{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-nw-2015.pdf","jurisdiction":"Nordrhein-Westfalen","num_pages":263,"pages":["Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 2015 www.mik.nrw.de","Impressum Herausgeber Ministerium f\u00fcr Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen Friedrichstra\u00dfe 62-80 40217 D\u00fcsseldorf Telefon: 0211/871-01 Telefax: 0211/871-3355 poststelle@mik.nrw.de www.mik.nrw.de Redaktion Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen Telefon: 0211/871-2821 Telefax: 0211/871-2980 kontakt.verfassungsschutz@mik1.nrw.de www.mik.nrw.de/verfassungsschutz Bestellservice bestellung.verfassungsschutz@mik1.nrw.de www.mik.nrw.de/publikationen Stand: Juni 2016 Druck: Silber Druck oHG, Niestetal Fotos: picture alliance / dpa / Pressefoto ULMER/Markus Ulmer / Winfried Rothermel / Geisler-Fotopress / Rene Anhuth/ANCNews/dpa / Polizei Hagen/dpa Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen","Vorwort Im Jahr 2015 konnten wir eine Versch\u00e4rfung der Gefahren f\u00fcr die innere Sicherheit durch den politischen Extremismus feststellen. Die Aktivit\u00e4ten der Bestrebungen, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden - vor allem im Rechtsextremismus - haben zugenommen. Die extremistischen Straftaten im Rechtswie im Linksextremismus verzeichnen deutliche Steigerungsraten. Der Zulauf zur salafistischen Szene ist ungebrochen, der islamistische Terror bedroht Europa, die innenpolitische Entwicklung in der T\u00fcrkei f\u00f6rdert den Konflikt zwischen t\u00fcrkischen Rechtsextremisten/ Nationalisten und Anh\u00e4ngern der PKK weiter. Die Wechselwirkungen, also das gegenseitige Aufschaukeln zwischen den extremistischen Szenen, machen die Lage komplexer. Und nicht zuletzt: Der starke Wirtschaftsstandort Nordrhein-Westfalen ist in der realen wie virtuellen Welt im Fokus ausl\u00e4ndischer Nachrichtendienste. Der extremistische Salafismus spricht noch immer vor allem junge Menschen in unserem Land an, zieht sie in den Bann des religi\u00f6sen Fanatismus und radikalisiert sie bis hin zur Gewaltbereitschaft. Die professionelle Propagandamaschinerie des sogenannten \"Islamischen Staats\" befeuert diese Entwicklung und fordert in aller Offenheit von ihren Anh\u00e4ngern die T\u00f6tung von Ungl\u00e4ubigen - mit welchen Mitteln auch immer, auch im eigenen Land. Die feigen Anschl\u00e4ge in Paris und Br\u00fcssel haben gezeigt, dass sich Europa und auch Deutschland im Fadenkreuz des islamistischen Terrorismus befinden. 2 Vorwort Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Die Fluchtbewegungen aus den Kriegsund Krisengebieten des Mittleren Ostens sowie die Migrationsbewegungen vom afrikanischen Kontinent haben rassistische Reaktionen von Rechtsextremisten nach sich gezogen. Sie versuchen, Geflohene, Migranten und insbesondere Menschen islamischen Glaubens als Bedrohung der deutschen Gesellschaft zu diffamieren, auch um in b\u00fcrgerlichen Kreisen \u00c4ngste vor \u00dcberfremdung zu entfachen. Die rechtsextreme Hetze gegen Geflohene und den Islam bedient sich intensiv der sozialen Netzwerke, entfaltet dadurch eine hohe Reichweite und tr\u00e4gt zur Verrohung der politischen Kultur bei. Der starke Anstieg sowohl der \u00dcbergriffe gegen\u00fcber Geflohenen und ihrer Unterk\u00fcnfte als auch die erh\u00f6hten Fallzahlen politisch motivierter Kriminalit\u00e4t im Bereich Rechts stehen damit in einem Zusammenhang. Bei der Bek\u00e4mpfung des politischen Extremismus setzen die Sicherheitsbeh\u00f6rden in Nordrhein-Westfalen auf einen Dreiklang von Repression, Pr\u00e4vention und Ausstiegshilfe. Zu den repressiven Ma\u00dfnahmen geh\u00f6ren die intensive Zusammenarbeit zwischen Polizei, Justiz und Verfassungsschutz, Vereinsverbote, die Durchf\u00fchrung von Strafverfahren sowie ausreiseverhindernde Ma\u00dfnahmen, wann immer die rechtlichen Voraussetzungen daf\u00fcr gegeben sind. Das 2014 initiierte Pr\u00e4ventionsprogramm \"Wegweiser - Gemeinsam gegen gewaltbereiten Salafismus\" wird stetig ausgebaut. Die Aussteigerprogramme f\u00fcr die Bereiche Rechtsextremismus und Islamismus bieten den Menschen, die sich aus der extremistischen Szene l\u00f6sen wollen, Unterst\u00fctzung bei einem Neustart in die Gesellschaft. Zugleich finden fast t\u00e4glich Informationsund Sensibilisierungsveranstaltungen statt, auf denen der Verfassungsschutz \u00fcber die verschiedenen extremistischen Bewegungen aufkl\u00e4rt, sensibilisiert und Impulse setzt. Am Ende steht: Eine informierte und aufgekl\u00e4rte \u00d6ffentlichkeit ist und bleibt die st\u00e4rkste Abwehr gegen\u00fcber extremistischen Bestrebungen, die das friedliche Zusammenleben in einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft gef\u00e4hrden. Dazu soll dieser Verfassungsschutzbericht \u00fcber das Jahr 2015 einen Teil beitragen. Ralf J\u00e4ger, MdL Minister f\u00fcr Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen Vorwort 3 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Inhaltsvereichnis Vorbemerkung 8 Kompakt 12 Extremismus in Zahlen 15 Mitgliederzahlen und -potenziale in Nordrhein-Westfalen .................................................... 22 Entwicklung der Politisch motivierten Kriminalit\u00e4t (PMK) ..................................................... 24 Rechtsextremismus 37 Im Fokus: Rechtsextremistische Agitationen und Aktionen gegen Fl\u00fcchtlinge..................... 40 Im Fokus: \"Gida\"-Entwicklungen in Nordrhein-Westfalen..................................................... 48 NPD ...................................................................................................................................... 52 B\u00fcrgerbewegung Pro NRW, Pro K\u00f6ln e.V und Pro Deutschland ......................................... 60 Die Rechte ............................................................................................................................ 72 Der III. Weg .......................................................................................................................... 86 Identit\u00e4re Bewegung Deutschland e.V. ................................................................................ 90 Neonazis............................................................................................................................... 94 Rechtsterrorismus ................................................................................................................ 98 Subkulturell gepr\u00e4gte Rechtsextremisten ........................................................................... 100 Rechtsextremismus im Internet .......................................................................................... 106 4 InhaltsverzeIchnIs Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Linksextremismus 111 Zusammenschl\u00fcsse innerhalb der Partei DIE LINKE ......................................................... 114 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) ............................................................................ 116 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) ..................................................... 122 Autonome Linksextremisten ............................................................................................... 128 Auslandsbezogener Extremismus 133 \u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung (Graue W\u00f6lfe) ....................................................................................... 136 Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei/-Front (DHKP-C) ...................................................... 142 Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ......................................................................................... 146 Tamilische Befreiungstiger (LTTE)...................................................................................... 152 Islamismus 157 Im Fokus: Salafisten nutzen die zugespitzte Fl\u00fcchtlingslage f\u00fcr ihre Zwecke.................... 160 Extremistischer Salafismus ............................................................................................... 164 Hamas ................................................................................................................................ 180 Hizb Allah (Partei Gottes) ................................................................................................... 182 Hizb ut-Tahrir (Islamische Befreiungspartei - HuT) ............................................................ 184 Kalifatsstaat (Hilafet Devleti) .............................................................................................. 186 Muslimbruderschaft (unter anderem IGD) ......................................................................... 188 Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung ....................................................................................................... 190 Nordkaukasische Separatisten-Bewegung (NKSB) ........................................................... 194 T\u00fcrkische Hizbullah (TH) .................................................................................................... 196 Scientology Organisation (SO) 199 Scientology Organisation (SO) ........................................................................................... 200 InhaltsverzeIchnIs 5 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Spionageabwehr und Wirtschaftsschutz 205 Spionage - Auftraggeber, Ziele und Methoden .................................................................. 208 Aufkl\u00e4rung und Abwehr von Proliferation ........................................................................... 214 Wirtschaftsspionage ........................................................................................................... 218 Pr\u00e4ventionsarbeit und Aussteigerprogramme 223 \u00dcbergreifende Konzepte und Vernetzung .......................................................................... 226 Pr\u00e4ventionsprogramm Wegweiser ..................................................................................... 230 Aussteigerprogramme des Verfassungsschutzes .............................................................. 232 Fachtagungen..................................................................................................................... 236 VIR...................................................................................................................................... 238 Vortr\u00e4ge und Fortbildungen ................................................................................................ 240 Ver\u00f6ffentlichungen .............................................................................................................. 244 \u00dcber den Verfassungsschutz 247 Liste der Bestrebungen und Organisationen 252 Stichwortverzeichnis 256 6 InhaltsverzeIchnIs Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","7 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Vorbemerkung Der vorliegende Verfassungsschutzbericht bezieht sich auf Ereignisse und Beobachtungen im Jahr 2015; zeitlich danach liegende Vorf\u00e4lle und Entwicklungen werden punktuell angesprochen, wenn sie von gr\u00f6\u00dferer Bedeutung sind. Hinweise auf Geschehnisse au\u00dferhalb Nordrhein-Westfalens sind aufgenommen, soweit sie f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des Berichts erforderlich sind. Erg\u00e4nzende Informationen finden Sie im Internet unter www.mik.nrw.de/verfassungsschutz. Grundlagen und Zielsetzung des Verfassungsschutzes Nach SS 3 Abs. 1 des Gesetzes \u00fcber den Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen (VSG NRW) hat der Verfassungsschutz die Aufgabe, bereits im Vorfeld von konkreten Gef\u00e4hrdungslagen Informationen zu beschaffen, zu sammeln und auszuwerten, die Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten betreffen, > die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder > darauf abzielen, die Amtsf\u00fchrung von Verfassungsorganen des Bundes oder eines Landes ungesetzlich zu beeinflussen, oder > die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden oder > die gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung oder das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker gerichtet sind oder > die sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten f\u00fcr eine fremde Macht darstellen. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde sammelt hierzu die f\u00fcr sie relevanten Informationen und wertet sie aus, wenn tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr eine Bestrebung gegeben sind oder zumindest gewichtige Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht solcher Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten vorliegen. Weder eine konkrete Gefahr noch eine begangene Straftat sind notwendig, um ihr T\u00e4tigwerden zu legitimieren. Es ist nicht Voraussetzung f\u00fcr die Berichterstattung in den Jahresberichten, dass sich die Verdachtsmomente bis zur Einsch\u00e4tzung einer Bestrebung als \"verfassungsfeindlich\" 8 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","verdichtet haben. Der Verfassungsschutz arbeitet zum Schutz der Verfassung und des Gemeinwesens im Vorfeld konkreter Gefahren oder Straftaten. Er hat bei der Wahrnehmung seines gesetzlichen Auftrags im Wesentlichen Organisationen und Strukturen im Blick. \\ Kennzeichnung Die Namen und Bezeichnungen von Organisationen, Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten, bei denen zumindest gewichtige Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht f\u00fcr die in SS 3 Abs. 1 VSG NRW beschriebenen Merkmale vorliegen, sind zwischen den Zeichen \" und \" eingefasst (sogenannte Chevrons). Beispiel: \"Partei XY\" Bei einer \"Bestrebung\" handelt es sich nach SS 3 Abs. 3 VSG NRW um politisch bestimmte, zielund zweckgerichtete Verhaltensweisen in einem oder f\u00fcr einen Personenzusammenschluss, der gegen die in SS 3 Abs. 1 genannten Schutzg\u00fcter gerichtet ist. Ein \"Personenzusammenschluss\" setzt mehrere Personen voraus, die gemeinsam handeln. Einzelpersonen stehen nicht unter der Beobachtung des Verfassungsschutzes, es sei denn, ihr Verhalten ist auf die Anwendung von Gewalt gerichtet oder von ihnen geht eine erhebliche Gefahr f\u00fcr eines der Schutzg\u00fcter des Verfassungsschutzgesetzes aus. Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung Im Zentrum steht der Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung - also der nicht zur Disposition stehende Kern des Grundgesetzes (SS 3 Abs. 4 VSG NRW). Hierzu z\u00e4hlen: > Das Recht des Volkes, die Staatsgewalt in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung auszu\u00fcben und die Volksvertretung in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl zu w\u00e4hlen; > die Bindung der Gesetzgebung an die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung und die Bindung der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung an Gesetz und Recht; > das Recht auf Bildung und Aus\u00fcbung einer parlamentarischen Opposition; 9 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","> die Abl\u00f6sbarkeit der Regierung und deren Verantwortlichkeit gegen\u00fcber der Volksvertretung; > die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte; > der Ausschluss jeder Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft und > die Achtung der im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechte. Ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik und V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung Daneben beobachtet der Verfassungsschutz Bestrebungen, \"die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden\". Hier geht es beispielsweise um gewaltbereite extremistische Gruppen mit Auslandsbezug, die vom Gebiet der Bundesrepublik Deutschland aus Gewaltaktionen vorbereiten, um eine gewaltsame \u00c4nderung der politischen Verh\u00e4ltnisse im Ausland, insbesondere in ihren Heimatl\u00e4ndern herbeizuf\u00fchren und die dadurch die Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland zu anderen Staaten beeintr\u00e4chtigen (SS 3 Abs. 1 Nr. 3 VSG NRW). Auch Bestrebungen, die gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung, insbesondere gegen das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker gerichtet sind, geh\u00f6ren zu den Beobachtungsobjekten des Verfassungsschutzes (SS 3 Abs. 1 Nr. 4 VSG NRW). Der Verfassungsschutz beobachtet international operierende Gruppierungen, die beispielsweise darauf abzielen, konfessionelle oder ethnische Gruppen im Ausland zu bek\u00e4mpfen. In diesem Fall sind die Angriffe nicht auf die staatliche Ordnung oder die Grenzen eines einzelnen anderen Landes gerichtet, sondern gegen bestimmte (Volks)Gruppen in den betreffenden Staaten. Gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung gerichtet sind damit auch Gruppierungen, die die - notfalls gewaltsame - R\u00fcckgewinnung der ehemaligen deutschen Ostgebiete propagieren. Arbeitsweise des Verfassungsschutzes Bei seiner T\u00e4tigkeit st\u00fctzt sich der Verfassungsschutz in gro\u00dfem Umfang auf offenes Material wie Zeitungen, wissenschaftliche Ver\u00f6ffentlichungen, Radiound Fernsehberichte, Interviews und Parteiprogramme. Sensible Informationen aus geschlossenen Zirkeln werden hingegen h\u00e4ufig mit nachrichtendienstlichen Mitteln gewonnen. Es werden nach Ma\u00dfgabe konkreter gesetzlicher Vorgaben Vertrauenspersonen (V-Personen) eingesetzt und Zielpersonen observiert. In besonders gravierenden Einzelf\u00e4llen erfolgt eine \u00dcberwachung des Postund Fernmeldeverkehrs. Der Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel ist zur Aufkl\u00e4rung konspirativ arbeitender verfassungsfeindlicher Organisationen notwendig. Die Beschaffung von Informationen durch den Verfassungsschutz unterliegt der Kontrolle des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Landtags NRW und bei bestimmten, die Kommunikation oder die Finanzierung von Bestrebungen be10 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","treffenden Ma\u00dfnahmen der Kontrolle durch eine unabh\u00e4ngige Kommission (G 10-Kommission). Typischerweise geben sich extremistische Organisationen in ihren Programmen und \u00f6ffentlichen Auftritten gem\u00e4\u00dfigt, um ihre Akzeptanz und ihre Wahlchancen nicht zu beeintr\u00e4chtigen. Klartext wird h\u00e4ufig nur in den inneren Zirkeln und unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit geredet. Dar\u00fcber muss der Verfassungsschutz verl\u00e4ssliche Informationen erlangen, wenn er sich ein realistisches Bild von den Zielen und den Methoden derartiger Organisationen verschaffen und seinen Auftrag zur Beratung der Politik und Aufkl\u00e4rung der \u00d6ffentlichkeit erf\u00fcllen will. Mit \"Weblinks\" zu weiteren Informationen Nutzen Sie die \"Web-Links\" in dieser Brosch\u00fcre, um direkt zu erg\u00e4nzenden Webseiten und Dokumenten im Internet zu gelangen. Sie finden die Codes im Text jeweils am Ende einiger Kapitel in folgender Darstellung: Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_xxxx So geht es: Rufen Sie die Adresse www.mik.nrw.de/verfassungsschutz in Ihrem Browser auf und geben Sie die jeweilige Zahlenund Buchstabenkombination des \"Web-Links\" in das daf\u00fcr vorgesehene Feld ein. Mit Klick auf den Pfeil erscheint die gew\u00fcnschte Information auf dem Bildschirm. 11 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Kompakt Politisch motivierte Gewalt > Die deutliche Erh\u00f6hung der PMKund PMK-Gewaltzahlen setzt sich im Jahr 2015 fort. Diese Anstiege sind vor allem in den PMK-Ph\u00e4nomenbereichen Rechts und Links zu verzeichnen, w\u00e4hrend die PMK in den Bereichen Ausl\u00e4nder und Sonstige geringf\u00fcgig r\u00fcckl\u00e4ufig ist. Rechtsextremismus > Der Umgang mit Fl\u00fcchtlingen ist das bestimmende Thema. Dies \u00e4u\u00dfert sich in fremdenfeindlicher und rassistischer Propaganda, so wie der Verbreitung von Hetze im Internet und f\u00fchrte zu zahlreichen Aktivit\u00e4ten. > Radikalisierung von Rechtsextremisten dr\u00fcckte sich zum einen in Widerstandsund B\u00fcrgerkriegsrhetorik aus, zum anderem f\u00fchrte sie zu einer steigenden Zahl von \u00dcbergriffen auf Fl\u00fcchtlingseinrichtungen sowie zu Drohungen und Straftaten gegen Fl\u00fcchtlinge, Helfer und Politiker. > Durch verschiedene Gida-Veranstaltungen in Nordrhein-Westfalen versuchten Rechtsextremisten auf b\u00fcrgerliche Milieus Einfluss zu nehmen und fremdenfeindliche Botschaften zu verbreiten. Dieses Vorhaben ist weitgehend gescheitert. Linksextremismus > Es gibt einen deutlichen Anstieg der Gewaltstraftaten durch die autonome Szene im Zusammenhang mit versch\u00e4rften Konfrontationen vor den Hintergrund rechtsextremistischer AntiAsyl-Agitationen und Protesten gegen den Tagebau. Linksextremistische Gewalt richtet sich auch gegen Polizisten, die das Demonstrationsrecht sch\u00fctzen. 7. Januar 18. M\u00e4rz 1. Mai Anschl\u00e4ge in Proteste geDemonstratiParis, u.a. auf gen die EZBonen von NPD die Redaktion Er\u00f6ffnung in (M\u00f6nchengladvon Charlie Frankfurt am bach) und Die Hebdo Main Rechte (Essen) 20158 01 02 03 04 05 06 15. Februar 28. M\u00e4rz 6. Mai Zerschlagung Kundgebung von Festnahmen einer mutma\u00dfDie Rechte in von Angeh\u00f6lichen Terrorzelle Dortmund, u.a. rigen der Oldin Verviers mit Rechtsrockschool Society musik (OSS) 12 Themen im Fokus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Ausl\u00e4nderextremismus > Vor dem Hintergrund der politischen Ereignisse in der T\u00fcrkei mehren sich die Konflikte zwischen PKK-Anh\u00e4ngern und t\u00fcrkischen Rechtsextremisten und Nationalisten. Islamismus > Die Gef\u00e4hrdungslage durch den islamistischen Terrorismus in Nordrhein-Westfalen blieb im Jahr 2015 dauerhaft erh\u00f6ht. > Die Anschl\u00e4ge in Belgien, Frankreich und D\u00e4nemark zeigen deutlich die R\u00fcckwirkung der Konflikte in Syrien und im Irak auf Europa und damit auch auf Nordrhein-Westfalen. > Gefahren drohen besonders von Syrienund Irak-R\u00fcckkehrern, von eingeschleusten \"HitTeams\" des IS und sympathisierenden, jihadistisch orientierten Jugendlichen in Deutschland. > Es ist eine weitere Ausweitung und Professionalisierung der salafistischen Internetpropaganda festzustellen, die in der Art einer Jugendkultur vor allem auf junge Menschen abzielt. Spionageabwehr und Wirtschaftsschutz > Im Berichtsjahr konnte eine deutlich erh\u00f6hte Zahl von komplexen Cyberangriffen auch auf deutsche Unternehmen festgestellt werden. > Die Spionageabwehr beobachtete nahezu eine Verdopplung von Beschaffungsversuchen im Bereich der Proliferation. In \u00fcber 90 Prozent der F\u00e4lle wurde eine Auslieferung verhindert. Pr\u00e4vention und Aussteigerprogramme > Das landesweite Pr\u00e4ventionsprogramm \"Wegweiser\" ist auf vier weitere Regionen ausgeweitet worden. > Die wissenschaftliche Evaluation stellt dem Aussteigerprogramm Rechtsextremismus der Landesregierung insgesamt ein positives Zeugnis aus. 6./7. September 17. Oktober 17. November 26. Dezember Agitation von Die Attentat auf Absage des Gro\u00dfdemonstraRechte gegen ankomHenriette Reker, L\u00e4nderspiels tion der Kurden mende Fl\u00fcchtlinge und Oberb\u00fcrgermeiDeutschlandin D\u00fcsseldorf, Helfer am Dortmunder sterkandidatin Niederlande in Teilnehmerzahl Hauptbahnhof. in K\u00f6ln Hannover circa 15.000 07 08 09 10 11 12 4 1. - 7. Juni 3. Oktober 13. November 2. Dezember Proteste Brandanschlag auf Terroranschl\u00e4ge Beschluss des Bundesgegen den ein von Fl\u00fcchtlinin Paris (u.a. auf verfassungsgerichts G7-Gipfel gen bewohntes ein Konzert im zur Durchf\u00fchrung der in Elmau Mehrfamilienhaus Bataclan) Verhandlung im NPDin Altena Verbotsverfahren Themen im Fokus 13 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","14 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Extremismus in Zahlen ExtrEmismus in ZahlEn 15 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","PMK und PMK-Gewalt im 10-Jahresvergleich Gesamtzahlen davon Gewalttaten Wechselwirkungen zwischen den Extremismusbereichen und ihre Auswirkungen Wechselwirkungen Auslandsbezogener > Rechtsextremisten Salafisten Extremismus > RechtsLinksextremisten > Reaktion auf Lage in der T\u00fcrkei > Auslandsbezogene Extremisten > Emotionalisierung untereinander > Mobilisierung > Resonanzund Impulsstraftaten Linksextremismus Sicherheitslage > Gewalt Deuschland/ > Reaktionen auf NRW rechtsextremistische Aktionen Salafisten/Jihadisten > Anschl\u00e4ge > Parallelgesellschaft Rechtsextremismus > Anwerbeversuche > Gewalt / Gefahr des Terrorismus bei Fl\u00fcchtlingen > \u00dcbergriffe auf Fl\u00fcchtlinge und Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte > Spaltung der Gesellschaft 16 ExtrEmismus in ZahlEn Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Extremistische Straftaten nach PMK-Ph\u00e4nomenbereichen im Vorjahresvergleich Gewaltkriminalit\u00e4t nach PMK-Ph\u00e4nomenbereichen im Vorjahresvergleich ExtrEmismus in ZahlEn 17 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Zahl der Salafisten 2011 2012 2013 2014 2015 Ausreisen Seit 2012 sind insgesamt 229 Personen ausgereist, elf davon mehrfach. 18 ExtrEmismus in ZahlEn Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Gewaltorientierte Salafisten In den letzten Jahren gab es einen starken Anstieg von gewaltorientierten Salafisten. Dieser Anstieg erkl\u00e4rt sich mit der Radikalisierung durch den 2015 Syrien-Konflikt und einer pro500 fessionalisierten Propaganda des sogenannten Islamischen Staates (IS). Das Risiko von islamistisch motivierten Gewalt2012 taten im Inland steigt. 150 Pr\u00e4ventionsprogramm Wegweiser Wegweiser-Anlaufstellen in NordrheinWestfalen ExtrEmismus in ZahlEn 19 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Gewaltdelikte gegen Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte 31 Gewaltdelikte gegen Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte im Berichtszeitraum 2015, 2014 drei. 75% Straft\u00e4ter aus der Nachbarschaft/Region Von den \u00fcberf\u00fchrten Straft\u00e4tern rechtsextremistischer 66% ohne Bezug zum organi- / rechtsmotivierter \u00dcbergriffe sierten Rechtsextremismus auf Fl\u00fcchtlingsheime waren 33% ohne polizeiliche Vorerkenntnisse 20 ExtrEmismus in ZahlEn Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","PMK-Links nach Themenfeldern Der starke Anstieg im Themenfeld \"\u00d6kologie/Industrie/Wirtschaft\" ist auf die vermehrten Straftaten im Zusammenhang mit Protesten gegen Rodungen im Hambacher Forst f\u00fcr den Braunkohletagebau zur\u00fcckzuf\u00fchren. In diesem Kontext wurden im Berichtszeitraum 689 Straftaten ver\u00fcbt, die der PMK-Links zugerechnet werden. ExtrEmismus in ZahlEn 21 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Mitgliederzahlen und -potenziale in Nordrhein-Westfalen Die Angaben zu den Parteien und Organisationen umfassen grunds\u00e4tzlich alle Mitglieder. Die Angaben sind gerundet und zum Teil gesch\u00e4tzt. Rechtsextremismus 2014 2015 NPD 600 600 Pro K\u00f6ln e.V./Pro NRW/Pro Deutschland 950 900 Die Rechte 280 300 Der III. Weg 20 30 Neonazistische Kameradschaften einschl. regionale Szenen 650 650 Skinheads 1.350 1.350 Sonstige 150 150 abz\u00fcglich Doppelmitgliedschaften* -530 -510 Gesamt 3.470 3.470 davon gewaltorientierte Rechtsextremisten 2.000 2.000 * Einzelne Personen k\u00f6nnen gleichzeitig zwei Organisationen oder Gruppierungen zugerechnet werden. Die Mitglieder der Partei Die Rechte werden weiterhin als Neonazis gez\u00e4hlt. Linkssextremismus 2014 2015 Gewaltorientierte Linksextremisten einschl. Autonome 780 850 DKP 800 800 MLPD 650 650 Gesamt 2.230 2.300 22 ExtrEmismus in ZahlEn Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Ausl\u00e4nderextremismus 2014 2015 \"AD\u00dcTDF\" 2.000 2.000 DHKP-C 200 200 KONGRA-GEL bzw. PKK 2.200 2.200 LTTE 300 300 Gesamt 4.700 4.700 Islamismus 2014 2015 Extremistischer Salafismus 1.900 2.500 davon politisch 1.600 2.000 davon gewaltbereit 300 500 HAMAS 65 65 Hizb Allah 100 100 Hizb ut-Tahrir 35 35 Kalifatsstaat 220 220 Muslimbruderschaft 65 65 Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung (extremistischer Teil) 250 250 Nordkaukasische Separatisten-Bewegung 70 70 T\u00fcrkische Hizbullah 100 100 Gesamt 2.805 3.405 ExtrEmismus in ZahlEn 23 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Entwicklung der Politisch motivierten Kriminalit\u00e4t (PMK) Betrachtung der Gesamtentwicklung In Nordrhein-Westfalen wurden im Jahr 2015 insgesamt 7.532 Politisch motivierte Straftaten bekannt (2014: 5.883). Damit ist im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 1.649 Delikte bzw. 28% zu verzeichnen. Betrachtet nach Deliktsgruppen sind unterschiedliche Entwicklungen festzustellen. So wurden beispielsweise mit 843 Sachbesch\u00e4digungen 171 Straftaten weniger gez\u00e4hlt als im Vorjahr. Dagegen waren bei den 1.304 Verst\u00f6\u00dfen gegen das Versammlungsgesetz die h\u00f6chsten Anstiege zu verzeichnen (2014: 411). PMK und PMK-Gewalt im 10-Jahresvergleich von 2006 bis 2015 24 ExtrEmismus in ZahlEn Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Die Aufkl\u00e4rungsquote im Bereich der Politisch motivierten Kriminalit\u00e4t f\u00fcr das Jahr 2015 betr\u00e4gt 37% (2014: 39,7%). Im Jahr 2015 konnten im Vergleich zum Vorjahr 452 Delikte mehr aufgekl\u00e4rt werden. Aufgrund des Anstiegs der Gesamtzahl der Delikte ging die Aufkl\u00e4rungsquote jedoch um 2,7% zur\u00fcck. Insgesamt konnten 2.790 Straftaten gekl\u00e4rt werden (2014: 2.338). Gewaltdelikte der Politisch motivierten Kriminalit\u00e4t (PMK-Gewalt) Die Zahl der bekannt gewordenen Gewaltdelikte mit politischer Motivation ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Es wurden in Nordrhein-Westfalen insgesamt 772 Gewaltdelikte bekannt. Das bedeutet einen Anstieg um 7,7% (2014: 717). 432 Gewaltdelikte konnten polizeilich gekl\u00e4rt werden (2014: 390). Die Aufkl\u00e4rungsquote liegt mit 56% etwas h\u00f6her als im Vorjahr (2013: 54,4%). Propagandadelikte Einen hohen Anteil der Politisch motivierten Kriminalit\u00e4t macht j\u00e4hrlich wiederkehrend die Gruppe der Propagandadelikte, also Delikte der SSSS 86 und 86a StGB, aus. Der Anteil der Propagandadelikte am Straftatenaufkommen der Politisch motivierten Kriminalit\u00e4t ist r\u00fcckl\u00e4ufig. Bei den meisten Propagandadelikten handelt es sich um Hakenkreuzschmierereien, die nur wenige Ermittlungsans\u00e4tze bieten und daher schwer aufzukl\u00e4ren sind. Mit 32,4% liegt die Aufkl\u00e4rungsquote der Propagandadelikte leicht unter dem Wert des Vorjahres (2014: 33,7%). Extremistische Straftaten Von den 7.532 im Jahr 2015 bekannt gewordenen Delikten der PMK sind 7.229 (96%) als extremistische Straftaten im Sinne des SS 3 des Gesetzes \u00fcber den Verfassungsschutz in NordrheinWestfalen eingestuft, weil sie sich beispielsweise gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung richteten. Insgesamt ist die Anzahl der als extremistisch einzustufenden Straftaten gegen\u00fcber dem Vorjahreszeitraum um 1.695 Delikte (30,6%) gestiegen. ExtrEmismus in ZahlEn 25 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Entwicklung der Ph\u00e4nomenbereiche der Politisch motivierten Kriminalit\u00e4t Betrachtet man die Entwicklung der Politisch motivierten Kriminalit\u00e4t differenziert nach Ph\u00e4nomenbereichen, so zeigen sich unterschiedliche Entwicklungen. Straftaten der PMK-Sonstige (Straftaten, die keinem bestimmten Ph\u00e4nomen zuzuordnen sind) werden beispielsweise im Zusammenhang mit dem Tierrecht ver\u00fcbt. Die einzelnen Deliktgruppen, bezogen auf die Ph\u00e4nomenbereiche, werden durch die folgende Tabelle abgebildet: 26 ExtrEmismus in ZahlEn Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","PMKPMKPMKPMKRechts Links Ausl\u00e4nder Sonstige T\u00f6tungsdelikte 2 (0) 0 (1) 0 (1) 0 (0) Brandund Sprengstoffdelikte 21 (7) 17 (8) 5 (2) 6 (1) Landfriedensbruchdelikte 7 (8) 70 (18) 7 (15) 1 (0) Gef\u00e4hrliche Eingriffe in den Bahn-, 1 (0) 13 (15) 0 (1) 0 (0) Schiffs-, Luftund Stra\u00dfenverkehr K\u00f6rperverletzungsdelikte 231 (332) 229 (104) 41 (83) 14 (25) Widerstandshandlungen 24 (17) 70 (47) 4 (15) 2 (0) Raub, Erpressung, 2 (5) 2 (6) 2 (4) 0 (1) Freiheitsberaubung Sexualdelikte 1 (1) 0 (0) 0 (0) 0 (0) Zwischensumme 289 (370) 401 (199) 59 (121) 23 (27) Bedrohungen, N\u00f6tigungen 84 (33) 19 (38) 34 (32) 5 (11) Sachbesch\u00e4digungen 230 (192) 448 (482) 74 (71) 91 (269) Propagandadelikte 2.271 (1.896) 30 (20) 13 (21) 149 (161) Volksverhetzungen 799 (388) 4 (2) 36 (72) 18 (15) St\u00f6rungen des \u00f6ffentlichen Frie34 (3) 2 (0) 24 (8) 7 (4) dens Beleidigungen 346 (293) 156 (119) 66 (51) 43 (71) Verst\u00f6\u00dfe gegen das 0 (0) 0 (0) 185 (151) 0 (0) Vereinsgesetz Verst\u00f6\u00dfe gegen das 280 (67) 989 (278) 20 (55) 15 (11) Versammlungsgesetz Sonstige Straftaten 104 (44) 99 (123) 63 (89) 22 (96) 4.437 2.148 574 373 Gesamt (3.286) (1.261) (671) (665) Deliktgruppen der Ph\u00e4nomenbereiche im Jahresvergleich 2015 und 2014 (2014 in Klammern) ExtrEmismus in ZahlEn 27 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t-Rechts Die Anzahl der Straftaten im Ph\u00e4nomenbereich der PMK-Rechts ist mit 4.437 Straftaten (2014: 3.286) im Vergleich zum Vorjahr um 1.151 Straftaten (35%) angestiegen. Propagandadelikte und Volksverhetzungen machen mit 69,2% (3.070 von 4.437 Straftaten), wie in den Vorjahren, den \u00fcberwiegenden Anteil der Straftaten der PMK-Rechts aus (2014: 69,5%). Insgesamt wurden 2.130 Tatverd\u00e4chtige ermittelt (2014: 1.466). Davon waren 1.904 Personen bzw. 89,4% m\u00e4nnlich und 226 bzw. 10,6% weiblich. Die am h\u00f6chsten belastete Altersgruppe war mit 405 Personen, wie im Vorjahr die der 30 - 39-j\u00e4hrigen. Im Berichtszeitraum folgte die Gruppe der 25 - 29-j\u00e4hrigen mit 341 Personen. 1.274 (59,8%) der Tatverd\u00e4chtigen waren bereits zuvor kriminalpolizeilich in Erscheinung getreten (2014: 913 bzw. 62,3%). Vorherrschende Themenfelder der PMK-Rechts waren \"Nationalsozialismus/Sozialdarwinismus\" (2.610 Straftaten, 2014: 2.108 Straftaten), \"Hasskriminalit\u00e4t\" (1.802 Hinweis zu Themenfeldern Straftaten, 2014: 1.020 Straftaten), Die Melderichtlinien des \"KriminalpolizeiliAusl\u00e4nder-/Asylthematik (671 Straftachen Meldedienstes in F\u00e4llen Politisch motiten, 2014: 88) sowie \"Konfrontation/ vierter Kriminalit\u00e4t\" sehen Mehrfachnennunpolitische Einstellung\" (656 Straftaten, gen bei den Oberthemen vor, so dass eine 2014: 502 Straftaten). Das Themenfeld Straftat mehreren Oberthemen zugeordnet \"Innenund Sicherheitspolitik\" ist dawerden kann. gegen r\u00fcckl\u00e4ufig (333 Straftaten, 2014: 501 Straftaten). Gewaltkriminalit\u00e4t im Ph\u00e4nomenbereich PMK-Rechts Die Anzahl der Gewaltdelikte durch rechtsmotivierte T\u00e4ter ist mit 289 Straftaten gegen\u00fcber dem Vorjahr um 21,9% gesunken. Schwerpunktm\u00e4\u00dfig handelte es sich bei 79,9% der Straftaten um K\u00f6rperverletzungen. Gewaltdelikte durch \"Rechte\" wurden nach wie vor mehrheitlich im \u00f6ffentlichen Raum ver\u00fcbt und mit 79% zumeist unabh\u00e4ngig von Demonstrationen. Im Jahr 2014 standen sie ausnahmsweise vermehrt im Begr\u00fcndungszusammenhang mit demonstrativen Ereignissen (52,7%), was auf die Ereignisse bei der Veranstaltung \"Hooligans gegen Salafisten\" (HogeSa) am 26. Oktober 2014 in K\u00f6ln zur\u00fcckzuf\u00fchren war. Die Aufkl\u00e4rungsquote der Gewaltdelikte im Bereich der PMK-Rechts liegt mit 198 gekl\u00e4rten Taten bei 68,5% (2014: 180 Straftaten bzw. 48,6%). Urs\u00e4chlich f\u00fcr die Diskrepanz zum Vorjahr ist der Umstand, dass von den am 26. Oktober 2014 in K\u00f6ln begangenen Gewaltdelikten lediglich rund 28 ExtrEmismus in ZahlEn Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","20% gekl\u00e4rt werden konnten, was im Jahr 2014 zu einer ungew\u00f6hnlich niedrigen Aufkl\u00e4rungsquote bei den Gewaltdelikten der PMK-Rechts gef\u00fchrt hat. PMK-Rechts und PMK-Rechts-Gewalt im 10-Jahresvergleich von 2006 bis 2015 Hasskriminalit\u00e4t durch \"Rechte\" Der Hasskriminalit\u00e4t werden Straftaten zugeordnet, wenn in W\u00fcrdigung der Umst\u00e4nde der Tat und/oder der Einstellung des T\u00e4ters Anhaltspunkte daf\u00fcr vorliegen, dass sie gegen eine Person wegen ihrer Nationalit\u00e4t, Volkszugeh\u00f6rigkeit, Rasse, Hautfarbe, Religion, Herkunft oder aufgrund ihres \u00e4u\u00dferlichen Erscheinungsbildes, ihrer Behinderung, ihrer sexuellen Orientierung oder ihres gesellschaftlichen Status gerichtet sind. Die \"Hasskriminalit\u00e4t\" im Ph\u00e4nomenbereich PMK-Rechts ist im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Es wurden 1.802 Straftaten registriert (2014: 1.020 Straftaten). Auch dem Unterthema \"Fremdenfeindlichkeit\" wurden mehr Delikte als im Vorjahreszeitraum zugeordnet (1.605 Straftaten, 2014: 805 Straftaten). Die Anzahl der Gewaltdelikte im Themenfeld Hasskriminalit\u00e4t ist gestiegen (182 Straftaten, 2014: 113 Straftaten), ebenso wie die Anzahl der fremdenfeindlich motivierten Gewaltdelikte (177 Straftaten, 2014: 106 Straftaten). ExtrEmismus in ZahlEn 29 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Abgesehen von den Gewaltdelikten sind die Steigerungen der Fallzahlen in diesem Bereich auf die durch die Polizei intensivierten Ma\u00dfnahmen gegen \"rechte Hasspostings im Internet\" zur\u00fcckzuf\u00fchren. Antisemitische Straftaten Die Anzahl der antisemitischen Straftaten ist von 351 auf 270 Straftaten gesunken (R\u00fcckgang um 23,1%). Bei den Deliktgruppen machten, wie in den Vorjahren, Volksverhetzungen (158 Straftaten), Propagandadelikte (56 Straftaten) und Sachbesch\u00e4digungen (20 Straftaten) mit 86,7% den \u00fcberwiegenden Anteil der Fallzahlen aus (2014: 81,5%). Auch die Anzahl der antisemitischen Gewaltdelikte ist gesunken (acht Straftaten, 2014: 19 Straftaten). Der R\u00fcckgang der Fallzahlen mit antisemitischem Hintergrund ist im Wesentlichen auf den Wegfall des Reizthemas \"Konflikte im Gazastreifen\" zur\u00fcckzuf\u00fchren, das im Jahr 2014 zu einer Steigerung der Fallzahlen, insbesondere im Ph\u00e4nomenbereich PMK-Ausl\u00e4nder, gef\u00fchrt hatte. 30 ExtrEmismus in ZahlEn Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Antisemitische Straftaten nach Ph\u00e4nomenbereichen im Vorjahresvergleich Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t-Links Die Anzahl der Straftaten im Ph\u00e4nomenbereich der PMK-Links ist mit 2.148 Straftaten im Vergleich zum Vorjahr um 70,3% gestiegen (2014: 1.261 Straftaten). In 2015 konnte mit 539 Straftaten insgesamt 131 Straftaten mehr gekl\u00e4rt werden als in 2014 (408). Aufgrund der doch deutlich gestiegenen Anzahl der Strafttaten im Bereich PMK-Links verschlechterte sich jedoch die Aufkl\u00e4rungsquote auf 25,1% (2014: 32,4%). Insgesamt wurden 772 (2014: 677) Tatverd\u00e4chtige ermittelt. Davon waren 603 bzw. 78,1% m\u00e4nnlich und 169 bzw. 21,9% weiblich. 457 Personen bzw. 59,2% waren zur Tatzeit zwischen 14 und 24 Jahre alt (2014: 50,2%). 343 bzw. 44,4% der Tatverd\u00e4chtigen waren bereits zuvor polizeilich in Erscheinung getreten (2014: 280 bzw. 41,4%). Haupts\u00e4chliche Themenfelder der PMK-Links waren im Jahr 2015 \"Innenund Sicherheitspolitik\" (1.229 Straftaten, 2014: 631 Straften), \"Konfrontation mit dem politischen Gegner\" (1.000 Straftaten, 2014: 862 Straftaten) und \"Antifaschismus\" (938 Straftaten, 2014: 730 Straftaten). Auch das Themenfeld \"\u00d6kologie/Industrie/Wirtschaft\" ist mit 689 Straftaten verst\u00e4rkt in den Fokus der linken Szene geraten (2014: 111 Straftaten). Dies ist zur\u00fcckzuf\u00fchren auf die vermehrten Straftaten im Zusammenhang mit den Protesten gegen die Rodungen im Hambacher Forst anl\u00e4sslich ExtrEmismus in ZahlEn 31 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","des Braunkohletagebaus. In diesem Kontext wurden im Berichtszeitraum 689 Straftaten ver\u00fcbt, die der PMK-Links zugerechnet werden. Der Anteil an Straftaten bei versammlungsrechtlichen Ereignissen am Gesamtaufkommen der PMK-Links lag mit 69,3% (1.489 von 2.148 Straftaten) \u00fcber dem Niveau des Vorjahres. 66,9% Straftaten der PMK-Links (1.437 von 2.148 Straftaten) waren Verst\u00f6\u00dfe gegen das Versammlungsgesetz (989 Straftaten) und Sachbesch\u00e4digungen (448 Straftaten). Im Jahr 2014 lag dieser Anteil bei 60,3%. Gewaltkriminalit\u00e4t im Ph\u00e4nomenbereich PMK-Links Die Anzahl der Gewaltdelikte durch \"Linke\" ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 101,5% angestiegen (401 Straftaten, 2014: 199 Straftaten) und hat damit im Zehnjahresvergleich den Spitzenwert erreicht. 81,5% der Gewaltdelikte PMK-Links (327 von 401 Straftaten) wurden bei demonstrativen Ereignissen ver\u00fcbt (2014: 138 bzw. 69,3%); 242 der Gewaltdelikte standen im Zusammenhang mit PMK-Links und PMK-Links Gewalt im 10-Jahresvergleich von 2006 bis 2015 32 ExtrEmismus in ZahlEn Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","dem Kampf gegen den \"rechten\" Gegner und stellen somit 60,3% aller Gewaltdelikte PMK-Links dar (2014: 125 bzw. 62,8%). 229 Gewaltdelikte (2014: 94 Straftaten) richteten sich gegen Polizeikr\u00e4fte. 216 dieser Straftaten standen im Zusammenhang mit demonstrativen Ereignissen (2014: 87 Straftaten). 2015 wurden 64 Gewaltdelikte mehr aufgekl\u00e4rt als im Vorjahr. Die Aufkl\u00e4rungsquote bei den Gewaltdelikten im Bereich der PMK-Links betr\u00e4gt somit mit 183 aufgekl\u00e4rten Straftaten 45,6% (2014: 119 bzw. 59,8%). Aufgrund der deutlich gestiegenen Anzahl der Strafttaten im Bereich PMK-Links verschlechterte sich jedoch die Aufkl\u00e4rungsquote. Politisch motivierte Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t Die Anzahl der Straftaten im Ph\u00e4nomenbereich PMK-Ausl\u00e4nder ist im Vergleich zum Vorjahr (2014: 671 Straftaten) um 14,5% auf 574 Straftaten gefallen. Die Entwicklung der Fallzahlen in diesem Bereich wird grunds\u00e4tzlich ma\u00dfgeblich von Ereignissen im Ausland gepr\u00e4gt. So ist f\u00fcr den R\u00fcckgang der Fallzahlen der Wegfall des konkreten Konfliktes im Gazastreifen urs\u00e4chlich, andererseits jedoch sind die Reaktionen auf die anhaltenden Gr\u00e4ueltaten des sogenannten Islamischen Staates (IS) verantwortlich f\u00fcr die verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig hohe Anzahl von Straftaten im Ph\u00e4nomenbereich PMK-Ausl\u00e4nder. 237 Straftaten der PMK-Ausl\u00e4nder konnten polizeilich gekl\u00e4rt werden (2014: 361 Straftaten). Die Aufkl\u00e4rungsquote liegt mit 41,3% niedriger als im Vorjahr (2014: 53,8%). Insgesamt wurden 379 (2014: 491) Tatverd\u00e4chtige ermittelt. Davon waren 335 Personen bzw. 88,4% m\u00e4nnlich und 44 bzw. 11,6% weiblich. 210 (55,4%) waren zur Tatzeit zwischen 14 und 24 Jahre alt. 177 (46,7%) waren bereits zuvor kriminalpolizeilich in Erscheinung getreten (2014: 248 bzw. 50,5%). Haupts\u00e4chliche Themenfelder waren \"Befreiungsbewegungen/ Internationale Solidarit\u00e4t\" (308 Straftaten, 2014: 283 Straftaten), \"Innenund Sicherheitspolitik\" (257 Straftaten, 2014: 314 Straftaten) sowie \"Konfrontation/politische Einstellung\" (144 Straftaten, 2014: 146). Ph\u00e4nomenologisch liegt der Schwerpunkt der Delikte im Bereich der PMK-Ausl\u00e4nder bei Verst\u00f6\u00dfen gegen das Vereinsgesetz (185 Straftaten), Sachbesch\u00e4digungen (74 Straftaten) und Beleidigungen (66 Straftaten). Bei den Verst\u00f6\u00dfen gegen das Vereinsverbot handelte es sich zumeist (166 Straftaten) um das Zeigen verbotener Symbole der mit einem Bet\u00e4tigungsverbot belegten PKK. Bezogen auf die Gesamtzahl der Straftaten im Bereich der PMK-Ausl\u00e4nder wurden 226 Straftaten (39,4%) im Zusammenhang mit demonstrativen Ereignissen begangen und 290 (50,5%) im ExtrEmismus in ZahlEn 33 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Begr\u00fcndungszusammenhang mit dem Befreiungskampf der mit einem Bet\u00e4tigungsverbot belegten PKK. Gewaltkriminalit\u00e4t im Ph\u00e4nomenbereich PMK-Ausl\u00e4nder Die Anzahl der Gewaltdelikte der PMK-Ausl\u00e4nder hat sich mit 59 Straftaten im Vergleich zum Vorjahr um 51,2% verringert (2014: 121 Straftaten). Mehrheitlich handelt es sich dabei um K\u00f6rperverletzungen (41 von 59 Straftaten). 27 Gewaltstraftaten wiesen Bez\u00fcge zur PKK auf. Darunter sind f\u00fcnf Branddelikte, zu denen sich die \"Apoistische Jugend\" bekannte und als Motivation \"Rache am Vorgehen der t\u00fcrkischen Regierung gegen die Zivilbev\u00f6lkerung\" angab. Die Aufkl\u00e4rungsquote bei den Gewaltdelikten der PMK-Ausl\u00e4nder liegt mit 41 gekl\u00e4rten Straftaten bei 69,5% (2014: 71 Straftaten bzw. 58,7%). PMK-Ausl\u00e4nder und PMK-Ausl\u00e4nder Gewalt im 10-Jahresvergleich von 2006 bis 2015 34 ExtrEmismus in ZahlEn Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Gef\u00e4hrdung durch den islamistischen Terrorismus Wie im vergangenen Jahr liegt ein wesentlicher Erkl\u00e4rungsansatz f\u00fcr die Steigerung der Straftaten in diesem Ph\u00e4nomenbereich in der weiter gestiegenen Anzahl von Ermittlungsverfahren nach > SS 89a StGB (Vorbereitung einer schweren staatsgef\u00e4hrdenden Gewalttat), > SS 89b StGB (Aufnahme von Beziehungen zur Begehung einer staatsgef\u00e4hrdenden Gewalttat) sowie nach > SS 129 a StGB (Bildung terroristischer Vereinigungen) und > SS129 b StGB (Kriminelle und terroristische Vereinigung im Ausland) in Zusammenhang mit Ausreiseund R\u00fcckkehrersachverhalten in/aus Krisenregionen, \u00fcberwiegend Irak/Syrien. Die Anzahl der registrierten Gewaltdelikte im Ph\u00e4nomenbereich \"Islamismus/Islamistischer Terrorismus\" ist mit sieben Delikten (Vorjahr: elf) r\u00fcckl\u00e4ufig und weiter auf geringem Niveau. Es handelt sich bei den Gewalttaten ausnahmslos um K\u00f6rperverletzungsdelikte, von denen bis auf eine alle Taten gekl\u00e4rt wurden. Statistisch \u00fcberwiegen im Ph\u00e4nomenbereich \"Islamistischer Terrorismus\" die \"sonstigen Straftaten\" (45 Delikte). Hierbei handelt es sich in der Mehrzahl um die oben genannten Straftatbest\u00e4nde nach SSSS 89a,b und SS 129a,b StGB. Die Zahl der 2015 registrierten Straftaten im Ph\u00e4nomenbereich \"Islamismus/Islamistischer Terrorismus\" liegt mit 141 Straftaten h\u00f6her als im Vorjahr (2014: 126 Straftaten). ExtrEmismus in ZahlEn 35 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Unabh\u00e4ngig von den eher niedrigen Fallzahlen stellt der Islamistische Terrorismus weiterhin eine anhaltende Bedrohung dar. Die gr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr die Sicherheitslage in Nordrhein-Westfalen geht derzeit von Einzelt\u00e4tern oder Kleingruppen aus, die mit der Terrororganisation IS sympathisieren und in deren Auftrag oder eigeninitiativ Anschl\u00e4ge planen bzw. durchf\u00fchren wollen. Der sogenannte Islamische Staat ist auch f\u00fcr die Anschl\u00e4ge vom 13. November 2015 in Paris verantwortlich. Dieses Anschlagsgeschehen stellt mit mindestens 137 Toten und \u00fcber 350 Verletzten einen der schwerwiegendsten Terrorakte mit islamistischem Hintergrund in Europa dar. Grunds\u00e4tzlich reihen sich die ausgew\u00e4hlten Ziele und die Begr\u00fcndungszusammenh\u00e4nge in der verbreiteten Bekennung des sogenannten \"Islamischen Staates\" in die bisherige Strategie der Organisation ein. Hinsichtlich der angegriffenen Ziele handelt es sich um klassische \"weiche\" Ziele, deren Angriff in besonderem Ma\u00dfe geeignet ist, die Bev\u00f6lkerung zu verunsichern. Ein Novum f\u00fcr den westlichen europ\u00e4ischen Raum ist der Einsatz von gut ausger\u00fcsteten und in mehreren mobilen Zellen agierenden Attent\u00e4tern. Sie griffen mit einem weitestgehend hohen Grad an Professionalit\u00e4t mehrere Ziele - zun\u00e4chst mit Schusswaffen - nahezu zeitgleich an, um in der finalen Phase durch die Umsetzung ihrer Sprengstoffwesten als Selbstmordattent\u00e4ter zu sterben. Die Anschl\u00e4ge in Paris verdeutlichen, dass der sogenannte \"Islamische Staat\" oder seine Sympathisanten tats\u00e4chlich in der Lage sind, gro\u00df angelegte terroristische Straftaten auch in westeurop\u00e4ischen Staaten zu planen und durchzuf\u00fchren. F\u00fcr Nordrhein-Westfalen wie auch f\u00fcr die gesamte Bundesrepublik Deutschland ist vor diesem Hintergrund eine anhaltend hohe abstrakte Gefahr festzustellen. 36 ExtrEmismus in ZahlEn Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Rechtsextremismus RechtsextRemismus 37 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Rechtsextremismus 37 Im Fokus: Rechtsextremistische Agitationen und Aktionen gegen Fl\u00fcchtlinge..................... 40 Im Fokus: \"Gida\"-Entwicklungen in Nordrhein-Westfalen..................................................... 48 NPD ...................................................................................................................................... 52 B\u00fcrgerbewegung Pro NRW, Pro K\u00f6ln e.V und Pro Deutschland ......................................... 60 Die Rechte ............................................................................................................................ 72 Der III. Weg .......................................................................................................................... 86 Identit\u00e4re Bewegung Deutschland e.V. ................................................................................ 90 Neonazis............................................................................................................................... 94 Rechtsterrorismus ................................................................................................................ 98 Subkulturell gepr\u00e4gte Rechtsextremisten ........................................................................... 100 Rechtsextremismus im Internet .......................................................................................... 106 Die Fl\u00fcchtlingssituation ist derzeit das bestimmende Thema im gesamten Rechtsextremismus. Dies \u00e4u\u00dfert sich in einer vielf\u00e4ltigen fremdenfeindlichen Propaganda und f\u00fchrt zu zahlreichen Aktivit\u00e4ten im Netz, auf der Stra\u00dfe und in den Kommunalparlamenten. Die menschenverachtenden rechtsextremistischen Kampagnen haben zu einer Verrohung innerhalb der rechtsextremen Szene gef\u00fchrt. Rechtsextremistische Gruppen und Parteien schaffen einen N\u00e4hrboden f\u00fcr fremdenfeindliche Straftaten und f\u00fcr eine steigende Gewaltbereitschaft im Umfeld und bei Sympathisanten mit rechtem Gedankengut. Ausfluss dieser rechtsextremistischen Hetze ist eine Zunahme der \u00dcbergriffe auf Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte. Die Zahl hat sich im Jahr 2015 gegen\u00fcber 2014 bundesweit verf\u00fcnffacht und in Nordrhein-Westfalen fast verneunfacht. Darunter ist eine hohe Zahl schwerwiegender Straftaten wie K\u00f6rperverletzungsund Brandstiftungsdelikte. Zunehmend gibt es auch Bedrohungen und \u00dcbergriffe gegen Helfer und Politiker. Die NPD versucht von der Fl\u00fcchtlingssituation zu profitieren, indem sie Neid und Ablehnung gegen\u00fcber Fl\u00fcchtlingen sch\u00fcrt. Dies entspricht der bisherigen Parteipolitik, deren aggressivk\u00e4mpferischer Rechtsextremismus durch die Forderung nach einer Abl\u00f6sung der Demokratie und der Hetze gegen Angeh\u00f6rige von Minderheiten gekennzeichnet ist. Das schwebende Parteiverbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht hat Teile der NPD verunsichert. Die Partei befindet sich auf Bundesebene auch wegen des Verbotsverfahrens in einer Schw\u00e4chephase. Der NRW-Landesverband hat strukturelle Probleme sowie eine schwache F\u00fchrungsmannschaft. 38 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Trotzdem erreicht die NRW-NPD mit ihrem Facebookprofil mehrere tausend Personen und kann so ihre Botschaften unter Sympathisanten verbreiten. Die Pro-Organisationen greifen ebenfalls die Fl\u00fcchtlingssituation auf, um damit ihre fremdenund islamfeindliche Position zu verbreiten. Gepr\u00e4gt durch interne Auseinandersetzungen, pers\u00f6nliche Anfeindungen und struktureller Erfolglosigkeit haben die Pro-Gruppierungen an Aktionsf\u00e4higkeit und Wirksamkeit verloren. So ist ein anhaltender Bedeutungsverlust festzustellen. Die Neugr\u00fcndung des Landesverbandes von Pro Deutschland belegt die offen zutage tretende Feindschaft zwischen Pro K\u00f6ln/Pro Deutschland und Pro NRW. Nun agieren drei Pro-Gruppierungen bei inhaltlich nahezu identischer Ausrichtung, was zu einer Versch\u00e4rfung der Konkurrenzsituation innerhalb der rechtsextremistischen Parteienlandschaft in Nordrhein-Westfalen f\u00fchrt. In der Partei Die Rechte organisieren sich \u00fcberwiegend Neonazis, die aggressiv-k\u00e4mpferisch auftreten. Dies trifft insbesondere auf den Dortmunder Kreisverband zu, der eine Strategie der Provokation und Einsch\u00fcchterung verfolgt. Damit soll die Aufmerksamkeit der Medien erreicht und eigene St\u00e4rke demonstriert werden. Die Aktivit\u00e4ten bewegen sich dabei oftmals unterhalb einer strafbaren Grenze. Seit Anfang 2015 f\u00fchrte Die Rechte zahlreiche Demonstrationen im Umfeld von geplanten Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften durch und hetzte gegen Fl\u00fcchtlinge sowie gegen Helfer, Journalisten und Politiker. Die Neonazi-Szene ist gr\u00f6\u00dftenteils in den Parteien Die Rechte und Der III. Weg organisiert, beziehungsweise diese Parteien initiieren die meisten \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktivit\u00e4ten der Neonazi-Szene. Daneben gibt es noch mehrere kleinere Gruppierungen, die angesichts der Fl\u00fcchtlingssituation im letzten Jahr leicht mobilisierbar waren. Im Rechtsextremismus ist derzeit eine Radikalisierung festzustellen, die sich in einer Widerstandund B\u00fcrgerkriegsrhetorik ausdr\u00fcckt. Deshalb musste und muss damit gerechnet werden, dass sich Gruppen bilden, die rechtsterroristische Taten ver\u00fcben. Eine solche Gruppe war die rechtsterroristische Oldschool Society (OSS), deren Mitglieder im Mai 2015 in Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesl\u00e4ndern nach Ermittlungen der Sicherheitsbeh\u00f6rden verhaftet wurden. Die Namen und Bezeichnungen von Organisationen, Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten, bei denen zumindest gewichtige Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht f\u00fcr die in SS 3 Abs. 1 VSG NRW beschriebenen Merkmale vorliegen, sind zwischen den Zeichen \" und \" eingefasst. RechtsextRemismus 39 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Im Fokus: Rechtsextremistische Agitationen und Aktionen gegen Fl\u00fcchtlinge Die Fl\u00fcchtlingssituation in Deutschland war im Jahr 2015 das bestimmende Thema im gesamten Rechtsextremismus. Es gab eine Vielzahl fremdenfeindlicher Propaganda und zahlreiche Aktivit\u00e4ten. Die aggressive Agitation gegen Fl\u00fcchtlinge und ihre Unterk\u00fcnfte ist Konsens und Topthema im ansonsten heterogenen rechtsextremistischen Spektrum. Rechtsextremisten stellen Fl\u00fcchtlinge pauschal negativ dar. Insbesondere sch\u00fcren sie mit ihrer Propaganda \u00c4ngste, indem sie Fl\u00fcchtlinge als kriminell und gewaltt\u00e4tig beschreiben, oder sch\u00fcren Neid, indem sie Fl\u00fcchtlingen unterstellen, das deutsche Sozialsystem ausnutzen zu wollen. In einer Rede des stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Partei Die Rechte sagte dieser in Dortmund am 7. September 2015: \"Diese Menschen, die momentan zu Tausenden in unser Deutschland str\u00f6men, sind kriminell, haben kein Benehmen und diese werden hier in unserem geliebten Vaterland ihre kriminelle Ader [...] ausleben. Diese werden rauben, vergewaltigen und morden.\" Meistens greift die rechtsextremistische Propaganda einzelne Straftaten oder vermeintliches Fehlverhalten von Fl\u00fcchtlingen auf und behauptet, dass sich s\u00e4mtliche Fl\u00fcchtlinge so verhalten w\u00fcrden. Gelegentlich erfinden Rechtsextremisten auch Berichte \u00fcber solche Aktivit\u00e4ten oder ver\u00f6ffentlichen haltlose Verd\u00e4chtigungen, um Fl\u00fcchtlinge zu diffamieren. So publizierte der Dortmunder Kreisverband Die Rechte auf seiner Webseite einen Beitrag, in dem er behauptete, dass es Verdachtsmomente gegen Fl\u00fcchtlinge gebe, mit dem Verschwinden von Pinguinen aus dem Dortmunder Zoo etwas zu tun zu haben. Die \u00fcberwiegende Zahl rechtsextremistischer Versammlungen fand 2015 zum Thema Fl\u00fcchtlinge statt. Die rechtsextremistischen Organisationen k\u00f6nnen hierzu ihre eigene Anh\u00e4ngerschaft mobilisieren und erhoffen sich Zustimmung aus der Mitte der Gesellschaft. Jedoch nehmen in Nordrhein-Westfalen kaum Menschen aus dem b\u00fcrgerlichen Milieu an solchen Veranstaltungen teil. Gelegentlich gelingt es den Veranstaltern, auch Personen aus dem Hooligan-Spektrum zu mobilisieren. So wurde das Teilnehmerfeld an der zweiten K\u00f6gida-Veranstaltung in K\u00f6ln am 14. Januar 2015 fast zur einen H\u00e4lfte von Pro K\u00f6lnund Pro NRW-Anh\u00e4ngern und fast zu anderen H\u00e4lfte von Hooligans gebildet. Bei einigen Veranstaltungen war zu beobachten, dass die ansonsten sektiererische Abgrenzung zwischen den einzelnen rechtsextremistischen Organisationen \u00fcberwunden wurde und Aktivisten verschiedener Parteien und Gruppierungen gemeinsam agierten. Eine solche Veranstaltung fand beispielsweise am 8. November 2015 in Linnich unter dem Motto \"Linnicher B\u00fcrger stehen auf gegen die Asyl-Invasion\". Tats\u00e4chlich nahmen daran 40 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Artikel auf der Internetseite dortmundecho.org \u00fcber das Verschwinden von Pinguinen aus dem Dortmunder Zoo Mitglieder von Pro NRW, Die Rechte, NPD, weitere Rechtsextremisten sowie Personen aus der HoGeSa-Szene teil. Oftmals f\u00fchren Rechtsextremisten Versammlungen vor Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften durch, bevor dort Fl\u00fcchtlinge einziehen. Dies dient dazu, \u00c4ngste und Ablehnung von Anwohnern zu sch\u00fcren, indem negative Zerrbilder von Fl\u00fcchtlingen propagiert werden. Jedoch demonstrierten Rechtsextremisten einige Male auch vor bewohnten Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften, um die Bewohner einzusch\u00fcchtern. So marschierten am 6. Februar 2015 rund 20 Anh\u00e4nger der Partei Die Rechte abends mit brennenden Fackeln vor einer Fl\u00fcchtlingsunterkunft in Dortmund auf, skandierten fremdenfeindliche Parolen und warfen B\u00f6ller in Richtung der Unterkunft. Neben Kundgebungen und Demonstrationen agieren Rechtsextremisten auch durch das Anbringen von Transparenten und durch Flugblattverteilungen. Beispielsweise verteilte die neoRechtsextRemismus 41 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","nazistische Gruppierung Division Braune W\u00f6lfe im September 2015 einen Flyer in M\u00fcnster. In dem hei\u00dft es unter anderem: \"Wir brauchen nicht noch mehr dieser Wirtschaftsfl\u00fcchtlinge, die uns nach aktuellen Meldungen in den wirtschaftlichen, wie auch finanziellen Ruin treiben, sowie Angst und Schrecken verbreiten!\" Ferner beteiligen sich Rechtsextremisten gelegentlich an Informationsveranstaltungen zur Unterbringung von Fl\u00fcchtlingen, um dort ihre Propaganda zu verbreiten. Es sind weiterhin einige F\u00e4lle bekannt geworden, in denen Rechtsextremisten Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte \"besuchten\". Dies geschah sowohl als nicht angemeldete Besichtigung, wie durch den NPD-Landesvorsitzenden, als auch im Rahmen offizieller Besichtigungstermine beispielsweise f\u00fcr Ratsmitglieder, wie zum Beispiel durch den NRW-Landesvorsitzenden von Pro Deutschland. Zum einen provozieren Rechtsextremisten mit solchen Besichtigungen, zum anderen nutzen sie die gewonnenen Informationen f\u00fcr propagandistische Aktivit\u00e4ten. So ver\u00f6ffentlichen die Rechtextremisten in der Regel Berichte, in denen sie die Wohnund Lebensbedingungen der Fl\u00fcchtlinge in den Unterk\u00fcnften verzerrt und abwertend darstellen. Die rechtsextremistische Hetze richtet sich dabei nicht mehr alleine gegen Fl\u00fcchtlinge, sondern mittlerweile auch gegen Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, Journalisten und Politiker. So schrieb der Landesvorsitzende von Die Rechte, Dennis Giemsch, am 2. September 2015 einen Beitrag zur Fl\u00fcchtlingssituation, in dem es hei\u00dft: \"Alle Proteste, die sich direkt gegen die Einwanderer richten, sind Proteste gegen Sympthome (sic!), nicht aber gegen die Krankheit. [...] W\u00e4hrenddessen laufen die Politiker, die f\u00fcr all das die Verantwortung tragen, ohne Polizeischutz durch die Stra\u00dfen und machen unbehelligt weiter wie bisher ...\" Zentrale Bedeutung f\u00fcr die fremdenfeindliche Propaganda der Rechtsextremisten haben soziale Netzwerke und Internetforen. Fortw\u00e4hrend platzieren Rechtsextremisten dort negative Nachrichten \u00fcber Fl\u00fcchtlinge. Zudem organisieren sie dort ihre Aktivit\u00e4ten und mobilisieren f\u00fcr ihre VerDiffamierendes Bild mit Politikern und Entertainern 42 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","anstaltungen. Die Partei Der III. Weg verbreitete im Internet einen Handlungsleitfaden mit dem Titel \"Wie bebzw. verhindere ich die Errichtung eines Asylantenheims in meiner Nachbarschaft\". Dar\u00fcber hinaus finden sich auch in sozialen Netzwerken und Internetforen, die nicht von Rechtsextremisten betrieben beziehungsweise administriert werden, zum Thema Fl\u00fcchtlinge eine Vielzahl von Hasskommentaren und Drohungen gegen\u00fcber Fl\u00fcchtlingen, Helfern und Politikern. Teilweise werden entsprechende Kommentare und Drohungen auch direkt an die betroffenen Personen und Organisationen gemailt. Es besteht die Gefahr, dass die st\u00e4ndig wiederkehrenden Postings mit fremdenfeindlichen Aussagen und der sie begleitende virtuelle Applaus dazu f\u00fchren k\u00f6nnen, dass einzelne Personen oder Gruppen sich veranlasst sehen, diesen Worten auch Taten folgen zu lassen. Online-Handlungsleitfaden der Partei Der III. Weg RechtsextRemismus 43 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Die islamistisch motivierten terroristischen Anschl\u00e4ge am 13. November 2015 in Paris versuchten rechtsextremistischen Akteure umgehend zu instrumentalisieren und ihre fremdenfeindlichen Positionen gegen\u00fcber Fl\u00fcchtlingen und Muslime zu untermauern. Dabei herrscht Einigkeit in Szene, dass Fl\u00fcchtlinge beziehungsweise Muslime Schuld an den Anschl\u00e4gen h\u00e4tten und die demokratischen Parteien daf\u00fcr verantwortlich seien, weil sie die gegenw\u00e4rtige Situation herbeigef\u00fchrt h\u00e4tten. Die Kreisverb\u00e4nde Aachen und Heinsberg von Die Rechte agitierten auf ihrem Facebookprofil: \"Gutmenschen, Linke, Gr\u00fcne, CDU, SPD, s\u00e4mtliche Bef\u00fcrworter des Asylmissbrauchs, IHR SEIT MITSCHULD AN DEM MASSAKER IN PARIS! Ihr habt auch den Hass gegen Europ\u00e4er, die t\u00e4gliche Gewalt und die Parallelgesellschaften hereingeholt!.\" Der Bochumer NPD-Kreisverband twitterte einen h\u00e4mischen Kommentar, mit dem er die \"Willkommenskultur\" in Deutschland f\u00fcr die Anschl\u00e4ge verantwortlich machen m\u00f6chte: \"Demn\u00e4chst auch in Ihrer Stadt. Einfach sch\u00f6n weiter feiern und am Bahnhof Schilder hoch ...\" Seit den Anschl\u00e4gen verkn\u00fcpfen einige Rechtsextremisten ihre fl\u00fcchtlingsfeindliche Kampagne vermehrt mit islamfeindlichen Positionen. So demonstrierten wenige Tage nach den Pariser Anschl\u00e4gen Aktivisten der \"Identit\u00e4ren Aktion\" mit einem Banner \"Kein IS Terror in Europa\" vor mehreren Moscheen in der Aachener Region und verbreitete dies \u00fcber soziale Netzwerke. Sie versuchten damit Muslime zu diffamieren, indem Islam mit Islamismus und letztlich mit Terrorismus gleichgesetzt wird. \u00dcberdies treiben einige Rechtsextremisten durch eine Widerstandsund B\u00fcrgerkriegsrhetorik eine Emotionalisierung und Radikalisierung ihrer Sympathisanten voran. So schrieb Pro Deutschland am 14. November 2015 auf seiner Webseite: \"Die Anschl\u00e4ge von Paris beweisen: Im \"Kampf der Kulturen\" zwischen dem Westen und der islamischen Welt gibt es kein ruhiges Hinterland.\" Der in der rechtsextremistischen Szene popul\u00e4re Neonazi-Rapper Makss Damage redete in einer Videobotschaft zu den Pariser Anschl\u00e4gen einen B\u00fcrgerkrieg herbei: \"Der bewaffnete Kampf um Europa hat begonnen.\" Diese Entwicklung setzte sich in den letzten Monaten fort. Insbesondere die \u00dcbergriffe in der Silvesternacht 2015/2016 vor dem K\u00f6lner Hauptbahnhof griff die rechtsextremistische Szene sogleich auf. Der Kreisverband Rhein-Erft der Partei Die Rechte verbreitete auf seiner Webseite dazu folgendes Statement: \"Wenn sich das Volk nicht endlich erhebt, dann sind wir f\u00fcr immer nur noch Menschen zweiter Klasse in unserem eigenen Land! Wir sehen nicht dabei zu, wie wir vollkommen entrechtet und unsere Frauen zu Freiwild gemacht werden, w\u00e4hrend wir uns noch f\u00fcr jede Kritik daran beschimpfen lassen m\u00fcssen! Das Fass ist schon lange voll, es wird Zeit aufzur\u00e4umen!\" Als Pegida NRW als Reaktion auf die \u00dcbergriffe eine Versammlung am 9. Januar 2016 in K\u00f6ln durchf\u00fchrte, nahmen Rechtsextremisten aus allen ma\u00dfgeblichen Organisationen teil. Dort trat unter dem Pseudonym \"Tommy Robinson\" ein britischer islamfeindlicher Aktivist auf. In seiner durch einen Dolmetscher \u00fcbersetzten Rede sagte dieser unter anderem: \"Der Islam unterteilt die Welt in zwei Lager. In das Haus des Islam und das Haus des Krieges. Diese Attacken habe klar gemacht, in welchem Haus sich Deutschland befindet. Sie sind im Krieg mit eurem Land, sie sind im Krieg mit meinem Land und sie sind im Krieg mit ganz Europa.\" 44 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Bild aus dem Facebook-Auftritt der Partei Die Rechte Insbesondere rechtsextremistische Parteien sind aus taktischen Gr\u00fcnden bem\u00fcht, mit ihrer Hetze unterhalt der Grenze der Strafbarkeit zu bleiben. Allerdings ist die rechtsextremistische Propaganda gegen Fl\u00fcchtlinge ein N\u00e4hrboden f\u00fcr rechtsextremistische Straftaten, die gegen Fl\u00fcchtlinge und deren Unterk\u00fcnfte begangen werden. Denn die Kampagnen best\u00e4rken die Anh\u00e4nger und Sympathisanten in ihrer Ablehnung und Hass auf die Fl\u00fcchtlinge. Zudem liefern sie eine vermeintliche Rechtfertigung f\u00fcr Straftaten, indem sie sie als Notwehr bezeichnen. So schrieb der Landesverband Bayern von Die Rechte am 18. Juli 2015 zu einem Brandanschlag auf eine unbewohnte Fl\u00fcchtlingsunterkunft in Rosenheim: \"Die Proteste der B\u00fcrger im Vorfeld wurden lange nicht ernstgenommen - jetzt gab es die Quittung.\" Im Jahr 2015 gab es in Nordrhein-Westfalen 222 rechtsmotivierte Straftaten gegen Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte. Damit hat sich die Zahl gegen\u00fcber 2014 fast verneunfacht, als es 25 \u00dcbergriffe gab. Rund drei Viertel der Straftaten sind Sachbesch\u00e4digungen, Propagandaund Volksverhetzungsdelikte. Eine zentrale Steuerung der fremdenfeindlichen \u00dcbergriffe durch rechtsextremistische Organisationen ist bislang nicht erkennbar. Die bislang ermittelten Tatverd\u00e4chtigen stammen zu drei Vierteln aus dem lokalen Umfeld der Unterk\u00fcnfte. Zwei Drittel der Tatverd\u00e4chtigen sind vorher nicht durch rechtsextremistische Straftaten aufgefallen und hatten keine Bez\u00fcge zum organisierten Rechtsextremismus. Die Zunahme der Gewaltbereitschaft von Rechtsextremisten im Jahr 2015 ist sehr besorgniserregend. Nicht nur die Anzahl der Straftaten gegen Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte nimmt zu, sondern RechtsextRemismus 45 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","auch die Schwere. So gab es 28 rechtsmotivierte Gewaltdelikte wie K\u00f6rperverletzung oder Brandstiftung im Zusammenhang mit Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften. Die \u00fcberwiegende Zahl der Brandstiftung ver\u00fcbten die T\u00e4ter gegen Unterk\u00fcnfte, die noch nicht bezogen waren. Allerdings fand am 3. Oktober 2015 in Altena auch ein Brandanschlag auf ein von Fl\u00fcchtlingen bewohntes Haus statt. Zum Zeitpunkt des Brandes hielten sich sieben Personen im Geb\u00e4ude auf. Durch die Ermittlungen konnte die Polizei zwei Tatverd\u00e4chtige festnehmen. Am 31. Mai 2016 beginnt der Prozess vor dem Landgericht Hagen gegen die Beschuldigten. Derzeit werden nicht nur schwere Gewaltstraftaten gegen Fl\u00fcchtlinge ver\u00fcbt, sondern in einem Fall wurde auch eine rechtsterroristische Gruppe mit Bez\u00fcgen nach Nordrhein-Westfalen gebildet. So wurde Mitte 2014 die Gruppierung Oldschool Society (OSS) bekannt, die sich im Laufe des Jahres radikalisierte und Anfang 2015 Anschlagsplanungen auf eine Fl\u00fcchtlingsunterkunft in Sachsen konkretisierte. Ein F\u00fchrungsmitglied der OSS wohnte in Bochum. Nachdem die F\u00fchrungsebene am 6. Mai 2015 festgenommen wurde, erhob der Generalbundesanwalt Anklage unter anderem wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung. 46 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Entsprechend der Ausweitung der rechtsextremistischen Hetze gegen Helfer und Politiker, die sich f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge engagieren, finden auch Straftaten gegen Angeh\u00f6rige dieser Gruppen statt. So griff am 17. Oktober 2015 ein Rechtsextremist die damalige Kandidatin f\u00fcr das K\u00f6lner Oberb\u00fcrgermeisteramt, Henriette Reker, mit einem Messer an und verletzte sie schwer. Der Beschuldigte gab an, dass er die Oberb\u00fcrgermeisterkandidatin f\u00fcr die aus seiner Sicht verfehlte Fl\u00fcchtlingspolitik mitverantwortlich mache und mit seiner Tat ein Zeichen setzen wollte. Angesichts seiner Vergangenheit in den 1990er Jahren im Umfeld der sp\u00e4ter verbotenen FAP, zeigt der Anschlag, dass auch Sympathisanten des organisierten Rechtsextremismus sich jederzeit radikalisieren k\u00f6nnen und schwere Gewalttaten begehen k\u00f6nnen. Die menschenverachtenden Kampagnen der rechtsextremistischen Szene gegen Fl\u00fcchtlinge haben zu einer Verrohung des politischen Klimas beigetragen. Die an Zahl und Schwere zunehmenden \u00dcbergriffe auf Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte sind sehr besorgniserregend. Da abzusehen ist, dass auch im Jahr 2016 in der \u00d6ffentlichkeit die Fl\u00fcchtlingspolitik in Deutschland weiterhin eine gro\u00dfe Rolle spielen wird, werden Rechtsextremisten weiterhin versuchen, Konflikte zu instrumentalisieren und fremdenfeindlich zu versch\u00e4rfen. Der damit gesch\u00fcrte Hass veranlasst und best\u00e4rkt einige Personen, Gewalttaten zu begehen. Angesichts dessen ist weiterhin mit schweren Straftaten zu rechnen. RechtsextRemismus 47 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Im Fokus: \"Gida\"-Entwicklungen in Nordrhein-Westfalen In Nordrhein-Westfalen fanden unter Bezugnahme auf das Demonstrationsveranstaltungen, die in Dresden ab Ende 2014 unter dem Namen \"Patriotische Europ\u00e4er gegen die Islamisierung des Abendlandes\" (Pegida) begannen, auch Kundgebungen von \"Gida\"-Gruppierungen statt. Hierzu z\u00e4hlten zun\u00e4chst die ma\u00dfgeblich von Pro NRW und ihrem Umfeld unterst\u00fctzten Veranstaltungen in Bonn (\"Bogida\"), K\u00f6ln (\"K\u00f6gida\") und D\u00fcsseldorf (\"D\u00fcgida\"). Im Verlauf des Jahres 2015 verstetigte sich dar\u00fcber hinaus eine Kundgebungsreihe von Pegida NRW in Duisburg. Lediglich Pegida NRW besitzt eine unmittelbare organisatorische Anbindung an die bundesweit agierende Pegida-Zentrale in Dresden. Eine rechtsextremistische Steuerung war kontinuierlich bei Bogida, D\u00fcgida und K\u00f6gida erkennbar. Hierbei handelte es sich allerdings im Wesentlichen um die Initiative einer nur wenige Personen z\u00e4hlenden Gruppe um eine rechtsextremistische Aktivistin, die bis Anfang 2015 Vorstandsmitglied von Pro NRW war und sich seitdem bei der \"Identit\u00e4ren Aktion\" bet\u00e4tigt. Bei den Veranstaltungen fand auch eine Beteiligung und Einflussnahme durch rechtsextremistische Organisationen statt (Pro NRW, Pro K\u00f6ln, NPD, Die Rechte, \"Identit\u00e4re Bewegung\", Identit\u00e4re Aktion). Die nicht offiziellen Pegida-Ableger in Bonn, D\u00fcsseldorf und K\u00f6ln wurden unter Hinweis auf den Einfluss von Rechtsextremisten durch die Pegida-Organisation in Dresden nicht unterst\u00fctzt. Insofern handelt sich nicht um formelle Pegida-Veranstaltungen, sondern um eine spezifische lokale Besonderheit in Form - letztlich gescheiterter - \u00dcbernahmestrategien einer inzwischen bundesweit bekannten \"Marke\" durch Rechtsextremisten. Auch weitere Versuche, das Modell von Pegida ohne Unterst\u00fctzung aus Dresden auf Nordrhein-Westfalen zu \u00fcbertragen, wie etwa mit \"Biegida\" in Bielefeld, konnten sich bislang nicht etablieren. Die von den Initiatoren in Bonn und K\u00f6ln urspr\u00fcnglich langfristig angelegten Kundgebungsreihen scheiterten an internen Querelen, einer offenkundigen Radikalisierung und der damit einhergehenden Verweigerung beziehungsweise der fehlenden Einbindung des b\u00fcrgerlichen Spektrums. Nicht zuletzt die Unf\u00e4higkeit, langfristig das aktionsorientierte, rechtsextremistische Aktivistenpotenzial zu mobilisieren und die breite gesellschaftliche Ablehnung beg\u00fcnstigten das Ende von Bogida und K\u00f6gida. Hiervon war auch zun\u00e4chst die Veranstaltungsserie in D\u00fcsseldorf betroffen. Nach der Absage aller urspr\u00fcnglich bis Ende 2015 angemeldeten Demonstrationen im Juni 2015 wurde die Reihe im September 2015 wieder aufgenommen. Die Gr\u00fcnde hierf\u00fcr liegen vor allem in den pers\u00f6nlichen Ambitionen der ma\u00dfgeblichen rechtsextremistischen Organisatorin. Mit der anhaltenden 48 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","\u00f6ffentlichen Pr\u00e4senz in der Landeshauptstadt verfolgte sie offenkundig eine Strategie der gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Provokation (\"maximaler Widerstand\"), zumal das Generieren von Reaktionen insbesondere in den Medien offenkundig im Vordergrund stand, um entsprechende \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit zu erhalten. Diese Strategie scheint mitunter aufzugehen. Parallel hierzu radikalisiert sich die Aktivistin in ihren j\u00fcngsten \u00c4u\u00dferungen zusehends. Aufgrund ihrer langj\u00e4hrigen Aktivit\u00e4ten in der regionalen rechtsextremistischen Szene verf\u00fcgt die Aktivistin \u00fcber gute punktuelle Kontakte in das gesamte rechtsextremistische Spektrum. Aus diesen Kontakten sowie einer \u00fcberschaubaren Clique pers\u00f6nlicher Anh\u00e4nger in der \"Identit\u00e4ren Aktion\" speiste sich \u00fcberwiegend die anfangs mit 80 bis 100 Personen relativ konstante Teilnehmerzahl von D\u00fcgida, die jedoch im Zeitraum ab Herbst auf circa 30 Teilnehmer zur\u00fcckging. Auf der D\u00fcgida-Kundgebung 20. November 2015 hatte die Organisatorin eine Fortsetzung der Demonstrationsserie in D\u00fcsseldorf ausgeschlossen. Man wolle sich vielmehr nun Pegida NRW in Duisburg anschlie\u00dfen. Vereinzelt sind seitdem Aktivisten der \"Identit\u00e4ren Aktion\" bei Pegida NRW-Kundgebungen zu sehen. Pegida NRW in Duisburg Pegida NRW ist der \"offizielle\" Dresdener Pegida-Ableger in Nordrhein-Westfalen. Er organisiert weiterhin regelm\u00e4\u00dfig Kundgebungen in Duisburg. Am Montag, dem 11. Januar 2016, fand die 44. Veranstaltung statt. Offensichtlich bedingt durch die aktuelle Fl\u00fcchtlingslage hatte sich die Teilnehmerzahl von anfangs 50 bis 60 Personen auf 300 bis 400 Personen im Herbst erh\u00f6ht. Bis zum Jahresende 2015 pendelten sich die Teilnehmerzahlen auf 150 bis 250 Personen ein. Rund RechtsextRemismus 49 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","10% der Teilnehmer sind Anh\u00e4nger der \u00f6rtlichen gewaltorientierten Fu\u00dfball-Szene. Am 13. Dezember f\u00fchrte Pegida NRW des Weiteren gemeinsam mit Pegida Flandern / L\u00fcttich und Pegida Nederland eine Kundgebung in Aachen durch. W\u00e4hrend die Organisatoren von Pegida NRW zun\u00e4chst Ans\u00e4tze rechtsextremistischer Beeinflussung verhinderten, fand ab dem Herbst 2015 eine Radikalisierung statt. So wurden mehrfach zwei prominente Rechtsextremisten als Redner eingeladen. Dies waren Michael St\u00fcrzenberger, Vorsitzender der extremistischen Partei \"Die Freiheit\" und der stellvertretende Vorsitzende von Pro NRW. Letzterer spricht dort regelm\u00e4\u00dfig seit Oktober 2015. Einer der Organisatoren von Pegida NRW trat am 8. November 2015 bei einer rechtsextremistischen Versammlung zudem in Linnich als Redner auf. In Reden werden bei den Pegida-Veranstaltungen mitunter fremdenfeindliche und islamfeindliche Positionen vorgetragen. Beispielsweise \u00e4u\u00dferte sich St\u00fcrzenberger am 26. Oktober 2015 folgenderma\u00dfen: \"Wir kriegen die Fl\u00fcchtlingsheime in unsere Nachbarschaft und dann k\u00f6nnt ihr nicht mehr eure T\u00f6chter unbescholten zur Schule gehen lassen, weil das sind Muslime, die eine ganz andere Weltanschauung haben als wir. Die sehen leicht bekleidete Frauen als Freiwild. Die sehen generell nicht-muslimische Frauen als Freiwild. Da ist der Schritt zur Vergewaltigung sehr schnell, Bel\u00e4stigung sowieso und Raub und Diebstahl ist bei denen religi\u00f6s legitimiert. Sie d\u00fcrfen uns ausrauben.\" Seit dem Herbst nahmen an den Veranstaltungen immer wieder auch Mitglieder von Pro NRW, der NPD, Die Rechte und der Neonazigruppe Nationaler Widerstand Duisburg. Pegida NRW Kundgebung in K\u00f6ln am 9. Januar 2016 Die Ereignisse in der Silvesternacht in K\u00f6ln wurden unmittelbar nach Bekanntwerden in der \u00d6ffentlichkeit intensiv diskutiert und kommentiert. Auch Pegida NRW reagierte darauf und f\u00fchrte am 9. Januar 2016 in K\u00f6ln eine Versammlung unter dem Motto \"Pegida sch\u00fctzt\" durch. An der Versammlung nahmen 1.700 Personen teil, darunter circa 300 aus der rechtsextremistischen Szene sowie 1.300 aus dem HoGeSabzw. dem Hooligan-Spektrum. Unter den Teilnehmern befanden sich Funktion\u00e4re der NPD sowie von Pro NRW und Pro Deutschland, Angeh\u00f6rige der \"Identit\u00e4ren Bewegung\", der \"Identit\u00e4ren Aktion\" sowie der Partei Die Rechte. Au\u00dferdem nahmen auch \u00fcberregional wirkende Rechtsextremisten aus anderen L\u00e4ndern an der Versammlung teil. Nachdem der Aufzug sich kurze Zeit in Bewegung gesetzt hatte, kam es an der Spitze zu Vermummungen von einem Teil der Teilnehmer und zu W\u00fcrfen von Pyrotechnik und Flaschen auf die eingesetzten Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten. Da der Aufforderung der Polizei, Straftaten zu unterlassen, nicht Folge geleistet wurde, wurde die Versammlung aufgel\u00f6st. Unter den Rednern der Auftaktkundgebung am Breslauer Platz befanden sich der stellvertretende Parteivorsitzende von Pro NRW sowie der Gr\u00fcnder und ehemalige Leiter der islamfeindlichen 50 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","English Defence League. W\u00e4hrend der Versammlung fanden Gespr\u00e4che von Vertretern von Pegida NRW mit verschiedenen Rechtsextremisten von NPD und Pro NRW sowie Gespr\u00e4che von Vertretern verschiedener rechtsextremistischer Organisationen statt. Punktuell wurde hier die ansonsten sektiererische Abgrenzung zwischen den einzelnen rechtsextremistischen Organisationen \u00fcberwunden. Die anf\u00e4nglich von Pegida NRW verfolgte organisatorische Abgrenzung zur rechtsextremistischen Szene wurde mittlerweile aufgegeben und Pegida NRW ist somit auch zu einer Plattform f\u00fcr Rechtsextremisten geworden. Angesichts dieser Entwicklung wird Pegida NRW aktuell als rechtsextremistisch beeinflusst bewertet. Anh\u00e4nger der Gruppierung HoGeSa \"Gida\"-\u00e4hnliche Veranstaltung in M\u00f6nchengladbach Unter dem Einfluss des stellvertretenden Vorsitzenden von Pro NRW f\u00fchrte die Gruppierung \"M\u00f6nchengladbach steht auf\" mehrere \"Gida\"-\u00e4hnliche Kundgebungen mit anschlie\u00dfendem \"Spaziergang\" durch. Die Teilnehmerzahl schwankte dabei zwischen 100 und 150 Personen. Die Zusammensetzung war \u00e4hnlich heterogen wie in Duisburg und umfasste auch Rechtsextremisten sowie Anh\u00e4nger der Hooligan-Szene. Das b\u00fcrgerliche Spektrum erreicht diese Veranstaltung nicht. Inhaltlich wurden nationalistische und fremdenfeindliche Positionen vorgetragen. Insbesondere der stellvertretenden Vorsitzende von Pro NRW sch\u00fcrte dabei Neidgef\u00fchle gegen\u00fcber Fl\u00fcchtlingen und diffamierte diese bei einer Veranstaltung am 23. Mai 2015 als vermeintliche \"Schnorrer\". RechtsextRemismus 51 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","NPD Sitz / Verbreitung Sitz des Bundesverbandes: Berlin; Sitz des Landesverbandes: Essen Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1964 (Bundes und Landesverband NRW) Struktur / Repr\u00e4sentanz Bundesvorsitzender: Frank Franz (2014); Landesvorsitzender: Claus Cremer (seit Juni 2008); wenige handlungsf\u00e4hige Kreisverb\u00e4nde; insgesamt 17 Ratsund Bezirksvertretungsmandate in Nordrhein-Westfalen Mitglieder / Anh\u00e4nger / Bund: ca. 5.200 NRW: ca. 600 Unterst\u00fctzer 2015 Ver\u00f6ffentlichungen Publikationen: Zeitung des Bundesverbandes Deutsche Stimme (DS) (monatlich) als Printversion; Online-Zeitschrift des Landesverband Blickpunkt (quartalsweise); diverse lokale Publikationen einzelner Kreisverb\u00e4nde (meist unregelm\u00e4\u00dfig) Web-Angebote: mit den Seiten NPD.de oder NPD-nrw.de nahezu fl\u00e4chendeckend eigene Webseiten auf allen organisatorischen Ebenen sowie in den sozialen Netzwerken Kurzportrait / Ziele Die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) ist eine rechtsextremistische Partei, die die Demokratie in Deutschland beseitigen will und stattdessen f\u00fcr eine rassistische, antisemitische, revisionistische und fremdenfeindliche Ideologie eintritt. Vielfach bezieht sich die Partei dabei auf die Ideologie der NSDAP. Die Partei verfolgt ihre verfassungsfeindlichen Ziele dabei auch in einer aggressiv-k\u00e4mpferischen Weise. Finanzierung Staatliche Parteienfinanzierung, Mitgliedsbeitr\u00e4ge und Spenden 52 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die NPD lehnt die freiheitliche Demokratie in Deutschland ab und will diese beseitigen. Dies betrifft auch einzelne wesentliche Prinzipien und Grundwerte unserer Verfassung. So negiert die Partei die im Grundgesetz vertretene Idee, dass jeder Mensch als Individuum und ohne Vorbedingungen eine W\u00fcrde besitzt. Die NPD spricht Menschen nur eine W\u00fcrde als Teil eines nationalen Kollektivs zu. Die von der NPD verfolgten rechtsextremistischen Ziele laufen auf einen autorit\u00e4ren Staat hinaus, in dem die Prinzipien der durch das Grundgesetz garantierten freiheitlichen demokratischen Grundordnung au\u00dfer Kraft gesetzt werden sollen. Stattdessen verfolgt die NPD eine rechtsextremistische Ideologie, die sich vor allem durch Fremdenfeindlichkeit und Rassismus auszeichnet. Die Ablehnung von Ausl\u00e4ndern und Deutschen mit Migrationshintergrund begr\u00fcndet die NPD \"biologisch\", das hei\u00dft, dass sie die Gleichheit aller Menschen als allgemeines Menschenrecht nach Art. 3 des Grundgesetzes ablehnt. Was darunter zu verstehen ist, wird in einem \"Fragen und Antworten\"-Bereich auf der Homepage der NPD erl\u00e4utert. Dort hei\u00dft es zum Beispiel zu den Fragen \"Wer ist denn Deutscher? Was versteht die NPD unter 'Volk'?: [...] L\u00e4ngst ist erwiesen, dass das Erbliche bei Einzelnen wie bei V\u00f6lkern und Rassen (als evolutionsbiologischen Lebensordnungen verwandter Menschen) gleicherma\u00dfen f\u00fcr die Ausbildung k\u00f6rperlicher wie nicht-k\u00f6rperlicher Merkmale verantwortlich ist. Angeh\u00f6rige anderer Rassen bleiben deshalb k\u00f6rperlich, geistig und seelisch immer Fremdk\u00f6rper, gleich wie lange sie in Deutschland leben [...].\" RechtsextRemismus 53 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Neben der allgemeinen Hetze gegen Migranten sind im Berichtsjahr 2015 insbesondere Muslime und Fl\u00fcchtlinge Opfer der NPD-Propaganda. Indem die NPD \u00dcberfremdungs\u00e4ngste sch\u00fcrt und den Islam mit Islamismus und Terrorismus gleichsetzt, zeichnet die NPD ein verzerrtes, negatives Bild der hier lebenden Muslime. In diesem Sinne instrumentalisierte die NPD auch die Terroranschl\u00e4ge von Paris am 13. November 2015. So hei\u00dft es etwa in einem Post auf der Facebook-Seite des NPD-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen am 13. November 2015: \"Der Krieg wird in unsere Stra\u00dfen getragen! #Terror #Paris #Europa #Widerstand #Asylflut.\" Dabei stellt sie bewusst einen Zusammenhang zu nach Europa fl\u00fcchtenden Menschen dar. Obwohl die NPD soziale Themen und eine vermeintliche \"Bedrohung durch den Islam\" in den Vordergrund r\u00fcckt, weicht sie auch nicht von ihren \"traditionellen\" antisemitischen und revisionistischen Positionen ab. Es werden nicht nur plumpe antisemitische \u00c4u\u00dferungen wiedergegeben, sondern auch der Holocaust oder die Zahl der Opfer bezweifelt und die Schuld Deutschlands am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges geleugnet. Die NPD glorifiziert in Beitr\u00e4gen der Deutschen Stimme den historischen Nationalsozialismus und stellt sich selbst in die N\u00e4he zu rechtskr\u00e4ftig verurteilten Verbrechern des NS-Regimes. Angesichts der vielfachen Bez\u00fcge auf die Ideologie der NSDAP gibt es eine inhaltliche Wesensverwandtschaft der NPD mit dem Nationalsozialismus. Die Partei verfolgt ihre verfassungsfeindlichen Ziele auch in einer aggressiv-k\u00e4mpferischen Weise. Dies zeigt nicht zuletzt ihre Zusammenarbeit mit der gewaltbereiten Neonazi-Szene sowie gewaltbereiten Hooligans. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Die Fremdenfeindlichkeit zeigte sich im Jahr 2015 insbesondere in der Kampagne gegen Asylbewerber, die pauschal als kriminell oder \"Sozialschmarotzer\" diffamiert wurden. Negative Folgen werden von der NPD ma\u00dflos \u00fcbertrieben und Angst sowie Neid gegen\u00fcber Asylbewerbern gesch\u00fcrt. So ist auf der Facebook-Seite des Landesverbandes wahlweise von einer \"Asylflut\", \"Asylbetrug\", \"Asylund \u00dcberfremdungswahnsinn\" die Rede oder Asylbewerber werden als \"freche Asylinvasoren\" bezeichnet. Kommunalwahlen 2015 Soweit nicht bei den Kommunalwahlen 2014 Landr\u00e4te, Oberb\u00fcrgermeister und B\u00fcrgermeister in den Kreisen 54 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","und Gemeinden gew\u00e4hlt wurden, fanden diese Wahlen am 13. September 2015 statt. Die NPD trat dabei lediglich in den St\u00e4dten Bochum (1,3%), Geilenkirchen (1,2%) und Viersen (1,5%) mit eigenen Kandidaten an. Die NPD in den Kommunalparlamenten Zwar verf\u00fcgt die NPD \u00fcber 17 kommunale Mandate, nennenswerte Impulse gehen von ihren Mandatstr\u00e4gern aber nicht aus. Dies liegt zum einen an einer weitgehenden politischen Isolation der Rechtsextremisten und zum anderen an fehlender Kompetenz der meisten der gew\u00e4hlten NPD-Vertreter. Deren Aktivit\u00e4ten beschr\u00e4nken sich zumeist auf das nur begrenzt \u00f6ffentlichkeitswirksame Stellen von eigenen Antr\u00e4gen beziehungsweise Anfragen, die man eher als \"Signalantr\u00e4ge\" bezeichnen muss. So fragte beispielsweise der Landesvorsitzende in seiner Funktion als Ratsmitglied in Bochum die Stadtverwaltung im Anschluss an seinen Besuch einer \u00f6rtlichen Asylunterkunft, nach Details zu den dort untergebrachten Menschen und bezeichnet diese pauschal als \"(Schein)Asylanten\" (sic!). Derlei Anfragen erf\u00fcllen regelm\u00e4\u00dfig den Zweck der Selbstdarstellung gegen\u00fcber den eigenen Parteimitgliedern und zeigen, dass die Sitzungsgelder und Aufwandspauschalen die Teilnahme vor allem an der Kommunalpolitik f\u00fcr die NPD in Nordrhein-Westfalen attraktiv machen. Im Berichtszeitraum war eine Klage der NPD Dortmund und der Partei Die Rechte in Dortmund auf Anerkennung einer gemeinsamen Gruppe im Rat der Stadt vor dem Oberverwaltungsgericht M\u00fcnster anh\u00e4ngig. In Anbetracht der bisher gegenseitigen Anfeindungen der Parteien d\u00fcrften finanzielle Motive f\u00fcr den \u00fcberraschenden Schulterschluss ausschlaggebend sein. Das Landgericht M\u00f6nchengladbach verurteilte den M\u00f6nchengladbacher NPD-Ratsherrn im Februar 2015 wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen in zweiter Instanz zu einer Geldstrafe, da dieser \u00f6ffentlich seine Unterarm-T\u00e4towierung mit der SS-Losung \"Meine Ehre hei\u00dft Treue\" gezeigt hatte. RechtsextRemismus 55 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Feste und Liederabende der NPD Die NPD in Nordrhein-Westfalen kann mit ihren Angeboten keine Personen au\u00dferhalb des eigenen Mitgliederpotenzials erreichen. Die vom Landesverband und einigen wenigen Kreisverb\u00e4nden durchgef\u00fchrten Grillabende, Sommerund Sommersonnenwendbzw. Wintersonnenwendfeste finden durchweg im eigenen Sympathisantenkreis - quasi unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit - statt. Im Gegensatz zu anderen Landesverb\u00e4nden organisiert die nordrhein-westf\u00e4lische NPD auch keine Skinhead-Konzerte sondern allenfalls rechtsextremistische Liederoder Balladenabende. Ein gr\u00f6\u00dferer Personenkreis wird dabei in der Regel nicht angesprochen. Parteitage Auf dem ordentlichen Bundesparteitag am 21. und 22. November 2015 in Weinheim wurde der innerparteilich als schwach geltende Frank Franz als NPD-Bundesvorsitzender best\u00e4tigt. Er soll der Partei ein modernes Erscheinungsbild geben bei gleichzeitigem Festhalten an den rechtsextremistischen Inhalten. Demos / Infost\u00e4nde Im Gegensatz zur deutlich aktionsorientierteren Neonazi-Szene hat die NPD in NordrheinWestfalen kaum gr\u00f6\u00dfere Demonstrationen durchgef\u00fchrt. Eine Ausnahme bildet dabei die 1. MaiDemonstration in M\u00f6nchengladbach, die im Vorfeld durch eine Kundgebungstour durch verschiedene nordrhein-westf\u00e4lische St\u00e4dte flankiert wurde und unter dem Motto \"Wir arbeiten, Fremde kassieren! Asylbetrug mach uns arm!\" stand. Die NPD schaffte es, lediglich 150 Anh\u00e4nger zu mobilisieren, was jedoch eine Steigerung gegen\u00fcber dem Vorjahr mit nur 100 Teilnehmern darstellte. Damit zeigt sich abermals die Mobilisierungsschw\u00e4che der NPD in Nordrhein-Westfalen, die aus eigener Kraft ohne die Unterst\u00fctzung der Neonazi-Szene keine gro\u00dfe Demonstration mehr durchf\u00fchren kann. Bei anderen \u00f6rtlichen, durch die Kreisverb\u00e4nde organisierten, Kundgebungen waren durchweg Teilnehmerzahlen im niedrigen zweistelligen Bereich zu verzeichnen. 56 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Angeh\u00f6rige der NPD beteiligten sich auch an Demonstrationen der Partei Die Rechte. Insbesondere an der Demonstration am 3. Oktober 2015 in Hamm nahm eine gr\u00f6\u00dfere Gruppe der Jungen Nationaldemokraten (JN) teil. Dies ist auch vor dem Hintergrund der jahrelangen Inaktivit\u00e4t der JN in Nordrhein-Westfalen bemerkenswert. Tats\u00e4chliche Strukturen der NPD-Jugendorganisation in Nordrhein-Westfalen sind bislang jedoch kaum feststellbar. Ein besonders enger Austausch findet zwischen dem NPD-Kreisverband Unna/Hamm und dem Landesverband Die Rechte statt. Begr\u00fcndet ist diese Verbundenheit noch aus Zeiten, als die Kameradschaft Hamm aktiv war und mit dem Kreisverband kooperierte. Unterst\u00fctzung von HoGeSa und Pegida durch die NPD Auch im aktuellen Berichtszeitraum rief der Landesverband zur Teilnahme an der Demonstration der HoGeSa (Hooligans gegen Salafisten) am 25. Oktober 2015 in K\u00f6ln auf. Beweggr\u00fcnde f\u00fcr Aufrufe dieser Art sind einerseits die eigene Mobilisierungsschw\u00e4che und andererseits der Versuch, die eigene Propaganda in breitere gesellschaftliche Schichten zu tragen. Der Landesvorsitzende erkl\u00e4rte hierzu, die NPD werde auch in Zukunft alle Bestrebungen unterst\u00fctzen, die sich \"die Verteidigung der sozialen, kulturellen und ethnischen Frage auf die Fahnen geschrieben haben.\" So unterst\u00fctzten Funktion\u00e4re der NPD die Gida-Veranstaltungen in D\u00fcsseldorf, K\u00f6ln und Duisburg. Der Landesvorsitzende forderte generell, den B\u00fcrgerprotest von Pegida auch in NordrheinWestfalen zu f\u00f6rdern. An Veranstaltungen in D\u00fcsseldorf h\u00e4tten demnach auch \"starke Abordnungen von NPD und anderen nationalen Gruppen\" teilgenommen beziehungsweise \"etliche Aktivsten der sozialen Heimatpartei NPD den berechtigten B\u00fcrgerprotest\" unterst\u00fctzt. Gelegentlich neigt die NPD in ihren diesbez\u00fcglichen Stellungnahmen und Posts allerdings auch zu Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung. So betonte die nordrhein-westf\u00e4lische NPD die eigene Pr\u00e4senz bei der islamfeindlichen K\u00f6gida-Veranstaltung in K\u00f6ln am 5. Januar 2015, indem sie verlautbaren lie\u00df, dass ihr Landesvorsitzender \"ein gefragter Interviewpartner der anwesenden Pressevertreter\" gewesen sei. Die aktive Teilnahme von Vertretern der NPD an der Pegida-Veranstaltung in Duisburg hat sich 2015 verstetigt. Wurden Angeh\u00f6rige der NPD anfangs bei den Kundgebungen lediglich toleriert, so intonierte bereits im Dezember 2015 ein Duisburger NPD-Ratsmitglied Weihnachtslieder auf der Pegida-B\u00fchne. Bei einer Veranstaltung in D\u00fcsseldorf sprach unter anderem die stellvertretende Landesvorsitzende. Diese pflegte dar\u00fcber hinaus enge Zusammenarbeit mit der Organisatorin der D\u00fcsseldorfer Gida-Veranstaltungen. RechtsextRemismus 57 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Verbotsverfahren Anfang Dezember 2015 legte das Bundesverfassungsgericht den Termin f\u00fcr die m\u00fcndliche Verhandlung im M\u00e4rz 2016 fest. Die NPD hat ihre diesbez\u00fcgliche Au\u00dfenkommunikation in den Wochen vor der Verhandlung entsprechend auf dieses Thema fokussiert. Auch der nordrheinwestf\u00e4lische Landesvorsitzende wurde als Auskunftsperson geladen, war aber am dritten Verhandlungstag - so wie andere Auskunftspersonen der NPD - nicht anwesend. Das Bundesverfassungsgericht stellte in der m\u00fcndlichen Verhandlung unter anderem die formelle Zul\u00e4ssigkeit des Verbotsantrags fest. Die von der NPD entgegengehaltenen Verfahrenshindernisse sah das Gericht nicht. Zum Zeitpunkt der Drucklegung dieses Berichtes stand ein Urteil noch aus. 58 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die anhaltende F\u00fchrungskrise der NPD, der Verschlei\u00df von drei Bundesparteivorsitzenden innerhalb weniger Jahre und der damit verbundene Richtungsstreit haben die Partei geschw\u00e4cht. Hinzu kommt das schwebende Parteiverbotsverfahren, das Teile der Partei verunsichert hat. In dieser Situation schwankt die NPD zwischen zwei Positionen, die auch die beiden wichtigsten Str\u00f6mungen innerhalb der Partei darstellen: Zum einen die \"Modernisierer\" um den amtierenden Parteivorsitzenden Frank Franz, die sich st\u00e4rker b\u00fcrgerlich pr\u00e4sentieren wollen. Und zum anderen die \"Traditionalisten\", die \u00fcber gute und enge Kontakte zur Neonazi-Szene verf\u00fcgen. Im Berichtsjahr verzeichnete die NPD eine weitere Stagnation bei der Mitgliederentwicklung. Zudem bleibt die Zahl aktiver Kreisverb\u00e4nde gering. Selbst dort, wo sie \u00fcber kommunale Mandate verf\u00fcgt, sind eher geringe Aktivit\u00e4ten zu verzeichnen. Die NPD befindet sich weiterhin in der Krise. Stagnierende Mitgliederzahlen und die Konkurrenz im rechtsextremistischen Parteienlager setzen ihr weiterhin zu. Ohne die B\u00fcndnispartner aus der Neonazi-Szene ist die NPD weitgehend nicht mehr aktionsf\u00e4hig. Im Landesverband Nordrhein-Westfalen kommen auch strukturelle Probleme hinzu. Ganze Kreisverb\u00e4nde l\u00f6sen sich auf oder existieren nur noch auf dem Papier. Hinzu kommt das ambivalente Verh\u00e4ltnis zur Neonazi-Szene, welches zwischen Kooperation und Konflikt schwankt. Dabei ist die NPD auf die Unterst\u00fctzung der Neonazis gerade bei Wahlk\u00e4mpfen zwingend angewiesen. Die Zersplitterung des rechtsextremistischen Parteienspektrums d\u00fcrfte dazu beitragen, dass den Parteien die Teilhabe an der staatlichen Parteienfinanzierung erschwert wird, weil deshalb wom\u00f6glich keine rechtsextremistische Partei die ma\u00dfgeblichen H\u00fcrden bei den jeweiligen Wahlen \u00fcberschreitet. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_npd RechtsextRemismus 59 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","B\u00fcrgerbewegung Pro NRW, Pro K\u00f6ln e.V und Pro Deutschland Sitz / Verbreitung Pro NRW: D\u00fcsseldorf Pro K\u00f6ln: K\u00f6ln Pro Deutschland: Berlin Gr\u00fcndung / Bestehen seit Pro K\u00f6ln e.V.: 1996; die Partei Pro NRW: 2007; Pro-Bewegung: 2010 Struktur / Repr\u00e4sentanz Vorsitzender von Pro NRW ist seit Gr\u00fcndung Markus Beisicht; Gliederung in acht Bezirksverb\u00e4nde mit 53 angeschlossenen Kreisverb\u00e4nden; in h\u00f6chstens f\u00fcnf Kommunen nennenswerte Aktivit\u00e4ten; 27 Mandate in kommunalen R\u00e4ten und Bezirksvertretungen Vorsitzender von Pro K\u00f6ln ist seit 2014 Michael Gabel; Verein ist nur in K\u00f6ln aktiv; als Gruppe im Stadtrat mit zwei Mandaten und f\u00fcnf Mandaten in Bezirksvertretungen Bundesvorsitzender von Pro Deutschland ist Manfred Rouhs; Vorsitzender des im Oktober 2015 gegr\u00fcndeten Landesverbandes in Nordrhein-Westfalen ist Markus Wiener; 21 Mandate in kommunalen R\u00e4ten und Bezirksvertretungen Regionale Schwerpunkte der drei Pro-Organisationen liegen in der Rheinschiene, dem Ruhrgebiet und dem Bergischen Land. Die 2010 gegr\u00fcndete Pro-Bewegung sollte urspr\u00fcnglich als Dachverband der drei Pro-Organisationen fungieren, konnte diesen Anspruch aber bislang nicht erf\u00fcllen. Mitglieder / Anh\u00e4nger / Insgesamt circa 900 Mitglieder in den drei Pro-Organisationen, Unterst\u00fctzer 2015 abz\u00fcglich Doppelmitgliedschaften circa 800 Ver\u00f6ffentlichungen Publikationen: Als Informationsund Werbemedium dienen die im Flugblattformat unter gleichartigem Design und korrespondierender Thematik vertriebenen Publikationen NRW UNZENSIERT - Zeitung der B\u00fcrgerbewegung Pro NRW und K\u00d6LN UNZENSIERT - vormals \"Fraktionszeitung K\u00d6LN UNZENSIERT\" sowie pro Deutschland - Zeitung der B\u00fcrgerbewegung 60 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","pro Deutschland; eine eigenst\u00e4ndige Publikation von Pro Deutschland f\u00fcr Nordrhein-Westfalen existiert bislang nicht. Anlassbezogen erscheinen dar\u00fcber hinaus entsprechende Flugbzw. Faltbl\u00e4tter. Die Publikationen werden vorwiegend zum Download angeboten. Web-Angebote: eigene Webseiten sowie Profile in den sozialen Netzwerken Kurzportrait / Ziele Die unter der Bezeichnung Pro-Bewegung auftretenden Gruppierungen entstanden im Wesentlichen auf Betreiben ehemaliger Funktion\u00e4re und Mitglieder der rechtsextremistischen \"Deutschen Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH)\" sowie der Partei \"Die Republikaner\" (REP). Die Vorsitzenden von Pro NRW und Pro Deutschland, ein Teil des Vorstandes und gro\u00dfe Teile der Mitglieder stammen aus rechtsextremistischen Parteien oder aus Organisationen. Bereits 1996 gegr\u00fcndet, erzielte Pro K\u00f6ln erstmals bei der Kommunalwahl 2004 Mandate im Rat der Stadt und ist bis heute im Stadtrat - seit 2014 nur noch als Ratsgruppe bestehend aus zwei Mandatstr\u00e4gern - vertreten. Bei Pro NRW handelt es sich um den Versuch einer landesweiten Ausdehnung dieser zun\u00e4chst lokalen Struktur mit identischen inhaltlichen Ans\u00e4tzen, gleichgelagerter Strategie und zum Teil gleichem F\u00fchrungspersonal. Der im Herbst 2015 gegr\u00fcndete Landesverband Nordrhein-Westfalen von Pro Deutschland stellt im Wesentlichen eine Abspaltung unzufriedener Funktion\u00e4re von Pro NRW dar. Alle drei Gruppierungen versuchen sich \u00fcberwiegend b\u00fcrgerlich zu inszenieren. Auch wenn die Organisationen in ihren Programmen zum Teil moderate Forderungen aufstellen, vertreten sie in der konkreten politischen Arbeit jedoch dezidiert fremdenfeindliche und islamfeindliche Positionen, diffamieren Migranten und sch\u00fcren \u00c4ngste vor ihnen, insbesondere vor Muslimen. Finanzierung Mitgliedsbeitr\u00e4gen, Spenden und staatliche Zuwendungen an Gruppen und Fraktionen in Kommunalparlamenten RechtsextRemismus 61 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die Gruppierungen Pro K\u00f6ln, Pro NRW und Pro Deutschland - Landesverband NRW missachten mit ihren Aussagen und Forderungen die im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechte, insbesondere die Menschenw\u00fcrde und das Diskriminierungsverbot. Migranten werden wegen ihrer Nationalit\u00e4t, ethnischen Zugeh\u00f6rigkeit oder Religionszugeh\u00f6rigkeit pauschal herabgesetzt und diffamiert. Entsprechende Aussagen werden st\u00e4ndig wiederholt. FacebookEintrag von Pro NRW Im Fokus stehen fast ausschlie\u00dflich die Themen Migration und Islam verbunden mit einer drastischen Wortwahl. Die Pro-Organisationen vermitteln ein negatives Menschenbild \u00fcber bestimmte Minderheiten, welches ausschlie\u00dflich an deren Nationalit\u00e4t, Religions-, Staatsoder ethnischen Zugeh\u00f6rigkeit ankn\u00fcpft. Eine differenzierte Betrachtung, die andere Aspekte einbezieht, blenden die Rechtsextremisten dabei aus. Bestimmte ethnische und religi\u00f6se Gruppen, insbesondere Muslime, Sinti und Roma sowie Fl\u00fcchtlinge stellen sie als unerw\u00fcnschte, nicht integrierbare Menschen zweiter Klasse dar. Mit dieser Art der Darstellung sch\u00fcren die Pro-Organisationen Ablehnung und versuchen \u00c4ngste in Teilen der Bev\u00f6lkerung aufzugreifen und zu instrumentalisieren. Sie zeichnen ein Bedrohungsszenario, f\u00fcr das sie einseitig bestimmte Bev\u00f6lkerungsteile verantwortlich machen. Wortwahl und Argumentationsmuster sind dabei ein Angriff auf die Menschenw\u00fcrde und nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Im Jahr 2015 legten die Pro-Organisationen ihren Schwerpunkt auf eine fl\u00fcchtlingsfeindliche Politik. Fortw\u00e4hrend diskreditierten sie Fl\u00fcchtlinge mittels gezielter Kampagnen und entsprechender Slogans, indem sie sie pauschal negativ als Kriminelle und \"Sozialschmarotzer\" darstellten und damit Hass gegen diese Bev\u00f6lkerungsgruppe sch\u00fcrten. Fl\u00fcchtlinge bezeichneten sie mitunter als \"Invasoren\". Eine solche Kriegsrhetorik zielt darauf ab, Fl\u00fcchtlinge zu diffamieren und Men62 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","schenrechte zu delegitimieren. Letztlich tragen derartige Freund-Feind-Bilder dazu bei, \u00dcbergriffe auf Fl\u00fcchtlinge als vermeintliche Notwehr erscheinen zu lassen. Eine besondere Form der Fremdenfeindlichkeit stellt die Islamfeindlichkeit dar. So verbreiten die Pro-Organisationen \u00f6ffentlichkeitswirksam Vorurteile \u00fcber Muslime, um \u00c4ngste zu wecken oder zu verst\u00e4rken. Dahinter steht der Versuch, in der Gesellschaft diskutierte Themen zu nutzen, um so die eigenen weitergehenden nationalistischen Sichtweisen und Forderungen \u00fcber den rechtsextremistischen Rand hinaus bis in die Mitte der Gesellschaft zu verbreiten. Der \"Kampf\" gegen \"den Islam\" dient dabei lediglich als T\u00fcr\u00f6ffner. Die Pro-Aktivisten unterscheiden bewusst nicht zwischen dem Islam als Religion und dem Islamismus als extremistischer Str\u00f6mung. So hei\u00dft es beispielsweise auf Aufklebern von Pro Deutschland: \"Aktiv werden gegen Moscheebau und Islamismus!\" Die diskreditierende Gleichsetzung zielt darauf ab, eine Glaubensgemeinschaft f\u00fcr eine Vielzahl gesellschaftlicher Missst\u00e4nde und Fehlentwicklungen verantwortlich zu machen und sie als Bedrohung darzustellen. Ph\u00e4nomene wie Zwangsheiraten, Ehrenmorde, Jugendgewalt und Terrorismus werden ausschlie\u00dflich und undifferenziert mit dem Islam in Verbindung gebracht. Letztlich sprechen die Pro-Organisationen Musliminnen und Muslimen die Wahrnehmung von Grundrechten, darunter das Recht auf Religionsfreiheit, ab. FacebookEintrag von Pro NRW Neben dieser Politik der Abwertung und Ausgrenzung von Minderheiten kooperieren die ProOrganisationen mit anderen rechtsextremistischen, rechtspopulistischen und fremdenfeindlichen Organisationen im Inund Ausland. Beispielsweise redeten auf dem Neujahrsempfang von Pro K\u00f6ln im Januar 2016 Politiker der \u00f6sterreichischen FP\u00d6 und des belgischen Vlaams Belang. Die Verfassungsfeindlichkeit von Pro NRW und Pro K\u00f6ln wurde wiederholt gerichtlich best\u00e4tigt. Das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen best\u00e4tigte 2014 erneut mit Beschl\u00fcssen vom 21. Februar 2014 und 20. April 2014 entsprechende Entscheidungen der Vorinstanz. Auch das RechtsextRemismus 63 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Verwaltungsgericht Berlin urteilte am 21. Januar 2016, dass Pro NRW Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung verfolge. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Spaltung von Pro NRW und Pro K\u00f6ln Bis zu den Kommunalwahlen 2014 hatte Pro K\u00f6ln faktisch den Status eines herausgehobenen Kreisverbandes von Pro NRW inne. Sp\u00e4testens nach der Kommunalwahl 2014 kam es zu einer Distanzierung zwischen Pro NRW und Pro K\u00f6ln. Diese Entwicklung begann mit der Verurteilung von zwei Angeh\u00f6rigen der ehemaligen Fraktion von Pro K\u00f6ln im Rat der Stadt K\u00f6ln Ende 2014 zu Geldstrafen wegen Betruges in mehreren F\u00e4llen durch das Landgericht K\u00f6ln. Das Landgericht K\u00f6ln verurteilte dar\u00fcber hinaus ein weiteres Fraktionsmitglied - unter Einbeziehung anderweitiger fr\u00fcherer Verurteilungen - zu einer Freiheitsstrafe. Den Angeklagten war vorgeworfen worden, durch ihre Unterschrift unter Sitzungslisten in den Jahren 2008 bis 2012 wahrheitswidrig die Teilnahme an Fraktionsund Arbeitskreissitzungen best\u00e4tigt zu haben. Auf Basis dieser Listen hatten sie sich von der Stadt K\u00f6ln Sitzungsgelder auszahlen und fiktive Fahrtkosten und Verdienstausf\u00e4lle erstatten lassen. Der Vorsitzende von Pro NRW, Markus Beisicht, erhob nach dem schwachen Ergebnis bei den Kommunalwahlen in K\u00f6ln den Vorwurf, dass die verurteilten Funktion\u00e4re die Glaubw\u00fcrdigkeit der Pro-Bewegung sch\u00e4digten. Trotzdem w\u00e4hlten die Mitglieder von Pro K\u00f6ln am 12. April 2015 zwei verurteilte Funktion\u00e4re erneut in den Vereinsvorstand. Einer der verurteilten Funktion\u00e4re setzte sich bei der Wahl zum stellvertretenden Vorsitzenden in einer Kampfabstimmung gegen einen von Beisicht favorisierten Kandidaten mit 83 Prozent der Stimmen durch. Damit wurde der Bruch zwischen Pro NRW und Pro K\u00f6ln offenkundig. Hinzu kamen weitere Konflikte innerhalb von Pro NRW. So gab es eine Reihe von entt\u00e4uschten Funktion\u00e4ren, die bei der Postenverteilung in Gruppen und Fraktionen der kommunalen R\u00e4te sowie bei der Neuwahl des Parteivorstandes im Dezember 2014 nicht ber\u00fccksichtigt wurden. Weiterhin f\u00fchrte die Wiederwahl eines F\u00fchrungskaders der Gruppierung \"Hooligans gegen Salafisten\" (HoGeSa) in den Landesvorstand bei einem Teil der Mitglieder zu erheblichem Widerspruch. Denn im Vorfeld der gewaltsamen HoGeSa-Demonstration im Oktober 2014 hatte Pro NRW den Beschluss gefasst, nicht mit Hooligans zusammenzuarbeiten. Auch die Wahl einer Aktivistin der aktionsorientierten rechtsextremistischen Szene in den Landesvorstand, die in einem Fernsehinterview den Holocaust bagatellisierte, versch\u00e4rfte die innerparteilichen Kontroversen. Vor allem f\u00fchrende Mitglieder von Pro K\u00f6ln, die im Vorstand von Pro NRW sa\u00dfen, kritisierten mit Hinweis auf einen m\u00f6glichen Imageschaden eine solche \u00d6ffnung der Partei. Nachdem der Landesvorstand von Pro NRW ein Parteiordnungsverfahren gegen die wichtigsten Kritiker einleitete und ank\u00fcndigte einen eigenen Kreisverband von Pro NRW in K\u00f6ln zu gr\u00fcnden, verk\u00fcndeten 64 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Austrittserkl\u00e4rungen von Pro K\u00f6lnFunktion\u00e4ren aus Pro NRW im Mai neun Mitglieder des Landesvorstandes von Pro NRW ihren Austritt, unter anderem die vollst\u00e4ndige F\u00fchrungsriege von Pro K\u00f6ln. Seitdem erheben Vertreter von Pro NRW und Pro K\u00f6ln wechselseitig schwere Vorw\u00fcrfe hinsichtlich der Verantwortung f\u00fcr das Zerw\u00fcrfnis. Gleichzeitig werfen sich die Gruppierungen wechselseitig eine rechtsextremistische Ausrichtung vor. Eine bislang durchaus \u00fcbliche Doppelmitgliedschaft bei Pro NRW und Pro K\u00f6ln soll nunmehr ausgeschlossen sein. Trotz des RechtsextRemismus 65 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Spaltungsprozesses gibt es aber keine tiefgreifende ideologisch-inhaltliche Auseinandersetzung. Vielmehr geht es bei dem Streit um innerparteiliche Macht und der strategischen Frage, ob man weiterhin versuche solle, sich als b\u00fcrgerliche Partei zu inszenieren. Gr\u00fcndung von Pro Deutschland / Landesverband Nordrhein-Westfalen Bereits seit vielen Jahren bestanden innerhalb der Pro-Bewegung erhebliche interne Spannungen und Differenzen, vorrangig zwischen Pro NRW und Pro Deutschland. Die Gr\u00fcnde hierf\u00fcr lagen im Wesentlichen in dem anhaltenden Machtkampf um den F\u00fchrungsanspruch zwischen dem Vorsitzenden von Pro NRW, Markus Beisicht, und dem Vorsitzenden von Pro Deutschland, Manfred Rouhs. Dies l\u00e4hmte die Pro-Bewegung trotz des weitgehenden inhaltlichen Konsenses. Auch deswegen konnte sie ihren Anspruch auf eine Meinungsf\u00fchrerschaft im nichtmilitanten Teil des Rechtsextremisten nicht erf\u00fcllen. Das autokratische F\u00fchrungsverhalten des Parteivorsitzenden f\u00f6rderte sowohl das Auseinanderdriften von Pro NRW und Pro K\u00f6ln als auch die Erosionsprozesse von Pro NRW auf Kreisverbandsebene. Der Parteivorsitzende von Pro Deutschland umwarb daraufhin ab Mai 2015 die bisherigen Aktivisten. In dessen Folge traten zahlreiche Funktionsund Mandatstr\u00e4ger - darunter ganze Fraktionen - bei Pro NRW aus und bei Pro Deutschland ein. Im Oktober 2015 gr\u00fcndeten die neuen Mitglieder dann den Landesverband Nordrhein-Westfalen von Pro Deutschland. Der Vorstand besteht \u00fcberwiegend aus ehemaligen Funktion\u00e4ren und Mitgliedern von Pro NRW. Zum Landesvorsitzenden w\u00e4hlten die Mitglieder den stellvertretenden Vorsitzenden von Pro K\u00f6ln, was auf die enge Verbindung zwischen diesen beiden Organisationen hinweist. Neuwahlen des Vorstandes von Pro Deutschland und Pro NRW Bei der im November 2015 durchgef\u00fchrten Neuwahl des Bundesvorstandes von Pro Deutschland wurde der nordrhein-westf\u00e4lische Landesverband personell integriert. F\u00fcnf der 17 Vorstandsmitglieder kommen aus Nordrhein-Westfalen, darunter der Generalsekret\u00e4r. Eine tats\u00e4chliche Machtverschiebung d\u00fcrfte jedoch damit nicht verbunden sein. Die Organisation ist auf Bundesebene strikt auf den Vorsitzenden ausgerichtet. Die nach den Ausbzw. \u00dcbertritten zahlreicher Vorstandsmitglieder erforderlich gewordene Neuwahl des Landesvorstandes von Pro NRW am 18. Dezember 2015 verdeutlicht die \u00d6ffnung der Organisation zur NPD. Bei drei der neuen Vorstandsmitglieder von Pro NRW handelt es sich um ehemalige NPD-Kader, darunter den fr\u00fcheren stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden. Auf dem Parteitag in Leverkusen verlas dar\u00fcber hinaus eine fr\u00fchere bayrische NPD-Spitzenfunktion\u00e4rin ein Gru\u00dfwort. 66 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Querelen zwischen Pro K\u00f6ln und Pro NRW werden \u00f6ffentlich ausgetragen. Kommunale Aktivit\u00e4ten In der Eigendarstellung erweckt Pro NRW mitunter den Eindruck, \u00fcber regional fl\u00e4chendeckende Strukturen zu verf\u00fcgen. Trotz immerhin 65 gewonnen Mandaten in den kommunalen R\u00e4ten und Bezirksvertretungen sind die Pro-Organisationen nur in wenigen Kommunen aktiv. Dabei nutzen sie die R\u00e4te gelegentlich als Plattform f\u00fcr eine \u00f6ffentlichkeitswirksame Agitation. Vermeintliche Anliegen bzw. Antr\u00e4ge stellen Pro-Mandatstr\u00e4ger oftmals mit der Absicht, mediale Aufmerksamkeit zu erzielen. Die jeweiligen Reaktionen werden anschlie\u00dfend manipulativ in Form verzerRechtsextRemismus 67 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","render Darstellungen aufbereitet. Die Arbeit in den Kommunalparlamenten hat insgesamt eher einen symbolhaften Charakter. Tats\u00e4chliche Sacharbeit vor Ort findet kaum statt. Teilnahme an den Oberb\u00fcrgermeisterwahlen in Nordrhein-Westfalen Zur Wahl der Oberb\u00fcrgermeister am 13. September 2015 gelang es Pro NRW nur in zwei Kommunen Kandidaten aufzustellen. Im Wahlkampf setzten sie \u00fcberwiegend auf eine fl\u00fcchtlingsfeindliche Kampagne. Bei einer insgesamt niedrigen Wahlbeteiligung erzielte Pro NRW ein Wahlergebnis von 6,5% in Leverkusen und 3,8% in Essen. Ein zun\u00e4chst von Pro NRW in Wuppertal aufgestellter Kandidat trat f\u00fcr Pro Deutschland an und erhielt 2,9% der Stimmen. Der Kandidat f\u00fcr Pro NRW in Essen verlies mittlerweile die Partei. Fl\u00fcchtlingsfeindliche Kampagne der Pro-Bewegung in Nordrhein-Westfalen Auch im Jahr 2015 ist es der Pro-Bewegung in Nordrhein-Westfalen nicht gelungen, ihre plakativ angek\u00fcndigten Kampagnen - in Form etwa der Kundgebungstour \"Fr\u00fchjahrsoffensive gegen Asylmissbrauch\" oder die sogenannte \"Aufkl\u00e4rungskampagne\" im Herbst \"JA zum Asylrecht, NEIN zum Asylmissbrauch\" - konzeptionell umzusetzen. Urs\u00e4chlich hierf\u00fcr sind im Wesentlichen die internen Auseinandersetzungen innerhalb der Pro-Bewegung, die die Gruppierungen l\u00e4hmten und nennenswerte \u00f6ffentlichkeitswirksame Aktionen im laufenden Jahr damit weitestgehend verhinderten. Den Organisatoren gelang es dabei weder das eigene Aktionspotenzial zu mobilisieren noch etwaige Zielgruppen an den jeweiligen Kundgebungsorten anzusprechen. Das 68 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","durchschnittliche Mobilisierungspotenzial im Rahmen von Demonstrationen liegt derzeit bei 30 bis 40 Teilnehmern. Zum Teil haben Kundgebungen den Charakter von Infost\u00e4nden. Lediglich bei einer Versammlung von Pro NRW in Hagen am 19. Juli 2015 nahmen 110 Teilnehmern teil, weil sich zahlreiche Personen aus dem Hooligan-Szene beteiligten. Die fl\u00fcchtlingsfeindliche Kampagne findet ebenso auf den virtuellen Pr\u00e4senzen der Pro-Organisationen statt. Dort versuchen die Akteure ein pauschal negatives Bild von Fl\u00fcchtlingen zu zeichnen. So verwenden sie den Begriff \"Asylant\" oftmals um den Zusatzes \"Schein-Asylant\" oder \"Asylbetr\u00fcger\", um die urspr\u00fcnglich wertneutrale Definition durch einen abwertenden Begriff zu ersetzen. Ebenso versucht Pro NRW Angst vor Fl\u00fcchtlingen zu sch\u00fcren, indem sie sie pauschal als Angreifer darstellt und apokalyptische B\u00fcrgerkriegsszenarien propagiert. Beispielsweise ver\u00f6ffentlichte Pro NRW am 16. September 2015 auf ihrem Facebook-Profil einen Beitrag ihres stellvertretenden Landesvorsitzenden. Darin hei\u00dft es: \"Herzlich willkommen im zuk\u00fcnftigen B\u00fcrgerkriegsland Deutschland. Die kulturfremden Invasoren bringen den Krieg nach Europa.\" Der NRW-Landesvorsitzende von Pro Deutschland skizziert in einem Beitrag am 23. Oktober 2015 die strategische Bedeutung der fl\u00fcchtlingsfeindlichen Kampagne. Dabei wird deutlich, dass es dem rechtsextremistischen Politiker nicht um die L\u00f6sung von Problemen geht, sondern darum Stimmungsmache gegen\u00fcber Fl\u00fcchtlinge zu betreiben, um dann von den gesch\u00fcrten \u00c4ngsten und Sorgen der B\u00fcrger zu profitieren: \"Es bleibt zu hoffen, dass die unvermeidliche politische Widerstandsbewegung der einheimischen Bev\u00f6lkerung gegen diesen Ausverkauf unserer Heimat dann in so zivilisiert-gem\u00e4\u00dfigten Bahnen wie die unserer B\u00fcrgerbewegung geleitet werden kann - und nicht v\u00f6llig aus dem Ruder l\u00e4uft.\" RechtsextRemismus 69 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Islamfeindliche Kampagne der Pro-Bewegung in Nordrhein-Westfalen Die Pro-Organisationen griffen insbesondere islamistische Anschl\u00e4ge und Anschlagsversuche im Jahr 2015 auf, um damit Stimmung gegen den Islam und Muslime zu machen. So kommentiert Pro NRW den Anschlag auf die franz\u00f6sische Satirezeitschrift \"Charlie Hebdo\" folgenderma\u00dfen: \"Der islamische Anschlag auf die Redaktion von 'Charlie Hebdo' war nicht der erste und wird auch leider nicht letzte sein. Hass und Tod kommen direkt aus dem Koran [...].\" Pro NRW spricht bewusst nicht von einem islamistischen Anschlag, sondern von einem islamischen Anschlag, um die Unterschied zwischen Islam und Islamismus zu verwischen und damit s\u00e4mtliche Muslime als potenzielle Terroristen zu stigmatisieren. Auch die Anschl\u00e4ge in Paris am November 2015 instrumentalisierten die Pro-Organisationen umgehend f\u00fcr ihre islamfeindliche Kampagne. Der Landesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer in NRW von Pro Deutschland schrieb in einem Beitrag am 18. November 2015: \"Trotz des gutmenschlichen Wunschdenkens einer 'Kulturbereicherung' hat der Islam dem Kontinent der einstiegen Kontinentalm\u00e4chte rein gar nichts in positiver Hinsicht zu bieten [...] Die Jugoslawien-Kriege der 1990er Jahre sollten ganz Europa eine Mahnung sein, wohin das zwanghafte Miteinander insbesondere mit dem Islam f\u00fchrt!\" \u00c4hnlich versucht Pro NRW die Anschl\u00e4ge auszunutzen, um gegen Muslime zu hetzen. So hei\u00dft es in einer Stellungnahme des Vorstands vom 14. September 2015 zu den Anschl\u00e4gen: \"Zutreffender d\u00fcrfte es sein, da\u00df bisher nur die Mehrheit ihrer Anh\u00e4nger zu bequem, feige oder gleichg\u00fcltig ist, die koranische Lehre so umzusetzen, wie es die fanatische Minderheit tut. Der Schritt dazu ist oft genug jedoch nur ein sehr kleiner, was die Bedrohung aller 70 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","westund mitteleurop\u00e4ischen Gesellschaften angesichts millionenz\u00e4hlender Pr\u00e4senz von Moslems in diesen L\u00e4ndern latent und allgegenw\u00e4rtig macht.\" Versuchte Einflussnahme auf Gida-Kundgebungen Bereits ab Ende 2014 fanden auch in Nordrhein-Westfalen Kundgebungen so genannter GidaGruppierungen statt. Pro K\u00f6ln und Pro NRW versuchten auf die entsprechenden Kundgebungsreihen in Bonn (Bogida), K\u00f6ln (K\u00f6gida) und D\u00fcsseldorf (D\u00fcgida) Einfluss zu nehmen. Dies zeigte sich durch Mitarbeit im Organisationsteam sowie personeller und logistischer Unterst\u00fctzung. Bei der Hauptinitiatorin mit Bez\u00fcgen zum neonazistischen Spektrum handelte es sich um ein Vorstandsmitglied von Pro NRW. Dar\u00fcber hinaus traten f\u00fchrende Funktion\u00e4re von Pro K\u00f6ln und Pro NRW durch Redebeitr\u00e4ge in Erscheinung. Der Versuch einer Anbindung an die offizielle Organisation von Pegida wies diese mit der Begr\u00fcndung zur\u00fcck, dass man sie sich nicht von einer rechtsextremistischen Partei vereinnahmen lassen wolle. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die Pro-Organisationen setzen weiterhin ihren Schwerpunkt auf fremdenund islamfeindliche Kampagnen. Gepr\u00e4gt durch interne Auseinandersetzungen, pers\u00f6nliche Anfeindungen und struktureller Erfolglosigkeit haben die Pro-Gruppierungen an Aktionsf\u00e4higkeit und Wirksamkeit verloren. So ist ein anhaltender Bedeutungsverlust festzustellen. Die offen zutage tretende Konkurrenz zwischen Pro K\u00f6ln beziehungsweise Pro Deutschland und Pro NRW und das Agieren von jetzt drei Pro-Gruppierungen bei inhaltlich nahezu identischer Ausrichtung f\u00fchrt sowohl zu einer Versch\u00e4rfung der Konkurrenzsituation innerhalb der rechtsextremistischen Parteienlandschaft in Nordrhein-Westfalen als auch zu einer weiteren Segmentierung. Insbesondere Pro NRW befindet sich in der tiefgreifendsten Krise seit seiner Gr\u00fcndung. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_pro RechtsextRemismus 71 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Die Rechte Sitz / Verbreitung Bundesverband: Parchim Landesverband: Dortmund Gr\u00fcndung / Bestehen seit Bundesverband: 27. Mai 2012 Landesverband: 15. September 2012 Struktur / Repr\u00e4sentanz Bundesvorsitzender: Christian Worch; Landesvorsitzender: Dennis Giemsch bis 14. Oktober 2015, seitdem kommissarisch Michael Br\u00fcck; insgesamt zwei Ratsmandate und vier Mandate in Bezirksvertretungen in Dortmund und Hamm Mitglieder / Anh\u00e4nger / Bund: ca. 500 NRW: ca. 300 Unterst\u00fctzer 2015 Ver\u00f6ffentlichungen Web-Angebote: Ver\u00f6ffentlichungen der Partei auf Bundesund Landesebene \u00fcberwiegend \u00fcber soziale Medien wie Facebook oder Twitter; Internetseite dortmundecho.org als Hauptsprachrohr des Landesverbandes beziehungsweise des Kreisverbandes Dortmund. Kurzportrait / Ziele Der Landesverband Nordrhein-Westfalen der Partei Die Rechte ist vor allem ein Sammelbecken von Neonazis, die aus den 2012 verbotenen Kameradschaften kommen. Die F\u00fchrung des Landesverbandes sowie der aktivsten Kreisverb\u00e4nde wurde von langj\u00e4hrigen Aktivisten \u00fcbernommen, die bereits F\u00fchrungsaufgaben in den damaligen Kameradschaften innehatten. Die Rechte beteiligt sich haupts\u00e4chlich an der Parteiendemokratie, um den vorteilhaften Parteienstatus zu erhalten. Ziel des Landesverbandes ist es, die bisherigen neonazistischen Aktivit\u00e4ten nunmehr im Schutz des sogenannten Parteienprivilegs zu betreiben und neonazistische Propaganda zu verbreiten. Die Partei Die Rechte zeichnet sich durch eine ideologische Wesensverwandtschaft zum Nationalsozialismus und aggressivk\u00e4mpferisches Auftreten auf. 72 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Finanzierung Mitgliedsbeitr\u00e4ge der Parteimitglieder und Einnahmen aus von der Partei durchgef\u00fchrten Veranstaltungen wie Konzerten sowie Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die Partei Die Rechte ist in struktureller Hinsicht ein Sammelbecken f\u00fcr Neonazis, ideologisch wesensverwandt mit dem Nationalsozialismus und tritt in aggressiv-k\u00e4mpferischer Weise auf. Dies trifft insbesondere auf den Landesverband Nordrhein-Westfalen zu, der den Bundesverband dominiert. Die Gr\u00fcndung des Landesverbandes erfolgte im September 2012 als Reaktion auf das Verbot von neonazistischen Kameradschaften in Dortmund, Hamm und Aachen am 23. August 2012. Der Landesverband in Nordrhein-Westfalen stellt somit eine Auffangorganisation f\u00fcr einen wesentlichen Teil der verbotenen Kameradschaften dar. So setzt sich die F\u00fchrung des Landesverbandes aus den Anf\u00fchrern der verbotenen Kameradschaften Dortmund und Hamm zusammen, w\u00e4hrend die Kreisverb\u00e4nde in Dortmund, Hamm und Aachen in der F\u00fchrungsund Mitgliederstruktur weitgehend mit den verbotenen Kameradschaften identisch sind. Ein politischer Schwerpunkt der Partei Die Rechte ist Fremdenfeindlichkeit. So zeichnet die Partei in ihrem Programm ein einseitiges negatives Bild von Migranten. In ihren Verlautbarungen stellt sie das Verh\u00e4ltnis zwischen einheimischer Bev\u00f6lkerung und Migranten als Freund-FeindKonstellation dar, in der die einheimische Bev\u00f6lkerung bedr\u00e4ngt werde. Dabei ist vor allem eine pauschale Kriminalisierung von Migranten f\u00fcr die Partei Die Rechte ein Vehikel, um fremdenfeindliche Vorurteile zu sch\u00fcren. Im Jahr 2015 bezog die Partei ihre fremdenfeindliche Kampagne vor allem auf Fl\u00fcchtlinge. So hetzte der stellvertretende Bundesvorsitzende und Dortmunder Aktivist am 7. September 2015 in der N\u00e4he des Dortmunder Hauptbahnhofs, an dem zahlreiche Fl\u00fcchtlinge ankamen: \"Diese Menschen, die momentan zu Tausenden in unser Deutschland str\u00f6men, sind kriminell, haben kein Benehmen und diese werden hier in unserem geliebten Vaterland ihre kriminelle Ader [...] ausleben. Diese werden rauben, vergewaltigen und morden.\" Auch im Dortmunder Stadtrat diffamierte der Ratsvertreter von Die Rechte Fl\u00fcchtlinge und beendete seine Rede am 14. September 2015 zur Fl\u00fcchtlingssituation mit den Worten \"Deutschland den Deutschen. Ausl\u00e4nder raus.\" Die Rechte greift weiterhin eine islamfeindliche Kampagne auf. So f\u00fchrt sie gegen Moscheebauvorhaben in Hamm und Grevenbroich Kampagnen durch und versucht, \u00c4ngste gegen\u00fcber Muslime zu sch\u00fcren, indem sie diese mit religi\u00f6sen Extremisten und Terroristen gleichsetzt. Der Kreisverband Hamm spricht Muslimen gar mit \"Blut und Boden\"-Argumenten b\u00fcrgerliche Rechte ab: \"DIE RECHTE lehnt es kategorisch ab, dass islamische, vom Ausland finanzierte Organisationen \u00fcberhaupt in Deutschland Grund und Boden erwerben d\u00fcrfen. Das Recht zum Erwerb von RechtsextRemismus 73 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Grundeigentum sollte an die deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft gekn\u00fcpft sein, die sich wiederum an der ethnischen Abstammung zu orientieren hat.\" Die Rechte propagiert wiederkehrend Antisemitismus. Der stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen betreibt den Onlineversandhandel Antisem Versand, der mittels der Webadresse \"antisem.it\" die antisemitische Einstellung provokativ zum Ausdruck bringt. Den neueingerichteten Twitter-Account bewarb der Versand im Februar 2015 mit den Worten \"Folgt uns bei Twitter, ihr Antisemiten\". Die in einer Fu\u00dfnote erfolgte Distanzierung ist angesichts langj\u00e4hriger antisemitischer Aktivit\u00e4ten nicht ernst zu nehmen. Ferner f\u00fchrten Kreisverb\u00e4nde in Nordrhein-Westfalen wiederholt Veranstaltungen mit einer szenebekannten Leugnerin des Holocaust durch. Des Weiteren propagiert Die Rechte offen Rassismus. Auf der Versammlung des Kreisverbandes Hamm am 3. Oktober 2015 sagte ein Redner unter dem Beifall der Teilnehmer: \"Aber darum ist es doch wichtig, dass wir nach der Macht\u00fcbernahme hier in den Schulen wieder Rassenunterricht bringen.\" Den Rassismus vertreten sie im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie und verbinden ihn mit einem v\u00f6lkischen Nationalismus. Diesem Verst\u00e4ndnis folgend kritisiert ein Beitrag des Kreisverbandes Hamm am 13. Januar 2015 Migration mit folgenden Worten: \"Mittlerweile leben zig Millionen Fremdv\u00f6lkische in unserem Land und sorgen f\u00fcr eine Ver\u00e4nderung Deutschlands in Aussehen, Sprache, Kultur und genetischer Abstammung.\" Auf Demonstrationen der Partei im Jahr 2015 lautet eine gebr\u00e4uchliche Parole: \"Alles f\u00fcr Volk, Rasse und Nation.\" Der Landesverband Nordrhein-Westfalen stellt sich selbst in eine nationalsozialistische Tradition. Dennis Giemsch, bis November 2015 Landesvorsitzender, verbreitete am 10. September 2015 \u00fcber Twitter den Tweet von Neonazis aus Jena: \"Wir sind keine Rechtsextremisten, sondern Nationalsozialisten!\" Bei Demonstrationen f\u00fchren Aktivisten des Kreisverbandes Dortmund oftmals ein Transparent mit dem Spruch \"25 Punkte gegen eure Verbote\" mit. Mit der Zahl beziehen sie sich dabei symbolisch auf das 25-Punkte-Programm der NSDAP. Auf Kundgebungen von Die Rechte skandieren die Teilnehmer regelm\u00e4\u00dfig \"Nationaler Sozialismus Jetzt\". Die Bekenntnisse zum Nationalsozialismus sind in der gesamten Bundespartei verbreitet. So schreibt etwa der Landesverband Sachsen-Anhalt am 29. Januar 2016: \"Grunds\u00e4tzlich ist die Ideologie der Partei getragen, einerseits von traditionell empfindenden und denkenden, alten und jungen Nationalsozialisten [...] und andererseits von sozialen Nationalisten.\" Der Landesverband Nordrhein-Westfalen wird von militanten Neonazis dominiert, die in den vergangenen Jahren durch zahlreiche Straftaten und darunter auch Gewalttaten auffielen. Im Jahr 2015 sind mehrere Partei-Aktivisten aus Nordrhein-Westfalen wegen Volksverhetzung und K\u00f6rperverletzungsdelikten verurteilt worden, darunter der Bezirksvertreter in DortmundScharnhorst. Um weitere strafrechtliche Verfolgungen zu vermeiden, beschr\u00e4nken sich inzwischen in der Partei organisierte Neonazis \u00fcberwiegend auf legale Aktionen. Trotz dieser taktischen Anpassung zeigt die Partei in zahlreichen Stellungnahmen und Aktionen ihre aggressiv-k\u00e4mpfe74 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","rische Haltung. Bei den Demonstrationen setzt Die Rechte den aggressiven, aktionsorientierten Stil der Kundgebungen der verbotenen Kameradschaften, der auf die Beherrschung des \u00f6ffentlichen Raumes abzielt, fort. Die Demonstration des Landesverbandes am 1. Mai 2015 in Essen endete damit, dass Anh\u00e4nger der Partei nach dem Ende Veranstaltung randalierend durch die Innenstadt zogen und fremdenfeindliche Parolen skandierten. Diese aggressiv-k\u00e4mpferische Haltung schl\u00e4gt sich auch in Stellungnahmen und Aktivit\u00e4ten gegen\u00fcber Fl\u00fcchtlingen nieder. Der Bundesvorsitzende \u00e4u\u00dferte sich in einem Gespr\u00e4ch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Oktober 2015 zu Anschl\u00e4gen auf Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte und sprach davon, dass es eine \"elegante Aktion\" sei, eine Fl\u00fcchtlingsunterkunft durch einen Wasserschaden unbewohnbar zu machen. Schlie\u00dflich gehe man bei einer solchen Tat strafrechtlich nicht so ein hohes Risiko ein, wie bei einer Brandstiftung. Um beispielsweise Fl\u00fcchtlinge einzusch\u00fcchtern, zogen Aktivisten des Dortmunder Kreisverbandes am Abend des 6. Februar 2015 mit Fackeln vor eine Fl\u00fcchtlingsunterkunft, skandierten fremdenfeindliche Parolen und warfen B\u00f6ller. Die Partei Die Rechte beim Fackelzug vor einer Fl\u00fcchtlingsunterkunft. Eine solche Haltung basiert auf einem Freund-Feind-Denken, nach dem politische Gegner und Migranten Feinde sind, gegen die man alle zur Verf\u00fcgung stehenden Mittel zur Bek\u00e4mpfung einzusetzen habe. So \u00e4u\u00dferte sich der in Dortmund aktive stellvertretende Bundesvorsitzende der Partei bei einer Kundgebung am 7. September 2015 folgenderma\u00dfen: \"Ich hoffe, dass diese geisteskranken Subjekte, die t\u00e4glich an den Bahnh\u00f6fen in den verschiedenen St\u00e4dten stehen und die Asylbetr\u00fcger begr\u00fc\u00dfen, dass die M\u00e4nner unter euch brutal zusammengeschlagen und RechtsextRemismus 75 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","ausgeraubt werden und den Frauen w\u00fcnsche ich dazu noch eine Vergewaltigung von den Asylbetr\u00fcgern.\" Nachdem in der s\u00e4chsischen Stadt Heidenau rechtsextremistisch motivierte Ausschreitungen gegen ein Fl\u00fcchtlingsheim stattfanden, ver\u00f6ffentlichte der stellvertretende Landesvorsitzende auf der Webseite seines Antisem Versands ein Angebot, das unterschwellig Gewalt bef\u00fcrwortete: \"Ab sofort erh\u00e4lt jeder Besteller aus dem gesamten Landkreis S\u00e4chsische Schweiz [...] bei den Aufklebermotiven \"Asylheime dichtmachen\" und \"Ausl\u00e4nder rein - wir sagen nein\" die doppelte Menge. [...] Au\u00dferdem gibt es bei jeder Bestellung einer Steinschleuder \"Zwille\", die in keinem deutschen Haushalt fehlen sollte, 50 Stahlkugeln gratis dazu.\" Die Partei Die Rechte versucht die von ihnen ausgemachten Feinde der Partei einzusch\u00fcchtern. Zu diesen politischen Gegnern z\u00e4hlen Politiker, Journalisten und B\u00fcrger, die sich kritisch mit der Partei Die Rechte besch\u00e4ftigen, sowie Beamte, die im Sinne der wehrhaften Demokratie repressive Ma\u00dfnahmen gegen Neonazis veranlassen. In der Silvesternacht 2015 blieb es in Dortmund jedoch nicht bei Einsch\u00fcchterungsversuchen, sondern eine Gruppe von rund 20 Anh\u00e4ngern von Die Rechte griff mehrere Polizisten an, beschoss die Beamten mit Raketen und warf Flaschen auf sie. Meistens formulieren die Parteiaktivisten Bedrohungen jedoch unterhalb der Grenze der Strafbarkeit. Zugleich sind die Einsch\u00fcchterungsversuche eindeutig genug, dass die Adressierten wissen, wie es gemeint ist. So schrieb der Landesvorsitzende Dennis Giemsch am 2. September 2015 einen Beitrag zur Fl\u00fcchtlingssituation, in dem es hei\u00dft: \"Alle Proteste, die sich direkte gegen die Einwanderer richten, sind Proteste gegen Sympthome (sic!), nicht aber gegen die Krankheit. [...] W\u00e4hrenddessen laufen die Politiker, die f\u00fcr all das die Verantwortung tragen, ohne Polizeischutz durch die Stra\u00dfen und machen unbehelligt weiter wie bisher [...]\". Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Bundesverband Der Bundesverband ist im letzten Jahr weiter gewachsen. Inzwischen umfasst die Partei zehn Landesverb\u00e4nde, mit Bremen eine Landesgruppe und ann\u00e4hernd 30 Kreisverb\u00e4nde. Zwischen den Landesverb\u00e4nden gibt es weiterhin gravierende strukturelle Unterschiede. So sind im Landesverband Nordrhein-Westfalen rund 300 Mitglieder organisiert, dagegen z\u00e4hlen mehrere andere Landesverb\u00e4nde kaum mehr als 30 Mitglieder. Au\u00dferdem d\u00fcrften einige Kreisverb\u00e4nde nur auf dem Papier beziehungsweise bei Facebook existieren. Trotz des Wachstums spielt Die Rechte nur in einigen wenigen Regionen eine nennenswerte Rolle. Die neonazistische Pr\u00e4gung des nordrhein-westf\u00e4lischen Landesverbandes, der der erste und der gr\u00f6\u00dfte Landesverband der Partei ist, wirkt sich bis heute auf die weitere Parteientwicklung aus. In die Partei sind zuletzt vor allem Personen aus der Neonazi-Szene und ehemalige NPDMitglieder eingetreten. Der Zustand der Partei ist immer noch fragil: Der Landesverband Berlin 76 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Demonstationsplakate der Partei Die Rechte in verschiedenen St\u00e4dten ist nahezu inaktiv. Die Landesverb\u00e4nde Hessen und Sachsen hatten sich bereits aufgel\u00f6st, wobei ehemalige NPD-Mitglieder den s\u00e4chsischen Landesverband nun wieder neu gr\u00fcndeten. Der Bundesverband setzt bisher kaum Impulse. So verf\u00fcgt die Partei immer noch nicht \u00fcber eine eigene Gesch\u00e4ftsstelle und residiert unter der Privatanschrift des Bundesvorsitzenden. Der Parteigr\u00fcnder achtet darauf, dass die Organisation formell die Anforderungen an eine Partei erf\u00fcllt, insbesondere dass sie zu Wahlen antritt. Aus diesen Beweggr\u00fcnden ist der Landesverband Baden-W\u00fcrttemberg bei der Landtagswahl in einigen Wahlkreisen und der Landesverband Sachsen-Anhalt landesweit zu den dortigen Landtagswahlen am 13. M\u00e4rz 2016 angetreten. Der Bundesverband l\u00e4sst keine Zweifel daran, dass sich Die Rechte auch im Wahlkampf im Rechtsextremismus verortet. So hei\u00dft es in einem Beitrag am 24. Januar 2016 auf ihrer Webseite: \"Die Partei tritt in ihrem schwierigen Wahlkampf nicht mit populistischen, sondern mit extrem rechten und stringenten Positionen und sozialpolitischen Zielen an!\" Der Landesverband Nordrhein-Westfalen und insbesondere der Dortmunder Kreisverband haben weiterhin gro\u00dfen Einfluss auf den Bundesverband und haben f\u00fcr Teile der Partei ModellchaRechtsextRemismus 77 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","rakter. Die Strategie, mit provokanten Aktionen \u00d6ffentlichkeit zu erreichen, \u00fcbernehmen mehrere Landesund Kreisverb\u00e4nde. Beispielsweise wirbt der baden-w\u00fcrttembergische Landesverband in Anlehnung an das 25-Punkte-Programm der NSDAP mit einem 25-Punkte-Programm zur anstehenden Landtagswahl. Diese Provokation kopierten sie vom Dortmunder Kreisverband, der zur Kommunalwahl 2014 ebenfalls mit einem 25-Punkte-Programm antrat. Landesverband Nordrhein-Westfalen Der Landesverband Nordrhein-Westfalen bildet im Wesentlichen eine Auffangstruktur f\u00fcr die 2012 verbotenen Kameradschaften. Auch wenn nicht alle Neonazis in die Partei eingetreten sind, organisiert die Partei in Nordrhein-Westfalen inzwischen nahezu alle neonazistischen Aktivit\u00e4ten. Seit 2015 stagniert die Entwicklung der Parteistrukturen des Landesverbandes. In Nordrhein-Westfalen gibt es elf Kreisverb\u00e4nde. Allerdings unterscheiden sie sich stark in Hinblick auf ihre Struktur und ihr Aktivit\u00e4tsniveau. W\u00e4hrend der Dortmunder Kreisverband hochaktiv ist, gehen von einigen Kreisverb\u00e4nden keine Aktivit\u00e4ten aus, wie etwa der Kreisverband M\u00fclheim/ Essen/Wesel, w\u00e4hrend andere wiederum scheinbar nur virtuell existieren wie der Kreisverband Hochsauerlandkreis. Der ehemalige Landesvorsitzende Giemsch verk\u00fcndete beim letzten Landesparteitag am 11. Oktober 2014, dass der Landesverband keine politische Funktion habe, sondern lediglich eine Verwaltungseinheit sei. Der Landesverband Nordrhein-Westfalen von Die Rechte lehnt somit eine politische Willensbildung auf Landesebene ab und ver\u00f6ffentlicht dementsprechend auf seiner Webseite keine Beitr\u00e4ge zu politischen Themen. Laut Giemsch seien die Kreisverb\u00e4nde die eigentlichen politischen Akteure, die autonom \u00fcber inhaltliche Belange und Aktivit\u00e4ten entscheiden. Diese Organisationsstruktur stellt den Versuch dar, dezentrale Strukturen der Neonazi-Szene in vormals lokalen Kameradschaften in eine Parteiorganisation zu \u00fcberf\u00fchren. Die meisten Mitglieder d\u00fcrften ihre Organisation ebenfalls weiterhin nicht als Partei begreifen. Haupts\u00e4chlich geht es den Aktivisten darum ihre \"Erlebniswelt Rechtsextremismus\" vor staatlichen Repressionsma\u00dfnahmen zu sch\u00fctzen. So werden Demonstrationen, Mahnwachen, Geburtstagspartys, Rechtsrockkonzerte und Sonnenwendfeiern nunmehr als Parteiveranstaltungen ausgewiesen. Gelegentlich wird im Namen des Landesverbandes eine Demonstration angemeldet. In der Regel handelt es sich aber tats\u00e4chlich um Demonstrationen des Dortmunder Kreisverbandes, die auch in Dortmund stattfinden. Eine Ausnahme stellt die Versammlung mit Demonstration am 1. Mai 2015 in Essen dar, die der Landesverband veranstaltete. Daran beteiligten sich rund 400 Personen, wobei neben Parteimitgliedern auch Neonazis aus Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesl\u00e4ndern teilnahmen. Mit den schwarz-wei\u00df-roten Fahnen, dem aggressiven Habitus und fremdenfeindlichen Parolen folgte die Veranstaltung dem Stil der verbotenen Kameradschaften. Urspr\u00fcnglich sollte die Demonstrationsroute nach Gelsenkirchen f\u00fchren und dort eine Abschlusskundgebung stattfinden. Weil B\u00fcrger die Stra\u00dfe blockierten, kehrten die Rechtsextremisten 78 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","jedoch wieder zum Essener Hauptbahnhof zur\u00fcck. Rund 100 Rechtsextremisten randalierten anschlie\u00dfend in der Innenstadt und bedrohten Passanten. Versammlung des Landesverbanden in Essen Kreisverband Dortmund Der Kreisverband Dortmund ist der Hauptakteur im Landesverband. Er hat eine hochaktive Anh\u00e4ngerschaft von bis zu 80 Personen in Dortmund und seinen Nachbarst\u00e4dten. Der Landesvorsitzende sowie zwei weitere Personen des Landesvorstandes stammen aus dem Dortmunder Kreisverband und auch der stellvertretende Bundesvorsitzende stammt aus Dortmund. Der Kreisverband ist in der deutschen rechtsextremistischen Szene gut vernetzt und pflegt dar\u00fcber hinaus internationale Kontakte, insbesondere nach Osteuropa und zur militant rechtsextremistischen Partei Goldene Morgenr\u00f6te in Griechenland. Die Rechte in Dortmund hat einen Sitz im Stadtrat sowie jeweils einen Sitz in drei Bezirksvertretungen. Eine Beteiligung an der Gremienarbeit findet jedoch nicht statt. Vielmehr werden die Sitzungen des Rates und der Bezirksvertretungen als \u00f6ffentliche B\u00fchne und Informationsund Finanzierungsquelle genutzt, wie ein Beitrag der Partei bereits 2014 verdeutlichte: \"Mit Provokation und kontinuierlichen St\u00f6rman\u00f6vern im parlamentarischen Alltag werden wir unsere Standpunkte verdeutlichen, w\u00e4hrend gleichzeitig Informationen und Gelder flie\u00dfen, die den politischen Kampf unterst\u00fctzen.\" Obwohl sich Die Rechte und die NPD in Dortmund bis zur Wahl heftig befehdeten, beabsichtigten sie sp\u00e4ter eine gemeinsame Ratsgruppe zu bilden, um somit j\u00e4hrlich mit \u00fcber 40.000 Euro aus kommunalen Mitteln bezuschusst zu werden. Da die Stadt Dortmund RechtsextRemismus 79 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","den Gruppenstatus zun\u00e4chst nicht anerkannte, klagten die beiden rechtsextremistischen Parteien. Das OVG M\u00fcnster stellte im Februar 2016 in einem einstweiligen Beschluss den Gruppenstatus fest, weil \"die Gruppenmitglieder mit ihrem Zusammenschluss den Zweck verfolgen, m\u00f6glichst gleichgerichtet zusammenzuwirken.\" Nachdem im Dortmunder Stadtrat bereits nach wenigen Wochen der gew\u00e4hlte Vertreter von Die Rechte, Siegfried Borchardt, sein Mandat abgab, r\u00fcckte der Landesvorsitzende, Dennis Giemsch, in den Rat nach. Im April 2015 gab er ebenfalls sein Mandat ab, so dass der stellvertretende Landesvorsitzende Michael Br\u00fcck nachr\u00fcckte. W\u00e4hrend Giemsch im Stadtrat zahlreiche fremdenfeindlich und antisemitisch motivierte Anfragen stellte, schaltet sich Br\u00fcck mehr in die Debatten des Stadtrates ein und versucht mit rechtsextremistischen Reden zu provozieren. In Beitr\u00e4gen zu Fl\u00fcchtlingssituation hat er mehrfach die Privatadresse des Dortmunder Oberb\u00fcrgermeisters genannt und vorgeschlagen, dort eine Fl\u00fcchtlingsunterkunft einzurichten. Solche Vorschl\u00e4ge zielen darauf ab, dem Oberb\u00fcrgermeister zu signalisieren, dass die Rechtsextremisten wissen, wo er wohnt, um ihn damit einzusch\u00fcchtern. Dieses Vorgehen geh\u00f6rt zur Strategie des Kreisverbandes, durch Provokation und Drohgeb\u00e4rden in der \u00d6ffentlichkeit zu wirken. Einsch\u00fcchterungsversuche gelten auch Journalisten, die sich mit Rechtsextremismus besch\u00e4ftigen. Beispielsweise ver\u00f6ffentlichte Die Rechte in einem Artikel am 6. Oktober 2015 die Privatadresse eines Journalisten und rief zu Hausbesuchen auf. Bei Drehterminen von Journalisten in der N\u00e4he von mehreren rechtsextremistischen Wohngemeinschaften erschienen umgehend Aktivisten von Die Rechte und filmten mit Handys die Pressevertreter. Im Sinne dieser Strategie versuchen Aktivisten von Die Rechte in Dortmund auch, an B\u00fcrgerversammlungen zu geplanten Asylbewerberheimen teilzunehmen. Bei einer entsprechenden Veranstaltung in Dortmund-Eving nutzten die Aktivisten das Forum zur Verbreitung fremdenfeindlicher Propaganda, traten dort aggressiv auf und st\u00f6rten. Sie schreckten auch nicht vor Beleidigungen der Versammlungsleiterin (\"Judenhure\") und Gewaltaus\u00fcbungen gegen Polizeibeamte zur\u00fcck. Im Jahr 2015 f\u00fchrte die Partei 56 Versammlungen in Dortmund durch. Die gr\u00f6\u00dfte Veranstaltung mit ann\u00e4hernd 1.000 Teilnehmern fand am 28. M\u00e4rz 2015 statt. Die relativ hohe Teilnehmerzahl erzielte die Partei, indem sie nach der Demonstration und Kundgebung eine Versammlung durchf\u00fchrte, auf der sich Redebeitr\u00e4ge und Rechtsrock abwechselten. Die Veranstaltung fand am zehnj\u00e4hrigen Todestag von Thomas S., der von einem Dortmunder Rechtsextremisten erschlagen wurde, statt. Die Auswahl dieses Termins f\u00fcr die Veranstaltung unter dem Motto \"Wir sind das Volk\" war insofern eine bewusste Provokation der Stadt\u00f6ffentlichkeit. Des Weiteren veranstaltete Die Rechte in Dortmund am 23. August 2015 eine Versammlung in der Innenstadt, um gegen das 2012 vom Ministerium f\u00fcr Inneres und Kommunales Nordrhein-Westfalen ausgesprochene Verbot des \"Nationalen Widerstand Dortmund\" (NWDO), aber auch gegen die Verbote anderer rechtsextremistischer Organisationen zu demonstrieren. Daran nahmen rund 80 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","100 Personen teil, die sowohl Anh\u00e4nger der Partei Die Rechte sind, als auch in gro\u00dfer Zahl den verbotenen Kameradschaften angeh\u00f6rten. Damit machten die Rechtsextremisten deutlich, dass sie die Partei Die Rechte als Fortf\u00fchrung der verbotenen Kameradschaften begreifen. Dar\u00fcber hinaus organisierte der Dortmunder Kreisverband nahezu w\u00f6chentlich Versammlungen gegen die Einrichtung von Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften in mehreren Stadtteilen. Es gelang ihnen dabei aber nicht, die Anwohnerschaft zur Teilnahme zu bewegen. Der Kreisverband Die Rechte bem\u00fcht sich, ein Klima der Angst zu schaffen. Als die evangelische Kirche einer Familie Kirchenasyl gew\u00e4hrte, griffen die Rechtsextremisten das Thema auf und ver\u00f6ffentlichten am 13. Mai 2015 ein perfides Fahndungsplakat, wie man es aus WesternFilmen kennt. Damit wollten sie suggerieren, dass sie tats\u00e4chlich nach der Familie fahnden. Auch 2015 setzte der Kreisverband Dortmund die Aktivit\u00e4ten des \"Rechten Stadtschutzes Dortmund\" fort, der in der Art einer B\u00fcrgerwehr mit einheitlichen T-Shirts auftritt, um vorgeblich f\u00fcr Ordnung zu sorgen. Die Partei versuchte mit dieser publicitytr\u00e4chtigen Provokation, \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit zu erzielen. Bei dem Versuch, Homosexuelle mit dem Auftritt des Stadtschutzes Angst einzujagen, blamierten sich die Rechtsextremisten allerdings durch eine einf\u00e4ltige Selbstdarstellung. Wie in den Vorjahren st\u00f6rten die Anh\u00e4nger von Die Rechte eine Gedenkveranstaltung am Jahrestag der Reichspogromnacht am 9. November 2015. Mitglieder von Die Rechte Dortmund als selbsternannter Stadtschutz. RechtsextRemismus 81 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Der Kreisverband Dortmund ist deutschlandweit vernetzt. F\u00fchrende Aktivisten aus Dortmund treten Deutschlandweit als Redner auf. So sollte Michael Br\u00fcck als Redner beim sogenannten \"Tag der deutschen Zukunft\" (TddZ) am 6. Juni 2015 in Neuruppin (Brandenburg) auftreten. Nur der fr\u00fchzeitige Abbruch der Veranstaltung verhinderte seinen Auftritt. Der TddZ ist eine neonazistische Demonstrationsreihe, die seit sieben Jahren jedes Jahr an einem anderen Ort stattfindet. Im Jahr 2016 soll der TddZ am 4. Juni erstmals in Dortmund stattfinden. Weiterhin pflegt der Kreisverband Kontakte zu Rechtsextremisten im Ausland. Beispielsweise besuchten Dortmunder Aktivisten im Januar und Februar 2015 rechtsextremistische Aufm\u00e4rsche in Bulgarien, Ungarn und Athen. Wie bereits im Jahr 2014 organisierte Die Rechte Dortmund am 5. September 2015 ein Rechtsrockkonzert in Sachsen. An dem Open-Air-Konzert nahmen fast 650 Besucher teil. Damit war es 2015 das gr\u00f6\u00dfte Konzert in Deutschland. In Dortmund veranstaltete der Kreisverband im Oktober 2015 einen Balladenabend mit dem in der rechtsextremistischen Szene popul\u00e4ren Lunikoff. Kreisverb\u00e4nde Aachen und Heinsberg Die gemeinsam agierenden Kreisverb\u00e4nde Aachen und Heinsberg, die weitgehend eine Auffangstruktur f\u00fcr die verbotene Kameradschaft Aachener Land sind, traten 2015 kaum \u00f6ffentlichkeitswirksam in Erscheinung. Zwar nahmen kleinere Gruppen von Mitgliedern an den meisten gr\u00f6\u00dferen rechtsextremistischen Versammlungen in Nordrhein-Westfalen sowie dem sogenannten Trauermarsch in Remagen (Rheinland-Pfalz) teil, allerdings verzichteten sie auf eigene Transparente oder gleiche T-Shirts, um sich als Gruppe darzustellen. Dar\u00fcber hinaus unternahmen sie eher erlebnisorientierte Aktivit\u00e4ten. Am 5. September 2015 veranstalten sie eine Party mit einem Auftritt des Rechtsrappers Makss Damage unter dem Motto \"Party f\u00fcr Deutsche\". Auf der Party trug ein f\u00fchrendes Mitglied der beiden Kreisverb\u00e4nde ein T-Shirt mit dem Text \"Terrormaschine - Combat 18\" sowie einem aufgedruckten Gewehr. Combat 18 gilt als bewaffneter 82 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Arm des internationalen rechtsextremistischen Netzwerks Blood & Honour, das in Deutschland verboten ist. Unter dem Namen Syndikat 52 ver\u00f6ffentlichen Mitglieder der Partei Die Rechte ein weiteres Facebook-Profil, das sich zum einen um jugendkulturelle Affinit\u00e4t bem\u00fcht, zum anderen mit militanter Aufmachung kokettiert. Kreisverband Hamm Die Rechte Hamm zeigt sich weiterhin als aktiver Kreisverband. Am 3. Oktober 2015 veranstaltete der Kreisverband wie in den Vorjahren eine Demonstration, an der circa 300 Rechtsextremisten von Die Rechte, der NPD und aus dem Neonazispektrum teilnahmen. Die Reden waren fremdenfeindlich und rassistisch und richteten sich insbesondere gegen Fl\u00fcchtlinge. Mit ihrem martialischem Auftreten und Bekenntnissen zum Nationalsozialismus diente die Veranstaltung nicht dazu, B\u00fcrger anzusprechen und politisch zu \u00fcberzeugen, sondern der ideologischen Selbstvergewisserung, der Vernetzung der rechtsextremistischen Szene und der Einsch\u00fcchterung des politischen Gegners. Weiterhin f\u00fchrte Die Rechte kleinere Mahnmachen und Kundgebungen durch, um mit fremdenfeindlichen Parolen Stimmung gegen Fl\u00fcchtlinge zu machen. Gemeinsam mit den NPD-Kreisverb\u00e4nden Unna/Hamm sowie Oberhausen fuhr der Hammer Kreisverband von Die Rechte Anfang Mai 2015 nach Br\u00fcssel und besuchte dort Udo Voigt, den Europaabgeordneten der NPD, sowie eine Podiumsdiskussion mit einem britischen Holocaustleugner. Weiterhin veranstaltete der Kreisverband zwei Liederabende, auf denen die Musiker einschl\u00e4gige rechtsextremistische Songs spielten. Der Vertreter von Die Rechte im Stadtrat versuchte das \u00f6ffentliche Forum zu nutzen, indem er mit Antr\u00e4gen und Anfragen Minderheiten und Migranten als S\u00fcndenb\u00f6cke f\u00fcr kommunale Probleme darstellte. Auf seiner Webseite zeigt der Kreisverband immer wieder, dass er ideologisch fest im v\u00f6lkischen Nationalismus verwurzelt ist. So kritisiert er beispielsweise in einem Beitrag vom 13. Januar 2015, dass durch Migration \"Fremdv\u00f6lkische\" in das Land k\u00e4men und die \"genetische Abstammung\" ver\u00e4ndern w\u00fcrden. Kreisverband Rhein-Erft Obschon der Kreisverband Rhein-Erft nur aus wenigen Aktivisten besteht, entwickelt er relativ viele Aktivit\u00e4ten. Mehrfach bem\u00fchte sich der Kreisverband, auf Informationsveranstaltungen zur Fl\u00fcchtlingssituation f\u00fcr B\u00fcrger Einfluss nehmen. So verteilten Aktivisten von Die Rechte beispielsweise vor einer Veranstaltung am 16. April 2015 in Wesseling Flugbl\u00e4tter und versuchten in der Veranstaltung Vorurteile \u00fcber Fl\u00fcchtlinge zu verbreiten und damit \u00c4ngste und Hass zu sch\u00fcren. Ferner mahnwachte der Kreisverband mehrmalig mit einer Handvoll von Mitgliedern in verschiedenen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen des Rhein-Erft-Kreises. An zahlreichen gr\u00f6\u00dferen rechtsextremistischen Demonstrationen in Nordrhein-Westfalen und in anderen L\u00e4ndern nahm eine Gruppe RechtsextRemismus 83 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","aus dem Kreisverband teil und zeigte ihr Banner, das negative Stimmung gegen Fl\u00fcchtlinge machen soll. Wie im Vorjahr organisierte die Partei eine Veranstaltung mit Holocaust-Leugnern, zu der ein \u00fcberregionales Publikum aus verschiedenen rechtsextremistischen Organisationen kam. Auf seiner Webseite verbreitet Die Rechte Rhein-Erft kontinuierlich rechtsextremistische Propaganda, wobei der Schwerpunkt im Jahr 2015 auf der Hetze gegen Fl\u00fcchtlinge lag. Auf ihrem inzwischen nicht mehr existenten Facebook-Profil kommentierte ein Besucher am 1. Juni 2015 einen Aufruf zu einer Anti-Asyl-Demo mit den menschenverachtenden Worten: \"Ich werfe 5 Euro in meine Spardose f\u00fcr jeden Erstochenen Asylaffen, mal sehen wenn (sic!) ich in den Urlaub Fahren kann???\" Aktivit\u00e4ten in weiteren Kreisverb\u00e4nden Bei einzelnen Veranstaltungen fand eine Zusammenarbeit mehrerer Kreisverb\u00e4nde statt. So beteiligten sich Aktivisten aus verschiedenen Kreisverb\u00e4nden an einer Veranstaltung am 8. Mai 2015, bei der sie die Niederlage Nazi-Deutschlands mit einem Fackelmarsch und einer nicht\u00f6ffentlichen Kundgebung betrauerten. Der Kreisverband D\u00fcsseldorf/Mettmann/Solingen 2015 trat wenig \u00f6ffentlich in Erscheinung. Zwei F\u00fchrungsaktivisten waren lediglich als Redner beziehungsweise als Versammlungsleiterin bei rechtsextremistischen Versammlungen au\u00dferhalb D\u00fcsseldorfs aktiv. Der Ortsverband Neuss/ Grevenbroich setzte zun\u00e4chst seine Kampagne gegen den Neubau einer Moschee in Grevenbroich auf seinem Facebook-Profil fort und diffamierte Fl\u00fcchtlinge. Seit Mitte 2015 stellte der Ortverband seine Aktivit\u00e4ten ein. 84 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Mitglieder des Wuppertaler Kreisverbands fielen im Mai 2015 damit auf, dass sie widerrechtlich in eine Fl\u00fcchtlingsunterkunft eindrangen, Fotos schossen und diese ver\u00f6ffentlichten. Ansonsten f\u00fchrten sie zwei kleinere Versammlungen im Februar und M\u00e4rz 2016 durch, um gegen die Einrichtung einer Fl\u00fcchtlingsunterkunft agitieren. Als am 14. M\u00e4rz 2015 Pegida NRW eine Kundgebung mit Demonstration in Wuppertal veranstaltete, um gegen den Auftritt von Salafisten zu protestieren, schlossen sich die Aktivisten von Die Rechte an. Ansonsten reisten einzelne Mitglieder wiederholt nach Dortmund, um sich an den Demonstrationen des dortigen Kreisverbandes zu beteiligen. Der Wuppertaler Kreisverband f\u00e4llt dadurch auf, dass er besonders intensiv Twitter nutzt, um seine Hetze zu verbreiten. Die Rechte Ostwestfalen-Lippe fand 2015 zun\u00e4chst nur virtuell als Facebook-Profil statt. Am 16. Januar 2016 wurde dann der Kreisverband tats\u00e4chlich gegr\u00fcndet. Zum Vorsitzenden w\u00e4hlten die Mitglieder den fr\u00fcheren Kreisvorsitzenden von Die Rechte Hamm. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Der nordrhein-westf\u00e4lische Landesverband und die aktiven Kreisverb\u00e4nde stellten sowohl in ideologischer und personeller Hinsicht als auch bez\u00fcglich seiner Aktivit\u00e4ten eine Weiterf\u00fchrung der verbotenen Kameradschaften dar. Der Landesverband Nordrhein-Westfalen dominiert innerhalb der Bundespartei inhaltlich, personell und durch seine Vielzahl an Aktivit\u00e4ten. Um das Parteienprivileg zu sichern, nimmt Die Rechte pro Forma einige parteitypische Aktivit\u00e4ten auf. Nach anf\u00e4nglicher Konkurrenz zur NPD findet immer mehr eine Zusammenarbeit zwischen den beiden Parteien statt, wobei die Mitglieder von Die Rechte deutlich aktionistischer ausgerichtet sind. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_dierechte RechtsextRemismus 85 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Der III. Weg Sitz / Verbreitung Sitz des Bundesverbandes: Weidenthal (Rheinland-Pfalz); Verbreitung haupts\u00e4chlich in S\u00fcdund in Ostdeutschland; zwei Gruppierungen in NRW (Ostwestfalen und Sauerland). Gr\u00fcndung / Bestehen seit 28. September 2013 in Heidelberg Struktur / Repr\u00e4sentanz keine Landesverb\u00e4nde, Gliederung in Gebietsverb\u00e4nde S\u00fcd, West, Nord und Mitte; m\u00f6gliche Bildung sogenannter \"St\u00fctzpunkte\" sofern keine weitere Untergliederung erfolgt, bisher neunzehn \"St\u00fctzpunkte\" im Bundesverband; hiervon zwei in NordrheinWestfalen (St\u00fctzpunkt Hermannsland, am 19. Oktober 2014 gegr\u00fcndet, umfasst den Raum Bielefeld, Paderborn und Teutoburger Wald; St\u00fctzpunkt Sauerland-S\u00fcd, am 29. Dezember 2015 gegr\u00fcndet, umfasst insbesondere den Landkreis Olpe Mitglieder / Anh\u00e4nger / Bund: rund 200 NRW: rund 30 Unterst\u00fctzer 2015 Ver\u00f6ffentlichungen Web-Angebot: Homepage der Partei Der III. Weg, der-dritte-weg. info; Facebookund Twitterprofil; Youtube-Kanal Kurzportrait / Ziele Bei der Gr\u00fcndung der Partei waren zun\u00e4chst einige wenige ehemalige NPD-Mitglieder und Neonazis aus Rheinland-Pfalz und Hessen beteiligt. Als sich 2014 in Bayern ein Verbot des Neonazi-Netzwerks Freies Netz S\u00fcd abzeichnete, trat ein Teil der betroffenen Neonazis in die Partei Der III. Weg ein. Sie nutzten somit die Partei als Auffangstruktur, um staatlichen Exekutivund Verbotsma\u00dfnahmen zu entgehen. Den Aktivisten geht es im Wesentlichen darum, neonazistische Aktivit\u00e4ten unter dem Schutzmantel des Parteienprivilegs fortzusetzen. Finanzierung \u00dcberwiegend durch Mitgliedsbeitr\u00e4ge und Spenden 86 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die Partei Der III. Weg propagiert ein rechtsextremistisches Staatsund Gesellschaftsbild, insbesondere greift sie v\u00f6lkisch-nationalistische Elemente des historischen Nationalsozialismus auf. So lehnt sie sich mit ihrem 10-Punkte-Programm ideologisch an das Gedankengut der NSDAP an und fordert einen \"deutschen Sozialismus\" ein. Zudem beteiligt sich die Partei an revisionistischen Kampagnen, die darauf abzielen, nationalsozialistische Verbrechen zu relativieren. Auch andere Ausf\u00fchrungen innerhalb des Parteiprogramms, wie die erkl\u00e4rte Notwendigkeit der \"Beibehaltung der nationalen Identit\u00e4t des deutschen Volkes\", die vermeintliche \"\u00dcberfremdung Deutschlands sowie des anhaltenden Asylmissbrauchs\" oder die Forderung nach der \"friedlichen Wiederherstellung Gesamtdeutschlands in seinen v\u00f6lkerrechtlichen Grenzen\", zeugen von dem von Rechtsextremisten angestrebten typischen ethnisch homogenen Gesellschaftsmodell, das durch \"Volkstumspolitik\" und rigide Ausgrenzung aller vermeintlich Fremden verwirklicht werden soll. In diesem Sinne ist auch der parteipolitische Schwerpunkt des Themas Asylpolitik zu deuten, mit dem die Partei Der III. Weg ebenfalls ihre betont fremdenfeindliche Ausrichtung unterstreicht. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Nachdem die Aktivisten von Der III. Weg zun\u00e4chst weniger das Ziel verfolgten, sich an der parlamentarischen Demokratie zu beteiligen, nahm die Partei im Jahr 2015 nach eigener Aussage \"in einer Art Testlauf\" erstmals an einer Kommunalwahl teil. Der Einzug in den Kreistag des Landkreises Bad D\u00fcrkheim (Rheinland-Pfalz) gelang mit einem Stimmenanteil von 0,5 Prozent allerdings nicht. Dennoch konnte die Partei im Juni 2015 einen ersten kommunalpolitischen Erfolg - jedoch ohne den Auftrag einer W\u00e4hlerschaft - in Plauen (Sachsen) verbuchen, nachdem ein bis dahin der NPD angeh\u00f6render Stadtrat sich der Partei Der III. Weg anschloss. Die Bundespartei konzentrierte sich 2015 vor allem auf die Kampagne gegen Fl\u00fcchtlinge. So ver\u00f6ffentlichte sie um die Jahreswende 2014/2015 einen sogenannten \"Leitfaden\" mit dem Titel \"Kein Asylantenheim in meiner Nachbarschaft! Wie bebzw. verhindere ich die Einrichtung eines Asylantenheims in meiner Nachbarschaft\". Darin sch\u00fcrt die Partei Vorurteile gegen Fl\u00fcchtlinge, indem sie sie einseitig Karte mit vermeintlichen Standorten von und pauschal negativ beschreibt. Im Rahmen dieser Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften RechtsextRemismus 87 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Kampagne stellte die Partei bereits 2014 eine Karte ins Internet, auf der sie vermeintliche Standorte von Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften im Bundesgebiet mit oftmals der genauen Anschrift abbildete. Die Karte aktualisierte die Partei im Jahr 2015 fortlaufend. Im Kontext der fl\u00fcchtlingsfeindlichen Aktivit\u00e4ten durch Der III. Weg ist dies als indirekter Aufruf zu Protesten vor den Unterk\u00fcnften zu bewerten. Der St\u00fctzpunkt Hermannsland beschr\u00e4nkte seine Aktivit\u00e4ten in Ostwestfalen bislang auf einzelne lokale Aktionen, wie die Verteilung von Flugbl\u00e4ttern mit dem Slogan \"Asylmissbrauch in Deutschland endlich stoppen\". Allerdings waren diese kaum \u00f6ffentlichkeitswirksam. Zudem versuchen die Aktivisten des St\u00fctzpunktes mit Veranstaltungen wie \"Julfeste\" oder sogenannten Heldengedenken Gemeinschaftserlebnisse der Anh\u00e4nger mit der nationalsozialistischen Online-Propaganda zum \"Julfest\" Ideologie zu verkn\u00fcpfen. Einige Parteimitglieder aus Ostwestfalen besuchten auch \u00fcberregionale revisionistische Veranstaltungen der Neonazi-Szene am 1. August 2015 in Bad Nenndorf (Niedersachsen) und am 21. November 2015 Remagen (RheinlandPfalz). Bei letzterer Versammlung hielt auch ein F\u00fchrungsaktivist des St\u00fctzpunktes Herrmannsland eine Rede, in der er das Dritte Reich als Opfer der Alliierten darstellte, w\u00e4hrend er die Opfer des nationalistiBeispiel f\u00fcr Heldengedenken schen Regimes verschwieg. Am 29. Dezember 2015 wurde der St\u00fctzpunkt Sauerland-S\u00fcd gegr\u00fcndet. Vorausgegangen war eine Kennenlern-Veranstaltung am 27. November 2015 im Raum Olpe, bei der Aktivisten von Der III. Weges Interessierten aus der Region die Partei vorstellten. Beworben wurde diese Veranstaltung auf dem Facebookprofil \"Olpe wehrt sich\", das vor allem fl\u00fcchtlingsfeindliche Beitr\u00e4ge ver\u00f6ffentlicht und auf zahlreiche Beitr\u00e4ge von rechtsextremistischen Webseiten, Videos und Profilen verlinkt. 88 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Progagandamaterial aus den Internetauftritten von Der III. Weg Bewertung, Tendenzen, Ausblick Der III. Weg stellt weitgehend eine Auffangstruktur f\u00fcr Neonazis dar. Mit der Ausnutzung des Parteistatus beabsichtigen sie, staatliche Sanktionsma\u00dfnahmen zu erschweren. Durch die Gr\u00fcndung des sogenannten St\u00fctzpunktes Hermannsland haben sich die Aktivit\u00e4ten der Neonazis in Ostwestfalen im vergangenen Jahr nicht intensiviert. Beobachtet wird derzeit, ob sich der St\u00fctzpunkt Sauerland-S\u00fcd zu einer gefestigten rechtsextremistischen Gruppierung entwickelt. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_III.weg RechtsextRemismus 89 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Identit\u00e4re Bewegung Deutschland e.V. Sitz / Verbreitung Ursprung in Frankreich; seit 2012 auch in Deutschland; Vereinssitz ist Paderborn Gr\u00fcndung / Bestehen seit Seit Mai 2014 ist die urspr\u00fcnglich virtuelle Aktionsform als \"Identit\u00e4re Bewegung Deutschland e.V. (IBD)\" vereinsrechtlich registriert. Struktur / Repr\u00e4sentanz Die \"IBD\" verf\u00fcgt \u00fcber eine Zellenstruktur auf lokaler Ebene. Im Zuge der organisatorischen Neuausrichtung 2014 wurden daraus formal bundesweit regionale Gruppen gebildet. In NordrheinWestfalen handelt es sich dabei um die \"Identit\u00e4re Bewegung Rheinland\" und die \"Identit\u00e4re Bewegung Westfalen\". Dar\u00fcber hinaus existieren \"Identit\u00e4re Bewegungen\" in weiteren europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, beispielsweise in Frankreich und in \u00d6sterreich. Mitglieder / Anh\u00e4nger / Bei der \"IBD\" handelt es sich im Wesentlichen auch weiterhin Unterst\u00fctzer 2015 um einen losen Verbund lokaler Aktivisten, die in Kleingruppen agieren. Obwohl der aktionsbezogene Schwerpunkt nicht in Nordrhein-Westfalen liegt, verf\u00fcgt die Gruppierung insbesondere im Raum Ostwestfalen \u00fcber eine Scharnierfunktion in das rechtsextremistische Spektrum. Im Einzelfall bestehen sogar personelle \u00dcberschneidungen mit rechtsextremistischen Parteien und Gruppen. Ver\u00f6ffentlichungen Die \"IBD\" verf\u00fcgt \u00fcber einen zentralen Internetauftritt und einen Onlineshop. Dar\u00fcber hinaus sind die einzelnen Gliederungen \u00fcber ihre jeweiligen Seiten im sozialen Netzwerk Facebook vertreten. Kurzportrait / Ziele Die \"IBD\" greift die von der \"Neuen Rechten\" entwickelte Idee des auf v\u00f6lkischen Grunds\u00e4tzen basierenden Konzeptes des Ethnopluralismus auf. Diese Idee besagt, dass der Einzelne nur in einer ethnisch homogenen Umgebung seine Identit\u00e4t finden und erhalten k\u00f6nne. Es werden daher ethnisch homogene Nationen gefordert. Sowohl die ideologische Ausrichtung als auch 90 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Darstellungen und \u00c4u\u00dferungen der \"IBD\" sind gepr\u00e4gt von einer fremdenfeindlichen und Minderheiten ausgrenzenden Diktion. In der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung setzen die Aktivisten auf eine pr\u00e4gnante visuelle Symbolik und sind um einen avantgardistischen Habitus bem\u00fcht, der sie von dem traditionellen rechtsextremistischen Muster abheben soll. Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die Ideologie der \"IBD\" als Teil der \"Neuen Rechten\" fundiert auf einem Politikverst\u00e4ndnis, das sich grunds\u00e4tzlich gegen Menschenrechte und eine pluralistische Demokratie richtet. Sowohl der kollektivistische Grundsatz als auch die biologistische Doktrin des Ethnopluralismus sind unvereinbar mit den Werten der freiheitlich demokratischen Grundordnung. Es besteht die Gefahr, dass die \"IBD\" mit modernen Ausdrucksformen bei den Bev\u00f6lkerungsschichten eine Resonanz erzeugt, die traditionelle Rechtsextremisten bislang nicht erreichen. Die Gruppierung kn\u00fcpft dabei bewusst an die Lebenswelten von internetaffinen jungen Menschen an. Da die IBD sich nicht mit den \u00fcblichen rechtsextremistischen Slogans und Symbolen inszeniert, ist deren ideologische Ausrichtung nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Flyer der \"Identit\u00e4ren Bewegung\" RechtsextRemismus 91 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Beispiele aus dem Internetauftritt der \"IBD\" f\u00fcr ihre Aktivit\u00e4ten 92 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Bewertung, Tendenzen, Ausblick In Nordrhein-Westfalen ist die \"IBD\" vor allem in den sozialen Netzwerken aktiv. Daneben f\u00fchrt sie regelm\u00e4\u00dfige Stammtische und Veranstaltungen sowie vorwiegend anlassbezogene Aktionen in Form von Flugblattverteilungen und Plakatierungen durch. Auf Grund der genannten personellen \u00dcberschneidungen mit anderen rechtsextremistischen Gruppierungen ist auch ein gemeinsames Auftreten bei Kundgebungen oder demonstrativen Ereignissen zu beobachten. Einer dauerhaften strukturellen Kooperation mit rechtsextremistischen Gruppen und Parteien oder einer gegenseitigen Akzeptanz auf breiter Ebene steht jedoch der elit\u00e4r-avantgardistische Anspruch der \"IBD\" weiterhin entgegen. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_ibd RechtsextRemismus 93 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Neonazis Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1970er Jahre Struktur / Repr\u00e4sentanz Vereinzelte Gruppierungen auf lokaler Ebene, die teilweise organisiert sind in vereins\u00e4hnlichen sogenannten Kameradschaften oder in Kreisverb\u00e4nden der Partei Die Rechte; \u00fcberregionale Vernetzung der Szene zur Koordinierung und Durchf\u00fchrung gemeinsamer Aktivit\u00e4ten; mit den Verboten der wichtigsten Kameradschaften hat in der Neonazi-Szene in Nordrhein-Westfalen ein Strukturwandel stattgefunden. Die Partei Die Rechte stellt in Nordrhein-Westfalen nunmehr das Gravitationszentrum des Neonazismus dar. Mitglieder / Anh\u00e4nger / Circa 650 Unterst\u00fctzer 2015 Ver\u00f6ffentlichungen Internetpr\u00e4senzen und Facebookprofile der Partei Die Rechte sowie einzelner Gruppen Kurzportrait / Ziele Der Neonazismus stellt sich in die ideologische Tradition des historischen Nationalsozialismus. Seit Mitte der 2000er Jahre ist innerhalb der neonazistischen Szene das Ph\u00e4nomen der Autonomen Nationalisten zu beobachten. Diese orientieren sich bez\u00fcglich Habitus und Kleidung an der Autonomen Antifa. Zudem versuchen die Autonomen Nationalisten die Themenfelder des politischen Gegners wie Antikapitalismus oder Antiglobalisierung f\u00fcr ihre eigene Propaganda zu vereinnahmen. Diese Modernisierung fand jedoch unter Beibehaltung der neonazistischen Ideologie statt. Finanzierung Beitr\u00e4ge der Anh\u00e4nger Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die Neonazi-Szene ist durch ein offenes Bekenntnis zum Nationalsozialismus sowie durch ihre Gewaltbereitschaft gekennzeichnet. Neonazis verfolgen die Errichtung eines \"Vierten Reiches\", 94 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","basierend auf den programmatischen Forderungen der NSDAP von 1920. Ideologische Grundlage ist ein rassenbiologisch gepr\u00e4gtes, v\u00f6lkisches Menschenbild und die Vorstellung einer antipluralistischen Gesellschaft sowie eines autorit\u00e4ren Staates. Vermeintlich Fremde und auch politische Gegner werden als Feinde dargestellt und ihnen wird ein geringeres beziehungsweise gar kein Existenzrecht zuerkannt. Damit wird Gewalt gegen \"Fremde\" beziehungsweise \"Feinde\" legitimiert. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Nachdem im Jahr 2012 das Ministerium f\u00fcr Inneres und Kommunales in Nordrhein-Westfalen die vier aktivsten Kameradschaften verboten hat, fand durch den Gro\u00dfteil der organisierten Neonazi-Szene eine \"Flucht in die Parteien\" statt. Die Mehrzahl der vorherigen Kameradschaftler wurde von der Partei Die Rechte aufgenommen, eine Minderheit ging in die Partei Der III. Weg. Neben diesen Parteien gibt es mehrere kleinere, meist schwach strukturierte Gruppen wie zum Beispiel Nationaler Widerstand Duisburg oder Nationalisten Kreis G\u00fctersloh. Fast alle gr\u00f6\u00dferen Ereignisse, an denen sich die Neonazi-Szene in Nordrhein-Westfalen beteiligte, veranstaltete jedoch die Partei Die Rechte. So trugen Neonazis aus Ostwestfalen bei den Demonstrationen am 23. M\u00e4rz in Dortmund, am 1. Mai in Essen und am 3. Oktober 2015 in Hamm ein Banner mit der Aufschrift \"Damals wie heute: Wir sind das Volk\" sowie einem Hammer und einem Schwert. Diese Kombination stand im Nationalsozialismus f\u00fcr eine vermeintliche Volksgemeinschaft aus Arbeitern und Soldaten und wurde von der Hitlerjugend verwendet. Im Zusammenhang mit dem Bannerspruch stellt man sich als Nachfolger Nationalsozialisten dar. Des Weiteren nahmen Neonazis an verschiedenen Gida-Veranstaltungen in Nordrhein-Westfalen teil. Hierbei hielten sie sich allerdings mit szenetypischen Bannern und Symbolen zur\u00fcck und verzichteten oftmals auf neonazistische Parolen. Auszug aus dem Facebook-Auftritt von der Partei Die Rechte mit dem Banner der Nationalisten Kreis G\u00fctersloh im Hintergrund. RechtsextRemismus 95 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Als neue Gruppe nahm die Division Braune W\u00f6lfe an mehreren Demonstrationen teil. Bei der HoGeSa-Versammlung am 25. Oktober 2015 in K\u00f6ln trat sie geschlossen in einheitlichen T-Shirts auf. Ebenso pr\u00e4sentierten sie sich als Gruppe auf einer Kundgebung von Pro NRW am 22. November 2015. Im Laufe des Jahres verteilte sie in Essen und M\u00fcnster Flyer mit fremdenfeindlichen Inhalten anl\u00e4sslich der Fl\u00fcchtlingssituation. In Videos auf YouTube verdeutlichte die Division Braune W\u00f6lfe ihr kompromissloses Freund-Feind-Denken und ihren gewaltbereiten Habitus. Kleinere Veranstaltungen organisierte die Szene in 2015 auch in Eigenregie. Dazu geh\u00f6rte unter anderem eine Demonstration am 16. August 2015 in Datteln, bei der knapp zwei Dutzend Personen gegen Fl\u00fcchtlinge agitierten. Der Nationale Widerstand Duisburg f\u00fchrte am Volkstrauertag, dem 15. November, ein sogenanntes \"Heldengedenken\" durch. Derartige Aktionen zielen darauf ab Geschichte umzudeuten, indem Verbrechen von Nationalsozialisten als Heldentaten dargestellt werden. In dieser Absicht nahm die Neonazi-Szene auch an Veranstaltungen in Nachbarl\u00e4ndern teil, bei denen vermeintliche Kriegsverbrechen anderer Staaten im 2. Weltkrieg an Deutschen benutzt werden, um Deutschland als Opfer des Krieges darzustellen und die Verbrechen des NS-Regimes zu relativieren. Haupts\u00e4chlich besuchten Neonazis aus NordrheinWestfalen in diesem Zusammenhang die sogenannten Trauerm\u00e4rsche am 1. August in Bad Nenndorf (Niedersachsen) und am 21. November in Remagen (Rheinland-Pfalz). Die geistige N\u00e4he zum historischen Nationalsozialismus spiegelt sich in den Online-Pr\u00e4senzen wieder, wenn etwa eine Gruppierung aus Haltern auf ihrem Facebookprofil das Zitat eines fr\u00fcheren SS-Mitglieds postet, indem jedwede Kriegsschuld des nationalistischen Regimes verleugnet wird. Stattdessen verbreitet man die antisemitische Verschw\u00f6rungstheorie, nach der ein organisiertes, im Geheimen agierendes Judentum \u00fcber das Kapital die Weltherrschaft anstrebe: \"Als Hitler 1933 die Macht des Goldes brach, indem er an die Stelle des Goldes Deutsche Arbeit stellte, f\u00fchlte sich die Herrschaft des Geldes weltweit erkannt und beschlo\u00df den Krieg.\" Eine neue Aktivit\u00e4tsform bestand in der Gr\u00fcndung eines Vereins mit vordergr\u00fcndig karitativem Zweck durch Neonazis in Osnabr\u00fcck Ende 2014. Die Vereinsaktivit\u00e4ten finden in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen statt. In seiner Selbstdarstellung auf seiner Webseite verdeutlicht der Verein in v\u00f6lkisch-nationalistischer Diktion, dass seine Mitglieder eine ethnisch homogene Gemeinschaft - anstelle einer freiheitlichen pluralistischen Gesellschaft - anstreben. So instrumentalisierte der Verein Mitte Januar 2016 die Diskussion zu den \u00dcbergriffen in K\u00f6ln in der Silvesternacht und verteilte unter anderem in Bielefeld Pfefferspray an mutma\u00dflich deutsche Frauen. 96 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","FacebookAuszug einer NeonaziGruppe aus Haltern Eine Abspaltung der \"IBD\" ist die Identit\u00e4re Aktion (IA). Obschon die IA weiterhin die Symbolik der \"IBD\" verwendet, handelt es sich um eine eigenst\u00e4ndige Gruppierung von weniger als 20 Personen. Ihren geografischen Aktionsschwerpunkt hat sie im Rheinland. F\u00fcr die Region um Aachen existiert auch eine lokale Untergruppierung. Die Gruppierung versucht mit provokanten Aktionen, in denen vor allem Fl\u00fcchtlinge und Muslime diffamiert werden, mediale Aufmerksamkeit zu erzielen. Beispielsweise fuhren sie im Juni 2015 fr\u00fch morgens in Aachen mit einem Lautsprecherwagen durch die Stra\u00dfen und spielten in hoher Lautst\u00e4rke einen angeblichen Muezzinruf und arabische Musik ab, um die Anwohner gegen Muslime aufzustacheln. Ebenso d\u00fcrfte aus Provokationszwecken im Sommer 2015 ein Video ver\u00f6ffentlicht worden sein, in dem Mitglieder der IA sich an wehrsport\u00e4hnlichen \u00dcbungen versuchten. Die F\u00fchrungsaktivistin - ein ehemaliges Vorstandsmitglieder von Pro NRW - ist in der rechtsextremistischen Szene vielf\u00e4ltig vernetzt und tritt bundesweit als Rednerin auf. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Der wichtigste Teil der Neonazi-Szene hat sich in der Partei Die Rechte reorganisiert und die vormals klare Trennung zwischen parlamentsorientierten und aktionsorientierten Rechtsextremisten verwischt. Gleichwohl ist eine Kontinuit\u00e4t der Ideologie und Gewaltbereitschaft zu konstatieren. Allerdings schafft es die Neonazi-Szene kaum noch, eigene gr\u00f6\u00dfere Aktivit\u00e4ten zu initiieren. Stattdessen ist sie inzwischen das Mobilisierungspotenzial der Partei Die Rechte. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_neonazis RechtsextRemismus 97 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Rechtsterrorismus Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Mitte des Jahres 2014 wurde der Verfassungsschutz auf die Gruppierung Oldschool Society (OSS) aufmerksam und nahm sie in den Fokus seiner Beobachtung. Bei der OSS handelte es sich zun\u00e4chst um eine rein virtuelle Gruppierung, deren Mitglieder \u00fcber verschiedene InstantMessaging-Dienste kommunizierten und in einem sozialen Netzwerk um weitere Mitglieder warben. Im Laufe der Zeit folgten auch pers\u00f6nliche Treffen. Im Verlauf der zweiten Jahresh\u00e4lfte 2014 strukturierte und radikalisierte sich die OSS. Sie gab sich im Herbst 2014 eine Satzung und etablierte eine F\u00fchrungsebene von zun\u00e4chst vier Personen. Die Gruppe setzte sich aus 10 bis 15 Personen aus verschiedenen Bundesl\u00e4ndern zusammen, die eine rechtsextremistische Weltanschauung teilten. Zur F\u00fchrungsebene der OSS geh\u00f6rte seit Ende 2014 auch ein Rechtsextremist aus Nordrhein-Westfalen. Ein weiteres F\u00fchrungsmitglied wohnte bis 2010 in Nordrhein-Westfalen und engagierte sich damals f\u00fcr die NPD. Die OSS setzte sich zum Ziel, in kleinen Gruppierungen innerhalb Deutschlands Anschl\u00e4ge gegen Moscheen und namhafte Salafisten sowie Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte zu ver\u00fcben. Sie diskutierten dabei Anschl\u00e4ge in Form von Brandund Nagelbomben. Zwei Angeh\u00f6rige der F\u00fchrungsebene beschafften Anfang 2015 in Tschechien ohne erforderliche Erlaubnis pyrotechnische Sprengk\u00f6rper. In Folge berieten F\u00fchrungspersonen der Gruppe dar\u00fcber, wie sie die Sprengk\u00f6rper technisch ver\u00e4ndern k\u00f6nnten, um die Sprengkraft zu erh\u00f6hen. Im Mai 2015 hatten sich die Anhaltspunkte f\u00fcr einen m\u00f6glichen bevorstehenden Terrorakt auf eine bewohnte Fl\u00fcchtlingsunterkunft, verbunden mit einem vorbereitenden Treffen der OSS derart verdichtet, dass der Generalbundesanwalt (GBA) entsprechende Haftbefehle und Durchsuchungsbeschl\u00fcsse beantragte. Am 6. Mai 2015 f\u00fchrte der GBA im Rahmen eines 98 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Ermittlungsverfahrens gegen die OSS wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung Durchsuchungsma\u00dfnahmen auch in Nordrhein-Westfalen durch. Dabei wurde unter anderem der f\u00fcr Pressearbeit zust\u00e4ndige F\u00fchrungsaktivist der Gruppe in Bochum vorl\u00e4ufig festgenommen. Bei den bundesweiten Durchsuchungen stellten die Sicherheitsbeh\u00f6rden unter anderem pyrotechnische Gegenst\u00e4nde mit gro\u00dfer Sprengkraft sowie weitere Beweismittel sicher. Seit dem 6. Mai 2015 sitzen vier der Beschuldigten in Haft, darunter eine Person aus Nordrhein-Westfalen. Am 23. Dezember 2015 hat der GBA vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts M\u00fcnchen gegen die vier Hauptbeschuldigten Anklage wegen der Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung erhoben. Ihnen wird dar\u00fcber hinaus die Vorbereitung eines Explosivverbrechens zur Last gelegt. Das OLG M\u00fcnchen hat die Anklage zugelassen und die Verhandlung am 27. April 2016 begonnen. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Im Jahr 2015 war eine Zunahme der Gewaltbereitschaft der rechtsextremistischen Szene festzustellen. Im Zuge der Diskussion um die Aufnahme von Fl\u00fcchtlingen w\u00e4hnen sich immer mehr Rechtsextremisten im Widerstand oder gar im B\u00fcrgerkrieg. Der von rechtsextremistischen Organisationen gesch\u00fcrte Fremdenhass veranlasst und best\u00e4rkt einige Personen, Gewalttaten zu begehen. Auch wenn aktuell in Nordrhein-Westfalen keine konkreten Erkenntnisse zu bestehenden rechtsterroristischen Strukturen im Sinne des Strafrechts vorliegen, ist nicht ausschlie\u00dfen, dass sich in n\u00e4chster Zeit rechtsterroristische Gruppen bilden. Deshalb sind hier die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden besonders wachsam. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_rechtsterrorismus RechtsextRemismus 99 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Subkulturell gepr\u00e4gte Rechtsextremisten Gr\u00fcndung / Bestehen seit Ende der 1960er Jahre in Gro\u00dfbritannien; seit circa Ende der 1970er Jahre in anderen europ\u00e4ischen Staaten Struktur / Repr\u00e4sentanz In der Regel keine festen Strukturen; eine Ausnahme bilden die Hammerskins mit einem festen hierarchischen Aufbau Mitglieder / Anh\u00e4nger / 1.350 Anh\u00e4nger Unterst\u00fctzer 2015 Ver\u00f6ffentlichungen Publikationen: sogenannte Fanzines mit Artikeln zur \u00fcberwiegend subkulturell gepr\u00e4gten Skinhead-Musik-Szene, Interviews und Konzertberichten; CD Ver\u00f6ffentlichungen Web-Angebote: Bekanntmachungen von Konzerten \u00fcber bestimme Foren; Ver\u00f6ffentlichungen von Videos Kurzportrait / Ziele Der subkulturell gepr\u00e4gte Rechtsextremismus definiert sich haupts\u00e4chlich \u00fcber eine spezifische Musik und den damit zusammenh\u00e4ngenden Lebensstil. Es geht darum, eine Erlebniswelt mit gemeinsamen Freizeitaktivit\u00e4ten wie Musikveranstaltungen zu schaffen, in der die Ideologie nur eine nachrangige Rolle spielt. Subkulturell gepr\u00e4gte Rechtsextremisten vertreten oftmals rassistische, fremdenfeindliche, nationalistische und antisemitische Positionen. Zudem bef\u00fcrworten sie Gewalt gegen als minderwertig angesehene Menschen. Rechtsextremistische Skinheads bilden immer noch die wichtigste rechtsextremistisch gepr\u00e4gte Subkultur. \u00c4u\u00dferlichkeiten wie Dresscode oder Haarschnitt lassen heutzutage kaum noch eindeutige Zuordnung zur rechtsextremistischen Skinhead-Szene zu. Einerseits gibt es weitgehend unpolitische Jugendliche, die ein vermeintlich Skinhead-typisches Aussehen zeigen, ohne dem rechtsextremistischen Teil der Szene anzugeh\u00f6ren. Andererseits verlieren die altbekannten Erscheinungsbilder seit einigen Jahren immer mehr an Bedeutung. Insbesondere f\u00fcr den rechtsextremistischen Teil der Skinhead-Szene ist es im Alltag 100 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","einfacher, nicht durch offensichtliches Tragen von einschl\u00e4gig bekannten Zeichen oder Haarschnitten eine politische Zuordnung zu erm\u00f6glichen. Finanzierung Rechtsextremistische Bands versuchen sich \u00fcber CD Verk\u00e4ufe, Merchandise sowie die Organisation und Durchf\u00fchrung von Musikveranstaltungen zu finanzieren. H\u00e4ufig wird jedoch maximal eine kostendeckende Durchf\u00fchrung von Konzerten erreicht. Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Subkulturell gepr\u00e4gte Rechtsextremisten vertreten rassistische, fremdenfeindliche, nationalistische und antisemitische Positionen gepaart mit einem hohen Gewaltpotential. Musik spielt hier eine herausragende Rolle zur Selbstvergewisserung, Politisierung und Rekrutierung der Szene. Deswegen gilt ein besonderes Interesse Bands, CDs und Konzerten. Gerade rechtsextremistische Musikveranstaltungen gehen oftmals mit menschenverachtenden und demokratiefeindlichen Liedtexten sowie positiven Bez\u00fcgen zum Nationalsozialismus, wie dem Zeigen des \"HitlerGru\u00dfes\", einher. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Die wichtigsten international t\u00e4tigen Skinhead-Organisationen, die Konzerte veranstalten, sind Blood and Honour und die Hammerskins. W\u00e4hrend sie fr\u00fcher miteinander konkurrierten, haben sie sich in den letzten Jahren zunehmend angen\u00e4hert und kooperieren punktuell bei Veranstaltungen miteinander. Rechtsextremistische Musik hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten in verschiedene Musikstile ausdifferenziert. Zu den g\u00e4ngigsten Stilrichtungen z\u00e4hlen \"Rechtsrock\", der seinen Ursprung in der Skinhead-Szene hat, Balladen, \"National Socialist Black Metal\" und der in letzter Zeit aufgekommene \"Nationale Rap\". Weiterhin bleibt \"Skinheadoder Rechtsrock\" die bedeutendste Stilrichtung. Diese zeichnet sich durch hart gespielte Gitarrenakkorde, lauten - nahezu geschrienen - Gesang und eine aggressive Grundstimmung aus. Aus Nordrhein-Westfalen sind unter anderem die Bands Oidoxie und Sleipnir seit mehreren Jahren aktiv und verf\u00fcgen \u00fcber eine \u00fcberregionale Szeneprominenz im Bereich Rechtsrock. Mit Makss Damage stammt einer der bekanntesten \"Nationalistischen Rapper\" aus Nordrhein-Westfalen. Letzterer ver\u00f6ffentlichte 2015 eine neue CD mit dem Titel \"2033\". Der RechtsextRemismus 101 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Ausz\u00fcge aus Facebook und YouTube von Makss Damage Titel ist als Anspielung auf das Jahr der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 zu verstehen. Der Musiker verherrlicht in seinen Liedern den Nationalsozialismus, verbreitete antisemitische und fremdenfeindliche Hetze und ruft zu Gewalt auf. So hei\u00dft es in dem Lied \"Blitzende Z\u00e4hne\": \"Soldaten: Macht euch bereit! Die Reconquista ruft. Ich schaue raus, sende den Kirchturm in der Ferne. Drum herum nur Moscheen, 102 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","sie kommen immer n\u00e4her. Sehe den Halbmond, wie er unsere Fahne frisst, ich sehe die Polizei, wie sie sich ganz smart verpisst. Das muss ein Witz sein, aber es ist die Realit\u00e4t. Es ist an der Zeit f\u00fcr uns unsere Schl\u00e4ger zu nehmen und sie blau zu hauen, wie das Sega-Emblem. Nicht mehr auf den Staat zu vertrauen, wie in den letzten Jahrzehnten. Sie haben zu viele von uns abgeschlachtet, und abgestochen und abgepasst und zusammen geschlagen, wie einen Punching-Sack. [...] Sie waren pl\u00f6tzlich hier und kamen nicht um zu gehen. Es war ein von langer Hand geplantes Unternehmen. Aber sie haben zu viele von uns umgelegt, Es wird Zeit diesen bluten Spie\u00df umzudrehen! Wen wollt ihr z\u00e4hmen, ihr \u00e4ngstlichen Wesen? Wir sind W\u00f6lfe mit blitzenden Z\u00e4hnen! Und wir spitzen die Speere, ritzen die Runen in die Maschinengewehre.[...]\" Um Sicherheitsund Ordnungsbeh\u00f6rden keine Gelegenheit zu geben, Konzerte zu verbieten oder einzuschr\u00e4nken, organisieren die Veranstalter die Konzerte konspirativ. Diese Vorgehensweise dient der Szene auch als Erkennungsmerkmal und weckt die Neugier und Abenteuerlust. Den Reiz der Veranstaltungen machen - neben der Musik - das Treffen Gleichgesinnter, der Konsum von Alkohol und das Zeigen rechtsextremistischer Symbolik sowie Slogans aus. Der besondere Reiz, gerade f\u00fcr jugendliche Teilnehmer, die gegebenenfalls in die Szene eingef\u00fchrt werden, liegt \u00fcblicherweise darin, etwas Verbotenes oder sozial Unerw\u00fcnschtes zu erleben. Dar\u00fcber hinaus besteht auf solchen Konzertveranstaltung die Gelegenheit, CDs und sonstige Merchandise-Artikel k\u00e4uflich zu erwerben, teilweise sogar indizierte Artikel. Im Unterschied zu den meist rocklastigen, gr\u00f6\u00dferen Konzerten dienen Balladenoder Liederabende dazu, einen eher kleineren Teilnehmerkreis anzusprechen. Dabei spielt meistens ein S\u00e4nger mit Gitarre \u00fcberwiegend ruhige St\u00fccke. H\u00e4ufig werden solche Veranstaltungen von Parteiverb\u00e4nden oder Freien Kameradschaften mit dem Ziel organisiert und durchgef\u00fchrt, das Gemeinschaftsgef\u00fchl zu st\u00e4rken. Im Jahr 2015 wurden in Nordrhein-Westfalen insgesamt ein Konzert, f\u00fcnf Liederbeziehungsweise Balladenabende und acht sonstige rechtsextremistische Veranstaltungen mit Livemusik festgestellt. Zu den sonstigen Veranstaltungen z\u00e4hlen zum Beispiel parteiinterne Feiern oder Geburtstagsfeiern, bei denen die Musik im Vordergrund steht. Die Anzahl der festgestellten RechtsextRemismus 103 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Musikveranstaltungen ist im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben. Als Veranstalter dieser Musikveranstaltungen fungierten Parteiverb\u00e4nde sowie \u00fcberwiegend Privatpersonen. In der Regel nahmen nicht mehr als 100 Personen teil. Eine Ausnahme hinsichtlich der Teilnehmerzahl stellt die Veranstaltung der Partei Die Rechte am 28. M\u00e4rz 2015 in Dortmund dar, an der zwischenzeitlich bis zu 1.000 Personen teilnahmen. Die Veranstaltung meldeten der Kreisverband Dortmund sowie der Bundesverband als Aufzug mit Schlusskundgebung und Musikdarbietungen an. Die urspr\u00fcngliche Planung der Veranstalter lief darauf hinaus, nach der Demonstration ein Konzert zu veranstalten. Allerdings erlie\u00df das Polizeipr\u00e4sidium Dortmund als zust\u00e4ndige Versammlungsbeh\u00f6rde die Auflage, dass im 15min\u00fctigen Wechsel sich Musik und Wortbeitr\u00e4ge abwechseln m\u00fcssen, um dem Charakter einer politischen Versammlung gerecht zu werden. Die zahlreichen Redebeitr\u00e4ge, die zum Teil die Zuschauer langweilten, beeintr\u00e4chtigten den beabsichtigten Eventcharakter. Im Zuge dessen verlie\u00dfen fortw\u00e4hrend Rechtsextremisten die Veranstaltung. Als Hauptband trat die Die Lunikoff Verschw\u00f6rung auf. Der S\u00e4nger genie\u00dft in der militanten Neonazi-Szene Kultstatus, nachdem das Kammergericht Berlin ihn und seine ehemalige Band Landser 2003 als kriminelle Vereinigung verurteilte. In Dortmund sang die Band unter anderem das Lied \"Der deutsche Sturm\". Im Refrain wird die aggressiv-k\u00e4mpferische Haltung der Band gegen die Demokratie deutlich: \"Wir lieben unser Land, aber wir hassen diesen Staat. Wir werden sie noch aufgehen sehn, unsere Saat. Und dann gibt es keine Gnade, unser Hass ist viel zu gro\u00df. Ihre D\u00e4mme werden brechen und der deutsche Sturm bricht los. Sturm bricht los! \" Rechtsextremisten aus Nordrhein-Westfalen nehmen als Musiker und als Besucher auch an Musikveranstaltungen in anderen L\u00e4ndern teil. Beispielsweise spielte Sleipnir im November 2015 auf einem Rechtsrockfestival, das laut Werbeflyer in \"Mitteldeutschland\" stattfand. Da zahlreiche Nachbarstaaten rechtsextremistische Konzerte nicht verbieten, weichen Besucher und Bands oftmals auf Veranstaltungen im europ\u00e4ischen Ausland aus. F\u00fcr den 5. Dezember 2015 k\u00fcndigten Makss Damage und die rechtsextremistische Band Kategorie C ein gemeinsames Konzert in der Region \"Ruhrpott West\" an. Tats\u00e4chlich fand das Konzert dann in den Niederlanden statt. Ein internationales Rechtsrock-Festival, das auch deutsche Rechtsextremisten besuchten, veranstaltete die skandinavische C 18/Blood & Honour-Sektion am 28. November 2015 in Schweden. Rechtsextremistische Tontr\u00e4ger und Devotionalien werden auf vielf\u00e4ltige Weise vertrieben. Neben Verkaufsst\u00e4nden bei Veranstaltungen und Szenel\u00e4den erfolgt der Handel \u00fcberwiegend \u00fcber das Internet. Wirtschaftliche Interessen sind nach wie vor eine wichtige Motivation bei der Vermarktung von rechtsextremistischer Musik und Szene-Artikeln. Viele Inhaber rechtsextremistischer Musik-Vertriebe bestreiten ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Szene-Produkten oder betrachten den Handel als einen lukrativen Nebenverdienst. Einige Vertriebe geben an, die Szene mit einem Teil ihrer Verkaufserl\u00f6se zu unterst\u00fctzen. Damit versuchen sie sich als integraler Bestandteil der Szene darzustellen und den K\u00e4ufern das Gef\u00fchl zu vermitteln, dass sie mit 104 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","ihrem Kauf gleichzeitig die Bewegung unterst\u00fctzen. Neben der Hoffnung auf einen guten Ruf als F\u00f6rderer der Szene d\u00fcrfte auch die Hoffnung auf eine Erweiterung des Kundenkreises und somit kommerzieller Erfolg eine Rolle spielen. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Subkulturen unterliegen einem st\u00e4ndigen Wandel. Die rechtsextremistische Skinhead-Szene befindet sich seit Jahren im Abschwung. Sie gilt bei immer mehr Jugendlichen als \u00fcberholte und unattraktive Jugendkultur. Zugleich machen andere rechtsextremistische Subkulturen, in Nordrhein-Westfalen vor allem die Autonomen Nationalisten, den Skinheads erfolgreich Konkurrenz. Insofern bleibt der Nachwuchs aus. Zudem verlassen immer wieder \u00e4ltere Protagonisten die Skinhead-Szene. Diese legen zwar nicht umgehend ihre rechtsextremistischen Einstellungen ab, trotzdem verliert die rechtsextremistische Skinhead-Szene damit ihre Gr\u00f6\u00dfe und ihren inneren Zusammenhalt. Daf\u00fcr spricht auch die seit mehreren Jahren festzustellende Organisationsschw\u00e4che. Allein gelegentliche Konzerte in Nordrhein-Westfalen und in angrenzenden L\u00e4ndern beziehungsweise im angrenzenden Ausland schaffen Events, an denen sich die Szene ihrer selbst vergewissert. Rechtsextremistische Musik ist zum einen ein Ausdrucksmittel einer Subkultur, die sich f\u00fcr Menschenverachtung und Demokratiefeindschaft ausspricht. Zum anderen ist sie ein effektives Mittel rechtsextremistischer Strategen, ihre Propaganda Jugendlichen und jungen Erwachsenen nahe zu bringen. Des Weiteren ist rechtsextremistische Musik ein kommerzielles Gesch\u00e4ft, an dem Bands, Konzertveranstalter und Vertriebe verdienen. Mit der Modernisierung der Erscheinungsformen des Rechtsextremismus hat sich auch deren Musik gewandelt. Die Vielfalt an Musikstilen hat zugenommen. Dies beinhaltete sogar ideologisch widerspr\u00fcchlich erscheinende Entwicklungen wie \"Nationaler Rap\". Ebenso ist in der rechtsextremistischen Musik-Szene inzwischen ein Wandel und zunehmende Vielfalt der Cover-\u00c4sthetik und der Selbstpr\u00e4sentation der Musiker festzustellen. Durch die digitale Revolution der letzten 20 Jahre haben sich die Vertriebsbedingungen f\u00fcr rechtsextremistische Musikst\u00fccke enorm verbessert und es ist nunmehr m\u00f6glich, nahezu jederzeit und an jedem Ort solche Musik downzuloaden. Eine in Nordrhein-Westfalen neue Strategie praktiziert die Partei Die Rechte. Diese versucht den Parteistatus zu nutzen, um wie am 28. M\u00e4rz 2015 in Dortmund eine erlebnisorientierte Veranstaltung inklusive Konzert zu veranstalten. Hierbei verbindet sie gemeinschaftliches Freizeitangebot, politische Indoktrination und Spa\u00df miteinander, damit sie m\u00f6glichst viele Interessenten anspricht und zur Teilnahme animiert. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_subkrex RechtsextRemismus 105 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Rechtsextremismus im Internet Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Bedeutung Das Internet ist das wichtigste Medium f\u00fcr Rechtextremisten. Es existieren fast 1.000 Webseiten deutscher Rechtsextremisten im World Wide Web. Noch bedeutender sind inzwischen Soziale Netzwerke wie Facebook, Videoplattformen wie YouTube und Informationsdienste wie Twitter oder Blogs. Das Internet dient dabei der internen Vernetzung und Mobilisierung der rechtsextremistischen Szene, der Verbreitung von Propaganda und dem kommerziellen Vertrieb von Szene-Produkten. Rechtsextremisten nutzen das Internet auch dazu, deutsche Strafgesetze zu umgehen, indem sie strafbare Inhalte, wie zum Beispiel die Leugnung des Holocausts oder Volksverhetzung anonym \u00fcber ausl\u00e4ndische Server ver\u00f6ffentlichen. Jugendliche und junge Erwachsene sind die wichtigste Zielgruppe rechtsextremistischer Aktivit\u00e4ten im Internet. Vor allem die Sozialen Netzwerke werden f\u00fcr die Ansprache von Jugendlichen genutzt. Mit multimedialen Mitteln, wie etwa Videos oder auch Bildern und Grafiken, versuchen Rechtsextremisten Interesse zu wecken. Dabei bem\u00fchen sich Rechtsextremisten um ein modernes Erscheinungsbild. So ist Rassismus nicht immer auf Anhieb zu erkennen und herk\u00f6mmliche rechtsextremistische Symbolik werden teilweise vermieden. Mit Hilfe des Internets propagieren und initiieren Rechtsextremisten jugendnahe Aktionsformen wie Flashmobs, die zu einem vermeintlich modernen und subversiven Image beitragen sollen. Einige rechtsextremistische Aktivit\u00e4ten erhalten erst durch ihre mediale Inszenierung ihre Attraktivit\u00e4t. So ver\u00f6ffentlichten Rechtsextremisten am 9. Mai 2015 ein Video, in dem sie mit Fackeln der Niederlage des Dritten Reiches am 8. Mai 1945 gedachten und das durch schnelle Schnittfolgen, Kameraschwenks und musikalischer Untermalung einem Musikclip gleicht. Mainstreaming oder Szeneorientierung? Gerade durch Facebook gelingt es rechtsextremistischen \"Strategen\", ihre Propaganda in der Mitte der Gesellschaft zu verbreiten. So erreichen rechtsextremistische Parteien mit ihren Profilen weit mehr Menschen als nur die eigenen Mitglieder. Der NPD-Landesverband NRW hat beispielsweise circa 600 Mitglieder, wohingegen jedoch \u00fcber 7.600 Nutzer das Facebook-Profil 106 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","/geliked/ haben. Ende 2015 l\u00f6schte Facebook mehrfach rechtsextremistische Profile unter anderem wegen der Verbreitung von sogenannter /Hate Speech/, die auf die Herabsetzung und Verunglimpfung bestimmter Personen oder Personengruppen abzielte. So verk\u00fcndete der stellvertretende Landesvorsitzende von Pro NRW Dominik Roeseler am 9. November 2015, dass Facebook sein Profil zum 17. Mal innerhalb von drei Jahren gel\u00f6scht habe. Mitte Januar 2016 l\u00f6schte Facebook fast alle Profile der Kreisverb\u00e4nde von Die Rechte in Nordrhein-Westen. Angesichts dessen diskutiert die rechtsextremistische Szene seit l\u00e4ngerem dar\u00fcber, ob man auf andere soziale Netzwerke wie vk.com oder Fumano ausweichen solle, die bislang keine Profile l\u00f6schen. In der Vergangenheit hatte sich aber gezeigt, dass dem Wechsel in andere soziale Netzwerke nur wenige Nutzer folgen und man somit seine Breitenwirkung verliert. Dennis Giemsch, Landesvorsitzender von Die Rechte, res\u00fcmiert am 31. August 2015 das Dilemma folgenderma\u00dfen: \"Ich pers\u00f6nlich mag Facebook nicht sonderlich. Ich sehe zwar den Nutzen eines sozialen Netzwerkes f\u00fcr die politische Arbeit, jedoch auch die Gefahren, die sich durch eine automatisierte Auswertbarkeit der gesammelten Daten ergeben kann (sic!). Darum habe ich im M\u00e4rz Facebook den R\u00fccken gekehrt und werde es privat nicht mehr nutzen. Totzdem (sic!) zieht es immer mehr Menschen zu Facebook und wenn man diese Menschen erreichen m\u00f6chte, dann muss man sie leider dort abholen, wo sie sich gerade befinden.\" Derzeit scheint es darauf hinaufzulaufen, dass die rechtsextremistische Szene beide Optionen im Blick beh\u00e4lt. So m\u00e4\u00dfigen rechtsextremistische Organisationen sich in ihrer Propaganda und Bilder aus einem Musikvideo vom Fackelzug zum Andenken an den 8. Mai 1945 RechtsextRemismus 107 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","unterlassen positive Bez\u00fcge auf den Nationalsozialismus sowie Gewaltaufrufe bei Angeboten, die auf die Mitte der Gesellschaft abzielen und bei denen sie auf die reichweitenstarken Sozialen Netzwerke angewiesen sind. In geschlossenen Gruppen und Foren sowie in wenig frequentierten Sozialen Netzwerken zumeist ausl\u00e4ndischer Provider versammeln sich hingegen bereits \u00fcberzeugte Rechtsextremisten und teilen ohne Zur\u00fcckhaltung ihre ideologischen Ansichten. Rechtsextremistische Hetze gegen Fl\u00fcchtlinge im Internet Rechtsextremistische Hetze gegen Fl\u00fcchtlinge im Internet nahm im Jahr 2015 deutlich zu. Eine aggressive Agitation gegen Fl\u00fcchtlinge ist Konsens im ansonsten heterogenen rechtsextremistischen Spektrum und das Topthema der rechtsextremistischen Propaganda. Die rechtsextremistischen Organisationen ver\u00f6ffentlichen auf ihren Webseiten und Profilen fortw\u00e4hrend negative und herabw\u00fcrdigende Berichte \u00fcber Fl\u00fcchtlinge. Dabei bem\u00fchen sie sich unter der Grenze der Strafbarkeit zu bleiben. Ein besonders perfides Mittel sind interaktive Landkarten, auf denen die Standorte beziehungsweise geplanten Standorte von Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften verzeichnet sind. Dabei werden Nutzer aufgefordert, ihre Erkenntnisse \u00fcber Unterk\u00fcnfte mitzuteilen. Diese Form der pr\u00e4zisen Standort-Ver\u00f6ffentlichungen kann - in Zusammenhang mit dem suggerierten Bedrohungsszenario einer vermeintlichen \"\u00dcberfremdung\" - durchaus als subtile Aufforderung zu \"Gegenma\u00dfnahmen\" verstanden. Eine neue Entwicklung ist, dass Nutzer insbesondere bei regionalen Facebook-Profilen gef\u00e4lschte Meldungen - sogenannte \"Hoax\" - \u00fcber erfundene Straftaten von Fl\u00fcchtlingen verbreiten. Dies dient allein dazu, Fl\u00fcchtlinge pauschal als kriminell zu diskreditieren. Ein weiteres neues Ph\u00e4nomen ist, das Personen auch unter ihrem Klarnamen gegen Fl\u00fcchtlinge hetzen. Dies deutet daraufhin, dass der Diskurs auch in Teilen der Gesellschaft zunehmend verroht. Die Angst und Ablehnung sch\u00fcrende Agitation der rechtsextremistischen Organisationen d\u00fcrfte eine katalytische Wirkung auf Nutzer haben, die sich volksverhetzend \u00e4u\u00dfern oder gar zu Straftaten aufrufen. Um zu vermeiden, dass Facebook ihre Profile l\u00f6scht, kontrollieren die Be108 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","treiber der Profile die Kommentare und l\u00f6schen oftmals solche, die vermeintlich die Grenze zur Strafbarkeit \u00fcberschreiten. Ungeachtet dessen findet man unter fl\u00fcchtlingsfeindlichen Beitr\u00e4gen immer wieder vermeintlich strafbare \u00c4u\u00dferungen. So verlinkte Pegida NRW auf Facebook am 31. Juli 2015 einen Beitrag, wonach rund 100 Fl\u00fcchtlinge auf einer Autobahn ausgesetzt worden seien. Ein Kommentator schrieb dazu: \"Auf keinen Fall bremsen.\" Wenige Minuten sp\u00e4ter griff ein weiterer Kommentar dies mit den Worten auf \"ich bin fuers Tempo erhoehen. (sic!)\" Als Pro NRW am 25. Juli 2015 eine Karte mit den Standorten von Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften ver\u00f6ffentlichte, kommentierte dies ein Nutzer folgenderma\u00dfen: \"Viele, auch bekannte Leute haben schon den Einsatz von Drohnen gefordert!!!!!!!! DA IST DER PLAN !!! Am besten alle zur gleichen Zeit!!!!! Auch gibt es Bastler die sich bestimmt was einfallen lassen wie man dieser Plage Herr werden koennen. (sic!)\" Auch auf YouTube wird die Kommentarfunktion genutzt, um unter rechtsextremistischen Videos ein Forum f\u00fcr menschenverachtende Hetze zu er\u00f6ffnen. Beispielsweise ver\u00f6ffentlichte der rechtsextremistische Rapper Makss Damage am 15. November 2015 ein Video, in dem er die islamistischen Anschl\u00e4ge in Paris als Beginn eines Rassenkrieges in Europa deutete. Als eine Kommentatorin dagegen argumentierte, wurde ihr entgegnet mit den S\u00e4tzen: \"halt du lieber mal deine fresse sonst vergewaltigen dich noch die rechten heil hitler du dreckige linke schlampe! in arabischen L\u00e4ndern leben nur affen also sollte man sie auch so t\u00f6ten! die einzigsten menschen sind Christen und Juden! Muslime werden jetzt das gleiche erleben wie die Juden fr\u00fcher was eigentlich falsch war es h\u00e4tte damals schon die Muslime treffen sollen! Demokratie ist nun weg Nationalsozialismus kommt nun wieder! Es ist nun soweit!\" RechtsextRemismus 109 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Bewertung, Tendenzen, Ausblick Durch das Internet kann jedermann mit Hilfe von Profilen oder Kommentaren eine gr\u00f6\u00dfere \u00d6ffentlichkeit erreichen, als dies vor zwanzig Jahren durch Printprodukte m\u00f6glich war. Zudem kann man sich im Internet leicht der Verantwortung f\u00fcr seine \u00c4u\u00dferungen entziehen. Insofern haben sich die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr menschenverachtende Hetze vervielfacht, bei gleichzeitig sehr niedrigen Zugangsh\u00fcrden und nur einer geringen Gefahr, strafrechtlich verfolgt zu werden oder aus der Anonymit\u00e4t heraustreten zu m\u00fcssen. Zudem kann die Zustimmung anderer Nutzer zu Hetzbeitr\u00e4gen wie ein virtueller Applaus wirken, der dazu f\u00fchrt, dass die eigene fremdenfeindliche Ideologie verst\u00e4rkt wird und zu Aktionen in der realen Welt f\u00fchrt. Auch zuk\u00fcnftig bleibt deshalb das Internet das wichtigste Medium f\u00fcr rechtsextremistische Propaganda und wird von den Sicherheitsbeh\u00f6rden intensiv beobachtet. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_rechtewww 110 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Linksextremismus Linksextremismus 111 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Linksextremismus 111 Zusammenschl\u00fcsse innerhalb der Partei DIE LINKE ......................................................... 114 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) ............................................................................ 116 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) ..................................................... 122 Autonome Linksextremisten ............................................................................................... 128 Linksextremistische Parteien und Gruppierungen stellen eine Gefahr f\u00fcr die demokratische Gesellschaft dar, weil sie sich zum Ziel gesetzt haben, die freiheitliche demokratische Grundordnung revolution\u00e4r zu \u00fcberwinden und \u00fcber eine sozialistische beziehungsweise kommunistische oder eine anarchistische Gesellschaftsform eine vermeintlich herrschaftsfreie Ordnung herbeizuf\u00fchren. Linksextremisten streben somit die \u00dcberwindung der durch das Grundgesetz vorgegebenen Staatsund Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland an hin zu der Utopie einer klassenlosen Ordnung und eines herrschaftsfreien Zusammenlebens. Linksextremistische Ideologien gehen vom Prinzip menschlicher Gleichheit aus, die \u00fcber die individuelle Freiheit gestellt wird. Die meisten Linken verstehen sich als Internationalisten und sehen in der Arbeiterklasse das historische revolution\u00e4re Subjekt. Allerdings stellen auch Marxisten zunehmend die Frage, ob das Proletariat der ihm zugedachten Rolle als Tr\u00e4ger der Revolution \u00fcberhaupt noch gerecht werden kann. Grundlage der politischen Arbeit eines jeden Linksextremisten ist seine antifaschistische, antirassistische und antiimperialistische Grundhaltung, wobei das b\u00fcrgerlich-kapitalistische System f\u00fcr die Ursachen verantwortlich gemacht wird. Zu den Beobachtungsobjekten des Verfassungsschutzes in Nordrhein-Westfalen z\u00e4hlen im Bereich Linksextremismus die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) und die MarxistischLeninistische Partei Deutschlands (MLPD). Des Weiteren stehen die linksautonome Szene in Nordrhein-Westfalen sowie einzelne Zusammenschl\u00fcsse innerhalb der Partei DIE LINKE unter Beobachtung, w\u00e4hrend die Partei selbst vom Verfassungsschutz nicht beobachtet wird. Sie l\u00e4sst 112 Linksextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","allerdings innerparteilich auch im Jahr 2015 Zusammenschl\u00fcsse zu und f\u00f6rdert diese teilweise sogar, bei denen entweder Anhaltspunkte f\u00fcr eine linksextremistische Bestrebung vorliegen oder zumindest den Verdacht begr\u00fcnden. Es handelt sich dabei um die Zusammenschl\u00fcsse \"Antikapitalistische Linke (AKL)\", Kommunistische Plattform (KPF) sowie ihren Jugendverband Linksjugend ['solid]. Diesen Zusammenschl\u00fcssen und auch der Linksjugend ['solid] ist gemeinsam - wenn auch in unterschiedlicher Auspr\u00e4gung - das Streben nach der \u00dcberwindung des \"kapitalistischen Systems\" und die Forderung nach einer sozialistischen Staats-, Gesellschaftsund Wirtschaftsordnung in Deutschland, die mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung nicht zu vereinbaren ist. Auch im Jahr 2015 blieben DKP und MLPD wahlpolitisch weiterhin bedeutungslos. Wichtiger als Wahlen ist f\u00fcr die Partei DKP die Arbeit in der \"au\u00dferparlamentarischen Opposition\", das bedeutet, dass die Gewerkschaftsund Betriebsarbeit sowie in B\u00fcndnissen bei Demonstrationen im Mittelpunkt stehen. Stagnation der Mitgliederzahl, \u00dcberalterung und mangelnde Organisationsdichte sind die gro\u00dfen Probleme der DKP. Um diesen Entwicklungen zu begegnen, wurde 2015 mit Gro\u00dfveranstaltungen wie das \"Festival der Jugend\" im Mai in K\u00f6ln versucht, \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit zu erlangen. Die MLPD verlagerte ihren gesellschaftlichen Fokus auf den internationalen Bereich: Sie unterst\u00fctzt den Wiederaufbau der zerst\u00f6rten kurdischen Stadt Kobane in Rojava in Westsyrien auf der Basis eines Solidarit\u00e4tspakts mit dem kurdischen Befreiungskampf, den die MLPD als Mitglied der \"ICOR (Internationale Koordination revolution\u00e4rer Parteien und Organisationen)\" im April offiziell abgeschlossen hatte. Durch Spendenaktionen und Sammlungen von medizinischen Hilfsg\u00fctern und Arbeitsmaterialien wurde das Ziel, ein Gesundheitszentrum in Kobane aufzubauen, mit Nachdruck verfolgt und alle Partei-, Vorfeldund Nebenorganisationen wurden einbezogen. Im Unterschied zu linksextremistischen Parteien und Gruppierungen stellt die linksautonome Szene auch im Jahr 2015 eine heterogene, alternative Mischszene dar, deren gemeinsame ideologische Basis fundamental-anarchistische und kommunistische Theoriefragmente bilden. Die Szene ist insgesamt eher weniger ideologiefixiert als aktionsorientiert. Der Mangel an verbindlicher Zielsetzung wird \u00fcber das Erlebnis identit\u00e4tsstiftender, gemeinsamer politischer Protestaktivit\u00e4ten zu den Themen wie Antifaschismus, Antirassismus, Antikapitalismus oder Antigentrifizierung ausgeglichen. Gewalt ist dabei ein grunds\u00e4tzlich akzeptiertes Mittel im Kampf gegen den Staat und andere politische Gegner. Die Namen und Bezeichnungen von Organisationen, Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten, bei denen zumindest gewichtige Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht f\u00fcr die in SS 3 Abs. 1 VSG NRW beschriebenen Merkmale vorliegen, sind zwischen den Zeichen \" und \" eingefasst. Linksextremismus 113 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Zusammenschl\u00fcsse innerhalb der Partei DIE LINKE Sitz / Verbreitung \"Antikapitalistische Linke (AKL)\" Sitz: Berlin marx21 Sitz: Berlin; Unterst\u00fctzergruppe in Nordrhein-Westfalen: Duisburg Kommunistische Plattform (KPF) Sitz: Berlin Linksjugend ['solid] Bundesverband: Berlin Landesverband: D\u00fcsseldorf und Essen Gr\u00fcndung / Bestehen seit \"Antikapitalistische Linke (AKL)\": 2006 marx21: 2007 Kommunistische Plattform (KPF): 1995 Linksjugend ['solid]: 1999 Struktur / Repr\u00e4sentanz \"AKL\", marx21 und KPF sind Zusammenschl\u00fcsse beziehungsweise Teile der Partei DIE LINKE, die im Bundestag, in Landtagen und bundesweit in kommunalen Gremien vertreten ist. \"Antikapitalistische Linke (AKL)\": zun\u00e4chst Str\u00f6mung, seit 2013 anerkannter Zusammenschluss innerhalb der Partei DIE LINKE; sechs Bundessprecherinnen und ein L\u00e4nderrat, in dem Delegierte aus jedem Bundesland sowie die sympathisierenden Parteivorstandsmitglieder vertreten sind. marx21: trotzkistisches Netzwerk innerhalb des Zusammenschlusses \"Sozialistische Linke\" in der Partei DIE LINKE; lokale \"Unterst\u00fctzergruppen\" in den Bundesl\u00e4ndern. Kommunistische Plattform (KPF): offen t\u00e4tiger Zusammenschluss von Kommunistinnen und Kommunisten in der Partei DIE LINKE. Linksjugend ['solid]: Jugendorganisation der Partei DIE LINKE mit Bundesgesch\u00e4ftsstelle, Bundessprechern und Landesverb\u00e4nden. 114 Linksextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Mitglieder / Anh\u00e4nger / \"Antikapitalistische Linke (AKL)\": Bund: circa 470 Unterst\u00fctzer 2015 marx21: nicht bekannt; Kommunistische Plattform (KPF): circa 1.200 Linksjugend ['solid]: Bund: 3.150 aktiv / 9.500 passiv Ver\u00f6ffentlichungen \"Antikapitalistische Linke (AKL)\": antikapitalistische-linke.de; marx21: marx21.de sowie das Magazin \"marx21\" (f\u00fcnfmal j\u00e4hrlich) Kommunistische Plattform (KPF): die-linke.de/partei/ zusammenschluesse/kommunistische-plattform-der-partei-die-linke und \"Mitteilungen der Kommunistischen Plattform der Partei DIE LINKE\" (monatlich) Linksjugend ['solid]: Bund: linksjugend-solid.de; NRW: linksjugend-solid-nrw.de; zudem berichtet regelm\u00e4\u00dfig die Tageszeitung \"junge Welt (jW)\" auch \u00fcber die politischen Str\u00f6mungen innerhalb der Partei DIE LINKE. Kurzportrait / Ziele Gemeinsam ist - in unterschiedlicher dogmatischer Sch\u00e4rfe - diesen Zusammenschl\u00fcssen, dass nicht nur das \"kapitalistische System\" in der Bundesrepublik Deutschland \u00fcberwunden werden soll, sondern eine sozialistische Staats-, Gesellschaftsund Wirtschaftsordnung in Deutschland angestrebt wird, die mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung nicht mehr zu vereinbaren ist. Finanzierung Kommunistische Plattform (KPF): Mittel der Partei DIE LINKE und Spenden. Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Der \u00fcberwiegende Teil der Mitglieder der Partei DIE LINKE und wesentliche Teile der politischen Forderungen sind nicht als extremistisch anzusehen. Die Partei DIE LINKE l\u00e4sst allerdings innerparteilich Zusammenschl\u00fcsse zu und f\u00f6rdert diese teilweise sogar, bei denen entweder Anhaltspunkte f\u00fcr eine linksextremistische Bestrebung vorliegen oder zumindest den Verdacht begr\u00fcnden. Der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen beobachtet daher nicht die Partei DIE LINKE als Ganzes, sondern nur die linksextremistischen beziehungsweise die im Verdacht einer linksextremistischen Bestrebung stehenden Zusammenschl\u00fcsse in der Partei DIE LINKE. Dies sind die \"Antikapitalistische Linke (AKL)\", das trotzkistische Netzwerk marx 21, die Kommunistische Plattform (KPF) und die Linksjugend ['solid]. Linksextremismus 115 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Sitz / Verbreitung Sitz: Essen; bundesweite Verbreitung mit Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1968 Struktur / Repr\u00e4sentanz Bezirksverb\u00e4nde Rheinland-Westfalen und Ruhr-Westfalen, Kreisverb\u00e4nde Vorsitz: Patrick K\u00f6bele Ratsund Bezirksvertretungsmandate Jugendorganisation: Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Mitglieder / Anh\u00e4nger / Bund: rund 3.000 NRW: rund 800 Unterst\u00fctzer 2015 Ver\u00f6ffentlichungen Publikationen: UZ - Unsere Zeit (w\u00f6chentlich), Marxistische Bl\u00e4tter (theoretische Schriftenreihe) Web-Angebote: dkp.de, dkp-online.de, news.dkp.de Kurzportrait / Ziele Die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) ist neben der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) eine Kernorganisation des orthodox-kommunistischen Linksextremismus. Die Partei versteht sich als politische Nachfolgerin der 1956 vom Bundesverfassungsgericht verbotenen Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), bekennt sich als \"revolution\u00e4re Partei der Arbeiterklasse\" zum MarxismusLeninismus und strebt die revolution\u00e4re Umgestaltung der Gesellschaft an. Finanzierung \u00dcberwiegend durch Mitgliedsbeitr\u00e4ge und Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Nach Vorstellung der DKP soll die Arbeiterklasse als ma\u00dfgebende gesellschaftsver\u00e4ndernde Kraft durch einen klassenk\u00e4mpferisch-revolution\u00e4ren Akt die kapitalistischen Eigentumsund 116 Linksextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Machtverh\u00e4ltnisse, den Parlamentarismus und den politisch-gesellschaftlichen Pluralismus \u00fcberwinden. Gewaltanwendung wird dabei nicht ausgeschlossen. \u00dcber die Zwischenstufe des Sozialismus wird eine klassenlose kommunistische Gesellschaft angestrebt, in der alle wesentlichen gesellschaftlichen Gegens\u00e4tze, insbesondere der zwischen Kapital und Arbeit, aufgehoben sein sollen. Individualgrundrechte haben in diesem Konzept nur noch eine stark eingeschr\u00e4nkte Bedeutung. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Festival der Jugend vom 22. bis 25. Mai 2015 auf den Rheinwiesen in K\u00f6ln Nach drei Jahren richtete die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) wieder das \"Festival der Jugend\" in K\u00f6ln unter dem Motto: \"Make capitalism history - die Zukunft geh\u00f6rt uns\" aus. Nach Eigenangaben des Veranstalters erreichte das Festival bereits Dimensionen eines kommerziellen Musikfestivals mit 650 Dauercampern und 1.500 Besuchern, wobei betont wird, dass das politische Programm, an dem sich 29 politische Organisationen beteiligten, im Die SDAJ berichtet auf ihrer Homepage \u00fcber das \"Festival der Jugend\". Linksextremismus 117 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Vordergrund stand. Redakteure der Zeitschriften \"junge Welt (jW)\" und UZ - unsere Zeit nahmen aktiv an Podiumsdiskussionen teil. Dar\u00fcber hinaus beteiligte sich die DKP - mit dem Ziel der Nachwuchsarbeit - mit einem eigenen Stand und Programm am Festival. Themenschwerpunkte waren dabei der Ukrainekonflikt und die Vorbereitungen zu den Protesten gegen den G7-Gipfel am 7. und 8. Juni in Elmau. Bezirksdelegiertenkonferenzen Ruhr Westfalen und Rheinland Westfalen Im Vorfeld des 21. Parteitags im November in Frankfurt richteten die beiden Landesverb\u00e4nde Ruhr Westfalen und Rheinland Westfalen Bezirksdelegiertenkonferenzen aus, auf denen der Leitantragsentwurf des Parteivorstandes mehrheitlich unterst\u00fctzt wurde. Im Bezirk Rheinland Westfalen f\u00fchrte dies zur R\u00fccknahme einer weiteren Kandidatur des Vorsitzenden mit der Folge, dass ein vierk\u00f6pfiges Sprecher-Gremium den Vorsitz \u00fcbernahm. Leitantrag auf der Hompage der DKP 118 Linksextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Im Bezirk Ruhr Westfalen konnte f\u00fcr die Oberb\u00fcrgermeisterwahl in Essen am 13. September eine Kandidatin der DKP die erforderlichen Unterst\u00fctzerunterschriften erreichen und 0,5 Prozent Stimmenanteile gewinnen. 21. Parteitag am 14./15. November 2015 in Frankfurt am Main Im Vordergrund der innerparteilichen Auseinandersetzungen zwischen dem aktuellen revolution\u00e4r orientierten Parteivorstand und den reformorientierten Mitgliedern stand in 2015 die Vorbereitung des 21. Parteitages in Frankfurt am Main am 14. und 15. November 2015. Zur Diskussion wurde durch den Parteivorstand der Entwurf eines Leitantrags an den 21. Parteitag ver\u00f6ffentlicht. Der Entwurf beinhaltete eine deutliche Positionierung, eine marxistisch-leninistische Partei zu repr\u00e4sentieren. Damit stellte sich der Parteivorstand bewusst gegen den reformorientierten Teil der Partei und gegen sogenannte \"Mosaik-Linke\", denen Opportunismus und ideologische Inkoh\u00e4renz in Vertretung der Arbeiterklasse im Klassenkampf vorgeworfen wird. Im Ergebnis wurden der bisherige Parteivorsitzende und seine beiden Stellvertreter in ihren Funktionen best\u00e4tigt, w\u00e4hrend Parteimitglieder, die sich im Verein Marxistische Linke - \u00f6kologisch, emanzipatorisch, feministisch, integrativ (ML) organisiert haben und dem reformerischen Fl\u00fcgel zugeordnet werden k\u00f6nnen, von den Wahlen zum Parteivorstand ausgeschlossen wurden. Dazu z\u00e4hlen zwei ehemalige Parteivorsitzende und die bisherige stellvertretende Vorsitzende, die sich nicht zur Wiederwahl stellte. Der Leitantrag und die Handlungsorientierung wurden mehrheitlich best\u00e4tigt. Ein dritter Parteitag wurde f\u00fcr 2016 angek\u00fcndigt, um \u00fcber den Verbleib mit Beobachterstatus in der Europ\u00e4ischen Linken (EL) zu entscheiden. Deren Politik wird in Zusammenhang mit der Finanzkrise in Griechenland und der milit\u00e4rischen Krise in der Ukraine von der revolution\u00e4r ausgerichteten Spitze der Partei als nicht vereinbar mit der kommunistischen Ideologie eingestuft. Die sachliche Schwerpunktsetzung wurde in der Handlungsorientierung f\u00fcr die folgenden zwei Jahre auf die Friedenspolitik und den Antifaschismus gesetzt. Nachdem eine vorangegangene Spendensammlung die finanzielle Absicherung des traditionellen Pressefestes garantiert hat, wurde die Ausrichtung des 19. UZ-Pressefestes Anfang Juli 2016 und die Beteiligung an den Bundestagswahlen in 2017 beschlossen. Medien Der innerparteiliche Streit f\u00fchrte im Mai 2013 dazu, dass der Parteivorstand ein offizielles neues Nachrichtenportal der DKP im Internet news.dkp.de einrichtete, um sich von den \"reformerischen Abweichlern\" unter \"kommunisten.de\" abzugrenzen. Am zweiten Jahrestag wurde nun Linksextremismus 119 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","mitgeteilt, dass die Marke von zwei Millionen Klicks \u00fcberschritten wurde. Die Partei sieht sich dadurch best\u00e4rkt, als Meinungsfindungsund -f\u00f6rderungsinstitution eine hervorgehobene Rolle f\u00fcr die Arbeiterklasse zu spielen. Am 1. September 2015 (Weltfriedenstag) wurde die neue Internetpr\u00e4senz der Wochenzeitung Unsere Zeit unter unsere-zeit.de ver\u00f6ffentlicht. Dem \"mobilen, schnellen Zeitgeist\" entsprechend soll sie der Informationsweitergabe und dem Informationsaustausch zur Mobilisierung dienen. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die Best\u00e4tigung von Patrick K\u00f6bele als Vorsitzenden (131 von 166 Stimmen) unter gleichzeitigem Ausschluss der Mitglieder des Vereins Marxistische Linke bei den Wahlen zeigt auf, dass die Delegierten den kompromisslosen Kurs der traditionell-kommunistischen Partei st\u00fctzen. Facebook-Seite des Vereins Marxistische Linke 120 Linksextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Alleing\u00e4nge wie durch den Verein Marxistische Linke, der zu den Luxemburg-Liebknecht-Tagen in Berlin 2015 mit eigenen Veranstaltungen aufwartete, und das Kn\u00fcpfen internationaler Beziehungen ohne Absprache mit dem Parteivorstand werden nicht mehr toleriert. Angesichts der geringen Mitgliederzahl der DKP ein deutliches Zeichen f\u00fcr den demokratisch zentralistischen Aspekt einer kommunistischen Partei, die keine Abweichungen von Parteibeschl\u00fcssen duldet und den Verlust von Mitgliedern daf\u00fcr hinnimmt. In lokalen und \u00fcberregionalen B\u00fcndnissen (Refugees Welcome, Blockupy oder gegen das Freihandelsabkommen TTIP/CETA ) und durch die Besetzung der Themenfelder Antifaschismus und Friedenspolitik sucht die DKP gemeinsam mit der SDAJ weiterhin die \u00d6ffentlichkeit. Vor allem junge Menschen sollen so als Mitstreiter f\u00fcr die politische Alternative dem Sozialismus gewonnen werden. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_dkp Linksextremismus 121 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) Sitz / Verbreitung Gelsenkirchen; bundesweite Verbreitung mit Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1982 Struktur / Repr\u00e4sentanz Neben Nordrhein-Westfalen verf\u00fcgt die Partei in sechs weiteren Bundesl\u00e4ndern \u00fcber einen \"Landesverband\". Diese \"Landesverb\u00e4nde\" sind teilweise Bundesland-\u00fcbergreifend organisiert. Zahlreiche Gruppierungen mit nomineller Eigenst\u00e4ndigkeit dienen der Partei als struktureller Unterbau, darunter der \"Frauenverband Courage e.V.\" oder kommunale Wahlb\u00fcndnisse wie \"alternativ, unabh\u00e4ngig, fortschrittlich (AUF)\" und weitere. Vorsitz: Stefan Engel Mitglieder / Anh\u00e4nger / Bund: rund 1.800 NRW: rund 650 Unterst\u00fctzer 2015 Ver\u00f6ffentlichungen Publikationen: Rote Fahne (RF) (zwei pro Monat; Auflage ca. 7.500) Web-Angebote: umfangreiche Internetpr\u00e4senz mit Rote Fahne News als Online-Nachrichtenmagazin (rf-news.de); eigene TVNachrichtenportale im Internet im Aufbau Kurzportrait / Ziele Das gesamte Aktionspotenzial der MLPD fu\u00dft auf dem geschlossenen marxistisch-leninistischen Weltbild einer klassischen kommunistischen Kaderpartei. Dies zeigt sich auch in der dogmatisch unantastbaren Stellung des seit der Parteigr\u00fcndung amtierenden Vorsitzenden, Stefan Engel. In Nordrhein-Westfalen verf\u00fcgt die Partei \u00fcber einen Landesverband. Das Hauptaugenmerk ihrer politischen Arbeit legt die Partei neben der Frauenund Jugendpolitik vorwiegend auf die Betriebsund Gewerkschaftsarbeit sowie der Beteiligung an sozialen Protesten. Da sich die MLPD in einer fortdauernden Verfolgungssituation 122 Linksextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","durch den Staat und seine Organe w\u00e4hnt, agiert sie auf kommunaler Ebene verdeckt. Hier unterst\u00fctzt die Partei angeblich unabh\u00e4ngige Personenwahlb\u00fcndnisse mit der Bezeichnung \"AUF\" (f\u00fcr: \"alternativ, unabh\u00e4ngig, fortschrittlich\"), die jedoch zum Teil personell mit der MLPD verflochten sind. Finanzierung \u00dcberwiegend durch Mitgliedsbeitr\u00e4ge, Spenden und Einnahmen aus Verm\u00f6gen Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die 1982 aus dem Kommunistischen Arbeiterbund Deutschlands (KABD) hervorgegangene MLPD bekennt sich nach wie vor zu den Lehren von Marx, Engels, Stalin und Mao Tse Tung und verbindet nach eigener Aussage \"den Kampf um die Forderungen der Arbeiterund Volksbewegungen mit dem Ziel der internationalen sozialistischen Revolution\". Die Zielsetzungen der MLPD wie Revolution, Diktatur des Proletariats und Kommunismus sind durch eindeutig verfassungsfeindliche Aussagen gepr\u00e4gt. Bereits die Pr\u00e4ambel in den Parteistatuten verdeutlicht dies: \"Die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) versteht sich als politische Vorhutorganisation der Arbeiterklasse in Deutschland. Ihr grundlegendes Ziel ist der revolution\u00e4re Sturz der Diktatur des Monopolkapitals und die Errichtung der Diktatur des Proletariats f\u00fcr den Aufbau des Sozialismus als \u00dcbergangsstadium zur klassenlosen kommunistischen Gesellschaft.\" Die angestrebte Gesellschaftsordnung soll durch eine Revolution erreicht werden, in deren Verlauf sich die \"Arbeiterklasse unter F\u00fchrung ihrer Partei [Anm.: gemeint ist die MLPD] zum bewaffneten Aufstand erheben, [...] den b\u00fcrgerlichen Staatsapparat zerschlagen, [...] die Diktatur des Proletariats errichten und [...] gegen die Konterrevolution verteidigen\" m\u00fcsse. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Internationalismus - Solidarit\u00e4ts-Brigaden f\u00fcr Rojava Im Mittelpunkt der politischen Arbeit der MLPD stand in 2015 die Unterst\u00fctzung des Wiederaufbaus der kurdischen Stadt Kobane in Rojava in Westsyrien nach den Angriffen und der Belagerung durch die terroristische Organisation des sogenannten Islamischen Staates. Grundlage war ein Solidarit\u00e4tspakt mit dem kurdischen Befreiungskampf den die MLPD als Mitglied der \"ICOR (Internationale Koordination revolution\u00e4rer Parteien und Organisationen)\" offiziell abgeschlossen hatte. Durch Spendenaktionen und Sammlungen von medizinischen Hilfsg\u00fctern und Arbeitsmaterialien wurde das Ziel, ein Gesundheitszentrum in Kobane aufzubauen, mit Nachdruck verfolgt und bezog alle Partei-, Vorfeldund Nebenorganisationen ein. Auch mit der Linksextremismus 123 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Ausz\u00fcge aus dem Internetauftritt der MLPD Ver\u00f6ffentlichung der Brosch\u00fcre \"B\u00fcrgerliche Fl\u00fcchtlingspolitik in der Krise\" im Oktober fokussiert die MLPD ihr Engagement auf die Situation der Kurden in Westsyrien und stellt in Eigenverantwortung seit Juni Hilfsbrigaden aus Deutschland auf. Auf eigenfinanzierter und freiwilliger Basis rekrutierte die Partei Personen aus den eigenen Reihen, aber auch interessierte Personen au\u00dferhalb der MLPD beteiligten sich an den Brigaden. In Gruppenst\u00e4rken von maximal 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sollten zun\u00e4chst vier Brigaden bis September eingesetzt werden. Nach einem Selbstmordattentat des sogenannten IS in Suruc/T\u00fcrkei an der Grenze zu Kobane wurde von Seiten der Verantwortlichen eine Nachrichtensperre verh\u00e4ngt. Am 21. November wurde mitgeteilt, dass das Gesundheitszentrum offiziell durch die 7. Brigade feierlich der Selbstverwaltung von Kobane \u00fcbergeben worden ist. Die MLPD setzt sich in diesem Zusammenhang f\u00fcr die Einrichtung eines humanit\u00e4ren Korridors \u00fcber die T\u00fcrkei ein. Gleichzeitig verlangt die Partei die Aufhebung des Verbotes der kurdischen Arbeiterpartei PKK, die als terroristische Vereinigung eingestuft ist. Nachwuchsarbeit - 17. internationales Pfingstjugendtreffen in Gelsenkirchen Das im Zweijahresrhythmus von Rebell, dem Jugendverband der MLPD, mit seiner angegliederten Kinderorganisation Rotf\u00fcchse ausgerichtete Pfingstjugendtreffen in Gelsenkirchen wurde traditionell von einer \"Zukunftsdemonstration\" in Essen er\u00f6ffnet. Der Veranstalter spricht von 1.500 Beteiligten an der Demonstration und anschlie\u00dfender Kundgebung und von Tausenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern an den beiden Festtagen des Pfingstjugendtreffens in Gelsenkirchen. 124 Linksextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Die politischen Schwerpunkte des Treffens wie Umweltpolitik und die internationale Solidarit\u00e4t bei dem Wiederaufbau von Kobane wurden in Podiumsdiskussionen unter Beteiligung hochrangiger Parteivertreter der MLPD und internationaler G\u00e4ste vertieft. Im Juni wurde durch das Online-Nachrichtenportal der Partei Rote Fahne News dazu aufgerufen, Zusch\u00fcsse f\u00fcr das j\u00e4hrliche Ferienfreizeitangebot der MLPD f\u00fcr Kinder und Jugendliche in Truckenthal/Th\u00fcringen bei Jugend\u00e4mtern beziehungsweise Jobzentren zu beantragen. Obwohl die Partei sich offen gegen die freiheitliche-demokratische Grundordnung stellt und die Ferienlager zur politischen Nachwuchsbildung und -f\u00f6rderung nutzt, sieht sie die Nicht-Gew\u00e4hrung der Zusch\u00fcsse als antikommunistische Repression an und zog den Protest dagegen in ihre parteipolitische Agitation ein. Verschiedene Titelseiten der Publikation der MLPD Rote Fahne Frauenpolitik Die Organisation und Ausrichtung der 2. internationalen Weltfrauenkonferenz in Nepal in 2016 hat eine hohe Priorit\u00e4t f\u00fcr die MLPD, da sie sich als die Partei f\u00fcr die Befreiung der Frau versteht. So warb vor allem das \"ICOR\"-Mitglied, der \"Frauenverband Courage e. V.\", zum Pfingstjugendtreffen f\u00fcr die Konferenz und ihrer Unterst\u00fctzung durch Jungen und M\u00e4dchen. Linksextremismus 125 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Verschiedene Internetauftritte der Nebenorganisationen der MLPD 126 Linksextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Eine Klage des \"Frauenverbandes Courage e. V.\" gegen die Nennung im Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen wurde am 16. Juni 2015 vom Verwaltungsgericht D\u00fcsseldorf abgewiesen. Die Berufung wurde zugelassen und das Berufungsverfahren l\u00e4uft. 1. Internationale Automobilarbeiterkonferenz vom 14. bis 18.10.2015 in Sindelfingen Unter dem Motto: \"Automobilarbeiter machen mobil - weltweit\" fand an f\u00fcnf Tagen unter Beteiligungen von 41 Delegierten und nach eigenen Angaben der MLPD 300 Besuchern aus 19 L\u00e4ndern mit Demonstration, Foren, Plenumssitzungen und Workshops die 1. internationale Automobilarbeiterkonferenz statt. Mit der Gr\u00fcndungsresolution und der Bildung einer internationalen Koordinierungsgruppe wurde die zuk\u00fcnftige Zusammenarbeit bei Arbeitsk\u00e4mpfen gefestigt. Im Stil der Diktion der MLPD wurde hervorgehoben, dass der gewerkschaftliche Kampf den Weg zu den Massen ebnet. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die internationale Ausrichtung der Partei, die durch den Vorsitzenden der MLPD und Hauptkoordinator der \"ICOR\", Stefan Engel, vorangetrieben wird, wird auf nationaler Ebene durch Veranstaltungen vor allem am Sitz der Partei in Gelsenkirchen unterst\u00fctzt. Durch Kopplung einer systemkritischen Umweltpolitik an die angestrebte antiimperialistische sozialistische Weltrevolution soll sich die MLPD breiter und f\u00fcr j\u00fcngere Generationen als eine konkrete Alternative darstellen. In einem Interview erkennt der Vorsitzende unter anderem an der eigenen Fl\u00fcchtlingspolitik und einer daraus resultierenden Resonanz auch au\u00dferhalb der Partei einen \"Stimmungsumschwung\" im Interesse der sozialistischen Alternative. \u00dcberdurchschnittlich hohe Spendeneinnahmen nach Spendenaufrufen und durch Einzelspenden erlauben der MLPD dar\u00fcber hinaus durch die finanzielle Unabh\u00e4ngigkeit ein breites an konkreten Zielen orientiertes Aktionsspektrum, wie dargelegt, abzudecken. Die Vorbereitung und Durchf\u00fchrung des 10. Parteitages und die 2. internationale Weltfrauenkonferenz in Nepal sind neben dem \u00f6kologischen Wiederaufbau von Kobane politische Schwerpunkte f\u00fcr das Jahr 2016. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_mlpd Linksextremismus 127 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Autonome Linksextremisten Sitz / Verbreitung Landesweite Verteilung mit lokalen Schwerpunkten in Ballungszentren. Regelm\u00e4\u00dfige zeitund ortsgebundene Veranstaltungen gibt es in Nordrhein-Westfalen nicht. Gr\u00fcndung / Bestehen seit Ende der 1970erbzw. Anfang der 1980er-Jahre aus Ausl\u00e4ufern der Studentenbewegung der 1968er-Jahre, der \"Sponti-Szene\" der 1970er-Jahre und der Punk-Subkultur entstanden Struktur / Repr\u00e4sentanz Szenestrukturen sind von weitgehend hierarchiefreien Netzwerken mit themenoder aktionsbezogener Ausrichtung gepr\u00e4gt; Internet fungiert als offenes Kontaktmedium; \u00fcberregionale Treffen oder Telekonferenzen mit Delegierten \u00f6rtlicher oder thematisch gebundener Zusammenh\u00e4nge. Mitglieder / Anh\u00e4nger / Rund 850 Mitglieder in Nordrhein-Westfalen Unterst\u00fctzer 2015 Ver\u00f6ffentlichungen Haupts\u00e4chlich Ver\u00f6ffentlichungen in szenebezogenen Internetportalen, Internetblogs und sozialen Netzwerken Kurzportrait / Ziele Die linksautonome Szene ist eine heterogene, alternative Mischszene, deren gemeinsame ideologische Basis fundamentalanarchistische und kommunistische Theoriefragmente bilden. Ihr Ideal sieht sie in einem selbstbestimmten Leben frei von Herrschaftsverh\u00e4ltnissen. Die Szene ist insgesamt eher weniger ideologiefixiert als aktionsorientiert. Staatliche und gesellschaftliche Normen, Hierarchien und Verbindlichkeiten werden als Unterdr\u00fcckungsmechanismen (\"Repression\") abgelehnt. Eine verbindliche Festschreibung auf konkrete politische Ziele widerspricht autonomen Denkmustern, jedoch wird der von weitgehender Handlungsfreiheit gepr\u00e4gte Lebensstil in \"Freir\u00e4umen\" wie Wohngemeinschaften, besetzten H\u00e4usern oder soziokulturellen Zentren ausgelebt. Der Mangel an verbindlicher Zielsetzung wird \u00fcber das Erlebnis identit\u00e4tsstiftender, gemeinsamer politischer 128 Linksextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Protestaktivit\u00e4ten (beispielsweise zu den Themen Antifaschismus, Antirassismus, Antikapitalismus, Antigentrifizierung) ausgeglichen. Gewalt ist dabei ein grunds\u00e4tzlich akzeptiertes Mittel im Kampf gegen den Staat und andere politische Gegner. Finanzierung Keine Mitgliedsbeitr\u00e4ge; ereignisoder anlassbezogene Finanzierung von Aktionen und Kampagnen durch Solidarit\u00e4tskonzerte und -partys oder Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Der Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben ohne Staat und gesellschaftliche Zw\u00e4nge bedingt, dass Autonome staatliche und gesellschaftliche Normen ablehnen. Der demokratische Rechtsstaat wird von ihnen als Zwangssystem bek\u00e4mpft. Insbesondere Rechtsextremisten, aber zum Teil auch demokratischen Parteien und Organisationen beziehungsweise deren Vertretern werden von Linksautonomen durch die Verfassung garantierte Grundrechte, insbesondere die Versammlungsfreiheit, abgesprochen. Gewalt wird dabei als legitimes Mittel der Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner und der Polizei angesehen. Die Polizei wird dabei als \"Besch\u00fctzer der Rechten\" und als Teil des \"staatlichen Repressionsapparats\" betrachtet. Insbesondere die Ablehnung des staatlichen Gewaltmonopols durch die linksautonome Szene bei gleichzeitiger Bef\u00fcrwortung des Gewalteinsatzes zur Erreichung der eigenen politischen Ziele ist nicht vereinbar mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Ereignisse und Entwicklungen Als Antwort auf die Zunahme der \u00dcbergriffe auf Ausl\u00e4nder, Migranten und Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte tendierte die linksautonome Szene in Nordrhein-Westfalen zur Verschmelzung von urspr\u00fcnglich unterschiedlichen Themenfeldern. Die Fl\u00fcchtlingsproblematik wird als Folgewirkung des kapitalistischen Systems und rassistischer \u00dcberzeugungen gesehen, picture alliance / dpa welche marktund staatskonforme Bei Demonstrationen im Oktober 2015 in K\u00f6ln kam es zu Egoismen im Sinne ungerechter NaAusschreitungen regionaler Antifa-Aktivisten. tionalismen f\u00f6rdern. Damit konnten sich die Kampagnen zu den Themenfeldern Antifaschismus, Antirassismus und Antikapitalismus in ihren Aussagen und Aktivit\u00e4ten stark ann\u00e4hern. Zudem hat vor allem bei Demonstrationen die Linksextremismus 129 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Bereitschaft zur t\u00e4tlichen Auseinandersetzung mit der Polizei, mit tats\u00e4chlichen oder vermeintlichen Rechtsextremisten sowie ganz allgemein mit Vertretern fremdenfeindlicher Positionen weiter zugenommen. Im Jahr 2015 waren insbesondere die Aktivit\u00e4ten gegen eine HoGeSa-Demonstration am 25. Oktober 2015 in K\u00f6ln ein Anlass f\u00fcr Aktionen des Antifa-Spektrums. Neben der von zivildemokratischen Initiativen veranstalteten Protestkundgebung war ein regelrechter Krawalltourismus auch von Linksextremisten aus diesem Anlass festzustellen. Sowohl regionale Antifa-Aktivisten und Gruppen des auslandsbezogenen Extremismus als auch Antifa-Gruppierungen aus anderen Regionen und Bundesl\u00e4ndern picture alliance / dpa versuchten mit massiver Gewalt, Polizeisperren zu \u00fcberrennen und die DemonstraT\u00e4tliche \u00dcbergriffe auf Teilnehmer und Polizeiantion der rechten Szene zu st\u00f6ren. Im Zugeh\u00f6rige im Oktober 2015 in K\u00f6ln sammenhang der Protestaktionen kam es zu mehreren Schl\u00e4gereien zwischen linken und rechten Aktivisten, wobei auch Schlagst\u00f6cke und mit Sand gef\u00fcllte Handschuhe eingesetzt wurden. Erneut wurden in mehreren St\u00e4dten Nordrhein-Westfalens H\u00e4user besetzt, wobei die Hausbesetzungen sowohl nur wenige Stunden und Tage, als auch \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum dauern konnten. Die Aktionen wurden mit der Forderung nach einer Bereitstellung von Unterk\u00fcnften f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge, billigem Wohnraum und subkulturellen Treffpunkten abseits staatlicher oder kommunaler Zugriffsm\u00f6glichkeiten im Sinne selbstverwalteter \"Autonomer\" oder \"Sozialer Zentren\" begr\u00fcndet. Autonome Gruppen aus Nordrhein-Westfalen waren zudem an Aktivit\u00e4ten au\u00dferhalb des Bundeslandes ma\u00dfgeblich beteiligt. Die Mobilisierung zu den Protestveranstaltungen gegen die EZB-Er\u00f6ffnung in Frankfurt am 18. M\u00e4rz 2015 und gegen den G7-Gipfel in Elmau in der Woche vom 1. bis zum 7. Juni 2015 ging auch auf nordrhein-westf\u00e4lische autonome Gruppen zur\u00fcck. In beiden F\u00e4llen waren mehrere Hundert autonomer Aktivisten aus Nordrhein-Westfalen zu den Ereignissen angereist. Die EZB-Er\u00f6ffnung war von heftigen Ausschreitungen begleitet, w\u00e4hrend der G7-Gipfel mit Ausnahme demonstrationstypischer Straftaten nahezu st\u00f6rungsfrei verlief. Als ein weiterer Themenschwerpunkt geriet der Klimaschutz immer mehr in den Fokus autonomanarchistischer Umweltsch\u00fctzer. W\u00e4hrend der Protest gegen den Tagebau in Hambach mit einer weitgehend friedlichen Waldbesetzung und niedrigschwelligen Straftaten begann, wurde 130 Linksextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Beschlagnahmte Gegenst\u00e4nde und Aktivistengruppen am Tagebau im Hambacher Forst Linksextremismus 131 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","auch schon in Vorjahren ein stetiger Anstieg der Anzahl und der Gewaltbereitschaft bei Aktionen gegen den Tagebau Hambach im rheinischen Braunkohlerevier beobachtet. Im Jahr 2015 waren eine Steigerung t\u00e4tlicher Angriffe auf das Werkspersonal und Polizeikr\u00e4fte sowie erhebliche Sachbesch\u00e4digungen, zum Teil mit Anschlagscharakter, zu verzeichnen. An einer mehrt\u00e4gigen Gro\u00dfaktion mit dem Motto \"Ende Gel\u00e4nde\" Mitte August 2015 war neben demokratischen Umweltinitiativen auch die von der linksextremistischen autonomen Szene gesteuerte \"Interventionistische Linke (IL)\" ma\u00dfgeblich beteiligt. Im Zusammenhang mit dem B\u00fcrgerkrieg in Syrien beteiligten sich kurdistansolidarische Gruppierungen der autonomen Szene an Aktionen zur Unterst\u00fctzung des kurdischen Widerstandes gegen den sogenannten Islamischen Staat in Nordsyrien und gegen die t\u00fcrkische Staatspolitik. Neben Demonstrationen, bei denen die Abschaffung des Bet\u00e4tigungsverbots der PKK gefordert wurde, engagierten sich autonome Aktivisten aus Nordrhein-Westfalen an den von der MLPD zum Aufbau eines Gesundheitszentrums in Kobane organisierten Arbeitsbrigaden. Dar\u00fcber hinaus waren Einzelpersonen aus dem Umfeld der autonomen Szene auch an den Kampfhandlungen kurdischer Milizen in Nordsyrien beteiligt. Eine Aktivistin aus Nordrhein-Westfalen wurde dabei offenbar erschossen, bei anderen Personen liegen Hinweise auf schwere Verletzungen mit bleibenden K\u00f6rpersch\u00e4den vor. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Der Einsatz von Gewalt als politisches Mittel wird kaum noch hinterfragt. Der Anstieg gerade k\u00f6rperlicher Auseinandersetzungen im Umfeld demonstrativer Ereignisse belegt eine \u00fcber mehrere Jahre andauernde stetige Herabsetzung der Hemmschwelle bei der Gewaltbereitschaft linksautonomer Aktivisten in Nordrhein-Westfalen. Erfolge werden im linksautonomen Spektrum vor allem in einer medialen, m\u00f6glichst auch internationalen Berichterstattung \u00fcber Auseinandersetzungen bei Gro\u00dfereignissen gesehen. Zu diesem Zweck besteht weiterhin eine starke Tendenz zur \u00fcberregionalen und internationalen Vernetzung auch \u00fcber ideologische Differenzen hinweg. Nordrhein-westf\u00e4lische Mitgliedsgruppen der linksautonomen B\u00fcndnisse Ums Ganze. Kommunistisches B\u00fcndnis und \"Interventionistische Linke\" haben ma\u00dfgeblich bei der Mobilisierung f\u00fcr \u00fcber\u00f6rtliche Ereignisse auch au\u00dferhalb von Nordrhein-Westfalen mitgewirkt und konnten zahlreiche Aktivisten aus Nordrhein-Westfalen f\u00fcr eine Beteiligung an den Aktionen vor Ort gewinnen. Gleichzeitig haben sich die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr eine kurzfristige, anlassbezogene Mobilisierung zu Einzelthemen \u00fcber soziale Netzwerke auf \u00f6rtlicher Ebene etabliert. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de, Web-Link: vs_autonome 132 Linksextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Auslandsbezogener Extremismus Ausl\u00e4nderextremismus 133 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Auslandsbezogener Extremismus 133 \u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung (Graue W\u00f6lfe) ....................................................................................... 136 Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei/-Front (DHKP-C) ...................................................... 142 Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ......................................................................................... 146 Tamilische Befreiungstiger (LTTE)...................................................................................... 152 Der Verfassungsschutz beobachtet im nichtislamistischen auslandsbezogenen Extremismus schwerpunktm\u00e4\u00dfig Bestrebungen, die sich gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung richten oder durch Anwendung von Gewalt ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden (SS 3 Abs. 1 Nr. 3 oder 4 VSG NRW) oder bei denen Anhaltspunkt f\u00fcr den Verdacht einer solchen Bestrebung vorliegen. In diesen Bereichen finden sich Ideologieelemente aus dem Rechtsextremismus (\"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\") und Linksextremismus (PKK und DHKP-C) sowie separatistische Bestrebungen (LTTE). Insbesondere das Aktionsverhalten der nichtislamistischen extremistischen Ausl\u00e4nderorganisationen, namentlich das der PKK und der DHKP-C, wird entscheidend von den Entwicklungen und Ereignissen in den jeweiligen Herkunftsl\u00e4ndern und von der angespannten Lage in den kurdischen Siedlungsgebieten in Syrien und im Irak gepr\u00e4gt. PKK und DHKP-C versuchen in zunehmendem Ma\u00dfe auch unter Einsatz von Gewalt und Terror, eine radikale Ver\u00e4nderung der politischen Verh\u00e4ltnisse in der T\u00fcrkei herbeizuf\u00fchren. Diese zugespitzte Situation f\u00fchrte insbesondere nach dem Anschlag von Suruc vom 20. Juli 2015, an dem aus Sicht der PKK der t\u00fcrkische Staat mitschuldig war, zu einem Anstieg der durchgef\u00fchrten Demonstrationen und zu einer erkennbaren Erh\u00f6hung des Emotionalisierungsgrades vor allem bei jungen PKK-Anh\u00e4nger. Gleichwohl verliefe der \u00fcberwiegende Teil der PKK-Demonstrationen auch nach dem Anschlag von Suruc in Nordrhein-Westfalen st\u00f6rungsfrei. Allerdings konnte in einigen F\u00e4llen nur durch das Trennen der verfeindeten Gruppierungen 134 Ausl\u00e4nderextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","(PKKgegen \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Anh\u00e4nger) eine offene Eskalation der Gewalt unterbunden werden. Zudem kam es mehrfach zu Angriffen auf t\u00fcrkische Moscheen, die von \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Anh\u00e4ngern besucht werden sowie zu einem Angriff auf das t\u00fcrkische Generalkonsulat in M\u00fcnster. Dieses verst\u00e4rkte Aktionsverhalten f\u00fchrt zu Wechselwirkungen, die u.a. auch eine Zunahme von Aktivit\u00e4ten von \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Anh\u00e4ngern gegen kurdische Personengruppen und kurdische Einrichtungen ausl\u00f6sten. Im Vergleich zum Jahr 2014 gab es einen deutlichen Anstieg an Demonstrationen und Gegendemonstrationen aber auch an gezielten Angriffen auf PKK-Anh\u00e4nger wie zum Beispiel Angriffe auf kurdische Vereinsheime. F\u00fcr den Dachverband der vereinsgebunden agierenden \"\u00dclk\u00fcc\u00fcs\" \"AD\u00dcTDF\" ist nach wie vor feststellbar, dass dieser sich darum bem\u00fcht, das Image eines eher kulturell t\u00e4tigen denn politisch agierenden Dachverbandes zu pflegen. Der Dachverband setzt damit auf den Ausbau seiner Strukturen und versucht zugleich insbesondere Jugendliche an sich zu binden und f\u00fcr die nationalistische Ideologie der \"Grauen W\u00f6lfe\" einzunehmen. F\u00fcr den Bereich der LTTE ist die j\u00e4hrliche Durchf\u00fchrung von Gedenkveranstaltungen zum sogenannten M\u00e4rtyrergedenken weiterhin einer der wichtigsten Identifikationspunkte ihrer Anh\u00e4nger. Die seit einigen Jahren beobachtbare Konkurrenz innerhalb der Fl\u00fcgel der LTTE hat deutlich abgenommen. Die DHKP-C hat bereits im Jahr 1999 erkl\u00e4rt, in Westeuropa auf den Einsatz von Gewalt zur Umsetzung ihrer Ziele verzichten zu wollen. Diese Zusage hat bislang weiterhin Bestand. In der T\u00fcrkei hingegen ist die Gefahr von terroristischen Anschl\u00e4gen durch die Organisation nach wie vor aktuell. Die Namen und Bezeichnungen von Organisationen, Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten, bei denen zumindest gewichtige Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht f\u00fcr die in SS 3 Abs. 1 VSG NRW beschriebenen Merkmale vorliegen, sind zwischen den Zeichen \" und \" eingefasst. Ausl\u00e4nderextremismus 135 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung (Graue W\u00f6lfe) Sitz / Verbreitung Die \"F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V. (AD\u00dcTDF)\" hat als gr\u00f6\u00dfter Dachverband der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\" ihren Sitz in Frankfurt am Main. In NordrheinWestfalen sind rund 70 Vereine unter dem Dachverband der \"AD\u00dcTDF\" organisiert. Gr\u00fcndung / Bestehen seit Die \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\" hat ihre Urspr\u00fcnge in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts und ging aus der Turkisten- / Turanisten-Bewegung hervor. Die heutige \"AD\u00dcTDF\" wurde 1978 in Frankfurt am Main als \"F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa e.V.\" gegr\u00fcndet. Die Umbenennung in \"F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V.\" erfolgte 2007. Struktur / Repr\u00e4sentanz Die \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\" ist heterogen strukturiert und setzt sich aus mehreren Dachverb\u00e4nden, unter anderem der \"AD\u00dcTDF\", einigen Abspaltungsvereinen sowie dem organisationsungebundenen Teil der sogenannten \"\u00dclk\u00fcc\u00fcJugend\" zusammen. Je nach Ausrichtung der jeweiligen Gruppierung stehen islamische, ultranationalistische oder rassistische Inhalte im Vordergrund. Die t\u00fcrkische Nation wird von \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Anh\u00e4ngern sowohl politisch-territorial als auch ethnischkulturell als h\u00f6chster Wert erachtet. Hieraus resultiert ein auf Hegemonie und imperiale Machtentfaltung ausgerichteter t\u00fcrkischer Nationalismus. Die zur \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\" z\u00e4hlenden Gruppierungen lassen sich in drei Hauptstr\u00f6mungen unterteilen: Die erste Str\u00f6mung richtet ihre Ideologie vorwiegend nach dem Alt-T\u00fcrkentum aus und ist stark rassistisch gepr\u00e4gt. Die zweite Str\u00f6mung glorifiziert das T\u00fcrkentum und verfolgt im Wesentlichen die Ziele der in der T\u00fcrkei als Milliyetci Hareket Partisi (MHP) aktiven Partei. Im Ausland verf\u00fcgt diese Str\u00f6mung \u00fcber Massenorganisationen wie beispielsweise die \"AD\u00dcTDF\". Die 136 Ausl\u00e4nderextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","dritte Str\u00f6mung orientiert sich st\u00e4rker am Islam und den Zielen der in der T\u00fcrkei aktiven \"B\u00fcy\u00fck Birlik Partisi (BBP)\". Mitglieder / Anh\u00e4nger / \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\": nicht bezifferbar Unterst\u00fctzer 2015 Vereinsgebundene \"AD\u00dcTDF\"-Mitglieder: Bund: circa 7.000 NRW: circa 2.000 Ver\u00f6ffentlichungen Publikation: \"B\u00fclten (Bulletin der T\u00fcrkischen F\u00f6deration)\" Web-Angebot: F\u00fcr die Verbreitung der Ideologie der \"Grauen W\u00f6lfe\" wird im Internet auf verschiedenen Plattformen wie sozialen Netzwerken und Videoportalen geworben; die \"AD\u00dcTDF\" verf\u00fcgt zudem \u00fcber eine t\u00fcrkischsprachige Homepage. Kurzportrait / Ziele Als Graue W\u00f6lfe oder \"\u00dclk\u00fcc\u00fcs\" werden die Anh\u00e4nger der im t\u00fcrkischen Parlament vertretenen rechtsextremen Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) sowie anderer t\u00fcrkischnationalistischer Gruppierungen bezeichnet. Je nach Ausrichtung der Gruppierung dominieren islamische, ultranationalistische oder rassistische Inhalte. Pr\u00e4gend f\u00fcr die Bewegung ist ein \u00fcbersteigerter t\u00fcrkischer Nationalismus, der mit einer \u00dcberh\u00f6hung der eigenen Ethnie und einer Abwertung anderer Ethnien gepaart ist. Angestrebt wird die Errichtung einer Gro\u00dft\u00fcrkei in den Grenzen des Osmanischen Reiches (sogenannter Panturkismus oder Streben nach t\u00fcrkischer Hegemonie). Gefordert wird hierbei die Wiedervereinigung aller Turkv\u00f6lker vom Balkan bis nach Zentralasien (Turanismus). Damit einher geht eine rassistische Feindbildorientierung insbesondere gegen Kurden, Armenier, Griechen und Juden. Der extreme Nationalismus und F\u00fchrerkult sowie ein antipluralistisches und autorit\u00e4r gepr\u00e4gtes Gesellschaftsverst\u00e4ndnis f\u00fchren zu der Annahme einer generellen \u00dcberlegenheit der \"t\u00fcrkischen Rasse\". Der F\u00fchrerkult spiegelt sich sowohl in einer streng hierarchischen Struktur als auch in der Verehrung des Alparslan T\u00fcrkes als ewigem F\u00fchrer (Basbug) wieder. T\u00fcrkes war Gr\u00fcnder und Parteivorsitzender der MHP (Partei der Nationalistischen Bewegung), an deren Ideologie und Politik sich insbesondere die \"AD\u00dcTDF\" orientiert. Der \u00fcbersteigerte Nationalismus wird durch Feindbilder deutlich, bei denen allein die ethnische Zugeh\u00f6rigkeit beispielsweise zur kurdischen oder armenischen Volksgruppe als Grund f\u00fcr eine vermutete Feindschaft gegen\u00fcber dem T\u00fcrkentum bewertet wird. Ausl\u00e4nderextremismus 137 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Generell werden Menschen, die als \"Gegner\" t\u00fcrkischer Interessen wahrgenommen werden, zu Feinden erkl\u00e4rt. Dabei spielen auch Verschw\u00f6rungstheorien im Zusammenhang mit Vorw\u00fcrfen an die T\u00fcrkei, 1915 einen V\u00f6lkermord an Armeniern ver\u00fcbt zu haben, eine Rolle. Obwohl die Dachverb\u00e4nde der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\", insbesondere die \"AD\u00dcTDF\", sich nach au\u00dfen hin m\u00f6glichst gesetzeskonform geben, gehen sie von einer \u00dcberlegenheit des T\u00fcrkentums gegen\u00fcber anderen V\u00f6lkern und Staaten aus. Hieraus resultiert unter anderem eine dezidierte Kurdenfeindlichkeit. Die kurdische Identit\u00e4t wird als eine andere, jedoch nicht gleichberechtigte Identit\u00e4t angesehen. Kurden, die sich zum Kurdentum bekennen, werden undifferenziert als PKK-Anh\u00e4nger, Terroristen und Verr\u00e4ter bewertet. Nach diesem ideologischen Verst\u00e4ndnis sind Kurden ein seinem Ursprung entfremdetes t\u00fcrk-st\u00e4mmiges Volk, dessen Bek\u00e4mpfung gerechtfertigt ist. Diese \"Bek\u00e4mpfung\" \u00e4u\u00dfert sich bei den \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Anh\u00e4ngern sowohl in verbaler Hetze im Internet als auch in k\u00f6rperlichen Auseinandersetzungen mit dem \"Gegner\" beziehungsweise in wechselseitig gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen insbesondere bei Demonstrationen. Von den Dachverb\u00e4nden selbst gehen keine Bekenntnisse oder Aufrufe zur Gewalt aus, sie tragen jedoch als Ideologietr\u00e4ger dazu bei, das Konfliktpotential zwischen T\u00fcrken und Kurden zu sch\u00fcren. Finanzierung Mitgliedsbeitr\u00e4ge aus zugeh\u00f6rigen Vereinen, Spendengelder und Sponsoring Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Durch ihr extrem nationalistisches Gedankengut bestehen tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht, dass die \"Grauen W\u00f6lfe\" Ziele verfolgen, die sich gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung (Art. 9 Abs.2 GG) beziehungsweise das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker richten und zugleich gegen den in Art 3 Abs.3 S.1 GG garantierten Gleichheitsgrundsatz versto\u00dfen. Sie erf\u00fcllen damit die Voraussetzungen zur Beobachtung durch die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden nach SS 3 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 4 VSG NRW. 138 Ausl\u00e4nderextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Vereinsgebundene Aktivit\u00e4ten Unter dem Dach der \"AD\u00dcTDF\", die in Nordrhein-Westfalen mit rund 70 Vereinen und etwa 2.000 vereinsgebundenen Anh\u00e4ngern vertreten ist, finden sich viele Personen, die sich der Vereinsdirektive entsprechend nach au\u00dfen streng legalistisch geben, insbesondere in der Jugendarbeit aber auf einen Ideologietransfer ihrer extrem nationalistischen Grundeinstellung ausgerichtet sind. Gleichzeitig verfolgt die \"AD\u00dcTDF\" als Massenorganisation die Ziele der extrem nationalistischen MHP. Dies zeigt sich im Jahr 2015 besonders deutlich, da die \"AD\u00dcTDF\" die MHP im Wahlkampf zu den t\u00fcrkischen Parlamentswahlen tatkr\u00e4ftig unterst\u00fctzte. So hielt der MHP Vorsitzende Devlet Bahceli am 26. April 2015 im Rahmen der Jahreshauptversammlung der \"AD\u00dcTDF\" in Oberhausen vor 9.200 Teilnehmern eine Wahlkampfrede, die auf reges Interesse insbesondere t\u00fcrkischer Print-, Funkund TV-Medien stie\u00df. Dar\u00fcber hinaus organisierte die \"AD\u00dcTDF\" Reisen zu t\u00fcrkischen Konsulaten, um den wahlberechtigten hier lebenden T\u00fcrken eine Stimmabgabe zugunsten der MHP zu erm\u00f6glichen. Auch auf von der \"AD\u00dcTDF\" organisierten Demonstrationen wie zum Beispiel der D\u00fcsseldorfer Demonstration vom 3. Mai 2015 zum Gedenken an die Rassismus-Turanismus Prozesse des Jahres 1944 in der T\u00fcrkei zeigten Demonstrationsteilnehmer MHP Symbole und den f\u00fcr \"\u00dclk\u00fcc\u00fcs\" typischen Wolfsgru\u00df. Auch wenn die \"AD\u00dcTDF\" sich in \u00f6ffentlichen Verlautbarungen darum bem\u00fcht, das Image eines eher kulturell engagierten als politisch agierenden Dachverbands zu pflegen, zeigt die Wahlkampfunterst\u00fctzung der MHP und auch das Auftreten des MHPVorsitzenden die N\u00e4he zum extrem nationalistischen Gedankengut der Partei. Gleichzeitig setzt die \"AD\u00dcTDF\" weiter auf den Ausbau ihrer Strukturen und versucht Jugendliche an sich zu binden. Einen deutlichen Schwerpunkt nimmt in den der \"AD\u00dcTDF\" zugeh\u00f6rigen Vereinen die Jugendarbeit ein. Gemeinsame Gruppenerlebnisse f\u00fchren zu Identit\u00e4tsfindung und Stabilisierung mit \"Gleichgesinnten\" und dienen zugleich der \u00dcbernahme vermittelter Feindbilder. Ausl\u00e4nderextremismus 139 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Vereinsungebundene Aktivit\u00e4ten Bei einem Teil der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Anh\u00e4nger findet derzeit ein Wechsel zu autonomen Aktionsplattformen insbesondere zur Agitation im virtuellen Raum statt. Ohne eine vergleichsweise klare Programmatik werden hier vor allem gemeinsame Feindbilder generiert und gepflegt. In diesen heterogenen Strukturen wird in teilweise hetzerischer und hasserf\u00fcllter Art in entsprechenden Web-Angeboten, Foren und Chats gegen Feindbilder agitiert. Die Verbreitung von gewaltorientierter rassistischer Ideologie auf der Basis eines aggressiven Nationalismus kann in einer Selbstradikalisierung von Jugendlichen m\u00fcnden. Auch hier spielt das \"Feindbild Kurde\" eine wesentliche Rolle. So hei\u00dft es beispielsweise in einem Hetz-Post auf Facebook: \"Ich rufe hiermit auf, an dem kurdischen Volk ein Genozid auszu\u00fcben. Eine systematische Ausrottung dieser minderwertigen ethnischen Gruppe. Ich fordere ebenfalls eine T\u00f6tung der Mitglieder der HDP! Des Weiteren fordere ich, mit sofortiger Wirkung einer Verh\u00e4ngung von Ma\u00dfnahmen, die auf Geburtenverhinderung die innerhalb dieser minderwertigen Rasse gerichtet sind!\" Die andauernden milit\u00e4rischen Auseinandersetzungen zwischen dem t\u00fcrkischen Milit\u00e4r und der PKK in der T\u00fcrkei f\u00fchrten im Jahr 2015 in Europa und Deutschland zu Konfrontationen zwischen \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"Anh\u00e4ngern und Kurden. Dabei ist ein Wechsel hin zu gewaltorientierten Aktionsformen auf beiden Seiten feststellbar. Im Einzelnen: > Im Vorfeld des Kurdistanfestivals kam es beim mehrt\u00e4gigen Marsch der kurdischen Jugendlichen am 2. September 2015 in Remscheid zu einer gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzung mit \"Grauen W\u00f6lfen\". Beide Gruppen waren etwa 80 Teilnehmer stark. Das bestehende Gewaltpotential verdeutlichte sich insbesondere durch gegenseitige Steinw\u00fcrfe. > Nachdem es am 12. September 2015 in Hannover zu Auseinandersetzungen zwischen AKPSympathisanten und Kurden gekommen war, konnte am 13. September ein Internetaufruf t\u00fcrkischer Nationalisten zu Demonstrationen in Deutschland, \u00d6sterreich, Niederlanden und der Schweiz festgestellt werden. F\u00fcr Nordrhein-Westfalen wurden unter dem Motto \"Pro T\u00fcrkei\" Demonstrationen in K\u00f6ln und Essen angek\u00fcndigt. Bei der Essender Demonstration kam es bei einem Aufeinandertreffen von 60 bis 80 Kurden und etwa 150 t\u00fcrkischen Nationalisten zu erheblichen Provokationen, eine Eskalation konnte nur durch erhebliches Polizeiaufkommen unterbunden werden. > Am 20. September 2015 kam es in K\u00f6ln-M\u00fclheim zu einem Angriff t\u00fcrkischer Nationalisten auf ein kurdische Vereinshaus. An diesem Tag versammelten sich 40 bis 50 Personen, teilweise vermummt und mit Baseballschl\u00e4gern bewaffnet vor dem Vereinsheim. Eine massive k\u00f6rperliche Auseinandersetzung konnte nur durch starke Polizeikr\u00e4fte unterbunden werden. Der Vorfall hatte Ausstrahlungswirkung auf eine zeitgleich verlaufende kurdische Versamm140 Ausl\u00e4nderextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","lung in der K\u00f6lner Innenstadt, bei der es ebenfalls zu einem Aufeinandertreffen von kurdischen und t\u00fcrkisch nationalistischen Anh\u00e4ngern kam. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Nach wie vor ist eine verbale Radikalit\u00e4t im Internet auch hinsichtlich des Aufrufs zu Gewaltaus\u00fcbung insbesondere bei vereinsungebundenen Anh\u00e4ngern der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\" feststellbar. Gewaltt\u00e4tiges Verhalten war in der Vergangenheit nur reaktiv beispielsweise nach Provokationen aus dem kurdischen Umfeld feststellbar. Die derzeitige Lage in der T\u00fcrkei f\u00fchrt dabei zu einem deutlich verst\u00e4rkten Aktionsverhalten der \"Grauen W\u00f6lfe\", zudem hat die Bereitschaft zu Teilnahme an Aktionen insbesondere bei jugendlichen \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Anh\u00e4ngern zugenommen. Das Scheitern der Friedensverhandlungen und das Wiederaufflammen von bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der PKK und dem t\u00fcrkischen Staat sind geeignet, den ohnehin hohen Grad der Emotionalisierung zwischen \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Anh\u00e4ngern und Kurden weiter zu verst\u00e4rken. Es bedarf deshalb einer dezidierten Beobachtung, ob die feststellbare Aggressivit\u00e4t und Hetze ein \u00fcber die schon bestehende Gewaltneigung hinausgehendes Eskalationspotential entwickelt. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de, Web-Link: vs_uelkuecue Ausl\u00e4nderextremismus 141 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei/Front (Devrimci Halk Kurtulus PartisiCephesi - DHKP-C) Sitz / Verbreitung T\u00fcrkei, weltweite Verbreitung mit Schwerpunkt Europa Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1994, hervorgegangen aus der 1978 gegr\u00fcndeten revolution\u00e4ren Linken (Devrimci Sol - Dev-Sol) Struktur / Repr\u00e4sentanz Generalsekret\u00e4r, Zentralkomitee sowie l\u00e4nderund gebietsverantwortliche Funktion\u00e4re Nach dem Tod von Dursun Karatas im Jahr 2008 wurde offiziell noch kein Nachfolger f\u00fcr das Amt des Generalsekret\u00e4rs bestimmt. Mitglieder / Anh\u00e4nger / Bund: 650 NRW: 200 Unterst\u00fctzer 2015 Ver\u00f6ffentlichungen Publikationen Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke, unregelm\u00e4\u00dfiges Erscheinen) und Y\u00fcr\u00fcy\u00fcs (Der Marsch, w\u00f6chentliches Erscheinen bis zum Verbot) Web-Angebot: mehrsprachiger Internetauftritt Kurzportrait / Ziele Die in der T\u00fcrkei und in Deutschland verbotene Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei/-Front (Devrimci Halk Kurtulus Partisi-Cephesi - DHKP-C) verfolgt das Ziel, das bestehende t\u00fcrkische Staatssystem durch eine bewaffnete Revolution zu zerschlagen, um ein sozialistisches System zu errichten. Auf der ideologischen Grundlage des Marxismus-Leninismus propagiert die DHKP-C einen bewaffneten Volkskampf unter ihrer F\u00fchrung. Die Organisation tritt damit f\u00fcr eine revolution\u00e4re Zerschlagung der t\u00fcrkischen Staatsund Gesellschaftsordnung ein. Hierzu f\u00fchrt sie in der T\u00fcrkei auch terroristische Aktionen durch. In Deutschland kann die DHKP-C aufgrund des Verbotes nicht offen agieren. Sie handelt daher \u00fcber Vereine, deren Satzungen keinen R\u00fcckschluss auf die Zugeh\u00f6rigkeit zur Organisation zulassen. Finanzierung Spenden und Erl\u00f6se aus dem Verkauf von Publikationen 142 Ausl\u00e4nderextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Mit ihrem Bestreben gef\u00e4hrdet die DHKP-C sowohl die innere Sicherheit als auch die ausw\u00e4rtigen Belange der Bundesrepublik Deutschland (SS 3 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 3 VSG NRW). Die DHKP-C ist eine Nachfolgeorganisation der in der Bundesrepublik Deutschland seit 1983 verbotenen Devrimci Sol. Sie ist selbst in Deutschland seit dem 1. Februar 2000 rechtskr\u00e4ftig verboten. Seit dem Verbot 1983 werden politische Aktivit\u00e4ten konspirativ fortgesetzt. Im Mai 2002 hat der Rat der Europ\u00e4ischen Union die DHKP-C auf die europ\u00e4ische Liste der Terrororganisationen gesetzt. Der politische Fl\u00fcgel der DHKP-C tr\u00e4gt den Namen Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei (Devrimci Halk Kurtulus Partisi - DHKP), der milit\u00e4rische Arm der DHKP-C hat die Bezeichnung Revolution\u00e4re Volksbefreiungsfront (Devrimci Halk Kurtulus Cephesi - DHKC). Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Die DHKP-C hat sich auch im Berichtszeitraum an den im Jahr 1999 vom damaligen Generalsekret\u00e4r Dursun Karatas erkl\u00e4rten Gewaltverzicht f\u00fcr Westeuropa gehalten. In der T\u00fcrkei hingegen ist die Gefahr von terroristischen Anschl\u00e4gen durch die Organisation nach wie vor aktuell. Dies zeigte sich zuletzt an einem durch Wachsoldaten vereitelten Anschlag mit Handgranaten und einer Schusswaffe am 7. Januar 2015 am Dolmabahce-Palast in Istanbul. Am 6. Mai 2015 hat der Bundesminister des Innern die w\u00f6chentliche Zeitung Y\u00fcr\u00fcy\u00fcs verboten. Bei durchgef\u00fchrten Durchsuchungen wurde umfangreiches Beweismaterial sichergestellt, das im weiteren Verfahren ausgewertet wird. Die Tarnorganisation der DHKP-C, die \"Anatolische F\u00f6deration\" verurteilte die Ma\u00dfnahme als einen Angriff auf die Meinungsfreiheit. Am 22. Mai 2015 wurde ein mutma\u00dflicher F\u00fchrungsfunktion\u00e4r der DHKP-C vom Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf von dem Vorwurf der Beteiligung an einem Mordanschlag 1993 auf Polizisten in Istanbul freigesprochen. Der Freispruch wurde von der Anh\u00e4ngerschaft in Deutschland als gro\u00dfer Sieg gegen das \"Unrechtssystem des Faschismus\" bezeichnet und gefeiert. Am 28. Juli 2015 verurteilte das Oberlandesgericht Stuttgart drei langj\u00e4hrige Funktion\u00e4re wegen der mitgliedschaftlichen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung im Ausland zu mehrj\u00e4hrigen Haftstrafen. Zu den Verurteilten geh\u00f6rte auch ein Funktion\u00e4r, der im Bereich Wuppertal t\u00e4tig gewesen sein soll. Der DHKP-C nahestehende Vereine haben im Jahr 2015 zahlreiche \u00f6ffentliche Veranstaltungen organisiert. Bei der Mehrzahl dieser Ereignisse war die Teilnehmerresonanz gering. Es waren aber auch einige Gro\u00dfveranstaltungen in Nordrhein-Westfalen zu verzeichnen. Ausl\u00e4nderextremismus 143 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Flyer und Veranstaltungshinweise der DHKP-C 144 Ausl\u00e4nderextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Beispiele f\u00fcr Veranstaltungen: > Am 4. April 2015 versammelten sich etwa 300 Anh\u00e4nger zu einer Kundgebung in Dortmund. Die j\u00e4hrlich zum Gedenken an die ums Leben gekommenen \"M\u00e4rtyrer\" stattfindende Versammlung stand in diesem Jahr im Zeichen der get\u00f6teten Attent\u00e4ter, die am 31. M\u00e4rz und 1. April 2015 in Istanbul ums Leben kamen. > Mehrere Kundgebungen als Solidarit\u00e4tsaktion f\u00fcr den in der JVA Essen inhaftierten Funktion\u00e4r \u00d6zkan G., der sich dort im Hungerstreik befand. > Am 14. November 2015 wurde in der K\u00f6nig-Pilsener Arena in Oberhausen ein Konzert der DHKP-C nahen Musikgruppe \"Grup Yorum\" veranstaltet. Das Konzert sollte als Jubil\u00e4umskonzert zum 30-j\u00e4hrigen Bestehen der Gruppe durchgef\u00fchrt werden. Wegen fehlender Einreisevisa konnten einige Mitglieder der Gruppe aus der T\u00fcrkei nicht einreisen. Dennoch wurde das Konzert mit etwa 6.000 Teilnehmern durchgef\u00fchrt. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Polizeiliche Exekutivma\u00dfnahmen im Jahr 2015, insbesondere das Y\u00fcr\u00fcy\u00fcs Verbot und die Ma\u00dfnahmen gegen das \"Grup Yorum\" Konzert in Oberhausen, haben zur Verunsicherung der Anh\u00e4nger der DHKP-C in Deutschland gef\u00fchrt. Durch \u00d6ffentlichkeitsarbeit in Form von Kundgebungen versuchte die Organisation die eigenen Anh\u00e4nger zu motivieren, neue Sympathisanten zu finden und Gelder zu generieren. Sie setzte dabei weiterhin auf Themen wie die weitere Strafverfolgung von DHKP-C-Aktivisten in Europa und aktuelle Anl\u00e4sse. Bei verschiedensten Anl\u00e4ssen wird versucht, der deutschen Politik und Gesellschaft einen allt\u00e4glichen Rassismus und Faschismus zu unterstellen. Deutschland dient als wichtiger R\u00fcckzugsraum und m\u00f6gliche Rekrutierungsbasis f\u00fcr die Organisation. Daher ist eine weitere Beobachtung der Aktivit\u00e4ten durch den Verfassungsschutz notwendig. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de, Web-Link: vs_dhkpc Ausl\u00e4nderextremismus 145 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Arbeiterpartei Kurdistans (PKK); Volkskongress Kurdistans (KONGRAGEL) und unterst\u00fctzende Organisationen Sitz / Verbreitung Sitz im Nord-Irak; In Europa durch wenige weisungsberechtigte Funktion\u00e4re mit wechselnden Aufenthaltsorten vertreten durch CDK Koordinasyon Civata Ekolojik - Demokratik a Kurd Li Ewropa Gr\u00fcndung / Bestehen seit November 1978 Struktur / Repr\u00e4sentanz H\u00f6chste Entscheidungsgremien: Vereinigte Gemeinschaften Kurdistans (KCK) mit dem Pr\u00e4sidenten Abdullah \u00d6calan und den Vorsitzenden Cemil Bayik und Bese Hozat; Generalversammlung der Volkskongress Kurdistans (KONGRA-GEL) mit den Vorsitzenden Hacer Zagros und Remzi Kartal Mitglieder / Anh\u00e4nger / Bund: 14.000 NRW: 2.200 Unterst\u00fctzer 2015 Ver\u00f6ffentlichungen Publikationen: unter anderem \"Serxwebun (Unabh\u00e4ngigkeit)\" (monatlich); \"Sterka Ciwan (Stern der Jugend)\" (monatlich); \"Newaya Jin (Erlebnisse der Frauen)\" (monatlich); \"KurdistanReport\" (Auflage bis 15.000); \"Yeni \u00d6zg\u00fcr Politika\" (t\u00e4glich) Fernsehen: aktuell \"NUCE TV\" und \"Mednuce\" Internet: Zahlreiche Internetauftritte verschiedener Organisationen, meist auf regionaler Ebene Kurzportrait / Ziele Die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die heute unter der Bezeichnung Volkskongress Kurdistans (KONGRA-GEL) agiert, strebte urspr\u00fcnglich einen eigenen kurdischen Nationalstaat an, der die Gebiete S\u00fcdostanatoliens (T\u00fcrkei), den Nord-Irak, Teile des westlichen Iran und Gebiete im Norden Syriens umfassen sollte. Obwohl seitens der PKK immer wieder betont wird, man habe die fr\u00fcheren separatistischen Ziele aufgegeben, bem\u00fcht sie sich weiterhin um einen l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Verbund aller Kurden im Nahen Osten. Im Jahre 1993 erlie\u00df das Bundesministerium des Innern ein Bet\u00e4tigungsverbot f\u00fcr die PKK und ihrer Nebenorganisationen. Die 146 Ausl\u00e4nderextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","PKK ist zudem auf der EU-Terrorliste verzeichnet. Bis Ende 2013 vertrat die \"F\u00f6deration kurdischer Vereine in Deutschland (YEK-KOM)\" nach ihrem Selbstverst\u00e4ndnis unter anderem die politischen Interessen der PKK in Deutschland. Sitz der \"YEK-KOM\" war D\u00fcsseldorf. Aufgrund einer bereits im Juli 2013 durch den Dachverband des \"Kongresses der kurdischdemokratischen Gesellschaft in Europa (KCD-E)\" beschlossenen Neustrukturierung bildeten sich in vielen deutschen St\u00e4dten kurdische Gesellschaftszentren, welche die bisher agierenden \u00f6rtlichen \"YEK-KOM\"-Vereine ersetzten. Der Vereinsname lautet seitdem \"Demokratisch-kurdisches Gesellschaftszentrum (DKTM)\". Auf dem 20. Jahreskongress der \"YEK-KOM\" im Juni 2014 wurde die Umbenennung der \"YEK-KOM\" in das \"Demokratischkurdische Gesellschaftszentrum Deutschland (NAV-DEM)\" beschlossen. Finanzierung J\u00e4hrliche Spendensammlung bei den Anh\u00e4ngern der PKK, Erl\u00f6se aus Zeitschriftenverk\u00e4ufen sowie Eintrittsgeldern bei Gro\u00dfveranstaltungen. Die prek\u00e4re Situation der Kurden im Irak und Syrien wirkte sich positiv auf die Spendensammlungen in Deutschland aus. Die Spendenkampagne 2015 erbrachte in Deutschland etwa 13 Millionen Euro und zeigt damit eine deutliche Steigerung gegen\u00fcber dem Vorjahr (10 Millionen Euro). Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit In Westeuropa ist seit Ende M\u00e4rz 1996 ein Kurswechsel zu weitgehend gewaltfreiem Verhalten erkennbar. Die PKK stellt wegen ihrer fortw\u00e4hrenden Bereitschaft, zu aktionsorientiertem und gewaltbereitem Verhalten zur\u00fcckzukehren, nach wie vor eine Bedrohung der inneren Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland dar. Dies begr\u00fcndet ihre Beobachtung gem\u00e4\u00df SS 3 Abs. 1 Nr. 1 VSG NRW. Ihre Ziele verfolgt die PKK in den Kampfgebieten, aktuell insbesondere in Syrien sowie auch in der T\u00fcrkei, nach wie vor mit Waffengewalt. Damit gef\u00e4hrdet die Organisation die ausw\u00e4rtigen Belange der Bundesrepublik Deutschland, so dass auch aus diesem Grunde eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz nach SS 3 Abs. 1 Nr. 3 VSG NRW erforderlich ist. Ausl\u00e4nderextremismus 147 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Die Organisation versucht, sich in Nordrhein-Westfalen durch Aktionen, die auf m\u00f6glichst gro\u00dfe mediale Aufmerksamkeit angelegt sind, darzustellen, um eine Anerkennung ihrer politischen Forderungen zu erreichen. Gewaltt\u00e4tig agieren die PKK und ihre bewaffneten Guerillaverb\u00e4nde vor allem in den kurdischen Siedlungsgebieten. Neben der T\u00fcrkei geh\u00f6ren dazu die nordirakische Grenzregion und kurdische Gebiete in Syrien (auch \"Rojava\" = Westkurdistan genannt). Die milit\u00e4rischen Auseinandersetzungen in diesen Gebieten nahmen im Jahr 2015 deutlich an Sch\u00e4rfe zu und gipfelten in der Aufk\u00fcndigung des erkl\u00e4rten Gewaltverzichtes durch die PKK. Ausgangspunkt war ein Selbstmordanschlag in der t\u00fcrkischen Stadt Suruc, bei dem am 20. Juli 2015 \u00fcber 30 Menschen get\u00f6tet und etwa 100 verletzt wurden. Verantwortlich f\u00fcr den Anschlag war mutma\u00dflich die Terrororganisation des sogenannten Islamischen Staates (IS), die damit Aufbauhelfer f\u00fcr die umk\u00e4mpfte Stadt Kobane traf. Unmittelbar nach dem Anschlag in Suruc t\u00f6teten PKK Einheiten t\u00fcrkische Polizisten, die sie der Kollaboration mit dem sogenannten IS bezichtigten. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen nahmen daraufhin durch verst\u00e4rkte Milit\u00e4raktionen t\u00fcrkischer Streitkr\u00e4fte gegen kurdische Stellungen und St\u00e4dte deutlich an Sch\u00e4rfe zu. Die aktuellen Entwicklungen in den Heimatregionen rufen nach wie vor unmittelbare Reaktionen bei den in Nordrhein-Westfalen lebenden PKK-Anh\u00e4ngern hervor. Die Dachverb\u00e4nde und die \u00f6rtlichen Vereine riefen beinahe w\u00f6chentlich zu regionalen oder \u00fcberregionalen Kundgebungen auf, die in der \u00fcberwiegenden Mehrzahl st\u00f6rungsfrei verliefen. Vereinzelt gab es Besetzungsaktionen und auch gewaltt\u00e4tige Proteste, wie einen Brandanschlag auf eine Moschee in K\u00f6ln, zu dem sich die PKK-Jugendorganisation bekannte. Die B\u00fcrgerkriegszust\u00e4nde in den kurdischen Siedlungsgebeten der T\u00fcrkei und die weiter aktuellen Auseinandersetzungen mit dem sogenannten IS im Irak und Syrien nahmen PKK-Anh\u00e4nger zum Anlass, in Deutschland und Nordrhein-Westfalen Solidarit\u00e4tsaktionen in Form von Demonstrationen zu organisieren, bei denen regelm\u00e4\u00dfig auch eine Aufhebung des PKK-Verbots gefordert wurde. Das PKK-Verbot wurde als nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df bezeichnet, zumal die PKK gegen den gemeinsamen Feind, den sogenannten IS k\u00e4mpfe und die irakischen Peshmerga durch Waffenlieferungen aus Deutschland unterst\u00fctzt w\u00fcrden. Folgende weitere Gro\u00dfveranstaltungen fanden 2015 in Nordrhein-Westfalen statt: > 21. M\u00e4rz 2015, Bonn, Newroz-Fest unter dem Motto \"Im Lichte von Kobane zur Freiheit der V\u00f6lker\", Teilnehmerzahl: circa 17.000. > 5. September 2015, D\u00fcsseldorf, 23. Internationales Kurdisches Kulturfestival unter dem Motto \"Freiheit f\u00fcr \u00d6calan - Status f\u00fcr Kurdistan\" und \"No Pasaran - Wir sagen NEIN zum Krieg\", Teilnehmerzahl: circa 21.000. 148 Ausl\u00e4nderextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Flyer zum Kulturfestival Flyer zum Marsch der Jugend von Wuppertal nach Hagen Ausl\u00e4nderextremismus 149 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","2.Konyreya \" Ciwan\u00f6n Azad . HE LEER DR 2 Ya N to Piran heta (1) UITeNtDun] 07)TEN TOO CI kongreya HITEITHN , LreT]ln r m7810%70105emil E10:00 AdireI enter Stoinergen: 2093:CE}","> 26. Dezember 2015, D\u00fcsseldorf, Gro\u00dfdemonstration unter dem Motto \"Gegen die Massaker des t\u00fcrkischen Staates an den Kurden\", Teilnehmerzahl circa 15.000. Vor dem Hintergrund der kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien und Nordirak konnten in Nordrhein-Westfalen weiterhin verst\u00e4rkte Bem\u00fchungen zur Rekrutierung von Kr\u00e4ften f\u00fcr die dortigen Guerillaeinheiten festgestellt werden. Es wurden vermehrt K\u00e4mpfer f\u00fcr die Guerillaeinheiten der PKK, die sogenannten Volksverteidigungskr\u00e4fte (HPG), und die Volksverteidigungseinheiten (YPG) rekrutiert, von denen im Berichtszeitraum erstmalig zwei aus Deutschland stammende K\u00e4mpfer ums Leben kamen. Verst\u00e4rkt konnte auch beobachtet werden, dass sich freiwillige Helfer ohne direkten Organisationsbezug auf den Weg in die Krisenregion machten, um dort humanit\u00e4re Hilfe zu leisten und sich zum Teil erst vor Ort f\u00fcr eine Kampfausbildung entschieden. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die Aufk\u00fcndigung des Friedensprozesses zwischen der T\u00fcrkei und der PKK wird auch in Europa wahrgenommen und entfaltet seine Auswirkungen bis in die St\u00e4dte Nordrhein-Westfalens. Weiterhin muss genau beobachtet werden, welchen Resonanzboden die k\u00e4mpferischen Auseinandersetzungen in Syrien und im Nordirak zwischen Anh\u00e4ngern des sogenannten IS, dem t\u00fcrkischen Staat und den PKKbeziehungsweise PYD-Anh\u00e4ngern innerhalb Deutschlands erzeugen. Das k\u00fcnftige Demonstrationsgeschehen sowie Aktionsverhalten der PKK-Anh\u00e4nger in Nordrhein-Westfalen wird ganz wesentlich von der weiteren Entwicklung in den Krisengebieten abh\u00e4ngen. Bislang wurde jedoch hier keine wesentliche Konfrontation zwischen den verfeindeten Parteien festgestellt, wobei es bei Demonstrationen des politischen Gegners (meist nationalistische T\u00fcrken) mittlerweile regelm\u00e4\u00dfig zu Gegendemonstrationen und Zusammenst\u00f6\u00dfen kommt. Das Demonstrationsgeschehen und das Aktionsverhalten der PKK-Anh\u00e4nger sind nach wie vor tagesaktuell abh\u00e4ngig von der Entwicklung in den kurdischen Siedlungsgebieten. Es ist jedoch weiterhin davon auszugehen, dass die PKK-Anh\u00e4ngerschaft jegliche Art von medienwirksamen Aktionsformen, wie zum Beispiel bereits in der Vergangenheit durchgef\u00fchrte Besetzungsaktionen von Fernsehanstalten, Flugh\u00e4fen, Parteienb\u00fcros oder Schiffen, durchf\u00fchren wird. In besonders angespannten Lagen muss auch damit gerechnet werden, dass die kurdischen Aktivisten zu gewaltsamen Aktionen aufgerufen werden und diese auch umsetzen. Ebenso wird auch weiterhin die Forderung nach einer Aufhebung des Bet\u00e4tigungsverbotes der PKK verst\u00e4rkt vorangetrieben. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de, Web-Link: vs_pkk Ausl\u00e4nderextremismus 151 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Tamilische Befreiungstiger (Liberation Tigers of Tamil Eelam - LTTE) Sitz / Verbreitung Norden und Osten Sri-Lankas; Verbreitung weltweit mit Schwerpunkt Westeuropa Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1972 Struktur / Repr\u00e4sentanz \"Tamil Coordination Committee (TCC)\" (Hauptsitz NordrheinWestfalen in Oberhausen) \"Tamil Youth Organization (TYO)\" (Sitz in Hamm) \"Tamil Rehabilitation Organization e. V. (TRO)\" (Sitz in Wuppertal) \"Tamil Student Organization e.V. (TSV)\" (Sitz in Neuss) Mitglieder / Anh\u00e4nger / Bund: 1.000 NRW: 300 Unterst\u00fctzer 2015 Ver\u00f6ffentlichungen Magazin: \"AKARAM\" Web-Angebote: pathivu.com, eedhesam.com Kurzportrait / Ziele Tamilische Befreiungstiger (Liberation Tigers of Tamil Eelam - LTTE) streben die Errichtung eines von Sri Lanka unabh\u00e4ngigen, sozialistischen, tamilischen Staates im \u00fcberwiegend von Tamilen bev\u00f6lkerten Norden und Osten der Insel an. Zur Durchsetzung ihrer Forderung nach einem separaten Staat beging die LTTE von 1983 bis 2009 Terroranschl\u00e4ge gegen sri-lankische und indische Ziele im Rahmen eines Guerillakrieges gegen die singhalesische Zentralregierung. Nach Einnahme der verbliebenen von der LTTE kontrollierten Gebiete im Nordosten Sri Lankas konnte die Zentralregierung im Mai 2009 den jahrzehntelangen B\u00fcrgerkrieg auf Sri Lanka f\u00fcr sich entscheiden. Bei dieser Schlussoffensive wurden der F\u00fchrer der LTTE, Velupillai Prabhakaran, get\u00f6tet und die Strukturen der LTTE in Sri-Lanka zerst\u00f6rt. Das Hauptziel der LTTE im Ausland besteht darin, Gelder f\u00fcr einen k\u00fcnftigen \"Befreiungskampf\" zu beschaffen und die 152 Ausl\u00e4nderextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Versorgung von Fl\u00fcchtlingen in der Heimat zu sichern. Zudem strebt die Organisation eine politische Anerkennung als legitime Interessenvertretung der tamilischen Volksgruppe an. Finanzierung Spenden von im Ausland lebenden Tamilen Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit In einem 1983 begonnenen Guerillakrieg gegen die singhalesische Zentralregierung unter anderem mit Terroranschl\u00e4gen gegen sri-lankische und indische Ziele versuchte die LTTE, ihre Forderung nach einem eigenen Staat durchzusetzen. Durch Unterst\u00fctzung dieser Aktivit\u00e4ten verfolgen die in Deutschland lebenden Anh\u00e4nger der LTTE Bestrebungen, die die ausw\u00e4rtigen Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden - sei es durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen. Wegen der anhaltenden Gewaltaktionen der Organisation in Sri Lanka nahm die Europ\u00e4ische Union die LTTE am 29. Mai 2006 in die Liste terroristischer Organisationen auf. Das Gericht der Europ\u00e4ischen Union (EuG) in Luxemburg hat dies mit Urteil vom 16. Oktober 2014 aus formellen Gr\u00fcnden f\u00fcr nichtig erkl\u00e4rt. Auf die Frage, ob es sich bei den LTTE um eine terroristische Vereinigung handelt, geht das Urteil nicht ein. Das Gericht stellt vielmehr ausdr\u00fccklich fest, dass das auf grundlegenden Verfahrensfehlern beruhende Urteil die materiell rechtliche Beurteilung der Frage, ob die LTTE eine terroristische Vereinigung sei, unber\u00fchrt l\u00e4sst. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Nach der vollst\u00e4ndigen milit\u00e4rischen Niederlage im Mai 2009 und einer Zerschlagung der LTTEStrukturen sowie der Schw\u00e4chung ihrer Auslandsorganisationen ist seit Mitte 2010 eine Restrukturierung zu beobachten. Eine Konsolidierung der LTTE nahen tamilischen Community scheiterte bis jetzt an inhaltlichen Auseinandersetzungen und pers\u00f6nlichen Zerw\u00fcrfnissen der beiden Hauptstr\u00f6mungen innerhalb der Organisation. Das \"LTTE Headoffice\", auch \"Hauptstelle\", sieht sich als Vertreter einer moderaten Fraktion. Erstmalig artikulierte diese Gruppierung im Februar 2011 in einem Internetbeitrag ihre Perspektive der politischen L\u00f6sung auf demokratischem Weg. Die \"LTTE International Organisation\", auch \"LTTE Internationale Verbindungsstelle\", bildet den so genannten \"Hardliner\"-Fl\u00fcgel, der sich offen zu einer Wiederaufnahme des bewaffneten Kampfes in Sri Lanka bekennt. Ausl\u00e4nderextremismus 153 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Nach Auseinandersetzungen \u00fcber den internen F\u00fchrungsanspruch war erstmalig Ende 2013 eine enge Zusammenarbeit der beiden Fl\u00fcgel zu erkennen. Seither ist festzustellen, dass zumindest einige Veranstaltungen gemeinsam organisiert und durchgef\u00fchrt werden. Laut dem UN-Menschenrechtsbericht vom 16. September 2015 sind Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowohl von den tamilischen Rebellen als von den sri-lankischen Streitkr\u00e4ften begangen worden. Daraufhin forderten die Vereinten Nationen, die Errichtung eines Internationalen Sondergerichts, um die Verbrechen aufzukl\u00e4ren. Am 16. M\u00e4rz 2015 demonstrierten 3.000 LTTE-Anh\u00e4nger des europ\u00e4ischen \"Tamil Coordination Committees (TCC)\" vor dem Sitz der Vereinten Nationen in Genf f\u00fcr die Schaffung eines unabh\u00e4ngigen tamilischen Staates. Demonstration vor dem Sitz der Vereinten Nationen in Genf am 16. M\u00e4rz 2015 Sie forderten die Errichtung einer unabh\u00e4ngigen Kommission zur Untersuchung angeblicher Menschenrechtsverletzungen w\u00e4hrend des 30-j\u00e4hrigen B\u00fcrgerkrieges in Sri Lanka, insbesondere hinsichtlich der Kampfhandlungen des Jahres 2009. Zudem wurde f\u00fcr den R\u00fcckzug des sri-lankischen Milit\u00e4rs aus dem tamilischen Siedlungsgebiet, die Freilassung der politischen H\u00e4ftlinge und die Aufhebung des dortigen Verbotes der LTTE demonstriert. Am sechsten Jahrestag der milit\u00e4rischen Niederlage, dem sogenannten \"Tamils Genocide Day\", demonstrierten etwa 350 der LTTE nahstehenden Tamilen am 18. Mai 2015 in D\u00fcsseldorf. In einer Gedenkfeier der tamilischen Diaspora wurde an diesem Tag an den der sri-lankischen Regierung vorgeworfenen Genozid an Tamilen w\u00e4hrend des B\u00fcrgerkrieges in Sri Lanka erinnert. Veranstalter waren der \"Volksrat der Eelam Tamilen - Deutschland (VETD)\" und die \"Tamil Youth Organisation - Germany (TYO)\". 154 Ausl\u00e4nderextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Aufruf und Veranstaltung zum \"Tamils Genocide Day\" am 18. Mai 2015 in D\u00fcsseldorf Bei dem j\u00e4hrlichen \"Heldengedenktag\" am 27. November 2015 in Dortmund gedachten Anh\u00e4nger der Organisation weltweit in Veranstaltungen der im Kampf f\u00fcr ein unabh\u00e4ngiges Tamil Eelam gefallenen K\u00e4mpfer. Der 27. November ist der Geburtstag des ehemaligen LTTE-F\u00fchrers Velupillai Prabhakaran. Zahlreiche Anh\u00e4nger nahmen an der Gro\u00dfveranstaltung in Dortmund teil. Die j\u00e4hrliche Durchf\u00fchrung derartiger Gedenkveranstaltungen bleibt der wichtigste Identifikationspunkt f\u00fcr die LTTE-Anh\u00e4nger und belegt eine tiefe nach wie vor bestehende Verwurzelung der LTTE-Anh\u00e4nger im bewaffneten Widerstandskampf. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Nach der jetzigen Erkenntnislage gibt es weiterhin Anhaltspunkte, dass die beiden LTTE-Fl\u00fcgel gemeinsame Veranstaltungen organisieren und sich um eine bessere Koordination bem\u00fchen. Gel\u00e4nge es der LTTE den Konflikt innerhalb ihrer Anh\u00e4ngerschaft \u00fcber die k\u00fcnftige Ausrichtung - mehrheitlich \"Hardlinerfl\u00fcgel\" oder moderate Fraktion - zu l\u00f6sen, w\u00e4re es m\u00f6glich, dass sich die LTTE wieder als einheitliche gef\u00fchrte Organisation pr\u00e4sentiert. Solange sich die moderate Ausrichtung innerhalb der Organisation nicht durchgesetzt hat, bedarf es daher weiterhin der Beobachtung der LTTE durch den Verfassungsschutz. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de, Web-Link: vs_ltte Ausl\u00e4nderextremismus 155 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","156 Ausl\u00e4nderextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Islamismus IslamIsmus 157 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Islamismus 157 Im Fokus: Salafisten nutzen die zugespitzte Fl\u00fcchtlingslage f\u00fcr ihre Zwecke.................... 160 Extremistischer Salafismus ............................................................................................... 164 Hamas ................................................................................................................................ 180 Hizb Allah (Partei Gottes) ................................................................................................... 182 Hizb ut-Tahrir (Islamische Befreiungspartei - HuT) ............................................................ 184 Kalifatsstaat (Hilafet Devleti) .............................................................................................. 186 Muslimbruderschaft (unter anderem IGD) ......................................................................... 188 Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung ....................................................................................................... 190 Nordkaukasische Separatisten-Bewegung (NKSB) ........................................................... 194 T\u00fcrkische Hizbullah (TH) .................................................................................................... 196 Die Gef\u00e4hrdungslage im Bereich des islamisch motivierten Extremismus in Nordrhein-Westfalen blieb im Jahr 2015 dauerhaft erh\u00f6ht. Vor dem Hintergrund der Anschl\u00e4ge in Frankreich und Belgien wird deutlich, dass der sogenannte Islamische Staat und dessen Sympathisanten tats\u00e4chlich in der Lage sind, gro\u00df angelegte terroristische Straftaten auch in westeurop\u00e4ischen Staaten zu planen und durchzuf\u00fchren. Die Zahl der Europ\u00e4er, die nach Syrien ausgereist sind, um sich dort dem Kampf gegen das Assad-Regime und f\u00fcr einen - wie auch immer gearteten - sunnitischen und Scharia-basierten Staat anzuschlie\u00dfen, wird auf 5.000 bis 6.000 Personen gesch\u00e4tzt. Bis Januar 2016 sind 218 Personen aus Nordrhein-Westfalen, darunter 56 Frauen, diesem Ziel gefolgt. Die gr\u00f6\u00dften Gefahren gehen derzeit von R\u00fcckkehrern aus Syrien sowie von Personen aus, die sich auch ohne Ausreise aus Deutschland jihadistisch orientieren. Mit islamistisch motivierten Anschl\u00e4gen ist weiterhin zu rechnen. Die Anschl\u00e4ge in Belgien, Frankreich und D\u00e4nemark zeigen deutlich die Ausweitung dieses Konflikts auf Europa und damit auch auf Nordrhein-Westfalen. Im Januar 2015 wurde im belgischen Verviers ein Netzwerk von Syrien-R\u00fcckkehrern ausgehoben, das kurz davor stand, belgische Polizeibeamte zu \u00fcberfallen und zu t\u00f6ten. Ebenfalls im Januar 2015 ereignete sich ein Schusswaffenanschlag auf das Satiremagazin \"Charlie Hebdo\", das von zwei Br\u00fcdern ver\u00fcbt wurde. Hierbei kamen zw\u00f6lf Menschen ums 158 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Leben. An den beiden Folgetagen wurden von einem weiteren Attent\u00e4ter ein Polizistin und vier Personen in einem j\u00fcdischen Supermarkt get\u00f6tet. Im Februar wurden in Kopenhagen von einem Attent\u00e4ter Sch\u00fcsse auf ein Kulturzentrum abgegeben. Ein Besucher einer Diskussionsveranstaltung zum Thema \"Kunst und Meinungsfreiheit\" wurde hierbei get\u00f6tet. In der darauffolgenden Nacht erschoss derselbe Attent\u00e4ter einen Wachmann vor einer Synagoge. Im November 2015 ereigneten sich in Paris mehrere fast gleichzeitig durchgef\u00fchrte Terroranschl\u00e4ge. Hierbei wurden \u00fcber 130 Personen get\u00f6tet. Der sogenannte Islamische Staat bekannte sich kurz darauf zu den Anschl\u00e4gen und drohte in einem Video auch Deutschland explizit mit \u00e4hnlichen Aktionen. Die Situation in Syrien sch\u00fcrt weiterhin religi\u00f6se und ethnische Konflikte auch in Deutschland. Bereits bekannte \"Ressentiments\" zwischen Salafisten und Schiiten dehnten sich bereits 2014 auf weitere Gruppierungen wie Jesiden und Kurden aus. Des Weiteren wird die Situation in Syrien dazu genutzt, neue Anh\u00e4nger und Sympathisanten f\u00fcr die salafistisch-extremistische Idee zu gewinnen - entweder indem zur Solidarit\u00e4t mit Muslimen oder aber zum Kampf im sogenannten Islamischen Staat aufgerufen wird. F\u00fcr das Jahr 2016 ist innerhalb dieses Extremismus-Bereichs von einer weiteren Steigerung sowohl der Anh\u00e4ngerzahlen als auch der Anzahl gewaltbereiter Salafisten auszugehen. Wie die Anschl\u00e4ge des vergangenen Jahres zeigen, hat sich die Terrorgefahr f\u00fcr Europa und f\u00fcr Deutschland weiter verdichtet. Die Lage im Nahen Osten ist nach dem Scheitern des \"Arabischen Fr\u00fchlings\" und aufgrund des Syrien-Konflikts weiterhin \u00e4u\u00dferst instabil. Es ist mit weiteren Krisen zu rechnen, die mittelbare und unmittelbare Auswirkungen auf Nordrhein-Westfalen haben werden. Ein weiteres Konfliktfeld, das zus\u00e4tzlich zur Emotionalisierung bis hin zur Gewaltbereitschaft bei Islamisten f\u00fchrt, sind rechtspopulistische beziehungsweise rechtsextremistische Kampagnen, die das Thema Salafismus und generell Islamfeindlichkeit f\u00fcr ihre Zwecke nutzen (HoGeSa, D\u00fcgida und weitere). IslamIsmus 159 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Im Fokus: Salafisten nutzen die zugespitzte Fl\u00fcchtlingslage f\u00fcr ihre Zwecke Mit der Fl\u00fcchtlingsbewegung insbesondere \u00fcber das Mittelmeer und die Balkanroute hat im Jahr 2015 eine hohe Zahl von Schutz suchenden Personen Deutschland erreicht. Gleichzeitg wird durch die Sicherheitsbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder eine Steigerung des Hinweisaufkommens verzeichnet. Es werden sowohl Hinweise auf Aktivit\u00e4ten von Islamisten und vor allem Salafisten vor Fl\u00fcchtlingsaufnahmeeinrichtungen bearbeitet als auch Hinweise auf vermeintliche Jihadisten unter den Fl\u00fcchtlingen. Dem Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen liegen seit August 2015 mehr als 100 Meldungen \u00fcber die Kontaktaufnahme von Einzelakteuren, Organisationen und Vereinen des salafistischextremistischen Spektrums zu Fl\u00fcchtlingen und \u00fcber entsprechende Propaganda - in der Regel im Internet - vor. Extremistische Salafisten suchen gezielt den Kontakt zu muslimischen Fl\u00fcchtExtremistische Salafisten rufen zu Spenden auf, die vorgeblich der Fl\u00fcchtlingshilfe dienen sollen. 160 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","lingen und bieten an, diese durch vermeintliche Hilfsangebote zu unterst\u00fctzen. Sie versuchen unter anderem, sich der steigenden Anzahl von Fl\u00fcchtlingen aus Syrien in Deutschland mit Benefizveranstaltungen zu widmen. Es liegen Erkenntnisse vor, dass das Ziel dieser Agitationen nicht die Hilfeleistung selbst ist, sondern die Absicht, neue Anh\u00e4nger und Sympathisanten zu gewinnen. Etwa 25% der beschriebenen Aktivit\u00e4ten sind als salafistische Propaganda im Internet mit Aufrufen zu Spenden oder Einladungen zu Veranstaltungen zu verstehen. In den \u00fcbrigen F\u00e4llen versuchten Anh\u00e4nger des salafistischen Spektrums, konkret pers\u00f6nliche Kontakte zu Fl\u00fcchtlingen herzustellen, beispielsweise durch die \u00dcbergabe von Sachspenden. Ein regionaler Schwerpunkt dieser Aktivit\u00e4ten ist nicht festzustellen. Die Akteure und Organisationen, die in diesem Zusammenhang auftreten, werden jedoch eindeutig als extremistisch-salafistisch bewertet und im Jahresbericht des Verfassungsschutzes aufgef\u00fchrt. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung wurde vom Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen eine Informationsbrosch\u00fcre mit dem Titel \"Extremistischen Salafismus erkennen\" als Aufkl\u00e4rungsma\u00dfnahme f\u00fcr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften sowie mit der Fl\u00fcchtlingsarbeit in deren Umfeld betraute Besch\u00e4ftigte erstellt. Sie unterst\u00fctzt bei den intensiven Bem\u00fchungen, zu informieren und zu sensibilisieren. Die Aufkl\u00e4rungsma\u00dfnahmen zeigen Wirkung: Nach der Herausgabe der Brosch\u00fcre ist die Zahl der Hinweise von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften gestiegen, die von Anwerbungsversuchen durch salafistische Akteure berichten. Viele Anwerbungsversuche sind durch das inzwischen informierte Personal der jeweiligen Einrichtung unterbunden worden. Begleitend zu den kompakten Informationen in Schriftform fanden und finden fl\u00e4chendeckend Informationsveranstaltungen in ganz Nordrhein-Westfalen statt. Sie richten sich gezielt an Besch\u00e4ftigte in Aufnahmeeinrichtungen und Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften sowie in der Fl\u00fcchtlingsarbeit. Zielgruppen sind unter anderem die Betreiber der Einrichtungen, sozialp\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte sowie alle Personen, die hauptberuflich Brosch\u00fcre des Verfassungsschutzes f\u00fcr Mitaroder ehrenamtlich mit Fl\u00fcchtlingen oder beiterinnen und Mitarbeiter in Fl\u00fcchtlingseinrichunbegleiteten minderj\u00e4hrigen Fl\u00fcchtlingen tungen RechtsextRemismus 161 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","arbeiten. Die Vortr\u00e4ge tragen zu einer weiteren Sensibilisierung von Muliplikatorinnen und Multiplikatoren bei. Ein weiteres Problem im Zusammenhang mit dem Zustrom von Fl\u00fcchtlingen: Unter den Fl\u00fcchtlingen k\u00f6nnten sich auch Personen aus militanten Gruppen beziehungsweise aus terroristischen Organisationen oder Einzelpersonen mit extremistischer Gesinnung befinden, die auf Fl\u00fcchtlingsrouten nach Deutschland gelangt sind. So haben Polizei und Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen neben den Hinweisen zur versuchten Kontaktaufnahme von Salafisten mit Fl\u00fcchtlingen im Jahr 2015 etwa 50 Hinweise darauf erhalten, dass sich unter den Fl\u00fcchtlingen mutma\u00dfliche Sympathisanten oder Mitglieder jihadistischer Gruppierungen aufhalten sollen. Auch verschiedene andere Organisationen rufen zu Spenden auf, die angeblich in der Fl\u00fcchtlingshilfe genutzt werden sollen. 162 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Von diesen Hinweisen, die \u00fcberwiegend von anderen Fl\u00fcchtlingen und Asylbewerbern gegeben wurden, haben sich die meisten nicht bewahrheitet. Dennoch hat es bereits konkrete F\u00e4lle in NRW gegeben, bei denen auch islamistische K\u00e4mpfer \u00fcber die Fl\u00fcchtlingsrouten nach Deutschland gekommen sind. Seit Januar 2015 wurde in diesem Sachkomplex in Nordrhein-Westfalen eine einstellige Anzahl von Ermittlungsverfahren eingeleitet. Es hat zudem einen Anschlag mit Todesfolge in Paris (Fl\u00fcchtling mit Aufenthalt in Recklinghausen) sowie die Festnahme eines ISAngeh\u00f6rigen in Attendorn (Fl\u00fcchtlingsunterkunft) gegeben. Die im Zusammenhang mit den Anschl\u00e4gen in Paris eingehenden Hinweise \u00fcber die Reiseroute der Attent\u00e4ter sind ebenfalls gepr\u00fcft und Entwicklungen weiter verfolgt worden. Die bisherigen Ermittlungen haben ergeben, dass die Hinweise zum Teil auf Verwechselungen beruhten. In Einzelf\u00e4llen gibt es Anhaltspunkte daf\u00fcr, dass mutma\u00dfliche Jihadisten, die \u00fcber die Fl\u00fcchtlingsroute nach Nordrhein-Westfalen gekommen sind, durch den sogenannten IS gezielt gesteuert oder zumindest inspiriert waren. Die Sicherheitsbeh\u00f6rden gehen deshalb jedem Hinweis intensiv nach, um m\u00f6glichen Anschlagsplanungen rechtzeitig und wirksam begegnen zu k\u00f6nnen. Setzt man die Anzahl der Fl\u00fcchtlinge, die Nordrhein-Westfalen in 2015 aufgenommen hat (fast 330.000) in Bezug zu der Anzahl der eingegangenen Hinweise (rund 50), zeigt sich, dass es sich hierbei bislang um punktuelle Einzelf\u00e4lle handelt, die jedoch stets sehr ernst zu nehmen sind. RechtsextRemismus 163 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Extremistischer Salafismus Sitz / Verbreitung Alle Regionen Nordrhein-Westfalens, Schwerpunkte in den Ballungszentren des Rheinlands und des Ruhrgebiets Gr\u00fcndung / Bestehen seit Ursprung salafistischer Bestrebungen: Historische islamische Str\u00f6mungen vor allem Saudi-Arabiens und \u00c4gyptens Ursprung Jihadistischer Bestrebungen: Mujahidin-Bewegung der 1980er Jahre in Afghanistan. Nordrhein-Westfalen: Etwa ab 2003 erste gezielte deutschsprachige Aktivit\u00e4ten Struktur / Repr\u00e4sentanz Die extremistisch-salafistische Szene in Nordrhein-Westfalen setzt sich aus unterschiedlichen Vereinen, Netzwerken und lokalen Szenen zusammen. Es existiert in Deutschland bisher weder ein Dachverband salafistischer Strukturen, noch eine politische Repr\u00e4sentanz, wie beispielsweise eine Partei. Entsprechende Versuche sind bislang regelm\u00e4\u00dfig gescheitert und sto\u00dfen auf ideologische Vorbehalte innerhalb der Szene. Mitglieder / Anh\u00e4nger / Mindestens 2.500 bekannte extremistische Salafisten, davon Unterst\u00fctzer 2015 rund 2.000 politisch und 500 gewaltorientiert Ver\u00f6ffentlichungen Verbreitung der Ideologie politisch-extremistischer Netzwerke \u00fcber eigene Web-Angebote, Blogs und soziale Netzwerke; regelm\u00e4\u00dfige Informationsst\u00e4nde insbesondere politischer Salafisten Kurzportrait / Ziele Der extremistische Salafismus teilt sich ideologisch in zwei Grundstr\u00f6mungen auf: politisch und gewaltorientiert/jihadistisch. Politische Salafisten vertreten eine anti-demokratische und damit verfassungsfeindliche Definition des Islam und streben die Errichtung eines \"islamischen\" Staatssystems an. Ihre Hauptaktivit\u00e4t besteht in der Missionierungsarbeit und dem langfristigen Gewinn neuer Anh\u00e4nger. Gewaltorientierte Salafisten k\u00f6nnen auch als Jihadisten bezeichnet werden, da sie den Jihad als milit\u00e4rischen Kampf in den Mittelpunkt 164 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","ihrer religi\u00f6sen Vorstellungen stellen. Sie sind gewillt, ihre Vision von einem \"islamischen Staat\" auch mit Waffengewalt umzusetzen. Hauptkonfliktfeld f\u00fcr den von diesen Gruppierungen gef\u00fchrten Jihad sind zurzeit Irak und Syrien, wo der \"Arabische Fr\u00fchling\" in einen blutigen B\u00fcrgerkrieg umgeschlagen ist. Jihadisten sind jedoch auch gewillt, die aus ihrem Islamverst\u00e4ndnis abgeleiteten politischen Ordnungsvorstellungen in Deutschland mit Gewalt umzusetzen und sich f\u00fcr Ma\u00dfnahmen, die gegen jihadistische Gruppierungen gerichtet sind, auch an Deutschland zu \"r\u00e4chen\".Der \u00dcbergang zwischen den beiden ideologischen Str\u00f6mungen ist flie\u00dfend. Finanzierung Spenden, Kriminalit\u00e4t; Finanzierung religi\u00f6ser Schriften und von Propaganda-Material teilweise aus dem Ausland Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Extremistische Salafisten verstehen die islamische Religion als Ideologie und die Scharia als gottgegebenes Ordnungsund Herrschaftssystem. Demokratie ist in ihren Augen eine falsche \"Religion\". Gesetze k\u00f6nnen der salafistischen Ideologie zufolge nur von Gott kommen (Prinzip der g\u00f6ttlichen Souver\u00e4nit\u00e4t) und niemals vom Volk. Die Volkssouver\u00e4nit\u00e4t als wesentliches Element der Demokratie westlicher Pr\u00e4gung ist demnach unvereinbar mit dem religi\u00f6s argumentierenden Salafismus. Vertreter dieser Ideologie behaupten, dass alle gesellschaftlichen Probleme nur durch eine uneingeschr\u00e4nkte Anwendung von Koran und Sunna sowie eine entsprechend strikte Ausrichtung des Lebens gel\u00f6st werden k\u00f6nnen. Dazu z\u00e4hlt die konsequente Anwendung der \"Scharia\" nach salafistischer Auslegung. Sie fordern eine rigide Trennung von Mann und Frau, nicht nur in der Moschee, sondern insgesamt im \u00f6ffentlichen Raum. Eine gemeinsame schulische Erziehung von Jungen und M\u00e4dchen wird grunds\u00e4tzlich abgelehnt. Sie grenzen Frauen auf den heimischen Bereich ein. Berufst\u00e4tigkeit von Frauen wird abgelehnt. Frauen sollen sich ganz auf den Haushalt und die Kindererziehung konzentrieren. Sie sind nach diesem Wertebild nominell gleichwertig, aber keinesfalls gleichberechtigt. Die gewaltorientierten Salafisten innerhalb dieses Spektrums propagieren offen \"Jihad\" im Sinne eines bewaffneten Kampfes und \"M\u00e4rtyrertums\". Die salafistische Ideologie widerspricht somit in wesentlichen Punkten (Gesellschaftsbild, politisches Ordnungssystem, individuelle Freiheit) den Grundprinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Dar\u00fcber hinaus f\u00fchrt sie zur Bildung einer Parallelgesellschaft. Dies birgt IslamIsmus 165 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","aufgrund der propagierten feindlichen Einstellungen gegen\u00fcber der \u00fcbrigen Gesellschaft ein gro\u00dfes Konfliktpotenzial und gef\u00e4hrdet das friedliche gesellschaftliche Zusammenleben. Die extrem vereinfachende Ideologie der salafistischen Bestrebungen hat in der Vergangenheit vielfach eine weitere Radikalisierung gef\u00f6rdert. Sie bildet die ideologische Grundlage f\u00fcr eine sich weiterhin vollziehende Ausreisebewegung junger radikalisierter Menschen in den Irak und nach Syrien. Von den gewaltorientierten Salafisten geht eine tats\u00e4chliche Gef\u00e4hrdung f\u00fcr die innere Sicherheit in Deutschland aus. Sie sind bereit, zum Erreichen ihrer Ziele auch in Deutschland schwerste Gewalttaten zu ver\u00fcben und schrecken dabei auch vor vielfachem Mord nicht zur\u00fcck. Ihre Vorstellungen von einem \"islamischen Staat\" stehen in einem diametralen Widerspruch zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung in Deutschland und Europa. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Der extremistische Salafismus hat sich im Jahr 2015 im Wesentlichen auf vier Bereiche fokussiert: Missionierung Verteilung religi\u00f6ser Schriften im \u00f6ffentlichen Raum, Wohnungs-Dawa und Missionierung \u00fcber Webseiten und in sozialen Netzwerken. Damit wird das Ziel verfolgt, Personen an die Netzwerke heranzuf\u00fchren, ohne im Vorhinein die extremistische Agenda \u00f6ffentlich deutlich zu machen. Hilfsorganisationen Spendensammlungen f\u00fcr Hilfsaktionen zum Thema Syrien. Unter einem humanit\u00e4ren Label werden Gelder und Sachspenden gesammelt und zum Teil gezielt salafistischen Netzwerken in Syrien zugef\u00fchrt. Diese Aktionen werden als Gegenma\u00dfnahmen zu angeblich \"christlichmissionarischen\" Hilfsaktionen in Syrien wie beispielsweise des Internationalen Roten Kreuzes propagiert. Gefangenenhilfe Durch Netzwerke zur Gefangenenhilfe werden Personen der salafistischen Szene betreut, die meist aufgrund von Staatsschutzdelikten vor Gericht stehen oder verurteilt worden sind. Die Betreuung reicht von Besuchen der Prozesstermine bis hin zu \"Erbauungsbriefen\" in der Haft. Diese \"Hilfe\" verfolgt das Ziel, Reue zu verhindern und Resozialisierungsprozesse zu unterbinden. 166 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Jihadismus Gewaltorientierte Salafisten (Jihadisten) sind gewillt, ihre Vision eines \"Islamischen Staates\" mit terroristischer Gewalt umzusetzen. 2015 waren jihadistische Salafisten vor allem auf den internationalen Jihad in Syrien und im Irak fokussiert, wo sich nach dem \"arabischen Fr\u00fchling\" ein blutiger B\u00fcrgerkrieg entwickelt hat. Die Spaltung der jihadistischen Bewegung in Kern-al-Qaida und ihr nahe stehende Gruppen sowie den sogenannten Islamischen Staat (IS), der aus al-Qaida im Irak hervorgegangen ist, hat sich 2015 weiter verfestigt. Entsprechend der Ausrichtung und Propaganda der von ihnen jeweils pr\u00e4ferierten Gruppierung sind Jihadisten auch in Deutschland bereit, wie in verschiedenen anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern geschehen, schwere Gewaltverbrechen zu begehen, um den Zielen ihrer Jihadistengruppe zu dienen. Im Zusammenhang mit den im Jahr 2015 begangenen jihadistisch motivierten Anschl\u00e4gen im Ausland hat die Zahl entsprechender Warnhinweise mit Bezug nach Nordrhein-Westfalen in erheblichem Ma\u00dfe zugenommen. Zu den vier Themenbereichen konnten im Berichtsjahr im Einzelnen folgende Entwicklungen beobachtet werden: Entwicklungen im Bereich \"Missionierung/Rekrutierung\" Der Begriff \"Dawa\" (Aufruf oder Einladung zum Islam) wird von extremistischen Salafisten zur Bezeichnung ihrer Missionierungst\u00e4tigkeiten genutzt und stellt das grundlegende Bet\u00e4tigungsfeld der Szene dar. Wurden im Jahr 2014 \u00f6ffentlichkeitwirksam \"street-dawa\" (Stra\u00dfenmissionierung) durchgef\u00fchrt und Predigten auf Gro\u00dfveranstaltungen gehalten, wich die extremistisch-salafistische Szene im Jahr 2015 zunehmend in den nicht-\u00f6ffentlichen Raum wie Privatr\u00e4ume und angemietete Hallen oder kleinere Veranstaltungsformen aus. Die Kampagne Lies! (Koranverteilung im \u00f6ffentlichen Raum) lief jedoch wie bisher weiter. > Pierre Vogel Der salafistische Prediger Pierre Vogel nahm im Berichtsjahr an diversen Benefizund Spendengalas der salafistischen Szene sowie an einem von Sven Lau organisierten Zeltlager teil. Im Gegensatz zu 2014 ist Vogel erheblich seltener aufgetreten. Seine Pr\u00e4senz im Internet, vor allem in den sozialen Netzwerken, war aber nach wie vor ungebrochen hoch. Er adresPierre Vogel bei einer Kundgebung. sierte seine Zuh\u00f6rerschaft mit diversen Statements auch zu aktuellen Geschehnissen, um seine Botschaften zu verbreiten. Er steigerte sein Engagement in der sogenannten \"Wohnungs-Dawa\". Einem ausgesuchten Personenkreis wird dabei IslamIsmus 167 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","die salafistische Ideologie in einem privaten Umfeld in Form von Vortr\u00e4gen, Gespr\u00e4chskreisen und gemeinsamen Gebeten n\u00e4her gebracht. Bei dieser Form der Missionierung wenden sich Szeneangeh\u00f6rige direkt an salafistische Prediger, um sie in Privatwohnungen einzuladen. > Sven Lau Der in salafistischen Kreisen ebenfalls popul\u00e4re Prediger Sven Lau, der dem zwischenzeitlich aufgel\u00f6sten Netzwerk Einladung zum Paradies (EZP e.V.) angeh\u00f6rte, verst\u00e4rkte neben der seit Jahren praktizierten Missionierung im Internet sein Engagement in der Gefangenenhilfe. Er organisierte eine Kundgebung in Wuppertal unter dem Motto \"Solidarit\u00e4t f\u00fcr muslimische Gefangene\" und trat als Redner auf einer gleichgelagerten Veranstaltung in D\u00fcsseldorf auf. \u00c4hnlich wie bei Pierre Vogel ist bei Sven Lau die Anzahl der \u00f6ffentlichen Auftritte r\u00fcckl\u00e4ufig. Neben Auftritten auf Benefizund Spendengalas engagierte Lau sich ebenfalls vermehrt in der sogenannten \"Wohnungs-Dawa\". Er hielt Ende des Jahres gemeinsam mit dem Verantwortlichen des Missionierungsnetzwerkes Siegel der Propheten ein \"Dawa-Seminar\" ab, das speziell f\u00fcr Teilnehmer an Informationsst\u00e4nden konzipiert wurde. Am 15. Dezember 2015 wurde gegen Sven Lau in M\u00f6nchengladbach ein Haftbefehl vollstreckt. Dieser wurde im Rahmen des gegen ihn durch den Generalbundesanwalt in Karlsruhe eingeleiteten Ermittlungsverfahrens wegen des Verdachts der Unterst\u00fctzung einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung vom Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof erlassen. Rene Anhuth/ANCNews/dpa Lau befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Die Verhaftung von Sven Lau am 15. Dezember 2015 Reaktion der Szene auf seine Festnahme hielt sich insgesamt in Grenzen. Die bereits nach seiner Festnahme im Jahr 2014 initiierte Aktion \"Free Abu Adam\" wurde wieder aufgegriffen. Aufrufe zu Veranstaltungen hat es aber in diesem Kontext bisher noch nicht gegeben. 168 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","> Verteilen von Koran-\u00dcbersetzungen Das Netzwerk Die Wahre Religion um den in K\u00f6ln lebenden salafistischen Prediger Ibrahim Abou Nagie bildet weiterhin einen Schwerpunkt innerhalb des extremistischen Salafismus. Die Wahre Religion ist bundesweit aktiv und betreibt ein eigenes Web-Angebot. \u00dcber dort ebenfalls in Erscheinung tretende salafistische Akteure aus Nordrhein-Westfalen sind eindeutig Bez\u00fcge zum extremistischen Salafismus erkennbar. Die Wahre Religion erregt Aufsehen durch die Verteilung von deutschsprachigen Koranexemplaren unter dem Kampagnentitel Lies!. Die Aktionen sind \u00e4hnlich wie bei einem Franchise-System organisiert. Eine Zentralstelle leitet an, die Verantwortlichkeit f\u00fcr die Aktionen vor Ort \u00fcbernehmen jedoch lokale Akteure. Ihr vorrangiges Ziel ist dabei nicht die tats\u00e4chliche Konversion aller in Deutschland lebenden Menschen zum Islam, sondern das Provozieren medialer und staatlicher Reaktionen und die Bindung bereits affiner Anh\u00e4nger. Nach Selbstwahrnehmung und Darstellung von Salafisten geht es beim Umgang der Beh\u00f6rden und der deutschen \u00d6ffentlichkeit mit dem Salafismus um eine vermeintliche \"Verfolgung\" aller Muslime in Deutschland. Dies sei Teil eines globalen Krieges \"des Westens\" gegen \"den Islam\". In Nordrhein-Westfalen hat es im Jahr 2015 etwa 350 Koranverteilungen gegeben. Die Verteilaktionen werden in sozialen Netzwerken intensiv medial verwertet und beworben. Dabei werden Auszug der Internetseite Die Wahre Religion zur Lies!-Kampagne IslamIsmus 169 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","auch regelm\u00e4\u00dfig Besucher an den St\u00e4nden fotografiert und die Bilder online gestellt. Rund 400 Personen der Szene konnten bislang diesem Netzwerk in verschiedenen Funktionen zugerechnet werden. Damit ist Lies! das derzeit mitgliederst\u00e4rkste Netzwerk im Bereich des extremistischen Salafismus. Koranverteilungen im Zusammenhang mit der Lies!-Kampagne sind eindeutig als salafistisch extremistische Aktionsformen zu bewerten, f\u00fcr sich genommen rechtlich grunds\u00e4tzlich aber nicht sanktionierbar. Sie dienen einem Heranf\u00fchren junger Menschen an die extremistische Szene. Ein ordnungsrechtliches Vorgehen gegen diese Aktionsform der \"Street Symbol der Kampagne \"Siegel der Propheten\". Dawa\" gestaltet sich jedoch schwierig, da die Die Gestaltung l\u00e4sst eine \u00c4hnlichkeit zur Lies!Verteilungen in der Regel zwar Ausdruck einer Kampagne erkennen. extremistischen Gesinnung sind, aber nicht unmittelbar zu strafbaren Handlung und einer Gef\u00e4hrdung der \u00f6ffentlichen Ordnung f\u00fchren. Neben Lies! hat sich in Nordrhein-Westfalen ein weiteres Koranverteilungsnetzwerk gebildet. Unter dem Namen Das Siegel der Propheten existiert ein Netzwerk, das schwerpunktm\u00e4\u00dfig im Raum D\u00fcsseldorf agiert. Als \"Siegel der Propheten\" wird der von den Muslimen als Prophet Mohammed verehrte Religionsstifter des Islam bezeichnet. Bei diesem Netzwerk handelt es sich um eine Abspaltung von Lies!. Im Unterschied zu Lies!-St\u00e4nden werden andere religi\u00f6se Schriften unter dem ebenfalls extremistisch-salafistischen Label Way to Allah (Der Weg zu Allah) verteilt. Bestehende Streitigkeiten zum Lies!-Netzwerk wurden im Herbst 2015 beigelegt und der Expansionskurs wurde im Dezember wiederbelebt. Verteilaktionen fanden unter anderem in Hannover und Hamburg statt. Entwicklungen im Bereich \"Hilfsorganisationen\" Netzwerke f\u00fcr die Syrienhilfe Nach dem Scheitern des \"Arabischen Fr\u00fchlings\" in Syrien herrscht dort noch immer ein blutiger B\u00fcrgerkrieg, der vor allem die Zivilbev\u00f6lkerung trifft. Der Konflikt erstreckt sich durch die Involvierung des sogenannten Islamischen Staates auch auf den Irak und erm\u00f6glichte den Aufstieg 170 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","diverser jihadistischer und al-Qaida-naher terroristischer Gruppierungen. Die Bereitstellung humanit\u00e4rer Hilfe f\u00fcr die syrische Zivilbev\u00f6lkerung gibt grunds\u00e4tzlich keinen Anlass zur Beobachtung durch den Verfassungsschutz. Sammelund Hilfsaktionen extremistisch-salafistischer Netzwerke, die bei der Spendensammlung eine Neigung zu jihadistischen Gruppierungen in Syrien erkennen lassen, werden jedoch in Nordrhein-Westfalen durch den Verfassungsschutz beobachtet. Es bestehen Anhaltspunkte daf\u00fcr, dass Gelder, die im Rahmen von Benefizveranstaltungen und Sammelaktionen dieser Netzwerke zusammengetragen werden, teilweise gezielt salafistischen oder sogar terroristischen Netzwerken in Syrien zugehen. Die Gelder verbleiben zum Teil auch in Deutschland und werden hier zur Netzwerkpflege zweckentfremdet. Die nachfolgend genannten Organisationen stehen aufgrund von gewichtigen Anhaltspunkten im Verdacht, sich nicht ausreichend von jihadistischen Gruppierungen zu distanzieren. > Ansaar International Bei dem im Jahr 2012 in D\u00fcsseldorf gegr\u00fcndeten Verein Ansaar D\u00fcsseldorf e.V. handelt es sich dem eigenen Verst\u00e4ndnis nach um einen Hilfsbund zur Unterst\u00fctzung notleidender Glaubensgeschwister im Inund Ausland. Der Verein f\u00fchrt auch die Bezeichnung Ansaar International e.V. Er ist fest mit der deutschen Salafisten-Szene verwoben. Ansaar D\u00fcsseldorf e.V. unterst\u00fctzt Hilfsprojekte f\u00fcr bed\u00fcrftige Muslime weltweit. Innerhalb Deutschlands verf\u00fcgt die Organisation \u00fcber mehrere sogenannte \"Ansaar International Teams\", die im Namen des Vereins Spenden sammeln, Werbeaktionen durchf\u00fchren und im Internet mit eigenen Facebook-Auftritten f\u00fcr sich werben. Mitglieder von Ansaar D\u00fcsseldorf e.V. treten regelm\u00e4\u00dfig an Informationsst\u00e4nden zum Islam und bei Aktionen zur Verteilung des Korans in Erscheinung. Spendenaufruf von Ansaar International bei Facebook IslamIsmus 171 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Nach eigener Darstellung ist der Verein derzeit in Syrien, Somalia, Marokko, Burma, Indonesien, Tschetschenien, Libanon, Ghana, Afghanistan, Pal\u00e4stina, Thailand und Deutschland aktiv. Der Bau von Moscheen, Schulen und Brunnen sowie Hilfe f\u00fcr Witwen und Waisen sollen laut eigener Aussage zu den grundlegenden Aktivit\u00e4ten des Vereins geh\u00f6ren. Aktive Nothilfe werde f\u00fcr \"Geschwister\" durch Lieferung von Lebensmitteln, Medizin und auch Krankenwagen in Kriegsgebiete geleistet. In Deutschland liege der Schwerpunkt der Aktivit\u00e4ten auf der Dawa-Arbeit und der Hilfe f\u00fcr in einer akuten Notlage befindliche Menschen. Nach derzeitigem Erkenntnisstand fokussiert sich Ansaar International e.V. auf humanit\u00e4re Hilfe f\u00fcr die syrische Zivilbev\u00f6lkerung. Der Verein unterh\u00e4lt eigenen Angaben zufolge derzeit mehr als 20 Lebensmittellager in Syrien. Zudem betreibe Ansaar International ein Krankenhaus in Aleppo und ein Facharztzentrum (Ansaar Medical Clinic) in Idlib. Auch wenn im Zuge kritischer Berichterstattung in den Medien eine Verbindung zum extremistisch-salafistischen Spektrum vermieden werden sollte, wurden bei Spendensammlungen international bekannte und angesehene salafistische Prediger als besondere Attraktionen eingebunden. Auch das Streben nach Anerkennung als gemeinn\u00fctzige Organisation ist als Teil eines vordergr\u00fcndigen Legalisierungskurses zu verstehen. Im Internet finden sich hingegen keinerlei Distanzierungen zu extremistisch-salafistischen Predigern oder den Inhalten ihrer Predigten. Vielmehr haben entsprechende Veranstaltungen und Kontakte auch im Jahr 2015 stattgefunden. Somit ist Ansaar D\u00fcsseldorf e.V. weiterhin als Bestandteil der extremistisch-salafistischen Szene zu werten. Eine Distanzierung vom sogenannten Islamischen Staat geht einher mit der grunds\u00e4tzlichen Bejahung der vom IS abgespaltenen und heute al-Qaida nahen Gruppierung Jabhat al-Nusra (JaN). Die Zustimmung zur \"Befreiung\" Idlibs durch die JaN und das Betreiben eines \u00c4rztezentrums dort deutet beispielsweise auf eine N\u00e4he zur JaN hin. Hilfeleistung in einem von einer jihadistischen Gruppierung kontrollierten Gebiet ist nicht ohne die Zustimmung und das Einvernehmen der \u00f6rtlichen Machthaber m\u00f6glich. 172 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","> Helfen in Not Der im Jahr 2013 gegr\u00fcndete Verein Helfen in Not (HiN) - vormals mit Sitz in Neuss - bezeichnet sich als Hilfsverein zur Unterst\u00fctzung notleidender Muslime. Im Vordergrund seiner Aktivit\u00e4ten steht die Hilfe f\u00fcr vom B\u00fcrgerkrieg betroffene Menschen in Syrien. Bei allen Aktivit\u00e4ten des Vereins in Nordrhein-Westfalen und im \u00fcbrigen Bundesgebiet zeigt sich jedoch die feste Einbindung in die salafistische Szene, in der auch der \"Kampf gegen die Feinde des Islams\", also der militante Jihad, gutgehei\u00dfen wird. Im Berichtsjahr 2015 lieferte HiN weiterhin medizinische G\u00fcter und Kleidung nach Syrien. Nach K\u00fcndigung der bisherigen R\u00e4ume in Neuss ist der Verein derzeit ohne festen Sitz in Nordrhein-Westfalen. Ein offenes Vereinsleben gestaltet sich nach dem Wegfall dieser Anlaufadresse schwierig. Trotzdem sind umfangreiche Aktivit\u00e4ten und Reisebewegungen - insbesondere des Vereinsvorsitzenden - zu verzeichnen. > Medizin mit Herz Der Verein Medizin mit Herz (vormals aktiv unter dem Namen Medizin ohne Grenzen) ist im Sommer 2013 gegr\u00fcndet worden und hat seinen Sitz aktuell in Hennef. Der Verein sammelt Hilfsg\u00fcter und Krankenwagen f\u00fcr vordergr\u00fcndig humanit\u00e4re Zwecke in Syrien. Durch seine Aktivit\u00e4ten hat er Bez\u00fcge \u00fcber die Region Bonn hinaus auch in andere Bundesl\u00e4nder. Akteure, die f\u00fcr den Verein t\u00e4tig sind und f\u00fcr ihn werben, k\u00f6nnen der salafistischen Szene im Raum Bonn zugerechnet werden. Auf dieser Grundlage werden der Verein und seine Aktivit\u00e4ten durch den Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen beobachtet. Eine wesentliche \u00c4nderung hinsichtlich handelnder Personen und der grunds\u00e4tzlichen Ausrichtung war im Jahr 2015 nicht erkennbar. Medizin mit Herz arbeitet aktuell auch mit Personen und Organisationen in Syrien zusammen, die vor Ort logistische Aufgaben erf\u00fcllen. Entwicklungen im Bereich \"Gefangenenhilfe\" > Bernhard Falk Der ehemalige Linksterrorist Bernhard Falk widmet sich wie in den vergangenen Jahren auch der Gefangenenhilfe. \u00dcber soziale Netzwerke ruft er regelm\u00e4\u00dfig zur Unterst\u00fctzung der vermeintlichen \"muslimischen politischen Gefangenen der BRD\" auf. Er teilt dabei mit, in welchen Justizvollzugsanstalten sie einsitzen, beziehungsweise vor welchen Gerichten die entsprechenden IslamIsmus 173 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Prozesse stattfinden. Es wird sowohl um Kontaktaufnahme mit den \"Geschwistern\", beispielsweise durch Besuche oder Briefsendungen, als auch um Spenden gebeten. Dar\u00fcber hinaus besucht Falk regelm\u00e4\u00dfig die Gerichtsverhandlungen, berichtet ausf\u00fchrlich \u00fcber den Prozessverlauf und teilt seine Einsch\u00e4tzungen zum Verfahrensstand mit. \u00dcber die Unterst\u00fctzungsaufrufe im Internet hinausgehend verteilt Falk auf einschl\u00e4gigen Veranstaltungen der salafistischen Szene Flyer, um auf die Situation der \"muslimischen Gefangenen in der BRD\" aufmerksam zu machen. Der Gefangenenbetreuung kommt mittlerweile - nicht zuletzt aufgrund der gestiegenen Zahl der Strafverfahren gegen jihadistische Salafisten - in der extremistisch-salafistischen Szene eine besondere Stellung zu. Auszug aus dem Internetauftritt von Bernhard Falk Neben der blo\u00dfen Darstellung der Geschehnisse soll auch die Verbundenheit mit der Szene gest\u00e4rkt und somit eine Abkehr von der salafistischen Ideologie verhindert werden. Bernhard Falk bezieht deutlich Position gegen den sogenannten Islamischen Staat, gibt aber immer wieder positive Statements zu al-Qaida-Gruppierungen ab, die noch zum urspr\u00fcnglichen Netzwerk des Aiman al-Zawahiri, dem Nachfolger Usama Bin Ladens, gez\u00e4hlt werden k\u00f6nnen. Insofern ist Bernhard Falk zumindest ideologisch als Jihadist einzuordnen, der durch seine Gefangenenbetreuung einer m\u00f6glichen Resozialisierung Gleichgesinnter vor, w\u00e4hrend und nach der Strafhaft aktiv entgegenwirkt. Er unterst\u00fctzt beispielsweise massiv die Kampagne \"Free Umm Luqman\". Diese Kampagne bezieht sich auf die deutsche und polnische Staatsangeh\u00f6rige Karolina R. - alias Umm Luqman -, die wegen Unterst\u00fctzung der ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung Islamischer Staat am 24. Juni 2015 zu drei Jahren und 9 Monaten Haft verurteilt wurde. Im Jahr 2013 hielt sich Karolina R. mit ihrem Ehemann nach islamischem Recht und dem im Jahr 2012 geborenen gemein174 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","samen Sohn in Syrien auf. Nach ihrer R\u00fcckkehr nach Deutschland Ende 2013 f\u00fchrte sie Sachmittelund Spendensammlungen durch. Sie t\u00e4tigte im Februar 2014 in mindestens f\u00fcnf F\u00e4llen \u00dcberweisungen an ihren noch in Syrien befindlichen Ehemann zur Unterst\u00fctzung des IS. Entwicklungen im Bereich \"Jihadismus\" > Tauhid Germany Am 26. M\u00e4rz 2015 wurde die Organisation Tauhid Germany (TG) vom Bundesminister des Innern in Deutschland verboten. Unter der Bezeichnung Tauhid Germany (zeitweise auch Tauhid Deutschland firmierte eine Gruppe, die sich zur Verbreitung salafistischer Propaganda im Internet zusammengeschlossen hatte und die starke Bez\u00fcge zum Jihadismus erkennen lie\u00df. Die Aktivit\u00e4ten von TG kamen nach den Verbotsma\u00dfnahmen zum Erliegen. Einer der beiden Hauptakteure von TG floh nach dem Verbot der Organisation in die T\u00fcrkei und entzog sich dadurch einer Haftstrafe, zu der er wegen der Ausschreitungen in Solingen im Mai 2012 verurteilt worden war. > Ehemaliges Umfeld von Millatu Ibrahim Die beiden R\u00e4delsf\u00fchrer der im Jahr 2012 verbotenen Vereinigung Millatu Ibrahim (MI) Mohammed Mahmoud und Dennis Cuspert, die sich dem sogenannten Islamischen Staat angeschlossen haben, betrieben im Berichtsjahr weiterhin Propaganda \u00fcber das Internet. Im August 2015 erschien ein offizielles PropagandaVideo der Medienstelle des IS im Internet. Erstmalig wendet sich ein deutschsprachiges Video explizit an Deutschland und \u00d6sterreich. Im Verlauf des Videos wird die Hinrichtung zweier durch den IS gefangen genommener syrischer Soldaten gezeigt. Bei einem der IS-K\u00e4mpfer, die im Video zu sehen sind, handelt es sich um den bis zu seiner Ausreise in K\u00f6nigswinter wohnenden Yamin Houssein A. Z., der mutma\u00dflich im Dezember 2014 nach Syrien ausgereist ist. Auch der ehemalige MI-Protagonist Christian Emde alias Abu Qatadah sorgte aufgrund eines von einem bekannten deutschen Journalisten gef\u00fchrten und stark verbreiteten Interviews im irakischen Mossul f\u00fcr mediales Echo. Emde bekannte sich unmissverst\u00e4ndlich zum Islamischen Staat. IslamIsmus 175 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","> Lohberger Gruppe Bislang konnten rund 30 Personen identifiziert werden, die der salafistischen Szene Lohberg zuzuordnen sind beziehungsweise waren. Gegen mehrere dieser Personen sind aktuell staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren anh\u00e4ngig. Etwas mehr als ein Dutzend Mitglieder der sogenannten Lohberger Gruppe sind nach Syrien ausgereist. Vier davon sind vor einem m\u00f6glichen Kampfeinsatz wieder zur\u00fcckgekehrt. Einige Personen scheinen sich zumindest anfangs gemeinsam unter der Bezeichnung \"Brigade Lohberg\" in Syrien aufgehalten zu haben. Diese Bezeichnung wurde durch Internet-Propaganda bekannt gemacht und suggerierte die Existenz einer zusammenh\u00e4ngenden deutschsprachigen Gruppe. \u00dcber die reine Propaganda hinaus sind keine Aktionen dieser vermeintlichen \"Brigade\" bekannt geworden. Eine Ausstrahlung in die verbliebene Szene in Lohberg hinein konnte nicht festgestellt werden. Ebenso wenig sind neue Verlautbarungen der \"Brigade\" bekannt geworden. Informationen \u00fcber die Gruppe legen nahe, dass die Mitglieder sich dem sogenannten Islamischen Staat in Syrien angeschlossen haben und sich im Laufe der Zeit anscheinend verteilt und in verschiedenen Regionen in Syrien beziehungsweise dem Irak aufgehalten haben. Der aus Dinslaken stammende Philip B., alias Abu Usama al-Almani, wurde in der Vergangenheit als ein Hauptprotagonist der Lohberger Gruppe eingesch\u00e4tzt. Er bekannte sich als einer der ersten in einem im Internet ver\u00f6ffentlichten Video zum Islamischen Staat und legte ein Gel\u00fcbde auf \"den Kalifen\" al-Baghdadi ab. Eine im Internet und medial verbreitete Mitteilung besagte, dass eine Person mit Namen Abu Usama al-Almani durch ein Selbstmordattentat zum \"M\u00e4rtyrer\" geworden sei. Ob es sich dabei tats\u00e4chlich um Philip B. handelt, kann der Verfassungsschutz NRW nicht mit letzter Gewissheit best\u00e4tigen. Auff\u00e4llig ist, dass seitdem keine weiteren Bekenntnisse des Philip B. \u00f6ffentlich geworden sind. Der ebenfalls aus Dinslaken stammende Mustafa K. wurde einer gr\u00f6\u00dferen \u00d6ffentlichkeit durch ein im Februar 2014 im Internet ver\u00f6ffentlichtes Fotos bekannt, das ihn mit gek\u00f6pften mutma\u00dflichen kurdischen K\u00e4mpfern in Nord-Syrien zeigt. Mustafa K. soll Ende 2014 bei Kampfhandlungen get\u00f6tet worden sein. Mit der Ausreise von rund einem Dutzend Hauptprotagonisten scheint der wesentliche Kern der Gruppe Dinslaken verlassen zu haben. Allerdings sind weitere Salafisten in Dinslaken und Duisburg bekannt, die in einem Kennverh\u00e4ltnis zu den Ausgereisten standen beziehungsweise, ohne Syrien erreicht zu haben, zur\u00fcckkehrten. Es besteht somit weiterhin die Gefahr, dass sich zuk\u00fcnftig Personen aus der Region radikalisieren und ebenfalls versuchen, auszureisen. Nils D., ein Mitglied der Lohberger Gruppe, wurde nach seiner R\u00fcckkehr aus Syrien im Januar 2015 festgenommen. Im Januar 2016 hat beim OLG D\u00fcsseldorf die Hauptverhandlung gegen 176 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","ihn begonnen, in deren Verlauf Nils D. umfassend zu seiner Mitgliedschaft im sogenannten Islamischen Staat aussagt. Auf diese Weise k\u00f6nnen zahlreiche Hinweise zu Radikalisierungsverl\u00e4ufen innerhalb der deutschen Extremisten-Szene und zur Situation auf dem Gebiet des sogenannten Islamischen Staats gewonnen werden. > Al-Shabab Am 8. und am 20. September 2014 hat der Generalbundesanwalt mehrere Personen am Flughafen in Frankfurt am Main festnehmen lassen. Sie werden beschuldigt, sich als Mitglieder an der ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung al-Shabab beteiligt zu haben. Sie sollen im Jahr 2012 von Deutschland aus nach Somalia gereist sein, um sich al-Shabab anzuschlie\u00dfen. Dabei sind sie dringend verd\u00e4chtig, in einem Lager der Terrororganisation eine Ausbildung im Umgang mit Schusswaffen und Handgranaten durchlaufen und in der Folge an Eins\u00e4tzen der Terrororganisation teilgenommen zu haben. Zwei Beschuldigten wird zudem vorgeworfen, die Absicht verfolgt zu haben, sich dem sogenannten Islamischen Staat anzuschlie\u00dfen. Am 9. M\u00e4rz 2015 erhob die Bundesanwaltschaft vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main Anklage. Die radikal-islamische al-Shabab hat sich zu dem am 26. Juli 2015 ver\u00fcbten Selbstmordanschlag auf das Al-Jazeera Palace Hotel in Somalias Hauptstadt Mogadischu bekannt, das von vielen Diplomaten und Regierungsbeamten genutzt wurde. Der aus Bonn stammende 30-j\u00e4hrige Abdirizak B. hat einen mit Sprengstoff beladenen LKW zur Explosion gebracht. Neben dem Selbstmordattent\u00e4ter kamen mindestens weitere 15 Menschen ums Leben. B. war 2012 zun\u00e4chst \u00fcber \u00c4gypten nach Somalia ausgereist, um sich dort der al-Shabab anzuschlie\u00dfen. Er geh\u00f6rte in Deutschland einer Gruppe radikaler Somalier an, die als \"Deutsche al-Shabab\" bekannt waren. Mehrere weitere Mitglieder reisten in den vergangenen Jahren nach Somalia aus, um f\u00fcr die al-Shabab zu k\u00e4mpfen. Nach Verlautbarung der al-Shabab war der Anschlag \"die Vergeltung f\u00fcr die T\u00f6tung dutzender unschuldiger Zivilisten bei Angriffen \u00e4thiopischer Truppen auf Lager der Miliz im S\u00fcden Somalias\". Al-Shabab bek\u00e4mpft seit Jahren die somalische Regierung sowie Truppen der Afrikanischen Union. Sie verantwortet zudem mehrere schwere Anschl\u00e4ge in Kenia. Gegen den deutschen Staatsangeh\u00f6rigen Andreas Martin M. (alias Ahmed Khaled M.) f\u00fchrt der Generalbundesanwalt seit Juni 2015 ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des gemeinschaftlichen Mordes in Tateinheit mit der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im au\u00dfereurop\u00e4ischen Ausland (Al-Shabab). M. soll an Anschl\u00e4gen auf eine Kirche in Nairobi (2012), auf das kenianische Einkaufszentrum \"Westgate\" in Nairobi (2013) und auf eine Milit\u00e4rbasis in Kenia (2015) beteiligt gewesen sein. IslamIsmus 177 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","M. wird mittlerweile mit Fahndungsplakat und der Ausschreibung einer Belohnung von 10 Millionen Kenia-Schilling (rund 90.000 Euro) gesucht. \u00d6ffentliche Fahndung nach dem deutschen Staatsangeh\u00f6rigen Andreas Martin M. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Der extremistische Salafismus findet in seinen verschiedenen ideologischen Auspr\u00e4gungen auch in Nordrhein-Westfalen weiterhin Zulauf von meist jungen Menschen. Durch den Fortgang des brutalen B\u00fcrgerkrieges im Irak und in Syrien sowie der kriegerischen Konflikte in weiteren Teilen der islamischen Welt bestehen staatsund regierungsfreie R\u00e4ume. Dies bietet Terrorgruppierungen mit jihadistischer Ideologie die M\u00f6glichkeit, ihren Machtbereich in diesen Freir\u00e4umen zu etablieren. Ihre milit\u00e4rischen Erfolge und ihre im Internet verbreitete Selbstinszenierung als \"musterg\u00fcltige islamische Staaten\" erh\u00f6hen deren Attraktivit\u00e4t in der hiesigen salafistischen Szene. In der Folge wird der Drang zur Ausreise fortbestehen mit dem Ziel, sich diesem extremistisch-salafistischen Modell anzuschlie\u00dfen. Damit steigt gleichzeitig die Zahl derer weiter an, die mit Kampfausbildung und -erfahrung potenziell wieder zur\u00fcckkehren und \u00fcber deren R\u00fcckkehrmotive zuerst einmal nur spekuliert werden kann. Die hierdurch entstandenen und noch entstehenden Risiken f\u00fcr die innere Sicherheit in Nordrhein-Westfalen sind schwer kalkulierbar. Ausgereiste Jihadisten erhalten in den \"befreiten Gebieten\" des sogenannten IS eine Ausbildung an Waffen. Sie k\u00f6nnen mit gleichgesinnten Personen aus Europa und anderen Teilen der Welt Netzwerke kn\u00fcpfen und beispielsweise Anschlagspl\u00e4ne gegen westliche Ziele entwickeln. Dies 178 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","zeigen die zur\u00fcckliegenden Ereignisse in Frankreich, Belgien und D\u00e4nemark sowie konkrete Drohungen, die Deutschland als Anschlagsziel benennen. Der zunehmende Druck auf den sogenannte IS und die damit einhergehenden milit\u00e4rischen Niederlagen erh\u00f6hen die Anschlagsgefahr in Europa zus\u00e4tzlich. Erfolgsnarrative, die die Einheit des sogenannten IS beschw\u00f6ren, werden durch die Ausf\u00fchrung von Anschl\u00e4gen auf Ziele in der westlichen Welt untermauert. Drohvideo des IS, in dem Deutschland ausdr\u00fccklich als Angriffsziel genannt wird. Als R\u00fcckkehrer mit Terrorausbildung und Kampferfahrung stellen die Jihadisten eine langfristige Gefahr dar. Auch wenn sie eine Zeit lang nicht auff\u00e4llig sein sollten, bleiben sie dennoch potentiell gewaltbereit. Dies wird in Zukunft eine gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr die deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden darstellen. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de, Web-Link: vs_extsalaf IslamIsmus 179 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Hamas Sitz / Verbreitung Hauptsitz der Vereinsstrukturen in Berlin, Aktivit\u00e4ten auch in Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesl\u00e4ndern Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1987 Struktur / Repr\u00e4sentanz In Deutschland repr\u00e4sentiert durch die Pal\u00e4stinensische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (PGD). Mitglieder / Anh\u00e4nger / NRW: 65 Unterst\u00fctzer 2015 Ver\u00f6ffentlichungen Englischund arabischsprachiges Web-Angebot der HamasKernorganisation; zeitweise deutschsprachige Seite der PGD auf Facebook. Kurzportrait / Ziele Die sunnitische Hamas (Arabische Abk\u00fcrzung f\u00fcr: \"Bewegung des islamischen Widerstandes\") hat sich aus dem pal\u00e4stinensischen Teil der Muslimbruderschaft entwickelt und wurde mit Beginn der ersten Intifada im Jahr 1987 aktiv. Das vorrangige politische Ziel der Hamas ist die \"Befreiung\" Gesamtpal\u00e4stinas und damit implizit die Aufl\u00f6sung Israels als eigenst\u00e4ndiger Staat. Das Existenzrecht Israels wird nicht anerkannt, auch wenn moderate Hamas-Politiker dies in der Vergangenheit unter bestimmten Bedingungen bei Verhandlungen in Aussicht stellten. Finanzierung In Deutschland: Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die Hamas ist eine terroristische Organisation, verf\u00fcgt aber neben ihrem paramilit\u00e4rischen Arm, den Izzedin Al-Qassam-Brigaden, \u00fcber eine Partei und ein soziales Hilfswerk. Sie ist f\u00fcr zahlreiche Selbstmordattentate und Raketenangriffe auf israelisches Gebiet verantwortlich. Die Feindschaft gegen\u00fcber Israel wird begleitet von einem virulenten Antisemitismus, der auch in der Charta der Hamas deutlich zum Ausdruck kommt. Als weiteres Ziel verfolgt die Hamas die 180 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Errichtung eines \"islamischen Staates\", gest\u00fctzt auf die Ideologie der Muslimbruderschaft. Eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz st\u00fctzt sich auf SS 3 Abs. 1 Nr. 4 VSG NRW. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Am 25. April 2015 fand in Berlin die 13. Europakonferenz des Hamas-nahen Palestinian Return Center (PCR) statt. An ihr nahmen bis zu 12.000 Personen teil. Das Motto der Veranstaltung war \"Pal\u00e4stinenser Europas und das pal\u00e4stinensische Nationalprojekt\". Organisator der Konferenz war PCR in Zusammenarbeit mit der Pal\u00e4stinensischen Gemeinschaft in Deutschland e.V. (PGD). Wesentliche Themen waren unter anderem Symbol des Palestinian Return Center Schilderungen der Lage in Gaza sowie der Situation der pal\u00e4stinensischen Fl\u00fcchtlinge in Syrien. Der fortw\u00e4hrende Nahost-Konflikt zwischen Israel und der Hamas im Gaza-Streifen pr\u00e4gt im Berichtszeitraum weiterhin die Aktivit\u00e4ten der Hamas. In Deutschland lebende Hamas-Anh\u00e4nger initiierten mit Unterst\u00fctzung der PGD zahlreiche Demonstrationen. In Nordrhein-Westfalen fanden Veranstaltungen unter anderem in Dortmund, Essen, D\u00fcsseldorf, Bonn und Wuppertal statt. Obgleich die Teilnehmenden teilweise hoch emotionalisiert waren, verliefen die Demonstrationen weitgehend ohne gr\u00f6\u00dfere Zwischenf\u00e4lle. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die hier lebenden Hamas-Anh\u00e4nger betrachten Deutschland als R\u00fcckzugsraum. Sie haben daher grunds\u00e4tzlich kein Interesse an einem gewaltt\u00e4tigen Verlauf von Demonstrationen. Durch die anhaltenden Spannungen im Nahost-Konflikt kann aber grunds\u00e4tzlich nicht ausgeschlossen werden, dass es in Zukunft im Falle einer milit\u00e4rischen Zuspitzung des israelischpal\u00e4stinensischen Konfliktes Demonstrationen mit Gewaltpotential von stark emotionalisierten jugendlichen Pal\u00e4stinensern gegen israelische, j\u00fcdische oder auch amerikanischen Einrichtungen kommt. Zu gezielt gesteuerten Gewaltaufrufen von der Hamas nahen Organisationen und Vereinen in Deutschland liegen keine Erkenntnisse vor. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de, Web-Link: vs_hamas IslamIsmus 181 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Hizb Allah (Partei Gottes) Sitz / Verbreitung Zentren in M\u00fcnster und Hamburg Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1982 Struktur / Repr\u00e4sentanz Seit 20 Jahren ist das Islamische Zentrum (Imam-MahdiZentrum) M\u00fcnster Plattform und Begegnungsst\u00e4tte f\u00fcr Anh\u00e4nger in Nordrhein-Westfalen und dem Westen Deutschlands. Weitere Schwerpunkte: Essen/Bottrop, Dortmund und Bad Oeynhausen. Mitglieder / Anh\u00e4nger / 100 Unterst\u00fctzer 2015 Ver\u00f6ffentlichungen Mehrsprachige Web-Angebote Kurzportrait / Ziele Die paramilit\u00e4rische schiitische Hizb Allah formierte sich 1982 als Reaktion auf den Einmarsch israelischer Truppen im Libanon. Organisatorisch kn\u00fcpft sie unmittelbar an die iranische Intervention im libanesischen B\u00fcrgerkrieg an. Finanzierung In Deutschland: Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Unter iranischem Einfluss in Form finanzieller und logistischer Unterst\u00fctzung strebte die Hizb Allah in den ersten Jahren die Errichtung eines islamischen Gottesstaates nach iranischem Muster auf libanesischem Boden an. Sie wurde zu einer militanten Sammlungsbewegung libanesischer Schiiten, die bis heute \u00fcber ein umfangreiches Waffenarsenal - einschlie\u00dflich schweren Kriegsmaterials - verf\u00fcgt. Die Organisation hat sich im weiteren Verlauf auf eine pragmatische, auf die Festigung ihres Einflusses bedachte Linie hin ausgerichtet. Dem Ziel ein anerkannter politischer und gesellschaftlicher Partner im Libanon zu werden ist die Hizb Allah durch ihre mittlerweile gesamtgesellschaftliche und politische Verankerung als Widerstandsbewegung im Libanon deutlich n\u00e4her gekommen. Im Gegenzug musste sie jedoch Teile ihres extremistischen Forderungskatalogs aufgeben. Mit ihrer erfolgreichen Teilnahme an der libanesischen Parlamentswahl gelang es der Hizb Allah, die angestrebte Etablierung als von der libanesischen \u00d6ffentlichkeit wahrgenommene legalistische Organisation zu verstetigen. Ihre ideologischen Maxime einer 182 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Vernichtung des Staates Israel sowie die Errichtung einer \"islamischen Herrschaft\" \u00fcber Jerusalem sind allerdings bis heute unver\u00e4ndert. Um diese Ziele zu erreichen, bedient sich die Hizb Allah auch terroristischer Mittel. Seit Jahren ist sie f\u00fcr Anschl\u00e4ge im n\u00f6rdlichen Israel verantwortlich und stellt damit eine unmittelbare Bedrohung f\u00fcr den Staat Israel dar. Bei der Hizb Allah handelt es sich somit weiterhin um eine international gut vernetzte terroristische Organisation, die vom Verfassungsschutz auf der Grundlage des SS 3 Abs. 1 Nr. 4 VSG NRW beobachtet wird. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Der Bundesminister des Innern hat mit Verf\u00fcgung vom 2. April 2014 den Verein Waisenkinderprojekt Libanon e.V. (WKP) wegen des Versto\u00dfes gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung verboten und aufgel\u00f6st. Die Vollstreckung des Verbots und in diesem Zusammenhang angeordnete Durchsuchungen erfolgten am 8. April 2014 unter anderem in Nordrhein-Westfalen, wo der Verein seinen Sitz in Essen hatte. Als Nachfolgeorganisation wurde der Verein Farben f\u00fcr Waisenkinder gegr\u00fcndet. Er verfolgte die gleichen Ziele und hat \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum im Bundesgebiet Spenden eingeworben und damit weiterhin die in Beirut (Libanon) ans\u00e4ssige Shahid Stiftung unterst\u00fctzt. Die Shahid Stiftung ist in ihrer Funktion als karitative Einrichtung integraler Teil der israel-feindlichen Hizb Allah. Der Verein Farben f\u00fcr Waisenkinder wurde daher am 16. November 2015 als Nachfolgeorganisation verboten. Besondere Reaktionen hier ans\u00e4ssiger Anh\u00e4nger der Hizb Allah auf die Verbotsma\u00dfnahme waren in der Folge nicht wahrnehmbar. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Der schiitischen Hizb Allah, die mit Iran und dem Assad-Regime in Syrien verb\u00fcndet ist, sind neben dem Gegner Israel nunmehr auch in der Terrormiliz Islamischer Staat sowie anderen salafistisch gepr\u00e4gten Milizen in Syrien und dem Libanon ideologisch noch unerbittlichere Widersacher erwachsen. Deshalb sorgt der Syrienkonflikt, der inzwischen unter Teilnahme der Hizb Allah-Miliz an der Seite des Assad-Regimes stattfindet, f\u00fcr eine zunehmende Verunsicherung hier ans\u00e4ssiger Hizb Allah-Anh\u00e4nger. Einerseits ist es die Sorge um die im Libanon verbliebenen Familienangeh\u00f6rigen, andererseits bestehen Bef\u00fcrchtungen, dass man Angriffen von hier lebenden Salafisten ausgesetzt sein k\u00f6nnte. In den der Hizb Allah nahe stehenden Vereinen in Deutschland ist eine erh\u00f6hte Wachsamkeit und Sensibilit\u00e4t f\u00fcr dieses Thema festzustellen. Hinweise darauf, dass hier ans\u00e4ssige Hizb Allah-Anh\u00e4nger im Zusammenhang mit dem Pal\u00e4stina-Konflikt oder dem Syrienkonflikt konkret gewaltsame Aktionen in Nordrhein-Westfalen planen, liegen bislang nicht vor. Es ist damit zu rechnen, dass Versuche der Spendensammlung auch nach den erfolgten Vereinsverboten umgesetzt werden. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de, Web-Link: vs_hizballah IslamIsmus 183 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Hizb ut-Tahrir (Islamische Befreiungspartei - HuT) Symbol der HuT; \u00d6ffentliches Zeigen ist in Deutschland verboten Sitz / Verbreitung Regionale Schwerpunkte in Nordrhein-Westfalen derzeit nicht erkennbar Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1952 Struktur / Repr\u00e4sentanz In der Bundesrepublik Deutschland ist die HuT in verschiedene Regionen aufgeteilt; in diesen Regionen existieren streng voneinander abgeschottete Kleinstgruppen (Zellen), die sich durch ein \u00e4u\u00dferst konspiratives Verhalten auszeichnen. Mitglieder / Anh\u00e4nger / 35 Unterst\u00fctzer 2015 Ver\u00f6ffentlichungen Mehrsprachiges Web-Angebot Kurzportrait / Ziele Die Hizb ut-Tahrir (HuT) wurde 1952 von dem Rechtsgelehrten Scheikh Taqi al-Din al-Nabhani, einem ehemaligen Mitglied der \u00e4gyptischen und pal\u00e4stinensischen Muslimbruderschaft, gegr\u00fcndet. Es handelt sich um eine pan-islamistische Bewegung, die sich an alle Muslime richtet. Vorrangige Ziele der Organisation sind die Wiedereinf\u00fchrung des 1924 durch die Republik T\u00fcrkei abgeschaften Kalifats und die Errichtung eines islamischen Staats unter F\u00fchrung eines Kalifen. Dieser soll die Scharia als Grundlage und Ma\u00dfstab staatlichen Handelns im Kalifat durchsetzen. S\u00e4kulare Staatsformen stehen hierzu im Widerspruch und werden bek\u00e4mpft. Islam und Demokratie sind f\u00fcr die HuT nicht miteinander vereinbar. Finanzierung Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die HuT unterliegt in Deutschland einem Bet\u00e4tigungsverbot. Am 19. Juni 2012 hat der Europ\u00e4ische Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte (EGMR) die Klage der HuT gegen das vom Bundesminister des Inneren im Januar 2003 ausgesprochene Bet\u00e4tigungsverbot f\u00fcr unzul\u00e4ssig erkl\u00e4rt. Das 184 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Gericht sah es als erwiesen an, dass die HuT dem Staat Israel das Existenzrecht abgesprochen habe. Sie habe den Sturz von Regierungen in muslimisch ausgerichteten Staaten gefordert. Diese sollen durch ein auf den Regeln der Scharia basierendes Kalifat ersetzt werden. Diese Ziele der HuT laufen den Grunds\u00e4tzen der Europ\u00e4ischen Menschenrechtskonvention zuwider. Die Organisation konnte sich bei ihrer Klage nicht auf das in Art. 11 EMRK bestimmte Recht auf Versammlungsund Vereinigungsfreiheit berufen. Die HuT kennzeichnet ein besonders stark ausgepr\u00e4gter Antisemitismus. Juden, aber auch Christen, gelten entgegen der mehrheitlich von islamischen Gelehrten vertretenen Meinung als Ungl\u00e4ubige. Ihre Lebensform sei abzulehnen. Mit ihnen sollte m\u00f6glichst kein Kontakt gehalten werden, da sie ein B\u00fcndnis mit dem Ziel eingegangen seien, den Islam zu zerst\u00f6ren. Grundlage f\u00fcr die Beobachtung durch den Verfassungsschutz ist SS 3 Abs. 1 Nr. 4 VSG NRW. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Die Anh\u00e4nger der HuT sind in Nordrhein-Westfalen nicht \u00f6ffentlich aufgetreten. Sie haben somit nicht gegen das geltende Bet\u00e4tigungsverbot versto\u00dfen. Ihre Aktivit\u00e4ten blieben auf interne und konspirative Treffen beschr\u00e4nkt. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die HuT setzt nicht auf eine islamische Erziehung der Massen, sondern auf die Gewinnung von Eliten f\u00fcr ihre Ideologie. Vor allem Hochschulen geh\u00f6ren zu den Bereichen, an denen die HuT ihre konspirative Propagandat\u00e4tigkeit zur Gewinnung von vorrangig muslimischen Studenten und Akademikern betreibt. Neuerdings scheint die Fokussierung auf Eliten jedoch nicht mehr in dem Ma\u00dfe wie fr\u00fcher aufrechterhalten zu werden. Ob dieser Anschein sich in Zukunft best\u00e4tigt oder die Zielgruppe doch wieder akademisch gebildete Personen sein werden, bleibt abzuwarten. Da es keine \u00f6ffentlichen Auftritte oder Veranstaltungen der HuT gegeben hat, scheint das Bet\u00e4tigungsverbot auch im Jahr 2015 seine Wirkung zu entfalten. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de, Web-Link: vs_hut IslamIsmus 185 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Kalifatsstaat (Hilafet Devleti) Sitz / Verbreitung Vereinsstrukturen sind verboten, fr\u00fcherer Hauptsitz in K\u00f6ln Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1984 Struktur / Repr\u00e4sentanz ./. Mitglieder / Anh\u00e4nger / 220 in NRW Unterst\u00fctzer 2015 Ver\u00f6ffentlichungen Muhacirun (Auswanderer) Mehrere Web-Angebote Kurzportrait / Ziele Im Jahre 1984 gr\u00fcndete Cemaleddin Kaplan (1926 - 1995) nach Losl\u00f6sung von der Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung den Verband der islamischen Vereine und Gemeinden e.V. (ICCB) in K\u00f6ln. Der Kalifatsstaat war eine am F\u00fchrerprinzip orientierte und streng hierarchisch gegliederte Organisation. Ziel der Organisation war die Weltherrschaft des Islam unter dem Kalifat seines letzten Anf\u00fchrers Metin Kaplan. Finanzierung Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Der Kalifatsstaat wurde im Jahr 2001 wegen Versto\u00dfes gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung und den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung sowie Gef\u00e4hrdung der inneren Sicherheit in Deutschland durch den Bundesminister des Inneren verboten. 186 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Seit dem Vereinsverbot agieren die verbliebenen Anh\u00e4nger in Deutschland konspirativ und streben eine Reorganisation an. Allerdings wird diese durch interne Auseinandersetzungen verhindert. Vor dem Oberlandeslandesgericht D\u00fcsseldorf fand am 22. April 2015 eine Kundgebung von Anh\u00e4ngern der Organisation statt. Thema der Kundgebung war die noch fortbestehende Inhaftierung von Metin Kaplan in der T\u00fcrkei. In K\u00f6ln wurde am 16. Mai 2015 eine Veranstaltung zum 20. Todestag Cemaleddin Kaplans durchgef\u00fchrt, an der zahlreiche Anh\u00e4nger teilnahmen. Bei Teilen der Anh\u00e4ngerschaft war eine Ank\u00fcndigung der Veranstaltung am 22. April 2015 in Hinwendung zum Salafismus zu beobD\u00fcsseldorf achten. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Es ist auch zuk\u00fcnftig von unterschwellig fortbestehenden Strukturen des Kalifatsstaats in Deutschland auszugehen, die sich nach au\u00dfen nicht zu diesem bekennen. Interne Spaltungen bleiben bestehen. Seit geraumer Zeit gibt es jedoch Wanderungsbewegungen gerade j\u00fcngerer Anh\u00e4nger in den Bereich des extremistischen Salafismus. Langfristig wird dies zu einem weiteren Ausd\u00fcnnen der Strukturen des Kalifatsstaats f\u00fchren. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de, Web-Link: vs_kalifatsstaat IslamIsmus 187 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Muslimbruderschaft (unter anderem IGD) Sitz / Verbreitung Hauptsitz in K\u00f6ln Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1928, in Deutschland seit den 1960er Jahren Struktur / Repr\u00e4sentanz Die Islamische Gemeinschaft in Deutschland (IGD) geh\u00f6rt zu den Gr\u00fcndungsmitgliedern der F\u00f6deration islamischer Organisationen in Europa (FIOE), die als Sammelbecken f\u00fcr Organisationen der Muslimbruderschaft in Europa gilt. Seit Ende 2010 hat die IGD ihren Sitz in K\u00f6ln. Mitglieder / Anh\u00e4nger / 65 Unterst\u00fctzer 2015 Ver\u00f6ffentlichungen Verschiedene Internetseiten und Auftritte in sozialen Netzwerken (auch deutschsprachig). Kurzportrait / Ziele Die 1928 von Hassan al-Banna in \u00c4gypten gegr\u00fcndete Muslimbruderschaft (MB) ist die einflussreichste und \u00e4lteste islamistische Bewegung des modernen politischen Islam. Als pan-islamisch ausgerichtete Organisation ist sie nicht nur in allen arabischen Staaten, sondern nach eigenen Angaben in 70 L\u00e4ndern weltweit vertreten. Sie verfolgt das Ziel, einen islamischen Staat zu gr\u00fcnden beziehungsweise bestehende Staatsysteme durch Unterwanderung zu \u00fcbernehmen und in ihrem Sinne umzugestalten. Finanzierung Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Ziel der MB ist die Umgestaltung der L\u00e4nder mit islamischer Mehrheitsbev\u00f6lkerung in Staaten mit islamistischem Regierungssystem auf der Grundlage der Scharia sowie der islamischen Rechtsund Lebensordnung. Gewalt wird zur Durchsetzung dieses Ziels nicht ausgeschlossen. 188 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Sie ist aber kein vorrangiges Mittel. Die MB lehnt demokratische Staatssysteme ab beziehungsweise akzeptiert sie nur als \u00dcbergangsl\u00f6sung. Eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz st\u00fctzt sich auf SS 3 Abs. 1 Nr. 3 und Nr. 4 VSG NRW. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum In Nordrhein-Westfalen sind neben der IGD in verschiedenen St\u00e4dten Vereine mit angeschlossenen Moscheen ans\u00e4ssig, die eine N\u00e4he zur Ideologie der Muslimbruderschaft aufweisen. Die Einrichtungen finanzieren sich aus Spenden, Mitgliedsbeitr\u00e4gen sowie dem Verkauf von Publikationen. Am 13. Dezember 2015 fand in Berlin die 34. Jahreskonferenz der IGD statt. Die Veranstaltung stand im Zeichen der Fl\u00fcchtlingsproblematik. Sie besch\u00e4ftigte sich mit Chancen und Herausforderungen der hier lebenden Muslime, sich bei diesem Themenbereich einzubringen. \u00d6ffentliche Aktivit\u00e4ten der IGD sind allerdings nur bei gr\u00f6\u00dferen Veranstaltungen feststellbar. Dort sind die Verlautbarungen gem\u00e4\u00dfigt. Vertreter der Organisationen weisen immer wieder \u00f6ffentlich darauf hin, dass sich hier lebende Muslime vom islamistischen Terrorismus zu distanzieren und die Gesetze des Gastlandes zu beachten haben. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Das am 23. September 2013 durch Gerichtsbeschluss verk\u00fcndete Verbot der Muslimbruderschaft in \u00c4gypten besteht weiterhin. Die \u00e4gyptische Regierung h\u00e4lt ihre Einstufung der Organisation als Terrororganisation weiterhin aufrecht. In anderen islamischen L\u00e4ndern besteht ebenfalls ein hoher Verfolgungsdruck gegen\u00fcber Anh\u00e4ngern der jeweils nationalen Ableger der MB. Nach wie vor ist ein Bem\u00fchen der IGD feststellbar, sich als gem\u00e4\u00dfigte islamische Organisation darzustellen. F\u00fcr die weitere Entwicklung der MB-nahen Vereine in Nordrhein-Westfalen d\u00fcrfte unter anderem von entscheidender Bedeutung sein, wie sich der politische Prozess in \u00c4gypten, dem Ursprungsland der MB, fortsetzen wird. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de, Web-Link: vs_mb IslamIsmus 189 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung Sitz / Verbreitung T\u00fcrkei / Deutschland Gr\u00fcndung / Bestehen seit ca. 1969 Struktur / Repr\u00e4sentanz ./. Mitglieder / Anh\u00e4nger / 250 in NRW Unterst\u00fctzer 2015 Ver\u00f6ffentlichungen Mehrere Web-Angebote Kurzportrait / Ziele Die ideologischen Wurzeln der Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung gehen auf die ideologischen Ausarbeitungen und Ideen des am 27. November 2011 verstorbenen t\u00fcrkischen Politikers und ehemaligen Ministerpr\u00e4sidenten der T\u00fcrkei Prof. Dr. Necmettin Erbakan zur\u00fcck. Die Kerngedanken dieser Ideologie sind die Schl\u00fcsselbegriffe \"Milli G\u00f6r\u00fcs\" (Nationale Sicht) und \"Adil D\u00fczen\" (Gerechte Ordnung). Nach der von Erbakan entwickelten Ideologie ist die Welt zweigeteilt: Einerseits in die auf dem Wort Gottes fu\u00dfende religi\u00f6sislamische gerechte Ordnung (Adil D\u00fczen), andererseits in die von Menschen entworfene westliche Ordnung mit angeblicher Gewalt, Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung (Batil D\u00fczen - Nichtige Ordnung). Zum \"Wohl der Menschheit\" soll diese Zweiteilung \u00fcberwunden und die westliche Ordnung durch die \"gerechte Ordnung\" ersetzt werden. Dabei ist das erste Ziel der \"Mission\" von Milli G\u00f6r\u00fcs, diese \"gerechte Ordnung\" in der T\u00fcrkei durchzusetzen. Das Land soll dadurch in jeder Hinsicht erstarken und danach die \"Mission\" in die Welt hinausgetragen werden. Trotz eines zum Teil martialischen Vokabulars hat die Milli G\u00f6r\u00fcsBewegung innerhalb und au\u00dferhalb der T\u00fcrkei ihre Ziele stets ausschlie\u00dflich mit politischen Mitteln verfolgt. Finanzierung Spenden und Mitgliedsbeitr\u00e4ge 190 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die Umsetzung des \"Adil D\u00fczen\"-Konzept als Ziel der politischen Bewegung Milli G\u00f6r\u00fcs ist mit den Grundprinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung nicht vereinbar. Dar\u00fcber hinaus treten anti-semitische Einstellungen sowohl in \"Adil D\u00fczen\" als auch bei \u00c4u\u00dferungen Necmettin Erbakans und einiger Milli G\u00f6r\u00fcs-Funktion\u00e4re deutlich zu Tage. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Die oben genannten Ziele werden von Teilen der auch in Deutschland aktiven Ableger der Bewegung vertreten. In Nordrhein-Westfalen sind folgende Strukturen festzustellen: Saadet Partisi (SP) In der T\u00fcrkei sind Anh\u00e4nger der Bewegung in der Saadet Partisi (SP - Gl\u00fcckseligkeitspartei) organisiert. Die SP ist in Deutschland mit einem Parteib\u00fcro vertreten. Die Generalzentrale der Europavertretung der SP wurde mit einer Veranstaltung am 1. Januar 2015 offiziell in K\u00f6ln er\u00f6ffnet. Im Berichtszeitraum konnte ein Organisationsaufbau beispielsweise durch Ernennung von Gebietsvertretern der SP beobachtet werden. Zudem besuchten Funktion\u00e4re der SP die in Deutschland im Aufbau befindlichen Parteistrukturen und hielten unter anderem in Nordrhein-Westfalen Vortr\u00e4ge und Seminare. Als vornehmliche Ziele des SP-Parteib\u00fcros in Deutschland werden die Gewinnung von W\u00e4hlern f\u00fcr die t\u00fcrkischen Parlamentswahlen im Jahr 2015 sowie die Einnahme von Mitgliedsbeitr\u00e4gen und Spenden angesehen. Erbakan Vakfi (Erbakan Stiftung) Die Erbakan Vakfi wurde von Fatih Erbakan, dem Sohn Necmettin Erbakans, in der T\u00fcrkei gegr\u00fcndet. Sie vertritt das geistige Erbe und die Ideologie Erbankans. Eine Zusammenarbeit mit der SP ist nicht festzustellen. Vielmehr distanzierte sich die SP am Folgetag der Stiftungsgr\u00fcndung von dieser. Die SP sieht sich als alleiniger legitimer Vertreter der Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung. Die Erbakan Vakfi verf\u00fcgt \u00fcber eine eigene Europavertretung in Deutschland. Regionale Vertretungen der Erbakan Vakfi konnten auch in Nordrhein-Westfalen lokalisiert werden. Als herausragendes Ereignis im Berichtsjahr fand am 20. Juni 2015 in K\u00f6ln eine Veranstaltung der Erbakan Vakfi mit Fatih Erbakan statt. IslamIsmus 191 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Veranstaltungshinweise der Saadet Partisi aus ihrem Internetund Facebookauftritt Bielefeld Sultan Fatih Genclik (BSFG) Die Organisation Bielefeld Sultan Fatih Genclik besteht aus Personen, die der Ideologie der Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung nahestehen. Im Berichtszeitraum unterst\u00fctzte die BSFG den Bildungsvorsitzenden der Europavertretung der SP in seiner Kandidatur f\u00fcr die Saadet Partisi bei den t\u00fcrkischen Parlamentswahlen. Ismail Aga Cemaati (IAC) Die IAC ging aus dem islamischen Orden der Naqshibandiyya hervor, dem auch der verstorbene F\u00fchrer der Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung Necmettin Erbakan angeh\u00f6rte. Der europ\u00e4ische Zweig der IAC zeigt sich ebenfalls verbunden mit der Ideologie der Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung und der Saadet Partisi. Europavertreter der IAC ist nach eigenem Bekunden der Prediger Nusret Cayir. Er hielt im Berichtszeitraum mehrfach Predigten im Rahmen von Veranstaltungen in Nordrhein192 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Vorstellung des Kandidaten der SP Ibrahim G\u00fcm\u00fcsoglu auf Facebook. Westfalen. Cayir bef\u00fcrwortet die Allgemeing\u00fcltigkeit der Scharia und lehnt die demokratische Ordnung in Deutschland ab. Er wurde im Oktober 2015 in die T\u00fcrkei abgeschoben. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Es ist damit zu rechnen, dass die SP und die Erbakan Vakfi ihre Organisationsstrukturen auch in Nordrhein-Westfalen weiterhin ausbauen und die hier lebenden Anh\u00e4nger ideologisch st\u00e4rker in die entstehenden Strukturen einbinden. Die k\u00fcnftige Entwicklung der IAC h\u00e4ngt von der Frage der Nachfolgeregelung f\u00fcr den Prediger Cayir ab. Dies bleibt abzuwarten. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de, Web-Link: vs_mgb IslamIsmus 193 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Nordkaukasische SeparatistenBewegung (NKSB) Sitz / Verbreitung Einzelmitglieder in Deutschland Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1991 als international nicht anerkannte Tschetschenische Republik Itschkerien, seit 2007 Kaukasisches Emirat Struktur / Repr\u00e4sentanz Keine gefestigten Strukturen in Nordrhein-Westfalen Mitglieder / Anh\u00e4nger / 70 Unterst\u00fctzer 2015 Ver\u00f6ffentlichungen Einzelne Ver\u00f6ffentlichungen im Internet, Austausch in sozialen Netzwerken Kurzportrait / Ziele Mit dem Zerfall der UdSSR 1991 und im Zuge der Unabh\u00e4ngigkeit der s\u00fcdkaukasischen Staaten Armenien, Aserbeidschan und Georgien entstand im n\u00f6rdlichen Kaukasus, vor allem in Tschetschenien, eine separatistische Bewegung mit dem Ziel einer Losl\u00f6sung von Russland. Finanzierung Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Das Kaukasische Emirat hat das Ziel, die russische Armee mit Gewalt zum R\u00fcckzug aus Tschetschenien zu zwingen und im Nordkaukasus einen islamischen Staat zu errichten. Dabei setzt das Kaukasische Emirat auch terroristische Mittel ein. Deutschland dient den Anh\u00e4ngern des Kaukasischen Emirates prim\u00e4r zur Akquirierung finanzieller und logistischer Unterst\u00fctzung. Zudem betreibt die NKSB hier Propaganda f\u00fcr die Bewegung im Nordkaukasus. In NordrheinWestfalen verf\u00fcgt sie \u00fcber keine festen Strukturen. Einzelne und zum Teil herausragende Personen der NKSB sind in Nordrhein-Westfalen jedoch f\u00fcr die Organisation in \u00fcberregionalen Zusammenh\u00e4ngen aktiv. Der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen beobachtet das Kaukasische Emirat auf der Grundlage des SS 3 Abs. 1 Nr. 3 VSG NRW. 194 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Insbesondere bei der j\u00fcngeren Generation der Tschetschenen sind kaum noch Unterst\u00fctzungsleistungen f\u00fcr das Kaukasische Emirat wahrnehmbar. Eine Fokussierung hin zum Salafismus ist deutlich erkennbar. Indiz hierf\u00fcr ist unter anderem die Beteiligung von Anh\u00e4ngern an Koranverteilungen, Islamseminaren und Spendensammlungen. In Nordrhein-Westfalen kommt es im Umfeld von tschetschenischen F\u00fchrungsfiguren immer wieder zur Radikalisierung junger M\u00e4nner und jihadistisch motivierten Ausreisen. So schloss sich ein deutscher Konvertit im Jahr 2013 in Folge seiner Ausreise nach Syrien zeitweise dem sogenannten Islamischen Staat an. Im Zuge der gegen ihn gerichteten Ermittlungen wegen Verdachts der Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung wurde er am 22. Januar 2015 festgenommen und befindet sich seither in Untersuchungshaft. Im November 2015 wurde ein russischer Staatsangeh\u00f6riger tschetschenischer Volkszugeh\u00f6rigkeit durch eine Verf\u00fcgung der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde K\u00f6ln ausgewiesen. Er war vermehrt in Erscheinung getreten, insbesondere im Zusammenhang mit der Koranverteilungsaktion Lies!. Dar\u00fcber hinaus stand er in Verbindung zu Personen der salafistisch-islamistischen Szene. Ende Juni 2015 leisteten die meisten Emire des Kaukasischen Emirates einen Treueeid auf Abu Bakr Al-Baghdadi, den Emir des sogenannten Islamischen Staates (IS). Dies f\u00fchrte zur Gr\u00fcndung einer neuen administrativen Einheit \"Provinz Kaukasus\" des IS. Nachdem die Emire des Kaukasischen Emirates Aliaskhab Kebekov (Alias-Name: Abu Muhammad Al-Dagistani) und dessen Nachfolger Magomed Suleymanov (Alias-Name: Abu Usman Gimrinski) im April 2015 und im August 2015 in kurzer zeitlicher Folge gewaltsam zu Tode gekommen sind, gilt das Kaukasische Emirat als f\u00fchrungslos. Es ist von einer weiteren Schw\u00e4chung der Reststrukturen des Kaukasischen Emirates und einer Zunahme des Einflusses des Islamischen Staates im Nordkaukasus auszugehen. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Nach den Ereignissen des letzten Jahres und dem geleisteten Treueeid der Emire des Kaukasischen Emirates auf den Islamischen Staat ist von einer weiteren Radikalisierung von Teilen der extremistischen tschetschenischen Szene in Nordrhein-Westfalen auszugehen. Die Verbindungen zu jihadistischen salafistischen Netzwerken werden dadurch voraussichtlich noch enger. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de, Web-Link: vs_nksb IslamIsmus 195 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","T\u00fcrkische Hizbullah (TH) Sitz / Verbreitung T\u00fcrkei Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1979 in Diyarbakir Struktur / Repr\u00e4sentanz ./. Mitglieder / Anh\u00e4nger / 100 in NRW Unterst\u00fctzer 2015 Ver\u00f6ffentlichungen Publikationen: Yeni M\u00fcjde (Neue Frohe Botschaft), Inzar (Warnung), Dogru Haber (Richtige Nachricht), Kelhaamet (Pr\u00e4chtiges Diyarbakir), Kendi Dilinden Hizbullah (Die Hizbullah in eigenen Worten); Mehrere Web-Angebote. Kurzportrait / Ziele Anfang der 1980er Jahre bildeten sich unter sunnitischen Kurden in der T\u00fcrkei Gruppierungen heraus, die f\u00fcr die Errichtung einer auf strikter Befolgung von Koran und Scharia gegr\u00fcndeten \"islamischen Herrschaft\" eintraten und sich gegen den s\u00e4kularen t\u00fcrkischen Staat wandten. Aus einer dieser Gruppierungen entwickelte sich die Hizbullah (Partei Gottes), die vor allem seit Beginn der 1990er Jahre zur Erreichung ihrer politischen Ziele gegen interne Abweichler, gegen die marxistische kurdische Separatistenorganisation PKK (Arbeiterpartei Kurdistans), gegen liberale Journalisten und gegen Vertreter des t\u00fcrkischen Staates Gewalt anwendete. Im Januar 2000 wurde H\u00fcseyin Velioglu, der Anf\u00fchrer der sogenannten T\u00fcrkischen Hizbullah, in Istanbul bei einem Schusswechsel mit der Polizei get\u00f6tet. Dieser Vorfall und weitere Exekutivma\u00dfnahmen der t\u00fcrkischen Polizei, bei denen mehrere Funktion\u00e4re der Organisation und zahlreiche Mitglieder festgenommen und inhaftiert wurden, f\u00fchrten zu einer empfindlichen Schw\u00e4chung der Hizbullah. Zugleich wurde aus Papieren und Videoaufzeichnungen, die in ihren Archiven gefunden wurden, deutlich, in welch gro\u00dfem Ausma\u00df die Organisation Entf\u00fchrungen, Morde und andere Gewalttaten ver\u00fcbt hatte. 196 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Zahlreiche Aktivisten der TH setzten sich nach Europa und insbesondere nach Deutschland ab. Die Beobachtung der TH st\u00fctzt sich auf SS 3 Abs. 1 Nr. 4 VSG NRW. Finanzierung Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit In der 2004 erschienenen Schrift Kendi Dilinden Hizbullah stellt ihr Verfasser, ein - Funktion\u00e4r der T\u00fcrkischen Hizbullah, die Verbrechen der Organisation als Akt der Selbstverteidigung dar. Der Autor beschreibt zwei Entwicklungsphasen: Die erste Phase habe von 1979 bis 1991 gedauert. Es stand die Propagandat\u00e4tigkeit, Anh\u00e4ngergewinnung, Strukturierung und Schulung im Vordergrund. Eine zweite Phase folgte von 1991 bis 2000. Sie zeichnete sich durch den bewaffneten Kampf gegen die PKK, interne Abweichler und den t\u00fcrkischen Staat aus. In ihrer Zielsetzung verbindet die T\u00fcrkische Hizbullah eine islamistische mit einer kurdisch-nationalen Agenda. Im ideologischen Hauptwerk Kendi dilinden Hizbullah sind die Grundprinzipien der TH dargelegt. Sie wurden im Jahr 2012 durch ein Manifest fortgeschrieben. Die T\u00fcrkische Hizbullah sieht die Uneinigkeit der islamischen Welt und die Herrschaft nicht-islamischer Regime als Ursache aller Probleme an. Ihr erkl\u00e4rtes Ziel ist, dies zu \u00e4ndern und den Islam zur Herrschaft zu bringen. Zu ihren Feindbildern geh\u00f6ren neben den internen Abweichlern, der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und der Republik T\u00fcrkei auch die \"imperialistischen\" und \"zionistischen M\u00e4chte\", also die westliche Staatengemeinschaft und Israel. Sie werden f\u00fcr die Unterdr\u00fcckung der Muslime verantwortlich gemacht. Hauptziel der TH ist die Beseitigung des laizistischen Staatssystems in der T\u00fcrkei und langfristig die Errichtung eines islamistischen Regimes. Die TH rechtfertigt Titel des ideologischen Hauptwerkes der die Anwendung von Gewalt. TH. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Die TH nutzt Deutschland als R\u00fcckzugsraum. Mit \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten, wie beispielsweise religi\u00f6se oder kulturelle Veranstaltungen, m\u00f6chte die TH m\u00f6glicherweise neue Mitglieder werben IslamIsmus 197 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","sowie Spenden sammeln. Sie tritt jedoch in der Regel nach au\u00dfen nicht offen sichtbar als Hizbullah auf. In Nordrhein-Westfalen fanden entsprechende Veranstaltungen - beispielsweise in Bottrop - statt. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Im Jahr 2015 waren keine Anzeichen daf\u00fcr zu erkennen, dass die TH ihre bisherige Vorgehensweise in Nordrhein-Westfalen \u00e4ndert oder in Zukunft \u00e4ndern wird. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de, Web-Link: vs_tuerkhizbullah 198 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Scientology Organisation (SO) Scientology organiSation 199 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Scientology Organisation (SO) Sitz / Verbreitung Die Scientology Organisation (SO) ist in den USA ans\u00e4ssig. Bundesweit Niederlassungen (unter anderem in Berlin , M\u00fcnchen, Hamburg) NRW: Scientology Kirche D\u00fcsseldorf und Celebrity Center Gr\u00fcndung / Bestehen seit Die Church of Scientology wurde 1953 durch Lafayette Ron Hubbard (LRH) in den USA gegr\u00fcndet; erste deutsche Niederlassung 1970 in M\u00fcnchen, Niederlassungen in D\u00fcsseldorf seit den 80er Jahren Struktur / Repr\u00e4sentanz Strikter hierarchischer Aufbau und Strukturen mit totalit\u00e4rem Anspruch; Steuerung durch David Miscavige (Nachfolger von Hubbard) aus den USA; Unterst\u00fctzung durch Finanzmittel und politische Einflussm\u00f6glichkeiten innerhalb der USA; diverse kontinentale Verbindungsb\u00fcros zur Kontrolle der Arbeit in den einzelnen L\u00e4ndern Mitglieder / Anh\u00e4nger / Bund: zwischen 3.000 - 4.000 NRW: rund 450 Unterst\u00fctzer 2015 SO gibt die Zahl ihrer Anh\u00e4nger in Deutschland selbst mit rund 12.000 Personen an. Ver\u00f6ffentlichungen Internationale Publikationen: Unter anderem Impact, Scientology News, Celebrity, Source, Freewinds, OT-Universe, The Aditor, Advance Deutschsprachige Publikation: Freiheit In Nordrhein-Westfalen verbreitete Publikation: Kompetenz Kurzportrait / Ziele Die Ziele der SO wurden durch den Gr\u00fcnder LRH festgelegt. Nach der Ideologie der SO sind seine Lehren unab\u00e4nderlich und bindend. Eines seiner formulierten Ziele ist \"Clear Planet\". Dies bedeutet, dass alle Menschen der scientologischen Gesellschaft angeh\u00f6ren sollen. Hieraus kann der Schluss gezogen werden, dass die SO die Weltherrschaft anstrebt. Scientologen teilen die Gesellschaft in \"Nichtabberierte\" 200 Scientology organiSation Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","und \"Abberierte\"(Nicht-Scientologen). Letztere sind nach scientologischen Vorstellungen in einzelnen Menschenrechten einzuschr\u00e4nken. Eines der gro\u00dfen Themen in der SO ist die Expansion, auf welche die Mitglieder kontinuierlich eingeschworen werden und zu deren Erreichung SO versucht, Einfluss auf Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zu nehmen. Dabei tritt SO nicht immer offen auf, sondern verbirgt sich h\u00e4ufig bei ihren Aktivit\u00e4ten hinter einer ihrer zahlreichen Tarnorganisationen. Zu diesen Tarnorganisationen geh\u00f6ren unter anderem Der Weg zum Gl\u00fccklichsein, Jugend f\u00fcr Menschenrechte und Sag nein zu Drogen. Mit professionellen Internetpr\u00e4senzen und Themen wie zum Beispiel Drogen und Menschenrechte sprechen sie insbesondere Jugendliche an und nutzen das Internet, um au\u00dferhalb der Einflussm\u00f6glichkeit der Erziehungsberechtigten mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Die Zugeh\u00f6rigkeit einer Tarnorganisation zur SO ist nur schwer erkennbar. Deren hochwertig gestaltete Brosch\u00fcren werden verteilt, beziehungsweise an gut zug\u00e4nglichen Stellen wie Beratungsb\u00fcros, Gesch\u00e4ften und Praxen auch mit Zustimmung der Verantwortlichen, die den Zusammenhang zur SO nicht erkennen, ausgelegt. Finanzierung Durchf\u00fchrung von kostenpflichtigen Kursen und Vertrieb von Kursmaterialien im Zusammenhang mit der Verbreitung der Scientology-Ideologie; Spendengelder. Insoweit wird oft ein erheblicher Druck auf Mitglieder ausge\u00fcbt. Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die SO ist seit 1997 Beobachtungsobjekt des Verfassungsschutzes. Die Lehre der SO stellt eine Gefahr f\u00fcr die freiheitlich demokratische Grundordnung dar. Konsequenzen der Lehre sind nicht nur Einschr\u00e4nkungen wesentlicher Grundund Menschenrechte (wie Meinungsfreiheit und Gleichberechtigung), sondern es wird auch eine Gesellschaft ohne allgemeine und gleiche Wahlen angestrebt. Zur Erreichung ihrer Ziele verfolgt die Organisation zumeist verdeckt eine Beeinflussung sowohl der Gesellschaft und Wirtschaft als auch der Politik. Mit der Entscheidung des OVG M\u00fcnster vom 12. Februar 2008 ist die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Beobachtung durch den Verfassungsschutz festgestellt worden. Das Gericht best\u00e4tigte die Auffassung des Verfassungsschutzes, dass die Lehre der Scientology Kirche Deutschland e.V. (SKD) und der Scientology Kirche Berlin e.V. (SKB) eine Gefahr f\u00fcr die freiheitlich demokratische Grundordnung darstellt. Scientology organiSation 201 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Informationsmaterialien der Scientology Organisation 202 Scientology organiSation Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Im Winter 2013 wurde durch den Leiter der SO David Miscavige das \"Goldene Zeitalter der Technologie, Phase II\" ausgerufen. In der Folge absolvierten zahlreiche Mitglieder der Organisation im Jahr 2014 kostenpflichtige Kurse. Dieser Trend setzte sich auch im Jahr 2015 fort. Es ist jedoch festzustellen, dass die Nachfrage abnimmt. Zudem konnte die SO im Jahr 2015 offensichtlich nicht Mitglieder in nennenswertem Umfang anwerben. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass die Gesamtzahl der Mitglieder derzeit abnimmt. Bewertung, Tendenzen, Ausblick An der Gefahreneinsch\u00e4tzung bez\u00fcglich der Organisation, die durch das OVG M\u00fcnster im Jahr 2008 formuliert wurde, hat sich nichts ge\u00e4ndert. SO wendet nach wie vor die gleichen Mittel zur Erreichung ihrer Ziele an. Insbesondere die Umwerbung Jugendlicher unter dem Deckmantel von guten Taten (Aufkl\u00e4rung \u00fcber Menschenrechte, F\u00f6rderung von Toleranz und Frieden, Kampf gegen Drogen) ist perfide durchdacht. Die Kontaktaufnahme von Jugendlichen zur SO erfolgt ebenso einfach wie schnell, es reicht oftmals eine E-Mail oder das Ausf\u00fcllen eines Kontaktformulars. Es kann davon ausgegangen werden, dass eine Weiterentwicklung der SO gerade im Bereich moderner Kommunikationsmedien stattfinden wird. Die Tarnorganisationen Sag nein zu Drogen und Der Weg zum Gl\u00fccklichsein haben im Jahr 2015 bundesweit zahlreiche Werbema\u00dfnahmen durchgef\u00fchrt. In mehreren deutschen St\u00e4dten wurden mit Unterst\u00fctzung von amerikanischen K\u00fcnstlern der Rapund Popszene sowie durch einen BMX-Sportler insbesondere Jugendliche umworben. Mit dem BMX-Sportler als Werbetr\u00e4ger der Anti-Drogen-Kampagne konnte die SO sogar einen Vortrag in einer Schule au\u00dferhalb von Nordrhein-Westfalen organisieren. Die Verbindung zur SO war in diesem Fall nur sehr schwer und mit Hintergrundwissen erkennbar. Die Beeinflussung der Wirtschaft durch die SO wird weiterhin beobachtet werden m\u00fcssen. Die SO verf\u00fcgt \u00fcber einen eigenen Wirtschaftsverband World Institute of Scientology Enterprises (WISE) sowie eigene Organisationsund Managementstrategien. Durch geschicktes und verdecktes Marketing n\u00e4hert sie sich Firmen, insbesondere kleinen und mittelst\u00e4ndischen Unternehmen. Es soll damit sukzessive eine Infiltration der Wirtschaft betrieben und der Einfluss der Organisation ausgebaut werden. Scientology organiSation 203 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","204 Scientology organiSation Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Spionageabwehr und Wirtschaftsschutz Spionageabwehr 205 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Spionageabwehr und Wirtschaftsschutz 205 Spionage - Auftraggeber, Ziele und Methoden .................................................................. 208 Aufkl\u00e4rung und Abwehr von Proliferation ........................................................................... 214 Wirtschaftsspionage ........................................................................................................... 218 Im Jahr 2015 bestand ein weiterhin hohes Interesse fremder Nachrichtendienste an Informationen \u00fcber politische Vorhaben und Ziele, Verhandlungspositionen und Strategien sowie wirtschaftliche Planungen und milit\u00e4rische Potenziale in Deutschland und Nordrhein-Westfalen. Dies belegen zahlreiche Versuche fremder Nachrichtendienste, Kontakt mit Gespr\u00e4chspartnern in der nordrhein-westf\u00e4lischen Politik und Wirtschaft aufzunehmen. Proliferationsrelevante Beschaffungsstellen bem\u00fchten sich zudem in gro\u00dfer Zahl, sogenannte Dual-use-G\u00fcter in Nordrhein-Westfalen zu beschaffen. Dies sind Produkte, die sowohl zivile als auch milit\u00e4rische Relevanz aufweisen. \u00dcber ein Beschaffungsnetzwerk aus Tarnfirmen und Strohm\u00e4nner in diversen Staaten wird versucht, diese G\u00fcter an den eigentlichen Empf\u00e4nger liefern zu lassen, der unerkannt bleiben soll. Im Berichtsjahr konnte die Spionageabwehr 141 Beschaffungsversuche beobachten. Dies ist nahezu eine Verdopplung gegen\u00fcber dem bis dahin bestehenden H\u00f6chstwert aus dem Jahr 2014 (83). In \u00fcber 90 Prozent der F\u00e4lle wurde eine Auslieferung verhindert. Im Jahr 2015 konnte eine deutlich erh\u00f6hte Zahl von qualitativ hochwertigen Cyberangriffen auch auf deutsche Unternehmen festgestellt werden. Ziel der Angriffe waren Unternehmensnetzwerke und Kontrollsysteme der Industrie. 206 Spionageabwehr Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Der Verfassungsschutz leistete in den genannten Bereichen auch im Jahr 2015 eine intensive Beratungsund Sensibilisierungsarbeit in zahlreichen Gespr\u00e4chen und Vortr\u00e4gen mit einzelnen Personen, Unternehmen, Verb\u00e4nde und Organisationen. Spionageabwehr 207 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Spionage - Auftraggeber, Ziele und Methoden Spionage verschafft Regierungen einen Informationsvorsprung beim Versuch, eigene politische, wirtschaftliche, wissenschaftliche oder milit\u00e4rische Ziele im Inund Ausland zu erreichen. Sie ist hilfreich f\u00fcr die Einsch\u00e4tzung der politischen Positionierung und wirtschaftlichen Wettbewerbsf\u00e4higkeit anderer Staaten oder der milit\u00e4rischen Leistungsf\u00e4higkeit gegnerischer B\u00fcndnisse. Von hohem nachrichtendienstlichem Wert sind daher Informationen \u00fcber politische Vorhaben und Ziele, Verhandlungspositionen und Strategien, wirtschaftliche Planungen und milit\u00e4rische Potenziale von Zielstaaten. Wie wird spioniert? Fast 90% der f\u00fcr Nachrichtendienste interessanten Informationen lassen sich offen \u00fcber das Internet und andere Medien, durch den Besuch von Messen sowie bei gegenseitigen Delegationsbesuchen und durch geschickte Gespr\u00e4chsf\u00fchrung mit Informationsund Wissenstr\u00e4gern beschaffen (Open Source). Es bedarf meist noch nicht einmal einer aufw\u00e4ndigen nachrichtendienstlichen Operation. F\u00fcr die fehlenden etwa zehn Prozent setzen Nachrichtendienste verdeckte Methoden ein. Das Spektrum reicht von der Herbeif\u00fchrung und Kultivierung zun\u00e4chst unverd\u00e4chtiger Kontakte mit dem Ziel einer direkten oder indirekten Absch\u00f6pfung der Kontaktpersonen bis hin zu einer konspirativen Vorgehensweise, bei der Personen beispielsweise mit falschem Namen und Angaben zum eigenen Lebenslauf (sogenannte Legende) aktiv sind. Bei den Zielpersonen der Spionage spielt die Hierarchieebene kaum eine Rolle. Manchmal geht es lediglich darum, Zugang zu einem interessanten Bereich zu erhalten. In Ausnahmef\u00e4llen kann das nachrichtendienstliche Ziel auch die Schaffung eines belastenden Umstandes, eines sogenannten Kompromates sein, mit denen Informationsund Wissenstr\u00e4ger erpressbar werden. Diese Methode wird vorrangig im Ausland, beispielsweise bei Gesch\u00e4ftsreisenden, angewendet. Nachrichtendienste initiieren zudem elektronische Angriffe auf Rechnersysteme, auf denen hochsensible Daten liegen. \u00dcber sogenanntes \"Social Engineering\" wird versucht, das Vertrauen eines Gegen\u00fcbers zu gewinnen und \u00fcber einen solchen Kontakt Zugang zu Systemen zu erhalten. Durch E-Mail-basierte Einschleusung von Schadsoftware (Trojaner), \"Drive-by-downloads\" (unbewusstes Herunterladen sch\u00e4dlicher Software) oder die unbedachte Nutzung von 208 Spionageabwehr Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","fremden Datentr\u00e4gern oder eigenem Equipment (\"Bring-your-own Devices\", z.B. USB-Sticks, Smartphones, Tablets) gelingt es Au\u00dfenstehenden, in Systeme einzudringen und Daten zu entwenden oder Systeme zu manipulieren. Der Mensch stellt dabei die gr\u00f6\u00dfte Sicherheitsl\u00fccke dar, die durch noch so ausgefeilte materielle Absicherung \u00fcber Firewall, Anti-Viren-Programme, Passwortschutz oder Zugangsregelungen nicht geschlossen werden kann. Auch wenn sich mit dem digital operierenden \"Spion 4.0\" bereits seit l\u00e4ngerem eine neue Qualit\u00e4t in der Spionage aufzeigt, belegen die Erkenntnisse immer noch, dass auch der Spion am Kopierer und mit der Kamera am Zielobjekt noch lange nicht ausgestorben ist. Wachsamkeit sollte in diesem Bereich weiterhin bestehen. Die Zahl nachrichtendienstlichen Personals in Legalresidenturen im Bundesgebiet ist auch im europ\u00e4ischen Vergleich anhaltend hoch. Dies verdeutlicht und belegt das hohe Interesse an Informationen aus Deutschland. Legalresidenturen sind getarnte St\u00fctzpunkte fremder Nachrichtendienste, insbesondere in den diplomatischen und konsularischen Vertretungen, bei staatsnahen Unternehmen oder bei Medienagenturen. Von dort aus entwickelt das nachrichtendienstliche Personal \u00fcber eigens bereit gestellte Tarndienstposten die geheimdienstlichen Aktivit\u00e4ten. Der Einsatz von sogenannten Illegalen dient ebenfalls der Verschleierung nachrichtendienstlicher T\u00e4tigkeiten. Dabei handelt es sich um Personen, die als Nachrichtendienstoffiziere von der Zentrale des ausl\u00e4ndischen Nachrichtendienstes unter einer Falschidentit\u00e4t eingeschleust werden und h\u00e4ufig \u00fcber viele Jahre in Deutschland unauff\u00e4llig leben. Unter diesem Deckmantel f\u00fchren sie teilweise aufwendige nachrichtendienstliche Operationen aus. Im Jahr 2015 wurden wieder zahlreiche Kontaktversuche fremder Nachrichtendienste mit Gespr\u00e4chspartnern in Nordrhein-Westfalen aus Politik und Wirtschaft bekannt. Die nordrheinwestf\u00e4lische Spionageabwehr f\u00fchrt Sensibilisierungsgespr\u00e4che mit potenziellen oder aktuellen Gespr\u00e4chspartnern erkannter Nachrichtendienstoffiziere. In den F\u00e4llen, in denen ein Gespr\u00e4chspartner von sich aus eine nachrichtendienstliche Verstrickung annimmt, steht die Spionageabwehr f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch zur Verf\u00fcgung. Nachrichtendienstliche Interessenlagen Die Spionageabwehr des nordrhein-westf\u00e4lischen Verfassungsschutzes beobachtet im Rahmen einer 360-Grad-Aufkl\u00e4rung eine Vielzahl hier t\u00e4tiger fremder Nachrichtendienste. Hauptakteure sind die Nachrichtendienste der Russischen F\u00f6deration, der Volksrepublik China und der Islamischen Republik Iran. Nach wie vor richten sich die Beschaffungsbem\u00fchungen der Dienste auf die klassischen Zielbereiche Politik, Milit\u00e4r und Wirtschaft. Deutschland geh\u00f6rt wegen seiner politischen und wirtschaftlichen Bedeutung zu den Schwerpunkten der Auslandsaufkl\u00e4rung. Die Beschaffungsbem\u00fchungen beschr\u00e4nken sich dabei nicht nur auf den unautorisierten Transfer wissenschaftlich-technischen Know-hows. Es besteht zudem Ausforschungsinteresse an InforSpionageabwehr 209 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","mationen \u00fcber politische Vorhaben, Krisenmanagement und Handlungsstrategien. Wegen des politischen Gewichts innerhalb der Bundesrepublik und als herausragender Innovationsund Wirtschaftsstandort mit mehr als 70 Universit\u00e4ten und Fachhochschulen sowie mehr als 50 Technologiezentren ist das nachrichtendienstliche Interesse an Nordrhein-Westfalen besonders hoch. Nachrichtendienste der Russischen F\u00f6deration Die Interessengebiete der Nachrichtendienste der Russischen F\u00f6deration sind breit gef\u00e4chert. Es interessieren sowohl nationale politische Strategien, als auch solche innerhalb der Gremienstrukturen der Europ\u00e4ischen Union, bis hin zu EUund NATO-Osterweiterung. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Energiepolitik. Auch wenn die Konflikte im Zusammenhang mit der Ukraine und die damit einhergehenden Sanktionen der Europ\u00e4ischen Union die russische Wirtschaft stark einschr\u00e4nken, h\u00e4lt Russland dennoch an seinem Ziel fest, wirtschaftlich zu einer der f\u00fcnf gr\u00f6\u00dften Volkswirtschaften aufzusteigen. Diese Zielvorgabe ist gekoppelt mit dem Vorhaben, die russische R\u00fcstungsproduktion wieder zu einem herausragenden Wirtschaftsund Handelsfaktor zu machen und gleichzeitig Russland als milit\u00e4rischen Machtfaktor wieder deutlich zu etablieren. Die Nachrichtendienste haben den Auftrag, bei der Umsetzung zu unterst\u00fctzen. Dazu werden F\u00fchrungspositionen auch weiterhin mit Vertrauten Pr\u00e4sident Putins besetzt. Im zur\u00fcckliegenden Berichtszeitraum konnte sich die russische Regierung weiterhin auf die zuverl\u00e4ssige und zielgerichtete Beschaffung von Informationen und G\u00fctern durch die Nachrichtendienste der Russischen F\u00f6deration verlassen. Als elementarer Bestandteil der russischen Sicherheitsarchitektur unterst\u00fctzen sie zudem wirksam bei der Vorbereitung und Realisierung politischer Vorhaben im Inund Ausland. Sie genie\u00dfen im russischen Staatsgef\u00fcge einen hohen Stellenwert. Bei sich im Einzelfall \u00fcberschneidenden Zust\u00e4ndigkeiten sind die russischen Nachrichtendienste seit einigen Jahren dreigeteilt gegliedert in einen Inlands-, Auslandsund den milit\u00e4rischen Nachrichtendienst. Die folgenden Dienste, deren Aufgabenund Organisationsstrukturen 2015 weitestgehend gleich geblieben sind, sind nach wie vor in Deutschland aktiv: > FSB - Federalnaja Slushba Besopasnosti - (Inlandsnachrichtendienst) Die vielf\u00e4ltigen Aufgaben des FSB ergeben sich aus dem Gesetz \u00fcber die Organe des F\u00f6deralen Sicherheitsdienstes. Danach ist der FSB mit etwa 350.000 Mitarbeitern (davon mehr als 200.000 mit Grenzschutzaufgaben) unter anderem f\u00fcr die zivile und milit\u00e4rische Spionageabwehr zust\u00e4ndig. Seine Aufgaben zur Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und organisierter Kriminalit\u00e4t erm\u00f6glichen zudem Eins\u00e4tze im Inund Ausland. Die Aufgabe des Grenzschutzes bef\u00e4higt ihn zur Kontrolle aller einund ausreisenden Personen. Zur Erf\u00fcllung seiner Abwehrfunktion hat er beispielsweise zum Schutz der russischen Industrie und zur Bek\u00e4mpfung von Wirtschaftsverbrechen einen st\u00e4ndigen Zugriff auf Datenund sonstigen Kommunikationsverkehr. 210 Spionageabwehr Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","> SWR - Slushba Wneschnej Raswedkij - (Ziviler Inund Auslandsnachrichtendienst) Die Kompetenzen des SWR sind im Gesetz der russischen F\u00f6deration \u00fcber die Auslandsaufkl\u00e4rung geregelt. Danach ist der Dienst vorrangig f\u00fcr die Aufkl\u00e4rung in den Bereichen Politik, Wirtschaft sowie Wissenschaft und Technologie zust\u00e4ndig. Zudem sorgt er f\u00fcr die elektronische Fernmeldeaufkl\u00e4rung und wirkt bei der Bek\u00e4mpfung der Proliferation und des Terrorismus mit. Ein weiteres Ziel ist die Ausforschung der Arbeitsmethoden und Aktivit\u00e4ten fremder Nachrichtendienste. Operationen des Dienstes werden zentral aus Moskau oder aber aus den Legalresidenturen im Ausland gef\u00fchrt. Der SWR verf\u00fcgt \u00fcber mehr als 13.000 Mitarbeiter. > GRU - Glawnoje Raswediwatelnoja Uprawlenije - (Milit\u00e4rischer Auslandsnachrichtendienst) Mit etwa 12.000 Mitarbeitern ist dieser Dienst direkt dem Verteidigungsminister unterstellt. Die Aufgaben umfassen die Aufkl\u00e4rung des gesamten milit\u00e4rischen Bereichs. Dazu geh\u00f6rt neben der NATO auch die deutsche Bundeswehr. Von besonderem Interesse sind f\u00fcr die GRU die R\u00fcstungsindustrie sowie sonstige milit\u00e4risch nutzbare Technologien. Nachrichtendienste der Volksrepublik China Trotz r\u00fcckl\u00e4ufiger Wirtschaftszahlen verfolgt die chinesische Regierung weiter das Ziel, sich als die f\u00fchrende Wirtschaftsmacht an der Weltspitze zu etablieren. Dar\u00fcber hinaus erhebt China den Anspruch, seinen politischen und milit\u00e4rischen Einfluss auszubauen. Innerstaatliche Konflikte mit Oppositionellen und in den einigen Provinzen r\u00fccken ebenfalls immer st\u00e4rker in den Vordergrund. In allen drei Kernbereichen l\u00e4sst sich die chinesische Staatsf\u00fchrung durch die Arbeit der Nachrichtendienste unterst\u00fctzen. Neben den schon klassisch zu nennenden Beschaffungsbem\u00fchungen in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Milit\u00e4r sieht die Spionageabwehr einen nachrichtendienstlichen Schwerpunkt in der weltweiten Bek\u00e4mpfung der von der Kommunistischen Partei Chinas als Bedrohung ihrer Macht betrachteten und von ihr unter der Bezeichnung \"F\u00fcnf Gifte\" als staatsfeindlich beschriebenen Gruppen, zu denen die nachfolgenden Bestrebungen und Vereinigungen z\u00e4hlen: > Demokratiebewegung, > Anh\u00e4nger eines unabh\u00e4ngigen Taiwan, > Anh\u00e4nger eines unabh\u00e4ngigen Tibet, > Falun Gong Praktizierende und > turkst\u00e4mmige (muslimische) Uiguren. Spionageabwehr 211 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Die nachrichtendienstlichen Aufgaben werden im Wesentlichen von drei Ministerien und einer Regierungsorganisation mit zum Teil \u00fcberschneidenden Zust\u00e4ndigkeiten wahrgenommen. > MSS - Ministry of State Security (Ziviler Inund Auslandsnachrichtendienst) Das Ministerium ist innerhalb Chinas zust\u00e4ndig f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung m\u00f6glicher Gef\u00e4hrder der territorialen Einheit und der inneren Ordnung, vor allem der \"F\u00fcnf Gifte\". F\u00fcr diesen Zweck verf\u00fcgt es \u00fcber die Befugnisse einer Polizeibeh\u00f6rde. Dar\u00fcber hinaus nimmt das MSS die Aufgaben der Spionageabwehr wahr. Dazu beobachtet es nicht nur die im Land lebenden offiziellen Vertreter fremder Nationen, sondern generell die B\u00fcrger fremder Staaten. Im Ausland f\u00fchrt das MSS eigene Spionageoperationen durch, bem\u00fcht sich um Informationen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft und forscht oppositionelle chinesische Gruppen aus. > MPS - Ministry of Public Security (Polizeiministerium) Das MPS, auch als \"Ministerium f\u00fcr \u00f6ffentliche Sicherheit\" (M\u00f6S) benannt, ist es f\u00fcr die Gew\u00e4hrleistung der \u00f6ffentlichen Sicherheit und Ordnung zust\u00e4ndig. Dazu geh\u00f6ren Aufgaben wie die \u00dcberwachung des Stra\u00dfenverkehrs oder die allgemeine Verbrechensbek\u00e4mpfung. Dar\u00fcber hinaus \u00fcberwacht das MPS mit eigenem nachrichtendienstlichem Personal das \u00f6ffentliche Leben, um m\u00f6glichen Gefahren f\u00fcr das Machtmonopol der KPCh (Kommunistische Partei Chinas) entgegenzutreten. Dies geschieht durch die Kontrolle des Internet, der klassischen Medien sowie der sich in China aufhaltenden Ausl\u00e4nder. Das MPS operiert nicht nur auf eigenem Hoheitsgebiet, sondern sammelt auch im Ausland Informationen \u00fcber Personen und Organisationen, die von der KPCh wegen regierungskritischer Aktivit\u00e4ten als staatsfeindlich eingestuft werden. Da das Ministerium bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben au\u00dferhalb der polizeilichen Zust\u00e4ndigkeit nachrichtendienstliche Mittel einsetzt, wird es zu den Nachrichtendiensten gez\u00e4hlt. > Military Intelligent Department (Milit\u00e4rischer Inund Auslandsnachrichtendienst) Die klassische milit\u00e4rische Inund Auslandsaufkl\u00e4rung liegt in der Zust\u00e4ndigkeit der 2. Hauptverwaltung des Generalstabs der chinesischen Volksbefreiungsarmee. Ihr obliegt der Schutz der eigenen Streitkr\u00e4fte vor gegnerischen Aussp\u00e4hversuchen. Im Ausland beschafft der Dienst milit\u00e4risch bedeutsame Informationen beispielsweise \u00fcber die F\u00e4higkeiten und die Bewaffnung fremder Streitkr\u00e4fte oder mit Relevanz f\u00fcr die Verteidigungsund B\u00fcndnispolitik. Die Aufgaben der technischen Spionage, der Fernmeldeaufkl\u00e4rung, der Cyberspionage, der Telekommunikations\u00fcberwachung und der IT-Sicherheit im milit\u00e4rischen Bereich sind dem milit\u00e4risch technischen Dienst der 3. Hauptverwaltung zugeordnet. 212 Spionageabwehr Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","> \"B\u00fcro 610\" Vor dem Hintergrund der wachsenden Meditationsbewegung Falun Gong wurde 1999 das unmittelbar an das Zentralkomitee der KPCh angebundene \"B\u00fcro 610\" geschaffen. Dieser Organisation obliegt die Aufkl\u00e4rung und Bek\u00e4mpfung der regimekritischen Bewegung Falun Gong. Das \"B\u00fcro 610\" operiert au\u00dferhalb einer Ministeriumsstruktur auch im Ausland mit nachrichtendienstlichen Mitteln und ist daher als weitere nachrichtendienstliche Organisation anzusehen. Justiz, Polizei und Verwaltung arbeiten dem \"B\u00fcro 610\" zu. Der Name ist auf das chinesische Verh\u00e4ltnis zur Zahlensymbolik zur\u00fcckzuf\u00fchren und nimmt Bezug auf die Gr\u00fcndung des B\u00fcros am 10. Juni 1999. Islamische Republik Iran Im Jahr 2015 gingen die wesentlichen nachrichtendienstlichen Aktivit\u00e4ten des Iran in NordrheinWestfalen vom zivilen Inund Auslandsnachrichtendienst \"Ministry of Information and Security\" (MOIS) aus. Traditionell ist die \u00dcberwachung und Bek\u00e4mpfung der iranischen Opposition im Inund Ausland Aufgabenschwerpunkt des MOIS. Daneben interessieren sich die iranischen Nachrichtenund Sicherheitsdienste aber auch f\u00fcr Informationen aus den Bereichen Politik, Milit\u00e4r und Wirtschaft. Entsprechende nachrichtendienstlich gesteuerte Aktivit\u00e4ten konnten im Berichtsjahr mehrfach in Nordrhein-Westfalen festgestellt werden. Die bereits f\u00fcr 2014 beschriebene Intensivierung der Ausforschungsbem\u00fchungen des MOIS gegen die oppositionelle \"Volksmodjahedin Iran-Organisation\" (MEK) beziehungsweise ihren politischen Arm, den \"Nationalen Widerstandrat Iran\" (NWRI), hielt auch im Jahr 2015 an. Dokumentiert wird dies durch Exekutivma\u00dfnahmen der Generalbundesanwaltschaft vom 28. Oktober 2015. Aufgrund eines Haftbefehls des Ermittlungsrichters beim Bundesgerichtshof wurde an diesem Tag eine Person wegen des dringenden Verdachts der geheimdienstlichen Agentent\u00e4tigkeit (SS 99 Abs. 1 Nr. 1 StGB) in K\u00f6ln festgenommen. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, f\u00fcr einen iranischen Nachrichtendienst planm\u00e4\u00dfig Angeh\u00f6rige der MEK ausgeforscht und seine hierbei erlangten Erkenntnisse gegen Agentenlohn an seine F\u00fchrungsstelle weitergeleitet zu haben. Neben der Wohnung des Festgenommenen wurden die Wohnungen von f\u00fcnf weiteren Beschuldigten durchsucht, vier davon ebenfalls in Nordrhein-Westfalen, eine in Berlin. Diese Beschuldigten sollen ebenfalls Informationen \u00fcber die MEK beschafft haben. Der iranische Nachrichtendienst hielt weiterhin an der Strategie fest, die MEK durch gezielte Propaganda zu diskreditieren. Spionageabwehr 213 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Aufkl\u00e4rung und Abwehr von Proliferation Unter Proliferation wird die Weiterverbreitung atomarer, biologischer oder chemischer Massenvernichtungswaffen beziehungsweise der zu ihrer Herstellung verwendeten Produkte sowie entsprechender Waffentr\u00e4gersysteme einschlie\u00dflich des daf\u00fcr erforderlichen Know-hows verstanden. Bei proliferationsrelevanten Staaten wie Iran, Nordkorea, Syrien oder Pakistan steht zu bef\u00fcrchten, dass Massenvernichtungswaffen in Konflikten eingesetzt oder als politisches Druckmittel genutzt werden. Bis heute ist es den genannten Staaten nicht gelungen, die zur Weiterentwicklung der eigenen Programme erforderlichen G\u00fcter ausschlie\u00dflich im eigenen Land herzustellen. NordrheinWestfalen als starker Wirtschaftsstandort mit einer Vielzahl relevanter Unternehmen und Forschungseinrichtungen stand im Jahr 2015 daher unver\u00e4ndert im Fokus proliferationsrelevanter Beschaffungsstellen. Fallzahlen im Jahr 2015 Im Berichtsjahr konnte die Spionageabwehr 141 Beschaffungsversuche beobachten, die definitiv oder mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zugunsten eines Proliferationsprogramms erfolgten. Diese Zahl bedeutet nahezu eine Verdopplung der in Nordrhein-Westfalen identifizierten sensiblen Einkaufsbem\u00fchungen gegen\u00fcber dem bis dahin bestehenden H\u00f6chstwert aus dem Jahr 2014 (83). In \u00fcber 90% der F\u00e4lle erfolgte allerdings keine Auslieferung der jeweiligen Waren, da der Verfassungsschutz rechtzeitig Warnungen an die betroffenen Unternehmen aussprechen konnte oder bereits sensibilisierte Firmen verd\u00e4chtige Anfragen als solche erkannten und nicht bedienten. Die Einigung im Nuklearkonflikt zwischen den f\u00fcnf st\u00e4ndigen Mitgliedern des Sicherheitsrats und Deutschland sowie dem Iran m\u00fcndete zun\u00e4chst im sogenannten \"Joint Comprehensive Plan of Action\" und schlie\u00dflich in der Resolution 2231 vom 20. Juli 2015. Nichtsdestoweniger stellte Iran weiterhin den Bearbeitungsschwerpunkt in der Proliferationsabwehr dar. Knapp zwei Drittel der identifizierten Einkaufsversuche sind iranischen Programmen zuzuordnen. W\u00e4hrend es im Nuklearbereich - m\u00f6glicherweise bedingt durch die Verhandlungen - zu einem leichten R\u00fcckgang kam, stieg die Zahl der Beschaffungsbem\u00fchungen im Zusammenhang mit den irani214 Spionageabwehr Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","In Nordrhein-Westfalen erkannte Beschaffungsversuche von 2010 bis 2015. schen Raketenprogrammen. Damit blieben die iranischen Aktivit\u00e4ten im Beobachtungsbereich auf einem konstant hohen Niveau. Daneben setzte sich der im Jahr 2014 bereits festgestellte Anstieg pakistanischer Beschaffungsversuche fort. Mit 49 beobachteten Gesch\u00e4ftsanbahnungen trug Pakistan in erheblichem Ma\u00dfe zum neuerlichen Jahresh\u00f6chststand bei. Dies d\u00fcrfte unter anderem auf Erweiterungen und Modernisierungen der pakistanischen Programme und einen in der Folge erh\u00f6hten Importbedarf zur\u00fcckzuf\u00fchren sein. Welche G\u00fcter stehen im Fokus? Gegenstand proliferationsrelevanter Anfragen sind in der Regel sogenannte Dual-use-G\u00fcter, also Produkte, die sowohl zivil als auch milit\u00e4risch nutzbar sind. Diese G\u00fcter bieten Einkaufsstellen die M\u00f6glichkeit, gegen\u00fcber Herstellern oder H\u00e4ndlern anstatt der tats\u00e4chlich vorgesehenen Endverwendung eine angeblich geplante zivile Nutzung anzugeben, um so die Lieferbereitschaft zu erh\u00f6hen. Auch im Jahr 2015 nutzten die Proliferationsstaaten diesen Vorteil intensiv, indem sie auf eine Verwendung in der zivilen Forschung oder in der \u00d6l-, Gasund Stahlindustrie hinwiesen. Dabei wurden teilweise gef\u00e4lschte Endverbleibszertifikate oder sonstige scheinbar offizielle Dokumente eingesetzt. Im Berichtsjahr fielen \u00fcber 95% der als proliferationsrelevant identifizierten Gesch\u00e4ftsanbahnungen in die Dual-use-Kategorie. Spionageabwehr 215 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Im besonderen Interesse stand dabei erneut Vakuumund Messtechnik aus Nordrhein-Westfalen. Daneben wurden in hohem Ma\u00dfe Ersatzteile f\u00fcr diverse industrielle Anwendungen gesucht, um die innerhalb der prelevanten Programme eingesetzten Maschinen und Anlagen in Betrieb halten zu k\u00f6nnen. Die Produktspanne relevanter G\u00fcter erstreckt sich von Grundstoffen wie verschiedenen Chemikalien oder Fasern bis hin zur Hochtechnologie, von kleinsten Ersatzteilen wie Dichtungen bis hin zu industriellen Gro\u00dfanlagen. Wie gelangen proliferationsrelevante G\u00fcter ins Zielland? Neben der Benennung einer angeblich zivilen Endverwendung hat sich auch die Angabe falscher Endverwender als probates Mittel zum Erwerb proliferationsrelevanter G\u00fcter erwiesen. Dabei werden regelm\u00e4\u00dfig nicht nur vorgeschobene Unternehmen als Empf\u00e4nger der Waren ausgegeben, oftmals wird versucht, das eigentliche Zielland der Lieferung zu verschleiern. Im Jahr 2015 nutzten die proliferationsrelvanten Staaten zu diesem Zweck umfangreiche Beschaffungsnetzwerke. Diese bestehen aus Tarnfirmen und Strohm\u00e4nnern in unterschiedlichen Staaten. Sie versuchen, G\u00fcter \u00fcber sogenannte Umgehungslieferungen zu beschaffen. Vereinigte Arabische Emirate T\u00fcrkei Deutschland Iran China Routen proliferationsrelevanter Waren in den Iran 216 Spionageabwehr Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Grunds\u00e4tzlich k\u00f6nnen entsprechende Eink\u00e4ufer hierzu jedes beliebige Land nutzen. Erfahrungsgem\u00e4\u00df befinden sich die klassischen \"Umgehungsstaaten\" aber in geographischer N\u00e4he zum Zielland. So versuchte der Iran beispielsweise im Berichtsjahr vor allem die Vereinigten Arabischen Emirate, die T\u00fcrkei und China zu nutzen, doch auch Turkmenistan oder der Irak wurden von der Spionageabwehr als Ausweichziel festgestellt. Ausweitung der Aufkl\u00e4rungsbem\u00fchungen durch den Verfassungsschutz NRW Die oben beschriebenen, konstant steigenden Fallzahlen sind sowohl in den unverminderten Anstrengungen der Proliferationsstaaten zur Beschaffung von Technologie begr\u00fcndet, im Jahr 2015 insbesondere bei Pakistan zu beobachten, als auch in der kontinuierlichen Ausweitung der Aufkl\u00e4rungsbem\u00fchungen von Seiten des Verfassungsschutzes NRW. Neben der Bearbeitung konkreter Verdachtsf\u00e4lle und der Identifizierung von Beschaffungsnetzwerken konnte die Spionageabwehr die Anzahl der Vortr\u00e4ge und Einzelberatungen zur Sensibilisierung der Wirtschaft im Jahr 2015 weiter erh\u00f6hen. Dabei wurden in 56 Veranstaltungen und Firmengespr\u00e4chen etwa 150 Unternehmen in Nordrhein-Westfalen erreicht. Die Pr\u00e4ventionsarbeit der Spionageabwehr f\u00fchrt zu einem steigenden Hinweisaufkommen im Interesse der Proliferationsbek\u00e4mpfung. Ziel der Sensibilisierungen durch den Verfassungsschutz NRW sind Aufkl\u00e4rung und die Verhinderung von Proliferationsgesch\u00e4ften. Die Gespr\u00e4chspartner werden auf Gefahren illegaler Lieferungen sowie die einschl\u00e4gigen Beschaffungsmethoden hingewiesen. In konkreten Einzelf\u00e4llen bietet der nordrhein-westf\u00e4lische Verfassungsschutz eine individuelle Beratung, bei der Probleme und Fragen der Unternehmen stets vertraulich behandelt werden. Unter der Rufnummer 0211 871 2821 und die E-Mail-Adresse kontakt.verfassungsschutz@mik1.nrw.de kann ein Gespr\u00e4chstermin mit der Spionageabwehr vereinbart werden. Spionageabwehr 217 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Wirtschaftsspionage \"Deutsche Technik, made in China\" (FAZ, 11.08.2015) \"Wirtschaftsspionage bedroht Mittelst\u00e4ndler\" (S\u00fcddeutsche Zeitung, 21.11.2015) \"Spione aus dem Iran greifen deutsche Firmen an\" (Welt, 12.01.2015) \"Russische Spionage-Offensive in Deutschland\" (Focus, 11/2015) Schlagzeilen dieser Art warein im vergangenen Jahr h\u00e4ufiger in der Presse zu finden. Oftmals war die Spionaget\u00e4tigkeit fremder M\u00e4chte Grund f\u00fcr eine entsprechende mediale Berichterstattung. Bei T\u00e4tigkeiten dieser Art spricht man von Wirtschaftsspionage. \\ Wirtschaftsspionage und Konkurrenzaussp\u00e4hung Grunds\u00e4tzlich l\u00e4sst sich zwischen Wirtschaftsspionage und Konkurrenzaussp\u00e4hung, die oftmals auch als Industriespionage bezeichnet wird, unterscheiden. Unter Konkurrenz - oder auch Industriespionage - versteht man die Aussp\u00e4hung von Unternehmen durch einen Wettbewerber. Wirtschaftsspionage hingegen ist die staatlich gelenkte oder gest\u00fctzte, von fremden Nachrichtendiensten ausgehende Ausforschung von Wirtschaftsunternehmen und Betrieben. In den Methoden unterscheiden sich beide Ph\u00e4nomene jedoch kaum. Welche Staaten haben deutsche Unternehmen angegriffen? In sehr vielen Staaten weltweit existieren gesetzliche Grundlagen, die den jeweiligen Nachrichtendiensten die Durchf\u00fchrung von Wirtschaftsspionage erlauben. Im Fokus der Spionageabwehr stehen insbesondere L\u00e4nder wie China und Russland, aber auch viele andere Staaten betreiben Wirtschaftsspionage. In den vergangenen Jahren verdichteten sich die Erkenntnisse bei der Spionageabwehr des Verfassungsschutzes NRW, dass der Iran \u00fcber ein eigenes Cyberprogramm verf\u00fcgt. Dieses ist an exponierter Stelle innerhalb der sogenannten Revolutionsgarden angesie218 Spionageabwehr Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","delt. Im Jahr 2015 konnte eine deutlich erh\u00f6hte Zahl von qualitativ hochwertigen Cyberangriffen auch auf deutsche Unternehmen festgestellt werden. Ziel der Angriffe waren Unternehmensnetzwerke und Kontrollsysteme der Industrie. Bei derartigen Attacken wurden rund acht Gigabyte geheimer Daten ausgesp\u00e4ht. Wer wird angegriffen? Auf Umfragen basierende Sch\u00e4tzungen gehen davon aus, dass jedes zweite deutsche Unternehmen bereits Opfer eines Angriffes geworden ist. F\u00fcr das Jahr 2015 wird von einer Schadensumme von mindestens 50 Milliarden Euro f\u00fcr die gesamte deutsche Wirtschaft ausgegangen. Im Fokus der Angreifer in Nordrhein-Westfalen standen verst\u00e4rkt kleine und mittelst\u00e4ndische Industrieunternehmen, die aufgrund ihres Erfolges auf den Weltm\u00e4rkten lohnende Angriffsziele sind. Oftmals sind diesen Unternehmen die drohenden Gefahren leider nicht im vollen Umfang bewusst. Wie erfolgten diese Angriffe? Die h\u00e4ufigste Angriffsvariante von Wirtschaftsspionen bestand auch im letzten Jahr darin, eine E-Mail mit angeh\u00e4ngter Schadsoftware zu versenden. Bei dieser Schadsoftware handelte es sich in der Regel um sogenannte Trojaner, die sich im angegriffenen Unternehmensnetzwerk festsetzten und in der Folge Unternehmensdaten an den Angreifer \u00fcbertrugen. F\u00fcr Unternehmen birgt dies gerade unter dem Gesichtspunkt der sogenannten \"Industrie 4.0\" besondere Gefahren. In der Industrie 4.0 verzahnt sich die Produktion mit modernster Informationsund Kommunikationstechnik auf intelligente Weise. Dies bringt immense Vorteile und erm\u00f6glicht die kosteng\u00fcnstige Herstellung ma\u00dfgeschneiderter Produkte nach individuellen Kundenw\u00fcnschen und in hoher Qualit\u00e4t. Letztendlich werden alle Prozesse digitalisiert und miteinander vernetzt. Dieser hohe Grad an Vernetzung macht ein IT-Netzwerk allerdings auch leichter angreifbar. Gelingt es Wirtschaftsspionen an einer Stelle in ein solches Netzwerk einzudringen, erhalten sie h\u00e4ufig Zugang zu nahezu allen relevanten Bereichen. Darunter befinden sich Stellen, an denen sensible Unternehmensdaten gespeichert sind oder sich Steuerprozesse f\u00fcr die Produktion befinden. Daten k\u00f6nnen abflie\u00dfen oder Produktionsprozesse sabotiert werden. Wirtschaftsspione setzen alles daran, \u00fcber einen m\u00f6glichst langen Zeitraum unentdeckt zu bleiben. Professionelle Spionageangriffe werden daher oftmals \u00fcberhaupt nicht, oder erst nach sehr langer Zeit entdeckt. Die durchschnittliche Zeit zwischen Infizierung und Entdeckung betr\u00e4gt derzeit rund 150 Tage. Spionageabwehr 219 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Angriffe auf Smartphones Es werden aber nicht nur die IT-Systeme von Unternehmen angegriffen. Gesch\u00e4ftlich genutzte Smartphones sind ebenfalls ein begehrtes Ziel von Angriffen. Smartphones bieten nahezu die gleiche Funktionalit\u00e4t wie Computer, verf\u00fcgen jedoch h\u00e4ufig nur \u00fcber minimale Sicherheitsvorkehrungen und sind daher sehr leicht angreifbar. Dar\u00fcber hinaus versorgen viele Hersteller ihre Smartphone-Modelle oft nur sehr z\u00f6gerlich mit Sicherheits-Aktualisierungen. Im Bereich der Wirtschaftsspionage werden die mobilen Telefone mit professioneller Schadsoftware unter anderem so infiziert, dass sie wie Wanzen funktionieren. Nimmt man ein solches Ger\u00e4t mit in eine vertrauliche Besprechung, wird der gesamte Inhalt an den Angreifer \u00fcbertragen. Es k\u00f6nnen alle Gespr\u00e4che mitgeh\u00f6rt und die auf dem Ger\u00e4t gespeicherten Daten ausgelesen werden. Social Engineering als beliebte Methode Stark gestiegen ist im letzten Jahr der Einsatz von Social Engineering, insbesondere zur Vorbereitung technischer Angriffe auf Unternehmensnetzwerke. Social Engineering bedeutet im Kontext der IT-Security vereinfacht \u00fcbersetzt die \"soziale Manipulation von Menschen\". Menschliche Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Gutgl\u00e4ubigkeit, Naivit\u00e4t oder auch Fahrl\u00e4ssigkeit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern werden bewusst ausgenutzt, um einen technischen Angriff beispielsweise auf ein IT-Netzwerk erfolgreich durchzuf\u00fchren. Angreifer m\u00f6chten ihr Ziel, in das Netzwerk eines Unternehmens einzudringen, m\u00f6glichst schnell und mit einfachen technischen Mitteln erreichen. Oftmals wird eine Schadsoftware als Anhang einer E-Mail verschickt, oder ein Link in einer E-Mail verweist auf eine mit Schadcode pr\u00e4parierte Internetadresse. Die Weiterentwicklung von Schutzsoftware hat in den vergangenen Jahren Angriffe auf IT-Infrastrukturen erheblich erschwert. Die Zahl der Angriffe in Zusammenhang mit Social Engineering stieg hingegen stark an; der Faktor Mensch r\u00fcckte damit st\u00e4rker in den Mittelpunkt der Bem\u00fchungen, einen Zugang zu einem gut gesicherten IT-Netzwerk zu erhalten. Wie kann sich ein Unternehmen sch\u00fctzen? Der Verfassungsschutz NRW r\u00e4t allen Unternehmen, sich auf der Grundlage eines ganzheitlichen Sicherheitskonzeptes zu sch\u00fctzen. Unternehmenssicherheit ist mehr als reine ITSicherheit. Unternehmenssicherheit geh\u00f6rt in professionelle H\u00e4nde und sollte von einer eigenen Organisationseinheit (Corporate Security) bearbeitet werden. Sie sollte alle Sicherheitsprozesse in einem Unternehmen verantworten und verzahnen. Sicherheit selbst ist zwar kein wertsch\u00f6pfender Vorgang, sie flankiert aber erfolgreich die Gewinnerzielung und stellt somit immer einen Wettbewerbsvorteil dar. 220 Spionageabwehr Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Pr\u00e4ventive Schutzma\u00dfnahmen alleine reichen nicht aus. Aufgrund komplexer Abh\u00e4ngigkeiten und Verzahnungen einzelner IT-Komponenten muss inzwischen davon ausgegangen werden, dass IT-Angriffe trotz guter Absicherung erfolgreich durchgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. Ein entsprechender Ernstfall muss im Sicherheitskonzept, beispielsweise durch die Festlegung von Notfallprozessen, ber\u00fccksichtigt werden (\"Assume the Breach\"). Vielfach werden jedoch erst dann Ma\u00dfnahmen ergriffen, wenn es bereits zu einem Sicherheitsvorfall gekommen ist. Dies kann fatale Folgen haben. Es besteht die Gefahr, dass bei einem einzigen professionellen Angriff ein Gro\u00dfteil des Know-hows eines Unternehmens abflie\u00dft oder der Produktionsprozess nachhaltig gest\u00f6rt wird. Eine fr\u00fchzeitige Befassung mit dem Thema Sicherheit ist daher f\u00fcr jedes Unternehmen angezeigt. Der Verfassungsschutz NRW hilft, Unternehmen sicherer zu machen Experten f\u00fcr den Wirtschaftsschutz beim Verfassungsschutz NRW geben Hilfestellungen, Unternehmen sicherer zu machen. Eine M\u00f6glichkeit ist die Durchf\u00fchrung von Sensibilisierungsvortr\u00e4gen. Sie zeigen aus Sicht der Sicherheitsbeh\u00f6rde auf, welchen Bedrohungen Unternehmen aller Burkhard Freier, Leiter des Verfassungsschutzes NRW, bei einem Vortrag vor Unternehmensvertretern. Spionageabwehr 221 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Branchen und Gr\u00f6\u00dfenordnungen durch Wirtschaftsspionage ausgesetzt sind, informieren \u00fcber die wichtigsten Angriffsmethoden und zeigen wirksame Schutzstrategien f\u00fcr Unternehmen auf. Im Jahr 2015 hielten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Verfassungsschutzes NRW 86 Vortr\u00e4ge vor rund 3.500 Besuchern. Dar\u00fcber hinaus f\u00fchrt der nordrhein-westf\u00e4lische Verfassungsschutz j\u00e4hrlich rund 100 Beratungsund Sensibilisierungsgespr\u00e4che mit Firmen, die mit staatlichen Verschlusssachen (VS) umgehen. Diese Firmen unterliegen den besonderen Sicherheitsregeln des Geheimschutzes, die im Geheimschutzhandbuch des Bundesministeriums f\u00fcr Wirtschaft und Energie festgelegt sind. Auf Wunsch besucht der Verfassungsschutz NRW Unternehmen vor Ort, um praktische Hilfestellung bei der Erstellung eines Sicherheitskonzeptes zu geben oder beispielsweise vor einer Unternehmensbelegschaft einen Sensibilisierungsvortrag zu halten. Diese kostenlosen Angebote stehen allen Unternehmen offen. Anfragen k\u00f6nnen telefonisch unter 0211 / 871-2899 \u00fcbermittelt oder an wirtschaftsschutz@mik1.nrw.de gerichtet werden. 222 Spionageabwehr Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Pr\u00e4ventionsarbeit und Aussteigerprogramme Pr\u00e4vention, AussteigerProgrAmme 223 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Pr\u00e4ventionsarbeit und Aussteigerprogramme 223 \u00dcbergreifende Konzepte und Vernetzung .......................................................................... 226 Pr\u00e4ventionsprogramm Wegweiser ..................................................................................... 230 Aussteigerprogramme des Verfassungsschutzes .............................................................. 232 Fachtagungen..................................................................................................................... 236 VIR...................................................................................................................................... 238 Vortr\u00e4ge und Fortbildungen ................................................................................................ 240 Ver\u00f6ffentlichungen .............................................................................................................. 244 Die Extremismuspr\u00e4vention des nordrhein-westf\u00e4lischen Verfassungsschutzes konzentrierte sich im Jahr 2015 weiterhin auf die Bereiche Islamismus und Rechtsextremismus. Im Vordergrund stand dabei ein gesamtgesellschaftlicher Ansatz, \u00fcber den zahlreiche institutionelle Stellen sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren systematisch und umfassend informiert und sensibilisiert worden sind. Das landesweite Pr\u00e4ventionsprogramm \"Wegweiser\", das den Einstieg in die salafistische Szene zu verhindern versucht, ist auf vier weitere Regionen ausgeweitet worden. Der Verfassungsschutz bietet zudem mit eigenen Programmen Rechtsextremisten und seit Oktober 2014 Islamisten die M\u00f6glichkeit zum Ausstieg aus der extremistischen Szene. Ein wichtiger Schritt war in diesem Zusammenhang die wissenschaftliche Evaluation des beim Verfassungsschutz NRW angesiedelten Aussteigerprogramms f\u00fcr Rechtsextremisten. Die Ergebnisse sind am 18. Mai 2015 dem nordrhein-westf\u00e4lischen Landtag vorgestellt worden. Bei der Pr\u00e4vention arbeitet der Verfassungsschutz NRW erfolgreich mit zahlreichen Partnern zusammen: Der verst\u00e4rkte Austausch mit allen ma\u00dfgeblichen Ressorts der Landesregierung bringt die Pr\u00e4ventionsbem\u00fchungen voran. Zusammen mit der Stadt Dortmund hat der Verfassungsschutz am 25. November zur Fachtagung \"Die Partei 'Die Rechte' - Ideologie, Aktionsformen, Gegenstrategien\" eingeladen. Gemeinsam mit der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung hat das 224 Pr\u00e4vention, AussteigerProgrAmme Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Innenministerium NRW die Tagung \"Einstiegsprozesse: Rechtsextremismus und gewaltbereiter Salafismus. Gemeinsamkeiten - Unterschiede - Gegenmodelle\" ausgerichtet. Aufkl\u00e4rung \u00fcber Ideologien, Strukturen und Strategien verfassungsfeindlicher Organisationen und Parteien st\u00e4rkt die Wachsamkeit der demokratischen \u00d6ffentlichkeit und festigt auf diese Weise das Fundament einer wehrhaften Demokratie. Im Jahr 2015 hat sich der nordrheinwestf\u00e4lische Verfassungsschutz an rund 170 Informationsveranstaltungen f\u00fcr Politik, Beh\u00f6rden, Institutionen sowie B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger in allen Landesteilen beteiligt. Pr\u00e4vention, AussteigerProgrAmme 225 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","\u00dcbergreifende Konzepte und Vernetzung Die Auseinandersetzung mit demokratiefeindlichen, menschenverachtenden Handlungsweisen und Denkmustern ist kein begrenzter, kurzfristiger Prozess, sondern eine langfristige Aufgabenstellung der im Verfassungsschutz angesiedelten Extremismuspr\u00e4vention. Unver\u00e4ndert zum Jahr 2014 liegen die Schwerpunkte hier weiterhin in den Bereichen Islamismus und Rechtsextremismus. Seit der Neustrukturierung des Verfassungsschutzes NRW im Jahr 2013 wurde die Relevanz der Pr\u00e4ventionsarbeit durch ein eigenst\u00e4ndiges Referat \"Pr\u00e4vention, Aussteigerprogramme\" betont. Der Verfassungsschutz hat sich bei der Pr\u00e4ventionsarbeit im Berichtsjahr 2015 verst\u00e4rkt auf einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz konzentriert: Er ist dabei unter anderem gemeinsam mit \\ Pr\u00e4vention auf alle Ebenen In den Bereichen Islamismus und Rechtsextremismus bringt der Verfassungsschutz NRW seine Erkenntnisse gezielt in alle drei grundlegenden Felder der Pr\u00e4vention ein. In Wissenschaft und p\u00e4dagogischer Praxis wird \u00fcblicherweise die prim\u00e4re, sekund\u00e4re und terti\u00e4re Pr\u00e4vention unterschieden. Eingeteilt wird nach den Zielgruppen, an die sich die Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen richten. Die prim\u00e4re Pr\u00e4vention zielt auf die demokratische \u00d6ffentlichkeit ab (\"Verfassungsschutz durch Aufkl\u00e4rung\"). Bei der sekund\u00e4ren Pr\u00e4vention sind es Personengruppen, die eine N\u00e4he zum extremistischen Denken und Handeln haben. Im Bereich des Rechtsextremismus werden diese Personen beispielsweise h\u00e4ufig als \"rechtsorientiert\" oder \"rechtsaffin\" bezeichnet. Entsprechende Jugendliche befinden sich meist in einer Ann\u00e4herungsphase an extremistische Szenen. Terti\u00e4re Pr\u00e4vention richtet sich an Personen, die fest an der Szene beteiligt und in ihr aktiv sind. Ma\u00dfnahmen der terti\u00e4ren Pr\u00e4vention sind insbesondere Aussteigerprogramme. Die \u00dcberg\u00e4nge zwischen diesen drei Pr\u00e4ventionsbereichen sind flie\u00dfend, die Unterscheidung ist aber wichtig, weil wirksame Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen passgenau auf die jeweilige Zielgruppe ausgerichtet sein m\u00fcssen. 226 Pr\u00e4vention, AussteigerProgrAmme Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","allen ma\u00dfgeblichen Ressorts der Landesregierung vorgegangen. Bereits bestehende Modelle wurden ausgebaut und optimiert. Hierzu geh\u00f6rt vor allem das Aussteigerprogramm Islamismus. Unabh\u00e4ngig vom und parallel zum Aussteigerprogramm wurde das Pr\u00e4ventionsprogramm Wegweiser in Zusammenarbeit mit den betroffenen Kommunen in den vier weiteren Regionen Duisburg, Dinslaken, Dortmund und Wuppertal etabliert. Auch der Blick \u00fcber die Grenzen zu benachbarten Staaten mit \u00e4hnlich gelagerten Problemstellungen wurde zum Austausch \u00fcber m\u00f6gliche L\u00f6sungsstrategien sowie zur Vernetzung vorangetrieben. Ressort\u00fcbergreifende Ma\u00dfnahmen der Islamismuspr\u00e4vention Ende 2015 ist eine aktualisierte Analyse der deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden zu den nach Syrien und in den Irak ausgereisten Personen ver\u00f6ffentlicht worden. Sie bietet eine gute Grundlage f\u00fcr pr\u00e4ventives Handeln. Es wurde noch einmal deutlich, dass es \"den\" extremistischen Salafisten nicht gibt und die gesamte Gesellschaft gefordert ist, Achtsamkeit f\u00fcr Radikalisierungsanzeichen zu entwickeln, um fr\u00fchzeitig gegensteuern zu k\u00f6nnen. Das Thema Pr\u00e4vention von extremistischem Salafismus hatte im Jahr 2015 f\u00fcr die Landesregierung eine gro\u00dfe Bedeutung. Im Mittelpunkt steht dabei, die Radikalisierung insbesondere von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu verhindern und ihre Demokratiebindung zu st\u00e4rken. Ein Expertenkreis ausgew\u00e4hlter Fachleute aus Wissenschaft und Praxis sowie aus Vertreterinnen und Vertretern der Landesregierung wurde eingerichtet. Die ressort\u00fcbergreifenden Gespr\u00e4che wurden vertieft. Ziel ist die Einrichtung einer Interministeriellen Arbeitsgruppe zum Thema Salafismuspr\u00e4vention, um gemeinsam und koordiniert bereits bestehende Ma\u00dfnahmen auszubauen und st\u00e4rker zu vernetzen sowie neue Ma\u00dfnahmen zu initiieren. Mit einer Aufteilung der Federf\u00fchrung zwischen dem Ministerium f\u00fcr Arbeit, Integration und Soziales und dem Ministerium f\u00fcr Inneres und Kommunales wird den unterschiedlichen Pr\u00e4ventionsebenen Rechnung getragen. Es geht dabei um pr\u00e4ventive Zielsetzungen und Ma\u00dfnahmen mit einem gesamtgesellschaftlichen Ansatz, bei denen Zivilgesellschaft und Staat gemeinsam vorgehen sollen. Zudem sind die Bedingungen, die auf eine Radikalisierung einwirken, in den Fokus zu nehmen. Vorhandene Deradikalisierungsma\u00dfnahmen wie beispielsweise das Pr\u00e4ventionsprogramm Wegweiser und das Aussteigerprogramm Islamismus sind auszubauen und gegebenenfalls neue zu entwickeln. Dies betrifft sowohl die sekund\u00e4re Pr\u00e4vention, die sich an Personen richtet, die sich zu radikalisieren drohen, als auch die terti\u00e4re Pr\u00e4vention, welche bereits stark radikalisierte Personen zur Zielgruppe hat. Die gemeinsam von den Bezirksregierungen und dem Ministerium f\u00fcr Inneres und Kommunales organisierte Reihe von Regionalkonferenzen wurde im Jahr 2015 mit Veranstaltungen in Detmold, K\u00f6ln und M\u00fcnster fortgef\u00fchrt. Damit wurden in allen f\u00fcnf nordrhein-westf\u00e4lischen Regierungsbezirken Institutionen, die in ihrer Arbeit mit Jugendlichen und jungen Menschen vielf\u00e4ltige Kontakte haben, \u00fcber den extremistischen Salafismus, seine Erscheinungsformen Pr\u00e4vention, AussteigerProgrAmme 227 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","sowie Beratungsund Hilfsangebote informiert. Teilgenommen haben Multiplikatoren insbesondere aus den Bereichen Wissenschaft, Schule, Kinderund Jugendhilfe, Integrationsfach-stellen und der Polizei. Es wurden die Attraktivit\u00e4t der Szene f\u00fcr Jugendliche, deren Radikalisierungstendenzen sowie Themen der Pr\u00e4vention gegen den extremistischen Salafismus von und mit Experten erl\u00e4utert und diskutiert. Der Verfassungsschutz NRW vertritt das Ministerium f\u00fcr Inneres und Kommunales in einer interministeriellen Arbeitsgruppe, die die Entwicklung eines Integrierten Handlungskonzepts gegen Rechtsextremismus und Rassismus in Nordrhein-Westfalen begleitet. Das Handlungskonzept wird federf\u00fchrend durch eine Projektgruppe im Ministerium f\u00fcr Familie, Kinder, Jugend, Regionalkonferenz bei der Bezirksregierung K\u00f6ln Kultur und Sport erarbeitet. Das Ministerium im M\u00e4rz 2015 f\u00fcr Inneres und Kommunales geh\u00f6rt zudem dem \"Landesnetzwerk gegen Rechtsextremismus\" in Nordrhein-Westfalen an, das im M\u00e4rz 2012 gegr\u00fcndet wurde. In diesem arbeiten alle wesentlichen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteure zusammen. Modellprojekt \"Kommunen gegen Extremismus\" Das Projekt \"Kommunen gegen Extremismus\" wurde im Jahr 2014 im Kreis Mettmann durch den nordrhein-westf\u00e4lischen Verfassungsschutz zusammen mit dem polizeilichen Staatsschutz des zust\u00e4ndigen Polizeipr\u00e4sidenten D\u00fcsseldorf initiiert. Im Rahmen einer vertrauensvollen Zusammenarbeit soll die Entstehung jeder Art von Extremismus durch Informationsaustausch in beide Richtungen im Vorfeld entgegengewirkt werden. Die Zusammenarbeit ist von den Kommunen positiv angenommen und regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr Anfragen und Hinweise genutzt worden. Aufgrund dieser positiven Erfahrungen wurde das Projekt in 2015 auf den Rhein-Kreis Neuss erweitert. Wie zuvor in Mettmann fand dort ebenfalls eine von Verfassungsschutz und Polizei durchgef\u00fchrte Informationsveranstaltung statt, bei der den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kommunen und des Kreises extremistische Ph\u00e4nomenbereiche aufgezeigt wurden. Eine weitere Ausdehnung des Projekts ist derzeit in Vorbereitung. 228 Pr\u00e4vention, AussteigerProgrAmme Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Arbeitsgruppe \"Gegenma\u00dfnahmen zu salafistischer Internetpropaganda\" Im Fr\u00fchjahr 2015 wurde unter Federf\u00fchrung des Ministeriums f\u00fcr Inneres und Kommunales eine Arbeitsgruppe aus staatlichen und zivilgesellschaftlichen Institutionen und Organisationen ins Leben gerufen, die sich mit der Entwicklung von Gegenma\u00dfnahmen zu salafistischer Internetpropaganda besch\u00e4ftigt. Die Arbeitsgruppe setzt sich im halbj\u00e4hrlichen Turnus im Auftrag der Innenministerkonferenz zusammen. Zur Entwicklung wirksamer Gegenma\u00dfnahmen ist die Zusammenarbeit vieler verschiedener Expertisen erforderlich. Diesem Ansatz wird in der Arbeitsgruppe Rechnung getragen, indem neben den Ressorts Inneres und Familie zum Beispiel auch jugendschutz. net und die Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung in Nordrhein-Westfalen teilnehmen. Um einen \u00dcberblick zu vorhandenen und geplanten Initiativen und Projekten zu bekommen und Bedarfe f\u00fcr weitere fehlende Projekte zu erkennen, wurden alle vorhandenen und geplanten Initiativen und Projekte zu dem Thema in einer Bestandsaufnahme zusammengef\u00fchrt. Die Bestandsaufnahme wird kontinuierlich weitergef\u00fchrt und der Kreis der teilnehmenden Experten ausgebaut. Salafistische Internetpropaganda wie hier auf YouTube ist im Internet sehr stark verbreitet Verfassungsschutz NRW und Zusammenarbeit auf EU-Ebene Im Jahr 2015 haben das Ministerium f\u00fcr Inneres und Kommunales und speziell der Verfassungsschutz die Kontakte zu Akteuren, Partnern und staatlichen Stellen in anderen Mitgliedstaaten der Europ\u00e4ischen Union verst\u00e4rkt und ausgebaut. Bei Gespr\u00e4chen \u00fcber Deradikalisierung und Pr\u00e4vention wurden den europ\u00e4ischen Partnern beispielsweise in den Niederlanden und in Belgien unter anderem die Pr\u00e4ventionsund Aussteigerprogramme des Landes NRW vorgestellt und es fand ein Austausch \u00fcber Best practices statt. Eine weitere Intensivierung der Zusammenarbeit wurde f\u00fcr das Jahr 2016 vereinbart. Die Nachfrage internationaler Akteure nach den Pr\u00e4ventionsprogrammen des Landes war in 2015 hoch und d\u00fcrfte auch im Jahr 2016 weiter anhalten. Dar\u00fcber hinaus besteht eine Vernetzung zur europ\u00e4ischen Plattform RAN (Radicalisation Awareness Network). Sie erm\u00f6glicht den regelm\u00e4\u00dfigen Austausch europ\u00e4ischer Best practices f\u00fcr Pr\u00e4ventionsprogramme und wird im Jahr 2016 fortgef\u00fchrt. Pr\u00e4vention, AussteigerProgrAmme 229 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Pr\u00e4ventionsprogramm Wegweiser Der extremistische Salafismus \u00fcbt durch hochprofessionelle und die Lebenswelt vieler Jugendlicher ansprechende Propaganda weiterhin eine gro\u00dfe Anziehungskraft auf junge Menschen aus. Insbesondere bei Eltern und Lehrern wirft das Thema viele Fragen auf und stellt sie vor neue Herausforderungen. Bei Jugendeinrichtungen und Beh\u00f6rden besteht ebenfalls ein hoher Informationsbedarf. Im Jahr 2014 startete das Pr\u00e4ventionsprogramm Wegweiser in den St\u00e4dten Bochum, Bonn und D\u00fcsseldorf. 2015 folgten Anlaufstellen in Wuppertal f\u00fcr das Bergische Land, Dinslaken (f\u00fcr den Kreis Wesel), Dortmund und Duisburg. In 2016 kommen B\u00fcros in Aachen, Essen, K\u00f6ln, M\u00f6nchengladbach, M\u00fcnster und Ostwestfalen-Lippe hinzu. Neben einer geplanten personellen Verst\u00e4rkung der vorhandenen lokalen Anlaufstellen sollen einige Stellen durch mobile Mitarbeiterinnenund Mitarbeiterteams erg\u00e4nzt werden. Diese k\u00f6nnen den Beratungsbedarf insbesondere in l\u00e4ndliche Regionen abdecken. Eine externe Evaluierung des Programms wird im Jahr 2016 vorbereitet. Sie soll die Wirksamkeit wissenschaftlich \u00fcberpr\u00fcfen und eventuelle Verbesserungsm\u00f6glichkeiten aufzeigen. Wegweiser versteht sich als Programm eines Verbundes von Ministerium, Kommunen sowie Akteuren der Zivilgesellschaft, \u00f6ffentlicher Stellen und sonstiger Institutionen vor Ort. Es bietet Anlaufstellen auf lokaler Ebene f\u00fcr alle, die Fragen zum Thema extremistischer Salafismus und Radikalisierung haben oder Unterst\u00fctzung beispielsweise in konkreten Einzelf\u00e4llen ben\u00f6tigen. Ziel ist ein m\u00f6glichst schnelles Eingreifen, wenn erste Radikalisierungsmerkmale bemerkt werden. Eine Radikalisierung junger Menschen soll auf diese Weise verhindert werden. Es ist wichtig, konkrete Beratungsangebote insbesondere f\u00fcr junge Menschen zu unterbreiten und vor Ort anzubieten. Sie stehen allen Personen offen und betreffen insbesondere Angeh\u00f6rige, die Probleme erkennen und Ver\u00e4nderungen an den jungen Menschen beobachten. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass das Programm sehr stark aus dem Bereich Schule nachgefragt wird. Ver\u00e4nderungen bei Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern werden dort h\u00e4ufig fr\u00fchzeitig bemerkt. Gespr\u00e4che mit Personen aus dem direkten Umfeld bieten eine M\u00f6glichkeit, Betroffene fr\u00fchzeitig zu erreichen. 230 Pr\u00e4vention, AussteigerProgrAmme Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Breites Angebot zur Individuellen Hilfe Aufgrund m\u00f6glicher, vielf\u00e4ltiger Ausl\u00f6ser f\u00fcr eine Radikalisierung ist das Programm Wegweiser breit aufgestellt und kann auf ein gro\u00dfes Netzwerk verschiedener Akteure und Einrichtungen zur\u00fcckgreifen. Konzeptionell wird Wegweiser bereits im Gr\u00fcndungsprozess sehr eng an die \u00f6rtlichen Gegebenheiten angepasst und an eine lokale Tr\u00e4gerorganisation angebunden. Von gro\u00dfer Bedeutung ist, dass die WegweiserBetreuer Beratung und Unterst\u00fctzung nicht alleine leisten, sondern aktiv die \u00f6rtlichen Netzwerkpartner mit einbinden. Bestehende, im Regelsystem vorgesehene Strukturen werden aufgegriffen. F\u00fcr die konkreten Beratungsf\u00e4lle werden verschiedene Experten vor Ort aktiviert und mit ihnen und den Betroffenen zusammengearbeitet. Beteiligt sind in der Regel Sozialarbeiter, Jugendhilfe, Schulen, Jobcenter, einzelne Moscheegemeinden und die Polizei. Je vielf\u00e4ltiger die Problemlagen der vorwiegend jungen Menschen sind, umso zahlreicher und inhaltlich breiter aufgestellt sollten die Netzwerkpartner vor Ort sein, die bei einer Probleml\u00f6sung mit ihren speziellen Expertisen hinzugezogen werden und behilflich sein k\u00f6nnen. Die Wegweiser-Betreuer Informationsfaltblatt des erarbeiten mit den Betroffenen, dem sozialem Umfeld sowie Pr\u00e4ventionsprogramms den Ansprechpartnern des jeweiligen Netzwerks ein individuell zugeschnittenes Unterst\u00fctzungskonzept. Kontakt zu Wegweiser Eine \u00dcbersicht \u00fcber die Erreichbarkeiten der lokalen Wegweiser-Partner und Antworten auf h\u00e4ufige Fragen zum Programm sind unter www.wegweiser.nrw.de zu finden. Neben den lokalen Wegweiser-Anlaufstellen existiert eine Wegweiser-Hotline beim Ministerium f\u00fcr Inneres und Kommunales. Sie steht insbesondere f\u00fcr Anfragen aus Regionen zur Verf\u00fcgung, in denen es noch keine Wegweiser-Anlaufstellen gibt. Ratsuchende aus ganz NordrheinWestfalen k\u00f6nnen sich \u00fcber die Rufnummer 0211-871-2728 von Montag bis Freitag in der Zeit von 08:00 bis 18:00 Uhr an die Beraterinnen und Berater wenden. Die E-Mail-Adresse lautet info@wegweiser.nrw.de. Die zentrale Hotline vermittelt auf Wunsch Ansprechpartner vor Ort. Pr\u00e4vention, AussteigerProgrAmme 231 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Aussteigerprogramme des Verfassungsschutzes Aussteigerprogramme sind sehr wichtige Angebote der Pr\u00e4vention. Sie erm\u00f6glichen Angeh\u00f6rigen extremistischer Szenen den Ausstieg, begleiten sie auf diesem Weg und bieten neue Perspektiven. Der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen bietet ein solches Programm seit langem f\u00fcr den Bereich des Rechtsextremismus an. Im Oktober 2014 hat ein Aussteigerprogramm Islamismus seine Arbeit aufgenommen. Aussteigerprogramm Rechtsextremismus Bis Ende 2015 haben insgesamt 156 Personen die rechtsextremistische Szene mithilfe des Aussteigerprogramms dauerhaft verlassen. Wie in den Vorjahren wurden 2015 kontinuierlich zwischen 40 und 50 Personen begleitet. \"Nordrhein-Westfalen hat ein gutes Aussteigerprogramm - aber was gut ist, kann ja noch besser werden\". So fasste Prof. Kurt M\u00f6ller, Sozialund Erziehungswissenschaftler an der Hochschule Esslingen, am 18. Mai 2015 im nordrhein-westf\u00e4lischen Landtag die 111 Seiten seiner Expertise zum Aussteigerprogramm Rechtsextremismus (APR) des Landes zusammen. Gut ein Jahr lang hatte Kurt M\u00f6ller gemeinsam mit der Psychologin Prof. Beate K\u00fcpper von der Hochschule Niederrhein in M\u00f6nchengladbach das APR untersucht und Empfehlungen erarbeitet. Es ist damit das erste staatliche Aussteigerprogramm, das durch ein unabh\u00e4ngiges wissenschaftliches Team unter die Lupe genommen wurde. Die Evaluation stellt dem APR insgesamt ein positives Zeugnis aus, sie gibt aber auch wichtige Impulse und regt Verbesserungen an. Die Studie kommt zu folgenden zentralen Ergebnissen: > In 94 Prozent der untersuchten F\u00e4lle ist es nicht zu einem R\u00fcckfall gekommen, weder zu einer erneuten Ann\u00e4herung an die rechtsextremistische Szene noch zu einschl\u00e4gigen Straftaten. > Das APR befasst sich mit einer sehr \"harten\" Klientel von Rechtsextremisten. Fast alle Ratsuchenden sind straff\u00e4llig geworden, die meisten mehrfach. Nicht wenige sind Intensivstraft\u00e4ter. Hinzu kommen psychische St\u00f6rungen, Suchtund Schuldenprobleme. Angesichts dieser Klientel spricht die geringe R\u00fcckfallquote aus Sicht der Gutachter \"eindrucksvoll f\u00fcr den 232 Pr\u00e4vention, AussteigerProgrAmme Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Erfolg des Programms\". Frauen und M\u00e4dchen sind im Programm bisher allerdings unterrepr\u00e4sentiert. > Die Anbindung des Aussteigerprogramms f\u00fcr Rechtsextremisten an den Verfassungsschutz ist kein Manko. Der Verfassungsschutz ist einerseits, so die Evaluation, \"Feindbild Nummer eins\" der Szene. Die Klienten gehen allerdings davon aus, dass gerade eine solche, nach ihrer Wahrnehmung \"m\u00e4chtige\" Beh\u00f6rde besonders effektiv Schutz und Hilfe leisten k\u00f6nne. > Die Unterst\u00fctzung der Klienten erfolge stringent, ressourcensparend und schnell, sobald sich eine Problemlage zeigt. > Ein vollst\u00e4ndiger Erfolg des Aussteigerprogramms ist der Studie zufolge nicht immer realistisch. In manchen F\u00e4llen sei es fraglich, \"ob eine restlose Reduktion von Einzelbest\u00e4nden (extrem) rechter Orientierungen gelingen kann\". Seit seiner personellen Verst\u00e4rkung im Jahr 2014 arbeiten im APR Menschen aus Verwaltung und Polizei, mit juristischem, p\u00e4dagogischem und sozialwissenschaftlichem Hintergrund zusammen. Durch das multiprofessionelle Team kann sich die Ausstiegsbegleitung dem Distanzierungsprozess von verschiedenen Seiten n\u00e4hern und mit den Ausstiegswilligen praxisorientierte und individuelle Ausstiegskonzepte erarbeiten. Die Ausstiegshilfen zur Stabilisierung der Lebensverh\u00e4ltnisse umfassen unter anderem die Hilfe bei der Arbeitsplatzsuche, Unterst\u00fctzung bei Qualifizierungsma\u00dfnahmen (beispielsweise bei der Erlangung des F\u00fchrerscheins oder eines Ausbildungsabschlusses), psychologische Hilfe, Eingliederung in Entziehungsma\u00dfnahmen, die Hilfe bei Familienzusammenf\u00fchrung, Umzugshilfen und Haftbetreuung. Dar\u00fcber hinaus werden in pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4chen die Einstiegsprozesse beleuchtet und undemokratische Einstellungsmuster hinterfragt. Netzwerke sind f\u00fcr die Ausstiegsarbeit besonAussteigerprogramm Rechtsextremismus ders wichtig. Neben den Das Aussteigerprogramm Rechtsextremismus ist \u00fcber die regelm\u00e4\u00dfigen Tagungen E-Mail-Adresse kontakt@aussteiger.nrw.de und die Telefonund Fortbildungen der nummer 0211 837 1001 erreichbar. Weitere Informationen Aussteigerprogramme des zum Programm sind unter www.aussteiger.nrw.de abrufbar. Bundes und der L\u00e4nder beteiligte sich das APR an dem ersten au\u00dferordentlichen Praxisund Erfahrungsaustausch von zivilgesellschaftlichen und beh\u00f6rdlichen Aussteigerprogrammen des Justizministeriums Niedersachsen im M\u00e4rz 2015. Eine regelm\u00e4\u00dfige Fortf\u00fchrung des Austausches wurde vereinbart. Pr\u00e4vention, AussteigerProgrAmme 233 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Im Juli 2015 ging die neugestaltete Website des Aussteigerprogramms ans Netz. Sie enth\u00e4lt unter anderem Erfahrungsberichte von Aussteigern und das vollst\u00e4ndige Gutachten zur Evaluation des APR. Im Jahr 2016 erarbeitet eine Projektgruppe mit wissenschaftlicher Begleitung dar\u00fcber hinaus Strategien, um Ausstiegsangebote gezielt mithilfe von Social-Media-Angeboten bekannt zu machen. Aussteigerprogramm Islamismus Der Verfassungsschutz hat im Oktober 2014 ein eigenst\u00e4ndiges Aussteigerprogramm f\u00fcr Islamisten entwickelt. Dies ist bislang das einzige staatliche Ausstiegsangebot in diesem Ph\u00e4nomenbereich in Deutschland. Es richtet sich an stark radikalisierte und in die islamistische Szene fest eingebundene Personen. An das Programm k\u00f6nnen sich auch R\u00fcckkehrer aus Kriegsgebieten und wegen entsprechender politischer Straftaten verurteilte Inhaftierte wenden, wenn sie sich aus der Szene l\u00f6sen wollen. Der Hauptaspekt der Ausstiegsbegleitung ist dabei die ideologische Aufarbeitung, bei der sich die Betroffenen mit ihrer Vergangenheit und ihrem Weg in den Extremismus auseinandersetzen m\u00fcssen. Daneben wird \"Hilfe zur Selbsthilfe\" geleistet. Die Aussteiger werden dabei unterst\u00fctzt, ihre eigenen Ressourcen zu mobilisieren. Ungel\u00f6ste existenzielle Probleme wie Arbeitslosigkeit 234 Pr\u00e4vention, AussteigerProgrAmme Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","oder finanzielle Schwierigkeiten k\u00f6nnen eine beginnende Distanzierung von der Szene unterbrechen. Ein Ausstieg ist erfahrungsgem\u00e4\u00df ein langer Weg \u00fcber Jahre, bei dem immer wieder R\u00fcckschl\u00e4ge auftreten k\u00f6nnen. Die ausstiegswilligen Personen haben h\u00e4ufig vielf\u00e4ltige Probleme, f\u00fcr deren L\u00f6sung umfangreiche Hilfestellungen notwendig sind. Daher sind zum Beispiel Jobcenter, Bildungseinrichtungen, Schuldenberatung oder kommunale Stellen f\u00fcr Beratungsund Unterst\u00fctzungsleistungen wichtige Partner f\u00fcr die Ausstiegsbegleiter; sie werden bei Bedarf hinzugezogen. Die Erfahrungen aus mehr als einem Jahr praktischer Arbeit haben gezeigt, dass das Programm von der Zielgruppe gut angenommen wird. Der Verfassungsschutz wird als kompetenter und glaubw\u00fcrdiger Ansprechpartner wahrgenommen. Die Ausstiegsbegleiter haben \u00fcber 50 F\u00e4lle in Bearbeitung, von denen sich die H\u00e4lfte in einem intensiven Betreuungsprozess befindet. Ausstiegsarbeit ist eine wichtige Aufgabe, damit Personen die Chance erhalten, wieder einen Platz in der Gesellschaft zu finden und ein Leben mit ihrer Religion aber ohne Extremismus zu f\u00fchren. Ohne ein solches Angebot besteht die Gefahr, dass Ausstiegswillige mangels Alternativen in der Szene bleiben oder dorthin zur\u00fcckkehren. Deshalb ist es wichtig, ihnen Mut zu machen und sie darin zu best\u00e4rken, den ersten Schritt auf das Aussteigerprogramm zu zugehen. Voraussetzungen f\u00fcr eine Teilnahme am Programm sind ein erkl\u00e4rter Ausstiegswille und Freiwilligkeit. Die Beratungsarbeit ist vertraulich. Gespr\u00e4chsinhalte werden ohne Zustimmung nicht an andere Stellen weitergegeben. Die Klienten erhalten individuell angepasste Hilfe, ohne dass sie ihre fr\u00fcheren \"Br\u00fcder\" und \"Schwestern\" verraten m\u00fcssen. Neben der M\u00f6glichkeit, dass sich ausstiegswillige Personen Aussteigerprogramm Islamismus selbst an das Programm wenDas Aussteigerprogramm Islamismus ist \u00fcber die den, k\u00f6nnen beispielsweise E-Mail-Adresse kontakt@ausstieg-islamismus.nrw.de Angeh\u00f6rige, Polizei oder Justiz und die Telefonnummer 0211 837 1926 erreichbar. Hinweise \u00fcber begonnene Distanzierungsprozesse oder einen ge\u00e4u\u00dferten Ausstiegswillen an die Ausstiegsbegleiter herantragen. Pr\u00e4vention, AussteigerProgrAmme 235 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Fachtagungen Mit eigenen Fachtagungen und der Teilnahme am Deutschen Pr\u00e4ventionstag bringt der Verfassungsschutz Expertinnen und Experten der Pr\u00e4vention zusammen und macht seine eigenen Aktivit\u00e4ten einem interessierten Fachpublikum bekannt. Ziele sind Information, Sensibilisierung und Vernetzung der Beteiligten. Fachtagung zur Partei \"Die Rechte\" in Dortmund Welche Ziele, Strategien und Aktionsformen pr\u00e4gen die Partei Die Rechte? In welchem Ma\u00dfe und in welchen Formen bedroht sie die demokratische Kultur? Was k\u00f6nnen Staat und Zivilgesellschaft tun? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Fachtagung \"Die Partei 'Die Rechte' - Ideologie, Aktionsformen, Gegenstrategien\", die das Ministerium f\u00fcr Inneres und Kommunales am 25. November 2015 gemeinsam mit der Stadt Dortmund veranstaltet hat. Mehr als 200 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren insbesondere aus zivilgesellschaftlichen B\u00fcndnissen gegen Rechtsextremismus, aus Kommunen, der Bildungsarbeit und aus den Sicherheitsbeh\u00f6rden informierten sich auf der Veranstaltung \u00fcber die neonazistische Partei Die Rechte und diskutierten Gegenma\u00dfnahmen. Mit der Partei Die Rechte nahm die Tagung einen derzeit besonders relevanten Akteur des Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen in den Blick. Sie fungiert als Auffangbecken f\u00fcr Aktivisten verbotener neonazistischer Organisationen. Durch die \u00e4u\u00dfere Form als Partei will sich Die Rechte vor repressiven Ma\u00dfnahmen des Staates sch\u00fctzen. Die Tagung analysierte die Partei aus vielen Perspektiven und setzte ein Signal, dass sich Kommunen, Zivilgesellschaft und Sicherheitsbeh\u00f6rden noch st\u00e4rker gemeinsam dem Rechtsextremismus entgegenstellen. Die Gespr\u00e4che an verschiedenen Thementischen spiegelten den Grundkonsens der Tagung, dass repressive Mittel nicht ausreichen, um Gefahren f\u00fcr die demokratische Kultur abzuwenden. Schl\u00fcsselbegriffe der Diskussionen lauteten Aufkl\u00e4rung, Solidarit\u00e4t mit den Opfern des Rechtsextremismus, Begegnung und Dialog in der Einwanderungsgesellschaft. Thementische bei der Fachtagung 236 Pr\u00e4vention, AussteigerProgrAmme Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Eine Online-Dokumentation der Tagung \"Die Partei 'Die Rechte' - Ideologie, Aktionsformen, Gegenstrategien\" mit Fotos, Texten und einem Videobericht steht im Internet unter www.mik.nrw.de/verfassungsschutz/tagung-die-rechte.html zur Verf\u00fcgung. Fachtagung zu Einstiegsprozessen in den Extremismus in D\u00fcsseldorf Was lockt? Was h\u00e4lt? Was motiviert zum Handeln - auch zur Gewalt? Dies waren Leitfragen der Veranstaltung \"Einstiegsprozesse: Rechtsextremismus und gewaltbereiter Salafismus. Gemeinsamkeiten - Unterschiede - Gegenmodelle\", die die Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung Nordrhein-Westfalen in Kooperation mit dem Ministerium f\u00fcr Inneres und Kommunales am 22. September in D\u00fcsseldorf veranstaltete. Im Zentrum der Tagung stand ein ausf\u00fchrliches, intensives und offenes Gespr\u00e4ch mit drei Aussteigern aus dem Rechtsextremismus, dem extremistischen Salafismus und dem Spektrum der sogenannten Grauen W\u00f6lfe. Die Gespr\u00e4chspartner berichteten von ersten Ber\u00fchrungen mit den jeweiligen Szenen und von Reizen, die sie auf sie als damals Jugendliche aus\u00fcbten. In unterschiedlicher Weise stellten die extremistischen Cliquen und Organisationen Gemeinschaft in Aussicht, Klarheit, Anerkennung, Action und Abgrenzung. Eine wissenschaftliche Perspektive lieferten zwei Fachvortr\u00e4ge zu den Einstiegsprozessen in den Islamismus und den Rechtsextremismus von Prof. Dr. Andreas Zick (Institut f\u00fcr interdisziplin\u00e4re Konfliktund Gewaltforschung der Universit\u00e4t Bielefeld) und Dr. Thomas Pfeiffer (Verfassungsschutz NRW). Wissenschaftliche Expertise brachten beim abschlie\u00dfenden Podiumsgespr\u00e4ch zudem der Islamwissenschaftler Dr. Michael Kiefer (Universit\u00e4t Osnabr\u00fcck), der im Pr\u00e4ventionsprogramm \"Wegweiser\" aktiv ist, und Dr. Thomas Schweer, Sozialwissenschaftler am Rhein-Ruhr-Institut f\u00fcr Sozialforschung und Politikberatung e.V., ein. 20. Deutscher Pr\u00e4ventionstag in Frankfurt am Main Erstmalig war der Verfassungsschutz NRW in 2015 mit einem eigenen Stand beim Deutschen Pr\u00e4ventionstag vertreten, der als gr\u00f6\u00dfter europ\u00e4ischer Fachkongress des Themenfeldes Pr\u00e4vention in diesem Jahr in Frankfurt stattgefunden hat. Die Informationen des Verfassungsschutzes \u00fcber seine Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen stie\u00dfen bei den Besuchern auf gro\u00dfes Interesse. Die Ergebnisse der Evaluation des Aussteigerprogramms Rechtsextremismus wurden auf dem Pr\u00e4ventionstag in einem Vortrag des beauftragten Instituts vorgestellt. Pr\u00e4vention, AussteigerProgrAmme 237 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","VIR - Ver\u00e4nderungsimpulse setzen bei rechtsorientierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen Gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Kooperationspartnern hat der Verfassungsschutz NRW das Projekt VIR im Jahr 2015 fortentwickelt und ausgeweitet. VIR ist ein Fortbildungskonzept zur sekund\u00e4ren Rechtsextremismuspr\u00e4vention und steht f\u00fcr \"Ver\u00e4nderungsImpulse setzen bei Rechtsorientierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen\". Es richtet sich an Personen, die beruflich oder ehrenamtlich mit rechtsorientierten Jugendlichen oder jungen Erwachsenen im Kontakt sind - also mit jungen Menschen, die sich der rechtsextremistischen Szene ann\u00e4hern, aber noch nicht fest in ihr verankert sind. Das Projekt wurde 2014 von Mitarbeitern des Aussteigerprogramms f\u00fcr Rechtsextremisten angesto\u00dfen und in intensiver Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen entwickelt. 2014 fand eine Pilotveranstaltung in Schwerte statt. Dar\u00fcber hinaus wurden in Oer-Erkenschwick die ersten VIR-Trainerinnenund Trainer ausgebildet. Die zweite Ausbildung f\u00fcr VIR-Trainerinnen und -Trainer erfolgte im August 2015 in Bonn. Die Nachfrage \u00fcberstieg dabei die Zahl der angebotenen Pl\u00e4tze. Die viert\u00e4gigen Ausbildungen der Trainerinnen und Trainer sind die Basis des Projekts. Diese Personen k\u00f6nnen anschlie\u00dfend in Zweierteams eigenst\u00e4ndig VIR-Fortbildungen anbieten. Ankn\u00fcpfend an die Verbesserungsvorschl\u00e4ge der Teilnehmenden des Vorjahres war das Konzept der Ausbildung eingehend \u00fcberarbeitet worden. Inzwischen stehen 40 lizensierte VIR-Trainerinnen und -Trainer im Rheinland und in Westfalen zur Verf\u00fcgung. Unter den 2015 neu hinzugekommenen sind vor allem Fachkr\u00e4fte aus der Bew\u00e4hrungshilfe, der Arbeit mit Aussteigern, der kommunalen Jugendhilfe und der Gedenkst\u00e4ttenp\u00e4dagogik. Breite Zusammenarbeit bew\u00e4hrt sich Grundlage des VIR-Projekts ist eine enge Zusammenarbeit von Mitarbeitern des Aussteigerprogramms f\u00fcr Rechtsextremisten mit Kooperationspartnern, die in der Jugendarbeit und der 238 Pr\u00e4vention, AussteigerProgrAmme Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Rechtsextremismuspr\u00e4vention ausgewiesen sind. Am Steuerungskreis des Projekts, der auch die Ausbildungen durchf\u00fchrt, sind neben dem Verfassungsschutz NRW der Arbeitskreis der Ruhrgebietsst\u00e4dte gegen rechtsextreme Tendenzen bei Jugendlichen (ak-Ruhr) und die Katholische Landesarbeitsgemeinschaft Kinderund Jugendschutz NW e.V. beteiligt. VIR wird fachlich begleitet durch das LWL-Landesjugendamt Westfalen. Auch die ginko Stiftung f\u00fcr Pr\u00e4vention in M\u00fclheim/Ruhr, an deren Fortbildungskonzept MOVE (Motivierende Kurzintervention) sich VIR anlehnt, hat das Projekt unterst\u00fctzt. VIR setzt auf \"T\u00fcr und Angel\"-Gespr\u00e4che VIR-Fortbildungen dauern in der Regel drei Tage und umfassen zehn Bausteine, insbesondere Module zur motivierenden Gespr\u00e4chsf\u00fchrung und Grundwissen zum Thema Rechtsextremismus. Sie vermitteln Methoden, um Impulse bei Personen zu setzen, die der Verhaltens\u00e4nderung skeptisch gegen\u00fcberstehen und bei denen intensive Beratungsprozesse zun\u00e4chst aussichtslos sind. VIR setzt auf Kurzinterventionen. Diese \"T\u00fcr und Angel\"-Gespr\u00e4che beziehungsweise Kurzberatungen sind auf eine Dauer von zehn bis 60 Minuten angelegt. Typische Gespr\u00e4chssituationen sind beispielsweise > Pausengespr\u00e4che mit Schulsozialarbeiterinnen und -sozialarbeitern, Lehrerinnen und Lehrern, > Gespr\u00e4che im Jugendzentrum, Verein oder in der Wohngruppe, > Gespr\u00e4che zwischen Strafgefangenen und Besch\u00e4ftigten in einer Justizvollzugsanstalt. Entsprechend richten sich die Fortbildungen zum Beispiel an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schulsozialarbeit, in Einrichtungen der Jugendhilfe, Sportvereinen und in Justizvollzugsanstalten sowie an Lehrerinnen und Lehrer. 2016: Trainer/innen-Ausbildung f\u00fcr norddeutsche Aussteigerprogramme Die j\u00fcngste Trainer/innen-Ausbildung hat vom 26. bis 29. Januar 2016 in Braunschweig stattgefunden. Ausrichter war der \"Nordverbund\", ein Netzwerk zivilgesellschaftlicher und staatlicher Aussteigerprogramme f\u00fcr Rechtsextremisten in den norddeutschen Bundesl\u00e4ndern. Am \"Nordverbund\" sind auch Fachkr\u00e4fte aus Nordrhein-Westfalen beteiligt. WeInformationen zum Projekt gen der hohen Nachfrage findet vom 27. bis zum 30 September 2016 Weitere Informationen zum VIR-Projekt und Koneine weitere VIR-Trainer/innentaktm\u00f6glichkeiten zu Trainerinnen und Trainern Ausbildung in Nordrhein-Westfalen sind unter www.vir.nrw.de abrufbar. (Marienheide) statt. Pr\u00e4vention, AussteigerProgrAmme 239 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Vortr\u00e4ge und Fortbildungen Zum gesetzlichen Auftrag, \u00fcber extremistische Bestrebungen aufzukl\u00e4ren und zu sensibilisieren, hat der Verfassungsschutz NRW verschiedene bew\u00e4hrte Angebote der Pr\u00e4vention etabliert. Hierzu geh\u00f6ren beispielsweise seit Jahren h\u00e4ufig nachgefragte Vortr\u00e4ge, die die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber Gefahren extremistischer Strategien, Erscheinungsformen und Ideologien aufkl\u00e4ren. Spezielle Vortragsveranstaltungen und Fortbildungen f\u00fcr Multiplikatoren und Fachkr\u00e4fte dienen der zielgruppengerechten Weitergabe von Wissen. Wegen zahlreicher Versuche von extremistischen Salafisten im Umfeld von Fl\u00fcchtlingseinrichtungen zu missionieren, die Schutzbed\u00fcrftigkeit von gefl\u00fcchteten Menschen auszunutzen und sie f\u00fcr Ihre Ziele zu vereinnahmen, hat der Verfassungsschutz beispielsweise im Jahr 2015 kurzfristig ein Konzept zu Aufkl\u00e4rungsveranstaltungen entwickelt, die Akteure, die hauptberuflich oder ehrenamtlich mit Fl\u00fcchtlingen arbeiten, zum Themenfeld sensibilisieren sollen. Alle Veranstaltungen des Verfassungsschutzes NRW, die in 2015 durchgef\u00fchrt wurden, sind zu konkreten extremistischen Erscheinungsformen konzipiert, f\u00fchren daneben jedoch auch die Wichtigkeit von demokratischen Grundwerten wie Menschenw\u00fcrde und Religionsfreiheit vor Augen. Informationsveranstaltungen f\u00fcr Fachkr\u00e4fte und f\u00fcr Jugendliche Veranstaltungen des Verfassungsschutzes NRW finden vielfach auf Einladung zivilgesellschaftlicher Organisationen statt. Eine solche Veranstaltung nahm am 4. Dezember 2015 die rechtsextremistische Hetze gegen gefl\u00fcchtete Menschen in den Blick. Sie fand in Zusammenarbeit mit dem B\u00fcndnis \"Respekt und Mut/D\u00fcsseldorfer Appell\" sowie mit der Diakonie und der Gesellschaft f\u00fcr christlich-j\u00fcdische Zusammenarbeit in D\u00fcsseldorf statt. Insgesamt blieb im Jahr 2015 die Zahl der angefragten Aufkl\u00e4rungsveranstaltungen und speziellen Fortbildungen mit rund 170 realisierten Terminen anhaltend hoch. Die weitaus meisten Veranstaltungen nahmen den Rechtsextremismus oder den Islamismus, teilweise auch beide Bereiche gleichzeitig, in den Blick. Auf diese Weise hat der Verfassungsschutz fast 8.000 Menschen landesweit informiert. Rund zwei Drittel der Veranstaltungen richteten sich an ein Fachpublikum - \u00fcberwiegend an Besch\u00e4ftigte von Justiz und Polizei und an Fachkr\u00e4fte in Schulen, in der au\u00dferschulischen Jugendbildung oder im wissenschaftlichen Raum. Ein Drittel der 240 Pr\u00e4vention, AussteigerProgrAmme Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Veranstaltungen fand im Rahmen von Unterrichtsreihen oder Projekttagen f\u00fcr Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler statt. Zum Thema Rechtsextremismus fanden \u00fcber 130 Vortr\u00e4ge und Fortbildungen mit etwa 5.600 Teilnehmenden statt. Viele Veranstaltungen legten den Schwerpunkt auf Aspekte, die als \"Erlebniswelt Rechtsextremismus\" zusammengefasst werden k\u00f6nnen. Dabei geht es um Werbeformen, die auf Jugendliche zugeschnitten sind und die rechtsextremistische Inhalte mit den Versprechen von Gemeinschaft und Action sowie mit Freizeitangeboten und unterhaltenden Mitteln verbinden. Zunehmend setzen Rechtsextremisten aber auch auf Kampagnen, die die Mitte der Gesellschaft erreichen sollen. Dieses strategische Ziel verfolgen sie mit der Agitation gegen Musliminnen und Muslime, Sinti und Roma und derzeit besonders vehement und aggressiv gegen gefl\u00fcchtete Menschen. Aufkl\u00e4rungsveranstaltungen des Verfassungsschutzes zum Thema Rechtsextremismus greifen diese Kampagnen regelm\u00e4\u00dfig auf. Spezielle Vortr\u00e4ge f\u00fcr Besch\u00e4ftigte im Justizvollzug Zwei speziell konzipierte Veranstaltungen fanden 2015 f\u00fcr Besch\u00e4ftigte der Justizvollzugsanstalten (JVA) statt. Sie richteten sich an Vertreterinnen und Vertreter des Bereichs \"Sicherheit und Ordnung\" sowie der Sozialdienste der Justiz aller JVA in Nordrhein-Westfalen. Die Beitr\u00e4ge machten die Bem\u00fchungen extremistischer Szenen deutlich, Kontakt zu Strafgefangenen zu halten, um deren Distanzierung zu verhindern. Im Fokus standen insbesondere die Aussteigerprogramme f\u00fcr Rechtsextremisten und f\u00fcr Islamisten, f\u00fcr die die Vernetzung mit den Justizvollzugsanstalten besonders wichtig ist. Im Bereich Islamismus wurde eine eigene Fortbildungsreihe f\u00fcr den Justizvollzug aufgelegt. Sie richtet sich an alle JVABediensteten in Nordrhein-Westfalen und Vortrag in einer Justizvollzugsanstalt wird im Jahre 2016 fortgef\u00fchrt. Formate, die Jugendliche \u00fcber rechtsextremistische Angebote im modernen Gewand informieren sollen, sind beispielsweise die Pr\u00e4ventionstage \"F\u00fcr Demokratie - Gegen Rechtsextremismus\", die die Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung in Kooperation mit dem Verfassungsschutz NRW und dem Ministerium f\u00fcr Schule und Weiterbildung veranstaltet. Schulklassen erfahren mit Hilfe Pr\u00e4vention, AussteigerProgrAmme 241 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","vieler Beispiele insbesondere, wie ausdifferenziert die Musikstile der rechtsextremistischen Szene sind und welche Internetstrategien sie einsetzt, um die junge Zielgruppe zu erreichen. Damit r\u00fccken die Pr\u00e4ventionstage zentrale Aspekte der \"Erlebniswelt Rechtsextremismus\" in den Mittelpunkt und zeigen auf, dass hinter modernen Fassaden altbekannte rassistische und menschenverachtende Propaganda steht. Aufkl\u00e4rung \u00fcber Salafismus und Pr\u00e4vention - hoher Bedarf und positive Resonanz Im Jahr 2015 wurden knapp 50 Aufkl\u00e4rungsveranstaltungen zum Themenfeld Islamismus durchgef\u00fchrt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Verfassungsschutzes informierten dabei insbesondere zu Erscheinungsformen, Ideologiemerkmalen und Propagandamethoden des extremistischen Salafismus. Daneben wurde die Pr\u00e4ventionsstrategie des Verfassungsschutzes vorgestellt sowie das Programm Wegweiser und das Aussteigerprogramm Islamismus als konkrete Beratungsund Interventionshilfen erl\u00e4utert. Die enorme Nachfrage nach Vortr\u00e4gen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Verfassungsschutzes zum Thema Salafismus ist ein Beleg f\u00fcr den hohen Informationsbedarf der \u00d6ffentlichkeit sowie unterschiedlicher staatlicher und zivilgesellschaftlicher Institutionen und Organisationen. Anfragen gab es unter anderem aus den Bereichen JVA, politische Gremien, Beh\u00f6rden, Beratungsstellen, Stiftungen und insbesondere Schule, wo der gr\u00f6\u00dfte Bedarf an Information und Sensibilisierung deutlich wurde. Mit der Aufkl\u00e4rung dieser breigef\u00e4cherten Zielgruppen wurde dem gesamtgesellschaftlichen Ansatz der Pr\u00e4ventionsarbeit Rechnung getragen. Die Resonanz zu den Vortragsveranstaltungen war sehr positiv. Diskussionsbeitr\u00e4ge sowie R\u00fcckmeldungen der Teilnehmenden und das hohe Ma\u00df an Anfragen nach Infomaterialien und Folgeveranstaltungen machen dies deutlich. Die Teilnehmenden wurden dabei stets als Multiplikatoren angesprochen, um \u00fcber diese Rolle m\u00f6glichst viele weitere Akteure zu erreichen. Sensibilisierung von Akteuren der Fl\u00fcchtlingseinrichtungen Akteure, die mit Fl\u00fcchtlingen arbeiten, fragen wie sie salafistische Anwerbeund Missionierungsversuche rechtzeitig erkennen und passgenaue Hilfeund Beratungsangebote aufsuchen k\u00f6nnen, um Menschen in ihrer Obhut vor Einflussnahmen zu sch\u00fctzen. Ab dem Jahr 2016 f\u00fchrt der Verfassungsschutz daher im Sinne einer fr\u00fchzeitigen Pr\u00e4vention eine landesweite Aufkl\u00e4rungsund Sensibilisierungsreihe f\u00fcr Betreiber, p\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte und andere Besch\u00e4ftigte der Fl\u00fcchtlingsunterbringung sowie ehrenamtliche Helferinnen und Helfer durch. Die Veranstaltungen informieren gemeinsam mit kommunalen und staatlichen Stellen vor Ort umfassend und kompakt \u00fcber den extremistischen Salafismus, seine Anwerbemethoden und Propagandaaktivit\u00e4ten. Zudem stellen sie die Pr\u00e4ventionsund Beratungsangebote der \u00f6rtlichen Stellen, der Polizei sowie des Ministeriums f\u00fcr Inneres und Kommunales, das Pr\u00e4ventionsprogramm \"Wegweiser\" und das \"Aussteigerprogramm Islamismus\", vor. Der hohe Informationsbedarf der 242 Pr\u00e4vention, AussteigerProgrAmme Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Kurzbrosch\u00fcre des Verfassungsschutzes NRW zur Sensibilisierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Fl\u00fcchtlingseinrichtungen Akteure zur fr\u00fchzeitigen Erkennung von Radikalisierungsanzeichen und Anwerbeversuchen wird durch Vermittlung eines pr\u00e4ventiven Handlungskonzepts abgedeckt. Dar\u00fcber hinaus nehmen die Sensibilisierungen die besondere Schutzbed\u00fcrftigkeit von \"unbegleiteten minderj\u00e4hrigen Fl\u00fcchtlingen\" vor Vereinnahmung durch extremistische Salafisten in den Blick. Sie richten sich im Einzelnen gezielt an Fachkr\u00e4fte der Jugendhilfe und Akteure, die mit jungen, gefl\u00fcchteten Menschen arbeiten. Pr\u00e4vention, AussteigerProgrAmme 243 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Ver\u00f6ffentlichungen Verfassungsschutz durch Aufkl\u00e4rung - Diesem Grundsatz wurde auch im Berichtsjahr 2015 durch zahlreiche Ver\u00f6ffentlichungen Rechnung getragen. Neben umfangreichen Informationsangeboten im Internet wird in Brosch\u00fcren \u00fcber politischen Extremismus informiert. Dar\u00fcber hinaus bringt der Verfassungsschutz seine Erkenntnisse und Analysen regelm\u00e4\u00dfig in Fachzeitschriften und Forschungsbeitr\u00e4gen ein und unterst\u00fctzt dadurch den Dialog mit der Wissenschaft. Informationsmaterialien wie Plakate, Faltbl\u00e4tter und Visitenkarten weisen auf Kontaktm\u00f6glichkeiten zu den Aussteigerprogrammen und Wegweiser hin und werden Interessierten bei Vortragsveranstaltungen oder auf dem Bestellweg \u00fcbermittelt. Brosch\u00fcre \"Extremistischer Salafismus als Jugendkultur - Sprache, Symbole und Style\" Die Brosch\u00fcre \"Extremistischer Salafismus als Jugendkultur - Sprache, Symbole und Style\" hilft, in der salafistischen Szene gebr\u00e4uchliche Merkmale und Verhaltensmuster zu erkennen und einzusch\u00e4tzen. Sie zeigt auf, inwiefern der Salafismus insbesondere f\u00fcr junge Menschen Attraktivit\u00e4t entfalten kann und sich die N\u00e4he zur salafistischen Ideologie in jugendkulturellen Elementen ausdr\u00fcckt. Neben der Erkl\u00e4rung von Merkmalen wie Symbolen, Sprachcodes und Kleidungsstilen werden M\u00e4rtyrerkult, Jihadvorstellungen sowie Radikalisierungswege und -indikatoren in den Blick genommen. Zudem werden Beratungsund Informationsangebote f\u00fcr Betroffene, Angeh\u00f6rige und Interessierte vorgestellt. Die Brosch\u00fcre enth\u00e4lt reichhaltiges Bildmaterial, um szenetypische Merkmale und Propagandamethoden zu verdeutlichen. 244 Pr\u00e4vention, AussteigerProgrAmme Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Brosch\u00fcre \"Extremistischen Salafismus erkennen - Kompaktinformationen f\u00fcr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Fl\u00fcchtlingseinrichtungen\" Die Brosch\u00fcre \"Extremistischen Salafismus erkennen - Kompaktinformationen f\u00fcr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Fl\u00fcchtlingseinrichtungen\" f\u00f6rdert das Erkennen von Aktivit\u00e4ten salafistischer Einzelpersonen und Netzwerke in und im Umfeld von Fl\u00fcchtlingseinrichtungen. Sie dient als Handreichung, um salafistische Anwerbungsund Rekrutierungsversuche zu bemerken und von Angeboten legitimer muslimischer Hilfsorganisationen zu unterscheiden. Dazu bietet die Brosch\u00fcre einen \u00dcberblick \u00fcber die salafistische Ideologie, szenetypische Symbole und aktive Netzwerke mit ihren jeweiligen Aktionsfeldern. Aufs\u00e4tze in Fachpublikationen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Verfassungsschutzes NRW bringen ihre Analysen regelm\u00e4\u00dfig in B\u00fccher und Zeitschriften im wissenschaftlichen Raum ein und tragen auf diese Weise zu einem Dialog von Verfassungsschutz und akademischer Forschung bei. Welche Funktionen erf\u00fcllen Websites und Auftritte in Social Media f\u00fcr den deutschen Rechtsextremismus? Das ist die Kernfrage zweier Aufs\u00e4tze aus dem Verfassungsschutz NRW, die 2015 ver\u00f6ffentlicht wurden. Ein Beitrag ist in der aktualisierten Neuauflage des Sammelbandes \"Strategien der extremen Rechten\" (hrsg. von Stephan Braun, Alexander Geisler und Martin Gerster) erschienen, der andere im Sammelband \"Rechtsextremismus als Herausforderung f\u00fcr die Theologie\" (hrsg. von Sonja Angelika Strube). Ein Beitrag im Jahrbuch f\u00fcr Extremismusund Terrorismusforschung 2015 (hrsg. von Armin Pfahl-Traughber) geht den Einstiegsprozessen in den Rechtsextremismus nach. Er b\u00fcndelt Forschungsergebnisse und beleuchtet insbesondere famili\u00e4re Hintergr\u00fcnde sowie die Bedeutung rechtsextremistischer Erlebniswelten und geschlechtlicher Rollenbilder. Publikationen Publikationen des Verfassungsschutzes NRW, Bestellung oder Download: www.mik.nrw.de/verfassungsschutz/publikationen.html. Jahrbuch f\u00fcr Extremismusund Terrorismusforschung, Download: www.fhbund.de. Pr\u00e4vention, AussteigerProgrAmme 245 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","246 Pr\u00e4vention, AussteigerProgrAmme Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","\u00dcber den Verfassungsschutz \u00dcber den Verfassungsschutz 247 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Verfassungsschutz ist nach dem Grundgesetz eine Aufgabe des Bundes und der L\u00e4nder. Nordrhein-Westfalen verf\u00fcgt deshalb wie alle L\u00e4nder der Bundesrepublik Deutschland \u00fcber eine Verfassungsschutzbeh\u00f6rde. Der Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen ist ein Nachrichtendienst im Sicherheitsgef\u00fcge des Landes Nordrhein-Westfalen und ist als Abteilung in das Ministerium f\u00fcr Inneres und Kommunales eingegliedert. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden der einzelnen Bundesl\u00e4nder sind gesetzlich dazu verpflichtet, untereinander und mit dem Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (BfV) in K\u00f6ln zusammenzuarbeiten. Dabei \u00fcbernimmt das BfV die Aufgaben einer Zentralstelle auf Bundesebene. Im Rahmen des Sicherheitspakets 2015 hat die Landesregierung Nordrhein-Westfalen beschlossen, im Verfassungsschutz mehr Personal zur Bek\u00e4mpfung des islamistischen Terrorismus einzusetzen. Der Verfassungsschutz wurde um 54 zus\u00e4tzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgestockt, so dass im Jahr 2015 f\u00fcr die Abteilung 388 Stellen sowie Sachund Investitionsmittel von 5,61 Millionen Euro zur Verf\u00fcgung standen. Aufgaben Der Verfassungsschutz hat die Aufgabe, bereits im Vorfeld von konkreten Gef\u00e4hrdungslagen Informationen zu beschaffen, zu sammeln und auszuwerten, die extremistische Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten betreffen. Dazu geh\u00f6ren unter anderem Aktivit\u00e4ten, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder darauf abzielen, die Amtsf\u00fchrung von Verfassungsorganen des Bundes oder eines Landes ungesetzlich zu beeinflussen. Des Weiteren betrifft dies Bestrebungen, die gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung oder das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker gerichtet sind oder die sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten f\u00fcr eine fremde Macht darstellen. Der nordrhein-westf\u00e4lische Verfassungsschutz verfolgt mit den zur Verf\u00fcgung stehenden rechtsstaatlichen Mitteln einen Dreiklang aus Repression, Pr\u00e4vention und Ausstiegshilfe. Es ist seine Aufgabe, fr\u00fchzeitig problematische Entwicklungen zu erkennen und Politik und Gesellschaft zu sensibilisieren. Da eine effektive Bek\u00e4mpfung von Extremismus neben den konkreten Aufgaben von Sicherheitsbeh\u00f6rden auf gesamtgesellschaftlichen Anstrengungen basiert, geht der Verfassungsschutz in die Gesellschaft hinein, kl\u00e4rt auf und bietet eine Zusammenarbeit an. Aktuell liegen die Schwerpunkte des Verfassungsschutzes in Nordrhein-Westfalen in der pr\u00e4ventiven und operativen Bek\u00e4mpfung des Rechtsextremismus und des gewaltbereiten Salafismus. Aufkl\u00e4rungsund Sensibilisierungsarbeit sowie Pr\u00e4ventionsund Aussteigerprogramme verhindern dabei den Einstieg in die jeweilige extremistische Szene beziehungsweise erm\u00f6glichen die Losl\u00f6sung darin eingebundener Personen. 248 \u00dcber den Verfassungsschutz Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Kontrolle des Verfassungsschutzes Im Jahr 2013 wurde der Verfassungsschutz umfassend reformiert. In dem neugefassten Verfassungsschutzgesetz sind seine Aufgaben und Befugnisse genau definiert. Zugleich ist geregelt, wie sein Handeln kontrolliert wird. Eine rechtliche und politische Kontrolle von Verwaltung sind Qualit\u00e4tsmerkmale des Rechtsstaates. Dies gilt nicht nur f\u00fcr die allgemeine Verwaltung, sondern auch f\u00fcr den Verfassungsschutz. Da die Angelegenheiten des Verfassungsschutzes aufgrund ihrer besonderen Geheimhaltungsbed\u00fcrftigkeit in der Regel nicht \u00f6ffentlich im Parlament oder seinen Aussch\u00fcssen beraten werden k\u00f6nnen, existieren f\u00fcr eine wirksame Kontrolle besondere Stellen. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Parlamentarische Kontrollgremium (PKG), das sich aus acht Mitgliedern und acht Stellvertretern zusammensetzt. Der Landtag Nordrhein-Westfalen w\u00e4hlt diese zu Beginn jeder Wahlperiode f\u00fcr deren Dauer aus seiner Mitte. Das PKG \u00fcberwacht die T\u00e4tigkeit des Verfassungsschutzes insgesamt, seine Ma\u00dfnahmen und ihre Notwendigkeit. Einzelne Aspekte der Arbeit des Verfassungsschutzes pr\u00fcfen die G10-Kommission, deren Zustimmung beispielsweise f\u00fcr Telefon\u00fcberwachungen erforderlich ist, dar\u00fcber hinaus die Landesbeauftragte f\u00fcr Datenschutz und Informationsfreiheit sowie der Landesrechnungshof. \\ Parlament \\ Genehmigungs- \\ \u00d6ffentlichkeit vorbehalte > Parlamentarisches > Zustimmung durch > Auskunftsersuchen Kontrollgremium Minister > Benachrichtigungen > Berichtspflichten > Zustimmung durch gegen\u00fcber Kabinett und unabh\u00e4ngige G10- > Gerichte Landtag Kommission > Presse, Medien > Petitionen > Kontrolle durch Datenschutzbeauftragte Kontrolle des Verfassungsschutzes Verarbeitung personenbezogener Daten Zur Erf\u00fcllung der \u00fcbertragenen Aufgaben d\u00fcrfen Verfassungsschutzbeh\u00f6rden unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen personenbezogene Daten erheben und verarbeiten. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde Nordrhein-Westfalens nutzt dazu eigene Dateien und das \"Nachrichtendienstliche Informationssystem Wissensnetz\" (NADIS WN), auf das die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden der L\u00e4nder und des Bundes gemeinsam Zugriff haben. \u00dcber den Verfassungsschutz 249 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","","Erfasst werden Daten zu Personen, \u00fcber die Erkenntnisse im Zusammenhang mit politischem Extremismus vorliegen, und getrennt davon zu Personen, die in sicherheitsempfindlichen Bereichen t\u00e4tig sind. Die Durchf\u00fchrung solcher \u00dcberpr\u00fcfungen erfolgt mit Zustimmung der Betroffenen und macht rund 90% aller NADIS-Eintr\u00e4ge aus Nordrhein-Westfalen aus. \u00d6ffentlichkeitsarbeit Der beste Schutz vor extremistischen Bestrebungen ist eine informierte, aufgekl\u00e4rte \u00d6ffentlichkeit. Den Leitspruch \"Verfassungsschutz durch Aufkl\u00e4rung\" versteht der Verfassungsschutz daher als wesentlichen Arbeitsauftrag. Damit Bev\u00f6lkerung, Politik und Medien Anzeichen f\u00fcr Extremismus erkennen k\u00f6nnen, setzt der nordrhein-westf\u00e4lische Verfassungsschutz auf eine intensive Aufkl\u00e4rungsarbeit und bietet eine breite Palette verschiedener Informationsmaterialien an. Dazu geh\u00f6ren Vortr\u00e4ge vor allem f\u00fcr Multiplikatoren, Tagungen, Brosch\u00fcren und ein Informationsangebot im Internet. Einen wichtigen, alle verfassungsschutzrelevanten Themen umfassenden Aufkl\u00e4rungsbeitrag liefert der j\u00e4hrliche Verfassungsschutzbericht. Die Jahresberichte dienen Gerichten und Beh\u00f6rden als Nachschlagewerk zum Extremismus. Sie werden dem Landtag zur Unterrichtung \u00fcber Entwicklungen vorgelegt und auch von der interessierten \u00d6ffentlichkeit stark nachgefragt. Informationen zu aktuellen Schwerpunktthemen finden sich in Berichten und Brosch\u00fcren, die \u00fcber die Internetseite des Ministeriums f\u00fcr Inneres und Kommunales unter www.mik. nrw.de/verfassungsschutz abrufbar und bestellbar sind. Besonders hervorzuheben ist der Bildungscomic \"ANDI\" (\"Comic f\u00fcr Demokratie - gegen Extremismus\"). Er greift in drei Ausgaben die Themenfelder Rechtsextremismus, Islamismus und Linksextremismus auf. Die Hefte richten sich an Sch\u00fcler und Jugendliche. Mit einer Gesamtauflage von mittlerweile \u00fcber eine Million Exemplaren stellt der Comic einen gro\u00dfen Erfolg in der Pr\u00e4ventionsarbeit dar. \u00dcber den Verfassungsschutz 251 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Liste der Bestrebungen A und Organisationen \"AD\u00dcTDF\" Advance AG Rheinland Ahrar al Sham \"AKARAM\" \"alternativ, unabh\u00e4ngig, fortschrittlich (AUF)\" al-Qaida al-Shabab Ansaar D\u00fcsseldorf e.V./ Ansaar International Ansarul Aseer Zur Erf\u00fcllung seiner Funktion als Fr\u00fchwarn\"Antikapitalistische Linke (AKL)\" system in der wehrhaften Demokratie ist der Antisem Versand Verfassungsschutz durch das VerfassungsArbeiterpartei Kurdistans (PKK) schutzgesetz NRW berechtigt, \u00fcber eine \"AUF Witten\" Organisation zu berichten, wenn tats\u00e4chliche B Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht einer verfassungsfeindlichen Bestrebung vorliegen. F\u00fcr \"BergAUF\" eine Berichterstattung ist es nicht VorausBielefeld Sultan Fatih Genclik (BSFG) setzung, dass sich Verdachtsmomente bis Blickpunkt zur Einsch\u00e4tzung als \"verfassungsfeindlich\" Blood and Honour verdichtet haben. \"B\u00fclten (Bulletin der T\u00fcrkischen F\u00f6deration)\" Die Namen und Bezeichnungen von Organi- C sationen, Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten, bei denen zumindest gewichtige Anhaltspunkte CDK Koordinasyon Civata Ekolojik f\u00fcr den Verdacht f\u00fcr die in SS 3 Abs. 1 VSG - Demokratik a Kurd Li Ewropa NRW beschriebenen Merkmale vorliegen, Celebrity sind zwischen den Zeichen \" und \" eingefasst Church of Scientology (sogenannte Chevrons). D Der Weg zum Gl\u00fccklichsein Der III. Weg \"Demokratisch-kurdische Gesellschaftszentrum Deutschland (NAV-DEM)\" \"Demokratisch-kurdisches Gesellschaftszentrum (DKTM)\" Deutsche Kommunistische Partei (DKP) \"Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH)\" 252 BestreBungen und OrganisatiOnen Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Deutsche Stimme \"Identit\u00e4re Bewegung Deutschland e.V. (IBD)\" Devrimci Sol Impact Die Rechte \"Internationale Koordinierung revolution\u00e4rer Die Wahre Religion Parteien und Organisationen (ICOR)\" Dogru Haber (Richtige Nachricht) \"Interventionistische Linke (IL)\" dortmundecho.org Inzar (Warnung) Islamische Gemeinschaft in Deutschland (IGD) E Islamische Zentrum (Imam-Mahdi-Zentrum), \"eedhesam.com\" M\u00fcnster Einladung zum Paradies e.V. (EZP) Islamischer Staat (IS) Erbakan Vakfi (Erbakan Stiftung) Ismail Aga Cemaati (IAC) Izzedin al-Qassam-Brigaden F J Farben f\u00fcr Waisenkinder F\u00f6deration islamischer Organisationen in Jabhat al-Nusra (JaN) Europa (FIOE) jemenitische al-Qaida / al-Qaida auf \"F\u00f6deration kurdischer Vereine in Deutschland der Arabischen Halbinsel (YEK-KOM)\" Jesus im Islam \"Frauenverband Courage e.V.\" Jugend f\u00fcr Menschenrechte Freies Netz S\u00fcd junge Welt Freewinds K Freiheit Kalifatsstaat (Hilafet Devleti) G Kategorie C \"Gelsenkirchen f\u00fcr AUF\" Kaukasisches Emirat Gemeinschaften Kurdistans (KCK) Kelhaamet (Pr\u00e4chtiges Diyarbakir) \"Grup Yorum\" Kendi Dilinden Hizbullah (Die Hizbullah in eigenen Worten) H K\u00d6LN UNZENSIERT Kommunistische Plattform (KPF) Hamas Kompetenz Hammerskins \"Kongress der kurdisch-demokratischen Haus des Qurans Gesellschaft in Europa (KCD-E)\" Helfen in Not (HiN) \"Kurdistan-Report\" Hizb Allah (Partei Gottes) Hizb ut-Tahrir (Islamische Befreiungspartei - L HuT) Lernen und K\u00e4mpfen (LuK) I Lies! Identit\u00e4re Aktion (IA) BestreBungen und OrganisatiOnen 253 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Linksjugend ['solid] Oldschool Society (OSS) Lohberger Gruppe OT-Universe \"LTTE Headoffice\" \"LTTE International Organisation\" P M Pal\u00e4stinensische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (PGD) MAKKS Damage Palestinian Return Center (PCR) marx21 Partei der demokratischen Union (PYD) Marxistische Bl\u00e4tter \"pathivu.com\" Marxistische Linke - \u00f6kologisch, emanzipatoPro Deutschland risch, feministisch, integrativ (ML) pro Deutschland - Zeitung der B\u00fcrgerbeweMedizin mit Herz e.V. (vormals Medizin ohne gung pro Deutschland Grenzen) PRO K\u00d6LN - Informationen der Fraktion pro \"Mednuce\" K\u00f6ln im Rat der Stadt K\u00f6ln Millatu Ibrahim (MI) Pro K\u00f6ln e.V. Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung Pro NRW MLPD PRO NRW - Informationen der B\u00fcrgerbewe\"M\u00fclheim f\u00fcr AUF\" gung pro NRW Muhacirun (Auswanderer) Mujahidin-Bewegung in Afghanistan R Muslimbruderschaft Rebell N Revolution\u00e4re Volksbefreiungsfront (Devrimci Halk Kurtulus Cephesi - DHK-C) Nationaldemokratische Partei Deutschlands Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei (Devrimci (NPD) Halk Kurtulus Partisi - DHK-P) Nationale Revolution Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei/-Front Nationaler Widerstand Duisburg (Devrimci Halk Kurtulus Partisi-Cephesi - Nationalisten Kreis G\u00fctersloh DHKP-C) \"Newaya Jin (Erlebnisse der Frauen)\" Revolution\u00e4rer Weg Nordkaukasische Separatisten-Bewegung Rote Fahne (RF) (NKSB) Rotf\u00fcchse NRW UNZENSIERT - Zeitung der B\u00fcrgerbewegung Pro NRW S \"NUCE TV\" Saadet Partisi (SP) \"NV AUF geht's\" Sag nein zu Drogen O Scientology Kirche Berlin e.V. Scientology Kirche Deutschland e.V. Oidoxie Scientology Organisation (SO) Organisation f\u00fcr Frieden und Hilfe Scientology News 254 BestreBungen und OrganisatiOnen Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","\"Serxwebun (Unabh\u00e4ngigkeit)\" \"Volksrat der Eelam Tamilen - Deutschland Shahid Stiftung (VETD)\" Siegel der Propheten Volksverteidigungseinheiten (YPG) Sleipnir Volksverteidigungskr\u00e4fte (HPG) \"Solingen aktiv\" W Source \"Soziales B\u00fcndnis Gladbeck\" \"Wahlb\u00fcndnis AUF\" Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend Waisenkinderprojekt Libanon e.V. (WKP) Bochum (SDAJ) \"Way to Allah\" \"Sozialistische Linke (SL)\" Widerstand \"Sterka Ciwan (Stern der Jugend)\" \"WIR f\u00fcr M\u00fclheim\" St\u00fctzpunkt Hermannsland World Institute of Scientology Enterprise Syndikat 52 (WISE) T Wut aus Liebe Y Tamilische Befreiungstiger - (Liberation Tigers of Tamil Eelam - LTTE) Yeni M\u00fcjde (Neue Frohe Botschaft) \"Tamil Coordination Committee (TCC)\" \"Yeni \u00d6zg\u00fcr Politika\" \"Tamil Rehabilitation Organization e. V. Y\u00fcr\u00fcy\u00fcs (TRO)\" \"Tamil Student Organization e.V. (TSV)\" \"Tamil Youth Organisation - Germany (TYO)\" \"Tamil Youth Organization (TYO)\" Tauhid Germany The Aditor Thiazi T\u00fcrkische Hizbullah (TH) U \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\" (Graue W\u00f6lfe) \"Umweltgewerkschaft\" UZUnsere Zeit V Verband der islamischen Vereine und Gemeinden e.V. (ICCB) Verein Anatolische F\u00f6deration Volkskongress Kurdistans (KONGRA-GEL) BestreBungen und OrganisatiOnen 255 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Celebrity Center ....................................... 200 Stichwortverzeichnis Church of Scientology ............................. 200 Courage ................................... 122, 125, 127 Cremer, Claus ............................................ 52 D Demokratisch-kurdische Gesellschaftszentrum Deutschland (NAV-DEM) ........... 147 A Demokratisch-kurdisches Gesellschaftszentrum (DKTM) ...................................... 147 AD\u00dcTDF ........................................ 23, 136 ff. Der III. Weg ................ 22, 38 f., 43, 86 ff., 95 Advance ................................................... 200 Der Weg zum Gl\u00fccklichsein ............ 201, 203 AKARAM ................................................. 152 Deutsche Kommunistische Partei al-Qaida ................................ 167, 171 f., 174 (DKP) ........................ 22, 112 f., 116, 118 ff al-Shabab ................................................ 177 Deutsche Stimme (DS) .............................. 52 Ansaar D\u00fcsseldorf e.V. ......................... 171 f. Devrimci Sol ......................................... 142 f. Antikapitalistische Linke (AKL) .............113 ff. Die Rechte .................... 22, 39 ff., 48, 50, 55, Antisem Versand ................................. 74, 76 57, 72 ff., 94 ff, 104 ff., 236 Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), VolkskonDie Wahre Religion .................................. 169 gress Kurdistans (KONGRA-GEL), Division Braune W\u00f6lfe ......................... 42, 96 siehe PKK Dogru Haber ............................................ 196 AUF ...................................................... 122 f. dormundecho.org ...................................... 72 Autonome Nationalisten (AN) ............ 94, 105 E B eedhesam.com ........................................ 152 Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE), Emde, Christian ....................................... 175 siehe Tamilische Befreiungstiger Engel, Stefan ................................... 122, 127 Bielefeld Sultan Fatih Genclik (BSFG) .... 192 Erbakan Vakfi (Erbakan Stiftung) .... 191, 193 Blickpunkt .................................................. 52 Blood and Honour ...................... 83, 101, 104 F Borchardt, Siegfried ................................... 80 B\u00fclten (Bulletin der T\u00fcrkischen Falk, Bernhard ...................................... 173 f. F\u00f6deration) .......................................... 137 Farben f\u00fcr Waisenkinder ......................... 183 F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen C Idealistenvereine in Deutschland e.V. (AD\u00dcTDF), siehe AD\u00dcTDF Cayir, Nusret ......................................... 192 f. F\u00f6deration der Yezidischen Vereine CDK Koordinasyon Civata Ekolojik Kurdistans (FKE, fr\u00fcher YEK) .............. 147 - Demokratik a Kurd Li Ewropa ........... 146 F\u00f6deration islamischer Organisationen Celebrity .................................................. 200 in Europa (FIOE) .................................. 188 256 StichwortverzeichniS Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","F\u00f6deration kurdischer Vereine in J Deutschland (YEK-KOM) ..................... 147 Franz, Frank .................................. 52, 56, 59 Jabhat al-Nusra (JaN) ............................. 172 Frauenverband Courage e.V. .. 122, 125, 127 Jugend f\u00fcr Menschenrechte .................... 201 Freewinds ................................................ 200 junge Welt (jW) .................................115, 118 Freies Netz S\u00fcd ......................................... 86 K Freiheit ..................................................... 200 Kalifatsstaat ............................ 23, 158, 186 f. G Kameradschaft Aachener Gemeinschaften Kurdistans (KCK) .......... 146 Land (KAL) ............................................. 82 Gerechtigkeitsund Entwicklungspartei Kaplan, Cemaleddin ................................ 186 - Adalet ve Kalkinma Partisi (AKP) ...... 140 Kaplan, Metin ........................................ 186 f. Giemsch, Dennis . 42, 72, 74, 76, 78, 80, 107 Kartal, Remzi ........................................... 146 Graue W\u00f6lfe, siehe AD\u00dcTDF Kategorie C .............................................. 104 Grup Yorum ............................................. 145 Kaukasisches Emirat ............................ 194 f. Kelhaamet ............................................... 196 H Kendi Dilinden Hizbullah ....................... 196 f. Know-how ........................................ 209, 214 HAMAS ........................................... 23, 180 f. K\u00f6bele, Patrik .................................. 116, 120 Hammerskins ........................................ 100 f. K\u00d6LN UNZENSIERT ................................. 60 Hizb Allah - Partei Gottes ............... 23, 182 f. Kommunistische Partei Chinas Hizb ut-Tahrir (HuT) ........................ 23, 184 f. (KPCh) ..............................................211 ff. HoGeSa ............. 41, 50, 57, 64, 96, 130, 159 Kommunistische Partei Hozat, Bese ............................................. 146 Deutschlands (KPD) .............................116 I Kommunistische Plattform (KPF) ................................................113 ff. Identit\u00e4re Aktion (IA) ............................ 48, 97 Kommunistischer Arbeiterbund Identit\u00e4re Bewegung Deutschland Deutschlands (KABD) .......................... 123 e.V. (IBD) .............................. 48, 90 ff., 97 Kompetenz .............................................. 200 Impact ...................................................... 200 Kongress der kurdisch-demokratischen GeInternationale Koordination sellschaft in Europa (KCD-E) ............... 147 Revolution\u00e4rer Parteien und Koordination der kurdischen \u00f6kologischOrganisationen (ICOR) .............113, 123 ff. demokratischen Gesellschaft in Interventionistische Linke (IL) .................. 132 Europa (CDK) ...................................... 146 Islamische Gemeinschaft in Kurdistan-Report ..................................... 146 Deutschland (IGD) ............................ 188 f. Islamischer Staat (IS) 44, 124, 132, 148, 151, L 159, 163, 167, 172, 174 ff., 195 Lau, Sven ............................................. 167 f. Ismail Aga Cemaati (IAC) ...................... 192 f. Lies! ............................................. 167 ff., 195 StichwortverzeichniS 257 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Linksjugend ['solid] ...............................113 ff. NPD ............... 22, 38, 48, 50 ff., 76, 79, 83 ff. Lohberger Gruppe ................................... 176 NRW UNZENSIERT - Zeitung der LTTE Headoffice ...................................... 153 B\u00fcrgerbewegung Pro NRW ................... 60 LTTE International Organisation .............. 153 NUCE TV ................................................. 146 M O Makss Damage ................ 44, 82, 101 ff., 109 \u00d6calan, Abdullah ............................. 146, 148 marx21 ...................................................114 f. Oidoxie .................................................... 101 Marxistische Bl\u00e4tter ..................................116 Oldschool Society (OSS) ............ 39, 46, 98 f. Marxistische Linke - \u00f6kologisch, OT-Universe ............................................ 200 emanzipatorisch, feministisch, integrativ (ML) ...................................119 ff. P Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands Partei der Nationalistischen (MLPD) ........22, 112 f., 116, 122, ff., 131 f. Bewegung (MHP) ............................ 136 ff. Medizin mit Herz (vormals pathivu.com ............................................. 152 Medizin ohne Grenzen) ....................... 173 Pegida ................... 44, 48 ff., 57, 71, 85, 109 Mednuce .................................................. 146 PEGIDA ................................. 44, 48, 50, 109 Millatu Ibrahim (MI) .................................. 175 PKK ............ 23, 124, 132, 134 f., 138, 140 f., Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung ........... 23, 158, 190 ff. 146 ff., 151, 196 f. Miscavige, David ............................. 200, 203 Prabhakaran, Velupillai .................... 152, 155 Mitteilungen der Kommunistischen Pro-Bewegung ................ 60 f., 64, 66, 68, 70 Plattform ...............................................115 Pro Deutschland Muslimbruderschaft - Landesverband NRW ... 22, 38 f., 42, 44, (MB) ........................ 23, 180 f., 184, 188, f. 50, 60 ff., 66, 68 ff. N pro Deutschland - Zeitung der B\u00fcrgerbewegung pro Deutschland ............ 60 Nationaldemokratische Partei Deutschlands, Pro K\u00f6ln e.V. .............. 22, 38 ff., 48, 60 ff., 71 siehe NPD Proliferation ..................................... 211, 214 Nationaler Widerstand Dortmund (NWDO) 80 Pro NRW ............... 22, 39 ff., 48, 50 f., 60 ff., Nationaler Widerstand Duisburg .......... 50, 95 96 f., 107, 109 Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI) ... 213 PYD ......................................................... 151 Nationalisten Kreis G\u00fctersloh .................... 95 Neonazi-Szene ........... 39, 54, 56, 59, 76, 78, R 86, 88, 94 ff., 104 Rebell ...................................................... 124 Newaya Jin (Erlebnisse der Frauen) ....... 146 Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei/-Front Newroz .................................................... 148 (Devrimci Halk Kurtulus Partisi-Cephesi - news.dkp.de .....................................116, 119 DHKP-C) ......................... 23, 134 f., 142 ff. Nordkaukasische SeparatistenRoeseler, Dominik ................................... 107 Bewegung (NKSB) ................. 23, 158, 194 258 StichwortverzeichniS Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Rote Fahne (RF) ...................................... 122 U Rotf\u00fcchse ................................................ 124 \u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung (Graue W\u00f6lfe) ........ 136 ff. S Ums Ganze. Kommunistisches B\u00fcndnis ................................................ 132 Saadet Partisi (SP Unsere Zeit (UZ) ...........................116, 118 ff. - Gl\u00fcckseligkeitspartei) .................... 191 ff. Sag nein zu Drogen ......................... 201, 203 V Salafismus .... 85, 159, 161, 164 ff., 178, 187, 195, 227, 230, 237, 240, 242, 244 f., 248 Velioglu, H\u00fcseyin ..................................... 196 Scientology Kirche Berlin e.V. (SKB) ....... 201 Vlaams Belang .......................................... 63 Scientology Kirche Deutschland e.V. Vogel, Pierre ......................................... 167 f. (SKD) ................................................... 201 Voigt, Udo .................................................. 83 Scientology News .................................... 200 Volksmodjahedin (MEK) .......................... 213 Scientology Organisation (SO) ............ 200 ff. Volksverteidigungseinheiten (YPG) ......... 151 Serxwebun (Unabh\u00e4ngigkeit) .................. 146 Volksverteidigungskr\u00e4fte (HPG) .............. 151 Skinhead-Szene ..................... 56, 100 f., 105 W Sleipnir ............................................. 101, 104 Source ............................................. 200, 208 Worch, Christian ........................................ 72 Sozialistische Deutsche World Institute of Scientology Arbeiterjugend (SDAJ) .......................116 f. Enterprises (WISE) .............................. 203 Sozialistische Linke (SL) ..........................114 Sterka Ciwan ........................................... 146 Y Sterka Ciwan (Stern der Jugend) ............ 146 Yeni M\u00fcjde ............................................... 196 St\u00fcrzenberger, Michael .............................. 50 Yeni \u00d6zg\u00fcr Politika .................................. 146 Syndikat 52 ................................................ 83 Y\u00fcr\u00fcy\u00fcs ............................................... 142 ff. T Z Tamil Coordination Committee (TCC) ...... 152 Zagros, Hacer .......................................... 146 Tamilische Befreiungstiger (LTTE) ............................. 23, 134 f., 152 ff. Tamil Rehabilitation Organization e.V. (TRO) ............................................ 152 Tamil Student Organization e.V. (TSV) ............................................ 152 Tamil Youth Organization e.V. (TYO) .................................... 152, 154 Tauhid Germany ...................................... 175 The Aditor ................................................ 200 T\u00fcrkische Hizbullah (TH) ............... 23, 196 ff. StichwortverzeichniS 259 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","260 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2015","Hinweis Diese Druckschrift wird im Rahmen der \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Ministeriums f\u00fcr Inneres und Kommunales Nordrhein-Westfalen herausgegeben. Sie darf weder von Parteien noch von Wahlbewerberinnen und Wahlbewerbern oder Wahlhelferinnen und Wahlhelfern w\u00e4hrend eines Wahlkampfes zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet werden. Dies gilt f\u00fcr die Landtags-, Bundestagsund Kommunalwahlen sowie f\u00fcr die Wahl der Mitglieder des Europ\u00e4ischen Parlaments. Missbr\u00e4uchlich ist insbesondere die Verteilung auf Wahlveranstaltungen, an Informationsst\u00e4nden der Parteien sowie das Einlegen, Aufdrucken oder Aufkleben parteipolitischer Informationen oder Werbemittel. Untersagt ist gleichfalls die Weitergabe an Dritte zum Zwecke der Wahlwerbung. Eine Verwendung dieser Druckschrift durch Parteien oder sie unterst\u00fctzende Organisationen ausschlie\u00dflich zur Unterrichtung ihrer eigenen Mitglieder bleibt hiervon unber\u00fchrt. Unabh\u00e4ngig davon, wann, auf welchem Weg und in welcher Anzahl diese Schrift dem Empf\u00e4nger zugegangen ist, darf sie auch ohne zeitlichen Bezug zu einer bevorstehenden Wahl nicht in einer Weise verwendet werden, die als Parteinahme des Ministerium f\u00fcr Inneres und Kommunales Nordrhein-Westfalen zugunsten einzelner politischer Gruppen verstanden werden k\u00f6nnte. Der Inhalt dieser Brosch\u00fcre wurde auf chlorfrei gebleichtem Papier gedruckt.","Ministerium f\u00fcr Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen Friedrichstra\u00dfe 62 - 80 40217 D\u00fcsseldorf Telefon: 0211/871 - 01 Telefax: 0211/871 - 3355 poststelle@mik.nrw.de www.mik.nrw.de Verfassungsschutzbericht NRW 2015"],"title":"Verfassungsschutzbericht 2015","year":2015}
