{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-nw-1964.pdf","jurisdiction":"Nordrhein-Westfalen","num_pages":49,"pages":["Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 1 Inhaltsverzeichnis 1 Lagebericht vor Mitgliedern des Landtages NRW ......................... 3 1.1 Linksradikalismus .............................................................................................3 1.1.1 KPD und ihre Hilfsorganisationen - Hauptaufgaben und Ziele .........................3 1.1.2 Festigung und Ausbau der Organisation der KPD............................................4 1.1.3 Politische Organisation der KPD ......................................................................5 1.1.4 Organisation der KPD auf Landesebene ..........................................................5 1.1.5 Zentrale Organe der KPD.................................................................................6 1.1.6 Dezentralisierung des Literaturvertriebsapparates ...........................................6 1.1.7 \u00d6rtliches Propagandamaterial ..........................................................................6 1.1.8 Schleusungsapparat.........................................................................................7 1.1.9 Postkurierapparat .............................................................................................7 1.1.10 Briefversandapparat .......................................................................................7 1.1.11 Sicherheitsund Abwehrapparat ....................................................................7 1.1.12 \"Deutsche Freiheitssender 904\" .....................................................................8 1.1.13 Politik der B\u00fcndnisse ......................................................................................8 1.1.14 \"Deutsche Friedensunion\" (DFU) ...................................................................9 1.1.15 \"Vereinigung Unabh\u00e4ngiger Sozialisten\" (VUS) ...........................................11 1.1.16 \"Sozialistische Studiengemeinschaft\"...........................................................11 1.1.17 \"Bund der Deutschen\" (BdD) ........................................................................11 1.1.18 Kommunistische Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Ostermarsch ..................................12 1.1.19 Kommunistische Jugendpolitik .....................................................................12 1.1.20 Umfangreiche Unterst\u00fctzung der KPD aus der SBZ.....................................13 1.1.21 \"offene\" Parteiarbeit......................................................................................13 1.2 Rechtsradikalismus.........................................................................................15 1.2.1 Wahlniederlagen der Deutschen Reichs-Partei (DRP) ...................................15 1.2.2 Politischer Kr\u00e4fteverfall der DRP ....................................................................16 1.2.3 Versuche einer \"Nationalen Sammlung\".........................................................16 1.2.4 Infiltrationsversuche bestimmter Bev\u00f6lkerungsgruppen .................................17 1.2.5 \"Deutsches Kulturwerk Europ\u00e4ischen Geistes\" ..............................................18 1.2.6 \"Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik\" ...................................................................18 1.2.7 Arbeitskreise zur \"F\u00f6rderung der geschichtswissenschaftlichen Forschung und zur Wiederherstellung der historischen Wahrheit\"............................................18 2 Der Versand \"Offener Briefe\" in Nordrhein - Westfalen als besondere Form der Arbeit der KPD, 1965...................................... 20 Einleitung ...............................................................................................................20 Vorbemerkung .......................................................................................................20 2.1 Die strategische und taktische Linie der illegalen KPD als Basis der \"offenen\" Arbeit.....................................................................................................21 2.2 Wesen und Zielsetzung der \"offenen\" Arbeit ...............................................24","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 2 2.3 Anleitung der offen auftretenden Kommunisten durch die KPDF\u00fchrungsgremien ..................................................................................................26 2.4 Briefaktionen als besondere Form der offenen Arbeit.................................28 2.5 Briefaktionen als Instrument im Kampf um die Aufhebung des Parteiverbote .........................................................................................................30 2.6 Vergleich des Inhaltes der \"Offenen Briefe\" mit den zentralen Verlautbarungen der KPD.....................................................................................33 2.6.1 Zentrale Verlautbarungen der KPD ................................................................33 2.6.2 Formulierungen in den offenen Briefen ..........................................................34 2.7 Zusammenfassende Beurteilung ...................................................................41 2.8 Anlage ..............................................................................................................42 2.8.1 Anlage 1 .........................................................................................................42 2.8.2 Anlage 2 .........................................................................................................45","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 3 1 Lagebericht vor Mitgliedern des Landtages NRW (Berichtsstand: 10. Juni 1964) 1.1 Linksradikalismus Den Schwerpunkt auf dem Gebiete der politischen Untergrundarbeit bildet nach wie vor der Linksradikalismus. 1.1.1 KPD und ihre Hilfsorganisationen - Hauptaufgaben und Ziele Die Arbeit der KPD und ihrer Hilfsorganisationen ist - heute wie vor Jahren - darauf gerichtet, die gesellschaftliche Ordnung der Bundesrepublik in ein System umzuwandeln, das von den Vorstellungen der kommunistischen Ideologie gepr\u00e4gt ist. Die Generallinie wird neben den Dokumenten der sogenannten \"Moskauer Beratungen\" der Jahre 1957 und 1960 von den Programmen der KPdSU (22. Parteitag Nov. 1961) und der SED (6. Parteitag Januar 1963) und schlie\u00dflich dem Programm der KPD selbst bestimmt, das auf dem zweiten illegalen Parteitag im Mai 1963 beschlossen wurde. Die KPD nennt dieses Dokument allerdings nicht \"Programm\" sondern \"Programmatische Erkl\u00e4rung\". Inhaltlich l\u00e4uft dies aber auf das Gleiche hinaus. Aus diesen Dokumenten ergibt sich, da\u00df die KPD in der gegenw\u00e4rtigen Etappe ihre Hauptaufgabe nicht darin sieht, die sozialistische Revolution als Voraussetzung zur Errichtung der Diktatur des Proletariats schon jetzt zu vollziehen. Das bedeutet nicht etwa, wie h\u00e4ufig angenommen wird, da\u00df die Kommunisten dieses Ziel aufgegeben h\u00e4tten, um sich im Zeitalter der Entspannung und der friedlichen Ko-Existenz mit dem in ihren Augen kapitalistischen System zu arrangieren. Eine solche Einstellung ist ideologisch ausgeschlossen. Die kommunistische F\u00fchrung hat jedoch erkannt, da\u00df unter den gegenw\u00e4rtigen politischen und \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnissen eine solche Revolution unm\u00f6glich ist. Es gilt daher, die Entwicklung zun\u00e4chst auf einen Zustand hinzulenken, der in der kommunistischen Terminologie als sogenannte \"revolution\u00e4re Situation\" bezeichnet wird und die Basis f\u00fcr die sp\u00e4tere Revolution selbst bilden soll. Diesem Ziel dienen die immer wieder festgestellten Versuche der KPD, unter Ausnutzung aller angeblichen Widerspr\u00fcche im kapitalistischen System Verb\u00fcndete zu gewinnen und die in ihren Augen fortschrittlichen Kr\u00e4fte zu einer breiten antimonopolistischen Volksbewegung zusammenzufassen deren F\u00fchrung selbstverst\u00e4ndlich die KPD selbst \u00fcbernehmen will. Es bedarf keiner besonderen Erw\u00e4hnung, da\u00df zwischen der kommunistischen Theorie und ihrer Praxis in der Bundesrepublik eine tiefe Kluft besteht. Deshalb unternehmen die Kommunisten alle Anstrengungen, um zumindest schrittweise im Sinne ihrer Nahziele Fortschritte zu erlangen. Sie haben erkannt, da\u00df sie hierf\u00fcr drei entscheidende Voraussetzungen erf\u00fcllen m\u00fcssen: 1. Sie m\u00fcssen die Partei in der Bundesrepublik trotz des bestehenden Verbots organisatorisch und personell weiter ausbauen und vor allem ideologisch so weit festigen, da\u00df sie als politisches Instrument gehandhabt werden kann.","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 4 2. Sie m\u00fcssen sich - da ihre Kraft allein nicht ausreicht - um B\u00fcndnispartner unter denjenigen politisch aktiven Kr\u00e4ften bem\u00fchen, die geneigt sein k\u00f6nnten, mit ihnen \"ein St\u00fcck Weges gemeinsam zu gehen\". 3. Sie m\u00fcssen daher versuchen, jene Bev\u00f6lkerungsschichten anzusprechen die nach der kommunistischen Ideologie f\u00fcr die Durchsetzung ihrer Politik bedeutsam sind, und jene Kreise politisch zu neutralisieren, bei denen sie keinen Widerhall zu finden glauben. 1.1.2 Festigung und Ausbau der Organisation der KPD Hinsichtlich der erstgenannten Voraussetzung - Festigung und Ausbau der Organisation der KPD - wurden zweifellos einige Fortschritte erzielt. Urs\u00e4chlich hierf\u00fcr war einmal das sogenannte Parteiaufgebot, mit dem die KPD sich selbst verpflichtete, die Partei ideologisch und organisatorisch zu straffen und auszubauen. Diese Aktion begann am 1. Januar 1962 und wurde am 31. Dezember 1962 abgeschlossen. U.a. waren als Einzelziele vorgesehen, 3.000 neue Mitglieder f\u00fcr die Partei zu gewinnen und 100 neue Betriebszeitungen herauszugeben. Allerdings wurden die erstrebten Ziele zahlenm\u00e4\u00dfig nicht erreicht. Im gesamten Bundesgebiet erschienen im Jahre 1962 insgesamt 95 Betriebszeitungen von denen 60 dem Parteiaufgebot zugerechnet werden k\u00f6nnen. Hiervon entfallen auf das Land Nordrhein-Westfalen insgesamt 51 Zeitungen, von denen 39 als Ergebnis des Parteiaufgebotes gelten m\u00fcssen. Noch weniger Erfolg wurde bei der Werbung neuer Mitglieder erreicht. Bei sehr optimistischer Sch\u00e4tzung liegt der Mitgliederzugang im Rahmen des Parteiaufgebotes im Bundesgebiet bei etwa 600 Werbungen. Das entspricht etwa einem F\u00fcnftel des gesteckten Zieles. Diese Tatsache hat dazu gef\u00fchrt, da\u00df sich das Zentralkomitee k\u00fcrzlich erneut mit der Frage der Mitgliederwerbung befa\u00dft hat. Ausgehend von Ausf\u00fchrungen eines bekannten KP-Funktion\u00e4rs beschlo\u00df das Zentralkomitee auf einer Tagung Ende April/ Anfang Mai 1964, ein \"Karl-Liebknecht-Parteiaufgebot\" durchzuf\u00fchren, in dessen verlauf 2.000 neue Parteimitglieder gewonnen werden sollen. Die F\u00fchrungsgremien der KPD denken dabei vornehmlich an junge Mitglieder, die sie zur Erhaltung ihrer Kader und zur Intensivierung der illegalen Parteiarbeit dringend ben\u00f6tigen. Abgesehen von dem zahlenm\u00e4\u00dfig unbefriedigenden Ergebnis hat das Parteiaufgebot aber doch zu einer erheblichen Straffung und Intensivierung der Parteiarbeit gef\u00fchrt. Es ist der KPD offensichtlich gelungen mit dem Parteiaufgebot wenigstens teilweise die allgemeine Lethargie und Resignation zu \u00fcberwinden, die unter den Mitgliedern Platz gegriffen hatte. Unter diesem Gesichtswinkel ist auch das neue \"Karl-Liebknecht-Parteiaufgebot\" zu sehen, das vornehmlich den Zweck verfolgt, durch die Aufstellung konkreter Organisationsziele die Aktivit\u00e4t des kommunistischen Untergrundes nicht abklingen zu lassen. Als zweites Ergebnis ist der zweite illegale Parteitag zu nennen der in der Zeit vom 23. - 25. Mai 1963 in Klein-Machnow bei Berlin stattfand. Mit ihm wurde praktisch das Parteiaufgebot des Jahres 1962 abgeschlossen. Die anwesenden 217 ordentlichen Delegierten verabschiedeten ein neues Statut der KPD, das den Bedingungen der Illegalit\u00e4t angepa\u00dft ist und beschlossen die anfangs schon erw\u00e4hnte","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 5 \"Programmatische Erkl\u00e4rung\", die die derzeitige politische und taktische Linie der KPD wiedergibt. Dar\u00fcber hinaus wurde das Zentralkomitee, bestehend aus 50 Mitgliedern und 20 Kandidaten, und das Politische B\u00fcro (abgek\u00fcrzt: Polit-B\u00fcro) neu gew\u00e4hlt. Dem aus 10 Mitgliedern bestehenden Polit-B\u00fcro geh\u00f6ren 5 Funktion\u00e4re an, die aus Nordrhein-Westfalen stammen - ein Indiz daf\u00fcr, welche Bedeutung gerade unserem Land von der KPD beigemessen wird. 1.1.3 Politische Organisation der KPD Nach dem augenblicklichen Stand vermittelt die politische Organisation der KPD folgendes Bild: Die F\u00fchrungsspitze - das Zentralkomitee - hat ihren Sitz in Ostberlin. Seine Organe sind das schon erw\u00e4hnte Polit-B\u00fcro, das f\u00fcr die politischen Entscheidungen zust\u00e4ndig ist, ein Sekretariat, das die Beschl\u00fcsse des Zentralkomitees und des Polit-B\u00fcros durchzuf\u00fchren hat, und die sehr wichtige \"Zentrale Partei-KontrollKommission\" (ZPKK). Das Sekretariat, das sich in Abteilungen und Kommissionen gliedert, ist f\u00fcr die Anleitung der gesamten Untergrundarbeit verantwortlich. 1. Sekret\u00e4r des Zentralkomitees ist der fr\u00fchere 1. Vorsitzende des Parteivorstandes. 1.1.4 Organisation der KPD auf Landesebene Unterhalb des Zentralkomitees befinden sich in den L\u00e4ndern die illegalen Landesund Bezirksleitungen. Das Land Nordrhein-Westfalen war bisher in zwei KPDBezirke gegliedert, die \"Ruhrgebiet\" und \"Niederrhein\" hie\u00dfen. Neueste Erkenntnisse lassen jedoch die Annahme zu, da\u00df heute in Nordrhein-Westfalen mindestens vier Bezirksleitungen arbeiten, n\u00e4mlich \"Ruhrgebiet\", \"Niederrhein\", \"Mittelrhein\" und \"Westfalen-Ost\". Ob oberhalb dieser vier Bezirksleitungen noch eine illegale Landesleitung besteht, konnte bisher nicht mit Sicherheit festgestellt werden. Im Hinblick auf die au\u00dferordentliche Bedeutung, die gerade NordrheinWestfalen in der kommunistischen Arbeit einnimmt, ist dies nicht unwahrscheinlich. Z.Zt. ist jedoch noch nicht gekl\u00e4rt, ob diese Leitung in Nordrhein-Westfalen oder aus der SBZ arbeitet. Den Bezirksleitungen sind die KP-Kreisorganisationen in den St\u00e4dten und Landkreisen nachgeordnet, deren Aufbau \u00fcberall zumindest versucht wurde. Die Zahl der wirklich arbeitenden Leitungen in Nordrhein-Westfalen wird zur Zeit auf etwa 50-60 gesch\u00e4tzt. Den Kreisleitungen unterstehen die sogenannten \"Grundeinheiten\", als deren wichtigste die Betriebsgruppen zu nennen sind. Ihre Gesamtzahl zu sch\u00e4tzen, ist sehr schwierig, weil nach dem Statut der KPD bereits drei Mitglieder f\u00fcr die Bildung einer Betriebsgruppe ausreichen. Es liegt auf der Hand, da\u00df derart kleine Zellen vielfach \u00fcberhaupt nicht wirksam werden und deshalb auch nicht angesprochen werden k\u00f6nnen. Mit allen Vorbehalten kann die Zahl der KPDBetriebsgruppen in Nordrhein-Westfalen auf etwa 100-120 gesch\u00e4tzt werden. Die Gesamtzahl im Bundesgebiet wird mit etwa 300 angenommen. Die Verbindung zwischen den Bezirksleitungen und den Kreisorganisationen halten Instrukteure aufrecht, die vor allem die Aufgabe haben, die Kreisorganisationen politisch und organisatorisch anzuleiten. Sie werden innerhalb der KPD deshalb auch \"Berater\" genannt. Hierbei handelt es sich um Funktion\u00e4re, die langj\u00e4hrig geschult und absolut linientreu sind und fast immer hauptamtlich t\u00e4tig werden. Ihre T\u00e4tigkeit ist f\u00fcr die Arbeit der KPD von entscheidender Bedeutung; man kann","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 6 sie auch den \"Motor der Partei\" nennen. Fr\u00fcher waren die Instrukteure grunds\u00e4tzlich au\u00dferhalb ihres Wohnsitzes eingesetzt, wohnten am Einsatzort in illegalen Quartieren und unter Decknamen und arbeiteten unter strengster Konspiration. Seit einiger Zeit ist diese Arbeitsform ge\u00e4ndert worden. Die Instrukteure \u00fcben jetzt ihre anleitende T\u00e4tigkeit am Wohnort aus, wobei sie sich m\u00f6glichst ein Arbeitsverh\u00e4ltnis suchen, das eine reisende T\u00e4tigkeit zul\u00e4\u00dft. Hierdurch wurde eine gewisse Abschirmung gegen Exekutivma\u00dfnahmen erreicht, weil die wichtigsten Indizien f\u00fcr eine illegale T\u00e4tigkeit - Deckname, falsche Ausweispapiere, geheimes Quartier usw. - in der Regel weggefallen sind. Andererseits ist es leichter m\u00f6glich, unerkannt auftretende Funktion\u00e4re zu identifizieren da sie uns meist aus fr\u00fcherer T\u00e4tigkeit bekannt sind. Zur Unterst\u00fctzung der im Untergrund arbeitenden politischen Organisationen hat die KPD bereits unmittelbar nach dem Verbot mit dem Ausbau sogenannter \"Sonderapparate\" begonnen, die unmittelbar von den verschiedenen Abteilungen des Sekretariats des ZK der KPD in Ostberlin angeleitet werden. 1.1.5 Zentrale Organe der KPD Ich m\u00f6chte hier zun\u00e4chst den Literaturvertriebsapparat nennen der vornehmlich die zentralen Organe \"Freies Volk\" und \"Wissen und Tat\" im Bundesgebiet verbreitet. Dieses Material ist nicht so sehr f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit bestimmt. Als sogenanntes Propagandamaterial hat es vor allem die Aufgabe, die Mitglieder und Funktion\u00e4re der Partei ideologisch zu schulen und mit der Linie der KPD vertraut zu machen. Dar\u00fcber hinaus sollen den Mitgliedern und Funktion\u00e4ren die Argumente f\u00fcr die tagespolitischen Auseinandersetzungen geliefert werden. 1.1.6 Dezentralisierung des Literaturvertriebsapparates W\u00e4hrend bis zur Durchf\u00fchrung gr\u00f6\u00dferer Exekutivma\u00dfnahmen in unserem Land (Aktion \"Sendepause\" 1959) der Literaturvertriebsapparat zentral aufgebaut war - seine Zust\u00e4ndigkeit erstreckt sich auf das gesamte Bundesgebiet - ist man ab etwa 1960 zu einer Dezentralisierung des Apparates \u00fcbergegangen. Das hat in der Praxis zur Folge, da\u00df z.B. \"Freies Volk\" nicht mehr in einer Druckerei, sondern zur Zeit in mindestens 3 Druckereien im Bundesgebiet hergestellt wird. Davon d\u00fcrfte sich eine Druckerei in Nordrhein-Westfalen befinden. \"Freies Volk\" wird von dieser Druckerei durch Kuriere zu den Anlaufstellen in den KPD-Bezirken unseres Landes gebracht, dort mit dem aus der SBZ eingef\u00fchrten \"Wissen und Tat\" gemischt und von der Bezirksanlaufstelle aus zu den Kreisanlaufstellen im KP-Bezirk gebracht. Von diesen Kreisanlaufstellen, die in der Regel von den illegalen KPKreisleitungen eingerichtet werden, flie\u00dft das Material an die Mitglieder und Funktion\u00e4re in den Grundeinheiten (Betriebsgruppen, Wohngebietsgruppen usw.) ab. Der Vorteil der dezentralisierten Regelung besteht f\u00fcr die KPD darin, da\u00df von E- xekutivaktionen h\u00f6chstens ein Land betroffen werden kann. Man sieht, die KPD hat aus den verschiedenen Exekutivma\u00dfnahmen der Staatsschutzorgane gelernt. 1.1.7 \u00d6rtliches Propagandamaterial Neben diesem zentralen Material wird - in geringerem Umfang - aber auch \u00f6rtlich hergestelltes Propagandamaterial verbreitet. Diese Kreisund Ortszeitungen und vor allem die wichtigen Betriebszeitungen sind nicht gedruckt, sondern werden im Handabzugsverfahren hergestellt. Allerdings darf ihre primitive Form und ihr meist","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 7 auch primitiver Inhalt nicht dazu verleiten, ihre Wirksamkeit zu untersch\u00e4tzen. Sie haben die M\u00f6glichkeit, ihre Agitation auf lokalen oder betriebsinternen Vorg\u00e4ngen aufzubauen und sprechen deshalb oft wirksamer an, als es das zentrale Material vermag, das mehr theoretisch und abstrakt bleiben mu\u00df. Seit dem KPD-Verbot erschienen in NRW bisher insgesamt 41 Kreisund Ortszeitungen. Die Herausgabe dieser Zeitungen ist jedoch fast v\u00f6llig eingestellt worden, im Jahre 1962 erschien nur noch eine Zeitung, im Jahre 1963 zwei. 1964 wurde noch keine Zeitung erfa\u00dft. Anders verh\u00e4lt es sich mit den Betriebszeitungen. Seit dem KPD-Verbot wurden in Nordrhein-Westfalen insgesamt 119 Betriebszeitungen herausgebracht. Davon erschienen noch im Jahre 1963 vierzig, im Jahre 1964 bisher 21 verschiedene Zeitungen. Weitere Apparate, denen eine besondere Bedeutung zukommt, sind der Schleusungsapparat, der Postkurierapparat, der Briefversandapparat, der Sicherheitsund Abwehrapparat und der \"Deutsche Freiheitssender 904\". 1.1.8 Schleusungsapparat Der Schleusungsapparat - auch Grenzapparat genannt - hat die Aufgabe, wichtige Funktion\u00e4re, insbesondere solche, die von der Polizei gesucht werden, von Ost nach West oder umgekehrt \u00fcber die Demarkationslinie zu schleusen. Dieser Apparat arbeitet besonders eng mit der Verkehrsabteilung des ZK der SED in OstBerlin zusammen und ist von zuverl\u00e4ssigen und erprobten KPD-Funktion\u00e4ren besetzt. 1.1.9 Postkurierapparat Der Postkurierapparat hat die Aufgabe, schriftliche Weisungen und sonstige bedeutsame Unterlagen des Zentralkomitees an die Bezirksleitungen in der Bundesrepublik weiterzugeben und Post f\u00fcr das ZK entgegenzunehmen. Auch dieser Apparat ist f\u00fcr die KPD von besonderer Bedeutung. Um ihn vor dem Zugriff staatlicher Organe abzusichern, wird oft der Weg \u00fcber das Ausland gew\u00e4hlt, wo die KPD mit Hilfe ihrer Bruderparteien Anlaufstellen, Geheimquartiere usw. eingerichtet hat. 1.1.10 Briefversandapparat Der Briefversandapparat hat die Aufgabe, einen nach politischen Gesichtspunkten ausgew\u00e4hlten Personenkreis in der Bundesrepublik auf dem Postwege mit KPAgitationsund Propagandamaterial zu versorgen. Auch Sie, meine Herren werden sicherlich des \u00f6fteren in Ihrem Briefkasten einen Brief mit dem Absender einer Ihnen v\u00f6llig unbekannten Person oder einer bekannten westdeutschen Firma gefunden haben, in dem sich dann ein kommunistisches Pamphlet befand. Dieses Material verbreitet der zentrale Briefversandapparat, der im Bundesgebiet \u00fcber eine Vielzahl von St\u00fctzpunkten verf\u00fcgt. 1.1.11 Sicherheitsund Abwehrapparat Der Sicherheitsund Abwehrapparat ist eine traditionsreiche kommunistische Einrichtung. Er hat nicht nur die defensive Funktion, \"Spitzel und Agenten\" staatlicher Organe und feindlicher Organisationen in der Partei zu entlarven. Er soll auch of-","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 8 fensiv diejenigen Kr\u00e4fte erkennen und durch gezielte Ma\u00dfnahmen auszuschalten versuchen, die sich mit Abwehrma\u00dfnahmen gegen die kommunistische Untergrundarbeit in der Bundesrepublik befassen. Der Sicherheitsapparat und die ZPKK sind sachlich und personell miteinander verzahnt. Sie haben Beauftragte in allen Bereichen der Partei. Sie sind die GPU des ZK. 1.1.12 \"Deutsche Freiheitssender 904\" Ein wichtiges Instrument der kommunistischen Agitation ist der \"Deutsche Freiheitssender 904\". Er konnte seine Sendungen schon unmittelbar nach dem Verbot der KPD, n\u00e4mlich am 18.8.1956, aufnehmen. Bereits im Jahre 1955 waren die ersten Pl\u00e4ne f\u00fcr seine Inbetriebnahme vom \"Arbeitsb\u00fcro\" des ZK der SED und dem damaligen Parteivorstand der KPD ausgearbeitet worden. Nach diesen Pl\u00e4nen sollte der Sender urspr\u00fcnglich die ideologisch-politische Arbeit der Funktion\u00e4re der illegalen KPD unterst\u00fctzen, Sympathisierende f\u00fcr eine Mitarbeit in der illegalen KPD werben und den organisatorischen Zusammenhalt der ehemaligen Mitglieder der Partei f\u00f6rdern. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus ein Programm, das sich gliedert in * politische Tagesinformationen, * Kommentare und Berichte, * Sendungen aus Betrieb und Gewerkschaft, * Sendungen f\u00fcr die KPD und * Sendungen f\u00fcr die Bundeswehr. Die Sendeanlagen des \"DFS 904\" befinden sich in einem in Burg bei Magdeburg gelegenen Objekt des Deutschlandsenders. Die Redaktion des \"DFS 904\" hat ihren Sitz in dem ehemaligen Ausweichstudio des sowjetzonalen staatlichen Rundfunkkomitees in Berlin-Gr\u00fcnau. Der Leiter der Redaktion war vor dem Verbot der Partei Chefredakteur des Zentralorgans \"Freies Volk\". 1.1.13 Politik der B\u00fcndnisse Der \u00dcberblick \u00fcber die politische Organisation der KPD und ihre Sonderapparate zeigt, da\u00df es den F\u00fchrungsgremien in Ostberlin im gro\u00dfen und ganzen gelungen ist, eine arbeitsf\u00e4hige Organisation in der Bundesrepublik aufzubauen. Wie ich anfangs bereits ausf\u00fchrte, ist diese Organisation allein jedoch nicht in der Lage, die politische Entwicklung so zu beeinflussen, da\u00df sie in der von den Kommunisten gew\u00fcnschten Richtung verl\u00e4uft. Dies war der KPD bereits vor ihrem Verbot nicht m\u00f6glich. Die engen Grenzen, die ihr die Bedingungen der Illegalit\u00e4t setzen, haben ihre M\u00f6glichkeiten noch weiter eingeengt. Die KPD ist daher heute mehr denn je darauf angewiesen, Erfolge durch die Politik der B\u00fcndnisse zu erreichen. Diese Politik verfolgt den Zweck, andere politische Kr\u00e4ftegruppen f\u00fcr die Ziele der Kommunisten einzuspannen und auszunutzen. Man unterscheidet folgende B\u00fcndnisformen, die von Fall zu Fall je nach der politischen und wirtschaftlichen Lage angewandt werden: 1. Die Politik der Nationalen Front, - bei uns als \"Schlageterkurs\" bekannt - bei der alle politischen Kr\u00e4fte bis zu rechtsgerichteten Kreisen zur Erreichung bestimmter \"nationaler\" Ziele zusammengefa\u00dft war.","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 9 2. Die Politik der demokratischen Einheit, fr\u00fcher die Politik der \"Volksfront\" genannt, die eine Zusammenfassung der Arbeiterschaft, der Mittelschichten und Kreise des liberalen B\u00fcrgertums auf der Basis allgemeiner demokratischer Forderungen und Losungen erstrebt. Diese Politik spielte in den drei\u00dfiger Jahren in Frankreich und Spanien eine Rolle und stand bei der Gr\u00fcndung der DFU in der Bundesrepublik Pate. 3. Die Politik der Aktionseinheit der Arbeiterklasse \"von oben\" ist der Versuch, auf der Grundlage konkreter politischer, vor allem aber sozialer Forderungen mit den F\u00fchrungen der sozialdemokratischen Parteien und der sozialdemokratisch beeinflu\u00dften Gewerkschaften zusammenzuarbeiten. Einer solchen Politik wird von den Kommunisten nach wie vor besondere Bedeutung beigemessen, da der \"Sozialistischen Internationale\", dem Zusammenschlu\u00df der sozialdemokratischen Parteien in der freien Welt, \u00fcber 10 Millionen Mitglieder angeh\u00f6ren und die von den Kommunisten erstrebte Aktionsgemeinschaft zwischen dem kommunistischen \"Weltgewerkschaftsbund\" (WGB) und dem \"Internationalen Bund freier Gewerkschaften\" (IBFG) dar\u00fcber hinaus rund 160 Millionen Mitglieder in Ost und West zu gemeinsamen Handeln vereinen w\u00fcrde. 4. Die Politik der Aktionseinheit der Arbeiterklasse \"von unten\" wird von dem Bestreben diktiert, die bisher stets fehlgeschlagene Aktionseinheit \"von oben\" durch ein Zusammengehen mit den Mitgliedern (also gegen die F\u00fchrung) der sozialdemokratischen Parteien, der freien und christlichen Gewerkschaften und Angeh\u00f6rigen der Arbeiterschaft in christlichen und liberalen Parteien zu ersetzen. Der besondere Zweck dieser Taktik besteht darin, auf der Grundlage rein \u00f6konomischer Forderungen den Klassenkampf zu intensivieren. Sie wird nach au\u00dfen hin damit begr\u00fcndet, da\u00df die Werkt\u00e4tigen - gleichg\u00fcltig, welche politische oder religi\u00f6se Ansicht sie vertreten m\u00f6gen - als Ausgebeutete des kapitalistischen Systems gemeinsame Interessen haben. Seit den letzten Bundestagswahlen liegt der Schwerpunkt der kommunistischen B\u00fcndnispolitik auf der Politik der \"Aktionseinheit der Arbeiterklasse\". 1.1.14 \"Deutsche Friedensunion\" (DFU) Die KPD hatte bei den Bundestagswahlen 1961 auf die \"Deutsche Friedensunion\" gesetzt, die bewu\u00dft als eine Volksfrontpartei angelegt war, also als ein Werkzeug der \"Politik der demokratischen Einheit\". Au\u00dfer den Kommunisten sollte sie sozialdemokratisch orientierte W\u00e4hler ansprechen, die mit dem Deutschlandund au\u00dfenpolitischen Kurs der SPD nicht einverstanden sind, sowie dar\u00fcber hinaus alle - im kommunistischen Sinne - fortschrittlich und demokratisch gesinnten B\u00fcrger. Diese Hoffnung erf\u00fcllte sich jedoch nicht. Die DFU erhielt bei der Bundestagswahl 1961 in Nordrhein-Westfalen einen Stimmenanteil von 2 % und blieb damit noch unter den 2,9 %, die bei der Bundestagswahl 1953 f\u00fcr die KPD abgegeben wurden. Nur im Wahlkreis Solingen/ Remscheid konnte die DFU mehr als 5 % der Stimmen auf sich vereinigen. Bei den Landtagswahlen in NRW im Jahre 1962 erhielt die DFU im Landesdurchschnitt 2 %. Nur in 5 Wahlkreisen, n\u00e4mlich Remscheid, Solingen I und II, Bottrop und Herne wurden mehr als 5 % der Stimmen f\u00fcr die Friedens-Union abgegeben.","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 10 Die Verschiedenartigkeit der in der DFU zusammenwirkenden Kr\u00e4fte und der auch in der Presse offen ge\u00e4u\u00dferte Verdacht der kommunistischen Unterwanderung oder gar Steuerung bewirkte in der Folgezeit Zerfallserscheinungen in der Partei, die sich vor allem in Niedersachsen auswirkten. In NRW gelang es der DFU immerhin ihre Richtungsk\u00e4mpfe bis zum Fr\u00fchjahr 1964 mehr oder weniger parteiintern beizulegen. Zur wohl nicht geringen \u00dcberraschung der DFU-Bundesleitung legte dann jedoch im April 1964 der Landesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer seine gesamten \u00c4mter in der DFU nieder und trat im Mai 1964 ganz aus dieser Partei aus. Er begr\u00fcndete seinen Schritt damit, er habe nach l\u00e4ngerer Pr\u00fcfung erkannt, da\u00df die DFU im Hintergrund von der KPD/SED gesteuert werde. In zunehmendem Ma\u00dfe seien sowohl in der DFU-Bundesgesch\u00e4ftsstelle in K\u00f6ln als auch im DFU-Landesb\u00fcro NRW Kommunisten in Schl\u00fcsselpositionen gebracht worden. Damit allein d\u00fcrfte indessen die Abkehr des Landesgesch\u00e4ftsf\u00fchrers von der DFU noch nicht hinreichend erkl\u00e4rt sein. Nach hier vorliegenden Erkenntnissen hatte er sich bei seinem \u00dcbertritt zur DFU sowohl in finanzieller als auch politischer Hinsicht (Wahl in den Bundestag) Hoffnungen gemacht, die sich alsbald als Illusionen erwiesen. Als er dies erkannte und er sich \u00fcberdies durch zwei gegen ihn eingeleitete Ermittlungsverfahren stark beunruhigt f\u00fchlte, begann er nach neuen beruflichen und politischen M\u00f6glichkeiten Ausschau zu halten. Besonders markante F\u00e4lle kommunistischer Einflu\u00dfnahmen in der DFU d\u00fcrften ihm dann einen willkommenen \u00e4u\u00dferen Anla\u00df f\u00fcr seine schlie\u00dfliche Abkehr von der DFU geboten haben. Man kann jedoch mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, da\u00df er die kommunistische Lenkung der DFU schon seit l\u00e4ngerem gekannt und toleriert hat. In Kreisen der DFU-Bundesleitung wird bef\u00fcrchtet, da\u00df dieser Austritt die DFU in der \u00d6ffentlichkeit noch mehr diskriminieren wird, als dies schon bei einem \u00e4hnlichen Fall in Niedersachsen der Fall war. Als neuer DFU-Landesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer ist vermutlich ein zun\u00e4chst kommissarisch eingesetzter DFUund VUS-Funktion\u00e4r aus Hamburg vorgesehen. Der Misserfolg der DFU bei den Wahlen, ihr mangelnder Zusammenhalt und die Schwierigkeit, die b\u00fcrgerlichen Mitglieder und Anh\u00e4nger sowie die mit dem DFUProgramm sympathisierenden pazifistischen Kr\u00e4fte besonders aus dem evangelisch-kirchlichen Raum an die Linie der kommunistischen Politik zu binden, waren Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr die Abkehr der Kommunisten von der DFU. Man kann heute sagen, da\u00df die DFU zwar noch nicht v\u00f6llig abgeschrieben ist - sie wird weiterhin von der SED/KPD unterst\u00fctzt -, jedoch ihre dominierende Rolle in der kommunistischen B\u00fcndnispolitik weitgehend verloren hat. Man darf gespannt sein, wie sich die neue Linie der SED/KPD auf die DFU und in der DFU auswirkt. Der am 5./6. Juni 1964 in Frankfurt/Main als \"Unionstag 1964\" durchgef\u00fchrte Bundesparteitag hat hier\u00fcber noch keine Aufschl\u00fcsse gebracht. Bezeichnenderweise unterblieb die f\u00e4llige Neuwahl der DFU-Bundesleitungsgremien. Man beschr\u00e4nkte sich auf die Propagierung und Er\u00f6rterung der vom DFU-Direktorium erarbeiteten \"Grunds\u00e4tze f\u00fcr eine deutsche Politik der Mitte und der Verst\u00e4ndigung\", die dann am 6./7. Juni 1964 am gleichen Ort auf einem sog. \"Unions-Forum\" auch an nicht formell zur DFU geh\u00f6rende Kreise herangetragen wurden. Die \"Grunds\u00e4tze\" enthalten die \u00fcbliche neutralistische Zielsetzung der DFU die au\u00dfenpolitisch auf die Herausl\u00f6sung der Bundesrepublik aus dem westlichen B\u00fcndnissystem abgestellt","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 11 und innenpolitisch insbesondere vom Kampf gegen die Notstandsgesetzgebung gepr\u00e4gt ist. An den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen im September 1964 will sich die DFU nach bisherigen Erkenntnissen beteiligen. 1.1.15 \"Vereinigung Unabh\u00e4ngiger Sozialisten\" (VUS) Die erste kommunistisch beeinflu\u00dfte Organisation in der Bundesrepublik, auf die sich die Hinwendung der SED/KPD zur Politik der Aktionseinheit offen auswirkte, war die \"Vereinigung Unabh\u00e4ngiger Sozialisten\". Die aus dem \"Zentralausschuss ausgeschlossener und ausgetretener Sozialdemokraten\" entstandene VUS wurde auf dem Gr\u00fcndungskongress im November 1960 auf die Unterst\u00fctzung der DFU verpflichtet. Sie wurde eine der Initiativgruppen f\u00fcr die Gr\u00fcndung der DFU und eine ihrer Tr\u00e4gerorganisationen. Selbst empfand sie sch als der linke, sozialistische Fl\u00fcgel der Sammlungspartei DFU. Auf dem letzten VUS-Kongress im November 1963 in Hannover versuchte nunmehr die F\u00fchrungsgruppe des Zentralausschusses der VUS, diese auf die Unterst\u00fctzung der SPD bei den n\u00e4chsten Bundestagswahlen festzulegen. Dar\u00fcber kam es zu einer Auseinandersetzung. Die Opposition gegen diese Absicht war so stark, da\u00df beschlossen wurde \u00fcber die endg\u00fcltige Haltung der VUS in dieser Frage erst auf einem au\u00dferordentlichen Kongress vor den Bundestagswahlen im kommenden Jahr zu entscheiden. Immerhin wurde eine Entschlie\u00dfung angenommen, in der zum Ausdruck kommt, da\u00df man gegen den augenblicklichen Kurs der SPD eingestellte linksoppositionelle sozialdemokratische Kr\u00e4fte ermutigen und f\u00f6rdern will. Zwei dem alten Zentralausschu\u00df der VUS angeh\u00f6rende DFUFunktion\u00e4re standen in Hannover nicht wieder f\u00fcr den neuen Zentralausschuss zur Wahl. Das ist ein Erfolg der neuen Linie. 1.1.16 \"Sozialistische Studiengemeinschaft\" Bei den teils in der \"Sozialistischen Studiengemeinschaft\" zusammengeschlossenen, teils selbst\u00e4ndig, aber mit gleicher Zielsetzung arbeitenden dogmatischmarxistischen Studienzirkeln d\u00fcrfte es zu \u00e4hnlichen Auseinandersetzungen kommen. Wegen des kommunistischen Einflusses in diesen Gruppen m\u00fcssen sie als ideologisch-politisches Reservoir f\u00fcr eine linksradikale Einflu\u00dfnahme insbesondere auf die Gewerkschaften angesehen werden. Die Mitglieder sind gehalten, an der Praxis des Klassenkampfes teilzunehmen, mit anderen Worten, sich radikalisierend vor allem in der Gewerkschaftsbewegung zu bet\u00e4tigen. Die Politik der Aktionseinheit verst\u00e4rkt daher die Bedeutung dieser Gruppen. Sie verst\u00e4rkt aber auch die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen den Gewerkschaften und dem Verfassungsschutz. 1.1.17 \"Bund der Deutschen\" (BdD) Die Entwicklung der DFU und die neue Linie der SED/KPD hat auch bei dem \"Bund der Deutschen\" Reaktionen ausgel\u00f6st. Der BdD kann nach seinem Programm, das allerdings - im Gegensatz zum Programm der DFU - stets Wert auf wirtschaftsund sozialpolitische Forderungen besonders des Mittelstandes und der Bauern legte, als Vorl\u00e4ufer der Friedens-Union angesehen werden. Bei Wahlen war er jedoch ebenso wenig erfolgreich wie die DFU.","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 12 Der BdD verf\u00fcgte und verf\u00fcgt \u00fcber eine unter starker kommunistischer Mithilfe aufgebaute gute Organisation. Er stellte sie, entsprechend der Unterst\u00fctzung der DFU durch die SED/ KPD, der Friedens-Union zur Verf\u00fcgung, ohne jedoch seine Selbst\u00e4ndigkeit aufzugeben. Er kann somit als eine Art vorgeschalteter Kaderorganisation f\u00fcr die DFU angesehen werden. Im Hinblick darauf, da\u00df diese Funktion heute jedenfalls nicht mehr in demselben Masse aktuell ist, steht man in den F\u00fchrungskrisen des BdD offenbar vor dem Problem, sich \u00fcber dessen Aufgabe in der Zukunft klar zu werden. Man kann annehmen, da\u00df der BdD seine Aufmerksamkeit auf diejenigen b\u00fcrgerlichen Kreise konzentrieren wird, von denen die BdDF\u00fchrung annimmt, da\u00df sie gegen\u00fcber den Forderungen, die den Nahzielen der kommunistischen Deutschland-Politik entsprechen, aufgeschlossen sind. Das Beispiel des BdD zeigt, da\u00df die Konzentration kommunistischer Bem\u00fchungen im Sinne der Politik der Aktionseinheit auch die mehr b\u00fcrgerlich ausgerichteten Organisationen f\u00fcr die KPD nicht uninteressant macht. Grunds\u00e4tzlich sind alle Vereinigungen, Gruppen und Kreise f\u00fcr die kommunistische Taktik von Interesse, von deren Einstellung oder Aktivit\u00e4t sie sich eine Schw\u00e4chung der Position der Bundesrepublik und des westeurop\u00e4isch-atlantischen B\u00fcndnissystems versprechen. 1.1.18 Kommunistische Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Ostermarsch So konzentrierten sich vor Ostern die Bem\u00fchungen der Kommunisten auf den Ostermarsch der Atomwaffengegner. Diese M\u00e4rsche werden in Anlehnung an die Aldermaston-M\u00e4rsche britischer Atomwaffengegner und Pazifisten seit 1960 in der Bundesrepublik durchgef\u00fchrt. Sie richten sich gegen eine atomare Bewaffnung in West und Ost und propagieren u.a. eine atomwaffenfreie Zone in Mitteleuropa. Die SED/KPD sieht hier einen geeigneten Ansatzpunkt, unter Ausnutzung der Furcht vor einem atomaren Krieg, Unruhe und Unsicherheit in die Bev\u00f6lkerung der Bundesrepublik zu tragen und sie hierdurch in ihrem Widerstandswillen gegen den Kommunismus psychologisch zu schw\u00e4chen. Die Kommunisten haben daher auch in diesem Jahr ihre Anh\u00e4nger zur nachhaltigen Unterst\u00fctzung der Vorbereitungen und der M\u00e4rsche selbst aufgerufen. Der publizistische Einsatz der Kommunisten f\u00fcr den Ostermarsch war in diesem Jahr besonders intensiv. Nachdem schon in der Januar-Ausgabe des KPDZentralorgans \"Freies Volk\" auf die Bedeutung der Osterm\u00e4rsche hingewiesen worden war, starteten der \"Deutsche Freiheitssender 904\" und die gesamte offen und getarnte kommunistische Presse eine gro\u00dfangelegte Werbe-Kampagne. Bisher ist es den Kommunisten nicht gelungen, auf den Zentralen Ausschu\u00df und Regional-Ausschu\u00df-West der Ostermarschbewegung Einflu\u00df zu nehmen. Jedoch konnten sie, wie bereits im vorigen Jahr, auch im Jahre 1964 in einer Reihe von \u00f6rtlichen Aussch\u00fcssen Fu\u00df fassen. In Nordrhein-Westfalen waren von 115 erfa\u00dften Mitgliedern \u00f6rtlicher Ostermarschaussch\u00fcsse 44 (= 38 %) Mitglieder der KPD oder ihrer Tarnorganisationen. Von 26 bekannten \u00f6rtlichen Aussch\u00fcssen standen 6 unter vorherrschend kommunistischem Einflu\u00df. 1.1.19 Kommunistische Jugendpolitik Das in dem Jahr bisher hervorstechendste Ereignis der kommunistischen Jugendpolitik war das \"Deutschlandtreffen der Jugend\" zu Pfingsten in Ostberlin. Kreise","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 13 der illegalen KPD betreiben \u00f6rtlich eine intensive Werbung, ebenso die Organisationen, Gruppen und Publikationen mit bekannter Sympathie f\u00fcr Veranstaltungen dieser Art und f\u00fcr kommunistische Politik. Die Auswertung der Erkenntnisse \u00fcber die Werbung f\u00fcr das Treffen, seinen Verlauf sowie \u00fcber Teilnahme und Teilnehmer ist noch nicht abgeschlossen. Die von offizieller kommunistischer Seite angegebene Zahl von 24.000 Teilnehmern aus dem Westen d\u00fcrfte erheblich \u00fcbersetzt sein. Die tats\u00e4chliche Zahl der Teilnehmer aus der Bundesrepublik liegt etwa bei 8.000, wobei jedoch zu ber\u00fccksichtigen ist, da\u00df zuverl\u00e4ssige Sch\u00e4tzungen kaum m\u00f6glich sind. In dem Demonstrationszug am Pfingstsonntag befanden sich Gruppen aus der Bundesrepublik mit insgesamt etwa 1.000 Personen. Unter den Gruppen, die aus positiver Einstellung zu der kommunistischen Ausrichtung des Pfingsttreffens teilnahmen, sei hier namentlich die \"Deutsche Jugendgemeinschaft\" erw\u00e4hnt, die dem \"Bund der Deutschen\" verbunden ist. Ein gro\u00dfer Teil Jugendlicher ist aber, wie die vorliegenden Berichte in ihrer Gesamtheit erkennen lassen, aus Informationsinteresse und in der Absicht der echten Begegnung mit der mitteldeutschen Jugend zu Pfingsten nach Berlin gefahren. 1.1.20 Umfangreiche Unterst\u00fctzung der KPD aus der SBZ Da\u00df die Arbeit der KPD und ihrer westdeutschen Hilfsorganisationen in dieser Form nicht m\u00f6glich w\u00e4re ohne eine umfangreiche Unterst\u00fctzung aus der SBZ braucht wohl vor diesem Gremium nicht n\u00e4her ausgef\u00fchrt zu werden. Es l\u00e4\u00dft sich leicht ausrechnen, da\u00df die KPD ihren Aufwand auch nicht ann\u00e4hernd aus den Beitr\u00e4gen ihrer sch\u00e4tzungsweise 6.500 Mitglieder finanzieren kann. \u00c4hnliches gilt von der Arbeit der meisten ihrer Hilfsorganisationen. Die Unterst\u00fctzung aus der Zone ersch\u00f6pft sich aber nicht in finanziellen Zuwendungen und in der Einschleusung von Propagandamaterial. Die SED und die von ihr abh\u00e4ngigen sowjetzonalen Massenorganisationen haben sch seit eh und je aktiv an der Zersetzungsarbeit beteiligt. Allerdings hat hier die Errichtung der Mauer und die Abriegelung der Zonengrenze zu einer Verlagerung der Taktik gef\u00fchrt, da die unentdeckte Einreise sowjetzonaler Funktion\u00e4re in die Bundesrepublik seitdem sehr viel schwieriger geworden ist. Statt dessen ist man dazu \u00fcbergegangen, in verst\u00e4rktem Umfange westdeutsche Kontaktpersonen zur Einreise in die Zone zu veranlassen und sie hier mit Richtlinien und Hilfsmitteln f\u00fcr ihre Arbeit in der Bundesrepublik auszustatten. Diese Taktik ist sicher nicht erfolglos geblieben. Das wird beispielsweise schon daraus ersichtlich, da\u00df die Zahl westdeutscher Teilnehmer an den sogenannten Deutschen Arbeiterkonferenzen bereits im Jahre 1963 mit 1.000-1.100 wieder den Stand vor dem 13. August 1961 erreicht hat. Dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz sind zur Zeit 1.580 Personen aus Nordrhein-Westfalen bekannt, die seit August 1961 Kontakte zum FDGB unterhalten haben beziehungsweise noch unterhalten. Gegen rund 500 dieser Kontaktleute sind noch Verfahren anh\u00e4ngig, etwa 260 Verfahren endeten mit Einstellung, weitere 200 mit einer Verurteilung. 1.1.21 \"offene\" Parteiarbeit Trotz dieser Unterst\u00fctzung, deren Umfang und Art ich im Rahmen dieses Vortrages nur andeuten konnte, ist es der KPD und ihrer Hilfsorganisationen aber bisher nicht gelungen, entscheidenden Einflu\u00df auf die politische Willensbildung der Bev\u00f6lkerung in der Bundesrepublik zu gewinnen. Organisieren, koalieren und infiltrie-","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 14 ren sind zwar wichtige Mittel kommunistischer Politik, aber damit allein hat man die Massen noch nicht gewonnen. Deshalb gehen die Bem\u00fchungen der KPD seit ihrem Verbot darauf aus, die Isolierung durch die Illegalit\u00e4t zu durchbrechen und die T\u00e4tigkeit im Untergrund durch sogenannte offene Arbeit zu erg\u00e4nzen. Dieser Taktik liegt die schon von Lenin entwickelte These zugrunde, wonach es von entscheidender Bedeutung sei, klug die illegalen Arbeitsmethoden mit den M\u00f6glichkeiten der legalen Arbeit zu verbinden. Auf die Bedeutung dieser Taktik wurden die Mitglieder der KPD bereits unmittelbar nach dem Verbot hingewiesen. Auf dem schon erw\u00e4hnten zweiten illegalen Parteitag der KPD im Mai 1963 wurde erneut die Forderung erhoben, in der Bundesrepublik offen f\u00fcr die kommunistischen Nahziele einzutreten. Das Polit-B\u00fcro der KPD pr\u00e4gte f\u00fcr diese Arbeit die Faustregel: \"Illegal soviel wie n\u00f6tig, legal so viel wie m\u00f6glich\". Tats\u00e4chlich konnte festgestellt werden, da\u00df vor allem gehobene Funktion\u00e4re, aber auch einfache Mitglieder sich dieser Taktik in vielf\u00e4ltiger Form bedienten und heute noch bedienen. Die Beispiele sind zahlreich: So traten schon 1956 bei den Kommunalwahlen einzelne KPD-Funktion\u00e4re als unabh\u00e4ngige Wahlkandidaten auf. 1958 wurden diese Versuche bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen fortgesetzt. Damals bem\u00fchten sich 41 Einzelkandidaten, die s\u00e4mtlich als profilierte Kommunisten bekannt waren, um eine Zulassung. Ein gleicher Versuch erfolgte bei den Bundestagswahlen 1961. Hier gingen die Kandidaten sogar noch einen Schritt weiter und bekannten sich offen als Kommunisten. Im Juli 1961 schlossen sie sich zu einer \"Kommunistischen Wahlgemeinschaft\" zusammen. In beiden F\u00e4llen ging es den Kandidaten weniger darum, ein Mandat im Landtag oder Bundestag zu erringen. Selbst ihnen war klar, da\u00df hierf\u00fcr keinerlei Chance bestand. Beabsichtigt war vielmehr, unter Missbrauch des passiven Wahlrechtes sich zumindest f\u00fcr begrenzte Zeit eine scheinlegale Basis zu schaffen, die ihnen die ungest\u00f6rte Verbreitung kommunistischer Propagandathesen erlaubte. In beiden F\u00e4llen gelang es dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz, den wirklichen Hintergrund dieser Kandidaturen aufzudecken, die daher von den zust\u00e4ndigen Wahlaussch\u00fcssen nicht zugelassen wurden. Eine weitere Form der offenen Arbeit war die Herausgabe angeblich unabh\u00e4ngiger periodischer Zeitschriften. Allein im Jahre 1960 erschienen in der Bundesrepublik 30 solcher Zeitungen mit einer Gesamtauflage von 40.000 Exemplaren. Weit mehr als die H\u00e4lfte dieser Zeitungen wurden in Nordrhein-Westfalen herausgegeben. Auch hier sahen sich die Staatsschutzorgane zu Verbotsma\u00dfnahmen veranla\u00dft, da der organisatorische Zusammenhang mit der KPD nachgewiesen werden konnte. Als Folge dieser Abwehrma\u00dfnahmen haben die Kommunisten ihre Taktik umgestellt. Da organisatorisch mehr oder weniger fest verbundene Gruppen zu leicht als Ersatzorganisationen der KPD zu erkennen sind, treten die KPD-Funktion\u00e4re nunmehr in verst\u00e4rktem Ma\u00dfe als \"Einzelk\u00e4mpfer\" in Erscheinung. Diese Form der offenen Arbeit umfa\u00dft alle Methoden und Spielarten der kommunistischen Infiltration. Sie reicht von der Ver\u00f6ffentlichung von Brosch\u00fcren, Rundschreiben und Leserbriefen in Tageszeitungen mit hoher Auflage bis zu den Versuchen, in politisch oder","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 15 wirtschaftlich wichtigen Organisationen, z.B. in den Industriegewerkschaften des DGB, in Sportvereinen, B\u00fcrgervereinen usw. ehrenamtliche Schl\u00fcsselpositionen zu \u00fcbernehmen. Dabei werden alle nach au\u00dfen hin sichtbaren Kontakte unter den offen auftretenden KPD-Funktion\u00e4ren sorgf\u00e4ltig vermieden und die Verzahnung mit der illegalen Partei konspirativ abgeschirmt. Eine nicht unbetr\u00e4chtliche Erleichterung f\u00fcr das offene Wirken der Funktion\u00e4re besteht darin, da\u00df die von mir bereits geschilderte Generallinie und die taktische Linie der Partei im augenblicklichen Zeitpunkt ein Bekenntnis zu den klassischen kommunistischen Thesen und Zielen (proletarische Revolution Diktatur des Proletariats usw.) in der gegenw\u00e4rtigen Periode nicht verlangen. So kann sich der offen arbeitende Funktion\u00e4r nach au\u00dfen als der um das Wohl der Arbeiter besorgte Gewerkschafter als der \"Friedensfreund\", \"Antifaschist\" und \"wirkliche Demokrat\" ausgeben und in seinem offenen Auftreten immer wieder betonen, da\u00df es den Kommunisten nur um die Erhaltung des Friedens, den Schutz der demokratischen Grundordnung, die Verbesserung der sozialen Lage der Arbeiterschaft usw. gehe. Hat ein Funktion\u00e4r im Rahmen der offenen Arbeit durch die \u00dcbernahme einer Funktion eine wichtige Plattform errungen, von der aus er wirkungsvoll die Anliegen der KPD vertreten kann wird er in der Regel im illegalen Apparat nicht mehr eingesetzt. Er ist der KPD in der neugewonnenen Funktion weitaus wertvoller. Auf eines m\u00f6chte ich in diesem Zusammenhang ausdr\u00fccklich hinweisen: Die sogenannte \"offene Arbeit\" tritt nicht - wie die T\u00e4tigkeit der Tarnorganisationen - neben die Arbeit der KPD, sondern sie ist ein Teil dieser Arbeit. Sie hat f\u00fcr die KPD den nicht zu untersch\u00e4tzenden Vorteil, da\u00df sie der Organisation selbst erlaubt, sich mehr auf innere Stabilisierung zu konzentrieren als sich durch erfolglose Aktionen zu gef\u00e4hrden. Sie ist dar\u00fcber hinaus nach au\u00dfen als KPD-Arbeit ungleich schwer zu erkennen - und damit auch schwerer zu bek\u00e4mpfen. Wir werden uns deshalb einiges einfallen lassen m\u00fcssen, um ihr wirksam zu begegnen, wobei vermutlich der Schwerpunkt der Abwehr weniger in staatliche Ma\u00dfnahmen als im Bereich der politischen Auseinandersetzung liegen wird. Damit darf ich die Darstellung des politischen Untergrundes auf dem linksradikalen Sektor abschlie\u00dfen und mich nunmehr dem Rechtsradikalismus zuwenden. 1.2 Rechtsradikalismus Das Jahr 1963 war f\u00fcr alle rechtsextremen Parteien ein Jahr der Entt\u00e4uschungen. Die Zersplitterung des sogenannten \"nationalen Lagers\" f\u00fchrte erneut zu einem R\u00fcckgang an Erfolg und politischer Wirksamkeit. An den gegens\u00e4tzlichen politischen Auffassungen rieb man sich bei teilweise hektischer Aktivit\u00e4t auf. Die geringe Resonanz bei der Bev\u00f6lkerung zeigte sch augenf\u00e4llig in den Wahlniederlagen. Hiervon wurde insbesondere die \"Deutsche Reichs-Partei\" betroffen. 1.2.1 Wahlniederlagen der Deutschen Reichs-Partei (DRP) Das Ergebnis der Landtagswahlen in Niedersachsen war f\u00fcr die DRP derart niederschmetternd, da\u00df der Parteivorsitzende von Thadden in der Wahlnacht von einer \"blanken Katastrophe\" sprach. Auf die DRP entfielen n\u00e4mlich nur 1,5 % der abgegebenen g\u00fcltigen Stimmen. In Rheinland-Pfalz lag der Prozentsatz zwar etwas h\u00f6her (3,2), aber auch hier verlor sie einen erheblichen Teil ihrer fr\u00fcheren","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 16 W\u00e4hlerschaft und der erwartete Durchbruch, n\u00e4mlich - wie im Jahre 1959 - die 5 %-Klausel zu \u00fcberspringen, mi\u00dflang. An der Landtagswahl in Baden-W\u00fcrttemberg beteiligte sch die DRP nicht mehr; sie empfahl ihren Anh\u00e4ngern, die Kandidaten der GDP zu w\u00e4hlen. Wie bekannt, erreichte aber auch die GDP trotz dieser Unterst\u00fctzung nur 1,8 % der abgegebenen Stimmen. 1.2.2 Politischer Kr\u00e4fteverfall der DRP Nachdem ein Industrieller, der mit erheblichen monatlichen Zuwendungen ma\u00dfgeblich an der finanziellen F\u00f6rderung der Partei beteiligt war, im Juli 1963 gestorben war, setzt sich der politische Kr\u00e4fteverfall der DRP fort. Als Folge dieses Ausfalles mu\u00dfte z.B. aus Kostenersparnisgr\u00fcnden das Hamburger B\u00fcro der DRP aufgel\u00f6st und mit der in Hannover bestehenden Gesch\u00e4ftsstelle zusammengelegt werden. Die Resignation zeigte sich in vollem Umfange auf dem Parteitag der DRP im September 1963 in Karlsruhe. (Der diesj\u00e4hrige Parteitag findet am 20./21. Juni in der Beethovenhalle statt, die von der Stadt Bonn an die DRP zu diesem Zweck vermietet wurde. Mit der Wahl dieses Ortes beabsichtigt man zweifellos eine Aufwertung der Partei zu erreichen.) Auf dem letzten Parteitag gab der Vorsitzende von Thadden uneingeschr\u00e4nkt die bisherigen Mi\u00dferfolge von den Delegierten zu und lie\u00df zum ersten Male deutlich erkennen, da\u00df die DRP allein nicht mehr in der Lage sein w\u00fcrde, die fr\u00fcher gesetzten Ziele zu erreichen. Er stellte den Parteitag vor die Alternative, entweder die Partei aufzul\u00f6sen bzw. als reine Funktion\u00e4rsorganisation in \"bessere Zeiten\" her\u00fcberzuretten oder durch eine sogenannte \"Nationale Sammlung\" neue Wege zu beschreiten. Der Parteitag erm\u00e4chtigte daraufhin den Vorstand, in gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Freiz\u00fcgigkeit nach neuen M\u00f6glichkeiten zu suchen. 1.2.3 Versuche einer \"Nationalen Sammlung\" W\u00e4hrend die \"Deutsche Gemeinschaft\" durch ihren Vorsitzenden der DRP sofort eine Absage an Ann\u00e4herungsversuche erteilte, gab die DRP ihrerseits bekannt, da\u00df sie nicht daran denke, mit der von ihr abgespaltenen \"Deutschen Freiheitspartei\" zu paktieren. Aus dieser Einstellung wurde ersichtlich, da\u00df keine umfassende Einigung zu erwarten ist. Inzwischen haben sich in Nordrhein-Westfalen auf \u00f6rtlicher Ebene einige lose Zusammenschl\u00fcsse gebildet. In Aachen die \"Arbeitsgemeinschaft nationaldemokratischer Kreise\" und in Bonn die \"Aktion national-demokratische Sammlung\". Hieran haben sich allerdings wieder u.a. \u00f6rtliche Funktion\u00e4re der DRP und DFP beteiligt. In anderen L\u00e4ndern der Bundesrepublik haben sich gleichfalls Arbeitsgemeinschaften gebildet, die darauf hoffen, neben allen nationalistischen Gruppen auch die \"Gesamtdeutsche Partei\" und die \"Deutsche Partei\" zu erfassen. Am bekanntesten ist die am 18. Januar 1964 erfolgte Gr\u00fcndung der \"Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr nationale Politik\" in Kiel geworden, zu der der Landesvorsitzende der \"Gesamtdeutschen Partei\" die Initiative ergriffen hatte. Der Parteivorstand der DRP erblickt hierin einen ersten entscheidenden Schritt auf dem Wege der Sammlung aller nationalen Kr\u00e4fte in der Bundesrepublik und erhofft sich die Bildung einer Dachorganisation, deren Ziel ein gemeinsames Auftreten zur Bundestagswahl sein soll. Zu den in diesem Jahr in verschiedenen L\u00e4ndern stattfindenden Kommunalwahlen sind bereits W\u00e4hlergemeinschaften in Vorbereitung. In Nordrhein-Westfalen sind","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 17 solche Bestrebungen bisher nur in schwachen Ans\u00e4tzen in Aachen und Wuppertal sowie im Bielefelder Raum erkennbar geworden. Politische Beobachter und Kritiker meinen, da\u00df in den neuen Arbeitsgemeinschaften die \"Deutsche Reichs-Partei\" der schwierigste Partner sein wird, da sie hinsichtlich der Organisation und der Wahlkandidaten unter Berufung auf ihre bereits in allen L\u00e4ndern bestehenden Kader weitgehende F\u00fchrungsanspr\u00fcche erheben d\u00fcrfte. Erfolg und Mi\u00dferfolg der parteilichen Sammlungsbestrebungen werden weitgehend davon abh\u00e4ngen, ob es gelingt, \"F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten\" zu gewinnen. Bisher sind alle derartigen Versuche gescheitert. Dar\u00fcber hinaus wird man den W\u00e4hlerunterbau vergr\u00f6\u00dfern m\u00fcssen. 1.2.4 Infiltrationsversuche bestimmter Bev\u00f6lkerungsgruppen In Erkenntnis dieser Notwendigkeit glauben die nationalistischen Parteien, neue Anh\u00e4nger aus dem Landvolk gewinnen zu k\u00f6nnen. Wie bekannt ist, haben sich in verschiedenen Teilen der Bundesrepublik \"Notgemeinschaften\" deutscher Bauern und \"Landvolkverb\u00e4nde\" gebildet, die angeblich zwar alle Infiltrationsversuche von links und rechts ablehnen, die jedoch nach den bisherigen Beobachtungen geneigt zu sein scheinen, \"nationalistische Waffenhilfe\" anzunehmen. Das beweisen Bauernversammlungen, in denen vorzugsweise Spitzenredner der DRP zu Wort kommen. Eine Radikalisierung der Bauern wird weiter durch Flugblattaktionen und publizistische Ver\u00f6ffentlichungen in rechtsextremen Bl\u00e4ttern versucht, die auf den im allgemeinen gut besuchten Veranstaltungen kostenlos verteilt werden. Einen weiteren ansprechbaren Kreis, der einer nationalen Sammlung Auftrieb verleihen k\u00f6nnte, sieht man offensichtlich in den Vertriebenen und Fl\u00fcchtlingen. Neben den schon erw\u00e4hnten Anbiederungsversuchen zur Gesamtdeutschen Partei lassen vor allem die DRP und DFP keine Gelegenheit aus, auf Vertriebenenversammlungen ihre Flugbl\u00e4tter und Zeitungen zu verteilen. Die als rechtsradikal zu beurteilende \"Deutsche Nationalzeitung und Soldatenzeitung\" (DNZSZ) erscheint hier in gewissem Umfange als Antriebskraft. Es d\u00fcrfte bekannt sein, da\u00df sie durch den Aufkauf von Vertriebenenzeitungen und durch entsprechende Abhandlungen unmittelbaren Einflu\u00df auf diese Bev\u00f6lkerungsgruppen zu nehmen sucht. U.a. ist es ihr st\u00e4ndiger Mitarbeiter, der ehemalige sudetendeutsche NS-Schriftsteller, der diese Richtung aktiviert; er h\u00e4lt in der Bundesrepublik auch zahlreiche \"Dichterlesungen\", in denen er die Vergangenheit - und sei es nur am Rande der Veranstaltung - auf seine Weise interpretiert. Die Sammlungsbestrebungen erhalten weiter Auftrieb durch die Gr\u00fcndung zahlreicher Arbeitskreise, die sich mit dem Thema der Kriegsursache und Kriegsschuld befassen. Ausgangspunkt ist auch hier mehr oder weniger die \"Deutsche Nationalzeitung und Soldatenzeitung\", die \u00fcber diese Fragen in einer Artikelserie unter dem ihr eigent\u00fcmlichen Blickwinkel berichtet hat. Die Artikelserie stammt aus der Feder eines st\u00e4ndigen Mitarbeiters der DNZSZ . Inzwischen wurde dieses Thema von der gesamten nationalistischen Presse aufgegriffen. Angeregt durch die DNZSZ wurden in mehreren St\u00e4dten der Bundesrepublik - u.a. auch in NW - Arbeitskreise ge-","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 18 gr\u00fcndet, in deren Mittelpunkt der st\u00e4ndige Mitarbeiter der DNZSZ steht und \u00fcber die Kriegsschuldfrage referiert. Diese Diskussionsforen haben sich mehr und mehr zu einer Klammer des ansonsten stark zersplitterten nationalen Lagers entwickelt. Sie werden von den Leitern der Arbeitskreise bewu\u00dft \u00fcberparteilich aufgezogen. Die Versammlungen werden nicht nur von den Mitgliedern aller Rechtsparteien und Organisationen, sondern auch von solchen Personen besucht die bisher keine Verbindung zu rechtsextremen Kreisen gefunden hatten. Au\u00dferhalb der rechtsgerichteten Parteien wirken eine Reihe von Vereinigungen auf eine nationale Sammlung hin. Es ist auffallend, da\u00df diesen Gruppen eine Vielzahl von ehemals f\u00fchrenden NS-Ideologen und Funktion\u00e4ren angeh\u00f6ren. 1.2.5 \"Deutsches Kulturwerk Europ\u00e4ischen Geistes\" In erster Linie ist hier das \"Deutsche Kulturwerk Europ\u00e4ischen Geistes\" mit Sitz in M\u00fcnchen zu nennen, das unter der F\u00fchrung des ehemaligen SA-Dichters Dr. Herbert B \u00f6 h m e (NSDAP 1933) steht und \u00fcber mehr als 2.000 Mitglieder verf\u00fcgt. In Nordrhein-Westfalen unterhielt das DKEG im Jahre 1963 13 Pflegst\u00e4tten, die \u00fc- berwiegend von alten NS-Parteigenossen geleitet werden. Weitere 4 Pflegst\u00e4tten sollen sich im Aufbau befinden. Die f\u00fchrenden Funktion\u00e4re in Nordrhein-Westfalen sind u.a. ein ehemaliger Reichsredner und Mitarbeiter im rassenpolitischen Amt der NSDAP sowie neuerdings ein Inhaber des Goldenen HJ-Abzeichens (NSDAP 1937). Die Veranstaltungen des DKEG werden in der Regel gut besucht. 1.2.6 \"Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik\" Das DKEG ist durch seine Mitglieder eng mit der \"Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik\" verflochten, die etwa 750 Mitglieder z\u00e4hlt, darunter zahlreiche (NS-) Verleger und (NS-) Schriftsteller. Beide Organisationen wollen sich u.a. vorwiegend f\u00fcr Autoren, Werke und Verlage einsetzen, die ihrer Ansicht nach aus politischen Erw\u00e4gungen \"totgeschwiegen\" werden. 1.2.7 Arbeitskreise zur \"F\u00f6rderung der geschichtswissenschaftlichen Forschung und zur Wiederherstellung der historischen Wahrheit\" \u00c4hnlichen Zielen dienen auch die verschiedensten Arbeitskreise zur \"F\u00f6rderung der geschichtswissenschaftlichen Forschung und zur Wiederherstellung der historischen Wahrheit\", die zielstrebig auf eine Rehabilitierung des NS-Regimes hinarbeiten. Die soeben genannten Vereinigungen waren es auch, die unl\u00e4ngst den amerikanischen \"Historiker\" Professor David L. Hoggan zu einer Deutschlandreise einluden, die Herausgabe seines Buches \"Der erzwungene Krieg - Die Ursachen und Urheber des 2. Weltkrieges\" finanzierten und ihn mit spektakul\u00e4ren Ehrungen (HuttenPreis, Ranke-Preis, Hoggan-Leuchter usw.) feierten. Sie alle kennen aus der Tagespresse und aus den Wochenzeitungen die Reaktion der \u00d6ffentlichkeit auf diesen unqualifizierten Versuch, die Geschichte zu verf\u00e4lschen. Bei diesen Vorg\u00e4ngen ist weniger die Person des Professors Hoggan von Bedeutung der mehr als vorgeschobener Blickfang diente. Entscheidend sind die eigentlichen Initiatoren: Jene Kreise, denen es sicher nicht um eine objektive Kl\u00e4rung der j\u00fcngsten Ver-","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 19 gangenheit geht, sondern um eine Interpretation, die ihnen eine Rechtfertigung des eigenen Handelns in Vergangenheit und Gegenwart geben soll. Es unterliegt ferner keinem Zweifel, da\u00df die starke Zunahme der rechtsextremen Publizistik in Wochenzeitungen, B\u00fcchern und Brosch\u00fcren nicht unwesentlich auf die Existenz dieser Vereinigungen zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Die Tatsache, da\u00df trotz fortschreitender Zersplitterung des rechtsradikalen Lagers und des damit verbundenen Mitgliederschwundes die Auflagenh\u00f6he rechtsradikalen Schrifttums in den letzten Jahren progressiv war, mu\u00df zu denken geben. Sie berechtigt zu der Annahme, da\u00df die latente Zahl der Anh\u00e4nger rechtsradikaler Gedankeng\u00e4nge doch um einiges gr\u00f6\u00dfer ist, als die Gesamtzahl des organisierten Rechtsradikalismus vermuten l\u00e4\u00dft. Ganz offensichtlich gehen hiervon auch die letztgenannten au\u00dferparteilichen Vereinigungen aus, die den Kontakt zu Gleichgesinnten bewu\u00dft und in nur sehr loser Form halten, um sich nicht der Gefahr eines Verbotes auszusetzen. Der Verfassungsschutz sieht seine Aufgabe darin, gerade diesen Vorg\u00e4ngen erh\u00f6hte Aufmerksamkeit zu widmen, um sich abzeichnenden Gefahren rechtzeitig begegnen zu k\u00f6nnen. Zwar sollte man meinen, da\u00df das Erlebnis der j\u00fcngsten Vergangenheit, mit der wir uns noch heute immer wieder auseinanderzusetzen haben, jedem von uns gezeigt hat, wohin \u00fcbersteigerter Nationalismus und Herrenmenschtum letztlich f\u00fchren. Die Vorg\u00e4nge im rechtsradikalen Untergrund zeigen jedoch, da\u00df diese Erkenntnis noch nicht Allgemeingut geworden ist. Die politische Wirkungslosigkeit, zu der die Tr\u00e4ger des Rechtsradikalismus heute verurteilt sind, darf daher nicht zu einem Nachlassen der Wachsamkeit f\u00fchren.","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 20 2 Der Versand \"Offener Briefe\" in Nordrhein - Westfalen als besondere Form der Arbeit der KPD, 1965 (Berichtsstand: 20. Januar 1965) Einleitung (Vor der Ver\u00f6ffentlichung auf CD-ROM wurde diese Zusammenstellung redaktionell so \u00fcberarbeitet, dass datenschutzrelevante personenbezogene Daten nicht mehr enthalten sind. Ehemalige F\u00fchrungsmitglieder der KPD sind unter dem K\u00fcrzel \"FM\" zusammengefasst.) Der Innenminister des Landes Nordrhein - Westfalen - VII - B/1 - Tgb.-Nr. - Freiheit f\u00fcr die Kommunistische Partei Deutschlands! \"Der offene Brief ist als politischer Schritt Vorbildlich ... Vorbildlich als erster Akt der praktischen Methode, Um wirklich die Mehrheit der Arbeiterklasse zu bekommen.\" Lenin Vorbemerkung In Nordrhein-Westfalen werden seit Anfang 1963 in steigendem Ma\u00dfe von ehemaligen KPD-Funktion\u00e4ren oder deren Angeh\u00f6rigen \"Offene Briefe\" in hektographierter Form verbreitet, in denen in teils verdeckter und teils unverh\u00fcllter Form f\u00fcr kommunistische Ziele oder die KPD selbst geworben wird. Bisher wurden in Nordrhein-Westfalen 64 solcher Briefe erfasst. Diese nicht unbetr\u00e4chtliche Zahl und die Tatsache der weitgehenden thematischen \u00dcbereinstimmung der Briefinhalte deuten auf eine zentrale Lenkung hin und lassen die Annahme, dass es sich lediglich um die Privatinitiative Einzelner handeln k\u00f6nnte, kaum zu. Tats\u00e4chlich sind denn auch in der Zwischenzeit gegen einige der Herausgeber strafrechtliche Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Versto\u00dfes gegen das KPD-Verbot eingeleitet worden. Die Beweisf\u00fchrung wird in diesen Verfahren besonderen Schwierigkeiten begegenen, weil hier - anders als bei direkten Organisationsdelikten (weil beispielsweise der Bildung von Kadern und Literaturverteilerapparten der illegalen KPD) - in aller Regel kaum eine M\u00f6glichkeit bestehen wird, den Herausgebern der Briefe eine konkrete, im Einzelfall ergangene Weisung seitens der illegalen KPD oder gar eine organisatorische Verbindung zu dieser nachzuweisen. Diesen Schwierigkeiten will die vorliegende Studie insoweit begegenen, als es ihr Anliegen sein soll, durch eine Gesamtschau des systematischen Zusammenwirkens von illegaler und legaler kommunistischer Arbeit deutlich werden zu lassen,","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 21 dass die Versendung sogenannter \"Offener Briefe\" nichts anderes ist als eine besondere Form der politischen Arbeit der seit dem 17.08.1956 verbotenen KPD.. 2.1 Die strategische und taktische Linie der illegalen KPD als Basis der \"offenen\" Arbeit 1) Die Politik der illegalen KPD wird von der Ideologie des MarxismusLeninismus bestimmt. Im neuen Parteistatut, das auf dem 2. Illegalen Parteitag im Mai 1963 beschlossen wurde, wird darauf hingewiesen, dass die KPD die einzige Partei in der Bundesrepublik sei, die sich von der Theorie des MarxismusLeninismus leiten lasse. Der Marxismus-Leninismus gew\u00e4hrleiste die St\u00e4rke und Unbesiegbarkeit der KPD. 2) Kern dieser Ideologie ist die These, dass nach der gesetzm\u00e4\u00dfig festgelegten Entwicklung der menschlichen Gesellschaft der Kapitalismus an den unvers\u00f6hnbaren Wiederspr\u00fcchen zwischen dem ausgebeuteten Proletariat und den Kapitalisten zugrunde gehen muss. Die Arbeiterklasse ist auf Grund ihrer zahlenm\u00e4\u00dfigen \u00dcberlegenheit und ihrer \u00fcberragenden Bedeutung in der Gesellschaft dazu berufen, das kapitalistische System durch die sozialistische Revolution zu st\u00fcrzen und \u00fcber die Diktatur des Proletariats und die sozialistischen Demokratie den Sozialismus/Kommunismus als eine neue klassenlose Ordnung aufzubauen. Allerdings ist die Arbeiterklasse hierzu allein nicht in der lage, da sie - wie Lenin es formulierte - nur ein trade-unionistisches, d.h. gewerkschaftliches Bewusstsein zu entwickeln vermag. Deshalb braucht sie die kommunistische Partei, die auf Grund ihrer Einsicht in die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung und ihres revolution\u00e4ren Elans allein dazu berufen ist, als Vorhut und F\u00fchrerin, als bewusster und organisierter Vortrupp, die historische Mission der Arbeiterklasse zu vollziehen. \"Damit die Arbeiterklasse in der Bundesrepublik ihre Aufgabe erf\u00fcllen kann, braucht sie eine Partei, die fest auf dem Boden des Marxismus-Leninismus steht.....Damit sich die Arbeiterklasse in der Bundesrepublik inmitten der monopolkapitalistischen Gesellschaftsordnung mit ihren Widerspr\u00fcchen und Klassengegens\u00e4tzen, gegen den st\u00e4ndigen Einfluss der raffinierten Propaganda der Bourgeoisie zurechtfinden, ihre Klasseninteressen und ihre historische Mission erkennen kann, braucht sie einen Kompass: den Marxismus-Leninismus, die Ideologie der Arbeiterklasse, die Lehre von ihrer Befreiung. Diese entsteht nicht spontan in der Arbeiterklasse, sondern mu\u00df im st\u00e4ndigen Kampf gegen die b\u00fcrgerliche Ideologie in die Arbeiterklasse hineingetragen werden. Diese Aufgabe kann nur die Partei erf\u00fcllen, die allein in Westdeutschland auf dem Boden des Marxismus-Leninismus steht, die KPD.","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 22 Darum brauchen die Arbeiter, die Werkt\u00e4tigen der Bundesrepublik eine starke, eng mit den Massen verbundene Kommunistische Partei Deutschlands. Die Erfahrungen der deutschen und der internationalen Arbeiterbewegung lehren, ohne eine marxistisch-leninistische Partei ist die Arbeiterklasse den Einfl\u00fcssen der b\u00fcrgerlichen Ideologie ausgeliefert und kann nicht siegen....\" (Thesen des Parteitages der KPD 1957 in \"Die KPD lebt und k\u00e4mpft\" - Dokumente der KPD 1956-1962, DIETZ-Verlag Ost-Berlin, Seite 107). 3) Die \"Generallinie\" der illegalen KPD, d.h. die Linie, die auf die L\u00f6sung der Hauptaufgaben einer ganzen historischen Etappe abzielt, wird von dem Bestreben diktiert, auch in der Bundesrepublik den Sozialismus/Kommunismus nach dem Muster der SBZ zu verwirklichen. \"Wir leben heute in der Epoche des \u00dcbergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus. Der Sieg des Sozialismus in allen L\u00e4ndern ist gesetzm\u00e4\u00dfig. Alle Hindernisse, die durch die untergehende kapitalistische Klasse auf den Weg get\u00fcrmt werden, k\u00f6nnen den Lauf der Geschichte nicht aufhalten. Wir Kommunisten befinden uns in voller \u00dcbereinstimmung mit den kommunistischen und Arbeiterparteien, wenn wir, von den Grundlagen des Marxismus-Leninismus ausgehend, feststellen, seinem Bewusstseinsgrad und seinem Willen entsprechend, den Weg zum Sozialismus beschreitet...\" (\"Die Lage in der Bundesrepublik und der Kampf f\u00fcr Frieden, Demokratie und sozialen Wohlstand\" - Beschluss der Parteidelegierten-Konferenz der KPD, Februar 1960 in \"Die KPD lebt und k\u00e4mpft\" - Dokumente der KPD 1956-1962, DIETZ-Verlag Ost-Berlin, Seite 455). \"Wir lassen keinen Zweifel daran, dass wir die sozialistische Demokratie, die politische Macht der Arbeiterklasse im B\u00fcndnis mit den werkt\u00e4tigen Bauern und den anderen werkt\u00e4tigen Schichten anstreben. Der Sozialismus, die sozialistische Demokratie ist unser Ziel, das wir in keiner Entwicklungsphase unseres Kampfes aus den Augen lassen....\" \"Erst die sozialistische Umw\u00e4lzung bringt die von der Arbeiterklasse gef\u00fchrten Werkt\u00e4tigen zur Macht und schafft eine h\u00f6here Art der Demokratie, die sozialistische Demokratie. Mit der sozialistischen Demokratie wird die Epoche der Herrschaft einer privilegierten Minderheit beendet und beginnt die Epoche der realen Demokratie f\u00fcr das Volk, d.h. der wahren Volksherrschaft... Die sozialistische Demokratie wurde bereits in einem Teil Deutschlands, in der DDR, lebendige Wirklichkeit. Der grundlegende Unterschied der politischen Ordnung der DDR zur Ordnung in der Bundesrepublik besteht darin, dass in der DDR nicht mehr die Monopolherren und Junker Besitzer der Produktionsmittel sind, sondern das werkt\u00e4tige Volk. Die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen wurde beseitigt. Keine Monopolgesellschaft, kein Junker oder Vertreter des Finanzkapitals kann in der DDR mehr politische Macht, Parteien und Abgeordnete kaufen. Dies ist","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 23 es, was die politische und gesellschaftliche Ordnung der DDR jener in der Bundesrepublik um eine ganze Geschichtsepoche voraus sein l\u00e4sst...\" (\"Wir Kommunisten und das Grundgesetz\" - Schulungsbrief, November 1964 - Beilage zu \"FREIES VOLK\" -.) 4) Die Kommunisten sind sich jedoch dar\u00fcber im klaren, dass in der Bundesrepublik eine \"sozialistische Umw\u00e4lzung\" (=Revolution) unter den gegenw\u00e4rtigen Verh\u00e4ltnissen nicht zu verwirklichen ist. Die Erreichung dieses strategischen Endzieles setzt nach ihren Vorstellungen voraus, dass die illegale KPD ihre gesamten Bem\u00fchungen darauf konzentriert, in der Bundesrepublik zun\u00e4chst eine \"revolution\u00e4re Situation\" herbeizuf\u00fchren. Die in Vollzug der \"Generallinie\" entwickelte \"taktische Linie\" geht deshalb davon aus, dass es unter den derzeitigen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen zun\u00e4chst darauf ankommt, den Kampf gegen den \"Kriegsl\u00fcsternen staatsmonopolistischen Kapitalismus\" in der Bundesrepublik zu verst\u00e4rken und unter Ausnutzung aller Widerspr\u00fcche und Schwierigkeiten im kapitalistischen System zu versuchen, die Arbeiterschaft zu gemeinsamen Aktionen zur Verbesserung ihrer sozialen Lage aufzurufen und dar\u00fcber hinaus alle fortschrittlichen Kr\u00e4fte zu einer breiten antimonopolistischen Volksbewegung zusammenzufassen. Es bleibt somit festzuhalten, dass die Konzentration der kommunistischen Bestrebungen auf konkrete Nahziele keinesfalls einen Verzicht auf die proletarische Revolution bedeutet. Um es ideologisch zu formulieren: Bevor eine Revolution durchgef\u00fchrt werden kann, die nach den Gesetzen des dialektischen Materialismus als eine entscheidende qualitative Ver\u00e4nderung bezeichnet wird, m\u00fcssen eine Reihen quantitativer Ver\u00e4nderungen vollzogen werden. \"Gegenw\u00e4rtig sind die Anstrengungen gro\u00dfer Volksmassen in ganz Deutschland darauf gerichtet, einen qualitativen Umschwung im politischen Zustand Westdeutschlands herbeizuf\u00fchren und zu erreichen, dass an die Stelle des Bonner Staates der Militaristen und der reaktion\u00e4rsten Kreise des Monopolkapitals ein friedliebender, demokratischer Staat tritt. Das Gesetz des Umschlagens quantitativer Ver\u00e4nderungen in neue qualitative Zust\u00e4nde lehrt uns, dass das nicht durch eine einmalige Anstrengung erreicht werden kann. Alle Volksaktionen, Protestversammlungen gegen die atomare Aufr\u00fcstung, Aufstellung von Atommahnwachen, Streiks gegen Aufstellung von Raketenabschussbasen, jede einzelne Leistung in der Produktion, mit der wir in der DDR zur Erf\u00fcllung der \u00f6konomischen Hauptaufgabe beitragen, das alles sind quantitative Vorbereitungen des qualitativen Umschlags ...\" (\"Wissenschaftliche Weltanschauung\" I, 3 Seite 22; Siehe auch \"DER SOWJETISCHE MARXISMUS\" - Fundus-Verlag Darmstadt, Seite 53.)","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 24 2.2 Wesen und Zielsetzung der \"offenen\" Arbeit 1) Die Kommunisten wissen, dass sie ihre Ziele nur dann erreichen k\u00f6nnen, wenn es ihnen gelingt, durch die sogenannte \"Massenarbeit\" Einfluss auf die Bev\u00f6lkerung, insbesondere auf die werkt\u00e4tigen Schichten in der Bundesrepublik zu gewinnen. \"Die Kommunisten k\u00f6nnen nur dann zu einer Partei im wahren Sinne des Wortes werden, wenn sie eng mit den Massen verbunden sind und von ihnen unterst\u00fctzt werden. Als LENIN im Jahre 1920 an einigen englischen Kommunisten, die die Notwendigkeit der Verbindung mit den Massen nicht verstanden hatten, Kritik \u00fcbte, stellte er mit Nachdruck fest: \"Wenn die Minderheit es nicht versteht, die Massen zu f\u00fchren, eine enge Verbindung mit ihnen herzustellen, so ist sie keine Partei und \u00fcberhaupt nichts wert, ganz gleich, ob sie sich nun Partei ... nennt.\" ... Wie wird die Partei zum wirklichen F\u00fchrer? Hierzu gibt es nur einen Weg: die Massen \u00fcberzeugen. Die Partei mu\u00df die Massen davon \u00fcberzeugen, dass sie deren Interessen richtig zum Ausdruck bringt und vertritt, und das geschieht durch ihre Taten, durch ihre Politik, ihre Initiative, durch ihre Ergebenheit f\u00fcr die Sache. Die Partei mu\u00df also das Vertrauen und die Anerkennung der Massen erwerben. 'Es gen\u00fcgt nicht, sich 'Avantgarde', Vortrupp zu nennen', schrieb Lenin, 'man mu\u00df auch so handeln, dass alle \u00fcbrigen Trupps erkennen und gezwungen sind anzuerkennen, dass wir an der Spitze marschieren' ... Die Kommunisten halten es f\u00fcr ihre Pflicht, \u00fcberall dort zu arbeiten, wo die Werkt\u00e4tigen sind. Dazu bedarf es der engsten organischen und tagt\u00e4glichen Verbindung mit den Massen. 'Um der Masse zu dienen', sagte LENIN, 'und ihre richtig erkannten Interessen zum Ausdruck zu bringen, mu\u00df der Vortrupp, die Organisation ihre ganze T\u00e4tigkeit in die Masse verlegen und dabei aus ihr ausnahmslos alle guten Kr\u00e4fte heranziehen und auf Schritt und Tritt sorgf\u00e4ltig und objektiv pr\u00fcfen, ob die Verbindung mit den Massen gewahrt wird, ob sie lebendig ist. So und nur so erzieht und schult der Vortrupp die Masse, indem er ihre Interessen zum Ausdruck bringt, sieh lehrt, sich zu organisieren, und die ganze T\u00e4tigkeit der Masse auf den Weg bewusster Klassenpolitik lenkt'... .\" (\"Die Grundlagen des Marxismus-Leninismus\", DIETZ-Verlag Ost-Berlin, Seite 407-409.) 2) Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 17.08.1956 hat der KPD die M\u00f6glichkeit genommen, sich in aller \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr ihre Ziele einzusetzen. Zwar ist es den KPD-F\u00fchrungsgremien in Ost-Berlin mit aktiver Unterst\u00fctzung der Parteiund Staatsorgane der SBZ gelungen, einen Untergrundapparat in der Bundesrepublik aufzubauen. Man ist sich jedoch der Tatsache bewusst, dass die konspirative Arbeit geheimer Organisationen nur die Mitglieder und Funktion\u00e4re erfasst und deshalb nicht ausreicht, die angestrebten Nahziele zu erreichen. Der hierzu notwendige \"Kontakt mit den Massen\" fehlt.","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 25 Um die entstandenen L\u00fccken auszugleichen, ist die KPD bestrebt, die unzureichenden M\u00f6glichkeiten illegaler Arbeit durch das offene Auftreten ihrer Anh\u00e4nger in der \u00d6ffentlichkeit zu erg\u00e4nzen und beide Formen kommunistischer Arbeit - konspirative und offene - miteinander zu verbinden. Richtschnur der offenen Arbeit sind die taktischen Lehren Lenin's, die dieser im Kampf der Bolschewisten in Russland entwickelt hat. In der \"Geschichte der KPDSU (B) hei\u00dft es hierzu: \"In den Jahren der Reaktion war es weit schwieriger, in den Parteiorganisationen zu arbeiten, als in der vorhergehenden Periode der Entfaltung der Revolution. Die Zahl der Parteimitglieder schmolz sehr zusammen. Viele kleinb\u00fcrgerliche Mitl\u00e4ufer, besonders Intellektuelle, verlie\u00dfen die Reihen der Partei, weil sie die Verfolgungen der zaristischen Regierung f\u00fcrchteten. Lenin wies darauf hin, dass revolution\u00e4re Parteien in solchen Augenblicken zulernen m\u00fcssen. In der Periode des Aufschwungs der Revolution hatten sie angreifen gelernt, in der Periode der Reaktion m\u00fcssen sie lernen, wie man einen R\u00fcckzug richtig durchzuf\u00fchren, wie man zur Illegalit\u00e4t \u00fcberzugehen, wie man die illegale Partei zu erhalten und zu festigen hat, wie man die legalen M\u00f6glichkeiten, die verschiedensten legalen Organisationen, besonders die Massenorganisationen, zur Festigung der Verbindungen mit den Massen auszunutzen hat. ... ... Man musste die Angriffstaktik ersetzen durch die Verteidigungstaktik, durch die Taktik der Sammlung der Kr\u00e4fte, durch die Taktik der \u00dcberf\u00fchrung der Kader in die Illegalit\u00e4t und durch die Taktik der illegalen Parteiarbeit, der Verbindung der illegalen Arbeit mit der Arbeit in den legalen Arbeiterorganisationen ...\" (\"Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjet-Union (Bolschewiki)\" - Kurzer Lehrgang - Verlag der Sowjetischen Milit\u00e4rverwaltung in Deutschland - 1946). 3) Diesen taktischen Lehren Lenin's folgend gab das Zentralorgan der illegalen KPD \"FREIES VOLK\" bereits unmittelbar nach dem KPD-Verbot in seiner Oktober-Ausgabe 1956 folgende Anweisung des Zentralkomitees (ZK) der KPD an alle Kommunisten in der Bundesrepublik bekannt: \"Viele Genossen stellen jetzt die Frage: Auf welche Weise soll die Arbeit weitergehen? Was sollen wir tun? Unter den Bedingungen des Parteiverbots kommt es mehr denn je darauf an, dass jeder einzelne Kommunist die gr\u00f6\u00dfte Eigeninitiative entwickelt, damit in jedem Betrieb, in jedem Ort, in jeder Organisation, \u00fcberall, wo Kommunisten arbeiten, \u00fcberall dort, wo die Massen sind, die Politik unserer Partei vertreten wird. Erscheinungen der Passivit\u00e4t m\u00fcssen \u00fcberwunden werden...","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 26 Auffassungen, die Partei solle unter den gegenw\u00e4rtigen Bedingungen auf die illegale Fortf\u00fchrung der Parteiorganisationen und auf ein selbst\u00e4ndiges Auftreten verzichten, sind falsch und widersprechen den Grunds\u00e4tzen des Marxismus-Leninismus und allen Erfahrungen der Arbeiterbewegung... Von entscheidender Bedeutung ist gerade heute, klug die illegalen Arbeitsmethoden mit den M\u00f6glichkeiten der legalen Arbeit zu verbinden. Jeder Kommunist ist darauf bedacht, von jeder M\u00f6glichkeit der legalen Bet\u00e4tigung Gebrauch zu machen, um auf diese Weise die Verbindungen der Partei zu den Massen zu vermehren und zu festigen... ... Der beste Schutz vor dem Zugriff des Gegners ist eine gute Arbeit unter den Massen. Dadurch werden sich die Kommunisten hohes Ansehen erwerben, so dass sich die Arbeiter und Werkt\u00e4tigen sch\u00fctzend vor sie stellen ...\" (Entschlie\u00dfung der 2. Tagung des ZK der KPD; siehe auch \"Die KPD lebt und k\u00e4mpft\" - Dokumente der KPD 1956-1962, DIETZ-Verlag Ost-Berlin, Seite 17). In der Folgezeit ist die Notwendigkeit der \"offenen Arbeit\" in zahlreichen Erkl\u00e4rungen der obersten F\u00fchrungsgremien und f\u00fchrender Funktion\u00e4re der KPD immer wieder betont worden. Im einzelnen wird hierzu auf die Zusammenstellung der wichtigsten Verlautbarungen (Anlage 1) verwiesen. Aus diesen Parteidokumenten geht deutlich hervor, dass die offene Arbeit ein unl\u00f6sbarer Bestandteil der politischen Arbeit der KPD unter den besonderen Bedingungen der Illegalit\u00e4t ist. 2.3 Anleitung der offen auftretenden Kommunisten durch die KPD-F\u00fchrungsgremien 1) Die in Abschnitt II wiedergegebenen Beschl\u00fcsse der h\u00f6chsten Parteiorgane sind - entsprechend dem Prinzip des \"Demokratischen Zentralismus\" - f\u00fcr jeden Kommunisten absolut verbindlich. Sie sind Weisungen, die jeder Kommunist befolgen mu\u00df. Die in der \u00d6ffentlichkeit auftretenden Kommunisten sind in der Darlegung ihrer politischen Auffassungen nicht frei. Nach dem Parteistatut sind sie verpflichtet, die Ziele der Partei anzuerkennen. Dies bedeutet in der Praxis vor allem, dass sie sich in ihrer Argumentation an die in Abschnitt I dargelegte strategische und taktische Linie der Partei zu halten haben bzw. keine Thesen vertreten d\u00fcrfen, die der Linie widersprechen. Dar\u00fcber hinaus sind sie gehalten, alles zu tun, um die Politik der Partei und die Beschl\u00fcsse der Parteiorgane durchzuf\u00fchren (Ziffer 2 des Parteistatuts). \"F\u00fcr eine marxistisch-leninistische Kampfpartei ist die Einhaltung der Leninschen Normen des Parteilebens, darunter des demokratischen Zentralismus, von besonderer Bedeutung. Die Partei wird ihre Aufgaben dann erfolgreich durchf\u00fchren k\u00f6nnen, wenn sie die gr\u00f6\u00dfte Eigeninitiative der Parteiorganisationen und Parteileitungen, die Diskussion und Kl\u00e4rung aller politischen Probleme in den Parteiorganisationen verbindet mit einer","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 27 eisernen Disziplin in der Durchf\u00fchrung gefasster Beschl\u00fcsse, mit der Unterordnung der Minderheit unter den Willen der Mehrheit und mit dem Grundsatz, dass die Beschl\u00fcsse der h\u00f6heren Parteiorgane f\u00fcr weitere Parteiorgane bindend sind.... Das bedeutet aber auch: ist die Diskussion eines Problems abgeschlossen, haben die leitenden Organe der Partei einen Beschluss gefasst, so ist dieser Beschluss f\u00fcr alle Kommunisten bindend.\" (Thesen des Parteitages der KPD 1957 in \"Die KPD lebt und k\u00e4mpft\" - Dokumente der KPD 1956-1962; DIETZ-Verlag Ost-Berlin, Seite 113). Ein Mitglied des Polit-B\u00fcros des ZK erkl\u00e4rte im November 1964: \"Ein Kommunist mu\u00df, wenn er in den Betrieben, Gewerkschaften und anderen Massenorganisationen fruchtbare Arbeit leisten will, mit der Politik der Partei verbunden sein, fest zu ihrer Politik und zu den Beschl\u00fcssen stehen. Er mu\u00df sich immer bewusst sein, dass er Kommunist ist...\" (\"WISSEN UND TAT\" November/Dezember 1964). 2) Es ist die Aufgabe der illegalen Parteiorganisation, die offen auftretenden Kommunisten st\u00e4ndig anzuleiten und mit den notwendigen politischen Argumenten auszustatten. \"In der illegalen Parteiorganisation erhalten alle Mitglieder das R\u00fcstzeug und die Argumente, um die Politik unserer Partei offensiv vertreten zu k\u00f6nnen.\" (\"WISSEN UND TAT\" Nr. 6/1958, S. 32). \"In den Grundorganisationen erhalten die Genossen Hilfe und Unterst\u00fctzung f\u00fcr die praktische Parteiarbeit. Mit Hilfe von Parteiauftr\u00e4gen und Selbstverpflichtungen sind sie zu ergebenen und treuen Funktion\u00e4ren der Partei zu erziehen. In den Grundorganisationen sind unsere Mitglieder so zu erziehen, dass sie sich durch ihr vorbildliches Wirken, vor allem in den Betrieben und Gewerkschaften Vertrauen und Funktionen erwerben und dort unsere Politik vertreten und realisieren....\" (\"WISSEN UND TAT\" Nov./Dez. 1964) Vor allem haben die verschieden konspirativ arbeitenden Propagandaapparate (Lit.-Vertriebsapparat, Briefversandapparat, \"DEUTSCHER FREIHEITSSENDER 904\") den offen auftretenden Kommunisten Kenntnis von den Beschl\u00fcssen und Weisungen der Parteif\u00fchrung zu vermitteln. Das Mitglied des Politb\u00fcros des ZK der KPD, Auf der 3. ZK-Tagung im Mai 1964erkl\u00e4rte ein anderes F\u00fchrungsmitglied: \"Im neuen Statut der Partei werden die Aufgaben der Grundorganisationen dargelegt. Dementsprechend m\u00fcssen den Leitern der Grundorganisationen bzw. Parteigruppen die Bedeutung ihrer Funktionen klar gemacht werden. Davon h\u00e4ngt weitgehendst die Aktivierung der Grundeinheiten ab. Das beste Hilfsmittel f\u00fcr diese wichtigen Funktion\u00e4re ist das 'FREIE VOLK' und","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 28 der Sender 904 sowie die 14t\u00e4gigen Sendungen unserer Partei \u00fcber den Deutschlandsender. In der Praxis wird es z.B. oftmals schon gen\u00fcgen, die politische Diskussion um einen Artikel in 'FREIES VOLK' oder eine abgeh\u00f6rte Sendung zu entwickeln und daraus entsprechende Aufgaben f\u00fcr jeden Genossen abzuleiten, ...\" (\"WISSEN UND TAT\", Juni 1964, Seite 31). 3) Mit dieser intensiven Anleitung durch die Partei wird sichergestellt, dass die \"offen\" arbeitenden Kommunisten kein politisches Eigenleben entwickeln, sondern sich strikt an die politischen Direktiven der Partei halten. Die Verzahnung der offenen und konspirativen Arbeit wird vor allem aus einem mit \"Friedrich\" gezeichneten Artikel in \"WISSEN UND TAT\" (Nr. 4/1958) deutlich, in dem es u.a. hei\u00dft: \"Nat\u00fcrlich mu\u00df eine gewisse Arbeitsteilung in der Parteiorganisation vorhanden sein, auch insoweit, dass solche Genossen, die am st\u00e4rksten im Blickpunkt der \u00d6ffentlichkeit stehen,... nat\u00fcrlich nicht gleichzeitig Anlaufstellen oder Boten f\u00fcr illegales Parteimaterial sein k\u00f6nnen. ... \" Am 02.07.1961 wurde im \"DEUTSCHEN FREIHEITSSENDER 904\" ein Artikel unter der \u00dcberschrift \"Die Festigung der Parteiorganisation\" verlesen. Es hei\u00dft dort u.a.: \"Die illegale Parteiorganisation arbeitet dort am besten, wo sie alle Genossen bef\u00e4higt, erfolgreiche legale Arbeit unter den Massen zu leisten, wo sie diese Arbeit anleitet, f\u00f6rdert und kontrolliert, wo sie ihre gesamte T\u00e4tigkeit an den Erfolgen in der Massenarbeit misst.\" Hiernach ist zusammenfassend festzustellen, dass konspirative und offene Aktionen bei aller Unterschiedlichkeit in der Methode Handlungen eines nach den Prinzipien des \"Demokratischen Zentralismus\" geleiteten und auf der revolution\u00e4ren Ideologie des Marxismus-Leninismus basierenden einheitlichen Apparates sind. 2.4 Briefaktionen als besondere Form der offenen Arbeit 1) In Befolgung der dargelegten Weisungen hat die illegale KPD in NordrheinWestfalen mehrfach versucht, ihre konspirative Arbeit durch offene Aktionen zu erg\u00e4nzen. Als Hauptformen wurden zun\u00e4chst festgestellt: a) Das Auftreten angeblich \"unabh\u00e4ngiger\" Kandidaten und die Bildung kommunistischer Wahlgemeinschaften als organisatorische Zusammenfassung der \"unabh\u00e4ngigen\" - in Wahrheit kommunistischen - Wahlkandidaten. b) Die Herausgabe \"unabh\u00e4ngiger\", in Wahrheit kommunistischer Zeitungen. Beide Arten offener Arbeit hatten folgende Merkmale gemeinsam: a) Bei den T\u00e4tern (Wahlkandidaten und Herausgeber \"unabh\u00e4ngiger\" Zeitungen und Informationsdienste) handelte es sich durchweg um altbekannte aktive Kommunisten, die meist schon vor dem KPDVerbot wichtige Parteifunktionen ausge\u00fcbt hatten.","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 29 b) Als \"legaler Mantel\" diente die Berufung auf verfassungsm\u00e4\u00dfig garantierte Grundrechte, - wie passives Wahlrecht, Presseund Meinungsfreiheit - und der Hinweis darauf, dass die kommunistische Gesinnung vom Verbotsurteil des BVG nicht erfasst werde. c) Die verfassungsm\u00e4\u00dfig garantierten Grundrechte wurden als Vorwand missbraucht, um kaum verh\u00fcllte Agitation f\u00fcr die Ziele des Kommunismus zu betreiben. Diese Aktionen sind bereits u.a. durch Urteile des Landgerichts Dortmund vom 01.10.1963 - 31 Kls 11/63 - und des Landgerichts K\u00f6ln vom 16.07.1962 - 24 Kls 12/60 - als Bestrebungen im Sinne der SSSS 42, 47 BverfGG a.F.; also als Bildung von Ersatzorganisationen und Fortsetzung der T\u00e4tigkeit der verbotenen KPD, festgestellt worden. Beide Urteile sind rechtskr\u00e4ftig. 2) Etwa ab Anfang 1962 verlagerte sich - abgesehen von der Herausgabe der kommunistisch gelenkten Zeitschrift \"tatsachen\" (gegen deren Herausgeber bei der Staatsanwaltschaft Dortmund das Ermittlungsverfahren 31 Js 1911/61 anh\u00e4ngig ist) - das Schwergewicht der offenen Arbeit auf die Herausgabe sogenannten \"Offener Briefe\", d.h. von schriftlichen Erkl\u00e4rungen, die a) entweder an eine unbestimmte Anzahl von Personen (\"Sehr geehrte Damen und Herren! Verehrte Mitb\u00fcrger!\") b) oder an bestimmte Einzelpers\u00f6nlichkeiten gerichtet, jedoch gleichzeitig in der \u00d6ffentlichkeit verbreitet worden sind. Bis zum 01.01.1965 konnten 64 solcher Briefe erfasst werden, die im einzelnen in der als Anlage beigef\u00fcgten Liste aufgef\u00fchrt sind. 3) Diese Briefaktionen weisen folgende Grundmerkmale auf: a) Bei den Verfassern der Briefe handelt es sich ausnahmslos entweder um bekannte Kommunisten oder aber - insoweit eine Variante - um Ehegatten von Kommunisten, die aber h\u00e4ufig ebenfalls bereits durch aktive kommunistische Bet\u00e4tigung bekannt geworden sind. b) Als \"legaler Mantel\" dient entweder die Berufung auf das Recht der Meinungsfreiheit oder der Vorwand, durch die Aktion eine Hilfe f\u00fcr den inhaftierten oder verurteilten Ehepartner zu erlangen. c) Alle bisher erfassten Briefe gehen auf den vorgeschobenen Anlass nur vordergr\u00fcndung ein, w\u00e4hrend sie sich in der Hauptsache damit befassen, in kaum verh\u00fcllter Form kommunistische Propagandathesen zu verbreiten. (Die Gelegenheit, den wegen Staatsgef\u00e4hrdung verurteilten Ehepartner vor der \u00d6ffentlichkeit dadurch zu rechtfertigen, dass seine Bet\u00e4tigung, die zur Verurteilung f\u00fchrte, als einzig richtig dargestellt wird, bietet sich dabei geradezu an.) d) Die Briefe lassen in ihrer tats\u00e4chlichen Zielrichtung, im Stil und in der Art der Agitation \u00dcbereinstimmungen erkennen. Form und Inhalt deuten auf ideologisch und politisch geschulte und schriftgewandte Verfasser hin, (und zwar auch dann, wenn im Einzelfall die vorliegenden Erkenntnisse erhebliche Zweifel begr\u00fcnden, ob der angebliche Verfasser diese Voraussetzungen erf\u00fcllt.)","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 30 Die Grundmerkmale der Briefaktionen stimmen somit im wesentlichen mit den Formen der offenen Arbeit \u00fcberein, die in Ziffer 1) dieses Abschnittes aufgef\u00fchrt sind. 2.5 Briefaktionen als Instrument im Kampf um die Aufhebung des Parteiverbote 1) Im Jahre 1964 haben die Kommunisten ihre Bem\u00fchungen intensiviert, in der \u00d6ffentlichkeit Resonanz f\u00fcr ihre Forderung nach Aufhebung des KPDVerbotes zu finden. Am 10.04.1964 richtete Max Reimann einen \"Offenen Brief\" an Bundeskanzler Prof. Erhard und forderte darin die Aufhebung des KPDVerbotes. Am 09. Oktober 1964 wiederholte Reimann diese Forderung in einem zweiten \"Offenen Brief\", der ebenfalls an den Bundeskanzler gerichtet war. 2) Auf der dritten ZK-Tagung der KPD im Mai 1964 erkl\u00e4rte ein Politb\u00fcroMitglied: \"Das Politb\u00fcro sah Ende 1963 die Zeit gekommen, in einem Brief des Genossen Max Reimann an Erhard das Ersuchen zu richten, die Aufhebung des Verbotes der KPD herbeizuf\u00fchren. Der Brief enth\u00e4lt die Orientierung und die Hauptrichtung der politischen Argumentation im Kampf um die schrittweise Wiederherstellung der legalen politischen Bet\u00e4tigungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr unsere Partei...\" \"Die Lage ist herangereift, die Frage der Aufhebung des KPD-Verbotes zu stellen. Es gibt dazu drei Wege: a) durch einen Regierungsakt. Im Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist ausdr\u00fccklich die M\u00f6glichkeit, das KPD-Verbot im Interesse der Wiedervereinigung aufzuheben, enthalten; b) durch eine Erg\u00e4nzung des Bundesverfassungsgerichtsgesetzes k\u00f6nnte der Bundestag mit einfacher Mehrheit festlegen, dass auch bei Parteiverboten ein Wiederaufnahmeverfahren einzuleiten ist; c) stehen Verfassungsrechtler auf dem Standpunkt, dass auch ohne dem eine Ab\u00e4nderung des Verbotes durch das Gericht m\u00f6glich sei. Der Gedanke der Rechtsstaatlichkeit schlie\u00dfe geradezu unab\u00e4nderliche Verbote von Parteien aus, da sich die politische Lage st\u00e4ndig ver\u00e4ndere und damit auch die Auslegung der Verfassung und die Politik der Parteien. Die Prozessbevollm\u00e4chtigten betonten, das auch im Interesse der Rechtssicherheit die Aufhebung des KPD-Verbotes w\u00fcnschenswert sei.\" Zu den \"politischen Strafverfahren\" erkl\u00e4rte ein f\u00fchrendes Mitglied, dass \"dieser ganze sch\u00e4ndliche Zustand\" bereinigt w\u00fcrde, wenn nach dem Vorschlag Max Reimann's an Bundeskanzler Erhard verfahren werde:","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 31 \"1. Erlass einer Amnestie und Einstellung all der Verfahren gegen Personen und Organisationen, die auf Grund oder im Zusammenhang mit dem Verbot der KPD anh\u00e4ngig sind. 2. Sicherung der im Grundgesetz garantierten Meinungsfreiheit in Wort und Schrift auch f\u00fcr alle B\u00fcrger der Bundesrepublik, die sich zur kommunistischen Weltanschauung bekennen. 3. Sicherung auch des passiven Wahlrechts f\u00fcr alle Kommunisten und damit M\u00f6glichkeit ihrer Teilnahme an Wahlen als Einzelkandidaten und auf Listen im Rahmen der geltenden Wahlordnungen f\u00fcr kommunale und Landesparlamente sowie f\u00fcr den Bundestag. 4. Wiederherstellung der Legalit\u00e4t der KPD.\" 3) Im Rahmen dieser Bem\u00fchungen spielen die Briefaktionen eine hervorragende Rolle. Entsprechend dem auf dem zweiten illegalen KPDParteitag (Mai 1963) von Max Reimann gepr\u00e4gten Grundsatz \"Illegal so viel wie n\u00f6tig, legal so viel wie m\u00f6glich!\" Soll die Frage der Aufhebung des Parteiverbotes vornehmlich in \"Offenen Briefen\" in die \u00d6ffentlichkeit getragen werden. Ein F\u00fchrungsmitglied gab hierzu anhand eines Einzelbeispiels ganz konkrete Weisungen, indem er sagte: \"Der Brief Max Reimann's an Erhard hat der Diskussion einen neuen Ansto\u00df gegeben.... Das gibt uns die M\u00f6glichkeit, legal diese Frage aufzuwerfen. Darum war es wohl ein erfreulich rasches Reagierten, dass die KL (Kreisleitung) D\u00fcsseldorf nach dem Interview von ... sofort in einem Flugblatt Stellung nahm. Besser aber w\u00e4re, und das sollte die Linie sein, dass bekannte Kommunisten offen in Briefen oder Versammlungen zu der Frage Stellung nehmen.\" In einer Sendung des \"DEUTSCHEN FREIHEITSSENDERS 904\" von Mitte Dezember 1964 wurde ein offener Brief eines fr\u00fcheren KPDLandtagsabgeordneten aus Stuttgart verlesen, in dem dieser u.a. die Aufhebung des KPD-Verbotes fordert. Der \"DSF 904\" kommentierte den Brief wie folgt: \"Wir haben diesen Brief verlesen, weil wir der Meinung sind, dass der Kampf um die Legalit\u00e4t unserer Partei um ein Vielfaches verst\u00e4rkt werden kann, wenn alle bekannten Kommunisten, ehemalige Abgeordnete, Betriebsr\u00e4te und Gewerkschaftsfunktion\u00e4re sich aus eigener Initiative in \u00e4hnlicher Weise an die \u00d6ffentlichkeit wenden.\" \u00dcber die Notwendigkeit der Bem\u00fchungen aller Kommunisten um die \"Legalisierung\" der KPD \u00e4u\u00dferte sich ein F\u00fchrungsmitglied wie folgt: \"Einige Genossen haben gesagt, sie glaubten nicht, dass die Aufhebung des KPD-Verbotes heute m\u00f6glich sei. Nat\u00fcrlich kommt die Freiheit f\u00fcr die Bet\u00e4tigung unserer Partei nicht von selbst, nicht als Himmelsgeschenk. Sie","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 32 ist eine Kampffrage, die im engsten Zusammenhang steht mit unserem ganzen Kampf um Frieden und Demokratie...\" \"Wir k\u00f6nnen die Wiederherstellung der vollen gesetzlichen Rechte f\u00fcr unsere Partei erk\u00e4mpfen. Der Weg dahin f\u00fchrt \u00fcber die gr\u00f6\u00dfte Aktivit\u00e4t aller Kommunisten.\" ... . \"Indem wir weiter systematisch und k\u00fchn in die Legalit\u00e4t vorsto\u00dfen und mutig \u00f6ffentlich auftreten, werden wir die Legalit\u00e4t unserer Partei erk\u00e4mpfen.\" (\"WISSEN UND TAT\" Sonder-Nummer Juni 1964) 4) Die anleitenden F\u00fchrungsgremien des kommunistischen Untergrundes (Zentralkomitee, Bezirksund Kreisleitungen) sehen in der Aufhebung des Parteiverbotes nicht nur einen Akt rechtsstaatlicher Notwendigkeit, sondern die einzige M\u00f6glichkeit, in der Bundesrepublik eine \"friedliche und demokratische Politik\" durchzusetzen. Deshalb ist die Forderung nach Legalisierung der KPD integrierender Bestandteil der kommunistischen Agitation, die sich auf folgende Schwerpunkte konzentriert: a) gegen die atomare Aufr\u00fcstung, b) f\u00fcr die Wiedervereinigung, c) f\u00fcr einen geb\u00fchrenden Einfluss der Arbeiterklasse, auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Und d) gegen die Notstandsgesetze. (Vgl. hierzu die Gemeinsame Erkl\u00e4rung des Zentralkomitees der SED und des Zentralkomitees der KPD \"Im Namen des Friedens und der Demokratie, im Namen der Nation: Freiheit f\u00fcr die Kommunistische Partei Deutschlands!\", ohne Datum, herausgegeben zum 8. Jahrestag des Verbotes der KPD im August 1964 (Anlage 2). Diese Erkl\u00e4rung der beiden Zentralkomitees wurde von einer Anzahl weiterer Parteidokumentationen \u00fcbernommen. So werden z.B. in dem schon erw\u00e4hnten Schulungsbrief (NovemberAusgabe 1964 Beilage zu \"FREIES VOLK\") der bis in die Grundeinheiten der illegalen KPD verteilt worden ist, in l\u00e4ngeren Ausf\u00fchrungen ebenfalls a) Aufhebung des KPD-Verbotes, b) Kampf gegen die Atomr\u00fcstung, c) Kampf gegen die Notstandsgesetze, d) geb\u00fchrender Einfluss der Arbeiterklasse auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gefordert. In einer bereits im Fr\u00fchjahr 1964 verbreiteten \"Stellungnahme zur Diskussion um die Aufhebung des KPD-Verbotes\" fordert die illegale KPDBezirksleitung Niederrhein die Aufhebung des Verbotes, um dadurch wirksam","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 33 gegen die Atomr\u00fcstung und Notstandspolitik, f\u00fcr die Wahrung der sozialen und wirtschaftlichen Belange der Arbeiterklasse und f\u00fcr eine \"Verst\u00e4ndigung zwischen den beiden deutschen Staaten\" eintreten zu k\u00f6nnen. Im gleichen Stil fordert die illegale KPD-Kreisleitung D\u00fcsseldorf in einem Flugblatt vom 13.03.1964: a) \"Abr\u00fcstung und Verhandlungen zwischen den beiden deutschen Staaten\", b) \"Herstellung eines demokratischen und sozialen Friedensstaates\", c) \"Amnestie und Einstellung aller Verfahren gegen Kommunisten\", d) \"Meinungsfreiheit in Wort und Schrift auch f\u00fcr Kommunisten\" und e) Wiederherstellung der Legalit\u00e4t der KPD. 2.6 Vergleich des Inhaltes der \"Offenen Briefe\" mit den zentralen Verlautbarungen der KPD Die im Abschnitt 5 aufgezeigten, auf die Wiederzulassung der KPD ausgerichteten Schwerpunkte der zentralen kommunistischen Agitation sind - wenn auch mit verschiedener Betonung und teilweise nicht voll ausgef\u00fchrt - grunds\u00e4tzlich in allen erfassten offenen Briefen anzutreffen. Das wird aus der nachfolgenden Gegen\u00fcberstellung* deutlich, die zeigt, wie sich die offenen Briefe inhaltlich systematisch in die Scherpunkte der kommunistischen Agitation einordnen. 2.6.1 Zentrale Verlautbarungen der KPD 1) Kampf gegen Atomr\u00fcstung ...\"besteht die M\u00f6glichkeit, dass sich gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung dem Protest gegen die Bewaffnung der Bundeswehr mit Atomwaffen und gegen die multilateralen Atomr\u00fcstung anschlie\u00dfen.\" (F\u00fchrungsmitglied - im folgenden: FM - auf der III. Tagung des ZK der KPD; \"WISSEN UND TAT\", Sonder-Nr. Juni 1964) \"Die Aufhebung des KPD-Verbotes w\u00e4re ein entscheidender Schritt, um das Selbstbestimmungsrecht der westdeutschen Bev\u00f6lkerung zu wahren und ihre Entscheidung gegen die atomare Aufr\u00fcstung in jeder Form, f\u00fcr eine selbst\u00e4ndige Abr\u00fcstungsinitiative der Bundesrepublik zur Geltung zu bringen.\" (Gemeinsame Erkl\u00e4rung der ZK's der SED und KPD; siehe Anlage 2)","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 34 2.6.2 Formulierungen in den offenen Briefen \"Sie\" (die SPD-Wahlkandidaten in K\u00f6ln) \"w\u00fcrden die Entscheidung\" (f\u00fcr eine Stimmabgabe vieler W\u00e4hler am 27.09.1964) \"erleichtern, wenn sie eine Erkl\u00e4rung abgeben w\u00fcrden gegen die MLF gegen Notstandsgesetze f\u00fcr eine politische Amnestie f\u00fcr die Aufhebung des KPD-Verbotes!\" FM \"Jedem vern\u00fcnftigen Menschen ist klar, dass im Interesse des Friedens, der Entspannung und der Wiedervereinigung in absehbarer Zeit das Verbot der KPD aufgehoben werden mu\u00df. ... Die ma\u00dflose Aufr\u00fcstung und die Entrechtung der B\u00fcrger durch die geplanten Notstandsgesetze entziehen den Kreisen und Gemeinden in wenigen Jahren \u00fcber 100 Milliarden DM.... Solche Sozialdemokraten, die offen f\u00fcr Verhandlungen\" (mit der SBZ), \"f\u00fcr Abr\u00fcstung und zur Verteidigung der demokratischen Rechte und Freiheiten (Aufhebung des KPD-Verbotes und Verhinderung der Notstandsgesetze) \"eintreten, soll man w\u00e4hlen.\" FM ... \"Aus den Erfahrungen unseres gemeinsamen Kampfes gegen Notstandsund Atomr\u00fcstungspolitik . . wissen wir: Herbert Wehner spricht nicht in Eurem Namen, wenn er... die Wiederzulassung der KPD ablehnt... Weil sich unsere Partei der Wiederaufr\u00fcstung der Bundesrepublik am energischsten widersetzte und sich als ein ernstes Hindernis f\u00fcr die Durchsetzung dieser Pl\u00e4ne erwies, griff man zum Verbot der KPD.\" (\"Stellungnahme der Bezirksleitung Niederrhein de KPD zur Diskussion um die Aufhebung des KPD-Verbotes\"; verbreitet im April 1964) 2) Kampf gegen die Notstandsgesetze \"Zu den unabdingbaren Forderungen einer neuen Politik in der Bundesrepublik geh\u00f6rt die Verteidigung und Erweiterung der Demokratie, der Schutz des Grundgesetzes durch die Verhinderung aller Notstandsgesetze und die Aufhebung des KPD-Verbotes.\" (FM auf der III. Tagung des ZK der KPD; \"WISSEN UND TAT\", Sonder-Nr. Juni 1964) \"Darum sollten wir alles daransetzen, um den gef\u00e4hrlichen Kurs der Bundesregierung nach Atomwaffen und Notstandsgesetzen zu verhindern.\" FM \"Ich bin der Auffassung, dass zur ungehinderten Verwirklichung der gewerkschaftlichen Beschl\u00fcsse\" (u.a. Verhinderung der","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 35 gewerkschaftsfeindlichen Notstandsgesetze) \"die Aufhebung des KPDVerbotes erste Voraussetzung ist... \" FM \"Das Verbot der KPD ist eine Waffe in der Hand der \u00e4u\u00dfersten Reaktion, die damit die Aush\u00f6hlung aller verfassungsm\u00e4\u00dfig garantierten Freiheiten und rechtsstaatlichen Grunds\u00e4tze bem\u00e4ntelt und jetzt mit den Notstandsgesetzen das Volk schon in Friedenszeiten unter Kriegsrecht stellen will.\" (Gemeinsame Erkl\u00e4rung der ZK's der SED und KPD; siehe Anlage 2) \"Im Kampf gegen die Notstandspl\u00e4ne der Bundesregierung erweist es sich wiederum, dass die Kommunisten in vorderster Front zur Verteidigung des Grundgesetzes stehen.\" (Stellungnahme der Bezirksleitung Niederrhein der KPD zur Diskussion um die Aufhebung des KPD-Verbotes, verbreitet im April 1964) \"Darum sollten wir alles daransetzen, um den gef\u00e4hrlichen Kurs der Bundesregierung nach Atomwaffen und Notstandsgesetzen zu verhindern.\" FM \"So hat m.E. das KPD-Verbot zu einer bedenklichen Einschr\u00e4nkung der demokratischen Rechte, zu einer Atomsph\u00e4re der Einsch\u00fcchterung und des Gesinnungszwanges gef\u00fchrt. ... Nicht anders ist da auch die Begr\u00fcndung f\u00fcr die Beseitigung wesentlicher Grundrechte durch das geplante Notstandsgesetz... .\" FM 3) Sicherung der demokratischen Freiheiten auch f\u00fcr Kommunisten \"Dieser ganze sch\u00e4ndliche Zustand w\u00fcrde bereinigt werden, wenn nach dem Vorschlag Max Reimann's an Bundeskanzler Erhard verfahren wird: 1. Erlass einer Amnestie und Einstellung all der Verfahren gegen Personen und Organisationen, die auf Grund oder im Zusammenhang mit dem Verbot der KPD anh\u00e4ngig sind. 2. Sicherung der im Grundgesetz garantierten Meinungsfreiheit in Wort und Schrift auch f\u00fcr alle B\u00fcrger der Bundesrepublik, die sich zur kommunistischen Weltanschauung bekennen. 3. Sicherung auch des passiven Wahlrechts f\u00fcr alle Kommunisten und damit M\u00f6glichkeit ihrer Teilnahme an Wahlen als Einzelkandidaten und auf Listen im Rahmen der geltenden Wahlordnungen f\u00fcr kommunale und Landesparlamente sowie f\u00fcr den Bundestag. 4. Wiederherstellung der Legalit\u00e4t der KPD.\" (FM auf der III. Tagung des ZK der KPD; \"WISSEN UND TAT\", Sonder-Nr. Juni 1964)","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 36 \"Nach meinen Vorstellungen m\u00fcsste als erster Schritt folgendes geschehen: 1. Ma\u00dfnahmen einzuleiten, die die Aufhebung des Verbotes der KPD erm\u00f6glichen. 2. Freilassung aller der mit dem Verbot der KPD im Zusammenhang stehenden Inhaftierten. 3. Wiederherstellung und Sicherung der Rechte auch f\u00fcr Vertreter der kommunistischen Auffassung, so wie es das Grundgesetz verlangt.\" FM \"Die freie Bet\u00e4tigung der Kommunisten bietet Gew\u00e4hr daf\u00fcr, dass... der Weg zu einer vom Volk getragenen friedlichen und demokratischen Ordnung und zur sozialistischen Umgestaltung der Gesellschaft gewiesen wird.\" (Gemeinsame Erkl\u00e4rung der ZK's der SED und KPD; siehe Anlage 2) \"Das auf dem H\u00f6hepunkt des kalten Krieges ausgesprochene Verbot hat zu einer bedenklichen Einschr\u00e4nkung der demokratischen Rechte und zu einer Atmosph\u00e4re des Druckes und der Einsch\u00fcchterung gegen\u00fcber allen Gegnern der offiziellen Regierungspolitik gef\u00fchrt... Im Interesse der Sicherung der Rechtsstaatlichkeit wird darum die Aufhebung des KPDVerbotes zu einer zwingenden Notwendigkeit. ... dass im Interesse der L\u00f6sung unserer nationalen Lebensfrage Schluss gemacht wird mit der Verteufelung der Kommunisten. Ohne die Diskussion und Verst\u00e4ndigung mit den Kommunisten kommen wir der Wiedervereinigung keinen Schritt n\u00e4her. ... M.E. W\u00fcrden folgende Ma\u00dfnahmen zur \u00dcberwindung des KPD-Verbotes beitragen: a) eine umfassende Amnestie und Einstellung aller Verfahren, die durch das Verbot ausgesprochen und eingeleitet worden sind; b) die Sicherung aller im Grundgesetz garantierten Rechte und Freiheiten auch f\u00fcr die B\u00fcrger kommunistischer Weltanschauung.\" FM \"Eine sachliche Grundlage bieten dazu die im Brief des Vorsitzenden der KPD, Max Reimann, an den Bundeskanzler Erhard enthaltenen Vorschl\u00e4ge: 1. Erlass einer Amnestie und Einstellung all der Verfahren gegen Personen und Organisationen, die aufgrund oder im Zusammenhang mit dem Verbot der KPD anh\u00e4ngig sind. 2. Sicherung der im Grundgesetz garantierten Meinungsfreiheit in Wort und Schrift, auch f\u00fcr alle B\u00fcrger der Bundesrepublik, die sich zur kommunistischen Weltanschauung und Politik bekennen. 3. Sicherung auch des passiven Wahlrechts f\u00fcr alle Kommunisten und damit M\u00f6glichkeit ihrer Teilnahme an Wahlen als Einzelkandidaten und auf Listen im Rahmen der geltenden Wahlordnungen f\u00fcr kommunale und Landesparlamente sowie f\u00fcr den Bundestag. 4. Wiederherstellung der Legalit\u00e4t der KPD.","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 37 Dazu k\u00f6nnten mit der Bundesregierung Beratungen stattfinden, zu denen jederzeit bevollm\u00e4chtigte politische bzw. juristische Berater der KPD zur Verf\u00fcgung stehen.\" (Stellungnahme der Bezirksleitung Niederrhein der KPD zur Diskussion um die Aufhebung des KPD-Verbotes) \"Ich w\u00fcrde mich freuen, wenn auch Sie Ihre Stimme im Interesse der Demokratie und des sozialen Fortschrittes f\u00fcr eine \u00dcberpr\u00fcfung des KPDVerbotes erheben w\u00fcrden. Als Schritte auf dem Wege zur Wiederzulassung der KPD in der Bundesrepublik k\u00f6nnte man sich mit dem Problem einer Amnestie f\u00fcr alle politischen Gefangenen befassen. Ebenfalls w\u00e4re es an der Zeit, eine freie politische Bet\u00e4tigung f\u00fcr alle Kommunisten, einschlie\u00dflich der Zulassung als Kandidaten bei Wahlen, zu gew\u00e4hrleisten.\" FM \"Die Gewerkschaften und alle Menschen, denen Demokratie und Entspannung mehr als ein unverbindliches Lippenbekenntnis ist, sollten daraus die Schlussfolgerung ziehen,, nunmehr auch in der Bundesrepublik die Forderung zu erheben: Freiheit f\u00fcr die politischen Gefangenen in der Bundesrepublik Freiheit f\u00fcr die KPD\". FM \"....glaube ich, dass das Interesse der \u00d6ffentlichkeit vielmehr auf die Beseitigung der Rechtsunsicherheit, auf eine politische Amnestie und die Aufhebung des Verbotes der KPD gerichtet ist.\" FM \"Vielleicht ziehen Sie in Ihre \u00dcberlegungen auch solche Gedanken ein, wie eine umfassende Amnestie sowie die Einstellung aller noch durch das KPDVerbot bedingten schwebenden Verfahren. Das, sowie die Sicherung aller im Grundgesetz garantierten Rechte und Freiheiten auch f\u00fcr B\u00fcrger kommunistischer Weltanschauung scheinen mir erste Ma\u00dfnahmen zu sein, um das KPD-Verbot zu \u00fcberwinden. FM \"Meinen Sie nicht auch, dass es endlich an der Zeit ist, Schluss zu machen mit der Verfolgungsjagd auf Kommunisten und andere friedliebende B\u00fcrger?...Ich habe daher den begreiflichen Wunsch, dass auch Sie sich dem Kreis der Pers\u00f6nlichkeiten anschlie\u00dfen, die f\u00fcr die Aufhebung des KPD-Verbotes und f\u00fcr eine politische Amnestie eintreten.\" FM 4) Ohne Wiederzulassung der KPD keine Wiedevereinigung","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 38 \"In der \u00f6ffentlichen Diskussion wird von B\u00fcrgern und Arbeitern darauf hingewiesen, dass die Aufhebung des KPD-Verbotes f\u00fcr den Beginn einer neuen Politik in der Bundesrepublik notwendig sei. Mit ihm werde ein Beitrag zur Klimaverbesserung und zur Entspannung geleistet, die Verst\u00e4ndigung und Ann\u00e4herung der beiden deutschen Staaten gef\u00f6rdert und damit ein Schritt auf dem Wege der Wiedervereinigung Deutschlands getan, die ja nicht ein einmaliger Akt, sondern nur ein l\u00e4ngerer Prozess sein kann.\" (FM auf der III. Tagung des ZK der KPD; \"WISSEN UND TAT\", Sonder-Nr. Juni 1964) \"Jedem vern\u00fcnftigen Menschen ist klar, dass im Interesse des Friedens, der Entspannung und der Wiedervereinigung in absehbarer Zeit das Verbot der KPD aufgehoben werden muss.\" FM \"Die Wiederzulassung der KPD w\u00fcrde nicht nur den Kommunisten dienen, sondern weit mehr der Demokratie, der Wiedervereinigung und damit allen Deutschen...\" \"... das Verbot der KPD ist juristisch umstritten und politisch beanstandet worden. Eine Aufhebung des KPD-Verbotes - wozu die Bundesregierung jederzeit berechtigt w\u00e4re, w\u00fcrde das demokratische Leben in der Bundesrepublik festigen, das politische Klima verbessern und die Wiedervereinigung Deutschlands f\u00f6rdern.\" FM \"Das Verbot der KPD hat den kalten Krieg versch\u00e4rft und den Graben zwischen den zwei deutschen Staaten vertieft. Stets ist die KPD davon ausgegangen, dass eine L\u00f6sung der nationalen Probleme unseres Volkes niemals ohne oder gar gegen die DDR erfolgen kann. Stets ist sie f\u00fcr den Verzicht auf Gewalt und f\u00fcr Verhandlungen zwischen beiden deutschen Staaten eingetreten. Das Zentralkomitee der SED und das Zentralkomitee der KPD erkl\u00e4ren darum mit allem Nachdruck: Mit der Beseitigung des Verbotes der KPD w\u00e4re viel gewonnen f\u00fcr eine Verbesserung des politischen Klimas und f\u00fcr die Entspannung der Lage in Deutschland. Eine legale KPD wird eine starke Kraft f\u00fcr die Ann\u00e4herung und Verst\u00e4ndigung aller deutschen Arbeiterorganisationen sein, f\u00fcr die Aktionsgemeinschaft von DGV und FDGB, f\u00fcr das Zusammenwirken von SED, SPD und KPD. Das ist der Weg, um das \u00dcbergewicht der westdeutschen Arbeiterklasse \u00fcber Militarismus und Monopolkapital zu sichern und ganz Deutschland auf den Weg des Friedens, der Demokratie und des Sozialismus zu f\u00fchren.\" (Gemeinsame Erkl\u00e4rung der ZK's der SED und KPD; siehe Anlage 2) \"Das auf dem H\u00f6hepunkt des kalten Krieges ausgesprochene Verbot hat zu einer bedenklichen Einschr\u00e4nkung der demokratischen Rechte und zu einer Atmosph\u00e4re des Druckes und der Einsch\u00fcchterung gegen\u00fcber allen","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 39 Gegnern der offiziellen Regierungspolitik gef\u00fchrt... Im Interesse der Sicherung der Rechtsstaatlichkeit wird darum die Aufhebung des KPDVerbotes zu einer zwingenden Notwendigkeit. ... dass im Interesse der L\u00f6sung unserer nationalen Lebensfrage Schluss gemacht wird mit der Verteufelung der Kommunisten. Ohne die Diskussion und Verst\u00e4ndigung mit den Kommunisten kommen wir der Wiedervereinigung keinen Schritt n\u00e4her...\" FM \"Die Wiederzulassung unserer Partei w\u00fcrde zur Verst\u00e4ndigung zwischen den beiden deutschen Staaten, zur Versachlichung und Normalisierung der innerdeutschen Beziehungen beitragen... Darum ist der Kampf um die Wiederherstellung der Rechte und Freiheiten der KPD nicht nur eine Angelegenheit der Kommunisten, sondern sie muss zur Angelegenheit eines jeden demokratischen B\u00fcrgers werden. (Stellungnahme der Bezirksleitung Niederrhein der KPD zur Diskussion um die Aufhebung des KPD-Verbotes) \"Mit diesem Brief m\u00f6chte ich als Marxist und bis zum Verbot der KPD im Jahre 1956 Mitglied und Funktion\u00e4r dieser Partei mithelfen, diese Diskussion\" (\u00fcber die Frage der Wiederzulassung der KPD) \"weiter zu treiben im Interesse unserer Demokratie, der Entspannung und nicht zuletzt der Wiedervereinigung unseres geteilten Vaterlandes... Wer ehrlich den Frieden will, wer die Entspannung in der Welt will, muss it Kommunisten verhandeln und mit ihnen sprechen. F\u00fcr uns Deutsche hei\u00dft das, wer die Wiedervereinigung will, wer f\u00fcr Wandel durch Ann\u00e4herung will, wer die Verfassungswirklichkeit will, muss mit der Regierung der DDR verhandeln, das hei\u00dft, er muss mit Kommunisten verhandeln.\" FM 5) Widerzulassung der KPD \"Zu den unabdingbaren Forderungen einer neuen Politik in der Bundesrepublik geh\u00f6rt... die Aufhebung des KPD-Verbotes.\" (FM auf der III. Tagung des zK der KPD; \"WISSEN UND TAT\", Sonder-Nr. Juni 1964) \"Im Namen des Friedens und der Demokratie, im Namen der Nation: Freiheit f\u00fcr die KPD!\" (Gemeinsame Erkl\u00e4rung der ZK's der SED und KPD; siehe Anlage 2) \"Ich w\u00fcrde mich freuen, wenn auch Sie Ihre Stimme im Interesse der Demokratie und des sozialen Fortschrittes f\u00fcr eine \u00dcberpr\u00fcfung des KPDVerbotes erheben w\u00fcrden.\" FM","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 40 \"Mit diesem Brief m\u00f6chte ich als Marxist und bis zum Verbot der KPD im Jahre 1956 Mitglied und Funktion\u00e4r dieser Partei mithelfen, diese Diskussion\" (\u00fcber die Frage der Wiederzulassung der KPD) \"weiter zu treiben im Interesse unserer Demokratie, der Entspannung und nicht zuletzt der Wiedervereinigung unseres geteilten Vaterlandes.\" FM \"Nun gibt es zwei Wege, auf denen meinem Mann, der sich stets uneigenn\u00fctzig f\u00fcr das Wohl seiner Mitmenschen eingesetzt hat, noch geholfen werden kann. Der Hauptweg ist die Aufhebung des KPDVerbotes....\" FM \"Die Forderung: Freiheit f\u00fcr die KPD - darf nicht mehr verstummen. Der Kampf f\u00fcr die Legalit\u00e4t der KPD muss jetzt Sache aller Demokraten werden. Die friedliebende Bev\u00f6lkerung der Bundesrepublik braucht eine legale KPD!\" (Stellungnahme der Bezirksleitung Niederrhein der KPD zur Diskussion um die Aufhebung des KPD-Verbotes) \"Freiheit f\u00fcr die politischen Gefangenen in der Bundesrepublik. Freiheit f\u00fcr die KPD.\" FM \"... das Verbot der KPD ist juristisch umstritten und politisch beanstandet worden. Eine Aufhebung des KPD-Verbotes -wozu die Bundesregierung jederzeit berechtigt w\u00e4re, w\u00fcrde das demokratische Leben in der Bundesrepublik festigen, das politische Klima verbessern und die Wiedervereinigung Deutschlands f\u00f6rdern.,\" FM \"...gegen die MLF gegen die Notstandsgesetze f\u00fcr eine politische Amnestie f\u00fcr die Aufhebung des KPD-Verbotes!\" FM \"... glaube ich, dass das Interesse der \u00d6ffentlichkeit vielmehr auf die Beseitigung der Rechtsunsicherheit, auf eine politische Amnestie und die Aufhebung des Verbotes der KPD gerichtet ist.\" FM","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 41 \"Ich habe daher den begreiflichen Wunsch, dass auch Sie sich dem kreise der Pers\u00f6nlichkeiten anschlie\u00dfen, die f\u00fcr die Aufhebung des KPD-Verbotes und f\u00fcr eine politische Amnestie eintreten.\" FM 2.7 Zusammenfassende Beurteilung Nach den Ausf\u00fchrungen der Abschnitte I bis VI dieser Studie k\u00f6nnen folgende Tatsachen als erwiesen angesehen werden. 1) Jeder Kommunist ist zu einem Maximum an offener kommunistischer Arbeit verpflichtet. Dieser Verpflichtung ist er sich auch bewusst. 2) Dazu geh\u00f6rt - wenn im Einzelfall die Voraussetzungen, insbesondere plausible Ansatzpunkte vorliegen - auch die Pflicht, durch Herausgabe Offener Briefe \"legal\" (also nicht konspirativ) f\u00fcr kommunistische Ziele zu werben. 3) Die Thematik der \"Offenen Briefe\" liegt prinzipiell nicht im Belieben der einzelnen Verfasser und Herausgeber, sondern wird von der KPD zentral bestimmt. 4) Sie gipfelt in der Werbung f\u00fcr kommunistische Bestrebungen, die als Nahziel die Wiederzulassung der KPD und als Fernziel die Etablierung der kommunistischen Herrschaft in der Bundesrepublik verfolgen. 5) Bei den Herausgebern der erfassten \"Offenen Briefe\" (siehe Anlage) handelt es sich ausnahmslos um ehemalige KPD-Funktion\u00e4re oder deren Angeh\u00f6rige. 6) Inhalt und Argumentation der erfassten \"Offenen Briefe\" entsprechen den zentralen Anweisungen der KPD (vgl. Ziffer 3.) Und 4.) Und ordnen sich systematisch in die Schwerpunkte der kommunistischen Agitation ein. Hinzu kommt, dass polizeiliche Ermittlungen folgende Tatsachen ergeben hatten: 1) Die Finanzlage und das Einkommen der meisten Angeh\u00f6rigen von inhaftierten illegalen KP-Funktion\u00e4ren, die als Briefschreiber auftraten, reicht nicht einmal an den \u00f6ffentlichen Wohlfahrtssatz heran, so dass eine Eigenfinanzierung der Briefaktionen ausscheidet. 2) Bisher hat keiner der Versender der Briefe offengelegt, wo die angeblich von ihm verfassten und verbreiteten Briefe hergestellt wurden. In den Ermittlungsverfahren wurde zu diesem Punkt stets die Aussage verweigert. Damit d\u00fcrfte - trotz fehlender Beweismittel \u00fcber konkrete Weisungen im Einzelfall - die Indizienkette geschlossen und die Schlussfolgerung begr\u00fcndet sein, dass es sich bei den im Lande Nordrhein-Westfalen erfassten \"Offenen\" Briefen nicht um private Einzelaktionen, sondern um von der KPD zentral gelenkte Agitation handelt, die dazu beitragen soll, einerseits den Zusammenhalt der illegalen KPD zu festigen und anderseits die Versuche des Kommunismus zu unterst\u00fctzen, in Nord-","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 42 rhein-Westfalen und der Bundesrepublik st\u00e4rkeren Einfluss auf das politische Geschehen zu gewinnen. Anmerkung: Zur Verdeutlichung des Gedankenganges wurden in den Zitaten Unterstreichungen vorgenommen. Sie sind in den Originaltexten nicht enthalten. 2.8 Anlage 2.8.1 Anlage 1 Zusammenstellung der wichtigsten Erkl\u00e4rungen der KPD-F\u00fchrung zur \"Offenen Arbeit\" \"Die Partei muss einen verst\u00e4rkten Kampf f\u00fcr die Aufhebung des Verbotes f\u00fchren, indem sie um jede M\u00f6glichkeit des legalen Auftretens ringt und jeder Kommunist alle dazu gebotenen M\u00f6glichkeiten ausnutzt. Wenn die Verneinung der illegalen Organisation den Verzicht auf die selbst\u00e4ndige Klassenorganisation und die Klassenpolitik der Arbeiter bedeutet, so bedeutet andererseits der Verzicht auf die Ausnutzung jeder M\u00f6glichkeit legalen Auftretens, dass sich die Partei selbst von den Massen isoliert. Wir brauchen eine kampff\u00e4hige illegale Organisation, die die Regeln der Konspiration einh\u00e4lt, aber andererseits \u00fcberall in den Betrieben, Gewerkschaften, Massenorganisationen, \u00fcberall, wo die Massen sind, in allen Volksschichten arbeitet. Dabei m\u00fcssen nicht nur alle bestehenden legalen M\u00f6glichkeiten genutzt werden; die Kommunisten m\u00fcssen vielmehr darum k\u00e4mpfen, sich weitere M\u00f6glichkeiten des legalen Auftretens zu verschaffen und den Rahmen der Illegalit\u00e4t zu sprengen...\" (Thesen des Parteitages der KPD 1957 in \"Die KPD lebt und k\u00e4mpft\" - Dokumente der KPD 1956 - 1962; DIETZ-Verlag Ost-Berlin, Seite 114). Ein Mitglied des Politb\u00fcros der illegalen KPD erkl\u00e4rte auf der 8. Tagung des ZK der KPD im Januar 1958 in seinem Referat \"\u00dcber das Wirken des Gegners und offensive Gegenma\u00dfnahmen der Partei\": \"Es gilt, die St\u00e4rke unserer Sache zu beweisen, die gro\u00dfen Perspektiven aufzuzeigen und die vorhandenen Unklarheiten beharrlich \u00fcberzeugend aus der Welt zu schaffen. Das hei\u00dft, dass unsere Partei lernen muss, alle legalen M\u00f6glichkeiten der Massenarbeit auszunutzen und gleichzeitig durch Anwendung der konspirativen Regeln und Entwicklung der politischen Wachsamkeit die Arbeit zu sichern... .\" (\"WISSEN UND TAT\" Nr. 2/58, S. 80) In der Entschlie\u00dfung der 10. Tagung des ZK der illegalen KPD vom November 1958 wird zum Ausdruck gebracht: \"Die Erfahrungen seit dem Verbot unserer Partei - am 17. August 1956 - zeigen, dass die Bonner Regierung ihr Ziel nicht erricht hat. Die Aktivit\u00e4t der illegalen Parteiorganisation w\u00e4chst, die Eigeninitiative der grundorganisationen entwickelt sich, die Mitglieder und Funktion\u00e4re unserer Partei lernen die Parteiarbeit durch die strenge Anwendung der konspirativen","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 43 Arbeitsmethoden zu sichern und gleichzeitig alle legalen Arbeitsm\u00f6glichkeiten auszunutzen...\" (\"Die KPD lebt und k\u00e4mpft\" - Dokumente der KPD 1956 - 1962; DIETZ-Verlag OstBerlin, Seite 214). Auf dem Parteitag der illegalen KPD im Mai/Juni 1957 erkl\u00e4rte Max REIMANN: \"Wenn die Partei immer mehr die illegale Arbeit mit der halblegalen und der legalen T\u00e4tigkeit zu verbinden versteht und politisch aktiv auftritt, dann wird der Gegner sp\u00fcren, dass sich das Verbot der KPD f\u00fcr ihn nicht ausgezahlt hat.\" (\"WISSEN UND TAT\", Sondernummer Parteitag 1957, (II), S. 16) In seinem Rechenschaftsbericht auf dem gleichen Parteitag stellte REIMANN folgende Aufgaben: \"1) dass unsere Partei ihre Aktivit\u00e4t erh\u00f6ht, in allen Fragen ihre eigene selbst\u00e4ndige Politik vertritt und daf\u00fcr die Massen gewinnt; 2) dass alle Parteiorganisationen und Leitungen und jeder einzelne Kommunist besonders heute unter den Bedingungen der Illegalit\u00e4t gr\u00f6\u00dfte Eigeninitiative zu entwickeln; 3) dass wir alle Anstrengungen machen, um die Massenarbeit der Partei zu verbessern, hierbei jede legale M\u00f6glichkeit auszunutzen und so um die Legalit\u00e4t unserer Partei k\u00e4mpfen.\" (\"WISSEN UND TAT\", Sondernummer Parteitag 1957 (I), S. 42) Und im Schlusswort verk\u00fcndete Reimann: \"Dieses Ziel erfordert die h\u00f6chste Aktivit\u00e4t der Kommunisten, wobei im Bundestagswahlkampf genau wie im gesamten \u00fcbrigen politischen Kampf unsere Partei die Ausn\u00fctzung aller legalen M\u00f6glichkeiten im Vordergrund stehen muss.\" \"Das ist zugleich das Wichtigste im Kampf um die Legalit\u00e4t unserer Partei.\" (\"WISSEN UND TAT\", Sondernummer Parteitag 1957 (I), S. 51) Der 1. Sekret\u00e4r der SED, Walter Ulbricht , sagte vor demselben Forum: \"Der Gegner muss wissen, er hat zwar die Partei verboten, aber die Massenarbeit der Partei vermindert sich nicht, sondern die Partei ist als gro\u00dfer politischer Faktor vorhanden. Wenn die Partei immer mehr die illegale Arbeit mit der halblegalen T\u00e4tigkeit zu verbinden versteht und politisch aktiv auftritt, dann wird der Gegner sp\u00fcren, dass sich das Verbot der KPD f\u00fcr ihn nicht ausgezahlt hat.\" (\"WISSEN UND TAT\", Sondernummer Parteitag 1957 (II), S. 16)","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 44 Kurze Zeit sp\u00e4ter schrieb Reimann : \"Das legale Auftreten aller unserer Genossen ist das wichtigste Mittel, um den Masseneinfluss zu verst\u00e4rken und wieder die Legalit\u00e4t der Partei zu erk\u00e4mpfen.\" ... \"Die ideologisch-politische Festigung unserer Partei und die Ausnutzung aller legalen M\u00f6glichkeiten des Kampfes in Westdeutschland ist der Weg, den wir beschreiten m\u00fcssen, um den Kampf gegen Imperialismus und Militarismus, f\u00fcr Frieden, Demokratie und die Wiedervereinigung Deutschlands erfolgreich zu f\u00fchren.\" (\"WISSEN UND TAT\", Nr. 9/57, S. 39) Auf der 9. Tagung des ZK der KPD betonte Reimann, dass \"die Ausnutzung der legalen M\u00f6glichkeiten die Voraussetzung f\u00fcr eine enge Verbindung der Parteimitglieder mit den Massen sei.\" (\"WISSEN UND TAT\", Nr. 6/1958, S. 32) Auf der 11. Tagung des ZK der KPD erkl\u00e4rte er: \"Die Aufgaben, die wir heute entwickelt haben, unterstreichen die Notwendigkeit, dass unsere ganze Partei unsere Politik in die Massen tr\u00e4gt und daf\u00fcr alle legalen, halblegalen und illegalen Methoden anwendet.\" (\"WISSEN UND TAT\", Nr. 6/1959, S. 47) In dem Entwurf eines Beschlusses zur Ende 1959 geplanten und am 28./29. Februar 1960 in Ballenstedt am Harz /Sowjetzone veranstalteten Parteidelegierten-Konferenz wird ausgef\u00fchrt: \"Zugleich muss die Partei die ernsten Vers\u00e4umnisse in der Entwicklung des Kampfes um die Wiederherstellung der Legalit\u00e4t der Partei \u00fcberwinden. Die F\u00fchrung der Partei muss eine hinreichende Einsch\u00e4tzung \u00fcber die besonderen Bedingungen der Illegalit\u00e4t zum Vergleich zur Hitler-Herrschaft ausarbeiten und laufend daraus Schlussfolgerungen ziehen.\" (\"NEUES DEUTSCHLAND\" vom 08.11.1959) In einem mit \"Karl\" gezeichneten Artikel in dem KPD-Organ \"WISSEN UND TAT\" Nr. 10/1959, S. 25, zur Vorbereitung der Parteikonferenz hei\u00dft es: \"... Klarheit \u00fcber die Verbindung der legalen mit der illegalen Arbeit schaffen und die Genossen damit vertraut machen, die vielf\u00e4ltigen M\u00f6glichkeiten der legalen Arbeit immer umfassender auszunutzen. Es ist doch so, dass 99 % unserer Genossen legal auftreten k\u00f6nnen. Durch das offene Auftreten der Genossen steigt die Autorit\u00e4t der Partei. Das ist ein entscheidender Bestandteil des Kampfes um die Legalit\u00e4t.\" In seinem Referat auf der Parteikonferenz verk\u00fcndete Reimann : \"Nach dieser Parteidelegierten-Konferenz gilt f\u00fcr alle Parteiorganisationen die Losung: vorw\u00e4rts zur legalen Massenarbeit! St\u00e4rkt die Partei durch ihre Einheit und die Aufnahme neuer Mitglieder!","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 45 Kommunisten in die Offensive!\" (\"WISSEN UND TAT\", Nr. 4/1960) In dem Beschluss der Konferenz wird festgestellt: \"Kein Ereignis von Bedeutung, keine Frage, die die Arbeiterklasse und die Massen bewegt, darf ohne Antwort der KPD bleiben. Sie muss der Bev\u00f6lkerung die Ereignisse erl\u00e4utern und ihr vor allem den Weg des erfolgeichen Kampfes zur Verwirklichung ihrer Forderungen zeigen. Dabei gilt es, das in der Partei noch stark vorhandene Zur\u00fcckweichen vor der Massenarbeit zu \u00fcberwinden. Alle Parteieinheiten, alle Mitglieder und Funktion\u00e4re der Partei m\u00fcssen die M\u00f6glichkeiten des legalen Auftretens voll ausnutzen. Das gilt besonders f\u00fcr das Auftreten in den Betrieben, in den Gewerkschaften wie in allen \u00fcbrigen Organisationen der Arbeiterklasse. Es gibt f\u00fcr jeden Kommunisten vielseitige M\u00f6glichkeiten des legalen Auftretens. Manche Kommunisten haben hervorragende Beispiele daf\u00fcr geliefert... .\" (\"Die Lage in der Bundesrepublik und der Kampf f\u00fcr Frieden, Demokratie und sozialen Wohlstand\" - Beschluss der Parteidelegierten-Konferenz der KPD Februar 1960 in \"Die KPD lebt und k\u00e4mpft\" - Dokumente 1956-1962, DIETZ-Verlag OstBerlin, S. 453) 2.8.2 Anlage 2 Gemeinsame Erkl\u00e4rung des Zentralkomitees der SED und des Zentralkomitees der KPD zum 8. Jahrestag des Verbotes der KPD Im Namen des Friedens und der Demokratie, im Namen der Nation: Freiheit f\u00fcr die Kommunistische Partei Deutschlands! Gemeinsame Erkl\u00e4rung des Zentralkomitees der SED und des Zentralkomitees der KPD Am 17. August 1956 wurde die KPD verboten. Die Urheber dieses Verbots wollten die westdeutsche Arbeiterklasse ihrer F\u00fchrung berauben und sie als selbst\u00e4ndige Kraft aus dem politischen Leben in der Bundesrepublik ausschalten. Dieses Ziel konnten und k\u00f6nnen sie nicht erreichen. Denn in unserer Zeit ist das Schicksal der Nation nicht von der geschichtlichen Aufgabe und Rolle der Arbeiterklasse zu trennen. Als der 1. Weltkrieg vorbereitet wurde, w\u00fctete die kaiserliche Polizei gegen die revolution\u00e4re F\u00fchrung der deutschen Arbeiter. Als der 2. Weltkrieg vorbereitet wurde, stand der faschistische Terror gegen die Kommunisten am Anfang der Verfolgung der Sozialdemokraten, aller Demokraten, aller Anh\u00e4nger des Friedens. Immer waren es die Arbeiter, von denen der Krieg die schwersten Opfer forderte. Immer haben sie in harter Arbeit aus Tr\u00fcmmern ein neues Leben aufgebaut. Heute steht die westdeutsche Arbeiterklasse wieder vor der Gefahr, alles zu verlieren - Als die Regierung Adenauer die Wiederaufr\u00fcstung Westdeutschlands begann, beantragte sie im Jahre 1951 wiederum das Verbot der KPD, sie erzwang das Ver-","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 46 bot wenige Tage nach Einf\u00fchrung der allgemeinen Wehrpflicht, unmittelbar vor Bekanntgabe ihrer Pl\u00e4ne, die Bundeswehr mit Atomwaffen auszur\u00fcsten. Damit hat die Bonner Regierung den gleichen Weg beschritten, auf dem Deutschland bereits zweimal in die Katastrophe gef\u00fchrt wurde. - Wie Hitler, versucht sie, aller reaktion\u00e4ren Kr\u00e4fte unter ihrem Bann des antikommunistischen Kreuzzuges zu sammeln. Aber selbst die Regierungen der anderen NATO-Staaten folgen ihr nicht. Mit dem Verbot der Kommunistischen Partei befindet sich die Bundesregierung in der sch\u00e4ndlichen Gemeinschaft mit den schlimmsten Reaktion\u00e4ren unserer Zeit, den faschistischen Diktatoren Franco und Salazar, mit den aggressivsten Feinden des Friedens und der Freiheit in den USA, den McCarthy und Goldwater. Die Hoffnung der Meinscheit aber hei\u00dft nicht Politik am Rande des Krieges, sondern Friede. Sie ist verk\u00f6rpert im Kampf der kommunistischen Weltbewegung gegen die Gefahr des Atomtods, f\u00fcr friedliche Koexistenz und Abr\u00fcstung, Sicherung des Friedens, das ist auch das Kernst\u00fcck der gesamten Politik der SED und der KPD. Das ist Inhalt des Friedensdoktrin der Deutschen Demokratischen Republik: Anerkennung der bestehenden Grenzen, Anerkennung der Gleichberechtigung beider deutscher Staaten und Normalisierung ihrer Beziehungen zueinander, Normalisierung der Beziehungen aller L\u00e4nder zu den beiden deutschen Staaten. Der Aufbau des Sozialismus in der DDR und ihre Friedenspolitik, der Kampf gegen den Militarismus und Revanchismus in der Bundesrepublik dienen der gro\u00dfen gemeinsamen Sache, dass von deutschem Boden niemals wieder ein Krieg ausgeht, dass ganz Deutschland ein Land des Friedens wird. Den Frieden st\u00e4rkt der zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Sowjetunion abgeschlossene Vertrag \u00fcber Freundschaft, gegenseitigen Beistand und Zusammenarbeit. Wie f\u00fcr alle B\u00fcrger der DDR ist es auch f\u00fcr die B\u00fcrger der Bundesrepublik von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung, dass mit diesem Vertrag die westdeutschen Revanchisten in die Schranken gewiesen, die Unantastbarkeit des ersten Friedensstaates in der deutschen Geschichte garantiert und sein internationales Gesicht gest\u00e4rkt, Ruhe und Sicherheit in Europa gef\u00f6rdert werden. Die Entscheidung gegen den Krieg, f\u00fcr den Frieden wird also heute in Deutschland unter neuen, g\u00fcnstigeren Bedingungen ausgetragen. Welch ein Wahn, die Ideale des Friedens und des gesellschaftlichen Fortschritts, die Ideen von Marx, Engels und Lenin in der Bundesrepublik jetzt noch unterdr\u00fccken zu wollen, nachdem sie dank der Einigung der Arbeiterbewegung in der SED auch auf deutschem Boden, in der DDR, schon ihren Siegeszug angetreten haben! SED und KPD sind fest verbunden durch die Gemeinsamkeit der marxistischleninistischen Weltanschauung. Sie stehen in engster Kampfgemeinschaft gegen den deutschen Imperialismus, von dem gegenw\u00e4rtig die gr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr den Frieden in Europa ausgeht. SED und KPD eint das Streben nach einer gesicherten Friedensordnung, nach einer gl\u00fccklichen Zukunft der deutschen Nation in einem geeinten sozialistischem Vaterland. Darin sehen sie den geschichtlichen Auftrag der gesamten deutschen Arbeiterklasse. Im Bewusstsein ihrer Verpflichtung vor der deutschen Arbeiterbewegung erkl\u00e4ren das Zentralkomitee der SozialistischenEinheitspartei Deutschlands und das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Deutschlands:","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 47 An der Haltung zum Verbot der KPD scheiden sich die Geister. Wer mit der autonomaren Bewaffnung der Bundeswehr Kurs auf den Krieg nimmt, der z\u00fcchtet Neonazismus und Revanchismus und will die Aufrechterhaltung des Verbotes der KPD. Wer eine neue, den Interessen der westdeutschen Bev\u00f6lkerung und den Belangen der Nation verpflichtete deutsche Politik in der Bundesrepublik erstrebt, der mu\u00df, ungeachtet der parteipolitischen Auffassung, im Interesse des Friedens und der Demokratie, der Bew\u00e4ltigung der Vergangenheit, des sozialen Fortschritts und der nationalen Zukunft f\u00fcr die Legalit\u00e4t der Kommunistischen Partei Deutschlands eintreten. Mit einer legalen KPD wird der FRIEDE st\u00e4rker Die Aufhebung des Verbotes der KPD w\u00e4re ein entscheidender Schritt, um das Selbstbestimmungsrecht der westdeutschen Bev\u00f6lkerung zu wahren und ihre Entscheidung gegen die atomare Aufr\u00fcstung in jeder Form, f\u00fcr eine selbst\u00e4ndige Abr\u00fcstungsinitiative der Bundesrepublik zur Geltung zu bringen. Denn die KPD ist in Westdeutschland die entschiedenste Kraft gegen den Drang der Hitlergenerale nach Atomwaffen, gegen den Ungeist des Militarismus und der Revanche. Die KPD unternimmt bereits in der Illegalit\u00e4t die gr\u00f6\u00dften Anstrengungen, um die Arbeiterklasse und alle friedwilligen Menschen f\u00fcr die tatkr\u00e4ftige Verteidigung des Friedens und der Sicherheit, f\u00fcr die Einstellung des Wettr\u00fcstens und f\u00fcr die Abr\u00fcstung zu gewinnen. Die Wiederherstellung der Legalit\u00e4t der KPD w\u00fcrde den Widerstand gegen die neofaschistischen und militaristischen Abenteurer st\u00e4rken, die in der Bundeswehr die Jugend im Geist von gestern an die Waffen von morgen zwingen, einen Bruderkrieg gegen die DDR ausl\u00f6sen und unser Volk in die Vernichtung des Atomkrieges treiben wollen. Darum ist die Legalit\u00e4t der KPD ein unabdingbarer Bestandteil des Rechts auf demokratische Selbstbestimmung des Volkes, ein Gebot der Selbsterhaltung f\u00fcr jeden B\u00fcrger der Bundesrepublik. Ohne eine legale KPD gibt es KEINE Wiedervereinigung Das Verbot der KPD hat den kalten Krieg versch\u00e4rft und den Graben zwischen den zwei deutschen Staaten vertieft. Stets ist die KPD davon ausgegangen, dass eine L\u00f6sung der nationalen Probleme unseres Volkes niemals ohne oder gar gegen die DDR erfolgen kann. Stets ist sie f\u00fcr den Verzicht auf Gewalt und f\u00fcr Verhandlungen zwischen beiden deutschen Staaten eingetreten. Das Zentralkomitee der SED und das Zentralkomitee der KPD erkl\u00e4ren darum mit allem Nachdruck: Mit der Beseitigung des Verbots der KPD w\u00e4re viel gewonnen f\u00fcr eine Verbesserung des politischen Klimas und f\u00fcr die Entspannung der Lage in Deutschland. Eine legale KPD wird eine starke kraft f\u00fcr die Ann\u00e4herung und Verst\u00e4ndigung aller deutschen Arbeiterorganisationen sein, f\u00fcr die Aktionsgemeinschaft von DGB und FDGB, f\u00fcr das Zusammenwirken von SED, SPD und KPD. Das ist der Weg, um das \u00dcbergewicht der westdeutschen Arbeiterklasse \u00fcber Militarismus und Monopolkapital zu sichern und ganz Deutschland auf den Weg des Friedens, der Demokratie und des Sozialismus zu f\u00fchren.","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 48 Eine legale KPD St\u00e4rkt die westdeutsche Arbeiterklasse Die Aufhebung des Verbots der KPD ist notwendig, damit die Arbeiterklasse und ihre Gewerkschaften den ihnen geb\u00fchrenden Einflu\u00df auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gewinnen. In den Jahren seit dem Verbot der KPD hat sich das deutsche Monopolkapital, haben sich die Flick und Siemens, die IG-Farben und die Deutsche Bank durch die versch\u00e4rfte Ausbeutung der Werkt\u00e4tigen m\u00e4rchenhafte Profite gesichert. Durch die R\u00fcstungslasten, die sich seit dem Verbot der KPD mehr als verdreifacht haben, durch die Erh\u00f6hung der Tarife und Steuern wurden seit dem Jahre 1956 aus jeder westdeutschen Familie fast 10 000 DM f\u00fcr die Bonner Kriegskasse herausgepresst. F\u00fcr die Beseitigung des Bildungsnotstands aber, f\u00fcr die soziale Sicherheit der Alten und Kranken hat die Regierung kein Geld. -Eine legale KPD w\u00fcrde den Kampf der westdeutschen Gewerkschaften gegen die Allmacht der Monopole, f\u00fcr die gewerkschaftlichen Rechte im Betrieb und im Staat, um die Mitbestimmung der Arbeiter und Angestellten, f\u00fcr eine aktive Lohnpolitik, gegen R\u00fcstungslasten, Preiswucher und Inflationsgefahr neuen Auftrieb geben. Die Aufhebung des Verbots der KPD w\u00fcrde auch die Bem\u00fchungen vieler Sozialdemokraten f\u00f6rdern, mit einer selbst\u00e4ndigen Politik der SPD aus den Sch\u00fctzengr\u00e4ben des kalten Krieges herauszukommen und ihre Partei aus der Gemeinsamkeit mit der CDU/CSU zu l\u00f6sen. Die Wiederherstellung der Legalit\u00e4t der KPD w\u00fcrde das gemeinsame Handeln von Sozialdemokraten und Kommunisten gegen die Bonner Scharfmacher erleichtern. Das ist der Weg, um der CDU/CSU auch bei den parlamentarischen Wahlen eine Niederlage beizubringen. Den Nutzen davon h\u00e4tten gleicherma\u00dfen Sozialdemokraten und Kommunisten, die Arbeiterklasse und das ganze Volk. Eine legale KPD sch\u00fctzt die Volksrechte Getreu den Traditionen ihres Widerstandes gegen die faschistische Gewaltherrschaft hat die KPD stets die Rechte des Volkes in der Bundesrepublik zu ihrer Sache gemacht. Sie ist jederzeit f\u00fcr den Schutz des Grundgesetzes, f\u00fcr die Verteidigung der Arbeitsrechte, des Koalitionsund Streikrechts, der Meinungsund Pressefreiheit, f\u00fcr die Rechte der Parlamente der L\u00e4nder und Gemeinden eingetreten. Das Verbot der KPD ist eine Waffe in der Hand der \u00e4u\u00dfersten Reaktion, die damit die Aush\u00f6hlung aller verfassungsm\u00e4\u00dfig garantieren Freiheiten und rechtsstaatlichen Grunds\u00e4tze bem\u00e4ntelt und jetzt mit den Notstandsgesetzen das Volk schon in Friedenzeiten unter Kriegsrecht stellen will. So wird die Aufhebung des Verbots der KPD zum Pr\u00fcfstein f\u00fcr die Realit\u00e4t der B\u00fcrgerrechte, f\u00fcr die Einhaltung des Grundgesetzes. Eine legale KPD w\u00fcrde die Kr\u00e4fte st\u00e4rken, die gegen Nazismus, f\u00fcr die S\u00e4uberung des Staates und der Wirtschaft, der Justiz und der Armee von faschistischen Verbrechern wirken und mehr Freiheit und Demokratie f\u00fcr das Volk erstreben. So beweist das Leben selbst die Notwendigkeit einer legalen KPD. Die freie Bet\u00e4tigung der Kommunisten bietet Gew\u00e4hr daf\u00fcr, dass von der Bev\u00f6lkerung der Bundesrepublik, in den Betrieben wie in den Parlamenten, jederzeit die Alternative zu","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1964 49 der aussichtslosen Politik der Monopolherren und Militaristen dargelegt, der Weg zu einer vom Volk getragenen friedlichen und demokratischen Ordnung und zur sozialistischen Umgestaltung der Gesellschaft gewiesen wird, die auf immer Frieden und Wohlstand des Volkes sichert. In unserer Epoche des \u00dcbergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus ist die Zukunft nur mit den Kommunisten zu gewinnen. - Das Zentralkomitee der SED und das Zentralkomitee der KPD gr\u00fc\u00dfen alle Mitglieder und Anh\u00e4nger der KPD, die dem Terror und der Verfolgung trotzen und in der Bundesrepublik mutig die Sache des Friedens, der Demokratie und des sozialen Fortschritts verfechten. Sie gr\u00fc\u00dfen alle Werkt\u00e4tigen der DDR, die mit ihren hervorragenden Leistungen beim Aufbau des Sozialismus der KPD und allen Friedenskr\u00e4ften in der Bundesrepublik in ihrem Kampf die wirksamste Unterst\u00fctzung geben. - Das Zentralkomitee der SED und das Zentralkomitee der KPD appellieren an die Arbeiterklasse, an alle demokratischen und friedliebenden Kr\u00e4fte in der Bundesrepublik und an die Welt\u00f6ffentlichkeit, die Freiheit f\u00fcr alle Opfer des kalten Krieges und der politischen Gesinnungsjustiz in der Bundesrepublik zu erwirken und von der Regierung Erhard die Beseitigung des Verbots der KPD zu fordern. Zentralkomitee Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands der Kommunistischen Partei Deutschland"],"title":"Verfassungsschutzbericht 1964","year":1964}
