{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-nw-1985.pdf","jurisdiction":"Nordrhein-Westfalen","num_pages":69,"pages":["Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 Vorwort ................................................................................................ 3 1 Rechtsextremismus ......................................................................... 4 1.1 Entwicklungstendenz ....................................................................................4 1.2 Neonazistische Gruppen ...............................................................................5 1.2.1 Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP).......................................5 1.2.2 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG)...............................................................................7 1.2.3 NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation (NSDAP-AO).................7 1.2.4 Neonazikreis um Curt M\u00dcLLER in Mainz ..........................................8 1.3 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD .......................................8 1.4 Junge Nationaldemokraten (JN)..................................................................10 1.5 B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp (BIA) .........................................................10 1.6 \"National-freiheitliche\" Rechte.....................................................................10 1.7 Rechtsextremistische Jugendgruppen ........................................................11 1.7.1 Wiking-Jugend (WJ) ........................................................................11 1.7.2 Bund Heimattreuer Jugend (BHJ)/ Gemeinschaft Volkstreuer Jugend (GVJ)............................................................................................11 1.8 Sonstige rechtsextremistische Aktivit\u00e4ten ...................................................12 1.8.1 Zeitschrift \"Klartext\"..........................................................................12 1.8.2 Nationalistische Front (NF) ..............................................................12 1.8.3 Kulturund Weltanschauungsvereinigungen ...................................12 1.8.4 Schmierund sonstige Aktionen ......................................................12 1.9 Rechtsextremisten im \u00f6ffentlichen Dienst ...................................................13 2 Linksextremismus.......................................................................... 19 2.1 Entwicklungstendenz ..................................................................................19 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP).....................................................20 2.3 DKP-orientierte Jugendund Studentenorganisationen ..............................26 2.3.1 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) ..............................26 2.3.2 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB) ..............................27 2.3.3 Junge Pioniere (JP) .........................................................................27 2.4 DKP-beeinflu\u00dfte Organisationen.................................................................28 2.4.1 Deutsche Friedens-Union (DFU) .....................................................28 2.4.2 Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ)........28 2.4.3 Die Friedensliste ..............................................................................29 2.4.4 Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK)..................................................................................................29 2.5 B\u00fcndnispolitik ..............................................................................................30 2.6 Dogmatische Neue Linke ............................................................................30 2.6.1 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD)...................30 2.6.2 Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) (KPD)31 2.6.3 Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg (Volksfront) ......32 1","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 2.6.4 Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) ............................32 2.6.5 Marxistische Gruppe (MG)...............................................................32 2.7 Undogmatische Neue Linke ........................................................................33 2.8 Trotzkismus.................................................................................................33 2.9 Linksextremisten im \u00f6ffentlichen Dienst ......................................................34 3 Terrorismus .................................................................................... 40 3.1 Entwicklungstendenz ..................................................................................40 3.2 Rote Armee Fraktion (RAF).........................................................................40 3.3 Revolution\u00e4re Zellen (RZ)/Rote Zora ..........................................................43 3.4 Sonstige Gruppen und terroristisches Umfeld.............................................44 3.5 Terroristische und sonstige politisch motivierte Gewalttaten.......................45 4 Ausl\u00e4nderextremismus.................................................................. 49 4.1 Entwicklungstendenz ..................................................................................49 4.2 T\u00fcrken .........................................................................................................49 Islamische Extremisten.............................................................................50 4.3 Kurden.........................................................................................................54 4.4 Iraner...........................................................................................................55 4.5 Iraker...........................................................................................................56 4.6 Pal\u00e4stinenser ..............................................................................................57 4.7 Libyer ..........................................................................................................57 4.8 Jugoslawen .................................................................................................57 4.9 Srilanker (Tamilen)......................................................................................58 5 Spionageabwehr............................................................................. 59 5.1 Entwicklungstendenz ..................................................................................59 5.2 Art und Umfang der gegnerischen Werbungsmethoden .............................60 5.3 Nachrichtendienstliche Auftr\u00e4ge gegen Nordrhein-Westfalen .....................61 5.4 Der Fall TIEDGE .........................................................................................61 6 Strafrechtspflege............................................................................ 63 6.1 Verfahren wegen rechtsextremistischer Aktivit\u00e4ten.....................................63 6.2 Verfahren wegen linksextremistischer Aktivit\u00e4ten .......................................63 6.3 Demonstrationsstraftaten ............................................................................64 7 Anhang............................................................................................ 65 7.1 \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte rechtsextremistische Parteien, nebenund beeinflu\u00dfte Organisationen sowie deren Presseerzeugnisse ...........................65 7.2 \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte linksextremistische Parteien, nebenund beeinflu\u00dfte Organisationen sowie deren Presseerzeugnisse ...........................66 7.3 Antrag der Fraktion der SPD betr. Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei ....69 2","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 Vorwort In unserer freiheitlichen Demokratie haben die B\u00fcrger einen politischen Anspruch darauf zu erfahren, welche Bestrebungen gegen diesen Staat gerichtet sind und welche T\u00e4tigkeiten seine Sicherheit bedrohen. Die Landesregierung entspricht dem durch die Ver\u00f6ffentlichung ihres j\u00e4hrlichen Verfassungsschutzberichts. Sie will durch solche Sachinformation zur Klarheit beitragen und den B\u00fcrgern Argumentationsmaterial zur politischen Auseinandersetzung mit den Gruppen an die Hand geben, die den freiheitlichen demokratischen Staat ablehnen. Die Ver\u00f6ffentlichung des Berichts 85 f\u00e4llt in eine Zeit, in der die Verfassungsschutzgesetze - auch das nordrhein-westf\u00e4lische - kritisch daraufhin \u00fcberpr\u00fcft werden, ob sie das Recht der B\u00fcrger auf den Schutz ihrer personenbezogenen Daten aus reichend ber\u00fccksichtigen. Nur die Gew\u00e4hrleistung dieses Schutzes durch verst\u00e4ndliche Gesetze vermag dem Verfassungsschutz die notwendige Vertrauensbasis zu geben und zu erhalten. Nordrhein-Westfalen, das sich 1981 im Vergleich zum Bund und anderen Bundesl\u00e4ndern das rechtsstaatlich modernste Verfassungsschutzgesetz gegeben hatte, wird dieser Linie treu bleiben und auch den Anspruch der B\u00fcrger auf den Schutz der Pers\u00f6nlichkeit im informationellen Bereich in gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Weise erf\u00fcllen. Dr. Herbert Schnoor Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen 3","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 1 Rechtsextremismus 1.1 Entwicklungstendenz In der rechtsextremistischen Szene in Nordrhein-Westfalen haben sich 1985 keine entscheidenden Ver\u00e4nderungen ergeben. Die Zahl der Mitglieder liegt, weiterhin um 4.000, darunter ca. 150 aktive Neonazis, ca. 1.000 Nationaldemokraten und 2.500 sog. Nationalfreiheitliche. Unter den Neonazis zeichnet sich weiterhin eine Konzentration in Richtung auf die Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP) ab. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Anh\u00e4nger der verbotenen Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) schlo\u00df sich der FAP -teils ohne nominelle Mitgliedschaft - an, um in deren Namen neonazistisches Gedankengut verbreiten zu k\u00f6nnen. Das \u00f6ffentliche Auftreten der FAP im Jahre 1985 war Gegenstand parlamentarischer Er\u00f6rterungen, die in der mehrheitlichen Annahme eines Entschlie\u00dfungsantrages der SPD-Fraktion auf der Landtagssitzung am 14. November 1985 ihren Ausdruck fanden (vgl. Anhang). Zwischen dem Gr\u00fcnder und Bundesvorsitzenden der FAP und den in der FAP organisierten ehemaligen ANS/NA-Anh\u00e4ngern bestehen erhebliche Spannungen. Zur Zeit ist das Ergebnis nicht abzusehen. Die Verurteilung des im Oktober 1984 aus Frankreich abgeschobenen Michael K\u00dcHNEN hat seine Anh\u00e4nger nur vor\u00fcbergehend verunsichert. Er bleibt die \" F\u00fchrerfigur\" und nimmt weiterhin Einflu\u00df auf die NS-Szene durch seine \"Briefe aus der Haft\", die regelm\u00e4\u00dfig in der Schrift \"Die Neue Front ver\u00f6ffentlicht werden. Die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) hat nach innerparteilichen Auseinandersetzungen an der Landtagswahl 1985 in Nordrhein-Westfalen nicht teilgenommen, weil sie ihre Erfolgsaussichten nur gering einsch\u00e4tzte und man bei einem Absinken der Stimmenzahlen gegen \u00fcber der Europawahl 1984 negative Auswirkungen auf das Ansehen in der \u00d6ffentlichkeit bef\u00fcrchtete. Auf dem 19. ordentlichen Bundesparteitag im September 1985 beschlo\u00df die NPD, sich in ihrer k\u00fcnftigen Arbeit auf die Vorbereitungen zur Bundestagswahl 1987 zu konzentrieren. Ihren Wahlkampf will sie unter dem Thema \" Dein Herz f\u00fcr Deutschlands Zukunft\" f\u00fchren. Die Situation in der Jugendorganisation der NPD, den Jungen Nationaldemokraten (JN), hat sich bundesweit entspannt. Auf einem Landeskongre\u00df im Juni 1985 in Wuppertal konnte ein neuer Landesvorstand gew\u00e4hlt werden, der den bis dahin amtierenden Notvorstand abl\u00f6ste. Die seit 1983 von rechtsextremistischen Kreisen unternommenen Versuche, auf jugendliche Randgruppen Einflu\u00df zu gewinnen, haben 1985 nachgelassen. Soweit Teile solcher Gruppen ins rechtsextremistische Lager wechselten, haben sie ihre neue politische Heimat in der FAP gefunden. Auch 1985 hat es eine Vielzahl von offensichtlich Rechtsextremisten zuzuschreibenden Schmierereien (Hakenkreuze, SS-Runen, ausl\u00e4nderfeindliche Parolen usw.) gegeben. Eine eindeutige Zuordnung zu einer rechtsextremistischen Gruppe ist jedoch in vielen F\u00e4llen nicht m\u00f6glich gewesen. 4","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 1.2 Neonazistische Gruppen 1.2.1 Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP) Ziele Die FAP wurde am 17, M\u00e4rz 1979 gegr\u00fcndet. Satzung und \"Aktionsprogramm\" blieben bis heute unver\u00e4ndert. Seit der Gr\u00fcndung des FAP-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen durch ehemalige ANS/NA Anh\u00e4nger im Februar 1984 wird von diesem in Schriften und sonstigen \u00c4u\u00dferungen f\u00fchrender Funktion\u00e4re vornehmlich rechtsextremistisches Gedankengut propagiert. So wendet sich die seit Herbst 1985 vom Landesverband in M\u00fcnster herausgegebene periodische Schrift\" FAP-Nachrichten - Kampfblatt der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" unter anderem gegen die \" rassische \u00dcberfremdung\" des deutschen Volkes und fordert mit der Parole Ausl\u00e4nder raus\" die R\u00fcckkehr aller Ausl\u00e4nderin ihre Heimatl\u00e4nder. Ferner bilden der Kampf gegen die \"Kriegsschuldl\u00fcge\" und die Forderung f\u00fcr ein Gro\u00dfdeutsches Reich unter Einbeziehung von \u00d6sterreich, S\u00fcdtirol, Elsa\u00df-Lothringen und der ehemaligen Ostgebiete einschlie\u00dflich Westpreu\u00dfen zentrale Propagandathemen. Hierzu hei\u00dft es in einem als \"Sonderausgabe zum Kampf gegen den Bolschewismus\" herausgegebenen Flugblatt \"Streite mit uns gegen Kommunismus und US-Imperialismus, streite mit uns f\u00fcr das nationale sozialistische Deutsche Reich! Besatzer raus!\" Organisation Die FAP, die bundesweit mehrere Landesund eine Reihe von Kreisverb\u00e4nden mit ca. 300 Mitgliedern unterh\u00e4lt, hat 1985 ihren Landesverband NordrheinWestfalen weiter ausgebaut und verf\u00fcgte Ende 1985 \u00fcber acht Kreisverb\u00e4nde mit insgesamt etwa 100 Mitgliedern, vornehmlich ehemalige ANS/NA-Anh\u00e4nger. Schwerpunkte der Parteiarbeit - Der FAP-Landesverband Nordrhein-Westfalen konzentrierte Anfang 1985 seine Aktivit\u00e4ten auf die Teilnahme an der Landtagswahl in NordrheinWestfalen am 12. Mai 1985. Organisiert wurde dies auf sogenannten FAPGautreffen am 20. Januar in Dortmund, am 26. Januar und 2. M\u00e4rz in Duisburg sowie am 6. April 1985 in Witten. Zur Landtagswahl kandidierte die FAP mit 12 Direktkandidaten in den St\u00e4dten Aachen, Dortmund (in allen sechs Wahlkreisen), Duisburg (in zwei Wahlkreisen), M\u00fcnster (in beiden Wahlkreisen) und im Ennepe-Ruhr-Kreis sowie mit einer Landesreserveliste, die insgesamt 16 Kandidaten umfa\u00dfte. Sie erzielte nach dem amtlichen Ergebnis insgesamt 929 Stimmen (= 0,0 %) und ist damit weit unter dem von ihr erwarteten Wahlergebnis geblieben. Sie hatte weniger W\u00e4hler als die 1000 Unterschriften, die sie als Zulassungsvoraussetzung f\u00fcr die Landesreserveliste sammeln mu\u00dfte. Auch der Stimmenzuwachs durch potentielle NPD-W\u00e4hler, den sie sich erhoffte, weil die NPD nicht zur Wahl angetreten war, ist ausgeblieben. 5","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 In einem Rundschreiben vom 15. Mai 1985 bedankte sich der FAPLandesvorsitzende f\u00fcr den Einsatz aller \"Kameraden\" und bezeichnete das Wahlergebnis als \"ern\u00fcchternd\"; er sehe jedoch in der Teilnahme an der Landtagswahl einen Anfang, auf dessen Grundlage die FAP weiter auszubauen sei. - Am 13. Juli 1985 fand bei Grevenbroich ein Gautreffen des FAPLandesverbandes Nordrhein-Westfalen statt, an dem etwa 70 Personen teilnahmen. Unter den Teilnehmern befanden sich auch f\u00fchrende Funktion\u00e4re der verbotenen ANS/NA aus Hessen und Bayern. In einem Redebeitrag betonte der stellvertretende FAP-Landesvorsitzende erneut, da\u00df der Landesverband in der Tradition der ehemaligen NSDAP stehe und die von Adolf Hitler begonnene politische Arbeit fortsetzen wolle. Die FAP m\u00fcsse allerdings ihre politischen Aussagen vorsichtig formulieren, um nicht Anhaltspunkte f\u00fcr ein Verbot zu geben. - Am 17. August 1985 wurde in Dortmund, Schlosserstra\u00dfe 47, ein neues \" FAP-Zentrum eingeweiht. Vor etwa 40 Anwesenden verlas der Landesvorsitzende einen Brief des inhaftierten Michael K\u00dcHNEN, in dem dieser die Konsolidierung des FAP-Landesverbandes NRW - nicht zuletzt durch die Teilnahme an der Landtagswahl 1985 -feststellte und insbesondere die Wahlergebnisse im Bereich Dortmund lobte. Urspr\u00fcnglich wollten die FAP-Anh\u00e4nger die Einweihungsfeier am 23. August 1985 durchf\u00fchren, hatten dann aber die Veranstaltung vorverlegt, um evtl. zu erwartende Gegendemonstrationen ins Leere laufen zu lassen. Tats\u00e4chlich fanden am 23. August 1985 in Dortmund Demonstrationen gegen das \" FAPZentrum statt, bei denen es zu Ausschreitungen gegen \u00fcber der Polizei kam. Das \" FAP-Zentrum \" in Dortmund besteht inzwischen nicht mehr. - Im Rahmen ihrer Propagandat\u00e4tigkeit f\u00fchrte die FAP am 14. September 1985 in Bielefeld einen sogenannten Gauaktionstag durch, an dem sich ca. 40 Personen beteiligten. An einem Informationsstand verteilten FAP-Angeh\u00f6rige Flugbl\u00e4tter mit dem Tenor \" Unsere Jugend ist arbeitslos - Ausl\u00e4nder raus\". Da es w\u00e4hrend der Flugblattverteilung zu Auseinandersetzungen mit etwa 80 - 100 Gegendemonstranten kam, wurde die Veranstaltung auf polizeiliche Veranlassung vorzeitig beendet. Die Polizei nahm acht an den Auseinandersetzungen beteiligte FAPSympathisanten fest, bei denen zwei Gaspistolen, ein Reizstoffspr\u00fchger\u00e4t, ein Messer und ein Hammer sichergestellt wurden. Drei Gegendemonstranten, die im Besitz von zwei Gaspistolen, einem Katapult mit dazugeh\u00f6renden Stahlkugeln und selbstgefertigten Feuerwerksk\u00f6rpern waren, wurden ebenfalls festgenommen. - Am 9. November 1985 trafen sich in M\u00f6nchengladbach \u00fcber hundert Anh\u00e4nger des FAP-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen sowie rechtsextremistische Gesinnungsgenossen aus den Niederlanden zu einem weiteren \"Gautreffen \". Der Landesvorsitzende teilte mit, die FAP werde sich 6","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 1986 an den Landtagswahlen in Niedersachsen und Hamburg und 1987 an der Bundestagswahl und an der Landtagswahl in Bremen beteiligen. Voraussetzung daf\u00fcr sei eine weitere positive Entwicklung der FAP. In einem laut Einladung als \"Bericht\" angek\u00fcndigtem Referat warf der stellvertretende FAP-Landesvorsitzende den Politikern und den Juden vor, durch Anwerben ausl\u00e4ndischer Arbeitskr\u00e4fte das deutsche Volk rassisch zerst\u00f6ren zu wollen und bef\u00fcrwortete in diesem Zusammenhang Euthanasieprogramme. Der Generalmajor der ehemaligen Wehrmacht, Otto Ernst REMER aus Kaufbeuren, gab als Gastredner eine Schilderung der Vorf\u00e4lle am 20. Juli 1944 aus seiner Sicht als ehemaliger Kommandeur des Wachbataillons in Berlin. Straftaten - Aus Anla\u00df von t\u00e4tlichen Auseinandersetzungen mit t\u00fcrkischen Staatsangeh\u00f6rigen in Dortmund wurden der F\u00fchrer der ehemaligen Dortmunder \"Borussenfront\", jetzt FAP-Funktion\u00e4r, sowie zwei weitere FAPMitglieder am 5. April 1985 festgenommen. - Am 24. August 1985 wurde ein Brandanschlag auf ein von Mitgliedern der linken Hausbesetzerszene bewohntes Bahnhofsgeb\u00e4ude in Duisburg ver\u00fcbt. Als T\u00e4ter wurden 12 Personen ermittelt, unter denen sich Sympathisanten der FAP befinden. Der Brandanschlag war nach Aussagen der Festgenommenen eine \"Vergeltungsaktion gegen die st\u00e4ndigen \u00dcbergriffe und propagandistische Hetze durch linksgerichtete Kreise gegen die FAP\". Das Bahnhofsgeb\u00e4ude wird als Zentrum der \u00f6rtlichen linksalternativen Szene angesehen. 1.2.2 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) Die HNG, die personellen Zulauf auch aus Kreisen der verbotenen ANS/NA erhielt und mit ca. 200 (Nordrhein-Westfalen ca. 40) Mitgliedern als eine der mitgliederst\u00e4rksten neonazistischen Organisationen angesehen werden kann, f\u00fchrte am 16. M\u00e4rz 1985 in Malsfeld/Hessen eine Jahreshauptversammlung durch, an der insgesamt etwa 100 Personen, darunter ca. 20 aus NordrheinWestfalen, teilnahmen. Es wurde beschlossen , die HNG-Monatsschrift \"Nachrichten der HNG\" ab Ausgabe April 1985 k\u00fcnftig von einem aus der Haft entlassenen NS-Aktivisten aus Hannover herausgeben zu lassen. Die HNG betreut u. a. auch Michael K\u00dcHNEN, den Gr\u00fcnder und Leiter der verbotenen ANS/NA, der am 25. Januar 1985 vom Landgericht Frankfurt/Main wegen Herstellung und Verbreitung rechtsextremistischer Propagandaschriften zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten verurteilt worden war. Anl\u00e4\u00dflich einer zweiten Mitgliederversammlung am 16. November 1985 in Steinau b. Fulda, an der sich auch Funktion\u00e4re des FAP-Landesverbandes NRW beteiligten, wurde u. a. eine Satzung verabschiedet, nach der sich der HNG-Sitz in Frankfurt/Main, die Gesch\u00e4ftsstelle in Bielefeld befinden. 1.2.3 NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation (NSDAP-AO) 7","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 Nach den im Laufe des Jahres bekanntgewordenen Einzelaktionen mu\u00df davon ausgegangen werden, da\u00df sich in einer Reihe von Orten des Landes St\u00fctzpunkte (evtl. auch Einzelpersonen) befinden, die Material der NSDAP-AO beziehen und verbreiten. Die aus den USA eingeschleuste NSDAP-AO Vierteljahresschrift \"NS-Kampfruf\" ver\u00f6ffentlicht seit Ende 1983 als Artikelfolge das von Michael K\u00dcHNEN in seiner Haft verfa\u00dfte Buchmanuskript \"Die zweite Revolution\". 1.2.4 Neonazikreis um Curt M\u00dcLLER in Mainz Der mehrere Dutzend Anh\u00e4nger umfassende Mainzer Neonazikreis um Curt M\u00dcLLER stellt weiterhin einen Treffpunkt f\u00fcr neonazistische Aktivit\u00e4ten dar. So nahmen NS-Aktivisten aus Nordrhein-Westfalen dort an einem \"F\u00fchrungstreffen\" am 1. Mai 1985 und an den allj\u00e4hrlich stattfindenden Sonnenwendfeiern am 22. Juni und 21. Dezember 1985 teil. 1.3 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD Ziele Die verfassungsfeindliche Zielsetzung der NPD ergibt sich - unabh\u00e4ngig von ihrem offiziellen Parteiprogramm und ihrer Satzung - aus einer st\u00e4ndigen, gegen die Grundprinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung gerichteten und der Partei politisch zuzurechnenden Polemik. Darin kommen \"Mi\u00dfachtung und Ablehnung oberster Verfassungswerte, insbesondere der parlamentarischen Demokratie, des Mehrparteiensystems und der Volkssouver\u00e4nit\u00e4t\" zum Ausdruck (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 28. November 1980 - 2 C 24.78). Parteiorganisation Die NPD hat z. Z. ca. 6 100 Mitglieder. Ihre Bundesgesch\u00e4ftsstelle befindet sich in Stuttgart. Der NPD-Landesverband Nordrhein-Westfalen mit Sitz in BochumWattenscheid gliedert sich in 54 Kreisverb\u00e4nde. Mit etwa 1000 Mitgliedern geh\u00f6rt er derzeit zu den st\u00e4rksten Landesverb\u00e4nden der NPD. Finanzierung Nach Aussagen des Bundesschatzmeisters auf dem Bundesparteitag am 14./15. September 1985 in M\u00fcnchen ist die Partei schuldenfrei. Die Verbesserung der finanziellen Situation der NPD ist in erster Linie auf die Erstattung der Wahlkampf kosten f\u00fcr die Wahl zum Europ\u00e4ischen Parlament im Jahre 1984 - die Partei erhielt ca. 1,8 Millionen DM -zur\u00fcckzuf\u00fchren. Neben Mitgliedsbeitr\u00e4gen und Spenden versucht die Partei, \u00fcber \"Freundes-\" und \"F\u00f6rder-Kreise\" finanzielle Mittel zu erlangen. Publikationen Das Parteiorgan \"Deutsche Stimme\" erscheint monatlich in einer Auflage von etwa 100 000 Exemplaren. Anl\u00e4\u00dflich des Schlesiertreffens am 15. Juni 1985 in Hannover wurde eine Sonderausgabe der \"Deutschen Stimme\" mit der Schlagzeile 8","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 \"Deutschland ist gr\u00f6\u00dfer als die Bundesrepublik - Ostdeutschland bleibt unser!\" herausgegeben. Neben ihrem offiziellen Parteiorgan vertreibt die NPD auf allen Gliederungsebenen periodische Schriften und Informationsdienste. In NordrheinWestfalen erscheinen regelm\u00e4\u00dfig der\" NPD-Landesspiegel \" und der \" NPDOrganisationsspiegel Herausgeber ist der NPD-Landesverband NordrheinWestfalen. Schwerpunkte der Parteiarbeit - Die nordrhein-westf\u00e4lische NPD f\u00fchrte am 20. Januar 1985 in VelbertLangenberg ihren 18. ordentlichen Landesparteitag durch. Es nahmen ca. 350 Personen teil. Erwartungsgem\u00e4\u00df wurde der bisherige Landesvorsitzende wiedergew\u00e4hlt. Er gab auf dem Parteitag bekannt, da\u00df die NPD sich nicht an der Landtagswahl 1985 in Nordrhein-Westfalen beteiligen werde. Damit fanden monatelange parteiinterne Auseinandersetzungen ein Ende, die seit der Europawahl zwischen dem Parteiund dem Landesvorstand um diese Frage ausgetragen worden waren. Zum Protest gegen den Landesparteitag hatten sich etwa 1500 Demonstranten eingefunden. Es kam zu Auseinandersetzungen zwischen ihnen und der Polizei; 39 Personen wurden u. a. wegen Versto\u00dfes gegen das Versammlungsgesetz, Widerstandes gegen Vollzugsbeamte und unerlaubten Waffenbesitzes vorl\u00e4ufig festgenommen. Durch den Einsatz der Polizei konnte eine Eskalation der Auseinandersetzungen verhindert werden. - Am 15. Juni 1985 veranstaltete die NPD in Stadthagen/Nds. ihr diesj\u00e4hriges \"Deutschlandtreffen\", an dem ca. 600 Personen - darunter 50 - 60 Personen aus Nordrhein-Westfalen - teilnahmen. Im Rahmen des Treffens wurde in Hannover durch NPD-Angeh\u00f6rige an Teilnehmer des Schlesiertreffens Propagandamaterial verteilt, u. a. die aus Anla\u00df des Schlesiertreffens herausgegebene Sonderausgabe des Parteiorgans \"Deutsche Stimme\". Das \"Deutschlandtreffen\" war von schweren Krawallen begleitet. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich bei der Gegendemonstration an Ausschreitungen etwa 500 Personen, von denen mehrere verletzt wurden. - Der 19. ordentliche Bundesparteitag der NPD fand mit ca. 600 Teilnehmern am 14./15. September 1985 in Neustadt/Weinstra\u00dfe statt. Wesentliche Tagesordnungspunkte waren die Behandlung des Entwurfs eines neuen Parteiprogramms und die Wahl des Parteivorstandes, wobei der bisherige Parteivorsitzende Martin MU\u00dfGNUG aus Tuttlingen in seinem Amt best\u00e4tigt wurde. Auf dem Bundesparteitag 1986 soll das NPD-Parteiprogramm 1985 endg\u00fcltig verabschiedet werden. Gegen die Durchf\u00fchrung des Parteitages hatte sich nach Bekanntwerden des Veranstaltungsortes kurzfristig eine \"Initiative gegen den Bundesparteitag\" gebildet. Diese f\u00fchrte in der N\u00e4he des Tagungslokals eine Kundgebung mit ca. 9","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 650 Teilnehmern durch. Dabei kam es zu Zusammenst\u00f6\u00dfen mit der Polizei. 15 Personen wurden festgenommen. 1.4 Junge Nationaldemokraten (JN) Die JN, Jugendorganisation der NPD, verf\u00fcgen in Nordrhein-Westfalen \u00fcber ca. 100 Mitglieder. Sie wiederholten ihren Landeskongre\u00df vom Januar 1985 aus satzungsm\u00e4\u00dfigen Gr\u00fcnden am 8. Juni 1985 in Wuppertal. An ihm nahmen etwa 50 Personen teil. Wichtigster Tagesordnungspunkt war die Neuwahl des Landesvorstandes. Der bisherige Landesvorsitzende wurde in seinem Amt best\u00e4tigt. Damit fand der im November 1984 \u00fcber den JN-Landesverband Nordrhein-Westfalen verh\u00e4ngte organisatorische Notstand sein Ende. Am 26./27. Oktober 1985 f\u00fchrten die JN in M\u00fcnchen ihren Bundeskongre\u00df durch. Es nahmen rd. 200 Personen teil, darunter ca. 20 aus Nordrhein-Westfalen. Dem neu gew\u00e4hlten Bundesvorstand geh\u00f6ren f\u00fcnf Personen aus Nordrhein-Westfalen an. Der bisherige Bundesvorsitzende wurde wiedergew\u00e4hlt. Durch die Bekanntgabe verschiedener Veranstaltungsorte konnte der endg\u00fcltige Tagungsort bis zuletzt geheimgehalten werden. Es kam daher zu keinerlei St\u00f6rungen durch Gegendemonstranten. Auf dem Bundeskongre\u00df wurden Antr\u00e4ge angenommen, beim NPDParteivorstand einen Unvereinbarkeitsbeschlu\u00df f\u00fcr die neuerdings zum Neonazismus tendierende Wiking-Jugend (WJ) zu erwirken. 1.5 B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp (BIA) Die im Jahre 1980 in Bochum durch die NPD gegr\u00fcndete BIA, die mit ihren beiden angestrebten Volksbegehren - R\u00fcckf\u00fchrung der Ausl\u00e4nder in ihre Heimat und Einf\u00fchrung von muttersprachlichen Regelklassen f\u00fcr ausl\u00e4ndische Sch\u00fcler in Nordrhein-Westfalen - erfolglos blieb, ist im Berichtsjahr im wesentlichen nur durch ihre Schrift \"Deutsche Zukunft\" in Erscheinung getreten, f\u00fcr die jetzt der NPDLandesvorsitzende verantwortlich zeichnet. 1.6 \"National-freiheitliche\" Rechte Die \" national-freiheitliche\" Rechte stellt mit \u00fcber 12.000 Mitgliedern (NordrheinWestfalen: ca. 2.500) nach wie vor die mitgliederst\u00e4rkste Gruppierung des deutschen Rechtsextremismus dar. Ihr Sprecher, der M\u00fcnchener Verleger und Herausgeber der Deutschen National-Zeitung, Dr. Gerhard FREY, beziffert die Mitgliederzahl selbst mit \u00fcber 14.000. Auch im Jahre 1985 f\u00fchrte die zur \"national-freiheitlichen\" Rechten z\u00e4hlende Deutsche Volksunion (DVU) und ihre von Dr. FREY gesteuerten und beeinflu\u00dften \"Aktionsgemeinschaften\" * Aktion Deutsche Einheit (AKON) * Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie (VOGA) * Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (I.f.A.) * Aktion Deutsches Radio und Fernsehen (ARF) 10","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 * Ehrenbund Rudel (ER) * Schutzbund f\u00fcr Leben und Umwelt wieder Kundgebungen und Vortragsveranstaltungen mit dem britischen Schriftsteller David IRVING durch. In Nordrhein-Westfalen waren u. a. Bonn, Duisburg, Essen und M\u00fcnster Stationen dieser Vortragsreihen. Aus Anla\u00df der Wiederkehr des Reichsgr\u00fcndungstages f\u00fchrte die DVU am 19. Januar 1985 in L\u00fcdenscheid eine gr\u00f6\u00dfere Veranstaltung durch, an der ca. 500 Personen teilnahmen. Als Hauptredner traten David IRVING und Dr. FREY auf. Im Rahmen der Veranstaltung wurde einem inzwischen verstorbenen ehemaligen Oberst der Wehrmacht, der als \"Kommodore der Rammj\u00e4ger\" bekannt geworden war, der Freiheitspreis 1985 der Deutschen National-Zeitung verliehen. Vordem Versammlungslokal hatten sich ca. 100 Gegendemonstranten eingefunden; zu Auseinandersetzungen kam es nicht. 1.7 Rechtsextremistische Jugendgruppen 1.7.1 Wiking-Jugend (WJ) Die WJ bleibt neben den JN die mitgliederst\u00e4rkste rechtsextremistische Jugendorganisation, obwohl ihre Mitgliederzahl 1985 bundesweit nur bei ca. 380 Personen lag (1984: 440). In Nordrhein-Westfalen ist der Mitgliederbestand mit 90 bis 100 Personen gegen\u00fcber dem Vorjahr fast unver\u00e4ndert geblieben. Die Bundesf\u00fchrung der WJ hat Ende 1984 erste Kontakte mit F\u00fchrungsfunktion\u00e4ren der verbotenen ANS/NA und der FAP aufgenommen, die sich im Laufe des Jahres 1985 st\u00e4ndig vertieften. Indiz f\u00fcr die enge Zusammenarbeit war die im Rahmen des Landtagswahlkampfes ergangene Aufforderung an Mitglieder der WJ, f\u00fcr die FAP zu stimmen bzw. selbst zu kandidieren. Au\u00dferdem wurden im Verlauf des Jahres 1985 Veranstaltungen gemeinsam durchgef\u00fchrt, so z. B. eine Erntedankfeier am 13. Oktober 1985 in Grevenbroich. Das gemeinsam geplante traditionelle Treffen zum Jahreswechsel 1985/86 in der Rh\u00f6n ist verboten worden. Von den am 31. Dezember 1985 trotzdem in Fulda auftretenden Vertretern der beiden Gruppen, die eine Gegenveranstaltung st\u00f6rten, sind sieben vorl\u00e4ufig festgenommen worden. Als Aktionsb\u00fcndnis der WJ und der FAP zur Durchf\u00fchrung gemeinsamer Aktionen wurde im Januar 1985 eine \"Volkstreue Au\u00dferparlamentarische Opposition\" (VAPO) gegr\u00fcndet, die deutsche rechtsextremistische Gruppen erstmals zu einer Demonstration am 4. Mai 1985 in Aachen aufrief. Mit dieser sollte gegen die f\u00fcr den 8. Mai 1985 am selben Ort geplante DGB-Kundgebung aus Anla\u00df der 40. Wiederkehr des Tages der Kapitulation protestiert werden, Dem Aufruf folgten ca. 150 bis 200 Mitglieder rechtsextremistischer Gruppen und Skinheads. 1.7.2 Bund Heimattreuer Jugend (BHJ)/ Gemeinschaft Volkstreuer Jugend (GVJ) Der BHJ hat 1985 keine nennenswerten Aktivit\u00e4ten in Nordrhein-Westfalen entwickelt. Seine Mitgliederzahl d\u00fcrfte bundesweit weiter bei 100 Personen liegen. Die Abspaltung GVJ, die selbst ebenfalls \u00f6ffentlich kaum in Erscheinung trat, ist ohne Auswirkung auf den BHJ geblieben. 11","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 1.8 Sonstige rechtsextremistische Aktivit\u00e4ten 1.8.1 Zeitschrift \"Klartext\" Die bis Fr\u00fchjahr 1984 als Sch\u00fclerzeitschrift der JN erschienene Publikation wurde 1985 in eigener Regie von der \"Klartext-Redaktion\", G\u00fctersloh, als eigenst\u00e4ndige Zeitschrift herausgegeben. Verantwortlich ist ein Mitglied des nordrheinwestf\u00e4lischen NPD-Landesvorstandes. In Nr. 16 hei\u00dft es u. a. \"2/3 unseres deutschen Volkes sind f\u00fcr Ausl\u00e4nder raus!\" - Deutschland den Deutschen - Besatzer raus! \" - \"Schlagt die Linken, wo ihr sie trefft!\". In Nr. 17 der Zeitschrift \"Klartext\" wird dazu aufgerufen, den \"nationalistischen Freiheitskampf\" zu unterst\u00fctzen und die \"Systembonzen zum Teufel\" zu schicken. Das Blatt fordert u. a. den \"totalen Widerstand\" gegen \"zivilen und milit\u00e4rischen Atomtod\" und den \"Kampf f\u00fcr das Selbstbestimmungsrecht unseres Volkes\". Im Laufe des Jahres wurden Exemplare der Schrift in verschiedenen St\u00e4dten des Landes - u. a. in Bielefeld, Ennepetal, Gevelsberg und Hagen - verteilt. 1.8.2 Nationalistische Front (NF) Am 16. November 1985 fand in Steinhagen eine Veranstaltung statt, an der ca. 50 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet teilnahmen. Es wurde die Gr\u00fcndung einer Partei mit dem Namen Nationalistische Front (NF) mit Sitz in Bielefeld beschlossen, der auf Bundesebene etwa 100 Personen angeh\u00f6ren d\u00fcrften. Die NF bezeichnet sich als die \"neue vereinigte Kraft aller revolution\u00e4ren Nationalisten in der BRD\". Sie fordert u. a. den \"totalen Abzug aller fremden Truppen aus Ostund Westdeutschland, den Abbau aller fremden Vernichtungswaffen in Deutschland, den Austritt aus allen B\u00fcndnissen, die gegen Freiheit und Selbstbestimmung unseres Volkes gerichtet sind\". Zum Parteivorsitzenden wurde ein Neonazi aus Freiburg und zum Generalsekret\u00e4r ein Mitglied des nordrhein-westf\u00e4lischen NPD-Landesvorstandes gew\u00e4hlt, das auch f\u00fcr die Zeitschrift \"Klartext\" verantwortlich zeichnet. 1.8.3 Kulturund Weltanschauungsvereinigungen Die Aktivit\u00e4ten der \u00fcbrigen rechtsextremistischen Gruppen, insbesondere der Kulturund Weltanschauungsvereinigungen, beschr\u00e4nkten sich auch 1985 in der Hauptsache auf die Durchf\u00fchrung interner Veranstaltungen und die Herausgabe ihrer Publikationen. Die Europ\u00e4ische Arbeiterpartei (EAP) konnte endg\u00fcltig auch in diesem Jahr keiner der traditionellen extremistischen Richtungen zugeordnet werden. Anh\u00e4nger dieser Partei fielen bei Durchf\u00fchrung von Informationsst\u00e4nden durch aggressives Verhalten gegen\u00fcber interessierten B\u00fcrgern auf. Bei der Landtagswahl erhielt die EAP 3.701 Stimmen (= 0,0 %). 1.8.4 Schmierund sonstige Aktionen 12","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 Aus einer Vielzahl von rechtsextremistischen Schmierereien und Bedrohungen mit rechtsextremistischm Hintergrund ist besonders ein anonymer Brieftext hervorzuheben, der sich mit den Feierlichkeiten aus Anla\u00df der \"Vernichtung Deutschlands\" auseinandersetzt. Er enth\u00e4lt extrem ausl\u00e4nderfeindliche und antisemitische Liedtexte, die u. a. \u00fcberschrieben sind mit \"Die Auschwitz-S\u00e4nger stellen vor den Holokotz-Vergasungschor. Ermittlungsverfahren wurden eingeleitet. Eine als NPD-Anh\u00e4nger bekannte Person bedrohte Mitte August 1985 in K\u00f6ln einen t\u00fcrkischen Staatsangeh\u00f6rigen und dessen Ehefrau nach t\u00e4tlichen Auseinandersetzungen mit einer Schreckschu\u00dfgaspistole. Bei seiner Festnahme \u00e4u\u00dferte er nazistische Parolen. 1.9 Rechtsextremisten im \u00f6ffentlichen Dienst Nach dem Stand vom 31. Dezember 1985 befanden sich unter den ca. 340 000 Besch\u00e4ftigten im \u00f6ffentlichen Dienst des Landes Nordrhein-Westfalen (ohne Vorbereitungsdienst) - soweit bekannt - 13 Angeh\u00f6rige rechtsextremistischer Organisationen. Sie verteilen sich auf die einzelnen Ressorts wie folgt: Die Zahl der erkannten Rechtsextremisten im \u00f6ffentlichen Dienst ist gegen\u00fcber 1984 unver\u00e4ndert geblieben. Durch Urteil vom 8. November 1985 hat die Disziplinarkammer des Verwaltungsgerichts M\u00fcnster gegen einen Lehrenden an einer Fachhochschule wegen seiner Aktivit\u00e4ten f\u00fcr die NPD auf Entfernung aus dem Dienst erkannt. Das Urteil ist noch nicht rechtskr\u00e4ftig. 13","KAMPFSCHRIFTDERHA DEUTSCHEN An enMENSCH, ANBETTENDER ag DEUTSCHE JUGENG In Deinar Hand ARBEITERPARTEI AUSLANDS -- UHD AUFBAU\u00d6RGAHISATIOH Prima un | EiretunTas Eurbistea,richtfieee an nnenae llama DasVierte Reich Narr cu Veen a WasWILLDASMELIEDEUTSCHLANG H = = er: ee | er | Miramar nonStaat,udemunsere Ua ee : 4 weicherautzahenkann teohland! RER 1 Ihrwerdenan gtarkos,Ireion undeinigenDow ee war heute rn snee na, ea ara a Wi wen, has ur DarBiken aa einsMarionfner Mans UNFERS\u00d6HNLICH! \"DurTin re kn Fink ALMSINDWIRRADIRAL,DARUMSINEWWF nn u (c) REINDREHEN a INS,K\u00c4MPFEAUTF\u00dcRERESNEn RISSE DEINLANDUMDF\u00dcRBere ee a en aan. aere in En nnu a massden im r\u00e4umen \"r ee Gag Aula Mm ne ee a ar ua ou 1a Fa ag u nr Far Damm Aa En ni a . a ud: en wel merrhlagmen Lam <> irn mn Minnie mm Teer nd ET","","","a ea, TROMMLER Ageil BEER: REP ERTL BLEEE ER ln Brachanberg Sa +10","DEUTSCHLANDWIR KOMMEN! = WJFEN ALTERNATIVE DER WITTRRRANGTZEN aTSTETat gatalien]gefilaeh hi: Ar Freier - Fe TE - fi","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 2 Linksextremismus 2.1 Entwicklungstendenz 1985 hat sich die Gesamtzahl der Mitglieder linksextremistischer Parteien und sonstiger Gruppierungen nur unwesentlich ver\u00e4ndert; sie liegt in NordrheinWestfalen bei etwa 20.000. Davon entfallen ca. 18.000 auf die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) sowie ihre Nebenund beeinflu\u00dften Organisationen, ca. 2.000 auf die Gruppierungen der sogenannten Neuen Linken. Die orthodox-kommunistische Szene war gekennzeichnet durch die anhaltenden Bem\u00fchungen der DKP, ihren Einflu\u00df auf Aktivit\u00e4ten und Kampagnen des demokratischen Spektrums zu vergr\u00f6\u00dfern. Sie arbeitete teils offen, teils verdeckt in zahlreichen Aktionsb\u00fcndnissen mit und versuchte, die Meinungsbildung in den entscheidenden Gremien im Sinne ihrer Zielsetzung zu beeinflussen. So verzichtete sie auf eine eigenst\u00e4ndige Kandidatur zur Landtagswahl im Mai 1985 und rief statt dessen zur Wahl der von ihr ma\u00dfgeblich unterst\u00fctzten Friedensliste auf. Im Zusammenhang mit den Aktivit\u00e4ten zum 40. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus begann sie eine breit angelegte Antifaschismuskampagne, die ihren H\u00f6hepunkt in einer Serie von Demonstrationen und Stellungnahmen zum Verlauf des Prozesses um die Ermordung Ernst Th\u00e4lmanns vor dem Landgericht in Krefeld fand. Weitere Schwerpunkte ihrer Aktivit\u00e4ten waren Versuche, auf die Aktionswoche des DGB im Oktober sowie auf die Informationswoche der Friedensbewegung im November 1985 Einflu\u00df zu nehmen. W\u00e4hrend sich im Jahr 1984 die Protestaktionen im wesentlichen gegen die Nachr\u00fcstung durch die NATO-Staaten richteten, stand nunmehr die sogenannte \" Militarisierung des Weltraums\" im Mittelpunkt. Die Nebenorganistionen der DKP: * Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) * Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB) * Junge Pioniere - Sozialistische Kinderorganisation (JP) haben ihren Kurs der Unterordnung unter den F\u00fchrungsanspruch der DKP beibehalten. Neben der bereits erw\u00e4hnten Friedensliste sind auch die folgenden Organisationen unter dem ma\u00dfgeblichen kommunistischen Einflu\u00df geblieben: * Deutsche Friedensunion (DFU) * Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) * Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK). Im Bereich der dogmatischen Neuen Linken konnte die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) als einzige Gruppierung ihre Stellung behaupten und 19","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 verzeichnet, insbesondere wegen ihrer Aktivit\u00e4ten anl\u00e4\u00dflich der Landtagswahl, einen Mitgliederzuwachs. Sie verf\u00fcgt in Nordrhein-Westfalen \u00fcber etwa 600 Mitglieder. Der unter konspirativen Bedingungen im September abgehaltene 2. Parteitag best\u00e4tigte den bisherigen Kurs der Parteif\u00fchrung. Als vorrangige Aufgaben hat sich die MLPD f\u00fcr 1986 eine weitere Steigerung der Mitgliederzahl sowie die Kaderschulung vorgenommen. Zu diesem Zweck soll in NordrheinWestfalen eine Parteischule errichtet werden. Die Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) (KPD) intensivierte ihre Bem\u00fchungen, durch Zusammenarbeit mit der trotzkistischen Gruppe Internationaler Marxisten (GIM), eine einheitliche Organisation der \"revolution\u00e4ren Sozialisten\" zu erreichen. Die hierdurch ausgel\u00f6sten innerparteilichen Auseinandersetzungen f\u00fchrten zur Abspaltung einer Fraktion von \"Marxisten-Leninisten\". Nachdem die KPD auf einem Sonderparteitag im November zur F\u00f6rderung der Vereinigungsbestrebungen mit der GIM ein neues Statut verabschiedete, beriefen die \"Marxisten-Leninisten\", die sich nunmehr als die \"wahre KPD\" betrachten, f\u00fcr den 27. bis 29. Dezember 1985 einen eigenen Parteitag ein, der die Fortsetzung der bisherigen Parteilinie unter Beibehaltung des Parteinamens beschlo\u00df. Die \u00fcbrigen Gruppierungen der dogmatischen Neuen Linken sind 1985 nur noch gelegentlich hervorgetreten. Sie nehmen im Gesamtspektrum des Linksextremismus auch wegen der weiter sinkenden Mitgliederzahlen keine bedeutsame Stellung mehr ein. Neben den orthodoxen Kommunisten unter F\u00fchrung der DKP und den Organisationen der dogmatischen Neuen Linken bet\u00e4tigen sich in NordrheinWestfalen weiterhin Linksextremisten, die ihre politischen Vorstellungen und Aktivit\u00e4ten dem dogmatischen Marxismus-Leninismus nicht unterwerfen (undogmatische Neue Linke). Sie sind in zahlreichen Klein-Gruppen organisiert oder beteiligen sich als Einzelne an aktuellen Kampagnen. Hervorzuhebende Bedeutung haben sie jedoch in ihrer Gesamtheit weiterhin nicht erlangt. Die Versuche des gesamten linksextremistischen Bereiches, auf die Friedensbewegung entscheidenden Einflu\u00df zu nehmen, sind auch 1985 gescheitert. Dabei darf jedoch der z. T. starke organisatorische Einflu\u00df auf Einzelaktionen und lokale Gruppen der Friedensbewegung nicht verkannt werden. 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Ziele Die DKP vertritt den orthodoxen, d. h. den sowjetisch orientierten Kommunismus. Sie befolgt ohne Abweichung die ihr sowohl von der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) als auch von der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) auferlegte politische und ideologische Linie, wobei sie sich als einzige revolution\u00e4re Arbeiterpartei in der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet. Auf der Grundlage der marxistisch-leninistischen Theorien will sie ihre Vorstellungen f\u00fcr eine sozialistische Bundesrepublik entwickeln. Die DKP sieht ausschlie\u00dflich in der wirtschaftlichen, politischen und milit\u00e4rischen St\u00e4rke der Sowjetunion und der \u00fcbrigen sozialistischen L\u00e4nder eine Friedensgarantie. Mit der DDR f\u00fchlt sie sich durch \"gemeinsame Geschichte und Tradition \" besonders eng verbunden. Die DKP m\u00f6chte das Gesellschaftssystem 20","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 der DDR auf die Bundesrepublik Deutschland umsetzen. Wenngleich sie sich hierbei zur \"revolution\u00e4ren Gewalt\" als Mittel zu einer solchen Ver\u00e4nderung bekennt, will sie diesen Weg \"auf dem Boden des Grundgesetzes\" erreichen. Die verfassungsfeindliche Zielsetzung der DKP wurde wiederholt durch h\u00f6chstrichterliche Rechtsprechung festgestellt. Parteiorganisation Die DKP verf\u00fcgt im Verh\u00e4ltnis zu ihrer Mitgliederzahl \u00fcber einen gro\u00dfen und gut ausgebauten Parteiapparat. Gegen\u00fcber den Vorjahren wurde eine leichte Erh\u00f6hung des hauptamtlichen Mitarbeiterstammes festgestellt. Grunds\u00e4tzlich werden jeweils festgelegten Aufgaben hierzu nur besonders zuverl\u00e4ssige Funktion\u00e4re ausgew\u00e4hlt. Der Parteivorstand mit Hauptsitz in D\u00fcsseldorf und Nebensitz in Bonn besch\u00e4ftigt weit mehr als 100 Mitarbeiter. Er leitet 12 Bezirksorganisationen im Bundesgebiet an, darunter in Nordrhein-Westfalen die Bezirksorganisationen Ruhr-Westfalen und Rheinland-Westfalen, bei denen - ohne Schreibund Hilfskr\u00e4fte - mindestens je weitere 30 Funktion\u00e4re in gehobenen Stellungen t\u00e4tig sind. Von den 42 Kreisorganisationen in Nordrhein-Westfalen werden als sogenannte Grundeinheiten etwa 300 Orts-, Stadtteilund Wohngebietsgruppen angeleitet, dar\u00fcber hinaus etwa 130 Betriebsund Hochschulgruppen. Finanzierung Die von der DKP in ihren j\u00e4hrlichen Rechenschaftsberichten angegebenen Einnahmen in H\u00f6he von zuletzt etwa 18 Millionen Mark reichen nicht aus, um den aufwendigen Parteiapparat zu finanzieren, Die im Jahre 1985 erneut vergr\u00f6\u00dferte Zahl der hauptamtlichen Mitarbeiter, die Unterhaltung der zahlreichen Parteib\u00fcros und Schulungsst\u00e4tten, die Reiset\u00e4tigkeit der Funktion\u00e4re, die Herausgabe von vielf\u00e4ltigen Zeitschriften und Brosch\u00fcren sowie die zahlreichen Agitationseins\u00e4tze verursachten Kosten, die erheblich \u00fcber diesem Betrag liegen. Es gibt erneut Anhaltspunkte daf\u00fcr, da\u00df die DKP wieder Finanzzuwendungen in H\u00f6he von weit mehr als 60 Millionen DM aus der DDR erhalten hat. Publikationen Wichtigstes Propagandainstrument der DKP ist das Zentralorgan \"Unsere Zeit\" (UZ). Es erscheint t\u00e4glich in einer Auflage von ca. 25.000, die Wochenendausgabe in etwa 50.000 Exemplaren. Daneben werden regelm\u00e4\u00dfig als wichtigste \u00fcberregionale Schriften der \" DKP-Pressedienst\", die \"Marxistischen Bl\u00e4tter\", die \"Nachrichten\" (f\u00fcr Gewerkschaftsangeh\u00f6rige), der \"Infodienst\" (f\u00fcr DKP-Betriebs-, Wohngebietsund Hochschulzeitungen), die deutschsprachige Ausgabe der internationalen Zeitschrift \" Probleme des Friedens und des Sozialismus\", die Brosch\u00fcre \"Praxis\" (f\u00fcr die Parteiarbeit) und - unregelm\u00e4\u00dfig - die \" Landrevue\" (f\u00fcr die Landbev\u00f6lkerung) herausgegeben. Eine besondere Rolle nehmen die Betriebs-, Wohngebietsund Stadtteilzeitungen ein. 1985 konnten in Nordrhein-Westfalen ca. 140 Betriebsund Hochschulzeitungen sowie ca. 130 Kreisund Stadtteilzeitungen erfa\u00dft werden, die teilweise eine Auflage bis zu 10.000 Exemplaren erreichten. Die Schriften sind fast ausnahmslos in der \" Hausdruckerei \" der DKP, Plambeck &Co. in Neuss, hergestellt worden. Dort sind ca. 350 Personen besch\u00e4ftigt. Betriebsarbeit 21","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 Die Betriebsarbeit nimmt f\u00fcr die DKP nach wie vor einen besonderen Stellenwert ein. In diesem Bereich tritt sie durch systematisch geplante Aktivit\u00e4ten hervor. Aus kommunistischer Sicht ist die Agitation in Betrieben besonders geeignet, den Arbeitern die \"Unvers\u00f6hnlichkeit ihrer Klasseninteressen\" mit denen des \"Kapitalismus\" bewu\u00dft zu machen. Die DKP konzentriert sich dabei vor allem auf Gro\u00dfbetriebe, die f\u00fcr sie die Zentren der \u00f6konomischen Macht des Industrie-, Bankund Finanzkapitals und zugleich \"Konzentrationspunkt der Arbeiterklasse und des Klassenkampfes\" sind. Tr\u00e4ger der Betriebsarbeit sind vorrangig die Betriebsgruppen, die nach dem Parteistatut wichtigsten Grundorganisationen der Partei. Ihr weiterer systematischer Aufund Ausbau sowie die Herausgabe von Betriebszeitungen, in denen vornehmlich auf vermeintliche Mi\u00dfst\u00e4nde hingewiesen und der Standpunkt der Partei hierzu verdeutlicht wird, soll daher forciert werden. Die Zahl der Betriebsgruppen hat sich zwar in einzelnen Bereichen geringf\u00fcgig erh\u00f6ht, insgesamt konnte jedoch die Zielvorgabe, in den Betrieben gr\u00f6\u00dferen Einflu\u00df zu gewinnen und die Betriebsarbeit zu intensivieren, nicht erreicht werden. \"Betriebsaktive\" sind vereinzelt dort geschaffen worden, wo nach dem Parteistatut die Voraussetzungen f\u00fcr die Gr\u00fcndung einer Betriebsgruppe noch nicht gegeben sind. Ihre Aufgabe besteht darin, DKP-Mitglieder in Betriebsr\u00e4ten und gewerkschaftlichen Vertrauensk\u00f6rpern zu unterst\u00fctzen und in Betriebsund Gewerkschaftsversammlungen den Standpunkt der Arbeiterklasse \u00fcberzeugend zu vertreten. Unter dieser Zielsetzung war die Betriebsarbeit auch 1985 gekennzeichnet von dem Bem\u00fchen um Erweiterung des Einflusses in der Arbeiterklasse. Auf \u00fcber\u00f6rtlicher Ebene f\u00fchrte die Partei im Bereich der Betriebsarbeit zwei Gro\u00dfveranstaltungen durch: - Am 30. M\u00e4rz 1985 fand in Duisburg-Hamborn ein Stahlarbeiterseminar der DKP statt. In seinem Referat trat ein Mitglied des Pr\u00e4sidiums der DKP aus Essen f\u00fcr eine an den nationalen und sozialen Interessen orientierte Stahlpolitik ein. Dies erfordere ver\u00e4nderte Eigentumsverh\u00e4ltnisse durch Verstaatlichung dieses Wirtschaftszweiges bei \"demokratischer Kontrolle\". - Am 5. Oktober 1985 f\u00fchrte die DKP in der Stadthalle K\u00f6ln-M\u00fclheim einen Arbeiterkongre\u00df gegen Sozialabbau und neue Armut\" durch. Der Kongre\u00df, der von ca. 700 Teilnehmern - aus verschiedenen Gruppierungen - besucht wurde, stand unter dem Motto: \"Statt Weltraumwaffen - Arbeitspl\u00e4tze schaffen\". Das zuvor erw\u00e4hnte DKP-Pr\u00e4sidiumsmitglied referierte \u00fcber angebliche Zusammenh\u00e4nge zwischen Weltraummilitarisierung, Arbeitslosigkeit und neuer Armut. Erforderte u. a. ein staatliches Besch\u00e4ftigungsprogramm. Schulung Die DKP unterh\u00e4lt ein umfangreiches System von Schulungseinrichtungen, um ihre Funktion\u00e4re und Mitglieder in den Lehren von Marx, Engels und Lenin so zu unterweisen, da\u00df sie den \"versch\u00e4rften ideologischen Kampf\" erfolgreich bestehen k\u00f6nnen. Einen wesentlichen Beitrag im Rahmen dieses Systems leistet die parteieigene \" Karl-Liebknecht-Schule\" in Leverkusen. Dort fanden im Jahre 1985 ca. 40 22","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 einw\u00f6chige Lehrg\u00e4nge zur Einf\u00fchrung in die Marxistisch-Leninistische Ideologie statt. Gegenstand der Schulungsveranstaltungen waren u. a. die Themen - \"Manifest der Kommunistischen Partei\" - \"Lohn-Preis-Profit\" - \"Die wissenschaftlich-technische Revolution und die Aufgaben der Arbeiterklasse\" - \"Kommunistische Weltbewegung - Entwicklung und Probleme\". Sogenannte Betriebsarbeiterschulen in Dortmund, D\u00fcsseldorf, Essen, K\u00f6ln und Wuppertal bilden DKP-Mitglieder nicht nur ideologisch, sondern bereiten sie auch auf wichtige Funktionen in Betrieben und Gewerkschaften vor. Der DKP stehen dar\u00fcber hinaus f\u00fcr die Schulung folgende Einrichtungen zur Verf\u00fcgung: * Institut f\u00fcr Marxistische Studien und Forschungen e.V. in Frankfurt/Main * Marxistische Arbeiterbildung (MAB) in Wuppertal als Dachverband der lokalen MAB-Bildungsgruppen und der Marxistischen Abendschulen * Institut f\u00fcr Gesellschaftswissenschaften beim ZK der KPdSU in Moskau * SED-Parteischule \"Franz-Mehring\" in Ost-Berlin und * Verein Marx-Engels-Stiftung e.V. im Marx-Engels-Zentrum in Wuppertal. Schwerpunkte der Parteiarbeit Vorbereitung des 8. Parteitages Der Parteivorstand der DKP beschlo\u00df auf seiner 5. Tagung am 23./24. M\u00e4rz 1985, den 8. Parteitag vom 2. bis 4. Mai 1986 anl\u00e4\u00dflich des 100. Geburtstages von Ernst Th\u00e4lmann nach Hamburg einzuberufen. Die Vorbereitung des Parteitages steht unter der Losung: \"Die Rechtsentwicklung stoppen - Abr\u00fcstung, Arbeitspl\u00e4tze, soziale Rechte erk\u00e4mpfen - die DKP st\u00e4rken! \"Gleichzeitig verst\u00e4rkte der Parteivorstand die zentralen F\u00fchrungsgremien, indem er vier neue Mitglieder des Pr\u00e4sidiums und zwei neue Mitglieder des Sekretariats des Parteivorstandes w\u00e4hlte. Auf der 6. Tagung des Parteivorstandes am 8./ 9. Juni 1985 wurde der Entwurf eines neuen politisch-ideologischen Dokuments, der \"Thesen zum 8. Parteitag der DKP\", verabschiedet. In dem Dokument werden Fragen der Friedens-, Au\u00dfen-, Wirtschafts-, Umwelt-, B\u00fcndnisund Medienpolitik sowie innerparteiliche Probleme behandelt. Die Thesen sollen kein Ersatz f\u00fcr das Programm der DKP sein; die Partei will vielmehr auf der Grundlage der Thesen \"Ver\u00e4nderungen und neue Fragen\" einsch\u00e4tzen. 23","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 In Parteiversammlungen sollen den Mitgliedern die Thesen n\u00e4her gebracht und von diesen ausf\u00fchrlich diskutiert werden. Nach dem bisherigen Verlauf ist das Interesse an der Diskussion in weiten Teilen der Partei sehr gering. Durch regelm\u00e4\u00dfige Beitr\u00e4ge in der UZ soll die Diskussion bis zum Parteitag gef\u00f6rdert werden. DKPVertretung in Bonn Am 5. September 1985 er\u00f6ffnete die DKP in Bonn eine Vertretung des Parteivorstandes. Die \" kompetente und autorisierte Vertretung des DIKPParteivorstandes\" wird von einem hochrangigen Funktion\u00e4r geleitet und umfa\u00dft die Bereiche: - Internationale Abteilung - \"B\u00fcndnispartner\" - Bundesund Landtagswahlen - Beobachtung und Analyse der Bonner Parteien. Die Vertretung soll den Parteivorstand in Bonn insbesondere im Verh\u00e4ltnis zu den im Bundestag vertretenen Parteien sowie sonstigen Pers\u00f6nlichkeiten des demokratischen Spektrums repr\u00e4sentieren. Weiterhin sollen Standpunkte, Vorschl\u00e4ge und Initiativen der DKP in der Bundesrepublik Deutschland st\u00e4rker zur Kenntnis gebracht werden. Aufbau einer \"Ordnertruppe\" In j\u00fcngster Zeit sind verst\u00e4rkte Bem\u00fchungen der DKP zu beobachten, eine \"Ordnertruppe\" aufzubauen. Ihre Aufgabe soll der Schutz von Personen, Objekten und Veranstaltungen sein. Dar\u00fcber hinaus ist auch an den Einsatz zur Enttarnung von Aktivit\u00e4ten der Sicherheitsbeh\u00f6rden gedacht. Die Planungen sehen vor, die \"Ordnertruppe\" aus jungen und ideologisch gefestigten Parteimitgliedern zu bilden. Mitgliederwerbung Die DKP hat f\u00fcr die Zeit vom 1. September 1985 bis zum 16. April 1986 (100. Geburtstag des fr\u00fcheren KPD-Vorsitzenden Ernst Th\u00e4lmann) Ma\u00dfnahmen zur verst\u00e4rkten Mitgliedergewinnung beschlossen. Unter der Bezeichnung \"ErnstTh\u00e4lmann-Aufgebot\" findet ein Mitgliederwettbewerb statt, dem sich alle Gliederungen der DKP bis zur Bezirksebene stellen. Er wurde am 17. August 1985 in Hamburg mit einer Kundgebung vordem ehemaligen Wohnhaus Ernst Th\u00e4lmanns eingeleitet. Der Parteivorsitzende Herbert MIES forderte, alle Anstrengungen zur Gewinnung neuer Parteimitglieder zu unternehmen. Die DKP-Bezirksorganisationen Ruhr-Westfalen und Rheinland-Westfalen haben sogenannte Ma\u00dfnahmepl\u00e4ne zur Gewinnung neuer Mitglieder mit dem Ziel verabschiedet, die Zahl der Mitglieder bis zum 16. April 1986 um insgesamt 20 % zu erh\u00f6hen. Auf der Bundeskonferenz der DKP-Kreisvorsitzenden am 15. September 1985 in Hannover haben die erfolgreichsten Kreisorganisationen Th\u00e4lmann-Banner als 24","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 Wanderfahnen erhalten. Aus Nordrhein-Westfalen wurden die Kreisorganisationen Recklinghausen und Wuppertal ausgezeichnet. Den DKP-Bezirksorganisationen Ruhr-Westfalen und Rheinland-Westfalen ist es bei ihrer Werbekampagne gelungen, neue Mitglieder zu gewinnen; die Gesamtmitgliederzahl hat sich allerdings infolge von Austritten nur unwesentlich ver\u00e4ndert, Delegationen aus NordrheinWestfalen in die DDR Die DKP-Bezirksorganisationen Ruhr-Westfalen und Rheinland-Westfalen entsandten im Jahre 1985 ca. 50 Delegationen in die DDR. Es handelte sich hierbei vorwiegend um Delegationen mit neuen Mitgliedern sowie Mitgliedern und Funktion\u00e4ren aus Stadtteilund Betriebsgruppen. Sie umfa\u00dften in der Regel nicht mehr als ca. 15 Personen. Die Reisen fanden auf Einladung der SEDBezirksleitungen Halle, Leipzig und Karl-Marx-Stadt statt. Der Aufenthalt in der DDR diente der Werbung f\u00fcr den realen Sozialismus\" Zentrale Veranstaltungen - Die DKP er\u00f6ffnete die sogenannte Woche der DKP und damit ihre \"massenpolitische Arbeit\" f\u00fcr das Jahr 1985 mit dem traditionellen LeninLiebknecht-Luxemburg-Treffen (LLL-Treffen) am 19. Januar in Velbert unter der Losung \"Abr\u00fcstungsverhandlungen jetzt! Arbeitspl\u00e4tze statt Raketen! R\u00fcstungsstopp statt Sozialabbau, Solidarit\u00e4t und eine starke DKP\". Hieran nahmen ca. 400 - 500 DKP-Mitglieder und ausl\u00e4ndische G\u00e4ste teil, u. a. Delegationen der KPdSU und der SED. - Anl\u00e4\u00dflich des Internationalen Frauentages am 8. M\u00e4rz 1985 trat die DKP unter der Losung f\u00fcr Frieden, Arbeit, Gleichberechtigung\" mit zahlreichen politischen Aktionen in Erscheinung. Es wurden Informationsst\u00e4nde errichtet, Flugbl\u00e4tter verbreitet, rote Nelken verteilt sowie auf Kreis-, Ortsund Stadtteilebene Veranstaltungen, zum Teil unter Mitwirkung von K\u00fcnstlern, durchgef\u00fchrt. DKP-Gruppen im Ruhrgebiet hatten zwei Bergarbeiterfrauen aus Gro\u00dfbritannien zum Internationalen Frauentag als G\u00e4ste geladen und ihnen zu Gunsten notleidender britischer Bergarbeiterfamilien Spenden \u00fcberreicht. - Die DKP-Bezirksorganisation Ruhr-Westfalen veranstaltete am 6. Juni 1985 in Essen-Altendorf den sogenannten Tag des Gruppenvorsitzenden. An der Konferenz nahmen ca. 400 Personen teil. Gegenstand der Beratung waren die Themen - Entwicklung der Betriebsgruppen - Gr\u00fcndung neuer Betriebsgruppen auf Grundlage sogenannter Betriebsaktive - Jugendkampagne - Jugendpolitik der DKP - Rolle der Grundorganisation als Lebenszelle der Partei - Ernst Th\u00e4lmann-Aufgebot (Mitgliederund \"UZ\"-Werbung). 25","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 - Die DKP-Bezirksorganisation Rheinland-Westfalen hielt am 1. November 1985 in W\u00fclfrath den Tag des Gruppenvorsitzenden ab. Die Teilnehmer behandelten die Themen - Im Kampf f\u00fcr den Frieden die DKP st\u00e4rken - Die DKP im Kampf gegen Massenarbeitslosigkeit und neue Armut st\u00e4rken - Im Kampf f\u00fcr die Interessen im Arbeiterwohngebiet die DKP st\u00e4rken - Im Kampf f\u00fcr die Rechte der Jugend die DKP st\u00e4rken - Im Kampf f\u00fcr die Rechte der Frauen die DKP st\u00e4rken. - Die DKP-Bezirksorganisation Ruhr-Westfalen trat auf einem am 8. September 1985 in Bottrop veranstalteten sogenannten Frauenfestival mit Sympathisanten in einen politischen Meinungsaustausch. Sie konnte durch ein kulturelles Beiprogramm die \u00d6ffentlichkeit auf sich aufmerksam machen. Die Veranstaltung wurde von ca. 1.000 Personen besucht. - Die DKP-Bezirksorganisation Ruhr-Westfalen hielt am 28. September 1985 in Bottrop eine \"kommunalpolitische Konferenz\" mit Funktion\u00e4ren der Kreisebene ab. Die etwa 200 Teilnehmer suchten nach Wegen f\u00fcr neue Impulse auf dem Gebiete kommunistischer Kommunalpolitik. - Die DKP veranstaltete bundesweit vom 4. November bis 16. November 1985 eine sogenannte Woche des realen Sozialismus unter dem Motto \"Aus der Neuen Welt - Die Sowjetunion heute\". Der Parteivorstand der DKP erkl\u00e4rte hierzu auf einer Pressekonferenz am 30. Oktober 1985 in Bonn, da\u00df in mehr als 100 Veranstaltungen in allen Bundesl\u00e4ndern \u00fcber 50 zum Teil hochrangige Politiker, Juristen, Schauspieler, Vertreter von Jugendund Frauenverb\u00e4nden aus der Sowjetunion \u00fcber die Au\u00dfenund Innenpolitik der UdSSR sprechen w\u00fcrden. Die DKP-Bezirksorganisation Ruhr-Westfalen und Rheinland-Westfalen haben im Rahmen dieser Woche Begegnungen mit bedeutenden Pers\u00f6nlichkeiten aus der Sowjetunion in einer Reihe nordrhein-westf\u00e4lischer Gro\u00dfst\u00e4dte durchgef\u00fchrt. Eine bemerkenswerte Resonanz hat die Propagandakampagne in der Bev\u00f6lkerung nicht gefunden. 2.3 DKP-orientierte Jugendund Studentenorganisationen 2.3.1 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Die SDAJ ist mit ca. 15.000 Mitgliedern (Nordrhein-Westfalen: ca. 4.600) weiterhin die st\u00e4rkste orthodox-kommunistische Jugendorganisation. In der Zeit vom 24. bis 27. Mai 1985 fanden in Ahlen, Bottrop, Duisburg-Wedau, Remscheid-Bergisch-Born und Siegen - teilweise gemeinsame - Pfingstcamps der SDAJ und der JP statt. Neben Kulturund Sportveranstaltungen standen \"Soldatentreffs\", Diskussionsrunden und \"Arbeiterjugendtribunale\" zu den Themen Frieden und Antimilitarismus, Arbeitslosigkeit und internationale Solidarit\u00e4t auf der 26","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 Tagesordnung. Einzelne Pfingstcamps wurden von Abordnungen der Freien Deutschen Jugend der DDR und Nicaragua-Brigaden besucht. Im Oktober startete die SDAJ eine neue \" Festivalstafette\" zur Gewinnung von Mitgliedern unter dem Motto: \"Machen wir die SDAJ stark - Auf zum 5. Festival der Jugend\". Die Stafette wird Pfingsten 1986 auf dem \"Festival der Jugend\" enden. 2.3.2 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB) Der MSB setzte mit seinen ca. 6.000 Mitgliedern (in Nordrhein-Westfalen ca. 1400) auch 1985 seine Aktivit\u00e4ten an den Hochschulen fort und vertiefte die \"Aktionseinheit\" mit seinem langj\u00e4hrigen B\u00fcndnispartner, dem Sozialistischen Hochschulbund (SHB). Im Mittelpunkt der Aktivit\u00e4ten standen u. a. die Friedensarbeit und die Unterst\u00fctzung der (studentischen) Frauenbewegung an den Hochschulen. Die Erwartungen auf eine breite Mobilisierung der Studenten wurden nicht erf\u00fcllt. Der 9. Bundeskongre\u00df des MSB am 5. Und 6. Oktober 1985 in Bochum stand unter dem Motto: \"Gemeinsam f\u00fcr die Zukunft! An unseren Hochschulen: Nein zu Star Wars - Schlu\u00df mit der Wende - Mach mit im MSB Spartakus!\" Es wurde eine noch engere Zusammenarbeit des MSB mit DKP, SDAJ und JP gefordert. Thomas HARMS aus Bonn wurde im neu gew\u00e4hlten 87k\u00f6pfigen Bundesvorstand zum neuen Bundesvorsitzenden bestellt Zeitgleich mit dem MSB-Kongre\u00df tagte in Bielefeld die 26. ordentliche Bundesdelegiertenversammlung des SHB unter dem Thema: \"Entscheide Dich f\u00fcr unsere Zukunft - gegen Weltraumr\u00fcstung und Erstschlagswaffen - Gegen Rechtsregierung und Hochschulformierung - K\u00e4mpf f\u00fcr's Leben - im SHB!\" 2.3.3 Junge Pioniere (JP) Die Sozialistische Kinderorganisation Junge Pioniere (JP) schlie\u00dft mit ca. 4.000 Mitgliedern (Nordrhein-Westfalen: ca. 1.500) den Kreis der orthodoxkommunistischen Jugendund Studentenorganisationen. Am 27. Januar 1985 fand in Essen die 4. Landeskonferenz der JP Ruhr-Westfalen statt. Der bisherige Landesvorsitzende wurde wiedergew\u00e4hlt. Der 5. Bundeskongre\u00df der JP am 2./3. M\u00e4rz 1985 in Dortmund stand unter dem Motto \"Hand in Hand mit den Kindern, f\u00fcr Frieden, gegen Kinderfeindlichkeit\". Laut dem Rechenschaftsbericht soll das Ziel, 500 neue JP-Gruppen zu gr\u00fcnden, nahezu erreicht worden sein. Die diesj\u00e4hrige Kinderferienaktion, die die DKP zusammen mit den JP in der Zeit vom 7. bis 23. Juli 1985 durchf\u00fchrte, stand erneut unter dem Leitwort \"Hallo, wir fahren in ein kinderfreundliches Land\". In dem Werbematerial wurde vordergr\u00fcndig neben dem niedrigen Preis (135,DM) besonders der Erlebnischarakter der Lager herausgestellt. Die Teilnehmerzahlen sind r\u00fcckl\u00e4ufig; die an die Aktion gekn\u00fcpften 27","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 Erwartungen (Mitgliederzuwachs, politische Indoktrination der Kinder pp.) wurden nicht erf\u00fcllt. 2.4 DKP-beeinflu\u00dfte Organisationen Die DKP wird bei ihren politischen Kampagnen auch von Organisationen unterst\u00fctzt, die nach au\u00dfen als unabh\u00e4ngig erscheinen und nicht extremistisch auftreten, tats\u00e4chlich jedoch stark von der Partei beeinflu\u00dft sind. Die Mehrheit ihrer Mitglieder ist nicht kommunistisch, in der Regel sind jedoch die entscheidenden Positionen mit Funktion\u00e4ren besetzt, die die politische Arbeit im Sinne bestimmter Vorstellungen der DKP lenken k\u00f6nnen, 2.4.1 Deutsche Friedens-Union (DFU) Die DFU wurde 1960 in Stuttgart unter Beteiligung der illegalen KPD sowie unter Anleitung der SED gegr\u00fcndet. Ihr Sitz ist K\u00f6ln. Sie hat bundesweit ca. 1.000 (Nordrhein-Westfalen ca. 400) Mitglieder. Die DFU hat sich von Anfang an als eine der aktivsten und zuverl\u00e4ssigsten Hilfsorganisationen der orthodoxen Kommunisten erwiesen. Am 20. und 21. April 1985 fand in Bremen der 11. ordentliche Unionstag der DFU unter dem Motto: \"Nach 40 Jahren: Nie wieder Krieg! Unsere Zukunft: Abr\u00fcstung, friedliche Koexistenz und Demokratie\" statt. Unter den ca. 500 Teilnehmern, darunter 211 Delegierte, befanden sich zahlreiche Teilnehmer aus Nordrhein-Westfalen. Die Delegierten verabschiedeten neue \"politische Leits\u00e4tze der DFU\" sowie eine \"Bremer Erkl\u00e4rung\". In ihnen wird gefordert, \"sich der globalen Vorherrschaft der US-Regierung zu verweigern und zu widersetzen und friedliche, gleichberechtigte Beziehungen zu allen V\u00f6lkern zu unterhalten, dem Abbau demokratischer Rechte und Freiheiten entgegenzuwirken und die Ausbreitung reaktion\u00e4rer Ideologien, insbesondere den Antikommunismus zu bek\u00e4mpfen.\" Auf der XII. Landesdelegiertenkonferenz des DFU-Landesverbandes NordrheinWestfalen am 2. Februar 1985 in Essen wurde die besonders enge Verkn\u00fcpfung mit dem Wahlb\u00fcndnis \"Die Friedensliste\" betont, an deren Gr\u00fcndung die DFU ma\u00dfgeblich, beteiligt war. 2.4.2 Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) Das 1974 unter Beteiligung der DKP gegr\u00fcndete KFAZ mit seinem unter DKPEinflu\u00df stehenden \" B\u00fcro\" in K\u00f6ln ist weiterhin ein wichtiges Instrument kommunistischer B\u00fcndnispolitik. Es unterst\u00fctzt insbesondere die DKP-Aktivit\u00e4ten, die auf den Versuch der Einflu\u00dfnahme in der Friedensbewegung gerichtet sind. Eigene, auf Nordrhein-Westfalen beschr\u00e4nkte Veranstaltungen des KFAZ sind 1985 nicht durchgef\u00fchrt worden. 28","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 2.4.3 Die Friedensliste Die Friedensliste konstituierte sich 1984 als Personenund Wahlb\u00fcndnis. Initiatoren waren u. a. die DKP und die DFU, die auch in den F\u00fchrungsgremien auf Bundesund Landesebene vertreten sind. Zur Vorbereitung auf die Landtagswahl f\u00fchrte die von der DKP ma\u00dfgeblich unterst\u00fctzte \"Friedensliste NRW\" am 3. Februar 1985 in D\u00fcsseldorf mit ca. 600 Teilnehmern ihren Wahlkongre\u00df durch. Es wurden 86 Kandidaten f\u00fcr die Landesliste gew\u00e4hlt, von denen ca. 75 % der DKP bzw. den von ihr beeinflu\u00dften Organisationen angeh\u00f6rten. Trotz aller Bem\u00fchungen konnte das Ergebnis der Europawahl (95 405 Stimmen = 1,3 %) nicht wieder erzielt werden. Die Friedensliste erreichte nur insgesamt 61818 Stimmen (= 0,7 %), Damit verfehlte sie ihr erkl\u00e4rtes Ziel, das Ergebnis der Europawahl 1984 zumindest zu halten. Einer der Sprecher der \"Friedensliste\", Mitglied des Parteivorstandes der DKP, \u00e4u\u00dferte im Zentralorgan der DKP \"UZ\" vom 17. Mai 1985 zum Wahlergebnis: \"Wir stehen nat\u00fcrlich in der Friedensliste,... erst am Anfang der Diskussion \u00fcber die Auswertung des Wahlergebnisses. Es gibt durchaus unterschiedliche Reaktionen, Niemand ist richtig zufrieden. Viele sind entt\u00e4uscht, weil wir doch h\u00f6here Erwartungen hatten ... . Insgesamt sind jedoch alle die mir bisher bekannt sind, der Meinung, da\u00df es weiterhin eines Wahlb\u00fcndnisses bedarf, da\u00df das Thema Frieden an die richtige Stelle r\u00fcckt und die Zusammenarbeit aller demokratischen Kr\u00e4fte f\u00f6rdert. Also ein Wahlb\u00fcndnis, wie es mit der Friedensliste das erste Mal angetreten ist.\" Auf der dritten Mitgliederversammlung der \"Friedensliste\" am 1. und 2. Juli 1985 in Bonn wurden 37 Personen in den Bundesvorstand gew\u00e4hlt, davon waren mehr als die H\u00e4lfte Mitglieder der DKP oder von DKP-beeinflu\u00dften Organisationen. \u00dcber die Form der Weiterarbeit der \"Friedensliste\" - insbesondere \u00fcber die Beteiligung an den kommenden Wahlen -soll 1986 endg\u00fcltig entschieden werden. 2.4.4 Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) Die DFG-VK entstand 1974 mit Unterst\u00fctzung der DKP aus dem Zusammenschlu\u00df von Organisationen der Kriegsdienstgegner. Sitz der Bundesgesch\u00e4ftsstelle ist Velbert. Die Landesgesch\u00e4ftsstelle befindet sich in Dortmund. Nach eigenen Angaben sind in der DFG-VK ca. 13.000 (NordrheinWestfalen: ca. 4 500) Mitglieder organisiert. Auf ihrer 5. Bundeskonferenz vom 1. bis 3. M\u00e4rz 1985 in Hiltrup nahm die DFG-VK zur \"Verbesserung der Bew\u00e4ltigung der gewachsenen Verbandsaufgaben\" eine Umstrukturierung der Verbandsspitze vor. Sie verzichtete auf einen zweiten Bundesvorsitzenden und richtete daf\u00fcr zus\u00e4tzlich die Stelle eines Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrers ein. Von den 22 Mitgliedern des Bundesvorstandes geh\u00f6ren vier der DKP an, darunter auch der Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer. Eigene gr\u00f6\u00dfere Aktionen der DFG-VK sind 1985 nicht bekanntgeworden. 29","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 2.5 B\u00fcndnispolitik Die DKP und die von ihr beeinflu\u00dften Organisationen waren im Rahmen ihrer b\u00fcndnispolitischen Zielvorstellung auch 1985 bem\u00fcht, ihre Einflu\u00dfnahme auf nichtkommunistische Gruppierungen zu verst\u00e4rken: - Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang ihr Einflu\u00df auf die Organisation und Durchf\u00fchrung der diesj\u00e4hrigen Aktionen anl\u00e4\u00dflich des \"Ostermarsch Rheinland '85\" in K\u00f6ln. DKP-Funktion\u00e4re und -Sympathisanten wirkten ma\u00dfgeblich auf die inhaltlichen Aussagen der offiziellen Aufrufe ein, indem sie die Versammlungen, auf denen diese verabschiedet wurden, mehrheitlich beeinflu\u00dften, zeichneten teilweise als Verantwortliche f\u00fcr die Aufrufe und meldeten zum gro\u00dfen Teil die jeweiligen Aufz\u00fcge an - beim \"Ostermarsch Ruhr '85\" stellten sie sogar den verantwortlichen Leiter -. Die Mehrzahl der an den jeweiligen Abschlu\u00dfkundgebungen Teilnehmenden, in Dortmund zwischen 15.000 und 20.000 Personen und in K\u00f6ln 8.000 bis 9.000 Personen, geh\u00f6rten jedoch demokratischen Gruppierungen an. Die Veranstaltungen verliefen st\u00f6rungsfrei. - Das \u00f6ffentliche Auftreten rechtsextremistischer, insbesondere neonazistischer Kr\u00e4fte hat 1985 auch in Nordrhein-Westfalen vermehrt zu Reaktionen gef\u00fchrt, die sich in Gegendemonstrationen oder der Bildung \u00f6rtlicher \"antifaschistischer\" Initiativen \u00e4u\u00dferten. - Unter der \u00dcberschrift \"Zum 40. Jahrestag der Befreiung und des Friedens am 8. Mai 1985\" wurde bundesweit zu einer antifaschistischen Woche aufgerufen. Den Auftakt f\u00fcr diese Veranstaltungswoche bildete am 4. Mai 1985 eine regionale Gro\u00dfdemonstration in K\u00f6ln. Zum Tr\u00e4gerkreis geh\u00f6rten u. a. die DKP und die SDAJ. Einer der Redner war der DKP-Vorsitzende Herbert MIES. Bei st\u00f6rungsfreiem Verlauf nahmen ca. 6 500 Personen an der Kundgebung teil. Anl\u00e4\u00dflich der Er\u00f6ffnung eines \"B\u00fcros\" der FAP kam es am 23. August 1985 und in der Folgezeit in Dortmund zu Protestaktionen, die im wesentlichen von der DKP bzw. von DKP-beeinflu\u00dften Organisationen initiiert wurden. Zwischenzeitlich hat sich ein Antifaschistisches Forum Dortmund\" konstituiert. Der Tod eines Demonstranten im Verlauf einer Demonstration gegen eine NPD-Veranstaltung am 28. September 1985 in Frankfurt/Main brachte Aktionen in verschiedenen St\u00e4dten in Nordrhein-Westfalen (Sachbesch\u00e4digungen und Schmierereien). Hierbei zeigte sich, da\u00df insbesondere die militanten Linksextremisten jeden sich bietenden Anla\u00df zu gewaltt\u00e4tigen Aktionen nutzen. 2.6 Dogmatische Neue Linke 2.6.1 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) Die als Kaderpartei organisierte MLPD blieb 1985 mit rd. 1300 Mitgliedern (Nordrhein-Westfalen: ca. 600) die mitgliederst\u00e4rkste und aktivste Organisation der dogmatischen Neuen Linken. Ihr erkl\u00e4rtes strategisches Ziel ist der revolution\u00e4re Sturz der \"Diktatur der Monopolkapitalisten\" und die Errichtung der Diktatur des Proletariats f\u00fcr den Aufbau des Sozialismus als \u00dcbergangsstadium 30","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 zur klassenlosen kommunistischen Gesellschaft, wobei sie Gewaltanwendung nicht ausschlie\u00dft. Nach eigenen Angaben finanziert sich die Partei im wesentlichen aus Spenden und Mitgliederbeitr\u00e4gen. Der Wahlkampf soll angeblich ausschlie\u00dflich durch Einzelspenden in H\u00f6he von 386 809,DM sichergestellt worden sein. Die Partei gibt ihr Zentralorgan \"Rote Fahne\" w\u00f6chentlich in einer Auflage von ca. 10.000 heraus. Die MLPD kandidierte erstmals zur Landtagswahl am 12. Mai 1985 in 67 Wahlkreisen, die - entsprechend der von der Partei verfolgten politischideologischen Zielsetzung - schwerpunktm\u00e4\u00dfig ausgew\u00e4hlt waren. Sie erhielt 3.338 Stimmen (= 0,09 %). In der Zeit vom 20. bis 22. September 1985 fand in K\u00f6ln der 2. Parteitag statt, auf dem der bisherige Kurs der Parteif\u00fchrung best\u00e4tigt wurde. Am 2. November 1985 f\u00fchrte die MLPD eine \u00f6ffentliche Gro\u00dfveranstaltung in D\u00fcsseldorf durch An dieser Veranstaltung nahmen zeitweilig bis zu 2.000 Personen teil. Der wiedergew\u00e4hlte Parteivorsitzende erkl\u00e4rte, da\u00df eine aus Anla\u00df des 2. Parteitages durchgef\u00fchrte Spendenkampagne einen Betrag von mehr als 1.000.000,DM erbracht habe; k\u00fcnftiger Schwerpunkt der Parteiarbeit sei u. a. die Beteiligung an der Bundestagswahl 1987. Ferner sei beabsichtigt, zur Schulung der Kader in Nordrhein-Westfalen eine Parteischule einzurichten. Die Jugendarbeit im Marxistisch-Leninistischen Sch\u00fclerund Studentenverband (MLSV) und im Revolution\u00e4ren Jugendverband Deutschlands (RJVD) soll intensiviert werden. Die Sommerlager des MLSV und des RJVD wurden vom 13. Juli bis 2. August 1985 in Evette-le-Salbert (Frankreich) durchgef\u00fchrt. An beiden Lagern nahmen rd. 500 Kinder und Jugendliche teil, von denen mehr als die H\u00e4lfte erstmalig Kontakt zur MLPD fanden. Die Zeltlager f\u00fchrten zu einem leichten Mitgliederzuwachs. Auf der Grundlage der Beschl\u00fcsse des 2. Parteitages der MLPD f\u00fchrte der RJVD am 21. Dezember 1985 in K\u00f6ln einen au\u00dferordentlichen Verbandsdelegiertentag durch. Dort wurde die Umbenennung des RJVD in Arbeiterjugendverband (Marxisten-Leninisten)\" sowie die Gr\u00fcndung der Kinderorganisation des Arbeiterjugendverbandes \" Rotf\u00fcchse\" beschlossen. 2.6.2 Kommunistische Partei Deutschlands (MarxistenLeninisten) (KPD) Die bereits Ende 1968 gegr\u00fcndete, proalbanisch orientierte KPD verf\u00fcgte Ende 1985 noch \u00fcber ca. 400 (Nordrhein-Westfalen: ca. 120) Mitglieder. Sie hat ihren Sitz in Dortmund. In der KPD kam es seit Jahresbeginn zu Auseinandersetzungen um den k\u00fcnftigen politischen Kurs der Partei. Sie f\u00fchrten zur Abspaltung einer Fraktion von \"Marxisten-Leninisten\", deren St\u00e4rke bundesweit auf etwa 70 Mitglieder gesch\u00e4tzt wird. Diese will die \"wahre KPD\" nach marxistisch-leninistischem Verst\u00e4ndnis fortf\u00fchren. Auf einem eigenen Parteitag vom 27. bis 29. Dezember 1985 in 31","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 Stuttgart hat sie die Fortsetzung der ehemaligen Parteilinie unter Beibehaltung des Parteinamens beschlossen. An diesem Parteitag d\u00fcrften aus Nordrhein-Westfalen Delegierte teilgenommen haben, die auf einer im November 1985 in NordrheinWestfalen durchgef\u00fchrten Mitgliederversammlung von \" Marxisten-Leninisten\" gew\u00e4hlt worden sind. Auf dieser Mitgliederversammlung wurde f\u00fcr NordrheinWestfalen eine Landesverbandsleitung gebildet mit dem Ziel, die \"wahre KPD\" auch in Nordrhein-Westfalen fortzuf\u00fchren. Der verbleibende Teil der KPD steht hinter einem neuen Statut, das auf einem Sonderparteitag verabschiedet wurde, den die KPD vom 1. bis 3. November 1985 in Dortmund durchf\u00fchrte. Mit diesem Statut wird die bisherige ideologische Parteilinie aufgegeben. Die KPD sieht sich nicht mehr als Vorhutpartei (Avantgarde) im Sinne der marxistisch-leninistischen Parteilehre. Sie will damit die Vereinigungsbem\u00fchungen mit der trotzkistischen Gruppe Internationaler Marxisten (GIM) zu einer gemeinsamen Organisation der revolution\u00e4ren Sozialisten erleichtern. Bei der Landtagswahl am 12. Mai 1985 war es der KPD unter gro\u00dfen organisatorischen Schwierigkeiten noch gelungen, in acht Wahlkreisen zu kandidieren. Ohne besondere Wahlkampfaktivit\u00e4ten konnte sie 434 (= 0,0 %) Stimmen auf sich vereinigen. Die Rechtshilfeorganisation der KPD, die \"Rote Hilfe Deutschlands e.V.\", f\u00fchrte am 26. Januar 1985 in Bielefeld eine Jubil\u00e4umsveranstaltung anl\u00e4\u00dflich ihres 10j\u00e4hrigen Bestehens durch. An der Veranstaltung nahmen aus dem gesamten Bundesgebiet 60 Personen teil. 2.6.3 Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg (Volksfront) Die 1979 von der KPD als Wahlpartei gegr\u00fcndete Volksfront hatte 1985 noch ca. 600 (Nordrhein-Westfalen: ca. 250) Mitglieder. Ihr Zentralorgan \"Volksecho\" erscheint seit M\u00e4rz 1985 nicht mehr. Vom 30. November bis 1. Dezember 1985 fand in Hannover der 4. ordentliche Bundeskongre\u00df der Volksfront statt, an dem ca. 70 Delegierte teilnahmen. In den Bundesvorstand wurden die bisherigen langj\u00e4hrigen Funktion\u00e4re aus Nordrhein-Westfalen wiedergew\u00e4hlt. 2.6.4 Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) Der KBW hat sich am 16. Februar 1985 auf seiner letzten Mitgliederversammlung in Frankfurt/Main, an der etwa 80 Personen teilnahmen, aufgel\u00f6st. Als Rechtsnachfolger gr\u00fcndeten die Teilnehmer der Versammlung den Verein \"Assoziation\" Nach der einstimmig verabschiedeten Satzung soll der Verein alternative Projekte f\u00f6rdern und Produktionsformen entwickeln und unterst\u00fctzen, \"die dem friedlichen Zusammenleben der Menschen dienen\". Zu dem auf etwa 9 Millionen DM gesch\u00e4tzten KBW-Verm\u00f6gen geh\u00f6rt insbesondere ein sechsgeschossiges Haus in Frankfurt/Main, in dem die ehemalige KBW-Zentrale untergebracht war. Dieses Geb\u00e4ude wird f\u00fcr Gruppierungen verf\u00fcgbar gehalten, deren Ziele auf \"gesellschaftliche Emanzipation\" gerichtet sind. 2.6.5 Marxistische Gruppe (MG) 32","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 Die MG, die ihre Organisation und ihre leitenden Gremien weiterhin weitgehend geheimh\u00e4lt, f\u00fchrte - wie in den Vorjahren - zahlreiche \u00f6ffentliche Diskussionsund Vortragsveranstaltungen zu aktuellen Problemen (\"3. Welt\", \"Die Armut -nichts Neues\", 30-Jahr-Feier der Bundeswehr) in Gastst\u00e4tten und z. T. an Hochschulen durch. Schwerpunkte waren Bochum und Dortmund. 2.7 Undogmatische Neue Linke Die undogmatischen Linksextremisten lehnen den dogmatischen MarxismusLeninismus ab. Die Vielfalt ihrer Zielvorstellungen und die unterschiedlichen Auffassungen \u00fcber das Vorgehen erschweren eine allgemein g\u00fcltige Definition dieser Szene. Einzige bundesweite Schwerpunktaktion, an der sich \u00fcberwiegend linksextremistische Gruppierungen aus dem Bereich der undogmatischen Neuen Linken beteiligten, waren die Protestund Widerstandsaktionen gegen den Weltwirtschaftsgipfel (WWG) vom 2. bis 5. Mai 1985 in Bonn. Die Organisation der Veranstaltungen lag in den H\u00e4nden eines Tr\u00e4gerkreises, in dem u. a. Mitglieder des Bundeskongresses entwicklungspolitischer Aktionsgruppen (BUKO), der Bundeskonferenz Unabh\u00e4ngiger Friedensgruppen (BUF), der MittelamerikaGruppen, der Autonomen, des Bonner Friedensb\u00fcndnisses, der Anti-AKWGruppen, der Frauenbewegung sowie der Friedensliste zusammenarbeiteten. An einem \"Tribunal \" in der Godesberger Stadthalle beteiligten sich ca. 1.000 Personen, an der Abschlu\u00dfdemonstration am 4. Mai 1985 auf dem Bonner M\u00fcnsterplatz ca. 7.000 bis 10.000 Personen. Zur undogmatischen Neuen Linken geh\u00f6ren auch die \"militanten Autonomen\", die den demokratischen Rechtsstaat als \"Schweine-System\" bezeichnen. Sie verfechten auf teilweise anarchistischer Grundlage die Abschaffung aller staatlichen Einrichtungen, propagieren die Anwendung von Gewalt und wenden sie - wo immer es m\u00f6glich ist - auch an. Im Jahre 1985 sind in NordrheinWestfalen von ihnen allerdings Aktivit\u00e4ten, die die Sicherheit unseres Landes ernsthaft h\u00e4tten gef\u00e4hrden k\u00f6nnen, nicht entwickelt worden. Der Versuch der \" militanten Autonomen \", ein Rekrutengel\u00f6bnis am 26. Oktober 1985 in Korschenbroich im Rahmen der Feierlichkeiten aus Anla\u00df des 30j\u00e4hrigen Bestehens der Bundeswehr auf \"alle F\u00e4lle zu verhindern\", wurde durch den gezielten Einsatz der Polizei vereitelt. 2.8 Trotzkismus Die trotzkistischen Gruppen k\u00e4mpfen f\u00fcr die \"permanente Revolution\", um den \"b\u00fcrgerlichen Staat\" zu zerschlagen und die \"Diktatur des Proletariats\" in der Staatsform einer R\u00e4teherrschaft zu errichten. Das Bekenntnis zum Trotzkismus schlie\u00dft die Bejahung der Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung ein. Unter den trotzkistischen Gruppen ist als bedeutendste die Gruppe Internationale Marxisten (GIM) mit mehr als 250 Mitgliedern (Nordrhein-Westfalen: ca. 60 - 80) anzusehen. Seit Herbst letzten Jahres wurden - im wesentlichen von der GIM ausgehend - Vereinigungsgespr\u00e4che mit der KPD (Marxisten-Leninisten) mit dem Ziel gef\u00fchrt, eine neue revolution\u00e4re Organisation mit trotzkistischer Ausrichtung zu gr\u00fcnden. 33","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 Die Gespr\u00e4che haben \u00dcbereinstimmung in wichtigen programmatischen Fragen zwischen beiden Organisationen erkennen lassen. Die Leitungen beider Organisationen sehen eine programmatische Einigung als Grundlage einer Vereinigung als m\u00f6glich an. Eine Organisation, wie sie aus einer Vereinigung von KPD und GIM hervorgehen soll, w\u00fcrde nach Auffassung der G IM einen \"enormen positiven Schritt f\u00fcr die revolution\u00e4re Linke in der BRD\" bedeuten. 2.9 Linksextremisten im \u00f6ffentlichen Dienst Nach dem Stand vom 31. Dezember 1985 befanden sich unter den ca. 340.000 Besch\u00e4ftigten im \u00f6ffentlichen Dienst des Landes Nordrhein-Westfalen (ohne Vorbereitungsdienst) - soweit bekannt -224 Angeh\u00f6rige linksextremistischer Organisationen. Sie verteilen sich auf die einzelnen Ressorts wie folgt: Die Zahl der erkannten Linksextremisten im \u00f6ffentlichen Dienst hat sich gegen\u00fcber 1984 um 1 erh\u00f6ht. Dies beruht darauf, da\u00df in diesem Zeitraum die Zahl derjenigen, die erstmals als Linksextremisten erkannt wurden, geringf\u00fcgig h\u00f6her war als die Zahl derjenigen, die wegen Ausscheidens aus extremistischen Organisationen sowie jahrelanger Inaktivit\u00e4t nicht mehr als linksextrem einzustufen sind. 34","f8 H) Peer Tr Eee: la: Iu 5 3 43 000 __ E","1B=e! I|rNa\"' wi In.\" ak Feet Zr Korn ur t f a lin Bee","","Ani au iMli ii el oti}eAB1lMdirMeanli,h)i u:","enMutter] | a one zu a! i Mn] [Hi in u - rn IE","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 3 Terrorismus 3.1 Entwicklungstendenz Die Rote Armee Fraktion (RAF) hat 1985 bei ihren Straftaten besondere Menschenverachtung und Brutalit\u00e4t erkennen lassen. W\u00e4hrend bisher gezielte Mordanschl\u00e4ge nur gegen Repr\u00e4sentanten des Staates, des milit\u00e4rischen Bereichs und der Wirtschaft gerichtet wurden, ermordeten Mitglieder der RAF den US-Soldaten Pimental, nur um mit seiner Identit\u00e4tskarte in die US-Air-Base in Frankfurt/Main eindringen zu k\u00f6nnen. Das Beispiel zeigt, da\u00df die RAF auch bei Aktionen, die der Vorbereitung von Terroranschl\u00e4gen dienen, vor nichts zur\u00fcckschreckt. Seit Anfang 1985 fordert die RAF verst\u00e4rkt den Aufbau einer \"Antiimperialistischen Front in Westeuropa\", womit sie versucht, dem Terrorismus eine neue, europ\u00e4ische Dimension zu geben. Zwischen der franz\u00f6sischen linksextremistischen Terrorgruppe Action Directe (AD) und der RAF sind Anzeichen einer Zusammenarbeit erkennbar, die u. a. aus der gemeinsamen Erkl\u00e4rung dieser beiden terroristischen Vereinigungen hervorgehen, die am 15. Januar 1985 in Paris verbreitet wurde. W\u00e4hrend die RAF bisher ihren Kampf gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung der Bundesrepublik Deutschland auf den drei Ebenen * Illegale, * inhaftierte RAF-Mitglieder und * sogenannte \"Legale\" f\u00fchrte, haben sich 1985 erstmals \"Illegale Militante\" zu Sprengstoffanschl\u00e4gen bekannt, deren Ziele - entsprechend der Ideologie der RAF - Objekte des \" Milit\u00e4rischen-Industriellen Komplexes\" (MIK) waren. Insgesamt gesehen ist die RAF auch weiterhin die gef\u00e4hrlichste deutsche linksterroristische Vereinigung. Revolution\u00e4re Zellen (RZ) sowie die ihnen angeh\u00f6rende autonome Frauengruppe Rote Zora bekannten sich 1985 zu 11 Sprengstoffanschl\u00e4gen im Land NordrheinWestfalen; die Zahl der Straftaten dieser terroristischen Vereinigung hat sich damit gegen\u00fcber dem Vorjahr um f\u00fcnf erh\u00f6ht. \u00dcberwiegend \u00f6rtliche Bedeutung haben andere terroristische oder auf Gewalt und Sabotage aus gerichtete Kleingruppen, von denen 1985 gegen \u00fcber dem Vorjahr erheblich mehr Gewaltaktionen ausgingen. 3.2 Rote Armee Fraktion (RAF) Am 1, Februar 1985 ermordeten ein junger Mann und eine junge Frau in Gauting bei M\u00fcnchen den Pr\u00e4sidenten des Bundesverbandes der Deutschen Luft-, Raumfahrtund Ausr\u00fcstungsindustrie und Vorstandsvorsitzenden der Motorenund Turbinen-Union (MTU), Dr. Ernst Zimmermann. 40","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 Zu dem Mord bekannte sich das RAF-\"Kommando Patsy O'Hara\", das nach einem irischen Terroristen benannt wurde, der 1981 w\u00e4hrend der Haft den Folgen eines Hungerstreiks erlag. In der Nacht zum 8. August 1985 ermordeten Mitglieder der RAF den US-Soldaten Pimental, dessen Ausweis sie dazu benutzten, um mit einem PKW, in dem ein Sprengsatz versteckt war, auf das Gel\u00e4nde der US-Air-Base in Frankfurt/Main zu gelangen. Durch die Explosion dieses Sprengsatzes am 8. August 1985 wurden zwei Personen get\u00f6tet und 11 weitere zum Teil schwerverletzt, dar\u00fcber hinaus entstand erheblicher Sachschaden. Am 9. August 1985 erhielten die Frankfurter Rundschau und zwei Presseagenturen in Frankfurt/Main ein anonymes Schreiben, aus dem hervorging, da\u00df der Anschlag von einem \"Kommando George Jackson \" ver\u00fcbt worden war; das Schreiben trug die Embleme der RAF und der Action Directe. Die Identit\u00e4tskarte Pimentals wurde am 13. August 1985 mit einer Durchschrift des Tatbekenntnisses der Nachrichtenagentur Reuter in Frankfurt/Main zugesandt. Ein weiteres Bekenntnis zu diesen Straftaten mit der \u00dcberschrift \"Zur Aktion gegen die Rhein-Main-Air-Base und die Erschie\u00dfung von Edward Pimental \" erhielt die Redaktion der Frankfurter Rundschau am 27. August 1985; es war - im Gegensatz zu den vorherigen Tatbekenntnissen - nur von der RAF gezeichnet. Am 27. September 1985 wurde der mutma\u00dfliche RAF-Terrorist Karl-Friedrich GROSSER bei einem \u00dcberfall auf zwei Geldbotinnen eines Supermarktes in Ludwigsburg festgenommen. Ein unbekannter m\u00e4nnlicher Mitt\u00e4ter konnte mit der Beute entkommen. Asservate aus einer am 11. September 1985 in T\u00fcbingen entdeckten konspirativen Unterkunft der RAF lassen vermuten, da\u00df der Raub\u00fcberfall auf den Geldboten eines Supermarktes im Kreis T\u00fcbingen am 3. Juni 1985, bei dem einer der T\u00e4ter den Geldboten ohne Vorwarnung in den Hals scho\u00df, ebenfalls von der RAF ver\u00fcbt worden ist. Mit der Forderung nach dem Aufbau einer \"Antiimperialistischen Front in Westeuropa\" versucht die RAF, dem Terrorismus eine neue europ\u00e4ische Dimension zu geben. Zwischen der franz\u00f6sischen terroristischen Gruppe Action Directe (AD) und der RAF sind Ans\u00e4tze einer Zusammenarbeit erkennbar, die \u00fcber eine gegenseitige logistische Unterst\u00fctzung hinausgehen. Deutlich werden diese Ans\u00e4tze in einer gemeinsamen Erkl\u00e4rung dieser terroristischen Vereinigungen, die am 15. Januar 1985 in Paris verbreitet wurde sowie auch in Parallelen zwischen dem oben erw\u00e4hnten Mordfall Zimmermann und dem Mord an dem franz\u00f6sischen General Audran am 25. Januar 1985 in Paris, zu dem sich ein \"Kommando Elisabeth van Dyck - Action Directe \" bekannte. Ende Juni 1985 wurde in einer Wohnung in Offenbach/Main ein Zimmer entdeckt, das der RAF als Unterschlupf und Depot diente. Das Zimmer, in dem u. a. f\u00fcnf gro\u00dfkalibrige Faustfeuerwaffen, Munition und verf\u00e4lschte Ausweispapiere sichergestellt wurden, war von Angeh\u00f6rigen der RAF in Untermiete angemietet worden. 41","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 Als mutma\u00dfliche Benutzerinnen des Zimmers wurden am 3. Juli 1985 Mareile SCHMEGNER und Ingrid BARABA\u00df festgenommen. Nach Eva-Sybille HAULEFRIMPONG, die mit den beiden mutma\u00dflichen Benutzerinnen des Zimmers in Verbindung stand, wird, noch gefahndet. Am 13. M\u00e4rz 1985 verurteilte das Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf die RAFMitglieder Adelheid SCHULZ und Rolf Klemens WAGNER wegen mehrfachen gemeinschaftlichen Mordes, erpresserischen Menschenraubes und Geiselnahme sowie versuchter N\u00f6tigung von Verfassungsorganen zu dreimal bzw. zweimal lebensl\u00e4nglicher Freiheitsstrafe. Die RAF-Mitglieder Christian KLAR und Brigitte MONHAUPT wurden vom Oberlandesgericht Stuttgart am 2. April 1985 wegen gemeinschaftlichen Mordes, erpresserischen Menschenraubes und Geiselnahme sowie N\u00f6tigung von Verfassungsorganen jeweils zu f\u00fcnfmal lebensl\u00e4nglicher Freiheitsstrafe sowie zus\u00e4tzlich zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt. Erstmals 1985 bekannten sich \"Illegale Militante\" zu Sprengstoffanschl\u00e4gen auf zwei im Bereich der Wehrtechnik t\u00e4tige Firmen in Hamburg am 8. April 1985 und auf die NATO-Pipeline bei Ehringhausen am 4. Mai 1985 sowie zu einem versuchten Sprengstoffanschlag auf das Bundesamt f\u00fcr Wehrtechnik und Beschaffung in Koblenz am 3. Mai 1985. Die Tatbekenntnisse entsprechen in Inhalt und Diktion denen der RAF; dar\u00fcber hinaus bestand zumindest teilweise \u00dcbereinstimmung mit Tatmitteln, wie sie auch von der RAF bei Anschl\u00e4gen verwendet wurden. In der Zeit vom 4. Dezember 1984 bis zum 5. Februar 1985 beteiligten sich zeitweise \u00fcber 30 H\u00e4ftlinge - \u00fcberwiegend terroristische Gewaltt\u00e4ter der RAF - an einem Hungerstreik, der zu einer bundesweiten Mobilisierung der Anh\u00e4nger der RAF f\u00fchrte, die durch Demonstrationen und Anschl\u00e4ge ihre Solidarit\u00e4t mit den Hungerstreikenden zum Ausdruck brachten. Neben Demonstrationen und Veranstaltungen in Bielefeld, Dortmund, D\u00fcsseldorf, Essen, K\u00f6ln, M\u00fcnster und Paderborn ist in diesem Zusammenhang der Sprengstoffanschlag auf eine britische Sendeeinrichtung in H\u00fcllhorst/Kreis Minden am 17. Januar 1985 hervorzuheben; das Tatbekenntnis zu diesem Anschlag endet mit der Forderung, \"die antiimperialistische Front in Westeuropa aufbauen\". Diese Forderung kehrt auch in den Tatbekenntnissen zu folgenden Straftaten wieder, die offenbar von militanten RAF-Anh\u00e4ngern ver\u00fcbt worden sind: - Sachbesch\u00e4digung am 2. Januar 1985 an 30 Kraftfahrzeugen der Firma Siemens in K\u00f6ln, die in einem Bekennerschreiben als der \"zweitgr\u00f6\u00dfte R\u00fcstungsproduzent in der BRD\" bezeichnet wird. - Versuchter Sprengstoffanschlag auf das Geb\u00e4ude des Bundesverbandes der Deutschen Luftfahrt-, Raumfahrtund Ausr\u00fcstungsindustrie (BDLI) in Bonn Bad-Godesberg am 1. Mai 1985. - Sprengstoffanschlag auf die Zweigstelle der franz\u00f6sischen Firma TRT (Telecommunication Radioelectriques et Telephoniques) in K\u00f6ln-Porz am 3. 42","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 Mai 1985, zu dem sich ein bisher unbekanntes \"Kommando Proletarische Aktion\" bekannte. - Dabei f\u00e4llt auf, da\u00df in der Nacht zum 30. April 1985 bereits die Action Directe in Paris Sprengstoffanschl\u00e4ge auf die Firma TRT sowie eine weitere Firma ver\u00fcbt hatte -. - Sprengstoffanschlag auf einen Sendemast in einem US-Depot in M\u00f6nchengladbach am 15. August 1985, zu dem sich eine \"K\u00e4mpfende Einheit 'F\u00fcr den Aufbau der Antiimperialistischen Front in Westeuropa'\" bekannte. - Versuchter Sprengstoffanschlag auf die NATO-Pipeline bei H\u00fcckelhovenBaal am 8. November 1985. 3.3 Revolution\u00e4re Zellen (RZ)/Rote Zora Gegen\u00fcber dem Vorjahr, in dem sechs Anschl\u00e4ge der RZ und der ihr angeh\u00f6renden autonomen Frauengruppen Rote Zora in Nordrhein-Westfalen zu verzeichnen waren, hat sich die terroristische Aktivit\u00e4t dieser Gruppen im Jahr 1985 mit insgesamt 11 ver\u00fcbten Anschl\u00e4gen erh\u00f6ht. Im einzelnen handelt es sich um folgende Anschl\u00e4ge: - 8. M\u00e4rz 1985, Essen, Sprengstoffanschlag auf das Geb\u00e4ude des Gesamtverbandes des Deutschen Steinkohlebergbaues - 8. M\u00e4rz 1985, Bochum, Sprengstoffanschlag auf das Geb\u00e4ude der Hauptverwaltung der IG Bergbau und Energie - 29. April 1985, K\u00f6ln, Sprengstoffanschlag auf ein Geb\u00e4ude mit dem Sitz des Gesamtverbandes metallindustrieller Arbeitgeberverb\u00e4nde - Gesamtmetall - 29. April 1985, K\u00f6ln, Sprengstoffanschlag auf ein Geb\u00e4ude, in dem die Firma Hoechst AG Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume unterh\u00e4lt - 29. April 1985, D\u00fcsseldorf, Sprengstoffanschlag auf das Geb\u00e4ude der Hauptfiliale der Deutschen Bank - 19. August 1985, K\u00f6ln, Sprengstoffanschlag auf den Neubau des MaxPlanck-Instituts (Rote Zora) - 2. September 1985, Dortmund, Sprengstoffanschlag auf das Geb\u00e4ude der Firma \" Mathematischer Beratungsund Programmierungsdienst GmbH\" - MBP - - 7. Oktober 1985, K\u00f6ln, Sprengstoffanschlag auf eine Zweigniederlassung der Firma Daimler Benz - 7. Oktober 1985, K\u00f6ln, Sprengstoffanschlag auf das Geb\u00e4ude des Botanischen Instituts der Universit\u00e4t K\u00f6ln - 19. Dezember 1985, Wetter-Wengern, Brandanschlag auf Geb\u00e4ude der Firma Br\u00fcggemann und Brand 43","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 - 19. Dezember 1985, Bochum, Brandanschlag auf zwei auf dem Gel\u00e4nde der Firma Mercedes Lueg abgestellte LKW. Die RZ und die Rote Zora haben diese Anschl\u00e4ge wiederum in meist umfangreichen Tatbekenntnissen begr\u00fcndet, wobei u. a. Themen wie der Streik britischer Bergarbeiter, der Weltwirtschaftsgipfel, die Genund Computertechnologie sowie wirtschaftliche Beziehungen zu S\u00fcdafrika zur Erkl\u00e4rung der Straftaten herangezogen wurden. RZ haben sich auch an der Diskussion um den Hungerstreik inhaftierter RAFTerroristen beteiligt. Am 13. Februar 1985 erschien in der \"tageszeitung \" unter der \u00dcberschrift \"Die Bilanz ist schlimm\" eine Erkl\u00e4rung RZ, die sich kritisch mit dem Hungerstreik der RAF auseinandersetzte; es hei\u00dft hier u. a. \"mobilisiert wird f\u00fcr eine Form von Guerilla, die sich selbst diskreditiert und mit der kein Mensch mehr Befreiung verbinden kann\". Dieser Erkl\u00e4rung trat eine \"Gruppe aus dem 'Traditionsverein' der Revolution\u00e4ren Zellen - D\u00fcsseldorf, Rosenmontag 1985 -\" mit einem im Februar 1985 in D\u00fcsseldorf verbreiteten Flugblatt entgegen, in dem heftige Kritik ge\u00fcbt und der Hoffnung Ausdruck gegeben wurde, da\u00df es sich bei der Erkl\u00e4rung um ein \"Staatsschutzprodukt\" handele. Die politische Differenz zur RAF sehen die unbekannten Verfasser des Flugblattes \"in dem Versuch, eine andere sozialrevolution\u00e4re Linie, andere Formen des bewaffneten Widerstandes praktisch zu entwickeln\"; anschlie\u00dfend wird jedoch Solidarit\u00e4t mit der RAF ausgedr\u00fcckt, indem die Verfasser betonen \"Nur darum geht es, und nicht Schei\u00dfe auf Freundinnen und Freunde zu schmei\u00dfen, die uns in diesem furchtbaren Land n\u00e4her sind als die meisten anderen\". 3.4 Sonstige Gruppen und terroristisches Umfeld Unbekannte T\u00e4ter besch\u00e4digten in Duisburg Anfang M\u00e4rz 1985 eine Kohlef\u00f6rderungsanlage und verursachten Sachschaden in H\u00f6he von 60000,DM. In einem anonymen Schreiben, das der Rheinischen Post in Duisburg am 4. M\u00e4rz 1985 zuging, polemisieren die unbekannten Verfasser, bei denen es sich offenbar um die T\u00e4ter handelt, im Zusammenhang mit dem Streik britischer Bergarbeiter gegen die Verschiffung deutscher Kohle nach England und fordern \"Zur Behinderung der Streikbrecherkohle - 'Alle Tage Sabotage' -\". Am 22. April 1985 ver\u00fcbten unbekannte T\u00e4ter nach vorheriger telefonischer Warnung einen Sprengstoffanschlag auf eine Zweigniederlassung der Firma Siemens in D\u00fcsseldorf, es entstand Sachschaden in H\u00f6he von rd. 10 000,DM. Am 23. bzw. 24. April 1985 erhielten die Rheinische Post sowie dpa in D\u00fcsseldorf gleichlautende Tatbekenntnisse zu diesem Anschlag, der mit der Beteiligung der Firma Siemens am \" R\u00fcstungsgesch\u00e4ft\", bei der \"Ausbeutung der Dritten Welt\" und bei der \"staatlichen \u00dcberwachung\" begr\u00fcndet wird. Das Schreiben endet mit den Parolen \"Bildet viele k\u00e4mpfende Zusammenh\u00e4nge!\" \"St\u00f6rt den Weltwirtschaftsgipfel!\". Am 27. April 1985 entstand in K\u00f6ln durch den Brand eines \"Computermobils\" der Stadt-Sparkasse K\u00f6ln Sachschaden in H\u00f6he von rd. 150.000,DM. 44","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 Der K\u00f6lner Stadtanzeiger erhielt am 1. Mai 1985 das Schreiben einer bisher unbekannten Gruppe \"Panzerknacker AG, Sektion Rheinland\", in dem die mutma\u00dfliche Brandstiftung unter der \u00dcberschrift \" Feuer und Flamme f\u00fcr die Stadtsparkasse...\" als \"integrierter und erg\u00e4nzender Bestandteil der Initiativen\" zur Aktionswoche anl\u00e4\u00dflich des Weltwirtschaftsgipfels bezeichnet wird. Personen und Gruppen des terroristischen Umfeldes in Nordrhein-Westfalen haben auch 1985 teilweise in \u00f6ffentlichen Veranstaltungen - ihre Agitation gegen Staat und Gesellschaft fortgesetzt. Bei den Gruppen ist eine Tendenz zur Bildung kleiner Lebensund Wohngemeinschaften erkennbar. Der Verbreitung terroristischen Gedankenguts dienten das Spr\u00fchen von Parolen, Plakataktionen sowie die Verbreitung von Flugbl\u00e4ttern und Publikationen. Auch 1985 erschienen in Dortmund zwei Ausgaben der linksextremistischen Schrift \"Regenbogen - Neue Folge\", die nach ihrem Selbstverst\u00e4ndnis \"Berichte, Meinungen und Diskussionen aus dem Widerstand der Rhein-Ruhr-Metropole ... ! \" enth\u00e4lt. In beiden Ausgaben wurden als \" Dokumentation\" Tatbekenntnisse RZ ver\u00f6ffentlicht. 3.5 Terroristische und sonstige politisch motivierte Gewalttaten Die Polizeibeh\u00f6rden des Landes Nordrhein-Westfalen haben 1985 im Staatsschutzbereich folgendes registriert: Ausgef\u00fchrte Gewalttaten Insgesamt wurden 111 vollendete oder versuchte Gewalttaten erfa\u00dft, und zwar 2 Morde (an Ausl\u00e4ndern) 1 gef\u00e4hrliche K\u00f6rperverletzung (an einem Ausl\u00e4nder) 26 Sprengstoffanschl\u00e4ge 33 Brand\u00e4nschl\u00e4ge und 49 Sachbesch\u00e4digungen mit Gewaltanwendungen. F\u00fcr den Bereich der Sprengstoffund Brandanschl\u00e4ge sowie der Sachbesch\u00e4digungen ist danach ein erheblicher Anstieg gegen\u00fcber 1984 (63 F\u00e4lle) festzustellen. Dagegen hat es \"gef\u00e4hrliche Eingriffe in den Bahnverkehr\" (Anschl\u00e4ge auf Munitionsz\u00fcge) und \"Anschl\u00e4ge auf Verteidigungsanlagen \" (Sprengschachtanlagen/Wallmeisterobjekte) 1985 (1984: 46) im Landesbereich nicht gegeben. Angedrohte Gewalttaten Im Berichtszeitraum wurden 483 politisch motivierte Gewalttaten anonym fernm\u00fcndlich oder schriftlich angedroht. Gegen\u00fcber 1984 (157 F\u00e4lle) ist damit ein starker Anstieg festzustellen. In 395 F\u00e4llen wurde mit der Durchf\u00fchrung von Anschl\u00e4gen gedroht. Diese sogenannten Bombendrohungen richteten sich vorwiegend gegen Wirtschaftsunternehmen, \u00f6ffentliche Einrichtungen, Flugh\u00e4fen und Fluggesellschaften, milit\u00e4rische Objekte, US-Einrichtungen und ausl\u00e4ndische Vertretungen sowie gegen Personen aus Politik und Wirtschaft. Nur in einem Fall 45","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 (Sprengstoffanschlag auf die Firma Siemens am 22. April 1985) wurde der Anschlag 10 Minuten vor der Explosion angek\u00fcndigt. In 88 F\u00e4llen wurden Personen und Einrichtungen anonym fernm\u00fcndlich oder schriftlich bedroht. Diese Bedrohungen richteten sich insbesondere gegen Personen aus Politik und Wirtschaft sowie gegen Presseorgane, milit\u00e4rische Einrichtungen und ausl\u00e4ndische Vertretungen. 46","SHUNSTIGEr Ir ET rrerensTangse | n Sprengstoffenschlag auf das Geb\u00e4ude der Hauptwerwaltung der 13 Bergbau und Energie in Bochum am 08.03.1985 Sn a 0","Feuer'aiFlamme\" a eben Dr m Sprengsicllanschlag auf das Geb\u00e4ude des Gesamlverbandes des Deutschen Steinkohlebergbaus in Essen am 08.03. 1985","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 4 Ausl\u00e4nderextremismus 4.1 Entwicklungstendenz Unter den ausl\u00e4ndischen Extremistengruppen in Nordrhein-Westfalen bilden die Gruppen extremistischer T\u00fcrken nach wie vor das gr\u00f6\u00dfte Potential. Sie stellen allein (ohne Kurden) etwa 16.000 der sch\u00e4tzungsweise 21.000 hier organisierten extremistischen Ausl\u00e4nder. Die nationalistische T\u00fcrk-F\u00f6deration tritt verst\u00e4rkt mit \u00fcberregionalen und \u00f6rtlichen Veranstaltungen auf. Ihren vorj\u00e4hrigen Mitgliederschwund vermochte sie zu stoppen. Die islamisch-extremistischen Gruppen haben sich endg\u00fcltig in Anh\u00e4nger der Nationalen Heilspartei (MSP) und in eine iranorientierte Richtung gespalten. Orthodox-kommunistische t\u00fcrkische Parteien haben sich zu einem Aktionsb\u00fcndnis SOL BIRLIK zusammengeschlossen. Aggressiver als bisher traten die Gruppen der t\u00fcrkischen Neuen Linken in Erscheinung; einige von ihnen solidarisierten sich sogar mit dem Hungerstreik der RAF-H\u00e4ftlinge. Innerhalb der Gruppen kurdischer Extremisten, die alle f\u00fcr Autonomie in den Heimatl\u00e4ndern (T\u00fcrkei, Syrien, Irak, Iran) bzw. einen eigenen Kurdenstaat k\u00e4mpfen, hat sich die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zur gef\u00e4hrlichsten Organisation entwickelt. Ihren \"bewaffneten Befreiungskampf\" f\u00fchrt sie mit einer eigenen Guerillaeinheit und weiteren Hilfsorganisationen. \"Verr\u00e4ter\" an der kurdischen Sache sucht sie auch auf deutschem Boden zu liquidieren. Auf Todesurteile in der T\u00fcrkei gegen Gesinnungsgenossen und auf Inhaftierungen von Anh\u00e4ngern in Schweden reagierte die PKK hier mehrmals mit der Besetzung von Gewerkschafts-, Gerichts- , Rundfunkund Konsulatsgeb\u00e4uden. Zahlreiche Aktivit\u00e4ten rief die Versch\u00e4rfung des irakisch-iranischen Krieges bei den in Nordrhein-Westfalen lebenden extremistischen Iranern her vor. Infolge ideologischer Spannungen kam es auch 1985 zu gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden iranischen Gruppen. Eine linksextremistische irakische Studentenvereinigung forderte den Sturz sowohl Khomeinis als auch der Heimatregierung. Erneute Waffenfunde bei Exilkroaten beweisen die Gef\u00e4hrlichkeit dieser jugoslawischen Regimegegner. Die Ermordung eines oppositionellen Libyers in Bonn durch ein Mitglied eines libyschen Volkskomitees - vermutlich auch der Todesschu\u00df eines Libyers in Aachen - tr\u00e4gt staatsterroristische Z\u00fcge. 4.2 T\u00fcrken Extreme Nationalisten Die F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa e.V. - T\u00fcrk-F\u00f6deration - 49","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 (sogenannte Graue W\u00f6lfe) verf\u00fcgt im Bundesgebiet \u00fcber ca. 10.000 Mitglieder (Nordrhein-Westfalen ca. 2.500). Nach eigenen Angaben soll sie in Europa 40.000 Mitglieder haben. Neben einer Vielzahl \u00f6rtlicher Kulturabende und Seminare f\u00fchrte die T\u00fcrkF\u00f6deration mit Sitz in Frankfurt/Main verst\u00e4rkt \u00fcberregionale Veranstaltungen im Lande durch. Wegen zunehmender St\u00f6rungen von linksextremistischer Seite geht sie neuerdings dazu \u00fcber, ihre Tagungsorte geheimzuhalten. F\u00fcr den Bereich Nordrhein-Westfalen veranstaltete die T\u00fcrk-F\u00f6deration im Januar in Solingen ihren Jugendkongre\u00df 1985. Die Mitgliedsvereine wurden aufgerufen, mehr auf die religi\u00f6se und kulturelle (politische) Erziehung der t\u00fcrkischen Jugendlichen einzuwirken. Den in der \u00d6ffentlichkeit erhobenen Vorwurf, die \"Grauen W\u00f6lfe\" betrieben Rauschgifthandel, wies man zur\u00fcck. Auch in Zukunft werde jedes Mitglied ausgeschlossen, das mit Drogen Gesch\u00e4fte mache. F\u00fcr Mitte M\u00e4rz 1985 hatte der \u00f6rtliche Mitgliedsverein der T\u00fcrk-F\u00f6deration in Oberhausen eine Versammlung geplant. Trotz Verbots fanden sich ca. 70 linksextremistische T\u00fcrken zu einer Gegendemonstration ein. Zwischen ihnen und Passanten kam es zu einem Handgemenge; dabei wurde ein Unbeteiligter schwer verletzt. Auf einer von der T\u00fcrk-F\u00f6deration organisierten Gro\u00dfdemonstration in K\u00f6ln protestierten \u00fcber 12.000 T\u00fcrken aus dem Bundesgebiet Mitte April 1985 gegen die Unterdr\u00fcckung ihrer 1,4 Millionen in Bulgarien lebenden Landsleute. Neben Mitgliedern der T\u00fcrk-F\u00f6deration nahmen Anh\u00e4nger des Islamischen Zentrums K\u00f6ln und anderer islamischer Organisationen teil. Damit traten in Nordrhein-Westfalen erstmalig t\u00fcrkische Nationalisten und islamische Fundamentalisten gemeinsam \u00f6ffentlich auf. Den 7. Gro\u00dfen Kongre\u00df (Jahreshauptversammlung) der T\u00fcrk-F\u00f6deration im Mai 1985 in Castrop-Rauxel besuchten \u00fcber 3.000 Anh\u00e4nger aus dem Inund Ausland. Der bisherige Vorsitzende wurde wiedergew\u00e4hlt. Dem Vorstand geh\u00f6ren drei Mitglieder aus Nordrhein-Westfalen an. Ende Juli 1985 trat der Vorsitzende \u00fcberraschend von seiner Funktion zur\u00fcck. Sein auf einem au\u00dferordentlichen Kongre\u00df der T\u00fcrk-F\u00f6deration Mitte August 1985 in Frankfurt/Main gew\u00e4hlter Nachfolger bereist seitdem die Mitgliedsvereine im Bundesgebiet und nimmt auch an deren Veranstaltungen teil. So er\u00f6ffnete er beispielsweise das Kulturfest des K\u00f6lner Mitgliedsvereins Mitte November 1985, an dem 400 bis 500 nationalistische T\u00fcrken aus Nordrhein-Westfalen teilnahmen. Islamische Extremisten Die islamisch-extremistischen Organisationen wollen das gegenw\u00e4rtige System in der T\u00fcrkei durch ein theokratisches Staatswesen ersetzen. Als Fundamentalisten streben sie die absolute Vorherrschaft des Islam an; sie bek\u00e4mpfen daher den Kommunismus wie auch westliche Einfl\u00fcsse. Nach jahrelanger einheitlicher politischer Ausrichtung haben sie sich 1985 in zwei ideologische Bl\u00f6cke gespalten: Nationale Heilspartei (MSP) 50","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 Urspr\u00fcnglich sammelten sich die Anh\u00e4nger der in der T\u00fcrkei verbotenen MSP hierzulande im wesentlichen in der T\u00fcrkischen Union Europa mit Sitz in K\u00f6ln, sp\u00e4ter in Islamische Union Europa umbenannt. Mit ihr personell verbunden war das Islamische Zentrum K\u00f6ln (IZ). Am 20. Mai 1985 gr\u00fcndete sich - initiiert vom IZ - in K\u00f6ln die Vereinigung der neuen Weltsicht in Europa e.V. (Avrupa Milli G\u00f6r\u00fcs Teskilatlari - AMGT). Dieser Dachverband setzt die MSP-Richtung fort. In einer Ende 1985 erfa\u00dften Flugschrift an ihre Anh\u00e4nger weist AMGT auf das \" Erstarken der Muslime\" hin. Diese Entwicklung habe eine Verleumdungskampagne insbesondere der \"hirnlosen, verkn\u00f6cherten und verrotteten Linken\" ausgel\u00f6st. AMGT fordert ihre \"Soldaten des Herzens\" auf, denjenigen, die den \"kalten Krieg erkl\u00e4rt haben, wie eine Faust entgegenzutreten\". Die Schrift signalisiert Bereitschaft zur Konfrontation mit den t\u00fcrkischen Linksextremisten. Iranorientierte Richtung Ihr Wortf\u00fchrer hat im November 1984 den Verband Islamischer Vereine und Gemeinden, K\u00f6ln e.V. gegr\u00fcndet. Er will die T\u00fcrkei im Sinne Ayatollah KHOMEINIS durch Revolution islamisieren; den Weg \u00fcber eine Partei und Wahlen lehnt er ab. Seit Mitte August 1985 erscheint regelm\u00e4\u00dfig TEBLIG\" (Verk\u00fcndigung) als Organ des Verbandes. Orthodoxe Kommunisten Kommunistische Partei der T\u00fcrkei (TKP) Die moskautreue TKP mit ihrem Exilsitz in Ost-Berlin die in der Bundesrepublik Deutschland im wesentlichen im Untergrund politisch t\u00e4tig ist, feierte im September 1985 in Duisburg den 65. Jahrestag der Parteigr\u00fcndung. An der Veranstaltung beteiligte sich auch die DKP. F\u00f6deration der Arbeitervereine der T\u00fcrkei in der Bundesrepublik Deutschland e. V. (FIDEF) Die FIDEF mit Sitz in D\u00fcsseldorf und ihre zahlreichen Mitgliedsvereine sind ma\u00dfgeblich von der TKP beeinflu\u00dft. Sie arbeiten eng mit der DKP zusammen. Neben vielf\u00e4ltigen politischen Aktivit\u00e4ten verfolgt die FIDEF neuerdings zunehmend \"kulturelle\" Ziele (Gr\u00fcndung eines Kultursekretariats beim Bundesvorstand). Aktionsb\u00fcndnis SOL BIRLIK Ende 1984 haben sich die orthodox-kommunistischen Parteien * Kommunistische Partei der T\u00fcrkei (TKP) * Kommunistische Partei der Werkt\u00e4tigen der T\u00fcrkei (TKEP) * Sozialistische Arbeiterpartei der T\u00fcrkei (TSIP) 51","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 * T\u00fcrkische Arbeiterpartei (TIP) * Avantgardistische Arbeiterpartei Kurdistans (PPKK) * Sozialistische Partei T\u00fcrkisch-Kurdistans (TKSP) zusammengeschlossen. Das neue Aktionsb\u00fcndnis will \"der (t\u00fcrkischen) faschistischen F\u00fchrung ein Ende setzen\". Zum 5. Jahrestag des Milit\u00e4rputsches (12. September 1980) veranstalteten die in SOL BIRLIK verb\u00fcndeten orthodoxen Kommunisten vom 9. bis 14. September 1985 eine bundesweite \"Aktionswoche f\u00fcr Menschenrechte, Demokratie und Frieden\". In deren Rahmen fanden in Nordrhein-Westfalen zahlreiche \u00f6rtliche Infost\u00e4nde, Mahnwachen, Podiumsdiskussionen und dgl. statt, auf denen die politischen Verh\u00e4ltnisse in der T\u00fcrkei angeprangert wurden. Im Rahmen der DGB-Aktionswoche vom 14. - 20. Oktober 1985 verteilten die in SOL BIRLIK zusammengeschlossenen orthodox-kommunistischen Parteien eigene Flugschriften. Darin wenden sie sich gegen das deutsche Staatsund Gesellschaftssystem, indem sie erkl\u00e4ren: \"Die sich vertiefende Krise des Kapitalismus bewegt ihn zur Aufr\u00fcstung und Aggression\". Dadurch w\u00fcrden \" Repressionen und Ausbeutung \" der Arbeiter verst\u00e4rkt. Neue Linke Von den Gruppen der t\u00fcrkischen Neuen Linken waren 1985 in NordrheinWestfalen aktiv: * F\u00f6deration demokratischer Arbeitervereine aus der T\u00fcrkei in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (DIDF) Sitz: K\u00f6ln Dieser Dachverband verfolgt die Ziele der Revolution\u00e4ren Kommunistischen Partei der T\u00fcrkei (TDKP) auf deutschem Boden. Er hat zahlreiche Mitgliedsvereine. * Kommunistische Partei der T\u00fcrkei/Marxisten Leninisten (TKPIM-L) Ihre Kader wirken im Untergrund. Sie tritt jedoch mit Publikationen nach au\u00dfen in Erscheinung. * F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (ATIF) Sitz: Duisburg Stark von der TKP/M-IL beeinflu\u00dft; ihre Anh\u00e4nger treten auch unter der Bezeichnung \" PARTIZAN \" auf; so lautet ein theoretisches Sprachrohr der TKP/M-L. Im Vergleich zu TDKP und DIDF verf\u00fcgt ATIF einschlie\u00dflich TKP/M- L \u00fcber eine kleinere Anh\u00e4ngerschaft. * BOLSEVIK PARTIZAN 52","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 Hierbei handelt es sich um eine Abspaltung - mit gleichnamiger Zeitung - von der TKP/M-L bzw. ATIF. Die Gruppe hat ihr Zentrum anscheinend in London. Ihre hier erscheinenden Publikationen sind \u00e4u\u00dferst aggressiv. Die Gruppen der t\u00fcrkischen Neuen Linken traten mit folgenden Aktionen an die \u00d6ffentlichkeit: - Anl\u00e4\u00dflich des NPD-Landesparteitages im Januar 1985 in Velbert verbreitete die Gruppe PARTIZAN (TKP/M-L-Anh\u00e4nger) ein Flugblatt, indem sieden \" blutr\u00fcnstigen westdeutschen Imperialismus\" angreift und erkl\u00e4rt, die NPD werde Airekt vom westdeutschen imperialistischen Staat\" mitfinanziert. - Anfang Februar 1985 erschien ein gemeinsames Flugblatt der marxistischleninistischen Gruppen PARTIZAN und Fight Back (Revolution\u00e4re Stimme der US-Soldaten in Europa). Es solidarisiert sich mit dem Hungerstreik der RAFH\u00e4ftlinge und enth\u00e4lt den Aufruf \"Unterst\u00fctzt den revolution\u00e4ren Kampf gegen den Imperialismus!\". - Ca. 2.000 Anh\u00e4nger der hier konspirativ t\u00e4tigen TDKP, die enge Verbindung zur Kommunistischen Partei Deutschland (Marxisten-Leninisten) h\u00e4lt, feierten Anfang Februar 1985 in Wuppertal den 5. Gr\u00fcndungstag ihrer Partei. Zur Tarnung gegen\u00fcber den Beh\u00f6rden war der Versammlungsraum von Deutschen f\u00fcr eine \" internationale Kulturveranstaltung\" angemietet worden. - Anh\u00e4nger der Neuen Linken, insgesamt ca. 100 Personen, veranstalteten Ende M\u00e4rz 1985 einen Demonstrationszug durch die K\u00f6lner Innenstadt zum Thema \"Asylantenprobleme und H. Selcuk Sevinc\". (Der Asylbewerber SEVINC hatte sich drei Wochen zuvor in Braunschweig selbst verbrannt.) Auf Transparenten von DIDF-Anh\u00e4ngern hie\u00df es \"Selcuk, an meinem Tod ist die deutsche Monopol-Bourgeoisie verantwortlich\". ATIF forderte \"Nieder mit dem Ausl\u00e4ndergesetz\". - Ca. 5.000 Anh\u00e4nger der t\u00fcrkischen Neuen Linken versammelten sich am 7. September 1985 in K\u00f6ln. Sie protestierten gegen das f\u00fcnf Jahre zuvor (12. September 1980) durch einen Milit\u00e4rputsch begr\u00fcndete Regime in der T\u00fcrkei. - BOLSEVIK PARTIZAN f\u00fchrte - wie in den Vorjahren - eine eigene Demonstration separat durch (200 Teilnehmer). - In Flugbl\u00e4ttern - in Dortmund erfa\u00dft - riefen ATIF und BOLSEVIK PARTIZAN auf zur Teilnahme an der Aktionswoche des Deutschen Gewerkschaftsbundes vom 14.-20. Oktober 1985 gegen Arbeitslosigkeit. Die ATIF-Flugschrift bezeichnet als \"Quelle der Arbeitslosigkeit ... das imperialistische System selbst\" und fordert \"Nieder mit dem westdeutschen Imperialismus! \". Das Flugblatt von BOLSEVIK PARTIZAN greift die \"DGB-Bonzen\" an, behauptet \"Die Regierung und der DGB - grunds\u00e4tzlich einig bei der Verteidigung der Interessen des westdeutschen Imperialismus\" und droht \"Tod dem westdeutschen Imperialismus!\". 53","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 - Eine Solidarit\u00e4tsveranstaltung der DIDF \"mit den politischen Gefangenen in der T\u00fcrkei\" Mitte Dezember 1985 in Duisburg besuchten etwa 3.300 Personen aus dem Bundesgebiet. 4.3 Kurden Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Die orthodox-kommunistische PKK, wichtigste und zugleich gef\u00e4hrlichste Kurdenorganisation, will einen eigenen kurdischen Staat errichten. Ihre Hauptgegner ist dabei die T\u00fcrkei. Seit dem 15. August 1984 f\u00fchrt die kurdische PKK verst\u00e4rkt den bewaffneten Kampf gegen die t\u00fcrkische Staatsmacht. Alle ihre Aktivit\u00e4ten in Europa dienen diesem \"Befreiungskampf\". Abtr\u00fcnnige Mitglieder sowie Kritiker aus konkurrierenden Kurdenorganisationen werden r\u00fccksichtslos als \"Verr\u00e4ter\" liquidiert. Zur Erreichung ihres Ziels hat die PKK eine Reihe von Organisationen geschaffen, auf die sie sich auch im Bundesgebiet st\u00fctzt. Wegen der hier konzentrieten Einrichtungen und Aktivit\u00e4ten ist zu vermuten, da\u00df sich die PKK-Auslandsf\u00fchrung in Nordrhein-Westfalen befindet. Auf Todesurteile in der T\u00fcrkei gegen Gesinnungsgenossen reagierten PKKGruppen im Verlauf des Februars 1985 mit Besetzungen des DGB-Hauses in Duisburg, der Rechtsanwaltskammer in K\u00f6ln und des DGB-Verwaltungsgeb\u00e4udes in Bonn. Au\u00dferdem traten in M\u00fcnster 12 Kurden in einen Hungerstreik. Am 16. April 1985 wurde ein ehemaliger PKK-Anh\u00e4nger in K\u00f6ln von vier mutma\u00dflichen Parteiangeh\u00f6rigen niedergeschlagen und schwer verletzt. \"Gegen die fortgesetzten Angriffe der PKK ... auf kurdische Demokraten und AntiFaschisten\" protestierte im April 1985 die orthodox-kommunistische F\u00f6deration der Demokratischen Arbeitervereine Kurdistans (KKDK, Sitz: Bochum) in einer deutschsprachigen \u00d6ffentlichen Erkl\u00e4rung. 20 Kurden - vermutlich PKK-Anh\u00e4nger - gesetzten Ende Mai 1985 vor\u00fcbergehend das WDR-B\u00fcro in M\u00fcnster; sie wandten sich gegen die Inhaftierung eines kurdischen Rechtsanwalts in Schweden. Aus demselben Grund protestierten tags darauf rd. 50 Kurden vor dem schwedischen Konsulat in D\u00fcsseldorf und Anfang Juni ca. 30 Kurden in K\u00f6ln. Auf einer Kulturveranstaltung Mitte August 1985 in K\u00f6ln propagierten PKKAnh\u00e4nger (ca. 600 Personen) den \"nationalen Befreiungskampf Kurdistans\". Ausgel\u00f6st durch den Hungerstreik eines in Schweden inhaftierten PKK-Aktivisten unternahmen Parteianh\u00e4nger Anfang Oktober 1985 folgende Protestaktionen: - Besetzung des DGB-Hauses in Bielefeld - Besetzung des schwedischen Generalkonsulats in D\u00fcsseldorf - \u00dcbergabe eines schwarzen Kranzes an die schwedische Botschaft in Bonn. Mitte November 1985 feierten mehrere Tausend PKK-Anh\u00e4nger in K\u00f6ln das 7j\u00e4hrige Bestehen ihrer Partei. Befreiungseinheit Kurdistans (HRK) 54","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 Hierbei handelt es sich um den \"bewaffneten Arm\" der PKK, der auch von FEYKAKURDISTAN propagandistisch und materiell unterst\u00fctzt wird. Bei der Besetzung des Duisburger DGB-Hauses Mitte Februar 1985 wurden deutschsprachige Flugbl\u00e4tter der HRK verbreitet. Darin ist deren Guerillat\u00e4tigkeit ausf\u00fchrlich dargestellt. Am Schlu\u00df hei\u00dft es \"der Nationale Befreiungskampf unseres Volkes wird den t\u00fcrkischen Kolonialismus dem Erdboden gleichmachen\". Nationale Befreiungsfront Kurdistans (ERNK) Bundesweit machten Plakate und Flugbl\u00e4tter darauf aufmerksam, da\u00df am 21. M\u00e4rz 1985 (kurdischer Neujahrstag) die ERNK gegr\u00fcndet worden ist. Ziel der - auf PKK-Initiative geschaffenen -neuen Aktionsfront ist es, den Befreiungskampf aller kurdischen Widerstandsorganisationen zusammenzufassen. Die ERNK besitzt eine Europavertretung. Als deren Organ - seit Juni 1985 - erscheint in K\u00f6ln der deutschsprachige \"KURDISTAN-REPORT\", bis dahin als PKK-Sprachrohr bekannt. F\u00f6deration der patriotischen Arbeiterund Kulturvereine aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland (FEYKA-KURDISTAN) In der FEYKA-KURDISTAN haben sich die \u00f6rtlichen Anh\u00e4ngervereine der PKK zusammengeschlossen. Der Sitz der F\u00f6deration befindet sich in K\u00f6ln, ihre Gesch\u00e4ftsstelle in D\u00fcsseldorf. Auf einer zentralen Veranstaltung Mitte Mai 1985 in Duisburg (ca. 1800 Teilnehmer) bekundete die FEYKA-KURDISTAN ihre Solidarit\u00e4t mit der neugeschaffenen ERNK. Hierbei kam es zu Gewaltt\u00e4tigkeiten von Ordnern gegen den \u00f6ffentlichen Busverkehr und eingesetzte Polizeibeamte. Zum 10. August 1985 hatte die FEYKA-KURDISTAN zu einer \"Solidarit\u00e4tsveranstaltung mit dem 15. August\" (Jahrestag des Beginns des \" nationalen Befreiungskampfes in Kurdistan \") nach Duisburg eingeladen. Es erschienen etwa 1.800 PKK-Anh\u00e4nger. Mit rd. 3.000 Anh\u00e4ngern demonstrierte FEYKA-KURDISTAN Mitte September 1985 in K\u00f6ln zum \"5. Jahrestag der Machtergreifung durch die Milit\u00e4rjunta in der T\u00fcrkei \". Unter den Teilnehmern befanden sich auch einige Angeh\u00f6rige des deutschen terroristischen Umfeldes. F\u00f6deration der Arbeitervereine Kurdistans in der Bundesrepublik Deutschland (KOMKAR) Mit weit \u00fcber 4.000 Teilnehmern f\u00fchrte die orthodox-kommunistische KOMKAR (Sitz: K\u00f6ln) Mitte M\u00e4rz 1985 in Duisburg eine zentrale Neujahrs (NEWROZ) Veranstaltung als \"Symbol des Siegeskampfes gegen Unterdr\u00fcckung\" der Kurden durch. An ihrem 7. Jahreskongre\u00df im Mai 1985 in K\u00f6ln nahmen auch Vertreter der DKP teil. 4.4 Iraner 55","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 Union iranischer Studentenvereine in Europa (U.I.S.A.) Im Gedenken an einen \"M\u00e4rtyrer\", der an den Folgen des Giftgaseinsatzes im irakisch-iranischen Krieg in einem M\u00fcnchener Krankenhaus gestorben sei, versammelten sich ca. 125 Mitglieder der khomeinitreuen - U.I.S.A. (Sitz: Aachen) im April 1985 in Bonn. Mit Transparenten und Flugbl\u00e4ttern wandten sie sich gegen den \"Einsatz chemischer Waffen durch das irakische Baath-Regime\". Moslemische Studentenvereinigung (MSV) In der MSV mit Sitz in K\u00f6ln vereinigen sich die khomeinifeindlichen Volksmodjahedin; sie vertreten eine islamisch-marxistische Ideologie. Als einige Mitglieder der Nationalen Widerstandsbewegung Iran (NWI) - Anh\u00e4nger des ehemaligen iranischen Ministerpr\u00e4sidenten BAKTHIAR - Mitte Januar 1985 in der Mensa der Universit\u00e4t K\u00f6ln Propagandamaterial verteilten, wurden sie von mehreren MSV-Anh\u00e4ngern bedr\u00e4ngt, als \"M\u00f6rder\" und \"Konterrevolution\u00e4re\" beschimpft und mit den Worten bedroht, man werde \"sie umbringen\". Ihr B\u00fcchertisch wurde von dem Mojahedin zerst\u00f6rt. - Tags darauf griffen 15 bis 20 MSV-Anh\u00e4nger die NWI-Mitglieder am selben Ort an und verletzten sie. Ein Gesch\u00e4digter mu\u00dfte station\u00e4r behandelt werden. Mit zentralen Kundgebungen in Bonn im Februar (ca. 900 Teilnehmer) und im Juni 1985 (rd. 450 Teilnehmer) demonstrierte die MSV gegen das Regime im Heimatland. Wiederholt traten MSV-Anh\u00e4nger auch als Flugblattverteiler und mit Infost\u00e4nden auf. Dabei kam es in Bonn im Oktober 1985 zweimal zum Schlagabtausch mit einem Attache der iranischen Botschaft. Nationaler Widerstandsrat (NWR) Beim NWR handelt es sich um den Dachverband der Volksmojahedin und anderer linksgerichteter Gruppen. Im Rahmen internationaler Protestaktionen gegen den irakisch-iranischen Krieg rief der NWR zu einer bundesweiten Gro\u00dfdemonstration im Mai 1985 in Bonn auf (rd. 800 Teilnehmer). Hierzu hatte der im Pariser Exil lebende F\u00fchrer der Volksmojahedin die Parole ausgegeben \"Nieder mit Khomeini - Schlu\u00df mit dem Krieg\". Organisation iranischer Demokraten im Ausland (0.I.D.A.) Die 1984 gegr\u00fcndete 0.I.D.A. fa\u00dft einen Gro\u00dfteil der iranischen Neuen Linken zusammen. Mit einem Demonstrationszug durch die Bonner Innenstadt und zu den iranischen und irakischen Botschaften wandte sich die 0.I.D.A. im M\u00e4rz 1985 gegen den Golfkrieg. Die etwa 80 Teilnehmer zeigten Transparente mit der Parole \"Nieder mit der Islamischen Republik\". 4.5 Iraker Aus \"Solidarit\u00e4t mit den Demonstranten im irakischen Kurdistan\" rief die orthodoxkommunistische Vereinigung Irakischer Studenten in der Bundesrepublik 56","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 Deutschland und West-Berlin e.V. (VIS) f\u00fcr den 7. Dezember 1985 zu einer Kundgebung nach Bonn. Die ca. 120 Demonstranten verteilten Flugbl\u00e4tter und zeigten Transparente mit Aufschriften wie \"Nieder mit dem faschistischen Regime im Irak\" - \"Demokratie f\u00fcr Irak und wahre Autonomie f\u00fcr Kurdistan\" - \"Sieg dem Kampf des Volkes f\u00fcr den Sturz des Regimes der islamischen Republik Iran\", Unterst\u00fctzt wurden die Aufrufe von den orthodox-kommunistischen Gruppen: Vereinigung der Kurdischen Studenten in Europa e.V. (KSSE), TUDEH-Partei Iran, Organisation der Volksfedayin Iran (Mehrheit). 4.6 Pal\u00e4stinenser Sechs pal\u00e4stinensische Organisationen - darunter die Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (PFLP) und die von ABU MUSA geleitete AL FATAHFraktion - haben sich im M\u00e4rz 1985 zur Pal\u00e4stinensischen Nationalen Erl\u00f6sungsfront zusammengeschlossen. Ihr Ziel ist es, den milit\u00e4rischen Kampf gegen Israel zu versch\u00e4rfen und den (verhandlungsbereiten) PLOF\u00fchrer ARAFAT zu st\u00fcrzen. Anh\u00e4nger der neuen Vereinigung finden sich auch in den hier ans\u00e4ssigen extremistischen Pal\u00e4stinenserorganisationen wie dem Pal\u00e4stinensischen Arbeiterverband (PAV) und tragen zu den internen Auseinandersetzungen mit ARAFAT-treuen Landsleuten bei. 4.7 Libyer Ein Libyer erscho\u00df am 6. April 1985 in Bonn den 30j\u00e4hrigen libyschen Oppositionellen Gebril DENALI. Bei dem Attentat erlitten zwei deutsche Passanten zum Teil schwere Schu\u00dfverletzungen. Nach anf\u00e4nglicher Aussageverweigerung gestand der T\u00e4ter, als Angeh\u00f6riger eines libyschen Volkskomitees in die Bundesrepublik Deutschland eingereist zu sein, um Gegner des Heimatstaats zu t\u00f6ten. Der Anschlag ist - wie schon fr\u00fchere gleiche Attentate in NordrheinWestfalen und im Ausland - mit Morddrohungen des libyschen Regimechefs GADDAFI gegen im Ausland lebende Regimegegner in Verbindung zu bringen. Das Landgericht Bonn verurteilte den T\u00e4ter am 11. November 1985 wegen Mordes in Tateinheit mit fahrl\u00e4ssiger K\u00f6rperverletzung zu lebenslanger Haft. Am 13. April 1985 t\u00f6tete ein libyscher Student in Aachen einen Marokkaner durch einen Kopfschu\u00df. Die Tatwaffe war vom selben Typ und wies \u00e4hnliche Ver\u00e4nderungen auf wie die beim Attentat auf DENALI verwendete Pistole. Das Motiv f\u00fcr den Aachener Mordfall liegt zwar noch nicht offen zutage; ein politischer Hintergrund ist jedoch zu vermuten. Auf einer Demonstration der regimetreuen Generalstudentenunion der Sozialistischen Libyschen Arabischen Volks-Jamahiria in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin (GUSJ) am 9. November 1985 in Bonn verurteilten etwa 60 bis 80 Libyer angebliche Geheimoperationen der CIA gegen das GADDAFI-Regime. 4.8 Jugoslawen Wegen des Verdachts von Sprengstoffanschl\u00e4gen ermittelt das Bundeskriminalamt gegen vier kroatische Extremisten. Hausdurchsuchungen im 57","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 Rahmen des Ermittlungsverfahrens f\u00f6rderten bei den Verd\u00e4chtigen, von denen drei in Nordrhein-Westfalen leben, im Mai 1985 Schu\u00dfwaffen und Munition sowie diverse schriftliche Unterlagen zutage. 4.9 Srilanker (Tamilen) Angeh\u00f6rige des Volksstammes der Tamilen - so nennen sich die Bewohner des n\u00f6rdlichen Sri Lanka (fr\u00fcher Ceylon) - lieferten sich Anfang Februar 1985 in einem Remscheider Asylbewerberwohnheim eine Schl\u00e4gerei, die f\u00fcnf Verletzte forderte. Angeblich sollen Mitglieder der \"Liberation Tigers of Tamil Eelam\" Anh\u00e4nger des Komitees \"People Liberation Organisation of Tamil Eelam (Deutsche Sektion)\" mit Messern und Eisenstangen angegriffen haben. Es handelt sich um konkurrierende srilankische Separatistenvereinigungen. Die \"Tiger\" warfen dem F\u00fchrer des Komitees vor, gegen Bezahlung Landsleute einzuschleusen. 58","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 5 Spionageabwehr 5.1 Entwicklungstendenz Die Nachrichtendienste der Ostblockstaaten haben im Jahre 1985 ihre geheimdienstliche T\u00e4tigkeit gegen den in ihrem Sprachgebrauch \"kapitalistischen Westen\" intensiviert. Die Bundesrepublik Deutschland war und ist weiterhin bevorzugtes Ziel geheimdienstlicher Operationen. Dies h\u00e4ngt nicht nur mit ihrer geografischen Lage an der Nahtstelle zum Ostblock, sondern auch mit ihrer starken Stellung im westlichen Verteidigungsb\u00fcndnis und mit der herausragenden wirtschaftlichen und technologischen Bedeutung zusammen. Nordrhein-Westfalen ist dabei nach wie vor durch gegnerische Spionageangriffe besonders betroffen. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr liegen - in der Tatsache, da\u00df bedeutende Wirtschaftsund Forschungszentren in Nordrhein-Westfalen ans\u00e4ssig sind - im Vorhandensein wichtiger milit\u00e4rischer Anlagen und Kommandostellen der Bundeswehr und der NATO - in dem Umstand, da\u00df die Bundesregierung und die meisten diplomatischen sowie viele konsularische Vertretungen hier ihren Sitz haben - in der Ansiedlung vieler Niederlassungen nationaler und internationaler Unternehmen in oder in der N\u00e4he von Bonn. Die Ballungsgebiete an Rhein und Ruhr erleichtern Agenten auch das Untertauchen und ein Leben in der Anonymit\u00e4t; eine soziale Kontrolle wie in l\u00e4ndlichen Gebieten findet hier nicht statt. Von den erkannten, gegen die Bundesrepublik Deutschland gerichteten nachrichtendienstlichen Auftr\u00e4gen konnten 1985 14,4 % in Nordrhein-Westfalen aufgedeckt werden. Dieses Ergebnis konnte trotz des \u00dcbertritts des ehemaligen Mitarbeiters des Bundesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz, Regierungsdirektor TIEDGE, in die DDR im August 1985 erzielt werden, der einerseits einen Vertrauensverlust in der Bev\u00f6lkerung zur Folge hatte, andererseits viele B\u00fcrger aus einem Gef\u00fchl des \"jetzt gerade\" veranla\u00dfte, Hinweise zu geben oder sich zu offenbaren. Die nachrichtendienstlichen Aktivit\u00e4ten der einzelnen Ostblockstaaten sind, wie bisher, unterschiedlich. 50 % der erkannten Auftr\u00e4ge gingen vom Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit (MfS) oder der Verwaltung Aufkl\u00e4rung des Ministeriums f\u00fcr Nationale Verteidigung der DDR aus, wobei eine Zuordnung nicht immer einfach ist. Den Grund f\u00fcr diesen hohen Anteil der DDR-Nachrichtendienste findet man nicht nur in der von Moskau diktierten Aufgabenverteilung innerhalb der Ostblockl\u00e4nder. F\u00fcr DDR-Spione ist es wegen der geographischen N\u00e4he zum Bundesgebiet und aufgrund der Gleichartigkeit von Sprache, Kultur und Tradition auch relativ leicht, hier unauff\u00e4llig Fu\u00df zu fassen. An zweiter Stelle in der Statistik der erkannten Auftr\u00e4ge liegen mit 25,4 % die Nachrichtendienste der UdSSR (KGB und GRU), Diese Zahl zeigt, da\u00df die Sowjetunion auch selbst erhebliche Anstrengungen unternimmt, um Informationen zu gewinnen. Die Gr\u00fcnde hierf\u00fcr 59","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 sind vielschichtig. Sie d\u00fcrften u. a. auch darin zu suchen sein, da\u00df die UdSSR an vielen Spionageergebnissen interessiert ist, die sie ausschlie\u00dflich selbst auswerten will. An dritter Stelle der Statistik liegt die CSSR mit 15 % der erkannten Auftr\u00e4ge. Auch die tschechoslowakischen Nachrichtendienste machen erhebliche Anstrengungen, um an geheime oder vertrauliche Informationen jedweder Art zu gelangen. Polen liegt mit 6,1 % der erkannten Auftr\u00e4ge an vierter Stelle. Die beiden polnischen Nachrichtendienste haben ihre Aufmerksamkeit nicht nur auf milit\u00e4rische oder wirtschaftliche Ziele gerichtet, sondern auch - im Rahmen ihrer politischen Spionage - auf die mittlerweile sehr starke Emigrantenszene. An f\u00fcnfter und sechster Stelle der \u00dcbersicht erscheinen die Dienste von Bulgarien (2,4 %) und Rum\u00e4nien (1,1 %). Auch bei den Aktivit\u00e4ten Rum\u00e4niens spielt die Beobachtung der Emigrantenszene in der Bundesrepublik Deutschland eine gewichtige Rolle. Alle nachrichtendienstlichen Aktivit\u00e4ten der Warschauer-Pakt-Staaten haben das Ziel, das kommunistische System im Innern zu st\u00e4rken, gegen\u00fcber Einfl\u00fcssen von au\u00dfen zu sichern und durch wirtschaftliche Erfolge eine Hebung des Lebensstandards zu erreichen. An dieser Stelle sei erw\u00e4hnt, da\u00df die Organisation der Geheimdienste der Sowjetunion Vorbild f\u00fcr alle anderen \" Bruderstaaten \" ist. In all diesen L\u00e4ndern gibt es zivile und milit\u00e4rische Geheimdienste, die sich gegenseitig mehr oder weniger argw\u00f6hnisch beobachten. 5.2 Art und Umfang der gegnerischen Werbungsmethoden Die Werbungsversuche der Nachrichtendienste des Ostblocks haben sich kaum ge\u00e4ndert. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Kontaktaufnahmen erfolgt im \u00f6stlichen Machtbereich. So werden beispielsweise private oder gesch\u00e4ftliche Besuche von Bundesb\u00fcrgern im Ostblock zu Kontaktaufnahmen genutzt. Legale \u00dcbersiedler aus der DDR oder Umsiedler bzw. Aussiedler aus Ostblockstaaten werden h\u00e4ufig im Zuge der \u00dcbersiedlungsbem\u00fchungen zur Spionaget\u00e4tigkeit aufgefordert. Es sind auch F\u00e4lle bekannt, in denen \u00dcberoder Umsiedler vor die Alternative gestellt wurden, eine Spionageverpflichtung einzugehen, um ausreisen zu d\u00fcrfen, andernfalls die Ausreise abgelehnt w\u00fcrde. Nach wie vor nutzen die \u00f6stlichen Nachrichtendienste auch wirtschaftliche oder pers\u00f6nliche Schwierigkeiten von Bundesb\u00fcrgern aus, um Werbungsversuche zu unternehmen. Zwei Beispiele sollen dies verdeutlichen: Ein stellungssuchender Akademiker inserierte f\u00fcr eine T\u00e4tigkeit in der Elektronikbranche. Daraufhin meldete sich bei ihm telefonisch ein angeblicher Angeh\u00f6riger eines Berliner Unternehmens, der eine lukrative T\u00e4tigkeit anbot und ihn nach Erfragen einiger pers\u00f6nlicher Daten nach Berlin einlud. Der Stellungssuchende stellte fest, da\u00df sich die Anschrift des\" Berliner Unternehmens \" in Ost-Berlin befand. Neugierig geworden fuhr er nach OstBerlin, suchte die angegebene Anschrift auf und merkte alsbald, da\u00df er f\u00fcr eine Spionaget\u00e4tigkeit angeworben werden sollte. Er lehnte das Angebot nicht 60","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 sofort ab, sondern bat zun\u00e4chst um Bedenkzeit. Sein Gespr\u00e4chspartner ersetzte ihm die Reisekosten, nicht ohne ihn zu ermahnen, \u00fcber das Gespr\u00e4ch Stillschweigen zu bewahren. Er offenbarte sich zu Hause der Spionageabwehr. Der folgende Fall zeigt eine andere Methode: Ein Bundesb\u00fcrger fuhr mit seinem PKW von D\u00fcsseldorf nach Berlin. Auf der Transitstrecke zwischen Helmstedt und Berlin wurde er wegen zu schnellen Fahrens von der Volkspolizei angehalten. Bei einem anschlie\u00dfenden Verh\u00f6r stellte man ihm Straflosigkeit in Aussicht, wenn er zu \" gewissen Gegendiensten \" bereit sei. Er ging zum Schein darauf ein und konnte unbehelligt weiterreisen. Nach seiner R\u00fcckkehr offenbarte er seine Mitarbeitsverpflichtung. Insgesamt gesehen ist die Zahl der Werbungen bzw. Werbungsversuche gegen\u00fcber dem Vorjahr um 43,8 % angestiegen. Dies macht die besonderen Bem\u00fchungen \u00f6stlicher Nachrichtendienste deutlich, neue Agenten anzuwerben. Dabei liegen die Nachrichtendienste der DDR mit 73,9 % der erkannten Werbungen oder Werbungsversuche an der Spitze; 12,0 % gingen auf das Konto von Polen, 7,6 % auf das der UdSSR, 4,3 % der CSSR und 2,0 % von Rum\u00e4nien. 5.3 Nachrichtendienstliche Auftr\u00e4ge gegen Nordrhein-Westfalen Die Schwerpunkte der nachrichtendienstlichen Auftr\u00e4ge gegen NordrheinWestfalen haben sich im letzten Jahr gewandelt. W\u00e4hrend 1984 die Milit\u00e4rspionage mit 46 % noch an der Spitze lag, waren es 1985 nur noch 31 %. Daf\u00fcr nahm 1985 die politische Spionage mit 33,4 % den ersten Rang ein. Es folgen die sogenannte Wirtschaftsspionage mit 20,1 % und die Gegenspionage mit 2,9 %. Die restlichen 12,6 % beziehen sich auf Auftr\u00e4ge vorbereitender und unterst\u00fctzender Art. Zur politischen Spionage z\u00e4hlen im wesentlichen folgende Zielobjekte: - Regierungsund Verwaltungsstellen des Bundes, des Landes und der Gemeinden - Universit\u00e4ten, Hochschulen und Studentenverb\u00e4nde - politische Parteien - Emigrantenorganisationen. Dar\u00fcber hinaus sind naturgem\u00e4\u00df die Bem\u00fchungen zur Ausforschung von Sicherheitsbeh\u00f6rden und Fluchthilfeorganisationen besonders intensiv. 5.4 Der Fall TIEDGE Der \u00dcbertritt des ehemaligen Angeh\u00f6rigen der Spionageabwehr beim Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz, Regierungsdirektor TIEDGE, in die DDR stellte auch die Spionageabwehr des Landes Nordrhein-Westfalen vor gro\u00dfe Probleme, wenngleich sie dadurch nur mittelbar betroffen war. In einem Zeitungsinterview vom 25. Oktober 1985 hat der Innenminister diesen Schaden best\u00e4tigt, gleichzeitig aber auch festgestellt, da\u00df die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde alle durch den m\u00f6glichen Verrat von Regierungsdirektor TIEDGE gef\u00e4hrdeten Personen aus 61","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 Nordrhein-Westfalen vor einer evtl. Verhaftung bei einer Ausreise in die Ostblockstaaten warnen konnte. Dies war nur m\u00f6glich, weil sofort nach Bekanntwerden des \u00dcbertritts Ma\u00dfnahmen anliefen, um Gef\u00e4hrdungsmomente festzustellen und m\u00f6glichen Schaden abzuwenden. 62","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 6 Strafrechtspflege Die Justizbeh\u00f6rden des Landes Nordrhein-Westfalen sind, wie schon in den Vorjahren, auch 1985 in erheblichem Ma\u00dfe mit Strafverfahren, deren Gegenstand Straftaten im Zusammenhang mit extremistischen Umtrieben waren, befa\u00dft worden. 6.1 Verfahren wegen rechtsextremistischer Aktivit\u00e4ten Bei den Staatsanwaltschaften des Landes sind im Jahre 1985 insgesamt 887 einschl\u00e4gige Verfahren neu anh\u00e4ngig geworden. In dieser Zeit ist in 121 Verfahren gegen 197 Personen Anklage erhoben bzw. Antrag auf Erla\u00df eines Strafbefehls gestellt worden. Rechtskr\u00e4ftig verurteilt wurden 91 Personen; ein Angeklagter wurde freigesprochen. Gegen 50 Personen wurde das Verfahren von dem erkennenden Gericht eingestellt bzw. die Untersuchung auf nicht einschl\u00e4gige Straftaten beschr\u00e4nkt. Die Staatsanwaltschaften haben im Berichtszeitraum in Ermittlungsverfahren gegen insgesamt 954 Personen das Verfahren eingestellt bzw. die Untersuchung auf nicht einschl\u00e4gige Taten beschr\u00e4nkt, und zwar - gegen 791 Personen, weil entweder die T\u00e4ter nicht ermittelt werden konnten oder weil eine Straftat nicht vorlag, weil der genaue Hergang nicht mit der erforderlichen Sicherheit aufgekl\u00e4rt werden konnte oder aber weil die Beweismittel zu einer \u00dcberf\u00fchrung des Beschuldigten nicht ausreichten - gegen 65 Beschuldigte wegen geringer Schuld und geringer Bedeutung der Vorf\u00e4lle (zum Teil gegen Geldauflagen) oder im Hinblick auf schwerere Tatvorw\u00fcrfe, denen gegen\u00fcber die in Rede stehenden Taten nicht erheblich ins Gewicht fielen - gegen 98 Personen nach sonstigen Vorschriften (z. B. wegen unbekannten Aufenthaltes). 6.2 Verfahren wegen linksextremistischer Aktivit\u00e4ten Wegen Straftaten, deren Ursprung dem Bereich des Linksextremismus zuzuordnen ist, haben die Staatsanwaltschaften im Berichtszeitraum insgesamt 501 Verfahren neu eingeleitet. In der Zeit vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 1985 ist in 87 Verfahren gegen 132 Personen Anklage erhoben bzw. Antrag auf Erla\u00df eines Strafbefehls gestellt worden. 67 Angeklagte wurden rechtskr\u00e4ftig verurteilt; vier Angeklagte wurden freigesprochen. Gegen 45 Personen wurde das Verfahren von dem erkennenden Gericht eingestellt bzw. die Untersuchung auf nicht einschl\u00e4gige Straftaten beschr\u00e4nkt. Die Staatsanwaltschaften haben im Berichtszeitraum die Ermittlungsverfahren gegen 627 Personen eingestellt, und zwar - gegen 579 Personen, weil entweder die T\u00e4ter nicht ermittelt werden konnten oder weil eine Straftat nicht vorlag, weil der genaue Hergang nicht mit der erforderlichen Sicherheit aufgekl\u00e4rt werden konnte oder aber weil die Beweismittel zu einer \u00dcberf\u00fchrung des Beschuldigten nicht ausreichten 63","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 - gegen 13 Personen wegen geringer Schuld und geringer Bedeutung der Vorf\u00e4lle (zum Teil gegen Geldauflagen) oder im Hinblick auf schwerere Tatvorw\u00fcrfe, denen gegen\u00fcber die in Rede stehenden Taten nicht erheblich ins Gewicht fielen - gegen 35 Personen nach sonstigen Vorschriften (z. B. wegen unbekannten Aufenthaltes). 6.3 Demonstrationsstraftaten Die nachfolgende Darstellung bezieht sich auf Ermittlungsund Strafverfahren, die anl\u00e4\u00dflich von Demonstrationen aller Art entstanden sind und im Jahre 1985 bei den Staatsanwaltschaften und Gerichten anh\u00e4ngig waren. \u00dcber die H\u00e4ufigkeit von Gewalttaten im Zusammenhang mit Demonstrationen soll und kann sie keinen Aufschlu\u00df geben. Nach einer statistischen Erhebung der Polizei sind 1985 21 von insgesamt 1.717 Demonstrationen unfriedlich verlaufen; das sind 1,22 % (1984: 2,04 %). Wie bereits in den fr\u00fcheren Berichten dargelegt, ist es bei Veranstaltungen der genannten Art zu strafrechtlich relevanten \u00dcbergriffen sowohl der Veranstaltungsteilnehmer als auch von Au\u00dfenstehenden gegen\u00fcber Teilnehmern und von Teilnehmern einer Gegendemonstration gekommen. Ferner sind die F\u00e4lle von Ausschreitungen gegen\u00fcber den eingesetzten Polizeikr\u00e4ften erfa\u00dft. Im Jahre 1985 hatten die Staatsanwaltschaften des Landes insgesamt 1.047 einschl\u00e4gige Verfahren zu bearbeiten. Insgesamt 745 der genannten Verfahren sind in der Zeit vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 1985 abgeschlossen worden, und zwar - 350 Verfahren durch Einstellung, weil entweder die T\u00e4ter nicht ermittelt werden konnten, eine Straftat nicht vorlag, der genaue Hergang nicht mit der erforderlichen Sicherheit aufgekl\u00e4rt werden konnte oder aber weil die Beweismittel zu einer \u00dcberf\u00fchrung des Beschuldigten nicht ausreichten - 50 Verfahren durch rechtskr\u00e4ftige Urteile gegen 59 Personen - 116 Verfahren durch rechtskr\u00e4ftige Strafbefehle gegen 117 Personen - 229 Verfahren auf andere Weise. Noch anh\u00e4ngig waren am 31. Dezember 1985 302 Verfahren gegen 303 Personen, wobei in 127 Verfahren gegen 149 Personen bereits Anklage erhoben bzw. der Erla\u00df eines Strafbefehls beantragt worden ist. Die weiteren Verfahren befinden sich noch im Ermittlungsstadium. 64","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 7 Anhang 7.1 \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte rechtsextremistische Parteien, nebenund beeinflu\u00dfte Organisationen sowie deren Presseerzeugnisse Organisation Mitglieder Presse (einschlie\u00dflich (einschlie\u00dflich Sitz) Erscheinungsweise und Auflage) 1985 (1984) Ehemalige Aktionsfront \"Die Neue Front\" Nationaler Sozialisten / (monatlich) Nationale Aktivisten (ANS/NA) \"Die Neue Zeit\" (unregelm\u00e4\u00dfig) Deutsche Volksunion (DVU) 12.000 (12.000) \"Deutscher Anzeiger\" 8000 M\u00fcnchen (w\u00f6chentlich) NRW 2.500 einschlie\u00dflich Aktion Deutsche Einheit AKON e.V. 8000 M\u00fcnchen Aktion Deutsches Radio und Fernsehen (ARF) 8000 M\u00fcnchen Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (I.f.A.) 8000 M\u00fcnchen Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie (VOGA) 8000 M\u00fcnchen Ehrenbund Rudel (ER) Schutzbund f\u00fcr Leben und Umwelt Freiheitliche Deutsche 300 \"FAP-Nachrichten\" Arbeiterpartei (FAP) (unregelm\u00e4\u00dfig) 65","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 NRW 100 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale 200 (300) Nachrichten der HNG politische Gefangene und deren (monatlich) Angeh\u00f6rige (HNG) 4800 Bielefeld NRW 40 (20) Junge Nationaldemokraten (JN) 550 (550) \"JN-Pressedienst\" 5000 K\u00f6ln (unregelm\u00e4\u00dfig) Landesverband NRW 100 (100) \"JN-Orgblitz\" 4630 Bochum-Wattenscheid (unregelm\u00e4\u00dfig) \"JN-Intern\" (unregelm\u00e4\u00dfig) Nationaldemokratische Partei 6.100 (6.100) \"Deutsche Stimme\" Deutschlands (NPD) (monatlich) 7000 Stuttgart \"NPD Aktuell\" (unregelm\u00e4\u00dfig) Landesverband NRW 1.000 (1.000) \"NPD-Landesspiegel 4630 Bochum-Wattenscheid Nordrhein-Westfalen\" (monatlich) NRW: 54 Kreisverb\u00e4nde \"NPD-Organisationsspiegel Nordrhein-Westfalen\" (monatlich) NSDAP-Auslandsund 100 (100) \"NS-Kampfruf\" Aufbauorganisation (NSDAP-A0) Lincoln/USA Wiking-Jugend (WJ) 380 (440) \"Wikinger\" 5190 Stolberg (viertelj\u00e4hrlich) NRW 100 (100) Anmerkung: Die Aufnahme von extremistisch beeinflu\u00dften Organisationen in die vorstehende \u00dcbersicht bedeutet nicht, da\u00df die eigene Zielsetzung einer solchen Organisation als extremistisch zu beurteilen ist. 7.2 \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte linksextremistische Parteien, nebenund beeinflu\u00dfte Organisationen sowie deren Presseerzeugnisse Organisation Mitglieder Presse (einschlie\u00dflich (einschlie\u00dflich Sitz) Erscheinungsweise und Auflage) 1985 (1984) 66","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 Deutsche Friedens-Union (DFU) 1.000 (1.000) \"Pressedienst DFU\" Landesverband NRW 400 (400) (unregelm\u00e4\u00dfig) 4300 Essen \"DFU betr. Politik\" (unregelm\u00e4\u00dfig) \"Pressedienst DFU NRW (unregelm\u00e4\u00dfig) Deutsche Kommunistische Partei 40.000 (40.000) \"Unsere Zeit\" (UZ) (DKP) Tagesausgaben: 25.000 Parteivorstand: Wochenendausgaben: Prinz-Georg-Str. 79 50.000 4000 D\u00fcsseldorf \"DKP-Pressedienst\" (t\u00e4glich) \"Marxistische Bl\u00e4tter\" (monatlich) Zentrale Einrichtungen \"Nachrichten\" - f\u00fcr \"Institut f\u00fcr Marxistische Studien Gewerkschaftsfunktion\u00e4re und Forschungen\" (monatlich) 6000 Frankfurt/Main \"Verein zur F\u00f6rderung der \"Landrevue\" - Informationen Forschung und des Studiums der f\u00fcr die Landbev\u00f6lkerung - Sozialwissenschaften e.V.\" (unregelm\u00e4\u00dfig) 6000 Frankfurt/Main \"PRAXIS\" (unregelm\u00e4\u00dfig) \"Karl-Liebknecht-Schule\" 5090 Leverkusen Marxistische Arbeiterbildung e.V. (MAB) Vereinigung zur Verbreitung des wissenschaftlichen Sozialismus 5600 Wuppertal \"Marx-Engels-Stiftung e.V.\" \"Probleme des Friedens und (fr\u00fcher: \"Friedrich-EngelsSozialismus\" - Zentrum\") deutschsprachige Ausgabe 5600 Wuppertal der in der CSSR hergestellten Schrift - (monatlich) \"infodienst\" - f\u00fcr DKPBetriebszeitungen, Wohngebietsund Hochschulzeitungen (unregelm\u00e4\u00dfig) Bezirk Ruhr-Westfalen 6.500 (6.500) Hoffnungstr. 18 4300 Essen Bezirk Rheinland-Westfalen 5.500 (5.500) Ackerstr. 3 4000 D\u00fcsseldorf NRW: 42 Kreisorganisationen ca. 130 Kreisund ca. 130 Betriebsund Stadtteilzeitungen Hochschulgruppen ca. 140 Betriebsund ca. 300 Ortsbzw. Hochschulzeitungen Stadtteilorganisationen und Wohngebietsgruppen 67","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 Gruppe Internationale Marxisten 250 (250) \"was tun\" (GIM) (vierzehnt\u00e4gig) 6000 Frankfurt/Main NRW 60-80 (60-80) Junge Pioniere (JP) 4.000 (4.000) \"pionier\" 4600 Dortmund (monatlich) Landesverband Ruhr-Westfalen \"Pionierleiter-Info\" 4300 Essen (monatlich) Landesverband Rheinland\"Mach-mit-Reihe\" Westfalen (unregelm\u00e4\u00dfig) 5000 K\u00f6ln NRW 1.500 (1.500) Kommunistische Partei 400 (400) \"Roter Morgen\" Deutschlands (MarxistenLeninisten) (KPD) 4600 Dortmund NRW 120 (150) Marxistische Gruppe 1.700 (1.500) \"Marxistische Arbeiterzeitung\" (MAZ) \"Marxistische Hochschulzeitung\" (auch \u00f6rtlich) \"MSZ-Gegen die Kosten der Freiheit\" (monatlich) Marxistisch-Leninistische Partei 1.300 (1.100) \"Rote Fahne\" Deutschlands (MLPD) (10.000 w\u00f6chentlich) 4300 Essen NRW 600 (430) Marxistischer Studentenbund 6.000 (6.000) \"rote bl\u00e4tter\" Spartakus (MSB) 5300 Bonn NRW 1.400 (1.400) Sozialistische Deutsche 15.000 (15.000) \"elan\" (inoffiziell) Arbeiterjugend (SDAJ) (35.000 monatlich) 4600 Dortmund Landesverband Ruhrgebiet\u00f6rtliche Zeitungen Westfalen 4300 Essen Landesverband Rheinland\u00f6rtliche Zeitungen Westfalen 5000 K\u00f6ln NRW 4.600 (4.600) 68","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1985 Volksfront (V) 600 (1.400) 5000 K\u00f6ln NRW 250 (500) (z.T. Mitgliedschaft KPD) Anmerkung: Die Aufnahme von extremistisch beeinflu\u00dften Organisationen in die vorstehende \u00dcbersicht bedeutet nicht, da\u00df die eigene Zielsetzung einer solchen Organisation als extremistisch zu beurteilen ist. 7.3 Antrag der Fraktion der SPD betr. Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei LANDTAG NORDRHEIN-WESTFALEN 10. Wahlperiode Antrag der Fraktion der SPD Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartel - FAP - Drucksache 10/289 22.10.1985 Der Landtag Nordrhein-Westfalen hat mit Besorgnis zur Kenntnis genommen, da\u00df vierzig Jahre nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Unrechtssystems in unserem Land Gruppen und Einzelpersonen unter dem Deckmantel einer \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei \" mit eindeutig nazistischen Parolen an die \u00d6ffentlichkeit treten und vor Gewalthandlungen nicht zur\u00fcckschrecken. Dieses Auftreten ist geeignet, das friedliche Zusammenleben der B\u00fcrger empfindlich zu st\u00f6ren; es stellt zugleich einen Angriff auf die freiheitliche demokratische Grundordnung unseres Staates dar. Der Landtag geht davon aus, da\u00df die Landesregierung wie bisher alle erforderlichen Ma\u00dfnahmen trifft, um Verst\u00f6\u00dfe gegen Verfassung und Recht radikaler Gruppen und Personen strafrechtlich und polizeilich zu verfolgen. Der Landtag ersucht die Landesregierung, die tats\u00e4chlichen und rechtlichen Voraussetzungen f\u00fcr ein Verbot mit dem Ziel zu pr\u00fcfen, eine Entscheidung des Bundesrates herbeizuf\u00fchren, beim Bundesverfassungsgericht einen Antrag auf Entscheidung zu stellen, ob die \" Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei - FAP\" verfassungswidrig ist (Art. 21 Abs. 2 des Grundgesetzes). Prof. Dr. Farthmann und Fraktion Datum des Originals: 22. 10. 1985 / Ausgegeben: 23. 10. 1985 69"],"title":"Verfassungsschutzbericht 1985","year":1985}
