelegentlich ergreifen die Mandatstr\u00e4ger in den Sitzungen auch das Wort. So nutzte die Duisburger Ratsfrau der NPD ihre Redezeit zur Haushaltsdebatte im November 2017, um Ressentiments \u00fcber Migranten zu verbreiten und Sozialneid zu sch\u00fcren: \"Die Lebensqualit\u00e4t der einheimischen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger w\u00e4re sicher steigerungsf\u00e4hig, aber hier in der Multikultihauptstadt Duisburg liegt der Schwerpunkt auf der Unterst\u00fctzung, der F\u00f6rderung und auf von vorneherein zum Scheitern verurteiltenIntegrationsbem\u00fchungen f\u00fcr ungeladene G\u00e4ste.\" Letztlich machen nach Aussagen der NPD-Mitglieder Sitzungsgelder und Aufwandspauschalen die Teilnahme an den Kommunalr\u00e4ten f\u00fcr die NPD attraktiv. \u00d6ffentlich wahrnehmbar waren 2017 lediglich drei Kreisverb\u00e4nde: Duisburg, Bochum und Unna. Letzterer kooperierte eng mit den Kreisverb\u00e4nden der Partei Die Rechte in Hamm und Dortmund. Aktivit\u00e4ten anderer Kreisverb\u00e4nde steuert oftmals der Landesverband und verbreitet diese in den sozialen Netzwerken. Virtuelle \u00d6ffentlichkeitsarbeit Der NPD-Landesverband Nordrhein-Westfalen hat 2017 seine virtuellen Aktivit\u00e4ten verst\u00e4rkt. Seit April betreibt er eine Webseite. Zudem ver\u00f6ffentlicht er seit 2017 auch Videos auf einem eigenen Youtube-Kanal. Das Facebookprofil der NPD Nordrhein-Westfalen weist rund 8.500 Abonnenten auf. Damit erreicht es ein Vielfaches ihrer Mitgliederzahl, die bei ca. 500 liegt. Einzelne Kreisverb\u00e4nde, die kaum \u00f6ffentlich in der Realwelt in Erscheinung treten, sind virtuell hoch aktiv. Beispielsweise ver\u00f6ffentlicht der Oberhausener Kreisverband t\u00e4glich mehrfach Kommentare zu verlinkten Nachrichten, die in die rechtsextremistische Weltsicht passen. Interne Veranstaltungen Mehrfach f\u00fchrte die NPD in Nordrhein-Westfalen Vortragsveranstaltungen zu politischen Themen durch. Beispielsweise fand in der Essener Landesgesch\u00e4ftsstelle am 28. Oktober 2017 eine Veranstaltung zum Thema \"Gendermainstreaming und Fr\u00fchsexualisierung\" statt. Dort referierte die stellvertretende Bundesvorsitzende der NPD-Frauenorganisation \"Ring Nationaler Frauen\" (RNF) und sprach vom \"lebensrichtigen Menschenbild des Nationalismus\". Am 6. und 7. Oktober 2017 trat ein Mitglied des Bundesvorstandes in den Kreisverb\u00e4nden Oberhausen und Unna/ Hamm auf, um \u00fcber die Lage der Partei nach der Bundestagswahl zu sprechen. Der Kreisverband Unna/ Hamm f\u00fchrte die Veranstaltung gemeinsam mit dem Dortmunder Kreisverband von Die Rechte durch. Ferner f\u00fchrte der NPD-Landesverband am Volkstrauertag ein sogenanntes \"Heldengedenken\" in DortmundHohensyburg durch. In der Absicht Geschichte umzudeuten, steht statt Totengedenken die Heldenverehrung im Mittelpunkt. Damit kn\u00fcpft die NPD an die Erinnerungspolitik der NSDAP an, die den Volkstrauertag der Weimarer Republik in einen \"Heldengedenktag\" umbenannte und f\u00fcr eine nationalistische und militaristische Propaganda zu instrumentalisieren. Demonstrationen und Kundgebungen Neben vereinzelten Infost\u00e4nden ist die 1.-Mai-Demonstration ein H\u00f6hepunkt im NPD-Kalender. In ihrem Demonstrationsaufruf betont die Partei ihre Gegnerschaft zur freiheitlich demokratischen Grundordnung: \"Auch am Arbeiterkampftag 2017 gilt es, zu unterstreichen, dass es Alternativen zur bestehenden politischen Ordnung gibt.\" Vor allem agitierte sie auf der Veranstaltung gegen Fl\u00fcchtlinge. So skandierten die Teilnehmer mehrfach: \"An Ruhr und Rhein kein Asylantenheim\". In schriller Revolutionsrhetorik forderte auf der Kundgebung der \"Bundesorganisationsleiter\" der NPD, Sebastian Schmidtke, in seiner Rede zum Umsturz auf: \"Das deutsche Volk hat einmal geschafft ein Unrechtssystem wegzujagen und das deutsche Volk wird es wieder schaffen, mit Demonstrationen die Verr\u00e4ter unseres Volkes davonzujagen, um endlich wieder Deutschland das Land der Deutschen werden zu lassen.\" Zum wiederholten Male ben\u00f6tigte die NPD den Schulterschluss mit der eigentlichen politischen Konkurrenz am rechten Rand, der Partei Die Rechte, um eine dreistellige Zahl von Demonstrationsteilnehmern zu erzielen. F\u00fcr den Landesvorsitzenden war es eine Dem\u00fctigung, dass der frisch gew\u00e4hlte stellvertretende Bundesvorsitzende Thorsten Heise an der durch Cremer organisierten Demonstration in 24","Essen fernblieb und am gleichen Tag an einer anderen Veranstaltung teilnahm, die die Partei Die Rechte in Dortmund durchf\u00fchrte. Nachdem Pegida-NRW mit einem neuen Organisationsteam am 6. November 2017 seine 82. Versammlung in Duisburg durchf\u00fchrte, zeigte man sich offen f\u00fcr die Teilnahme der NPD. Vertreter der Partei marschierten mit einem Banner mit. Da Pegida-NRW seine Aktivit\u00e4ten wieder einstellte, war diese Kooperation indes nur von kurzer Dauer. Der Landesverband beteiligte sich mit einer Delegation an der Veranstaltung \"Tag der deutschen Zukunft\" (TddZ), die am 3. Juni 2017 in Karlsruhe stattfand. Dabei handelt es sich um eine j\u00e4hrlich in einer anderen deutschen Stadt stattfindende rechtsextremistische Demonstration, die von Neonazis gepr\u00e4gt wird. Der nordrhein-westf\u00e4lische Landesvorsitzende der NPD begr\u00fcndete die Zusammenarbeit mit der neonazistischen Szene mit rechtsextremistischen Untergangsszenarien: \"Gerade der planm\u00e4\u00dfige Austausch unseres Volkes und die planm\u00e4\u00dfige \u00dcberflutung unseres Landes mit fremdl\u00e4ndischen Einfl\u00fcssen macht es wichtig, ein organisationsund partei\u00fcbergreifendes Zeichen zu setzen.\" Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die NPD ist eine verfassungsfeindliche Partei. Der derzeitige Landesvorstand befindet sich in einer andauernden F\u00fchrungskrise. Ein Neuanfang ist vorerst nicht wahrscheinlich, da sich keine innerparteiliche Konkurrenz aufdr\u00e4ngt. Im Bundesvorstand wurde durch die Wahl Heises der offen neonazistisch agierende Fl\u00fcgel gest\u00e4rkt. Innerhalb des nordrhein-westf\u00e4lischen Landesverbandes scheinen die radikaleren Kr\u00e4fte nicht stark genug zu sein, um einen Wechsel in der F\u00fchrung herbeizuf\u00fchren. Ambivalent bleibt das Verh\u00e4ltnis zur Neonazi-Szene, welches zwischen Kooperation und Konflikt schwankt. Neben den hausgemachten Problemen sieht die NPD auch die AfD zunehmend als ernste Konkurrenz. So schreibt der Bundesvorstand in seiner Wahlanalyse zur Bundestagswahl: \"[...] zuallererst bedanken wir uns allen W\u00e4hlern, die trotz der medialen Allgegenw\u00e4rtigkeit der AfD ihr Kreuz bei der NPD gesetzt und damit uns Nationaldemokraten ihr Vertrauen ausgesprochen haben.\". Zudem folgt der Verunsicherung etlicher Parteimitglieder durch das abgeschlossene Verbotsverfahren nun die Verunsicherung wegen der m\u00f6glichen Entziehung staatlicher Gelder. 25","Pro NRW Sitz / Verbreitung D\u00fcsseldorf (faktisch Leverkusen) Gr\u00fcndung / Bestehen seit 2007 Struktur / Repr\u00e4sentanz Vorsitzender der Partei Pro NRW ist seit Gr\u00fcndung Markus Beisicht; Gliederung in acht Bezirksverb\u00e4nde mit vorgeblich 53 angeschlossenen Kreisverb\u00e4nden; nur in drei Kommunen nennenswerte Aktivit\u00e4ten; 23 Mandate in kommunalen R\u00e4ten und Bezirksvertretungen Mitglieder / Anh\u00e4nger / Unterst\u00fctzer 2017 circa 400 (Tendenz weiterhin r\u00fcckl\u00e4ufig) Ver\u00f6ffentlichungen / Publikationen: Als Informationsund Werbemedium dient die im Flugblattformat vertriebene Publikation NRW UNZENSIERT - Zeitung der B\u00fcrgerbewegung Pro NRW. Anlassbezogen erscheinen dar\u00fcber hinaus Flugund Faltbl\u00e4tter. Web-Angebote: eigene Webseiten sowie Profile in den sozialen Netzwerken Kurzportrait / Ziele Pro NRW ist der Versuch einer landesweiten Ausdehnung der zun\u00e4chst lokalen Organisation von Pro K\u00f6ln mit identischen inhaltlichen Ans\u00e4tzen, gleichgelagerter Strategie und - bis zum Zeitpunkt des internen Zerw\u00fcrfnisses im Jahr 2015 - auch teilweise gleichem F\u00fchrungspersonal. Der Vorsitzende und ein Teil des Vorstandes von Pro NRW stammen aus rechtsextremistischen Parteien oder Organisationen. Die Partei versucht sich \u00fcberwiegend b\u00fcrgerlich zu inszenieren. Inhaltlich vertritt sie jedoch dezidiert fremdenfeindliche und islamfeindliche Positionen, diffamiert Migranten und sch\u00fcrt \u00c4ngste vor ihnen, insbesondere vor Muslimen und Fl\u00fcchtlingen. Finanzierung Mitgliedsbeitr\u00e4ge, Spenden und staatliche Zuwendungen an Gruppen und Fraktionen in Kommunalvertretungen Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die Partei Pro NRW missachtet mit ihren Aussagen und Forderungen die im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechte, insbesondere die Menschenw\u00fcrde und das Diskriminierungsverbot. Sie vermittelt ein negatives Menschenbild \u00fcber bestimmte Minderheiten, welches ausschlie\u00dflich an deren Nationalit\u00e4t, Religions-, Staatsoder ethnischen Zugeh\u00f6rigkeit ankn\u00fcpft. Insbesondere Muslime, Sinti und Roma sowie Fl\u00fcchtlinge werden als unerw\u00fcnschte, nicht integrierbare Menschen zweiter Klasse dargestellt. Dabei greifen sowohl Wortwahl als auch die Argumentationsmuster die Menschenw\u00fcrde an und sind deshalb nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Fl\u00fcchtlinge bezeichnet die Partei mitunter auch als \"Invasoren\". Eine derartige Kriegsrhetorik zielt darauf ab, Fl\u00fcchtlinge zu diffamieren und Menschenrechte zu delegitimieren. Letztlich tragen derartige Freund-Feind-Bilder dazu bei, \u00dcbergriffe auf Fl\u00fcchtlinge als vermeintliche Notwehr erscheinen zu lassen. Die Partei-Funktion\u00e4re unterscheiden bewusst nicht zwischen dem Islam als Religion und dem Islamismus als extremistischer Str\u00f6mung, sondern stellen Musliminnen und Muslime pauschal als potenzielle Gefahr f\u00fcr die Gesellschaft dar, um ihnen das Grundrecht auf Religionsfreiheit einzuschr\u00e4nken. 26","Gerichte best\u00e4tigten mehrfach, dass Pro NRW zu Recht in den Verfassungsschutzberichten als rechtsextremistische Partei aufgef\u00fchrt wird. Zuletzt stellte das Verwaltungsgericht Berlin am 21. Januar 2016 fest, dass der Verfassungsschutzbericht des Bundes rechtm\u00e4\u00dfig Pro NRW als rechtsextremistische Bestrebung auff\u00fchrt. Denn die Partei habe \"im Berichtszeitraum Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung betrieben\" (VG 1 K 255.13). Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Im Jahr 2017 legte die Partei Pro NRW ihren Schwerpunkt wie in den vorangegangen Jahren vor allem auf eine fl\u00fcchtlingsund islamfeindliche Agitation. Fortw\u00e4hrend diskreditierte sie Fl\u00fcchtlinge mittels gezielter Kampagnen und entsprechender Slogans, indem sie sie pauschal negativ als Kriminelle, Gewaltt\u00e4ter und \"Sozialschmarotzer\" darstellte und damit Ressentiments gegen diese Bev\u00f6lkerungsgruppe sch\u00fcrte. Die Partei ging auf eine \u00f6ffentlich diskutierte Aussage des AfD-Politikers Alexander Gauland ein, der \u00fcber die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan \u00d6zuguz, sagte: \"...wir werden sie dann auch, Gott sei Dank, in Anatolien entsorgen k\u00f6nnen\". Nachdem der damalige AfD-Landesvorsitzende von Nordrhein-Westfalen Marcus Pretzell diese Aussage kritisierte, kommentierte dies Pro NRW am 28. August 2017 auf ihrem Facebookprofil in v\u00f6lkisch-nationalistischer Diktion: \"Wenn Pretzell sich gegen die R\u00fcckkehr der Frau \u00d6zoguz (und ihres famili\u00e4ren Umfeldes aus Salafisten) nach Anatolien ausspricht, weil der Dame irgendwann einmal ein Plastikk\u00e4rtchen \u00fcberreicht wurde, das sie zur BRDB\u00fcrgerin bef\u00f6rdert, negiert er zugleich die Illegitimit\u00e4t der zahllosen anderen Einb\u00fcrgerungen von Herrschaften aus Anatolien, dem Kongo und Taka-Tuka-Land. W\u00fcrde man diese als rechtm\u00e4\u00dfig und nicht als in toto nichtig betrachten, w\u00e4re es auch dann nicht mehr m\u00f6glich, den Merkeldeutschen wieder den Laufpa\u00df zu geben, wenn die Herrschaft der Deutschlandfeinde einmal beendet ist. Auch ein Herr Pretzell sollte wissen, da\u00df man niemandem per Dekret oder Aush\u00e4ndigung eines Ausweises eine andere Identit\u00e4t bzw. Volkszugeh\u00f6rigkeit zuschanzen kann. Man ist, was man ist, egal ob man Meier, M\u00fcller, Schulze oder eben \u00d6zuguz hei\u00dft. Auch wenn man als Meier in Ankara oder \u00d6zuguz in Hamburg geboren ist.\" Die seit dem Spaltungsprozess innerhalb der Pro Bewegung 2015 zu beobachtende Zusammenarbeit von Pro NRW mit Personen aus der neonazistischen Szene sowie Aktivisten der NPD setzte sich auch im Jahr 2017 fort. So lud man zum Neujahrsempfang im Januar 2017 den in der Szene popul\u00e4ren rechtsextremistischen Liedermacher Frank Rennicke ein. Die NPD stellte Rennicke in den Jahren 2009 und 2010 als Kandidaten f\u00fcr das Amt des Bundespr\u00e4sidenten auf. Trotz der \u00d6ffnung der Partei f\u00fcr die neonazistische und subkulturelle rechtsextremistische Szene verliert sie an Einfluss und Bedeutung ausgehend von einem ohnehin niedrigem Niveau. Zudem hat sie durch die Strategie der \u00d6ffnung das urspr\u00fcnglich anvisierte b\u00fcrgerliche Milieu verschreckt. In der Eigendarstellung versucht Pro NRW mitunter den Eindruck zu vermitteln, \u00fcber regional fl\u00e4chendeckende Strukturen zu verf\u00fcgen. Der fortschreitende Bedeutungsverlust der Organisation schl\u00e4gt sich jedoch in der geringen kommunalen Pr\u00e4senz vor Ort nieder, die urspr\u00fcnglich das wesentliche Agitationsfeld von Pro NRW war. Im Januar 2017 legte auch der Bonner Kreisvorsitzende sein Ratsmandat nieder. Nach vielen Austritten verblieben der Partei noch 23 Mandate in kommunalen R\u00e4ten und Bezirksvertretungen. Allerdings sind nur wenige Vertreter in den R\u00e4ten tats\u00e4chlich aktiv und nutzen diese gelegentlich als Plattform f\u00fcr \u00f6ffentlichkeitswirksame Propaganda. Tats\u00e4chliche Sacharbeit vor Ort findet kaum statt. Pro NRW versuchte die sexuellen \u00dcbergriffe in der Silvesternacht 2015/2016 in K\u00f6ln f\u00fcr ihre fremdenfeindliche Propaganda zu instrumentalisieren. So f\u00fchrte die Partei am 07. Januar 2017 zusammen mit weiteren Akteuren eine Demonstration in K\u00f6ln mit dem Motto \"Kein Vergeben - kein Vergessen! Ein Jahr nach dem SexPogrom/K\u00f6ln\" durch. Es erfolgte ein Gang durch die Innenstadt mit mehreren Kundgebungen. Diese Veranstaltung stie\u00df nur auf geringen Zuspruch und konnte erneut bei weitem nicht die Teilnehmerzahl mobilisieren, die Pro NRW im Vorfeld angek\u00fcndigt hat. Im April 2017 k\u00fcndigte Pro NRW an, an der Duisburger Oberb\u00fcrgermeister-Wahl mit einem Kandidaten teilzunehmen und \"einen provokanten kurzen Wahlkampf mit Schwerpunktkampagnen in den multikulturellen 27","Brennpunkten\" zu f\u00fchren. Es sollte unter anderem eine Kundgebung unter dem Motto \"Keine rechtsfreien R\u00e4ume in Duisburg-Marxloh - Migrantengewalt stoppen\" stattfinden. Jedoch setzte die Partei diese Ank\u00fcndigungen nicht um und stellte keinen Kandidaten auf. Mit Blick auf die Landtagswahl 2017 in Nordrhein-Westfalen sprach Pro NRW noch im M\u00e4rz 2016 davon, eine Kooperation unter anderem mit der AfD zu suchen. Sollte diese nicht zustande kommen, werde \"es selbstverst\u00e4ndlich eine eigenst\u00e4ndige Pro NRW-Kandidatur zur Landtagswahl 2017 geben.\" Die AfD hingegen lehnte eine Zusammenarbeit ab. Im September 2016 erkl\u00e4rte dann der Pro NRW-Vorsitzende Markus Beisicht, \"sich nun strategisch auf die Kommunalpolitik zu konzentrieren\", da die AfD das anvisierte W\u00e4hlerspektrum bei Bundesund Landtagswahlen bereits erfolgreich anspreche. Pro NRW trat nicht zur Landtagswahl 2017 an. Auf dem Parteitag am 27. Oktober 2017 w\u00e4hlten die Mitglieder erneut den Parteigr\u00fcnder Markus Beisicht zum Parteivorsitzenden. F\u00fcr 2018 gab die Partei bekannt, dass sie eine islamfeindliche Veranstaltungsserie unter dem Titel \"Freiheit statt Islam\" durchf\u00fchren will. Dabei setzt sie den Islam mit islamistischen Auspr\u00e4gungen gleich. Denn sie erl\u00e4utert, dass das Ziel der Kampagne sei, \"gegen die islamistische Landnahme [zu] k\u00e4mpfen\". Zur Europawahl 2019 beabsichtigt Pro NRW, \"gemeinsam mit anderen seri\u00f6sen patriotischen und islamkritischen Plattformen mit einer Anti-Islam-Liste\" und der Erwartungshaltung anzutreten, \"mit einem sehr provokanten islamkritischen Profil hier mehr als ein Achtungserfolg erzielen zu k\u00f6nnen.\" Bislang ist nicht zu erkennen, welche Organisationen mit Pro NRW kooperieren k\u00f6nnten. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die Partei Pro NRW setzt weiterhin ihren Schwerpunkt auf fremdenfeindliche, insbesondere fl\u00fcchtlingsund islamfeindliche Kampagnen. Gepr\u00e4gt durch interne Auseinandersetzungen, pers\u00f6nliche Anfeindungen, Mitgliederschwund und strukturelle Erfolglosigkeit verf\u00fcgt Pro NRW heute nur noch \u00fcber eine geringe Aktionsf\u00e4higkeit. Die offen zutage tretende Konkurrenz zwischen Pro NRW, Pro K\u00f6ln und Pro Deutschland (bis zu deren Aufl\u00f6sung am 11. November 2017) bei inhaltlich nahezu identischer Ausrichtung f\u00fchrt sowohl zu einer Zersplitterung der rechtsextremistischen Parteienlandschaft in Nordrhein-Westfalen als auch zur Irritation in der identischen Zielgruppe. Die Absage, an den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen 2017 teilzunehmen, war somit auch ein Ausdruck der fortschreitenden existenziellen Krise von Pro NRW. 28","Pro K\u00f6ln Sitz / Verbreitung K\u00f6ln Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1996 Struktur / Repr\u00e4sentanz Vorsitzender von Pro K\u00f6ln ist seit 2014 Michael Gabel; der Verein ist nur in K\u00f6ln aktiv; als Gruppe im Stadtrat mit zwei Mandaten und f\u00fcnf Mandaten in Bezirksvertretungen Mitglieder / Anh\u00e4nger / Unterst\u00fctzer 2017 circa 200 Mitglieder (Tendenz weiterhin r\u00fcckl\u00e4ufig) Ver\u00f6ffentlichungen Publikationen: K\u00d6LN UNZENSIERT - vormals \"Fraktionszeitung K\u00d6LN UNZENSIERT\", Web-Angebote: eigene Webseiten sowie Profile in den sozialen Netzwerken Kurzportrait / Ziele Pro K\u00f6ln entstand 1996 im Wesentlichen auf Betreiben von langj\u00e4hrig aktiven Rechtsextremisten. Im Stadtrat ist sie als Ratsgruppe mit zwei Mandatstr\u00e4gern vertreten. Pro K\u00f6ln versucht sich \u00fcberwiegend b\u00fcrgerlich zu inszenieren. Inhaltlich vertritt die Organisation dezidiert fremdenfeindliche und islamfeindliche Positionen, diffamiert Migranten, insbesondere Fl\u00fcchtlinge, und sch\u00fcrt \u00c4ngste vor ihnen. Pro K\u00f6ln versucht in der Gesellschaft diskutierte Themen zu nutzen, um eigene rechtsextremistische Sichtweisen und Forderungen in die Mitte der Gesellschaft zu verbreiten. Finanzierung Mitgliedsbeitr\u00e4ge, Spenden und staatliche Zuwendungen an die Gruppe im K\u00f6lner Stadtrat Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Pro K\u00f6ln missachtet mit seinen Aussagen und Forderungen die im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechte, insbesondere die Menschenw\u00fcrde und das Diskriminierungsverbot. Der Verein vermittelt ein negatives Menschenbild \u00fcber bestimmte Minderheiten, welches ausschlie\u00dflich an deren Nationalit\u00e4t, Religions-, Staatsoder ethnischen Zugeh\u00f6rigkeit ankn\u00fcpft. Eine differenzierte Betrachtung, die andere Aspekte einbezieht, blendet er dabei aus. Mit dieser Art der Darstellung sch\u00fcrt Pro K\u00f6ln Ablehnung und versucht, \u00c4ngste in Teilen der Bev\u00f6lkerung aufzugreifen und zu instrumentalisieren. Eine besondere Form der Fremdenfeindlichkeit stellt die Islamfeindlichkeit dar. So verbreitet Pro K\u00f6ln seit Bestehen \u00f6ffentlichkeitswirksam Vorurteile \u00fcber Muslime, um \u00c4ngste zu wecken oder zu verst\u00e4rken. Er unterscheidet dabei bewusst nicht zwischen dem Islam als Religion und dem Islamismus als extremistischer Str\u00f6mung. Die diskreditierende Gleichsetzung zielt darauf ab, eine Glaubensgemeinschaft pauschal f\u00fcr eine Vielzahl gesellschaftlicher Missst\u00e4nde und Fehlentwicklungen verantwortlich zu machen und sie als Bedrohung darzustellen. Beispielsweise postete der Verein am 18. August 2017 auf seinem Facebookprofil folgendes Statement: \"Nachdem linke Multikultiphantasten den Islam in Europa ansiedeln wollen und es nun Anschl\u00e4ge am laufenden Band gibt (es gab gestern gleich noch einen zweiten Anschlag in Spanien), hilft vielleicht nur noch Schweineblut.\" 29","Das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen best\u00e4tigte mit einem Beschluss vom 21. Februar 2014 eine vorhergehende Entscheidung des Verwaltungsgerichtes D\u00fcsseldorf, wonach die Nennung von Pro K\u00f6ln im Verfassungsschutzbericht rechtm\u00e4\u00dfig ist. \"Es hat aus den im Urteil wiedergegebenen Verlautbarungen und Aktivit\u00e4ten des Kl\u00e4gers bzw. seiner Funktion\u00e4re rechtsfehlerfrei auf den Verdacht einer gegen die im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechte versto\u00dfenden ausl\u00e4nderfeindlichen Ausrichtung und auch im \u00dcbrigen verfassungswidriger Bestrebungen des Kl\u00e4gers geschlossen.\" Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Auch im Jahr 2017 legte Pro K\u00f6ln seinen Schwerpunkt auf eine fl\u00fcchtlingsund islamfeindliche Politik. Der Verein instrumentalisierte wiederholt die \u00dcbergriffe in der Silvesternacht 2015/2016 am K\u00f6lner Hauptbahnhof, um Fl\u00fcchtlinge pauschal zu diskreditieren und sie als Feindbild darzustellen. Nach der Spaltung von Pro NRW im Jahr 2015 b\u00fc\u00dfte der Verein zunehmend an Handlungsf\u00e4higkeit ein, weil Mitglieder die Organisation verlie\u00dfen oder demotiviert ihre Aktivit\u00e4ten einstellten. Insofern gab es 2017 nur vereinzelte Aktivit\u00e4ten im Stadtraum. Im Rat der Stadt K\u00f6ln meldete sich die Ratsgruppe von Pro K\u00f6ln kaum zu Wort. Die Ratsgruppe verwendet ihre Mittel, um unter anderem eine schmale Zeitschrift herauszubringen, in der sie ausgiebig \u00fcber die Aktivit\u00e4ten des Vereins, insbesondere die neue Webseite, berichtet. Des Weiteren f\u00fchrte sie einen Neujahrsempfang am 22. Januar 2017 durch. Als Hauptredner trat ein wegen Volksverhetzung verurteilter Publizist auf, der aus seinem Buch \"Umvolkung. Wie die Deutschen still und leise ausgetauscht werden\" vorlas. Der Begriff \"Umvolkung\" stammt aus dem Sprachgebrauch des Nationalsozialismus f\u00fcr bev\u00f6lkerungspolitische Ma\u00dfnahmen im Sinne der NS-Ideologie. Derzeit verwenden den Begriff Rechtsextremisten, um ihre fremdenfeindlichen Positionen zu verbreiten. Sie wollen den Eindruck erwecken, dass durch Einwanderung eine ethnisch homogene Bev\u00f6lkerungsgruppe durch eine andere ethnisch homogene Bev\u00f6lkerungsgruppe vertrieben w\u00fcrde. Der Verein konzentrierte 2017 seine Anstrengungen besonders auf die virtuelle Propaganda. Seit Mai 2017 erscheint die Webseite des Vereins in einem neuen Design unter dem Namen \"K\u00f6ln unzensiert\". Auf den ersten Eindruck erweckt die Webseite nun den Eindruck eines Blogs zu kommunalen Themen. Erst bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass Pro K\u00f6ln die Webseite betreibt. Dort hat Pro K\u00f6ln im Jahr 2017 unter dem Titel \"\u00dcberfremdungs-Olympiade\" eine Serie von Beitr\u00e4gen begonnen. Dabei vergibt sie \"Pl\u00e4tze\" f\u00fcr die einzelnen Stadtteile nach dem prozentualen Anteil von Migranten unter den dort lebenden Menschen. Dadurch will Pro K\u00f6ln in rassistisch-verschw\u00f6rungstheoretischer Manier einen \"schleichenden Bev\u00f6lkerungsaustausch\" als bewiesen verstehen. Zudem suggeriert der Verein mit seiner \"\u00dcberfremdungs-Olympiade\", dass ein Mehr an Migranten pauschal ein Mehr an negativen Entwicklungen bedeutet. So baut Pro K\u00f6ln ein Angst-Szenario auf. Der Verein behauptet, durch den vermeintlich hohen Anteil an Migranten werden \"sich viele, auch ethnisch-religi\u00f6s bedingte, Konflikte zwischen alteingesessener Bev\u00f6lkerung und Neubewohnern entladen\" und \"... die Probleme bei der Integration von Zugewanderten und kulturelle bzw. religi\u00f6se Spannungen ... voraussichtlich weiter zunehmen.\" Bewertung, Tendenzen, Ausblick Pro K\u00f6ln setzt weiterhin seinen Schwerpunkt auf fremdenfeindliche Kampagnen, die sich vor allem gegen Fl\u00fcchtlinge und Muslime richten. Der Verlust des Fraktionsstatus von Pro K\u00f6ln bei der Kommunalwahl 2014, die nachfolgenden Streitigkeiten innerhalb der Pro-Bewegung und der personelle Aderlass haben die Handlungsf\u00e4higkeit und Bedeutung des Vereins enorm eingeschr\u00e4nkt. Als Konsequenz daraus erhielt auf einer au\u00dferordentlichen Mitgliederversammlung am 15. April 2018 der Antrag des Vorstandes f\u00fcr die sofortige Vereinsaufl\u00f6sung 97,2 Prozent der abgegebenen Stimmen. Die bisherigen Pro K\u00f6ln-Ratsmitglieder und -Bezirksvertreter wollen ihre Mandate als Parteilose weiter aus\u00fcben. 30","Pro Deutschland Sitz / Verbreitung Landesverband NRW: D\u00fcsseldorf Gr\u00fcndung / Bestehen seit B\u00fcrgerbewegung Pro Deutschland: 2005; Pro Deutschland Landesverband NRW: 2016; Die Partei Pro Deutschland hat am 11.11.2017 auf ihrer Bundesversammlung ihre Aufl\u00f6sung beschlossen. Struktur / Repr\u00e4sentanz Bundesvorsitzender der Partei Pro Deutschland war Manfred Rouhs; Vorsitzender des im Oktober 2015 gegr\u00fcndeten Landesverbandes in Nordrhein-Westfalen war Dr. Christoph Heger; 23 Mandate in kommunalen R\u00e4ten und Bezirksvertretungen Mitglieder / Anh\u00e4nger / Unterst\u00fctzer 2017 circa 100 Mitglieder Ver\u00f6ffentlichungen Web-Angebote: eigene Webseiten sowie Profile in den sozialen Netzwerken Kurzportrait / Ziele Die unter der Bezeichnung Pro Deutschland auftretenden Gruppierungen entstanden im Wesentlichen auf Betreiben ehemaliger Funktion\u00e4re und Mitglieder der rechtsextremistischen \"Deutschen Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH)\" sowie der Partei \"Die Republikaner\" (REP). Die Partei Pro Deutschland hat rechtsextremistische Positionen vertreten. Insbesondere diffamierte sie Migranten und sch\u00fcrte \u00c4ngste vor Muslimen und Fl\u00fcchtlingen. Finanzierung Mitgliedsbeitr\u00e4ge, Spenden und staatliche Zuwendungen an Gruppen und Fraktionen in Kommunalparlamenten Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die Partei Pro Deutschland missachtete mit ihren Aussagen und Forderungen die im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechte, insbesondere die Menschenw\u00fcrde und das Diskriminierungsverbot. Migranten wurden wegen ihrer Nationalit\u00e4t, ethnischen Zugeh\u00f6rigkeit oder Religionszugeh\u00f6rigkeit pauschal herabgesetzt und diffamiert. Insbesondere stellte Pro Deutschland Migranten als Bedrohung f\u00fcr Wohlstand und Sicherheit dar. Beispielsweise bezeichnete im Juli 2017 das Mitglied von Pro Deutschland im Kreistag Oberberg Fl\u00fcchtlinge als \"Zivilinvasoren\". Mit einer solchen Wortwahl versuchte Pro Deutschland, den verst\u00e4rkten Zuzug von Fl\u00fcchtlingen als milit\u00e4rischen Angriff darzustellen, und sch\u00fcrte so die Angst vor und Aggressionen gegen diese Bev\u00f6lkerungsgruppe. Ebenso erweckt Pro Deutschland in Solingen den Eindruck, dass die Sicherheit im \u00f6ffentlichen Raum ausschlie\u00dflich durch Migranten gef\u00e4hrdet sei: \"Welcher Nutzer des \u00f6ffentlichen Nahverkehrs kennt nicht die jugendlichen bzw. jungen erwachsenen 'Kulturbereicherer', die sich selbst als 'konkret krasse Gangster' w\u00e4hnen und dementsprechend andere terrorisieren?\" Die Partei verbreitete \u00f6ffentlichkeitswirksam Vorurteile \u00fcber Muslime, um \u00c4ngste zu wecken oder zu verst\u00e4rken. Sie unterscheidet bewusst nicht zwischen dem Islam als Religion und dem Islamismus als extremistischer Str\u00f6mung. So hie\u00df es beispielsweise auf Aufklebern von Pro Deutschland: \"Aktiv werden gegen Moscheebau und Islamismus!\" Die diskreditierende Gleichsetzung zielte darauf ab, eine Glaubensgemeinschaft f\u00fcr eine Vielzahl gesellschaftlicher Missst\u00e4nde und Fehlentwicklungen verantwortlich zu machen und sie als Bedrohung 31","darzustellen. Beispielsweise instrumentalisierte die Wuppertaler Ratsfrau von Pro Deutschland eine Schl\u00e4gerei bei einem Fu\u00dfballspiel im Amateurbereich, um Muslime in einer Stellungnahme im Juni 2017 als Feindbild zu skizzieren: \"Wieso haben eigentlich einheimisch gepr\u00e4gte Mannschaften immer so viel zu bef\u00fcrchten, wenn sie gegen orientalische Mannschaften aus der Region spielen? Immer dieses Schema, dass mohammedanische Mannschaften es nicht ertragen k\u00f6nnen, gegen mehrheitlich nicht-islamische Vereine zu verlieren\". Als Pro Deutschland gegen seine Nennung im Berliner Verfassungsschutzbericht klagte, urteilte das Verwaltungsgericht Berlin am 7. September 2016, dass die Partei zu Recht als rechtsextremistisch aufgef\u00fchrt wird. Denn die Aktivit\u00e4ten der Partei seien \"darauf gerichtet, die Gew\u00e4hrleistung der Menschenw\u00fcrde im Sinne des Art. 1 Abs. 1 GG f\u00fcr bestimmte Personengruppen, namentlich Muslime und Migranten au\u00dfer Geltung zu setzen.\" Da die Partei Pro Deutschland erst am 11. November 2017 ihre Aufl\u00f6sung beschloss, findet sie auch im aktuellen Verfassungsschutzbericht Erw\u00e4hnung. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Pro Deutschland verf\u00fcgte in Nordrhein-Westfalen insgesamt \u00fcber ein geringes Aktionspotenzial. Lediglich im Bergischen St\u00e4dtedreieck sowie in Gelsenkirchen war man auf schwachem Niveau in den kommunalen R\u00e4ten aktiv. Die Mandate in den jeweiligen Kommunalvertretungen verdankte der Landesverband dem \u00dcbertritt ehemaliger Aktivisten von Pro NRW. Dar\u00fcber hinaus fanden fast ausschlie\u00dflich auf den jeweiligen Internetpr\u00e4senzen \u00f6ffentlichkeitswirksame Aktivit\u00e4ten statt. Inhaltlich setzte Pro Deutschland im Jahr 2017 weiterhin den Schwerpunkt darauf, gegen Muslime und Fl\u00fcchtlinge zu agitieren und diese als S\u00fcndenbock f\u00fcr s\u00e4mtliche politischen Probleme darzustellen. Nachdem der Berliner Landesverband im September 2016 bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin lediglich 0,4 Prozent der Stimmen erhielt, sprach man parteiintern schon vom bislang \"gr\u00f6\u00dften Tiefpunkt\". Im Jahr 2017 verzichtete Pro Deutschland darauf, bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen und der Bundestagswahl anzutreten. Am 11. November 2017 beschloss die Partei auf ihrer Bundesversammlung in Wuppertal ihre Aufl\u00f6sung. Als Grund f\u00fcr die Entscheidung gab Pro Deutschland vor allem den Einzug der AfD in den Bundestag an. Es gelte, \"die AfD stark zu machen, statt sie durch Konkurrenzkandidaturen bei Wahlen zu schw\u00e4chen\". Pro Deutschland hat in diesem Zusammenhang alle bisherigen Mitglieder und kommunalen Mandatstr\u00e4ger dazu aufgefordert, sich der AfD anzuschlie\u00dfen. Man wolle die politischen Ziele der Partei k\u00fcnftig in der AfD verfolgen. Allerdings hat sich die AfD in Nordrhein-Westfalen gegen die Aufnahme von bisherigen Pro DeutschlandMitgliedern ausgesprochen. In Gelsenkirchen, Solingen, Remscheid, Wuppertal und dem Oberbergischen Kreis betreiben die bislang zu Pro Deutschland geh\u00f6renden Kreisverb\u00e4nde nach der Parteiaufl\u00f6sung ihre Webseiten weiter und nehmen weiter ihre Mandate in den R\u00e4ten wahr. Zur weiteren Zukunft hei\u00dft es in einem Jahresr\u00fcckblick auf den Webseiten der ProOrganisationen in Solingen und im Oberbergischen Kreis: \"Momentan befinden sich die PRO-Strukturen des Bergischen Landes in einer organisatorischen Neuausrichtung, die noch eine Weile andauern kann.\" In seiner Aufl\u00f6sungserkl\u00e4rung verweist der Bundesverband darauf, dass er sein bisheriges Facebookprofil unter dem Namen www.nation24.de fortsetzt. Das Profil haben Ende 2017 immerhin 20.000 Personen abonniert. Der bisherige Parteivorsitzende von Pro Deutschland, Manfred Rouhs, gab jahrelang eine gleichnamige Zeitschrift heraus. Dies spricht daf\u00fcr, dass Rouhs nach dem Scheitern seiner parteipolitischen Ambitionen sich nunmehr wieder auf die rechtsextremistische Publizistik konzentrieren m\u00f6chte. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Angesichts der schwachen Personallage und einer durch die Parteispaltung demotivierten Anh\u00e4ngerschaft war die Partei in Nordrhein-Westfalen kaum handlungsf\u00e4hig. Zudem sah sie in der AfD eine \u00fcberm\u00e4chtige Konkurrenz. Anscheinend erkannte sie die eigene Bedeutungslosigkeit und l\u00f6ste sich folglich auf. Allerdings scheint es, dass einige Aktivisten ihre rechtsextremistischen Positionen weiterhin in Kleinstorganisationen auf kommunaler Ebene vertreten oder publizistisch verbreiten werden. 32","Die Rechte Sitz / Verbreitung Bundesverband: Parchim (bis 31. Oktober 2017) seitdem Dortmund; Landesverband: Dortmund Gr\u00fcndung / Bestehen seit Bundesverband: 27.Mai 2012; Landesverband: 15. September 2012 Struktur / Repr\u00e4sentanz Bundesvorsitzender: Christian Worch (bis 31. Oktober 2017) seitdem kommissarisch Christoph Drewer; Landesvorsitzender: Sascha Krolzig; insgesamt zwei Ratsmandate und vier Mandate in Bezirksvertretungen in Dortmund und Hamm; bundesweit zehn Landesverb\u00e4nde und ca. 25 Kreisverb\u00e4nde Mitglieder / Anh\u00e4nger /Unterst\u00fctzer 2017 Bund: circa 650; NRW: circa 270 Ver\u00f6ffentlichungen Webangebote: Ver\u00f6ffentlichungen der Partei auf Bundesund Landesebene \u00fcberwiegend \u00fcber soziale Netzwerke; Internetseite www.dortmundecho.org als Hauptsprachrohr des Landesverbandes beziehungsweise des Kreisverbandes Dortmund. Kurzportrait / Ziele Der Landesverband Nordrhein-Westfalen der Partei Die Rechte ist vor allem ein Sammelbecken von Neonazis, die aus den 2012 verbotenen Kameradschaften kommen. Die F\u00fchrung des Landesverbandes sowie der aktivsten Kreisverb\u00e4nde wurde von langj\u00e4hrigen Aktivisten \u00fcbernommen, die bereits F\u00fchrungsaufgaben in den damaligen Kameradschaften innehatten. Ziel des Landesverbandes ist es, die bisherigen neonazistischen Aktivit\u00e4ten nunmehr im Schutz des sogenannten Parteienprivilegs zu betreiben und neonazistische Propaganda zu verbreiten. Finanzierung Mitgliedsbeitr\u00e4ge der Parteimitglieder und Einnahmen aus Spenden sowie von der Partei durchgef\u00fchrten Veranstaltungen wie Konzerten Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die Partei Die Rechte ist in struktureller Hinsicht ein Sammelbecken f\u00fcr Neonazis, ideologisch wesensverwandt mit dem Nationalsozialismus und tritt in aggressiv-k\u00e4mpferischer Weise auf. Dies trifft insbesondere auf den Landesverband Nordrhein-Westfalen zu, der den Bundesverband dominiert. Die Gr\u00fcndung des Landesverbandes erfolgte im September 2012 als Reaktion auf das Verbot von neonazistischen Kameradschaften in Dortmund, Hamm und Aachen im August 2012. Die F\u00fchrung des Landesverbandes setzt sich aus Hauptprotagonisten der verbotenen Kameradschaften Dortmund und Hamm zusammen. Ein politischer Schwerpunkt der Partei Die Rechte ist Fremdenfeindlichkeit. So zeichnet die Partei in ihrem Programm ein einseitiges negatives Bild von Migranten. In ihren Verlautbarungen stellt sie das Verh\u00e4ltnis zwischen einheimischer Bev\u00f6lkerung und Migranten als Freund-Feind-Konstellation dar, in der die einheimische Bev\u00f6lkerung bedr\u00e4ngt werde. Dabei ist vor allem eine pauschale Darstellung von Migranten als Kriminelle f\u00fcr die Partei Die 33","Rechte ein Vehikel, um fremdenfeindliche Vorurteile zu sch\u00fcren. Auch im Jahr 2017 bezog die Partei ihre fremdenfeindliche Kampagne vor allem auf Fl\u00fcchtlinge. Die Rechte propagiert wiederkehrend Antisemitismus. Der stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen betreibt einen Onlineversandhandel, den er bis August 2017 unter der Domainadresse Antisem Versand betrieb und damit seine antisemitische Einstellung provokativ zum Ausdruck brachte. Die Adresse wurde mittlerweile gesperrt. Ferner f\u00fchrten Kreisverb\u00e4nde in Nordrhein-Westfalen auch 2017 Veranstaltungen mit einer szenebekannten Leugnerin des Holocaust durch. In Dortmund st\u00f6rten Anh\u00e4nger der Partei am 9. November 2017 eine Gedenkveranstaltung zur \"Reichsprogromnacht\", in dem sie \"Nie wieder Israel\" skandierten. Neben sogenannten Reichskriegsflaggen zeigten sie au\u00dferdem ein Transparent mit der Aufschrift \"Ein Volk, das seit zweitausend Jahren verfolgt wird muss doch irgendetwas falsch gemacht haben\". Des Weiteren stellte sich die Partei Die Rechte offen in eine nationalsozialistische Tradition. So \u00e4nderten sie beispielsweise das Parteiprogramm dahingehend, dass sich die Partei nunmehr zur \"Volksgemeinschaft\" bekennt, dem zentralen gesellschaftspolitischen Leitbild in der nationalsozialistischen Ideologie. Ferner riefen Teilnehmer auf Kundgebungen von Die Rechte regelm\u00e4\u00dfig die Parole \"Nationaler Sozialismus Jetzt\". Die Partei Die Rechte versucht die von ihnen ausgemachten Feinde der Partei einzusch\u00fcchtern. Zu diesen Gegnern z\u00e4hlen Politiker, Journalisten und B\u00fcrger, die sich kritisch mit der Partei Die Rechte besch\u00e4ftigen, sowie Beamte, die im Sinne der wehrhaften Demokratie repressive Ma\u00dfnahmen gegen Neonazis veranlassen. Meistens formulieren die Parteiaktivisten ihre Bedrohungen jedoch unterhalb der Grenze der Strafbarkeit. Zugleich sind die Einsch\u00fcchterungsversuche eindeutig genug, dass die Adressierten wissen, wie es gemeint ist. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Bundesverband Der Bundesverband stagniert seit 2014. Die Partei weist eigenen Angaben auf ihrer Webseite zu Folge neun Landesverb\u00e4nde, 18 Kreisverb\u00e4nde und vier St\u00fctzpunkte auf, wobei einige Verb\u00e4nde nur nominell bestehen und keine Aktivit\u00e4ten entfalten. Zwischen den Landesverb\u00e4nden gibt es weiterhin gravierende strukturelle Unterschiede. So sind im Landesverband Nordrhein-Westfalen rund 270 Mitglieder organisiert, dagegen z\u00e4hlen mehrere andere Landesverb\u00e4nde kaum mehr als 30 Mitglieder. Der Zustand der Partei ist weiterhin fragil. Dauerhaft handlungsf\u00e4hige Parteiverb\u00e4nde sind die Ausnahme. Am 28. Oktober 2017 fand der 8. Bundesparteitag in Dortmund statt. Im Verlauf der Veranstaltung w\u00e4hlten die Mitglieder zun\u00e4chst den Bundesvorstand. Im weiteren Verlauf wurde auch die Abstimmung \u00fcber eine Aufnahme des Bekenntnisses zur \"Volksgemeinschaft\" im Parteiprogramm beantragt, was der wiedergew\u00e4hlte Bundesvorsitzende Christian Worch ablehnte. Da die Mehrheit der Anwesenden jedoch f\u00fcr die \u00c4nderung war, trat Worch zum 31. Oktober 2017 von seinem Amt als Parteivorsitzender zur\u00fcck. Bis zur Neuwahl eines Parteivorsitzenden wird das Amt kommissarisch vom Dortmunder Rechtsextremisten Christoph Drewer verwaltet. Von derzeit neun gew\u00e4hlten Mitgliedern des Bundesvorstandes kommen sechs aus Nordrhein-Westfalen sowie ein weiteres aus den Niederlanden, welches \u00fcber sehr gute Beziehungen nach Nordrhein-Westfalen, insbesondere nach Dortmund, verf\u00fcgt. Der Landesverband Nordrhein-Westfalen und insbesondere der Dortmunder Kreisverband haben durch die Neubesetzung des Bundesvorstandes den ohnehin schon gro\u00dfen Einfluss auf den Bundesverband weiter gest\u00e4rkt und ausgebaut. Bis dato achtete die Parteif\u00fchrung darauf, dass die Organisation formell die Anforderungen an eine Partei erf\u00fcllt, insbesondere dass sie zu Wahlen antritt. Auch aus diesem Beweggrund trat der Landesverband NordrheinWestfalen bei der Landtagswahl am 14. Mai 2017 an. Dar\u00fcber hinaus nahm die Partei auch an der Bundestagswahl teil, allerdings trat sie nur in Baden-W\u00fcrttemberg an. Dabei bekam sie lediglich 2.054 Zweitstimmen, was 0,0 Prozent aller g\u00fcltigen Stimmen entsprach. Der Bundesverband l\u00e4sst keine Zweifel daran, dass sich Die Rechte auch im Wahlkampf im Rechtsextremismus verortet. Sowohl bei der Landtagsals auch bei der Bundestagswahl setzte die Partei, wie bereits in mehreren Wahlk\u00e4mpfen zuvor, auf ein 25-Punkte-Programm, mit dem sie auf das 25-Punkte-Programm der NSDAP anspielt. In diesen Programmen stellt die Partei Migranten pauschal negativ dar. Dies gilt insbesondere f\u00fcr Asylbewerber, die unter anderem als Asylbetr\u00fcger diskreditiert werden. 34","Landesverband Nordrhein-Westfalen Der Landesverband Nordrhein-Westfalen bildet eine Auffangstruktur f\u00fcr die 2012 verbotenen Kameradschaften. Auch wenn nicht alle Neonazis in die Partei eingetreten sind, organisiert die Partei in Nordrhein-Westfalen inzwischen nahezu alle neonazistischen Aktivit\u00e4ten. Nachdem seit 2016 die Entwicklung der Parteistrukturen des Landesverbandes stagnierte, k\u00fcndigte der Landesverband an, den Ausbau ihrer Strukturen zu forcieren. Im Oktober und Dezember 2017 wurden mit den Kreisverb\u00e4nden Unna und Gelsenkirchen / Recklinghausen zwei neue Kreisverb\u00e4nde gegr\u00fcndet. Die Rechte verf\u00fcgt damit in Nordrhein-Westfalen derzeit \u00fcber acht Kreisverb\u00e4nde: Dortmund, Gelsenkirchen / Recklinghausen, Hamm, Heinsberg / Aachen, Ostwestfalen-Lippe, Rhein-Erft, Unna, Wuppertal. Der Landesverband besitzt f\u00fcr die Partei lediglich eine organisatorische Funktion, von ihm gehen kaum politische Initiativen aus. Gelegentlich wird im Namen des Landesverbandes eine Demonstration angemeldet. In der Regel handelt es sich aber tats\u00e4chlich um Demonstrationen des Dortmunder Kreisverbandes, die auch in Dortmund stattfinden. Da sich die verantwortlichen Mitglieder des Landesverbandes mit denen des Kreisverbandes Dortmund in Teilen \u00fcberschneiden, ist eine genaue Unterscheidung der beiden Organisationseinheiten kaum zu treffen. Die Kreisverb\u00e4nde stellen die eigentlichen politischen Akteure dar, die autonom \u00fcber inhaltliche Belange und Aktivit\u00e4ten entscheiden. Diese Organisationsstruktur stellt den Versuch dar, dezentrale Strukturen der Neonaziszene in vormals lokalen Kameradschaften in eine Parteiorganisation zu \u00fcberf\u00fchren. Die meisten Mitglieder d\u00fcrften ihre Organisation ebenfalls weiterhin nicht als Partei begreifen. Haupts\u00e4chlich geht es den Aktivisten darum ihre \"Erlebniswelt Rechtsextremismus\" vor staatlichen Repressionsma\u00dfnahmen zu sch\u00fctzen. So werden Demonstrationen, Mahnwachen, Geburtstagspartys, Rechtsrockkonzerte und Sonnenwendfeiern nunmehr als Parteiveranstaltungen ausgewiesen. Im Jahr 2017 trat der Landesverband insbesondere bei der Landtagswahl in Erscheinung. Neben einer Landesliste versuchte er mit f\u00fcnf Direktkandidaten in vier Dortmunder sowie in einem Bielefelder Wahlkreis auch Erststimmen zu gewinnen. Im Wahlkampfspot pr\u00e4sentierte Die Rechte nachdr\u00fccklich ihre rechtsextremistischen Ansichten. So zeigte sie eigene Demonstrationen, auf denen die Teilnehmer skandierten \"Das System ist am Ende, wir sind die Wende\" und \"Alles f\u00fcr Volk, Rasse und Nation\". Bei der Landtagswahl erzielte die Partei 1.990 Erstund 3.589 Zweitstimmen. Dies entsprach jeweils 0,0 Prozent der g\u00fcltigen Stimmen. An der Bundestagswahl am 24. September 2017 nahm die Partei Die Rechte in Nordrhein-Westfalen nicht teil. Sie fungierte allerdings als Anmelderin einer Demonstration zum 1. Mai 2017 in Dortmund. Des Weiteren organisierte die Partei Die Rechte am 4. November 2017 einen internationalen Kongress unter dem Motto \"Gemeinsam f\u00fcr Europa\", an dem Rechtsextremisten aus verschiedenen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern teilnahmen. Der Kongress diente in erster Linie der Vernetzung untereinander. So hatten alle Organisationen die M\u00f6glichkeit, die politische Lage in ihrem Heimatland und die Aktivit\u00e4ten der dortigen rechtsextremistischen Szene vorzustellen. In Fortf\u00fchrung dieser Aktivit\u00e4ten zur internationalen Vernetzung meldete der Landesverband der Partei Die Rechte f\u00fcr den 14. April 2018 eine Demonstration mit dem Thema \"Unser Europa ist nicht eure EU! F\u00fcr Selbstbestimmung und souver\u00e4ne Nationalstaaten!\" an. Kreisverband Dortmund Der Kreisverband Dortmund hat seine ma\u00dfgebliche Stellung innerhalb der Partei Die Rechte in NordrheinWestfalen auch im Jahr 2017 beibehalten. Dies wird unter anderem dadurch deutlich, dass der Landesvorsitzende der Partei im Verlauf des Jahres ebenfalls nach Dortmund verzogen ist und der Landesvorstand damit weitgehend mit Dortmunder Parteiaktivisten besetzt ist. Die Zahl der aktiven und mobilisierbaren Anh\u00e4nger betr\u00e4gt etwa 80 bis 100 Personen, die sich weiterhin \u00fcberwiegend aus Mitgliedern und Sympathisanten der 2012 verbotenen Kameradschaft \"Nationaler Widerstand Dortmund\" zusammensetzen. Hinzu kommt, dass der Kreisverband sowohl national als auch international sehr gut vernetzt ist. Ein Beispiel ist die Teilnahme an einer Rudolf-Hess-Gedenkdemonstration am 19. August 2017 unter dem Motto \"Gebt die Akten frei, Mord verj\u00e4hrt nicht - Recht statt Rache!\", f\u00fcr die in Dortmund intensiv mobilisiert wurde. Auf der Anreise wurden etwa 120 Szeneangeh\u00f6rige aus Nordrhein-Westfalen, darunter auch eine gro\u00dfe Zahl Anh\u00e4nger der Partei Die Rechte aus Dortmund, aufgrund eines Brandanschlages auf Bahnanlagen einer an der Weiterreise in Richtung Berlin-Spandau gehindert. Im brandenburgischen Falkensee schlossen sie sich mit einer weiteren Gruppe zusammen, die ebenfalls nicht nach Berlin weiterreisen konnte. Aufgrund der Umst\u00e4nde meldete der 35","stellvertretende Bundesvorsitzende der NPD vor Ort einen Spontanaufzug an, der mit etwa 250 Personen quer durch den Ort Falkensee zog, und bei dem auch der Landesvorsitzende der Partei Die Rechte aus Dortmund einen Redebeitrag beisteuerte. Auch in Dortmund selbst f\u00fchrte der Kreisverband im Jahr 2017 wieder zahlreiche szeneinterne und auch \u00f6ffentliche Aktionen durch. Zu den szeneinternen Veranstaltungen z\u00e4hlten diverse Liederabende und Vortragsveranstaltungen, an denen bis zu 80 Personen teilnahmen. Die \u00f6ffentlichen Veranstaltungen machten, neben Informationsst\u00e4nden und Flugblattverteilungen, etwas mehr als 50 Versammlungen aus. \u00dcber die H\u00e4lfte davon entfiel auf den Zeitraum vor der Landtagswahl am 14. Mai 2017 und diente zum einen zur Sammlung von Unterst\u00fctzungsunterschriften f\u00fcr den Wahlantritt, zum anderen der Mobilisierung potenzieller W\u00e4hler. Der Kreisverband trat in Dortmund mit vier Direktkandidaten zur Landtagswahl an und erreichte dabei 0,4 Prozent der g\u00fcltigen Zweitstimmen und 0,8 Prozent der g\u00fcltigen Erststimmen. Trotz der Teilnahme an der Landtagswahl, die als klassische Parteiaktivit\u00e4t zur Festigung des Parteienstatus beitr\u00e4gt, zeigt der Kreisverband weiterhin seine Verbundenheit mit der 2012 verbotenen Kameradschaft \"Nationaler Widerstand Dortmund\". So stellte die Kundgebung am 23. August 2017, anl\u00e4sslich des f\u00fcnften Jahrestages des Verbotes, eines der Hauptereignisse des Kreisverbandes Dortmund im Jahr 2017 dar. An der Kundgebung, f\u00fcr die die Rechtsextremisten im Vorfeld intensiv, zum Beispiel mit eigenen T-Shirts, warben, nahmen etwa 70 Personen teil. Der Kreisverband bediente sich bei seinen Aktionen inhaltlich, neben explizit rechtsextremistischen Thematiken, auch Themenbereichen wie dem Protest gegen Kindesmissbrauch, die nicht auf den ersten Blick als extremistisch zu erkennen sind. Das gemeinsame Merkmal aller Aktionen ist es jedoch gewesen, gegen\u00fcber dem jeweils als politischen Gegner definierten Personenkreis, durch gezielte Provokation eine Bedrohungskulisse aufzubauen. Seit April 2016 bilden Die Rechte und die NPD eine gemeinsame Ratsgruppe im Dortmunder Stadtrat, der rund 40.000 Euro pro Jahr f\u00fcr die Ratsarbeit zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Die Sitzungen des Stadtrates nutzt die Ratsgruppe immer wieder f\u00fcr rechtsextremistisch motivierte Provokationen. Die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem nahm das Ratsmitglied der Partei Die Rechte zum Anlass, seinen antisemitischen Positionen Geh\u00f6r zu verschaffen. Bei seinem offiziellen Redebeitrag zur Haushaltsdebatte am 14. Dezember 2017 zeigte er die Flagge Pal\u00e4stinas und begleitete dies mit den Worten \"Freiheit f\u00fcr Pal\u00e4stina, nie wieder Israel\". Das Ratsmitglied wurde im weiteren Verlauf der Debatte wegen ungeb\u00fchrlichen Verhaltens aus dem Ratssaal verwiesen Inhaltlich versucht die Ratsgruppe immer wieder, s\u00e4mtliche Politikfelder f\u00fcr eine fremdenfeindliche Agitation zu nutzen. Beispielsweise forderte die rechtsextremistische Ratsgruppe im Juni 2017 im Zusammenhang mit einem Neubauprojekt f\u00fcr Sozialwohnungen, dass diese nicht an Asylbewerber vermietet werden d\u00fcrften. Kreisverband Hamm Wie bereits im Vorjahr sanken die feststellbaren Aktivit\u00e4ten des Kreisverbandes Hamm weiter. Das Stadtratsmitglied von Die Rechte stellte 2017 keine Antr\u00e4ge und Anfragen mehr im Rat der Stadt Hamm. Die Mitglieder f\u00fchrten 2017 auch keine \u00f6ffentliche Versammlung in Hamm durch. Die Aktivit\u00e4ten beschr\u00e4nkten sich vielmehr auf szeneinterne Veranstaltungen wie Vortragsveranstaltungen und Liederabende. Im Internet ist der Kreisverband Hamm ebenfalls kaum mehr verzeichnet. Das im Jahr 2016 unter dem Namen \"Rechtes Forum Hamm\" angelegte Facebook-Profil existiert nicht mehr und auch die eigene Webseite stellte der Kreisverband ein. Informationen zum Kreisverband sind nur noch \u00fcber die Internetdomain des Bundesverbands abrufbar. Im Verlauf des Jahres fielen Anh\u00e4nger des Kreisverbandes, gemeinsam mit Szeneangeh\u00f6rigen u.a. aus Dortmund, als Zuschauer der Fu\u00dfball-Begegnungen zwischen der Hammer SpVg und dem SV Lippstadt auf. Hierbei wurden unter anderem Schm\u00e4hges\u00e4nge angestimmt und eine Reichskriegsflagge entrollt. Dies zeigt, dass Rechtsextremisten, nicht nur aus Dortmund und Hamm, bei verschiedenen Anl\u00e4ssen versuchen, auch unpolitische Veranstaltungen f\u00fcr ihre Zwecke zu instrumentalisieren und als Gruppe Pr\u00e4senz zu zeigen. Kreisverband Ostwestfalen-Lippe Der inhaltliche Schwerpunkt von Die Rechte Ostwestfalen-Lippe (OWL) lag 2017 wie im vorangegangen Jahr auf der fl\u00fcchtlingsfeindlichen Agitation. In diesem Zusammenhang machte der seit dem 16. Januar 2016 bestehende 36","Kreisverband OWL auch im ersten Halbjahr 2017 mit entsprechenden Flugblattverteilaktionen auf sich aufmerksam. Dar\u00fcber hinaus fand am 22. April 2017 zum zweiten Mal die sogenannte \"Mottofahrt gegen Masseneinwanderung\" statt, eine Kundgebungstour durch vier ostwestf\u00e4lische Ortschaften. In diesem Jahr veranstaltete man die Aktion gemeinsam mit den Freien Nationalisten Kreis G\u00fctersloh. Nach Berichterstattung des Kreisverbandes im Internet standen die Versammlungen \"ganz im Zeichen der NRW-Landtagswahl am 14. Mai\". Demzufolge f\u00fchrte eine der Stationen die Teilnehmer auch nach Bielefeld-Schildesche, wo die Partei Die Rechte bei der Landtagswahl 2017 mit Michael Riedmaier als Direktkandidat antrat. Riedmaier konnte jedoch nur 54 (0,1%) Erstund 30 (0,0%) Zweitstimmen f\u00fcr seine Partei verbuchen. Gr\u00f6\u00dfere Aufmerksamkeit zog der Kreisverband in 2017 mit einer am 6. Juni 2017 beim Amtsgericht Bielefeld gegen den Kreisvorsitzenden Sascha Krolzig erhobenen Anklage wegen Volksverhetzung auf sich. Krolzig bezeichnete den Vorsitzenden der j\u00fcdischen Gemeinde Herford-Detmold als 'frecher Judenfunktion\u00e4r'. Eine Formulierung, die an den nationalsozialistischen Sprachgebrauch zur Abwertung von Juden ankn\u00fcpft. Der Prozesstermin, f\u00fcr den der Parteiaktivist im Internet zu reger Teilnahme aufrief, wurde seit November 2017 mehrfach verschoben. Das Amtsgericht Bielefeld verurteilte ihn am 22. Februar 2018 wegen Volksverhetzung und Beleidigung zu 6 Monaten Haft ohne Bew\u00e4hrung. Krolzig k\u00fcndigte an, in Berufung zu gehen. Mit dem Umzug des Kreisvorsitzenden nach Dortmund im August 2017 sind die Aktivit\u00e4ten des Kreisverbandes Ostwestfalen-Lippe merklich zur\u00fcckgegangen. Es bleibt abzuwarten, ob die verbliebenen Parteimitglieder ohne die pr\u00e4gende F\u00fchrungsperson ihre rechtsextremistischen Aktivit\u00e4ten weiterhin fortf\u00fchren. Kreisverband Rhein-Erft Der Kreisverband legte wie in den vorangegangenen Jahren besonderen Wert auf eine ideologische Schulung der Anh\u00e4ngerschaft und f\u00fchrte eine Reihe von Vortr\u00e4gen durch. Als Referentin wurde auch eine in der Szene bekannte Revisionistin, die wiederholt den Holocaust \u00f6ffentlich leugnete, eingeladen. Inhaltlich ging es vor allem darum, die Verbrechen des Nationalsozialismus zu negieren. Mit den Veranstaltungen erreichte der Kreisverband \u00fcberregional Teilnehmer aus verschiedenen rechtsextremistischen Organisationen. Dar\u00fcber hinaus veranstaltete Die Rechte Rhein-Erft kleinere Partys f\u00fcr Szeneangeh\u00f6rige. \u00d6ffentlich nahmen Mitglieder des Kreisverbandes an verschiedenen rechtsextremistischen Versammlungen teil, zum Beispiel dem Gedenkmarsch in Remagen am 18. November 2017. Im Rhein-Erft-Kreis verteilten Aktivisten mehrfach Flyer, in denen man vor allem gegen Fl\u00fcchtlinge agitierte. Ebenso zeigte sich Die Rechte Rhein-Erft im Internet sehr aktiv und publizierte zahlreiche rechtsextremistisch argumentierende Artikel auf ihrer Internetseite und verbreitete sie \u00fcber Twitter und Facebook. Kreisverband Heinsberg / Aachen Die beiden Kreisverb\u00e4nde Aachen und Heinsberg wiesen ab Mitte 2017 nahezu identische Webseiten auf. Anfang September 2017 teilten die beiden Kreisverb\u00e4nde dann auf ihren Webseiten mit, dass der Landesverband die Zusammenlegung der Kreisverb\u00e4nde zum Kreisverband Heinsberg / Aachen beschlossen h\u00e4tte. Seit Anfang 2017 nahmen die Aktivit\u00e4ten der Gruppierung Syndikat 52 deutlich zu. Die Gruppierung ist laut Selbstdarstellung auf den Internetseiten ein Projekt der Partei Die Rechte Aachen und Heinsberg. Die Zahl 52 steht dabei f\u00fcr den Postleitzahlenbereich. Mitglieder und Sympathisanten der Partei traten mehrmals an gr\u00f6\u00dferen Versammlungen der Partei Die Rechte in Nordrhein-Westfalen sowie der Neonaziszene im Bundesgebiet als Gruppierung Syndikat 52 in Erscheinung. Beispielsweise nahm eine Gruppe am 3. Juni 2017 an der neonazistischen Demonstration \"Tag der deutschen Zukunft\" in Karlsruhe teil. Ebenfalls nahm Syndikat 52 am 19. August 2017 als Gruppe an einer Versammlung in Falkensee (Brandenburg) teil. Dies war eine kurzfristig angemeldete Demonstration f\u00fcr Neonazis, die urspr\u00fcnglich zum \"Rudolf He\u00df Gedenkmarsch\" nach Berlin reisen wollten, diesen jedoch wegen eines Brandanschlages auf Bahnanlagen nicht erreichten. Das Facebook-Profil Syndikat 52 inszeniert das Projekt als erlebnisorientiert mit rebellischem und militantem Gestus. Politische Botschaften stehen dabei oftmals erst an zweiter Stelle. Aufkleber und Farbschmierereien mit Bezug zur Gruppierung tauchten seit Beginn des Jahres vermehrt im Stadtgebiet Aachen und Heinsberg auf. Dar\u00fcber hinaus finden regelm\u00e4\u00dfig szeneinterne Veranstaltungen statt. Dazu geh\u00f6rte es beispielsweise, den Volkstrauertag am 18. November 2017 in revisionistischer Absicht zu einem Heldengedenken zu verkl\u00e4ren und durch eine entsprechende Veranstaltung mit Fackeln abends auf einem Friedhof in Heinsberg zu inszenieren. 37","Weiterhin f\u00fchrte die Gruppe unter anderem eine Computerschulung, Kampfsporttraining sowie den Besuch des rechtsextremistischen Kampfsportevents \"Kampf der Nibelungen\" durch. Kreisverband Gelsenkirchen / Recklinghausen Am 1. Dezember 2017 gr\u00fcndete die Partei Die Rechte den Kreisverband Gelsenkirchen / Recklinghausen. Der Vorsitzende und sein Stellvertreter sind als langj\u00e4hrige Aktivisten des rechtextremistischen Spektrums bekannt und r\u00fchmen sich selbst mit mehrj\u00e4hrigen \"politisch\" bedingten Gef\u00e4ngnisaufhalten. Die erste \u00f6ffentlichkeitswirksame Aktion des neuen Kreisverbands fand bereits wenige Tage nach dessen Gr\u00fcndung, am 4. Dezember 2017, in Gelsenkirchen statt. Dort verteilten Mitglieder und Unterst\u00fctzer des Kreisverbands eigenen Angaben zufolge 500 Flugbl\u00e4tter der Partei Die Rechte. Zudem verf\u00fcgt der Kreisverband \u00fcber eine Webseite, auf der er \u00fcberwiegend Berichte anderer Kreisverb\u00e4nde sowie wenige eigene Beitr\u00e4ge verbreitet. Kreisverband Wuppertal Der Kreisverband Wuppertal fiel im Jahr 2017 durch zwei Aktionen in der \u00d6ffentlichkeit auf: Zum einen eine fremdenfeindliche Demonstration in Wuppertal am 4. M\u00e4rz 2017 unter dem Motto \"Masseneinwanderung stoppen - \u00dcberfremdung ist keine Bereicherung\", an der etwa 70 Personen teilnahmen. Zum anderen fanden am 28. Mai 2017 bundesweit Kundgebungen und Mahnwachen f\u00fcr den in Ungarn inhaftierten Rechtsextremisten Horst Mahler statt. Hierzu trafen sich ungef\u00e4hr 50 Rechtsextremisten aus Nordrhein-Westfalen vor der ungarischen Botschaft in D\u00fcsseldorf, darunter auch Mitglieder des Wuppertaler Kreisverbandes. Auf der neu eingerichteten Internetseite ver\u00f6ffentlichte der Kreisverband regelm\u00e4\u00dfig Berichte, in denen man \u00fcberwiegend gegen Migranten agitierte. Gelegentlich wurde \u00fcber Flyerund Plakatierungsaktionen berichtet. Einige Aktivisten des Kreisverbandes nahmen auch an \u00fcberregionalen Veranstaltungen der rechtsextremistischen Szene teil, insbesondere beteiligen sie sich des \u00d6ftern an Aktivit\u00e4ten des Dortmunder Kreisverbandes. Kreisverband Unna Im Oktober 2017 wurde zun\u00e4chst der sogenannte \"St\u00fctzpunkt\" Unna gegr\u00fcndet, der seit dem 5. Januar 2018 als Kreisverband firmiert. F\u00fcr das Jahr 2018 k\u00fcndigte dieser neue Kreisverband umfassende lokale Aktivit\u00e4ten an. Einerseits sollen regelm\u00e4\u00dfige interne Treffen stattfinden, andererseits m\u00f6chte man auch Versammlungen sowie weitere \u00f6ffentlichkeitswirksame Aktivit\u00e4ten durchf\u00fchren. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Der nordrhein-westf\u00e4lische Landesverband und die aktiven Kreisverb\u00e4nde stellen sowohl in ideologischer und personeller Hinsicht als auch bez\u00fcglich ihrer Aktivit\u00e4ten im Wesentlichen eine Weiterf\u00fchrung der verbotenen Kameradschaften dar. Der Landesverband Nordrhein-Westfalen dominiert innerhalb der Bundespartei inhaltlich, personell und durch die Vielzahl an Aktivit\u00e4ten. Dies wird durch die Neuwahl des Bundesvorstandes weiter untermauert. Um das Parteienprivileg zu sichern, nimmt Die Rechte einige parteitypische Aktivit\u00e4ten auf. Den Anh\u00e4ngern geht es aber vor allem darum, den neonazistisch gepr\u00e4gten Aktionismus fortzusetzen. Die Rechte kooperiert bei Demonstrationen und im Dortmunder Stadtrat mit der NPD, bei Vortr\u00e4gen mit Revisionisten und bei Musikveranstaltungen mit der subkulturellen Szene. Insofern stellt die Partei gegenw\u00e4rtig das Gravitationszentrum des Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen dar. 38","Der III. Weg Sitz / Verbreitung Bundesverband: Weidenthal (Rheinland-Pfalz); Verbreitung haupts\u00e4chlich in S\u00fcdund in Ostdeutschland; zwei Gruppierungen in NRW (Ostwestfalen und Sauerland). Gr\u00fcndung / Bestehen seit 28. September 2013 in Heidelberg Struktur / Repr\u00e4sentanz Vorsitzender Bundesverband: Klaus Armstroff; Vorsitzender \"Gebietsverband West\": Julian Bender Keine Landesverb\u00e4nde, bisher wurden drei der vier geplanten Gebietsverb\u00e4nde gegr\u00fcndet (S\u00fcd, West, und Mitte; die Gr\u00fcndung eines Gebietsverbands Nord steht noch aus). Die Gr\u00fcndung des Gebietsverbands West, dem auch die beiden nordrhein-westf\u00e4lischen \"St\u00fctzpunkte\" angeh\u00f6ren, erfolgte am 19. November 2016. Strukturierung der Partei durch 20, teilweise l\u00e4nder\u00fcbergreifende sogenannte \"St\u00fctzpunkte\", sofern keine weitere Untergliederung erfolgt. Hiervon zwei in Nordrhein-Westfalen: \"St\u00fctzpunkt Hermannsland\", am 19. Oktober 2014 gegr\u00fcndet, umfasst den Raum Bielefeld, Paderborn und Teutoburger Wald; \"St\u00fctzpunkt Sauerland-S\u00fcd\", am 29. Dezember 2015 gegr\u00fcndet, umfasst insbesondere den Landkreis Olpe. Mitglieder / Anh\u00e4nger / Unterst\u00fctzer 2017 Bund: rund 300 (steigend); NRW: rund 30 (gleichbleibend) Ver\u00f6ffentlichungen Web-Angebot: der-dritte-weg.info, Homepage der Partei Der III. Weg,; Profile in sozialen Netzwerken und auf Videoportalen Kurzportrait / Ziele Die Partei-Gr\u00fcndung erfolgte zun\u00e4chst unter Beteiligung einzelner ehemaliger NPD-Mitglieder und Neonazis aus Rheinland-Pfalz und Hessen. Als sich 2014 in Bayern ein Verbot des Neonazi-Netzwerks Freies Netz S\u00fcd abzeichnete, trat ein Teil der betroffenen Neonazis in die Partei Der III. Weg ein und sah die Partei als Auffangstruktur, um staatlichen Exekutivund Verbotsma\u00dfnahmen zu entgehen. Die Aktivisten nutzen somit den Schutzmantel des Parteienprivilegs, um ihre neonazistischen Aktivit\u00e4ten fortzusetzen. Finanzierung \u00dcberwiegend durch Mitgliedsbeitr\u00e4ge und Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die Partei Der III. Weg propagiert ein rechtsextremistisches Staatsund Gesellschaftsbild, insbesondere greift sie v\u00f6lkisch-nationalistische Elemente des historischen Nationalsozialismus auf. So lehnt sie sich mit ihrem 10-PunkteProgramm ideologisch an das Gedankengut der NSDAP an und fordert einen \"deutschen Sozialismus\" ein. Julian Bender, Gr\u00fcnder des \"St\u00fctzpunkt Sauerland-S\u00fcd\", machte in seiner Antrittsrede zum Leiter des \"Gebietsverbandes West\" im November 2016 deutlich, dass er ideologisch bruchlos in der Kontinuit\u00e4t des historischen Nationalsozialismus steht. So sprach er vom \"Ziel einer v\u00f6lkischen Gemeinschaft\", dem gesellschaftlichen Idealbild der NSDAP. Zudem beteiligt sich die Partei an revisionistischen Kampagnen, die darauf abzielen, nationalsozialistische Verbrechen zu relativieren. 39","Das Parteiprogramm zeigt, dass die Rechtsextremisten eine ethnisch homogene Gesellschaft im Sinne des v\u00f6lkischen Nationalismus anstreben, die durch die rigide Ausgrenzung aller vermeintlich Fremden ohne R\u00fccksicht auf die Menschenrechte verwirklicht werden soll. Diesem Verst\u00e4ndnis folgend agitiert die Partei vor allem gegen Fl\u00fcchtlinge. Gewalt lehnt die Partei Der III. Weg lediglich aus taktischen Erw\u00e4gungen ab. Als im November 2017 ein Attent\u00e4ter den B\u00fcrgermeister von Altena wegen dessen lokaler Fl\u00fcchtlingspolitik mit einem Messer angriff, bekundete die Partei ihr Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Motivation des T\u00e4ters: \"Auch wenn der wachsende Volkszorn in Anbetracht dieses volksfeindlichen Treibens absolut verst\u00e4ndlich ist, sind t\u00e4tliche Angriffe auf einzelne Politiker absolut kontraproduktiv f\u00fcr den nationalen Kampf. Die Partei 'Der III. Weg' spricht sich klar gegen diese Verzweiflungstaten aus, da es dem System nur zur ersehnten Kriminalisierung der volkstreuen Bewegung verhilft.\" Zahlreiche Mitglieder waren zuvor in anderen rechtsextremistischen Organisationen aktiv. Zudem pflegt die Partei Kontakte zu verschiedenen rechtsextremistischen Organisation in Europa, wie z.B. \"Die Goldene Morgenr\u00f6te\" (Griechenland), dem \"Bulgarischen Nationalbund\" und \"Nordische Widerstandsbewegung\" (Schweden). Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Wie im vorangegangenen Jahr agitierte die Partei Der III. Weg auch 2017 in ihren Ver\u00f6ffentlichungen und Aktivit\u00e4ten schwerpunktm\u00e4\u00dfig gegen Fl\u00fcchtlinge. Dar\u00fcber hinaus beteiligten sich die beiden in NordrheinWestfalen angesiedelten \"St\u00fctzpunkte\" im Juli am bundesweiten \"Aktionstag gegen Homo-Propaganda\" der Partei, mit dem sie gleichgeschlechtlich lebende Menschen diffamierte. W\u00e4hrend sich die Aktivit\u00e4ten in Ostwestfalen auf das Verteilen von Flugbl\u00e4ttern beschr\u00e4nkten, brachten Parteianh\u00e4nger in Siegen Transparente an Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccken an und lie\u00dfen Schnipsel mit der Aufschrift \"Homo-Propaganda stoppen! Gesunde Familien sind die Zukunft! \" im Siegener Bahnhofsbereich fliegen, um gegen den zeitgleich stattfindenden Christopher-Street-Day zu protestieren. Um eine gr\u00f6\u00dfere \u00d6ffentlichkeit zu erreichen, dokumentierte die Partei diese Aktion in Echtzeit im Internet. Die \u00f6ffentlich wahrnehmbaren Aktivit\u00e4ten des \"St\u00fctzpunktes Hermannsland\" beschr\u00e4nkten sich 2017 auf das gelegentliche Verteilen von fl\u00fcchtlingsfeindlichen Flugbl\u00e4ttern. Ansonsten ging die Gruppierung der rechtsextremistischen \"Brauchtumspflege\" nach und beging beispielsweise ein \"Julfest\" oder funktionierte Gedenktage f\u00fcr die Opfer der Weltkriege in sogenannte \"Heldengedenken\" um. Der erst Ende des Jahres 2016 gegr\u00fcndete \"St\u00fctzpunkt Sauerland S\u00fcd\" stellte sich wie im Vorjahr als der deutlich aktivere der beiden nordrhein-westf\u00e4lischen Parteiorganisationen dar. Die lokale Parteigliederung nutzte vor allem das Facebookprofil \"Olpe wehrt sich\", um ihre Propaganda zu verbreiten, insbesondere um Migranten kontinuierlich pauschal negativ darzustellen. Die regionalen Aktivit\u00e4ten sind ma\u00dfgeblich vom Gr\u00fcnder des \"St\u00fctzpunkt Sauerland-S\u00fcd\" und Gebietsleiter West, Julian Bender, gepr\u00e4gt. Zu den Aktivit\u00e4ten des St\u00fctzpunktes z\u00e4hlte mehrfach, Flugbl\u00e4tter auszuteilen und kleinere Versammlungen durchzuf\u00fchren, an denen maximal eine geringe zweistellige Zahl von Personen teilnahm. Inhaltlich richteten sich die meisten Aktionen gegen die Einwanderungspolitik der Bundesregierung und die aus der fremdenfeindlichen Sicht der Aktivisten voranschreitende \u00dcberfremdung Deutschlands mit laut Bender \"artund kulturfremden Menschen\". Migranten werden in diesem Zusammenhang durchgehend negativ und pauschal als Gefahr dargestellt. Dazu kopierte man im Dezember 2017 von anderen \"St\u00fctzpunkten\" der Partei die \"nationalen Streifeng\u00e4nge\" als Propagandamittel. Dabei suggeriert die Gruppierung, dass sie im Stile einer B\u00fcrgerwehr f\u00fcr Sicherheit vor den vermeintlich gef\u00e4hrlichen Migranten sorge, da der Staat dabei angeblich versage. Tats\u00e4chlich posierte eine Handvoll von Aktivisten mit Partei-T-Shirts auf einer dunklen Stra\u00dfe und verbreitete das Foto im Internet, um \u00f6ffentliche Reaktionen zu provozieren. Um \u00d6ffentlichkeit hervorzurufen, provozierte die Partei Der III. Weg auch demokratische Politiker pers\u00f6nlich. So suchten im Dezember 2017 zwei Parteimitglieder vom \"St\u00fctzpunkt Sauerland-S\u00fcd\" die private Wohnanschrift eines Stadtratsmitglieds aus Olpe auf, der in der Vergangenheit die Partei verklagt hatte. Vorgeblich \u00fcberbrachten die Rechtsextremisten ein Geschenk, wie die Partei auf ihren Internetpr\u00e4senzen verk\u00fcndete. Allerdings stellte diese Aktion den wenig subtilen Versuch dar, den Kommunalpolitiker wegen seines Engagements gegen Rechtsextremismus einzusch\u00fcchtern. 40","Ansonsten bem\u00fchte sich die Gruppierung, ihren Parteianh\u00e4ngern eine rechtsextremistische Erlebniswelt anzubieten. Ihr Programm zur Sommersonnenwende 2017 beschreibt sie folgenderma\u00dfen: \"Am vergangenen Sonnabend verbrachten Aktivisten vom 'III Weg'-St\u00fctzpunkt Sauerland-S\u00fcd im engsten Kreis einen Tag in v\u00f6lkischer Gemeinschaft. In den Nachmittagsstunden wurde durch verschiedene Spiele der Sportsgeist aller gefordert und der Gemeinschaftsgeist gest\u00e4rkt. Am fr\u00fchen Abend wurde die traditionelle Sonnenwendfeier begangen.\" Bender trat auch in anderen Bundesl\u00e4ndern als Redner auf, wobei er sich inhaltlich h\u00e4ufig auf Elemente des historischen Nationalsozialismus bezog, ohne dass seine Beitr\u00e4ge strafrechtlich angreifbar waren. In einem schriftlichen Interview unter der \u00dcberschrift \"Widerstandsm\u00f6glichkeiten in Westdeutschland? \", das die Partei auf ihrer Homepage ver\u00f6ffentlichte, lehnte er die freiheitlich demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland ab. Seinen Gegenentwurf stellte er wie folgt dar: \"Nationalrevolution\u00e4re wie wir hingegen wollen etwas v\u00f6llig Neues schaffen, einen v\u00f6lkischen und sozialistischen Staat\". Unterst\u00fctzung scheint der \"Gebietsleiter West\" dabei f\u00fcr seine Partei auch bei ausl\u00e4ndischen rechtsextremistischen Gruppierungen zu suchen. Ein Beispiel ist der Kontakt zur \"Nordischen Widerstandsbewegung\" aus Schweden. Urspr\u00fcnglich wollte Bender bei einer Versammlung am 30. September 2017 in G\u00f6teborg als Redner auftreten. Allerdings verweigerten die schwedischen Beh\u00f6rden ihm die Einreise und belegten ihn mit einem dreij\u00e4hrigen Einreiseverbot. Ein weiteres Beispiel war die Teilnahme einer Gruppe von f\u00fchrenden Parteimitgliedern zusammen mit den Leitern der beiden \"St\u00fctzpunkte\" Nordrhein-Westfalens am nationalistischen \"Marsch der Nation\" in Kiew (Ukraine), den im September 2017 haupts\u00e4chlich rechtsextremistische Organisationen veranstalteten. W\u00e4hrend des mehrt\u00e4gigen Aufenthaltes besuchte die Parteidelegation unter anderem dort die Zentrale der rechtsextremistischen Partei \"Nationales Korps\". Gegen Ende des Jahres verteilten Anh\u00e4nger der Partei mehrfach im Raum D\u00fcsseldorf vereinzelte Flugbl\u00e4tter, in denen man gegen Fl\u00fcchtlinge agitierte. Au\u00dferdem f\u00fchrte man am Heiligen Abend in der Landeshauptstadt an verschiedenen Orten ein sogenanntes \"Heldengedenken\" durch. Am 6. Januar 2018 fand nahe D\u00fcsseldorf (in Mettmann) eine Veranstaltung statt, auf der sich die Partei Interessenten vorstellte. Dies sollte dem Ziel dienen, in D\u00fcsseldorf einen weiteren St\u00fctzpunkt zu gr\u00fcnden. Nach Angaben der Partei sollen ca. 30 Personen dabei gewesen sein. Ob es nach dem Niedergang der Kreisverb\u00e4nde von NPD und Die Rechte nun dem III. Weg gelingt, das rechtsextremistische Potenzial in der Landeshauptstadt zu einer handlungsf\u00e4higen Gruppierung zusammenzubringen, ist offen. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die Partei Der III. Weg stellt auch weiterhin in erster Linie eine Auffangstruktur f\u00fcr Neonazis dar. Mit der Ausnutzung des Parteienstatus beabsichtigen sie, staatliche Sanktionsma\u00dfnahmen zu erschweren. In NordrheinWestfalen schafft es bislang nur der \"St\u00fctzpunkt Sauerland-S\u00fcd\" kontinuierlich auf sich aufmerksam zu machen. Die Kontakte zu militanten rechtsextremistischen Gruppen im Ausland bergen das Potenzial, eine Radikalisierung von Parteimitgliedern zu f\u00f6rdern. Deshalb betrachtet der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen diese Zusammenarbeit sehr genau und r\u00e4umt der Beobachtung dieser Aktivit\u00e4ten eine hohe Priorit\u00e4t ein. 41","Identit\u00e4re Bewegung Deutschland e.V. Sitz / Verbreitung Ursprung in Frankreich; seit 2012 in Deutschland; Vereinssitz ist Paderborn Gr\u00fcndung / Bestehen seit Seit Mai 2014 ist die urspr\u00fcnglich virtuelle Aktionsform als Identit\u00e4re Bewegung Deutschland e.V. (IBD) vereinsrechtlich registriert. Struktur / Repr\u00e4sentanz Die IBD verf\u00fcgt \u00fcber zellenartige Strukturen auf lokaler Ebene. Im Zuge der organisatorischen Neuausrichtung 2014 wurden daraus formal bundesweit regionale Gruppen gebildet. In Nordrhein-Westfalen waren dies zun\u00e4chst die Identit\u00e4re Bewegung Rheinland und die Identit\u00e4re Bewegung Westfalen; 2017 erfolgte die Zusammenlegung zur Identit\u00e4ren Bewegung Nordrhein-Westfalen. Dar\u00fcber hinaus existieren Identit\u00e4re Bewegungen in anderen europ\u00e4ischen Staaten, wie in Italien, Frankreich und in \u00d6sterreich. Zwischen den Gruppen in Deutschland und \u00d6sterreich besteht eine engmaschige Vernetzung. Nach eigenen Angaben verf\u00fcgt die IBD in Nordrhein-Westfalen \u00fcber formelle Substrukturen - so genannte Ortsgruppen - in Aachen, Bielefeld, Bonn, im Bergischen Land, Bochum, Duisburg, D\u00fcsseldorf, Essen, Hagen, K\u00f6ln, M\u00fcnster, Neuss und Paderborn. Mitglieder / Anh\u00e4nger / Unterst\u00fctzer 2017 Bei der IBD handelt es sich im Wesentlichen um einen losen Verbund lokaler Aktivisten, die in Kleingruppen vor Ort agieren. Die organisatorische Struktur hat sich in den letzten Jahren verstetigt. Dar\u00fcber hinaus hat sich ein mobiler Aktivistenstamm gebildet, der bundesweit in Erscheinung tritt. Obwohl Nordrhein-Westfalen weiterhin kein aktionsbezogener Schwerpunkt ist, ist die Gruppierung insbesondere im Raum Ostwestfalen sowie im Raum Aachen in das rechtsextremistischen Spektrum gut vernetzt. In einigen F\u00e4llen bestehen personelle \u00dcberschneidungen mit rechtsextremistischen Parteien und Gruppen. Die IBD verf\u00fcgt in Nordrhein-Westfalen nur \u00fcber einen kleinen Aktivistenkreis von bis zu 25 Personen. Hinzu tritt ein etwa 30 bis 40 Anh\u00e4nger umfassender Personenkreis von aktionsorientierten Sympathisanten. Ver\u00f6ffentlichungen Die IBD verf\u00fcgt \u00fcber einen zentralen Internetauftritt und einen Onlineshop. Dar\u00fcber hinaus sind die einzelnen Gliederungen in den g\u00e4ngigen sozialen Netzwerken vertreten. Zur direkten, zielgruppenorientierten Ansprache nutzt die IBD f\u00fchrende Videoplattformen. Kurzportrait / Ziele Ideologisch greift die IBD die von der \"Neuen Rechten\" entwickelte Idee des Ethnopluralismus auf. Dabei handelt es sich um eine modernisierte Variante v\u00f6lkischer Ideologie, die mit kulturellen Argumenten verbunden wird. Diese Idee behauptet, dass der Einzelne nur in einer ethnisch homogenen Umgebung seine kulturelle Identit\u00e4t finden und erhalten k\u00f6nne. Eine Vermischung von Ethnien wird abgelehnt, stattdessen werden ethnisch homogene Nationen gefordert. Eine Zuwanderung von nicht der eigenen Volksgruppe angeh\u00f6renden \"Fremden\" - also von Menschen, die nicht als Teil dieser \"Identit\u00e4t\" angesehen werden - wird grunds\u00e4tzlich abgelehnt. Diesem Verst\u00e4ndnis folgend sind die Inhalte und Aktivit\u00e4ten der IBD gepr\u00e4gt von fremdenfeindlichen und Minderheiten ausgrenzenden Positionen. Die IBD hat eine pr\u00e4gnante visuelle Symbolik entwickelt, die sich um einen avantgardistischen Habitus bem\u00fcht und sich von traditionellen rechtsextremistischen Mustern abheben soll. Insbesondere setzt sie darauf, mit mediengerecht inszenierten Aktionen an symbolischen Orten \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit zu gewinnen. Dabei adaptiert sie \u00f6ffentliche Aktionsformen, wie sie aus dem Bereich des Umweltprotestes bekannt sind. Dazu geh\u00f6rt 42","beispielsweise das Entrollen gro\u00dfer Banner an gut sichtbaren \u00d6rtlichkeiten (Br\u00fccken, \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude etc.). Es geht um ein \"modernes\" Erscheinungsbild, das junge Menschen mit gutem Bildungsniveau ansprechen soll. Finanzierung Mitgliedsbeitr\u00e4ge und Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die Ideologie der IBD als Teil der \"Neuen Rechten\" fundiert auf einem Politikverst\u00e4ndnis, das sich grunds\u00e4tzlich gegen die Menschenrechte und eine pluralistische Demokratie richtet. Sowohl die letztlich rassistische Doktrin des Ethnopluralismus als auch der kollektivistische Grundsatz, das Individuum mit seinen Menschenrechten der Nation unterzuordnen, sind unvereinbar mit den Werten der freiheitlich demokratischen Grundordnung. Mit ihren \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktivit\u00e4ten versucht die IBD Einfluss auf die politische \u00d6ffentlichkeit zu nehmen und ihre rechtsextremistischen Positionen zu verbreiten. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum In Nordrhein-Westfalen war die IBD bislang vorwiegend in den sozialen Netzwerken aktiv. Sie profitiert dabei von einer sich viral ausdehnenden Breitenwirkung, die mehrheitlich von regionalen Gruppierungen au\u00dferhalb Nordrhein-Westfalens gesteuert wird. Vor allem verbreitet die IBD auf ihren Internetpr\u00e4senzen Bilder, Videos und Berichte \u00fcber ihre meist von Kleingruppen durchgef\u00fchrten Aktionen, denen sie damit bundesweite Resonanz und die Aufmerksamkeit der Medien\u00f6ffentlichkeit verschafft. Der IBD gelingt es auf diese Weise immer wieder, sich medial bzw. virtuell in ihrer Bedeutung zu \"vergr\u00f6\u00dfern\". Eine hohe mediale Pr\u00e4senz erlangte beispielsweise die Kampagne \"Defend Europe\" im August 2017. Die mehrt\u00e4gige \"Mission\" gegen angebliche \"Schlepperaktivit\u00e4ten von Nichtregierungsorganisationen (NGO)\" im Mittelmeerraum umfasste die Anmietung eines Schiffes unter Teilnahme von bis zu acht Aktivisten. Obwohl die Aktion - mit der gezielt Stimmung gegen Fl\u00fcchtlinge gesch\u00fcrt und Hilfsma\u00dfnahmen diskreditiert werden sollten - insgesamt lediglich Symbolcharakter hatte, war sie f\u00fcr die IBD von zentraler Bedeutung, weil sie europaweit Aufmerksamkeit erregte und Spenden von \u00fcber 230.000 US-Dollar einbrachte. In Nordrhein-Westfalen brachten am 16. Juli und am 27. August 2017 IBD-Aktivisten kurzzeitig Transparente an der Fassade der Stadthalle in Wuppertal und eines K\u00f6lner WDR-Geb\u00e4udes an. Auch diese Aktionen besa\u00dfen reinen Werbeund Pr\u00e4senzcharakter und dienten der anschlie\u00dfenden medialen Vermarktung im Internet. Am 9. September 2017 versammelten sich Angeh\u00f6rige der IBD nach Bekanntwerden von Ermittlungen im Zusammenhang mit einem sexuellen \u00dcbergriff vor einer Fl\u00fcchtlingsunterkunft in Haltern und entrollten ein Banner mit dem Logo \"Kein 'Einzelfall' bleibt vergessen\". Weiterhin wurden Schilder mit der Aufschrift \" Achtung Vergewaltigungsgefahr\" angebracht sowie korrespondierende Flyer in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone verteilt. Dies geschah im Rahmen der bundesweiten fremdenund islamfeindlichen Kampagne der IBD \"Kein Opfer ist vergessen\". Dabei thematisiert die Organisation ausschlie\u00dflich Gewalthandlungen durch Migranten, um Menschen dieser Gruppe generell als Gewaltt\u00e4ter und Vergewaltiger zu stigmatisieren. Die gleiche propagandistische Zielrichtung weist auch die Verteilung von Reizgassprays am 27. Februar 2017 in Bonn, am 16. M\u00e4rz 2017 in Hagen und am 28. Juli in M\u00fcnster 2017 sowie eine Banneraktion anl\u00e4sslich des Weihnachtsmarktes in Wuppertal am 2. Dezember 2017 auf. Daneben organisierte die IBD mehrfach Stammtische der diversen Ortsgruppen. Mehrmals f\u00fchrten kleinere Gruppen Aktionen wie Flugblattverteilungen und Plakatierungen durch. Dies geschah vor allem in Ostwestfalen, im Ruhrgebiet und im Gro\u00dfraum K\u00f6ln. Sowohl auf ihren virtuellen Pr\u00e4senzen als auch bei ihren realen Aktionen beziehen sich die Gruppen der IBD aus Nordrhein-Westfalen immer wieder auf die 2015 von der Identit\u00e4ren Bewegung \u00d6sterreich initiierten Kampagne \"Der Gro\u00dfe Austausch\". Die IBD versteht darunter die Entwicklung \"einer schrittweisen Verdr\u00e4ngung der einheimischen Bev\u00f6lkerung zugunsten Fremder und zumeist muslimischer Einwanderer.\" Dies w\u00fcrde zum Verschwinden der \"Deutschen\" f\u00fchren, wogegen sich die IBD als \"Jugend ohne Migrationshintergrund\" wehren w\u00fcrde. Verschw\u00f6rungstheoretisch behauptet sie, dass die politischen Eliten diesen Austausch gezielt vorantreiben 43","w\u00fcrden. In der Kampagne zeigt sich die Ideologie des v\u00f6lkischen Nationalismus, nach der sich Einheimische und Migranten, insbesondere Muslime, gegen\u00fcberst\u00fcnden. Deutschsein h\u00e4ngt in dieser Logik von der Abstammung ab, womit eine Integration nicht m\u00f6glich sei und Migranten niemals Deutsche werden k\u00f6nnten. Mit der Kampagne will die IBD Einwanderung als etwas generell Negatives, vor allem als Bedrohung, diskreditieren und Fremdenfeindlichkeit legitimieren. Damit handelt es sich um eine sprachlich und symbolisch modernisierte Variante der von der neonazistischen Szene in den letzten Jahren betriebenen sogenannten \"Volkstod-Kampagne\". Beispielsweise teilte die IBD Nordrhein-Westfalen auf ihrem Facebookprofil im August 2017 mit: \"Der gro\u00dfe Austausch ist kein lokales Ph\u00e4nomen, sondern eine Entwicklung, die nahezu alle westeurop\u00e4ischen St\u00e4dte betrifft. Was die Multikultis euphemistisch als demografischen Wandel bezeichnen, ist die schrittweise Ver\u00e4nderung unserer Lebenswirklichkeit.\" In einem weiteren Statement schrieb sie: \"Der gro\u00dfe Austausch ist kein Hirngespinnst... Wir wollen nicht zur Minderheit in unserer Heimat werden!\". Zur Festigung des Gruppenzusammenhalts und F\u00f6rderung der Aktionsf\u00e4higkeit veranstaltete die IBD NordrheinWestfalen im Oktober 2017 einen Sportund Gemeinschaftstag. Inhalt der Veranstaltung waren vorwiegend Aktionsformen mit laut Eigendarstellung \"teambildenden Ma\u00dfnahmen\", insbesondere der Selbstverteidigung. Hierzu hei\u00dft es auf dem Facebookprofil: \"Wir... bieten jungen Patrioten eine gesunde Alternative zu Merkeljugend oder altrechten Kameradschaften und legen gro\u00dfen Wert darauf, sich geistig wie auch k\u00f6rperlich weiter zu entwickeln.\" Im Dezember 2017 gab die IBD Nordrhein-Westfalen zudem die Gr\u00fcndung eines \"identit\u00e4ren Sportvereines\" in K\u00f6ln bekannt. Mit drohendem Unterton hei\u00dft es hierzu: \"Heute ist es die blanke Notwendigkeit des immer brutaleren Multikulti-Alltags, die uns zwingt, unsere Sicherheit selbst in die Hand zu nehmen. L\u00e4ngst hat die Polizei ganze Stadtteile \u00fcberall in NRW aufgegeben. Verbrechen und \u00dcbergriffe von 'S\u00fcdl\u00e4ndern', aber auch politisch motivierte Angriffe werden immer h\u00e4ufiger... Hier trainieren unsere Aktivisten regelm\u00e4\u00dfig und unter professioneller Anleitung. Neben allgemeiner Fitness steht vor allem Selbstverteidigung und Deeskalationstraining auf dem Programm.\" Die IBD sucht insbesondere die N\u00e4he zum Milieu der Burschenschaften und dem publizistischen Umfeld der Neuen Rechten. So trat der Leiter der Identit\u00e4ren Bewegung \u00d6sterreich am 6. November 2016 bei der Bielefelder Burschenschaft Normannia-Nibelungen auf. Bereits 2014 war die IBD im Rahmen eines Vernetzungstreffens der Neuen Rechten, dem sogenannten \"Zwischentag\", bei der alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn vertreten. Am 14. Juli 2017 nahmen deutsche und \u00f6sterreichische F\u00fchrungsaktivisten der Identit\u00e4ren Bewegung im Rahmen einer Lesung an einer Veranstaltung des ARCADI-Magazins - einer Onlineund Print-Publikation mit Bez\u00fcgen zur Neuen Rechten, die sich nach Eigendarstellung als Bildungsprojekt an Sch\u00fcler und Studenten richtet - in Leverkusen teil. Anl\u00e4sslich des Bundestagswahlkampfs beschrieb im September 2017 der Co-Leiter der Identit\u00e4ren Bewegung in \u00d6sterreich, Martin Sellner, der auch gro\u00dfen Einfluss auf die IBD besitzt, auf seinem YouTube-Kanal, wie die IBD die AfD unterst\u00fctzen solle. Laut dem rechtsextremistischen Aktivisten versuchten andere Politiker die AfD zur \"Schmuddelpartei\" zu machen, die \"man \u00f6ffentlich nicht w\u00e4hlen m\u00f6chte\". Dagegen sollen die Identit\u00e4ren vorgehen. \"Das alles geht aber nur, und das ist die Kernbotschaft dieses Videos, wenn wir mehr machen als unsere Stimme abzugeben und wir erkennen dass wir alle Metapolitiker sind und in der Metapolitik aktiv werden\". Mit Metapolitik meint Sellner die \u00f6ffentlichen Debatten \u00fcber Politik. Die IB solle demnach versuchen, auf die \u00f6ffentliche Meinungsbildung Einfluss zu nehmen, um die AfD und ihre Anliegen positiv darzustellen. Die IBD distanziert sich weiterhin von der Identit\u00e4ren Aktion (IA). Die IBD begr\u00fcndet dies unter anderem damit, dass die IA \"immer wieder die N\u00e4he zu altrechten und rechtsextremen Projekten und Personen\" suche. Stattdessen gelte es, \"Br\u00fccken zwischen patriotischen Str\u00f6mungen zu schlagen\". Mit dieser Unterscheidung m\u00f6chte die IBD verschleiern, dass zumindest ein Teil ihrer Aktivisten aus anderen rechtsextremistischen Spektren stammt und es mit dem v\u00f6lkischen Nationalismus sowie der Fremdenfeindlichkeit eine bedeutsame ideologische Schnittmenge mit dem klassischen Rechtsextremismus gibt. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die IBD erzeugt mit modernen Ausdrucksformen und dem Bem\u00fchen um einen intellektuellen Anspruch bei Bev\u00f6lkerungsschichten eine Resonanz, die traditionelle Rechtsextremisten bislang nicht erreichen. Die Gruppierung kn\u00fcpft dabei bewusst an die Lebenswelten von internetaffinen jungen Menschen an. Da die IBD sich nicht mit den \u00fcblichen rechtsextremistischen Slogans und Symbolen inszeniert, ist ihre ideologische Ausrichtung 44","nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Aufgrund der personellen \u00dcberschneidungen mit anderen rechtsextremistischen Gruppierungen ist auch ein gemeinsames Auftreten bei Kundgebungen oder \u00f6ffentlichen Ereignissen zu beobachten. Einer dauerhaften strukturellen Kooperation mit rechtsextremistischen Gruppen und Parteien oder einer gegenseitigen Akzeptanz auf breiter Ebene steht jedoch der elit\u00e4r-avantgardistische Anspruch der IBD weiterhin entgegen. 45","Neonazis Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1970er Jahre Struktur / Repr\u00e4sentanz Gruppierungen auf lokaler Ebene, die teilweise in vereins\u00e4hnlichen \"Kameradschaften\" oder in Kreisverb\u00e4nden der Partei Die Rechte organisiert sind; \u00fcberregionale Vernetzung der Szene zur Koordinierung und Durchf\u00fchrung gemeinsamer Aktivit\u00e4ten; mit den Verboten der wichtigsten Kameradschaften hat in der Neonazi-Szene in Nordrhein-Westfalen ein Strukturwandel stattgefunden. Die Partei Die Rechte stellt in Nordrhein-Westfalen nunmehr das Gravitationszentrum des Neonazismus dar. Mitglieder / Anh\u00e4nger / Unterst\u00fctzer 2017 Circa 650 Ver\u00f6ffentlichungen Internetpr\u00e4senzen und Profile der Partei Die Rechte sowie einzelner Gruppen in den sozialen Netzwerken Kurzportrait / Ziele Der Neonazismus stellt sich in die ideologische Tradition des historischen Nationalsozialismus. Die Anh\u00e4nger organisieren sich regional in Kleingruppen, sogenannten \"Kameradschaften\". Diese werden oftmals von einer Person nach dem \"F\u00fchrerprinzip\" geleitet. Die Szene ist \u00fcberregional vernetzt und findet sich bei Veranstaltungen wie Demonstrationen oder Rechtsrock-Konzerten zusammen. Seit Mitte der 2000er Jahre ist innerhalb der neonazistischen Szene das Ph\u00e4nomen der Autonomen Nationalisten zu beobachten. Diese orientieren sich bez\u00fcglich Habitus und Kleidung an der Autonomen linksextremistischen Antifa. Zudem versuchen die Autonomen Nationalisten Themenfelder des politischen Gegners wie Antikapitalismus oder Antiglobalisierung f\u00fcr die eigene Propaganda zu vereinnahmen. Diese Modernisierung fand jedoch unter Beibehaltung der neonazistischen Ideologie statt. Finanzierung Beitr\u00e4ge der Anh\u00e4nger Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die Neonazi-Szene ist durch ein offenes Bekenntnis zum Nationalsozialismus sowie durch ihre Gewaltbereitschaft gekennzeichnet. Neonazis verfolgen die Errichtung eines \"Vierten Reiches\", basierend auf den programmatischen Forderungen der NSDAP von 1920. Ideologische Grundlage ist ein rassenbiologisch gepr\u00e4gtes, v\u00f6lkisches Menschenbild und die Vorstellung einer antipluralistischen Gesellschaft sowie eines autorit\u00e4ren Staates. In diesem Sinne fordert ein f\u00fchrender Neonazi aus Nordrhein-Westfalen am 13. M\u00e4rz 2017 auf seinem Blog \"Auf dem Weg von einer Widerstandsbewegung, hin zu einer Bewegung, die eine Zukunft f\u00fcr das deutsche Volk als biologische Einheit formt, werden gro\u00dfe Opfer gebracht werden m\u00fcssen und ist Repression das deutlichste Zeichen f\u00fcr den Erfolg unserer Arbeit. Niemand bek\u00e4mpft eine Idee, die er f\u00fcr ungef\u00e4hrlich h\u00e4lt. Packen wir es an! Werden wir gef\u00e4hrlich!\" Vermeintlich Fremde und auch politische Gegner gelten als Feinde, denen ein geringeres beziehungsweise gar kein Existenzrecht zuerkannt wird. Damit wird Gewalt gegen \"Fremde\" beziehungsweise \"Feinde\" legitimiert. Schwerpunktm\u00e4\u00dfig agitierte die neonazistische Szene auch 2017 gegen Migranten, insbesondere gegen Fl\u00fcchtlinge. So endet beispielsweise auf der neonazistischen Webseite \"Harsewinkel Echo\" ein hetzerischer 46","Beitrag \u00fcber Asylbewerber am 29. Mai 2017 mit dem Statement: \"Asylbetrug ist kein Menschenrecht - Sie (die Migranten, Anm. der Redaktion) sind Wirtschaftskriminelle - Sie sind Feinde Deutschlands\". Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Nachdem im Jahr 2012 das Innenministerium Nordrhein-Westfalens die vier aktivsten Kameradschaften verboten hatte, folgte f\u00fcr den Gro\u00dfteil der organisierten Neonazi-Szene die 'Flucht in die Parteien'. Die Mehrzahl der Neonazis sind nun in der Partei Die Rechte organisiert, eine kleinere Zahl in der Partei Der III. Weg. Der Rest der Szene in Nordrhein-Westfalen besteht aus kleineren, nur lose organisierten Gruppierungen und Einzelpersonen, die sich gelegentlich an Veranstaltungen der Partei Die Rechte beteiligen. Ferner legen einige Neonazis ihren Schwerpunkt auf virtuelle Aktivit\u00e4ten. Mit den Twitter-Accounts Freies Netz Stolberg und Freier Widerstand Oberhausen verbreiten die Betreiber nahezu t\u00e4glich negative Nachrichten \u00fcber Migranten, um fremdenfeindliche Ressentiments zu sch\u00fcren. Eine Handvoll langj\u00e4hriger Neonazis bildet die Gruppierung K\u00f6ln f\u00fcr deutschen Sozialismus, die sich unverhohlen zum Nationalsozialismus bekennt. Auf ihrer Internetpr\u00e4senz wirbt sie mit einem Bild von K\u00f6ln, in das Angeh\u00f6rige der Hitler-Jugend einf\u00fcgt sind. Dort rief sie im Vorfeld einer von ihr am 14. Januar 2017 veranstalteten Demonstration mit Bezug zu \u00dcbergriffen an Silvester zur Selbstjustiz auf: \"Lasst uns zusammen zeigen, da\u00df wir das alles nicht mehr hinnehmen wollen! Wir sehen uns auf der Stra\u00dfe, denn unsere Arml\u00e4nge Abstand ist die deutsche Faust!\" Der Veranstalter verbot ausdr\u00fccklich Fahnen der Bundesrepublik Deutschland und des Landes Nordrhein-Westfalen. Stattdessen solle man schwarz-wei\u00df-rote und andere \"stolze Fahnen\" mitbringen. An der Demonstration nahmen rund 100 Personen teil. Davon stammte rund die H\u00e4lfte aus dem Umfeld des Dortmunder Kreisverbandes der Partei Die Rechte. Die andere H\u00e4lfte war dem rechtsgerichteten Hogesa-Spektrum zuzuordnen. \u00dcber das undisziplinierte Auftreten der letzteren Gruppe echauffierte sich der Versammlungsleiter w\u00e4hrend der Demonstration erkennbar. Eine weitere Demonstration f\u00fchrte die Gruppe am 15. April 2017 durch. Im Aufruf hie\u00df es in nationalsozialistischer Diktion, dass K\u00f6ln \"wie alle deutschen St\u00e4dte und Gaue, im \u00dcberfremdungswahn der Herrschenden zu versinken drohe\". Es kamen lediglich elf Rechtsextremisten zu der Veranstaltung, was auf das geringe Ansehen der K\u00f6lner Gruppierung in der Neonazi-Szene in NordrheinWestfalen hinweist. Des Weiteren baute sie mehrfach in der Innenstadt und im K\u00f6lner Westen \"Informationsst\u00e4nde\" auf, die mit ihrer schwarz-wei\u00df-roten Gestaltung und dem Gruppennamen in Frakturschrift auf \u00f6ffentliche Resonanz durch Provokation abzielten. Zudem verteilten sie auch gelegentlich Flugbl\u00e4tter. Auf einem propagierten sie ihre Gegnerschaft zur freiheitlichen Demokratie und ihr Eintreten f\u00fcr die nationalsozialistische Idee der Volksgemeinschaft: \"Wir von K\u00d6LN F\u00dcR DEUTSCHEN SOZIALISMUS haben es zu unserer Aufgabe gemacht, dem alles vernichtenden, antideutschen System hierzulande die deutsche Volksgemeinschaft entgegenzusetzen. Das deutsche Volk soll [...] nicht in einem antiv\u00f6lkischen Chaos untergehen.\" Im Umfeld des Dortmunder Kreisverband der Partei Die Rechte ist die Aktionsgruppe Dortmund-West aktiv. Die Kleinstgruppe versucht immer wieder durch \"Informationsst\u00e4nde\", das Verteilen von Flugbl\u00e4ttern oder das Anbringen von Spruchb\u00e4ndern Aufmerksamkeit zu erhalten, um rechtsextremistische Propaganda zu verbreiten. Beispielsweise zeigte sie im September 2017 ein Plakat an einer vielbefahrenden Stra\u00dfe mit dem Spruch: \"Die Demokraten bringen uns Terror, Armut & Volkstod\". Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Gruppe, als sie am 21. September 2017 vor mehreren Schulen in Dortmund kleine Kundgebungen abhielt und Pamphlete an Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler verteilte. Dar\u00fcber hinaus beschmiert sie Br\u00fcckenpfeiler und Mauern mit Graffitis, auf denen sie sich selbst als \"Nazibande\" bezeichnet. Die Neonazis geh\u00f6ren zur Sympathisantenszene von Die Rechte in Dortmund und beteiligen sich regelm\u00e4\u00dfig an Aktivit\u00e4ten des Kreisverbandes. In Ostwestfalen existiert die neonazistische Gruppierung Nationalisten Kreis G\u00fctersloh. Diese beteiligte sich 2017 noch an verschiedenen Aktivit\u00e4ten des Kreisverbandes OWL der Partei Die Rechte. Nachdem die politischen Aktionen nach dem Wegzug des bisherigen Kreisvorsitzenden deutlich nachlie\u00dfen, gelang es den G\u00fctersloher Neonazis nicht, mit selbst\u00e4ndigen Aktionen ihre rechtsextremistischen Positionen wirksam in die \u00d6ffentlichkeit zu tragen. Auch auf der Webseite \"Harsewinkel ECHO\" verbreitete sie 2017 nur noch selten Kommentare. Diese waren aber weiterhin rechtsextremistisch gepr\u00e4gt. So hei\u00dft es in einem Beitrag: \"Zuerst einmal haben hier Ausl\u00e4nder oder deren Integrationsr\u00e4te gar nichts, aber absolut gar nicht zu fordern, zu empfehlen oder zu bekommenmit Ausnahme ihrer eigenen Abschiebung aus der BRD!\" 47","Vor allem im Rhein-Sieg-Kreis agierte die Identit\u00e4re Aktion (IA). Diese rund zehn Personen umfassende Gruppe bildete zun\u00e4chst die Identit\u00e4re Bewegung Bonn/Rheinland, spaltete sich aber 2014 nach Streitigkeiten mit der Bundesf\u00fchrung der Identit\u00e4ren Bewegung ab. Die F\u00fchrungsaktivistin der IA, Melanie Dittmer, suchte die Zusammenarbeit mit verschiedenen rechtsextremistischen Organisationen von der NPD, \u00fcber die Partei Die Rechte bis hin zu anderen Neonazi-Gruppierungen, weswegen auf der Webseite der IA auch das Motto prangt: \"Identit\u00e4rer Widerstand ohne Spaltung und Abgrenzung\". Diese Zusammenarbeit wurde auch international gesucht. So nahmen zwei Vertreter der IA am 18. Februar 2017 am rechtsextremistischen \"Lukov-Marsch\" in Bulgarien teil. Ein im Februar 2017 auf ihrer Webseite ver\u00f6ffentlichtes \"Identit\u00e4res Manifest\" nennt als ideologische Grundlage den \"Ethnopluralismus\". Dieser geht davon aus, dass das Zusammenleben unterschiedlicher ethnischer Gruppen abzulehnen ist. Menschen, die ethnisch keine Deutschen seien, werden unabh\u00e4ngig von ihrer Staatsb\u00fcrgerschaft als St\u00f6rfaktoren wahrgenommen, die die Bewahrung des eigenen Volkes bedrohen w\u00fcrden. Diese Ideologie schl\u00e4gt sich in der Propaganda nieder. Das Amtsgericht Wetzlar verurteilte die F\u00fchrungsaktivistin im November 2017 wegen Volksverhetzung zu einer siebenmonatigen Bew\u00e4hrungsstrafe, nachdem sie auf eine Demonstration von NPD und Neonazis als Rednerin Fl\u00fcchtlinge mit der Pest im Mittelalter verglichen hatte. Au\u00dferdem betonte die Gruppe in ihrem Manifest ihren aktionistischen Charakter und die Bedeutung von gemeinschaftsstiftenden Aktivit\u00e4ten. Dazu z\u00e4hlen sowohl Wanderungen und ideologische \"Folkloreveranstaltungen\" wie \"Sonnenwendfeiern\" als auch das Verteilen von Flugbl\u00e4ttern oder der rechtsextremistischen Zeitschrift Recht und Wahrheit. Die IA versuchte in der rechtsextremistischen Szene f\u00fcr sich zu werben und war am 29. Juli 2017 mit einem Stand auf dem rechtsextremistischen Rockfestival \"Rock f\u00fcr Identit\u00e4t\" in Themar (Th\u00fcringen) vertreten. Zu den Rednern z\u00e4hlte auch die Hauptprotagonistin. Im September verk\u00fcndete die Gruppe, dass sie nun angeblich ebenfalls in Th\u00fcringen aktiv sei. Seit 2016 firmiert die Gruppe weitgehend personenidentisch auch unter dem Namen Freundeskreis Rhein Sieg. Diese beansprucht \"Metapolitik zu betreiben.\" In einem Artikel der rechtsextremistischen Zeitschrift N.S. Heute beschreibt sie diesen Ansatz folgenderma\u00dfen: \"Metapolitik bezeichnet den 'vorpolitischen Raum'. Also politische Agitation auf subversive Art und Weise ohne einen Parteibezug. Das hei\u00dft, man macht keine Infost\u00e4nde f\u00fcr eine Wahlpartei, sondern man trifft sich als Gruppe und geht beispielsweise im Wald M\u00fcll einsammeln. Die Menschen k\u00f6nnen solche Aktionen nicht schlechtreden. Auch andere Projekte sind denkbar: Kleidung verteilen an Obdachlose, Spenden sammeln f\u00fcr das Tierheim usw. [...] Die Stra\u00dfe ist durch gelebte Volksgemeinschaft zur\u00fcckzuerobern.\" Dieser Strategie folgend reparierte die Gruppe beispielsweise eine Bank und ein Gel\u00e4nder an einem Aussichtspunkt in Windeck und brachte dort ihren Namen an. Ebenso greifen Neonazis mit dem Verein Volkshilfe e.V. diese metapolitische Strategie auf, um unter dem Deckmantel einer karitativen Organisation rechtsextremistische Propaganda zu verbreiten. Die Selbstdarstellung auf der Webseite des Vereins folgt der v\u00f6lkisch-nationalistischen Diktion, nach der die Mitglieder eine ethnischhomogene Gemeinschaft - anstelle einer freiheitlich pluralistischen Gesellschaft - anstreben. Der in NordrheinWestfalen und Niedersachsen t\u00e4tige Verein verf\u00fcgt inzwischen in G\u00fctersloh \u00fcber eine Art Vereinsheim. Im Februar 2017 verteilte der Verein Flugbl\u00e4tter in Briefk\u00e4sten in G\u00fctersloh, um unter anderem f\u00fcr Treffen in diesem Vereinsheim zu werben. Laut Eigendarstellung des Vereins gibt es in Nordrhein-Westfalen inzwischen Ortsgruppen in G\u00fctersloh, Hagen und dem Ruhrgebiet. In einem offenen Brief an die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft im August 2017 fragte der Verein nach einer vermeintlichen Deutschenfeindlichkeit an Schulen. Dem fremdenfeindlichen Argumentationsmuster folgend werden darin Deutsche ausschlie\u00dflich als Opfer und Migranten ausschlie\u00dflich als T\u00e4ter dargestellt. Auswirkungen auf die Neonazi-Szene in Nordrhein-Westfalen d\u00fcrfte die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen das Aktionsb\u00fcro Mittelrhein (AB Mittelrhein) haben. Das AB Mittelrhein agierte bis 2012 als neonazistische Kameradschaft im Norden von Rheinland-Pfalz. Zugleich betrieb es gewisserma\u00dfen die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der Aktionsgruppe Rheinland. Letzteres war die Vernetzungsstruktur von neonazistischen Gruppen und Szenen im Rheinland. Das urspr\u00fcngliche Verfahren begann im August 2012 vor dem Landgericht Koblenz und richtete sich gegen 26 Personen, denen die Staatsanwaltschaft vorwarf, eine kriminelle Vereinigung gebildet zu haben. Rund ein Drittel der Angeklagten stammte aus Nordrhein-Westfalen. Darunter befanden sich auch einige F\u00fchrungspersonen der nordrhein-westf\u00e4lischen Neonazi-Szene. Das Landgericht Koblenz hatte den Prozess im Mai 2017 nach 337 Verhandlungstagen wegen der \"\u00fcberlangen Verfahrensdauer\" eingestellt. Nachdem die Staatsanwaltschaft erfolgreich Beschwerde gegen die Einstellung einlegte, erfolgt nun eine Wiederaufnahme des Strafprozesses. Das bisherige Strafverfahren hat die Neonazi-Szene im Rheinland bislang durchaus beeintr\u00e4chtigt und einige damalige Aktivisten zum Ausstieg veranlasst. 48","F\u00fcr die Neonazi-Szene in Nordrhein-Westfalen waren 2017 zwei \u00fcberregionale Veranstaltungen relevant. Im Berliner Bezirk Spandau fand am 29. August 2017 eine neonazistische Demonstration zum Gedenken an den Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess statt. Angemeldet hatte die Veranstaltung ein langj\u00e4hriger Aktivist vom Niederrhein. Bundesweit hatte die Neonazi-Szene intensiv zu dieser Veranstaltung mobilisiert. Rund 750 Rechtextremisten nahmen daran teil. Die Demonstrationsteilnehmer in der ersten Reihe trugen ein Banner mit dem bezeichnenden Motto \"Ich bereue nichts\". Weitere 250 Rechtsextremisten, die zu einem gro\u00dfen Teil aus Nordrhein-Westfallen stammten, konnten wegen eines Brandanschlages auf Bahnanlagen den Veranstaltungsort nicht erreichen und f\u00fchrten in der Nachbargemeinde Falkensee (Brandenburg) eine Ersatzveranstaltung durch. Nachdem seit 2015 die Szene sich zumeist auf fl\u00fcchtlingsfeindliche Agitation konzentriert hatte, zeigt diese Veranstaltung, dass die Verherrlichung des Nationalsozialismus wieder an Bedeutung gewinnt. Wie in den vorangegangenen Jahren pr\u00e4gten Neonazis aus Nordrhein-Westfalen den \"Gedenkmarsch f\u00fcr die Toten in den alliierten Rheinwiesenlagern\" in Remagen (Rheinland-Pfalz). Am 19. November 2017 beteiligten sich rund 250 Rechtsextremisten daran, wobei es sich um parteilose Neonazis, Mitglieder der NPD sowie der Partei Die Rechte handelte. Die Veranstaltung meldete der gleiche Rechtsextremist an, der auch f\u00fcr die Hess-Demonstration verantwortlich war. Die meisten Redner kamen aus Nordrhein-Westfalen. Mit der Veranstaltung instrumentalisiert die Neonazi-Szene vermeintliche Kriegsverbrechen der Alliierten im 2. Weltkrieg, um Deutschland als ein Opfer des Krieges darzustellen, die Verbrechen des NS-Regimes zu relativieren und letztlich die Legitimit\u00e4t der Bundesrepublik Deutschland in Abrede zu stellen. Ein Redner formulierte dies folgenderma\u00dfen: \"Das, dass wir heute tun, kein Blick zur\u00fcck ist, sondern ein Blick in die Zukunft. Ein Blick in die Zukunft, der daf\u00fcr helfen wird, die Anklage zu formulieren, auf der wir diese Republik zu Fall bringen.\" Im Zuge der Bundestagswahl fand in der Neonazi-Szene eine Diskussion statt, ob und gegebenenfalls wen man w\u00e4hlen sollte. Bemerkenswert ist, dass die Diskutanten sich dabei offen auf Adolf Hitler bezogen. So hei\u00dft es in einem Beitrag eines f\u00fchrenden Neonazis aus Nordrhein-Westfalen: \"Kreativere K\u00f6pfe haben sich f\u00fcr die Legitimation ihres Handelns einen m\u00e4chtigen Beistand gesucht, schlie\u00dflich hat der F\u00fchrer nach 1923 auch stets darauf gepocht, dass man sich legal verhalten solle und nat\u00fcrlich an Wahlen teilnehmen muss. Gute und richtige These, sowohl inhaltlich als auch argumentativ, denn wer widerspricht schon gern dem F\u00fchrer.\" Bewegung, Tendenzen, Ausblick Die neonazistische Szene in Nordrhein-Westfalen ist \u00fcberwiegend in den Parteien Die Rechte und Der III. Weg organisiert. Dar\u00fcber hinaus existieren einige kleinere Gruppierungen. Der Kreisverband Dortmund von Die Rechte ist weiterhin das Gravitationszentrum. Nachdem in den beiden vorangegangenen Jahren der Zuzug von Fl\u00fcchtlingen das bestimmende Agitationsthema war, konzentrierte man sich 2017 wieder verst\u00e4rkt auf das offensive Bekenntnis zum historischen Nationalsozialismus. 49","Rechtsterrorismus Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Nachdem im Herbst 2015 verst\u00e4rkt Fl\u00fcchtlinge nach Deutschland kamen, nahmen die Straftaten gegen Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte zun\u00e4chst enorm zu. So wurden f\u00fcr das Jahr 2016 918 rechtsextremistisch motivierte Straftaten gegen Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte gez\u00e4hlt, davon waren 157 Gewaltdelikte. Im Jahr 2017 ist ein deutlicher R\u00fcckgang zu konstatieren. Allerdings stellen 311 Straftaten gegen Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte, darunter 46 Gewaltdelikte, immer noch ein hohes Niveau krimineller Energie dar, die rechtsextremistisch motiviert ist. Bei der Mehrzahl dieser Straftaten handelt es sich um Delikte wie Sachbesch\u00e4digung, Propagandastraftaten oder Volksverhetzung. Jedoch gab es seit 2015 auch schwere Gewalttaten, wie z.B. den Brandanschlag auf eine bewohnte Fl\u00fcchtlingsunterkunft in Altena am 3. Oktober 2016. Bemerkenswert ist, dass ein Gro\u00dfteil der Tatverd\u00e4chtigen, die mutma\u00dflich Straftaten gegen Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte begangen haben, bis zur Tat nicht durch rechtsextremistische Straftaten oder Aktivit\u00e4ten aufgefallen war. Neben den Unterk\u00fcnften richten sich rechtsextremistisch motivierte Straftaten ebenfalls gegen vermeintliche Asylbewerber bzw. Migranten im Allgemeinen. Die meisten dieser Straftaten begehen die T\u00e4ter spontan. In einigen F\u00e4llen liegen aber auch Anhaltspunkte f\u00fcr ein planvolles Agieren und eine gezielte Vorbereitung vor, wie z.B. beim Attentat auf die damalige K\u00f6lner Oberb\u00fcrgermeisterkandidatin Henriette Reker im Oktober 2015. Gelegentlich treten auch rechtsextremistische Gruppierungen in Erscheinung, die z.B. in Nauen (Brandenburg) und Freital (Sachsen) mehrere Straftaten gegen Asylbewerber und deren Unterk\u00fcnfte sowie gegen den politischen Gegner begingen. Auch wenn solche Akteure nur in wenigen F\u00e4llen auftreten, sind sie ein Hinweis auf das terroristische Potenzial im Rechtsextremismus. Mordanschl\u00e4ge und schwere staatsgef\u00e4hrdende Gewalttaten 17 Jahre nach dem Sprengstoff-Anschlag am S-Bahnhof D\u00fcsseldorf-Wehrhahn hat am 25. Januar 2018 vor dem Landgericht D\u00fcsseldorf der Prozess gegen den inzwischen 51-j\u00e4hrigen Rechtsextremisten begonnen. Bei dem Anschlag waren zehn ausl\u00e4ndische Sprachsch\u00fcler zum Teil schwer verletzt und das ungeborene Baby einer Schwangeren get\u00f6tet worden. Der Angeklagte war schon unmittelbar nach der Tat verd\u00e4chtigt worden, allerdings reichten die Beweise f\u00fcr eine Anklage damals nicht aus. Nach einer Selbstbezichtigung des Verd\u00e4chtigen w\u00e4hrend eines Gef\u00e4ngnisaufenthaltes 2014 wegen einer anderen Tat sowie weiteren Zeugenaussagen konnte der Tatverdacht aus Sicht der Staatsanwaltschaft hinreichend erh\u00e4rtet werden. Insbesondere konnte die Ermittlungskommission das angebliche Alibi des T\u00e4ters widerlegen. Das mutma\u00dfliche Motiv war Fremdenhass. Auch Politiker und Helfer von Fl\u00fcchtlingen sind Ziel von Straft\u00e4tern mit einer rechtsextremistischen Motivation. Besonders schwerwiegend war ein Angriff auf den B\u00fcrgermeister von Altena am 27. November 2017. Dieser wurde in einem Imbiss mit einem Messer attackiert und am Hals verletzt. Die Betreiber des Imbiss griffen ein und entwendeten dem Angreifer das Messer. Dieser \u00e4u\u00dferte bei seiner Tat, dass er die Fl\u00fcchtlingspolitik des Kommunalpolitikers ablehne. Der Generalbundesanwalt erhob am 4. Dezember 2017 Anklage vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main gegen Franco A. Dieser ist Oberstleutnant bei der Bundeswehr. Dem Angeschuldigten wird vorgeworfen, eine schwere staatsgef\u00e4hrdende Gewalttat vorbereitet zu haben. Laut der Anklageschrift plante er rechtsextremistisch motiviert Anschl\u00e4ge auf das Leben von Personen des \u00f6ffentlichen Lebens. Zur Vorbereitung lie\u00df er sich unter der fiktiven Identit\u00e4t eines syrischen Asylsuchenden registrieren. Damit wollte er die Ermittlungen nach den von ihm geplanten Anschl\u00e4gen auf in Deutschland erfasste Asylbewerber lenken. Gegen zwei Beschuldigte aus Mecklenburg-Vorpommern ermittelt die Bundesanwaltschaft wegen des Verdachts, eine schwere staatsgef\u00e4hrdende Gewalttat vorbereitet zu haben und lie\u00df am 28. August 2017 die Wohnund Arbeitsr\u00e4ume durchsuchen. Die beiden Beschuldigten sollen die Auffassung vertreten haben, dass durch die Fl\u00fcchtlingspolitik ein Krisenfall bevorstehe. Es bestehen Verdachtsmomente, dass sie diesen nutzen wollten, um Vertreter des politischen linken Spektrums festzusetzen und zu t\u00f6ten. 50","Rechtsterrorismus Die Sicherheitsbeh\u00f6rden orientieren sich bei der Verwendung des Begriffs Terrorismus am Straftatbestand der Bildung einer terroristischen Vereinigung (SS 129 a Strafgesetzbuch). Demnach handelt es sich bei Rechtsterrorismus um schwerwiegende rechtsextremistisch motivierte Gewaltdelikte, die im Rahmen eines nachhaltig gef\u00fchrten Kampfes durch arbeitsteilig organisierte und verdeckt operierende Gruppen planm\u00e4\u00dfig begangen werden. Am 15. M\u00e4rz 2017 sprach das Oberlandesgericht M\u00fcnchen die vier F\u00fchrungspersonen der Oldschool Society (OSS) wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung schuldig. Diese Gruppe hatte sich zum Ziel gesetzt, Anschl\u00e4ge gegen Moscheen und Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte zu ver\u00fcben. Ein erster Anschlag war f\u00fcr Anfang Mai 2015 vorgesehen. Konkret war geplant, im Rahmen des zweiten Mitgliedertreffens vom 8. bis 10. Mai 2015 in der N\u00e4he von Borna (Sachsen) einen Sprengstoffanschlag auf eine bewohnte Fl\u00fcchtlingsunterkunft zu begehen. Zur Verwirklichung der Anschlagsplanungen kam es nicht, weil am 6. Mai 2015 Durchsuchungsma\u00dfnahmen bei den OSS-Mitgliedern erfolgten. Eine der F\u00fchrungspersonen stammt aus Nordrhein-Westfalen. Gegen diesen verh\u00e4ngte das Gericht eine dreij\u00e4hrige Haftstrafte. Eine weitere F\u00fchrungsperson, die inzwischen in Sachsen lebt, war vor einigen Jahren in der 2012 verbotenen Kameradschaft Aachener Land aktiv. Im April 2017 wurde vor dem Oberlandesgericht Dresden gegen zwei weitere Mitglieder der OSS Anklage erhoben. In Dresden begann im M\u00e4rz 2017 der Prozess gegen die rechtsextremistische Gruppe Freital. Der Generalbundesanwalt hat gegen acht Personen Anklage erhoben wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung, au\u00dferdem wegen versuchten Mordes, gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung und des Herbeif\u00fchrens von Sprengstoffexplosionen. Der Gruppe wurden f\u00fcnf Anschl\u00e4ge auf Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte und politische Gegner zur Last gelegt, die sie im Zeitraum von Juli bis November 2015 begangen hatten. Das Oberlandesgericht Dresden sprach die acht Angeklagten am 7. M\u00e4rz 2018 schuldig, unter anderem eine terroristische Vereinigung gebildet zu haben und verh\u00e4ngte Haftstrafen zwischen vier und zehn Jahren. Ein Ermittlungsverfahren des Generalbundesanwalts wegen der Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung f\u00fchrte am 25. Januar 2017 zur Durchsuchung von zw\u00f6lf Wohnungen in sechs Bundesl\u00e4ndern. Die F\u00fchrungsperson, die als \"Druide\" unter dem fiktiven Namen \"Burgos von Buchonia\" auftrat, war sowohl in rechtsextremistischen Organisationen als auch in der Reichsb\u00fcrgerszene aktiv. Nach eingehenden Ermittlungen lie\u00df sich der urspr\u00fcngliche Tatvorwurf nicht erh\u00e4rten, allerdings wird weiterhin wegen des Verdachts des Versto\u00dfes gegen das Waffenund Sprengstoffgesetz sowie der Volksverhetzung ermittelt. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die begangenen oder geplanten schweren Straftaten weisen auf die Gefahr rechtsterroristischer Potenziale hin, die insbesondere im Kontext der fl\u00fcchtlingsfeindlichen Agitation zu Tage treten. Dabei ist bemerkenswert, dass ein Teil der identifizierten Tatverd\u00e4chtigen zuvor kaum oder \u00fcberhaupt nicht durch rechtsextremistische Aktivit\u00e4ten und Straftaten aufgefallen war. Auch wenn aktuell in Nordrhein-Westfalen keine konkreten Erkenntnisse zu bestehenden rechtsterroristischen Strukturen im Sinne des Strafrechts vorliegen, ist nicht ausschlie\u00dfen, dass sich rechtsterroristische Gruppen bilden. Daher bleiben die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden besonders wachsam. 51","Subkulturell gepr\u00e4gter Rechtsextremismus Gr\u00fcndung / Bestehen seit Ende der 1960er Jahre in Gro\u00dfbritannien; seit circa Ende der 1970er Jahre in anderen europ\u00e4ischen Staaten Struktur / Repr\u00e4sentanz In der Regel keine festen Strukturen; eine Ausnahme bilden die Hammerskins mit einem festen hierarchischen Aufbau Mitglieder / Anh\u00e4nger / Unterst\u00fctzer 2017 1.350 Anh\u00e4nger (gleichbleibend) Ver\u00f6ffentlichungen Publikationen: sogenannte Fanzines mit Artikeln zur \u00fcberwiegend subkulturell gepr\u00e4gten Skinhead-Musik-Szene, Interviews und Konzertberichten; CD Ver\u00f6ffentlichungen Web-Angebote: Bekanntmachungen von Konzerten \u00fcber bestimme Foren; Ver\u00f6ffentlichungen von Videos \u00fcber soziale Medien Kurzportrait / Ziele Der subkulturell gepr\u00e4gte Rechtsextremismus definiert sich haupts\u00e4chlich \u00fcber eine spezifische Musik und den damit zusammenh\u00e4ngenden Lebensstil. Es geht darum, eine Erlebniswelt mit gemeinsamen Freizeitaktivit\u00e4ten wie Musikveranstaltungen zu schaffen, in der die Ideologie nur eine nachrangige Rolle spielt. Subkulturell gepr\u00e4gte Rechtsextremisten vertreten rassistische, fremdenfeindliche, nationalistische und antisemitische Positionen. Zudem bef\u00fcrworten sie Gewalt gegen als minderwertig angesehene Menschen. Rechtsextremistische Skinheads bilden immer noch die wichtigste Subkultur im Rechtsextremismus. \u00c4u\u00dferlichkeiten wie Dresscode oder Haarschnitt lassen heutzutage kaum noch eine eindeutige Zuordnung zur rechtsextremistischen Skinhead-Szene zu. Einerseits gibt es weitgehend unpolitische Jugendliche, die ein vermeintlich Skinhead-typisches Aussehen zeigen, ohne dem rechtsextremistischen Teil der Szene anzugeh\u00f6ren. Andererseits verlieren die altbekannten Erscheinungsbilder seit einigen Jahren immer mehr an Bedeutung. Insbesondere f\u00fcr den rechtsextremistischen Teil der Skinhead-Szene ist es im Alltag einfacher, nicht durch offensichtliches Tragen von einschl\u00e4gig bekannten Zeichen oder Haarschnitten eine politische Zuordnung zu erm\u00f6glichen. Finanzierung Rechtsextremistische Bands versuchen sich \u00fcber Verk\u00e4ufe von CD und Merchandise-Artikeln sowie \u00fcber die Organisation und Durchf\u00fchrung von Musikveranstaltungen zu finanzieren. Oftmals erzielen sie jedoch maximal eine kostendeckende Durchf\u00fchrung von Konzerten. Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Subkulturell gepr\u00e4gte Rechtsextremisten vertreten rassistische, fremdenfeindliche, nationalistische und antisemitische Positionen gepaart mit einem hohen Gewaltpotential. Musik spielt hier eine herausragende Rolle zur Selbstvergewisserung, Politisierung und Rekrutierung der Szene. Deswegen gilt ein besonderes Interesse Bands, CDs und Konzerten. Gerade rechtsextremistische Musikveranstaltungen gehen oftmals mit menschenverachtenden und demokratiefeindlichen Liedtexten sowie gelegentlich mit offenen Bekenntnissen zum Nationalsozialismus, wie dem Zeigen des \"Hitler-Gru\u00dfes\", einher. 52","Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Die wichtigsten international t\u00e4tigen Skinhead-Organisationen, die Konzerte veranstalten, sind Blood and Honour und die Hammerskins. Die \"Blood & Honour-Division Deutschland\" wurde bereits im September 2000 in Deutschland verboten. W\u00e4hrend diese Organisationen fr\u00fcher miteinander konkurrierten, haben sie sich in den letzten Jahren zunehmend angen\u00e4hert und kooperieren punktuell bei Veranstaltungen miteinander. In Deutschland ist zudem seit 2013 eine Combat 18-Gruppierung aktiv, der auch Mitglieder aus Nordrhein-Westfalen angeh\u00f6ren. International ist Combat 18 eng mit dem Blood and Honour Netzwerk verbunden. Rechtsextremistische Musik hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten in verschiedene Musikstile ausdifferenziert. Zu den g\u00e4ngigsten Stilrichtungen z\u00e4hlen \"Rechtsrock\", der seinen Ursprung in der Skinhead-Szene hat, Balladen, \"National Socialist Black Metal\" und der in letzter Zeit aufgekommene \"Nationale Rap\". Weiterhin bleibt dabei \"Skinheadoder Rechtsrock\" die bedeutendste Stilrichtung. Diese zeichnet sich durch hart gespielte Aus Nordrhein-Westfalen sind unter anderem die Bands Oidoxie, Sleipnir, Division Germania, Sturmwehr und Smart Violence seit mehreren Jahren aktiv und verf\u00fcgen \u00fcber eine \u00fcberregionale Szeneprominenz im Bereich Rechtsrock. Mit Makss Damage stammt einer der bekanntesten \"Nationalistischen Rapper\" aus NordrheinWestfalen. Konzerte sind ein wichtiges Element der \"Erlebniswelt Rechtsextremismus\", in der politische Agitation, Freizeitaktivit\u00e4ten und unterhaltende Mittel verbunden werden und insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene ansprechen sollen. Die Attraktivit\u00e4t der Veranstaltungen machen neben der Musik das Treffen Gleichgesinnter, der Konsum von Alkohol und das Zeigen rechtsextremistischer Symbolik sowie Slogans aus. Der besondere Reiz, gerade f\u00fcr jugendliche Teilnehmer, die \u00fcber Konzerte in die Szene eingef\u00fchrt werden, liegt \u00fcblicherweise darin, etwas Verbotenes oder sozial Unerw\u00fcnschtes zu erleben. Dar\u00fcber hinaus besteht auf den Konzerten die Gelegenheit, CDs und sonstige Merchandise-Artikel k\u00e4uflich zu erwerben, gelegentlich sogar indizierte Artikel. Im Unterschied zu den vorwiegend rocklastigen, gr\u00f6\u00dferen Konzerten dienen Balladenoder Liederabende dazu, einen eher kleineren Teilnehmerkreis anzusprechen. Dabei spielt meistens ein S\u00e4nger mit Gitarre \u00fcberwiegend ruhige St\u00fccke. Derartige Veranstaltungen werden oftmals von Parteiverb\u00e4nden oder Freien Kameradschaften mit dem Ziel organisiert, das Gemeinschaftsgef\u00fchl zu st\u00e4rken. Im Jahr 2017 fanden in Nordrhein-Westfalen insgesamt f\u00fcnf Konzerte, acht Liederbeziehungsweise Balladenabende und 21 sonstige rechtsextremistische Veranstaltungen mit Livemusik statt. Zu den sonstigen Veranstaltungen z\u00e4hlen zum Beispiel parteiinterne Feste oder Geburtstagsfeiern, bei denen Musik Teil der Veranstaltung ist. Die Anzahl der festgestellten Musikveranstaltungen hat sich im Vergleich zum Vorjahr von 27 auf 34 leicht erh\u00f6ht. Als Veranstalter fungierten dabei Parteiverb\u00e4nde und in vielen F\u00e4llen Privatpersonen. In der Regel nahmen nicht mehr als 100 Personen teil. Ein weiteres wichtiges Veranstaltungsformat f\u00fcr die rechte Szene auch in Nordrhein-Westfalen sind Kampfsportveranstaltungen. So fand am 14. Oktober 2017 die f\u00fcnfte, j\u00e4hrlich wiederkehrende, Kampfsportveranstaltung \"Kampf der Nibelungen\" diesmal in Kirchhundem (Kreis Olpe) statt. An der Veranstaltung nahmen 50 K\u00e4mpfer und 450 Zuschauer aus dem gesamten Bundesgebiet und zum Teil auch aus dem Ausland teil. Der Teilnehmerkreis setzte sich \u00fcberwiegend aus Rechtsextremisten, Hooligans und Rockern zusammen. Konzeptionell soll der \"Kampf der Nibelungen\" eine explizite Gegenveranstaltung zu anderen unpolitischen Kampfsportveranstaltungen sein und durch subtile Best\u00e4tigung der ideologischen \u00dcberzeugungen die Vernetzung sowie den Zusammenhalt der Szene f\u00f6rdern. Au\u00dferdem erzielen die Veranstalter bei solchen Events \u00fcber den Verkauf von Eintrittskarten, Erl\u00f6se aus Gastronomie und szenetypischen Verkaufsst\u00e4nden nicht unerhebliche Einnahmen, die zumindest in Teilen in die Szene zur\u00fcckflie\u00dfen. Der Kampf der Nibelungen\" in Kirchhundem wurde ma\u00dfgeblich von einem der f\u00fchrenden Protagonisten der rechtsextremistischen Szene Dortmunds und Mitglied der Partei Die Rechte organisiert Um Sicherheitsund Ordnungsbeh\u00f6rden keine Gelegenheit zu geben, Konzerte und andere Veranstaltungen zu verbieten oder einzuschr\u00e4nken, haben die Veranstalter zwei unterschiedliche Strategien entwickelt. Die erste Strategie setzt darauf, Veranstaltungen konspirativ zu organisieren und manchmal auch R\u00e4umlichkeiten im angrenzenden Ausland zu suchen. Diese Vorgehensweise weckt auch bei etlichen Szeneangeh\u00f6rigen die Neugier 53","und Abenteuerlust. In Nordrhein-Westfalen setzt die Szene vor allem auf diese Strategie. Bei den meisten Musikveranstaltungen in Nordrhein-Westfalen handelt es sich um Liederoder Balladenabende. Diese organisieren entweder Parteiverb\u00e4nde oder Einzelpersonen im Rahmen von Geburtstagsfeiern. Dies soll zum einen den Zusammenhalt der Gemeinschaft st\u00e4rken und zum anderen zus\u00e4tzliches Geld in die Parteikasse sp\u00fclen. Insbesondere der Kreisverband Dortmund der Partei Die Rechte f\u00fchrt in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden solche Veranstaltungen durch. Beispielsweise organisierte der Kreisverband am 4. November 2017 einen internationalen Kongress mit rechtsextremistischen Organisationen in Schwerte, bei dem zwei Liedermacher das Abendprogramm musikalisch gestalteten. In Nordrhein-Westfalen fanden zwei konspirativ organisierte Konzerte statt, die eine dreistellige Zahl von Personen besuchten. Bei der zweiten Strategie melden die Organisatoren die Veranstaltung als politische Kundgebung an. Indem sie einige Redner auftreten lassen, f\u00e4llt das Konzert dann unter das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit. Sofern Versammlungsbeh\u00f6rden in Verbotsverf\u00fcgungen auf den kommerziellen Charakter der Veranstaltungen abgestellt haben und sie verbieten wollten, sind sie damit in mehreren F\u00e4llen vor den Verwaltungsgerichten gescheitert. So war das th\u00fcringische Themar 2017 der Schauplatz von drei gro\u00dfen rechtsextremistischen Musikveranstaltungen, die die Organisatoren alle auf einem Privat-grundst\u00fcck durchf\u00fchrten und als politische Kundgebung mit Musikdarbietungen offiziell anmeldeten. Beim dortigen sogenannten \"Rock gegen \u00dcberfremdung II\" am 15. Juli 2017 nahmen ungef\u00e4hr 6.000 Personen teil. Aus Nordrhein-Westfalen standen die Rechtsrock-Bands Division Germania und Sleipnir auf der B\u00fchne. Bereits zwei Wochen sp\u00e4ter fand an gleicher Stelle das Rechtsrockfestival \"Rock f\u00fcr Identit\u00e4t\" statt, das in etwa 1.000 Besucher anlockte. Am 29. Oktober 2017 besuchten erneut ungef\u00e4hr 1.000 Rechtsextremisten in Themar die Veranstaltung \"Rock gegen Links - Musikund Redebeitr\u00e4ge gegen den Zeitgeist\". Dabei traten auch die Dortmunder Rechtsrock-Band Oidoxie und als Redner der Vorsitzende des nordrhein-westf\u00e4lischen Landesverbandes von Die Rechte, Sascha Krolzig, sowie die F\u00fchrungsaktivistin der Identit\u00e4ren Aktion auf. Alle drei Veranstaltungen besuchten auch Rechtsextremisten aus Nordrhein-Westfalen. Innerhalb der rechtsextremistischen Szene gibt es Vorw\u00fcrfe an einen der Hauptorganisatoren, mit den Veranstaltungen ausschlie\u00dflich kommerzielle Interessen zu verfolgen und sich an der rechtsextremis-tischen Szene zu bereichern. Der aus Nordrhein-Westfalen stammende Rapper Makss Damage befeuerte die Kritik an den Veranstaltern und verfasste einen sogenannten \"Disstrack\", in dem er dem Verantwortlichen mit einem bedrohlichen Unterton massive Vorhaltungen machte. Neben Konzerten im Inland haben 2017 auch wieder zahlreiche Musikveranstaltungen in anderen L\u00e4ndern Europas stattgefunden. Unter anderem ist die Band Oidoxie am 11. M\u00e4rz 2017 bei einem von der polnischen Sektion von Blood and Honour organisierten Konzert in Polen aufgetreten, Makss Damage am 14. Januar 2017 beim Unterst\u00fctzungskonzert f\u00fcr die rechtsextremistische Partei PNOS in der Schweiz und die Band Sturmwehr am 9. September 2017 beim \"Valhalla calling Vol. 1\"-Festival in Schweden. Rechtsextremistische Tontr\u00e4ger und Devotionalien werden auf vielf\u00e4ltige Weise vertrieben. \u00dcberwie-gend erfolgt der Handel \u00fcber das Internet, weiterhin \u00fcber Verkaufsst\u00e4nde bei Veranstaltungen und in Szenel\u00e4den. Wirtschaftliche Interessen sind nach wie vor eine wichtige Motivation bei der Vermarktung von rechtsextremistischer Musik und Szene-Artikeln. Viele Inhaber rechtsextremistischer Musik-Vertriebe bestreiten ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Szene-Produkten oder betrachten den Handel als einen lukrativen Nebenverdienst. Einige Vertriebe geben an, die Szene mit einem Teil ihrer Verkaufserl\u00f6se zu unterst\u00fctzen. Sie stellen sich so als integraler Bestandteil der Szene dar und vermitteln K\u00e4ufern das Gef\u00fchl, mit ihrem Kauf gleichzeitig die Bewegung zu unterst\u00fctzen. Die Selbst-darstellung als F\u00f6rderer der Szene wird dabei getragen von der Hoffnung auf erh\u00f6hte Absatzzahlen und einem kommerziellen Erfolg. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Subkulturen unterliegen einem st\u00e4ndigen Wandel. Die rechtsextremistische Skinhead-Szene befindet sich seit Jahren im Abschwung. Sie gilt bei immer mehr Jugendlichen als \u00fcberholte und unattraktive Jugendkultur, so dass der Nachwuchs ausbleibt. Zudem verlassen immer wieder \u00e4ltere Protagonisten die Skinhead-Szene. Sie legen dann zwar nicht umgehend ihre rechtsextremistischen Einstellungen ab, dennoch verliert die Skinhead-Szene dadurch an Gr\u00f6\u00dfe. Daf\u00fcr spricht auch die seit mehreren Jahren festzustellende Organisationsschw\u00e4che. Allein gelegentliche Konzerte in Nordrhein-Westfalen und angrenzenden L\u00e4ndern beziehungsweise im angrenzenden Ausland schaffen vereinzelt Events, an denen sich die Szene ihrer selbst vergewissert. 54","Rechtsextremistische Musik ist zum einen ein Ausdrucksmittel einer Subkultur, die sich f\u00fcr Menschen-verachtung und Demokratiefeindschaft ausspricht. Zum anderen ist sie ein effektives Mittel rechtsextremistischer Strategen, ihre Propaganda Jugendlichen und jungen Erwachsenen nahe zu bringen. Daneben handelt es sich bei rechtsextremistischer Musik um ein kommerzielles Gesch\u00e4ft, an dem Bands, Konzertveranstalter und Vertriebe verdienen. Mit der Modernisierung der Erscheinungsformen des Rechtsextremismus hat sich auch deren Musik gewandelt. Die Vielfalt an Musikstilen hat zugenommen. Dies beinhaltete sogar ideologisch widerspr\u00fcchlich erscheinende Entwicklungen wie \"Nationaler Rap\". Auch eine vielf\u00e4ltige Cover-\u00c4sthetik und die Selbstinszenierung der Musiker spielen heute eine Rolle. Durch die digitale Revolution der letzten 20 Jahre haben sich die Vertriebsbedingungen f\u00fcr rechtsextremistische Musikst\u00fccke enorm verbessert, so dass es nun m\u00f6glich ist, nahezu immer und \u00fcberall solche Musik zum Download anzubieten. Nach einer \u00fcber l\u00e4ngere Zeit r\u00fcckl\u00e4ufigen Entwicklung gewinnen rechtsextremistische Musikveranstaltungen seit 2014 wieder an Bedeutung. Es finden mehr Konzerte statt und seit 2016 mehren sich Gro\u00dfveranstaltungen mit \u00fcber 1.000 Besuchern. Die Partei Die Rechte praktiziert in Nordrhein-Westfalen eine andere Strategie. Sie nutzt den Partei-status, um erlebnisorientierte Veranstaltungen inklusive Konzerten oder Balladenabende zu veranstalten. Bei diesen als Parteiveranstaltungen deklarierten Konzerten werden zwischen den Musikdarbietungen kurze politische Ansprachen gehalten, um den Charakter der Veranstaltung zu unterstreichen. So beispielsweise bei dem vom einem Kreisverband am 4. November 2017 organisierten internationalen Kongress mit rechtsextremistischen Organisationen in Schwerte. Hierbei verbindet sie gemeinschaftliches Freizeitangebot und politische Indoktrination miteinander, um m\u00f6glichst viele Interessenten anzusprechen und zur Teilnahme zu animieren. 55","Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter (Reichsb\u00fcrgerbewegung) Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1985 (Gr\u00fcndung der ersten Reichsb\u00fcrgergruppierung Kommissarischen Reichsregierung (KRR) in Berlin) Struktur / Repr\u00e4sentanz Die heterogene Szene der Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter besteht aus einer Vielzahl von Kleingruppierungen, die zum Teil miteinander kooperieren, zum Teil aber sich auch scharf voneinander abgrenzen. Neben kleinen, sektenartigen Gruppen mit hohem Organisationsgrad gibt es ebenso lose strukturierte Gruppierungen sowie Einzelpersonen, die nur im Internet aktiv sind oder sich an Beh\u00f6rden wenden. Die Szene unterliegt einem steten Wandel. Mitglieder / Anh\u00e4nger / Unterst\u00fctzer 2017 rund 2.600 Anh\u00e4nger (ansteigend). Bei der Mehrzahl der Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter in NordrheinWestfalen ist keine feste Organisationsbindung erkennbar. Es handelt sich \u00fcberwiegend um Einzelpersonen sowie Angeh\u00f6rige loser \u00f6rtlicher Szenen. Ver\u00f6ffentlichungen Die einzelnen Gruppierungen verf\u00fcgen meist \u00fcber einen eigenen Internetauftritt, in dem umfangreiche Schrifts\u00e4tze zum Download angeboten werden. Angeschlossen sind h\u00e4ufig entsprechende Diskussionsplattformen. Kurzportrait / Ziele Inhaltlicher Konsens in der organisatorisch zersplitterten Reichsb\u00fcrgerbewegung sind die Behauptungen, dass erstens das Deutsche Reich in den Grenzen der 1930er Jahre weiterhin existiere und dass zweitens der Bundesrepublik Deutschland die rechtliche Legitimation fehle. Die Bundesrepublik sei deshalb nur eine GmbH und die Beh\u00f6rden seien nur \"Scheinbeh\u00f6rden\". Teilweise stellen sie auch die Behauptung auf, dass eine kommissarische Reichsregierung die Staatsgewalt aus\u00fcben w\u00fcrde und leiten daraus f\u00fcr sich hoheitliche Befugnisse ab. Die Selbstverwalter sind ein Sonderfall. Sie berufen sich auf ein selbst definiertes Naturrecht, wonach sie als Individuen staatliche Hoheitsrechte bes\u00e4\u00dfen und sich in G\u00e4nze als au\u00dferhalb der Rechtsordnung stehend betrachten. Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter sind Gruppierungen und Einzelpersonen, die aus unterschiedlichen Motiven und mit unterschiedlichen Begr\u00fcndungen die Existenz der Bundesrepublik Deutschland bestreiten, beziehungsweise deren Rechtsordnung ablehnen. Diese Auffassung hat zur Folge, dass Reichsb\u00fcrger den demokratisch gew\u00e4hlten Repr\u00e4sentanten die Legitimation absprechen und Verst\u00f6\u00dfe gegen die Rechtsordnung begehen. \u00dcberdies sind die Anh\u00e4nger der \u00dcberzeugung, nach einem erkl\u00e4rten Austritt aus der angeblichen GmbH auch nicht weiter an bestehende Gesetze gebunden zu sein. Teile der Reichsb\u00fcrger-Szene \u00fcberschneiden sich mit der rechtsextremistischen Szene und vertreten rechtsextremistische Argumentationsmuster. So bezeichnet sich die Germaniten Partei aus Vlotho beispielsweise als \"Arische Partei\" und verbreitet antisemitische Verschw\u00f6rungstheorien. Im November 2017 wurden durch einen der Gruppierung zuzurechnenden selbsternannten \"Internationalen Richter im Kriegsrecht\" antisemitische Pamphlete an staatliche Institutionen versandt. Einige bekannte Rechtsextremisten, wie etwa Horst Mahler, versuchten in der Vergangenheit, die Reichsb\u00fcrgerbewegung zu beeinflussen und gr\u00fcndeten eigene Gruppen. 56","Die Szene der Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter l\u00e4sst sich idealtypisch in drei Motivgruppen unterteilen: erstens Rechtsextremisten, zweitens Verschw\u00f6rungstheoretiker und drittens Personen, die sich finanziellen Verpflichtungen gegen\u00fcber dem Staat entziehen m\u00f6chten. Im jeweiligen Einzelfall k\u00f6nnen sich die Motive unterschiedlich mischen. Etliche Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter haben sich der Szene innerhalb einer Lebenskrise zugewandt. Zudem handelt es sich bei der Reichsb\u00fcrger-Szene um ein Agitationsfeld von Personen mit psychisch auff\u00e4lligen Verhaltensmustern. Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter stellen ein erhebliches Gewaltpotenzial dar. Besorgniserregend sind Gewaltdelikte und ein teilweise umfangreicher Waffenbesitz in der Szene. Gerichte, Polizei und Beh\u00f6rden werden in ihrer Arbeitsweise behindert und deren Mitarbeiter eingesch\u00fcchtert und bedroht. Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter sind verfassungsfeindlich, da sie die freiheitliche demokratische Grundordnung negieren und Aktivit\u00e4ten gegen die Rechtsordnung entfalten. Zu diesen Aktivit\u00e4ten geh\u00f6ren unter anderem das Verweigern von Steuerzahlungen und Nichtanerkennen von beh\u00f6rdlichen Bescheiden sowie das vermeintliche Errichten eigener \"Staaten\". Gerichten und Beh\u00f6rden gegen\u00fcber treten sie durch eine latent - mitunter auch offen - aggressive Verhaltensweise in Erscheinung. Dar\u00fcber hinaus bestehen Schnittmengen mit der rechtsextremistischen Szene. Als gemeinsames ideologisches Fundament erweist sich ein gebietsund geschichtsrevisionistisches Weltbild. Die fundamentale Ablehnung der Bundesrepublik Deutschland, ihrer Gesetze und Institutionen bietet hinreichende tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr eine verfassungsfeindliche Ausrichtung, auch wenn diese Bestrebungen nur zum Teil einen eindeutig rechtsextremistischen Hintergrund haben. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Die fortw\u00e4hrende organisatorische Neuorientierung der Szene schlug sich in Nordrhein-Westfalen vor allem in der Gruppierung Freistaat Preu\u00dfen nieder. Bereits im August 2016 zerfiel diese nach einem Streit in zwei Gruppen, die sich gegenseitig die Berechtigung absprachen, den Freistaat Preu\u00dfen zu vertreten. Diese gruppendynamische Zersplitterung ist in 2017 bestehen geblieben und zugleich auch exemplarisch f\u00fcr die Szene. Bei den weiteren im Jahr 2017 in Nordrhein-Westfalen in Erscheinung getretenen Gruppierungen handelt es im Wesentlichen um die Justiz-Opfer-Hilfe (auch Volksgruppe Germaniten/Staat Germanitien) in L\u00f6hne/Rinteln, den Verein f\u00fcr Bioenergetisches Leben in H\u00fcnxe und Bottrop, Indigenes Volk Germaniten in Bochum, die Verfassunggebende Versammlung/Bundesstaat Deutschland mit dem angeschlossenen medialen Sprachrohr ddb Netzwerk (\"deutsche depeschen bild&tonagentur\"), die Keltisch-Druidische Glaubensgemeinschaft mit Vereinssitz in Dormagen sowie die Agape-Vereine (Agape ist ein neutestamentliches und christliches Wort f\u00fcr die g\u00f6ttliche Liebe) in Gelsenkirchen, Essen und Dortmund. \"Hoheitliche Befugnisse\" Einige Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter stellen die Behauptung auf, dass eine kommissarische Reichsregierung die Staatsgewalt aus\u00fcben w\u00fcrde und leiten daraus hoheitliche Befugnisse f\u00fcr sich selbst ab. Mitunter suggerieren sie, eigene Staaten zu bilden, f\u00fcr die sie eigene \"Hoheitsgebiete\" durch Fahnen oder \u00e4hnliche Symbole ausweisen, eine eigene W\u00e4hrung einf\u00fchren oder eigene P\u00e4sse verwenden. Im Internet bieten verschiedene Gruppierungen unter Berufung auf pseudojuristische Argumentationsmuster sogenannte \"echte staatliche Reichsdokumente\", wie einen \"Reichspersonenausweis\" oder eine \"Reichs-Fahrerlaubnis\" an. In dem Selbstverst\u00e4ndnis einen eigenen Staat zu bilden, schreiben Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter auch ausl\u00e4ndische Botschaften an und ersuchen, diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Gelegentlich werden eigene KFZ-Kennzeichen genutzt, deren Verwendung auf \u00f6ffentlichen Stra\u00dfen eine Urkundenf\u00e4lschung und damit eine Straftat darstellt. Dies gilt sowohl f\u00fcr Fantasiekennzeichen beispielsweise des Freistaats Preu\u00dfen als auch f\u00fcr das stellenweise \u00dcberkleben des urspr\u00fcnglich zugeteilten Kennzeichens mit Motivaufklebern des Deutschen Reiches. Beh\u00f6rden besch\u00e4ftigen Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter besch\u00e4ftigen die Beh\u00f6rden mit obskuren Anliegen. Insbesondere fordern sie von Passund Melde\u00e4mtern nicht amtliche Dokumente oder verlangen eine Ausb\u00fcrgerung. Zuweilen begehren sie beh\u00f6rdliche Beglaubigungen selbst verfasster \"Erkl\u00e4rungen unter Eid\", in denen sie zum Beispiel die Verfassung 57","des Deutschen Reiches vom 11. August 1919 (\"Weimarer vom 30. November 1920 annehmen. Oftmals verlangen sie von Kommunen auch den sogenannten \"Gelben Schein\": Dieses amtliche Dokument ist der Staatsangeh\u00f6rigkeitsausweis der Bundesrepublik Deutschland, mit dem der Besitz der deutschen Staatsangeh\u00f6rigkeit dokumentiert wird und das nur in seltenen F\u00e4llen als ein \u00fcber den Personalausweis hinausgehender Beleg der deutschen Staatsb\u00fcrgerschaft ben\u00f6tigt wird. In der Reichsb\u00fcrger-Szene kursiert hingegen die Behauptung, das Reichsund Staatsangeh\u00f6rigkeitsgesetz in seiner Fassung vom 22. Juli 1913 sei unver\u00e4ndert g\u00fcltig. Daher m\u00fcsse man, um der Staatenlosigkeit und dem damit einhergehenden \"Sklavenstatus\" zu entkommen, nach den damaligen Gesetzen einen Staatsangeh\u00f6rigkeitsausweis beantragen. Als Antwort auf beh\u00f6rdliche Bescheide, sind zunehmend Schadenersatzforderungen durch Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter festzustellen. In solchen Schreiben wird mit \"Vollstreckungsma\u00dfnahmen\", \"Klagen aufgrund Amtsanma\u00dfung, Urkundenf\u00e4lschung, N\u00f6tigung, Betrug und T\u00e4uschung im Rechtsverkehr\" sowie mit der Auferlegung von \"Mehrkosten f\u00fcr diese Verwaltungsakte\" gedroht, sofern ein entsprechender Betrag nicht bis zum Ablauf einer gesetzten Frist gezahlt wird. Auch Vollziehungsbeamte sind vielfach von Reichsb\u00fcrger-Aktivit\u00e4ten betroffen. Oftmals geht es den Reichsb\u00fcrgern und Selbstverwaltern mit dem Verweis auf die Nicht-Existenz der Bundesrepublik Deutschland darum, Zahlungen zu verweigern oder Zwangsvollstreckungen zu verhindern. Letztlich verfolgen Reichsb\u00fcrger mit diesen Aktivit\u00e4ten das Ziel, Verwirrung zu stiften und Beh\u00f6rdenmitarbeiter einzusch\u00fcchtern, um staatliche Stellen vom rechtlich gebotenen Handeln abzuhalten. Etliche Reichsb\u00fcrger-Organisationen best\u00e4rken und mobilisieren ihre Anh\u00e4nger und Sympathisanten zu renitentem Verhalten gegen\u00fcber den Beh\u00f6rden. Insbesondere finden sich auf zahlreichen Webseiten Musterschreiben an Beh\u00f6rden, in denen die Nutzer nur noch den Absender und den Empf\u00e4nger eintragen m\u00fcssen. Einige Organisationen bieten dar\u00fcber hinaus Interessenten \"Weiterbildungsma\u00dfnahmen\" an, mit denen sie ihre Anh\u00e4nger f\u00fcr die Auseinandersetzung mit den Beh\u00f6rden bef\u00e4higen wollen. In Einzelf\u00e4llen findet auch eine diesbez\u00fcgliche Beratung statt. Dabei spielt die Justiz-Opfer-Hilfe in der Szene eine wichtige Rolle. So bietet sie unter anderem im Internet verschiedene Seminare, Selbstverteidigungskurse und auch Rechtsbeistand an. Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter versuchen ebenso die Arbeit der Justizbeh\u00f6rden zu behindern, indem sie St\u00f6raktionen im Rahmen von Verhandlungsterminen initiieren. Dabei stellen sie die Identit\u00e4t der Justizmitarbeiter und die Legalit\u00e4t des Gerichts in Frage und versuchen die Durchf\u00fchrung der Verhandlung zu torpedieren. Die Justiz-Opfer-Hilfe vertreibt auf ihrer Webseite sogenannte Lehrhefte, in denen Scheinargumente geliefert werden, mit denen man die rechtliche Legitimation der Richter entlarven k\u00f6nne. Politische \u00d6ffentlichkeit Klassische politische Beteiligungsformen nutzt die Reichsb\u00fcrger-Szene eher selten. Die Organisation staatenlos.info, die weitgehend identisch ist mit der nordrhein-westf\u00e4lischen Gruppierung Neue Ordnung Deutschland, hielt auch 2017 vor dem K\u00f6lner Hauptbahnhof sogenannte Mahnwachen ab, an denen jedoch nur wenige Personen teilnahmen. Gr\u00f6\u00dfere Bedeutung f\u00fcr die Szene hat indes das Internet, wo sie in zahllosen Facebook-Gruppen und auf YouTube-Kan\u00e4len ihre Thesen verbreitet. Gewalt und Einsch\u00fcchterung Im Umgang mit Beh\u00f6rden haben Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter eine perfide Form der Einsch\u00fcchterung von Beh\u00f6rdenangeh\u00f6rigen mit Hilfe frei erfundener Schadensersatzforderungen entwickelt, die als \"Malta-Masche\" bezeichnet wird. Dabei wurde versucht, die unberechtigten Geldforderungen \u00fcber ein maltesisches Inkassounternehmen durchsetzen zu lassen. Auch Vollziehungsbeamte und Polizisten aus Nordrhein-Westfalen waren von dieser Form der Einsch\u00fcchterung betroffen. Das Ministerium des Innern des Landes NordrheinWestfalen hat deswegen unter anderem den Kommunen Handlungsempfehlungen zum Umgang mit der \"MaltaMasche\" gegeben. Da auch das Bundesinnenministerium gemeinsam mit dem Ausw\u00e4rtigen Amt zur Verhinderung dieser Machenschaften in einen intensiven Dialog mit Malta und anderen Staaten eingetreten war, ist es der Szene nicht gelungen, die erfundenen Geldforderungen durchzusetzen. 58","Eine Besonderheit stellt der Verein Agape in Gelsenkirchen dar, dessen Mitglieder \u00fcberwiegend dem Reichsb\u00fcrgerspektrum zuzurechnen sind. Die Gruppierung ist 2017 dadurch bekannt geworden, dass Angeh\u00f6rige in betr\u00fcgerischer Absicht massenweise elektronisch generierte Forderungen und SEPA-Lastschriften zum Nachteil der Finanzverwaltungen unter anderem in Nordrhein-Westfalen versandt haben. Mit einer vorget\u00e4uschten Zustimmung im Lastschriftverfahren wurden die Beh\u00f6rdenkonten mit hohen Summen belastet. Ein entsprechendes Ermittlungsverfahren ist anh\u00e4ngig. Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter versuchen staatliche Mitarbeiter von Kommunen, Justiz und Polizei bei Amtshandlungen zu filmen, zu fotografieren oder heimliche Tonaufnahmen zu fertigen. Etliche auf diese Weise entstandene Videos und Audios werden unerlaubt im Internet verbreitet. Dabei schneiden die Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter das Material oft so zurecht, dass die Beh\u00f6rdenmitarbeiter inkompetent oder \u00fcberfordert dargestellt werden. Diese Strategie zielt darauf ab, die Bediensteten einzusch\u00fcchtern und von ihrem Handeln abzuhalten. Dar\u00fcber hinaus fielen sogenannte Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter strafrechtlich durch passive Widerstandshandlungen bis hin zu K\u00f6rperverletzungsdelikten auf. Insbesondere bedrohten Reichsb\u00fcrger immer wieder Vollziehungsbeamte bei der Aus\u00fcbung ihrer hoheitlichen Aufgaben. Eine besondere Problematik hierbei ist eine in gro\u00dfen Teilen der Szene verbreitete Waffenaffinit\u00e4t. Als die Polizei einen Reichsb\u00fcrger im Februar 2017 in Kleve festnehmen wollte, bedrohte dieser die Einsatzkr\u00e4fte zun\u00e4chst mit einer geladenen Waffe. Anl\u00e4sslich einer Durchsuchung bei einem Reichsb\u00fcrger in Herne im Juni 2017 stellte die Polizei diverse Schusswaffen, Munition und Chemikalien sicher. Bei einer Personen\u00fcberpr\u00fcfung im August 2017 in Essen versuchte ein Reichsb\u00fcrger, die Waffe eines Polizeibeamten gewaltsam an sich zu bringen. Diese Beispiele zeigen, dass die Nicht-Anerkennung der Bundesrepublik Deutschland bei manchen Reichsb\u00fcrgern und Selbstverwaltern mit der Nicht-Anerkennung des staatlichen Gewaltmonopols verbunden ist. So legen manche Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter Wert auch auf eigene Bewaffnung, um nach eigenem Gutd\u00fcnken f\u00fcr \"Sicherheit\" zu sorgen. 2016 kam es in zwei F\u00e4llen zum Schusswaffengebrauch von Angeh\u00f6rigen der Reichsb\u00fcrger-Szene gegen Polizeibeamte in Sachsen-Anhalt und in Bayern. In Bayern starb ein Beamter durch die Sch\u00fcsse, drei weitere Beamte wurden verletzt. Das Oberlandesgericht N\u00fcrnberg verurteilte den T\u00e4ter am 23. Oktober 2017 wegen Mordes und versuchten Mordes in zwei F\u00e4llen zu lebenslanger Freiheitsstrafe. Die Verteidigung k\u00fcndigte an, gegen das Urteil Revision einzulegen. Der T\u00e4ter machte im Prozess hingegen deutlich, dass er das Gericht nicht anerkennt. Vor diesem Hintergrund erfolgt in Nordrhein-Westfalen eine intensive Zusammenarbeit zwischen den Kommunen und den Polizeibeh\u00f6rden um bekannt gewordenen Reichsb\u00fcrgern ihre waffenrechtlichen Erlaubnisse zu entziehen. Diese schweren Straftaten werden in Teilen der Reichsb\u00fcrger-Szene \u00f6ffentlich gebilligt. So verbreitete eine F\u00fchrungsperson aus D\u00fcsseldorf von Neue Ordnung Deutschland auf ihrem Facebook-Profil einen Spendenaufruf zugunsten des Reichsb\u00fcrgers aus Sachsen-Anhalt, der in 2016 auf Polizisten geschossen hatte. In dem Aufruf hei\u00dft es: \"Adrian ist ein echter Patriot. Er hat es uns vorgemacht und uns aufgekl\u00e4rt dass alles was hier abl\u00e4uft nicht auf rechtlichen F\u00fc\u00dfen steht. Adrian hat sich gegen das UNRECHT gewehrt und wurde niedergeschossen hat aber \u00fcberlebt.\" Bewertung, Tendenzen, Ausblick Seit 2014 werden auch in Nordrhein-Westfalen zunehmend Vorf\u00e4lle mit Reichsb\u00fcrgern und Selbstverwaltern bekannt. Die Szene besch\u00e4ftigt durch ihre Aktivit\u00e4ten intensiv die Beh\u00f6rden. Insbesondere sind die Kommunen betroffen. Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter versuchen, mit ihren absurden Antr\u00e4gen Beh\u00f6rdenmitarbeiter zu verwirren und behindern durch renitentes Verhalten eine z\u00fcgige Bearbeitung von Vorg\u00e4ngen. Oftmals versuchen sie zum Beispiel Vollziehungsbeamte oder Mitarbeiter von B\u00fcrgerb\u00fcros einzusch\u00fcchtern oder zu bedrohen. Auch in 2017 hat sich diese Entwicklung nicht abgeschw\u00e4cht. Insbesondere wegen der T\u00f6tung eines Polizeibeamten durch einen Reichsb\u00fcrger bei der Zwangseinziehung von dessen Waffen Ende Oktober 2016 in Georgensm\u00fcnd/Bayern gerieten die Aktivit\u00e4ten der Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter zunehmend in den Fokus auch der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung. Urkundsdelikte, Volksverhetzungen, passive Widerstandshandlungen und K\u00f6rperverletzungsdelikte wurden 2017 vermehrt registriert. Besonders problematisch ist die in der Szene verbreitete Waffenaffinit\u00e4t sowie die Bereitschaft, Gewaltdelikte zu begehen. Die zust\u00e4ndigen Waffenbeh\u00f6rden 59","pr\u00fcfen deshalb bei jedem bekannt gewordenen Anh\u00e4nger der Reichsb\u00fcrgerszene in Nordrhein-Westfalen den Entzug von etwaigen Waffenerlaubnissen. Es muss davon ausgegangen werden, dass sich Aktionismus und Aggression in der Reichsb\u00fcrger-Szene weiter verst\u00e4rken und es zu Radikalisierungseffekten kommt. Deswegen bewertet der Verfassungsschutz die Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter als Bestrebung mit erheblichem Gefahrenpotenzial. Die virale Verbreitung der Reichsb\u00fcrger-Ideen im Internet wird sich fortsetzen und weitere Sympathisanten zu entsprechenden Aktivit\u00e4ten mobilisieren. Andererseits zeigen sich bereits Ans\u00e4tze, dass die repressiven Ma\u00dfnahmen der Polizeibeh\u00f6rden bei Straftaten, die Aufkl\u00e4rung \u00fcber Personen und Aktionen der Szene durch den Verfassungsschutz sowie konsequentes Vorgehen der kommunalen Beh\u00f6rden im Umgang mit Reichsb\u00fcrgern und Selbstverwaltern zugleich zur Eind\u00e4mmung des Ph\u00e4nomens beitragen. 60","Rechtsextremismus im Internet Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Bedeutung Das Internet ist mittlerweile zum wichtigsten rechtsextremistischen Propagandainstrument geworden. Rechtsextremisten greifen neue M\u00f6glichkeiten der Selbstinszenierung im Internet umgehend auf und verbreiten ihre Botschaften multimedial und optisch ansprechend. Daf\u00fcr sind sie auf nahezu allen popul\u00e4ren Plattformen und sozialen Medien, wie Facebook, Youtube oder Instagram, pr\u00e4sent. Oftmals ist der rechtsextremistische Inhalt nicht auf den ersten Blick zu erkennen, erst bei n\u00e4herer Betrachtung offenbaren sich die extremistischen Botschaften. Damit versuchen rechtsextremistische Akteure eine m\u00f6glichst gro\u00dfe Gruppe von Personen anzusprechen, ohne diese mit allzu offensichtlicher extremistischer Propaganda zu verschrecken. Rechtsextremistische Organisationen erreichen auf diese Weise Sympathisanten, zu denen sie sonst nur schwer Zugang bekommen w\u00fcrden und erh\u00f6hen damit die Breitenwirksamkeit ihrer Propaganda. Beispielsweise hatten \u00fcber 170.000 Personenprofile die Facebook-Seite der NPD der Mitgliederzahl der Partei, die bei lediglich rund 5.000 Personen bundesweit liegt. Gleiches gilt f\u00fcr die Identit\u00e4re Bewegung, die zwar insgesamt 64.000 Likes Ende des Jahres 2017 auf sich vereinen konnte, aber nur eine gesch\u00e4tzte Mitgliederzahl von bundesweit 500 Personen hat. So entsteht das verzerrte Bild einer vermeintlich gro\u00dfen Organisation, hinter der sich jedoch meist nur wenige Aktivisten verbergen. Neben der erh\u00f6hten Breitenwirksamkeit bringt die Propaganda im Internet noch einen weiteren Vorteil mit sich: die finanziellen Kosten, die die Organisationen daf\u00fcr aufwenden m\u00fcssen, sind im Vergleich zu herk\u00f6mmlicher Propaganda, dem Drucken und Verteilen von Flyern oder die Ausrichtung von Veranstaltungen, verschwindend gering. Auf vielen rechtsextremistischen Webseiten, Blogs und Facebook-Profilen dominierte auch 2017 das Thema Kriminalit\u00e4t durch Migranten, insbesondere durch Fl\u00fcchtlinge und Muslime. Mit einer selektiven Auswahl von Berichten \u00fcber angebliche Straftaten von Angeh\u00f6rigen dieser Gruppen vermitteln die Betreiber der Medienkan\u00e4le den Eindruck, dass diese Gruppen besonders kriminell und brutal seien. Oftmals verlinkt man auch ausgew\u00e4hlte Artikel seri\u00f6ser Nachrichtenportale, um eine eigene Seriosit\u00e4t vorzut\u00e4uschen. Ziel ist es dabei, mit einer verzerrten und vereinfachten Darstellung Angst vor Migranten zu sch\u00fcren, sie pauschal negativ darzustellen und sie letztlich abzuwerten. In den vergangenen Jahren hat die Bedeutung von Messenger-Diensten wie WhatsApp, Threema oder Telegram f\u00fcr die interne Vernetzung der rechtsextremistischen Szene enorm zugenommen. Hier\u00fcber mobilisiert die Szene f\u00fcr Demonstrationen, k\u00fcndigt Konzerte an und kann sich kurzfristig zu Aktionen verabreden. Dabei bem\u00fchen sich die Aktivisten, bei ihrer Kommunikation auf verschl\u00fcsselte Messenger-Dienste zur\u00fcckzugreifen, um sich dem Blick der Sicherheitsbeh\u00f6rden entziehen zu k\u00f6nnen. So gibt auch die rechtsextremistische Webseite \"Sicherheit f\u00fcr Nationalisten\" zahlreiche Hinweise, wie man mit dem Smartphone \"im Geheimen\" kommuniziert. Fake News Falschmeldungen, auch Fake News oder Hoaxes genannt, setzen Rechtsextremisten gezielt ein, um die \u00f6ffentliche Meinung zu manipulieren. Seit Ende 2015 finden sich zahlreiche solcher Fake News zum Thema Fl\u00fcchtlinge in der virtuellen Welt. Dabei wird versucht, an verbreitete Vorurteile und \u00c4ngste anzukn\u00fcpfen. \u00dcber soziale Medien und das mehrfache Teilen erzielen diese gef\u00e4lschten und teilweise komplett erfundenen Nachrichten in einigen F\u00e4llen eine enorme Breitenwirksamkeit. Eine besonders perfide F\u00e4lschung wurde im August 2017 auf der Plattform homment.com ver\u00f6ffentlicht. Eine Person, die sich Niklas Pfeiffer nannte, behaupte f\u00fcr die K\u00f6lner Polizei zu arbeiten und ver\u00f6ffentlichte ein gef\u00e4lschtes Schreiben des Ministeriums des Innern, in dem der Minister des Innern angeordnet haben soll, dass die Polizei Straftaten von Fl\u00fcchtlingen oder Menschen mit Migrationshintergrund nicht verfolgen solle. Obwohl noch am selben Tag das Ministerium des Innern und der Minister klarstellte, dass es sich dabei um eine F\u00e4lschung handelt, wurde das gef\u00e4lschte Schreiben auf den verschiedenen virtuellen Plattformen geteilt und als Beleg f\u00fcr die vermeintliche Vertuschung von Problemen mit Fl\u00fcchtlingen oder Menschen mit Migrationshintergrund genutzt. 61","Hassrede Im Zuge der Fl\u00fcchtlingsdiskussion verrohte im Internet zunehmend der Diskurs. Eine zunehmende Anzahl von Personen verbreitet menschenverachtende Kommentare, vor allem \u00fcber Fl\u00fcchtlinge und Muslime. Zunehmend betreffen solche Hasskommentare auch Personen, die sich in der Fl\u00fcchtlingsarbeit engagieren. Diese werden per Mail oder auf ihren pers\u00f6nlichen Facebook-Profilen beschimpft und eingesch\u00fcchtert. Dazu z\u00e4hlten sowohl Mitarbeiter zivilgesellschaftlicher Organisationen als auch Politiker. Ein solcher Diskurs rechtfertigt auch Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung. So griff im November 2017 ein Mann den B\u00fcrgermeister von Altena mit einem Messer an und verletzte den Kommunalpolitiker am Hals. Der Tatverd\u00e4chtige begr\u00fcndete seine Tat mit der Fl\u00fcchtlingspolitik des B\u00fcrgermeisters, der vor der Tat in verschiedenen sozialen Medien wegen seiner Politik verbal attackiert wurde. Repressive Ma\u00dfnahmen Eine M\u00f6glichkeit, rechtsextremistische Aktivit\u00e4ten im Internet vor\u00fcbergehend zu beeintr\u00e4chtigen, ist das Sperren von Domains. So wurde im August 2017 die Domain \"Antisem.it\" eines Dortmunder Versandhandels gesperrt. Inzwischen ist der Versandhandel wieder unter einem neuen Namen erreichbar und es wird versucht die neue Domain in der Szene bekannt zu machen. Nachdem im Januar 2016 das Bundesministerium des Innern Altermedia Deutschland, eine der wichtigsten virtuellen Plattformen f\u00fcr rechtsextremistische Propaganda, verboten hatte, wurden die Betreiber wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung angeklagt. Laut Anklage sei der Zweck der Plattform gewesen, strafbare Volksverhetzung zu ver\u00f6ffentlichen. Im September 2017 begann der Prozess vor dem Oberlandesgericht Stuttgart. Eine der Angeklagten stammt aus Nordrhein-Westfalen. Obgleich die Strafverfolgung von Volksverhetzungsdelikten im Internet oftmals schwierig ist, haben diesbez\u00fcgliche Verurteilungen in den letzten beiden Jahren zugenommen. So wurde im September 2017 das Urteil einer 8- monatigen Bew\u00e4hrungsstrafe gegen einen 28-j\u00e4hrigen durch das Landgericht M\u00fcnster best\u00e4tigt, der in einem Video den Holocaust verharmlost hatte. F\u00fcr Nutzerinnen und Nutzer von sozialen Medien oder Besuchern von Internetseiten bieten sich M\u00f6glichkeiten menschenverachtende Kommentare oder Inhalte zu melden. \u00dcber OnlineMeldestellen kann beispielsweise Strafanzeige erstattet werden. Dazu ben\u00f6tigt man einen Screenshot, idealerweise mit Zeit und Datumsstempel und den entsprechenden Link. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Rechtsextremisten werden weiterhin neue M\u00f6glichkeiten zur szeneinternen Kommunikation und Selbstdarstellung nach au\u00dfen umgehend aufgreifen und f\u00fcr ihre Zwecke einsetzen. Repression ist diesbez\u00fcglich nur eine sehr begrenzt wirksame Strategie. Deswegen gilt es weiterhin vor allem pr\u00e4ventiv die Medienkompetenz der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger zu f\u00f6rdern und demokratische \u00dcberzeugungen zu st\u00e4rken. Die sozialen Medien bieten dabei auch die M\u00f6glichkeit, sich mit demokratiefeindlichen Positionen auseinanderzusetzen und sich diesen aktiv entgegenzustellen. Dies kann mit Hilfe von gezielter \"Gegenrede\" durch Nutzung der Kommentarfunktion oder durch die Verbreitung von aufkl\u00e4renden und sich gezielt mit diesen Positionen auseinandersetzenden OnlineInhalten, wie Videos oder Bildern, erfolgen. 62","Rechtsextremistische Zeitschriften Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Bedeutung Zeitschriften sind seit langem ein zentrales Handlungsfeld im Rechtsextremismus. Sie sind das Meinungsund Informationssystem, das diese Szene braucht, um gemeinsam aktionsund strategief\u00e4hig zu bleiben. Au\u00dferdem dienen sie der ideologischen Selbstvergewisserung. Diese Funktionen sind umso wichtiger, je mehr sich der Rechtsextremismus ausdifferenziert und von informellen Strukturen gepr\u00e4gt ist. Medien transportieren ideologische Elemente, aktuelle Kampagnenthemen und Begriffe in die vielf\u00e4ltigen Ver\u00e4stelungen des Rechtsextremismus. Sie halten die Szene auf dem Laufenden und binden die Anh\u00e4nger ein. Das geschriebene, vor allem das gedruckte Wort hat auch symbolischen Wert: Es gibt rechtsextremistischen Botschaften scheinbares Gewicht, Substanz und Dauerhaftigkeit. Bis in die 1990er Jahre standen Zeitschriften im Vordergrund. Inzwischen haben Websites und vor allem das Social Web den Printmedien weitgehend den Rang abgelaufen. Insofern ist es bemerkenswert, dass in den letzten beiden Jahren mit der N.S. Heute und Reconquista zwei neue Ideologieorgane von Rechtsextremisten aus Nordrhein-Westfalen herausgebracht wurden. Zwei weitere rechtsextremistische Zeitschriften, Unabh\u00e4ngige Nachrichten und Recht und Wahrheit, stammen ebenfalls aus Nordrhein-Westfalen und verf\u00fcgen aufgrund ihrer jahrzehntelangen Geschichte \u00fcber einen gewissen Ruf und Einfluss innerhalb des Rechtsextremismus. N. S. Heute Im M\u00e4rz 2017 erschien die Erstausgabe der rechtsextremistischen Zeitschrift N.S. Heute im \"SturmzeichenVerlag\". Diese neue Publikation versteht sich als Beitrag zur Schulung der bundesweiten Neonazi-Szene, sie spiegelt ihre Ideologie und Erlebniswelt. Das Periodikum erscheint in einem Zyklus von zwei Monaten und umfasst ca. 60 Seiten. Im August ver\u00f6ffentlichte der Herausgeber anl\u00e4sslich des 30. Todestages des Hitler-Stellvertreters Rudolf He\u00df eine Sonderausgabe. Verantwortlicher Schriftleiter und Herausgeber der Publikation (und Inhaber des \"Sturmzeichen-Verlages\") ist der Dortmunder Rechtsextremist Sascha Krolzig, der auch einer der zwei Vorsitzenden des Bundesvorstandes der Partei Die Rechte ist. Ihm gelingt es, Autoren aus verschiedenen Facetten des neonazistisch orientierten Rechtsextremismus als Autoren zu gewinnen. \u00dcberregional werben die Herausgeber mit Informationsst\u00e4nden auf rechtsextremistischen Veranstaltungen f\u00fcr ihre Zeitschrift. Die Finanzierung des Zeitschriftenprojektes erfolgt schwerpunktm\u00e4\u00dfig \u00fcber Abonnements. Erschien die Erstausgabe von N. S. Heute noch in einer Auflage von 1000 Exemplaren, so wurde diese bereits ab der zweiten Ausgabe um 500 auf nunmehr 1500 Exemplare erh\u00f6ht. Der Anteil an Abonnenten beziffert sich laut Aussage des Herausgebers auf \u00fcber 500. Die Intention, die mit der Zeitschrift verfolgt wird, besteht nach Aussage des Herausgebers in der Vermittlung eines \"ganzheitlichen nationalen und sozialistischen Weltbildes\". Das Layout wirkt durchaus professionell und modern. Die verbreiteten Inhalte hingegen sind (neo-) nationalsozialistisch gepr\u00e4gt. So verk\u00fcndet der Herausgeber auf der Homepage des Blattes: \"N. S. Heute - Unser Name ist Programm\". Es wird jedoch darauf geachtet, die Grenzen in strafrechtlicher Hinsicht nicht zu \u00fcberschreiten. So konzediert der Herausgeber: \"Nat\u00fcrlich ist auch der Begriff 'Nationaler Sozialismus' nur ein Kompromiss, den wir eingehen mussten, um dem System keine Handhabe zu bieten, seinen Repressionsapparat gegen unser neues Magazin in Gang zu setzen\". Daher werde man sich auch mit einer inhaltlichen Bewertung des \"Dritten Reiches\" sowie bestimmten damaligen Geschehnissen zur\u00fcckhalten. Schlie\u00dflich sei es aber auch gar nicht die Intention der Zeitschrift, \"die K\u00e4mpfe von vorgestern neu auszufechten. Wir wollen einen modernen und zukunftsgewandten Nationalen Sozialismus vertreten, der auf alle Fragen der Gegenwart eine Antwort hat und der angetreten ist, die Existenz unseres Volkes zu sichern und seine Zukunft neu gestalten\". Das Konzept der Publikation basiert auf den \"drei S\u00e4ulen Weltanschauung, Bewegung und Leben\": Hinsichtlich der \"Weltanschauung\" werden Artikel zur rechtsextremistischen Ideologie ver\u00f6ffentlicht. Bei der S\u00e4ule \"Bewegung\" 63","geht es dem Herausgeber um die \"Entwicklung des Nationalen Widerstandes\". Dies schl\u00e4gt sich unter anderem in Artikeln zu Strategie und Taktik nieder, in Berichten zu Demonstrationen und Interviews mit rechtsextremistischen Aktivisten. Die Beitr\u00e4ge in der S\u00e4ule \"Leben\" befassen sich mit Reisen, Sport und Geschichte, um \"dem Ungeist des Regimes eine nationale Gegenkultur entgegen[zu]setzen! \". Reconquista Die rechtsextremistische Zeitschrift erscheint seit 2016 halbj\u00e4hrlich. Der Name spielt auf die R\u00fcckeroberung muslimischer Gebiete in Spanien im Mittelalter durch christlichen Herrscher an, die als \"Reconquista\" bezeichnet wird. Die Publikation besch\u00e4ftigt sich mit den Themen Geschichte, Politik und Kultur. Der Herausgeber, ein seit vielen Jahren t\u00e4tiger rechtsextremistischer Publizist, firmiert unter der Adresse des Dortmunder Kreisverbandes der Partei Die Rechte. Im Editorial der ersten Ausgabe 2017 behauptete der Herausgeber, dass die Aufgabe der Zeitschrift sei, \u00fcber Demokratie als Teilhabe des Volkes aufzukl\u00e4ren. Der Schwerpunkt dieser Ausgabe sei deshalb dem Thema \"Volk\" gewidmet. Dann verdeutlichte er, dass er ideologisch in der Tradition des v\u00f6lkischen Nationalismus stehe: \"Bisher haben die V\u00f6lker ihren biologischen und kulturellen Besitzstand von Generation zu Generation weitergegeben. Als Fortpflanzungs-Gemeinschaften. Wird das so weitergehen? K\u00f6nnen wir als Volk \u00fcberleben? \" Weiterhin widmet sich die Zeitschrift historischen Themen, wobei in pseudowissenschaftlicher Manier nationalistische Mythen \u00fcber Deutschland verbreitet werden. Bemerkenswert ist, dass die letzte Seite Attentatsphantasien \u00fcber Bundeskanzlerin Merkel als vermeintlichen Witz pr\u00e4sentiert. Die zweite Ausgabe im Jahr 2017 besch\u00e4ftigte sich mit Verschw\u00f6rungstheorien und lie\u00df sich dabei von der Frage leiten \"Gibt es eine unsichtbare Hand, die unsere Politiker bei ihren gro\u00dfen Entscheidungen leitet. \" Dies spielt auf die rechtsextremistische Verschw\u00f6rungstheorie an, wonach die Juden heimlich die Geschicke leiten und das Volk ausbeuten w\u00fcrden. Unabh\u00e4ngige Nachrichten Bereits seit 1969 erscheint bundesweit die Monatszeitschrift Unabh\u00e4ngige Nachrichten, welche vom Oberhausener \"Freundeskreis UN e. V. \" herausgegeben wird. Die Herausgeber unterstellen, dass die deutsche Presselandschaft einseitig berichte und gleichgeschaltet wirke. Die Unabh\u00e4ngigen Nachrichten w\u00fcrden hierzu ein \"Gegengewicht\" darstellen. Der interessierte Leser m\u00fcsse eine Zeitung bekommen, welche ihm nicht \"den Einheitsbrei aus vorgefertigter Meinung und 'Political Correctness'\" serviere. Daher werden in den Beitr\u00e4gen der monatlich erscheinenden Publikation Minderheiten pauschal negativ und politische Probleme als Mangel des demokratischen Systems dargestellt. So wartete die Zeitschrift etwa im Rahmen ihrer Januarausgabe 2017 mit der Schlagzeile \"Massenabschiebung statt Massenverbl\u00f6dung\" auf. In der Regel nennt die Zeitschrift die Autoren nicht namentlich. Eine Ausnahme stellte die dritte Ausgabe 2017 dar, in der ein offener Brief eines Brigadegenerals au\u00dfer Dienst an die Bundesregierung ver\u00f6ffentlicht wurde. In revisionistischer Manier stellte er Deutschland als Opfer des Ersten und Zweiten Weltkriegs dar und kritisierte, dass die Wahrung der Menschenrechte ein zentrales Ziel der gegenw\u00e4rtigen Politik sei. Recht und Wahrheit Die seit Mitte der 1980er Jahre erscheinende Zeitschrift Recht und Wahrheit wird seit 2009 vom langj\u00e4hrigen Rechtsextremisten Meinolf Sch\u00f6nborn in Ostwestfalen herausgegeben. Sie richtet sich vornehmlich an die Neonaziszene, aber auch an Reichsb\u00fcrger, wie die Selbstdarstellung der Zeitschrift auf ihrer Webseite verdeutlicht: \"Wir sind kein Verein, keine Partei, sondern durch den Reichsgedanken und durch den Willen zum Widerstand gegen Verwahrlosung, Landnahme durch Migranten und durch die \u00fcber 66 j\u00e4hrige Fremdherrschaft zusammengef\u00fcgte freiheitsliebende Deutsche, die noch Deutsche sein wollen.\" Die Publikation erschien 2016 lediglich einmal und 2017 gab es kein regul\u00e4res Heft. Anfang 2018 wurde wieder eine neue Ausgabe ver\u00f6ffentlicht. Aktivisten des neonazistischen Freundeskreis Rhein-Sieg bzw. der Identit\u00e4ren Aktion verteilten 2017 aber mehrfach eine Probezeitschrift in verschiedenen St\u00e4dten im Rheinland. In dieser werden Migranten, insbesondere Muslime und Fl\u00fcchtlinge pauschal negativ dargestellt und Ressentiments gegen diese Bev\u00f6lkerungsgruppen gesch\u00fcrt. So werden Fl\u00fcchtlinge in dem Artikel \"Deutschland: Das verbotene Heimatland\" zu S\u00fcndenb\u00f6cken f\u00fcr s\u00e4mtliche vermeintlichen Probleme abgestempelt: \"Anders als ihren Eltern bleiben ihnen (deutsche Jugendliche, Anm. der Redaktion) keinerlei positive Vergangenheitserinnerungen, sie 64","m\u00fcssen von Geburt an k\u00e4mpfen, verrichten Dumpinglohnarbeit, k\u00f6nnen oftmals keine Familien gr\u00fcnden, d\u00fcrfen jedoch zusehen, wie t\u00e4glich Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me s\u00e4mtliche Stadtteile vereinnahmen. \" Daneben betreibt die Zeitschrift eine Webseite und ein Facebookprofil, in denen die aktuelle Politik aus rechtsextremistischer Sicht kommentiert wird. Dar\u00fcber hinaus versucht der Herausgeber, Teile des Publikums einzubinden und veranstaltete 2017 bundesweit mehrere Lesertreffen bzw. Stammtische, auf denen rechtsextremistische Publizisten referierten. Diese geh\u00f6ren unter anderen der NPD, der Partei Die Rechte und dem Arminius Bund an, au\u00dferdem wird bekannten notorischen Leugnern des Holocaust ein Forum geboten. Insofern dienen diese Treffen auch dazu, die rechtsextremistische Szene st\u00e4rker zu vernetzen. 65","Linksextremismus Linksextremistische Parteien, Organisationen und Gruppen stellen weiterhin eine Gefahr f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung dar, weil sie diese revolution\u00e4r \u00fcberwinden und durch eine sozialistische, kommunistische oder anarchistische Gesellschaftsform ersetzen wollen. In linksextremistischen Ideologien wird das Prinzip menschlicher Gleichheit \u00fcber individuelle Freiheiten gestellt. Die meisten Linksextremisten verstehen sich zudem als Internationalisten und sehen in der Arbeiterklasse das \"historische revolution\u00e4re Subjekt\". Die autonome Szene in Nordrhein-Westfalen ist insgesamt weiterhin eher weniger ideologiefixiert als aktionsorientiert. Gewalt stellt dabei ein grunds\u00e4tzlich akzeptiertes Mittel im Kampf gegen den Staat und andere politische Gegner dar. Vor allem im Bereich des Hambacher Forstes \u00fcbten Linksextremisten der autonomen Szene im Jahr 2017 Gewalt aus. Die Straftaten der Waldbesetzer-Szene richteten sich insbesondere gegen Kr\u00e4fte der Polizei und Personal des Unternehmens RWE, f\u00fcr dessen Tagebau der Hambacher Forst gerodet werden soll. Daneben wurde bei den durch die Interventionistische Linke (IL) beeinflussten Gro\u00dfaktionen des B\u00fcndnisses Ende Gel\u00e4nde gegen den Braunkohleabbau zu Besetzungen und Blockaden aufgerufen. In diesem Zusammenhang kam es zu Straftaten wie Hausfriedensbr\u00fcche im Tagebau und Kraftwerksblockaden mit erheblichen wirtschaftlichen Folgen. Diese Aktionen werden von den Beteiligten als \"ziviler Ungehorsam\" gerechtfertigt. Im Zuge der G20-Proteste sowie der Ende-Gel\u00e4nde-Aktionen sind \u00fcberregionale und internationale Verflechtungen der linksextremistischen Szene in NRW offenbar geworden. Durch die Beteiligung an lokalen Protesten versuchte die IL, b\u00fcrgerlich-demokratisches Protestpotenzial f\u00fcr eigene Zwecke zu nutzen, die Grenzen zwischen extremistischem und demokratischem Protest zu verwischen und sich als Teil einer legitimen Protestbewegung zu inszenieren. Ziel der IL ist es dabei, m\u00f6glichst viele dieser Akteure zu radikalisieren, bis sie sich - so die ideologische Vorstellung - als \"unterdr\u00fcckte Minderheit zu einer aufbegehrenden Mehrheit\" entwickeln. Dabei zielt die IL unter anderem mit prinzipieller Billigung gewaltt\u00e4tiger Handlungsoptionen sowohl auf die Herbeif\u00fchrung kleiner Ver\u00e4nderungen in den lokalen Konflikten als auch auf den revolution\u00e4ren Bruch mit dem System als Fernziel ab. Die Gegenproteste zum G20-Gipfel in Hamburg wurden in dieser Weise vorbereitet und durchgef\u00fchrt. Von den im Verfassungsschutz-Verbund prognostizierten bis zu 80.000 Gipfelgegnern kamen 7.500 bis 8.000 aus dem autonomen gewaltbereiten Spektrum, davon wiederum 600 bis 800 aus NRW. Neben der IL waren aus NRW Autonome aus Antifa-Gruppen, anarchistischen Gruppierungen und von Young Struggle vertreten. Im Wahljahr 2017 richteten sich linksextremistische Protestaktionen dar\u00fcber hinaus auch gegen die erstmals f\u00fcr den Landtag NRW und f\u00fcr den Bundestag kandidierende Partei AfD. Vor allem gegen den Bundesparteitag im April 2017 in K\u00f6ln wurde massiv mobilisiert und im Rahmen von Blockaden versucht, die Veranstaltung zu verhindern. Dies wurde nur durch ein erhebliches Polizeiaufgebot vereitelt. Zu den Beobachtungsobjekten des Verfassungsschutzes in Nordrhein-Westfalen z\u00e4hlen im Bereich Linksextremismus weiterhin die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) und die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD). Beide traten 2017 bei den Wahlen an. Lediglich die MLPD konnte einen Stimmenzuwachs verzeichnen. Sie trat bei der Bundestagswahl mit der im Vorjahr auf ihre Initiative hin und mit weiteren linken Organisationen/Parteien gegr\u00fcndeten Internationalistischen Liste an. Des Weiteren stehen einzelne Zusammenschl\u00fcsse innerhalb der Partei DIE LINKE unter Beobachtung, bei denen Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht einer linksextremistischen Bestrebung vorliegen. Die Partei selbst wird vom Verfassungsschutz nicht beobachtet. 66","Im Fokus: Hambacher Forst - gewaltt\u00e4tige Klimaproteste und deren Vernetzungen Der sogenannte Hambacher Forst, urspr\u00fcnglich \"B\u00fcrgewald\", ist eine \u00f6stlich von J\u00fclich gelegene Waldfl\u00e4che, die seit 1978 zugunsten der Vergr\u00f6\u00dferung des Braunkohlentagebaus Hambach kontinuierlich gerodet wird. Seit 2012 kam es wiederholt zu tempor\u00e4ren Besetzungen der Restfl\u00e4chen des Waldes durch Aktivisten der Anti-KohlekraftBewegung. Diese hat sich mittlerweile in eine st\u00e4ndige Besetzung des verbliebenen Waldes und in ein an den Wald angrenzendes sogenanntes Wiesencamp gewandelt. Entwicklung im Berichtszeitraum In der ersten und zu Beginn der zweiten Jahresh\u00e4lfte war eine \u00fcberwiegend konstante Personenanzahl im mittleren zweistelligen Bereich im Hambacher Forst aufh\u00e4ltig, die sich nur anlassbezogen, zum Beispiel zum ersten Skill-Sharing-Camp im April und anl\u00e4sslich des traditionell im Rheinischen Braunkohlerevier stattfindenden Klimacamps im August erh\u00f6hte. Dies \u00e4nderte sich im Vorlauf des zweiten Skill-Sharing-Camps, das zu Beginn der j\u00e4hrlichen Rodungsperiode (ab 01.10.2017) stattfand: Es kam zu einem sprunghaften personellen Zulauf von Personen in das Wiesencamp, vor allem aber in die Waldbesetzungen. Bereits zu Beginn der Rodungsperiode verdoppelte sich das Personenpotenzial im Vergleich zum Jahresbeginn, bis zum Ende des Jahres 2017 vervierfachte sich die ans\u00e4ssige Personenanzahl (ca. 150 Personen) sogar. Die ideologischen Einstellungen, Hintergr\u00fcnde und Ver\u00f6ffentlichungen der Aktivisten machen deutlich, dass es sich um eine heterogene Szene handelt. W\u00e4hrend in der Gesamtheit ein autonomer Personenzusammenschluss feststellbar ist, finden sich innerhalb der Gruppe vielf\u00e4ltige Einfl\u00fcsse und Auspr\u00e4gungen. Gerade in Ver\u00f6ffentlichungen tauchen mit Klimaund Umweltschutz sowie Antirepression typische Themenfelder auf, die von Linksextremisten auch mit dem Ziel besetzt werden, Anschlussf\u00e4higkeit an zivildemokratische B\u00fcndnisse und Netzwerke herzustellen. Dar\u00fcber hinaus werden aber auch ideologisch dem Anarchismus zuzurechnende Utopien postuliert und propagiert. Auch bezogen auf die Aus\u00fcbung von Gewalt durch Besetzer stellt der beschriebene Zulauf von Personen, vor allem im September 2017, eine Z\u00e4sur dar. Nach Gewaltanwendungen gegen Personal oder Sachen des Tagebaubetreibers war ab Ende September dar\u00fcber hinaus eine zunehmende Gewalteskalation gegen vor Ort eingesetzte Polizeikr\u00e4fte zu verzeichnen. Diese Entwicklung f\u00fchrte unter anderem auch zur Abwanderung einzelner alteingesessener, weniger gewaltbereiter aber kommunikationsbereiter Personen, deren ideologischer Fokus wohl eher dem Themengebiet Klimaund Umweltschutz zuzurechnen ist. Es handelt es sich bei den Besetzern nicht um eine lokale Szene. Die vor Ort festgestellten Personen stammen \u00fcberwiegend nicht aus dem Rheinland oder aus NRW, sondern aus dem restlichen Bundesgebiet sowie dem europ\u00e4ischen Ausland. Einhergehend mit dem personellen Zulauf kam es auch zu einem Ausbau der Infrastruktur. Analog zur Personenanzahl ist eine Vervierfachung der Baumh\u00e4user wie auch eine Zunahme von ebenerdigen Unterkunftsund Logistikstrukturen zu verzeichnen. Dar\u00fcber hinaus wurden T\u00e4tigkeiten zum Bau, Errichtung und Erneuerung von Barrikaden intensiv fortgesetzt. Entscheidend f\u00fcr den Wandel der Szene im Hambacher Forst waren vor allem Entwicklungen in der zweiten Jahresh\u00e4lfte 2017. Hierbei ist zuerst die im Juli von den Besetzern selbst durchgef\u00fchrte \"Hambacher Wald Mobi Tour\" mit bundesweiten Veranstaltungen, die zum Aufenthalt im Hambacher Forst motivieren sollten, zu nennen. Schwerpunkte waren St\u00e4dte, die f\u00fcr eine ausgepr\u00e4gte linksextremistische Szene bekannt sind (u.a. Berlin, Hamburg, Leipzig). Im Hinblick auf den sp\u00e4ter festgestellten personellen Zulauf kann angenommen werden, dass diese Mobilisierungstour dazu beigetragen hat. Ein weiterer, wenn nicht der wesentlichste Faktor f\u00fcr eine ver\u00e4nderte Wahrnehmung der Thematik \"Hambacher Forst \"im Linksextremismus, sind die beiden vom AntiBraunkohleB\u00fcndnis Ende Gel\u00e4nde (EG) durchgef\u00fchrten sogenannten \"Aktionstage\". Die ersten Aktionstage von EG fanden als Abschluss des bereits erw\u00e4hnten Klimacamps im Rheinischen Braunkohlerevier statt. Sie fokussierten vor allem auf die Blockade von Kohlekraftwerken mit r\u00e4umlicher N\u00e4he zum Tagebau Garzweiler. Die Hauptaktion der zweiten Aktionstage von Ende Gel\u00e4nde fand in direkter r\u00e4umlicher N\u00e4he zu den besetzten 67","Fl\u00e4chen des Hambacher Forstes statt. Bei Ende Gel\u00e4nde selbst handelt es sich um ein europaweites Sammelb\u00fcndnis zivildemokratischer und linksextremistischer Organisationen, B\u00fcndnisse und Netzwerke. Es wird aufgrund der intensiven aktionsorientierten Einflussnahme und Mitwirkung der linksextremistischen Interventionistischen Linken (IL) als Scharnier zum zivildemokratischen Spektrum genutzt. Im Zuge der beiden Aktionstage kam es zu sogenannten Massenaktionen zivilen Ungehorsams mit einer Vielzahl von Straftaten wie Gef\u00e4hrlicher Eingriff in den Schienenverkehr, Sachbesch\u00e4digung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Zwischen der Besetzerszene des Hambacher Forstes und Ende Gel\u00e4nde war w\u00e4hrend der ersten Aktionstage eine Verquickung feststellbar: Besetzer agierten als Vortragende beim Klimacamp sowie bei Kleingruppenaktionen (z.B. Baggerbesetzung im Tagebau Inden). Im Zuge der zweiten Aktionstage anl\u00e4sslich der Weltklimakonferenz (COP 23) in Bonn im November waren ebenfalls Kontakte zwischen Besetzern und Verantwortlichen von Ende Gel\u00e4nde feststellbar, und es kam zu direkter logistischer Unterst\u00fctzung der Massenaktion am Tagebau Hambach. Die beschriebene Vernetzung f\u00fchrte insbesondere in der zweiten Jahresh\u00e4lfte zu einer verst\u00e4rkten Solidarisierung von Ende Gel\u00e4nde mit der \u00f6rtlichen Besetzerszene und zu einer verst\u00e4rkten Wahrnehmung von EG als Br\u00fccke auch in das zivildemokratische Spektrum. Neben dieser Entwicklung ist eine zunehmende europaweite und internationale Vernetzung festzustellen. Sowohl der st\u00e4ndige Zulauf ausl\u00e4ndischer Personen in die Besetzerszene aber auch die weltweiten \u00f6ffentlichen Solidarit\u00e4tsbekundung belegen dies. Dar\u00fcber hinaus besteht die lokale Vernetzung u.a. mit B\u00fcrgerinitiativen, Einrichtungen oder Einzelunterst\u00fctzern aber fort. Ausblick Drei Faktoren werden auf die zuk\u00fcnftige Entwicklung im Hambacher Forst Einfluss haben. Der erste und wesentlichste Faktor ist, ob eine abschlie\u00dfende Entscheidung \u00fcber die Fortsetzung des Braunkohleabbaus im Tagebau Hambach getroffen wird. Falls diese zugunsten einer Fortf\u00fchrung ausf\u00e4llt, ist zweitens entscheidend, ob das ans\u00e4ssige Personenpotential, seine konfrontative Taktik, die zuletzt immer mehr auch Gewalt gegen Personen umfasste, weiter fortsetzt. Der dritte Faktor wird sein, ob der Bedeutungsgewinn der Thematik \"Hambacher Forst\" f\u00fcr die linksextremistische Szene zu weiterem personellen Zulauf und besseren finanziellen und logistischen Rahmenbedingungen f\u00fcr die Besetzer f\u00fchrt. Denn grunds\u00e4tzlich ist festzustellen, dass ohne externe Unterst\u00fctzung und Solidarit\u00e4tsma\u00dfnahmen eine wirkliche autonome Besetzung nicht aufrecht zu erhalten w\u00e4re. 68","Zusammenschl\u00fcsse innerhalb der Partei DIE LINKE Sitz / Verbreitung \"Antikapitalistische Linke (AKL)\" : Berlin marx21: Berlin, Unterst\u00fctzergruppe in Nordrhein-Westfalen: Duisburg Kommunistische Plattform (KPF): Berlin Linksjugend ['solid]: Bundesverband: Berlin, Landesverband: D\u00fcsseldorf und Essen Gr\u00fcndung / Bestehen seit \"Antikapitalistische Linke (AKL)\": 2006 marx21: 2007 Kommunistische Plattform (KPF): 1995 Linksjugend ['solid]: 1999 Struktur / Repr\u00e4sentanz \"AKL\", marx21 und KPF sind Zusammenschl\u00fcsse beziehungsweise Teile der Partei DIE LINKE, die im Bundestag, in Landtagen und bundesweit in kommunalen Gremien vertreten ist. \"Antikapitalistische Linke (AKL)\": zun\u00e4chst Str\u00f6mung, seit 2013 anerkannter Zusammenschluss innerhalb der Partei DIE LINKE, sechs Bundessprecherinnen und ein L\u00e4nderrat, in dem Delegierte aus jedem Bundesland sowie die sympathisierenden Parteivorstandsmitglieder vertreten sind marx21: trotzkistisches Netzwerk innerhalb des Zusammenschlusses \"Sozialistische Linke (SL)\" in der Partei DIE LINKE; lokale \"Unterst\u00fctzergruppen\" in den Bundesl\u00e4ndern Kommunistische Plattform (KPF): offen t\u00e4tiger Zusammenschluss von Kommunistinnen und Kommunisten in der Partei DIE LINKE Linksjugend ['solid]: Jugendorganisation der Partei DIE LINKE mit Bundesgesch\u00e4ftsstelle, sechs Bundessprechern und 16 Landesverb\u00e4nden Mitglieder / Anh\u00e4nger / Unterst\u00fctzer 2017 \"Antikapitalistische Linke (AKL)\": Bund: circa 840 marx21: nicht bekannt Kommunistische Plattform (KPF): circa 1.200 Linksjugend ['solid]: Bund: 3.150 aktiv / \u00fcber 10.000 passiv Ver\u00f6ffentlichungen marx21: f\u00fcnfmal j\u00e4hrlich erscheinendes Magazin \"marx21\" Kommunistische Plattform (KPF): \"Mitteilungen der Kommunistischen Plattform der Partei DIE LINKE\" (monatlich) Linksjugend ['solid]: regelm\u00e4\u00dfige Berichterstattung der Tageszeitung \"junge Welt (jW)\" \u00fcber die politischen Str\u00f6mungen innerhalb der Partei DIE LINKE. Web-Angebote zum Teil mit L\u00e4nderbezug: \"Antikapitalistische Linke (AKL)\": antikapitalistische-linke.de 69","marx21: marx21.de, Magazin \"marx21\" (f\u00fcnfmal j\u00e4hrlich) sowie Auftritt in den sozialen Netzwerken Kommunistische Plattform (KPF): die-linke.de/partei/zusammenschluesse/kommunistische-plattform-der-parteidie-linke, Auftritt in den sozialen Netzwerken Linksjugend ['solid]: Bund: linksjugend-solid.de; NRW: linksjugend-solid-nrw.de sowie Auftritte in den sozialen Medien Kurzportrait / Ziele Gemeinsam ist - in unterschiedlicher dogmatischer Sch\u00e4rfe - den genannten Zusammenschl\u00fcssen nicht nur das Ziel, das \"kapitalistische System\" in der Bundesrepublik Deutschland zu \u00fcberwinden, sondern das Streben nach einer sozialistischen Staats-, Gesellschaftsund Wirtschaftsordnung in Deutschland, die mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung nicht zu vereinbaren ist. Finanzierung Kommunistische Plattform (KPF): Mittel der Partei DIE LINKE und Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die Partei DIE LINKE verfolgt keine Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung. Die Partei DIE LINKE l\u00e4sst allerdings innerparteilich Zusammenschl\u00fcsse zu und f\u00f6rdert diese teilweise sogar, bei denen entweder Anhaltspunkte f\u00fcr eine linksextremistische Bestrebung vorliegen oder zumindest den Verdacht begr\u00fcnden. Der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen beobachtet daher nicht die Partei DIE LINKE als Ganzes, sondern nur die linksextremistischen beziehungsweise die im Verdacht einer linksextremistischen Bestrebung stehenden Zusammenschl\u00fcsse in der Partei DIE LINKE. Dies sind die \"Antikapitalistische Linke (AKL)\", das trotzkistische Netzwerk marx21, die Kommunistische Plattform (KPF) und die Linksjugend ['solid]. Die Linksjugend hat im Jahre 2017 zudem wie andere linksextremistische Organisationen aktiv auf Bundesaber auch auf Landesebene f\u00fcr die Proteste gegen den G20-Gipfel in Hamburg mobilisiert. Dabei wurde zur Teilnahme an den Aktionen des zivilen Ungehorsams am 7. Juli aufgerufen. Man beteiligte sich an der Organisation eines ['solid]-Jugendblock bei den Protesten am 8. Juli und am internationalen B\u00fcndnis \"Jugend Gegen G20\". Die Kommunistische Plattform strebt in der marxistisch-leninistischen Tradition die \u00dcberwindung des Kapitalismus und den Aufbau des Sozialismus als \u00dcbergangsstadium zur klassenlosen kommunistischen Gesellschaft an. marx21 setzt sich f\u00fcr eine sozialistische Revolution ein und versteht sich als \"revolution\u00e4re, sozialistische Organisation in der Tradition von Marx, Engels, Lenin, Trotzki, Luxemburg und Liebknecht\". Sie verfolgt als Ziel die Schaffung einer kommunistischen Gesellschaft trotzkistischer Pr\u00e4gung. Linksjugend ['solid] tritt f\u00fcr einen Kampf als \"SozialistInnen, KommunistInnen, AnarchistInnen ... f\u00fcr eine libert\u00e4re, klassenlose Gesellschaft jenseits von Kapitalismus, Rassismus und Patriarchat\" ein. Weiter wird im Programm davon ausgegangen, dass gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen \"schwerpunktm\u00e4\u00dfig au\u00dferhalb der Parlamente\" stattfinden. Dabei bilden f\u00fcr sie die \"ber\u00fchmten zwei Gr\u00e4ben Reform oder Revolution ... keinen Widerspruch\". 70","Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Sitz / Verbreitung Essen Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1968 Struktur / Repr\u00e4sentanz Vorsitz: Patrick K\u00f6bele Bezirke: Rheinland-Westfalen und Ruhr-Westfalen (Leitungsgremium von vier Personen) unterst\u00fctzte Jugendorganisation: Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Mitglieder / Anh\u00e4nger / Unterst\u00fctzer 2017 Bund: rund 3.000; NRW: rund 800 Ver\u00f6ffentlichungen Publikationen: UZ - Unsere Zeit (w\u00f6chentlich), Marxistische Bl\u00e4tter (theoretische Schriftenreihe) Web-Angebote: eigene Homepage Kurzportrait / Ziele Die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) ist neben der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) eine Kernorganisation des orthodox-kommunistischen Linksextremismus. Die Partei versteht sich als politische Nachfolgerin der 1956 vom Bundesverfassungsgericht verbotenen Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), bekennt sich als \"revolution\u00e4re Partei der Arbeiterklasse\" zum Marxismus-Leninismus und strebt die revolution\u00e4re Umgestaltung der Gesellschaft an. Finanzierung \u00fcberwiegend durch Mitgliedsbeitr\u00e4ge und Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Nach Vorstellung der DKP soll die Arbeiterklasse als ma\u00dfgebende gesellschaftsver\u00e4ndernde Kraft durch einen klassenk\u00e4mpferisch-revolution\u00e4ren Akt die kapitalistischen Eigentumsund Machtverh\u00e4ltnisse, den Parlamentarismus und den politisch-gesellschaftlichen Pluralismus \u00fcberwinden. \u00dcber die Zwischenstufe des Sozialismus wird eine klassenlose kommunistische Gesellschaft angestrebt, in der alle wesentlichen gesellschaftlichen Gegens\u00e4tze, insbesondere der zwischen Kapital und Arbeit, aufgehoben sein sollen. Individualgrundrechte haben in diesem Konzept nur noch eine stark eingeschr\u00e4nkte Bedeutung. Damit richtet sie sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Wahlen Nach Erreichung der erforderlichen Unterst\u00fctzerunterschriften beteiligte sich die DKP mit den beiden Bezirken Ruhr-Westfalen und Rheinland-Westfalen nach 1994 neben Direktkandidaturen erstmalig wieder mit einer eigenen Landesliste an einer Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Im Ergebnis erzielte sie 2.414 Erststimmen und 2.906 Zweitstimmen. 71","An der Bundestagsliste beteiligte sich die DKP in neun Bundesl\u00e4ndern mit Landeslisten, darunter in NordrheinWestfalen. Im Ergebnis erhielt sie 7.514 Erststimmen und 11.713 Zweitstimmen. In Nordrhein-Westfalen betrug der Anteil der Erststimmen 1.279 und der Zweitstimmen 2.238. Zum 50-j\u00e4hrigen Bestehen der DKP und 100 Jahre nach Gr\u00fcndung der KPD wurde die Partei bei den Wahlen 2017 zum ersten Mal von der Marxistisch-leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) an Stimmen \u00fcbertroffen. Parteiinterne Auseinandersetzungen \u00fcber den Charakter der DKP als eine reformerisch oder revolution\u00e4r ausgerichtete Partei haben seit dem 19. Parteitag zur Spaltungen innerhalb der Partei und auch zu Austritten gef\u00fchrt. Parteiintern wurde zudem die Wahlbeteiligung neben der Partei \"Die Linke\" kritisiert, da man nicht in Konkurrenz treten wollte. So wurde zum Beispiel im Rheinland durch Parteimitglieder dennoch offen zur Unterst\u00fctzung der Partei \"Die Linke\" aufgefordert. Die parlamentarische Pr\u00e4senz ist f\u00fcr die DKP nicht das Hauptziel. Ihre Funktion als Partei, die eine Alternative zum Kapitalismus anbietet, steht im Vordergrund. Als B\u00fcndnispartner im linksextremistischen Spektrum gewertet und wahrgenommen zu werden hat Priorit\u00e4t bei der Parteiarbeit. Der revolution\u00e4r ausgerichtete aktuelle Vorstand versteht die Wahlantritte vor allem als Zeichen der Existenz einer kommunistisch organisierten Kaderpartei mit revolution\u00e4rem au\u00dferparlamentarischem Anspruch. Sozialistische deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Festival der Jugend vom 2. bis 5. Juni 2017 in K\u00f6ln Unter dem Motto \"Selbstgemacht, unkommerziell, Gegenkultur, Zeit f\u00fcr Widerstand!\" richtete die SDAJ das traditionell alle zwei Jahre zu Pfingsten stattfindende Festival im Jugendpark K\u00f6ln am Rhein aus. Musikveranstaltungen und ein breites linksorientiertes politisches Programm sorgten nach eigenen Aussagen f\u00fcr einen Rekord von rund 2.000 Besucherinnen und Besuchern. In einer eigenen Ver\u00f6ffentlichung der SDAJ zur Vorbereitung des Festivals wurde ausdr\u00fccklich auf die ma\u00dfgebliche Beteiligung der DKP hingewiesen. Dies entspricht dem Parteitagsbeschluss der DKP, unter personellem und finanziellem Einsatz von Parteimitgliedern linksorientierte Jugendliche zu einer zuk\u00fcnftigen Mitarbeit in der DKP zu motivieren und zu f\u00f6rdern. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die Wahlergebnisse mit dem Einzug der Partei Alternative f\u00fcr Deutschland (AfD) in den Landtag NordrheinWestfalen und in den Bundestag sowie die als staatliche Repression gewerteten Ereignisse bei den Protestveranstaltungen und deren Aufarbeitung im Zusammenhang mit dem G20-Gipfel in Hamburg versteht die DKP als Rechtsruck. Daraus leitet sie das Ziel ab, politischen Widerstand zu leisten. Im Vordergrund steht diesbez\u00fcglich der f\u00fcr den 2. bis 4. M\u00e4rz 2018 angesetzte 22. Parteitag der DKP in Frankfurt am Main. Leitantr\u00e4ge, die Offensive des Monopolkapitals zu stoppen, und Ma\u00dfnahmen zur St\u00e4rkung der Partei sollen dies bekr\u00e4ftigen. Nach dem Willen des Parteivorstands soll der Parteitag vor allem die Einheit der Partei wiederherstellen und st\u00e4rken. Parteitagsbeschl\u00fcsse sollen einer Kaderpartei entsprechend uneingeschr\u00e4nkt verbindlich f\u00fcr alle Strukturen der Partei gelten. Damit rechtfertigt der Parteivorstand den Ausschluss des Verbandes S\u00fcd-Bayern aus der Partei, der den reformerischen Aspekt einer sozialistischen Partei im Stil der Partei \"Die Linke\" verfolgte. Dar\u00fcber hinaus will der Vorstand durch den Parteitag \u00fcber Unvereinbarkeitsbeschl\u00fcsse gegen parteiinterne, nicht autorisierte Organisationsformen wie dem \"kommunistischen Netzwerk\" entscheiden lassen, um Spaltungstendenzen entgegenzuwirken. Die Wiederherstellung einer einheitlichen koh\u00e4renten Linie einer traditionellen kommunistischen Partei an der Spitze der Arbeiterbewegung ist das vorgegebene Ziel. F\u00fcr den Zeitraum vom 7. bis 9. September 2018 plant die DKP das 20. Pressefest der Wochenzeitschrift Unsere Zeit (UZ) in Dortmund. Diese Veranstaltung ist im Jubil\u00e4umsjahr 50 Jahre DKP und 100. Jahrestag der Gr\u00fcndung der KPD f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeitsund B\u00fcndnisarbeit der traditionellen kommunistischen Partei in Deutschland von hoher Bedeutung . Neben der durchaus auch parteilich gewollten wahlpolitischen Bedeutungslosigkeit k\u00e4mpft die Partei um ihr Bestehen, vor allem bei der Neugewinnung und Mobilisierung aktiver Mitglieder. 72","Die DKP sieht ihre Schwerpunkte in der betrieblichen und gewerkschaftlichen Arbeit sowie in der Kommunalpolitik. Soziale und friedenspolitische Themen und Argumente bilden die von ihr so verstandene Basis einer verantwortungsvollen Parteiarbeit. Ziel ist es, eine h\u00f6here Resonanz in der Arbeiterschaft und damit gesamtgesellschaftliche Aufmerksamkeit zu erreichen. 73","Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) Sitz / Verbreitung Gelsenkirchen, bundesweite Verbreitung mit Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1982 Struktur / Repr\u00e4sentanz Neben Nordrhein-Westfalen verf\u00fcgt die Partei in sechs weiteren Bundesl\u00e4ndern \u00fcber einen Landesverband. Zahlreiche Gruppierungen mit nomineller Eigenst\u00e4ndigkeit dienen der Partei als struktureller Unterbau, darunter als Nebenorganisation der Jugendverband Rebell mit der Kinderorganisation Rotf\u00fcchse, der \"Frauenverband Courage e. V\" und kommunale Wahlb\u00fcndnisse wie \"alternativ, unabh\u00e4ngig, fortschrittlich (AUF)\". Vorsitz ab 1. April 2017: Gabi Fechtner(geborene G\u00e4rtner), bis 1. April 2017: Stefan Engel Mitglieder / Anh\u00e4nger / Unterst\u00fctzer 2017 Bund: 1.800 NRW: rund 650 Ver\u00f6ffentlichungen Publikationen: Rote Fahne Magazin, Revolution\u00e4rer Weg (RW) Web-Angebote: umfangreiche Internetpr\u00e4senz, Rote Fahne News als Online-Nachrichtenmagazin Kurzportr\u00e4t / Ziele Die 1982 aus dem \"Kommunistischen Arbeiterbund Deutschlands (KABD)\" hervorgegangene MarxistischLeninistische Partei Deutschlands (MLPD) versteht sich als politische Vorhutorganisation der Arbeiterklasse in Deutschland. Ihr grundlegendes Ziel ist der revolution\u00e4re Sturz der \"Diktatur des Monopolkapitals\" und die Errichtung der Diktatur des Proletariats f\u00fcr den Aufbau des Sozialismus als \u00dcbergangsstadium zur klassenlosen kommunistischen Gesellschaft. Die angestrebte Gesellschaftsordnung soll durch eine Revolution erreicht werden, in deren Verlauf sich die \"Arbeiterklasse unter F\u00fchrung ihrer Partei [Anmerkung der Redaktion: gemeint ist die MLPD] zum bewaffneten Aufstand erheben, [...] den b\u00fcrgerlichen Staatsapparat zerschlagen, [...] die Diktatur des Proletariats errichten und [...] gegen die Konterrevolution verteidigen\" m\u00fcsse. In einem \"17 Punkte Kampfprogramm\" f\u00fchrt die Partei aus, dass die \"Herrschaft der internationalen Monopole gest\u00fcrzt und der Sozialismus aufgebaut\" werden m\u00fcsse. Dies beschr\u00e4nke sich nicht nur auf Deutschland, erkl\u00e4rt die MLPD und konkretisiert im eigenen Parteiprogramm: Der Sozialismus stelle eine \"\u00dcbergangsgesellschaft vom Kapitalismus zum Kommunismus\" dar und mit der \"Diktatur des Proletariats organisiere die Arbeiterklasse den Klassenkampf im Sozialismus\". Das gesamte Aktionspotenzial der MLPD fu\u00dft auf dem geschlossenen marxistischleninistischen Weltbild einer klassischen kommunistischen Kaderpartei. Das Hauptaugenmerk ihrer politischen Arbeit legt die Partei neben der Frauenund Jugendpolitik, die sie mit vermeintlich eigenst\u00e4ndigen organisatorischen Gruppen bearbeitet, vorwiegend auf die Betriebsund Gewerkschaftsarbeit. Sie verbindet dies verst\u00e4rkt mit einer \"sozialistischen\" Umweltpolitik und der Beteiligung an sozialen Protesten in einem internationalen sozialistischen Kontext. Dem Anspruch an Internationalit\u00e4t wird die MLPD durch die 2010 gegr\u00fcndete \"Internationale Koordinierung revolution\u00e4rer Organisationen und Parteien (ICOR)\", der sich seit Gr\u00fcndung weltweit 48 Gruppierungen angeschlossen haben, gerecht. 74","Da sich die MLPD in einer fortdauernden Verfolgungssituation durch den Staat und seine Organe w\u00e4hnt, agiert sie auf kommunaler Ebene verdeckt. Hier unterst\u00fctzt die Partei angeblich unabh\u00e4ngige Personenwahlb\u00fcndnisse wie die Organisation \"alternativ, unabh\u00e4ngig, fortschrittlich (AUF)\", die zum Teil personell mit der MLPD verflochten sind. Finanzierung \u00dcberwiegend durch Mitgliedsbeitr\u00e4ge, Spenden und Einnahmen aus Verm\u00f6gen Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die MLPD bekennt sich nach wie vor zu den Lehren von Marx, Engels, Stalin und Mao Tse-tung und verbindet nach eigener Aussage \"den Kampf um die Forderungen der Arbeiterund Volksbewegungen mit dem Ziel der internationalen sozialistischen Revolution\". Die Zielsetzungen der MLPD sind durch verfassungsfeindliche Aussagen gepr\u00e4gt und lassen sich in den drei Kernpunkten Revolution, Diktatur des Proletariats und Kommunismus zusammenfassen. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Wahlen in 2017 Im Oktober 2016 wurde in Berlin auf Initiative der MLPD zusammen mit den Organisationen/Parteien: - ADHF (Konf\u00f6deration f\u00fcr demokratische Rechte in Europa), - AGIF (F\u00f6deration der Arbeitsimmigrant/innen in Deutschland e.V.) , - AKAB (Antikapitalistische Aktion Bonn) , - ATIF (Konf\u00f6deration der ArbeiterInnen aus der T\u00fcrkei in Europa), - Demokratisches Komitee Pal\u00e4stinas e.V., - BElele (Frauenverein Elele e.V. Braunschweig), - LF (LINKES FORUM), - Sympathisanten der PFLP (Volksfront zur Befreiung Pal\u00e4stinas), - REBELL (Jugendverband REBELL), - SYM (Socialist Youth Movement), - Werkstatt Darmstadt im Werkkreis Literatur der Arbeit - Yasanacak D\u00fcnya - YDG / Neudemokratische Jugend und - Young Struggle ein Internationalistisches B\u00fcndnis gegr\u00fcndet. Das B\u00fcndnis nahm 2017 als \"Internationalistische Liste/MLPD\" an der Bundestagswahl und an der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen teil. Spitzenkandidatin war jeweils Gabi Fechtner, die ab dem 1. April 2017 den Vorsitz der Partei von Stefan Engel \u00fcbernommen hatte. 75","Damit vollzog die MLPD den zum Parteitag des Vorjahres angek\u00fcndigten Generationenwechsel an der Parteispitze. Wahlen Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen erhielt die Internationalistische Liste/MLPD 2.496 Erststimmen und 7.712 Zweitstimmen. Bei den vorherigen Landtagswahlen 2010 und 2012 war die Partei nicht angetreten. Bei der Bundestagswahl im September erzielte die Internationalistische Liste/MLPD insgesamt 35.835 Erststimmen und 29.928 Zweitstimmen, darunter 10.520 Erstimmen und 6.455 Zweitstimmen aus NordrheinWestfalen. Im Vergleich zu dem Ergebnis der Bundestagswahl 2013 mit 12.904 Erststimmen und 24.219 Zweitstimmen bundesweit und 4.599 Erststimmen und 4.600 Zweitstimmen in NRW konnte die MLPD 2017 einen erheblichen W\u00e4hlerzuwachs verzeichnen. Durch das Wahlergebnis sieht sich die Partei in ihrer Politik gegen den Imperialismus und den Rechtsruck in der Gesellschaft gest\u00e4rkt. Beide Wahlk\u00e4mpfe waren durch intensive Plakatierungsma\u00dfnahmen und eine hohe Mobilisierung der Parteimitglieder gekennzeichnet und spiegeln die gro\u00dfen finanziellen Ressourcen der MLPD wider. Sie besitzt bundesweit Liegenschaften und kann auf eine au\u00dfergew\u00f6hnlich hohe Spendenbereitschaft ihrer Mitglieder vertrauen. In der Vergangenheit wurden Spendensummen in Millionenh\u00f6he bekannt. W\u00e4hrend des Bundestagswahlkampfes forderten Vertreter anderer Parteien das Verbot der Internationalistischen Liste/MLPD . Streitpunkt war, dass die Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (PFLP) eine der 16 Tr\u00e4gerorganisationen der Internationalistischen Liste/MLPD war, die wenn auch nicht in Deutschland aktiv als terroristisch einzustufen sei. Nach eigenen Angaben erwirkte die MLPD am 20. September 2017 vor dem Landgericht Hamburg eine einstweilige Verf\u00fcgung gegen weitere entsprechende \u00c4u\u00dferungen zum terroristischen Charakter der PFLP als Teil der Internationalistischen Liste/MLPD. Dar\u00fcber hinaus wurde nach Mitteilung der MLPD im November 2017 gegen einen Journalisten sowie gegen die Jerusalem Post eine weitere einstweilige Verf\u00fcgung vor dem Landgericht Hamburg erwirkt. In dieser wurde den Antragsgegnern untersagt, weiter \u00c4u\u00dferungen zu Spendensammlungen f\u00fcr die PFLP, zum Antritt zur Bundestagswahl auf einer gemeinsamen Liste und zu der Tatsache, dass f\u00fcr den Wahlkampf 4,17 Millionen Euro zur Verf\u00fcgung gestanden h\u00e4tten, vorzunehmen. Sich daran anschlie\u00dfende K\u00fcndigungen der Gesch\u00e4ftskonten der Partei am 16. November 2017 durch ihre Hausbanken versteht die MLPD als Folge dieser Anschuldigungen und interpretiert diese als politischen Boykott. 18. internationales Pfingstjugendtreffen in Gelsenkirchen vom 3. bis 4. Juni 2017 Traditionell er\u00f6ffnete der Jugendverband Rebell mit seiner Kinderorganisation Rotf\u00fcchse das turnusm\u00e4\u00dfig alle zwei Jahre stattfindende Treffen mit einer \"Zukunftsdemonstration\" in Essen. Unter dem Motto: \"Gegen den Rechtsruck der Regierung, Trump, AfD und Co. - f\u00fcr internationale Solidarit\u00e4t!\" wurde das 18. Pfingstjugendtreffen in Gelsenkirchen an den beiden Tagen mit rund 2.500 Besucherinnen und Besuchern fortgesetzt. Im Sinne der MLPD wurde der internationalistische Anspruch und die antikapitalistische, antiimperialistische Ausrichtung der Partei mit Hilfe von Konzertund Sportveranstaltungen und Podiums-Diskussionen best\u00e4rkt. Die MLPD kann bei ihrer Nachwuchsarbeit auf die Unterst\u00fctzung ihr nahestehender Organisationen vertrauen, Dazu z\u00e4hlen unter anderem der Frauenverband Courage e. V., die Mitglieder der Umweltgewerkschaft, lokale W\u00e4hlerinitiative (AUF, Alternativ-Unabh\u00e4ngig-Fortschrittlich) und das zu den Wahlen neukonstituierte \"Internationalistische B\u00fcndnis\" mit seinen Tr\u00e4gerorganisationen. Internationales Seminar 100 Jahre Oktoberrevolution vom 27. bis 29. Oktober 2017 in Bottrop Die Gro\u00dfveranstaltung zu theoretischen und praktischen Lehren der Oktoberrevolution das Jahrhundertereignis aus Sicht der Partei wurde durch die \"Internationale Koordinierung revolution\u00e4rer Parteien und Organisationen 76","(ICOR)\" ausgerichtet und von Stefan Engel, 37 Jahre lang Vorsitzender der MLPD und Mitbegr\u00fcnder der \"ICOR\", moderiert. Die MLPD spricht von 1.050 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 60 Organisationen und 30 L\u00e4ndern.. Am 28. Oktober 2017 fand dar\u00fcber hinaus in Gelsenkirchen ein internationales Kulturfest mit 1.400 Besucherinnen und Besuchern statt. Im \u00dcbrigen organisierte die MLPD \u00fcber das Reiseb\u00fcro \"people-to-people\" Anreisen nach St. Petersburg vom 6. bis 9. November 2017 zu der zentralen Demonstration am 7. November am Ort des Beginns der Revolution in Russland. Ausblick Mit \"...eine neue Kraft betritt die politische B\u00fchne\" kommentierte die MLPD die Wahlergebnisse ihrer Partei und sieht ein Potential f\u00fcr eine sozialistische Alternative gegen den \"Rechtsruck der Regierung und der b\u00fcrgerlichen Parteien\". In ihrer Bewertung der Lage sieht sich die Partei durch Mitgliederzuw\u00e4chse best\u00e4tigt. In 2018 soll \"der Erfolg des Sieges\" gesichert werden. Schwerpunkte sind dabei die Konsolidierung der Mitgliederzahlen, die Fortf\u00fchrung des innerparteilichen Generationenwechsels und die internationale Ausrichtung der Partei. 77","Autonome Linksextremisten Mitglieder/Anh\u00e4nger/Unterst\u00fctzer NRW: 970 Kurzportrait / Ziele Die autonome linksextremistische Szene wird vor allem durch die Bereitschaft gepr\u00e4gt, zur Durchsetzung politischer Ziele Gewalt gegen Personen und Sachen auszu\u00fcben. Diese wird stets als Gegengewalt zur behaupteten strukturellen Gewaltaus\u00fcbung im Kapitalismus legitimiert. Neben dem politischen Gegner ist die Polizei als Vertreter der staatlichen Ordnung regelm\u00e4\u00dfig betroffen von entsprechenden \u00dcbergriffen. NordrheinWestfalen verf\u00fcgt mit dem Widerstand gegen den Tagebau im Rheinischen Braunkohlerevier \u00fcber einen Brennpunkt f\u00fcr Aktivit\u00e4ten der autonomen Klimaschutzszene, bei denen der Schulterschluss mit dem Umweltprotest demokratischer Gruppen gesucht wird. Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Insbesondere die Ablehnung des staatlichen Gewaltmonopols durch die linksautonome Szene bei gleichzeitiger Bef\u00fcrwortung des Gewalteinsatzes zur Erreichung der eigenen politischen Ziele ist nicht vereinbar mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Aktionstage von \"Ende Gel\u00e4nde\" Verschiedene Umweltund Klimaschutzinitiativen hatten im August 2017 zum traditionell stattfindenden \"Klimacamp\" im Rheinischen Braunkohlerevier aufgerufen. Analog zum Jahr 2015 beteiligte sich die \u00fcberregionale Kampagne \"Ende Gel\u00e4nde\" mit sogenannten Aktionstagen zum Abschluss des Klimacamps. Zus\u00e4tzlich fand im November 2017 die UN-Klimakonferenz in Bonn (COP23) statt, die ebenfalls von \"Ende Gel\u00e4nde\" als Anlass zu Aktionstagen genutzt wurde. Im Zentrum dieser Aktionstage standen geplante Massenaktionen des so bezeichneten \"zivilen Ungehorsams\". Wie im Vorjahr im Braunkohlerevier in der Lausitz wurden Aktionen sowohl unmittelbar im Tagebau (Eindringen mit gr\u00f6\u00dferen Personengruppen) als auch im Bereich der Kraftwerke und Kohlebahnen (\u00fcberwiegend Besetzung von F\u00f6rderinfrastruktur) durchgef\u00fchrt, um dort die Betriebsabl\u00e4ufe zu st\u00f6ren. Sowohl die Beteiligung des linksextremistischen B\u00fcndnisses Interventionistische Linke selbst, die Teilnahme von Personen mit linksextremistischem Hintergrund als auch die Aktionsformen best\u00e4tigten eine linksextremistische Beeinflussung der Kampagne. Augenf\u00e4llig war die auch bei Protesten gegen Gipfelveranstaltungen angewendete \"Fingertaktik\" mit anschlie\u00dfenden Gel\u00e4ndebesetzungen. Nach vor\u00fcbergehender Aufl\u00f6sung von Demonstrationsbl\u00f6cken umgingen miteinander in Kontakt stehende Kleingruppen die Absperrungen und Polizeilinien, um danach die Infrastruktur des Tagebaus zu blockieren und zu st\u00f6ren. Beleg f\u00fcr die linksextremistische Beeinflussung sind auch die im Zuge der Aktionen massenhaft begangenen und f\u00fcr die Szene typischen Straftaten: Hausfriedensbruch, Sachbesch\u00e4digung, gef\u00e4hrliche Eingriffe in Stra\u00dfenund Bahnverkehr sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Dar\u00fcber hinaus wurden die sogenannten Aktionstage von \"Ende Gel\u00e4nde\" durch die Kampagne \"Zucker im Tank\", ein durch Personen der Besetzerszene des Hambacher Forstes initiiertes, anlassbezogen agierendes B\u00fcndnis, begleitet. An deren Kleingruppenaktionen beteiligten sich vor allem Besetzer aus dem Hambacher Forst selbst. Beide Kampagnen standen dabei in einer engen Wechselbeziehung: \"Ende Gel\u00e4nde\" propagierte die aktionsorientierte Solidarisierung mit den Waldbesetzern, w\u00e4hrend diese die Aktionstage personell und materiell unterst\u00fctzten. Waldbesetzung im Hambacher Forst Wie bereits in den Vorjahren kam es im Bereich des Tagebaus Hambach beziehungsweise des Hambacher Forstes regelm\u00e4\u00dfig zu gewaltt\u00e4tigen Aktionen und Straftaten mit wiederum steigender Gewaltaus\u00fcbung. Neben 78","dem unmittelbar neben dem Waldst\u00fcck und auf Dauer angelegten Wiesencamp der Tagebau-Gegner wurden die im Hambacher Forst vorhandenen Baumbesetzungen fortgef\u00fchrt, neue Baumh\u00e4user konstruiert und vorhandene ausgebaut. W\u00e4hrend die Anzahl der Besetzer im Verlauf des Jahres deutlich anstieg, kam es zu einem personellen Austausch des vor Ort ans\u00e4ssigen Personenpotentials und aufgrund der Abwanderung eher gem\u00e4\u00dfigter Personen zu einer zunehmenden Radikalisierung. Diese resultierte ma\u00dfgeblich aus dem Zulauf von Personen des autonomanarchistischen Spektrums im Inund Ausland. Diese Personen traten vor allem Mitarbeitern von RWE und den vor Ort eingesetzten Polizeikr\u00e4ften gegen\u00fcber deutlich aggressiver auf und scheuten k\u00f6rperliche Auseinandersetzungen nicht. Die den Besetzern zuzuordnenden Delikte reichten von niedrigschwelligen Regelverst\u00f6\u00dfen bis hin zu Straftaten, bei denen sowohl Sch\u00e4digungen des eigenen Leib und Lebens als auch schwerste Verletzungen Anderer billigend in Kauf genommen werden. Gerade gegen Ende des Berichtsjahres konnte hier eine neue Eskalation verzeichnet werden, die sich in gezielten pers\u00f6nlichen Drohungen und Angriffen insbesondere gegen Polizeibeamte widerspiegelte. Die Waldbesetzer betrachten sich selbst als \"Outlaws\", die f\u00fcr ihre moralisch stark aufgeladene Idee einer \"besseren Welt\" k\u00e4mpfen, und sehen in Werksbesch\u00e4ftigten und der Polizei willf\u00e4hrige Vollstrecker des kapitalistischen Systems und somit potentielle Kampfgegner. Im Gegensatz zu den klassischen Aktionsfeldern der autonomen Szene wie Antifaschismus, Antirassismus und Antirepression ist jedoch der Widerstand gegen den Braunkohleabbau kein Themenschwerpunkt, auf den sich lokale Antifa-Gruppen oder Hausbesetzer beziehen. NRW-Beteiligung am G20-Komplex Das beherrschende Thema f\u00fcr die autonome Szene in Nordrhein-Westfalen war die Mobilisierung f\u00fcr Aktivit\u00e4ten gegen den G20-Gipfel am 6. und 7. Juli 2017. Etwa 30 bis 40 Veranstaltungen, die sich g\u00e4nzlich oder teilweise diesem Thema widmeten, fanden zur Information und Vorbereitung mit linksextremistischer Beteiligung in Nordrhein-Westfalen statt. Autonome Gruppierungen aus Nordrhein-Westfalen beteiligten sich ebenso an den gro\u00dfen Konferenzen zur Planung der Gegenaktionen vor Ort in Hamburg wie auch an der Organisation der Anreisen. Neben Busanreisen aus vielen St\u00e4dten Nordrhein-Westfalens hielt unter anderem ein speziell f\u00fcr Gipfelgegner gemieteter Sonderzug in K\u00f6ln und Dortmund. Die gr\u00f6\u00dften Aktivit\u00e4ten bei der Mobilisierung in Nordrhein-Westfalen entfalteten die lokalen Ortsgruppen des linksextremistischen B\u00fcndnisses Interventionistische Linke. Diese warben insbesondere f\u00fcr die von ihnen propagierte \"Fingertaktik\", mit der zu Beginn und w\u00e4hrend der Gipfelveranstaltung versucht wurde, die Fahrtstrecken der Staatsg\u00e4ste zu blockieren. Im Zusammenhang mit den Blockadeversuchen entwickelten sich mehrfach gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen den durch farbige Kleidung gekennzeichneten Protestbl\u00f6cken und der Polizei. In einem Fall wurde ein Demonstrationsblock, an dem sich auch schwarz vermummte Aktivisten beteiligt hatten, unmittelbar nach dem Bewurf von Einsatzkr\u00e4ften mit Steinen und Feuerwerksk\u00f6rpern festgesetzt. Die Festnahmen f\u00fchrten im November 2017 zu einer Reihe von Hausdurchsuchungen deutschlandweit und in Nordrhein-Westfalen, deren Ergebnis noch aussteht. Neben den Blockadeaktionen wurden sowohl bei der Demonstration \"Welcome to Hell\" am 6. Juli, in deren Verlauf es ebenfalls zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei kam, als auch bei der Gro\u00dfdemonstration am 8. Juli Personen aus Nordrhein-Westfalen festgestellt. Es liegen demgegen\u00fcber jedoch keine Erkenntnisse \u00fcber eine wesentliche oder steuernde Beteiligung nordrhein-westf\u00e4lischer Autonomer an den massiven Zerst\u00f6rungen und \u00dcbergriffen im Schanzenviertel oder in Altona vor, bei denen Gesch\u00e4fte zerst\u00f6rt und gepl\u00fcndert und ganze Stra\u00dfenz\u00fcge parkender Autos in Brand gesetzt wurden. Protest gegen AfD-Wahlkampf Auf lokaler Ebene waren es im letzten Jahr die \u00f6ffentlichen und internen Veranstaltungen der Partei Alternative f\u00fcr Deutschland (AfD), die autonome Antifa-Gruppierungen auf den Plan riefen. Vor allem die AfD-Parteitage und die Wahlk\u00e4mpfe der AfD f\u00fcr die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Mai und die Bundestagswahl im September nutzten autonome Antifa-Gruppierungen zu St\u00f6raktionen und in Einzelf\u00e4llen zur Gewaltaus\u00fcbung an Wahlkampfst\u00e4nden. Allerdings fiel es autonomen Gruppen mitunter schwer, sich dabei vom demokratischen Protest gegen die AfD \u00f6ffentlichkeitswirksam abzusetzen. Nach einer bundesweiten Mobilisierung gegen den AfD-Bundesparteitag in K\u00f6ln am 22. und 23. April 2017 und einer nicht geringen Anzahl zugereister Antifa-Aktivisten aus anderen 79","Regionen kam es zu mehreren Blockadeaktionen, deren Wahrnehmung in der \u00d6ffentlichkeit aber vor dem Hintergrund des gesamten Protestgeschehens eher gering war. Trotz des am Ende schwachen Wirkungsgrades der Einzelaktionen st\u00e4rkten die Bem\u00fchungen um eine Mobilisierung gegen die Bundesparteitage in K\u00f6ln und Hannover die Vernetzung der autonomen Antifa-Szene. Die \u00fcberregionalen Treffen zur Vorbereitung und Planung von Gegenaktivit\u00e4ten bauten die Kennverh\u00e4ltnisse zwischen den lokalen Antifa-Gruppierungen weiter aus und vertieften sie. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Insbesondere die genannten Gro\u00dfereignisse mit Protesten gegen den G20-Gipfel und den Braunkohleabbau waren willkommene Anl\u00e4sse f\u00fcr die autonome Szene, den Prozess themen-, raumund ideologie\u00fcbergreifender Vernetzung und das Nebeneinander verschiedener Aktionsformen bei demonstrativen Veranstaltungen voranzutreiben. Die Handlungsoptionen reichten von friedlichen Demonstrationen \u00fcber die aggressive St\u00f6rung von Veranstaltungen und den Einsatz von Gewalt gegen Sachen und Personen bis hin zur Inkaufnahme schwerster Verletzungen von Polizisten. Die Hemmschwelle zum Gewalteinsatz sinkt dabei stetig. Autonome Gewaltt\u00e4ter aus Nordrhein-Westfalen fielen allerdings meistens bei den genannten demonstrativen Ereignissen au\u00dferhalb Nordrhein-Westfalens auf. In Nordrhein-Westfalen selbst ist trotz der St\u00f6raktionen von Veranstaltungen der AfD oder Aufm\u00e4rschen der rechtsextremistischen Szene im Jahr 2017 kein wesentlicher Anstieg des Gewaltpotentials bei Aktionen autonomer Antifa-Aktivisten festzustellen. Insbesondere die Anzahl der von den Besetzern im Hambacher Forst ausgehenden Straftaten blieb jedoch weiterhin auf hohem Niveau. Da der Widerstand der Waldbesetzer andauert, ist keine Entspannung dieser Situation zu erwarten. Nicht zuletzt mit Blick auf die Gewaltbereitschaft der autonomen Szene und die Versuche, den demokratischen Protest f\u00fcr eigene Zwecke zu instrumentalisieren, werden neben repressiven Ma\u00dfnahmen k\u00fcnftig die Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen durch intensivere Sensibilisierung gesellschaftlicher Akteure sowie die Einf\u00fchrung eines Aussteigerprogramms Linksextremismus ausgebaut. 80","Auslandsbezogener Extremismus Im nicht-islamistischen auslandsbezogenen Extremismus werden vom Verfassungsschutz Bestrebungen beobachtet, die sich gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung richten oder durch Anwendung von Gewalt ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik gef\u00e4hrden. Im Jahr 2017 spielte dabei insbesondere ein sprunghafter Anstieg von Demonstrationen mit T\u00fcrkeibezug und hohen Teilnehmerzahlen eine wichtige Rolle. Sowohl die in Deutschland mit einem Bet\u00e4tigungsverbot belegte Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als auch die verbotene Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) und die \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\" (sogenannte \"Graue W\u00f6lfe\") haben im Jahr 2017 eine Vielzahl von Aktivit\u00e4ten, durchgef\u00fchrt. Die Agitation und das darin teilweise zu verzeichnende Gewaltpotential, insbesondere beim Aufeinandertreffen nationalistischer t\u00fcrkischer Gruppierungen mit der auch linksextremistisch gepr\u00e4gten PKK, sind dabei abh\u00e4ngig von den politischen Entwicklungen in der Republik T\u00fcrkei. Ausl\u00f6ser f\u00fcr die Aktivit\u00e4ten der PKK waren im Jahr 2017 zun\u00e4chst das im Fr\u00fchjahr in der T\u00fcrkei durchgef\u00fchrte Verfassungsreferendum sowie die Kampfhandlungen zwischen dem t\u00fcrkischen Milit\u00e4r und den Guerillaeinheiten der PKK in Gebieten mit \u00fcberwiegend kurdischer Bev\u00f6lkerung. Seit Beginn der milit\u00e4rischen Auseinandersetzung um das nordsyrische Afrin im Januar 2018 hat das Thema Kampfhandlungen in Kurdisch besiedelten Gebieten noch erheblich an Bedeutung gewonnen.Zugleich sind die Haftsituation und der Gesundheitszustand Abdullah \u00d6calans Ausl\u00f6ser f\u00fcr Demonstrationen, bei denen ein hohes Mobilisierungpotenzial unter der PKK-Anh\u00e4ngerschaft zu verzeichnen war. Nachdem im Internet im Oktober 2017 Ger\u00fcchte \u00fcber eine deutliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes von Abdullah \u00d6calan kursierten, kam es zu bundesweiten, offenkundig von der Organisation initiierten Demonstrationen. Diese Entwicklungen f\u00fchren tendenziell zu einem Anstieg des ohnehin bestehenden hohen Konfliktpotentials \"\u00dclk\u00fcc\u00fcBewegung\". Zus\u00e4tzlich ist die linksextremistische DHKP-C in Nordrhein-Westfalen nach wie vor aktiv. Auch wenn die DHKP-C Deutschland und Westeuropa eher als R\u00fcckzugsraum bewertet, kam es Anfang 2017 nach der Verhaftung des mutma\u00dflichen Europaleiters des DHKP-C im Dezember 2016 anschlie\u00dfend zu einem sogenannten \"Langen Marsch\". In dessen Rahmen fanden zahlreiche Demonstrationen im Bundesgebiet und im europ\u00e4ischen Ausland statt. 81","Im Fokus: Der Kampf um Afrin Mit Beginn der Milit\u00e4roffensive der T\u00fcrkei in der syrischen Region Afrin haben Anh\u00e4nger der PKK am Wochenende des 20./21. Januar 2018 eine Protestreihe gegen die milit\u00e4rische Intervention gestartet. Bereits nach den ersten Ank\u00fcndigungen einer solchen milit\u00e4rischen Intervention in Afrin hat das \"Demokratische Gesellschaftszentrum der Kurdinnen in Deutschland e.V.\" (NAV-DEM) zu Protesten gegen das Vorgehen des t\u00fcrkischen Milit\u00e4rs aufgerufen. Zeitgleich kam es durch den \"Gesellschaftskongress demokratischer Menschen in Kurdistan in Europa\" (KCDK-E) zur Ank\u00fcndigung europaweiter Proteste. Bei Afrin handelt es sich um einen von drei Kantonen im nordsyrischen Kurdengebiet, die von der PKKSchwesterorganisation \"Partei der Demokratischen Union\" (PYD) und deren Miliz, den \"Volksverteidigungseinheiten\" (YPG), im Wesentlichen dominiert wurden. Afrin war also ein symboltr\u00e4chtiges Aush\u00e4ngeschild f\u00fcr die von der PKK angestrebte kurdische Autonomie in Nordsyrien. Die Angriffe auf Afrin waren in besonderer Weise geeignet, eine hohe Emotionalisierung bei PKK-Anh\u00e4ngern in Deutschland und Europa auszul\u00f6sen. Zugleich f\u00fchrte das Thema Afrin, im ohnehin bestehenden Konfrontationsverh\u00e4ltnis zwischen t\u00fcrkisch-nationalistisch orientierten und kurdischen Gruppierungen, zu einem weiteren Anstieg der Spannungen. Auch in der deutschen linken Szene wurden die Angriffe auf kurdische Gebiete in Nordsyrien thematisiert. Im Internet wurde beispielsweise auf den Seiten von \"fight4afrin\" zu Aktionen bis hin zu Bedrohungen aufgerufen. Diese Aufrufe richteten sich vorrangig gegen Einrichtungen und Unternehmen, die f\u00fcr R\u00fcstungsexporte in die T\u00fcrkei verantwortlich gemacht wurden. Mit den zunehmenden milit\u00e4rischen Erfolgen bis zur Einnahme Afrins versch\u00e4rfte sich die Tonlage der Aufrufe noch.So riefen die Ciwanen Azad (Jugendorganisation der PKK ) unter der Internetpr\u00e4senz Nuce Ciwan europaweit zu radikalen Aktionen gegen t\u00fcrkische Einrichtungen und staatliche Institutionen auf sowie dazu, \"den Krieg nach Europa zur\u00fcckzutragen\". Bereits zu Beginn der Milit\u00e4roffensive am 20. Januar 2018 wurde deutlich, dass es in Folge dieser Kampfhandlungen zu einer Protestwelle und in diesem Zusammenhang zu vermehrtem Demonstrationsund Aktionsgeschehen sowie zu m\u00f6glicherweise gewaltt\u00e4tigen Angriffen auf deutsche und t\u00fcrkische Einrichtungen kommen k\u00f6nnte. Bereits am 22. Januar 2018 warfen vier T\u00e4ter Steine in insgesamt f\u00fcnf Fensterscheiben des Vereinsheims der T\u00fcrkisch-Islamischen Gemeinde zu Minden e.V.. Au\u00dferdem wurden an den Fensterscheiben und an der Hausfassade Graffitis unter anderem mit dem Schriftzug \"Afrin\" festgestellt. Eine sp\u00e4ter im Internet feststellbare Tatbekennung deutet auf T\u00e4ter aus dem Bereich der Ciwanen Azad hin. Bis Ende April 2018 wurden bundesweit 1.314 Veranstaltungen (Stand 23.April 2018) angemeldet. Zudem kam es bundesweit zu 54 Straftaten gegen t\u00fcrkische Einrichtungen sowie zu 43 Straftaten gegen deutsche Einrichtungen. Die \u00fcber 400 in NRW angemeldeten Veranstaltungen verliefen letztlich \u00fcberwiegend friedlich. Allerdings fand am 27. Januar 2018 eine von NAV-DEM angemeldete, zumindest teilweise unfriedliche Gro\u00dfdemonstration in K\u00f6ln statt, an der 13.000 Personen teilnahmen. Nachdem die Demonstrationsteilnehmer wiederholt zahlreiche Fahnen mit verbotenen Symbolen gezeigt hatten, l\u00f6ste die Polizei die Versammlung vorzeitig auf. Neben der Beschlagnahme der Fahnen kam es zu zahlreichen Straftaten, unter anderem Widerstandshandlungen gegen Vollstreckungsbeamte sowie Landfriedensbruch. An der Demonstration nahmen auch Gruppierungen aus dem deutschen linksextremistischen Spektrum, namentlich die Interventionistische Linke (IL) und die MarxistischLeninistische Partei Deutschlands (MLPD), teil. Zus\u00e4tzlich gab es deutschlandweit seit dem Wochenende des 10./11. M\u00e4rz 2018 t\u00e4glich zahlreiche - auch unangemeldete - Demonstrationen mit Teilnehmerzahlen im unteren bis mittleren dreistelligen Bereich. Bei diesen Veranstaltungen oder im Veranstaltungskontext kam es zudem zu Auseinandersetzungen zwischen 82","nationalistischen T\u00fcrken und Anh\u00e4ngern der PKK .Die gr\u00f6\u00dfte dieser Veranstaltungen fand am 11. M\u00e4rz 2018 in K\u00f6ln mit 1.000 Teilnehmern statt. Schon wegen der zeitlichen Synchronit\u00e4t der unangemeldeten Demonstrationen ist davon auszugehen, dass es sich hierbei nicht um spontane Versammlungen gehandelt hat, sondern dass diese zentral initiiert wurden. Bewertung Die beschriebene Situation zeigt, dass Ereignisse und krisenhafte Entwicklungen in der T\u00fcrkei oder in kurdischen Siedlungsgebieten unmittelbare Auswirkungen auf die Sicherheitslage in Deutschland und Nordrhein-Westfalen haben. Wegen des hohen t\u00fcrkischen und kurdischen Bev\u00f6lkerungsanteils in Nordrhein-Westfalen entsteht auch hier eine innenpolitische Polarisierung zwischen pro-t\u00fcrkischen und pro-kurdischen Gruppierungen. Diese Entwicklung bedarf insbesondere hinsichtlich einer m\u00f6glichen weitergehenden Tendenz zur Anwendung von Gewalt als Mittel zu politischen Auseinandersetzungen der intensiven nachrichtendienstlichen Beobachtung. 83","\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung (Graue W\u00f6lfe) Sitz / Verbreitung Die \"F\u00f6deration der T\u00fcrkischen Idealistenvereine e.V. (AD\u00dcTDF)\" mit Sitz in Frankfurt ist in Deutschland der gr\u00f6\u00dfte Dachverband der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\". In Nordrhein-Westfalen organisieren sich unter der \"AD\u00dcTDF\" circa 70 Vereine mit ungef\u00e4hr 2.000 Mitgliedern. Gr\u00fcndung / Bestehen seit Ihre Urspr\u00fcnge hat die \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\", auch als \"Graue W\u00f6lfe\" bezeichnet, in den ersten Jahrzenten des 20. Jahrhunderts und geht aus der Turkistenbeziehungsweise Turanisten-Bewegung hervor. In den 1970er-Jahren kam neben der nationalistischen Ideologie der Islam als pr\u00e4gendes Element hinzu und die \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\" wurde zu einem Tr\u00e4ger der sogenannten \"t\u00fcrkisch-islamischen Synthese\". W\u00e4hrend dieser Zeit organisierte sich die Bewegung erstmalig in Form einer politischen Partei, der \"Partei der Nationalistischen Bewegung\" -MHP. Die zun\u00e4chst als F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa e.V. 1978 in Frankfurt am Main gegr\u00fcndete Organisation benannte sich 2007 in die heutige \"F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V. (AD\u00dcTDF)\" um. Sie ist die Deutschlandorganisation der MHP. Struktur / Repr\u00e4sentanz MHP und \"AD\u00dcTDF\" sind Kernorganisationen der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\", die sich ideologisch an den Lehren des Journalisten und Buchautoren Nihal Atsiz, des Staatsgr\u00fcnders Kemal Atat\u00fcrk und des MHP-Gr\u00fcnders Alparslan T\u00fcrkes orientieren. Neben diesen Dachverb\u00e4nden formiert sich die \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\" auch in nicht organisierten Strukturen. Eine Vernetzung findet dort \u00fcberwiegend \u00fcber die sozialen Medien statt, in denen h\u00e4ufig durch das Ver\u00f6ffentlichen von extremen Bildern und Worten die ganze Bandbreite der vertretenen Ideologie offenbart wird. Seit 2015 ist zu beobachten, dass sich neben den traditionellen \"AD\u00dcTDF\"-Vereinen rocker\u00e4hnliche Gruppierungen gr\u00fcnden. Dazu geh\u00f6rt unter anderem der Verein \"Turan e. V. \", dessen Schwerpunkt in NordrheinWestfalen liegt. Je nach Ausrichtung der jeweiligen Organisationen stehen islamische, ultranationalistische oder rassistische Inhalte im Vordergrund. Mitglieder / Anh\u00e4nger / Unterst\u00fctzer 2017 \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\": nicht bezifferbar Vereinsgebundene \"AD\u00dcTDF\"-Mitglieder: Bund: circa 7.000 NRW: circa 2.000 Ver\u00f6ffentlichungen Publikation: \"B\u00fclten (Bulletin der T\u00fcrkischen F\u00f6deration)\" Web-Angebot: t\u00fcrkischsprachige Homepage der \"AD\u00dcTDF\" (www.turkfederasyon.com), einzelne Beitr\u00e4ge auch in deutscher Sprache ver\u00f6ffentlicht Verbreitung der Ideologie der sogenannten \"Grauen W\u00f6lfe\" auf verschiedenen Plattformen wie sozialen Netzwerken und Videoportalen. Intensive Verlinkung der Web-Angebote untereinander Kurzportrait / Ziele Die Ideologie der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\" hat ihre Wurzeln im Panturkismus/Turanismus. Sie ist gepr\u00e4gt von der Forderung nach einer \"Wiedervereinigung\" aller Turkv\u00f6lker in einem Staat. Dieser Anspruch ist einem \u00fcbersteigerten Nationalbewusstsein geschuldet, das die t\u00fcrkische Nation sowohl politisch-territorial als auch ethnisch-kulturell als \u00fcberlegen ansieht. 84","Innerhalb der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\" herrschen drei ideologische Ausrichtungen vor: Zum einem existiert eine \u00fcberwiegend auf dem Alt-T\u00fcrkentum basierende Str\u00f6mung mit einer sehr stark rassistischen Orientierung. Daneben verfolgte eine weitere Str\u00f6mung im Wesentlichen die Ziele der Partei Milliyetci Hareket Partisi (MHP) und verherrlicht das T\u00fcrkentum. Im Ausland verf\u00fcgt diese Str\u00f6mung \u00fcber Massenorganisationen wie die \"AD\u00dcTDF\". Eine dritte Ausrichtung orientiert sich an der in der T\u00fcrkei aktiven \"B\u00fcy\u00fck Bilik Partisi (BBP)\" und ist stark am konservativen Islam ausgerichtet. Aktuell sind zudem wechselnde Aktivit\u00e4ten t\u00fcrkisch-rechtsextremistischer Rockergruppierungen zu verzeichnen. Obgleich sich diese Gruppierungen nach au\u00dfen hin als t\u00fcrkisch-nationale Bruderschaft darstellen, sind insbesondere bei dem schwerpunktm\u00e4\u00dfig in Nordrhein-Westfalen vertretenen \"Turan e. V.\" rechtsextremistische Inhalte erkennbar. Das wichtigste Erkennungszeichen der Bewegung ist der graue Wolf (Bozkurt). Der graue Wolf hat seinen Ursprung in der t\u00fcrkischen Mythologie, wo er als Retter der Turkv\u00f6lker und Garant des Sieges beschrieben wird. Von den Anh\u00e4ngern der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\" wird daher die zum Wolfsgru\u00df geformte Hand als Gru\u00df und als gegenseitiges Erkennungszeichen, aber auch als Provokation politischer Gegner benutzt. Eine weitere symbolische Bedeutung haben die drei wei\u00dfen Halbmonde auf rotem Grund. Sie sollen an die osmanische Kriegsflagge erinnern. So sind die drei Halbmonde auf dem Logo der t\u00fcrkischen Partei MHP zu finden, die sich f\u00fcr eine nationalistische Ausrichtung der t\u00fcrkischen Gesellschaft und Politik einsetzt, zieren aber ebenso das Emblem der \"Turan e. V\". \"Turan e. V.\" verfolgt die rassistische Ideologie des Turanismus. Diese umfasst die Errichtung eines Gro\u00dfreiches \"Turan\", eines (fiktiven) ethnisch homogenen Staats unter der F\u00fchrung der T\u00fcrken, welcher die Siedlungsgebiete der Turkv\u00f6lker umfasst. Diese reichen je nach Auslegung vom Balkan bis nach Westchina oder sogar Japan. Zitate eines der Vordenker der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\", Nihal Atsiz, werden regelm\u00e4\u00dfig verbreitet und auch die verwendete Ikonografie l\u00e4sst eine derartige ideologische Verortung zu. Die politische Ausrichtung wird von der Gruppierung offen \u00fcber zum Beispiel Facebook kommuniziert, wird aber auch wie zuvor beschrieben bei \u00f6ffentlichen Veranstaltungen gelebt. Damit einhergehend ist eine rassistische Feindbildorientierung insbesondere gegen Kurden, Armenier, Griechen und Juden zu finden. Generell wird jeder zum Feindbild deklariert, der eine abweichende Meinung zu t\u00fcrkischen Interessen hat. Ein autorit\u00e4res und antipluralistisches Gesellschaftsverst\u00e4ndnis, gepaart mit einem extremen Nationalismus und F\u00fchrerkult m\u00fcnden in der Theorie einer generellen \u00dcberlegenheit der \"t\u00fcrkischen Rasse\". Dieser F\u00fchrerkult offenbart sich zum einen in der Verehrung des Alparslan T\u00fcrkes, dem Gr\u00fcnder der MHP als ewigem F\u00fchrer (Basbug), als auch in einer streng hierarchischen Struktur. Kurden werden undifferenziert als PKK-Anh\u00e4nger, Verr\u00e4ter und Terroristen bezeichnet, obgleich sich die Dachverb\u00e4nde der \u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung, insbesondere die \"AD\u00dcTDF\", nach Au\u00dfen um ein gesetzeskonformes Verhalten bem\u00fchen. Folgt man dem ideologischen Verst\u00e4ndnis, sind Kurden ein seinem Ursprung nach entfremdetes, turk-st\u00e4mmiges Volk, dessen Bek\u00e4mpfung gerechtfertigt ist. Ihren Ausdruck findet dies sowohl in verbaler Hetze im Internet als auch in k\u00f6rperlichen Auseinandersetzungen oder bei gewaltt\u00e4tigen Konfrontationen bei Demonstrationen. Die Dachverb\u00e4nde tragen als Ideologietr\u00e4ger dazu bei, das Konfliktpotential zwischen Kurden und T\u00fcrken zu sch\u00fcren, auch wenn von ihnen selbst keine Bekenntnisse oder Aufrufe zur Gewalt ausgehen. Musik ist ein grundlegender Bestandteil der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Kultur. Dabei bedienen sich die \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Anh\u00e4nger\" verschiedener Musikrichtungen, um ihren Ideen und Idealen einen Ausdruck zu geben. Die Musik wird unabh\u00e4ngig vom jeweiligen Musikstil, der von t\u00fcrkisch-traditionell \u00fcber mystische Kl\u00e4nge bis zum Hip-Hop und Rap reicht, mit Gedichten, Texten und Sprechges\u00e4ngen versehen, die oft einen pathetischen Charakter haben. In Deutschland entstand Ende der 1990er-Jahre eine Musikszene rund um den deutsch-t\u00fcrkischen Rap, der haupts\u00e4chlich jugendliche\" \u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Anh\u00e4nger anzieht. Die in den einschl\u00e4gigen Videoportalen zu findenden 85","Songs sind h\u00e4ufig mit Bildern symboltr\u00e4chtiger Geb\u00e4ude, t\u00fcrkischer Soldaten und Fahnen sowie den Kennzeichen der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung hinterlegt. Mit den Songs werden \u00fcberwiegend diverse M\u00e4nnlichkeitsklischees bedient, indem die jugendlichen Protagonisten als besonders \"abgeh\u00e4rtete M\u00e4nner \" dargestellt werden, die ihre Feinde und Gegner niedermachen. Finanzierung Mitgliedsbeitr\u00e4ge aus zugeh\u00f6rigen Vereinen, Spendengelder und Sponsoring Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Durch ihr extrem nationalistisches Gedankengut bestehen tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht, dass die \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\" Ziele verfolgt, die sich gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung beziehungsweise gegen das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker richten und zugleich gegen den im Grundgesetz garantierten Gleichheitsgrundsatz versto\u00dfen. Sie erf\u00fcllt damit die Voraussetzungen zur Beobachtung durch die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden (SS 3 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 4 VSG NRW). Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum \u00d6ffentlichkeitswirksam pr\u00e4sentierte sich \"Turan e. V.\" am 15. Januar 2017 mit einer Demonstration unter dem Motto \"Gedenkmarsch f\u00fcr die Opfer von Terroranschl\u00e4gen in der T\u00fcrkei\" in Dortmund. Etwa 430 Teilnehmer konnten mobilisiert werden, die gegen den Terror - vor allem der PKK - in der T\u00fcrkei und f\u00fcr die \"Einheit des Vaterlandes\" protestierten. Hier wurden vielfach Fahnen und Symbole der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\", insbesondere der Wolfsgru\u00df, gezeigt. Weitere Veranstaltungen der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\", insbesondere der \"AD\u00dcTDF\", fanden in kleinerem Umfang in geschlossenen R\u00e4umen statt und hatten einen eher kulturellen oder sportlichen Aspekt. Gr\u00f6\u00dfere Veranstaltungen wie der j\u00e4hrlich am 3. Mai gefeierte \"Tag der Turkisten\" oder der Jahreskongress wurden nicht durchgef\u00fchrt. Dies ist vermutlich darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass Betreiber gr\u00f6\u00dferer Hallen durch eine aktive Aufkl\u00e4rungskampagne nicht mehr ihre R\u00e4umlichkeiten f\u00fcr derart gelagerte politischen Veranstaltungen zur Verf\u00fcgung stellen. Das im April 2017 in der T\u00fcrkei durchgef\u00fchrte Verfassungsreferendum wurde innerhalb der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Szene mit nur wenig Resonanz thematisiert. Lediglich vereinzelt kam es offen zu \u00c4u\u00dferungen der mitunter kritisch eingestellten \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Anh\u00e4nger mit traditionell kemalistischer Orientierung. Dies d\u00fcrfte der Tatsache geschuldet sein, dass sich die Parteispitze der MHP f\u00fcr eine Zustimmung zur Verfassungs\u00e4nderung eingesetzt hatte und einen \"Pro-Erdogan\"-Kurs einschlug. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Zu beobachten ist -insbesondere seit dem Putschversuch im Juli 2016 - eine Art Schulterschluss der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"Szene mit der t\u00fcrkischen Regierung und der Regierungspartei AKP. Dies gilt insbesondere f\u00fcr den die AD\u00dcTDF unterst\u00fctzenden Personenkreis, da dessen Mutterpartei, die MHP, zum Mehrheitsbeschaffer f\u00fcr die AKP geworden ist. Allerdings gibt es in dortigen Reihen auch Anh\u00e4nger, die mit dem Anlehnungskurs an die AKP nicht einverstanden sind. Am 24. Juni 2018 findet die vorgezogene Parlamentswahl in der T\u00fcrkei und somit der \u00dcbergang zum Pr\u00e4sidialsystem statt. Der Vorsitzende der MHP, Devlet Bahceli, hat bereits verk\u00fcndet, dass er keine eigene Kandidatur anstrebe, sondern die AKP unterst\u00fctzen wolle. Inwiefern der weiterhin vollzogene Schulterschluss mit der AKP, Auswirkungen auf die \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Szene, insbesondere auf den Dachverband \"AD\u00dcTDF\", hat, bleibt abzuwarten. 86","Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei/-Front (Devrimci Halk Kurtulus Partisi-Cephesi - DHKP-C) Sitz / Verbreitung T\u00fcrkei, weltweite Verbreitung mit Schwerpunkt Europa Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1994, hervorgegangen aus der 1978 gegr\u00fcndeten revolution\u00e4ren Linken (-Sol) Struktur / Repr\u00e4sentanz Generalsekret\u00e4r, Zentralkomitee sowie l\u00e4nderund gebietsverantwortliche Funktion\u00e4re Nach dem Tod von Dursun Karatas im Jahr 2008 wurde offiziell noch kein Nachfolger f\u00fcr das Amt des Generalsekret\u00e4rs bestimmt. Mitglieder / Anh\u00e4nger / Unterst\u00fctzer 2017 Bund: 650 NRW: 200 Ver\u00f6ffentlichungen Publikationen Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke, unregelm\u00e4\u00dfiges Erscheinen) und Y\u00fcr\u00fcy\u00fcs (Der Marsch) Web-Angebot: mehrsprachiger Internetauftritt Kurzportrait / Ziele Die in der T\u00fcrkei und in Deutschland verbotene Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei/-Front (Devrimci Halk Kurtulus Partisi-Cephesi - DHKP-C) verfolgt das Ziel, das bestehende t\u00fcrkische Staatssystem durch eine bewaffnete Revolution zu zerschlagen, um ein sozialistisches System zu errichten. Auf der ideologischen Grundlage des Marxismus-Leninismus propagiert die DHKP-C einen bewaffneten Volkskampf unter ihrer F\u00fchrung. Die Organisation tritt damit f\u00fcr eine revolution\u00e4re Zerschlagung der t\u00fcrkischen Staatsund Gesellschaftsordnung ein. Hierzu f\u00fchrt sie in der T\u00fcrkei auch terroristische Aktionen durch. In Deutschland kann die DHKP-C aufgrund des Verbotes nicht offen agieren. Sie handelt daher \u00fcber Vereine, deren Satzungen keinen R\u00fcckschluss auf die Zugeh\u00f6rigkeit zur Organisation zulassen oder deren Verbindungen zur DHKP-C nur schwer nachweisbar sind. Finanzierung Spenden und Erl\u00f6se aus dem Verkauf von Publikationen Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Mit ihrem Bestreben gef\u00e4hrdet die DHKP-C sowohl die innere Sicherheit als auch die ausw\u00e4rtigen Belange der Bundesrepublik Deutschland (SS 3 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 3 VSG NRW). Die DHKP-C ist eine Nachfolgeorganisation der in der Bundesrepublik Deutschland seit 1983 verbotenen Devrimci Sol. Seit dem Verbot 1983 werden politische Aktivit\u00e4ten konspirativ fortgesetzt. Die DHKP-C selbst ist in Deutschland seit dem 1. Februar 2000 rechtskr\u00e4ftig verboten. Im Mai 2002 hat der Rat der Europ\u00e4ischen Union die DHKP-C auf die europ\u00e4ische Liste der Terrororganisationen gesetzt. 87","Der politische Fl\u00fcgel der DHKP-C gibt sich selbst den Namen Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei (Devrimci Halk Kurtulus Partisi - DHKP), w\u00e4hrend sich der milit\u00e4rische Arm der DHKP-C als Revolution\u00e4re Volksbefreiungsfront (Devrimci Halk Kurtulus Cephesi - DHKC) bezeichnet. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Die Festnahme des Europaleiters im Dezember 2016 in Hamburg hat zu mehreren Protesten der Anh\u00e4ngerschaft gef\u00fchrt. Am 31. Dezember 2016 wurde ein sogenannter \"Langer Marsch\" in Hamburg gestartet, an dem sich etwa 100 Aktivisten beteiligten. Der \"Lange Marsch\" wurde am 17. M\u00e4rz 2017 in Berlin beendet. In diesem Zusammenhang fanden Proteste in NRW in den St\u00e4dten K\u00f6ln, D\u00fcsseldorf, Dortmund, Essen, Bielefeld, Oberhausen und Hamm statt. Weiterhin wurden Proteste in der Schweiz und in Frankreich durchgef\u00fchrt. Die Aktionsform \"Langer Marsch\" wurde von der Organisation bereits wiederholt veranstaltet, um auf ihre Belange aufmerksam zu machen. Am 25. Januar 2017 verschafften sich unbekannte T\u00e4ter Zugang zum Gel\u00e4nde der Zentrale der Union Europ\u00e4ischT\u00fcrkischer Demokraten (UETD) in K\u00f6ln. Sie zerschlugen dort Fensterscheiben und besch\u00e4digten das Haus mit Farbschmierereien. Im Nachgang zu dieser Tat ver\u00f6ffentlichte die Jugendorganisation der DHKP-C, die F\u00f6deration der revolution\u00e4ren Jugend der T\u00fcrkei (Dev-Genc), auf der Internetplattform \"Halkin Sesi TV\" eine Selbstbezichtigung. Demnach sei die Aktion als Reaktion auf den Tod von Guerillak\u00e4mpfern der DHKP-C in der T\u00fcrkei gedacht. Diese waren im Dezember 2016 von t\u00fcrkischen Sicherheitskr\u00e4ften erschossen worden. Wegen Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung wurde die t\u00fcrkische Staatsangeh\u00f6rige Latife C.-A. vom Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt. Das Gericht gelangte zu der Auffassung, dass die Angeklagte als Vorsitzende der \"Anatolischen F\u00f6deration\", einer Tarnorganisation der DHKP-C, f\u00fcr die terroristische Organisation t\u00e4tig war. Wegen eingelegter Rechtmittel ist das Urteil zum Zeitpunkt der Ver\u00f6ffentlichung dieses Berichts noch nicht rechtskr\u00e4ftig geworden. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die Festnahme des Europaleiters in Hamburg und die Verurteilung der ehemaligen Vorsitzenden der Anatolischen F\u00f6deration haben gezeigt, dass der Fahndungsdruck weiterhin hoch ist und die Organisation unter der st\u00e4ndigen Gefahr von Festnahmen und Durchsuchungen steht. Aus diesem Grund verhalten sich die hochrangigen Kader der DHKP-C konspirativ und leben verdeckt in der Illegalit\u00e4t. Aus dieser Konspiration heraus versuchen sie die Anh\u00e4nger zu mobilisieren und rufen insbesondere zu Spenden und Kundgebungen auf. \u00dcber bestehende Kontakte zu deutschen linken Gruppen wird versucht, Einfluss auf die Politik zu nehmen und die eigenen Themen in die Gesellschaft zu tragen. Trotz vereinzelter St\u00f6raktionen bleibt die Organisation weiterhin beim selbst verordneten Gewaltverzicht in Deutschland. Kundgebungen und Protestaktionen mit geringer Teilnehmerzahl werden zu gegenw\u00e4rtigen Themen regelm\u00e4\u00dfig organisiert. Weiterhin wird versucht, mit Hilfe der Musikgruppe Grup Yorum Gelder zu generieren und Anh\u00e4nger zu mobilisieren. Durch den verst\u00e4rkten Druck der Sicherheitsund Ordnungsbeh\u00f6rden ist es jedoch im vergangenen Jahr nicht mehr gelungen, Konzerte als Gro\u00dfveranstaltungen mit bis zu 10.000 Besuchern zu organisieren. Vielmehr musste die Gruppe auf die Stammbesetzung verzichten, da weiterhin Einreiseverbote bestehen. Konzerte konnten oftmals nur noch im Rahmen von politischen Veranstaltungen durchgef\u00fchrt werden. Damit ist auch k\u00fcnftig zu rechnen, da die Gruppe weiterhin \u00fcber eine gro\u00dfe Anh\u00e4ngerschaft verf\u00fcgt. 88","Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Volkskongress Kurdistans (KONGRA-GEL) und unterst\u00fctzende Organisationen Sitz / Verbreitung Nord-Irak, in Europa durch wenige weisungsberechtigte Funktion\u00e4re mit wechselnden Aufenthaltsorten vertreten durch CDK Koordinasyon Civata Ekolojik - Demokratik a Kurd Li Ewropa Gr\u00fcndung / Bestehen seit November 1978 Struktur / Repr\u00e4sentanz H\u00f6chste Entscheidungsgremien: Vereinigte Gemeinschaften Kurdistans (KCK) mit dem Pr\u00e4sidenten Abdullah \u00d6calan und den Vorsitzenden Cemil Bayik und Bese Hozat, Generalversammlung der Volkskongress Kurdistans (KONGRA-GEL) mit den Vorsitzenden Hacer Zagros und Remzi Kartal Mitglieder / Anh\u00e4nger / Unterst\u00fctzer 2017 Bund: 14.000 NRW: 2.200 Ver\u00f6ffentlichungen Publikationen: unter anderem \"Serxwebun (Unabh\u00e4ngigkeit)\" (monatlich), \"Sterka Ciwan (Stern der Jugend)\" (monatlich), \"Newaya Jin (Erlebnisse der Frauen)\" (monatlich), \"Kurdistan-Report\" (Auflage bis zu 15.000 Exemplaren), \"Yeni \u00d6zg\u00fcr Politika\" (t\u00e4glich) Fernsehen: aktuell \"NUCE TV\"; \"RONAHI TV\" und \"Mednuce\" Internet: Zahlreiche Internetauftritte verschiedener regionaler Organisationen und Gruppierungen, mediale Pr\u00e4senz in den unterschiedlichsten Sozialen Netzwerken mit intensiven Verlinkungen untereinander Kurzportrait / Ziele Die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die heute unter der Bezeichnung Volkskongress Kurdistans (KONGRAGEL) agiert, strebte urspr\u00fcnglich einen eigenen kurdischen Nationalstaat an, der die Gebiete S\u00fcdostanatoliens (T\u00fcrkei), den Nordirak, Teile des westlichen Iran und Gebiete im Norden Syriens umfassen sollte. Obwohl seitens der PKK immer wieder betont wird, man habe die fr\u00fcheren separatistischen Ziele aufgegeben, bem\u00fcht sie sich weiterhin um einen l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Verbund aller Kurden im Nahen Osten. Im Jahre 1993 erlie\u00df das Bundesministerium des Innern ein Bet\u00e4tigungsverbot f\u00fcr die PKK und ihrer Nebenorganisationen. Die PKK ist zudem auf der EU-Terrorliste verzeichnet. Bis Ende 2013 vertrat die \"F\u00f6deration kurdischer Vereine in Deutschland (YEK-KOM)\" nach ihrem Selbstverst\u00e4ndnis unter anderem die politischen Interessen der PKK in Deutschland. Sitz der \"YEK-KOM\" war D\u00fcsseldorf. Aufgrund einer bereits im Juli 2013 durch den Dachverband des \"Kongresses der kurdischdemokratischen Gesellschaft in Europa (KCD-E)\" beschlossenen Neustrukturierung bildeten sich in vielen deutschen St\u00e4dten kurdische Gesellschaftszentren, welche die bisher agierenden \u00f6rtlichen \"YEK-KOM\"-Vereine ersetzten. Der Vereinsname lautet seitdem \"Demokratisch-kurdisches Gesellschaftszentrum (DKTM)\". Auf dem 20. Jahreskongress der \"YEK-KOM\" im Juni 2014 wurde die Umbenennung der \"YEK-KOM\" in das \"Demokratischkurdische Gesellschaftszentrum Deutschland (NAV-DEM)\" beschlossen. 89","Die PKK hat Deutschland in Regionen und Gebiete eingeteilt. F\u00fcr die Umsetzung von Vorgaben nutzt die PKK \u00fcberwiegend die \u00f6rtlichen kurdischen Vereine, die den Anh\u00e4ngern der Organisation als Treffpunkt und Anlaufstelle dienen. Als Dachverband der Vereine fungiert das NAV-DEM. Die PKK versucht, ihre Politik mithilfe sogenannter Massenorganisationen zu popularisieren. Darin organisiert sie ihre Anh\u00e4nger nach sozialen Kriterien oder nach Berufsund Interessensgruppen. Besonders hervorzuheben sind die Jugendorganisation \"Komalen Ciwan \"/\"Ciwanen Azad\", die \"Kurdische Frauenbewegung in Europa\" (AKKH/TJKE)sowie der \"Verband der Studierenden aus Kurdistan\" (YXK). Zu erw\u00e4hnen sind weiterhin die Organisationen \"Union der Journalisten Kurdistans\" (YRK), \"Union der kurdischen Lehrer\" (YMK), \"Union der Juristen Kurdistans\" (YHK), die \"Union kurdischer Familien\" (YEK MAL) sowie die Religions-gemeinschaften \"Islamische Gemeinde Kurdistans\" (CIK), \"F\u00f6deration der demokratischen Aleviten e.V.\" (FEDA) und \"F\u00f6deration der yezidischen Vereine e.V.\" (FKE). Finanzierung J\u00e4hrliche Spendensammlung bei den Anh\u00e4ngern der PKK, Erl\u00f6se aus Zeitschriftenund Devotionalienverk\u00e4ufen sowie Eintrittsgelder bei Gro\u00dfveranstaltungen Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit In Westeuropa ist seit Ende M\u00e4rz 1996 ein Kurswechsel zu weitgehend gewaltfreiem Verhalten erkennbar. Die PKK stellt jedoch wegen ihrer fortw\u00e4hrenden Bereitschaft, zu aktionsorientiertem und gewaltbereitem Verhalten zur\u00fcckzukehren, nach wie vor eine Bedrohung der inneren Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland dar. Dies begr\u00fcndet ihre Beobachtung gem\u00e4\u00df SS 3 Abs. 1 Nr. 1 VSG NRW. Ihre Ziele verfolgt die PKK in den Kampfgebieten, aktuell insbesondere in Syrien sowie auch in der T\u00fcrkei, nach wie vor mit Waffengewalt. Damit gef\u00e4hrdet die Organisation die ausw\u00e4rtigen Belange der Bundesrepublik Deutschland, so dass auch aus diesem Grund eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz nach SS 3 Abs. 1 Nr. 3 VSG NRW erforderlich ist. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Die Organisation versucht sich in Nordrhein-Westfalen durch Aktionen darzustellen, die auf m\u00f6glichst gro\u00dfe mediale Aufmerksamkeit angelegt sind, um eine Anerkennung ihrer politischen Forderungen zu erreichen. Gewaltt\u00e4tig agieren die PKK und ihre bewaffneten Guerillaverb\u00e4nde vor allem in den kurdischen Siedlungsgebieten. Neben der T\u00fcrkei geh\u00f6ren dazu die nordirakische Grenzregion und kurdische Gebiete in Syrien (auch \"Rojava\" = Westkurdistan genannt). Der bereits am 15. Juli 2016 gescheiterte Umsturzversuch in der T\u00fcrkei durch Teile des Milit\u00e4rs und die darauf folgende innenpolitische Polarisierung durch die t\u00fcrkische Regierung belastete das Verh\u00e4ltnis zwischen t\u00fcrkischnationalistischen und kurdischen Anh\u00e4ngern im Jahr 2017 weiter. Dachverb\u00e4nde und \u00f6rtlichen Vereine riefen nahezu w\u00f6chentlich zu regionalen oder \u00fcberregionalen Kundgebungen auf. Auch im Jahr 2017 wurden die Aktivit\u00e4ten der PKK-nahen Organisationen in Deutschland und NRW durch verschiedene inund ausl\u00e4ndische Ereignisse beeinflusst. Wichtigste Ereignisse Das t\u00fcrkische Verfassungsreferendum im April 2017 Hier war man bem\u00fcht, Wahlberechtigte der in Deutschland lebenden kurdischst\u00e4mmigen Bev\u00f6lkerung zu einer Stimmabgabe gegen die Verfassungs\u00e4nderung zu bewegen, um die Erweiterung der Machtbefugnisse des t\u00fcrkischen Staatspr\u00e4sidenten zu verhindern. Bef\u00fcrchtet wurde eine Versch\u00e4rfung der bereits bestehenden Verfolgungsma\u00dfnahmen gegen die PKK oder deren Sympathisanten. Der aus Sicht der PKK negative 90","Ausgang des Referendums f\u00fchrte innerhalb der PKK-Anh\u00e4ngerschaft in NRW allerdings zu keinen nennenswerten Reaktionen und Auseinandersetzungen. Das im September durchgef\u00fchrte Referendum f\u00fcr ein \"Freies Kurdistan\". Die Sorge um die Haftsituation und den Gesundheitszustand ihres inhaftierten Organisationsgr\u00fcnders Abdullah \u00d6calan. Meldungen in den sozialen Netzwerken im Oktober 2017 \u00fcber eine dramatische Verschlechterung des Gesundheitszustands bis hin zum angeblichen Tod \u00d6calans f\u00fchrten zu einer Vielzahl von spontanen Demonstrationen in unterschiedlichen Gr\u00f6\u00dfenordnungen. Die Protestwelle dauerte mehrere Wochen in NRW und ganz Europa an. Neben den in der \u00fcberwiegenden Mehrzahl friedlichen Protesten kam es vereinzelt zu gewaltt\u00e4tigen \u00dcbergriffen. Die Versch\u00e4rfung des Kennzeichenverbotes durch das Bundesministerium des Innern (BMI). Im M\u00e4rz 2017 wurde das PKK-Kennzeichenverbot durch das BMI konkretisiert und versch\u00e4rft. Grundlage dieser Ma\u00dfnahme ist das bereits im Jahr 1993 ausgesprochene Bet\u00e4tigungsverbot. Inhaltlich umfasst das Bet\u00e4tigungsverbot auch das \u00f6ffentliche Zeigen von Symbolen der PKK sowie ihrer Unterund Teilorganisationen. Das versch\u00e4rfte beziehungsweise konkretisierte Verbot war Thema bei unz\u00e4hligen Demonstrationen und gipfelte in einer Gro\u00dfdemonstration am 4. November 2017 in D\u00fcsseldorf. Gro\u00dfveranstaltungen in Nordrhein-Westfalen 25. M\u00e4rz 2017, D\u00fcsseldorf: circa 2.500 Teilnehmer, 1. Juli 2017, Dortmund: 13. Zilan-Frauenfestival, circa 2.500 Teilnehmer 26. August 2017, K\u00f6ln: Kurdisches Kulturfestival f\u00fcr ein unabh\u00e4ngiges Kurdistan, circa 15.000 Teilnehmer 16. September 2017, K\u00f6ln: 25. Internationales Kurdisches Kulturfestival, circa 14.000 Teilnehmer. Der im Vorfeld des Festivals stattfindende Marsch der Jugendlichen von Dortmund nach K\u00f6ln verlief weitgehend ohne besondere Vorkommnisse. Lediglich vereinzelt kam es zu kleineren Auseinandersetzungen mit t\u00fcrkischnationalistischen Anwohnern entlang der Marschroute. 4. November 2017, D\u00fcsseldorf: Gro\u00dfdemonstration gegen das durch das Bundesministerium des Innern (BMI) konkretisierte PKK-Kennzeichenverbot, circa6.000 Teilnehmer. Es kam im Laufe der Demonstration zu gewaltt\u00e4tigen Angriffen auf die eingesetzten Polizeibeamten. Mehrere Beamte wurden verletzt, unter anderem durch einen Zwillenbeschuss. Weitere Eskalationen und \u00dcbergriffe konnten durch das konsequente Vorgehen der Einsatzkr\u00e4fte unterbunden werden. Im Laufe der Demonstration wurden rund 1.000 verbotene Fahnen und Gegenst\u00e4nde durch die Polizei sichergestellt. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Der verhinderte Putsch im Jahr 2016, die innenpolitischen Repressionen gegen Regierungsgegner in der T\u00fcrkei, das Verfassungsreferendum in der T\u00fcrkei im Fr\u00fchjahr 2017, das Unabh\u00e4ngigkeitsreferendum f\u00fcr einen freien kurdischen Staat im September 2017 und die damit verbundenen Auseinandersetzungen zwischen den Konfliktparteien entfalten ihre Auswirkungen bis in die St\u00e4dte Nordrhein-Westfalens. Es muss genau beobachtet werden, welchen Resonanzboden die Wechselwirkungen zwischen t\u00fcrkischen Nationalisten und kurdischen Aktivisten innerhalb Deutschlands erzeugen und welche Randerscheinungen, wie etwa rocker\u00e4hnliche Strukturen, sich weiter etablieren. Das k\u00fcnftige Demonstrationsgeschehen sowie Aktionsverhalten der PKK-Anh\u00e4nger in Nordrhein-Westfalen wird ganz wesentlich von der weiteren Entwicklung in den Krisengebieten in Syrien und dem Nordirak und von der innenpolitischen Lage in der T\u00fcrkei abh\u00e4ngen. Aktuell werden die Aktionen der PKK-Anh\u00e4ngerschaft durch den Einmarsch t\u00fcrkischer Truppen in Syrien ma\u00dfgeblich beeinflusst. 91","Noch ist offen, wie die PKK-Anh\u00e4ngerschaft mit der Konkretisierung des PKK-Kennzeichenverbotes bei Demonstrationen und \u00f6ffentlichen Veranstaltungen umgeht. Gegen 2018 in K\u00f6ln und D\u00fcsseldorf gegen den Veranstalter NAV-DEM verh\u00e4ngte Versammlungsverbote geht die Organisation mittlerweile auf dem Klageweg. Dar\u00fcber hinaus ist nicht auszuschlie\u00dfen, dass die PKK-Anh\u00e4ngerschaft wieder zu medienwirksamen Aktionsformen wie zum Beispiel in der Vergangenheit durchgef\u00fchrte Besetzungsaktionen von Fernsehanstalten, Flugh\u00e4fen, Parteienb\u00fcros oder Schiffen zur\u00fcckkehrt. Auch die direkte gewaltsame Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner geh\u00f6rt zum Aktionsspektrum insbesondere der PKK-nahen Jugend und muss anlassbezogen in Betracht gezogen werden. 92","Islamismus Im Jahr 2017 wurde der territoriale Niedergang des sogenannten Islamischen Staates (IS) eingeleitet, der in der ersten Jahresh\u00e4lfte 2018 weitgehend seinen Abschluss gefunden hat. Aus einem semi-staatlichen Gebilde mit quasi-Ministerien und Versorgungsstrukturen ist er in eine Rolle als Untergrundbewegung gedr\u00e4ngt worden. Territoriale Kontrolle \u00fcbt der IS zurzeit nur noch in kleinen Gebietsstreifen im \u00f6stlichen Syrien bzw. dem westlichen Irak aus. Der Niedergang wurde durch eine massive Propaganda-Kampagne begleitet, die der IS im Laufe des Jahres 2017 noch orchestriert hat. Dabei ging es im Wesentlichen um das Anstiften von Einzelattent\u00e4tern in westlichen Staaten und dem Mobilisieren der eigenen Anh\u00e4nger in der Region. Schlie\u00dflich wurden auch Frauen und Kinder aufgefordert, sich aktiv am Jihad zu beteiligen. Die Resonanz auf die Propaganda war im Vergleich zu den Vorjahren schw\u00e4cher. In Deutschland gab es im Sommer 2017 in Hamburg einen t\u00f6dlichen Angriff durch einen Fl\u00fcchtling, der als islamistisch-motiviertes Attentat gewertet werden kann. Eine Attentatsserie vergleichbar mit dem Jahr 2016 ist - gl\u00fccklicherweise - ausgeblieben. Durch den R\u00fcckzug und die Verluste des IS stockt mittlerweile auch die Propaganda-Maschine, die ehemals aufw\u00e4ndig produzierte Propaganda-Produkte auch in den deutschsprachigen Raum gebracht hat. Der extremistisch-salafistischen Szene in Deutschland ist ein wichtiges Narrativ - der IS als Heimat und Ausreiseort, der Jihad als erfolgreiches Projekt der Staatsgr\u00fcndung - zu gro\u00dfen Teilen abhandengekommen. Dazu kommt, dass bedeutende Hauptakteure der Szene durch Vereinsverbote (z.B. Lies!) oder Ma\u00dfnahmen der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden (z.B. das Abu-Walaa-Netzwerk) ein Vakuum hinterlassen haben. Die Anh\u00e4nger der extremistisch-salafistischen Szene machen daher zurzeit einen eher orientierungslosen Eindruck. Die Strukturen sind fragmentiert, sollten neue Strukturen entstehen, so meiden sie vorerst die \u00d6ffentlichkeit. F\u00fcr die n\u00e4chste Zeit ist im Bereich gewaltorientierter Islamisten bzw. Salafisten von den folgenden Entwicklungen auszugehen: Radikalisierungsprozesse in Justizvollzugsanstalten aufgrund des sich dort befindlichen Anh\u00e4ngerpotenziales, insbesondere durch vormalige Hauptakteure und Syrien-R\u00fcckkehrer R\u00fcckkehrer aus Krisengebieten, aktuell vor allem Frauen und Kinder bzw. Minderj\u00e4hrige Radikalisierungspotenzial unter Fl\u00fcchtlingen, insbesondere den m\u00e4nnlichen Personen Weitergehende Radikalisierungsprozesse in den bereits bestehenden extremistisch-salafistischen Szenen als Resonanzboden f\u00fcr Einzelattent\u00e4ter Neben den Aktivit\u00e4ten jihadistischer Protagonisten versuchen auch Netzwerke weiterhin aktiv eine Anh\u00e4ngerschaft zu binden. Als gro\u00dfes Netzwerk mit Schwerpunkt in Nordrhein Westfalen - bei gleichzeitiger bundesweiter Vernetzung - ist Ansaar International zu nennen. Die Sicherheitsbeh\u00f6rden werden beide Bereiche - den gewaltorientierten, wie auch den politisch/legalistischen Extremismus im Blick behalten und weiter aufkl\u00e4ren. Nur durch eine umfassende Beobachtung k\u00f6nnen neue Entwicklungen und Strukturen und die daraus resultierenden Gefahren f\u00fcr die innere Sicherheit rechtzeitig erkannt werden. Dies bildet sowohl die Grundlage f\u00fcr repressive und pr\u00e4ventive Ma\u00dfnahmen, als auch f\u00fcr die Sensibilisierung von Politik und Gesellschaft. 93","Im Fokus: Fl\u00fcchtlinge im extremistischen Salafismus Anwerbeversuche durch Salafisten Mit Beginn der verst\u00e4rkten Migrationsbewegungen nach Europa im Jahr 2015 hatten bekannte salafistische Netzwerke und Einzelakteure Missionierungsaktivit\u00e4ten im Umfeld von Fl\u00fcchtlingen aufgenommen und kurzzeitig erheblich verst\u00e4rkt. Zielsetzung war die fr\u00fchzeitige Anwerbung und Einbindung dieser Fl\u00fcchtlinge in die Strukturen der extremistisch-salafistischen Szene in NRW. Die Anzahl der durch den Verfassungsschutz beobachteten Anwerbeversuche in Nordrhein-Westfalen erreichte im Jahr 2015 mit insgesamt 100 Sachverhalten ihren H\u00f6hepunkt. In den Jahren 2016 und 2017 konnten insgesamt weniger als 20 Hinweise auf derartige offensichtliche Aktivit\u00e4ten registriert werden. Auch wenn eine h\u00f6here Dunkelziffer anzunehmen ist, kann man davon ausgehen, dass diese Anwerbeversuche weitestgehend eingestellt wurden. F\u00fcr diesen R\u00fcckgang sind mehrere Gr\u00fcnde ausschlaggebend. Insbesondere durch die fortlaufende Sensibilisierung der Mitarbeiter an den Fl\u00fcchtlingseinrichtungen und die breite \u00f6ffentliche Diskussion wurden die Agitationsm\u00f6glichkeiten der extremistisch-salafistischen Szene erheblich erschwert. Stattdessen werden Fl\u00fcchtlinge vermehrt au\u00dferhalb der Unterbringungseinrichtungen angesprochen und \"betreut\". So zum Beispiel durch die Einladung zu gemeinsamen Gebeten, Islamunterricht, Festivit\u00e4ten, Spendenaktionen, arabischen Sprachkursen, die Versorgung mit Hilfsg\u00fctern und die Unterst\u00fctzung bei Beh\u00f6rdeng\u00e4ngen sowie das Dolmetschen. Aus der extremistisch-salafistischen Szene heraus, wird Hilfe in jeglichen Lebenslagen angeboten. Dabei handelt es sich - soweit erkennbar - nicht um eine gezielte Strategie, sondern vielmehr um den Versuch, das Personenpotenzial der Fl\u00fcchtlinge zu umwerben. Die vermittelten Botschaften werden dabei vielfach der Lebenslage lebensj\u00fcngerer entwurzelter Menschen in einer f\u00fcr sie fremden Umgebung angepasst. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass Fl\u00fcchtlinge in Deutschland weiterhin dem Einfluss der salafistischen Szene ausgesetzt sind. Jihadistisch-motivierte Personen unter Fl\u00fcchtlingen Seit Beginn des Jahres 2015 wurden Hinweise zu jihadistisch motivierten Personen unter Fl\u00fcchtlingen durch nordrhein-westf\u00e4lische Beh\u00f6rden zusammengetragen und bewertet. In diesem Zusammenhang wurden von Januar 2015 bis Dezember 2017 rund 260 Hinweise erfasst. Vielfach konnte der Verdacht auf eine jihadistische Intention durch eingeleitete Ermittlungen entkr\u00e4ftet werden. Nur in knapp zehn Prozent der F\u00e4lle f\u00fchrten die Ermittlungen zu einer Verdichtung der Hinweise, so dass weitergehende nachrichtendienstliche Ma\u00dfnahmen oder strafrechtliche Ermittlungsverfahren durch die Polizeibeh\u00f6rden eingeleitet wurden. In den anderen F\u00e4llen lagen Namensverwechslungen, Fehlmeldungen oder sogar gezielte Verleumdungen vor. Gemessen an der Gesamtzahl der in NRW untergebrachten Fl\u00fcchtlinge ist der bisher bekannte Anteil an salafistisch-extremistisch motivierten Personen weiterhin gering. Derzeit entstammen 5 - 10% der dem Verfassungsschutz bekannten Extremisten in Nordrhein-Westfalen dem Personenpotenzial der Fl\u00fcchtlinge. Die weitaus wichtigere Personengruppe ist nach wie vor die sogenannte \"home-grown\"-Szene, die sich aus Personen zusammensetzt, die zumeist in Deutschland geboren und aufgewachsen sind und in rund 2/3 aller F\u00e4lle auch im Besitz der deutschen Staatsangeh\u00f6rigkeit sind. Fl\u00fcchtlinge im Fokus des sogenannten Islamischen Staates (IS) In den Jahren 2016 und 2017 traten einzelne Fl\u00fcchtlinge als jihadistische Attent\u00e4ter in Erscheinung. Drei der f\u00fcnf in 2016 durchgef\u00fchrten Anschl\u00e4ge wurden durch Fl\u00fcchtlinge begangen. So auch der Anschlag von Anis AMRI auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidtplatz in Berlin im Dezember 2016 und das Messer-Attentat in Hamburg im 94","Jahr 2017. Hinzu kommen weitere F\u00e4lle, in denen Vorbereitungshandlungen von Einzelpersonen durch die Intervention der Sicherheitsbeh\u00f6rden rechtzeitig erkannt und verhindert werden konnten. Dies veranschaulicht, dass Fl\u00fcchtlinge in der Vergangenheit f\u00fcr die jihadistische Propaganda empf\u00e4nglich waren und von radikalisierten Einzelpersonen eine terroristische Bedrohung ausgeht. Die Fl\u00fcchtlinge im extremistischen Salafismus k\u00f6nnen derzeit in drei Gruppen unterteilt werden: Die erste Gruppe besteht aus Personen, die dem IS oder anderen terroristischen Organisationen im Ausland angeh\u00f6ren und im Zuge der Fl\u00fcchtlingsbewegungen ab dem Jahr 2015 nach Europa bzw. Deutschland gekommen sind. Diese Personen sind als hochgradig radikalisiert zu bewerten und dazu angeleitet, in Europa Anschl\u00e4ge zu begehen. Die zweite Gruppe besteht aus Personen, die in ihren Heimatl\u00e4ndern bereits islamistisches Gedankengut verinnerlicht hatten, aber ohne Anleitung und Agenda gekommen sind. Diese Personen sind leicht empf\u00e4nglich f\u00fcr die Botschaften islamistischer Organisationen und Netzwerke. Die dritte Gruppe besteht aus Personen, die sich erst in Deutschland der islamistischen Szene zuwenden und vorher kaum Affinit\u00e4ten zum extremistischen Salafismus hatten. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Radikalisierungen sind vermutlich in gescheiterten Integrationsbem\u00fchungen zu suchen. Ausblick Auch mit dem R\u00fcckgang der Fl\u00fcchtlingszahlen werden Aufkl\u00e4rung und Beobachtung extremistischer Aktivit\u00e4ten im Zusammenhang mit Fl\u00fcchtlingen unvermindert fortgef\u00fchrt und intensiviert. 95","Im Fokus: Frauen und Kinder Von den 3000 Anh\u00e4ngern der salafistischen Szene in NRW sind 12% Frauen. Der Frauenanteil unter den 255 Ausgereisten aus NRW in die jihadistischen Kampfgebiete Syriens und des Irak betr\u00e4gt 28%. Frauen im extremistisch-salafistischen Spektrum - Ausgereiste, R\u00fcckkehrerinnen und auch in Deutschland verbliebene Frauen - sind zunehmend gewaltbejahend und gewaltbereit. Frauen spielen zudem eine wichtige Rolle bei der Vernetzung der salafistischen Szene und beim Transfer der Ideologie an andere Frauen und an die Kinder in salafistischen Ehen. Sie formen dadurch eine neue Generation des Salafismus. Frauen sind von der extremistisch-salafistischen Ideologie \u00fcberzeugt und nehmen nicht eine h\u00e4ufig kolportierte Opferrolle ein. Strukturen Frauen der extremistisch-salafistischen und jihadistischen Szene interagieren und vernetzen sich zunehmend in der realen und virtuellen Welt. Dem Verfassungsschutz NRW sind gegenw\u00e4rtig zwischen 40 und 50 aktiv netzwerkende Frauen bekannt. Diese Frauen tauschen sich u.a. in Angelegenheiten einer ihrer Ideologie angepassten Lebensf\u00fchrung aus: Zur Umsetzung einer \"halal-konformen\" Lebensweise werden Dienstleistungen vom Bekleidungsshop bis hin zur Eheanbahnung angeboten. Dar\u00fcber hinaus verbreiten weibliche Szeneangeh\u00f6rige Anleitungen zur Kindererziehung, sind in der \"Gefangenenhilfe\" aktiv und bieten Unterricht an. Somit verbreiten sie extremistischsalafistische Propaganda und Ideologie in allen Bereichen des allt\u00e4glichen Lebens. Rollenbild Die Gruppe der Frauen im extremistisch-salafistischen Spektrum ist nicht homogen. Sowohl sogenannte \"Geburtsmusliminnen\" der zweiten und dritten Migrantengeneration als auch Konvertitinnen schlie\u00dfen sich der Szene an. Es finden sich hier sowohl Personen aus bildungsfernen und sozial schwachen Milieus als auch gut ausgebildete Frauen. In der extremistisch-salafistischen Szene wird eine \u00e4u\u00dferst rigide Geschlechterideologie propagiert. Die Rolle der Frau wird auf den h\u00e4uslichen Bereich begrenzt, ihre Aufgaben umfassen vor allem die der Ehefrau und Mutter; die Polygynie 1 ist ebenfalls ein propagiertes Ideal, das vor allem in den sozialen Netzwerken von Frauen aus der Szene aktiv beworben wird. Zu betonen ist aber auch die hohe Gewaltaffinit\u00e4t und Gewaltbereitschaft von Frauen innerhalb der Szene. Beispielhaft daf\u00fcr ist der Messerangriff von Safia S. im Jahr 2016 sowie die positive Resonanz auf diesen Anschlag innerhalb der weiblichen Szene. Dies spiegelt sich auch in der Verbreitung gewaltaffiner Propaganda in den sozialen Netzwerken wieder, die gezielt Frauen anspricht. Bet\u00e4tigungsfelder \u00dcber die der Frau zugeschriebenen h\u00e4uslichen Pflichten hinaus bet\u00e4tigen sich die weiblichen Szeneangeh\u00f6rigen im Rahmen organisierter Treffen in Privatr\u00e4umen und Moscheen zur Vermittlung von religi\u00f6sen Lerninhalten, die der Rekrutierung einer weiblichen Anh\u00e4ngerschaft dienen. Weibliche Aktivit\u00e4ten in der extremistischsalafistischen Szene sind jedoch vor allem in sozialen Netzwerken und Messengerdiensten zu beobachten. Hier 1 Eheform, die es dem Mann gestattet, mehrere Frauen zu heiraten 96","spielen sie bei der Verbreitung salafistischer Propaganda eine entscheidende Rolle, die bislang h\u00e4ufig untersch\u00e4tzt wurde. Online-Unterrichte zum Koranstudium, zum Erlernen der arabischen Sprache sowie religi\u00f6se Schulungen werden von Frauen f\u00fcr Frauen angeboten. So finden sich in Stundenpl\u00e4nen sogenannter \"Online-Kursr\u00e4ume\" - die haupts\u00e4chlich f\u00fcr eine m\u00e4nnliche Klientel konzipiert sind - auch Unterrichtsangebote speziell von Frauen f\u00fcr Frauen. Dar\u00fcber hinaus werden szenetypische ideologische und religi\u00f6se Texte ins Deutsche \u00fcbersetzt und verbreitet. Frauen aus der salafistischen Szene treten hierbei als \"Ideologieproduzentinnen\" auf und leisten dem eigenen Selbstverst\u00e4ndnis zufolge \"ihren Beitrag\" an der da'wa f\u00fcr die islamische Gemeinschaft. Spendensammlungen, der Austausch \u00fcber eine der eigenen Ideologie angepasste Kindererziehung und deren m\u00f6gliche Umsetzung, Vermarktung einer \"halal\"-konformen Lebensweise sowie der Verkauf der dazugeh\u00f6rigen Produkte, Bekleidungsshops, Ausreise-Gruppen und Gruppen zur Eheanbahnung (auch zur Mehrehe) bilden das Spektrum der Aktivit\u00e4ten von Frauen in der extremistisch-salafistischen Szene. Die Initiierung und Vertiefung von Radikalisierungsprozessen geschieht nicht nur im Internet, sondern wird durch Mentoren oder eine peer-group in der Realwelt begleitet und gef\u00f6rdert. Eine ausschlie\u00dfliche Radikalisierung \u00fcber das Internet ist seltener zu beobachten, selbst bei Jugendlichen. Die innerhalb der Szene gebildeten Familienstrukturen verfestigen sich durch die Geburt von Kindern. Nach ihrer Ausreise - einhergehend mit dem milit\u00e4rischen Druck auf den IS ein insgesamt stagnierendes Ph\u00e4nomen - waren Frauen in den jihadistischen Kampfgebieten vor allem in den sozialen Netzwerken aktiv, um von ihrem \"Leben im Kalifat\" zu berichten. Zwar sind diese Berichte nicht als belastbare Quellen \u00fcber das Alltagsleben im Gebiet des IS zu werten, da sie nicht verifizierbar sind. Sie erfahren jedoch eine entscheidende Relevanz in Wahrnehmung und Aufnahme durch Frauen und M\u00e4dchen, die noch im Prozess der Radikalisierung begriffen sind. Die in diesen Schriften propagierten Ideale und Utopien, die das Leben in einer vermeintlich moralischen Gesellschaft ohne Schranken von Herkunft oder sozialer Zugeh\u00f6rigkeit idealisieren, bieten ein Gegenmodell zu den im Rahmen des Radikalisierungsverlaufs verst\u00e4rkten Dem\u00fctigungsund Opfererfahrungen. Die Rolle von Frauen bei einer ideologisch angeleiteten Kindererziehung Einem strikten zweigeteilten Rollenbild entsprechend nehmen Frauen sowohl in der extremistisch-salafistischen als auch in der jihadistischen Szene eine entscheidende Rolle bei der Kindererziehung ein. In ihrer Rolle als \"Ideologieproduzentinnen\" vermitteln sie spezifische ideologische Inhalte auch f\u00fcr Kinder. Familiengr\u00fcndung und die Erziehung der Kinder erfolgen nach den ideologischen Vorstellungen der Szene. Im jihadistischen Diskurs umfasst dies die Motive des Heranziehens einer neuen Generation der \"Umma\" bzw. des Kalifats, die u.a. als \"Jungl\u00f6wen\" oder auch \"Schl\u00e4chter von morgen\" im Kampf geschult und dementsprechend indoktriniert werden. Die propagierten Erziehungsmethoden beinhalten beispielsweise religi\u00f6se Schulung, Kampftraining, die Bereitstellung von Kriegsspielzeug und die Ablehnung von Kinderliedern. Im Rahmen der jihadistischen Propaganda wird Bildmaterial von Kindersoldaten, Kamptraining von Kindern sowie fingierter und auch tats\u00e4chlich durchgef\u00fchrter Exekutionen von Gefangenen durch Kleinstkinder bereitgestellt. Anleitungen zur \"richtigen\" Erziehung von Kindern werden in Form von pdf-Dateien, Kan\u00e4len in Messengerdiensten, Homepages und im direkten Austausch verbreitet. Hierbei wird unter anderem die Frage nach M\u00f6glichkeiten einer \"islam-konformen Kindertagespflege\" diskutiert. Bereits im vergangenen Jahr wurden Apps f\u00fcr Kinder durch den IS auch auf dem deutschen Markt verbreitet. Diese Apps sind kindgerecht aufbereitet und eindeutig gewaltund kriegsverherrlichend. Sie wurden vom ISeigenen Himma-Verlag (maktabat al-himma) produziert. Hierbei handelte es sich um eine du'a-App (zum Erlernen von Bittgebeten) und eine App zum Erlernen der arabischen Schrift, die gewaltverherrlichende Inhalte aufzeigten. 97","Frauen als R\u00fcckkehrerinnen Vor allem im Zusammenhang mit Ausreisen in jihadistische Kampfgebiete ist die hohe Zahl von Frauen auff\u00e4llig. Durch die zunehmende milit\u00e4rische Zur\u00fcckdr\u00e4ngung des IS ist damit zu rechnen, dass vor allem die Zahl der Frauen, die zur\u00fcckkehren bzw. von staatlichen Stellen aus der Region nach Deutschland \u00fcberf\u00fchrt werden, steigen wird. Gegenw\u00e4rtig ist davon auszugehen, dass vor allem Frauen aus den Kriegsgebieten nach Deutschland zur\u00fcckkehren, wobei ein Gro\u00dfteil dieser Frauen nach bisherigen Erkenntnissen die extremistisch-salafistische Ideologie weiterhin verinnerlicht hat. Der Generalbundesanwalt (GBA) leitet im Fall der R\u00fcckkehr von Jihadisten aus Kampfgebieten konsequent Strafverfahren ein, soweit strafbare Handlungen im Ausland nachweisbar sind. Doch liegen nicht immer - vor allem bei Frauen - gerichtsfeste Beweise vor. R\u00fcckkehrerinnen, die bereit sind, sich von der Ideologie loszusagen und den Weg in unsere Gesellschaft zur\u00fcckfinden wollen, werden z.B. durch das \"Aussteigerprogramm Islamismus (API)\" des Verfassungsschutzes unterst\u00fctzt. Prognose Nach dem Wegfall einer gr\u00f6\u00dferen Anzahl von M\u00e4nnern innerhalb der Szene durch repressive Ma\u00dfnahmen seitens der Sicherheitsbeh\u00f6rden, ist die St\u00e4rkung der Rolle von M\u00e4dchen und Frauen wahrscheinlich. Bereits deutlich wahrnehmbar ist ein Anstieg der Aktivit\u00e4ten von Frauen vor allem in den sozialen Netzwerken. Dar\u00fcber hinaus sind inzwischen durch die Geburt von Kindern Familienverb\u00fcnde entstanden: Hieraus wird die gesamtgesellschaftliche Herausforderung erwachsen, mit einer \"zweiten Generation von Salafisten\", die nicht im Laufe ihrer Pubert\u00e4t oder als junge Erwachsene radikalisiert wurden, umzugehen. 98","Im Fokus: Gefangenenhilfe im extremistischen Salafismus Netzwerke zur Gefangenenhilfe Die Anzahl der Ermittlungsverfahren, Gerichtsprozesse und verurteilten Personen aus dem extremistischsalafistischen Spektrum ist in den letzten Jahren stark angestiegen: Dies resultiert aus Ausreiseund R\u00fcckreisesachverhalten in und aus jihadistischen Kampfgebieten seit dem Jahr 2012 sowie finanziellen oder logistischen Unterst\u00fctzungshandlungen f\u00fcr jihadistische Organisationen aus Deutschland heraus (insbesondere f\u00fcr den sogenannten Islamischen Staat und al-Qaida-nahe Organisationen). Ebenso f\u00fchrt die Verfolgung von Propaganda-Delikten zu einer steigenden Zahl von Ermittlungsverfahren. Als Reaktion hierauf haben sich innerhalb der extremistisch-salafistischen Szene Unterst\u00fctzungsnetzwerke gebildet. Zielsetzung dieser Netzwerke ist die Betreuung von Personen im Rahmen von Strafprozessen und die Begleitung in der Haft. Sie betreiben damit eine \"Gegen-Resozialisierung\". Die Beobachtung solcher Netzwerke obliegt dem Verfassungsschutz. In Nordrhein-Westfalen sind derzeit zwei Organisationen im Bereich der salafistischen Gefangenenhilfe aktiv und werden vom Verfassungsschutz beobachtet. Der ehemalige Linksterrorist Bernhard Falk widmet sich nach seinem \u00dcbertritt zum Islam seit mehreren Jahren dem Thema. Er macht in sozialen Netzwerken Propaganda f\u00fcr diese Gefangenenhilfe, unterst\u00fctzt Angeh\u00f6rige und Inhaftierte und besucht Gerichtsprozesse. In Solingen besteht ein Netzwerk namens \"al-Asraa\" (dt. \"die Gefangenen\"). Hier geht es prim\u00e4r um den Austausch mit den Inhaftierten, insbesondere durch Briefkorrespondenzen in die Justizvollzugsanstalten und durch Spenden f\u00fcr die Islamisten in der Haft. Im Jahr 2015 ist bereits das extremistisch-salafistische Gefangenenhilfsnetzwerk \"Ansaarul Aseer\" (dt. \"die Unterst\u00fctzer des Gefangenen\") mit Sitz in Solingen verboten worden. Besonderes Problem: R\u00fcckkehrer Innerhalb von vier Jahren - bis 2017 - sind nach Erkenntnissen der Sicherheitsbeh\u00f6rden 970 Personen aus Deutschland mit einer jihadistischen Intention ausgereist, davon 255 aus Nordrhein-Westfalen. \u00dcber 300 Personen sind bereits zur\u00fcckgekehrt, davon 75 nach Nordrhein-Westfalen. Seit Anfang des Jahres 2018 hat es weitere R\u00fcckkehrer gegeben. Der Anschluss an eine terroristische Organisation stellt eine Straftat dar. Sofern diesbez\u00fcglich ein Nachweis gef\u00fchrt werden kann, werden solche Personen nach ihrer R\u00fcckkehr angeklagt. In den Strafverfahren konnten regelm\u00e4\u00dfig gen\u00fcgend Beweise erbracht werden, so dass die meisten Angeklagten zu mehrj\u00e4hrigen Haftstrafen verurteilt wurden. Dadurch steigt die Zahl der radikalisierten Personen des extremistisch-salafistischen Spektrums an, die sich in Justizvollzugsanstalten befinden. Sowohl R\u00fcckkehrer als auch R\u00fcckkehrerinnen aus jihadistischen Kampfgebieten, stellen eine besondere Sicherheitsrelevanz dar. Diese resultiert daraus, dass sie in der Regel einen kompletten Radikalisierungsprozess durchlaufen haben, vertiefte Kennverh\u00e4ltnisse zu anderen Radikalisierten besitzen und Kampferfahrungen oder zumindest Kenntnisse im Umgang mit Waffen in einem Krisengebiet erlernen konnten. Zudem kehrt ein Teil der R\u00fcckkehrerinnen und R\u00fcckkehrer in die extremistisch-salafistische Szene zur\u00fcck. Ihre jihadistische Ideologie haben sie also nach wie vor verinnerlicht. Ausblick Durch die hohe Anzahl an laufenden Strafverfahren und Verurteilungen von Anh\u00e4ngern der extremistischsalafistischen Szene wird der \"Gefangenenhilfe\" in Zukunft eine noch wachsende Bedeutung zukommen. Von einer zunehmenden Einflussnahme durch Personen der extremistisch-salafistischen und jihadistischen Szene in Justizvollzugsanstalten ist derzeit auszugehen. 99","Das Justizministerium NRW hat im Fr\u00fchjahr 2018 eine Zentralstelle zur Terrorismusbek\u00e4mpfung (\"ZenTer NRW\") eingerichtet, die die Aufgaben bei der Bearbeitung von Gef\u00e4hrdern in Nordrhein-Westfalen bei der Generalstaatsanwaltschaft D\u00fcsseldorf zentralisiert. Im Jahr 2017 wurde in Essen ein Kompetenzzentrum der Justiz zur Bek\u00e4mpfung von Radikalisierungsprozessen in Justizvollzugsanstalten gegr\u00fcndet. Ziel ist die Schulung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Justiz im Umgang mit radikalisierten H\u00e4ftlingen und eine Fallberatung. Daneben ist auch das Aussteigerprogramm Islamismus des Verfassungsschutzes Nordrhein-Westfalen in diesem Umfeld aktiv und betreut F\u00e4lle von R\u00fcckkehrern in Justizvollzugsanstalten. Der hohe Grad der Radikalisierung macht eine langfristige Laufzeit der Programme n\u00f6tig, um eine nachhaltige Wirkung zu entfalten. 100","Extremistischer Salafismus Sitz / Verbreitung Alle Regionen Nordrhein-Westfalens, Schwerpunkte in den Ballungszentren des Rheinlands und des Ruhrgebiets Gr\u00fcndung / Bestehen seit Ursprung salafistischer Bestrebungen: Historische islamische Str\u00f6mungen vor allem Saudi-Arabiens und \u00c4gyptens. Die ideologischen Grundlagen basieren in gro\u00dfen Teilen auf dem sogenannten \"Wahhabismus\". Ursprung jihadistischer Bestrebungen: Mujahidin-Bewegung der 1980er Jahre in Afghanistan. Nordrhein-Westfalen: ab etwa 2003 erste gezielte deutschsprachige Aktivit\u00e4ten Struktur / Repr\u00e4sentanz Die extremistisch-salafistische Szene in Nordrhein-Westfalen setzt sich aus Vereinen, Netzwerken und Hauptakteuren zusammen. Nach Einsch\u00e4tzung des Verfassungsschutzes gab es zum Jahresende 2017 rund 70 salafistisch-beeinflusste Moscheevereine, sieben gr\u00f6\u00dfere Netzwerke und 32 Hauptakteure der Szene in NordrheinWestfalen. Es existiert in Deutschland bisher weder ein Dachverband salafistischer Strukturen, noch eine politische Repr\u00e4sentanz, wie beispielsweise eine Partei. Entsprechende Vorst\u00f6\u00dfe sind bislang regelm\u00e4\u00dfig gescheitert und sto\u00dfen auf ideologische Vorbehalte innerhalb der Szene. Mitglieder / Anh\u00e4nger / Unterst\u00fctzer 2017 Bekannte extremistische Salafisten: NRW: 3.000 davon eher politisch: rund 2.200 eher gewaltorientiert: 800 Ver\u00f6ffentlichungen Verbreitung der Ideologie \u00fcber eigene Web-Angebote, Blogs und soziale Netzwerke, Informationsst\u00e4nde, Vereinsaktivit\u00e4ten und Vortragsveranstaltungen beziehungsweise Seminare Kurzportrait / Ziele Der extremistische Salafismus teilt sich ideologisch in zwei Grundstr\u00f6mungen auf: eine politische und eine gewaltorientierte / jihadistische Richtung. Politische Salafisten vertreten eine anti-demokratische und damit verfassungsfeindliche Ideologie: Diese basiert auf religi\u00f6sen Versatzst\u00fccken, die der islamischen Religion entlehnt sind. Sie streben die Errichtung eines vermeintlich \"authentisch-islamischen Staatssystems\" an. Ihre Hauptaktivit\u00e4t besteht in der Missionierungsarbeit und dem langfristigen Aufbau von Strukturen. Gewaltorientierte Salafisten, die auch als Jihadisten bezeichnet werden k\u00f6nnen, stellen den Jihad im Sinne eines bewaffneten milit\u00e4rischen Kampfes in den Mittelpunkt ihrer Ideologie. Sie sind gewillt, ihre Vision von einem \"islamischen Staat\" auch mit Waffengewalt umzusetzen. Der \u00dcbergang zwischen den beiden ideologischen Str\u00f6mungen ist flie\u00dfend. Finanzierung Spenden (teilweise aus dem Ausland), wirtschaftliche Bet\u00e4tigung, Kriminalit\u00e4t Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit 101","Anh\u00e4nger der extremistisch-salafistischen Szene verstehen die islamische Religion als Ideologie und die Scharia als gottgegebenes Ordnungsund Herrschaftssystem. Dieser Ideologie folgend wird Demokratie als eine falsche \"Religion\" und die Teilnahme an Wahlen somit als ein \"G\u00f6tzendienst\" angesehen. Es gilt das Prinzip der \"g\u00f6ttlichen Souver\u00e4nit\u00e4t\": Gesetze k\u00f6nnen der salafistischen Ideologie folgend nur von Gott ausgehen, aber niemals vom einem gew\u00e4hlten Gesetzgeber gemacht werden. Die Volkssouver\u00e4nit\u00e4t als wesentliches Element der Demokratie westlicher Pr\u00e4gung sei demnach unvereinbar mit dem extremistischen Salafismus. Die salafistische Ideologie propagiert eine L\u00f6sung aller gesellschaftlichen Probleme durch die uneingeschr\u00e4nkte Anwendung von Koran und Sunna (prophetische Tradition). Hierzu z\u00e4hlt die konsequente und buchstabengetreue Anwendung der \"Scharia\" nach salafistischer Auslegung (in diesem Sinn ein ganzheitliches Regelwerk, das alle Aspekte des Lebens eines Muslims umfasst). Die Umsetzung der beschriebenen Vorschriften umfasst auch das Privatleben: So wird eine rigide Trennung von Mann und Frau nicht nur in der Moschee, sondern insgesamt im \u00f6ffentlichen Raum gefordert. Eine gemeinsame schulische Erziehung von Jungen und M\u00e4dchen ebenso wie die Berufst\u00e4tigkeit von Frauen wird grunds\u00e4tzlich abgelehnt. Frauen sind diesem Wertebild zufolge nominell gleichwertig, aber nicht gleichberechtigt. Dar\u00fcber hinaus propagieren gewaltorientierte Salafisten offen den \"Jihad\" im Sinne eines bewaffneten Kampfes ebenso wie das \"M\u00e4rtyrertum\". Die salafistische Ideologie widerspricht somit in wesentlichen Aspekten der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Aus der ablehnenden und offen feindseligen Haltung gegen\u00fcber der \u00fcbrigen Gesellschaft und der teilweise hohen Gewaltaffinit\u00e4t resultiert ein gro\u00dfes Konfliktpotenzial, welches das friedliche gesellschaftliche Zusammenleben gef\u00e4hrdet. Extremistische und jihadistische Propaganda hat in der Vergangenheit vielfach Radikalisierungsprozesse gef\u00f6rdert. Es geht insbesondere von gewaltorientierten Salafisten eine tats\u00e4chliche Gef\u00e4hrdung f\u00fcr die innere Sicherheit in Deutschland aus. Sie sind bereit, zur Umsetzung ihrer Ziele auch in Deutschland schwerste Gewalttaten und Anschl\u00e4ge zu ver\u00fcben und schrecken auch vor vielfachem Mord nicht zur\u00fcck. Die Utopie eines \"islamischen Staates\" steht in diametralem Widerspruch zur politischen und gesellschaftlichen Ordnung in Deutschland und Europa. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Entwicklungen im Bereich \"Missionierung / Rekrutierung\" Das Bet\u00e4tigungsfeld \"Stra\u00dfenmissionierung\" ist im Jahr 2017 weitgehend zum Erliegen gekommen. Dies ist eine unmittelbare Folge des Vereinsverbotes gegen die Lies!-Kampagne im November 2016. Die derzeit einzig legale Missionierungskampagne - We love Muhammad - entfaltet nur wenige Aktivit\u00e4ten in Nordrhein-Westfalen. Lies! Die gegen das Verbot des Vereins Die wahre Religion erhobenen Klagen zweier Vereinsmitglieder, darunter des Gr\u00fcnders des Vereins, sind am 19. Dezember 2017 zur\u00fcckgenommen worden. Da der Verein selbst nicht gegen das Verbot geklagt hatte, ist die Verbotsverf\u00fcgung bestandskr\u00e4ftig geworden. Aktivit\u00e4ten des Vereins bzw. von Nachfolgeorganisationen bleiben damit in Deutschland verboten. Koranverteilungen unter diesem Label finden nicht mehr statt. We love Muhammad Seit der Gr\u00fcndung des Projektes We love Muhammad im Jahr 2016 wurden insbesondere in Gro\u00dfst\u00e4dten vereinzelte Verteilaktionen im Berichtsjahr festgestellt. Neben den Initiatoren Bilal G\u00fcm\u00fcs und Pierre Vogel sind auch die Teilnehmer dem extremistisch-salafistischen Personenspektrum zuzurechnen. Im Rahmen der mobilen Aktionen werden neben der Mohamed-Biografie weitere Brosch\u00fcren zur Verbreitung der extremistisch102","salafistischen Ideologie kostenfrei verteilt. Das gesamte Informationsmaterial ist dar\u00fcber hinaus auch online erh\u00e4ltlich. Die \u00f6ffentliche Pr\u00e4senz dieses Projektes ist im Vergleich zur damaligen Lies!Aktion als verschwindend gering zu bezeichnen. Da die Teilnehmer und Organisatoren jedoch in der Szene des extremistischen Salafismus zu verorten sind, steht das Projekt weiterhin unter Beobachtung. Entwicklungen im Bereich \"Hilfsorganisationen\" Anders als im Bereich der Stra\u00dfenmissionierung, haben sich einzelne Vereine im Bereich der Hilfsorganisationen erheblich weiter entwickelt und zus\u00e4tzliche Aktivit\u00e4ten entfaltet. Auch dies k\u00f6nnte eine Folge des Lies!-Verbots sein, da salafistische Aktivisten nunmehr in andere Bet\u00e4tigungsfelder ausweichen und sich in diesen Vereinen engagieren. Ansaar International Der Verein Ansaar International e.V. ist im Jahr 2012 unter dem Namen Ansaar D\u00fcsseldorf e. V. (bis 2014) gegr\u00fcndet worden und deutete damit auf seinen Ursprungsort hin. Vordergr\u00fcndig verfolgt Ansaar den Zweck, humanit\u00e4re Hilfe f\u00fcr Muslime weltweit (beispielweise in Syrien, Somalia, Marokko, Burma etc.) zu leisten. Neben dem Sammeln von Spendengeldern und Mitgliedsbeitr\u00e4gen, erschlie\u00dft sich der Verein immer weitere Einnahmequellen. Insbesondere seit dem Jahr 2017 ist in Nordrhein-Westfalen - aber auch bundesweit - eine betr\u00e4chtliche Zunahme der Aktivit\u00e4ten zu erkennen. Im Laufe des Jahres wurde in D\u00fcsseldorf ein Ladenlokal mit dem Namen \"Ummashop\" er\u00f6ffnet, wo u.a. auch die Kleidung der neuen Marke von Ansaar namens \"Ansaar clothing\", vertrieben wird. Ferner wurde die Blck Stone GmbH gegr\u00fcndet. Blck Stone bietet Muslimen die M\u00f6glichkeit, im Rahmen eines All-Inclusive-Pakets die Umra (kleine Pilgerfahrt) bzw. die Haddsch (Pilgerfahrt) durchzuf\u00fchren. Des Weiteren wurden ein Restaurant sowie ein Second-Hand-Shop f\u00fcr gebrauchte Kleidungsst\u00fccke er\u00f6ffnet. Laut eigenen Angaben flie\u00dfen die Gewinne dieser Gesch\u00e4ftsfelder zu 100 Prozent in die Projekte von Ansaar. In den Fokus ist in diesem Zusammenhang auch der Verein \"WWR-Help e.V.\" (World Wide ResistanceHelp e.V.) ger\u00fcckt. Dieser im August 2014 gegr\u00fcndete Verein mit Sitz in Neuss bezeichnet sich als Hilfsverein zur Unterst\u00fctzung und F\u00f6rderung von Kriegsopfern, Kriegshinterbliebenen, Kriegsgefangenen sowie hilfsbed\u00fcrftigen und notleidenden Menschen in Kriegsund Krisengebieten. Im Vordergrund seiner Aktivit\u00e4ten steht die Hilfe der Betroffenen im Gazastreifen. Der Verein f\u00fchrt seine Spendenkampagnen haupts\u00e4chlich auf seinem eigenen Internetauftritt (www.wwr-help.org) und \u00fcber Social Media-Plattformen durch. Es besteht eine enge Verbindung des Vereins zu Ansaar. So sind verwandtschaftliche und organisatorische Verkn\u00fcpfungen zwischen den beiden Vereinen erkennbar. Aufgrund der engen Verflechtung muss davon ausgegangen werden, dass WWR-Help e. V. s\u00e4mtliche Handlungen und Einstellungen Ansaars billigt und guthei\u00dft. Durch diese enge organisatorische Verkn\u00fcpfung wird WWR als Teilorganisation von Ansaar International eingesch\u00e4tzt. Auch wenn Ansaar \u00f6ffentliche Veranstaltungen mit bekannten extremistischen Salafisten vermeidet, ist keine Abkehr des Vereins von extremistisch-salafistischen Bestrebungen zu erkennen, da stattdessen intensive Kooperationen mit anderen Personen der extremistisch-salafistischen Szene erfolgen. Auff\u00e4llig ist hierbei, dass es beim Personenkreis mittlerweile einige \u00dcberschneidungen zwischen diesem Verein und dem mittlerweile verbotenen Verein Die Wahre Religion/Lies! gibt. Dies deutet darauf hin, dass Ansaar International in der extremistischen Szene ein Vakuum f\u00fcllt, das durch das Lies!-Verbot hinterlassen wurde. Helfen in Not Der im Jahr 2013 gegr\u00fcndete Verein Helfen in Not (HiN) bezeichnet sich als Hilfsverein zur Unterst\u00fctzung notleidender Muslime. Im Vordergrund seiner Aktivit\u00e4ten steht die Hilfe f\u00fcr vom B\u00fcrgerkrieg betroffene Menschen in Syrien. HiN liefert medizinische G\u00fcter und Kleidung nach Syrien und Bangladesch (vor dem Hintergrund des Rohingya-Konflikts). Im Berichtsjahr 2017 wurde festgestellt, dass auch ein niederl\u00e4ndischer Ableger des Vereins existiert. Eine wesentliche \u00c4nderung hinsichtlich handelnder Personen und der Aktivit\u00e4ten war im Jahr 2017 nicht erkennbar. Bei allen Aktivit\u00e4ten des Vereins in Nordrhein-Westfalen und im \u00fcbrigen Bundesgebiet zeigt sich jedoch 103","nach wie vor die feste Einbindung in die extremistisch-salafistische Szene, in der auch der \"Kampf gegen die Feinde des Islams\" gutgehei\u00dfen wird. Medizin mit Herz Der Verein Medizin mit Herz wurde im Sommer 2013 gegr\u00fcndet und hatte seinen letzten Sitz in Hennef. Der Verein sammelt Hilfsg\u00fcter und Krankenwagen f\u00fcr vordergr\u00fcndig humanit\u00e4re Zwecke in Syrien. Durch seine Aktivit\u00e4ten hat er Bez\u00fcge \u00fcber die Region Bonn hinaus auch in andere Bundesl\u00e4nder. Akteure, die f\u00fcr den Verein t\u00e4tig sind und f\u00fcr ihn werben, k\u00f6nnen der extremistisch-salafistischen Szene im Raum Bonn zugerechnet werden. Auf dieser Grundlage werden der Verein und seine Aktivit\u00e4ten durch den Verfassungsschutz NordrheinWestfalen beobachtet. Eine wesentliche \u00c4nderung hinsichtlich handelnder Personen und der grunds\u00e4tzlichen Ausrichtung war im Jahr 2017 nicht erkennbar. Berichte auf den Webseiten des Vereins und in den sozialen Netzwerken belegen, dass Medizin mit Herz seine Aktivit\u00e4ten - wenn auch in vermindertem Umfang - im Berichtsjahr weiter fortf\u00fchrte. Im Zusammenhang mit einem Ermittlungsverfahren der Bundesanwaltschaft gegen zwei Beschuldigte wegen des Verdachts der Unterst\u00fctzung der ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung Jabhat al-Nusra (JaN) wurden am 8.Februar 2017 mehrere Wohnungen und weitere R\u00e4umlichkeiten in Nordrhein-Westfalen und Gro\u00dfbritannien durchsucht. Die beiden Beschuldigten sollen die JaN bereits seit mehreren Jahren unterst\u00fctzt und Spenden gesammelt haben sowie an der Organisation und Durchf\u00fchrung von Hilfskonvois beteiligt gewesen sein. Afrikabrunnen Der Verein Afrikabrunnen e. V., der sich mittlerweile in \"Blue Springs LTD\" umbenannt hat, hat seine deutsche Niederlassung in Dortmund. Der Verein stellte sich anfangs als rein humanit\u00e4re Organisation im salafistischen Spektrum dar. Sein Zweck war lange Zeit vorrangig humanit\u00e4re Aufbauhilfe in Afrika. Zielsetzung der Vereinsaktivit\u00e4ten war eigenen Angaben zufolge, die Sicherstellung der Grundversorgung mit Wasser auf dem gesamten afrikanischen Kontinent. Bei Veranstaltungen traten regelm\u00e4\u00dfig salafistische Prediger aus dem Umfeld der beobachteten Missionierungsnetzwerke auf. Sie wurden von den Verantwortlichen \u00fcber soziale Netzwerke beworben. Der bisherige Hauptakteur des Vereins hielt sich im Jahr 2017 im Ausland auf. Entwicklungen im Bereich \"Gefangenenhilfe\" Eine inhaltlich zunehmende Bedeutung hat das Thema Gefangenenhilfe f\u00fcr die salafistische Szene. Durch Propagandaund Unterst\u00fctzungst\u00e4tigkeiten f\u00fcr den sogenannten Islamischen Staat und andere jihadistische Organisationen hat sich die Anzahl von Straftaten unter den Salafisten in den vergangenen Jahren vervielfacht. Auch R\u00fcckkehrer aus Kampfgebieten werden strafrechtlich verfolgt und erhalten oftmals mehrj\u00e4hrige Haftstrafen. Der Themenkomplex \"R\u00fcckkehr\" hat nach dem milit\u00e4rischen Niedergang des sogenannten Islamischen Staates an Bedeutung zugenommen. Ehemals in jihadistische Kampfgebiete ausgereiste M\u00e4nner, aber auch viele Frauen, befinden zurzeit im Irak oder im t\u00fcrkisch-syrischen Grenzgebiet in Internierungslagern oder in Haft. Personen mit einer deutschen Staatsangeh\u00f6rigkeit werden perspektivisch in der kommenden Zeit sukzessive nach Deutschland zur\u00fcckkehren. Die hohe Zahl an Personen, die derzeit angeklagt oder bereits verurteilt sind, wird von Netzwerken betreut, die sich gezielt der \"Gefangenenhilfe\" widmen. In Nordrhein-Westfalen sind derzeit zwei Organisationen in diesem Bereich t\u00e4tig. Bernhard FALK Wie bereits in den vorangegangenen Jahren widmete sich Bernhard FALK, alias Muntasir billah (deutsch: \"siegreich durch Gott\"), auch weiterhin intensiv der Gefangenenhilfe. Er vertritt die Ansicht, dass die Bundesrepublik Deutschland einen Kampf gegen \"den Islam\" betreibt und steht f\u00fcr den nach seinem Empfinden zwingend erforderlichen \"Islamischen Widerstand gegen den Imperialismus der USA, der BRD und Israels\". Die gestiegene Zahl der Strafverfahren gegen Angeh\u00f6rige der extremistisch-salafistischen Szene f\u00fchrte Falk quer durch das Bundesgebiet. Er wohnte den Hauptverhandlungen bei, unterhielt nach eigenem Bekunden enge Kontakte zu den Strafverteidigern und berichtete in sozialen Netzwerken \u00fcber die Prozessverl\u00e4ufe. Daneben ruft er 104","die \"Geschwister\" zur Kontaktaufnahme mit den \"muslimischen politischen Gefangenen der BRD\" und zu Spendenzahlungen auf. Nach wie vor \u00e4u\u00dfert sich Falk positiv zu al-Qaida-Gruppierungen, die zum urspr\u00fcnglichen Netzwerk des Aiman alZawahiri gez\u00e4hlt werden k\u00f6nnen. Im Rahmen seiner T\u00e4tigkeit f\u00fcr die Gefangenen unterscheidet er aber nicht zwischen Anh\u00e4ngern dieser Gruppierungen und denen des sogenannten Islamischen Staates. Hier ist vielmehr der Kampf gegen westliche Werte und Weltanschauungen gemeinsamer Nenner, so dass er auch diesen die uneingeschr\u00e4nkte Unterst\u00fctzung zuteilwerden l\u00e4sst. Dieser Umstand und ein offen in den sozialen Netzwerken ausgetragener Disput mit dem salafistischen Prediger Pierre Vogel r\u00fcckt Falk zumindest ideologisch in den Bereich des jihadistischen Salafismus. In der extremistisch-salafistischen Szene wird der Gefangenenbetreuung eine bedeutende Aufgabe zuteil. Neben der blo\u00dfen Darstellung der Geschehnisse soll insbesondere die Verbundenheit innerhalb der Szene gest\u00e4rkt und eine Abkehr von der salafistischen Ideologie, d.h. eine Resozialisierung, verhindert werden. Dieses versucht Falk mit seiner Berichterstattung \u00fcber angebliche Unterdr\u00fcckung und Diffamierung der Muslime zu erreichen. Gefangeneninitiative \"Al Asraa - Die Gefangenen\" Die 2015 gegr\u00fcndete salafistische Vereinigung Al Asraa - Die Gefangenen hat sich auf die Betreuung von inhaftierten Personen sowie ihren Angeh\u00f6rigen spezialisiert. Zentrales Aufgabenfeld ist die pers\u00f6nliche Betreuung von H\u00e4ftlingen in Justizvollzugsanstalten. So werden Inhaftierte und ihre Angeh\u00f6rige in Deutschland durch \"seelische und finanzielle Zuwendungen\" unterst\u00fctzt. Diese Zuwendungen erfolgen vorwiegend durch das Versenden von handgeschriebenen Briefen, selbstgemalten Bildern - auch von Kindern - oder B\u00fcchern von islamistischen Ideologen an Inhaftierte. Daneben werden sogenannte \"Patenschaften\" vermittelt, um einen dauerhaften pers\u00f6nlichen Kontakt zu Inhaftierten aufzubauen. Insbesondere die \u00f6ffentliche Berichterstattung \u00fcber das vermeintliche \"Leid muslimischer Gefangener\" sowie der Verlauf von Gerichtsprozessen nehmen einen hohen Stellenwert in der \u00d6ffentlichkeitsarbeit von Al Asraa - Die Gefangenen ein. Als Begr\u00fcndung f\u00fcr die Teilnahme an Gerichtsverhandlungen wird \u00f6ffentlich erkl\u00e4rt, dass diese \"Arbeit\" eine \"religi\u00f6se Verpflichtung\" darstelle, die mit der Hoffnung \"auf den Lohn bei Allah\" verbunden sei. \u00dcber soziale Netzwerke findet ein interaktiver Austausch mit potentiellen Unterst\u00fctzern und Spendern statt. Anfang August 2017 erweitere Al Asraa - Die Gefangenen seine Organisationsstruktur und etablierte den sog. \"Al Asraa Basaar\". Hier\u00fcber sollen - \u00e4hnlich einer Auktion - Gegenst\u00e4nde \u00fcber soziale Netzwerke ver\u00e4u\u00dfert werden. Der daraus entstandene Erl\u00f6s solle dann Inhaftierten und ihren Familien zugutekommen. Die Vereinigung Al Asraa - Die Gefangenen versucht stetig, Personen in ihrer salafistischen Ideologie zu festigen. Sie greift auf Zitate und Quellen der jihadistischen Ideologie zur\u00fcck, die in sozialen Netzwerken ver\u00f6ffentlicht werden. Eine kritische Auseinandersetzung mit den Hintergr\u00fcnden der Inhaftierung oder von Gerichtsurteilen findet nicht statt. F\u00fcr Al Asraa - Die Gefangenen ist blo\u00df die religi\u00f6se Ausrichtung des Menschen relevant. Nur wer nach ihren Vorstellungen \"muslimisch\" ist, geh\u00f6rt zur Gemeinschaft und muss vor \"sch\u00e4dlichen\" Einfl\u00fcssen bewahrt werden. Inhaftierte Muslime werden nicht nur glorifiziert, sondern als wahre Muslime pr\u00e4sentiert, die aufgrund ihrer Religiosit\u00e4t in Gef\u00e4ngnissen gro\u00dfe Opfer der \"Ungl\u00e4ubigen\" erleiden m\u00fcssen. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Der extremistische Salafismus nimmt weiterhin einen hohen Stellenwert in der Beobachtung durch den Verfassungsschutz ein. Obwohl die Anzahl der Anschl\u00e4ge im Jahr 2017 in Deutschland zur\u00fcckgegangen ist, stellen gewaltorientierte Salafisten und R\u00fcckkehrer aus jihadistischen Kampfgebieten auch weiterhin eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr die innere Sicherheit dar. Die extremistisch-salafistische Szene in Nordrhein-Westfalen befindet sich derzeit in einem Umbruch. Staatliche Ma\u00dfnahmen wie Strafverfahren und das Verbot von Die Wahre Religion/Lies! zeigen Wirkung und f\u00fchren zu einer Fragmentierung der Szenestrukturen. Bisherige Hauptakteure befinden sich in Haft, andere treten \u00f6ffentlich kaum oder gar nicht mehr in Erscheinung. Dieses Vakuum wird von anderen Personen nach und nach gef\u00fcllt. So 105","ist eine St\u00e4rkung der Rolle von M\u00e4dchen und Frauen erkennbar, insbesondere in den Aktivit\u00e4ten in den sozialen Netzwerken. Schwerpunkte haben sich verschoben: W\u00e4hrend 2016 noch Stra\u00dfenmissionierungskampagnen im Vordergrund standen, ist die Bedeutung von sogenannten Hilfsorganisationen gestiegen. Diese agieren weniger im \u00f6ffentlichen Raum, binden aber ebenso ein gro\u00dfes Anh\u00e4ngerpotenzial und generieren Gelder f\u00fcr die Szene. Weitere Umbr\u00fcche sind zu erwarten. Bislang geh\u00f6ren dem beobachteten salafistischen Spektrums in Nordrhein-Westfalen weniger als 10% Personen an, die als Fl\u00fcchtlinge nach Deutschland gekommen sind. Es ist jedoch festzustellen, dass drei von sechs Anschl\u00e4gen in Deutschland in den Jahren 2016 und 2017 von dieser Personengruppe ausgef\u00fchrt wurden. Diese Entwicklung muss intensiv beobachtet und ihr mit entsprechender repressiver und pr\u00e4ventiver Arbeit begegnet werden. Die Auswirkungen des milit\u00e4rischen Niedergangs des sogenannten Islamischen Staates sind sp\u00fcrbar: Die Ausreisewelle in die Jihad-Gebiete aus Nordrhein-Westfalen ist vollkommen zum Erliegen gekommen. Propagandaaktivit\u00e4ten in den sozialen Netzwerken liefen zeitweise kaum weiter; da die Medienproduktionsst\u00e4tten des IS zwischenzeitlich nicht mehr handlungsf\u00e4hig waren. Zum Jahreswechsel 2017/18 nahm die Verbreitung von Propagandaprodukten wie Bildern, Audiodateien und Videos, gr\u00f6\u00dftenteils \u00fcber die Plattformen der sozialen Medien wieder zu Der IS ist nach wie vor nicht endg\u00fcltig geschlagen. Im Ausland existieren funktionierende Ableger, Zellen und sogenannte Provinzen des IS. In Nordrhein-Westfalen ist eine Sympathisanten-Szene nach wie vor existent und aktiv. In 2018 ist mit einer signifikanten Zunahme von R\u00fcckkehrern aus dem Kriegsgebiet in Syrien und dem Irak zu rechnen. Viele m\u00e4nnliche Ausgereiste sind vor Ort zu Tode gekommen, jedoch stehen insbesondere Frauen und deren Kinder vor einer Wiedereinreise nach Deutschland. Darauf stellen sich neben den Sicherheitsbeh\u00f6rden auch die Jugendbeh\u00f6rden ein. Es ist mit einer sukzessiven R\u00fcckkehr von Personen aus jihadistischen Kampfgebieten zu rechnen. Dieser R\u00fcckfluss in die Szene wird in den kommenden Jahren das Radikalisierungspotenzial im Salafismus auf einem hohen Niveau halten. Frauen - insbesondere R\u00fcckkehrerinnen - werden zuk\u00fcnftig eine gr\u00f6\u00dfere Rolle als Multiplikatorinnen innerhalb der Szene einnehmen und versuchen, Gleichgesinnte zu radikalisieren. Die beschriebene Gemengelage aus Szene-Aktivit\u00e4ten in Deutschland, R\u00fcckkehrern aus jihadistischen Kampfgebieten und dem Radikalisierungspotenzial unter Fl\u00fcchtlingen wird die Agenda der Sicherheitsbeh\u00f6rden in den kommenden Monaten bestimmen. Der Umgang mit jihadistischen Familienverb\u00fcnden wird dar\u00fcber hinaus auch andere Beh\u00f6rden wie Jugend\u00e4mter besch\u00e4ftigen - und eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung darstellen. 106","Hamas Sitz / Verbreitung Hauptsitz der Vereinsstrukturen in Berlin, Aktivit\u00e4ten auch in Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesl\u00e4ndern Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1987 Struktur / Repr\u00e4sentanz In Deutschland repr\u00e4sentiert durch die Pal\u00e4stinensische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (PGD). Mitglieder / Anh\u00e4nger / Unterst\u00fctzer 2017 NRW: 75 Ver\u00f6ffentlichungen Englischund arabischsprachiges Web-Angebot der Hamas-Kernorganisation; zeitweise deutschsprachige Seite der PGD in den sozialen Netzwerken Kurzportrait / Ziele Die sunnitische Hamas (Arabische Abk\u00fcrzung f\u00fcr: \"Bewegung des islamischen Widerstandes\") hat sich aus dem pal\u00e4stinensischen Teil der Muslimbruderschaft entwickelt und wurde mit Beginn der ersten Intifada im Jahr 1987 aktiv. Das vorrangige politische Ziel der Hamas ist die \"Befreiung\" Gesamtpal\u00e4stinas und damit die Aufl\u00f6sung Israels als eigenst\u00e4ndiger Staat. Das Existenzrecht Israels wird nicht anerkannt, auch wenn moderate HamasPolitiker dies in der Vergangenheit unter bestimmten Bedingungen bei Verhandlungen in Aussicht stellten. Finanzierung In Deutschland: Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die Hamas ist eine terroristische Organisation, verf\u00fcgt aber neben ihrem paramilit\u00e4rischen Arm, den Izzedin AlQassam-Brigaden, \u00fcber eine Partei und ein soziales Hilfswerk. Sie ist f\u00fcr zahlreiche Selbstmordattentate und Raketenangriffe auf israelisches Gebiet verantwortlich. Die Feindschaft gegen\u00fcber Israel wird begleitet von einem virulenten Antisemitismus, der auch in der Charta der Hamas deutlich zum Ausdruck kommt. Als weiteres Ziel verfolgt die Hamas Muslimbruderschaft. Da sich diese Bestrebungen gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung richten, unterliegen sie nach SS 3 Abs. 1 Nr. 4 VSG NRW der Beobachtung durch den Verfassungsschutz. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Im Mai 2017 ver\u00f6ffentlichte die Hamas ein neues Grundsatzdokument. Es stellt jedoch keine wesentliche Abweichung gegen\u00fcber der urspr\u00fcnglichen Hamas-Charta von 1987 dar. Die Organisation zeigt sich in dem neu verfassten Dokument einerseits grunds\u00e4tzlich dazu bereit, einen pal\u00e4stinensischen Staat in den Grenzen von 1967 hinzunehmen und betont, dass sich ihr Widerstand nicht gegen die j\u00fcdische Religion, sondern ausschlie\u00dflich gegen den Staat Israel richte, gleichzeitig wird jedoch an einer vollkommenen Befreiung Pal\u00e4stinas vom \"Jordan bis zum Mittelmeer\" und am bewaffneten Widerstand festgehalten , wobei der \"zionistischen Entit\u00e4t\" jegliche Anerkennung zu verweigern sei. Am 15. April 2017 fand in Rotterdam/Niederlande die 15. Europakonferenz des Hamas-nahen Palestinian Return Center (PRC) statt. Mit circa 5.000 Personen war gegen\u00fcber 2016 eine 107","verringerte Teilnehmerzahl (17.000 in Malm\u00f6) zu verzeichnen. Aus Deutschland nahmen bis zu 1000 Personen teil. Hauptorganisator der Konferenz war das PRC London mit Unterst\u00fctzung und in Zusammenarbeit mit der Pal\u00e4stinensischen Gemeinschaft in Deutschland e.V. (PGD).Die Konferenz stand unter dem Motto\"100 Jahre, eine siegreiche Nation und unzerbrechliche Entschlossenheit\". Am 26. Juli 2017 verk\u00fcndete der Gerichtshof der Europ\u00e4ischen Union (EuGH) sein Urteil zur Listung der Hamas auf der \"EU-Terrorliste\". Die Gro\u00dfe Kammer des EuGH hob die Entscheidung der vorherigen Instanz, dem Gericht der Europ\u00e4ischen Union (EuG), aus dem Jahr 2014 auf, in der die Listung der Hamas aus formellen Gr\u00fcnden f\u00fcr nichtig erkl\u00e4rt worden war. Der fortw\u00e4hrende Nahost-Konflikt zwischen Israel und der Hamas im Gaza-Streifen beherrschte im Berichtszeitraum weiterhin die Aktivit\u00e4ten der Hamas. Die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels am 6. Dezember 2017 durch den US-Pr\u00e4sidenten Donald Trump f\u00fchrte zu zahlreichen und harschen Reaktionen aus der arabischen und islamischen Welt. Hamas-F\u00fchrer Ismail Hanija nahm die Anerkennung zum Anlass, eine neue Intifada 2 auszurufen. Bei den in Deutschland lebenden Pal\u00e4stinensern l\u00f6ste die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels Wut und Emp\u00f6rung aus, insbesondere unter den Hamas-Anh\u00e4ngern. Daraufhin folgten zahlreiche Demonstrationen in Deutschland und auch in Nordrhein-Westfalen, die teilweise durch Hamas-Anh\u00e4nger organisiert und mit Unterst\u00fctzung der PGD und anderer Organisationen durchgef\u00fchrt wurden. Die Kundgebungen in D\u00fcsseldorf, K\u00f6ln, Bonn, Hagen und Recklinghausen verliefen hochemotional, vereinzelt kam es zu antisemitischen Vorf\u00e4llen.. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Deutschland und NRW dienen den hier lebenden Hamas-Anh\u00e4ngern weiterhin als R\u00fcckzugsraum. Die Organisation konzentriert sich hierzulande darauf, Spendengelder zu generieren, die Anh\u00e4ngerschaft zu vergr\u00f6\u00dfern und ihre Propaganda zu verbreiten. An einem gewaltsamen Auftreten haben sie daher grunds\u00e4tzlich kein Interesse, was auch bei den genannten Kundgebungen deutlich wurde. Noch ist nicht abzusehen, wie sich die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch die USA, die nachfolgend ausgerufene Intifada und der im Oktober 2017 gestartete Vers\u00f6hnungsprozess zwischen den verfeindeten Pal\u00e4stinenserorganisationen Fatah (Westjordanland) und Hamas (Gazastreifen) auf den Nahostkonflikt auswirken werden. Eine Zuspitzung des israelisch-pal\u00e4stinensischen Konfliktes kann zuk\u00fcnftig zu weiteren Demonstrationen gegen israelische, j\u00fcdische oder auch amerikanische Einrichtungen f\u00fchren. Eine Gewaltentfaltung durch stark emotionalisierte junge Pal\u00e4stinenser kann nicht ausgeschlossen werden. Zu gezielt gesteuerten Gewaltaufrufen von der Hamas nahestehenden Organisationen und Vereinen in Deutschland liegen keine Erkenntnisse vor. 2 Intifada bezeichnet die zwei Aufst\u00e4nde der Pal\u00e4stinenser in den Jahren 1987 und 2000 gegen Israel. Bei der letzten starben ca. 3000 Pal\u00e4stinenser und 1000 Israelis. 108","Hizb Allah (Partei Gottes) Sitz / Verbreitung Zentren in M\u00fcnster und Hamburg Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1982 Struktur / Repr\u00e4sentanz Seit \u00fcber 20 Jahren ist das Islamische Zentrum (Imam-Mahdi-Zentrum) in M\u00fcnster eine Plattform und Begegnungsst\u00e4tte f\u00fcr Hizb Allah-Anh\u00e4nger in Nordrhein-Westfalen und im Westen Deutschlands. Weitere Schwerpunkte: Raum Essen / Bottrop, Dortmund und Bad Oeynhausen. Mitglieder / Anh\u00e4nger / Unterst\u00fctzer 2017 Bund: 950 NRW: 105 (nur leichter Anstieg gegen\u00fcber dem Vorjahr) Ver\u00f6ffentlichungen Mehrsprachiges Web-Angebot Kurzportrait / Ziele Die paramilit\u00e4rische schiitische Hizb Allah formierte sich 1982 als Reaktion auf den Einmarsch israelischer Truppen im Libanon. Die Organisation profitierte dabei vor allem von der iranischen Intervention w\u00e4hrend des libanesischen B\u00fcrgerkriegs. Finanzierung Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Mit finanzieller und logistischer Unterst\u00fctzung durch den Iran strebte die Hizb Allah in den ersten Jahren die Errichtung eines islamischen Gottesstaates nach iranischem Muster auf libanesischem Boden an. Sie wurde zu einer militanten Sammlungsbewegung libanesischer Schiiten, die \u00fcber ein umfangreiches Waffenarsenal - einschlie\u00dflich schweren Kriegsmaterials - verf\u00fcgt. Die Organisation hat sich im weiteren Verlauf auf eine pragmatische, auf die Festigung ihres Einflusses bedachte Linie hin ausgerichtet. Die Hizb Allah ist mittlerweile gesellschaftlich und politisch ein bedeutender Akteur im Libanon. Im Gegenzug musste sie jedoch Teile ihres extremistischen Forderungskataloges aufgeben. Mit ihrer erfolgreichen Teilnahme an den libanesischen Parlamentswahlen und ihrer Integration in den politischen Prozess gelang es der Hizb Allah, sich in der Wahrnehmung der libanesischen \u00d6ffentlichkeit als legalistische Organisation zu verstetigen. Ihre Maximen einer Vernichtung des Staates Israel sowie die Errichtung einer \"islamischen Herrschaft\" \u00fcber Jerusalem sind allerdings bis heute unver\u00e4ndert. Um diese Ziele zu erreichen, bedient sich die Hizb Allah auch terroristischer Mittel. Seit Jahren ist sie f\u00fcr Anschl\u00e4ge im n\u00f6rdlichen Israel verantwortlich und stellt damit eine unmittelbare Bedrohung f\u00fcr den Staat Israel dar. Bei der Hizb Allah handelt es sich weiterhin um eine international gut vernetzte terroristische Organisation, die aufgrund ihrer gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung gerichteten Aktivit\u00e4ten vom nordrhein-westf\u00e4lischen Verfassungsschutz auf der Grundlage des SS 3 Abs. 1 Nr. 4 VSG NRW beobachtet wird. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum 109","Durch den syrischen B\u00fcrgerkrieg ist die Hizb Allah derzeit auf den Einsatz von K\u00e4mpfern auf Seiten der syrischen Regierungstruppen fokussiert. Neben der Unterst\u00fctzung Syriens und des Irans in der Region binden die Sicherung der Grenzgebiete im Libanon und die Versorgung der eigenen Anh\u00e4nger einen Gro\u00dfteil der Ressourcen. Deutschland stellt f\u00fcr die Organisation einen Operationsraum dar, der f\u00fcr logistische Unterst\u00fctzungsleistungen, wie u. a. die Generierung von Finanzmitteln und die Rekrutierung neuer Mitglieder, genutzt werden kann. Sollten sich die aktuellen Hinweise auf Waffenbeschaffungsaktivit\u00e4ten der Hizb Allah auch f\u00fcr den deutschen Raum best\u00e4tigen, w\u00fcrde dies die Annahme best\u00e4tigen, dass auch weiterhin Anschl\u00e4ge der Hizb Allah im europ\u00e4ischen Raum m\u00f6glich sind. Dennoch liegen dem Verfassungsschutzverbund momentan keine konkreten Erkenntnisse zu einer von der Hizb Allah ausgehenden Bedrohung f\u00fcr israelische und westliche Interessen in Deutschland vor. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die Hizb Allah-Anh\u00e4nger in Deutschland halten sich weiterhin mit \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktionen zur\u00fcck. Eine \u00c4nderung dieses Verhaltens in Deutschland kann auch im Hinblick auf die aktuelle Lage im Nahen und Mittleren Osten (insbesondere in Syrien) bislang nicht festgestellt werden. 110","Hizb ut-Tahrir (Islamische Befreiungspartei - HuT) Sitz / Verbreitung Regionale Schwerpunkte in Nordrhein-Westfalen derzeit nicht erkennbar Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1952 Struktur / Repr\u00e4sentanz In der Bundesrepublik Deutschland ist die HuT in verschiedene Regionen aufgeteilt; in diesen Regionen existieren streng voneinander abgeschottete Kleinstgruppen (Zellen), die sich durch ein \u00e4u\u00dferst konspiratives Verhalten auszeichnen. Mitglieder / Anh\u00e4nger / Unterst\u00fctzer 2017 35 Ver\u00f6ffentlichungen Mehrsprachiges Web-Angebot Kurzportrait / Ziele Die Hizb ut-Tahrir (HuT) wurde 1952 von dem Rechtsgelehrten Scheikh Taqi al-Din al-Nabhani, einem ehemaligen Mitglied der \u00e4gyptischen und pal\u00e4stinensischen Muslimbruderschaft, gegr\u00fcndet. Es handelt sich um eine pan-islamistische Bewegung, die sich an alle Muslime richtet. Vorrangige Ziele der Organisation sind die Wiedereinf\u00fchrung des 1924 durch die Republik T\u00fcrkei abgeschafften Kalifats und die Errichtung eines islamischen Staats unter F\u00fchrung eines Kalifen. Dieser soll die Scharia als Grundlage und Ma\u00dfstab staatlichen Handelns im Kalifat durchsetzen. S\u00e4kulare Staatsformen stehen hierzu im Widerspruch und werden bek\u00e4mpft. Islam und Demokratie sind f\u00fcr die HuT nicht miteinander vereinbar. Zur Durchsetzung ihrer Ziele versucht die HuT vor allem einflussreiche Pers\u00f6nlichkeiten und Akademiker zu rekrutieren, die ihre herausgehobene gesellschaftliche Position zur gezielten Einflussnahme im Sinne der HuT instrumentalisieren sollen. Finanzierung Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die HuT unterliegt in Deutschland einem Bet\u00e4tigungsverbot. Am 19. Juni 2012 hat der Europ\u00e4ische Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte (EGMR) die Klage der HuT gegen das vom Bundesminister des Innern im Januar 2003 ausgesprochene Bet\u00e4tigungsverbot f\u00fcr unzul\u00e4ssig erkl\u00e4rt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die HuT dem Staat Israel das Existenzrecht abgesprochen habe. Sie habe den Sturz von Regierungen in islamisch ausgerichteten Staaten gefordert. Diese sollen durch ein auf den Regeln der Scharia basierendes Kalifat ersetzt werden. Diese Ziele der HuT laufen den Grunds\u00e4tzen der Europ\u00e4ischen Menschenrechtskonvention zuwider. Die Organisation konnte sich bei ihrer Klage nicht auf das in Art. 11 EMRK bestimmte Recht auf Versammlungsund Vereinigungsfreiheit berufen. Die HuT kennzeichnet ein besonders stark ausgepr\u00e4gter Antisemitismus. Juden, aber auch Christen, gelten entgegen der mehrheitlich von islamischen Gelehrten vertretenen Meinung als Ungl\u00e4ubige. Ihre Lebensform sei 111","abzulehnen. Mit ihnen sollte m\u00f6glichst kein Kontakt gehalten werden, da sie ein B\u00fcndnis mit dem Ziel eingegangen seien, den Islam zu zerst\u00f6ren. Grundlage f\u00fcr die Beobachtung durch den Verfassungsschutz ist nach SS 3 Abs. 1 Nr. 4 VSG NRW die Agitation gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum \u00d6ffentliche Veranstaltungen der HuT sind im Berichtszeitraum nicht durchgef\u00fchrt worden. Das Bet\u00e4tigungsverbot wurde dahingehend eingehalten. Von konspirativen Treffen in Kleingruppen wird weiterhin ausgegangen. Dar\u00fcber hinaus ist eine Verlagerung von Aktivit\u00e4ten in die sozialen Netzwerke zu beobachten. Dass die HuT weiterhin Deutschland im Blick beh\u00e4lt, verdeutlicht eine im August 2017 ver\u00f6ffentlichte Stellungnahme des im Libanon ans\u00e4ssigen Medienb\u00fcros der HuT zur Verurteilung des Salafisten Sven Lau durch das Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf. Darin findet sich der Vorwurf, dass Sven Lau aufgrund einer unzul\u00e4nglichen Beweislage verurteilt worden sei und die Entscheidung des Gerichts ausschlie\u00dflich politisch motiviert sei. Dahinter stehe das Ziel, die \"islamische Revolution in Syrien\" zu kriminalisieren und die innermuslimische Solidarit\u00e4t zu vernichten. Die HuT ruft dementsprechend zum Kampf gegen \"s\u00e4kulare Diktatoren\" in der islamischen Welt auf, von dem man sich nicht durch weltliche Gerichte abhalten lassen d\u00fcrfe. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die Nutzung sozialer Netzwerke wird immer wichtiger f\u00fcr die Verbreitung des Gedankengutes der HuT und zur Gewinnung neuer Anh\u00e4nger. Diese Verlagerung k\u00f6nnte ein Indiz daf\u00fcr sein, dass eine Abkehr von der bisherigen Strategie der Elitenrekrutierung stattfindet, obwohl weiterhin von einer Mitgliederwerbung an Hochschulen auszugehen ist. 112","Kalifatsstaat (Hilafet Devleti) Sitz / Verbreitung Vereinsstrukturen sind verboten, fr\u00fcherer Hauptsitz in K\u00f6ln Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1984 Struktur / Repr\u00e4sentanz Keine offen erkennbaren Strukturen, aber mehrere islamische Gemeinden, die sich weiterhin der Ideologie des Kalifatsstaats verpflichtet f\u00fchlen Mitglieder / Anh\u00e4nger / Unterst\u00fctzer 2017 220 in NRW Ver\u00f6ffentlichungen Muhacirun (Auswanderer) Mehrere Web-Angebote Kurzportrait / Ziele Im Jahre 1984 gr\u00fcndete Cemaleddin Kaplan (1926 - 1995) nach Losl\u00f6sung von der Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung den Verband der islamischen Vereine und Gemeinden e.V. (ICCB) in K\u00f6ln. Der Kalifatsstaat war eine am F\u00fchrerprinzip orientierte und streng hierarchisch gegliederte Organisation. Ziel der Organisation war die Weltherrschaft des Islam unter dem Kalifat seines letzten Anf\u00fchrers Metin Kaplan. Finanzierung Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Der Kalifatsstaat wurde im Jahr 2001 wegen Versto\u00dfes gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung und den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung sowie Gef\u00e4hrdung der inneren Sicherheit in Deutschland durch den Bundesminister des Innern verboten. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum \u00d6ffentliche Veranstaltungen sind f\u00fcr den Kalifatsstaat nicht festzustellen, die Anh\u00e4nger kommen jedoch nach wie vor an einschl\u00e4gigen Treffpunkten zusammen und berufen sich dabei in unterschiedlicher Intensit\u00e4t auf die Ideologie des Kalifatsstaats. Unklar ist immer noch, welche Folgen die Haftentlassung Metin Kaplans im Jahr 2016 auf die Anh\u00e4nger in Deutschland haben wird. Bisher lie\u00dfen sich keine erfolgreichen Reorganisationsbestrebungen und auch keine nennenswerte Intensivierungen der Aktivit\u00e4ten feststellen Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die Fraktionierung der Anh\u00e4ngerschaft ist nach wie vor erkennbar, ebenso die Abwanderungstendenzen in den Salafismus. Ob Metin Kaplan diesen beiden Entwicklungen von der T\u00fcrkei aus entgegenwirken kann, bleibt abzuwarten, erscheint jedoch zunehmend fraglich. 113","Muslimbruderschaft (unter anderem IGD) Sitz / Verbreitung Hauptsitz in K\u00f6ln Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1928, in Deutschland seit den 1960er Jahren Struktur / Repr\u00e4sentanz Die Islamische Gemeinschaft in Deutschland (IGD) geh\u00f6rt zu den Gr\u00fcndungsmitgliedern der F\u00f6deration islamischer Organisationen in Europa (FIOE), die als Sammelbecken f\u00fcr Organisationen der Muslimbruderschaft in Europa gilt. Seit Ende 2010 hat die IGD ihren Sitz in K\u00f6ln. Mitglieder / Anh\u00e4nger / Unterst\u00fctzer 2017 65 Ver\u00f6ffentlichungen Verschiedene Internetseiten und Auftritte in sozialen Netzwerken (auch deutschsprachig). Kurzportrait / Ziele Die 1928 von Hassan al-Banna in \u00c4gypten gegr\u00fcndete Muslimbruderschaft (MB) ist die einflussreichste und \u00e4lteste islamistische Bewegung des modernen politischen Islam. Als pan-islamisch ausgerichtete Organisation ist sie nicht nur in allen arabischen Staaten, sondern nach eigenen Angaben in 70 L\u00e4ndern weltweit vertreten. Sie verfolgt das Ziel, einen islamischen Staat zu gr\u00fcnden beziehungsweise bestehende Staatssysteme durch Unterwanderung zu \u00fcbernehmen und in ihrem Sinne umzugestalten. Finanzierung Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Ziel der MB ist die Umgestaltung der L\u00e4nder mit islamischer Mehrheitsbev\u00f6lkerung in Staaten mit islamistischem Regierungssystem auf der Grundlage der Scharia sowie der islamischen Rechtsund Lebensordnung. Gewalt wird zur Durchsetzung dieses Ziels nicht ausgeschlossen, ist aber kein vorrangiges Mittel. Die MB lehnt s\u00e4kulare demokratische Staatssysteme ab, beziehungsweise akzeptiert sie nur als \u00dcbergangsl\u00f6sung. Eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz erfolgt aufgrund der Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung und den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung auf SS 3 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 4 VSG NRW. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum In Nordrhein-Westfalen betreibt die IGD in verschiedenen St\u00e4dten Vereine mit angeschlossenen Moscheen. Dazu kommen Einrichtungen, die eine N\u00e4he zur Ideologie der Muslimbruderschaft aufweisen. Die Finanzierung generiert sich aus Spenden, Mitgliedsbeitr\u00e4gen sowie dem Verkauf von Publikationen. Die IGD tritt zumeist nur bei gr\u00f6\u00dferen Veranstaltungen \u00f6ffentlich wirksam auf, wobei sich stets auf Verfassungskonformit\u00e4t berufen wird. Von Verbindungen zur MB distanziert sich die IGD. Vertreter der 114","Organisationen weisen immer wieder \u00f6ffentlich darauf hin, dass sich hier lebende Muslime vom islamistischen Terrorismus zu distanzieren und die Gesetze des Gastlandes zu beachten haben. Bewertung, Tendenzen, Ausblick In \u00c4gypten ist die Muslimbruderschaft seit dem 23. September 2013 durch Gerichtsbeschluss verboten. Die Regierung h\u00e4lt an ihrer Einstufung der Organisation als Terrororganisation fest und reagiert mit massiver Repression auf deren Aktivit\u00e4ten. Bei den Pr\u00e4sidentschaftswahlen im M\u00e4rz 2018 wurde der bisherige Pr\u00e4sident alSisi im Amt best\u00e4tigt. Die Lage der Muslimbruderschaft in \u00c4gypten d\u00fcrfte sich somit nicht ver\u00e4ndern. Auch in anderen islamischen L\u00e4ndern besteht Verfolgungsdruck gegen\u00fcber Anh\u00e4ngern der jeweiligen nationalen Ableger der MB. Die IGD ist in Deutschland bem\u00fcht, f\u00fcr Politik, Beh\u00f6rden und Sozialpartner als Ansprechpartner eines gem\u00e4\u00dfigten, weltoffenen Islam in Erscheinung zu treten. Vor dem Hintergrund der politischen Situation im Ursprungsland der MB muss die weitere Entwicklung der IGD im Blick behalten werden. 115","Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung Sitz / Verbreitung T\u00fcrkei / Deutschland Gr\u00fcndung / Bestehen seit ca. 1969 Struktur / Repr\u00e4sentanz Parteistrukturen der Saadet Partisi mit Zentrale in K\u00f6ln. Dar\u00fcber hinaus weiteres Anh\u00e4ngerpotenzial, das sich im Organisationsgrad unterscheidet. Der Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung sind dar\u00fcber hinaus die Erbakan Vakfi (Erbakan Stiftung) sowie die Organisation Bielefeld Sultan Fatih Genclik zuzurechnen. Mitglieder / Anh\u00e4nger / Unterst\u00fctzer 2017 250 in NRW Ver\u00f6ffentlichungen Mehrere Web-Angebote Kurzportrait / Ziele Die ideologischen Wurzeln der Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung gehen auf die ideologischen Ausarbeitungen und Ideen des am 27. Februar 2011 verstorbenen t\u00fcrkischen Politikers und ehemaligen Ministerpr\u00e4sidenten der T\u00fcrkei Prof. Dr. Necmettin Erbakan zur\u00fcck. Die Kerngedanken dieser Ideologie sind die Schl\u00fcsselbegriffe \"Milli G\u00f6r\u00fcs\" (Nationale Sicht) und \"Adil D\u00fczen\" (Gerechte Ordnung). Nach der von Erbakan entwickelten Ideologie ist die Welt zweigeteilt: Einerseits in die auf dem Wort Gottes fu\u00dfende religi\u00f6s-islamische gerechte Ordnung (Adil D\u00fczen), andererseits in die von Menschen entworfene westliche Ordnung mit angeblicher Gewalt, Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung (Batil D\u00fczen - Nichtige Ordnung). Zum \"Wohl der Menschheit\" soll diese Zweiteilung \u00fcberwunden und die westliche Ordnung durch die \"gerechte Ordnung\" ersetzt werden. Dabei ist das erste Ziel der \"Mission\" von Milli G\u00f6r\u00fcs, diese \"gerechte Ordnung\" in der T\u00fcrkei durchzusetzen. Das Land soll dadurch in jeder Hinsicht erstarken und danach die \"Mission\" in die Welt hinausgetragen werden. Trotz eines zum Teil martialischen Vokabulars hat die Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung innerhalb und au\u00dferhalb der T\u00fcrkei ihre Ziele stets ausschlie\u00dflich mit politischen Mitteln verfolgt. Finanzierung Spenden und Mitgliedsbeitr\u00e4ge Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die Umsetzung des \"Adil D\u00fczen\"-Konzepts als Ziel der politischen Bewegung Milli G\u00f6r\u00fcs ist mit den Grundprinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung nicht vereinbar. Dar\u00fcber hinaus treten antisemitische Einstellungen sowohl in \"Adil D\u00fczen\" als auch bei \u00c4u\u00dferungen Necmettin Erbakans und einiger Milli G\u00f6r\u00fcs-Funktion\u00e4re deutlich zu Tage. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum 116","Unterschiedliche Verb\u00e4nde der Saadet Partisi (SP) laden immer wieder zu Vortragsveranstaltungen ein, bei denen einschl\u00e4gig bekannte Referenten auftreten. H\u00f6hepunkt war in diesem Jahr eine Gro\u00dfveranstaltung am 07.10.2017 in Leverkusen, bei der sich eine gr\u00f6\u00dfere Zahl von SP-Anh\u00e4ngern aus ganz Europa versammelte und auch die Parteispitze aus der T\u00fcrkei anreiste. Dar\u00fcber hinaus sind aus der Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung und ihrem Umfeld immer wieder auch antisemitische T\u00f6ne zu vernehmen. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die Saadet Partei verf\u00fcgt mittlerweile \u00fcber schwach ausgebildete, aber funktionsf\u00e4hige Strukturen, wobei die einzelnen regionalen Ableger unterschiedliche Aktivit\u00e4ten entfalten. Die Anh\u00e4nger der Partei zeigen sich darum bem\u00fcht, die Ideen Erbakans weiterzutragen, was sich auch in entsprechenden Veranstaltungen widerspiegelt. 117","Islamistische nordkaukasische Szene (INS) Sitz / Verbreitung Einzelmitglieder in Deutschland Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1991 als international nicht anerkannte Tschetschenische Republik Itschkerien, seit 2007 Kaukasisches Emirat Struktur / Repr\u00e4sentanz Keine gefestigten Strukturen in Nordrhein-Westfalen Mitglieder / Anh\u00e4nger / Unterst\u00fctzer 2017 70 Ver\u00f6ffentlichungen Einzelne Ver\u00f6ffentlichungen im Internet, Austausch in sozialen Netzwerken Kurzportrait / Ziele Mit dem Zerfall der UdSSR 1991 und im Zuge der Unabh\u00e4ngigkeit der s\u00fcdkaukasischen Staaten Armenien, Aserbaidschan und Georgien entstand im n\u00f6rdlichen Kaukasus, vor allem in Tschetschenien, eine separatistische Bewegung mit dem Ziel einer Losl\u00f6sung von Russland. Finanzierung Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Das Kaukasische Emirat hat das Ziel, die russische Armee mit Gewalt zum R\u00fcckzug aus Tschetschenien zu zwingen und im Nordkaukasus einen Islamischen Staat zu errichten. Dabei werden auch terroristische Mittel eingesetzt. Im Juni 2013 wurde das Kaukasische Emirat durch das Bundesministerium der Justiz als ausl\u00e4ndische terroristische Vereinigung eingestuft und eine Erm\u00e4chtigung zur strafrechtlichen Verfolgung ausgesprochen. Deutschland dient den Anh\u00e4ngern der Bewegung prim\u00e4r zur Akquirierung finanzieller und logistischer Unterst\u00fctzung. Da die Strukturen des Kaukasischen Emirates zerfallen und in Deutschland eine sehr heterogene Szene zu beobachten ist, wird in der Berichterstattung des Verfassungsschutzes von der Islamistischen nordkaukasischen Szene (INS) gesprochen. Die INS betreibt in Nordrhein-Westfalen Propaganda f\u00fcr die Bewegung im Nordkaukasus. Sie verf\u00fcgt hier \u00fcber keine festen Strukturen. Einzelne, zum Teil herausragende Personen der INS sind in Nordrhein-Westfalen jedoch f\u00fcr die Organisation in \u00fcberregionalen Zusammenh\u00e4ngen aktiv. Der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen beobachtet das Kaukasische Emirat auf der Grundlage des SS 3 Abs. 1 Nr. 3 VSG NRW, da die Bestrebung die ausw\u00e4rtigen Belange der Bundesrepublik Deutschland durch die Anwendung von Gewalt und darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen gef\u00e4hrdet. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Die nordkaukasische islamistische Szene hat sich in den vergangenen zwei Jahren deutlich ver\u00e4ndert. Es zeigt sich gerade unter der j\u00fcngeren Generation der Tschetschenen, dass die Unterst\u00fctzungsleistungen f\u00fcr das 118","Kaukasische Emirat kaum noch wahrnehmbar sind. Bis 2015 stand die ideelle und materielle Unterst\u00fctzung separatistischer Bestrebungen und Aktivit\u00e4ten im Nordkaukasus im Vordergrund. Seit dem Treueeid der meisten Emire des Kaukasischen Emirates im Juni 2015 auf Abu Bakr al-Baghdadi, den Emir des sogenannten Islamischen Staates (IS), ist eine sp\u00fcrbare Hinwendung zu global-jihadistischen Organisationen, insbesondere zum sogenannten Islamischen Staat (IS), und au\u00dferhalb des Nordkaukasus liegenden Jihad-Gebiete zu beobachten. Eine Orientierung der Anh\u00e4nger zum Salafismus ist deutlich erkennbar. Diese beteiligen sich beispielsweise an Koranverteilungen wie der mittlerweile verbotenen Lies!-Kampagne, an Islamseminaren und Spendensammlungen. In Nordrhein-Westfalen kommt es im Umfeld von tschetschenischen F\u00fchrungsfiguren immer wieder zu Radikalisierung junger M\u00e4nner und jihadistisch motivierten Ausreisen. Durch die anhaltende Schw\u00e4che des sogenannten Islamischen Staat (IS) nahmen seit 2016 die Ausreisen von Tschetschenen aus Nordrhein-Westfalen in die Jihad-Gebiete deutlich ab. Die Zukunft des Kaukasischen Emirates ist seit dem Tod seines letzten Emirs Magomed Suleymanov (AliasName: Abu Usman Gimrinski) im August 2015 ungewiss. Es gilt seitdem als f\u00fchrungslos. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Aufgrund fehlender F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten sind sowohl beim \u00dcberbleibsel des Kaukasischen Emirates als auch bei der im Juni 2015 gegr\u00fcndeten administrativen Einheit \"Provinz Kaukasus\" des sogenannten IS keine klaren Strukturen erkennbar. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Durch die anhaltende Schw\u00e4che und den Machtverlust des sogenannten Islamischen Staates (IS) in den JihadGebieten Syrien und Irak, die Situation in Tschetschenien und den unmittelbaren Nachbarl\u00e4ndern im Kaukasus sowie das im Zusammenhang mit der Fu\u00dfballweltmeisterschaft im Sommer 2018 in Russland zu erwartende verst\u00e4rkte repressive Vorgehen dortiger Sicherheitsbeh\u00f6rden ist mit einem Anwachsen der tschetschenischen Diaspora in Deutschland zu rechnen. Ein erh\u00f6htes Radikalisierungspotenzial von Teilen der extremistischen tschetschenischen Szene in Nordrhein-Westfalen ist nicht auszuschlie\u00dfen. Die Verbindungen zu jihadistischen salafistischen Netzwerken werden dadurch voraussichtlich noch enger. 119","T\u00fcrkische Hizbullah (TH) Sitz / Verbreitung T\u00fcrkei Gr\u00fcndung / Bestehen seit Struktur / Repr\u00e4sentanz Mehrere Gemeinden in NRW, die sich jedoch nicht offen zur TH bekennen Mitglieder / Anh\u00e4nger / Unterst\u00fctzer 2017 100 in NRW Ver\u00f6ffentlichungen Publikationen: Yeni M\u00fcjde (Neue Frohe Botschaft), (Warnung), Dogru Haber (Richtige Nachricht), Kelhaamet (Pr\u00e4chtiges Diyarbakir), Kendi Dilinden Hizbullah (Die Hizbullah in eigenen Worten); Mehrere Web-Angebote Kurzportrait / Ziele Anfang der 1980er Jahre bildeten sich unter sunnitischen Kurden in der T\u00fcrkei Gruppierungen heraus, die f\u00fcr die Errichtung einer auf strikter Befolgung von Koran und Scharia gegr\u00fcndeten \"islamischen Herrschaft\" eintraten und sich gegen den s\u00e4kularen t\u00fcrkischen Staat wandten. Aus einer dieser Gruppierungen entwickelte sich die Hizbullah (Partei Gottes), die vor allem seit Beginn der 1990er Jahre zur Erreichung ihrer politischen Ziele gegen interne Abweichler, gegen die kurdische Separatistenorganisation PKK (Arbeiterpartei Kurdistans), gegen liberale Journalisten und gegen Vertreter des t\u00fcrkischen Staates Gewalt anwendete. Im Januar 2000 wurde H\u00fcseyin Velioglu, der Anf\u00fchrer der sogenannten T\u00fcrkischen Hizbullah, in Istanbul bei einem Schusswechsel mit der Polizei get\u00f6tet. Dieser Vorfall und weitere Exekutivma\u00dfnahmen der t\u00fcrkischen Polizei, bei denen mehrere Funktion\u00e4re der Organisation und zahlreiche Mitglieder festgenommen und inhaftiert wurden, f\u00fchrten zu einer empfindlichen Schw\u00e4chung der Hizbullah. Zugleich wurde aus Papieren und Videoaufzeichnungen, die in ihren Archiven gefunden wurden, deutlich, in welch gro\u00dfem Ausma\u00df die Organisation Entf\u00fchrungen, Morde und andere Gewalttaten ver\u00fcbt hatte. Zahlreiche Aktivisten der TH setzten sich daraufhin nach Europa und insbesondere nach Deutschland ab. Finanzierung Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit In der 2004 erschienenen Schrift Kendi Dilinden Hizbullah stellt ihr Verfasser, ein Funktion\u00e4r der T\u00fcrkischen Hizbullah, die Verbrechen der Organisation als Akt der Selbstverteidigung dar. Der Autor beschreibt zwei Entwicklungsphasen: Die erste Phase habe von 1979 bis 1991 gedauert. Es stand die Propagandat\u00e4tigkeit, Anh\u00e4ngergewinnung, Strukturierung und Schulung im Vordergrund. Eine zweite Phase folgte von 1991 bis 2000. Sie zeichnete sich durch den bewaffneten Kampf gegen die PKK, interne Abweichler und den t\u00fcrkischen Staat aus. 120","In ihrer Zielsetzung verbindet die T\u00fcrkische Hizbullah eine islamistische mit einer kurdisch-nationalen Agenda. Im ideologischen Hauptwerk Kendi Dilinden Hizbullah sind die Grundprinzipien der TH dargelegt. Die T\u00fcrkische Hizbullah sieht die Uneinigkeit der islamischen Welt und die Herrschaft nicht-islamischer Regime als Ursache aller Probleme an. Ihr erkl\u00e4rtes Ziel ist es, dies zu \u00e4ndern und den Islam zur Herrschaft zu bringen. Zu ihren Feindbildern geh\u00f6ren neben den internen Abweichlern, der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und der Republik T\u00fcrkei auch die \"imperialistischen\" und \"zionistischen M\u00e4chte\", also die westliche Staatengemeinschaft und Israel. Sie werden f\u00fcr die Unterdr\u00fcckung der Muslime verantwortlich gemacht. Hauptziel der TH ist die Beseitigung des laizistischen Staatssystems in der T\u00fcrkei und langfristig die Errichtung eines islamistischen Regimes. Im Januar 2012 ver\u00f6ffentlichten TH-nahe Internetseiten ein Manifest, das die Gruppe auf eine neue ideologische Grundlage stellte. Darin wird unter anderem klargestellt, dass man die anvisierten Ziele nur noch gewaltfrei und auf legalem Wege erreichen wolle. Eine \"Sch\u00e4digung der Muslime\" oder die Besetzung \"islamischen Bodens\" wolle man jedoch nicht hinnehmen und werde in solchen F\u00e4llen vom legitimen Recht der Selbstverteidigung Gebrauch machen. Zentrales Ziel der TH bleibt jedoch nach wie vor eine islamische Herrschaftsordnung, weshalb in dem erw\u00e4hnten Manifest auch jene Regierungen, die dem Islam - aus Sicht der TH - nicht im gebotenen Umfang Geltung verschaffen, als unislamisch bezeichnet werden. Das Manifest kann somit als offizielle Abkehr von den gewaltsamen Aktivit\u00e4ten der 1990er-Jahre gedeutet werden und belegt insofern einen faktisch bereits lange vorher vollzogenen Strategiewandel. Zugleich wird aber auch sehr deutlich, dass damit keine Abkehr von der extremistischen Zielsetzung einhergeht. Die Beobachtung der TH st\u00fctzt sich wegen Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung und den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung auf SS 3 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 4 VSG NRW. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum TH-nahe Vereine entfalten ihre Aktivit\u00e4ten, ohne dabei Bez\u00fcge zur Organisation nach au\u00dfen zu tragen. Ihre Anh\u00e4nger bleiben dabei weitestgehend unter sich, eine nennenswerte Au\u00dfenwirkung ist nicht feststellbar. Dementsprechend zeigt die Organisation keine Ambitionen auf eine intensivere Mitgliederwerbung und eine damit einhergehende Expansion. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die TH agiert in Deutschland weiterhin im Verborgenen. Sie ist darum bem\u00fcht, ihre Aktivit\u00e4ten so weit wie m\u00f6glich zu verschleiern. In der T\u00fcrkei tritt die TH mittlerweile wieder offener auf und verf\u00fcgt dort bereits \u00fcber einen gewissen Bewegungsspielraum. Seit Ende 2012 existiert mit der H\u00fcr Dava Partisi (H\u00fcda Par) in der T\u00fcrkei eine politische Partei, der nachgesagt wird, der TH nahe zu stehen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist allerdings nicht erkennbar, dass sie diese Strategie auch in Europa oder Deutschland verfolgt. 121","Furkan-Gemeinschaft Sitz / Verbreitung Zentrale: Adana (T\u00fcrkei) Deutschland: Zentren in Dortmund und Hamburg Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1994 - Gr\u00fcndung der Furkan Vakfi (Furkan Stiftung) in der T\u00fcrkei, in NRW seit etwa 2011 vertreten 2015 - Gr\u00fcndung des Furkan Kulturund Bildungszentrums e.V. in Dortmund Struktur / Repr\u00e4sentanz Hierarchische Gliederung, an deren Spitze die F\u00fchrung in der T\u00fcrkei steht. Mitglieder / Anh\u00e4nger / Unterst\u00fctzer 2017 rund 40 Ver\u00f6ffentlichungen Zeitschrift Furkan Nesli Dergisi (Magazin der Generation Furkan) Verbreitung von Inhalten \u00fcber die eigene Internetpr\u00e4senz, \u00fcber Videoplattformen und in sozialen Netzwerken Kurzportrait / Ziele Die Furkan Stiftung f\u00fcr Bildung und Dienstleistungen () wurde durch den t\u00fcrkischen Bauingenieur Alparslan Kuytul gegr\u00fcndet. Er ist bis heute ihre charismatische F\u00fchrungsfigur. Die Organisation verfolgt das Ziel, eine \"Islamische Zivilisation\" (Islam Medeniyeti) zu begr\u00fcnden, die wesentlich durch das islamische Recht gepr\u00e4gt sein soll und im Widerspruch zu s\u00e4mtlichen anderen Zivilisationsmodellen stehe. Zur Umsetzung bem\u00fcht sich die Bewegung um die Ausbildung und Schulung einer \"Vorreiter Generation\" (\u00d6nc\u00fc Nesil). Sie soll als gesellschaftliche Avantgarde auf das Ziel hinwirken. Finanzierung Mitgliedsbeitr\u00e4ge, Spenden, Eintrittsgelder, Erl\u00f6se aus Veranstaltungen Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die Anh\u00e4nger der Furkan-Gemeinschaft orientieren sich auch in Deutschland vor allem an den Lehren Alparslan Kuytuls, der in den Medienangeboten der Bewegung omnipr\u00e4sent ist. Sein zentrales Anliegen ist die R\u00fcckkehr zu einer \"Islamischen Zivilisation\". Diese soll sich ausschlie\u00dflich an Koran und Sunna (prophetische Tradition) orientieren und Gott das ihm zustehende Recht zur Herrschaft einr\u00e4umen. Dieses Religionsverst\u00e4ndnis kollidiert mit bestehenden Strukturen staatlicher Ordnung. Die Furkan-Gemeinschaft geht davon aus, dass die Demokratie die Rechte Allahs vereinnahme, und die Teilhabe am politischen Prozess zu Kompromissen zwinge, die im Widerspruch zu Gottes Gesetzen st\u00fcnden. Diese d\u00fcrften keinesfalls eingegangen werden. Aus dieser Auffassung resultiert eine prinzipielle Ablehnung der Demokratie, die sich auch im Verbot der Teilnahme an Wahlen widerspiegelt, w\u00e4hrend zugleich der \"Westen\" zum Feindbild stilisiert wird. Als religi\u00f6se Erneuerungsbewegung richtet sich die Furkan-Gemeinschaft zun\u00e4chst vor allem an Muslime. Sie ruft diese dazu auf, ihren Glauben aktiv zu leben und aus einer religi\u00f6sen Motivation heraus als \"Vorreiter-Generation\" 122","zu wirken, indem sie auf die Verwirklichung der \"Islamischen Zivilisation\" hinarbeiten. Zu diesem Zweck solle nicht nur das Wissen \u00fcber die Religion vertieft werden, sondern es sollen auch modernste wissenschaftliche Erkenntnisse gel\u00e4ufig sein. Den Einsatz von Gewalt verneint Kuytul nicht prinzipiell, schlie\u00dft ihn zum jetzigen Zeitpunkt jedoch aus. Ihm erscheine die Anwendung von Gewalt im Augenblick lediglich f\u00fcr die Befreiung \"muslimischer L\u00e4nder\" gerechtfertigt. Als Bewegung, die sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung richtet, unterliegt die FurkanGemeinschaft nach SS 3 Abs.1 Nr. 1 VSG NRW der Beobachtung durch den Verfassungsschutz. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Die Furkan-Gemeinschaft ist weiterhin darum bem\u00fcht, ein umfassendes Bildungsangebot zur Verf\u00fcgung zu stellen um die von ihr propagierte \"Vorreiter-Generation\" zu schulen. Die bisher j\u00e4hrlich stattfindende Konferenz wurde am 14.05.2017 ausgerichtet, fiel jedoch bescheidener aus als in den Vorjahren. Dies ist unter anderem darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass Alparslan Kuytul nicht pers\u00f6nlich nach Deutschland reiste, sondern lediglich einen Vertreter aus der t\u00fcrkischen Mutterorganisation entsandte. Im Berichtszeitraum ist zudem eine deutliche Positionierung der t\u00fcrkischen Regierung gegen die FurkanGemeinschaft erkennbar, die zunehmend Ma\u00dfnahmen gegen die Organisation ergreift. Diese gipfelten Ende Januar 2018 schlie\u00dflich in der Verhaftung Alparslan Kuytuls. Auch unter den in NRW aufh\u00e4ltigen FurkanAnh\u00e4ngern bildet seitdem die Kritik an der Inhaftierung Kuytuls und ein Eintreten f\u00fcr seine Freilassung ein wichtiges Bet\u00e4tigungsfeld. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die Furkan-Gemeinschaft in NRW zeigt sich weiterhin bestrebt, ihren Expansionskurs fortzusetzen und bem\u00fcht sich intensiv um die Rekrutierung neuer Anh\u00e4nger. Die Gruppierung zeigt weiterhin eine starke Fokussierung auf die Person Alparslan Kuytuls, der auch f\u00fcr die hiesigen Anh\u00e4nger die ma\u00dfgebliche Referenz darstellt. Dar\u00fcber hinaus ist eine enge Anbindung an die Mutterorganisation und deren Zentrale im t\u00fcrkischen Adana zu beobachten. Von Relevanz f\u00fcr die weitere Entwicklung wird die Frage sein, wie die Furkan-Gemeinschaft auf die repressiven Ma\u00dfnahmen des t\u00fcrkischen Staates reagiert und ob ihre Strukturen durch diese nachhaltigen Schaden nehmen. 123","Scientology Organisation (SO) Sitz / Verbreitung Zentrale der Scientology Organisation (SO): Los Angeles (USA) Bundesweit: Niederlassungen unter anderem in Berlin, M\u00fcnchen, Hamburg, Hannover, Frankfurt NRW: Scientology Kirche D\u00fcsseldorf und Celebrity Center Gr\u00fcndung / Bestehen seit Die Church of Scientology wurde 1953 durch Lafayette Ron Hubbard (LRH) in den USA gegr\u00fcndet; erste deutsche Niederlassung 1970 in M\u00fcnchen, Niederlassungen in D\u00fcsseldorf seit den 80er Jahren Struktur / Repr\u00e4sentanz Strikter hierarchischer Aufbau und Strukturen mit totalit\u00e4rem Anspruch; Steuerung durch David Miscavige (Nachfolger von Hubbard) aus den USA; Unterst\u00fctzung durch Finanzmittel und politische Einflussm\u00f6glichkeiten innerhalb der USA; diverse kontinentale Verbindungsb\u00fcros zur Kontrolle der Arbeit in den einzelnen L\u00e4ndern; Vorsitzender in Deutschland ist Helmuth Bl\u00f6baum Mitglieder / Anh\u00e4nger / Unterst\u00fctzer 2017 Bund: ca. 3.500 ((Pfeile gleichbleibend)) NRW: ca. 420 ((Pfeile gleichbleibend)) SO gibt die Zahl ihrer Anh\u00e4nger in Deutschland selbst mit rund 12.000 Personen an Ver\u00f6ffentlichungen Internationale Publikationen: unter anderem Impact, Scientology News, Celebrity, Source, Freewinds, OTUniverse, The Auditor, Advance Deutschsprachige Publikation: Freiheit. In Nordrhein-Westfalen verbreitete Publikation: Kompetenz Kurzportrait / Ziele Die Ziele der SO wurden durch den Gr\u00fcnder LRH festgelegt. Nach der Ideologie der SO sind seine Lehren unab\u00e4nderlich und bindend. Eines seiner formulierten Ziele ist \"Clear Planet\". Dies bedeutet, dass alle Menschen der scientologischen Gesellschaft angeh\u00f6ren sollen. Hieraus kann der Schluss gezogen werden, dass die SO so etwas wie eine Weltherrschaft anstrebt. Scientologen teilen die Gesellschaft in \"Nichtabberierte\" und \"Abberierte\" (Nicht-Scientologen) auf. Letztere sind nach ihren Vorstellungen in einzelnen Menschenrechten einzuschr\u00e4nken. Eines der gro\u00dfen Themen in der SO ist die Expansion, auf welche die Mitglieder kontinuierlich eingeschworen werden und zu deren Erreichung SO versucht, Einfluss auf Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zu nehmen. Dabei tritt SO nicht immer offen auf, sondern verbirgt sich h\u00e4ufig bei ihren Aktivit\u00e4ten hinter einer ihrer zahlreichen Tarnorganisationen. Zu diesen Tarnorganisationen geh\u00f6ren unter anderem Der Weg zum Gl\u00fccklichsein, Jugend f\u00fcr Menschenrechte und Sag nein zu Drogen. Mit professionellen Internetpr\u00e4senzen und Themen wie zum Beispiel Drogen und Menschenrechte sprechen sie insbesondere Jugendliche an und nutzen das Internet, um au\u00dferhalb der Einflussm\u00f6glichkeit der Erziehungsberechtigten mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Die Zugeh\u00f6rigkeit einer Tarnorganisation zur SO ist nur schwer erkennbar. Deren hochwertig gestaltete Brosch\u00fcren werden verteilt beziehungsweise an gut zug\u00e4nglichen Stellen wie Beratungsb\u00fcros, Gesch\u00e4ften und Praxen auch mit Zustimmung der Verantwortlichen, die den Zusammenhang mit SO nicht erkennen, ausgelegt. 124","Finanzierung Durchf\u00fchrung von kostenpflichtigen Kursen und Vertrieb von Kursmaterialien im Zusammenhang mit der Verbreitung der Scientology-Ideologie; Spendengelder. Insoweit wird oft ein erheblicher Druck auf Mitglieder ausge\u00fcbt. Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die SO ist seit 1997 Beobachtungsobjekt des Verfassungsschutzes. Die Lehre der SO stellt eine Gefahr f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung dar. Konsequenzen der Lehre sind Einschr\u00e4nkungen wesentlicher Grundund Menschenrechte (wie Meinungsfreiheit und Gleichberechtigung), zudem wird eine Gesellschaft ohne allgemeine und gleiche Wahlen angestrebt. Zur Erreichung ihrer Ziele versucht die Organisation zumeist verdeckt Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zu beeinflussen. Mit der Entscheidung des OVG M\u00fcnster vom 12. Februar 2008 ist die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Beobachtung durch den Verfassungsschutz festgestellt worden. Das Gericht best\u00e4tigte die Auffassung des Verfassungsschutzes, dass die Lehre der Scientology Kirche Deutschland e.V. (SKD) und der Scientology Kirche Berlin e.V. (SKB) eine Gefahr f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung darstellt. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Nach wie vor haben die Schriften des Gr\u00fcnders L. Ron Hubbard zur Schaffung einer Gesellschaft nach scientologischen Vorstellungen G\u00fcltigkeit. Sie werden von der SO in Deutschland auch weiterhin vertrieben und vermittelt. Die Steuerung in das Bundesgebiet \u00fcbernimmt der als Dachverband fungierende SKD mit Sitz in M\u00fcnchen. Die SO unternimmt somit weiterhin Anstrengungen, eine gesellschaftliche Anerkennung zu erreichen und in Deutschland zu expandieren. Im Jahr 2017 konnte sie ihrem Ziel, die scientologische Gesellschaft in Deutschland zu etablieren, jedoch erneut nicht n\u00e4her kommen. Die allgemeinen Mitgliederzahlen in Deutschland stagnieren bei rund 3.500 Personen, auch in Nordrhein-Westfalen ist keine abweichende Entwicklung erkennbar. Bewertung, Tendenzen, Ausblick An der Gefahreneinsch\u00e4tzung zur Organisation, die durch das OVG M\u00fcnster im Jahr 2008 formuliert wurde, hat sich nichts ge\u00e4ndert. Die SO wendet nach wie vor die gleichen Mittel zur Erreichung ihrer Ziele an. Insbesondere die Umwerbung Jugendlicher unter dem Deckmantel von guten Taten (Aufkl\u00e4rung \u00fcber Menschenrechte, F\u00f6rderung von Toleranz und Frieden, Kampf gegen Drogen) ist perfide durchdacht. \u00dcber die Vergabe von Stipendien versucht die SO junge Sportler f\u00fcr ein Studium an ihrer Clearwater International Academy in den USA zu begeistern. Es muss davon ausgegangen werden, dass dies mit dem Ziel geschieht, die Sportler im Laufe dieses Studiums f\u00fcr die Organisation als solche zu werben. Die Kontaktaufnahme von Jugendlichen erfolgt einfach und direkt. Es reicht oftmals eine E-Mail, eine Chatanfrage oder das Ausf\u00fcllen eines Online-Kontaktformulars. In NRW versuchte die SO \u00fcber diesen Weg Sportler mit einem Stipendium zu k\u00f6dern, insbesondere deutsche Footballspieler. Zur eigenen Imagepflege und zur Mitgliederwerbung nutzt die SO vermehrt g\u00e4ngige soziale Netzwerke. Dabei dient das Internet grunds\u00e4tzlich als Werbeund Propagandaplattform. Durch den leichten Zugang und kostenlose Online-Angebote versucht die SO insbesondere junge Menschen zu erreichen und als Interessenten zu gewinnen. Ziel ist, diese zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt an kostenintensive Kurse heranzuf\u00fchren. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Entwicklung der SO im Bereich moderner Kommunikationsmedien weiter vorangetrieben wird. Weiterhin versucht die SO ihre Einflussm\u00f6glichkeiten durch Unterwanderung der Wirtschaft zu vergr\u00f6\u00dfern. Hierzu nutzt sie den eigenen Wirtschaftsverband World Institute of Scientology Enterprises (WISE) sowie eigene Organisationsund Managementstrategien. Durch geschicktes und verdecktes Marketing n\u00e4hert sie sich Firmen, insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen. Auf diese Weise soll sukzessive die Infiltration der Wirtschaft voranschreiten und der Einfluss der Organisation ausgebaut werden. 125","Spionageabwehr und Wirtschaftsschutz Ausl\u00e4ndische Nachrichtendienste zeigen weiterhin gro\u00dfes Interesse an Informationen zu Politik, Milit\u00e4r, Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung in Deutschland und Nordrhein-Westfalen. Einen gro\u00dfen Stellenwert nimmt zudem auch die Aussp\u00e4hung von in Deutschland lebenden Oppositionellen ein. So ist die Aufkl\u00e4rung und Aussp\u00e4hung Oppositioneller beispielsweise eine der vorrangigen Hauptaufgaben des t\u00fcrkischen Nachrichtendienstes (MIT) im Ausland. Dem nordrhein-westf\u00e4lischen Verfassungsschutz NRW lagen vier Listen vor, in denen Personen, Vereine und Institutionen benannt werden, die von der t\u00fcrkischen Regierung mit der G\u00fclen-Bewegung in Verbindung gebracht werden. Umfang und Inhalt der Listen belegen, dass der MIT systematisch Informationen \u00fcber mutma\u00dfliche G\u00fclen-Anh\u00e4nger zusammentr\u00e4gt. In 2017 bestand nach wie vor weiterhin ein Interesse mehrerer Staaten am Erwerb von proliferationsrelevanten G\u00fctern in Nordrhein-Westfalen. Dabei handelt es sich um sogenannte Dual-Use-Produkte, die neben ihrer zivilen Bestimmung auch Verwendung in Programmen zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen finden k\u00f6nnen. Damit der eigentliche Empf\u00e4nger unerkannt bleiben kann, werden solche Beschaffungen \u00fcblicherweise durch ein auf mehrere L\u00e4nder verteiltes Netzwerk aus Tarnfirmen und Strohm\u00e4nnern getarnt. Die Gefahr Opfer von Wirtschaftsspionage zu werden ist in 2017 weiter angewachsen. Ein Grund daf\u00fcr ist die immer weiter fortschreitende Digitalisierung in der Wirtschaft und die zunehmende Verzahnung industrieller Produktion mit modernster Informationsund Kommunikationstechnik. Hierdurch wachsen neben \u00f6konomischen Chancen die m\u00f6glichen Angriffsziele f\u00fcr Cyberangriffe auf deutsche Unternehmen. Dabei sind nicht nur gro\u00dfe, b\u00f6rsennotierte DAX-Unternehmen potentielle Ziele von Angreifern. H\u00e4ufig werden kleine und mittlere Unternehmen Opfer von Spionage. Dies gilt insbesondere f\u00fcr Firmen, die nicht selten in ihrer Branche auf dem Weltmarkt eine Vorreiterstellung innehaben. Jeder vierte deutsche Weltmarktf\u00fchrer stammt aus Nordrhein-Westfalen. Ihr hohes besonderes technisches Know-how und die hoch innovativen Produkte sind genauso Ziel von Wirtschaftsspionage wie Kalkulationen, Kundenlisten oder andere sensible Daten. Der Schutz gegen Spionage und Sabotage darf sich nicht alleine auf die Sicherung von Informationsund Kommunikationstechnik beschr\u00e4nken. Der Mensch bleibt weiterhin die gr\u00f6\u00dfte Sicherheitsl\u00fccke. Awareness zu schaffen, ist daher ein wichtiger Bestandteil einer ganzheitlichen Sicherheitsstrategie, die Technik, Organisation und Personal beinhalten muss. Der Verfassungsschutz hat im Jahr 2017 seine intensive Beratungsund Sensibilisierungsarbeit mit zahlreichen Vortr\u00e4gen und Veranstaltungen bei Unternehmen, Verb\u00e4nden und Organisationen fortgef\u00fchrt. Auf 80 Veranstaltungen wurden etwa rund 3.100 Besch\u00e4ftigte im Management und in Fachabteilungen sowie Manager, Mitarbeiter oder beispielsweise Wissenschaftler erreicht. 126","Spionage - Auftraggeber, Ziele und Methoden Im politischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen oder milit\u00e4rischen Wettbewerb nutzen Regierungen Spionage, um sich einen Informationsvorsprung zu verschaffen. Sie versuchen Zugang zu Informationen zu erhalten, mit denen sich politische Positionen und die wirtschaftliche Wettbewerbsf\u00e4higkeit des ausspionierten Staates besser einsch\u00e4tzen lassen. Von Interesse sind zudem Angaben zur milit\u00e4rischen Leistungsf\u00e4higkeit gegnerischer B\u00fcndnisse. Wegen seiner politischen und wirtschaftlichen Bedeutung ist Deutschland im besonderen Blick ausl\u00e4ndischer Nachrichtendienste. Sie zielen auf einem unautorisierten Transfer wissenschaftlich-technischen Know-hows ab und sind interessiert an Informationen \u00fcber politische Vorhaben, Krisenmanagement und Handlungsstrategien. Wegen seiner Bedeutung innerhalb der Bundesrepublik beziehen sich diese Bem\u00fchungen insbesondere auch auf Nordrhein-Westfalen. Im Land sind 70 Universit\u00e4ten und Fachhochschulen sowie mehr als 50 Technologiezentren angesiedelt. Es steht f\u00fcr eine herausragende Innovationsund Wirtschaftskraft. Methoden der Spionage Fast neunzig Prozent der f\u00fcr Nachrichtendienste interessanten Informationen lassen sich offen \u00fcber das Internet und andere Medien, durch den Besuch von Messen, bei gegenseitigen Delegationsbesuchen sowie durch geschickte Gespr\u00e4chsf\u00fchrung mit Informationsund Wissenstr\u00e4gern erlangen. Dazu m\u00fcssen nicht einmal aufw\u00e4ndige nachrichtendienstliche Operationen durchgef\u00fchrt werden. An die verbleibenden rund zehn Prozent versuchen Nachrichtendienste mit verdeckten Methoden zu gelangen. Das Spektrum reicht von der Herbeif\u00fchrung und Kultivierung zun\u00e4chst unverd\u00e4chtiger Kontakte mit dem Ziel einer direkten oder indirekten Absch\u00f6pfung der Kontaktpersonen bis hin zu einer konspirativen Vorgehensweise, bei der Personen beispielsweise mit falschem Namen und Angaben zum eigenen Lebenslauf (sogenannte Legende) aktiv sind. Es kommt dabei in der Regel nicht auf die Hierarchieebene der Zielpersonen an. Manchmal geht es lediglich darum, Zugang zu einem interessanten Bereich zu erhalten. In einigen F\u00e4llen zielen Nachrichtendienste darauf ab, einen belastenden Umstand - ein sogenanntes Kompromat - zu schaffen, mit dem der jeweilige Informationsund Wissenstr\u00e4ger erpressbar gemacht werden soll. Diese Methode wird vorrangig im Ausland, beispielsweise bei Gesch\u00e4ftsreisenden, angewendet. Nachrichtendienste nutzen zur Spionage aber auch die vielf\u00e4ltigen M\u00f6glichkeiten, die sich durch die rasanten Entwicklungen in der Informationsund Kommunikationstechnologie sowie durch die zunehmende Vernetzung und Digitalisierung ergeben. Elektronische Angriffe auf Rechnersysteme mit hochsensiblen Daten bieten hohe Erfolgsaussichten und lassen sich mit geringem Entdeckungsrisiko durchf\u00fchren. Typische Angriffsmethoden \u00fcber IT-Systeme Schadhafte E-Mail-Anh\u00e4nge verdecktes Einschleusen von Schadsoftware (Trojanern) \u00fcber E-Mails Drive-by-downloads Anbieten von Links auf Webseiten und in E-Mails, die zu manipulierten Downloads f\u00fchren Pr\u00e4parierte Datentr\u00e4ger Ausstattung von USB-Sticks, CD-ROM oder Speicherkarten mit Schadsoftware, die bei einer Nutzung automatisch ausgef\u00fchrt wird Umweg \u00fcber private Ger\u00e4te 127","Angriff von h\u00e4ufig weniger gesch\u00fctzten privaten Ger\u00e4ten, die von Mitarbeitern beruflich genutzt werden (\"Bring-your-own Devices\", beispielsweise USB-Sticks, Smartphones, Tablets). Au\u00dfenstehenden gelingt es auf diesen Wegen, in Systeme einzudringen und Daten zu entwenden oder Systeme zu manipulieren. Mit dem digital operierenden \"Spion 4.0\" l\u00e4sst sich zudem bereits seit l\u00e4ngerem eine neue Qualit\u00e4t in der Spionage feststellen. Der Mensch stellt jedoch stets die gr\u00f6\u00dfte Sicherheitsl\u00fccke dar. Diese l\u00e4sst sich selbst durch eine noch so ausgefeilte materielle Absicherung \u00fcber Firewalls, Anti-Viren-Programme, Passwortschutz und Zugangsregelungen nicht schlie\u00dfen. Nachrichtendienste setzen \u00fcber sogenanntes \"Social Engineering\" an dieser Stelle an. Sie versuchen das Vertrauen eines Unternehmensangeh\u00f6rigen zu gewinnen, um \u00fcber diesen Kontakt Zugang zu Systemen zu erhalten. Erkenntnisse belegen, dass aber auch der Spion am Kopierer und mit der Kamera am Zielobjekt weiterhin im Einsatz ist. Wachsamkeit sollte daher auch in dieser Hinsicht weiter bestehen. Die Zahl nachrichtendienstlichen Personals in sogenannten Legalresidenturen im Bundesgebiet ist auch im europ\u00e4ischen Vergleich anhaltend hoch. Dies verdeutlicht und belegt das hohe Interesse an Informationen aus Deutschland. Legalresidenturen sind getarnte St\u00fctzpunkte ausl\u00e4ndischer Nachrichtendienste, insbesondere in den diplomatischen und konsularischen Vertretungen, bei staatsnahen Unternehmen oder bei Medienagenturen. Von dort aus entwickelt das nachrichtendienstliche Personal \u00fcber eigens bereitgestellte Tarndienstposten die geheimdienstlichen Aktivit\u00e4ten. Der Einsatz von sogenannten Illegalen dient ebenfalls der Verschleierung nachrichtendienstlicher T\u00e4tigkeiten. Dabei handelt es sich um Personen, die als Nachrichtendienstoffiziere von der Zentrale des ausl\u00e4ndischen Nachrichtendienstes unter einer Falschidentit\u00e4t eingeschleust werden und h\u00e4ufig \u00fcber viele Jahre in Deutschland unauff\u00e4llig leben. Unter diesem Deckmantel f\u00fchren sie teilweise aufwendige nachrichtendienstliche Operationen aus. Erkenntnisse der Spionageabwehr Der nordrhein-westf\u00e4lische Verfassungsschutz beobachtet mit einem 360-Grad-Blick eine Vielzahl hier t\u00e4tiger ausl\u00e4ndischer Nachrichtendienste. Besondere Bedeutung haben wegen ihrer Aktivit\u00e4ten die Nachrichtendienste der Russischen F\u00f6deration, der Volksrepublik China, der Islamischen Republik Iran und der T\u00fcrkei. Im Berichtszeitraum konnten weiterhin zahlreiche Versuche ausl\u00e4ndischer Nachrichtendienste beobachtet werden, Kontakte mit Gespr\u00e4chspartnern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft aufzunehmen. Dabei wurden verst\u00e4rkt soziale Netzwerke genutzt. Die nordrhein-westf\u00e4lische Spionageabwehr f\u00fchrt Sensibilisierungsgespr\u00e4che mit Personen, die als potenzielle Gespr\u00e4chspartner erkannter Nachrichtendienstoffiziere in Frage kommen, beziehungsweise bei denen bereits Gespr\u00e4chskontakte zu diesen bestehen. Gespr\u00e4chspartnern, die selbst den Verdacht eines nachrichtendienstlichen Hintergrunds vermuten, wird dringend geraten, sich an die Spionageabwehr zu wenden. Russische F\u00f6deration Die russischen Nachrichtendienste haben nach wie vor ein gro\u00dfes Ausforschungsinteresse an Deutschland und Nordrhein-Westfalen. Sie sind wesentliche Elemente der russischen Sicherheitsarchitektur und einbezogen in die Vorbereitung und Realisierung politischer Vorhaben im Inund Ausland. Die Informationsbeschaffung durch die russischen Nachrichtendienste erfolgt aus offen zug\u00e4nglichen Quellen, \u00fcber menschliche Quellen und \u00fcber elektronische Angriffe auf Beh\u00f6rden und Wirtschaftsunternehmen. Es werden gezielt Kontakte zu Wissenstr\u00e4gern aus Politik, Wirtschaft und Beh\u00f6rden aufgebaut und sch\u00fctzenswerte Informationen abgesch\u00f6pft. Dies geschieht unter anderem bei Urlaubsaufenthalten, beim Besuch von Messen und Fachkongressen oder bei gegenseitigen Delegationsbesuchen. Im Jahr 2017 hat es in Nordrhein-Westfalen weitere Hinweise auf derartige Kontaktversuche gegeben. Es wurde zudem bekannt, dass Polizeibeamte bei Urlaubsreisen an der Grenze zur Russischen F\u00f6deration befragt wurden. Von einem nachrichtendienstlichen Hintergrund ist auszugehen. Die Vorf\u00e4lle wurden zum Anlass genommen, den Polizeibeh\u00f6rden sowie den \u00fcbrigen Beh\u00f6rden des Landes \"Allgemeine Sicherheitsund Reisehinweise insbesondere f\u00fcr Reisen in Staaten mit besonderem Sicherheitsrisiko\" an die Hand zu geben. 128","Die russischen Nachrichtendienste sind gegliedert in einen Inlands-, einen Auslandsund einen milit\u00e4rischen Nachrichtendienst, wobei sich die Zust\u00e4ndigkeiten im Einzelfall \u00fcberschneiden. Die folgenden Dienste sind auch in Deutschland aktiv: Inlandsnachrichtendienst - FSB Der FSB ist unter anderem f\u00fcr die zivile und milit\u00e4rische Spionageabwehr sowie f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und organisierter Kriminalit\u00e4t zust\u00e4ndig. Ziviler Auslandsnachrichtendienst - SWR Der SWR ist vorrangig f\u00fcr die Aufkl\u00e4rung in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie zust\u00e4ndig. Milit\u00e4rischer Auslandsnachrichtendienst - GRU Aufgabe des GRU ist die Aufkl\u00e4rung des gesamten milit\u00e4rischen Bereichs. Neben der NATO geh\u00f6rt dazu auch die deutsche Bundeswehr. Volksrepublik China Die chinesische Regierung ist nach wie vor bestrebt, das das eigene Land an weltpolitischer und wirtschaftlicher Bedeutung gewinnt und sich als f\u00fchrende Wirtschaftsmacht der Welt etabliert. Zur Durchsetzung dieser Ziele nutzt der chinesische Staat in vielf\u00e4ltiger Weise die Arbeit seiner Nachrichtendienste. Nordrhein-Westfalen steht dabei mit seinen hochinnovativen kleinen und mittleren Unternehmen sowie seinen zahlreichen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Technologieund Gr\u00fcnderzentren im besonderen Fokus nachrichtendienstlicher Aktivit\u00e4ten. Wie Russland und Iran nutzt auch China die klassische Methode, Angeh\u00f6rige des eigenen Nachrichtendienstes mit Hilfe von diplomatischen und konsularischen Vertretungen zu tarnen. China bedient sich f\u00fcr den illegalen Wissenstransfer teilweise aber auch der Hilfe hier dauerhaft lebender Chinesen oder von Gastwissenschaftlern, Studenten und Praktikanten, die sich vor\u00fcbergehend in Deutschland aufhalten. Dar\u00fcber hinaus konnten im vergangenen Jahr umfangreiche Aktivit\u00e4ten chinesischer Nachrichtendienste in sozialen Netzwerken festgestellt werden. Dabei wurden beispielsweise im Karrierenetzwerk LinkedIn zahlreiche gef\u00e4lschte Profile erstellt, mit denen Kontakt zu Mitarbeitern aus Ministerien, Beh\u00f6rden und Hochschulen gesucht wurde. Sie sollten f\u00fcr eine Zusammenarbeit mit der chinesischen Seite gewonnen werden. Der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen hat daraufhin seine Bem\u00fchungen zur Sensibilisierung m\u00f6glicher Zielpersonen weiter verst\u00e4rkt. Der Machterhalt der Kommunistischen Partei sowie die Wahrung der territorialen Integrit\u00e4t Chinas stehen dar\u00fcber hinaus im Mittelpunkt der Staatsf\u00fchrung. Diese sieht sich in erster Linie durch die sogenannten \"F\u00fcnf Gifte\" bedroht. Gemeint sind damit die Demokratiebewegung, Anh\u00e4nger eines unabh\u00e4ngigen Taiwan sowie eines unabh\u00e4ngigen Tibet, Falun-Gong-Anh\u00e4nger und turkst\u00e4mmige (muslimische) Uiguren. Angeh\u00f6rige dieser Bestrebungen und Vereinigungen werden sowohl im In-, als auch im Ausland verfolgt. Islamische Republik Iran In Nordrhein-Westfalen, wie im gesamten Bundesgebiet, gehen die nachrichtendienstlichen Aktivit\u00e4ten des Iran vor allem vom \"Ministry of Information and Security\" (MOIS) aus. Beim MOIS handelt es sich um den zivilen Inund Auslandsnachrichtendienst der islamischen Republik Iran. Dieser beobachtet schwerpunktm\u00e4\u00dfig im Exil agierende Oppositionskr\u00e4fte, insbesondere die in Nordrhein-Westfalen stark vertretene \"Volksmodjahedin Iran-Organisation\" (MEK) und deren politischen Arm, den \"Nationalen Widerstandsrat Iran\" (NWRI). Das MOIS versucht, die Exilopposition durch Infiltration zu \u00fcberwachen und durch gezielte Propaganda zu diskreditieren. Dar\u00fcber hinaus spielen f\u00fcr den Iran klassische Spionageziele wie Politik, Milit\u00e4r, Wirtschaft und Wissenschaft eine bedeutende Rolle. In Nordrhein-Westfalen, wie auch bundesweit, wurden verst\u00e4rkt Aktivit\u00e4ten der sogenannten \"Quds Force Brigade\" (QF) festgestellt. Bei den QF handelt es sich um eine Spezialeinheit der Revolutionsgarden, die \u00fcber eine eigene nachrichtendienstliche Abteilung, einen Sicherheitsdienst und eine Spionageabwehr verf\u00fcgen. Die QF betreibt unter anderem Informationsbeschaffung im Ausland. Ein Hauptaugenmerk liegt in der Aussp\u00e4hung von israelischen und pro-israelischen Institutionen, hier lebenden Staatsangeh\u00f6rigen des Staates Israel sowie 129","Personen j\u00fcdischen Glaubens. Dem Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen liegen Erkenntnisse vor, dass es im Berichtsjahr Ausforschungsaktivit\u00e4ten der QF in Nordrhein-Westfalen gegeben hat. T\u00fcrkei Der t\u00fcrkiscals auch die Auslandsaufkl\u00e4rung zust\u00e4ndig. Er ist mit Exekutivbefugnissen ausgestattet. Die Befugnisse und Aufgaben des MIT wurden im Zuge der Reformen der vergangenen Jahre weiter ausgeweitet. Der MIT unterh\u00e4lt in Deutschland Legalresidenturen in offiziellen Repr\u00e4sentanzen. In Nordrhein-Westfalen befinden sich insgesamt vier der 13 t\u00fcrkischen Generalkonsulate auf deutschem Boden (D\u00fcsseldorf, Essen, H\u00fcrth und M\u00fcnster). Als einer der weltweiten Schwerpunkte der t\u00fcrkischen Diaspora gilt Nordrhein-Westfalen als Operationsgebiet des t\u00fcrkischen Nachrichtendienstes. Die Aufkl\u00e4rung und Aussp\u00e4hung Oppositioneller ist eine der Hauptaufgaben des MIT im Ausland. Neben den kurdischen Gruppierungen wie der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), linksextremistischen Organisationen wie die Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) und die \"Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei\" (MLKP) gilt die nach dem Prediger Fetullah G\u00fclen benannte \"G\u00fclen-Bewegung\" als oppositionell. Dem nordrhein-westf\u00e4lischen Verfassungsschutz lagen im Berichtszeitraum vier Listen vor, die durch die t\u00fcrkische Regierung an die Bundesregierung \u00fcbergeben wurden. In diesen Dokumenten sind Personen sowie Vereine und Institutionen benannt, die von der t\u00fcrkischen Regierung mit der G\u00fclen-Bewegung in Verbindung gebracht werden. Umfang und Inhalt der Listen belegen, dass der MIT systematisch Informationen \u00fcber mutma\u00dfliche G\u00fclenAnh\u00e4nger zusammentr\u00e4gt. Alle Personen und Institutionen aus Nordrhein-Westfalen wurden von der nordrheinwestf\u00e4lischen Polizei \u00fcber den Umstand informiert, dass sie auf den Listen gef\u00fchrt werden. Sie wurden zudem auf sich daraus m\u00f6glicherweise ergebende Konsequenzen, etwa bei Einreisen in die T\u00fcrkei, hingewiesen. Kostenloses Angebot des Verfassungsschutzes Zur Sensibilisierung vor den Gefahren nachrichtendienstlicher T\u00e4tigkeit f\u00fchrt der nordrhein-westf\u00e4lische Verfassungsschutz auf Wunsch und auch unabh\u00e4ngig von konkreten Verdachtsf\u00e4llen Informationsveranstaltungen f\u00fcr interessierte Unternehmen und Organisationen durch. Im Einzelfall ber\u00e4t er vertraulich, wenn sich Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht eines Angriffs durch einen fremden Nachrichtendienst ergeben. Anfragen mit der Bitte um Kontaktaufnahme k\u00f6nnen an kontakt.verfassungsschutz@im1.nrw.de gerichtet werden. 130","Aufkl\u00e4rung und Abwehr von Proliferation Bis heute ist es Staaten wie Iran, Nordkorea, Syrien und Pakistan nicht gelungen, die zur Weiterentwicklung der eigenen Waffenprogramme erforderlichen G\u00fcter ausschlie\u00dflich im eigenen Land herzustellen. Nordrhein-Westfalen als starker Wirtschaftsstandort mit einer Vielzahl relevanter Unternehmen und Forschungseinrichtungen stand daher im Jahr 2017 weiterhin im Fokus proliferationsrelevanter Beschaffungsstellen. Proliferation Unter Proliferation wird die Weiterverbreitung atomarer, biologischer oder chemischer Massenvernichtungswaffen beziehungsweise der zu ihrer Herstellung verwendeten Produkte verstanden. Dazu geh\u00f6ren entsprechende Waffentr\u00e4gersysteme und das f\u00fcr deren Betrieb erforderliche Know-how. Bei proliferationsrelevanten Staaten steht zu bef\u00fcrchten, dass Massenvernichtungswaffen in Konflikten eingesetzt oder als politisches Druckmittel genutzt werden. Proliferationsrelevante G\u00fcter und Beschaffungswege Staaten, die Proliferation betreiben, interessieren sich in der Regel f\u00fcr sogenannte Dual-use-G\u00fcter. Das sind Produkte, die sich sowohl im zivilen als auch im milit\u00e4rischen Bereich verwenden lassen. Bei entsprechenden Anfragen wird gegen\u00fcber Herstellern oder H\u00e4ndlern anstatt der tats\u00e4chlich vorgesehenen Endverwendung eine angeblich angestrebte zivile Nutzung vorgegeben. Das eigentliche Ziel der Lieferung wird verschwiegen und eine Lieferadresse in einem auf den ersten Blick unverd\u00e4chtigen Land vorgeschoben. Im vergangenen Jahr nutzten die Proliferationsstaaten erneut umfangreiche Beschaffungsnetzwerke, bestehend aus Tarnfirmen und Strohm\u00e4nnern in unterschiedlichen Staaten. F\u00fcr diese Umgehungslieferungen k\u00f6nnen entsprechende Eink\u00e4ufer jedes beliebige Land nutzen. H\u00e4ufig liegen \"Umgehungsstaaten\" jedoch in geographischer N\u00e4he zum Zielland. Aufkl\u00e4rung durch den Verfassungsschutz Die Spionageabwehr des nordrhein-westf\u00e4lischen Verfassungsschutzes bem\u00fcht sich um eine kontinuierliche Ausweitung der Aufkl\u00e4rungsbem\u00fchungen im Bereich der Proliferation. Sie sensibilisierte im Jahr 2017 erneut zahlreiche Unternehmen mit Vortr\u00e4gen und Einzelberatungen, mit Erfolg f\u00fcr die Proliferationsbek\u00e4mpfung. Die Gespr\u00e4chspartner in den Unternehmen werden auf Gefahren illegaler Lieferungen sowie die einschl\u00e4gigen Beschaffungsmethoden hingewiesen. In konkreten Einzelf\u00e4llen bietet der Verfassungsschutz eine individuelle und vertrauensvolle Beratung, bei der Probleme und Fragen der Unternehmen stets vertraulich behandelt werden. Eine erh\u00f6hte Sensibilit\u00e4t in der Wirtschaft f\u00fchrt zu einer Zunahme von Hinweisen auf m\u00f6gliche Anbahnungen mit Proliferationshintergrund und letztlich zu einem Anstieg der F\u00e4lle, in denen Beschaffungsnetzwerke identifiziert und geplante Proliferationsgesch\u00e4fte rechtzeitig verhindert werden k\u00f6nnen. Entwicklungen im Berichtsjahr Mit dem Inkrafttreten des Atomabkommens mit dem Iran im Jahr 2016 war ein starker R\u00fcckgang entsprechender iranischer Beschaffungsversuche zu verzeichnen. Wegen der Nachfrage nach relevanten G\u00fctern f\u00fcr seine Raketenprogramme stellt der Iran dennoch weiterhin den Bearbeitungsschwerpunkt in der Proliferationsabwehr dar. Es konnte dar\u00fcber hinaus eine steigende Anzahl pakistanischer Beschaffungsversuche festgestellt werden. In der \u00fcberwiegenden Zahl der F\u00e4lle erfolgte jedoch keine Auslieferung der jeweiligen Waren. Der Verfassungsschutz konnte die betroffenen Unternehmen rechtzeitig warnen und bereits sensibilisierte Firmen erkannten verd\u00e4chtige Anfragen und bedienten diese nicht. 131","Wirtschaftsspionage und Konkurrenzaussp\u00e4hung Wirtschaftsspionage ist die staatlich gelenkte oder gest\u00fctzte, von fremden Nachrichtendiensten ausgehende Ausforschung von Wirtschaftsunternehmen und Betrieben. Unter Konkurrenzoder auch Industriespionage wird die Aussp\u00e4hung von Unternehmen durch ein konkurrierendes Unternehmen verstanden. F\u00fcr das Jahr 2017 gehen Expertensch\u00e4tzungen von einem Schaden in H\u00f6he von 55 Milliarden Euro f\u00fcr die deutsche Volkswirtschaft durch Wirtschaftsspionage aus. Aktuelle Umfragen belegen, dass statistisch jedes zweite Unternehmen von einer zielgerichteten Attacke betroffen war. Dabei sind sich nach einschl\u00e4gigen Studien 76 Prozent der Unternehmen dieser Bedrohungslage nicht bewusst. Vor dem Hintergrund einer immer weiter fortschreitenden Digitalisierung und entsprechender Entwicklungen, die sich unter dem Schlagwort \"Industrie 4.0\" zusammenfassen lassen, gleichen sich Methoden, Techniken und Angriffsm\u00f6glichkeiten von Nachrichtendiensten und Cyberkriminellen immer mehr an. Deshalb wird es immer wichtiger, dass sich die Unternehmen mit umfassenden Sicherheitskonzepten gegen Spionage, Sabotage und Datendiebstahl sch\u00fctzen. Hierbei unterst\u00fctzen die Wirtschaftsschutzexperten des nordrhein-westf\u00e4lischen Verfassungsschutzes. In Sensibilisierungsvortr\u00e4gen stellen Sie die Bedrohungen dar, denen Unternehmen aller Branchen und Gr\u00f6\u00dfenordnungen in der heutigen Zeit durch Wirtschaftsspionage ausgesetzt sind. Zus\u00e4tzlich wird \u00fcber die wichtigsten, aktuellen Angriffsstrategien informiert und es werden wirksame Schutzstrategien f\u00fcr Unternehmen vorgestellt. Der Verfassungsschutz besucht Unternehmen auf Wunsch vor Ort, um praktische Hilfestellung bei der Erstellung eines Sicherheitskonzeptes zu geben und die Sicherheitsverantwortlichen in einem vertraulichen Gespr\u00e4ch \u00fcber die aktuellen Bedrohungen zu informieren. Im Jahr 2017 f\u00fchrten die Mitarbeiter des nordrhein-westf\u00e4lischen Verfassungsschutzes 80 Beratungen und Vortr\u00e4ge durch. Damit wurden rund 3.100 Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer erreicht. Zudem wurden auf dem ITSicherheitstag der IHK NRW sowie bei Messen in Neuss und Bonn die dortigen Aussteller und Besucher \u00fcber die Gefahren der Wirtschaftsspionage und das Beratungsangebot des Verfassungsschutzes informiert. Im Bereich geheimschutzbetreuter Unternehmen haben dar\u00fcber hinaus gesonderte Einzelfallberatungen und Sensibilisierungsgespr\u00e4che stattgefunden. Diese Unternehmen sind mit Auftr\u00e4gen und Projekten befasst, die als Verschlusssachen eingestuft sind. Da bei diesen Firmen von einer erh\u00f6hten Bedrohung durch Spionageaktivit\u00e4ten ausgegangen werden muss, kooperieren der Verfassungsschutz und das Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Energie in besonderem Ma\u00dfe bei der Betreuung dieser Unternehmen. Potenzielle Angreifer Im Fokus der Spionageabwehr stehen insbesondere Staaten wie die Volksrepublik China, die Islamische Republik Iran und die Russische F\u00f6deration. Dar\u00fcber hinaus ist das Know-how innovativer deutscher Unternehmen auch f\u00fcr weitere - auch westliche - Staaten von gro\u00dfem Interesse. Teilweise gibt es einen gesetzlichen Auftrag f\u00fcr ausl\u00e4ndische Nachrichtendienste, deutsche Wirtschaftsunternehmen auszuspionieren, um die Wirtschaft im eigenen Land zu unterst\u00fctzen. H\u00e4ufige Angriffsmethoden Die h\u00e4ufigste Angriffsvariante bestand im Jahr 2017 weiterhin darin, einer E-Mail Schadsoftware anzuh\u00e4ngen. Dabei handelte es sich in der Regel um sogenannte Trojaner, die sich im Unternehmensnetzwerk festsetzen und anschlie\u00dfend Unternehmensdaten an den Angreifer \u00fcbertragen. Dies birgt f\u00fcr Unternehmen gerade in der Industrie 4.0 besondere Gefahren. Setzt ein Unternehmen auf die Verzahnung der Produktionsmittel mit modernster Informationsund Kommunikationstechnik, erh\u00f6ht sich die Zahl der Angriffsm\u00f6glichkeiten erheblich. Es lassen sich einzelne Maschinen in einer Fabrik angreifen sowie Produktionsabl\u00e4ufe von au\u00dfen \u00fcber das Internet sabotieren und manipulieren. Professionelle Spionageangriffe werden oftmals \u00fcberhaupt nicht oder erst sehr sp\u00e4t erkannt. Die durchschnittliche Zeit zwischen Infizierung und Entdeckung betr\u00e4gt derzeit rund 250 Tage. In dieser Zeit k\u00f6nnen wichtige Gesch\u00e4ftsgeheimnisse verloren gehen und ein Unternehmen in eine existenzielle Bedrohungslage geraten. 132","Social Engineering als beliebte Methode Fremde Nachrichtendienste haben auch in 2017 versucht, mit Hilfe von Social Engineering Zugang zu Unternehmen zu erhalten. Sie versuchen Menschen so zu manipulieren, dass durch ihr Fehlverhalten auf fremde IT-Netzwerke zugegriffen werden kann. Daf\u00fcr werden bewusst menschliche Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Gutgl\u00e4ubigkeit und Naivit\u00e4t von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ausgenutzt. E-Mails werden beispielsweise unter vermeintlich bekannten Namen versendet. Der Inhalt einer Nachricht wird dabei h\u00e4ufig gezielt auf den jeweiligen Besch\u00e4ftigten des Unternehmens angepasst. Ankn\u00fcpfungspunkt kann beispielsweise ein Hobby der jeweiligen Zielperson sein. Sie wurde daf\u00fcr im Vorfeld gezielt beispielsweise in sozialen Netzwerken ausspioniert, auch unter Zuhilfenahme von gef\u00e4lschten Benutzerprofilen. Der Empf\u00e4nger einer solchen Nachricht hegt h\u00e4ufig wenig Misstrauen, was die Erfolgsaussichten eines Angriffs erh\u00f6ht. Die mit einem Trojaner versehene Anlage in einer E- Mail des Angreifers oder ein Link zu einer mit Schadsoftware pr\u00e4parierten Internetadresse werden sorglos ge\u00f6ffnet. Ein Firmennetzwerk kann auf diese Weise mit wenig Aufwand infiltriert werden. Schutzsoftware wird laufend weiterentwickelt und macht es Angreifern schwer. Daher r\u00fcckt der Faktor Mensch in den Mittelpunkt der Bem\u00fchungen, einen unberechtigten Zugang zu einem gut gesicherten IT-Netzwerk zu erhalten. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden weiterhin pers\u00f6nlich angesprochen und ausgehorcht, beispielsweise auf Messen oder Fortbildungen. Reisen ins Ausland In vielen Unternehmen geh\u00f6ren Dienstreisen zum Arbeitsalltag. Sie bieten Angreifern zahlreiche Ans\u00e4tze, um wichtige Daten auszusp\u00e4hen. Unternehmen sollten sich daher im Vorfeld genau \u00fcber die Rechtsund Sicherheitslage in Ziell\u00e4ndern informieren. Reisen Firmenangeh\u00f6rige beispielsweise mit verschl\u00fcsselter Hardware selbst in bestimmte europ\u00e4ische Staaten, drohen ihnen Haftstrafen, wenn sie sich weigern, bei einer \u00dcberpr\u00fcfung die Daten auf dem Rechner zu entschl\u00fcsseln. In einer solchen Drucksituation ger\u00e4t der Einzelne schnell in einen Loyalit\u00e4tskonflikt. Gibt er das Passwort preis, verst\u00f6\u00dft er wohlm\u00f6glich gegen Regelungen in seinem Arbeitsvertrag. Dies kann als zus\u00e4tzliches Druckmittel zur weitergehenden Kooperation gegen den Mitarbeiter eingesetzt werden. Eine L\u00f6sung kann der Einsatz eines separaten Smartphones oder Notebooks sein, das nur die f\u00fcr die jeweilige Reise notwendigen Daten enth\u00e4lt. Der Verlust dieser Daten w\u00fcrde zwar immer noch das spezifische Projekt gef\u00e4hrden. Es g\u00e4be jedoch keinen Zugriff auf die Infrastruktur des Unternehmens mit dar\u00fcber hinausgehenden Gesch\u00e4ftsgeheimnissen. Ganzheitliches Sicherheitskonzept Der nordrhein-westf\u00e4lische Verfassungsschutz r\u00e4t allen Unternehmen, sich auf der Grundlage eines ganzheitlichen Sicherheitskonzepts zu sch\u00fctzen. Unternehmenssicherheit ist dabei mehr als IT-Sicherheit. Sie geh\u00f6rt in professionelle H\u00e4nde und sollte von einer eigenen Organisationseinheit (Corporate Security) bearbeitet werden, die alle Sicherheitsprozesse in einem Unternehmen verantwortet und verzahnt. Sicherheit selbst ist zwar kein wertsch\u00f6pfender Vorgang, sie flankiert aber erfolgreich die Gewinnerzielung und stellt somit einen wichtigen Wettbewerbsvorteil dar. Bei einem einzigen professionellen Angriff kann ein Gro\u00dfteil des Know-how eines Unternehmens abflie\u00dfen. Unternehmen sollten sich daher sehr fr\u00fchzeitig mit dem Thema Sicherheit auseinandersetzen. Innovative \"Start-Ups\" sollten dies beispielsweise schon in der Gr\u00fcndungphase ihres Unternehmens ber\u00fccksichtigen. Kontakt zum Wirtschaftsschutz Der Verfassungsschutz steht nordrhein-westf\u00e4lischen Firmen mit einem breiten Sensibilisierungsund Beratungsangebot zur Seite. Insbesondere kleine und mittelst\u00e4ndische Unternehmen werden dabei unterst\u00fctzt, sich besser vor Spionageversuchen fremder Nachrichtendienste zu sch\u00fctzen. F\u00fcr eine Kontaktaufnahme ist das E-Mail-Postfach wirtschaftsschutz@im1.nrw.de eingerichtet. Telefonisch sind die Experten des Wirtschaftsschutzes unter 0211 871 2821 erreichbar. 133","Brosch\u00fcre f\u00fcr Unternehmen Die neue Brosch\u00fcre \"Wirtschaftsspionage - So sch\u00fctzen Sie Ihr Unternehmen\" des nordrhein-westf\u00e4lischen Verfassungsschutzes gibt einen \u00dcberblick \u00fcber die vielf\u00e4ltigen Gefahren der Spionage und schl\u00e4gt jeweils entsprechende L\u00f6sungsans\u00e4tze vor. Sie kann \u00fcber die Internetseite www.im.nrw.de/wirtschaftsschutz bestellt und heruntergeladen werden. 134","Pr\u00e4ventionsarbeit und Aussteigerprogramme Islamismus und Rechtsextremismus waren im Jahre 2017 weiterhin die Kernbereiche, auf die sich der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen im Bereich der Pr\u00e4vention fokussiert. Die Pr\u00e4ventionsarbeit wurde auf allen Ebenen weiter intensiviert, um extremistischen Aktivit\u00e4ten fr\u00fchzeitig entgegenzuwirken. Die Programme sind im Laufe des Jahres weiter ausgebaut und die zahlreichen Arbeitsfelder personell verst\u00e4rkt worden. Die positive Resonanz des seit 2014 laufenden Fortbildungsprojektes VIR (Ver\u00e4nderungsimpulse setzen bei Rechtsorientierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen) ist durch ein Gutachten der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung gest\u00fctzt worden. Im Berichtsjahr sind weitere Trainerinnen und Trainer ausgebildet worden, und das VIR-Konzept wurde weiter in die Fach\u00f6ffentlichkeit getragen. Das Pr\u00e4ventionsprogramms Wegweiser ist weiter ausgebaut worden. Ziel ist ein fl\u00e4chendeckendes Angebot von niedrigschwelliger Beratung durch Anlaufstellen vor Ort in ganz Nordrhein-Westfalen. Der Ausbau wird daher in 2018 weiter fortgesetzt. Die beiden beim Verfassungsschutz angesiedelten Aussteigerprogramme Spurwechsel (Rechtsextremismus) und API (Islamismus) verzeichneten in 2017 eine weiterhin hohe Nachfrage. Ein Aussteigerprogramm f\u00fcr den Bereich des Linksextremismus befindet sich im Aufbau. Der Verfassungsschutz verfolgt in der Pr\u00e4vention einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz. Dieser Ansatz wird beispielsweise bei speziellen Angeboten f\u00fcr Schule und Jugendarbeit deutlich, die das Ministerium des Innern mit dem Ministerium f\u00fcr Schule und Bildung zusammengestellt hat und finanziert. Die Resonanz auf die im Jahr 2017 vermittelten unterschiedlichen Module wie ein Theaterst\u00fcck, Autorenlesungen und ein Comic-Workshop war sehr positiv. Die gemeinsam mit der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung durchgef\u00fchrte Tagung \"Einstiegsprozesse in den Rechtsextremismus und gewaltbereiten Salafismus\" wurde 2017 erneut erfolgreich durchgef\u00fchrt. Im Rahmen von drei Fachtagungen wurden knapp 300 p\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte erreicht. Die ganzheitliche Pr\u00e4ventionsarbeit st\u00fctzt sich auf die Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern. Im Berichtsjahr wurden das \"Integrierte Handlungskonzept gegen Rechtsextremismus und Rassismus f\u00fcr NordrheinWestfalen\" und die Interministerielle Arbeitsgruppe Salafismuspr\u00e4vention weitergef\u00fchrt. In beiden Bereichen werden die Aktivit\u00e4ten und konkreten Projekte - getragen von Staat und Zivilgesellschaft - auch in Zukunft weiterentwickelt. Das Projekt \"Kommunen gegen Extremismus\", bei dem Sicherheitsbeh\u00f6rden eng mit Kreisen, St\u00e4dten und Gemeinden zusammenarbeiten, wurde im Berichtsjahr weiterhin erfolgreich angenommen. Eine weitere Ausweitung ist angestrebt. Im Jahr 2017 hat der Verfassungsschutz 410 Veranstaltungen mit insgesamt rund 17.600 Teilnehmenden zur Information und Sensibilisierung f\u00fcr verschiedene Bereiche der Gesellschaft durchgef\u00fchrt oder war an ihnen beteiligt. Einen wichtigen Beitrag zur Aufkl\u00e4rung \u00fcber die \"Erlebniswelt Rechtsextremismus\" leistet die gleichnamige Ver\u00f6ffentlichung, die 2017 in mittlerweile f\u00fcnfter Auflage erschienen ist. 135","\u00dcbergreifende Konzepte Der nordrhein-westf\u00e4lische Verfassungsschutz nutzte auch im Jahr 2017 seine Erkenntnisse zu den Extremismusbereichen Islamismus und Rechtsextremismus, um pr\u00e4ventive Ma\u00dfnahmen langfristig zu entwickeln, durchzuf\u00fchren und fortzusetzen. Er wendet sich aber auch gemeinsam mit allen relevanten Akteuren gegen den Extremismus. Ein Pr\u00e4ventionsansatz aus Vernetzung und konkreten Ma\u00dfnahmen verspricht den gr\u00f6\u00dften Erfolg. Der Verfassungsschutz ist daher unter anderem in ressort\u00fcbergreifenden Arbeitsgruppen der Landesregierung aktiv, unterst\u00fctzt in Kooperation mit der Wissenschaft neue Forschungsprojekte und intensiviert die Zusammenarbeit mit den nordrhein-westf\u00e4lischen Kommunen. Interministerielle Arbeitsgruppe Rechtsextremismus Die Landesregierung hat am 12. Dezember 2017 beschlossen, dass eine Arbeitsgruppe aus Vertreterinnen und Vertretern aller Landesministerien weiterhin die Umsetzung des \"Integrierten Handlungskonzepts gegen Rechtsextremismus und Rassismus f\u00fcr Nordrhein-Westfalen\" begleiten soll. Der Verfassungsschutz NordrheinWestfalen beteiligt sich wie bisher aktiv an dieser interministeriellen Arbeitsgruppe (IMAG): Er geh\u00f6rt dar\u00fcber hinaus seit langer Zeit dem Landesnetzwerk gegen Rechtsextremismus an. Das Handlungskonzept mit 166 Einzelma\u00dfnahmen war am 10. Mai 2016 verabschiedet worden. Es soll bis zum Jahr 2019 umgesetzt werden. Erarbeitet wurde das Konzept mit Unterst\u00fctzung einer interministeriellen Arbeitsgruppe. Diese wird unter der Federf\u00fchrung des Ministeriums f\u00fcr Kultur und Wissenschaft die Umsetzung begleiten und gegebenenfalls notwendige Anpassungen er\u00f6rtern. Die Umsetzung des Handlungskonzepts wird von der Landeskoordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus gesteuert. Sie ist bei der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung angesiedelt. Vorrangige Ziele werden die Abstimmung der Aktivit\u00e4ten aller Landesressorts und der zahlreichen zivilgesellschaftlichen Stellen sein, die sich in Nordrhein-Westfalen gegen Rechtsextremismus und Rassismus engagieren, sowie die F\u00f6rderung der weiteren Vernetzung. Ein Instrument des Handlungskonzepts ist unter anderem auch die in 2017 angelaufene Vergabe von F\u00f6rdermitteln des Landes an Kreise und kreisfreie St\u00e4dte. Damit k\u00f6nnen vor Ort passgenaue Handlungskonzepte entwickelt werden. Interministerielle Arbeitsgruppe Salafismuspr\u00e4vention Am 20. M\u00e4rz 2017 wurde dem nordrhein-westf\u00e4lischen Landtag der erste Zwischenbericht zum ganzheitlichen Handlungskonzept zur Bek\u00e4mpfung des gewaltbereiten verfassungsfeindlichen Salafismus vorgelegt. In der 2016 eingerichteten unbefristeten Interministeriellen Arbeitsgruppe (IMAG) zum Thema \"Salafismuspr\u00e4vention als gesamtgesellschaftliche Aufgabe\" sind die zust\u00e4ndigen Ministerien vertreten. Sie hat ein ganzheitliches Handlungskonzept zur Bek\u00e4mpfung des gewaltbereiten verfassungsfeindlichen Salafismus entwickelt. Dieses Konzept orientiert sich an der Lebensbiografie eines Heranwachsenden und dem ihn jeweils begleitenden Lebensumfeld. Neben gef\u00e4hrdeten Personen sollen auch die Akteure in ihrem Umfeld durch konkrete Ma\u00dfnahmen gest\u00e4rkt und gegen \"verf\u00fchrende\" Botschaften und Anwerbungen durch die islamistische Szene immunisiert werden. Unter Einbindung wissenschaftlicher Expertise und von Erfahrungen aus der zivilgesellschaftlichen Praxis wurden 27 konkrete Projekte entwickelt und im Zwischenbericht dargestellt. Sie beziehen sich auf die Bereiche Sozialr\u00e4ume, Schule, Justizvollzug, Einbeziehung von Muslimen als Akteure, Medien, Propaganda sowie Frauen und M\u00e4dchen. Dem Leitgedanken des Handlungskonzeptes folgend wird bei der Umsetzung der Projekte ein gro\u00dfes Augenmerk auf die B\u00fcndelung der Einzelma\u00dfnahmen und die Vernetzung der beteiligten Partner gelegt. Die Mitglieder der IMAG haben die Umsetzung der in ihrer Verantwortung liegenden 27 Projekte \u00fcber 2017 hinaus vorangetrieben. Au\u00dferdem wurde mit der Betrachtung von weiteren Themenschwerpunkten und der Entwicklung von entsprechenden konkreten Projekten begonnen. Die Erstellung eines weiteren Berichtes der IMAG ist f\u00fcr die zweite Jahresh\u00e4lfte 2018 vorgesehen. Kompetenznetzwerk CoreNRW Das Kompetenznetzwerk CoreNRW (Connecting Research on Extremism NRW) wurde im Jahr 2017 durch das Ministerium f\u00fcr Kultur und Wissenschaft und das Ministerium des Innern weiter aufgebaut. Neben den Ministerien wird das Netzwerk von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen aus Universit\u00e4ten, Fachhochschulen und Forschungseinrichtungen sowie von Akteuren der Pr\u00e4vention getragen. Es setzt auf bedarfsorientierte Forschung und gezielten Wissenstransfer im Bereich des extremistischen Salafismus. 136","Koordinierungsstelle des Netzwerkes ist das Institut f\u00fcr interdisziplin\u00e4re Konfliktund Gewaltforschung an der Universit\u00e4t Bielefeld, das innerhalb des Netzwerkes unter anderem Steuerungs-, Vernetzungsund Vermittlungsfunktionen wahrnimmt sowie Forschungsbedarfe zusammenstellt. Die ersten Forschungsprojekte sind bereits angelaufen. Sie werden durch Haushaltsmittel des Wissenschaftsministeriums gef\u00f6rdert, Das Netzwerk stellt eine Basis f\u00fcr die notwendige Vernetzung von Sicherheitsbeh\u00f6rden, Wissenschaft und Pr\u00e4vention dar. Projekt \"Kommunen gegen Extremismus\" Seit 2014 f\u00fchrt der nordrhein-westf\u00e4lische Verfassungsschutz zusammen mit dem polizeilichen Staatsschutz des jeweils zust\u00e4ndigen Polizeipr\u00e4sidiums das Projekt \"Kommunen gegen Extremismus\" durch. Im Zentrum steht die Kooperation zwischen Sicherheitsbeh\u00f6rden sowie Kreisen, St\u00e4dten und Gemeinden auf der Grundlage vertrauensvoller Zusammenarbeit. Durch gegenseitigen Informationsaustausch soll jeder Art von Extremismus im Vorfeld der Entstehung entgegenwirket werden. Das Projekt wurde als Pilot im Kreis Mettmann gestartet. In den folgenden Jahren ist es auf den Rhein-Kreis Neuss, den Rhein-Erft-Kreis, den Rhein-Sieg-Kreis und die Stadt M\u00f6nchengladbach ausgedehnt worden. Zuletzt haben sich der Kreis Paderborn mit seinen kreisangeh\u00f6rigen Kommunen sowie die kreisfreie Stadt Remscheid angeschlossen. Es gibt zudem Kontakte zu verschiedenen weiteren St\u00e4dten in Nordrhein-Westfalen. Eine Erweiterung des Projekts auf bisher nicht beteiligte Landkreise und St\u00e4dte ist beabsichtigt. Pr\u00e4vention auf allen Ebenen In den Bereichen Islamismus und Rechtsextremismus bringt der Verfassungsschutz NRW seine Erkenntnisse gezielt in alle drei grundlegenden Felder der Pr\u00e4vention ein. In Wissenschaft und p\u00e4dagogischer Praxis wird \u00fcblicherweise zwischen prim\u00e4rer, sekund\u00e4rer und terti\u00e4rer Pr\u00e4vention unterschieden. Eingeteilt wird nach den Zielgruppen, an die sich die Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen richten. Die prim\u00e4re Pr\u00e4vention zielt auf die demokratische \u00d6ffentlichkeit ab (\"Verfassungsschutz durch Aufkl\u00e4rung\"). Bei der sekund\u00e4ren Pr\u00e4vention sind es Personengruppen, die eine N\u00e4he zum extremistischen Denken und Handeln haben. Im Bereich des Rechtsextremismus werden diese Personen beispielsweise h\u00e4ufig als \"rechtsorientiert\" oder \"rechtsaffin\" bezeichnet. Entsprechende Jugendliche befinden sich meist in einer Ann\u00e4herungsphase an extremistische Szenen. Terti\u00e4re Pr\u00e4vention richtet sich an Personen, die fest in der Szene verankert und in ihr aktiv sind. Ma\u00dfnahmen der terti\u00e4ren Pr\u00e4vention sind insbesondere Aussteigerprogramme. Die \u00dcberg\u00e4nge zwischen diesen drei Pr\u00e4ventionsbereichen sind flie\u00dfend, die Unterscheidung ist aber wichtig, weil wirksame Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen passgenau auf die jeweilige Zielgruppe ausgerichtet sein m\u00fcssen. 137","Pr\u00e4ventionsprogramm Wegweiser Wegweiser ist ein wesentlicher Baustein der Fr\u00fchintervention vor allem bei jungen Menschen, die bereits mit der salafistischen Szene sympathisieren oder in diese abzurutschen drohen. Das im Jahr 2014 vom Innenministerium ins Leben gerufene Pr\u00e4ventionsprogramm richtet aber auch an das soziale Umfeld dieser Personengruppe. Nach dem Motto \"Ausstieg vor dem Einstieg\" bietet es konkrete Beratungsangebote f\u00fcr Betroffene und ist auf lokaler Ebene f\u00fcr alle ansprechbar, die Fragen zu den Themen extremistischer Salafismus und Radikalisierung haben oder Unterst\u00fctzung in konkreten Einzelf\u00e4llen ben\u00f6tigen. Der Zugang zum Programm ist so niedrigschwellig wie m\u00f6glich gestaltet. Kostenlose Beratung und Betreuung findet in 13 Anlaufstellen vor Ort (Stand: Ende 2017) statt. Diese werden von lokalen Tr\u00e4gerorganisationen unterhalten. Tr\u00e4ger sind Organisationen aus dem zivilgesellschaftlichen Bereich (rund zwei Drittel) und kommunale Einrichtungen (rund ein Drittel). Breites Angebot zur individuellen Hilfe Es gibt vielf\u00e4ltige m\u00f6gliche Ausl\u00f6ser f\u00fcr eine Radikalisierung. Daher ist Wegweiser breit aufgestellt und kann auf ein gro\u00dfes Netzwerk unterschiedlicher \u00f6rtlicher Akteure und Einrichtungen zur\u00fcckgreifen (unter anderem Vereine, Sozialverb\u00e4nde, kommunale \u00c4mter, Familienberatungsstellen, Jobcenter, Moscheegemeinden, Polizei). Die Netzwerkpartner wurden von Anfang an, das hei\u00dft bereits im Implementierungsverfahren, verantwortlich und verbindlich in die Beratungsstruktur mit eingebunden. Die Wegweiser-Beraterinnen und -Berater arbeiten somit nicht allein. Sie greifen bei multiplen Problemlagen der Betroffenen das vorhandene Regelsystem auf und flankieren es, indem sie vorhandene M\u00f6glichkeiten aktivieren und einbinden sowie Betroffene beraten und unterst\u00fctzen. Sie bleiben ansprechbare Helfer \u00fcber die gesamte Dauer eines Prozesses. Die Wegweiser-Beratungsangebote sind f\u00fcr jedermann zug\u00e4nglich. Sie richten sich vor allem an Angeh\u00f6rige, die auf Radikalisierung hindeutende Ver\u00e4nderungen bei jungen Menschen wahrnehmen. In drei Vierteln der F\u00e4lle werden pubertierende Jugendliche oder Kinder erreicht. Sie befinden sich in einer von Ambivalenz und von sprunghaften Verhalten gepr\u00e4gten Phase, sind in der Regel einer Vielzahl von Problemlagen ausgesetzt und sind daher f\u00fcr die einfachen Antworten der salafistischen Verf\u00fchrer auf die komplexen Fragen dieser Lebensphase besonders empf\u00e4nglich. Das Programm wird dar\u00fcber hinaus insbesondere aus dem Schulbereich und dem entsprechenden Umfeld nachgefragt. Dort werden Ver\u00e4nderungen besonders h\u00e4ufig bemerkt. Ausbau des Programms Die Nachfrage nach Beratungen und Vortr\u00e4gen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Wegweiser war auch im Berichtszeitraum weiterhin hoch. Von Beginn des Programms bis zum Ende des Jahres 2017 wurden \u00fcber 600 direkt betroffene Jugendliche und Kinder beraten. Davon haben sich in \u00fcber 250 komplexen F\u00e4llen l\u00e4ngerfristige Betreuungen durch das Wegweiser-Programm ergeben. In der \u00fcberwiegenden Anzahl (80 bis 90 Prozent) haben diese Beratungsf\u00e4lle einen positiven Verlauf genommen. Die bedeutet, dass offensichtlich extremistische Verhaltensweisen und Einstellungen bei den betroffenen jungen Menschen nicht mehr handlungsleitend waren und neue Perspektiven f\u00fcr sie erarbeitet werden konnten. Dar\u00fcber hinaus wurden bis zum Ende des Berichtsjahrs nahezu 11.000 Umfeldberatungen und rund 1.800 Sensibilisierungsveranstaltungen durchgef\u00fchrt. Der Ausbau des vollst\u00e4ndig vom Ministerium des Innern finanzierten Wegweiser-Programms wurde im Jahr 2017 konsequent fortgef\u00fchrt. Neben zehn bereits in Betrieb befindlichen Beratungsstellen wurde die Arbeit im Laufe des Jahres 2017 an den Standorten Aachen, Bielefeld/Herford und Essen aufgenommen. Die Landesregierung verfolgt die Ziele, landesweit allen Betroffenen eine entsprechende Beratung und Unterst\u00fctzung zukommen zu lassen und Aufkl\u00e4rungsund Sensibilisierungsarbeit zum Thema gewaltbereiter Salafismus in allen Teilen NordrheinWestfalens durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen. Daher sollen auch in 2018 weitere Wegweiser-Beratungsstellen eingerichtet werden. In der Phase der Implementierung befinden sich Beratungsstellen in Oberhausen/M\u00fclheim an der Ruhr, Gelsenkirchen, Recklinghausen/Bottrop, Hagen/Ennepe-Ruhr-Kreis/M\u00e4rkischer Kreis und Rhein-Kreis Neuss. Zus\u00e4tzlich sind sieben weitere Standorte in Nordrhein-Westfalen geplant. Mit dann insgesamt 25 Anlaufstellen sowie zus\u00e4tzlichem Personal an sechs bereits bestehenden Standorten soll Ende 2018 eine landesweite Abdeckung mit dem Wegweiser-Beratungsangebot erreicht werden. 138","Kontakt zu Wegweiser Eine \u00dcbersicht der Wegweiser-Beratungsstellen vor Ort mit Kontaktinformationen bietet die Webseite www.wegweiser.nrw.de. Dort sind zudem Antworten auf h\u00e4ufige Fragen rund um das Programm zu finden. Das Ministerium des Innern unterh\u00e4lt eine Wegweiser-Hotline unter der Rufnummer 0211 / 871-2728. Hier k\u00f6nnen sich Ratsuchende aus ganz Nordrhein-Westfalen von Montag bis Freitag, jeweils von 8:00 bis 18:00 Uhr, vertrauensvoll Hilfe bei geschulten Beraterinnen und Berater holen. Die E-Mail-Adresse lautet info@wegweiser.nrw.de. Die zentrale Hotline vermittelt auf Wunsch Ansprechpartner vor Ort. 139","Aussteigerprogramme des Verfassungsschutzes Aussteigerprogramme haben einen gro\u00dfen Stellenwert bei der Extremismus-Pr\u00e4vention. Sie bieten Angeh\u00f6rigen extremistischer Szenen eine M\u00f6glichkeit, in die demokratische Gesellschaft zur\u00fcckzukehren. Die ist h\u00e4ufig mit einer langj\u00e4hrigen Begleitung verbunden. Der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen betreibt bereits seit Jahren Aussteigerprogramme in den Bereichen Rechtsextremismus und Islamismus. Derzeit richtet er ein weiteres Aussteigerprogramm f\u00fcr Szeneangeh\u00f6rige des Linksund auslandsbezogenen Extremismus ein. Damit bietet der Verfassungsschutz bei der terti\u00e4ren Pr\u00e4vention nun Unterst\u00fctzungsangebote in allen Extremismus-Feldern an. Personelle Verst\u00e4rkung Aussteigerprogramme sollen dabei helfen, m\u00f6gliche einschl\u00e4gige Straftaten zu verhindern und das extremistische Personenpotential zu reduzieren. Ein wesentliches Element der Ausstiegsarbeit ist die Aufarbeitung der extremistischen Vergangenheit und Ideologie. In pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4chen werden Einstiegsprozesse beleuchtet und undemokratische Denkmuster hinterfragt. Voraussetzungen f\u00fcr eine Teilnahme am Programm sind Freiwilligkeit und ein klar formulierter Ausstiegswille. Speziell ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter begleiten den Ausstieg. Sie verf\u00fcgen \u00fcber besonderes Fachwissen zur jeweiligen extremistischen Szene. Die Teammitglieder verf\u00fcgen \u00fcber berufliche Vorerfahrungen und Kenntnisse aus den Bereichen Polizei, Verfassungsschutz, Justiz, Islam-, Rechtsund Politikwissenschaft sowie Psychologie, P\u00e4dagogik und soziale Arbeit. Dies schafft eine Grundlage f\u00fcr passgenaue Methoden der Deradikalisierung und der sozialen Stabilisierung. So k\u00f6nnen beispielsweise eigens auf die jeweiligen Extremismen bezogene Anti-Aggressivit\u00e4tsund Anti-Gewalt-Trainings oder eine zielgerichtete Haftbetreuung angeboten werden. Die im Jahr 2016 begonnene personelle Verst\u00e4rkung der Programme ist im Jahr 2017 fortgef\u00fchrt worden. Eine weitere personelle Aufstockung ist f\u00fcr das Jahr 2018 geplant. Damit k\u00f6nnen der Aufbau des neuen Aussteigerprogramms f\u00fcr die Bereiche Linksextremismus und auslandsbezogener Extremismus realisiert, die weiterhin steigende Nachfrage in allen Programmen bedient sowie eine noch intensivere und an den jeweiligen Bed\u00fcrfnissen der Klienten ausgerichtete Unterst\u00fctzung und Begleitung angeboten werden. Ausstiegswillige Personen sehen sich in der Regel mit vielf\u00e4ltigen Problemlagen konfrontiert. Sie sind unter anderem gepr\u00e4gt durch Arbeitslosigkeit, finanzielle Schwierigkeiten, erhebliche Suchterkrankungen mit verst\u00e4rkter psychischer Labilit\u00e4t wie Drogenund Alkoholabh\u00e4ngigkeiten, Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rungen, psychischen Beeintr\u00e4chtigungen oder die Herausforderung, den Alltag pl\u00f6tzlich ohne die \"einfachen\" und strukturgebenden Antworten extremistischer Ideologien bew\u00e4ltigen zu m\u00fcssen. Die Aussteigerprogramme des Verfassungsschutzes NRW leisten daher neben der ideologischen Aufarbeitung auch vielf\u00e4ltige Hilfestellungen zur Bew\u00e4ltigung und Unterst\u00fctzung des Alltags der Teilnehmenden. Ein enger Austausch zwischen den beteiligten Akteuren unter anderem aus den Bereichen Justiz und Polizei ist ein wesentlicher Faktor f\u00fcr eine erfolgreiche Arbeit der Aussteigerprogramme. Das gilt insbesondere f\u00fcr die Koordination der Begleitung von inhaftierten Personen w\u00e4hrend einer Haftzeit oder in F\u00e4llen, in denen die Polizei mit Hinweisen auf m\u00f6gliche ausstiegswillige Personen an die Aussteigerprogramme herantritt. Die Vernetzung von Pr\u00e4ventionsakteuren reicht \u00fcber die Grenzen Nordrhein-Westfalens hinaus. Sie wird durch einen regelm\u00e4\u00dfig stattfindenden l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Erfahrungsaustausch verstetigt und weiter ausgebaut. Das Themenspektrum reicht von der Information \u00fcber Entwicklungen der jeweiligen Programme hin zur Erarbeitung gemeinsamer Standards f\u00fcr die Ausstiegsarbeit. Neben dem intensiven Austausch mit Beh\u00f6rden sind die Programme in allen wesentlichen Hilfesystemen vernetzt. Dies erm\u00f6glicht eine konkrete und individuelle Hilfe beispielsweise bei der Arbeitsplatzsuche, bei der Eingliederung in Qualifizierungsma\u00dfnahmen sowie in F\u00e4llen der Schuldneroder Suchtberatung. Im Vordergrund steht stets, die eigenen Ressourcen der Klienten zu mobilisieren und so \"Hilfe zur Selbsthilfe\" zu leisten. N\u00e4her an die Zielgruppen heran Der nordrhein-westf\u00e4lische Verfassungsschutz erweitert seine \u00d6ffentlichkeitsarbeit zu den Aussteigerprogrammen mit dem Ziel, noch n\u00e4her an die Zielgruppen der Programme heranzukommen und damit die eigene Sichtbarkeit zu erh\u00f6hen. Erste Schritte entsprechender Kampagnen sind die Einrichtung von Facebook-Seiten f\u00fcr das 140","Aussteigerprogramm Rechtsextremismus \"Spurwechsel\" und das Aussteigerprogramm Islamismus \"API\" im Jahr 2017. Die Seiten geben Einblicke in die Angebote und die Arbeit der Programme. Sie verdeutlichen zudem die negativen Auswirkungen, die extremistische Einstellungen und ein entsprechendes Verhalten auf die Betroffenen selbst und auf Dritte haben. Ausstiegswillige Personen haben \u00fcber die Angebote die M\u00f6glichkeit, sich jederzeit und bei Bedarf auch in zun\u00e4chst anonymisierter Form mit ihren Fragen und Anliegen an die Programme zu wenden. Dort stehen virtuelle Ausstiegsbegleiter f\u00fcr einen niederschwelligen Erstkontakt zur Verf\u00fcgung. Dahinter stehen Mitarbeiter der Programme, die f\u00fcr diesen Zweck speziell zu Online-Beratern ausgebildet worden sind. Einen neuen Zugang zur Zielgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen erm\u00f6glichte die Teilnahme des Verfassungsschutzes an der weltweit gr\u00f6\u00dften Computerund Videospiele-Messe Gamescom im August 2017 in K\u00f6ln. Auf einem eigenen Stand wurden auch die Aussteigerprogramme als Teil der Pr\u00e4ventionsarbeit der Landesregierung im Bereich des Extremismus pr\u00e4sentiert. Ein vom Verfassungsschutz produzierter Virtual-RealityFilm (VR) zum Thema Islamismus weckte das Interesse der zahlreichen Standbesucher. Mit entsprechenden VRBrillen konnten sich die Jugendlichen am Stand in der virtuellen Szenerie umsehen. Ein Bildschirmquiz zum Extremismus gab den Anlass f\u00fcr viele, teilweise intensive Gespr\u00e4che. Weitere Elemente der verst\u00e4rkten \u00d6ffentlichkeitsarbeit werden unter anderem der kontinuierliche Ausbau von Aktivit\u00e4ten in den sozialen Medien, onund offline sichtbare Werbungen sowie f\u00fcr die Zielgruppen optimierte Websites sein. Eine Einbeziehung des Aussteigerprogramms Linksextremismus ist in Vorbereitung. Aussteigerprogramme NRW bei Facebook API: www.facebook.com / api.nrw Spurwechsel: www.facebook.com / spurwechsel.nrw Neben der erneuten Teilnahme beim Deutschen Pr\u00e4ventionstag in Hannover waren die Aussteigerprogramme im Jahr 2017 verst\u00e4rkt mit eigenen St\u00e4nden, Workshops und Vortr\u00e4gen bei weiteren bew\u00e4hrten Formaten des Pr\u00e4ventionsbereichs vertreten. Sie beteiligten sich beispielsweise an Veranstaltungsreihen der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung und der Tagung \"Grenzenloser Salafismus - Grenzenlose Pr\u00e4vention?\" der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung im Dezember 2017 in Mannheim. St\u00e4rkere Ausrichtung auf Frauen Die Aussteigerprogramme des nordrhein-westf\u00e4lischen Verfassungsschutzes haben in den zur\u00fcckliegenden Jahren \u00fcberwiegend m\u00e4nnliche Extremisten betreut, obwohl sich das Angebot zu keinem Zeitpunkt nur an M\u00e4nner richtete. Es stellte sich daher die besondere Herausforderung, Frauen zu erreichen und zu einer Distanzierung von der jeweiligen extremistischen Szene zu bewegen. Dieser Herausforderung ist der Verfassungsschutz mit einer gezielten Einstellung weiblicher Ausstiegsbegleiterinnen sowie einer auf Frauen und M\u00e4dchen gerichteten Akzentuierung der Ansprache begegnet. Weibliche Klientinnen sind in der Ausstiegshilfe zwar nach wie vor unterrepr\u00e4sentiert, ihr Anteil ist jedoch mittlerweile auf knapp 20 Prozent angestiegen. Ausstiegsbegleiterinnen werden von weiblichen Aussteigerinnen gut angenommen. Das API spricht gezielt und aktiv islamistische Frauen wie beispielsweise R\u00fcckkehrerinnen aus Syrien und dem Irak an. Damit wird fr\u00fchzeitig eine intensive Begleitung im ideologischen Distanzierungsprozess m\u00f6glich. Das Konzept zur zielgerichteten Ansprache und Begleitung extremistischer Frauen und M\u00e4dchen wurde auch im Jahr 2017 in der Ausstiegsarbeit ber\u00fccksichtigt und auf der Grundlage gewonnener Erkenntnisse fortgeschrieben. Spurwechsel - Aussteigerprogramm Rechtsextremismus 180 Personen haben bis zum Ende des Jahres 2017 die rechtsextremistische Szene \u00fcber das Programm Spurwechsel dauerhaft verlassen. Dabei wurden wie in den Vorjahren parallel stets zwischen 40 und 50 Personen aktiv begleitet. Die im Jahr 2015 durch Prof. Dr. Kurt M\u00f6ller von der Hochschule Esslingen und Prof. Dr. Beate K\u00fcpper von der Hochschule Niederrhein vorgestellten Evaluationsergebnisse und die damit verbundenen Empfehlungen wurden im Jahr 2017 weiter aufgegriffen. In einer wissenschaftlich begleiteten internen Projektgruppe wurden unter anderem die Dokumentation sowie Prozesse der Klientenbetreuung \u00fcberarbeitet und angepasst. In 2017 wurde das 141","Programm methodisch weiterentwickelt, und interne Projektgruppen erarbeiten fortlaufend neue Themenschwerpunkte wie beispielsweise die Verst\u00e4rkung der Social-Media-Nutzung und die besondere Ausrichtung der Programme auf Frauen und M\u00e4dchen. Spurwechsel verst\u00e4rkt weiter seine Bem\u00fchungen, m\u00f6glicherweise ausstiegswillige Menschen eigeninitiativ anzusprechen. Auf diesem Wege konnten bereits Klienten zu einer Teilnahme am Programm und damit zu einer Abkehr von der Szene bewegt werden. Im Jahr 2017 haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Programms Spurwechsel an verschiedenen Fachtagungen und Fortbildungen teilgenommen, wie die Bundesarbeitstagung der staatlichen Ausstiegshilfen und verschiedene Veranstaltungen ziviler und staatlicher Programme im Rechtsextremismus. API - Aussteigerprogramm Islamismus Mit dem API unterbreitet der nordrhein-westf\u00e4lische Verfassungsschutz seit 2014 stark radikalisierten und in die islamistische Szene fest eingebundenen Personen ein Angebot, die extremistische Szene zu verlassen. Das Programm steht zudem R\u00fcckkehrern aus Kriegsgebieten und wegen entsprechender politischer Straftaten verurteilten Inhaftierten offen. Voraussetzung ist, dass sie die Bereitschaft haben, sich aus der Szene zu l\u00f6sen. Bei rund 130 Personen ist das API bis Ende 2017 t\u00e4tig geworden. Bis zu 50 F\u00e4lle wurden und werden gleichzeitig aktiv bearbeitet. 14 F\u00e4lle sind nach \u00dcberpr\u00fcfung durch das API an andere Hilfesysteme \u00fcbergeben worden. Drei F\u00e4lle sind abgeschlossen, weil eine Deradikalisierung mit Hilfe des API z\u00fcgig erreicht werden konnte. In einigen F\u00e4llen wurde die Zusammenarbeit jedoch abgebrochen. Die Ausstiegsabsichten m\u00f6glicher Klienten waren nicht oder nicht ausreichend vorhanden, um eine Aufnahme in das Programm zu rechtfertigen. Das API hat von Beginn an eine aktive Fallakquise betrieben. Es hat viele Extremisten proaktiv kontaktiert und auf einen Ausstieg hingearbeitet. Dieses Vorgehen f\u00fchrt naturgem\u00e4\u00df zu einer h\u00f6heren \"Ausfallquote\" als eine prim\u00e4r reaktive Arbeitsweise. Etwa drei\u00dfig Prozent der durch das API begleiteten Klienten wurden proaktiv durch das Programm angesprochen. Wie bei Rechtsextremisten dauert ein Deradikalisierungsprozess im Islamismus zwischen drei und f\u00fcnf Jahre. In etwa 25 F\u00e4llen konnte das API bei aktuellen Klienten eine nachhaltige und mutma\u00dflich dauerhafte Distanzierung von der extremistischen Szene erreichen. Zur Sicherung der Nachhaltigkeit der Entwicklungen wird die Begleitung dieser Personen weiter fortgesetzt. Das Programm wird innerhalb der Szene zunehmend bekannter. Die Anzahl der eigeninitiativen Kontaktaufnahmen beispielsweise inhaftierter Extremisten steigt kontinuierlich an. Die zeigt, dass das API von der Zielgruppe gut angenommen wird. Um diese Entwicklung weiter zu f\u00f6rdern, wurden im Jahr 2017 die Werbung f\u00fcr das API verst\u00e4rkt sowie Veranstaltungen und Fortbildungen bei potentiellen Multiplikatoren durchgef\u00fchrt. Das API wird ebenfalls Tagungen beispielsweise f\u00fcr den polizeilichen Staatsschutz und die Justiz durchf\u00fchren. left - Aussteigerprogramm Linksextremismus Im Laufe des Jahres 2018 wird das dritte Aussteigerprogramm des nordrhein-westf\u00e4lischen Verfassungsschutzes seine Arbeit aufnehmen. Das Programm left wird sich an zwei Personengruppen richten. Dies sind zum einen Linksextremisten, beispielsweise Personen aus dem autonomen Spektrum, und zum anderen Mitglieder auslandsbezogener extremistischer Gruppierungen wie der PKK, der DHKP-C oder der \u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung. Das Jahr 2017 wurde genutzt f\u00fcr die Konzepterstellung, Personalauswahl und Qualifizierung. left greift bei der Arbeitsmethodik und Infrastruktur auf die Erfahrungen der bereits bestehenden Aussteigerprogramme des Verfassungsschutzes zur\u00fcck. Die linksextremistische Szene ist durch eine oftmals besondere Ideologisierung und eine regelm\u00e4\u00dfig explizit ablehnende Haltung dem Staat gegen\u00fcber gepr\u00e4gt. Dies kann das Programm left vor besondere Herausforderungen stellen. Das Programm wird daher einen besonderen Schwerpunkt auf die Identifizierung von und den Austausch mit Multiplikatoren legen. Es wird zudem versuchen, \u00fcber zielgerichtete \u00d6ffentlichkeitsarbeit und Ansprache der Szene Hemmnisse und Bef\u00fcrchtungen abzubauen. Erste Erfahrungen zeigen, dass in der linksextremistischen Szene ebenfalls mit Unterst\u00fctzungsbedarf zu rechnen ist, auch wenn die Fallzahlen niedriger ausfallen d\u00fcrften als bei den beiden bereits etablierten Programmen Rechtsextremismus und Islamismus. 142","Fachtagungen und Kongresse Der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen bringt seine Erkenntnisse regelm\u00e4\u00dfig in Fachtagungen und - kongresse ein. Diese Veranstaltungen bieten wichtige Gelegenheiten zum Dialog mit Wissenschaft und Zivilgesellschaft beispielsweise zu speziellen Fragen des politischen Extremismus, aber auch zu Erfahrungen und Ans\u00e4tzen im Bereich der Pr\u00e4vention. Der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen beteiligt sich \u00fcberwiegend auf Einladung der Veranstalter an Fachtagungen. Er richtet sie aber auch immer wieder selbst gemeinsam mit Partnerorganisationen aus. Tagungsreihe \"Einstiegsprozesse in den Rechtsextremismus und gewaltbereiten Salafismus\" Was motiviert junge Menschen, sich islamistischen oder rechtsextremistischen Szenen anzuschlie\u00dfen? Kristallisieren sich typische Einstiegsmuster heraus? Und im Vergleich dieser Gruppierungen - fallen Parallelen ins Auge oder vor allem Unterschiede? Welche Konsequenzen ergeben sich aus dem genauen Blick auf solche Lebenswege f\u00fcr die Pr\u00e4ventionsarbeit? Fragen wie diese standen im Mittelpunkt der Informationsreihe \"Einstiegsprozesse in den Rechtsextremismus und gewaltbereiten Salafismus\", die die Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung NRW und der nordrhein-westf\u00e4lische Verfassungsschutz gemeinsam konzipiert und durchgef\u00fchrt haben. Sie umfasste drei Fachtagungen am 17. Oktober, 28. November und 5. Dezember 2017 in Bochum, Bielefeld und Wuppertal. Knapp 300 p\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte aus der schulischen und au\u00dferschulischen Arbeit mit Jugendlichen nahmen daran teil. Die Veranstaltungen griffen neben Erkenntnissen der biographischen Forschung die Erfahrungen von Aussteigern und Aussteigerprogrammen auf. Vier Aussteiger aus islamistischen und rechtsextremistischen Gruppierungen sowie aus dem Bereich der t\u00fcrkisch-nationalistischen \"Grauen W\u00f6lfe\" berichteten \u00fcber Motive, Aktivit\u00e4ten, Ideologien und Gef\u00fchle, die sie mit diesen Szenen verbunden haben. Im jeweils abschlie\u00dfenden World Cafe er\u00f6rterten die Teilnehmenden Konsequenzen und Impulse f\u00fcr die Pr\u00e4vention. Die Referenten des Vormittags sowie weitere Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner aus Netzwerken und Initiativen standen an acht Thementischen f\u00fcr Gespr\u00e4che zur Verf\u00fcgung. Die Reihe fand eine sehr positive Resonanz und wird 2018 in M\u00fcnster, Siegen und Aachen fortgesetzt. Fachtag \"Erlebniswelt Rechtsextremismus - Hintergr\u00fcnde und Methoden f\u00fcr die Pr\u00e4ventionsarbeit\" Mit welchen Angeboten und Botschaften wenden sich Rechtsextremisten an Jugendliche? Welche Rolle spielt das Internet? Wie k\u00f6nnen praktische Formen aussehen, um Inszenierungen und Inhalte des Rechtsextremismus in Bildungsveranstaltungen mit Jugendlichen aufzugreifen und ihre Wachsamkeit zu st\u00e4rken? Der Fachtag \"Erlebniswelt Rechtsextremismus. Hintergr\u00fcnde und Methoden f\u00fcr die Pr\u00e4ventionsarbeit\" am 1. Dezember 2017 in der Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen beim Bund in Berlin ging diesen Fragen nach. Er begleitete das Erscheinen der Neuauflage des Bandes \"Erlebniswelt Rechtsextremismus\", den jugendschutz.net und der nordrhein-westf\u00e4lische Verfassungsschutz gemeinsam ver\u00f6ffentlicht haben. Beide Einrichtungen haben den Fachtag veranstaltet. Praktische Impulse standen im Mittelpunkt. Neben zwei Fachvortr\u00e4gen wurden im Plenum Aufkl\u00e4rungsprojekte zu den Themen \"Fake News\" und \"Rechtsextremismus und Sport\" pr\u00e4sentiert. In einem Open Space stellten sich 15 Projekte vor, die einen weiten F\u00e4cher von Ans\u00e4tzen und Methoden repr\u00e4sentieren: Vertreten waren zum Beispiel die Fu\u00dfball-Fanprojekte in NRW, das Ronsdorfer Rockprojekt aus Wuppertal, das intensiv mit Jugendbands arbeitet und CDs gegen Rassismus ver\u00f6ffentlicht hat, das Zentrum f\u00fcr schulpraktische Lehrerausbildung in Hamm, das einen aufw\u00e4ndigen, regelm\u00e4\u00dfig stattfindenden Studientag \"Erlebniswelt Rechtsextremismus\" f\u00fcr Lehramtsanw\u00e4rter/innen pr\u00e4sentierte, und das Schlosstheater Moers, das seit Jahren die Moerser Jugendkongresse f\u00fcr Demokratie und gegen Extremismus mitveranstaltet. Fortbildungstagung \"Extremistische Bewegungen: aktuelle Gef\u00e4hrdungen f\u00fcr unsere Demokratie?\" Gemeinsam mit dem nordrhein-westf\u00e4lischen Landesverband der Deutschen Vereinigung f\u00fcr Politische Bildung (DVPB) hat der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen am 13. Dezember 2017 zum zweiten Mal die Fortbildungstagung \"Extremistische Bewegungen: aktuelle Gef\u00e4hrdungen f\u00fcr unsere Demokratie?\" veranstaltet. 143","Teilnehmende waren Lehrkr\u00e4fte, Fachkr\u00e4fte der Lehrerausbildung und Vertreter zivilgesellschaftlicher Organisationen, die in der au\u00dferschulischen Bildungsarbeit t\u00e4tig sind. Im Mittelpunkt standen Impulsvortr\u00e4ge \u00fcber Rechtsextremismus und Islamismus als aktuelle Gef\u00e4hrdungen f\u00fcr die Demokratie. Ein Musiklehrer aus K\u00f6ln stellte eine vom ihm konzipierte Unterrichtsreihe zum Thema \"Rechtsextremistische Musik\" vor. Dar\u00fcber hinaus bestand Gelegenheit, mit einer Aussteigerin aus dem Rechtsextremismus in ein intensives Gespr\u00e4ch zu kommen. Eine Fortsetzung dieses Tagungsformates ist geplant. Herausforderung extremistischer Salafismus - Angebote f\u00fcr Schule und Jugendarbeit Der extremistische Salafismus bleibt eine aktuelle Herausforderung auch f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte an Schulen sowie f\u00fcr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Jugendarbeit. Wie kann man Jugendliche erreichen, mit ihnen ins Gespr\u00e4ch kommen und sie sensibilisieren? Das Ministerium des Innern hat in Zusammenarbeit mit dem Ministerium f\u00fcr Schule und Bildung Angebote zusammengestellt, die im Unterricht und in der au\u00dferschulischen Arbeit mit jungen Menschen helfen sollen, \u00fcber extremistischen Salafismus aufzukl\u00e4ren. Schulen und Jugendeinrichtungen konnten 2017 vier kostenfreie Module online anfordern: ein Theaterst\u00fcck, Autorenlesungen zweier Jugendb\u00fccher und einen Comic-Workshop. Die konstant hohe Nachfrage best\u00e4tigte den gro\u00dfen Bedarf an Unterst\u00fctzung insbesondere an Schulen. 2017 wurden \u00fcber 100 Veranstaltungen durchgef\u00fchrt und mehr als 9.000 Jugendliche erreicht. Die Resonanz sowie die per Feedback-Bogen gezielt abgefragten R\u00fcckmeldungen der veranstaltenden Schulen waren durchweg positiv. F\u00fcr das Jahr 2018 ist das Angebot auf acht Module zur kreativen und k\u00fcnstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema Salafismus erweitert worden. Die folgenden Angebote wurden bei einer Informationsveranstaltung f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte und Besch\u00e4ftigte in der Jugendarbeit am 13. Dezember 2017 im Jungen Schauspiel D\u00fcsseldorf vorgestellt: das Theaterst\u00fcck \"Dschihad One-Way\" des Jungen Theaters Hof das Theaterst\u00fcck \"Paradies\" des Jungen Schauspiels D\u00fcsseldorf eine Lesung des Romans \"Dschihad Calling\" durch den Autor Christian Linker ein fachlich begleiteter Comic-Workshop mit dem Zeichner Peter Schaaff und der Expertin f\u00fcr Kinderund Jugendarbeit Sinem Aslan das Klassenzimmer-Theaterst\u00fcck \"321 EXIT\" des Jungen Theaters Hof der Workshop \"Cool und radikal?! Eine Analyse islamistischer Internetpropaganda\" mit Dr. Josephine B. Schmitt und Julian Ernst von der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln eine Vorf\u00fchrung des Kinofilms \"Der Himmel wird warten\" mit begleitendem Seminar des Instituts f\u00fcr Kino und Filmkultur in Wiesbaden Lehrmaterialien des Vereins ufuq.de in Berlin. Die Angebote sind abrufbar \u00fcber die Webseite www.im.nrw.de/salafismus-praevention Gamescom Entertainment-Messe in K\u00f6ln Im August 2017 war der Verfassungsschutz NRW erstmals mit einem eigenen Stand auf der Gamescom Entertainment-Messe in K\u00f6ln vertreten. Mit rund 500.000 Besuchern aus 106 L\u00e4ndern ist sie die weltweit gr\u00f6\u00dfte Messe f\u00fcr Computerund Videospiele. Extremistische Propaganda verbreitet sich rasant in sozialen Netzwerken und anderen Online-Welten. Sie kann dazu f\u00fchren, junge Menschen ideologisch zu beeinflussen und zu radikalisieren. Die Aussteigerprogramme f\u00fcr Rechtsextremisten (\"Spurwechsel\") und Islamisten (API) sowie das Pr\u00e4ventionsprogramm \"Wegweiser\" pr\u00e4sentierten sich dem internationalen Publikum und kl\u00e4rten auf. Die durch 144","plakative Bildelemente auffallende Standgestaltung erreichte die junge Zielgruppe. Multimediale Angebote wie ein interaktiver Virtual Reality-Film, ein Extremismus-Quiz und umfassendes Informationsmaterial stie\u00dfen auf gro\u00dfes Interesse und Offenheit bei den Jugendlichen. Sie boten einen sehr guten Einstieg, um mit medienaffinen jungen Menschen sowie mit Multiplikatorinnen und Multiplikatoren ins Gespr\u00e4ch zu kommen und h\u00e4ufig lebhaft zu diskutieren. 22. Deutscher Pr\u00e4ventionstag in Hannover Der nordrhein-westf\u00e4lische Verfassungsschutz hat sich im Juni 2017 in Hannover zum dritten Mal mit einem eigenen Stand am Deutschen Pr\u00e4ventionstag beteiligt. Extremismuspr\u00e4vention hat sich bei dem gr\u00f6\u00dften europ\u00e4ischen Fachkongress im Bereich Pr\u00e4vention zu einem zunehmend relevanten Thema entwickelt. Die vielf\u00e4ltigen Pr\u00e4ventionsangebote des Verfassungsschutzes sind daher auf ein gro\u00dfes Interesse beim nationalen und internationalen Fachpublikum gesto\u00dfen. Am Stand fanden Gespr\u00e4che zu konkreten Einzelf\u00e4llen statt, in denen auf Hilfsund Beratungsangebote hingewiesen wurde. Der Pr\u00e4ventionstag bot zudem die M\u00f6glichkeit, sich mit Vertreterinnen und Vertretern aus Praxis und Wissenschaft intensiv \u00fcber zuk\u00fcnftige Herausforderungen der Pr\u00e4ventionsarbeit auszutauschen. 145","VIR - Ver\u00e4nderungsimpulse setzen bei rechtsorientierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen Zum f\u00fcnften Mal wurden im Jahr 2017 Trainerinnen und Trainer ausgebildet, um p\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte und andere Interessierte nach dem VIR-Konzept fortzubilden. VIR-Fortbildungen richten sich an Personen, die beruflich oder ehrenamtlich mit rechtsorientierten Jugendlichen oder jungen Erwachsenen im Kontakt sind, also mit jungen Menschen, die sich der rechtsextremistischen Szene ann\u00e4hern, aber noch nicht fest in ihr verankert sind. Der VIRAnsatz verfolgt das Ziel, Impulse in Alltagssituationen zu setzen, die zur Ver\u00e4nderung des eigenen Denkens und Handelns motivieren. Trainer/innen-Ausbildung in Bielefeld Der Steuerungskreis des VIR-Projekts bildet in der Regel einmal j\u00e4hrlich Trainerinnen und Trainer aus. Sie werden damit vorbereitet, anschlie\u00dfend selbst dreit\u00e4gige Fortbildungen in Zweierteams durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen. Teilnehmende sind \u00fcberwiegend p\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte, die zum Teil langj\u00e4hrige Erfahrungen aus der Jugendhilfe sowie aus Pr\u00e4ventionsund Bildungsprogrammen mitbringen. Die f\u00fcnfte VIR-Ausbildung fand vom 25. bis 28. September 2017 in Bielefeld statt. Die neu ausgebildeten Trainerinnen und Trainer arbeiten beispielsweise in Fu\u00dfball-Fanprojekten, in Ausstiegshilfen f\u00fcr Rechtsextremisten, in der Bew\u00e4hrungshilfe und der offenen Jugendarbeit. Insgesamt wurden bisher rund 80 VIR-Trainerinnen und -Trainer lizensiert, die \u00fcberwiegend in Nordrhein-Westfalen t\u00e4tig sind. Weitere sind in Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein ans\u00e4ssig. Nach dem Schneeballeffekt sollen VIR-Fortbildungen an m\u00f6glichst vielen Orten zur Verf\u00fcgung stehen. Ausgebildete Trainerinnen und Trainer haben 2017 eigene VIR-Fortbildungen unter anderem im Oberbergischen Kreis, in Oldenburg, an der Universit\u00e4t Rostock und an der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe (Bochum) durchgef\u00fchrt. Elemente des VIR-Konzepts wurden zudem in andere Fortbildungsformate wie beispielsweise Deeskalationstrainings integriert. Gutachten best\u00e4tigt \"sehr gut durchstrukturierte Methodik\" Die Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung hat die Trainerausbildung 2017 begleitet. In ihrem Auftrag nahm der K\u00f6lner Politikwissenschaftler Hans-Georg L\u00fctzenkirchen an der Veranstaltung in Bielefeld teil. Sein Gutachten kommt unter anderem zu dem Ergebnis: \"Die VIR-Fortbildung bietet eine bew\u00e4hrte und sehr gut durchstrukturierte Methodik, die geeignet ist, in der sozialen, sozialp\u00e4dagogischen, pr\u00e4ventiven oder beratenden Arbeit mit rechtsorientierten Jugendlichen oder jungen Erwachsenen Ver\u00e4nderungsprozesse anzuregen und zu entwickeln.\" Der Bericht entwirft dar\u00fcber hinaus Anregungen, um Inhalte und Methoden des VIR-Projekts enger mit der politischen Bildung zu verzahnen. Reflexionsund Vernetzungstreffen in Dortmund Alle seit 2014 ausgebildeten VIR-Trainerinnen und -Trainer hatten beim zweiten Reflexionsund Vernetzungstreffen in Dortmund am 12. Dezember 2017 Gelegenheit, ihre Erfahrungen auszutauschen. Im Mittelpunkt standen zudem aktuelle Informationen zur rechtsextremistischen Musik-Szene und das intensive Gespr\u00e4ch mit einer Aussteigerin. VIR auf Kongressen und Tagungen Das VIR-Konzept und seine Grundlagen wurden 2017 weiter in Fachkreisen vorund zur Diskussion gestellt. Dies geschah beispielsweise in einer Themenarena und einer Projektpr\u00e4sentation auf dem Deutschen Kinderund Jugendhilfetag am 30. M\u00e4rz in D\u00fcsseldorf. VIR stand auch auf der Agenda der Tagung \"Kulturelle Bildung und Rechtspopulismus?! Perspektiven und Widerspr\u00fcchlichkeiten einer lebensweltorientierten Kulturarbeit mit rechten Jugendszenen\" am 12. Juni in der Akademie der Kulturellen Bildung in Remscheid. Im Juni 2018 stellt sich VIR in einem Projektspot auf dem Deutschen Pr\u00e4ventionstag in Dresden vor. 146","VIR im \u00dcberblick VIR (\"Ver\u00e4nderungsImpulse setzen bei Rechtsorientierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen\") ist ein Fortbildungskonzept, das zehn Bausteine umfasst, darunter \u00dcbungen zur Motivierenden Gespr\u00e4chsf\u00fchrung, ein Modell, das Ver\u00e4nderungsphasen widerspiegelt (Transtheoretisches Modell der Ver\u00e4nderung, TTM) und Grundlagen zum Thema Rechtsextremismus (Rechtslage, \"Erlebniswelt Rechtsextremismus\", Einund Ausstiegsprozesse). Pr\u00e4ventionsansatz VIR-Fortbildungen geht es um die Kommunikation mit Zielgruppen, die skeptisch sind, ob sie ihr Verhalten \u00e4ndern m\u00f6chten. Intensive Beratungsprozesse sind daher zun\u00e4chst aussichtlos. VIR setzt auf Kurzinterventionen; dies sind \"T\u00fcr und Angel\"-Gespr\u00e4che oder Kurzberatungen mit einer Dauer von zehn bis 60 Minuten. Typische Situationen sind Pausengespr\u00e4che in der Schule, Gespr\u00e4che im Jugendzentrum oder zwischen Strafgefangenen und Besch\u00e4ftigten in einer Justizvollzugsanstalt. Akteure Im VIR-Projekt arbeiten staatliche und zivilgesellschaftliche Stellen eng zusammen: Es wird gemeinsam getragen vom Arbeitskreis der Ruhrgebietsst\u00e4dte gegen rechtsextreme Tendenzen bei Jugendlichen (AK-Ruhr), der Katholischen Landesarbeitsgemeinschaft Kinderund Jugendschutz NRW und dem Verfassungsschutz NordrheinWestfalen (Aussteigerprogramm \"Spurwechsel\"). VIR wird fachlich begleitet durch das LWL-Landesjugendamt Westfalen. Die ginko Stiftung f\u00fcr Pr\u00e4vention in M\u00fclheim an der Ruhr, an deren Fortbildungskonzept MOVE (Motivierende Kurzintervention) sich VIR anlehnt, hat das Projekt unterst\u00fctzt. Informationen zum Projekt Weitere Informationen zum VIR-Projekt und Kontaktm\u00f6glichkeiten zu Trainerinnen und Trainern sind unter www.vir.nrw.de abrufbar. 147","Vortr\u00e4ge und Fortbildungen Aufkl\u00e4rung und Sensibilisierung erh\u00f6hen die Wachsamkeit der Menschen. Sie sch\u00fctzen vor extremistischen Bestrebungen und st\u00e4rken demokratische Grundhaltungen in der Gesellschaft. Entsprechend seines gesetzlichen Auftrags informiert und sensibilisiert der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen im Rahmen von Veranstaltungen und Fortbildungen \u00fcber Ideologien, Erscheinungsformen, Anwerbestrategien und Propagandaaktivit\u00e4ten politischer Extremismen. Er kl\u00e4rt \u00fcber deren Auswirkungen sowie \u00fcber die Gefahren f\u00fcr das demokratische Miteinander auf. Der Verfassungsschutz erh\u00e4lt Anfragen aus allen gesellschaftlichen Bereichen wie beispielsweise Schulen, Fortund Weiterbildungseinrichtungen f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte, Polizei, p\u00e4dagogischen Fachkr\u00e4ften unterschiedlicher Arbeitsfelder, Justiz und anderen Beh\u00f6rden wie zum Beispiel Jugend\u00e4mtern. Gro\u00dfes Interesse an Aufkl\u00e4rungsveranstaltungen besteht nach wie vor bei politischen Einrichtungen und Stiftungen, Volkshochschulen sowie hauptund ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Fl\u00fcchtlingseinrichtungen. Dar\u00fcber hinaus wurden in 2017 \u00fcber 60 Vortr\u00e4ge zum Wirtschaftsschutz und der Spionageabwehr gehalten (siehe Kapitel \"Spionageabwehr und Wirtschaftsschutz\"). Schwerpunkte Rechtsextremismus und Islamismus Das Interesse an Vortr\u00e4gen und Fortbildungen \u00fcber Extremisten, deren Netzwerke und Agitationsformen war in 2017 weiter hin sehr hoch. Der nordrhein-westf\u00e4lische Verfassungsschutz hat in diesem Jahr bei rund 320 Veranstaltungen mitgewirkt. Landesweit konnten damit rund 14.300 Menschen \u00fcber den Rechtsextremismus und \u00fcber den Islamismus informiert werden. Die Aufkl\u00e4rungsund Sensibilisierungsveranstaltungen richteten sich haupts\u00e4chlich an Multiplikatorinnen und Multiplikatorinnen. Sie tragen ihr Wissen weiter und sorgen damit f\u00fcr einen hohen Wirkungskreis. Schulen in Nordrhein-Westfalen haben ebenfalls viele Vortr\u00e4ge angefragt. In Unterrichtseinheiten und an Projekttagen konnten zahlreichen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern Kenntnisse \u00fcber politische Extremismen und ihre Erscheinungsformen vermittelt werden. Der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen verfolgt einen ganzheitlichen Aufkl\u00e4rungsund Pr\u00e4ventionsansatz. Das Erreichen einer m\u00f6glichst breiten Zielgruppe verspricht den gr\u00f6\u00dften Erfolg. Eine Vernetzung und Zusammenarbeit von Zivilgesellschaft und Sicherheitsbeh\u00f6rden in der Pr\u00e4vention ist deshalb wichtig. In vielen F\u00e4llen laden zivilgesellschaftliche Tr\u00e4ger den Verfassungsschutz ein, um die eigenen Fachkr\u00e4fte weiterzubilden. Interessierte B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger profitieren ebenfalls bei Veranstaltungen von der Expertise des Verfassungsschutzes. Die Kooperationsveranstaltungen mit der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung haben sich bew\u00e4hrt. Mit der Veranstaltungsreihe \"Einstiegsprozesse\" konnten verschiedene Zielgruppen erreicht werden (siehe Abschnitt Fachtagungen). Der Verfassungsschutz unterst\u00fctzt zudem die Veranstaltungsreihe \"Vielf\u00e4ltiger Islam und gewaltbereiter Salafismus\", die sich insbesondere an p\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte richtet. Sie wird in Kooperation der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung mit dem Ministerium des Innern, dem Ministerium f\u00fcr Schule und Bildung und dem Ministerium f\u00fcr Kinder, Familie, Fl\u00fcchtlinge und Integration durchgef\u00fchrt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Verfassungsschutzes arbeiten im fachlichen Steuerungskreis mit und wirken als Referentinnen und Referenten bei den Veranstaltungen mit. Die Kooperationsveranstaltung des Qualifizierungsprojektes \"Starke Moscheegemeinden - Starke Jugend: F\u00fcr Demokratie - Gegen gewaltbereiten Salafismus\" f\u00fcr Imame und Multiplikatoren in Moscheegemeinden wurde fortgef\u00fchrt. In Kooperation mit der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung sowie dem Ministerium f\u00fcr Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen fanden die Pr\u00e4ventionstage \"F\u00fcr Demokratie - gegen Rechtsextremismus\" f\u00fcr Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler statt. Die Pr\u00e4ventionstage kl\u00e4ren vor allem \u00fcber zwei Facetten des Rechtsextremismus auf, die f\u00fcr Jugendliche besonders wichtig sind: die Musiklandschaft dieser Szene sowie ihre Aktivit\u00e4ten in sozialen Medien und auf anderen Online-Plattformen. Zum Thema Rechtsextremismus fanden erneut zahlreiche Vortr\u00e4ge und Workshops f\u00fcr Jugendliche statt. Die meisten Veranstaltungen richteten sich aber an Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, etwa an Lehrkr\u00e4fte oder andere p\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte. Besonderes Interesse bestand im Jahr 2017 bei Kommunalverwaltungen mit 148","einem speziellen Augenmerk auf Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter. Inhaltlich nahmen die Veranstaltungen zudem Mittel und Strategien in den Fokus, mit denen junge Menschen f\u00fcr diese Szene gewonnen werden sollen (\"Erlebniswelt Rechtsextremismus\"), sowie die Agitation gegen gefl\u00fcchtete Menschen, die die rechtsextremistische Propaganda in j\u00fcngster Zeit besonders pr\u00e4gt. Der Verfassungsschutz beteiligte sich 2017 beispielsweise mit Beitr\u00e4gen zum Rechtsextremismus und Islamismus am Moerser Jugendkongress am 22. November 2017, an einer Fortbildung f\u00fcr Fachkr\u00e4fte der Goethe-Institute am 10. Oktober 2017 sowie an einer Kooperationsveranstaltung mit dem B\u00fcndnis \"Respekt und Mut/D\u00fcsseldorfer Appell\" und der Gesellschaft f\u00fcr christlich-j\u00fcdische Zusammenarbeit am 16. Oktober 2017. Extremistische Salafisten nutzen professionelle Propaganda und Werbestrategien sowie Netzwerke, um vor allem junge Menschen f\u00fcr ihre Ideologie zu gewinnen. Der Verfassungsschutz informiert daher zum Islamismus in zahlreichen Veranstaltungen auf allen Ebenen \u00fcber Netzwerke, Aktivit\u00e4ten und Wirkungsweisen der Ideologie, beleuchtet die Hintergr\u00fcnde und schafft Handlungssicherheit im Umgang mit dem Ph\u00e4nomen. Es bestand weiterhin hohe Nachfrage nach Informationen \u00fcber das Pr\u00e4ventionsprogramm Wegweiser und das Aussteigerprogramm Islamismus sowie deren Beratungsexpertise. In zahlreichen F\u00e4llen konnten an den Veranstaltungen teilnehmende Ratsuchende direkt in Beratungsprogramme und Hilfesysteme vor Ort vermittelt werden. Ziel der Aufkl\u00e4rungsarbeit ist, Informationsl\u00fccken und weit verbreitete Unsicherheiten im Umgang mit dem Ph\u00e4nomen und Unkenntnis \u00fcber bereits vorhandene Beratungsangebote und Pr\u00e4ventionsnetzwerke abzubauen. Nachfragende waren 2017 vor allem B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, Besch\u00e4ftigte in Beh\u00f6rden, insbesondere der Sozialarbeit, Angeh\u00f6rige der Zivilgesellschaft, Schulen, die Justizverwaltung, politische Stiftungen sowie Gremien und weitere Beratungsstrukturen. Durch die breit angelegte Aufkl\u00e4rungsarbeit des Verfassungsschutzes wird die Gesellschaft gegen extremistisches Gedankengut und entsprechende Str\u00f6mungen gest\u00e4rkt. Informierte k\u00f6nnen fr\u00fchzeitig auf \"Signale\" reagieren und so z\u00fcgig niedrigschwellige Beratungsangebote in Anspruch nehmen. Damit werden Einzelf\u00e4lle fr\u00fchzeitig in Pr\u00e4ventionsnetzwerken aufgefangen und Radikalisierungsbiographien verhindert. Aussteigergespr\u00e4che In \u00fcber 70 Veranstaltungen berichteten Aussteigerinnen und Aussteiger aus unterschiedlichen Bereichen des politischen Extremismus \u00fcber ihre Erfahrungen und standen f\u00fcr Gespr\u00e4che zur Verf\u00fcgung. R\u00fcckmeldungen der Teilnehmenden best\u00e4tigen, dass diese Veranstaltungen sehr direkte Einblicke in Lebenswege und Motive geben, die zur Ann\u00e4herung an den Extremismus gef\u00fchrt haben. Sie zeigen besonders deutlich die Gefahren auf, die von diesen Szenen ausgehen, und geben Multiplikatorinnen und Multiplikatoren Impulse f\u00fcr die Pr\u00e4vention. Diese Gespr\u00e4che werden von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Aussteigerprogramme vorbereitet und moderiert. Eine Voraussetzung ist, dass die Begegnung mit Aussteigern in einen didaktischen Kontext eingebettet ist, sodass das Gespr\u00e4ch vertieft und reflektiert wird. Gespr\u00e4che mit Aussteigern aus dem Islamismus, dem Rechtsextremismus und dem auslandsbezogenen Extremismus (\"Graue W\u00f6lfe\") fanden 2017 beispielsweise im Rahmen der Informationsreihe \"Einstiegsprozesse in den Rechtsextremismus und gewaltbereiten Salafismus\" f\u00fcr p\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte statt (siehe Abschnitt Fachtagungen). Sensibilisierungsveranstaltungen im Umfeld von Fl\u00fcchtlingseinrichtungen Der Verfassungsschutz bietet seit 2014 Sensibilisierungsveranstaltungen f\u00fcr Betreiber von Fl\u00fcchtlingseinrichtungen, deren Besch\u00e4ftigte und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer an. Die Veranstaltungen verfolgen das Ziel, \u00fcber den extremistischen Salafismus aufzukl\u00e4ren sowie die Beratungsangebote des Verfassungsschutzes auf allen drei Ebenen der Pr\u00e4vention vorzustellen. Die Teilnehmenden sollen in die Lage versetzt werden, besonders auff\u00e4lliges Verhalten, Wesensver\u00e4nderungen oder gar eine Radikalisierung erkennen und einzuordnen zu k\u00f6nnen. Bisher wurden in 60 Sensibilisierungsveranstaltungen insgesamt 5.900 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren informiert. 149","Ver\u00f6ffentlichungen Aufkl\u00e4rung \u00fcber Ideologien, Strategien, Erscheinungsweisen und Strukturen im politischen Extremismus st\u00e4rkt die Sensibilit\u00e4t und Wachsamkeit der Gesellschaft. Insofern ist sie ein wichtiger Beitrag zur wehrhaften Demokratie. Informationen und Analysen stellt der nordrhein-westf\u00e4lische Verfassungsschutz im Internet sowie in Brosch\u00fcren und anderen Ver\u00f6ffentlichungen zur Verf\u00fcgung. Hinzu kommen Informationsmaterialien wie Plakate, Faltbl\u00e4tter und Visitenkarten, die beispielsweise auf Kontaktm\u00f6glichkeiten zu den Aussteigerprogrammen und zum Pr\u00e4ventionsprogramm Wegweiser hinweisen. Interessierte erhalten diese Publikationen unter anderem bei Vortragsveranstaltungen. Einige Titel k\u00f6nnen zudem \u00fcber die Website www.im.nrw.de/verfassungsschutz online bestellt werden. Die folgenden Ver\u00f6ffentlichungen sind im Jahr 2017 neu erschienen. Brosch\u00fcre \"Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter\" In Nordrhein-Westfalen gibt es eine zunehmende Anzahl von Vorkommnissen mit sogenannten Reichsb\u00fcrgern. Ein konsequentes Vorgehen der Beh\u00f6rden ist geboten. Im September 2017 hat der Verfassungsschutz NordrheinWestfalen die Brosch\u00fcre \"Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter - Erkennen, einordnen, richtig handeln\" ver\u00f6ffentlicht. Sie richtet sich an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Beh\u00f6rden und sonstigen \u00f6ffentlichen Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen, insbesondere des kommunalen Bereichs. Leserinnen und Leser erhalten einen \u00dcberblick \u00fcber die Szene und konkrete Handlungsempfehlungen im Umgang mit \"Reichsb\u00fcrgern\". Publikation \"Erlebniswelt Rechtsextremismus\" In vollst\u00e4ndig aktualisierter f\u00fcnfter Auflage ist im September 2017 der Sammelband \"Erlebniswelt Rechtsextremismus. modern - subversiv - hasserf\u00fcllt. Hintergr\u00fcnde und Methoden f\u00fcr die Praxis der Pr\u00e4vention\" erschienen. Das Buch ist mit einem Online-Angebot verbunden. Es ist das Ergebnis einer langj\u00e4hrigen Zusammenarbeit des Verfassungsschutzes Nordrhein-Westfalen mit jugendschutz.net, dem gemeinsamen Kompetenzzentrum von Bund und L\u00e4ndern f\u00fcr Jugendschutz im Internet. Beide Stellen geben die Publikation gemeinsam heraus, beigetragen haben mehr als 30 Autorinnen und Autoren aus Schule und au\u00dferschulischer Jugendarbeit, Wissenschaft, Jugendmedienschutz sowie des Verfassungsschutzes. Die Publikation legt einen Schwerpunkt auf optische Modernisierungsprozesse im Rechtsextremismus und hat vor allem die OnlinePr\u00e4senzen dieser Szene im Blick. Neunzehn Projektskizzen erl\u00e4utern Methoden und Ans\u00e4tze, um in der Bildungsarbeit mit Jugendlichen \u00fcber Rechtsextremismus aufzukl\u00e4ren. Der Band steht unter anderem in den Publikationsprogrammen der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung und der EU-Initiative Klicksafe bundesweit zur Verf\u00fcgung. Der Band \"Erlebniswelt Rechtsextremismus\" kann kostenlos oder gegen eine geringe Bereitstellungspauschale unter anderem \u00fcber folgende Websites bezogen werden: Klicksafe. Die EU-Initiative f\u00fcr mehr Sicherheit im Netz, www.klicksafe.de/bestellung Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung, www.bpb.de/shop Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung Nordrhein-Westfalen, www.politische-bildung.nrw.de/print/ P\u00e4dagogische Handreichung zu Wegweiser Unter Einbindung von Fachexpertinnen und -experten haben das Pr\u00e4ventionsreferat des Verfassungsschutzes NRW sowie Anlaufstellen des Programms Wegweiser eine p\u00e4dagogische Handreichung zur WegweiserBeratungsarbeit erarbeitet. Der inhaltliche Fokus der Brosch\u00fcre liegt auf der Darstellung der p\u00e4dagogischen Ans\u00e4tze des Pr\u00e4ventionsprogramms, exemplarisch beschrieben von Wegweiser Bochum. Es werden die in der Beratung auftretenden Problemlagen und Radikalisierungshintergr\u00fcnde sowie die Herangehensweise der Beraterinnen und Berater veranschaulicht. Die Handreichung wird durch allgemeine Informationen zu Hintergr\u00fcnden und zur Jugendkultur des Salafismus komplettiert. Die im Laufe des Jahres 2018 erscheinende Brosch\u00fcre richtet sich an alle Interessierten, insbesondere Akteure aus den Bereichen Sozialarbeit, Bildungseinrichtungen, Jugendhilfe und Pr\u00e4vention. 150","Aufs\u00e4tze in Fachpublikationen In Fachpublikationen wie beispielsweise wissenschaftlichen Sammelb\u00e4nden und Zeitschriften bringen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Verfassungsschutzes Nordrhein-Westfalen regelm\u00e4\u00dfig Analysen zu speziellen Fragen des Extremismus ein. Dies f\u00f6rdert den Informationsund Gedankenaustausch zwischen Verfassungsschutz und akademischer Forschung. Seit einigen Jahren gewinnt das extremistische Ph\u00e4nomen der \"Reichsb\u00fcrger\" an Bedeutung. Die Szene behauptet, dass die Bundesrepublik Deutschland nicht existiere, und bestreitet die Legitimit\u00e4t der staatlichen Beh\u00f6rden. Vor allem kommunale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben mit Personen zu tun, die mit solchen Argumenten rechtm\u00e4\u00dfiges staatliches Handeln behindern wollen. Ein Aufsatz aus dem Verfassungsschutz NRW gibt einen \u00dcberblick \u00fcber diese Szene, ihre Aktivit\u00e4ten und das Gefahrenpotenzial. Die Handlungsm\u00f6glichkeiten im Umgang mit \"Reichsb\u00fcrgern\" werden beleuchtet. Der Beitrag ist erschienen in der Loseblattsammlung \"Praxis der Kommunalverwaltung\" im Kommunalund Schul-Verlag. \"Wir lieben das Fremde - in der Fremde\": Die Zeile stammt aus einer Musik-CD, die Neonazis kostenlos an Kinder und Jugendliche verteilen wollten (\"Projekt Schulhof\"). Ihr liegt das Diskursmuster des Ethnopluralismus zugrunde, im Vergleich zur inhaltlich eng verwandten Parole \"Deutschland den Deutschen - Ausl\u00e4nder raus\" klingen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in einem moderaten Ton an. So soll die Aussage auch jenseits rechtsextremistischer Kreise Akzeptanz finden. Mit diesem Zitat ist ein Aufsatz aus dem nordrhein-westf\u00e4lischen Verfassungsschutz \u00fcberschrieben, der in f\u00fcnf Fallskizzen Ethnopluralismus als Diskursmuster und -strategie im Rechtsextremismus in den Blick nimmt. Er geht auf einen Vortrag am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen zur\u00fcck und ist in dem Band \"Gro\u00dferz\u00e4hlungen des Extremen\" enthalten, den Jennifer Schellh\u00f6h, Jo Reichertz, Volker M. Heins und Armin Flender herausgegeben haben. Ein weiterer Aufsatz verdeutlicht Hintergr\u00fcnde, Struktur und Ansatz des Pr\u00e4ventionsprogramms Wegweiser. Er gibt unter anderem Einblicke in die konkrete Fallarbeit der Beratungsstelle in Bochum. Der Beitrag liefert einen umfassenden \u00dcberblick \u00fcber das Programm Wegweiser und verdeutlicht den niedrigschwelligen, ganzheitlichen Ansatz des Programms. Der Einblick in die Fallarbeit zeigt, wie komplex Beratung und Begleitung in diesem Kontext sein kann. Der Aufsatz geht auf einen Vortrag bei der Tagung \"Kulturkonflikt und Identit\u00e4t\" im April 2017 in Z\u00fcrich zur\u00fcck. Er ist in der Schriftenreihe \"10. Z\u00fcrcher Pr\u00e4ventionsforum\" des Europa Instituts Z\u00fcrich erschienen, die von Christian Schwarzenegger und Rolf N\u00e4geli herausgegeben wird. Weitere Beitr\u00e4ge aus dem Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen sind im Jahr 2017 unter anderem erschienen in der Zeitschrift \"Musikforum\" des Deutschen Musikrats (\"Musik als politische Waffe. Konzerte, Bands und Stile der rechtsextremistischen Szene\", Heft 3/2017), im \"Jugendhilfereport\" des Landschaftsverbands Rheinland (\"Pr\u00e4ventionsprogramm Wegweiser: gemeinsam gegen gewaltbereiten Salafismus\", Heft 3/2017) und in \"Thema Jugend\", die die Katholische Landesarbeitsgemeinschaft Kinderund Jugendschutz NRW herausgibt (\"Gemeinschaft - Action - Anerkennung. Was motiviert Jugendliche, gegen die Demokratie zu denken und zu handeln?\", Heft 2/2017). 151","\u00dcber den Verfassungsschutz Verfassungsschutz ist nach dem Grundgesetz eine Aufgabe der L\u00e4nder und des Bundes. Nordrhein-Westfalen verf\u00fcgt deshalb wie alle L\u00e4nder der Bundesrepublik Deutschland \u00fcber eine eigene Verfassungsschutzbeh\u00f6rde. Das Ministerium des Innern ist Verfassungsschutzbeh\u00f6rde. Die f\u00fcr den Verfassungsschutz zust\u00e4ndige Abteilung nimmt ihre Aufgaben gesondert von der Polizeiorganisation wahr. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden der einzelnen Bundesl\u00e4nder sind gesetzlich dazu verpflichtet, untereinander und mit dem Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz zu kooperieren. Dabei \u00fcbernimmt das Bundesamt die Aufgaben einer Zentralstelle auf Bundesebene. Mit Blick auf die weiterhin angespannte Gef\u00e4hrdungslage in der Bundesrepublik Deutschland und im Land Nordrhein-Westfalen hat die Landesregierung beschlossen, den Verfassungsschutz weiter personell zu verst\u00e4rken. Dementsprechend wurde der Verfassungsschutz im Jahr 2017 um 115 zus\u00e4tzliche Stellen verst\u00e4rkt, so dass f\u00fcr die Abteilung insgesamt 507 Stellen zur Verf\u00fcgung standen. Erg\u00e4nzend dazu wurden die Sachund Investitionsmittel auf 10,21 Millionen Euro erh\u00f6ht. Aufgaben Der Verfassungsschutz hat die Aufgabe, bereits im Vorfeld von konkreten Gef\u00e4hrdungslagen Informationen zu extremistischen Bestrebungen oder Organisationen zu beschaffen, zu sammeln und auszuwerten. Dazu geh\u00f6ren Aktivit\u00e4ten, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder darauf abzielen, die Amtsf\u00fchrung von Verfassungsorganen des Bundes oder eines Landes ungesetzlich zu beeinflussen. Des Weiteren betrifft dies Bestrebungen, die gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung oder das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker gerichtet sind oder die sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten f\u00fcr eine fremde Macht darstellen. Dabei verfolgt der nordrhein-westf\u00e4lische Verfassungsschutz mit den zur Verf\u00fcgung stehenden rechtsstaatlichen Mitteln eine Dreifachstrategie aus Repression, Pr\u00e4vention und Ausstiegshilfe. Es ist seine Aufgabe, fr\u00fchzeitig problematische Entwicklungen zu erkennen und Politik und Gesellschaft zu informieren und zu sensibilisieren. Da eine effektive Bek\u00e4mpfung von Extremismus neben den konkreten Aufgaben von Sicherheitsbeh\u00f6rden auf gesamtgesellschaftlichen Anstrengungen basiert, geht der Verfassungsschutz in die Gesellschaft hinein, kl\u00e4rt auf und bietet alle beteiligten Akteuren eine Zusammenarbeit an. Dabei liegen die aktuellen Schwerpunkte der nordrhein-westf\u00e4lischen Verfassungsschutzbeh\u00f6rde weiterhin in der Aufkl\u00e4rung und Bek\u00e4mpfung des Rechtsextremismus und des gewaltbereiten extremistischen Salafismus. Eine zunehmende Bedeutung f\u00fcr die nachrichtendienstliche Bearbeitung nehmen sicherheitsgef\u00e4hrdende Aktivit\u00e4ten t\u00fcrkischer Organisationen sowie der gewaltorientierte Aufkl\u00e4rungsund Sensibilisierungsarbeit sowie Pr\u00e4ventionsund Aussteigerprogramme verhindern dabei den Einstieg in die jeweilige extremistische Szene beziehungsweise erm\u00f6glichen die Losl\u00f6sung darin eingebundener Personen.. Kontrolle des Verfassungsschutzes Die Aufgaben und Befugnisse der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde sind im Verfassungsschutzgesetz (VSG NRW) definiert. Zugleich ist dort geregelt, durch wen und wie ihr Handeln kontrolliert wird, denn eine rechtliche und politische Kontrolle von Verwaltung sind konstitutive Merkmale des Rechtsstaates. Dies gilt nat\u00fcrlich auch f\u00fcr den Verfassungsschutz. Da die Angelegenheiten des Verfassungsschutzes aufgrund ihrer besonderen Geheimhaltungsbed\u00fcrftigkeit in der Regel nicht \u00f6ffentlich im Parlament oder seinen Aussch\u00fcssen beraten werden k\u00f6nnen, existieren f\u00fcr die Kontrolle besondere Stellen. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Parlamentarische Kontrollgremium (PKG). Der Landtag Nordrhein-Westfalen bestimmt zu Beginn jeder Wahlperiode die Anzahl der Mitglieder des PKG und w\u00e4hlt diese aus seiner Mitte. Das PKG \u00fcberwacht umfassend die T\u00e4tigkeit des Verfassungsschutzes. 152","Verarbeitung personenbezogener Daten Zur Erf\u00fcllung der \u00fcbertragenen Aufgaben d\u00fcrfen Verfassungsschutzbeh\u00f6rden unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen personenbezogene Daten erheben und verarbeiten. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde NordrheinWestfalens nutzt dazu eigene Dateien sowie das \"Nachrichtendienstliche Informationssystem und Wissensnetz\" (NADIS WN), auf das die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden der L\u00e4nder und des Bundes gemeinsam Zugriff haben. Erfasst werden Daten zu Personen, \u00fcber die Erkenntnisse im Zusammenhang mit politischem Extremismus vorliegen. Getrennt davon werden Daten gespeichert zu Personen, die wegen ihres Umgangs mit Verschlusssachen oder ihrer T\u00e4tigkeit in einem sicherheitsempfindlichen Bereich einer Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung unterliegen. Die Durchf\u00fchrung solcher \u00dcberpr\u00fcfungen erfolgt mit Zustimmung der Betroffenen und macht rund 90% aller NADIS-Eintr\u00e4ge aus Nordrhein-Westfalen aus. Evaluation der bis zum 1. Juni 2018 befristeten Befugnisse des Verfassungsschutzes Im Mai 2017 hat die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde dem Landtag einen umfangreichen wissenschaftlichen Evaluationsbericht zu Befugnissen des Verfassungsschutzes vorgelegt, deren Geltung gesetzlich bis zum 1. Juni 2018 befristet war. Im Einzelnen handelte es sich dabei um die Befugnisse zum Beobachten zugangsgesicherter Internetkommunikation auf dem technisch hierf\u00fcr vorgesehenen Weg, zur Erhebung von Ausk\u00fcnften \u00fcber Beteiligte am Zahlungsverkehr und \u00fcber Geldbewegungen und -anlagen sowie um die Befugnisse zur Erhebung von Ausk\u00fcnften \u00fcber Telekommunikationsverbindungsund Nutzungsdaten von Telemedien. Die Evaluation erfolgte entsprechend der Vorgaben des Verfassungsschutzgesetzes unter Einbeziehung eines wissenschaftlichen Sachverst\u00e4ndigen. Im Einvernehmen mit dem Landtag wurde dazu Prof. Dr. Wolff von der Universit\u00e4t Bayreuth beauftragt. Der dem Landtag fristgerecht am 15. Mai 2017 vorgelegte Bericht (Vorlage 16/5009) empfahl - umfassend begr\u00fcndet - die Beibehaltung und unbefristete Verl\u00e4ngerung aller evaluierten Befugnisse. Dieser Empfehlung folgte der Landtag dann bei seiner Entscheidung im Jahr 2018. \u00d6ffentlichkeitsarbeit Eine informierte, aufgekl\u00e4rte \u00d6ffentlichkeit ist Grundvoraussetzung, um die Gesellschaft vor extremistischen Bestrebungen zu sch\u00fctzen. Daher versteht der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen den Leitspruch \"Verfassungsschutz durch Aufkl\u00e4rung\" als einen wesentlichen Arbeitsauftrag. Damit die Bev\u00f6lkerung, Politik und Medien Anzeichen f\u00fcr Extremismus fr\u00fchzeitig erkennen k\u00f6nnen, leistet der nordrhein-westf\u00e4lische Verfassungsschutz eine intensive Aufkl\u00e4rungsarbeit und bietet eine breite Palette verschiedener Informationsmittel an. Dazu geh\u00f6ren Vortr\u00e4ge und Tagungen, Brosch\u00fcren und ein Informationsangebot im Internet. Einen umfassenden Aufkl\u00e4rungsbeitrag, der alle verfassungsschutzrelevanten Themen umfasst, liefert der j\u00e4hrliche Verfassungsschutzbericht. Die Jahresberichte dienen Gerichten und Beh\u00f6rden als Nachschlagewerk zum Extremismus in NRW. Sie werden den Mitgliedern des Landtags zur Unterrichtung \u00fcber Entwicklungen vorgelegt und auch von der \u00d6ffentlichkeit stark nachgefragt. Informationen zu aktuellen Schwerpunktthemen finden sich in Berichten und Brosch\u00fcren, die \u00fcber die Internetseite des Ministeriums des Innern unter www.im.nrw.de/verfassungsschutz abrufbar und kostenfrei bestellbar sind. 153","Liste der Bestrebungen und Organisationen A F \"AKARAM\" Advance Falk News Afrikabrunnen (heute Blue Springs LTD) \"F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Agape e. V. Idealistenvereine in Deutschland e.V. (AD\u00dcTDF)\" al-Asraa (Die Gefangenen) \"F\u00f6deration der Yezidischen Vereine Kurdistans al-Qaida (FKE, fr\u00fcher YEK)\" Altermedia Deutschland F\u00f6deration islamischer Organisationen in Europa (FIOE) \"alternativ, unabh\u00e4ngig, fortschrittlich (AUF)\" \"F\u00f6deration kurdischer Vereine in Deutschland Ansaar D\u00fcsseldorf e.V./Ansaar International (YEK-KOM)\" Ansaarul Aseer (Die Unterst\u00fctzer der Gefangenen) \"Frauenverband Courage e.V.\" \"Antikapitalistische Linke (AKL)\" Freewinds Antisem Versand Freier Widerstand Oberhausen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Freies Netz Stolberg Volkskongress Kurdistans (KONGRA-GEL) Freies Netz S\u00fcd ARMINIUS-Bund des deutschen Volkes Freiheit Autonome Linksextremisten \"Freiheitsfalken Kurdistans (TAK)\" Autonome Nationalisten (AN) Freistaat Preu\u00dfen Freundeskreis Rechts Freundeskreis Rhein-Sieg B Furkan Nesli Dergisi (Magazin der Generation Furkan) Furkan Kultur und Bildungszentrum Bielefeld Sultan Fatih Genclik (BSFG) Furkan Stiftung f\u00fcr Bildung und Dienstleistungen Blck Stone Blickpunkt Furkan-Gemeinschaft Blood and Honour \"Blue Springs LTD. (ehem. Afrikabrunnen)\" -Stiftung) \"B\u00fclten (Bulletin der T\u00fcrkischen F\u00f6deration)\" G C Gemeinschaften Kurdistans (KCK) Germaniten Scientology Germaniten Partei Celebrity Center \"Grup Yorum\" Church of Scientology Combat 18 H D Hamas Hammerskins \"Demokratisch-kurdisches Helfen in Not (HiN) Gesellschaftszentrum (DKTM)\" Hizb Allah - Partei Gottes \"Demokratisch-kurdisches Gesellschaftszentrum Hizb ut-Tahrir - Islamische Befreiungspartei (HuT) Deutschland (NAV-DEM)\" Der III. Weg Der Weg zum Gl\u00fccklichsein I Deutsche Kommunistische Partei (DKP) \"Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH)\" Identit\u00e4re Aktion (IA) Deutsche Stimme (DS) Identit\u00e4re Bewegung Deutschland (IBD) Devrimci Sol Imam-Mahdi-Zentrum DHKP-C Impact Die Rechte \"Internationale Koordination Revolution\u00e4rer Die Wahre Religion (DWR) Parteien und Organisationen (ICOR)\" Division Braune W\u00f6lfe Interventionistische Linke (IL) Division Germania Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) Dogru Haber (Richtige Nachricht) Islamischer Staat (IS) dortmundecho.org Islamistische nordkaukasische Szene (INS) Ismail Aga Cemaati (IAC) E J \"eedhesam.com\" Erbakan Vakfi (Erbakan Stiftung) Izzedin Al-Qassam-Brigaden Jabhat al-Nusra (JaN) Jugend f\u00fcr Menschenrechte Junge Nationaldemokraten (JN) Justizopferhilfe L\u00f6hne 154","K R Kalifatsstaat (Hilafet Devleti) Rebell Kaukasisches Emirat (KE) Recht und Wahrheit Kelhaamet (Pr\u00e4chtiges Diyarbakir) Reconquista Keltisch-Druidische Glaubensgemeinschaft Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter Kendi Dilinden Hizbullah (Die Hizbullah in eigenen Worten) Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei/-Front (DHKP-C) K\u00f6ln f\u00fcr deutschen Sozialismus Revolution\u00e4rer Weg (RW) K\u00d6LN UNZENSIERT Rote Fahne Magazin Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) Rote Hilfe Kommunistische Plattform (KPF) Rotf\u00fcchse Kompetenz Koordination der kurdischen \u00f6kologisch-demokratischen S Gesellschaft in Europa (CDK) Saadet Partisi (SP) L Sag nein zu Drogen Salafistische Szene / Bestrebungen (Salafismus) Landser Scientology Kirche Berlin e.V. (SKB) Lies! (-Kampagne) Scientology Kirche Deutschland e.V. (SKD) Linksjugend ['solid] Scientology Organisation (SO) Lunikoff \"Serxwebun (Unabh\u00e4ngigkeit)\" Siegel der Propheten M Skinhead-Szene Sleipnir Makss Damage Smart Violence marx21 Source Marxistische Bl\u00e4tter Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Marxistische Linke \"Sozialistische Linke (SL)\" Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) staatenlos.info Medizin mit Herz (ehem. Medizin ohne Grenzen) \"Sterka Ciwan (Stern der Jugend)\" \"Mednuce TV\" Sturmwehr Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung Syndikat 52 Miscavige, David Mitteilungen der Kommunistischen Plattform T Muhacirun (Auswanderer) Muslimbruderschaft (MB) The Auditor \"Turan e.V\" N T\u00fcrkische Hizbullah (TH) \"tyo-germany.com\" Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) Nationaler Widerstand Duisburg U Nationalisten Kreis G\u00fctersloh Neonazi-Szene \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\" (\"Graue W\u00f6lfe\") Neue Ordnung Deutschland Ums Ganze. Kommunistisches B\u00fcndnis \"Newaya Jin\" Unabh\u00e4ngige Nachrichten Nordkaukasisches Emirat Unsere Zeit (UZ) NRW UNZENSIERTZeitung der B\u00fcrgerbewegung Pro NRW V N. S. Heute Verband der islamischen Vereine und Gemeinden e.V. O \"Verein Anatolische F\u00f6rderation\" Oidoxie Verein Medizin mit Herz / vormals Oldschool Society (OSS) Verfassungsgebende Versammlung/Bundesstaat OT-Universe Deutschland Volkshilfe e.V. P Volksverteidigungskr\u00e4fte (HPG) Pal\u00e4stinensische Gemeinschaft in W Deutschland e.V. (PGD) Palestinian Return Center (PRC) We love Muhammad \"pathivu.com\" World Institute of Scientology Enterprises (WISE) PKK World Wide Resistance - Help (WWR - Help) Pro Deutschland Pro K\u00f6ln e.V. Y Pro NRW Pro-Bewegung Yeni M\u00fcjde (Neue Frohe Botschaft) Pro-Organisationen \"Yeni \u00d6zg\u00fcr Politika\" Y\u00fcr\u00fcy\u00fcs 155","Ministerium des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen Friedrichstra\u00dfe 62 - 80 40217 D\u00fcsseldorf Telefon: 0211/871 - 01 Telefax: 0211/871 - 3355 poststelle@im.nrw.de www.im.nrw.de"],"title":"Verfassungsschutzbericht 2017","year":2017}
