{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-1973.pdf","jurisdiction":"Bund","num_pages":152,"pages":["Rechtsund linksradikale Bestrebungen Spionageabwehr","betrifft: \\Jerlasungs9chutz '73 21 \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Bundesinnenministeriums","Wie in den Vorjahren gibt auch in diesem Jahr der Verfassungsschutzbericht ein klares Bild von der Lage auf dem Gebiet der inneren Sicherheit. Die n\u00fcchternen, durch Zahlenangaben und Belegstellen gest\u00fctzten Feststellungen des Berichtes verhindern eine \u00dcberzeichnung der Gefahren, die vom politischen Radikalismus, besser gesagt: Extremismus, oder von anderen politisch motivierten St\u00f6rungen der \u00f6ffentlichen Sicherheit ausgehen. Sie verhindern aber auch jede Verharmlosung tats\u00e4chlich feststellbarer Gef\u00e4hrdungen. Die wichtigsten Aussagen des Berichtes lassen sich wie folgt zusammenfassen: Der Rechtsextremismus bedeutet derzeit keine Gefahr f\u00fcr die freiheitlich demokratische Grundordnung. Im Bereich des Linksextremismus sind Mitgliederzug\u00e4nge zu verzeichnen. Der Linksextremismus stellt jedoch trotz vereinzelter hochgef\u00e4hrlicher terroristischer Aktivit\u00e4ten innerhalb der sogenannten \"Neuen Linken\" keine gegenw\u00e4rtige Gefahr f\u00fcr die freiheitlich demokratische Grundordnung dar. Es ist den linksextremen Organisationen insgesamt trotz mancher Erfolge im Hochschulbereich nicht gelungen, ihre politische Basis in der Arbeiterschaft und in den Betrieben auszubauen. Die Nachrichtendienste der Ostblockstaaten setzten ihre Aussp\u00e4hungsbem\u00fchungen gegen politische, milit\u00e4rische und wirtschaftliche Ziele in der Bundesrepublik unvermindert fort. Daran hatten wie im Vorjahr die Nachrichtendienste der DDR den h\u00f6chsten Anteil. 3","Politisch extremistische Ausl\u00e4ndergruppen hatten im Jahre 1973 starke Mitgliederr\u00fcckg\u00e4nge zu verzeichnen. Auch die Zahl der von politisch extremistischen Ausl\u00e4ndern begangenen Terrorakte und anderer Straftaten hat sich erheblich vermindert. Nach wie vor drohen hier jedoch Gefahren, die nicht untersch\u00e4tzt werden d\u00fcrfen. Auch 1973 ist mithin dem politischen Extremismus kein Einbruch in breitere Schichten der Bev\u00f6lkerung gelungen. Ebenso ist erfreulicherweise festzustellen, da\u00df politisch motivierte Gewaltakte und Ausschreitungen in einigen Bereichen erheblich zur\u00fcckgegangen sind. Der Verfassungsschutz ist in einer freiheitlich rechtsstaatlichen Demokratie wie der unseren, die selbst der verfassungsfeindlichen politischen Bet\u00e4tigung einen \u00e4u\u00dfersten Freiheitsspielraum l\u00e4\u00dft, die notwendige Kehrseite einer solchen liberalen Demokratie. Denn hier gibt es um der Selbstverteidigung dieser freiheitlichen Demokratie willen gegen alle Feinde der Freiheit nur die politische Alternative: alle verfassungsfeindlichen Bestrebungen, die gegen Bestand und Ordnung dieser freiheitlich rechtsstaatlichen Demokratie gerichtet sind, schon im Ansatz zu verbieten. Oder aber, und dies ist die Grundentscheidung unserer Verfassung: solche verfassungsfeindlichen Bet\u00e4tigungen solange unverboten zuzulassen, wie sie nicht den staatlichen Bestand und die freiheitliche Ordnung gef\u00e4hrden. Um die \u00dcberschreitung dieser Linie feststellen zu k\u00f6nnen, von der an verfassungsfeindliche Bet\u00e4tigungen zu einer Gefahr f\u00fcr unsere freiheitlich demokratische Grundordnung werden, der nicht mehr mit politischen Mitteln, sondern nurmehr mit juristischen Mitteln begegnet werden kann, mu\u00df man dieses Vorfeld notwendig beobachten. Unser Verfassungsschutz ist so der Preis, den wir zahlen f\u00fcr die innere Sicherheit in einem Staat der \u00e4u\u00dfersten Freiheit, auch und gerade der politischen Bet\u00e4tigung, bis hin zur politischen Bet\u00e4tigung selbst der Ausl\u00e4nder. Den Mitarbeitern des Verfassungsschutzes geb\u00fchrt auch in diesem Jahre Dank f\u00fcr ihren Beitrag zur inneren Verteidigung unserer freiheitlichen Verfassung. Bonn, im August 1974 Prof. Dr. Werner Maihofer / Bundesminister des Innern 4","Inhalt Rechtsradikale Bestrebungen 1973 I. Allgemeine Erfahrungen 11 II. \u00dcbersicht in Zahlen 11 1. Organisationen 11 2. Publikationen 13 3. Rechtsradikale im \u00f6ffentlichen Dienst 15 III. Schwerpunkte der Agitation 16 1. Ostund Deutschlandpolitik 16 1.1 Publizistische Polemik 16 1.2 Aktionen und Kundgebungen 18 2. Nahostkonflikt 20 IV. \"Alte Rechte\" 20 1. Die \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) 20 1.1 Parteiorganisation 21 1.2 Der rechtsradikale Charakter der NPD 24 1.2.1 \"Lebensrichtigkeit\" als Umschreibung kollektivistischer Vorstellungen 24 1.2.2 Neue programmatische Schriften von Prof. Anrieh 24 1.2.3 Durch \"Systemver\u00e4nderung\" zum \"starken Staat\" 25 1.2.4 Der NS-Staat als Leitbild 26 2. \"Vereinigte Freiheitliche\" 26 3. Sonstige Erscheinungsformen der \"Alten Rechten\" 30 V. \"Neue Rechte\" 31 VI. Nazistische Erscheinungen 33 VII. Internationaler Faschismus 34 VIII. Ausschreitungen 36 IX. Ma\u00dfnahmen gegen Personen und Vereinigungen 36 X. Beurteilung 38 Abbildungen Entwicklung der Organisationen und der Mitgliederzahlen im organisierten Rechtsradikalismus/Entwicklung der rechtsradikalen Publizistik 12 NPD-Mitgliederst\u00e4rke und Auflagen der \"Deutschen Nachrichten\" (1964-1973) 14 Schlagzeilen rechtsradikaler Bl\u00e4tter zur Ostund Deutschlandpolitik 17 Rechtsradikale Karikaturen und Parolen zur Ostpolitik 19 \"Jugend f\u00fcr Deutschland\" 23","\"Vereinte Freiheitliche\" 27 Hetze der \"Deutschen National-Zeitung\" 29 Agitation der \"Neuen Rechten\" 32 NS-Pamphlete des internationalen Faschismus 35 Ausschreitungen deutscher Staatsb\u00fcrger aus rechtsradikalen Motiven in den Jahren 1969-1973 37 Linksradikale Bestrebungen im Jahre 1973 I. Allgemeine Erfahrungen 39 1. Orthodoxe Kommunisten 39 2. \"Neue Linke\" 40 3. Terroristen 40 II. \u00dcbersicht In Zahlen 41 1. Organisationen 41 2. Publikationen 41 3. Linksradikale im \u00f6ffentlichen Dienst 42 4. Studentenparlamente und Allgemeine Studentenaussch\u00fcsse .. 43 4.1 Studentenparlamente 43 4.2 Allgemeine Studentenaussch\u00fcsse 44 III. Schwerpunkte der Agitation 45 1. Ostund Deutschlandpolitik 46 2. Sozialpolitik 46 3. Konjunkturund Wirtschaftspolitik 47 4. Sicherheitsund Verteidigungspolitik 48 5. Bildungspolitik 49 6. Ma\u00dfnahmen gegen Radikale im \u00f6ffentlichen Dienst 49 7. Justiz und Strafvollzug 50 8. Internationale Solidarit\u00e4t 50 IV. T\u00e4tigkeit der orthodoxen Kommunisten 51 1. Organisatorische und politische Entwicklung 51 1.1 \"Deutsche Kommunistische Partei\" 51 1.2 Hilfsorganisationen der DKP und von ihr beeinfiu\u00dfte Gruppen .. 54 2. B\u00fcndnispolitik 55 2.1 \"Aktionseinheit\" mit Sozialdemokraten 55 2.2 Bem\u00fchungen um \"Aktionseinheit\" mit Gewerkschaftern 56 2.3 Betriebsarbeit 57 2.4 \"Volksfronf'-Politik 60 3. Jugendund Studentenarbeit 62 3.1 Jugend 63 3.2 Studentenarbeit 64 4. Propaganda und Schulung 66 5. Wahlergebnisse 68 V. DDR-Aktivit\u00e4t in der Bundesrepublik Deutschland 69 6","VI. Die \"Neue Linke\" 72 1. Ideologie, organisatorische Entwicklung und allgemeines Verhalten 72 1.1 Ideologie 72 1.2 Organisatorische Entwicklung 72 1.3 Allgemeines Verhalten 78 2. T\u00e4tigkeit an Hochschulen 81 3. T\u00e4tigkeit au\u00dferhalb der Hochschulen 82 4. Aktionen 85 VII. Terror und Gewalt 86 1. Bekenntnisse und Aufforderungen zur Gewalt 86 2. Terroristische Aktivit\u00e4ten 90 3. Sonstige Gewaltt\u00e4tigkeiten 93 4. Zahlenm\u00e4\u00dfige Entwicklung der Terrorund Gewaltakte 96 VIII. Beurteilung 97 Abbildungen Zeitungen, Zeitschriften und Informationsdienste der DKP 52 Streikagitation der DKP 59 Zeitungen und Zeitschriften der KPD und ihrer Hilfsorganisationen 75 Zeitungen und Zeitschriften anderer maoistischer Gruppen 79 Anarchistische Bl\u00e4tter 80 Streikagitation der \"Neuen Linken\" 83 Sturm auf das Rathaus in Bonn 87 Demonstrationen der KPD und ihrer Anh\u00e4nger 89 Terroristische Schriften 92 Tatwerkzeuge terroristischer Gruppen 94 Hausbesetzung in Hamburg 95 Spionageabwehr 1973 I. Allgemeine Erfahrungen 98 II. \u00dcbersicht in Zahlen 98 1. Umfang der erkannten T\u00e4tigkeit der Nachrichtendienste kommunistischen Staaten 98 1.1 Werbungen und Werbungsversuche 98 1.2 Auftr\u00e4ge 99 III. Werbungsmethodik 100 1. Kontaktanl\u00e4sse 100 2. Werbungsmittel 100 IV. F\u00fchrung der Agenten 100 V. Die Ziele der Spionaget\u00e4tigkeit 101 7","VI. Legale Residenturen in der Bundesrepublik Deutschland 101 1. Personelle Besetzung und Anteil der erkannten und vermutlichen Mitarbeiter gegnerischer Dienste 101 2. Nachrichtendienstliche T\u00e4tigkeit eines sowjetischen Staatsangeh\u00f6rigen in der Bundesrepublik 102 3. Versuchte Anwerbung in der Polnischen Botschaft 103 VII. Anwerbungsmethoden der DDR-Nachrichtendienste 103 1. Allgemeines 103 2. Einzelne Methoden 105 2.1 Briefliche Anbahnungsversuche der DDR-Nachrichtendienste nach Zeitungsanzeigen 105 2.2 Verwendung von Scheinfirmen 106 2.3 Anwerbung von Studenten als \"Perspektivkandidaten\" 106 2.4 Anwerbung eines \"Perspektivkandidaten\" unter der Legende \"T\u00e4tigkeit f\u00fcr den Secret Service\" 106 VIII. \u00dcberwachung von Touristen durch den rum\u00e4nischen Nachrichtendienst 108 IX. Nachrichtendienstliche Verpflichtung von Aussiedlern aus osteurop\u00e4ischen Staaten 109 X. Kernforschung in der Bundesrepublik als Ziel 109 XI. Ansprache von Angeh\u00f6rigen des \u00f6ffentlichen Dienstes bei Reisen In den kommunistischen Machtbereich 110 XII. Verurteilungen 111 Sicherheitsgef\u00e4hrdende Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 1973 I. Allgemeine Erfahrungen 112 1. Internationaler Terrorismus 112 2. Politisch extreme Ausl\u00e4nderorganisationen in der Bundesrepublik Deutschland 112 a) Entwicklungstendenzen 112 b) Zielgruppen 114 II. \u00dcbersicht in Zahlen 115 1. Organisationen 115 2. Publizistik 117 III. Ausschreitungen 119 1. Terrorakte 120 2. Sonstige Gewaltakte 121 3. Anonyme Androhung von Gewaltund Terrorakten 121 IV. Ausl\u00e4ndergruppen mit terroristischen Tendenzen 122 1. Pal\u00e4stinensischer Widerstand 122 2. Sonstige terroristische Gruppierungen 124 8","V. Sonstige Tr\u00e4ger linksextremer Tendenzen 126 1. Ausl\u00e4ndische kommunistische Parteien und ihre Hilfsorganisationen 126 2. Die ausl\u00e4ndische \"Neue Linke\" 127 VI. Schwerpunkte der linksextremen Agitation 129 1. Revolution\u00e4re Propaganda 129 2. Angriffe gegen die Bundesrepublik Deutschland, Klassenkampfpolemik 130 VII. Aktionsschwerpunkte linksextremer Ausl\u00e4ndergruppen 131 1. Betriebsarbeit 131 2. Unterwanderung demokratischer Institutionen 133 VIII. Ausl\u00e4ndische Nationalistengruppen 134 1. Ostemigration 134 2. Rechtsextreme T\u00fcrken, Griechen, Italiener 136 IX. Ma\u00dfnahmen 137 X. Beurteilung 138 Abbildungen Massaker pal\u00e4stinensischer Terroristen auf dem Flughafen Rom .. 139 Ausl\u00e4ndische Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland 140 Sprengstoffbriefe 141 Sprengstoffanschlag gegen eine Werkzeugmaschinenfabrik 142 Anti-israelischer Bombenterror in Westberlin 143 Sprengstoff im doppelten Boden eines Koffers 144 Die von pal\u00e4stinensischen Terroristen f\u00fcr Aktionen gegen die Sicherheit des internationalen Luftverkehr in West-Europa vorgesehene Boden-Luft-Rakete 145 Die Kommunistische Partei Griechenlands 146 Organisationsschema der Kommunistischen Partei Spaniens 147 Im Bundesgebiet verbreitete linksradikale t\u00fcrkische Periodika 148 Polemik der Cisnu gegen die iranische Regierung 149 Der t\u00fcrkische Maoist Baha Targ\u00fcn als Streikf\u00fchrer bei den Fordwerken in K\u00f6ln 150 Abk\u00fcrzungsverzeichnis 151","","Rechtsradikale Bestrebungen im Jahre 1973 I. Allgemeine Erfahrungen 1. Der seit 1967 beim organisierten Rechtsradikalismus zu beobachtende Mitgliederr\u00fcckgang h\u00e4lt weiter an. Im Berichtsjahr haben wiederum 3000 Mitglieder (12%) ihre Organisationen verlassen. Davon ist insbesondere die NPD betroffen, die 2500 Mitglieder verloren hat. Sie z\u00e4hlt jetzt rund 12 000 Mitglieder. Ihre Konsolidierungspl\u00e4ne hat sie nicht verwirklichen k\u00f6nnen. 2. Die Entwicklung bei den rechtsradikalen Jugendorganisationen weicht von diesem Gesamtbild ab. Insbesondere die \"Jungen Nationaldemokraten\" konnten neue Mitglieder werben. Sie setzten gegen\u00fcber der NPD-F\u00fchrung gr\u00f6\u00dfere Unabh\u00e4ngigkeit in Organisation und Finanzen durch. Gleichzeitig verst\u00e4rkten sich die Kontakte zu den Anh\u00e4ngern der \"Neuen Rechten\". 3. Rechtsradikale Aktionen beschr\u00e4nkten sich im wesentlichen auf Verteilen von Propagandamaterial und einige wenige Demonstrationen. Sie wurden von der \u00d6ffentlichkeit kaum beachtet. 4. Die Gesamtauflage der rechtsradikalen Publikationen ging 1973 erstmals seit mehreren Jahren wieder zur\u00fcck. Die Zahl der Publikationsorgane stieg dagegen um neun Bl\u00e4tter. 5. Gewalttaten aus rechtsradikalen Motiven (einschlie\u00dflich der F\u00e4lle, in denen Gewaltakte angedroht wurden) nahmen gegen\u00fcber dem Vorjahr um die H\u00e4lfte ab. 1972 wurden 93 Taten ver\u00fcbt, im Berichtsjahr 46. II. \u00dcbersicht in Zahlen 1. Organisationen Am 31. Dezember 1973 bestanden in der Bundesrepublik Deutschland 107 rechtsradikale Organisationen, denen rund 21 700 Personen angeh\u00f6rten. Das sind 22 Vereinigungen und 3000 Mitglieder - darunter allein 2500 NPD-Angeh\u00f6rige -- weniger als 1972. Der seit 1968 erkennbare Mitgliederr\u00fcckgang im Rechtsradikalismus setzte sich damit auch im Berichtsjahr fort. Nur die Jugendorgani11","Entwicklung der Organisationen und der Mitgliederzahlen c -r130 im organisierten Rechtsradikalismus 4> C O * * * o u> 'c o 01 1961 1962 1963 1964 1965 1966 1967 1968 1969 1970 1971 1972 1973 ^ j j sonstige ~~| Jugendorganisationen ss Parteien Organisationen isa E n t w i c k l u n g d e r r e c h t s r a d i k a l e n Publizistik \\ 300T in *3 & *- 250ai PS. :0 c c tu 200- - Ol **- 3 O f 15H o I 100-- c 50-C U in u i_ 3 O 1961 1962 1963 1964 1965 1966 1967 1968 1969 1970 1971 1972 1973 \"q ^ Organe, sonstige Vereinigungen Parteipublizistik fcPS: 12","sationen konnten ihre Mitgliederzahl leicht erh\u00f6hen. Einzelheiten ergeben sich aus der nachstehenden Tabelle: Ende 1971 Ende 1972 Ende 1973 Organisationsart Org. Mitgl. Org. Mitgl. Org. Mitgl. Zahl rd. Zahl rd. Zahl rd. Parteien 4 18000 3 14 700 3 12 200 Jugendorganisationen 9 2 200 9 1800 8 2 000 Gruppen der \"Neuen Rechten\" 12 400 15 1000 10 900 Sonstige Organisationen 42 10 300 49 11000 41 10 600 Verlage, Buchdienste 56 200 53 200 45 200 123 31900 129 28 700 107 25 900 Abzug f\u00fcr Mehrfachmitgliedschaften 4000 4 000 4 200 27 900 24 700 21700 2. Publikationen In der Bundesrepublik Deutschland erschienen im Berichtsjahr 73 rechtsradikale Publikationen mit einer durchschnittlichen Wochenauflage von rund 196 700 Exemplaren. Das bedeutet eine Zunahme gegen\u00fcber 1972 von 9 Bl\u00e4ttern bei gleichzeitiger Abnahme der Durchschnittsauflage um rd. 10 800 Exemplare. Die Auflagenh\u00f6hen der drei gr\u00f6\u00dften rechtsradikalen Wochenzeitungen \"Deutsche Nachrichten\" - DN - (23 000), \"Deutsche Wochen-Zeitung\" - DWZ - (19 500) und \"Deutsche NationalZeitung\" - DNZ - (106 000) sanken insgesamt um rd. 10 000 Exemplare (6%). Diese drei Bl\u00e4tter hatten mit zusammen rund 149 000 Exemplaren wie im Vorjahr einen Anteil von 76% (davon DNZ allein 54%) der durchschnittlichen Wochenauflage aller rechtsradikalen Publikationen. Die Jugendvereinigungen konnten parallel zur Mitgliederentwicklung Zahl und Auflage ihrer Bl\u00e4tter zum Teil erheblich steigern. Im einzelnen sind die Ver\u00e4nderungen in der nachstehenden Tabelle dargestellt: Ende 1971 Ende 1972 Ende 1973 Zahl WochenZahl WochenZahl WochenPublikationen von auflage aufl\u00e4ge aufl\u00e4ge 0 0 0 Parteien 14 55 800 10 56 400 15 51300 Jugendorganisationen 6 100 10 500 19 2 900 \"Neue Rechte\" 7 2 900 12 2 900 13 2 400 sonst. Vereinigungen 14 5 500 24 7100 18 5 000 freien Verlagen 14 140 400 13 140 600 13 135100 55 204 700 69 207 500 78 196 700 13","NPD-Mitgliederst\u00e4rke und Auflagen der \"Deutschen Nachrichten\" (1964-1973) 50 000 - 45 000 * / --.. 1 40 000 - / ^^ DN-Auflagenh\u00f6he / / \" ***\"- ^ 35 000 - / / 30 000 * 28000 28 000 N 27000 1 25 000 - / 25 000 1 20 000 - * NPD-Mitglieder 16300 1 1 ' 15 000 - . 1 U500 H 3 700 10 000 - 5 000 - 1250) /250 1964 65 66 67 68 69 70 71 72 1973 Auflagenentwicklung der rechtsradikalen Wochenzeitungen (1960-1973)","3. Rechtsradikale im \u00f6ffentlichen Dienst 3.1 Ende 1973 waren nach den Erkenntnissen der Sicherheitsbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder insgesamt 1343 Angeh\u00f6rige rechtsradikaler Organisationen im \u00f6ffentlichen Dienst besch\u00e4ftigt. Bei mehr als der H\u00e4lfte dieser Personen steht die Mitgliedschaft in einer rechtsradikalen Organisation mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit fest. Bei den \u00fcbrigen Personen hat einmal eine solche Mitgliedschaft bestanden, ohne da\u00df \u00fcber deren Beendigung etwas bekannt geworden ist. In diesen F\u00e4llen ist auf einen Fortbestand der Mitgliedschaft geschlossen worden, obwohl diese Annahme in verschiedenen F\u00e4llen nicht mehr berechtigt sein wird. Die 1343 Angeh\u00f6rigen rechtsradikaler Organisationen sind in folgenden Bereichen des \u00f6ffentlichen Dienstes t\u00e4tig: Personen davon sind Mitglieder der insgesamt sonstigen \"Neuen rechtsradiVergleichszahlen 1972 NPD Rechten\" kalen Orgain Klammern nisationen Bundesdienst 848 (839) 802 3 43 Landesdienst 372 (428) 320 11 41 Kommunaldienst 123 (144) 109 6 8 Insgesamt: 1343 (1411) 1231 20 92 3.2 Die im Bundesdienst besch\u00e4ftigten 848 Mitglieder rechtsradikaler Organisationen sind bis auf wenige Ausnahmen bei nachgeordneten Beh\u00f6rden t\u00e4tig. 3.3 Von den Landesbediensteten in rechtsradikalen Organisationen waren besch\u00e4ftigt: -- im Schuldienst: 133 -- in der Justiz: 54 -- in der Finanzverwaltung: 52 -- bei der Polizei: 29 -- in den \u00fcbrigen Verwaltungszweigen: 104 Insgesamt: 372 3.4 Von den 1343 Rechtsradikalen, die von den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden erfa\u00dft wurden, sind 1065 Beamte und wehrpflichtige Soldaten, 221 Angestellte und 57 Arbeiter. Die Beamten und wehrpflichtigen Soldaten geh\u00f6ren folgenden Laufbahngruppen an: 15","h\u00f6herer Dienst: 124 gehobener Dienst: 219 mittlerer Dienst: 538 einfacher Dienst: 184 III. Schwerpunkte der Agitation Wie in den Vorjahren stand die Ostund Deutschlandpolitik im Mittelpunkt rechtsradikaler Agitation. Der Nahostkonflikt war willkommener Anla\u00df f\u00fcr anti-israelische Parolen. 1. Ostund Deutschlandpolitik 1.1 Publizistische Polemik \"Deutsche Nachrichten\" (DN) Das Parteiorgan der NPD bezeichnet die Bundesregierung als \"Regime des Verrats\" (6/73 S. 4), als \"nichtsw\u00fcrdige Erf\u00fcllungsgehilfen\" (9/73 S. 1), die das \"Gesch\u00e4ft... einer KP\" besorgten (15/73 S. 3). Bundeskanzler Brandt ist nach Ansicht der DN eine \"Galionsfigur einer zuk\u00fcnftigen Volksfront\" (15/73 S. 4), Bundesminister Bahr \"Sonderminister f\u00fcr die Liquidierung der Nato\" (15/73 S. 5), der \"Hauptschuldige . . . f\u00fcr das deutschen Ungl\u00fcck\", der \"in jedem Lande der Welt vor den Staatsgerichtshof gestellt werden\" w\u00fcrde (13/73 S. 4). \"Brandts Warschauer Kniefall\" sei \"zum Symbol einer permanenten Politik\" geworden, in der die Sozialdemokratie \"als B\u00fcttel eines pervertierten fremden Nationalismus\" erscheine (41/73 S. 4). Diese Politik f\u00fchre \"\u00fcber die Tr\u00fcmmer Westeuropas... zu einem sowjetischen Europa\" (15/73 S. 5). Die Mauer in Berlin ruhe \"fest auf dem Boden einer Komplicenschaft, die Kremlherren wie Friedenskanzler umfa\u00dft\" (32/73 S. 1). Breschnews Besuch bei den \"Bruderku\u00dfsozialisten\" (22/73 S. 2) stellt sich nach Auffassung der DN als der Auftritt des \"Moskau-Zars\" (21/73 S. 1) dar, der daraufhinarbeite, da\u00df Deutschland ein \"politisch kastriertes, wirtschaftlich n\u00fctzliches Idiotenvorfeld vor dem moskowitischen Imperium\" werde (22/73 S. 2). \"Deutsche Wochen-Zeitung\" (DWZ) Das der NPD nahestehende Blatt nennt Bundeskanzler Brandt einen \"verrannten Ideologen\" (20/73 S. 2) und einen \"Kanzler des 16","Schlagzellen rechtsradikaler Bl\u00e4tter zur Ostund Deutschlandpolitik fforBn im Wfiraegrijj m Mauer der Kl'll V r i M O H Bonn hat Deutschland aufgegeben ft^Egff Rrocrhnpw * rnus aus Deutsche fen^tejLj S j ^ ^ S ^ M e p T no\u00dfepM KOMMVHH3MI . . ^ 0 Breschnews Wunsch Ist Brandt Befehl * u T I M D ^ l L S i ^ ^ ^ ITJUM-REVOLUTONAR^AMPITAG ^ y \\ l l jVd\u00fc:--gPS Poten schnappen wieder einmal \u00fcber Wie Breschnew De.hd.lond erdrosseln will Kampftag f\u00fcr IW^fam EGON BAHR l\u00e4\u00dft Maske fallen: \" ' \" ^ ^ \" ' i ^ ^ Deutschlond verroten - mma*w\"\"'\"'* So hetzen sie de V\u00f6lker aufeinander! DaS B r a n d , - R e (tm)\"^^(tm)^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^ *\" flft 9 i m e wieder auf den Knien / Krankhafter polnischer Chauvinismus cf>l0r D AUDC tn\"tii Plgn - So w i l l B a h r D e u l s d i l a n d --r Versklavung J>SS!rtsch!\u00c4 wcrschauheln \"*jPS! Bestimmt Sowjetunion deutsche Innenpolitik? MeueOstpo\"\"^ *fem[als PSurop< *ilW,.. ofe SPD permanent auf den Knien M^!lAjos/fpu Bonns totale Kapitulation vor Prag","Kremls\" (22/73 S. 1). Er habe \"verantwortungslos und borniert alle Pf\u00e4nder einer Ideologie zuliebe weggeschenkt\" (22/73 S. 2). In einer \"Verzichtsund Selbstbesudelungsneurose\" (14/73 S. 8) habe er \"mit seinen roten Paladinen . . . Resteuropas Freiheit und Sicherheit\" verspielt und verdiene daf\u00fcr den Lenin-Orden und den \"Titel eines Helden der Sowjetunion\" (34/73 S. 1). Die Zeitung bezeichnet die Ostund Deutschlandpolitik als \"Schauspiel der Widerlichkeit\", als \"landesverr\u00e4terische Kriminalit\u00e4t\" (20/73 S. 2), als \"Narrentum unserer Entspannungs-Euphoriker\" (43/73 S. 1) und als \"Verzichtsorgie der Herrschenden\" (6/73 S. 2). \"Deutsche National-Zeitung\" (DNZ) In Bonn sitzen nach der Darstellung des von Dr. Gerhard Frey herausgegebenen Blattes \"die Schaffner der Weltrevolution\"; SPD und FDP seien \"Prostituierte der sogenannten Realit\u00e4ten\" (29/73 S. 4). Bundesminister Bahr und Fraktionsvorsitzender Wehner seien \"diabolische Zwillinge\", die man als \"Agenten Moskaus entlarvt\" habe (41/73 S. 1). \"Die letzte Station auf Bahrs H\u00f6llenfahrt m\u00fc\u00dfte ein sowjetisches Europa sein\" (41/73 S. 5). Sonstige rechtsradikale Bl\u00e4tter Der \"Deutsche Anzeiger\" (Organ der \"Deutschen Volksunion\") nennt den Grundvertrag mit der DDR einen \"gigantischen Verrat der roten Bundesregierung\" (19/73 S. 5) und einen \"Kapitulationsvertrag mit einem Verbrechersystem von Moskaus Gnaden\" (6/73 S. 1). \"Der Adlerf\u00fchrer\" (Organ des \"Jugendbundes Adler\") stellt fest: \"Wer aber mit M\u00f6rdern arbeitet, ist verkommen wie diese und mitschuldig an deren Verbrechen\" (5/73 S. 7). Das von Bernhard C. Wintzek herausgegebene Monatsmagazin \"MUT\" warnt vor Breschnew als einem \"vom Blut unz\u00e4hlig Gemordeter gebrandmarkten Kreml-Tyrannen\" und \"gewissenlosen, machtbesessenen Imperialisten\" (Flugblattbeilage zu 69/73). Die \"Aktion Neue Rechte\" (ANR) ruft in ihren \"ANR-Nachrichten Baden-W\u00fcrttemberg\" unter Bezugnahme auf den Grundvertrag zum Kampf \"gegen die politischen Lumpen und Landesverr\u00e4ter\" und gegen \"die schwarzen und roten Bonzen\" auf (3/73 S. 3 und 9). 1.2 Aktionen und Kundgebungen Wegen der organisatorischen Schw\u00e4che der rechtsradikalen Gruppierungen blieben alle Versuche, die \u00d6ffentlichkeit durch Stra\u00dfenaktionen auf sich aufmerksam zu machen, ohne gr\u00f6\u00dfere Resonanz. 18","aa naar w a a mn rn AR EUR En Tee Milliordenzahlungen durch, Rs En ET ern... Aen012a = v3 FREE TEE. Dj Pe LE ET 57] Immer nochStacheldra quer durch","Aus Anla\u00df des Sresc/ujew-Besuches kam es nur in Bonn (17. Mai 1973) und in Dortmund (20. Mai 1973) zu zwei kaum beachteten Demonstrationen des \"Arbeitskreises Volkstreuer Verb\u00e4nde\" (AVV) und der \"Jungen Nationaldemokraten\" (JN). Die Kundgebungen der NPD in Minden, N\u00fcrnberg und Worms zum 17. Juni fanden bei der Bev\u00f6lkerung ebensowenig Interesse wie Veranstaltungen der \"Vereinigten Freiheitlichen\" in Mainz und der ANR in Augsburg. Gleiches wiederholte sich bei Veranstaltungen aus Anla\u00df des Jahrestages der Errichtung der Mauer in Berlin (13. August) und des Jahrestages des Ungarnaufstandes im Oktober. 2. Nahostkonflikt F\u00fcr die rechtsradikalen Bl\u00e4tter ist der arabisch-israelische Krieg \"Akt jenes Dramas\", das mit der \"widerrechtlichen Ausrufung des Staates Israel\" begonnen habe. Den \"Meinungsmachern in der BRD\" wird vorgeworfen, sie unterschl\u00fcgen \"die wahren Hintergr\u00fcnde, . . . weil in den westlichen Massenmedien ausschlie\u00dflich Agenten und Sympathisanten Israels sitzen\" (DWZ 41 und 42/73 S. 1). Die Zeiten seien vorbei, da \"Dayan der Welt seinen Willen aufzwingen konnte\". Der \"Traum von Gro\u00dfisrael\" sei ausgetr\u00e4umt (45/73 S. 2). Die DNZ fordert, Europa k\u00f6nne nicht \"Israels Komplice sein\" (45/73 S. 1). Der \u00d6lboykott sei die \"Quittung f\u00fcr Araberfeindlichkeit\" (DNZ 46/73 S. 1), f\u00fcr die \"pro-israelische Grundeinstellung\" (DWZ 46/73 S. 1) und f\u00fcr die Forderung der Bonner Zionisten, \"Deutschland solle den antiarabischen Schreih\u00e4lsen in Holland beispringen\" (DWZ 45/73 S. 2). Die \"Nationalrevolution\u00e4re Basisgruppe\" Wiesbaden rief in einem Flugblatt zur \"Solidarit\u00e4t mit dem arabischen Volk im Kampf gegen den israelischen Terror\" auf. IV. \"Alte Rechte\" Als Repr\u00e4sentanten der \"Alten Rechte\" gelten die NPD und Dr. Gerhard Frey mit den \"Vereinigten Freiheitlichen\". 1. Die \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) Nach den starken Mitgliederverlusten der vorangegangenen Jahre sollte 1973 das \"Jahr des Aufbaus\" (DN 5/73 S. 12), ein \"Jahr der Regeneration\" (DN 11/73 S. 1) sein. Dieses Ziel hat die NPD nicht erreicht. 20","1.1 Parteiorganisation Entgegen der Behauptung des im Oktober 1973 in D\u00fcsseldorf wiedergew\u00e4hlten Parteivorsitzenden Rechtsanwalt Martin Mu\u00dfgnug, die NPD befinde sich \"in einem erfreulichen Aufwind\" (DN 23/73 S. 1), hat die Partei 1973 einen Verlust von etwa 2500 Angeh\u00f6rigen aufzuweisen. Sie z\u00e4hlt jetzt nur noch rund 12 000 Mitglieder. St\u00e4rkster Landesverband ist Bayern mit knapp 3000 Personen, der schw\u00e4chste Berlin mit etwas \u00fcber 100 Mitgliedern. Die st\u00e4rksten Einbu\u00dfen im Jahre 1973 hatte der Landesverband Baden-W\u00fcrttemberg, der knapp ein Viertel seiner Mitglieder verlor. 1.1.1 Die Parteispitze ist auch nach dem Ersatz von Fritz May (Landesvorsitzender Rheinland-Pfalz) durch Walter Bachmann (Landesvorsitzender Bayern) als stellvertretender Bundesvorsitzender nicht wirksamer geworden. Dasselbe gilt auch f\u00fcr die Landesverb\u00e4nde, die auf ihren ohne Resonanz verlaufenen Parteitagen in vier L\u00e4ndern neue Vorsitzende w\u00e4hlten: LV Hessen: Mathias Quintus, Verwaltungsangestellter, Walldorf LV Nordrhein-Westfalen: Gerhard Quelle, Kaufmann, Bielefeld LV Niedersachsen: Karl-Heinz Rudolph, Diplomlandwirt, Klein-Ilde LV Saarland: Klaus G\u00e4rtner, Student, V\u00f6lklingen. Die Schw\u00e4che der NPD wirkt sich besonders in den Kreisen aus. So waren auf dem Landesparteitag in Bayern im Juli 1973 von 71 Kreisverb\u00e4nden nur 50 durch Delegierte vertreten (Rundschreiben des Landesverbandes Bayern 4/73 vom 26. Juli 1973). In einigen Landesverb\u00e4nden konnte auf Kreisebene durch die im Zuge von Gebietsreformen erfolgte Zusammenlegung von Kreisverb\u00e4nden eine gewisse Stabilisierung erreicht werden. So wurde der Landesverband Baden-W\u00fcrttemberg, der bisher 67 Kreisverb\u00e4nde aufwies, mit 39 Kreisverb\u00e4nden neu organisiert. Adolf von Thadden, der seit seinem Verzicht auf eine erneute Kandidatur zum Parteivorsitzenden publizistisch arbeitet, will wieder gr\u00f6\u00dferen Einflu\u00df auf die Parteiorganisation aus\u00fcben. Seit September erscheint er wieder h\u00e4ufiger auf Parteiveranstaltungen. Er strebt die Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl im Juni 1974 in Niedersachsen an, um auf diese Weise seine R\u00fcckkehr in die Parteiarbeit vorzubereiten (Interview mit Oldenburger \"Nordwestzeitung\" vom 10. Dezember 1973). 21","1.1.2 Am 24. November 1973 beschlo\u00df die DN-Gesellschafterversammlung, das NPD-Organ \"Deutsche Nachrichten\" mit der von dem NPD-Pr\u00e4sidiumsmitglied Waldemar Sch\u00fctz in Rosenheim verlegten \"Deutschen Wochenzeitung\" zusammenzulegen. Das neue Blatt hei\u00dft \"Deutsche Wochen-Zeitung\" mit dem Untertitel \"Deutsche Nachrichten\". Es soll \"zentrales Publikationsorgan der nationalen Rechten in Deutschland\" sein (DN 49/73 S. 1). Diese Ma\u00dfnahme war erforderlich geworden, weil die DN 1973 die w\u00f6chentliche Auflagenh\u00f6he um 3000 und die DWZ die Auflage um nahezu 1000 Exemplare verringern mu\u00dften. Chefredakteure der neuen Zeitung werden der ehemalige NSDAP-Gauhauptamtsleiter Erich Kernmayr (bisher Chefredakteur der DWZ) und Adolf von Thadden (bisher Herausgeber der DN) sein. Die Startauflage soll 40 000 Exemplare betragen. Neues NPD-Organ soll der monatlich erscheinende \"Deutsche Kurier\" werden. 1.1.3 Die Finanzlage der NPD wurde 1973 bestimmt von dem Wahlkampfkosten-R\u00fcckerstattungsanspruch des Bundes in H\u00f6he von knapp 2 Millionen DM. Die H\u00e4lfte dieses Betrags hat die NPD im Jahre 1973 der Bundestagsverwaltung zur\u00fcckerstattet. 1.1.4 Gegen\u00fcber der NPD-F\u00fchrung konnten sich die \"Jungen Nationaldemokraten\" (JN) mehr und mehr zur Geltung bringen. Sie setzten 1973 gegen\u00fcber der NPD Unabh\u00e4ngigkeit in Organisation und Finanzen durch. Mit etwa 1400 Mitgliedern haben die JN nahezu wieder den Stand von 1971 erreicht. Der JN-Vorsitzende Deckert betrachtet seine Organisation als den \"mit Abstand . . . st\u00e4rksten Faktor im nationalen Lager\" (\"MUT\" 75/73 S. 41). Eine zunehmend kritische und zum Teil ablehnende Haltung der JN gegen\u00fcber der NPD wird sichtbar. Vermehrt kommen ideologische Parolen auf, die eine Gemeinsamkeit mit der \"Neuen Rechten\" erkennen lassen (vgl. \"Berliner Nachrichten-Dienst\" Okt./Nov. 1973 S. 5 ff). 1.1.5 Im Gegensatz zu den JN ist die Mitgliederzahl des \"Nationaldemokratischen Hochschulbundes\" (NHB) weiterhin r\u00fcckl\u00e4ufig. Es sind allenfalls noch vier Hochschulgruppen des NHB aktiv. Neuer Bundesvorsitzender wurde auf der Hauptversammlung am 26. Mai 1973 in Bielefeld der Student J\u00fcrgen Schnell, Darmstadt. 1.1.6 Die NPD widmete sich im wahlfreien Jahr 1973 vorwiegend der parteipolitischen Schulung ihrer Funktion\u00e4re und der Arbeit an einem neuen Parteiprogramm. Dieses wurde auf dem Bundespartei22","\"Jugend f\u00fcr deutsch land\" 23","tag am 13./14. Oktober 1973 in D\u00fcsseldorf in seinen wesentlichen Teilen verabschiedet. Bemerkenswert ist, da\u00df die Partei ihr urspr\u00fcngliches Bekenntnis zum Konservativismus (vgl. Rundschreiben des Leiters der Programmkommission vom 13. Juni 1972 S. 3) noch kurz vor dem Parteitag strich und den Begriff \"Lebensrichtigkeit\" einf\u00fchrte (DN 44/73 S. 3). Die NPD wird sich 1974 an den Landtagsbzw. B\u00fcrgerschaftswahlen in Hamburg, Niedersachsen, Hessen und Bayern beteiligen (DN 38/73 S. 1). 1.2 Der rechtsradikale Charakter der NPD Programmatische \u00c4u\u00dferungen f\u00fchrender Funktion\u00e4re der NPD sowie das Schrifttum der Partei lassen nach wie vor auf den rechtsradikalen Charakter der Partei schlie\u00dfen. 1.2.1 \"Lebensrichtigkeit\" als Umschreibung kollektivistischer Vorstellungen Die NPD hat in ihr neues Programm den Begriff der \"Lebensrichtigkeit\" (DN 42/73 S. 11) aufgenommen. Sie versteht darunter im wesentlichen die \"bew\u00e4hrten Ordnungen der Vergangenheit\" (DN 44/73 S. 3). Der stellvertretende Parteivorsitzende Dr. Felix B\u00fcck, der auf dem Parteitag das neue Programm einbrachte, interpretierte die \"Lebensrichtigkeit\" als die \"Einbettung in . . . \u00fcberschaubare, lebensnahe Ordnungsgef\u00fcge\", die identisch seien mit der \"Gemeinschaft Volk\" und dem \"Volkstum\", der \"\u00fcberpers\u00f6nlichen stilpr\u00e4genden Kraft\". In diese \"gepr\u00e4gte Partnerschaft\" sei der Mensch von Geburt her \"eingeordnet\" (DN 42/73 S. 12). Das \"Einheitsbewu\u00dftsein der Nation\" flie\u00dfe \"aus tieferen Quellen als das Recht\" (DN 13/73). Die Partei stellt fest: \"Die Antigermanisten in aller Welt und das Linkskartell in der Bundesrepublik arbeiten planm\u00e4\u00dfig zusammen an der Entmachtung und nun auch Entdeutschung der Deutschen, anstatt eine systematische Bev\u00f6lkerungspolitik als wichtigste Aufgabe zu erkennen\" (DN 3/73 S. 4). 1.2.2 Neue programmatische Schriften von Prof. Anrieh Der ehemalige Reichsschulungsleiter des NS-Deutschen Studentenbundes, Prof. Anrieh, wurde auf dem D\u00fcsseldorfer Parteitag wieder zum stellvertretenden Parteivorsitzenden gew\u00e4hlt. Seine Lehre von der \"Biologischen Gr\u00f6\u00dfe Volk\" ver\u00f6ffentlicht er in einer neuen Brosch\u00fcre mit dem Titel \"Wohin geh\u00f6rt der Mensch?\" (Buchkreis f\u00fcr Besinnung und Aufbau GmbH, Seeheim); er greift darin Gedanken 24","auf, die er bereits auf dem Karlsruher Parteitag 1966 zum v\u00f6lkischen Kollektivismus ge\u00e4u\u00dfert hatte und die seither den ideologischen Hintergrund der NPD bestimmt. Der folgende Auszug belegt, wie Anrieh unter Berufung auf \"Volkstum und Volk\" zum Beispiel die Mi\u00dfachtung unabdingbarer Grunds\u00e4tze eines Rechtsstaates rechtfertigt: \"5. Beispiel. Wo Volkstum und Volk, wo der Wert des Schutzes notwendiger Zusammenh\u00e4nge die Bezugspunkte sind, da ist f\u00fcr Rechtsetzung und Rechtdurchf\u00fchrung die moralische Kraft und die Richtschnur vorhanden, Verbrecher als Verbrecher zu erkennen und zu benennen und gegen sie die Abschirmung vorzunehmen, die f\u00fcr die vielen anderen einzelnen wie f\u00fcr das Ganze und die anvertraute Sache notwendig ist. Dies nicht nur als Recht, sondern als Pflicht. Dort besteht daraus Mut und Kraft, Drogenh\u00e4ndler und Gewaltverbrecher ohne jeden mildernden Umstand und sp\u00e4testens binnen zwei Wochen nach dem Gefa\u00dftwerden der h\u00f6chsten Strafe zuzuf\u00fchren. Dort besteht Mut und Kraft, die zehn ersten drogens\u00fcchtigen Sch\u00fcler aus der Schule zu entfernen. Nicht, weil kein Mitleid best\u00e4nde. Aber weil der Mut zu der Einsicht besteht, da\u00df es besser ist, zehn zu bestrafen und neunzig zu retten, als aus Angst \"vor einem Eingriff in die individuellen freiheitlichen Pers\u00f6nlichkeitsrechte\" dieser zehn neunzig andere durch sie der Gef\u00e4hrdung auszusetzen\" (\"Wohin geh\u00f6rt der Mensch\", S. 73). Die NPD empfiehlt diese Brosch\u00fcre als \"echte Schulungsschrift\" (DN 52/53/72 S. 10). Die Partei gab Dr. Anrieh dar\u00fcber hinaus Gelegenheit, mehrere Schulungsschriften (\"Volk, Staat, Demokratie in der Auffassung der NPD\"; \"Das realistische Menschenbild als Grundlage der \u00dcberwindung von Liberalismus und Marxismus\") zu verfassen. 1.2.3 Durch \"Systemver\u00e4nderung\" zum \"starken Staat\" Die NPD fordert einen Staat, der nicht nur eine \"Schiedsrichterrolle im Rahmen einer pluralistischen Ordnung\" spielen d\u00fcrfe (\"Deutscher Kurier\" VIII/73 S. 3). Das neue Programm fordert: \"Eine unverf\u00e4lschte Demokratie tr\u00e4gt einen starken Staat..., der alle Teilbestrebungen als Wahrer des Ganzen zusammenfa\u00dft\", um ihn nicht \"zur Beute pluralistischer Gruppeninteressen werden\" zu lassen (DN 44/73 S. 3). Der Schriftleiter der DN und ehemalige Pressesprecher der NPD, Hans-Joachim Richard, sowie der Pressereferent des NPD-Landesverbandes Schleswig-Holstein, Peter Petersen, propagieren im Namen ihrer Partei die \"Systemver\u00e4nderung\" (DN 17/73 S. 2 und 3), denn \"der gr\u00f6\u00dfte Staat der Deutschen\" befinde sich in einer \"totalen F\u00fchrungslosigkeit\" (DN 34/73 S. 2); \"diese 25","Bundesrepublik\" sei \"keine Demokratie mehr, sondern eine Oligarchie der Bonzen\" (\"Hamburger Nationaldemokraten\" Mai 73 S. 3), eine \"Parteienoligarchie\" (DN 11/73 S. 3), eine \"Demokratur\" (\"Die Zeitbombe\" -- Aktionskreis Junger Nationaldemokraten in Dortmund-H\u00f6rde -- 9/73 S. 3). Die Volksvertretungen unterl\u00e4gen dem \"inneren Verfall und der Bestechlichkeit\" (DN 44/73 S. 3). \"In den H\u00e4nden k\u00e4uflicher Abgeordneter liegt das Schicksal unseres Volkes\" (\"Deutscher Kurier\" VN/73 S. 1). 1.2.4 Der NS-Staat als Leitbild Wie ein solcher \"systemver\u00e4nderter\" Staat aussehen soll, deutet die Partei in ihren Vorstellungen vom \"Reich\" an, das \"das einzig wahre Grundgesetz aller Deutschen ist\" (DN 14/73 S. 2) und das vor 1945 \"allein . . . die Rettung der wei\u00dfen Welt vor der bolschewistischen Aggression verb\u00fcrgte\" (DN 17/73 S. 4). Die NPD lobt den wirtschaftlichen Erfolg des Reichsn\u00e4hrstandes, der Arbeitsfront und der Reichstreuh\u00e4nder sowie die \"Lenkungsinitiative des Staates\" (DN 22/73 S. 11) und bezeichnet den Reichsarbeitsdienst als die \"einstige Schule der Nation\", nach dem man heute noch \"angesichts der Verluderung und Verlumpung eines Teiles der deutschen Jugend\" rufen h\u00f6re (DN 7/73 S. 12). Der ehemalige NSDAP-Gauamtsleiter und jetzige Angeh\u00f6rige des NPD-Bundesvorstandes, Prof. Dr. H. B. von Gr\u00fcnberg, fordert: \"Wer als deutscher Politiker Hitler beerdigen, also \u00fcberwinden will, mu\u00df sich mit ihm gleichrangig f \u00fc h l e n . . . Er mu\u00df mit dieser Gleichrangigkeit -- ebenfalls wie er -- Volk und Staat aus der Machtlosigkeit f\u00fchren\" (DN 7/73 S. 3). Die \"st\u00e4ndige propagandistische Anprangerung von Naziverbrechen\" werde dazu benutzt, das deutsche Volk \"auch in den n\u00e4chstfolgenden Generationen psychisch unter Druck zu setzen, um es ausbeuten zu k\u00f6nnen\". Die Verluste der Juden h\u00e4tten nach Feststellungen der UNO im 2. Weltkrieg nur etwa 200 000 betragen (\"Hamburger Nationaldemokraten\" Sept. 73 S. 3). 2. \"Vereinigte Freiheitliche\" Neben der NPD wird die \"Alte Rechte\" vor allem durch Dr. Gerhard Frey, dem Herausgeber der \"Deutschen National-Zeitung\", und die mit ihm zusammenarbeitenden Gruppen repr\u00e4sentiert. Diese Gruppierungen nennen sich seit 1972 \"Vereinigte Freiheitliche\". Es geh\u00f6ren dazu: die \"Deutsche Volksunion\" (DVU), die \"Aktion Oder-Nei\u00dfe\" (AKON), der \"Deutsche Block\" (DB), der \"Jugendbund Adler\" (JBA) und die \"Wiking-Jugend\" (WJ). 26","\"Vereinigte Freiheitliche\" Einheitf\u00fcrDeutschland Sicherheit f\u00fcr Europa Freiheit f\u00fcr die Welt Noch ist Deutschland nicht verloren! Dr. Gerhard Frey H eutfeti erjlnjeiger Unnbh\u00fcngigr linlbmcmatt).iritung f\u00fcr rin frriro unh miortcilti'silnitfililnnti B 4229 D DER STAHLHELM AKON-KURIER FOR EIN FREIES UND UNGETEILTES VATERLAND Seid einig, einig, einig! ( g Unsere Arbeit Freiheitliche, vereinigt Euch! Rettet Europa vor der Sowjetsklaverei! DER ADLERFUHRER ZeiUdirtll der Fubrtndufl do JuECDdbund\" .Adler' e.V. )JBA) Vereint sind wir stark AKTION ODEI-HEISSE --. ' W W M -- **** 27","Seit Mai 1973 geh\u00f6rt auch der \"Stahlhelm\" dazu, der sich auf seiner Bundestagung am 8./9. September 1973 in D\u00fcren von \"Bund der Frontsoldaten\" in \"Kampfbund f\u00fcr Europa\" umbenannt hat. Diese \"national-freiheitlichen Verb\u00e4nde\" wollen als \"antikommunistische Kr\u00e4fte\" zusammenwirken, um dem \"Generalangriff der Linken im Zeichen der als Entspannung propagierten Westpolitik der Sowjetunion\" zu begegnen (DNZ 29/73 S. 9). 1972 wurde der \"Freiheitliche Rat\" (FR) gebildet, der die T\u00e4tigkeit der \"Vereinigten Freiheitlichen\" koordinieren sollte. In j\u00fcngster Zeit ist er aber nicht mehr aufgetreten. Die T\u00e4tigkeit der \"Vereinigten Freiheitlichen\" beschr\u00e4nkte sich 1973 neben der publizistischen Arbeit von Dr. Frey auf die Durchf\u00fchrung von drei Kundgebungen, die unter ma\u00dfgeblicher Mitwirkung von Dr. Frey in Mainz (17. Juni 1973), in Berlin (12. August 1973) und in Sindelfingen (18. November 1973) stattfanden, von der \u00d6ffentlichkeit jedoch kaum beachtet wurden. Einzelne \"Arbeitskreise\" der DVU hielten kleinere \u00f6rtliche Versammlungen ab. Im \u00fcbrigen stagniert die Arbeit dieser von Dr. Frey gef\u00fchrten Gruppe. Mitglieder der im Jahre 1966 verbotenen Ortsgruppe Bergzabern des \"Stahlhelm\" traten aus Anla\u00df des Volkstrauertages am 18. November 1973 in Bergzabern uniformiert mit schwarz-wei\u00df-roter Reichsflagge, Orden und Stahlhelmkopfbedeckung auf. Strafanzeige wegen Versto\u00dfes gegen das Versammlungsgesetz wurde erstattet. Das Sprachrohr Dr. Frey's, die \"Deutsche National-Zeitung\" (DNZ), ist nach wie vor das auflagenst\u00e4rkste rechtsradikale Blatt. Es erreichte mit Nebenausgaben eine Verkaufsauflage von weit \u00fcber 70 000 Exemplaren in der Woche. Einzelheiten ergeben sich aus der folgenden Tabelle: GesamtQuartal Druckauflage Festbezieher freier Verkauf Verkauf 1972: I. 107 980 20 647 60360 81007 II. 124163 22 748 59 738 82 486 III. 117 039 23123 55112 78 235 IV. 113 785 21535 56 826 78 361 1973: I. 110612 23106 55 232 78 338 II. 102 655 19 574 55 976 75 550 III. 109011 25 686 52050 77 736 Die Zeitung bedient sich fragw\u00fcrdiger journalistischer Praktiken. Sie k\u00fcndigt auf der Titelseite in gro\u00dfer Aufmachung Interviews mit 28","Hetze der \"Deutschen Nationalzeitung\" i n Moskau Wehners Leben i m Dienst des f errais f l -i,....h a IHMPEN in BONN .wt\"hi<\"deii DwttAlniids SAkksol ,BlSS^ ^ Ute PST?' P'e^Heimkehrin A 7^ f m | r y ^ i m ^ g g S - ^ ^ I a h l t e der Sowjetgeheimdienst V)r\\oube aus Steuere BRM*5\u00dc den t Der Betrug gn den Deutschen! n ^ ^ B r \u00e4 n d t - Kanzler der Korruption? ^ Deutschland? SPD Qssh g l ^ r e 6 ^ f r 7 ^ T T e gro\u00dfe OL-tRHRE^UlTO ^gggjjHfeiiJuitnmaf\u00f6rAraberfeindlichkeit Beherrscht U m . i j , e Wplt?\"Bli<VI>aHenlieterunqenanlsruel","bekannten Pers\u00f6nlichkeiten an, auf den Innenseiten werden sodann Interviewe abgedruckt, die diese Personen anderen Zeitungen gegeben haben (vgl. DNZ Nr. 19, 30, 33, 42, 48/73, S. 1). Kennzeichnend sind weiter hetzerische Schlagzeilen, die sich in der Regel nicht mit dem nachfolgenden Text decken. 3. Sonstige Erscheinungsformen der \"Alten Rechten\" Die meisten der \u00fcber 100 zu dieser Richtung z\u00e4hlenden rechtsradikalen Organisationen kommen \u00fcber politisches Sektierertum nicht hinaus. Auf einer \"F\u00fchrertagung\" am 3./4. Februar 1973 in Frankfurt/M. gab der \"Arbeitskreis Volkstreuer Verb\u00e4nde\" (AVV) seine Funktion als Dachverband auf. Sein \"Sprecher\", der Verleger Alfred E. Manke, Bensberg-Immekeppel, bezeichnet den AVV jetzt als \"Aktionszentrum\" und \"Koordinierungsstelle f\u00fcr alle positiven, nationalen und innerparteilichen Kr\u00e4fte\" (Rundschreiben 1/73 vom 6. Februar 1973). In der \"Einheitsfront der nationalen Publizistik\" (ENP), einem losen Zusammenschlu\u00df rechtsradikaler Verlage und Publizisten, ist der NPD-Spitzenfunktion\u00e4r Waldemar Sch\u00fctz mit der von ihm herausgegebenen \"Deutschen Wochen-Zeitung\" (DWZ) tonangebend. Die an der ENP beteiligten Monatsschriften \"MUT\" (Bernhard C. Wintzek) und \"Nation Europa\" (Peter Dehoust) warben f\u00fcr den \"Nationaleurop\u00e4ischen Kongre\u00df\" (29./30. Juni 1973 in Antwerpen). Beide Publizisten geh\u00f6ren dem \"Generalsekretariat der Intereurop\u00e4ischen Nationalen\" (GIN) an, das diese j\u00e4hrlichen Kongresse ausrichtet. Neben rechtsradikalen Organisationen traten auch 1973 wieder Personen auf, die den Eindruck zu erwecken versuchten, als st\u00fcnde hinter ihnen eine Organisation. Als solche \"Einzelg\u00e4nger\" wurden im Berichtszeitraum u. a. bekannt: * Journalist Thies Christopherson, K\u00e4lberhagen, \"B\u00fcrgerund Bauerninitiative\", Herausgeber der sporadisch erscheinenden Schriften \"Die Bauernschaft - f\u00fcr Recht und Gerechtigkeit\" und \"Kritik\", Inhaber des \"Kritik-Verlages\", Verfasser der Brosch\u00fcre \"Die Auschwitzl\u00fcge\", * Rechtsanwalt Manfred Roeder, Bensheim, \"Deutsche B\u00fcrgerinitiative\", Verfasser zahlreicher Flugbl\u00e4tter und des Vorwortes zur Schrift \"Die Auschwitzl\u00fcge\", * Gerichtsreferendar Reinhard Neudorf, Darmstadt, \"Reformierungspartei f\u00fcr Wohlfahrt und Kultur\", Verfasser der sporadischen Bl\u00e4tter \"Heile Welt\", 30","* Fuhrunternehmer Joachim Floth, Bamberg, \"Deutsch-V\u00f6lkische Gemeinschaft\", Verfasser von vielen Flugbl\u00e4ttern sowie der unregelm\u00e4\u00dfig erscheinenden Schriften \"Der Angriff\" und \"Die Wahrheit f\u00fcr Deutschland\". In der Bundesrepublik Deutschland bestehen 22 gewerbsm\u00e4\u00dfig betriebene Druckereien, die rechtsradikale Publikationen drucken. Bei sechs dieser Unternehmen sind die Inhaber selbst Mitglieder oder Sympathisanten rechtsradikaler Organisationen. V. \"Neue Rechte\" 1. In den letzten Jahren haben \u00fcberwiegend junge Rechtsextremisten Gruppen und Aktionskreise gebildet, die sich deutlich von der NPD und ideologisch verwandten Organisationen abzugrenzen versuchen. Der \"Alten Rechten\" wird vorgeworfen, sie habe \"mit ihren antiquierten Parteiprogrammen . . . die Probleme von heute nicht erkannt (Neue Zeit - NZ 3/73 S. 1). Ihre Vertreter gelten als \"Rechtsreaktion\u00e4re\" (\"Ideologie & Strategie\" - IS - 7/73 S. 2) und \"Gestrige\" (NZ 3/73 S. 1), die sich vorwiegend mit der Vergangenheit besch\u00e4ftigten\" (IS 7/73 S. 2). Sie seien \"nicht einmal zu z\u00fcndenden Phrasen mehr in der Lage\" (NZ 4-5/73 S. 3) und lebten in einer \"selbstbetr\u00fcgerischen nationalen Scheinwelt\" (IS 5/73 S. 1). 2. Die Aktivit\u00e4ten dieser \"Neuen Rechten\" gingen im Berichtsjahr fast ausschlie\u00dflich aus von der \"Aktion Neue Rechte\" (ANR), der \"Au\u00dferparlamentarischen Mitarbeit\" (APM), der \"Deutsch-Europ\u00e4ischen Studiengesellschaft\" (DESG) und von den \"Nationalrevolution\u00e4ren Basisgruppen in Deutschland\" (NRB). Die T\u00e4tigkeit der ANR wurde durch st\u00e4ndige Auseinandersetzungen in den F\u00fchrungsspitzen stark behindert. Die \"Nationalrevolution\u00e4ren Basisgruppen\", die Mitte 1973 aus der Zusammenarbeit von ANR, APM und DESG entstanden, zeichneten f\u00fcr Flugblattund Unterschriftsaktionen gegen die \"Bonner Korruption\" und den \"Imperialismus der beiden Weltm\u00e4chte\" verantwortlich. Die Berliner Kaderorganisation APM gab die \"Kampfschriften \"Rebell\", \"Ideologie & Strategie\" sowie den \"Berliner Nachrichtendienst\" heraus. Im Verlag der DESG wurden die Schriften \"Junges Forum\" und \"Junge Kritik\" verlegt. Die genannten Schriften sind die ideologischen Wegweiser der \"Neuen Rechten\". 31","Agitation der \"Neuen Rechten IDEOLOGIE \"STRATEGIE Uoruinrts imnationalrevDlutionoren . Befreiungskampf f\u00fcr die I Freiheit den V\u00f6lkern Europas MR neusihnffung Deutschlands'","3. Im Mittelpunkt der \"nationalrevolution\u00e4ren\" Ideologie steht die Ver\u00e4nderung des bestehenden Gesellschaftssystems, \"Weil die Besitzgesellschaft den Parasiten beg\u00fcnstigt\" (\"Neue Zeit\", Organ der ANR 4/5/73 S. 3). \"Europ\u00e4ischer Sozialismus\" bedeute die \"Oberwindung von Liberalkapitalismus und Panzerkommunismus\" (Rundschreiben der ANR \"An die Bezieher der Neuen Zeit\", ohne Datum) durch eine \"gerechte Gesell Schaftsund Sozialordnung\". Eine Erneuerung der deutschen Arbeiterkampfbewegung \"auf dem Boden der jetzigen SPD\" sei undenkbar. Die SPD sei \"sozialreaktion\u00e4r, arbeiterfeindlich und konterrevolution\u00e4r\" (NZ 2/73 S. 2). Das Volk m\u00fcsse \"sein wirtschaftliches Schicksal selbst planerisch und solidarisch in die Hand nehmen und einen nationalen -- und also nichtmarxistischen - Sozialismus aufbauen\" (\"Ideologie und Strategie\" - IS - 7/73 S. 2). Die APM verweist auf Gemeinsamkeiten mit den Maoisten. \"Neue Rechte\" und Maoisten bek\u00e4mpften \"die beiden herrschenden Weltsysteme des Liberalkapitalismus auf der einen und des Sowjetimperialismus auf der anderen Seite\", wenn auch aus unterschiedlichen Beweggr\u00fcnden (IS 6/73 S. 1). Diese linksnationalistischen Tendenzen sto\u00dfen in den eigenen Reihen auf Widerstand; die Kritiker fordern die Besinnung auf die \"v\u00f6lkischen Interessen\". VI Nazistische Erscheinungen Die Staatsanwaltschaft D\u00fcsseldorf hat am 21. November 1973 gegen zehn Mitglieder der am 11. Oktober 1972 aufgedeckten \"Nationalsozialistischen Kampfgruppe Gro\u00dfdeutschland\" (NSKG) Anklage wegen Zugeh\u00f6rigkeit zu einer kriminellen Vereinigung, teilweise auch wegen unerlaubten Waffenbesitzes erhoben. Im Herbst 1973 verbreitete der JN-Bezirksvorsitzende Hans Joachim Neumann aus Gelsenkirchen ein Flugblatt, das anl\u00e4\u00dflich des 50. Jahrestages des \"Marsches zur Feldherrnhalle\" den Nationalsozialismus verherrlichte. Aufgrund dieses Aufrufes veranstalteten am 9. November zehn Rechtsaktivisten, u. a. der JN-Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Siegfried Baur, M\u00fcnchen, und der Vorsitzende der \"Nationalen Deutschen Befreiungs-Bewegung\" (NDBB), Roland Tabbert, Hanau, eine Gedenkfeier. 15 Personen legten vor der Feldherrnhalle Kr\u00e4nze nieder. Der ANR-Funktion\u00e4r Hans Ulrich Neufeld trat mit seiner Mannheimer ANR-Gruppe anl\u00e4\u00dflich des \"2. Nationaleurop\u00e4ischen Congresses\" am 29./30. Juni 1973 in Antwerpen uniformiert mit NSDAP33","Parteiabzeichen und Hitlergru\u00df auf. In einer Antwerpener Gastst\u00e4tte sang die Gruppe \"Die Fahne hoch\" und weitere NS-Lieder. In rechtsradikalen Kreisen wurde im Herbst 1973 ein anonymes Blatt verbreitet, das zum Einsatz in einer \"nationalsozialistischen Kampfgruppe\" aufruft. Im vergangenen Jahr hat die NSKG ein \u00e4hnliches Blatt herausgebracht. VII. Internationaler Faschismus Das \"Generalsekretariat der Intereurop\u00e4ischen Nationalen\" (GIN) plante f\u00fcr den 29./30. Juni 1973 in Antwerpen den \"2. Nationaleurop\u00e4ischen Jugend-Congre\u00df\" (NEC) (vgl. S. 33). Die belgischen Beh\u00f6rden verboten jedoch dieses Treffen. Eine Ersatzveranstaltung mit etwa 600 vorwiegend deutschen Teilnehmern fand daraufhin auf franz\u00f6sischem Boden an der belgisch-franz\u00f6sischen Grenze bei Steenvorde statt. Ein dritter Kongre\u00df sollte am 29./30. Juni 1974 in Barcelona abgehalten werden. Als Ausrichter wird die spanische Organisation \"Circulo Espanol des Amigos de Europa\" (CEDADE) auftreten. Als Erg\u00e4nzung der Arbeit des GIN wurde im Dezember 1973 in L\u00fcttich von deutschen und belgischen Rechtsradikalen die \"Europafront\" (EF) gegr\u00fcndet. Auf Betreiben des GIN, dem inzwischen f\u00fcnf Deutsche angeh\u00f6ren, wurde der 27. Oktober 1973 (ungarischer Aufstand 1956) zum \"Tag der nationaleurop\u00e4ischen Solidarit\u00e4t\" erkl\u00e4rt. Die engsten Kontakte zu ausl\u00e4ndischen Rechtsextremisten unterh\u00e4lt die ANR, so zu der von dem ehemaligen S\u00fcdtirolaktivisten Dr. Norbert Burger gef\u00fchrten \"Nationaldemokratischen Partei \u00d6sterreichs\" (NDP), zum \"Movimento Sociale Italiano\" (MSI), zum \"Comitato Tricolore Italiano del Mondo\" (CTIM), zu dem inzwischen von den franz\u00f6sischen Beh\u00f6rden verbotenen \"Ordre Nouveau\" (ON) sowie zur franz\u00f6sischen \"Organisation Lutte du Peuple\" (OLP). Deshalb erscheint die Brosch\u00fcre der ANR \"Wille und Tat\" auch in italienisch und franz\u00f6sisch. Auf Einladung der \"Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik\" (GfP) sprach der ehemalige britische Faschistenf\u00fchrer Oswald Mosley am 12. Oktober 1973 im Frankfurter Palmengarten. In Wien ist unter ma\u00dfgeblicher Beteiligung deutscher Rechtsradikaler ein \"Nationales Jdeologiezentrum\" im Aufbau. Verschiedentlich tauchte nazistisches Schriftmaterial aus den USA fn der Bundesrepublik auf, darunter \"Kampfrufe\" einer M q W AP Auslandsorganisation\" in Lincoln, Neb aska \" ' 34","NS-Pamphlete des internationalen Faschismus ^ 'ouw, KAMPFSCHRIFT D E R NSDAP AU 5 L A N D S O R G ANI 5 A TIO N Mal-Juni 1\"73(Sa ee\"^ H\"NX the newspaper of White Revolution i e pyefPS Wationa/ Socia/ists Oemanif rfflfMovfMENr: WEEI Release HPCC viHMtJi,>imj<UND TtEp\u00fcatKnr HC DEMAND OF THE HOUR: BRANDT AM N E WAND ! \"IUP ***UataaaiatM peace lottlj \u00d6ermanyij \"< *e&. BieJudei C+*K sMuser Vnlick! | NtlAPtatb *MM\" NS VERBOT IST l \"Mtt J\"llrtHiylM<lM KEPSP7T'S;::-rEfflVJK BWACHEI MSI\"? . ^_ iMlwdwrpMMWL *-*414 -- ^ T S \" *v ***** -\u00f6, 1933 - 1973 ^ J VERSCHIJNT MAANDELIJKS TRIJDORGAAN VAN DE VLAAMSE MILITANTEN ORDE - V.M O. fljftp; Am-Arnninol 1 i5RT SOCIALIST \u00dcATIOrlAlT m M T I L K t i l C * ^ ^ ^ J K\"J BULLETIN H g ! \" (tm) \" i \" o \" f \" , . WORLD U N ^ N ^ N A T ^ I - S O C I A U S T S BOT \"o\"(tm) (tm)\"\"\"u\"","VIII. Ausschreitungen Im Jahre 1973 wurden 218 Ausschreitungen aus rechtsradikalen Motiven erfa\u00dft. Die Zahl der Vorf\u00e4lle verringerte sich gegen\u00fcber dem Vorjahr (263 F\u00e4lle) um rund 17%, liegt aber immer noch \u00fcber der der Jahre 1969 und 1970. Die Schmieraktionen (49) nahmen gegen\u00fcber dem Vorjahr (88) stark ab. Die Zahl von 218 Ausschreitungen enth\u00e4lt 46 Gewaltakte. Die Gewalttaten schl\u00fcsseln sich im Vergleich zu 1971 und 1972 wie folgt auf: Terrorakte 1971 1972 1973 Sprengstoffanschl\u00e4ge Brandstiftungen 3 2 2 Gewaltakte K\u00f6rperverletzung 14 11 6 Sachbesch\u00e4digung 25 24 12 sonstige Gewaltakte 9 3 1 A n d r o h u n g von Mord/Entf\u00fchrung 44 28 8 Sprengstoffund Brandanschl\u00e4gen 24 10 6 sonstigen Gewaltakten 4 15 11 Gesamtzahl: 123 93 46 Die Gewalttaten nahmen also gegen\u00fcber dem Vorjahr um die H\u00e4lfte ab. Ihr Anteil an den Gesamtausschreitungen sank gegen\u00fcber 1972 von 35% auf den bisher niedrigsten Stand von 21,1 %. Insgesamt konnten 95 T\u00e4ter ermittelt werden, die an diesen Ausschreitungen teilgenommen hatten. 38 waren j\u00fcnger als 30 und 26 \u00e4lter als 50 Jahre. Von den T\u00e4tern geh\u00f6ren 32 rechtsradikalen Organisationen an (1972: 77 von 101). IX. Ma\u00dfnahmen gegen Personen und Vereinigungen Im Jahre 1973 wurden 29 Personen wegen Taten mit rechtsradikalem politischen Einschlag (1972: 11 Personen) rechtskr\u00e4ftig verurteilt. Mit einer Ausnahme wurden dabei Geldstrafen oder Geldbu\u00dfen (bis zu 2000,DM) verh\u00e4ngt. Das Amtsgericht Unna verurteilte den Rechtsaktivisten Rolf Blasberg, Krefeld, zu 8 Monaten Freiheitsentzug ohne Bew\u00e4hrung wegen Fahnenflucht. Blasberg hatte sich im November 1971 unerlaubt von der Truppe entfernt, weil er \"f\u00fcr diese Regierung keinen Wehrdienst leisten\" wollte. 36","Ausschreitungen deutscher Staatsb\u00fcrger aus rechtsradikalen Motiven in den Jahren 1969-1973 WahlniederBeginn der H\u00f6hepunkt Ratifizierung Jahr ohne lage der NPD Ostvertragsder Widerder OstWahlen und bei der verhandstandsvertr\u00fcge; ohne besonBundestagslungen; aktionen Bundestagsderen natiowahl Entstehung gegen die wahlkampf nalpolitischer der \"Neuen Ostvertr\u00f6ge Z\u00fcndstoff Rechten\" 428 F\u00e4lle 263 F\u00e4lle I 218 F\u00e4lle I 184 F\u00e4lle 162 F\u00e4lle I * =171 = ^ r(78V.)=^ E ne E2 =(72V.)=2 123 (297. 93 (35V.) 46 47 (28V.) 1969 1970 1971 1972 (22V.) ilii\u00fc 1973 v Ausschreitungen ohne Gewaltaspekte Ausschreitungen mit Gewaltaspekten 37","Das Urteil des Sch\u00f6ffengerichts Bonn gegen den K\u00f6lner Professor Berthold Rubin und die Mitangeklagten J\u00fcrgen Rieger und Manfred Pl\u00f6ckinger zu sechs, vier und zwei Monaten Freiheitsentzug wegen Vort\u00e4uschung einer Entf\u00fchrung ist noch nicht rechtskr\u00e4ftig. Wie in den Vorjahren verbot die Alliierte Stadtkommandantur in Berlin den f\u00fcr den 19./20. Mai 1973 vorgesehenen Landesparteitag der Berliner NPD. -- Das Landgericht M\u00fcnchen I ordnete am 16. April 1973 die Beschlagnahme von 1000 Postern mit einem stilisierten Portr\u00e4t Adolf Hitler's. -- Das Amtsgericht Hamburg-Bergedorf zog am 17. M\u00e4rz 1973 den sogenannten \"Naujock-Br\\eV mit beleidigendem Inhalt gegen Bundeskanzler Brandt ein und ordnete die Unbrauchbarmachung der zur Herstellung des Briefes benutzten Hilfsmittel an (in dem \"offenen Brief\" war dem Bundeskanzler vorgeworfen worden, im Jahre 1933 einen Mord begangen zu haben). Das Strafverfahren gegen den 77j\u00e4hrigen Naujock wurde von der Staatsanwaltschaft Hamburg mangels Schuldf\u00e4higkeit eingestellt. -- Die Ordnungsbeh\u00f6rden verboten eine Protestaktion der \"Jungen National-Demokraten\" (JN) am 20. Mai 1973 in Dortmund gegen den Besuch Breschnew's und einen von der NPD am 17. Juni 1973 geplanten Demonstrationszug in Minden. X. Beurteilung Die Entwicklung des deutschen Rechtsradikalismus im Jahre 1973 hat erneut gezeigt, da\u00df rechtsradikale Organisationen und Aktionen zur Zeit kaum Resonanz in der Bev\u00f6lkerung finden. Sie sind Randerscheinungen im innerpolitischen Bereich. Daran \u00e4ndert die leichte Belebung bei rechtsradikalen Jugendorganisationen nichts. Eine Gefahr f\u00fcr die innere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland bildete der Rechtsradikalismus auch im Jahre 1973 nicht. 38","Linksradikale Bestrebungen im Jahre 1973 I. Allgemeine Erfahrungen Die Lage des Linksradikalismus war durch die bereits im Jahre 1972 erkennbaren Entwicklungstendenzen gekennzeichnet: Verst\u00e4rkte B\u00fcndnisbestrebungen der orthodoxen Kommunisten, politische Militanz maoistischer Gruppen und die Fortsetzung von Terrorakten linksradikaler Gewaltt\u00e4ter. Die scharfen Gegens\u00e4tze zwischen orthodoxen Kommunisten und der \"Neuen Linken\" dauerten an. 1. Orthodoxe Kommunisten Die \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) hat ihren Mitgliederbestand auf \u00fcber 39 000 erh\u00f6hen k\u00f6nnen. Auf ihrem Hamburger Parteitag (November) demonstrierte sie Geschlossenheit und Disziplin und best\u00e4tigte ihre politische Linie, die sie als marxistischleninistische Partei sowjetischer Pr\u00e4gung ausweist. Die DKP und ihre Hilfsorganisationen haben ihre Bestrebungen verst\u00e4rkt, die eigene schwache Basis durch Aktionsb\u00fcndnisse mit nichtkommunistischen Kr\u00e4ften zu erweitern. Dabei hatten sie Erfolg. Es kamen ihnen \u00fcbereinstimmende Auffassungen von Sozialdemokraten, Gewerkschaftern, Liberalen und Christen in verschiedenen politischen Tagesfragen zugute. Die organisierte Betriebsarbeit der DKP stagnierte jedoch wie schon im Vorjahr trotz vielf\u00e4ltiger Aktivit\u00e4ten bei wilden Streiks. Hier stie\u00dfen die orthodoxen Kommunisten ebenso wie bei ihren Aktivit\u00e4ten unter Studenten und Sch\u00fclern und bei \"antiimperialistischen\" Protestdemonstrationen auf starke Konkurrenz maoistischer Gruppen. Der \"Marxistische Studentenbund Spartakus\" (MSB) hat die Zahl seiner Mitglieder um \u00fcber ein Drittel erh\u00f6ht (zur Zeit etwa 3500 Mitglieder). Straffe F\u00fchrung, ideologische und organisatorische Geschlossenheit und geschickte politische Arbeit verhalfen dem MSB zu weiteren Mandaten in studentischen Selbstvertretungsgremien. Diese Positionen und sein Einflu\u00df in dem \"Verband Deutscher Studentenschaften\", dessen Vorstand Mitglieder des MSB und des mit ihm verb\u00fcndeten \"Sozialistischen Hochschulbundes\" (SHB) sowie ein Jungsozialist bilden, verschafften dem MSB erhebliche Wirkung in der Studentenschaft. 39","Die SED und ihre Hilfsorganisationen haben auch 1973 ihre Westarbeit in der Bundesrepublik Deutschland fortgesetzt, die darauf gerichtet ist, die DKP sowie den MSB und die \"Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend\" (SDAJ) zu unterst\u00fctzen. 2. \"Neue Linke\" Unter dem Begriff \"Neue Linke\" werden in diesem Bericht -- wie schon in fr\u00fcheren Jahren -- ideologische Tendenzen, organisatorische Entwicklungen und Aktivit\u00e4ten derjenigen kommunistischen (maoistischen, leninistischen, stalinistischen, trotzkistischen) sowie anarchistischen Gruppen dargestellt, die nicht den Kommunismus sowjetischer Pr\u00e4gung vertreten. Den Gruppen der \"Neuen Linken\" ist es gelungen, ihre organisatorische Zersplitterung abzubauen: durch Zusammenschl\u00fcsse und durch Eingliederung selbst\u00e4ndiger \u00f6rtlicher Gruppen in bestehende gr\u00f6\u00dfere Vereinigungen hat sich die Zahl der in der \"Neuen Linken\" dominierenden maoistischen Gruppen betr\u00e4chtlich verringert, die Zahl ihrer Mitglieder hat jedoch erheblich zugenommen. Bei anhaltender \"strategischer\" \u00dcbereinstimmung in dem Ziel, das gesellschaftliche System der Bundesrepublik Deutschland revolution\u00e4r zu beseitigen, befehdeten sich die gr\u00f6\u00dferen Gruppen der \"Neuen Linken\" heftig. Das hinderte sie jedoch nicht, bei verschiedenen Anl\u00e4\u00dfen gemeinsam zu demonstrieren. Viele Demonstrationen und zahlreiche Aktionen an Hochschulen haben erneut best\u00e4tigt, da\u00df vor allem maoistische Gruppen Gewalt anwenden, wenn sie meinen, damit politische Nahziele erreichen zu k\u00f6nnen. Die Wirkung von Gruppen der \"Neuen Linken\" auf die Arbeiterschaft, deren Klassenbewu\u00dftsein sie wecken und in revolution\u00e4re Aktivit\u00e4t umm\u00fcnzen wollen, blieb unbedeutend. Gewissen Anklang fanden sie w\u00e4hrend wilder Streiks bei ausl\u00e4ndischen Arbeitnehmern. An den Hochschulen, die das bevorzugte Bet\u00e4tigungsfeld der \"Neuen Linken\" geblieben sind, arbeiteten sie weiter daran, revolution\u00e4re Ideen zu verbreiten und politische Kader heranzubilden. Ihre Gruppen haben aber bei Wahlen zu studentischen Vertretungsk\u00f6rperschaften schwere Niederlagen erlitten und dadurch Positionen verloren, die sie bisher f\u00fcr ihre revolution\u00e4re T\u00e4tigkeit hatten nutzen k\u00f6nnen. 3. Terroristen Die Zerschlagung der gef\u00e4hrlichsten terroristischen Gruppen im Jahre 1972 hat sich in der ersten H\u00e4lfte des Jahres 1973 hemmend 40","auf terroristische Aktivit\u00e4ten ausgewirkt. Seit Sommer 1973 haben aber die Terroranschl\u00e4ge (Mordund Sprengstoffanschl\u00e4ge, Brandstiftungen und Raub\u00fcberf\u00e4lle) erheblich zugenommen. 58 von insgesamt 70 Anschl\u00e4gen dieser Art wurden in der zweiten Jahresh\u00e4lfte ver\u00fcbt. Auch andere Anzeichen best\u00e4tigen, da\u00df Terrorgruppen bestehen, die mit \u00e4hnlichen Methoden wie die Baader-MeinhofBande arbeiten. II. \u00dcbersicht in Zahlen 1. Organisationen Die Zahl der linksradikalen Organisationen in der Bundesrepublik Deutschland (einschlie\u00dflich Berlin) ist 1973 weiter auf 317 (1972: 365) zur\u00fcckgegangen. Ihre Mitgliederzahl (Mehrfachmitgliedschaften eingeschlossen) ist jedoch auf 116 500 (1972: 103 000) gestiegen. Diese Entwicklung ist haupts\u00e4chlich auf die organisatorische Konzentration innerhalb der \"Neuen Linken\" zur\u00fcckzuf\u00fchren. Der Anteil der Mitglieder von Gruppen der \"Neuen Linken\" an der Mitgliederzahl aller linksradikaler Organisationen hat sich geringf\u00fcgig erh\u00f6ht: er stieg von 14% im Jahre 1972 auf 16% im Jahre 1973. Viele Demonstrationen und andere Aktionen zeigten erneut, da\u00df die Zahl ihrer Anh\u00e4ngerweiterhin betr\u00e4chtlich ist. Eine \u00dcbersicht gibt die nachstehende Tabelle: 1971 1972 1973 Organisationen Zahl MitZahl MitZahl Mitglieder glieder glieder orthodox-kommunistische und prokommunistische 130 83 000 115 88 500 110 98 000 maoistische 35 2 000 90 6 300 61 12 000 trotzkistische 7 700 10 1000 10 1000 anarchistische 10 250 15 300 32 500 sonstige Org. der \"Neuen Linken\" 210 2 600 135 7 000 104 5 000 392 88 550 365 103100 317 116 500 Nach Abzug von Mehrfachmitgliedschaften 67000 78 000 87 000 2. Publikationen Die Zahl linksradikaler periodischer Schriften ist gegen\u00fcber 1972 um ein Sechstel, die durchschnittliche Wochenauflage um fast 80 41","Prozent gestiegen. Der Anteil der periodischen Schriften der \"Neuen Linken\" an der durchschnittlichen Wochenauflage hat sich weiter erh\u00f6ht, obwohl die Zahl ihrer Periodika leicht zur\u00fcckgegangen ist. Auch das folgt aus dem Konzentrationsproze\u00df innerhalb der \"Neuen Linken\". Eine \u00dcbersicht gibt die nachstehende Tabelle: Zahl Wochenauflagen Publikationen 1971 1972 1973 1971 1972 1973 orthodox-kommunistische und prokommunistische 710 910 1 112 309 500 333 000 542 000 der \"Neuen Linken\" 183 273 268 101000 150 000 337 800 Gesamt: 893 1 183 1 380 410500 483 000 879 800 Neben den periodischen Schriften verbreiteten orthodoxe Kommunisten und besonders die Studentengruppen der \"Neuen Linken\" zahlreiche Flugbl\u00e4tter und andere Schriften in zum Teil hoher Auflage. 3. Linksradikale im \u00f6ffentlichen Dienst 3.1 Ende 1973 waren -- soweit bekannt -- insgesamt 1423 Linksradikale im Bundes-, Landesund Kommunaldienst sowie in anderen \u00f6ffentlichen Einrichtungen t\u00e4tig. Einzelheiten zeigt die folgende Tabelle (Zahlen f\u00fcr 1972 in Klammern): Komm. Hilfs\"Neue Personen DKP SEW organiLinke\" sationen Bundesdienst 246 (235) 178 2 52 14 Landesdienst 791 (695) 339 22 183 247 Kommunaldienst 240 (236) 175 - 50 15 Dienst in anderen \u00f6ffentl. Einrichtungen (z. B. Rundfunkanstalten Verkehrsbetriebe) 146 (141) 102 8 18 18 1423 (1307) 794 32 303 294 Bei insgesamt 3,3 Millionen Besch\u00e4ftigten im \u00f6ffentlichen Dienst (vgl. Wirtschaft und Statistik, hrsg. vom Statistischen Bundesamt, 42","Heft 7, 1973, S. 412) ist der Anteil der Linksradikalen trotz einer gewissen Dunkelziffer nach wie vor relativ gering: auf je 2316 Angeh\u00f6rige des \u00f6ffentlichen Dienstes entf\u00e4llt ein linksradikaler Bediensteter, auf je 3990 ein Mitglied der orthodox-kommunistischen Parteien (DKP oder \"Sozialistische Einheitspartei Westberlins\" (SEW)). 3.2 Von den 246 linksradikalen Bundesbediensteten sind \u00fcber 50% (126) bei der Bundespost und fast 40% (91) bei der Bundesbahn t\u00e4tig, meist in untergeordneten Positionen. 3.3 Von den 791 linksradikalen Landesbediensteten sind besch\u00e4ftigt 322 ( = 40,7%) als Lehrer an Schulen, 188 ( = 23,8%) als wissenschaftliches Personal an Hochschulen, 39 ( = 4,9%) als sonstiges Personal an Schulen und Hochschulen, 54 ( = 6,8%) in der Justiz, 5 ( = 0,6%) bei der Polizei und 183 (=.23,2%) in sonstigen Verwaltungszweigen. Zur Gruppe der Lehrer an Schulen kommen noch 25 der linksradikalen Kommunalbediensteten hinzu; zu den Linksradikalen, die als wissenschaftliches Personal an Hochschulen besch\u00e4ftigt sind, geh\u00f6ren au\u00dfer den genannten 188 Landesbediensteten noch 24, die im Dienst anderer \u00f6ffentlicher Einrichtungen stehen. 3.4 Von den 1423 Linksradikalen sind 669 Beamte, 494 Angestellte und 260 Arbeiter. Die nachfolgende \u00dcbersicht zeigt die Zugeh\u00f6rigkeit der Beamten zu den einzelnen Laufbahngruppen: h\u00f6herer Dienst 289 ( = 20,3%) gehobener Dienst 259 ( = 18,2%) mittlerer Dienst 76 ( = 5,4%) einfacher Dienst 45 ( = 3,2%) 4. Studentenparlamente und Allgemeine Studentenaussch\u00fcsse 4.1 Studentenparlamente In den am Jahresende 1973 bestehenden Studentenparlamenten an 42 Universit\u00e4ten und Technischen Hochschulen hatten Linksradikale von 1547 Sitzen mindestens 673 (43,5%) inne. Einzelheiten und 43","Ver\u00e4nderungen zeigt die nachstehende Tabelle, die f\u00fcr das Jahr 1971 auf Wahlergebnissen in 32 und f\u00fcr das Jahr 1972 auf Wahlergebnissen in 34 Hochschulen beruht: Vertreten in: Gruppen Zahl der Sitze Anteil (Zahl der Parlamente) 1971 1972 1973 1971 1972 1973 1971 1972 1973 \"Neue Linke\" 425 368 339 33,0% 28,1% 21,9% 29 27 35 MSB Spartakus 105 99 174 8,1% 7,5% 11,3% 23 21 33 SHB 215 219 160 16,7% 16,7% 10,3% 23 20 21 745 686 673 57,8% 52,3% 43,5% Sonstige 543 626 874 42,2% 47,7% 56,5% 1288 1312 1547 100 %100 %100 % Der Anteil der Linksradikalen insgesamt an den Sitzen in den Studentenparlamenten ist 1973 weiter zur\u00fcckgegangen und liegt erstmals seit 1971 unter 50 v. H. Den Hauptverlust erlitt der SHB: Er b\u00fc\u00dfte \u00fcber ein Drittel seines Anteils ein. Die \"Neue Linke\" verlor fast ein F\u00fcnftel ihres Anteils. Dagegen konnte der MSB seinen Anteil an den Mandaten der Studentenparlamente erh\u00f6hen, und zwar um etwa die H\u00e4lfte. 4.2 Allgemeine Studentenaussch\u00fcsse Von insgesamt 256 Mitgliedern der Ende Dezember 1973 bestehenden Allgemeinen Studentenaussch\u00fcsse an 39 Universit\u00e4ten waren mindestens 168 (= 65,6%) Linksradikale. Einzelheiten und Ver\u00e4nderungen zeigt die nachstehende Tabelle, die f\u00fcr das Jahr 1971 auf Wahlergebnissen von 32 und f\u00fcr das Jahr 1972 auf Wahlergebnissen von 36 Hochschulen beruht: Vertreten in: Gruppen Zahl der Sitze Anteil (Zahl d. AStA) 1971 1972 1973 1971 1972 1973 1971 1972 1973 \"Neue Linke\" 78 85 70 35,1% 33,5% 27,3% 18 20 15 MSB Spartakus 28 38 48 12,7% 15,0% 18,8% 12 16 18 SHB 44 52 50 19,8% 20,5% 19,5% 13 15 14 150 175 168 67,6% 69,0% 65,6% Sonstige 72 78 88 32,4% 31,0% 34,4% 222 253 256 100 %100 %100 % 44","In den allgemeinen Studentenaussch\u00fcssen dominieren nach wie vor die Linksradikalen, obwohl ihr Anteil ebenfalls zur\u00fcckgegangen ist. Der Anteil der \"Neuen Linken\" an den Sitzen der Allgemeinen Studentenaussch\u00fcsse verringerte sich um knapp ein F\u00fcnftel gegen\u00fcber 1972. Die Verluste des SHB in den Allgemeinen Studentenaussch\u00fcssen waren im Gegensatz zu seinen Verlusten in den Studentenparlamenten gering. Das ist offenbar auch darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, da\u00df linksdemokratische Studentengruppen eher mit Linksradikalen zusammenarbeiten als mit \"konservativen\" demokratischen Gruppen. Der MSB dagegen vergr\u00f6\u00dferte seinen Anteil auch an den Sitzen der Allgemeinen Studentenaussch\u00fcsse um ein Viertel. MSB und SHB sind gemeinsam in 11 von 39 Allgemeinen Studentenaussch\u00fcssen vertreten. 4.3 Die linksradikalen Studentengruppen haben ihre starken Positionen an den Berliner Universit\u00e4ten, an denen keine Studentenparlamente und \"Allgemeinen Studentenaussch\u00fcsse\" bestehen, verbessert. In den Selbstverwaltungsgremien (Fachbereichsr\u00e4te, Institutsr\u00e4te) der Freien Universit\u00e4t (FU) sind 45 von 78 studentischen Sitzen (57,6%; 1972: 50,7%) und an der Technischen Universit\u00e4t (TU) 18 von 59 studentischen Sitzen (30,5%; 1972: 28,8%) von Linksradikalen besetzt. 45 dieser Sitze (73,3%) entfallen auf die von der SEW beeinflu\u00dften \"Arbeitsgemeinschaften von Demokraten und Sozialisten\" (ADS), 10 Sitze (15,8%) auf die der \"Neuen Linken\" zuzurechnenden \"Marxistisch-Leninistischen Hochschulgruppen\" (MLH-Gruppen) - inzwischen teilweise aufgel\u00f6st und dem KBW untergeordnet - ; 4 Sitze entfallen auf den KSV, 2 Sitze auf den SHB und 1 Sitz auf die KHG. Dem Akademischen Senat der FU geh\u00f6ren ebenfalls einige Linksradikale an. III. Schwerpunkte der Agitation In ihrer tagespolitischen Agitation haben orthodoxe kommunistische Organisationen und Gruppen der \"Neuen Linken\" oft unterschiedliche Positionen eingenommen. Die KPD und ihre Hilfsorganisationen haben ihre Methode fortgesetzt, sich zum F\u00fcrsprecher von Forderungen zu machen, die auch von einigen demokratischen Gruppen vertreten werden. 45","1. Ostund Deutschlandpolitik 1.1 Die DKP hat die Ratifizierung des Grundlagenvertrages mit der DDR als Erfolg bezeichnet, zu dem sie ma\u00dfgeblich beigetragen habe. Gegen das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Grundlagenvertrag agitierte sie heftig: es sei ein Versuch, die \"alten imperialistischen Herrschaftsanspr\u00fcche der herrschenden Gro\u00dfkapitalistischen Kreise\" aufrechtzuerhalten und die Normalisierung der Beziehungen zur DDR zu erschweren (u.a. \"DKP-Pressedienst\" Nr. 114/73 und Nr. 165/73). Die Unterzeichnung der Vertr\u00e4ge \u00fcber wirtschaftliche Kooperation und wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit sowie \u00fcber Kulturaustausch mit der Sowjetunion hat sie ebenso wie den Vertrag mit der CSSR zum Anla\u00df genommen, f\u00fcr einen weiteren Ausbau der friedlichen Koexistenz zu werben (u.a. \"DKP-Pressedienst Nr. 118,138 und 244/73). Im \u00fcbrigen vertritt die DKP in ihren Aussagen zur Ostund Deutschlandpolitik, insbesondere in ihren Stellungnahmen zum v\u00f6lkerrechtlichen Status beider deutscher Staaten und zur Berlin-Frage, die Linie der KPdSU und der SED. 1.2 Vor allem maoistische Gruppen diffamierten die Ostund Deutschlandpolitik der Bundesregierung weiterhin: Die deutschen \"Imperialisten\" betrieben auf Kosten der DDR einen \"Schacher mit den Kremlzaren\"; der Grundlagenvertrag zeige ein \"widerw\u00e4rtiges Schauspiel der Kumpanei von Sozialdemokratie und Sozialimperialismus\". Ziel der \"westdeutschen Imperialisten\" sei es auch, Anspr\u00fcche auf tschechoslowakische Gebiete geltend zu machen; die Ostvertr\u00e4ge machten den Weg frei f\u00fcr \"die Ausbeutung der osteurop\u00e4ischen Arbeiterklasse durch die BRD-Konzerne\". (Siehe dazu u.a.: \"Roter Morgen\" Nr. 21/73, \"Kommunistische Arbeiterzeitung\" Nr. 36/73, \"Rote Fahne\" Nr. 20/73). 2. Sozialpolitik 2.1 Die DKP sieht in ihrer Taktik (\"Kampf um Reformen, wirtschaftliche Verbesserungen, soziale Sicherheit und gr\u00f6\u00dfere demokratische Rechte\") die gegenw\u00e4rtige Form des Klassenkampfes. Die sozialpolitischen Probleme, so erkl\u00e4rt die DKP, k\u00f6nnten nicht auf dem Boden der gegenw\u00e4rtigen Besitzund Machtverh\u00e4ltnisse gel\u00f6st werden. Die DKP erstrebe \"tiefgreifende gesellschaftliche Ver46","\u00e4nderungen\" und begreife \"demokratische Reformen\" als Schritte zu einer \"antimonopolistischen Demokratie\", die den Weg zu einer \"sozialistischen Ordnung\" in der Bundesrepublik Deutschland er\u00f6ffnen solle (Bericht des Parteivorstands (PV) der DKP an den Hamburger Parteitag, S. 34 ff.). 2.2 Gruppen der \"Neuen Linken\" bezeichnen die sozialpolitischen Reformpl\u00e4ne als \"imperialistische Politik\", die Diskussionen um die Mitbestimmung als \"Streit um den Anteil der DGB-Bonzen an der Ausbeutung der Arbeiter\"; unter dem Deckmantel ihres \"Reformgeredes\" betreibe die Bundesregierung eine \"eifrige Aufr\u00fcstung\" der Polizei, des Bundesgrenzschutzes und der Bundeswehr. Die Bundesregierung sei \"arbeiterfeindlich\", die Verschlechterung der Arbeitsund Lebensbedingungen sei von den \"Monopolen und ihrer Regierung geplant\". Um diese \"unertr\u00e4glichen Zust\u00e4nde\" zu beenden, m\u00fc\u00dften die Arbeiter den Kampf gegen den Kapitalismus selber aufnehmen, wobei der \"gewaltsame Zusammensto\u00df mit dem kapitalistischen Staat und der Regierung ganz unvermeidlich sei. (Siehe dazu u. a.: \"Rote Fahne\" Nr. 21/73, \"Roter Morgen\" Nr. 6/73, \"Kommunistische Volkszeitung\" Nr. 6/73). 3. Konjunkturund Wirtschaftspolitik 3.1 Die DKP behauptet, die als \"Stabilit\u00e4tsma\u00dfnahmen getarnten Massenbelastungen\" bewiesen, da\u00df die Bundesregierung \"die Interessen des staatsmonopolistischen Kapitalismus, der Gro\u00dfkonzerne und -banken\" verfolge und die Lasten der \"im kapitalistischen System wurzelnden Schwierigkeiten\" auf das arbeitende Volk abw\u00e4lze (\"DKP-Pressedienst\" Nr. 113/73). Deshalb sei die \"Monopolmacht\" durch wirksame Mitbestimmung einzuschr\u00e4nken, Gro\u00dfbanken und Versicherungen, \"Monopoigiganten\" und R\u00fcstungsindustrie seien zu verstaatlichen und \"demokratischer Kontrolle\" zu unterwerfen. Eine \"strikte \u00f6ffentliche Kontrolle\" ausl\u00e4ndischer Gro\u00dfkonzerne sei erforderlich (Bericht des PV der DKP an den Hamburger Parteitag, S. 38 f.). 3.2 Auch Gruppen der \"Neuen Linken\" bezichtigen die Bundesregierung, die Interessen der \"Monopole\" zu wahren. Dieser Politik m\u00fcsse die Arbeiterklasse mit Kampfma\u00dfnahmen begegnen. (Siehe dazu u.a.: \"Roter Morgen\" Nr. 22 und 23/73, \"Rote Fahne\" Nr. 11/73, \"Kommunistische Arbeiterzeitung\" Nr. 39/73, \"Kommunistische Volkszeitung\" Nr. 2/73). 47","4. Sicherheitsund Verteidigungspolitik 4.1 Die DKP erkl\u00e4rte, die Gefahr wachse, da\u00df sich die Bundesrepublik Deutschland \"weiter in Richtung eines zentral gesteuerten Polizeistaates\" entwickele (\"DKP-Pressedienst\" Nr. 25/73). Die Aufstellung polizeilicher \"Anti-Terror-Truppen\" bezeichnete die DKP als Vorbereitung auf k\u00fcnftige soziale Auseinandersetzungen (\"Unsere Zeit\" Nr. 46/73). Die DKP verlangte, \"aus der jetzigen Fassung des Grundgesetzes\" alle diejenigen Ver\u00e4nderungen wieder zu entfernen, die die \"demokratischen Grunds\u00e4tze einschr\u00e4nken oder aush\u00f6hlen\": Notstandsgesetze, Verfassungsschutzgesetz, Bundesgrenzschutzgesetz (\"DKP-Pressedienst\" Nr. 191/73). Sie agitierte ferner f\u00fcr eine schrittweise Herabsetzung der R\u00fcstungsausgaben um j\u00e4hrlich 15 Prozent, Einstellung der Devisenausgleichszahlungen an die USA und die Verminderung der amerikanischen Truppen in der Bundesrepublik Deutschland sowie Kampf gegen eine \"vorbehaltlose Bindung\" an die NATO und die weitere \"Militarisierung\" der Bundeswehr (\"DKP-Pressedienst\" Nr. 105 und 205/73; Bericht des PV der DKP an den Hamburger Parteitag, S. 8 und 20 f.). 4.2 Die \"Neue Linke\" agitierte ebenfalls gegen die Entwicklung der Bundesrepublik zu einem \"totalen Polizeistaat\" und gegen Ma\u00dfnahmen zur Verbesserung der inneren Sicherheit. Besonders heftig griffen Gruppen der \"Neuen Linken\" die Aufstellung der Sondereinheit des BGS zur Bek\u00e4mpfung von Terroristen an, die sie als \"Mordkommando\" und \"Killertruppe\" des \"staatlichen Unterdr\u00fcckungsapparats\" bezeichneten. Gruppen der \"Neuen Linken\" forderten ferner den Austritt der Bundesrepublik Deutschland aus der NATO und den Abzug aller ausl\u00e4ndischen Truppen. Die Bundeswehr bezeichneten sie als \"B\u00fcrgerkriegsund Aggressionsheer\" und verbanden ihre Agitation mit Forderungen nach \"antimilitaristischer, revolution\u00e4rer\" Arbeit in der Truppe. Die KPD/ML forderte die Soldaten wiederholt auf, im Ernstfall ihre Gewehre \"umzudrehen\". (Siehe dazu u. a.: Flugblatt des \"Kommunistischen Bundes\" zum 1. Mai 1973, \"Kommunistische Arbeiterzeitung\" Nr. 39/73, \"Rote Fahne\" Nr. 26, 39 und 40/73, \"Kommunistische Volkszeitung\" Nr. 4 und 6/73, \"Roter Morgen\" 7 und 30/73). 48","5. Bildungspolitik 5.1 Die DKP, die den Kampf um Reformen als Klassenkampf versteht, verlangt eine \"Demokratisierung\" des Bildungswesens und \"mehr Mitbestimmung\" und \"freie politische Bet\u00e4tigung an den Hochschulen\". Sie agitiert f\u00fcr den \"Kampf der Studenten gegen alle Disziplinierungsma\u00dfnahmen, die die herrschende Klasse als Sicherung gegen potentielle Konflikte im Hochschulbereich\" einbauen wolle: \"Ordnungsrecht, staatlich diktierte Pr\u00fcfungsordnungen, . . . Versuch der Zerschlagung der verfa\u00dften Studentenschaft.\" Die DKP verlangt ferner eine Beseitigung des \"Bildungsprivilegs\" und \"reaktion\u00e4rer Bildungsinhalte\". (Siehe dazu u.a.: \"DKP-Pressedienst\" Nr. 10/73, \"Entschlie\u00dfung des Hamburger Parteitages\" in \"DKP-Parteitags-Information\", Allgemeinpolitische Antr\u00e4ge). 5.2 Der \"Kommunistische Studentenverband\" (KSV), die Studentenorganisation der maoistischen KPD, behauptet, das gesamte Erziehungswesen sei \"Teil der kapitalistischen Ausbeutergesellschaft\", in ihm gebe es keine \"gesellschaftlichen Freir\u00e4ume\", die eine dem \"Volke dienende\" Ausbildung und Wissenschaft erm\u00f6glichten. Die maoistisch eingestellte \"Kommunistische Hochschulgruppe Heidelberg/Mannheim/Karlsruhe\" forderte, \"jede einzelne Ma\u00dfnahme der kapitalistischen Hochschulreform\" zu bek\u00e4mpfen. Dadurch werde die Einsicht in die \"Untauglichkeit des ganzen Gesellschaftssystems\" geweckt (\"Dem Volke dienen\" Nr. 8 und 23/73, \"Kommunistische Hochschulzeitung\" Nr. 29/73). 6. Ma\u00dfnahmen gegen Radikale im \u00f6ffentlichen Dienst 6.1 Die DKP und ihre Hilfsorganisationen haben ihre Agitation gegen den Beschlu\u00df des Bundeskanzlers und der Ministerpr\u00e4sidenten zur Frage verfassungsfeindlicher Kr\u00e4fte im \u00f6ffentlichen Dienst durch Unterst\u00fctzung von Komitees gegen \"Berufsverbote\", auf Versammlungen und Protestkundgebungen sowie in Dokumentationen und Flugbl\u00e4ttern verst\u00e4rkt fortgesetzt. Die DKP fordert, den \"antikommunistischen\" Beschlu\u00df, mit dem der \"obrigkeitsstaatlichen Willk\u00fcr\" und der \"Gesinnungsschn\u00fcffelei\" T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet werde, unverz\u00fcglich aufzuheben und alle bereits getroffenen Ma\u00dfnahmen r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen. (Siehe dazu u.a.: \"DKP-Pressedienst\" Nr. 198/73, \"DKP-ParteitagsInformationen\", Allgemeinpolitische Antr\u00e4ge Nr. 34). 49","6.2 Auch Gruppen der \"Neuen Linken\" agitierten weiterhin in Schriften und auf Versammlungen gegen die \"Berufsverbote\" als \"Mittel der Bourgeoisie\", ihre Macht zu sichern \"gegen das Volk, gegen Kommunisten und entschiedene Demokraten\", und bezeichneten die Ma\u00dfnahmen zur Fernhaltung Radikaler vom \u00f6ffentlichen Dienst als \"Terror\". (Siehe dazu u.a.: \"Rote Fahne\" Nr. 47/73, \"Arbeiterkampf\" Nr. 33/ 73). 7. Justiz und Strafvollzug Vor allem Gruppen der \"Neuen Linken\" haben 1973 ihre Agitation gegen die Justiz und die Strafvollzugsbeh\u00f6rden gesteigert. \"Rote Hilfe\"-Gruppen bezichtigten in Verfahren gegen deutsche Terroristen t\u00e4tige Richter \"Beweise zusammenzul\u00fcgen\" und \"Terrorurteile\" zu f\u00e4llen, und forderten dazu auf, in Prozessen auftretende Zeugen als \"Verr\u00e4ter\" zur Verantwortung zu ziehen. Beamten der Justizvollzugsanstalten warfen sie vor, \"politische Gefangene\" durch Isolierung zu \"foltern\". Die KPD diffamierte die Justiz, sie sei entschlossen, den \"Terror in den Gef\u00e4ngnissen bis zur physischen Vernichtung Einzelner durchzusetzen\". (Siehe dazu u.a.: \"Rote Hilfe\", Stuttgart, Nr. 1/73, \"Rote Hilfe\", Hamburg, Frankfurt, Berlin, M\u00fcnchen, Nr. 19 und 20/73, \"Roter Morgen\" Nr. 42/73, \"Rote Fahne\" Nr. 49/73). 8. Internationale Solidarit\u00e4t Die radikale Linke hat 1973 verst\u00e4rkt ihre Solidarit\u00e4t bekundet mit Befreiungsbewegungen in L\u00e4ndern der Dritten Welt, mit den arabischen V\u00f6lkern und mit den vom \"Schah-Regime\" und von der \"faschistischen Junta-Diktatur\" verfolgten Iranern und Griechen. Die DKP erneuerte bei jeder Gelegenheit ihr Bekenntnis zur kommunistischen Weltbewegung. In zahlreichen Schriften, auf Veranstaltungen und mit Solidarit\u00e4tsdemonstrationen protestierten Gruppen der radikalen Linken gegen den \"USA-Imperialismus\" und dessen \"Handlanger\" gegen das \"portugiesische Kolonialsystem\" in Afrika, die Regierungen S\u00fcdvietnams, Israels, Griechenlands und Spaniens sowie gegen den Milit\u00e4rputsch in Chile. Sie agitierten f\u00fcr die Solidarit\u00e4t mit dem \"Kampf der unterdr\u00fcckten V\u00f6lker und Proletarier aller L\u00e4nder\" und verlangten von der Bundesregierung, sich von der Politik \"faschistischer\" und \"imperialistischer\" Regime zu distanzieren und deren 50","Gegner zu unterst\u00fctzen. Gruppen der \"Neuen Linken\" bezeichneten den Krieg der arabischen Staaten gegen Israel als \"gerechten Krieg\" und die \"Neutralit\u00e4t der Bundesregierung\" als \"Maskerade\" der am \"Gesch\u00e4ft interessierten westdeutschen Kapitalistenklasse\". (Siehe dazu u. a.: \"DKP-Pressedienst\" Nr. 24, 33,154,189,190, 202 und 208/73, \"Rote Fahne\" Nr. 41/73, \"Kommunistische Volkszeitung\" Nr. 4 und 6/73). IV. T\u00e4tigkeit der orthodoxen Kommunisten 1. Organisatorische und politische Entwicklung 1.1 \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) 1.1.1 F\u00fcr die DKP war das bedeutendste Ereignis des Jahres ihr 3. Parteitag (2. bis 4. November in Hamburg), auf dem sie gewachsenes Selbstbewu\u00dftsein demonstrierte und sich als geschlossene und disziplinierte Partei darstellte. Der Parteitag best\u00e4tigte Ziele und Aufgaben der DKP auf der Grundlage der politischen Grundsatzdokumente der beiden ersten Parteitage und bekr\u00e4ftigte ihre bekannten tagespolitischen Forderungen. Der Parteitag w\u00e4hlte den bisherigen stellvertretenden Vorsitzenden Herbert Mies zum neuen Vorsitzenden und Hermann Gautier, bisher Mitglied des Pr\u00e4sidiums, zum stellvertretenden Vorsitzenden der DKP. Kurt Bachmann hatte \"auf eigenen Wunsch aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden\" nicht mehr f\u00fcr das Amt des Parteivorsitzenden kandidiert, er geh\u00f6rt jedoch weiterhin dem Parteivorstand und dem Pr\u00e4sidium an. 1.1.2 Nach dem Bericht des Parteivorstandes an den Parteitag hatte die DKP am Ende des Jahres 39 344 Mitglieder (1971: 33 410 Mitglieder, 1972: etwa 36 000 Mitglieder). Diese Angabe d\u00fcrfte ann\u00e4hernd zutreffen; viele neue Mitglieder sind offenbar vor allem aus den Reihen der \"Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend\" (SDAJ) gewonnen worden, die der DKP als Kaderreserve dient. Der Hamburger Parteitag beschlo\u00df, im Parteistatut das Recht ausl\u00e4ndischer Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland zu verankern, Mitglied der DKP zu werden. Da wichtige kommunistische Parteien der Heimatl\u00e4nder ausl\u00e4ndischer Arbeitnehmer (z. B. Italiens und Spaniens) diese als eigene Parteimitglieder werben, erscheint zweifelhaft, ob es der DKP in absehbarer Zeit gelingen wird, eine gr\u00f6\u00dfere Zahl ausl\u00e4ndischer Mitglieder zu gewinnen. 51",", MMttsplab aki ArWttrleben awgelesem ****\"J Sam 3: B M zw\" o(tm)*(tm)\" -- ^ . 1 unserezeit mehrErdiiM^ 'tuttgarter, ,tofgagessj j g Z e l l e n rit brachte ehr Umsatz SS\"!e Samitag hafsrieia ^Sfcr\"-^3r*~^assenen Kaufkraftzuwachs\" smei' letzt Inf lationszuschl Regierung greiftin die Portemon ^T*A\"\"\"'M^W* und verschont die Profite und Tr S i i ^ l y^fetg^minn SM35FSSS .^\"\"*ngen un , Ife g i P ' ' * '* jBd Artikeldienst v 1 n\"ioi I PUB - \"\" _ f\u00fcr Betriebs'*'\"\"*'* ^ ^ > , . Frauen di und Wohngebietszeitungen \" SWSB Zeitungen, Zeitschriften i Informationsdienste der [ if^nsderDKp F\"316A.","1.1.3 Seit 1. Oktober 1973 gibt die DKP ihr bisher nur w\u00f6chentlich erschienenes Zentralorgan \"Unsere Zeit\" (UZ) auch als Tageszeitung mit dem Untertitel \"Die Zeitung der arbeitenden Menschen -- Zeitung der DKP\" heraus. Die DKP hofft, in ihr ein entscheidendes Mittel zur Information und ideologischen Festigung der Mitglieder und zur Mobilisierung der Partei f\u00fcr die entscheidenden Kampfaufgaben gefunden zu haben. Die DKP betrachtet ihre Zeitung als \"die Erbin der gro\u00dfen Tradition des Zentralorgans der kommunistischen Partei Deutschlands\", der \"Roten Fahne\" (Herbert Mies auf derVeranstaltung zum 55. Jahrestag der Gr\u00fcndung der KPD). Sie will mit der Zeitung \u00fcber ihre Mitglieder hinaus auch politisch interessierte Arbeiter und Jugendliche ansprechen. Die DKP-Tageszeitung \"UZ\" hat sch\u00e4tzungsweise eine Auflage von 60 000, die DKP-Wochenzeitung \"UZ\" von 50 000. 1.1.4 Nach Angaben der DKP sind die Beitragsmoral und die Spendenfreudigkeit ihrer Mitglieder erheblich gestiegen. In dem Bericht der Revisionskommission an den Hamburger Parteitag wird behauptet, die DKP habe im Jahre 1972 Gesamteinnahmen von 8,5 Millionen DM erreicht. Die genannten Einnahmen reichten auch im Jahre 1973 -- selbst unter Ber\u00fccksichtigung einer der gestiegenen Mitgliederzahl entsprechenden Steigerung -- nicht aus, den aufwendigen Parteiapparat der DKP zu unterhalten und die zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen sowie die kostspielige schriftliche Agitation zu finanzieren. Erhebliche Zuwendungen aus der DDR d\u00fcrften auch 1973 der DKP erm\u00f6glicht haben, ihren aufwendigen Apparat zu finanzieren. 1.1.5 Die DKP baute im Jahre 1973 ihre Kontakte zu den \"Bruderparteien\" weiter aus. Sie entsandte Delegationen mit Funktion\u00e4ren des Parteivorstandes in die Sowjetunion, die DDR, nach Polen, Frankreich, in die CSSR und nach Nordvietnam. DKP-Abordnungen beteiligten sich an mehreren Parteitagen und Konsultativtagungen westeurop\u00e4ischer kommunistischer Parteien. In der Bundesrepublik f\u00fchrten Funktion\u00e4re des DKP-Parteivorstandes Gespr\u00e4che mit Delegationen der KPdSU, der SED, der kommunistischen Parteien Bulgariens, Frankreichs, Griechenlands und Nordvietnams. Der politischen Aufwertung der DKP durch die KPdSU diente auch ein Empfang, den der Generalsekret\u00e4r der KPdSU Leonid Breschnew Mitgliedern des DKP-Parteivorstandes am 21. Mai auf dem Petersberg gab, als er sich zu einem offiziellen Besuch hier aufhielt. 53","1.2 Hilfsorganisationen der DKP und von ihr beeinflu\u00dfte Gruppen 1.2.1 Die \"Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend\" (SDAJ) behauptete im Sommer 1973, sie habe 24 500 Mitglieder, von denen 57% Arbeiter und 29% Sch\u00fcler seien. In Wirklichkeit d\u00fcrfte sie jedoch - wie im Vorjahr -- kaum mehr als 12 000 Mitglieder haben. Auf dem Hamburger Parteitag wurde der Bundesvorsitzende der SDAJ Rolf J\u00fcrgen Priemer (bisher Mitglied des Parteivorstandes) in das Pr\u00e4sidium der DKP gew\u00e4hlt. Das entspricht dem Verst\u00e4ndnis der DKP von der Rolle der SDAJ als Jugendorganisation der Partei. Die SDAJ behauptet, monatlich 165 (1972: 125) Betriebsund Berufsschulzeitungen in einer Gesamtauflage von 200 000 (1972: 150 000) herauszugeben. Viele dieser Bl\u00e4tter erscheinen aber unregelm\u00e4\u00dfig, so da\u00df die tats\u00e4chliche Auflage etwa 30% niedriger ist. Die monatlich erscheinende Zeitschrift \"elan-Magazin f\u00fcr junge Leute\", die der SDAJ weiterhin als Sprachrohr dient, hat ihre Auflage (21 000) nicht ge\u00e4ndert. 1.2.2 Der \"Marxistische Studentenbund Spartakus\" (MSB), der an den Hochschulen die politische Linie der DKP vertritt, veranstaltete seinen 2. Bundeskongre\u00df (19. bis 22. Februar in Hamburg). Der Kongre\u00df w\u00e4hlte einen neuen Bundesvorstand, der ein 12k\u00f6pfiges Sekretariat bildete. Erster Vorsitzender wurde wieder Christoph Strawe. Am Jahresende hatte der MSB nach eigenen glaubhaften Angaben 3500 (1972: 2500) Mitglieder, in \u00fcber 80 Hochschulgruppen und 180 Sektionen. Er hat sich damit zum st\u00e4rksten linksradikalen Studentenverband in der Bundesrepublik Deutschland entwickelt. Die gr\u00f6\u00dften Gruppen unterh\u00e4lt der MSB wie bisher an Hochschulen in Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Marburg. Der MSB hat die Auflage seines monatlich erscheinenden Organs \"rote Bl\u00e4tter\" auf 20 000 (1972: 15 000) und die seiner f\u00fcnfmal im Jahr erscheinenden theoretischen Schrift \"facit\" auf 5000 (1972: 4000) erh\u00f6ht. SDAJ und MSB Spartakus vertieften 1973 ihre Beziehungen zu ausl\u00e4ndischen kommunistischen Jugendund Studentenverb\u00e4nden durch die Teilnahme an den \"Weltjugendfestspielen\" in Ostberlin, Delegationsaustausch und Freundschaftsvertr\u00e4ge. SDAJ und MSB schlossen ferner einen Vertrag mit der \"Freien Deutschen Jugend\" (FDJ) der DDR \u00fcber die weitere Zusammenarbeit. 54","1.2.3 Die organisatorische Arbeit der kommunistischen \"Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes\" (VVN) und anderer, kleinerer Hilfsorganisationen der DKP sowie der \"Deutschen Friedens-Union\" (DFU), die vor allem in b\u00fcrgerlichen Kreisen ihre Rolle in der kommunistischen Volksfrontpolitik weiterspielte, stagnierte dagegen. Sie konnten weder die Zahl ihrer Mitglieder noch die Zahl und Auflage ihrer Bl\u00e4tter steigern. 2. B\u00fcndnispolitik 2.1 \"Aktionseinheit\" mit Sozialdemokraten Die DKP betrachtete auch 1973 den \"Kampf um die Herstellung der Aktionseinheit\" (B\u00fcndnis von Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschaftern, christlichen und parteilosen Arbeitern) als \"Kernfrage\" ihrer Politik und Voraussetzung daf\u00fcr, \"wirkliche Erfolge zu erringen\" (u.a. \"UZ-Extra\", Eigenbeilage zu \"UZ\" Nr. 19/20, 1973). Um diesem Ziel n\u00e4herzukommen, bedienten sich DKP und \"Sozialistische Einheitspartei Westberlins\" (SEW) wie in den Vorjahren der Taktik, die \"Aktionseinheit von unten\" herzustellen, indem sie Mitglieder der SPD gegen den Willen ihrer Parteif\u00fchrung f\u00fcr gemeinsame Aktionen zu gewinnen suchten. Gleichzeitig zielte die DKP darauf ab, die \"rechte SPD-F\u00fchrung\" bei der Arbeiterschaft unglaubw\u00fcrdig zu machen und sie von ihren W\u00e4hlern zu isolieren. So behauptete die DKP, es werde immer \"offensichtlicher\", da\u00df die Bundesregierung die Gesch\u00e4fte der Monopole besorge. Hinter den Sozialismusmodellen der SPD verberge sich stets die \"Absicht, die kapitalistische Gesellschaft zu erhalten und sie bestenfalls durch einige Reformen an die ver\u00e4nderten Bedingungen ihrer Existenz anzupassen\" (\"UZ-Extra\", Eigenbeilage zu \"UZ\" Nr. 19/20,1973). Trotz der in der zweiten Jahresh\u00e4lfte versch\u00e4rften Angriffe gegen \"rechte\" SPD-F\u00fchrer und die Bundesregierung betonte die DKP wiederholt, die grunds\u00e4tzlichen Gegens\u00e4tze zwischen der Weltanschauung der DKP, dem Marxismus-Leninismus, und der Ideologie der \"rechten\" Sozialdemokratie schl\u00f6ssen die \"Aktionseinheit\" nicht aus (u. a. Bericht des PV der DKP an den Hamburger Parteitag, S. 44). Die DKP versuchte auch 1973, Mitglieder aus den Reihen der SPD zu gewinnen: Am 26. M\u00e4rz erkl\u00e4rten in Frankfurt/Main 30 \"Jungsozialisten\" der \"Stamokap-Fraktion\" ihren Austritt aus der SPD; 20 von ihnen traten der DKP bei. Am 26. April traten auch in Essen 21 Mitglieder einer \"Stamokap-Gruppe\" aus der SPD aus und in die DKP ein. DKP-Funktion\u00e4re \u00e4u\u00dferten jedoch in diesem Zusam55","menhang die Bef\u00fcrchtung, spektakul\u00e4re \u00dcbertritte ganzer Gruppen von \"Jungsozialisten\" in die DKP k\u00f6nnten dem Bem\u00fchen der DKP um die \"Aktionseinheit\" mit Sozialdemokraten schaden. Die Bem\u00fchungen der DKP und der SEW, Sozialdemokraten f\u00fcr gemeinsame Aktionen zu gewinnen, waren erfolgreicher als in fr\u00fcheren Jahren. Als Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr eine Zusammenarbeit haben sich zum Beispiel die Proteste gegen den Staatsstreich in Chile, in Berlin auch die Demonstration der SEW am 1. Mai, erwiesen. In mehreren F\u00e4llen haben sich -- meist junge -- Sozialdemokraten an der Bildung von \"Chile-Solidarit\u00e4tskomitees\" sowie an Demonstrationen und Kundgebungen mit orthodoxen Kommunisten beteiligt. Auch beim taktischen Eintreten der DKP f\u00fcr sozial-, wirtschaftsund bildungspolitische Forderungen kam es zu einer Zusammenarbeit zwischen ihren Mitgliedern und solchen der SPD. Gr\u00f6\u00dferen Anklang f\u00fcr gemeinsame Aktionen haben die orthodoxen Kommunisten bei der Kampagne gegen die \"Berufsverbote\" gefunden, wobei es der DKP und ihren Hilfsorganisationen gelang, die \u00dcbereinstimmung mit Teilen der SPD in der Beurteilung des Ministerpr\u00e4sidentenbeschlusses \u00fcber die Fernhaltung Radikaler vom \u00f6ffentlichen Dienst auszunutzen (vgl. auch Abschnitt IV. 2. 4). 2.2 Bem\u00fchungen um \"Aktionseinheit\" mit Gewerkschaftern Die DKP bekr\u00e4ftigte auf ihrem 3. Parteitag die Ansicht, da\u00df die Gewerkschaften als die gro\u00dfen Klassenorganisationen der Arbeiterschaft \"eine entscheidende Rolle im Klassenkampf\" spielten. Sie behauptete, den Gewerkschaften geh\u00f6rten 85% der DKP-Mitglieder an, die die Pflicht h\u00e4tten, weiterhin aktiv in ihnen mitzuarbeiten und die \"Klasseninteressen\" der Arbeiter zu vertreten (Bericht des PV der DKP an den Hamburger Parteitag, S. 45). Bei der \"Befreiung der Arbeiterklasse von der kapitalistischen Gesellschaftsordnung\" m\u00fc\u00dften die Gewerkschaften -- so meint die DKP - mit denjenigen Kr\u00e4ften zusammenarbeiten, die den Kapitalismus nicht nur \"biegen\", sondern auch \"brechen\" wollten (Werner Cieslak, Mitglied des DKP-Parteivorstandes, in \"Arbeiterseminar 73\", NachrichtenVerlags-GmbH, Frankfurt/Main, 1973, S. 82). Die DKP hat sich auch 1973 bem\u00fcht, ihre Mitglieder in gewerkschaftliche Funktionen zu bringen. Dabei hatte sie aber keine gr\u00f6\u00dferen Erfolge. Auf den im Jahre 1973 durchgef\u00fchrten Gewerkschaftstagen (Gewerkschaft Holz und Kunststoffe, 3. bis 7. September in Freiburg, und IG Bergbau und Energie, 14. September in Duisburg) konnte die DKP das Ziel, Parteimitglieder als hauptamtliche Vertreter in 56","die Vorst\u00e4nde w\u00e4hlen zu lassen, nicht erreichen. Au\u00dfer einem Mitglied des DKP-Kreisvorstandes Frankfurt/Main, das dem Hauptvorstand der Gewerkschaft Holz und Kunststoffe bereits als ehrenamtliches Mitglied angeh\u00f6rte, wurde kein weiterer DKP-Funktion\u00e4r in die Hauptvorst\u00e4nde dieser Gewerkschaften gew\u00e4hlt. Bei den Wahlen der gewerkschaftlichen Vertrauensleute in Betrieben der Metallindustrie sind nennenswerte Erfolge der DKP ebenfalls ausgeblieben. Die DKP setzte ebenso wie die SEW ihre bisherige Taktik der \"Aktionseinheit\" fort, indem sie nach au\u00dfen als konsequenter Sachwalter gewerkschaftlicher Forderungen auftrat. Als Verfechterin einer starken Einheitsgewerkschaft forderte die DKP eine entschiedene Abgrenzung von den \"arbeiterfeindlichen Bestrebungen sektiererischer und maoistischer Kr\u00e4fte\", die mit der Bildung der \"Revolution\u00e4ren Gewerkschaftsopposition\" (RGO) nur auf eine Schw\u00e4chung und Spaltung der Gewerkschaften hinarbeiteten. Die DKP erkl\u00e4rte, das Zur\u00fcckweichen einzelner Gewerkschaftsfunktion\u00e4re vor den \"Angriffen des Monopolkapitals\" schade zwar den Gewerkschaften, wer aber ein solches Versagen f\u00fcr eine antigewerkschaftliche Kampagne mi\u00dfbrauche, schade der ganzen Arbeiterklasse (u. a. Bericht des PV der DKP an den Hamburger Parteitag, S. 45). In Wahrheit unterscheidet sich die DKP von maoistischen Gruppen nur in der Methode, nicht aber in den Zielen ihrer Gewerkschaftsarbeit. Sie hofft wie diese, die Gewerkschaften mit der Zeit zersetzen zu k\u00f6nnen, um sie dann als Instrument ihrer revolution\u00e4ren Ziele zu mi\u00dfbrauchen. Die wahren Absichten der DKP wurden auch bei den Lohnund Tarifauseinandersetzungen des Jahres 1973 in der Metallund in der chemischen Industrie sowie im Steinkohlenbergbau sichtbar. Die DKP benutzte diese Lohnk\u00e4mpfe f\u00fcr die Propagierung des Klassenkampfes und f\u00fcr die Agitation gegen das \"staatsmonopolistische System\" in der Bundesrepublik Deutschland. In Zukunft will sich die DKP mit Angriffen gegen die Gewerkschaften wie bisher zur\u00fcckhalten, um nicht in das gewerkschaftsfeindliche Lager abgedr\u00e4ngt zu werden. Das schlie\u00dft jedoch Angriffe gegen einzelne Gewerkschaftsf\u00fchrer, die die DKP als \"rechte\" Sozialdemokraten ansieht, nicht aus. 2.3 Betriebsarbeit Als das \"entscheidende Kampffeld der Auseinandersetzungen zwischen Kapital und Arbeit\" gelten f\u00fcr die DKP nach wie vor die 57","Betriebe, in denen sie die Arbeiter als B\u00fcndnispartner zu gewinnen hofft. So hat die DKP auch 1973 die Betriebsgruppen als ihre wichtigsten Organisationen herausgestellt. Sie erkl\u00e4rte, von der T\u00e4tigkeit der Betriebsgruppen h\u00e4nge der politische und ideologische Einflu\u00df der Partei auf die Arbeiter und Angestellten ab. In den Betrieben entscheide sich, ob der Arbeiter dem \"Opportunismus rechter SPD-F\u00fchrer\" oder der \"sozialen Demagogie der CDU/CSU\" erliege oder sich f\u00fcr die von der DKP vertretenen Klassenpositionen entscheide. Aber die DKP hat trotz st\u00e4ndiger Bem\u00fchungen, neue Betriebsgruppen zu bilden und f\u00fcr sie weitere Mitglieder zu werben, die Zahl ihrer Betriebsgruppen im Jahre 1973 kaum erh\u00f6hen und die auf dem 2. Parteitag (November 1971) genannte Zahl von 408 immer noch nicht erreichen k\u00f6nnen. Die Tatsache, da\u00df die DKP auf ihrem Hamburger Parteitag nicht bekanntgegeben hat, wieviele Betriebsgruppen sie unterh\u00e4lt, ist ein Anzeichen f\u00fcr die Stagnation der organisierten Betriebsarbeit. Das wird best\u00e4tigt durch interne \u00c4u\u00dferungen f\u00fchrender DKP-Funktion\u00e4re. Ebenso stagniert die Organisation der Zusammenarbeit zwischen Betriebsgruppen der DKP und Betriebsgruppen der \"Bruderparteien\" in multinationalen Konzernbetrieben der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft; sie ist in Ans\u00e4tzen steckengeblieben. Etwa die H\u00e4lfte der Betriebsgruppen befindet sich nach wie vor in Betrieben der Metallindustrie. Die Zahl ihrer Betriebsgruppen im \u00f6ffentlichen Dienst hat die DKP -- soweit bekannt -- von 20 im Jahre 1972 auf 25 erh\u00f6hen k\u00f6nnen. Wie in den vergangenen Jahren haben nur etwa 100 DKP-Betriebsgruppen gr\u00f6\u00dfere Aktivit\u00e4t entwickelt. Nach Angaben der DKP erscheinen in Gro\u00dfbetrieben der Bundesrepublik rund 360 Betriebszeitungen in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden (M. Kapluck: Betriebszeitungen, in: \"Probleme des Friedens und des Sozialismus\", 16. Jahrgang, Nr. 6 Juni 1973, S. 847 ff.). Die Betriebszeitungen sollen den Kampf um die betrieblichen Forderungen mit dem allgemeinen politischen Kampf verbinden. Im einzelnen haben sie die Aufgabe, betriebliche Mi\u00dfst\u00e4nde herauszustellen und Anregungen f\u00fcr die Entwicklung eigener Aktionen zu geben, z. B. durch Hinweise auf geeignete Kampfformen, die dem Bewu\u00dftseinsgrad und der Kampfbereitschaft der Belegschaft entsprechen. Die Betriebszeitungen sollen ferner anhand der konkreten betrieblichen Erfahrungen den \"grundlegenden Interessengegensatz von Arbeit und Kapital\" sichtbar machen und schlie\u00dflich die Errungenschaften der Arbeiterklasse in sozialistischen L\u00e4ndern den Ver58","M m B,Webeietojng Ausgabe Sept. 1973 roier DKPtairiltfint Vorlauf MiZJzmiE Wie lange will die VW-Konzernleitung uns noch an der Nase herumf\u00fchren ? Streik bei L\u00fcttgens - Unruhe in den Betriebe aaO D M Tauenjr.o\"iiHage \"Ind das Ergab\".\" der gezeigten Kampfiiereitachaft B e r e i t s i * Juni und J u l i vor unser*\" Urlaub f o r d e r t e n d l * Kolleginnen und Kollegen In \u00e4 sl*gachaftsver8aiinilungen und V e r t r a u e n a l e u t a a i t s u n - EI*\" 10\" B\"\"ajW<H (krF\"(tm) Limo*\" ** J ' *-----*\"**\" ***>*geu ener-giscn \"Ina Ausgleichstahlung f \u00fc r d i a inzwischen \u00fcber 8\" g e - B t\" MM M UM Arten Meae.. \"4>f(tm)\"\"i*i\"\"w>Mn*\" DOKUMENTATION ^^btoshhtt _ \" * Ofctobar j \".-..m Die D-H-Walze 8SLS8n ^ iss\" VVtrte Kollegen, =-^*.,\".-\"\".^.. . ^\"^,\",1 ....... Vertrauentleutekonlerenz fordert Abberufung des Arfawtlyn AG ^ w ^ \"\"fetaler Belegschaft will R\u00fccknahme ali; Mannesmann-K\u00fcndigungen s , ten u> M i t t \" , . \" r \" f ^ i \" * * ' - te toolietfi d u IC Mai dl in DuitSSssraw? dem Streik \" I n d , \" \" i n l o s s e n sich teSsstuM,\" ^ W ^ Voroi,. ,.(vrt><1t,r 3 \" . Sit U r a l , W e i J S : , \" 3 =degdegdegrMle- 1 JETZT DURCHSETZEN\" 300 DM TeUeru\"\"\"m\"c:\"iJ\"M*l. _ I B T T T Am Freilag sl * in\" Teuerung! Schon Anfang ten die Koller Streikagitation der DKP Inflotionaausgl ^^^^^^^^^^^^^(tm) Unruhe war dit nug in den letzten Wochen hingew.eeen Bei Jagenbarg 350,-DM Teuerungsworden. Nun entladt aich die Derechzuschlag, beim R\u00f6hrenwark Reiaholz ligle Emp\u00f6rung in spontanen Aktionen. Eige\"\" WER DIE PREISE TREIBT ARBEITER KONTRA STABILIT\u00c4T ' etiten Monaten trieben beaonOiejenigen.die in Oen letzten Monat. i_Konzama die Preise gerade 'n-K-chenhofle Profite *metrichen, y. seit dam sagenhaften Koraa-Boom","h\u00e4ltnissen in der Bundesrepublik Deutschland gegen\u00fcberstellen (M. Kapluck: Betriebszeitungen, a.a.O.). Die von der DKP genannte Zahl der Betriebszeitungen d\u00fcrfte zutreffen; jedoch werden wie bisher nur wenige Betriebszeitungen von den DKP-Betriebsgruppen selbst, die meisten von \u00fcbergeordneten Gliederungen herausgegeben. Die wilden Streiks in Betrieben der Metallindustrie in NordrheinWestfalen (August 1973) hat die DKP -- soweit bekannt -- in keinem Falle organisiert. Sie bem\u00fchte sich aber, durch Verbreitung von Flugschriften und m\u00fcndliche Agitation vor den Betrieben, die Streikaktionen zu beeinflussen. Dabei befand sich die DKP in einer schwierigen Lage: Einerseits hielt sie die wilden Streiks, die sich f\u00fcr die B\u00fcndnispolitik ausnutzen lie\u00dfen, f\u00fcr berechtigt und erkannte den z.T. beachtlichen Einflu\u00df von Gruppen der \"Neuen Linken\" auf ausl\u00e4ndische Arbeiter. Andererseits war die DKP darum bem\u00fcht, nicht in eine Frontstellung zu den Gewerkschaften zu geraten und ihnen gegen\u00fcber die bisher ge\u00fcbte Scheinsolidarit\u00e4t fortzusetzen. Bei den wilden Streiks im Saarbergbau (Ende Oktober), die die DKP ma\u00dfgeblich f\u00f6rderte, hat sie erstmals offen erkennbar dem B\u00fcndnis mit den Arbeitern den Vorrang vor der Scheinsolidarit\u00e4t mit den Gewerkschaften gegeben. Ihre Versuche, im Bundesgebiet durch Flugblattaktionen vor Zechen im Ruhrgebiet einen Solidarit\u00e4tsstreik f\u00fcr die Saarbergleute in Gang zu bringen, scheiterten aber. 2.4 \"Volksfronf'-Politik Auf ihrem Hamburger Parteitag erkl\u00e4rte die DKP, die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Bildung \"breiter B\u00fcndnisse\" seien g\u00fcnstiger geworden. Die aus der B\u00fcndnispolitik gewonnenen Erfahrungen m\u00fc\u00dften jetzt genutzt werden. Die DKP werde ihren B\u00fcndnispartnern zeigen, da\u00df sie \"ehrliche partnerschaftliche Zusammenarbeit\" wolle (Bericht des PV der DKP an den Hamburger Parteitag, S. 53). Damit sucht die DKP ein breiteres B\u00fcndnis mit Schichten der demokratischen Mitte, das \u00fcber die zu Sozialisten bestehende Aktionseinheit hinausgeht. Dieser \"Volksfronf'-Taktik entsprechend w\u00e4hlte die DKP als Plattform f\u00fcr gemeinsame Aktionen vor allem solche innenund au\u00dfenpolitische Forderungen, von denen sie annehmen konnte, da\u00df sie auch von Teilen demokratischer Parteien und Organisationen gebilligt w\u00fcrden. Dabei wurde sie von Fall zu Fall unterst\u00fctzt durch Hilfsorganisationen wie die \"Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten\", durch DKP-orientierte Vereinigungen wie die DFL), die \"Vereinigung Demokratischer Juristen\" 60","und \"Initiative Internationale Vietnam-Solidarit\u00e4t\", durch den \"Regionalausschu\u00df der Bundesrepublik\" der \"Christlichen Friedenskonferenz\", die oft au\u00dfenpolitische Forderungen der Sowjetunion vertritt, und durch andere Gruppen. So nutzten die DKP und ihre Hilfsorganisationen die Ablehnung des Ministerpr\u00e4sidentenbeschlusses \u00fcber Radikale im \u00f6ffentlichen Dienst durch Mitglieder demokratischer Parteien und Vereinigungen f\u00fcr eine bundesweite Kampagne gegen \"Berufsverbote\" aus. In dem \u00fcberregionalen Arbeitsausschu\u00df der Initiative \"Weg mit den Berufsverboten\" sind ebenso wie in \u00f6rtlichen Aussch\u00fcssen und Komitees neben Funktion\u00e4ren der DKP und ihrer Hilfsorganisationen Repr\u00e4sentanten demokratischer Parteien und Vereinigungen t\u00e4tig. Auf zahlreichen Veranstaltungen und in Schriften forderten sie die Aufhebung des \"Radikalen-Beschlusses\". Auch in ihrer Agitation gegen \"Imperialismus, Militarismus und Neokolonialismus\" sah die DKP ein Mittel f\u00fcr ihre Volksfrontbestrebungen: An der Kampagne gegen die amerikanische Kriegsf\u00fchrung in Indochina, die vor allem von der \"Initiative Internationale VietnamSolidarit\u00e4t\" (IIVS) organisiert wurde, in der neben orthodox-kommunistischen auch viele nichtkommunistische Gruppen und Personen mitarbeiten, beteiligten sich wieder viele Mitglieder demokratischer Parteien und Vereinigungen. Die Kampagne erreichte vor Abschlu\u00df des Vietnam-Abkommens (27. Januar) einen H\u00f6hepunkt mit einer Protestveranstaltung der IIVS am 20. Januar in Dortmund (14 000 Teilnehmer). Wie im Vorjahr stie\u00dfen die orthodox-kommunistischen Gruppen und ihre B\u00fcndnispartner jedoch auf die Konkurrenz von Gruppen der \"Neuen Linken\". Diese hatten beispielsweise bereits am 14. Januar in Bonn eine Protestdemonstration und zwei Kundgebungen gegen die amerikanische Kriegsf\u00fchrung in Indochina veranstaltet, an denen sich insgesamt 16 000 Personen beteiligten. Mit dem R\u00fcckzug der Amerikaner aus Vietnam ebbte die Agitation der DKP und der sie unterst\u00fctzenden Gruppen ab. Sie wurde abgel\u00f6st durch eine Kampagne gegen die Rolle, die die Bundesrepublik Deutschland in der \"imperialistischen Globalstrategie\" spiele. Tr\u00e4ger dieser Kampagne ist das im Mai gegr\u00fcndete \"Antiimperialistische Solidarit\u00e4tskortlitee f\u00fcr Afrika, Asien und Lateinamerika\" (ASK), das den gleichen Volksfrontcharakter aufweist wie die IIVS. Das ASK unterst\u00fctzte mit einem \"Internationalen Israel-Hearing\" am 15. Juni in Bonn die Befreiungsbewegung der Pal\u00e4stinenser. 61","Im Oktober appellierte es an die \u00d6ffentlichkeit, sich mit den \"verfolgten Demokraten\" in Chile zu solidarisieren. Die DKP und ihre Hilfsorganisationen nutzten ferner ebenso wie die SEW die Emp\u00f6rung nichtkommunistischer Kr\u00e4fte \u00fcber den Milit\u00e4rputsch in Chile f\u00fcr ihre B\u00fcndnispolitik. So beteiligten sich Gliederungen und Mitglieder demokratischer Organisationen wiederholt an Protestdemonstrationen orthodox-kommunistischer Gruppen wie auch an der Bildung von \"Solidarit\u00e4tskomitees\" oder duldeten die Teilnahme Linksradikaler an Protestdemonstrationen demokratischer Organisationen. In ihrem Kampf gegen den \"Antikommunismus\" wird die DKP neuerdings auch st\u00e4rker unterst\u00fctzt durch die Organisationen der Kriegsdienstgegner (\"Deutsche Friedensgesellschaft/Internationale der Kriegsdienstgegner\" (DFG/ldK), \"Verband der Kriegsdienstverweigerer\" (VK), die sich nach langen inneren Auseinandersetzungen als Teil der \"Friedensbewegung gegen Imperialismus, Militarismus und Kapitalismus\" betrachten. Die DFG/ldK hat sich von ihrem Grundgedanken, dem Pazifismus, praktisch gel\u00f6st durch Eintreten f\u00fcr einen revolution\u00e4ren Weg zu einem sozialistischen Gesellschaftssystem. Auch der VK ist, wie sein auf dem Bundeskongre\u00df im Oktober in Frankfurt angenommenes Programm zeigt, ins kommunistische Fahrwasser geraten. Als Erfolg ihrer Volksfrontpolitik wertete die DKP auch die Teilnahme von Vertretern kommunistischer, prokommunistischer und demokratischer Organisationen sowie bekannter Pers\u00f6nlichkeiten des \u00f6ffentlichen Lebens am \"Weltkongre\u00df der Friedenskr\u00e4fte\" Ende Oktober 1973 in Moskau. In der Bundesrepublik konstitutierte sich am 21. November eine zentrale Koordinierungsgruppe, die die Verwirklichung der Beschl\u00fcsse des \"Weltfriedenskongresses\" in der Bundesrepublik einleiten soll. Diese Aktivit\u00e4t richtet sich unter Ausnutzung des Friedensund Entspannungswillens breiter Bev\u00f6lkerungskreise auf einen Ausbau von Volksfrontb\u00fcndnissen. 3. Jugendund Studentenarbeit Die DKP st\u00fctzt sich bei ihrer Jugendund Studentenarbeit unver\u00e4ndert auf die \"Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend\" (SDAJ) und auf den \"Marxistischen Studentenbund Spartakus\" (MSB). Beide Organisationen haben sich auch 1973 zu den Grunds\u00e4tzen und Zielen der DKP bekannt. Die DKP erkl\u00e4rte, trotz \"antikommunistischer Verleumdung\", trotz \"reaktion\u00e4rer Volksverdummung\" in Schulen und Universit\u00e4ten wachse die politische Aktivit\u00e4t der Jugend. Aus spontanen Soli62","darit\u00e4tsaktionen sei eine zunehmende Bereitschaft entstanden, am \"organisierten und koordinierten Kampf der Arbeiterbewegung\" teilzunehmen. Daran h\u00e4tten SDAJ und MSB einen \"hervorragenden Anteil\" (Bericht des PV der DKP an den Hamburger Parteitag, S. 48). Um k\u00fcnftig auch Kinder politisch zu beeinflussen, beschlo\u00df der Hamburger Parteitag der DKP, eine \"Kinderorganisation\" zu bilden, deren Gr\u00fcndung bevorsteht. 3.1 Jugend Bei der Vorbereitung ihres Parteitages versuchte die DKP mit Unterst\u00fctzung der SDAJ erneut, sich in der \u00d6ffentlichkeit als Sachwalter der Interessen der Jugend darzustellen. Zu diesen Bem\u00fchungen geh\u00f6rte die \"Arbeiterjugendkonferenz der DKP\" in Frankfurt/Main (13. Oktober) unter dem Leitwort: \"Mit den Kommunisten f\u00fcr die Rechte der Jugend -- F\u00fcr Mitbestimmung und bessere Berufsausbildung der Arbeiterjugend\". Die SDAJ agitierte weiterhin vor allem unter Lehrlingen und Jungarbeitern, veranstaltete \"Tribunale\" gegen Konzerne, griff mit der Aktion \"Roter Kuckuck\" vorwiegend Mi\u00dfst\u00e4nde in der Wirtschaft an und f\u00fchrte eine Kampagne f\u00fcr vermehrte Rechte der Jugendvertreter in den Betrieben. Ferner organisierte sie Demonstrationen gegen den Staatsstreich in Chile. Um ihre politische Arbeit unter Sch\u00fclern zu verbessern und zu koordinieren, wurde im Sommer 1973 ein \"Arbeitskreis Sch\u00fcler beim Bundesvorstand der SDAJ\" gebildet, in dem \"fortschrittliche\" Sch\u00fclergruppen korporativ Mitglied der SDAJ werden k\u00f6nnen. Nach Angaben der SDAJ hatten sich diesem Arbeitskreis bis zum Jahresende 22 Gruppen angeschlossen. Im Herbst begann die SDAJ, \"Clubs Junger Sozialisten\" zu gr\u00fcnden, die vor allem Jugendlichen aus anderen Jugendgruppen die M\u00f6glichkeit bieten sollen, sich marxistisches Grundwissen anzueignen. Ein Schwerpunkt der Arbeit der SDAJ waren die Vorbereitungen f\u00fcr die \"X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten\" (28. Juli bis 5. August in Ostberlin), an denen auch eine Delegation der Jugendverb\u00e4nde der Bundesrepublik Deutschland (etwa 800 Personen) teilnahm. Dabei arbeiteten der kommunistische \"Arbeitskreis Festival\", dem die SDAJ angeh\u00f6rt, und die von demokratischen Jugendverb\u00e4nden gebildete \"Koordinierungsgruppe X. Weltfestspiele\" zusammen. Neben dem offiziellen SDAJ-Kontingent fuhren zahlreiche kommunistische Jugendund Studentenfunktion\u00e4re nach Ostberlin; sie halfen der FDJ, den Angeh\u00f6rigen demokratischer Gruppen aus 63","der Bundesrepublik bei Stra\u00dfendiskussionen entgegenzutreten und von diesen verteilte Schriften einzusammeln. Die SDAJ wurde andererseits von Funktion\u00e4ren der Festspielleitung und der FDJ unterst\u00fctzt und bem\u00fchte sich, die propagandistische Ausstrahlung der Weltfestspiele zu nutzen, um f\u00fcr ihre Ziele zu werben und die gewonnenen Kontakte zu demokratischen Jugendgruppen im Sinne kommunistischer B\u00fcndnispolitik auszubauen. Diesem Zweck dienten zahlreiche Veranstaltungen der SDAJ \u00fcber die \"Weltfestspiele\". Mit einer Kampagne \"SDAJ stellt vor: Festivalland DDR\" verherrlichte die SDAJ vor allem die Jugendpolitik der SED. Am 12. Oktober vereinbarte die SDAJ mit der \"Naturfreundejugend Deutschlands\" (NFJD), k\u00fcnftig \"bei Beachtung der vollen Autonomie\" noch besser zusammenzuarbeiten. In einigen NFJD-Leitungen sind Kommunisten (teils DKP-, teils SDAJ-Mitglieder) t\u00e4tig. Die Anstrengungen der SDAJ, in die Jugendringe von Bund, L\u00e4ndern und Gemeinden aufgenommen zu werden, hatten teilweise Erfolg. Die SDAJ war Ende 1973 Mitglied in 41 (1972: 32) Kreisoder Stadtjugendringen. Anmerkung: Die Gesamtzahl der Jugendringe wird auf etwa 500 gesch\u00e4tzt. Die Mitgliedschaft der SDAJ in Landesjugendringen blieb auf Hamburg, Bremen und Saarland beschr\u00e4nkt. Einen Aufnahmeantrag f\u00fcr den Bundesjugendring lehnte dessen Vollversammlung Ende 1973 zum sechsten Mal seit 1968 ab. 3.2 Studentenarbeit Die 44 Hochschulgruppen der DKP (1972: 40) haben ihre interne Parteiarbeit fortgesetzt. Durch ihre Mitglieder im MSB -- etwa ein F\u00fcnftel der MSB-Mitglieder geh\u00f6rt der DKP an - leiten die Hochschulgruppen die Aktivit\u00e4ten dieses Verbandes, um die Ziele der DKP in der Studentenschaft zu verwirklichen. Der MSB konnte durch intensive Schulung und Kontrolle seine ideologische und organisatorische Geschlossenheit weiter festigen. Der 2. Bundeskongre\u00df des MSB (19. bis 22. Februar in Hamburg) verabschiedete ein Aktionsprogramm \"F\u00fcr das gemeinsame Handeln der Studenten\", auf dessen Grundlage der MSB seine Anstrengungen verst\u00e4rkte, die Studentenschaft f\u00fcr seine Ziele zu mobilisieren. Das \"Aktionsprogramm\" fordert die Studenten auf, sich den Marxismus als \"Anleitung zu revolution\u00e4rem Handeln\" anzueignen. Der MSB h\u00e4lt seine Mitglieder an, sich in der Gewerkschaft \"Erziehung und Wissenschaft\" (GEW) zu organisieren. Das hat ihm in einigen Gliederungen der GEW Einflu\u00df verschafft und zu gewerkschaftsinternen Auseinandersetzungen gef\u00fchrt. 64","Die sogenannte \"gewerkschaftliche Orientierung\" und das verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig disziplinierte Auftreten des MSB haben mit dazu beigetragen, da\u00df der Verband bei den Wahlen zu den Studentenvertretungen weitere Erfolge erringen konnte. Das B\u00fcndnis des MSB mit dem SHB (vormals: \"Sozialdemokratischer Hochschulbund\"), der sich seit seiner 14. Bundesdelegiertenversammlung (November 1973) \"Sozialistischer Hochschulbund\" nennt, wurde fortgesetzt. Es st\u00e4rkte den MSB. Der SHB, dessen Mitgliederzahl bei etwa 3000 stagniert und dessen aktive Hochschulgruppen sich auf 48 (1972: 61) verringert haben, versteht sich als marxistischer \"Kampfverband\". Er tritt \"auf der Grundlage des wissenschaftlichen Sozialismus\" f\u00fcr die \"sozialistische Umgestaltung\" der Bundesrepublik Deutschland ein. Die letzte Bundesdelegiertenversammlung des SHB fa\u00dfte Beschl\u00fcsse, nach denen im \"antimonopolistischen Klassen k\u00e4mpf\" Positionen errungen werden sollen, von denen aus im Wechsel mit dem \"Maskenkampf\" im \"konzentrischen Angriff nach der \u00f6konomischen, politischen und ideologischen Seite\" der Sozialismus erk\u00e4mpft werden k\u00f6nne. Solche Aussagen und das tats\u00e4chliche Verhalten des SHB, der 1973 mit dem Zentralrat der FDJ und mit dem Pr\u00e4sidium des sowjetischen Studentenrates eine engere Zusammenarbeit vereinbarte, zeigen seine politisch-ideologische N\u00e4he zum MSB. Jedenfalls sind diese Tendenzen im SHB zur Zeit gegen\u00fcber den Vorstellungen einer Minderheit demokratisch eingestellter Gruppen herrschend geworden. Gleichwohl erkl\u00e4rte der SHB auf seiner Bundesdelegiertenversammlung, er halte an seinem Anspruch fest, \"Teil der sozialdemokratischen Bewegung\" zu sein. Die Delegierten verabschiedeten dazu ein \"7-Punkte-Programm\", mit dem sie eine \"antikapitalistische Politik der sozialistischen Kr\u00e4fte\" in der SPD unterst\u00fctzen wollen. MSB Spartakus und SHB bestimmen auch weiterhin -- neuerdings gemeinsam mit einigen Hochschulgruppen der \"Jungsozialisten\" -- die politische Linie des \"Verbandes Deutscher Studentenschaften\" (VDS), dessen Vorstand sich aus je zwei Mitgliedern des MSB und des SHB sowie einem \"Jungsozialisten\" zusammensetzt. Die 25. ordentliche Mitgliederversammlung des VDS (22. bis 25. M\u00e4rz 1973 in Bonn) forderte in einem Aktionsprogramm: Kampf gegen die Hochschulgesetze von Bund und L\u00e4ndern Kampf gegen die \"materielle Bildungsmisere\" Kampf gegen \"Berufsverbote\" und \"politische Disziplinierung\". 65","Der VDS vertiefte die in den Vorjahren begr\u00fcndeten Verbindungen zu kommunistischen Organisationen, insbesondere aus der DDR und der Sowjetunion, und beteiligte sich im Rahmen des orthodoxkommunistischen \"Arbeitskreises Festival\" an den \"Weltjugendfestspielen\" in Ostberlin. In Berlin haben die Hochschulgruppen der \"Sozialistischen Einheitspartei Westberlins\" (SEW) und die von ihnen gelenkten \"Aktionsgemeinschaften von Demokraten und Sozialisten\" (ADS) ihren Einflu\u00df an den Hochschulen weiter ausgebaut. Die Hochschulgruppen der SEW haben an den drei bedeutendsten Hochschulen Berlins \u00fcber 600 Mitglieder, die ADS etwa 1000. Die Bem\u00fchungen von MSB und SHB, auch im \"Verband der Studentenschaften an den Fachhochschulen und den h\u00f6heren Fachschulen\" (SVI) den vorherrschenden Einflu\u00df der \"Neuen Linken\" zu brechen und selbst die F\u00fchrung zu \u00fcbernehmen, blieben dagegen erfolglos. 4. Propaganda und Schulung Die DKP sieht in der ideologischen Arbeit, d. h. der Verbreitung der kommunistischen Weltanschauung, der \"politisch-ideologischen Festigung aller Mitglieder\" sowie in der \"k\u00e4mpferischen Auseinandersetzung mit allen Spielarten der b\u00fcrgerlichen Ideologie\" ein Kernst\u00fcck ihrer T\u00e4tigkeit. Dementsprechend hat sie ihre ideologische Arbeit intensiviert. 4.1 Das \"Institut f\u00fcr Marxistische Studien und Forschungen\" (IMSF) in Frankfurt/Main, das von dem Mitglied des DKP-Parteivorstandes Dr. Josef Schleifstein geleitet wird, hat auch 1973 seine Vierteljahresschrift \"Marxismus Digest\" mit theoretischen Beitr\u00e4gen aus marxistischen und \"antiimperialistischen\" Zeitschriften herausgegeben. Das IMSF hat ferner die Arbeit an einer umfangreichen Studie zur \"Klassenund Sozialstruktur der BRD 1950-1970\" fortgesetzt und den ersten Teil vorgelegt. An einer vom IMSF am 26727. 5. 1973 in Frankfurt/Main durchgef\u00fchrten wissenschaftlichen Tagung zum Thema \"Klassenstruktur und Klassenbewu\u00dftsein in der BRD\" haben etwa 500 Personen teilgenommen. Der kommunistische Verlag \"Marxistische Bl\u00e4tter\" hat 1973 sein Verlagsprogramm um zahlreiche Neuerscheinungen und eine Taschenbuchreihe (\"Blickpunkt Weltpolitik\" und \"Politik aktuell\") erweitert. Der Verlag hat wie bisher die meisten Neuerscheinungen - darunter die Taschenbuchreihe -- von Verlagen der UdSSR und der DDR \u00fcbernommen. 66","Die im Verlag \"Marxistische Bl\u00e4tter\" erscheinende gleichnamige Zweimonatsschrift, die als theoretisches Organ der DKP anzusehen ist, hat ihre Auflage von 8000 im Vorjahr auf 9000 erh\u00f6ht. Die Zeitschrift nimmt nach Ansicht der DKP \"einen wichtigen P l a t z . . . an der ideologisch-theoretischen Front\" ein. Sie versteht es immer besser, erkl\u00e4rte die DKP, neue theoretische Probleme aus marxistischer Sicht zu er\u00f6rtern und die Theorie mit den aktuellen Anforderungen . . . , die der ideologische Klassenkampf stelle, aufs engste zu verbinden (Bericht des PV der DKP an den Hamburger Parteitag, S. 60 f.). 4.2 Die DKP hat bei ihren Bem\u00fchungen, die ihr geh\u00f6renden oder von ihr abh\u00e4ngigen Verlage, Buchhandlungen und Druckereien zu einem gewinnbringenden Dienstleistungsbetrieb zusammenzufassen, weitere Fortschritte erzielt. Die auf ihre Veranlassung aus der Vereinigung von \"Werbeund Literatur-Vertriebs GmbH\" und \"Br\u00fccken-Verlag GmbH\" hervorgegangene \"Br\u00fccken Verlag Vertriebs GmbH Imund Export\" in D\u00fcsseldorf beliefert die etwa 40 in St\u00e4dten mit Universit\u00e4ten, Hochund Fachschulen eingerichteten kommunistischen \"collectiv\"-Buchhandlungen mit Literatur aus der DDR und der Sowjetunion. Sie vertreibt au\u00dferdem die Erzeugnisse der von der DKP abh\u00e4ngigen oder ihr nahestehenden 15 Verlage, deren Leiter sich mit denen der \"collectiv\"-Buchhandlungen bereits 1969 zu einer \"Arbeitsgemeinschaft sozialistischer und demokratischer Verleger und Buchh\u00e4ndler\" zusammengeschlossen haben. Dieser Arbeitsgemeinschaft, die von dem Mitglied des Parteivorstandes Erich Mayer geleitet wird, geh\u00f6ren u. a. die Verlage Weltkreis/Dortmund, Pl\u00e4ne/Dortmund, Pahl-Rugenstein/K\u00f6ln, R\u00f6derberg/Frankfurt a. M., Nachrichten/ Frankfurt a. M. und Marxistische Bl\u00e4tter/Frankfurt a. M. an. Die Arbeitsgemeinschaft hat in einer Information \"betrifft: literatur\" erkl\u00e4rt, sie leiste \"einen bedeutenden Beitrag zur ideologisch-politischen St\u00e4rkung der marxistisch-leninistischen Partei und der Gewinnung der Massen f\u00fcr die Ziele der Demokratie, des Friedens und des Sozialismus\". Mit der Firma Plambeck & Co., fr\u00fcher Neum\u00fcnster, die in Neu\u00df/ Rhld. mit Millionenaufwand eine Gro\u00dfdruckerei mit modernen Druckmaschinen aus der DDR eingerichtet hat, verf\u00fcgt die DKP \u00fcber eine Druckerei, die au\u00dfer Parteischriften und -materialien gewinnbringende Auftr\u00e4ge von Handel und Industrie ausf\u00fchren kann. In dieser Druckerei werden seit dem 1. 10. 1973 die DKPTageszeitung \"Unsere Zeit\" und die gleichnamige DKP-Wochenzeitung hergestellt. 67","4.3 DKP und SDAJ haben auch 1973 am \"Franz-Mehring-Institut\" in Berlin (Ost), der von der SED f\u00fcr die DKP eingerichteten Parteischule, am \"Institut f\u00fcr Gesellschaftswissenschaften\" beim ZK der KPdSU und an der Hochschule des Leninschen kommunistischen Jugendverbandes der Sowjetunion (Komsomol) ihre Funktion\u00e4re ausbilden lassen. Nach Kaderentwicklungspl\u00e4nen haben 1973 mehr als 200 ausgew\u00e4hlte Mitglieder an drei-, sechsund zw\u00f6lfmonatigen Lehrg\u00e4ngen teilgenommen. Etwa 100 weitere Mitglieder und Funktion\u00e4re sind am \"Franz-Mehring-Institut\", etwa 900 an der Essener \"Karl-Liebknecht-Schule\" der DKP in einund mehrw\u00f6chigen Kursen in die Grundlagen des Marxismus-Leninismus eingef\u00fchrt worden. Die \"Marxistische Bildungsarbeit\" in den Grundeinheiten der DKP lag dagegen im argen. Die im \"Plan der Marxistischen Bildungsarbeit\" vorgesehenen Zirkel und Bildungsabende sind nur sporadisch durchgef\u00fchrt und schlecht besucht worden. Leitende Funktion\u00e4re haben das beklagt, weil dadurch der Einflu\u00df unter der Jugend, die von rechtsund linksopportunistischen Gruppen zunehmend \"desorientiert\" werde, nicht habe vergr\u00f6\u00dfert werden k\u00f6nnen. Die \"Marxistische Arbeiterbildung\" (MAB), eine Hilfsorganisation der DKP, hat die Schulungst\u00e4tigkeit ihrer etwa 80 Bildungsgemeinschaften im Jahre 1973 fortgef\u00fchrt aber nicht wesentlich verst\u00e4rken k\u00f6nnen. 5. Wahlergebnisse Die DKP hatte f\u00fcr die Kreistagswahlen in Baden-W\u00fcrttemberg (8. April 1973) nur in drei Landkreisen Kandidaten aufgestellt (E\u00dflingen, Emmendingen, Ortenaukreis). Im Landkreis E\u00dflingen gewann sie (Wahlliste \"Deutsche Kommunistische Partei -- Freie W\u00e4hlervereinigung E\u00dflingen\" - DKP/FWE) wie 1971 ein Mandat (14 336 Stimmen-1,13%). Bei den Kommunalnachwahlen f\u00fcr 177 Kreisund Gemeindevertretungen in Niedersachsen (25. M\u00e4rz 1973) kandidierte die DKP nur f\u00fcr die St\u00e4dtr\u00e4te und Kreistage in G\u00f6ttingen und Celle (Stimmenanteile zwischen 0,5% bis 0,9%). Sie erhielt kein Mandat. Auch bei den Kommunalnachwahlen f\u00fcr 23 Kreis-, Stadtund Gemeindevertretungen in Nordrhein-Westfalen (25. M\u00e4rz 1973), bei denen die DKP nur f\u00fcr die Stadtratswahlen in Bielefeld und Minden eigene Kandidaten aufstellte, gewann sie kein Mandat (Stimmenanteile 1,4% und 1,8%). Durch den Parteiaustritt von 43 Mitgliedern der DKP-Ortsgruppe Butzbach (Hessen) Ende Mai 1973 hat die DKP ihre 3 Mandate in der Stadtverordnetenversammlung Butzbach verloren. 68","Die DKP besitzt nunmehr 76 Mandate in 48 Kommunalparlamenten und einem Kreisparlament (1972: 79 Mandate in 49 Kommunalparlamenten und einem Kreisparlament), wie nachstehende \u00dcbersicht zeigt: Vertretung der DKP in Kreisund Kommunalparlamenten im Jahre 1973 Insgesamt CD * CD j . <i> arlarr eni arlam ent arlam ent CD 1 V- CD i nzahl T J CD C CD T J CD CD nzahl nzahl arlam anda anda anda emei anda *o co relstadtBundesland tt Q. < S CO Q. <S \u00fc ci <2 a. .> Bayern -- -- 2 2 3 3 5 5 Baden-W\u00fcrttemberg 1 1 5 6 2 2 8 9 Hessen -- -- 3 8 4 9 7 17 Nordrhein-Westfalen -- -- 1 2 1 2 2 4 Rheinland-Pfalz -- -- -- -- 7 9 7 9 Saarland - - 4 8 16 24 . 20 32 1 1 15 26 33 49 49 76 Anmerkung: Insgesamt gibt es etwa 600 Kreise und kreisfreie St\u00e4dte sowie rd. 22 000 Gemeinden mit entsprechenden Parlamenten. V. DDR-Aktivit\u00e4t in der Bundesrepublik Deutschland 1. Die SED hat wiederholt die These bekr\u00e4ftigt, in Deutschland gebe es zwei Nationen in Staaten unterschiedlicher Gesellschaftsordnung: Die sozialistische Nation in der DDR in \"un\u00fcberbr\u00fcckbarem Gegensatz\" zu der in der Bundesrepublik fortbestehenden kapitalistischen Nation (\"Neues Deutschland\", Nr. 75 vom 16. 3. 1973). Mit der Aufnahme beider deutscher Staaten in die UNO und der vertraglichen Sicherung der Grenzen sowie der Unverletzbarkeit des territorialen Status quo -- so erkl\u00e4rte Erich Honecker -- sei v\u00f6lkerrechtlich der \"Proze\u00df der Abgrenzung zwischen der DDR und der BRD ein f\u00fcr alle Mal vollzogen\". Eine Vereinigung der sozialistischen DDR und der kapitalistischen Bundesrepublik werde nie m\u00f6glich sein. Die Herstellung normaler oder gutnachbarlicher Beziehungen seien nur noch nach den Prinzipien der friedlichen Koexistenz m\u00f6glich, wobei sich die ideologische Auseinandersetzung verst\u00e4rke (\"Neues Deutschland\" Nr. 302 vom 1.11.1973). 69","Auch die These von der Identit\u00e4t der Bundesrepublik Deutschland mit dem ehemaligen \"Deutschen Reich\" ist nach Auffassung der SED mit Abschlu\u00df des Grundvertrages \"vollends ad absurdum\" gef\u00fchrt worden. Sowohl die DDR als auch die Bundesrepublik seien Staatennachfolger des fr\u00fcheren \"Deutschen Reiches\", erkl\u00e4rte Prof. Bertsch, Hauptabteilungsleiter im \"Institut f\u00fcr internationale Politik und Wirtschaft\" in Ostberlin (\"Stimme der DDR\", 4. 8.1973). 2. Die SED setzte trotz der Abgrenzungspolitik ihre \"Westarbeit\" fort. Mehr noch als im Vorjahr wurde dabei die Kooperation zwischen ihr und der DKP und deren Hilfsorganisationen sichtbar. Auf dem Hamburger Parteitag versicherte Kurt Hager (Mitglied des SED-Politb\u00fcros) als Leiter der SED-Delegation der DKP, allen K\u00e4mpfern gegen den Imperialismus geh\u00f6re immer die \"t\u00e4tige Solidarit\u00e4t\" der SED. Dementsprechend konzentrierte sich die SED auf folgende Schwerpunkte: Politische, ideologische und materielle Unterst\u00fctzung der DKP und ihrer Hilfsorganisationen; Selbstdarstellung der DDR, Aufkl\u00e4rung \u00fcber den \"Imperialismus der BRD\" und Vermittlung marxistischen Grundwissens auf Veranstaltungen in der DDR und im Bundesgebiet. Die Unterst\u00fctzung der DKP und ihrer Hilfsorganisationen vollzieht sich z. B. im Rahmen des \"Patenschaftssystems\" der SED, wonach jeweils SED-Bezirke DKP-Bezirke betreuen. Die DKP entsandte nach sorgf\u00e4ltig zwischen den Parteileitungen abgestimmten Programmen zahlreiche Delegationen in die DDR: DKP-Delegationen, Studiendelegationen mit DKP-Sympathisanten, Betriebsarbeiterdelegationen, Urlauberschulungen. Einige SED-Bezirksleitungen empfingen in der Regel jede Woche eine von der DKP zusammengestellte Delegation. 3. Die \"Freie Deutsche Jugend\" (FDJ) hat im Jahre 1973 offiziell \"Freundschaftsvertr\u00e4ge\" geschlossen mit der \"Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend\" (SDAJ), dem \"Marxistischen Studentenbund\" (MSB) und dem \"Sozialistischen Hochschulbund\" (SHB). Diese Vertr\u00e4ge regeln Ziele und Inhalt der Zusammenarbeit, die nach dem Freundschaftsvertrag mit dem MSB beispielsweise auf den Prinzipien des \"proletarischen Internationalismus\" beruhen. Der MSB wird danach Delegationen zu \"Informationsund Studienaufenthalten\" in die DDR entsenden, die dort die \"entwickelte sozialistische Gesellschaft\", die Jugendpolitik, das Bildungswesen und die Rolle der FDJ studieren sollen. 70","Die engen Verbindungen zwischen der DKP und ihren Hilfsorganisationen stellen sicher, da\u00df die Teilnehmer an Delegationsreisen in die DDR Mitglieder und Sympathisanten DKP-orientierter Gruppen sind oder, wenn sie demokratischen Gruppen angeh\u00f6ren, dem Sozialismus in der DDR aufgeschlossen gegen\u00fcberstehen. 4. Die DDR hat auch im Jahre 1973 Funktion\u00e4re mit politischen Auftr\u00e4gen in die Bundesrepublik entsandt. Es wurden 1680 erkannt (1972: 2148). Diese Zahl ist die niedrigste seit 1967 (damals waren 1350 Funktion\u00e4re erkannt worden). Sie erkl\u00e4rt sich haupts\u00e4chlich aus dem Bestreben der SED, den Einsatz ihrer Funktion\u00e4re mehr als bisher auf Zielgruppen zu konzentrieren, bei denen sie am ehesten die Heranbildung eines \"sozialistischen\" Bewu\u00dftseins erhoffen kann. Au\u00dferdem ist die DKP jetzt ausreichend konsolidiert, um zumindest einen Teil der politischen Bildungsarbeit selbst wahrnehmen zu k\u00f6nnen. Ferner ist das Interesse der SED, Funktion\u00e4re zu Veranstaltungen nicht DKP-orientierter Gruppen in der Bundesrepublik zu entsenden, erheblich gesunken, weil das Hauptziel, das bisher auf solchen Veranstaltungen propagiert worden war, die Anerkennung der DDR als Staat, inzwischen erf\u00fcllt ist. Wichtigste Zielgruppen der SED waren im Jahre 1973 die DKP und ihre Hilfsorganisationen, die Partner der FDJ-Freundschaftsvertr\u00e4ge und gewerkschaftliche Kreise. Zur DKP und ihren Hilfsorganisationen reisten mehr als 400 Funktion\u00e4re, also nahezu ein Viertel aller erkannten Funktion\u00e4re. Die meisten von ihnen hielten Vortr\u00e4ge in den Bildungseinrichtungen der DKP oder nahmen an Besprechungen mit Funktion\u00e4ren aus der Bundesrepublik teil. Etwa 140 Funktion\u00e4re kamen im Auftrag der FDJ. Sie reisten durchweg zu Veranstaltungen des MSB, der SDAJ oder sozialistisch orientierter nichtkommunistischer Jugendund Studentengruppen. Viele kamen im Rahmen der Freundschaftsvertr\u00e4ge, die zum Beispiel im Falle des MSB u. a. die Entsendung junger Wissenschaftler aus der DDR zu Vortr\u00e4gen in der Bundesrepublik vorsehen. Auch der FDGB entsandte rd. 140 Funktion\u00e4re. Sie konzentrierten sich darauf, Einzelgespr\u00e4che mit Gewerkschaftlern und Betriebsratsmitgliedern zu f\u00fchren und Verbindungen in gewerkschaftlichen Stellen auf Ortsoder Kreisebene auszubauen. Bem\u00fchungen von FDGB-Funktion\u00e4ren, offiziell als Gastredner zu Gewerkschaftsversammlungen eingeladen zu werden, scheiterten bisher. Die wenigsten DDR-Funktion\u00e4re geben bei der Einreise wahrheitsgem\u00e4\u00df an, in wessen Auftrag und mit welcher Aufgabe sie einreisen. Eine von Jahr zu Jahr steigende Zahl von Funktion\u00e4ren nennt als Auftraggeber Kulturoder Bildungseinrichtungen der 71","DDR. Viele geben auch vor, im Auftrag der \"Urania\", einer DDRGesellschaft \"zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse\" zu reisen. Insgesamt traten rund 1000 Funktion\u00e4re auf rund 800 Veranstaltungen auf. Viele von ihnen f\u00fchrten nebenher, andere ausschlie\u00dflich, teilweise geheime Gespr\u00e4che mit Personen, die in der Bundesrepublik f\u00fcr die SED politisch interessante Kontakte haben. VI. Die \"Neue Linke\" 1. Ideologie, organisatorische Entwicklung und allgemeines Verhalten 1.1 Ideologie Die ideologische Ausrichtung der \"Neuen Linken\" hat sich im Jahre 1973 nicht ver\u00e4ndert: Die meisten Gruppen vertreten einen dogmatischen Marxismus-Leninismus und orientieren sich zudem an den Theorien Mao Tsetung's. Einige folgen den Lehren Stalin's oder Trotzki's. Die einzelnen Gruppen legen die kommunistischen Lehren aber sehr unterschiedlich aus. Andere Sozialrevolution\u00e4re Ideologien haben weiter an Bedeutung verloren. Gruppen der \"Neuen Linken\" wenden sich scharf gegen den sowjetischen Kommunismus und seine deutschen Anh\u00e4nger: SED, DKP und SEW. Sie werfen ihnen vor, die Revolution verraten und sich mit der \"Bourgeoisie\" ausges\u00f6hnt zu haben. 1.2 Organisatorische Entwicklung Der Konzentrationsproze\u00df innerhalb der \"Neuen Linken\" hat sich 1973 fortgesetzt. Nunmehr dominieren drei maoistisch orientierte Gruppen, die \u00fcber Untergliederungen in mehreren Bundesl\u00e4ndern verf\u00fcgen: die \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD), die Fraktion \"Roter Morgen\" der \"Kommunistischen Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten\" (KPD/ML) und der im Sommer 1973 gegr\u00fcndete \"Kommunistische Bund Westdeutschland\" (KBW). 1.2.1 Die KPD, die nach wie vor die Zusammensetzung ihrer zentralen und regionalen Leitungen und Teile ihres Parteilebens geheim h\u00e4lt, bildete Anfang 1973 neben dem bereits bestehenden Zentralkomitee ein \"Politb\u00fcro\" als F\u00fchrungsinstanz. Leitende Parteifunktion\u00e4re sind 72","J\u00fcrgen Horlemann, Christian Semler und Maria Bergmann. Sie verf\u00fcgt \u00fcber vier Regionalkomitees (Berlin, Hamburg, Nordw\u00fcrttemberg/Nordbaden und Rhein/Ruhr), und baut in Hessen ein f\u00fcnftes auf. Neben \"Zellen\" in Stadtteilen und Betrieben (Grundorganisationen) entstanden \u00fcber 20 straff organnisierte \"Rote Fahne Freundeskreise\" (benannt nach dem Zentralorgan der KPD \"Rote Fahne\"), denen die engeren \"Sympathisanten\" angeh\u00f6ren. Die Zahl der Kandidaten und Mitglieder der KPD erreichte sch\u00e4tzungsweise 700. Die Zahl der Mitl\u00e4ufer ist erheblich h\u00f6her, was sich z. B. bei zentralen Kundgebungen der KPD zeigte, f\u00fcr die sie bis zu 5000 Personen mobilisieren konnte. Die KPD versteht sich als disziplinierte \"Kaderpartei\". Sie bezeichnet die Bundesrepublik Deutschland als \"verbrecherischesSystem\", das sie mit der \"Gewalt des Volkes\" zertr\u00fcmmern will (Flugblatt des ZK der KPD vom Oktober 1973). Bei ihrer nach au\u00dfen gerichteten politischen Arbeit bedient sie sich vieler Hilfsorganisationen, die Aktionen organisieren, w\u00e4hrend sich die Partei in der Regel im Hintergrund h\u00e4lt. Bei besonderen Anl\u00e4ssen gr\u00fcnden und steuern Hilfsorganisationen \u00f6rtliche und zentrale \"Komitees\", so 1972 das \"Nationale Vietnamkomitee\", das auch 1973 -- zeitweise mit fast 100 \u00f6rtlichen Aussch\u00fcssen -- arbeitete. 1973 wurden u. a. Komitees \"H\u00e4nde weg von der KPD\", \"Arbeiterjugend\" oder \"Studenten gegen politische Entlassungen und Gewerkschaftsausschl\u00fcsse\", \"Komitee zur Unterst\u00fctzung der k\u00e4mpfenden V\u00f6lker im Nahen und Mittleren Osten\" gebildet. Die wichtigsten Hilfsorganisationen, die bereits in den Vorjahren gegr\u00fcndet worden waren, setzten ihre T\u00e4tigkeit verst\u00e4rkt fort: \"Kommunistischer Jugendverband\" (Organ: \"K\u00e4mpfende Jugend\"); \"Kommunistischer Studentenverband\" (Organ: \"Dem Volke dienen\"), der mit seinen sch\u00e4tzungsweise 1100 Mitgliedern dem KJV untersteht, \"Kommunistischer Obersch\u00fclerverband\" (Organ: \"Schulkampf\"), der ebenfalls dem KJV untersteht, \"Liga gegen den Imperialismus\" (Organ: \"Internationale Solidarit\u00e4t\"). Als neue Hilfsorganisation entstand im September 1973 die \"Rote Hilfe e.V.\", Sitz Dortmund, die die Aufgabe hat, Rechts-, Haftund materielle Hilfe zu leisten. Ihr Versuch, andere \u00f6rtliche \"Rote-Hilfe\"-Gruppen f\u00fcr einen Anschlu\u00df zu gewinnen, scheiterte. Die KPD versucht mit ihren zahlreichen Schriften, ihren vielen Hilfsorganisationen und mit \u00f6rtlichen Aktionen, an denen sich viele 73","ausw\u00e4rtige Anh\u00e4nger beteiligen, den Anschein einer tats\u00e4chlich nicht vorhandenen Breite und St\u00e4rke zu erwecken. Die KPD und einige ihrer Hilfsorganisationen haben ihre internationalen Verbindungen zu gleichgesinnten Gruppen in westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern ebenso ausgebaut wie zu den Befreiungsbewegungen der Dritten Welt und nordkoreanischen und vietnamesischen Stellen. Der Beschlu\u00df des Bundesgerichtshofs vom 10. 1. 1974, die Eigenschaft der KPD als einer politischen Partei k\u00f6nne nicht mit ausreichender Sicherheit verneint werden, veranla\u00dfte die Partei zu der Erkl\u00e4rung, die Bourgeoisie wage es nicht, die marxistisch-leninistischen Kr\u00e4fte zu verbieten (Pressemitteilung vom 10.1.1974). 1.2.2 Die organisatorische Entwicklung der Fraktion \"Roter Morgen\" (RM) und KPD/ML (Zentralorgan: \"Roter Morgen\") und ihrer Jugendgruppe \"Rote Garde\" wurde beg\u00fcnstigt durch den v\u00f6lligen Verfall der Konkurrenzfraktion \"Rote Fahne\" der KPD/ML und ihrer Jugendorganisation, \"Kommmunistischer Jugendverband Deutschlands\" (KJVD). Der von ihrem Gr\u00fcnder Ernst Aust gef\u00fchrten KPD/ ML (RM) ist es gelungen, einen Teil der Gruppen, Mitglieder und Anh\u00e4nger der zerfallenen Fraktion in die KPD/ML (RM) einzugliedern. Es gibt im \u00fcbrigen Anzeichen daf\u00fcr, da\u00df das Verm\u00f6gen der Fraktion \"Rote Fahne\" auf die KPD/ML (RM) \u00fcbergegangen ist. Sie ist damit wieder zur st\u00e4rksten Gruppe der KPD/ML geworden und hatte Ende des Jahres 1973 sch\u00e4tzungsweise 700 Mitglieder, denen etwa 300 weitere Mitglieder der \"Roten Garde\" hinzuzurechnen sind. Die von der KPD/ML (RM) propagierte Vereinigung aller \"Marxisten-Leninisten\" in der KPD/ML ist aber ausgeblieben. Die Zentrale der KPD/ML (RM), die von einem Pr\u00e4sidium und einem Zentralkomitee geleitet wird, befindet sich im Ruhrgebiet (fr\u00fcher: Hamburg). Die \"Partei\" verf\u00fcgt in vielen St\u00e4dten \u00fcber Ortsgruppen und St\u00fctzpunkte sowie Gruppen in einigen Betrieben. Wie die KPD h\u00e4lt auch die KPD/ML weiterhin die Zusammensetzung ihrer Leitungsgremien ebenso geheim wie wesentliche Teile ihrer innerorganisatorischen Arbeit. Sie verpflichtet ihre Mitglieder, konspirativ zu arbeiten, und propagiert offen revolution\u00e4re Gewalt. Nach den Richtlinien ihrer F\u00fchrung d\u00fcrfen Gruppen der KPD/ML (RM) \"Aktionseinheiten\" mit anderen maoistischen Organisationen eingehen. Dementsprechend beteiligten sich Anh\u00e4nger der KPD/ML (RM) wiederholt an Demonstrationen der KPD und ihrer Hilfsorganisationen. 74","nVolke diene Ffm. 15.12.: Solidarit\u00e4tsfest f\u00fcr Vii Proletarier aller L\u00e4nder und unterdr\u00fcckte V\u00f6lker, vereinig ran des Kommunistisi R O T E FAHN ZENTRALORGAN DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI DEUTSCHLAND 4. Jg./Nr. SO 12.12.1973 0,40 DM WOCHENZEITUNG f\"\"\" ***\"*\" **\"urmannahmen der Brandt-Rc \"\"\"\"\"W-UMI.-\",. 1-^ \u00fcr die Monopc Steuern, w i N h Anwendung von SS 7b, KonD\" Kapiusa Mn NchtOM\", Fahrverbote, \"inen kalten Winter! ** 1 *- *deg11 idl-Regierung k\u00f6nnen den Gang des kapilaliVBBUMBK(tm), erbot des KSV! f\\Wfffffl#fEUR7ff\"MC; K U - h j f l L J . <IM \"\"\"*\"* Vfrt\" dn KSV. Mt EICKE, *(tm)(tm) (tm) * d K l f PS - J ^ *\" A I t * - * C1SNU. o* AASTE,fe*\"*\"*\"> *\" V * ^ f c f c l ^ B \" - * - , t - \"d A k \" * - ^ , . W r t P \" H ,M UV (tm) .\"\"\">.* fiaSB\u00e4p i *****.*.******Y.Wr.Y.v.-.-.-.-.w.wm.. *, * * ZENTRALORGAN DES KOMMUNISTISCHEN JUGENDVERBANDES - K . H JUGENDORGANISATION DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI DEUTSCHLANDS; in Zukunft alle14Tage\\ U*e\" /es\" Sundes n * * m m NISTISCHE JUGE HI ZIEL: BERUFSARMEE J * ? * \u00c4 TAT . ,t 5Cflrif#' -i ni HJU\" IIJTIUTI Fukfrncb< Er,n*iel>runt*ii h j \"\"'WIAUSM\u00dcS Oktober V .\"rterdrBAteVMI.er, vereinig. Euch! ' : Rote. Korrespondenx Spendet f\u00fcr die N0 \"nam-Hilfe \"Alles f\u00fcr den sieo.. \"'Sfert \u00e4Jl & WET i^L E '^**2l \"","Neben der Fraktion \"Roter Morgen\" hat innerhalb der KPD/ML nur noch die vor allem in Berlin t\u00e4tige Fraktion \"Neue Einheit\" eine gewisse Bedeutung. 1.2.3 Zum \"Kommunistischen Bund Westdeutschlands\" (KBW) schlossen sich im Juni 1973 in Bremen die \"Kommunistischen B\u00fcnde\" Bremen, G\u00f6ttingen, Osnabr\u00fcck, Wolfsburg, die \"Kommunistische Gruppe (Neues Rotes Forum)\" Heidelberg/Mannheim und der \"Bund Kommunistischer Arbeiter\" Freiburg zusammen. Weitere zwanzig kleine \u00f6rtliche Gruppen gliederten sich im Laufe des Jahres als Ortsund Ortsaufbaugruppen in den KBW ein, andere streben als Sympathisantengruppen ihre Aufnahme an. Am Jahresende hatte der KBW etwa 900 Mitglieder. F\u00fchrend im KBW ist HansGerhard Schmierer (genannt \"Joscha\"). In seinem Programm erkl\u00e4rt der KBW, er verfolge als Endziel die \"klassenlose Gesellschaft\", die nur \u00fcber die Revolution erreicht werden k\u00f6nne. Unerl\u00e4\u00dfliche Vorbedingung sei die \"Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparates und die Errichtung der proletarischen Diktatur\". Solange die \"Bourgeoisie\" \u00fcber bewaffnete Kr\u00e4fte verf\u00fcge, werde das \"Proletariat\" die politische Macht \"mit Waffengewalt\" erk\u00e4mpfen m\u00fcssen. Der KBW propagiert seine Ziele und Methoden im alle zwei Wochen erscheinenden Zentralorgan \"Kommunistische Volkszeitung\" (Auflage 35 000) und in seiner theoretischen Zeitschrift \"Kommunismus und Klassenkampf\". Er betreibt im Gegensatz zu vielen anderen Gruppen der \"Neuen Linken\" eine sehr gr\u00fcndliche theoretische Diskussion. Die Gruppen, die sich dem KBW angeschlossen haben, stellten eigene Publikationen ein und vertreiben nur noch die Bl\u00e4tter des KBW. Die Jugendund Studentengruppen der im KBW zusammengeschlossenen Vereinigungen, die insgesamt etwa 1400 Mitglieder haben, bestanden Ende des Jahres fort. Der KBW und seine Hilfsorganisationen erw\u00e4gen aber die Gr\u00fcndung eines \"Kommunistischen Studentenbundes\" und eines kommunistischen Jugendverbandes. Der KBW hat wegen seiner Aufbauarbeit erst Ende des Jahres begonnen, mit Aktionen an die \u00d6ffentlichkeit zu treten. 1.2.4 Am 27. Mai 1973 vereinigten sich in Regensburg die ebenfalls maoistisch orientierten \"Arbeiter-Basisgruppen\" M\u00fcnchen und die \"Sozialistischen Betriebsgruppen\" Regensburg, Weiden, Passau und Alt-\u00d6tting zum \"Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD\" 76","(Zentralorgan: \"Kommunistische Arbeiterzeitung\"), dem sich die M\u00fcnchener \"Projektgruppe Medizin\" anschlo\u00df. Leitende Funktion\u00e4re sind Helge Sommerrock und Thomas Schmitz-Bender. In seinem Programm bekennt sich der \"Arbeiterbund\" zur sozialistischen Revolution und zur Diktatur des Proletariats. Der \"Kommunistische Arbeiterbund Deutschlands\" (KABD) will eine revolution\u00e4re Partei schaffen, um auf der Grundlage der \"Lehren von Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao Tsetung\" die \"Diktatur des Proletariats\" zu errichten. Aktivit\u00e4ten entfaltete der KABD bisher vorwiegend in Bayern, Baden-W\u00fcrttemberg und im Saarland. Ihm angeschlossen sind der \"Revolution\u00e4re Jugendverband Deutschlands\" (RJVD) und die \"Kommunistischen Studentengruppen Marxisten-Leninisten\" (KSDJML). 1.2.5 Der 1971 in Hamburg gegr\u00fcndete \"Kommunistische Bund\" (KB), dem sich Gruppen aus Norddeutschland, Berlin und Frankfurt angeschlossen hatten, hat seine Organisation nicht ausdehnen k\u00f6nnen. Seine \u00fcber\u00f6rtliche Aktivit\u00e4t ersch\u00f6pft sich in der Verbreitung seiner Monatszeitung \"Arbeiterkampf\" und seiner theoretitischen Schrift \"Unser Weg\", die im Hamburger Verlag des KB \"Arbeiterkampf\" erscheinen. Der \"Sozialistische Studentenbund\" und der \"Sozialistische Sch\u00fclerbund\" unterst\u00fctzten auch 1973 die politische Arbeit des KB, dessen Hamburger Gruppe sich auf die Arbeit in Betrieben konzentrierte. Dabei trat der KB daf\u00fcr ein, die Arbeiter mit den \"Problemen des bewaffneten Kampfes\" vertraut zu machen (\"Arbeiterkampf\" Nr. 35 vom 6.11.1973). 1.2.6 Die Zahl und Bedeutung der organisierten Trotzkisten hat sich 1973 nicht weiter entwickelt. Von den sch\u00e4tzungsweise 1000 aktiven Anh\u00e4ngern des Trotzkismus, die in zehn Vereinigungen organisiert sind, geh\u00f6ren allein etwa 600 der \"Gruppe Internationale Marxisten -- deutsche Sektion der IV. Internationale\" (GIM) an. F\u00fchrende Funktion\u00e4re sind Herwart Achterberg und G\u00fcnter Minnerup. Die GIM, die sich an der Jahreswende 1972/73 mit der \"Revolution\u00e4re Kommunistischen Jugend\" (RKJ) vereinigt hatte, wird von einem Politb\u00fcro und Zentralkomitee geleitet. Sie unterh\u00e4lt \u00fcber 30 Ortsgruppen und St\u00fctzpunkte (Zentralorgan: \"was tun\", Auflage etwa 7000 monatlich). Die GIM ordnet sich dem \"Vereinigten Sekretariat\" der \"IV. Internationale\" in Br\u00fcssel unter, in dem Ernest Mandel f\u00fchrend t\u00e4tig ist. Dessen \"Thesenentwurf zum 77","10. Weltkongre\u00df\" anerkennt sie als Arbeitsgrundlage. Darin werden der Aufbau von \"Kaderund Massenorganisationen\" gefordert und als wichtigste Aufgaben genannt: das planm\u00e4\u00dfige Eingreifen in alle gesellschaftlichen Konflikte und die Schulung zur \"bewaffneten Selbstverteidigung\" gegen die \"legale Gewalt\" (Polizei, Armee). Die GIM unterhielt weiterhin Verbindungen zu ausl\u00e4ndischen Trotzkisten-Gruppen. Sie veranstaltete nach dem Verbot der trotzkistischen \"Ligue Communiste\" durch die franz\u00f6sische Regierung (28. Juni) in sechs deutschen St\u00e4dten Solidarit\u00e4tskundgebungen. Ferner organisierte sie Veranstaltungen mit Vertretern der \"Irish-Republikanischen Armee\" (IRA) in T\u00fcbingen, K\u00f6ln, Braunschweig, Bremen und Hamburg. 1.2.7 Von den \u00fcber 30 meist sehr kleinen anarchistischen Gruppen arbeiteten nur wenige kontinuierlich; einige von ihnen gaben unregelm\u00e4\u00dfig periodische Schriften heraus. Die Zahl ihrer aktiven Anh\u00e4nger betr\u00e4gt etwa 500. Sie sind vor allem in Berlin, Frankfurt, K\u00f6ln, M\u00fcnchen und Wetzlar t\u00e4tig. Um die Zusammenarbeit zwischen den deutschsprachigen anarchistischen Gruppen zu verbessern, wurden acht \"Regionalkontaktstellen\" in der Bundesrepublik Deutschland und eine in der Schweiz eingerichtet. Die wesentlichen Impulse daf\u00fcr gingen von der Regionalkontaktstelle Wetzlar aus. Diese organisierte auch im Juni in Marburg den \"4. Bundeskongre\u00df der anarchistischen und r\u00e4tekommunistischen Gruppen im deutschsprachigen Raum\". Dort kam es jedoch zu keiner Verst\u00e4ndigung \u00fcber eine organisierte Zusammenarbeit. 1.2.8 Infolge der Konzentrationsbestrebungen ist die Zahl selbst\u00e4ndiger Gruppen der \"Neuen Linken\" zur\u00fcckgegangen. An den Hochschulen haben sich die meisten \"Roten Zellen\", Basis-, Projektgruppen und Kollektive aufgel\u00f6st und sind in den gr\u00f6\u00dferen kommunistischen Studentenorganisationen aufgegangen, vornehmlich im KSV und in Studentengruppen, die sich am KBW orientieren. 1.3 Allgemeines Verhalten der Gruppen der \"Neuen Linken\" Mit der zunehmenden Konzentration haben sich die politischen und ideologischen Auseinandersetzungen zwischen den Gruppen der \"Neuen Linken\" versch\u00e4rft. Mitunter kam es sogar zu T\u00e4tlichkeiten. Andererseits haben sich rivalisierende Vereinigungen auf der Grundlage einer \u00fcbereinstimmenden revolution\u00e4ren Strategie mehrfach zu gemeinsamen Aktionen zusammengefunden. 78","SB \"VEREINIGT tuen i *n^t(tm) wa t7i*iirf der Ra1\"\"\" ,11M(luItl^'''cWi*''^,l UITAR.ER A l l \" f * \" \" ,OIETAK,\" - Jett* \"\"LTLr-r\u00c4tf RoteSM^Fahw \" * ' * h '^ *. * '. \" - V \"\"tischen A-beUerbonde^Uc - *^~ T- -- \"~\"wu(tm)um\"\u00e4r\u00fcckteV\u00f6lker,ver\" _ _- ,^tanerallerL\u00e4nderundunterdr\u00fcckte Die 13 000 Bergleute iller i*cMi Saargruben standen v o m 2 3 b i t \" . . . \" i m Streik I h n Forderung: T e u a r u n g u u i t e e van 300 D M t o t o r t u n d 100 D M n natlieh i e November M i t machtigen D e m o m t u t i o n s m j s n und Kundgebungen i in Saarbr\u00fccken bewiesen in ihre Entschlotsentien, einen Ausgleich Hit die Ttue ' -- ' -- r w n n e h e n d \" \" dat Streik m i t einer Niederes*. Aber vial\" *ung t u e r k i m p f e n . Dennoch endete d a t ! \"*\"*IUI bl\u00e4st Seifenblasen ' Kumpel tagen sich; Eine Schlacht i ( t i w * t vetloran, \" D U <,..*.. ... berechtigten Forderungen geht weiter. Fut dia Arbeiter i m ganlen L a n d haben die Saarkumpal dia Zeichen g e t a u t : Jetc! gilt es. an dar Lohntront l u m Gegeriangrift gegen die Preitrreiber \u00fcbartueahtn. Hier dar Bericht unteres Korreipondenlen in ETV\"\"'11 * * - D \" | > I t j r (tm) , * \" a i l . A \" w \" . , M Lfc Saatbr\u00fccken. \" a. \" -- k iw-eu\u00fc lid,1t, e . GGiuM'RMen . l | i n . \"Aul necfi Starbrucktn\" rur t>\"iklio * --***\" htiRi dit LMunrj So ve 1,10 t u . \" kr W VOLK ;, M UNO TRANEN Seile 6 THebe GenosseSwttn^ -*-' w Neuen iaren . ^ ^ wo\u00fc 1 9 I BOS B\u00fcrgerkriegsIf; 4er knpwiaJiite\" I f c | armee der Kapitalisten I J U *Z5JllUrte.73 Arbeiterkai Afto&tonoitung des Kornmunufaschon Bu leafen - Var kand. unfin - mfer Sorahei - Virbiirfl * M|*n - wck \" i h r lonbm Das vietnamesische Volk mu\u00df s= PS \" i t i l K M r e n fuhrt d \" rittder VaHm\"i> ' * \" * * - \" toMtidasiUS'\"!\\mm *(tm)chenm Ktmpr um D\" Neun-Punkw-Abkon U n p f t e a die V l t u u m t \" , _ _ \" dtn fnmS^cSen K o l (tm) \" ! (tm) , , , l t*eeee\"*ee ^ a p \" \" ...\" \u00c4S-rT' \" uj'Hkrii lionen ( * * \" ' * Staaten ven*\" n o c h \" \"\"\"\"f \",( dk A\"* 1 1 D^Gte*\"\" 1 1 r^^m^mi^ rSSi *r*JT\" >\" MiA 1 feiH Sfi r j n\"*-ftcr*(tm)*,,PS rSS . Vt*\"1 deg*^> ^i W*eer\"ee * * \" * \"TL,*. 0\"h m ARBEITERZEITUNG PROLETARIER ALLER LANDER UND UNTERDR\u00dcCKH VOLKER VEREINIGT EUCH Metallei m\\ * * ABBEITEHBUNDS Fl Kreuzg m &SSS5S fi? Steinerei Teuerungszulage mull her! -s?jrtr-i J r . Kul.-rru.tf.v f , W * I \", H J i ^ i i r \"inj,-(tm) i n ' t a v HUiirr rfowir erlrdtpr* w i*t Cn,a</frf>re. * > * * * ILraurrr tr-ie pnmgenrr jts Jtr t-VHfZtMf'Sjib KOLLEGEN FORDERN \u00dcBERALL II Jt> jrru>Vv AbjitorJnfltH-Sri WO* r ^ l J r l k J\"n\"M,r\":I\"n,rJtn;,rr. pc\"*; ss^le^ : \" \"ra \" I e * \" * Zeitungen und Zeitschriften ande maoistischer Gruppen !in_r**!f_ K1th\"\"1 * \" \" \"iswwJc\" 1 0 \"* , \"M'^'Ji\"*^ *:,;:i;:;;\".':r\", \"\"*.*\"(tm) * Sinti 't \"\"*' **AvJ.' /","nuniige antwort auf frankfurt: T\"A\"\"n\"\"j R^W U. serkampf in hamburg \" '* '^'r1* *A> Itfoetf dm Hun<j<>tslrcik Jour ye et sie t B JW DM \" RUflffB \"rffi ote imie","K\u00e4mpferisches, aggressives Verhalten gegen\u00fcber der freiheitlichen demokratischen Grundordnung kennzeichnet weiterhin die Gruppen der \"Neuen Linken\" und ihre Anh\u00e4nger. Viele ihrer Gruppen werben offen f\u00fcr die Zerschlagung der verfassungsm\u00e4\u00dfigen Ordnung durch den bewaffneten Kampf und wenden auch militante Kampfformen bei der Durchsetzung politischer Nahziele an. 2. T\u00e4tigkeit an Hochschulen Die Hochschulen waren wie in den Vorjahren ein wichtiges Ziel, Aktionsfeld und h\u00e4ufig Ausgangspunkt von Aktivit\u00e4ten der \"Neuen Linken\", deren Anh\u00e4nger meist Studenten sind. Die Studentengruppen der \"Neuen Linken\" haben aber ihre politischen Ziele im Kampf gegen die Hochschulreform nicht erreicht. In Studentenparlamenten und in Allgemeinen Studentenaussch\u00fcssen haben sie Mandate eingeb\u00fc\u00dft. Streitigkeiten und organisatorische Zersplitterung hemmen die Arbeit der \"Neuen Linken\". Nur drei Verb\u00e4nde sind an mehr als 10 Hochschulen t\u00e4tig, die meisten Gruppen arbeiten \u00f6rtlich, w\u00e4hrend der MSB, der Studentenverband der orthodoxen Kommunisten und sein Verb\u00fcndeter, der SHB, straff organisiert sind. 2.1 Der \"Kommunistische Studentenverband\" (KSV) der maoistischen KPD ist mit seinen sch\u00e4tzungsweise 1100 (1972: 600) Mitgliedern in \u00fcber 60 Zellen und Sympathisantengruppen die gr\u00f6\u00dfte studentische Organisation der \"Neuen Linken\"; er ist an fast allen Universit\u00e4ten vertreten. Trotz seines Mitgliederzuwachses um \u00fcber 80% ist es ihm aber nicht gelungen, gr\u00f6\u00dferen Anklang in der Studentenschaft zu finden. In einem im M\u00e4rz verabschiedeten Aktionsprogramm k\u00fcndigte der KSV harte Aktionen gegen die \"b\u00fcrokratische\" Hochschulreform an. Im Oktober stellte er dann fest, die Studenten h\u00e4tten im Kampf gegen diese Reform eine Niederlage erlitten. Der KSV behauptete, bei den Wahlen zu den Studentenparlamenten im Sommersemester habe die \"geringe politische Erfahrung\" der Studenten dazu gef\u00fchrt, da\u00df \"nur relativ wenige\" dem KSV ihre Stimme gegeben h\u00e4tten. Dementsprechend steht der Anteil des KSV an den Sitzen der Studentenparlamente in einem krassen Mi\u00dfverh\u00e4ltnis zu seinen in der \u00d6ffentlichkeit stark beachteten spektakul\u00e4ren Aktionen: der KSV verf\u00fcgte am Jahresende 1973 \u00fcber insgesamt 9 der 1594 Sitze der Studentenparlamente an 42 Universit\u00e4ten, das sind nur 0,57%. 2.2 Alle Hochschulgruppen der \"Neuen Linken\" konzentrierten ihre T\u00e4tigkeit auf den Kampf gegen die Hochschulgesetze, die nach 81","ihrer Ansicht den \"Profitund Herrschaftsinteressen des Kapitals\" dienten. Daneben bem\u00fchten sie sich intensiv, neue Mitglieder und Anh\u00e4nger zu gewinnen und sie ideologisch und politisch zu schulen. 2.3 Studentengruppen der \"Neuen Linken\", an der Spitze -- vor allem im zweiten Halbjahr 1973 - der KSV, setzten ihre massiven und h\u00e4ufig gewaltt\u00e4tigen St\u00f6rungen und Demonstrationen innerhalb und au\u00dferhalb der Hochschulen fort. Besonders der KSV griff zunehmend zur Gewalt, um politische Gegner einzusch\u00fcchtern oder ihre politische Wirksamkeit an den Universit\u00e4ten zu unterbinden. Dabei sprengten Anh\u00e4nger linksradikaler Studentengruppen Lehrveranstaltungen, Sitzungen von Hochschulgremien und studentische Veranstaltungen, st\u00f6rten andere Veranstaltungen nachhaltig und griffen Hochschullehrer, Vertreter demokratischer Studentengruppen und Polizeibeamte t\u00e4tlich an und verletzten mehrere von ihnen. Solche Gewaltaktionen stie\u00dfen \u00f6rtlich auf organisierten Widerstand demokratischer Studenten und Hochschullehrer sowie auf Abwehrma\u00dfnahmen der Hochschulleitungen, gelegentlich unter Mitwirkung der Polizei, und hatten Wahlniederlagen sowie \u00f6rtlich eine zeitweilige Isolierung der \"Neuen Linken\" von der Masse der Studenten zur Folge. Andererseits l\u00f6sten Ma\u00dfnahmen gegen die Gewaltakte und z. B. die Forderung der Westdeutschen Rektorenkonferenz, \"gegen diejenigen studentischen Organisationen, die - wie der KSV -- in hochschulpolitischen Auseinandersetzungen systematisch zur Gewalt greifen, alle geeigneten Ma\u00dfnahmen einschlie\u00dflich des Verbots zu ergreifen\", eine Solidarit\u00e4t sonst miteinander verfehdeter linksradikaler Vereinigungen und ihrer Anh\u00e4nger aus. 3. T\u00e4tigkeit au\u00dferhalb der Hochschulen 3.1 Trotz intensiver Bem\u00fchungen, die sich w\u00e4hrend wilder Streiks erheblich steigerten, ist der Einflu\u00df der \"Neuen Linken\" auf deutsche Arbeiter unbedeutend geblieben. KPD und KPD/ML haben nur wenige Zellen oder Gruppen in Betrieben, versuchten aber mit ihren Betriebszeitungen (KPD: rd. 30, KPD/ML: rd. 80) und BetriebsFlugbl\u00e4ttern den Eindruck zu erwecken, sie seien in vielen Gro\u00dfbetrieben organisiert t\u00e4tig. Mehrfach nahmen Anh\u00e4nger der \"Neuen Linken\" -- offenbar auf Weisung ihrer Vereinigungen -- in Gro\u00dfbetrieben Arbeit auf, um Ans\u00e4tze f\u00fcr Konflikte herauszufinden und St\u00fctzpunkte zu bilden. 3.2 Vor allem maoistische Gruppen sehen in Arbeitsk\u00e4mpfen, insbesondere in wilden Streiks, ein geeignetes Mittel, das Klassen82","IGH-F\u00fchrung p l a n t Geh<lmv\"rhandlun^an a l t Kapitaljai iorganisalion w r4 Wk KPD/ML 1 B tl Iji (9 50000 Arbeiter im! \\ AW\\ ikv f\u00f6tf fl\u00f6\u00df 1 f\u00fcr h\u00f6here l\u00f6hi Di\" GewerksrhLtas haten 4oo Kollege *\"r werden jetzt hiiseenl Ihre herectt Bazahlung der Statiktaas Spaltung und U e StreikentKampffront reich' Herford. Schon gi wegung auf ander\" OM TEUERUNGSZUl 6V#oshen WH*\"11* Streik in Druckb\" r *\"\"-n unc MENNIG MEHR F\u00dcR SSERE BEZANIUNC G MIT LOHNGRUPP INE SAMSTAGSSCHI' INE ENTLASSUNG! I Iiiinae sind k l a r : S t e l e HOT. rv^p'-l^rV-fift.Rfuhru KERZE der \" -- UND \"MB---.ito-, a\"s ***\" k\".ea\"i\"- * .1 s *re fcepitaA %^-^e/^ ^/>r< V auf/ QQ DM-Kf/NEN PFENVI ^ g 3 PS S H | ! e ir M ^ B M \",\" -\"k ? -erkL\u00fcrti-o; ^-.n f tOhne l - e i k r.rf\u00fcllunp k o n s e q u e n tuna f - \" \" * -- -- \" IfB W M \" \" ! I I I I \" \" * ~ ^ -- ark :i ,wiri ' \" iie \" von Arbeite r kuicnt ' ? . \" wieder l \u00fc t t , \" .aufgenommen. Ohne * r \" i l lUnsere \" W u nI. S n \" n \" \" . - * * * * \" M1RI **** i \" o T < * \" n von -' w i , d \" r aufgenommen. U n s e r e f ) 30t DK Teuerungszulage und keinen Pfennig weniger \"BIMMMM tisr suni\u00fcii^n^nl\" iu wurden b e i d e r G e i c h \u00e4 f t s l e i t u n g w e i t e r e tforderur Ber K*~ I Grundlage zur Berechnung des Weihnachtsgeldes - Auch | 1 'i'ag b e z a h l t e \u00e4jje; \" ,; \" ii>-- * sa Kc.Tohit.en - Sonderurlaub f\u00fcr a l i e l ^erni I Verk\u00fcrzung der Arbeitszeit 6 - 1 \" Uhr \"\" btol fleht weiter ; e h \u00f6 r t n o c h : K e i n e Repres liegen, wir meinen, 1azu *\"**\" nde Kollegen! Sab, eser streik iit wichtig! GM plet** sin\" gro\u00dfe n * l\"ten \"ner. rrenten nosm \"ehr harkte abzujagen'\"' sten daf\u00fcr wollen sie v c *\"\" a-l ' \u00c4 \" / - 'ucho confinwa.) nauso versuche\" \"~ SF usw eisste: * -\"\"* n d i e .. UGA GEGEN DEM IMPERIAUSMUS Landest NRW ;3tern hat Stre/\"' f\u00fcr $w ;hsmtes j'l\u00fc \"i\u00df auch ni ;reiks unte. *nde^_. 3tre * SMW '\"^ sr i^Bsrungan b t r e i k l a t a wJf\u00e4Sit u Deutsehe und auslm Arbeiter-eine Kamp i r .- :f d i e D' .nen W tu In den l e t i t e r . Wocnan a t r a l k t e n \u00fcber i t m durch N e u a i n i t 3c^ 7oooo deutticha und aual\u00e4ndiBcha A r b e l - ra.u\"aohalaaa Je n* e i_ t a r dar. \"****I l i n d i a t r i \" . i . r u n d daf\u00fcr waaarn odar v e r k l e i n BalrMnnJIung e x\"n d l 4 ' '***\"*lt|\u00fc\"r Wunach dar Aua ihr Zille Philips sCbl j . d # r | ,f--__^i \" \"- *\"**'r'PSChB\u00dc en i \" 8 8 6 \" \" I.\".. . dir KPD f\u00fcr d i i PMiP\"\"Y=-TlM PhXps W v k . I li\"te0 Ju2est\" ** m.| wu>m-OPPOSITl' IOEWERIMCHAFTE\" VLO:DIES ^ SoUd ^ T RONT STE r 3\" \"^rofturtisf st J* OPfg mehr f\u00fcr Alis ^^\"4^r3\"nr\"- - Bezahlung der Ausfa Keine Arbeitsaufnahae, bevor diese Forderungan e r f \u00fc l l t , b Kollegen ' leg mit den Entlass 3 Zus\u00e4tzliche Forderun/t von Werk I I : SCHICHTZEIT VON 6 - 1 4 UND 1 4 - 10","bewu\u00dftsein der Arbeiter zu wecken. Bereits im April erkl\u00e4rte die \"Revolution\u00e4re Gewerkschaftsopposition\" (RGO) der KPD, \"die Organisierung au\u00dfertariflicher Streikk\u00e4mpfe ohne und gegen die Gewerkschaftsf\u00fchrer\" sei die Hauptaufgabe. Gruppen der \"Neuen Linken\" haben jedoch wilde Streiks nur vereinzelt ausl\u00f6sen und in einigen weiteren F\u00e4llen den Streikverlauf beeinflussen k\u00f6nnen, wobei sie vor allem bei ausl\u00e4ndischen Arbeitern Anklang fanden. W\u00e4hrend der Arbeitsniederlegung agitierten maoistische, trotzkistische und anarchistische Gruppen vor mehreren Werken, um sich mit den Streikenden zu solidarisieren und Arbeitswillige zum Streik aufzufordern. Sie organisierten ferner Kundgebungen und Sammlungen f\u00fcr die Streikenden. Auch nach den Streiks veranstalteten vor allem Anh\u00e4nger der KPD Solidarit\u00e4tskundgebungen f\u00fcr \"Streikopfer\" (\"Rote Hilfe e.V.\", \"FORDSolidarit\u00e4tskomitee\"). Die KPD untersuchte Ursachen und Verlauf der Arbeitsniederlegungen und entwickelte neue Streiktaktiken. Funktion\u00e4re der \"Neuen Linken\" waren entt\u00e4uscht \u00fcber das Verhalten der deutschen Arbeiter, zeigten sich aber ermutigt durch die Kampfbereitschaft der \"ausl\u00e4ndischen Kollegen\". Gruppen der \"Neuen Linken\" wollen mit den bei den Streiks gekn\u00fcpften Verbindungen ihre schwache Basis in Betrieben erweitern und die Solidarit\u00e4t zwischen ausl\u00e4ndischen und deutschen Arbeitern entwickeln, um weitere Unruhen in Betrieben hervorrufen zu k\u00f6nnen. 3.3 Gruppen der \"Neuen Linken\" setzten ihre Arbeit gegen die -- wie sie meinen -- \"reformistischen\" und mit dem \"kapitalistischen Wirtschaftsapparat verwachsenen\" Gewerkschaften fort. Die Versuche der KPD, mit der RGO innerhalb der Gewerkschaften oppositionelle Gruppen aufzubauen, sind aber ebenso \u00fcber Ans\u00e4tze nicht hinausgekommen wie entsprechende Aktivit\u00e4ten der KPD/ML. Um Gewerkschaftsausschl\u00fcsse von KPD-Mitgliedern und -Sympathisanten zu bek\u00e4mpfen, bildeten maoistische Gruppen das Komitee \"Arbeiterjugend\" und das Komitee \"Studenten gegen politische Entlassungen und Gewerkschaftsausschl\u00fcsse\". Der KBW und der KB forderten ihre Mitglieder auf, ihre Mitgliedschaft gegen\u00fcber den Gewerkschaften zu leugnen, um dadurch einem Ausschlu\u00df oder Aufnahmeverbot zu begegnen. Es m\u00fcsse alles getan werden, um in den Gewerkschaften zu bleiben und dort politische Arbeit zu leisten. 3.4 Hilfsorganisationen der KPD und die KPD/ML haben auch ihre Bem\u00fchungen fortgesetzt, die Bundeswehr zu zersetzen und in 84","der Truppe \"Zellen\" oder \"antimilitaristische Komitees\" zu bilden. Bisher haben sie damit jedoch keinen nennenswerten Erfolg gehabt. 3.5 Einige maoistische Gruppen, wie die KPD mit ihrem \"Kommunistischen Obersch\u00fclerverband\" (KOV), haben begonnen, ihre politische Arbeit unter Sch\u00fclern zu intensivieren. Dabei werden sie durch ihre Studentengruppen unterst\u00fctzt, die Agitationsschriften herstellen und unter Sch\u00fclern verbreiten und sie f\u00fcr die Teilnahme an Schulungsveranstaltungen und politischen Aktionen werben. Gruppen der \"Neuen Linken\" unterhielten am Jahresende 1973 etwa 80 Sch\u00fclergruppen. Die h\u00e4ufig augenf\u00e4llige politische Aktivit\u00e4t solcher Sch\u00fclergruppen scheint oft in umgekehrtem Verh\u00e4ltnis zu ihrem Einflu\u00df an den Schulen zu stehen, der bei manchen zudem kurzlebig ist. Aus ihnen und \u00fcber sie gewinnen die Vereinigungen der \"Neuen Linken\" aber fortgesetzt Mitl\u00e4ufer f\u00fcr ihre \u00f6ffentlichen Aktionen und ihren Nachwuchs. 4. Aktionen 4.1 Auch 1973 haben Gruppen der \"Neuen Linken\" gr\u00f6\u00dfere studentische Protestaktionen gegen die Hochschulgesetzgebung der L\u00e4nder oder andere staatliche Ma\u00dfnahmen im Hochschulbereich organisiert oder sich an ihnen f\u00fchrend beteiligt. Dabei kamen ihnen - wie auch orthodox-kommunistischen Studentenverb\u00e4nden -- ihre Positionen in studentischen Vertretungen, ihre F\u00e4higkeit, zeitweise den Unwillen vieler Studenten zu artikulieren, und ihre Einsatzbereitschaft zugute. 4.2 Von allen Gruppen der \"Neuen Linken\" vermochten es lediglich die KPD und ihre Hilfsorganisationen, w\u00e4hrend des ganzen Jahres gr\u00f6\u00dfere Aktionen durchzuf\u00fchren, und zwar von zahlreichen gleichzeitig auf \u00f6rtlicher Ebene durchgef\u00fchrten Aktionen bis zu \"nationalen\" Kundgebungen, h\u00e4ufig im Rahmen zentraler Kampagnen. An zentralen Veranstaltungen beteiligten sich bis zu 5000 Personen, die aus zahlreichen St\u00e4dten der Bundesrepublik anreisten. Aktionen an Orten, in denen die KPD und ihre Anh\u00e4nger nur schwach vertreten sind, wurden h\u00e4ufig von KPD-Anh\u00e4ngern aus anderen Orten unterst\u00fctzt. Andere Gruppen der \"Neuen Linken\" beteiligten sich von Fall zu Fall an Aktionen der KPD. Ihr dem ehemaligen \"Sozialistischen Deutschen Studentenbund\" (SDS) vergleichbarer \"Aktionismus\" \u00fcberforderte aber auch gelegentlich die Kr\u00e4fte der 85","Partei und ihrer Hilfsorganisationen: Veranstaltungen mu\u00dften wegen mangelnder Beteiligung abgesagt werden, andere fanden mit nur wenigen Aktivisten statt. Aus den zahlreichen Demonstrationen der KPD und ihrer Hilfsorganisationen ragten die nachstehenden wegen der Zahl der Teilnehmer oder wegen der Rechtswidrigkeit der angewendeten Mittel hervor: An der \"Nationalen Demonstration\" am 10. April in Bonn gegen den Besuch des s\u00fcdvietnamesischen Staatspr\u00e4sidenten Thieu beteiligten sich etwa 2000 Personen, darunter Angeh\u00f6rige der KPD/ML Demonstranten st\u00fcrmten das Rathaus und verw\u00fcsteten es. Es kam zu schweren Ausschreitungen gegen die Polizei und Journalisten, die die Vorg\u00e4nge filmten, sowie zu weiteren Sachbesch\u00e4digungen in der Innenstadt. An der 1. Mai-Demonstration in Berlin, zu der die KPD und ihre Hilfsorganisationen und die KPD/ML aufgerufen hatten, nahmen 4700 Personen teil, darunter etwa 4000 Anh\u00e4nger der KPD. Trotz Demonstrationsverbots waren am 18./19. Mai etwa 3000 Angeh\u00f6rige der KPD und der KPD/ML aus dem ganzen Bundesgebiet nach Dortmund gereist, um gegen den Besuch des Generalsekret\u00e4rs der KPdSU Leonid Breschnew zu protestieren. Die KPD/ML hatte ihren Anh\u00e4ngern \"Kampfanweisungen\" erteilt, die taktische Richtlinien f\u00fcr die Auseinandersetzungen mit der Polizei enthielten. Bei der Aufl\u00f6sung der verbotenen Veranstaltung am 19. Mai kam es zu T\u00e4tlichkeiten; 364 Personen wurden vorl\u00e4ufig festgenommen. Im Rahmen der Solidarit\u00e4tskampagne \"H\u00e4nde weg von der KPD\" demonstrierten am 23. Juni in Karlsruhe etwa 5000 Personen. An der \"Nationalen Demonstration\" f\u00fcr die an den wilden Streiks beteiligten Metallarbeiter am 25. September in K\u00f6ln nahmen etwa 2400 Personen teil; es sprachen auch Vertreter ausl\u00e4ndischer linksradikaler Organisationen. Etwa 3000 Personen beteiligten sich an einer Kundgebung am 3. November in Dortmund gegen die Sozialpolitik der \"arbeiterfeindlichen \u00dfrandf-Regierung\". VII. Terror und Gewalt 1. Bekenntnisse und Aufforderungen zur Gewalt Nach wie vor sehen viele Gruppen der radikalen Linken in der Gewalt -- agitatorisch h\u00e4ufig als \"Gegengewalt\" verbr\u00e4mt -- ein legitimes Mittel revolution\u00e4rer Politik. Meinungsverschiedenheiten bestehen zwischen ihnen lediglich auf taktischem Gebiet, insbesondere \u00fcber Zeitpunkt und Formen revolution\u00e4rer Gewaltanwendung. Ans\u00e4tze dazu boten ihnen 1973 die Prozesse gegen linksradikale 86","","Terroristen, die schweren Ausschreitungen von Anh\u00e4ngern der KPD und der Umsturz in Chile. 1.1 Den bewaffneten Kampf (\"Stadtguerilla hier und heute\") forderten auch 1973 Mitglieder der \"Rote Armee Fraktion\" (RAF) und andere linksradikale Terroristen. Horst Mahler sagte in seinem Schlu\u00dfwort vor dem Berliner Kammergericht, mit den \"B\u00fctteln des Kapitals\" rede man nicht, auf die schie\u00dfe man. Astrid Proll erkl\u00e4rte w\u00e4hrend ihres Strafprozesses in Frankfurt/ Main, es gelte, die \"Rote Armee\" aufzubauen; die beste Propaganda f\u00fcr den bewaffneten Kampf sei der bewaffnete Kampf selbst. Die in den Vorjahren ver\u00f6ffentlichten Erkl\u00e4rungen der RAF wurden im Fr\u00fchjahr als Brosch\u00fcre \"Bewaffneter Kampf. Texte der RAF. Auseinandersetzung und Kritik\" verbreitet. Diese Brosch\u00fcre wurde auch unter dem Tarntitel \"D. B. Rjanzanow. Zur Frage des Verh\u00e4ltnisses von Marx und Blanqui\" vertrieben. 1.2 Auch andere 1973 erschienene anonyme Publikationen propagieren den Terrorismus: Im Januar wurde in Hamburg \"Gegenbaldrian. Ein deutsches Beunruhigungsmagazin\" verbreitet, das zur Fortsetzung des bewaffneten Kampfes aufruft; im November wurde in N\u00fcrnberg die Schrift \"Faustschlag-Kommentare\" verteilt, in der es hei\u00dft, der Feind habe die RAF zwar zur\u00fcckdr\u00e4ngen, nicht aber ihre Ideen zerschlagen k\u00f6nnen; die \"Stadtguerilla\" werde neu aufgebaut. Offene Sympathie f\u00fcr linksradikale Terroristen und f\u00fcr die Anwendung von Gewalt bekundeten ferner Ver\u00f6ffentlichungen des \"Informationszentrums Rote Volksuniversit\u00e4t\" (IZRU), Heidelberg, und einiger \"Rote Hilfe\"-Gruppen sowie anarchistische Bl\u00e4tter wie \"Hundert Blumen\", \"Elda\" und \"Befreiung\". 1.3 Vor allem maoistisch orientierte Gruppen f\u00fchlten sich durch den Umsturz in Chile in ihrer \u00dcberzeugung best\u00e4tigt, das Proletariat k\u00f6nne die Macht nur mit Waffengewalt erobern. Zun\u00e4chst -- so forderten sie im Gegensatz zu den Terroristen -- m\u00fcsse jedoch das Volk mobilisiert und auf den bewaffneten Kampf unter F\u00fchrung der \"Partei\" vorbereitet werden. Um die \"Volksmassen\" aufzukl\u00e4ren und die kommunistischen Kader zu erziehen, bef\u00fcrworteten und organisierten sie bei besonderen Anl\u00e4ssen gewaltt\u00e4tige Aktionen, z. B. die KPD den \"Bonner Rathaussturm\". Taktische Kritik an einer derartigen Aktion wird meist von rivalisierenden Gruppen ge\u00fcbt. (Vgl. dazu u. a.: \"Rote Fahne\", Nr. 40/73; \"Roter Morgen\", Nr. 46/ 73, \"Kommunistische Volkszeitung\", Nr. 5/73). 88","Demonstrationen der KPD und ihrer Anh\u00e4nger","1.4 Die Position der DKP gegen\u00fcber Terror und Gewalt ist unver\u00e4ndert. Sie strebt danach, ihr Fernziel, die sozialistische Revolution, ohne B\u00fcrgerkrieg zu erreichen. Sie will aber dennoch nicht die Illusion eines \"friedlichen Spaziergangs zum Sozialismus\" (W. Gerns I R. Steigerwald: \"Probleme der Strategie des antimonopolistischen Kampfes\" Frankfurt/Main 1973, S. 59) erwecken. Sie hat Terroranschl\u00e4ge als \"individuellen Terror\" abgelehnt und die gewaltt\u00e4tigen, grobschl\u00e4chtigen Kampfformen der KPD und anderer \"Chaoten\"-Vereine scharf kritisiert, weil sie die Massen vom revolution\u00e4ren Kampf abschreckten und die gesamte Linke diskreditierten. Orthodoxe Kommunisten bef\u00fcrworten daher gegenw\u00e4rtig gem\u00e4\u00dfigte Kampfformen, z. B. st\u00f6rten ihre \"studentischen Genossen\" Veranstaltungen demokratischer Hochschulvereinigungen und Sitzungen von Hochschulgremien und zwangen sie zum Abbruch, wobei sie m\u00f6glichst Schl\u00e4gereien und Sachbesch\u00e4digungen vermieden. 2. Terroristische Aktivit\u00e4ten 2.1 Nach der Verhaftung f\u00fchrender Personen der bekannten Terrorgruppen (Baader/Meinhof-Bande (RAF), \"Bewegung 2. Juni\") im Jahre 1972 war die Zahl der terroristischen Anschl\u00e4ge zun\u00e4chst r\u00fcckl\u00e4ufig. Seit dem Sommer des Jahres 1973 nahmen die terroristischen Aktivit\u00e4ten jedoch wieder erheblich zu: allein in den letzten sechs Monaten des Jahres wurden 50 Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge ver\u00fcbt, wobei Anschl\u00e4ge gegen drei Niederlassungen der Firma \"International Telephone & Telegraph Corporation\" (ITT) einen Sachschaden von rd. 600 000,-DM verursachten. Am 27. Juli wurde in Berlin und am 6. August in Hamburg je eine Bank \u00fcberfallen; die T\u00e4ter raubten insgesamt etwa 300 000,-DM. Der Polizei gelang es, mehrere Terroristen festzunehmen und terroristische Ausr\u00fcstungen \"Waffen, Munition, Sprengmittel, verschl\u00fcsselte Unterlagen, Kfz-Kennzeichen\" sicherzustellen. In Berlin entdeckte sie einen getarnten \"Schie\u00dfkeller\". Mehrere bereits erkannte Terroristen tauchten ebenso unter wie einige Personen, die verd\u00e4chtig sind, sich an terroristischen Aktivit\u00e4ten beteiligt zu haben. In mehreren F\u00e4llen bekannten sich anonyme Gruppen, die sich revolution\u00e4re Namen gaben (\"Oberkommando der Roten Volksarmee\", \"Komitee II zur Unterst\u00fctzung der RAF\", \"Revolution\u00e4re Volksarmee\", \"Revolution\u00e4re Zelle\") zu terroristischen Anschl\u00e4gen. Solchen Terrorgruppen geh\u00f6ren auch fl\u00fcchtige Mitglieder der im Jahre 1972 zerschlagenen Gruppen an. 90","Die bei den Terrorakten des Jahres 1973 angewandten Methoden \u00e4hneln denen der RAF und der \"Bewegung 2. Juni\"; die neu entstandenen Gruppen haben aber noch nicht deren Wirkung erzielt, sei es weil ihre verbrecherische Intensit\u00e4t geringer oder ihr Aufbau wiederholt durch Exekutivma\u00dfnahmen behindert worden ist. 2.2 Von den sechs namentlich bekannten Mitgliedern der Baader/ Meinhof-Ban\u00f6e, nach denen 1973 gefahndet wurde, ist am 24. Juli Ronald Augustin festgenommen worden. Er kam aus Holland und hatte eine geladene Pistole und falsche Personalpapiere bei sich. Horst Mahler, f\u00fchrendes Mitglied der Bande, wurde im Februar wegen gemeinschaftlich schweren Raubes, Gr\u00fcndung einer kriminellen Vereinigung und Beteiligung an ihr zu 12 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Der Bundesgerichtshof hat die Revision als unbegr\u00fcndet verworfen. In Untersuchungshaft befindliche Mitglieder der RAF sind verd\u00e4chtigt, auch aus der Haft heraus den organisatorischen Zusammenhalt von Terroristen aufrechtzuerhalten und deren Ziele und T\u00e4tigkeit zu unterst\u00fctzen. 2.3 Im Sommer wurden weitere Mitglieder der Berliner \"Bewegung 2. Juni\" festgenommen. Sie hatten Waffen und falsche Personalpapiere bei sich. Der Rest der Bande ist untergetaucht. Aus dem Gest\u00e4ndnis eines Mitgliedes dieser Gruppe geht hervor, da\u00df sie Bank\u00fcberf\u00e4lle sowie Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge ver\u00fcbt und dabei 1972 einen Menschen get\u00f6tet hat. 2.4 Die gegen drei f\u00fchrende Mitglieder des ehemaligen \"Sozialistischen Patientenkollektivs\" (SPK) in Heidelberg verh\u00e4ngten mehrj\u00e4hrigen Freiheitsstrafen sind vom Bundesgerichtshof best\u00e4tigt worden. Noch nicht abgeurteilte SPK-Mitglieder leben im Untergrund. Die Nachfolgeorganisation des SPK, das \"Informationszentrum Rote Volksuniversit\u00e4t\" (IZRU) in Heidelberg, gegen dessen Mitglieder polizeiliche Ermittlungen wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung eingeleitet worden sind, betrieb im Sommer eine N\u00f6tigungsund Diffamierungskampagne gegen Richter und Staatsanw\u00e4lte. Mitglieder der IZRU werden beschuldigt, einen Sprengstoffanschlag auf einen Richter ver\u00fcbt zu haben. 2.5 Im Oktober wurden zwei Angeh\u00f6rige einer M\u00fcnchener Anarchistengruppe verhaftet, zu der auch der fl\u00fcchtige Jean Asselmeyer geh\u00f6rt. Die Gruppe ist verd\u00e4chtig, Sprengstoffund Brandan91","(ABENDZEITUNG'UND B von \u00dcP*\"\"** AS ORiNSBt JESP^\"; K\u00f6ln / w \u00dfSSSS% I^IKS i?** H a g s \"PSPS<t\u00f6mn ** *B^**fc *\"*5i: /sPStPS?gs^ da\" Mt An Itaka abgM. *TTT*''**'. s \"STSMHIBSf - PS ^ ' * c BES -\"-\"\"*i\"i01 RAUST Biigaa :*i\" &ri:v?i. S*^ D'riH HEICHVUM DER ( DKM AHKI-;l'''KHN,BAllB Wcnciilml\u00f6riiii. * - F E I N DEUTSCHES BELWRUHIGLNGSMACAZIP INTlXl-KKTSHiLLEH G | HHSCHKN TUT\" *- - JS: AV*\" BBy^ffneter^S^r m Terroristische Schriften &u'deg 9de, revolut, run 'degren Z e // e WIIIB **\"\"\"\"","schlage auf M\u00fcnchener Justizangeh\u00f6rige und -geb\u00e4ude ver\u00fcbt zu haben. 2.6 Besonders \"Rote Hilfe\"-Gruppen bem\u00fchten sich um Solidarit\u00e4t f\u00fcr inhaftierte \"Genossen\", insbesondere f\u00fcr Mitglieder der RAF. Gr\u00f6\u00dfere Aktivit\u00e4t entfalteten dabei die Gruppen in Frankfurt/Main und Berlin. Mitglied der \"Roten Hilfen\" und Rechtsanw\u00e4lte aus \"Anwaltskollektiven\" haben im Sommer \"Komitees gegen die Folter\" gegr\u00fcndet. Sie versuchten mit der Behauptung, die \"politischen\" Gefangenen in deutschen Gef\u00e4ngnissen w\u00fcrden durch \"Isolierhaft\" gefoltert und einer \"Sonderbehandlung\" unterzogen, die \u00d6ffentlichkeit im Inund Ausland zu mobilisieren. Anfang Februar hatten acht Rechtsanw\u00e4lte, die Mitglieder der RAF verteidigen oder mit ihnen in Verbindung stehen, vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe mit einem Hungerstreik gegen \"Isolationsfolter\" demonstriert. 3. Sonstige Gewaltt\u00e4tigkeiten Die Bereitschaft maoistisch orientierter Gruppen der \"Neuen Linken\", bei der Durchsetzung politischer Ziele Gewalt anzuwenden, hat angehalten. Das zeigten sowohl ihre gewaltt\u00e4tigen Aktionen an Hochschulen (vgl. Abschnitt VI. 2.3) als auch mit Gewaltakten verbundene Demonstrationen (vgl. Abschnitt VI. 4.2). Ferner haben auch im Jahre 1973 Gruppen der \"Neuen Linken\", gelegentlich unterst\u00fctzt durch eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl nichtorganisierter Anh\u00e4nger, in mehreren St\u00e4dten Fensterscheiben amerikanischer Einrichtungen zertr\u00fcmmert, Gerichtsverhandlungen gegen Gesinnungsgenossen nachhaltig gest\u00f6rt und H\u00e4user \"besetzt\". Die spektakul\u00e4rsten Aktionen dieser Art fanden im M\u00e4rz in Frankfurt (Besetzung des Hauses Kettenhofweg 51) und im April in Hamburg (Besetzung des Hauses Ekhofstra\u00dfe 39) statt. In Frankfurt kam es bei einer Protestdemonstration gegen die R\u00e4umung des besetzten Hauses zu schweren Ausschreitungen, an denen sich zeitweise 2500 Personen beteiligten. Demonstranten griffen die Polizei mit Steinen, Eisenteilen, Bauplatten und Tr\u00e4nengasbomben an. Bei den Ausschreitungen wurden zahlreiche Polizeibeamte und Demonstranten verletzt. Bei einer weiteren Demonstration von etwa 2500 Anh\u00e4ngern der \"Neuen Linken\" gegen \"Mietwucher und Bodenspekulation\" Anfang April in Frankfurt kam es ebenfalls zu Gewaltt\u00e4tigkeiten; dabei wurden mehrere Polizeibeamte und ein Journalist verletzt. 93","1 Tatwerkzeuge terroristischer Gruppen 1","","In Hamburg entdeckte die Polizei bei der R\u00e4umung eines Hauses (Ende Mai) Nagelbretter, einen spanischen Reiter und Teerbl\u00f6cke, etwa 25 Molotow-Cocktails, Flugbl\u00e4tter mit dem Titel \"Verhalten gegen\u00fcber Bullen\" mit \"Grundregeln gegen Polizeiterror und Klassenjustiz\"; ein Raum des Hauses war als \"Einsatzzentrale\" mit einem Funksprechger\u00e4t ausger\u00fcstet. 4. Zahlenm\u00e4\u00dfige Entwicklung der Terrorund Gewaltakte Die Zahl der bekannt gewordenen Terroranschl\u00e4ge ist im Jahre 1973 mit 70 gegen\u00fcber dem Vorjahr (73) nur unwesentlich zur\u00fcckgegangen. Allerdings verminderte sich die Zahl der Sprengstoffanschl\u00e4ge um fast die H\u00e4lfte, w\u00e4hrend die Zahl der Brandstiftungen -- die in der Regel eine geringere kriminelle Energie und technische Fertigkeit als der Einsatz von Sprengmitteln erfordern -- sich um fast die H\u00e4lfte erh\u00f6hte. Die Zahl der sonstigen Gewaltakte hat sich dagegen gegen\u00fcber dem Jahre 1972 fast verdoppelt. Das ist vor allem auf die zunehmende Gewaltt\u00e4tigkeit maoistischer Gruppen bei Stra\u00dfendemonstrationen und in den Hochschulen zur\u00fcckzuf\u00fchren. Etwa 80 Prozent der Terrorund Gewaltakte richteten sich gegen Universit\u00e4ten, Polizei und Justizbeh\u00f6rden, amerikanische Einrichtungen und Banken. Erheblich gesunken ist die Zahl der Gewaltandrohungen, die fast auf den Stand von 1971 zur\u00fcckgegangen ist. Ziele und regionale Schwerpunkte der Drohungen entsprechen etwa denen der ver\u00fcbten Terrorund Gewaltakte. Die zahlenm\u00e4\u00dfige Entwicklung der Terrorund Gewaltakte sowie der Drohungen mit Gewalt zeigt die nachstehende \u00dcbersicht: I. T e r r o r a k t e 1971 1972 1973 Mordanschl\u00e4ge 10 2 6 Sprengstoffanschl\u00e4ge 29 36 19 Brandstiftungen 40 29 42 Raub\u00fcberf\u00e4lle * 7 6 3 86 73 70 II. Gewaltakte K\u00f6rperverletzungen 53 41 63 Sachbesch\u00e4digungen 76 31 117 Sonstige 152 143 244 281 215 424 96","A n d r o h u n g von Mord und Entf\u00fchrung 15 7 8 Sprengstoffund Brandanschl\u00e4gen 158 1852 182 Sonstigen Gewaltakten 15 35 31 188 1894 221 insgesamt 555 2182 715 Anmerkung 1. In der Obersicht des Jahresberichts 1972 waren f\u00fcr 1972 die Terrorund Gewaltakte Im Hochschulbereich nicht aufgef\u00fchrt. In der obenstehenden Aufstellung sind alle bekannt gewordenen Terrorund Gewaltakte mit vermutlich linksradikalem Hintergrund erfa\u00dft; die Zahlen f\u00fcr 1972 weichen deshalb von denen ab, die im Jahresbericht 1972 genannt worden waren. 2. In der Obersicht ist jede Terrorund Gewaltaktion nur einmal gez\u00e4hlt. Sind im Verlauf einer Aktion mehrere der in den Rubriken I. und II. genannten Vorf\u00e4lle (z. B. gleichzeitige K\u00f6rperverletzung und Sachbesch\u00e4digung) eingetreten, so wurde die Aktion nur in der Rubrik des schwerwiegenderen Vorfalls aufgenommen. VIII. Beurteilung Der DKP und ihren Hilfsorganisationen ist es, beg\u00fcnstigt durch au\u00dfenund innenpolitische Vorg\u00e4nge, gelungen, weitere B\u00fcndnisse mit nichtkommunistischen Gruppen und Personen einzugehen und damit die Basis ihrer politischen Arbeit zu erweitern. Einen Durchbruch haben die orthodoxen Kommunisten aber weder in ihren Aktionseinheitsnoch in ihren Volksfrontbestrebungen erzielt. In anderen Schwerpunkten, den Betrieben und Gewerkschaften, stagniert ihre politische Arbeit. Der MSB Spartakus hat dagegen seine Positionen im Hochschulbereich erheblich ausbauen k\u00f6nnen und damit g\u00fcnstige Voraussetzungen f\u00fcr seine weiteren Aktivit\u00e4ten unter Studenten geschaffen. Bei der \"Neuen Linken\" haben sich die Konsolidierung der bedeutenderen Gruppen, insbesondere der maoistischen, und ihre organisatorische Konzentration fortgesetzt. Anstrengungen dieser Gruppen, Einflu\u00df in der Arbeiterschaft zu gewinnen, sind aber weiterhin ohne gr\u00f6\u00dferen Erfolg geblieben. Auch an den Hochschulen, wo sie wie in Betrieben in scharfer Konkurrenz zu den orthodoxen Kommunisten arbeiten, haben sie Einbu\u00dfen erlitten. Ihre politische Arbeit innerhalb und au\u00dferhalb der Hochschulen war von einer wachsenden Zahl gewaltsamer Aktionen begleitet. Die latente Bedrohung der Sicherheit durch Aktivit\u00e4ten von Terrorgruppen hielt an. 97","Die Spionageabwehr 1973 I. Allgemeine Erfahrungen Ungeachtet der Bem\u00fchungen um Entspannung in Deutschland und Europa setzen die Ostblockstaaten ihre nachrichtendienstlichen Aktivit\u00e4ten unvermindert fort. Dabei ist die Bundesrepublik Deutschland bevorzugtes Ziel der Aussp\u00e4hung, insbesondere durch Nachrichtendienste der DDR. Der darin liegenden Gefahr f\u00fcr die Innere Sicherheit gilt es mit allen gebotenen Mitteln zu wehren. Die Abwehrt\u00e4tigkeit wird dadurch erschwert, da\u00df nach dem Grundgesetz alle Deutschen in der Bundesrepublik Freiz\u00fcgigkeit genie\u00dfen. Dieser f\u00fcr die Spionageabwehr nachteilige Umstand mu\u00df aber im Verh\u00e4ltnis zu dem Grundsatz der Gleichbehandlung aller Deutschen und wegen des h\u00f6herwertigen Zieles der Wiedervereinigung Deutschlands zur\u00fccktreten. F\u00fcr die Beurteilung der Lage auf dem Gebiet der Spionagebek\u00e4mpfung ist eigent\u00fcmlich, da\u00df die jeweils vorliegenden Erkenntnisse nur einen Teil der gesamten gegnerischen T\u00e4tigkeit auf diesem Gebiet erfassen. F\u00fcr die Unterrichtung der \u00d6ffentlichkeit ist zus\u00e4tzlich zu ber\u00fccksichtigen, da\u00df von den vorliegenden Erkenntnissen aus naheliegenden Gr\u00fcnden wiederum nur ein Bruchteil verwertet werden kann. Aus diesem Grund st\u00fctzt sich dieser Bericht \u00fcberwiegend auf die Arbeitsergebnisse der Spionageabwehr, die, auf eine \u00fcber Jahrzehnte andauernde Beobachtung gest\u00fctzt, dennoch ein in gro\u00dfen Z\u00fcgen zutreffendes Bild zu geben verm\u00f6gen. II. \u00dcbersicht in Zahlen 1. Umfang der erkannten T\u00e4tigkeit der Nachrichtendienste kommunistischer Staaten 1.1 Werbungen und Werbungsversuche Im Jahre 1973 ging die Zahl der von den Spionageabwehrbeh\u00f6rden erkannten Personen, die von Nachrichtendiensten kommunistischer 98","Staaten zur Spionaget\u00e4tigkeit gegen die Bundesrepublik aufgefordert waren, geringf\u00fcgig um etwa 1 % zur\u00fcck. Der Anteil der DDR-Nachrichtendienste an den Werbungen ist im Vergleich zu den Vorjahren um ca. 3% leicht gesunken. Die \u00fcbrigen Werbungen gingen von den Nachrichtendiensten anderer kommunistischer Staaten aus, wobei vom rum\u00e4nischen Dienst mehr Werbungen erkannt worden sind als z. B. von denen der UdSSR und der CSSR. \u00dcber zwei Drittel der erkannten Werbungen richtete sich gegen Personen, die zur Zeit der Werbung in der Bundesrepublik Deutschland einschlie\u00dflich Berlin (West) wohnten. W\u00e4hrend von den Personen mit Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland einschlie\u00dflich Berlin (West) nur jeder F\u00fcnfte f\u00fcr seinen Auftraggeber t\u00e4tig wurde, betrug dieser Anteil bei den Personen aus der DDR etwas \u00fcber 50%. Insgesamt sind aber nur 25% der Personen, die nach den vorhahdenen Erkenntnissen angesprochen worden sind, f\u00fcr die Nachrichtendienste kommunistischer Staaten als Agenten t\u00e4tig geworden, w\u00e4hrend etwa 23% sich zwar zu einer Mitarbeit bereit erkl\u00e4rten, aber nicht t\u00e4tig wurden. Die meisten (52%) lehnten eine Spionaget\u00e4tigkeit ab. Auch im Jahre 1973 haben \u00fcber 50% aller Personen, die erkannterma\u00dfen von Spionagediensten kommunistischer Staaten zur Mitarbeit angeworben werden sollten oder auch f\u00fcr sie gearbeitet haben, sich sofort oder sp\u00e4ter den Sicherheitsbeh\u00f6rden freiwillig offenbart. Von diesen \"Selbstgestellern\" hatten etwa 82% eine Mitarbeit von vornherein abgelehnt oder waren trotz einer entsprechenden Verpflichtung nicht t\u00e4tig geworden; die restlichen Personen hatten vor ihrer freiwilligen Offenbarung Auftr\u00e4ge ausgef\u00fchrt. Etwa 30% der erkannten Werbungen oder Werbungsversuche waren im Jahre 1973 erfolgt, weitere 30% im Jahre 1972. In den \u00fcbrigen F\u00e4llen lag die Werbung vor dieser Zeit. In etwa 9% der F\u00e4lle sind seit der Werbung acht und mehr Jahre Agentent\u00e4tigkeit vergangen. Das zeigt erneut die teilweise langdauernde nachrichtendienstliche Verstrickung der Betroffenen. 1.2 Auftr\u00e4ge Die Zahl der 1973 erkannten Spionageauftr\u00e4ge ist um etwa 12% angestiegen. Etwa 80% dieser Spionageauftr\u00e4ge gingen von den Nachrichtendiensten der DDR aus. \u00dcber 50% der Auftr\u00e4ge wurden von den Agenten nicht ausgef\u00fchrt. Der Anteil der nicht ausgef\u00fchrten Auf99","tr\u00e4ge ist bei den einzelnen Nachrichtendiensten sehr unterschiedlich. Besonders hoch ist er beim polnischen und rum\u00e4nischen Dienst. Die Bem\u00fchungen dieser Nachrichtendienste, \u00fcberwiegend Aussiedler und Reisende in die Bundesrepublik Deutschland als Agenten zu gewinnen, hatten nur zum Teil Erfolg. III. Werbungsmethodik 1. Kontaktanl\u00e4sse Fast 75% der Personen aus der Bundesrepublik Deutschland, die Gegenstand erkannter Werbungen waren, wurden im kommunistischen Machtbereich nachrichtendienstlich angesprochen. In \u00fcber 80% dieser F\u00e4lle waren Reisen in oder durch die DDR sowie in andere kommunistische L\u00e4nder der \u00e4u\u00dfere Anla\u00df der Werbung. Bei den au\u00dferhalb des kommunistischen Machtbereichs angesprochenen Personen erfolgte die Anbahnung entweder auf brieflichem Wege -- h\u00e4ufig nach Stellengesuchen in einer Zeitung -- oder \u00fcber bereits t\u00e4tige Agenten. Bei den Personen aus der DDR und dem \u00fcbrigen kommunistischen Machtbereich waren zumeist Antr\u00e4ge auf Aussiedlung, Westreisen und Westkontakte Anla\u00df der nachrichtendienstlichen Ansprache. Etwa 7,5% aller Angesprochenen wurden in \u00f6stlichen Haftanstalten -- in aller Regel unter Zusicherung vorzeitiger Haftentlassung - zu nachrichtendienstlicher T\u00e4tigkeit aufgefordert. 2. Werbungsmittel Die Werbungsmittel der Nachrichtendienste kommunistischer Staaten haben sich gegen\u00fcber den vergangenen Jahren nicht ge\u00e4ndert. Versprechen und Gew\u00e4hrung von Vorteilen der verschiedensten Art, Ausnutzung ideologischer Gr\u00fcnde, menschlicher Beziehungen sowie Drohungen und N\u00f6tigungen in offener und versteckter Form geh\u00f6ren nach wie vor zu den Mitteln, die diese Spionageorganisationen bei ihren Werbungen anwenden. IV. F\u00fchrung der Agenten Im F\u00fchrungsund Verbindungswesen waren 1973 keine wesentlichen \u00c4nderungen festzustellen. Treffen - vorzugsweise in Ost-Berlin - standen wieder an erster Stelle. In mehreren F\u00e4llen erfolgte die Anreise zum Treffen \u00fcber 100","das westliche Ausland. Daneben wurden wie bisher irj zahlreichen F\u00e4llen Kuriere, tote Briefk\u00e4sten (TBK), Deckadressen und Geheimschriften der verschiedensten Art sowie der Agentenfunk verwendet. Soweit die Agenten nachrichtendienstlich geschult wurden, lagen die Schwerpunkte bei der Fotografie, der Anwendung latenter Schriften, dem Verund Entschl\u00fcsseln und der Schulung im Empfang von Funksendungen. V. Die Ziele der Spionaget\u00e4tigkeit Die Spionageauftr\u00e4ge verteilten sich in unterschiedlichem Umfang auf das Gebiet der einzelnen Bundesl\u00e4nder. Schwerpunkte waren die L\u00e4nder Nordrhein-Westfalen, Bayern, Berlin (West) und Rheinland-Pfalz. Das Schwergewicht der gegnerischen Auftr\u00e4ge lag mit etwa je 30% bei der politischen und milit\u00e4rischen Spionage. Die Auftr\u00e4ge gegen milit\u00e4rische Ziele richteten sich wiederum besonders gegen die Bundeswehr und die Stationierungsstreitkr\u00e4fte. Ziele der politischen Spionage waren insbesondere: Regierungsund Verwaltungsstellen des Bundes, Notaufnahmeund Fl\u00fcchtlingsstellen, Universit\u00e4ten, sonstige Hochschulen sowie Landsmannschaften. Die Nachrichtendienste der DDR verst\u00e4rken ihre Bem\u00fchungen, Informationen \u00fcber Fl\u00fcchtlinge und Fluchtwege aus der DDR zu sammeln. Sie bedienen sich dabei der verschiedensten Mittel und Methoden. Sie haben z. B. versucht, Fl\u00fcchtlinge durch N\u00f6tigung wieder in die DDR zur\u00fcckzuholen, um sie u. a. \u00fcber Fluchthelfer befragen zu k\u00f6nnen. Es wurde auch bekannt, da\u00df sie DDR-B\u00fcrger auftragsgem\u00e4\u00df \"fl\u00fcchten\" lassen, um so Erkenntnisse \u00fcber Fluchthelfer und Fluchtwege zu erlangen. Bei der Wirtschaftsspionage (ca. 10%) waren Aussp\u00e4hungsschwerpunkte die Elektroindustrie, die Elektronische Datenverarbeitung sowie die Forschungsst\u00e4tten der Wirtschaft. VI. Legale Residenturen in der Bundesrepublik Deutschland 1. Personelle Besetzung und Anteil der erkannten und vermutlichen Mitarbeiter gegnerischer Dienste Die Benutzung amtlicher und halbamtlicher Vertretungen im Ausland als nachrichtendienstliche St\u00fctzpunkte (legale Residenturen) 101","wurde auch 1973 von den Nachrichtendiensten kommunistischer Staaten praktiziert. In der Bundesrepublik Deutschland waren am 31. Dezember 1973 bei den diplomatischen und konsularischen Vertretungen, Handelsvertretungen, Unternehmen der Seeund Binnenschiffahrt, den staatlichen Fluggesellschaften, Touristikunternehmen, Reiseb\u00fcros und Presseagenturen der Staaten des kommunistischen Machtbereichs -- ohne Jugoslawien -- insgesamt 657 Personen aus den Entsenderstaaten besch\u00e4ftigt (1972: 533). Die Sowjetunion ist dabei mit 216 (1972: 209) Mitarbeitern am st\u00e4rksten vertreten. 104 (1972: 76) polnische, 79 (1972: 68) rum\u00e4nische, 72 (1972: 63) ungarische, 71 (1972: 70) tschechoslowakische, 60 (1972: 47) bulgarische und 55 (1972: - ) chinesische Staatsangeh\u00f6rige arbeiten bei den Botschaften, Handelsund anderen Vertretungen dieser L\u00e4nder. Was Jugoslawien angeht, so sind in dessen Botschaft und zahlreichen konsularischen Vertretungen 189 (1972: 168) jugoslawische Staatsangeh\u00f6rige t\u00e4tig. Der Anteil der erkannten und vermutlichen Angeh\u00f6rigen gegnerischer Dienste unter den Mitarbeitern dieser Vertretungen ist bei den einzelnen L\u00e4ndern und Einrichtungen weiterhin sehr unterschiedlich. Er bewegt sich zwischen 0,5% und 40% (1972: zwischen 6% und 40%). Wegen der st\u00e4ndigen Ver\u00e4nderungen und der hohen Dunkelziffer auf diesem Gebiet ist eine exakte Angabe der Zahl nachrichtendienstlich t\u00e4tiger \"Diplomaten\" nicht m\u00f6glich. 2. Nachrichtendienstliche T\u00e4tigkeit eines sowjetischen Staatsangeh\u00f6rigen in der Bundesrepublik Im Jahre 1973 kehrte ein Sowjetb\u00fcrger mit Dienstsitz in der Bundesrepublik Deutschland in die Sowjetunion zur\u00fcck. Anla\u00df f\u00fcr seine vorzeitige Abberufung war die Beobachtung des Bundesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz (BfV), da\u00df der Betreffende in der Bundesrepublik Deutschland nachrichtendienstliche T\u00e4tigkeiten verrichtete, insbesondere auch im Wege konspirativer Agentenf\u00fchrung. Er war bereits von 1963 bis 1966 in der Bundesrepublik Deutschland gewesen. Ab 1970 wurde er zum zweiten Mal in der Bundesrepublik eingesetzt. Schon bei seinem ersten Aufenthalt in der Bundesrepublik war er jedoch in Verdacht geraten, nachrichtendienstlich t\u00e4tig zu sein, ohne da\u00df ein Beweis h\u00e4tte erbracht werden k\u00f6nnen. Als im Oktober 1971 der sowjetische \u00dcberl\u00e4ufer Lyalin den Mann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als t\u00e4tigen KGB102","Offizier bezeichnete, intensivierte das BfV seine \u00dcberwachung. Die eingeleiteten Ma\u00dfnahmen ergaben, da\u00df es sich um einen geschulten Offizier des sowjetischen Nachrichtendienstes handelt, der seine nachrichtendienstliche T\u00e4tigkeit mit allen Mitteln der Tarnung abzusichern pflegte. Sein Interesse galt in erster Linie politischen Informationen aus der CDU, vor allen Dingen der Haltung der CDU zu Fragen der deutschen Ostpolitik. Au\u00dferdem interessierte er sich f\u00fcr die Ann\u00e4herung der Bundesrepublik an Rotchina und die Auffassung der Bundesrepublik zur Aufnahme Rotchinas in die UNO. Als Gegenleistung bot er einem von ihm betreuten Agenten neben Geld und Geschenken eine kostenlose Reise in die Sowjetunion und Eintrittskarten f\u00fcr die Olympischen Spiele in M\u00fcnchen an. 3. Versuchte Anwerbung in der Polnischen Botschaft Im Bericht \u00fcber die Spionageabwehr 1972 war darauf hingewiesen worden, da\u00df ein in der Rum\u00e4nischen Botschaft t\u00e4tiger Mitarbeiter des rum\u00e4nischen Nachrichtendienstes sich bem\u00fche, nachrichtendienstliche Kontakte zu Fl\u00fcchtlingen oder deutschst\u00e4mmigen Aussiedlern zu bekommen. In vielen F\u00e4llen hatte er an die Bestrebungen dieser Personen angekn\u00fcpft, auf die rum\u00e4nische Staatsangeh\u00f6rigkeit zu verzichten. 1973 wurde bekannt, da\u00df auch in der Polnischen Botschaft Fl\u00fcchtlinge den Anwerbungsversuchen polnischer Nachrichtendienste ausgesetzt sind. Ein Fl\u00fcchtling, der sich an die Botschaft gewandt hatte, um den Verzicht auf die polnische Staatsangeh\u00f6rigkeit zu erkl\u00e4ren, wurde als Gegenleistung f\u00fcr die Bearbeitung des Ausb\u00fcrgerungsantrages zur nachrichtendienstlichen Mitarbeit aufgefordert. VII. Anwerbungsmethoden der DDR-Nachtrichtendienste 1. Allgemeines Die Nachrichtendienste der DDR nutzen weiterhin jede sich bietende Gelegenheit zur Agentenwerbung aus. Insbesondere bem\u00fchen sie sich, solche Personen ausfindig zu machen, die qualifiziert genug sind, sp\u00e4ter in nachrichtendienstlich interessante Zielobjekte eingeschleust zu werden. Dabei bevorzugen sie Personen, von denen aufgrund ihrer Ausbildung zu erwarten ist, da\u00df sie durch 103","gute Zug\u00e4nge wichtige wissenschaftliche oder milit\u00e4rische Erkenntnisse liefern k\u00f6nnen (z. B. Naturwissenschaftler, Techniker, Offiziere), oder die in staatliche oder politische Stellungen gelangen werden (z. B. Juristen, Wirtschaftswissenschaftler, Politologen). Typisch f\u00fcr derartige Einschleusungen ist die Planung auf lange Sicht (Perspektivkandidaten). Die Vorbereitung eines derartigen Einsatzes kann sich \u00fcber Jahre erstrecken. Sie erfordert oft einen gro\u00dfen finanziellen Aufwand. Forschungs-, Anbahnungsund Werbungsmethoden sind der Absicht angepa\u00dft, qualifizierte Agenten zu gewinnen und einzusetzen. Unter diesem Gesichtspunkt mu\u00df auch die ver\u00e4nderte Methodik bei brieflichen Anbahnungen gesehen werden. Wie bereits im vergangenen Jahr erkannt, sind die DDR-Nachrichtendienste von MassenBriefaktionen zu gezielten Briefanbahnungen \u00fcbergegangen. Sie wenden sich \u00fcberwiegend an Personen, von denen aufgrund ihres Berufs, ihres Arbeitsplatzes und ihres derzeitigen oder sp\u00e4teren Zugangs wertvolle Informationen zu erwarten sind. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich bei Werbungen unter \"falscher Flagge\", bei denen der Werber einen falschen Auftraggeber vorschiebt. F\u00fcr die F\u00fchrung eines Perspektivkandidaten ist es besonders wichtig, ein Vertrauensverh\u00e4ltnis zwischen F\u00fchrungsoffizier und Agent herzustellen. Dieses Vertrauensverh\u00e4ltnis kann meist nur langsam aufgebaut werden. Daher versuchen die Nachrichtendienste, den Angeworbenen m\u00f6glichst lange \u00fcber den wahren Auftraggeber und die eigentliche Art der T\u00e4tigkeit im Unklaren zu lassen. Diese Art der Anwerbung ist nicht auf briefliche Anbahnungen beschr\u00e4nkt. Sie wird h\u00e4ufig auch bei pers\u00f6nlichen Ansprachen praktiziert. Bei Ansprachen im kommunistischen Machtbereich werden oft folgende Einrichtungen oder Personenkreise zur T\u00e4uschung vorgeschoben: \"Meinungsforschungsinstitut\" \"Institut f\u00fcr Industrieforschung\" \"Amt f\u00fcr gesamtdeutsche Fragen\" \"Hochschulbeauftragte\" \"Journalisten\" \"Nationale Front\". Zur weiteren Untermauerung der Legenden dienen Briefb\u00f6gen mit gedruckten Briefk\u00f6pfen von Scheinfirmen. Im Westen geben sich die Werber h\u00e4ufig als Mitarbeiter westlicher Institutionen oder sogar westlicher Nachrichtendienste aus. Dies geschieht insbesondere, wenn zu bef\u00fcrchten ist, da\u00df der Angeworbene aufgrund seiner beruflichen T\u00e4tigkeit oder pers\u00f6nlichen Ein104","Stellung Reisen oder Kontakte in den kommunistischen Machtbereich ablehnen k\u00f6nnte. In den letzten Jahren sind z. B. folgende Institutionen bekanntgeworden: \"Mitarbeiter eines UNO-Instituts\" \"Meinungsforschungsinstitut EMNID\" \"Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Franz\u00f6sischen Nationalen Verteidigungsrates\" \"Britischer Secret Intelligence Service\" \"Mitarbeiter des franz\u00f6sischen Nachrichtendienstes\" \"Royal Institut of International Affairs\" \"Britischer Secret Service\". Die Anwerbung und F\u00fchrung akademisch vorgebildeter Agenten stellt an die Mitarbeiter der Nachrichtendienste erh\u00f6hte Anforderungen. Insbesondere, wenn die Anwerbung unter \"falscher Flagge\" erfolgt, mu\u00df der Werber zumindest \u00fcber gewisse Fachkenntnisse verf\u00fcgen, um nicht von Anfang an unglaubw\u00fcrdig zu erscheinen. Die DDR-Nachrichtendienste setzen daher in zunehmendem Ma\u00dfe auch als \"Werber\" und \"Kuriere\" akademisch gebildete Mitarbeiter ein, die zu ihrer eigenen Sicherheit und der des Agenten mit vorz\u00fcglich gef\u00e4lschten Personaldokumenten ausger\u00fcstet sind und bei einer Festnahme nur sehr schwer \u00fcberf\u00fchrt werden k\u00f6nnen. 2. Einzelne Methoden 2.1 Briefliche Anbahnungsversuche der DDR-Nachrichtendienste nach Zeitungsanzeigen Ausgangspunkt von etwa 18% der brieflichen Anbahnungen durch DDR-Nachrichtendienste waren Zeitungsanzeigen, in denen Bundesb\u00fcrger eine Nebenbesch\u00e4ftigung suchen oder die einen Hinweis auf interessante Zugangsm\u00f6glichkeiten enthalten. In mehreren F\u00e4llen erhielten Bewohner des Bundesgebietes auf entsprechende Zeitungsinserate Zuschriften von DDR-Nachrichtendiensten. Diese Briefe wurden fast alle in Berlin (West) aufgegeben. Durch unkorrekte Absenderangaben wurde zum Teil bei den Empf\u00e4ngern, die mit den Verh\u00e4ltnissen in Berlin nicht vertraut waren, der Eindruck erweckt, der Absender wohne in Berlin (West). Auch unter den bereits in den vergangenen Jahren bekannt gewordenen Legenden \"Zentralstelle f\u00fcr Bildund Informationsaustausch (ZEBI)\" und \"Internationale Werbeund Vermittlungsagentur (INTER WEVAG)\" setzten die DDR-Nachrichtendienste ihre Werbungsversuche fort. 105","2.2 Verwendung von Scheinfirmen Seit Jahren spielen bei der Anwerbung unter \"falscher Flagge\" \"Scheinfirmen\" eine gro\u00dfe Rolle. Eine solche Scheinfirma d\u00fcrfte auch das \"Ingenieurb\u00fcro Hartmut Lorenz, Dresden-Berlin\" sein. Seit Dezember 1972 sind mehrere Versuche eines DDR-Nachrichtendienstes bekanntgeworden, Bundesb\u00fcrger unter der Legende der Mitarbeit f\u00fcr dieses \"Ingenieurb\u00fcro\" als Agenten anzuwerben. Auff\u00e4llig ist, da\u00df diese Legende nicht nur bei Anbahnungen auf brieflichem Wege in die Bundesrepublik, sondern auch bei pers\u00f6nlichen Werbungsversuchen in der DDR benutzt wird, wie durch mehrere F\u00e4lle bekannt wurde. Die Anbahner passen sich durch Vort\u00e4uschung unterschiedlicher Aufgabenstellungen ihres \"B\u00fcros\" an die beruflichen M\u00f6glichkeiten der Zielpersonen an. Sie traten bisher unter den Namen \"Dieter R\u00f6scher\", \"Jochen Sch\u00f6pke\" und \"Eichberg\" auf. 2.3 Anbahnung von Studenten als \"Perspektivkandidaten\" Studenten sind bei Reisen in den kommunistischen Machtbereich in erh\u00f6htem Ma\u00dfe nachrichtendienstlichen Anwerbungsversuchen ausgesetzt, da sie besonders zur Anwerbung als Perspektivkandidaten geeignet sind. Auch in diesen F\u00e4llen erfolgen die Anwerbungen h\u00e4ufig unter \"falscher Flagge\" und mit dem Ziel, die Agenten durch \"Probeauftr\u00e4ge\" zun\u00e4chst zu binden. Hinweise auf diesen Personenkreis entnehmen die DDR-Nachrichtendienste den Berufsangaben der Reiseantr\u00e4ge. Aber auch Verst\u00f6\u00dfe gegen Gesetze und Vorschriften der DDR sind h\u00e4ufig Anla\u00df einer nachrichtendienstlichen Ansprache. Durch den Einsatz akademisch vorgebildeter Mitarbeiter als Werber, Kuriere oder Instrukteure, gelingt es den DDR-Nachrichtendiensten immer h\u00e4ufiger, Studenten auch in der Bundesrepublik anzuwerben. Diese Mitarbeiter halten sich zum Teil unter der Abdeckung, wissenschaftliche Studien zu betreiben, l\u00e4ngere Zeit mit gef\u00e4lschten P\u00e4ssen im Bundesgebiet und im westlichen Ausland auf. 2.4 Anwerbung eines Perspektivkandidaten unter der Legende \"T\u00e4tigkeit f\u00fcr den Secret Service\" Welch gro\u00dfen Aufwand die gegnerischen Nachrichtendienste treiben, um eine Legende aufzubauen und \u00fcber lange Zeit aufrechtzuerhalten mit dem Ziel, einen Agenten in ein bestimmtes Objekt einzuschleusen, zeigt folgender Fall: 106","Am 24. Juli 1973 ist der Instrukteur eines DDR-Nachrichtendienstes auf dem Wege zum Treff mit einem Sachbearbeiter beim Presseund Informationsamt der Bundesregierung (BPA), den er als Agenten betreute, wegen Verdachts geheimdienstlicher T\u00e4tigkeit festgenommen worden. Der von ihm gef\u00fchrte Agent hat \u00fcber seine Agentent\u00e4tigkeit folgende Angaben gemacht: Etwa 1963 habe er w\u00e4hrend seiner Sprachstudien in Paris einen Peter Thiers kennengelernt, der sich als Schweizer Ingenieur ausgegeben habe. Im Sommer 1963 habe Thiers ihn gebeten, bei einem Gespr\u00e4ch mit einem Herrn vom \"Secret Service\" als Zeuge anwesend zu sein. Bei diesem Gespr\u00e4ch sei er ebenfalls zur Mitarbeit f\u00fcr den \"Secret Service\" geworben worden und habe einen Vorschu\u00df von DM 800,erhalten. Im August 1964 habe er f\u00fcr den \"Secret Service\" einen konspirativen Treff in Ost-Berlin durchgef\u00fchrt. Ab Herbst 1964 habe er seine Sprachstudien in Bonn fortgesetzt und sich in der Folgezeit mehrfach mit Thiers in Bonn und K\u00f6ln getroffen. Im Herbst 1965 habe ein neuer Verbindungsmann \"Fred\" die F\u00fchrung \u00fcbernommen. \"Fred\" habe ihm vorgeschlagen, das Abitur nachzuholen, zu studieren und sich als Beamter des h\u00f6heren Dienstes bei einer Bundesdienststelle zu bewerben. Auftragsgem\u00e4\u00df, jedoch vergeblich, habe er sich beim Bundeskanzleramt, beim Bundesministerium f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und beim Bundesministerium der Verteidigung beworben. Im Oktober 1966 habe ihn.das BPA angestellt. Er habe in der Folgezeit u. a. einen Organisationsplan, Nachrichtenspiegel und Charakteristiken \u00fcber Mitarbeiter geliefert. An nachrichtendienstlichen Hilfsmitteln habe er eine Aktentasche mit Geheimfach und eine Kamera Marke \"Edixa Reflex B\" erhalten. W\u00e4hrend eines Urlaubs in Finnland im Sommer 1968 habe \"Fred\" ihm den \"zweiten Chef vom Secret Service, Peddersen\" vorgestellt. Im Herbst 1970 habe ein \"Hammer\" die Betreuung \u00fcbernommen. Von ihm habe er einen Aschenbecher erhalten, in dem eine MinoxKamera versteckt war. Im Fr\u00fchjahr 1972 habe er in einem Hotel in Helsinki einen \"Oberst Petersen\" kennengelernt. Dieser habe ihn dar\u00fcber aufgekl\u00e4rt, da\u00df er nicht f\u00fcr den \"englischen Secret Service\", sondern f\u00fcr die DDR arbeite und ihn bedr\u00e4ngt, sich wieder um eine Anstellung beim Bundeskanzleramt zu bem\u00fchen. F\u00fcr den Fall einer Anstellung beim Bundeskanzleramt werde er eine Pr\u00e4mie von DM 10 000,erhalten. 107","VIII. \u00dcberwachung von Touristen durch den rum\u00e4nischen Nachrichtendienst Ein Rum\u00e4ne, der Ende 1972 in die Bundesrepublik Deutschland fl\u00fcchtete, hat erneut die umfassende \u00dcberwachung westlicher Touristen durch den rum\u00e4nischen Nachrichtendienst Securitate best\u00e4tigt. Er habe seit 1959 der Direktion des Touristenamtes in Mamaia angeh\u00f6rt und sei seit 1968 bis zu seiner Flucht als Chefreiseleiter t\u00e4tig gewesen. W\u00e4hrend der Hauptsaison habe er 100-120 rum\u00e4nische Reiseleiter unter sich gehabt und etwa 30 westdeutsche Reiseleiter betreut. Kein rum\u00e4nischer Reiseleiter k\u00f6nne eine Zusammenarbeit mit dem rum\u00e4nischen Nachrichtendienst vermeiden. Jeder sei verpflichtet, der Securitate Informationen \u00fcber die von ihm geleitete Reisegruppe zu liefern. Die Auftr\u00e4ge w\u00fcrden im allgemeinen auch ausgef\u00fchrt, weil f\u00fcr die Betroffenen eine Zwangssituation entstehe. Der Sicherheitsdienst entscheide \u00fcber eine Weiterbesch\u00e4ftigung des Reiseleiters im folgenden Jahr mit. Auch er habe vom Beginn seiner T\u00e4tigkeit als Reiseleiter (1959) bis zu seiner Flucht Kontakte zur Securitate gehabt. Er sei verpflichtet worden, von ihm betreute Touristen sowie einheimische und ausl\u00e4ndische Reiseleiter zu \u00fcberwachen. Die Securitate habe sich f\u00fcr die politische Einstellung, alle Kontakte und auff\u00e4lliges Benehmen der einzelnen Reisenden interessiert. Seit 1970 sei er als Lehrer zur Ausund Weiterbildung von Reiseleitern herangezogen worden. Die Kurse h\u00e4tten durchschnittlich 8--14 Tage gedauert und seien meistens mit dem Vortrag eines Mitarbeiters der Securitate abgeschlossen worden. In diesen Abschlu\u00dfvortr\u00e4gen seien die Reiseleiter nochmals ausdr\u00fccklich auf ihre Aufgaben im Rahmen der \"Staatssicherheit\" hingewiesen und an ihre Pflicht erinnert worden, \u00fcber ungew\u00f6hnliches Verhalten von Touristen zu berichten. Nach den Angaben des Reiseleiters ist seit 1970 jeder rum\u00e4nische Staatsangeh\u00f6rige durch Gesetz verpflichtet, alle Kontakte zu Ausl\u00e4ndern der Securitate zu melden. Damit ist eine der Voraussetzungen f\u00fcr eine fast l\u00fcckenlose \u00dcberwachung der Touristen geschaffen. Sie beginnt mit der Kontrolle bei der Einreise und wird bis zur Ausreise fortgesetzt. Erfahrungsgem\u00e4\u00df sind nicht nur Reiseleiter f\u00fcr die Securitate t\u00e4tig, sondern diese Stelle setzt auch Personen als Informanten ein, die in Auskunftsb\u00fcros, bei Reparatur108","Werkst\u00e4tten, Tankstellen und vor allem in Hotels und Pensionen besch\u00e4ftigt sind. IX. Nachrichtendienstliche Verpflichtungen von Aussiedlern aus osteurop\u00e4ischen Staaten Die Anwerbung von Aussiedlern durch Geheimdienste kommunistischer Staaten hielt auch im Berichtsjahr an. Besonders hoch ist der Anteil der nachrichtendienstlichen Verpflichtungen bei den Aussiedlern aus Rum\u00e4nien. In fast allen F\u00e4llen wurden die Aussiedler nach Stellung des Aussiedlungsantrages zum rum\u00e4nischen Geheimdienst bestellt, wo h\u00e4ufig zun\u00e4chst versucht wurde, sie von ihrer Absicht, in die Bundesrepublik \u00fcberzusiedeln, abzubringen. Werbungsmittel waren etwa die Zusage der Beschleunigung der Ausreiseformalit\u00e4ten, die Genehmigung sp\u00e4terer Besuchsreisen, aber auch die Androhung, den Ausreiseantrag abzulehnen. Ahnlich wurden auch die Aussiedler aus der Sowjetunion und Polen unter Druck gesetzt. Ber\u00fccksichtigt man insbesondere bei den Aussiedlern aus Polen, da\u00df die ersten Bem\u00fchungen um Aussiedlung h\u00e4ufig bis zu 15 Jahren zur\u00fcckliegen, so wird verst\u00e4ndlich, da\u00df diese Personen dem Druck der Nachrichtendienste nachgeben, um endlich die Ausreisegenehmigung zu erhalten. X. Kernforschung in der Bundesrepublik als Ziel In der Wirtschaftsspionage gegnerischer Dienste stehen die Atomforschungszentren in Karlsruhe und J\u00fclich seit deren Entstehen im Mittelpunkt des Interesses. Neben Informationen allgemeiner Art interessieren sich die gegnerischen Nachrichtendienste insbesondere f\u00fcr die Bereiche Reaktorwerkstoffe, Reaktorenentwicklung, Mengen der gewonnenen atomaren Stoffe, Gaszentrifugenanlage. Bei den Nachrichtendiensten der DDR ist in erster Linie die Hauptverwaltung Aufkl\u00e4rung (HVA) des MfS Abt. V f\u00fcr die Aussp\u00e4hung der Atomforschungszentren zust\u00e4ndig. Zu ihren Aufgaben geh\u00f6rt die Beschaffung von wissenschaftlichen und technischen Daten aus allen Nationen au\u00dferhalb des kommunistischen Machtbereichs. 109","Besonderer Nachdruck wird auf die Beschaffung von Informationen auf dem Gebiet der Atomenergie, der atomaren Waffen und auf neue Entwicklungen auf den Gebieten der Physik und der Chemie gelegt. Auch der milit\u00e4rische Nachrichtendienst der DDR interessiert sich f\u00fcr die Atomforschung im Rahmen eigener Aussp\u00e4hung auf dem Wirtschaftssektor. Die \u00fcbrigen Nachrichtendienste kommunistischer Staaten haben, wie die DDR-Nachrichtendienste, in ihren Zentralen Einrichtungen, die besonders mit der Aussp\u00e4hung der Atomkernforschung und den Entwicklungen auf diesem Gebiet betraut sind. Beim sowjetischen Nachrichtendienst (KGB) unterh\u00e4lt z. B. die Abteilung Wissenschaft und Technik bei allen Botschaften eigene Abteilungen, die f\u00fcr die Beschaffung von Informationen \u00fcber die neuesten Entwicklungen und Forschungsarbeiten auf allen Gebieten der Wissenschaft zust\u00e4ndig sind. Von besonderem Interesse sind in diesem Zusammenhang Austauschwissenschaftler aus Staaten des kommunistischen Machtbereichs, vornehmlich aus der UdSSR. Die Einschleusung des Mikroelektronikers Dipl.-Ing. Harald Gottfried in das KFZ-Karlsruhe war ein Fall von gr\u00f6\u00dferer Bedeutung. Die Nachrichtendienste kommunistischer Staaten versuchen seitdem immer wieder, Informationen \u00fcber das KFZ zu erlangen. Ein weiterer Schwerpunkt der gegnerischen Aussp\u00e4hung ist die KFA J\u00fclich mit ihren angeschlossenen Objekten. Hier begann die Aussp\u00e4hung unmittelbar mit den ersten baulichen Ma\u00dfnahmen im Jahre 1958 und setzte sich bis heute fort. In etwa 80% aller F\u00e4lle konnten DDR-Nachrichtendienste als F\u00fchrungsstelle identifiziert werden. In den \u00fcbrigen F\u00e4llen der vergangenen Jahre sind zu etwa gleichen Teilen sowjetische, polnische und tschechoslowakische Nachrichtendienste als Auftraggeber erkannt worden. XI. Ansprache von Angeh\u00f6rigen des \u00f6ffentlichen Dienstes bei Reisen in den kommunistischen Machtbereich Etwa 60% der aus dem Bundesgebiet - einschlie\u00dflich Berlin (West) -- angesprochenen Personen, darunter 15% Angeh\u00f6rige des \u00f6ffentlichen Dienstes, wurden bei Reisen in oder durch den kommunistischen Machtbereich der Werbung eines gegnerischen Dienstes ausgesetzt. Rund 92% der Angeh\u00f6rigen des \u00f6ffentlichen Dienstes 110","wurden von Nachrichtendiensten der DDR, die restlichen von tschechoslowakischen und sowjetischen Nachrichtendiensten angesprochen. \u00dcber 50% der Ansprachen erfolgte 1973, 25% 1972, der Rest lag vor dieser Zeit. Auffallend ist die relativ hohe Zahl der angesprochenen Polizeibeamten (\u00fcber 25%). In etwa 90% der F\u00e4lle waren private Ostreisen der Kontaktanla\u00df. Die restlichen Personen wurden bei Kontrollen in Ost-Berlin angesprochen. Ca. 90% der Angesprochenen haben sich sofort nach R\u00fcckkehr in die Bundesrepublik offenbart. Rund 13% der Angeh\u00f6rigen des \u00f6ffentlichen Dienstes wurden f\u00fcr den Auftraggeber t\u00e4tig. Die Anwerbungen gingen in diesen F\u00e4llen bis auf das Jahr 1963 zur\u00fcck. Au\u00dfer diesen eindeutig erkannten Werbungen und Werbungsversuchen wurde fast die gleiche Anzahl von Angeh\u00f6rigen des \u00f6ffentlichen Dienstes bei Reisen in oder durch den kommunistischen Machtbereich mit vermutlich nachrichtendienstlichem Hintergrund befragt. In diesen F\u00e4llen waren fast 60% der Betroffenen Polizeibeamte. XII. Verurteilungen Im Jahre 1973 wurden in der Bundesrepublik 31 Personen wegen Landesverrats, geheimdienstlicher T\u00e4tigkeit oder sicherheitsgef\u00e4hrdenden Nachrichtendienstes verurteilt (1972 waren es 48, 1971 47 Personen). Verurteilt wurden: 7 Personen durch das Oberlandesgericht Celle 6 Personen durch das Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf 3 Personen durch das Bayerische Oberste Landesgericht 3 Personen durch das Oberlandesgericht Schleswig 3 Personen durch das Oberlandesgericht Stuttgart 2 Personen durch das Oberlandesgericht Koblenz 2 Personen durch das Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg 1 Person durch das Oberlandesgericht Frankfurt/Main 1 Person durch das Kammergericht Berlin 1 Person durch das Landgericht Flensburg 1 Person durch das Landgericht L\u00fcneburg 1 Person durch das Landgericht K\u00f6ln. Von den Verurteilten hatten 27 Personen Beziehungen zu einem DDR-Nachrichtendienst, 3 zu einem sowjetischen Nachrichtendienst und 1 Person zu einem bulgarischen Nachrichtendienst. 111","Sicherheitsgef\u00e4hrdende Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 1973 I. Allgemeine Erfahrungen 1. Internationaler Terrorismus Die konspirativ arbeitenden Gruppen des pal\u00e4stinensischen Widerstandes haben ihre Terrorakte gegen Ziele in Westeuropa im Jahre 1973 fortgesetzt. Ihre Vorhaben scheiterten jedoch \u00fcberwiegend an der Wachsamkeit der zust\u00e4ndigen inund ausl\u00e4ndischen Sicherheitsorgane. Weder diese Fehlschl\u00e4ge noch die Einstellung gr\u00f6\u00dferer Kampfhandlungen im arabisch-israelischen Krieg mit dem Ziel einer friedlichen L\u00f6sung des Nahost-Konfliktes haben aber bisher dazu beigetragen, die pal\u00e4stinensischen Geheimb\u00fcnde zum Verzicht auf internationalen Terror zu veranlassen. Das Massaker eines pal\u00e4stinensischen Terrortrupps vom 17. Dezember 1973 auf dem Flughafen in Rom sowie die anschlie\u00dfende Geiselnahme und Entf\u00fchrung einer Lufthansa-Maschine haben vielmehr bewiesen, da\u00df weiterhin mit politisch motivierten Gewalttaten schwerster Art gerechnet werden mu\u00df (vgl. Abbildung 1). Terroristische Ziele verfolgen auch einige konspirative Zellen griechischer, italienischer und t\u00fcrkischer Linksextremisten. Entsprechende Tendenzen wurden dar\u00fcber hinaus erneut unter den im Bundesgebiet lebenden kroatischen Nationalisten und ihren politischen Gegnern erkannt. 2. Politisch extreme Ausl\u00e4nderorganisationen in der Bundesrepublik Deutschland a) Entwicklungstendenzen Zum weitaus \u00fcberwiegenden Teil treten die politisch extremen Ausl\u00e4ndergruppen in der Bundesrepublik Deutschland offen auf. Konspirativer Techniken bedienen sich lediglich einige linksextreme Gruppierungen, die in ihren Heimatl\u00e4ndern verboten sind oder ihre T\u00e4tigkeit im Bundesgebiet zumindest teilweise vor den deutschen Beh\u00f6rden geheimzuhalten suchen. Dies gilt besonders f\u00fcr die moskautreuen kommunistischen Parteien Griechenlands und Spaniens sowie f\u00fcr einige Zusammenschl\u00fcsse ausl\u00e4ndischer Maoisten auf deutschem Boden. 112","Die kommunistischen Parteien sowjetischer Pr\u00e4gung haben ihr Organisationsnetz auf deutschem Boden weiter ausbauen k\u00f6nnen. Die Ergebnisse der Mitgliederwerbung blieben indes hinter den Erwartungen der F\u00fchrungskader zur\u00fcck. Relativ h\u00e4ufig lehnten Sympathisanten kommunistischer Ausl\u00e4ndergruppen die ihnen angetragene Parteimitgliedschaft mit dem Hinweis ab, ihre beruflichen und sozialen Interessen w\u00fcrden w\u00e4hrend ihres Aufenthalts in der Bundesrepublik Deutschland hinreichend von den hiesigen Gewerkschaften, Betreuungsstellen und Ausl\u00e4nderbeir\u00e4ten sowie durch die \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) vertreten, die inzwischen auch Gastarbeitern offenst\u00fcnde. Im \u00fcbrigen haben Verluste durch Abwanderung von Mitgliedern und ihren Wohnsitzwechsel innerhalb des Bundesgebietes dazu beigetragen, da\u00df die Gesamtst\u00e4rke der ausl\u00e4ndischen orthodox-kommunistischen Parteien im Berichtsjahr nur geringf\u00fcgig gestiegen ist. R\u00fcckschl\u00e4ge haben die von ausl\u00e4ndischen moskautreuen Kommunisten gesteuerten Betreuungsorganisationen f\u00fcr \"Gastarbeiter\" hinnehmen m\u00fcssen. Nach wie vor liegen die Schwerpunkte der kommunistischen Agitation im Hochschulbereich sowie in den Ausl\u00e4nderwohnheimen und Betrieben. Gerade dort sto\u00dfen die orthodoxen Kommunisten aber auf die wachsende Konkurrenz maoistischer und anderer Gruppen der ausl\u00e4ndischen \"Neuen Linken\", die ihnen die F\u00fchrungsrolle im Kampf gegen \"Imperialismus, Faschismus, Ausbeutung\" und das Ausl\u00e4ndergesetz mit zunehmendem Erfolg streitig machen. Die ausl\u00e4ndische \"Neue Linke\" in der Bundesrepublik Deutschland besteht im wesentlichen aus linksrevolution\u00e4ren Gruppierungen von Italienern, Griechen, T\u00fcrken, Arabern und Iranern. Sie stimmen in der Forderung \u00fcberein, die politischen Verh\u00e4ltnisse in ihren Heimatl\u00e4ndern im Sinne der von ihnen vertretenen Ideologien gewaltsam zu ver\u00e4ndern. Als erkl\u00e4rte Feinde einer freiheitlich demokratischen Rechtsund Staatsordnung neigen sie zu sicherheitsgef\u00e4hrdenden Aktivit\u00e4ten. Insbesondere die maoistischen Gruppen haben an Zahl und politischer Wirkung gewonnen. Hier zeigen sich steigende Tendenzen zur Solidarisierung mit inund ausl\u00e4ndischen Gesinnungsfreunden sowie Ans\u00e4tze zu einer Klassenkampfstrategie, die im Bundesgebiet darauf abzielt, soziale Konflikte zu versch\u00e4rfen, das Ansehen der deutschen Gewerkschaften bei den \"Gastarbeitern\" zu untergraben, eigene Vertrauensm\u00e4nner in m\u00f6glichst viele Betriebe einzuschleusen und so die Voraussetzung f\u00fcr weitere politisch radikale Aktionen zu schaffen. Nach den Erkenntnissen der Sicherheits113","organe haben Aktivisten der ausl\u00e4ndischen \"Neuen Linken\" im Sommer 1973 eine f\u00fchrende Rolle bei einigen wilden G_otarbeiterstreiks in der metallverarbeitenden Industrie gespielt. Die Lage der Vereinigungen ausl\u00e4ndischer Nationalisten und Rechtsextremisten wird durch starke Mitgliederverluste und zunehmende Inaktivit\u00e4t des verbleibenden Anhanges gekennzeichnet. Nur die t\u00fcrkischen Gruppierungen haben ihren zu Beginn des Jahres erreichten Organisationsund Mitgliederstand halten k\u00f6nnen. Besonders hoch waren die Einbu\u00dfen bei den Italienern und Griechen. Ihre nationalistischen Organisationen verloren im Verlauf des Jahres fast die H\u00e4lfte der Anh\u00e4ngerschaft. Im gleichen Zeitraum sind acht Vereinigungen italienischer und griechischer Nationalisten erloschen bzw. politisch radikal nicht mehr in Erscheinung getreten. Mangelnde Einsatzbereitschaft der Funktion\u00e4re und ihre Unf\u00e4higkeit, sich f\u00fcr die beruflichen und sozialen Belange ihrer Landsleute im Bundesgebiet wirksam einzusetzen sowie ein betr\u00e4chtlicher R\u00fcckgang der finanziellen Zusch\u00fcsse aus den Heimatl\u00e4ndern d\u00fcrften f\u00fcr diese Entwicklung ausschlaggebend gewesen sein. b) Zielgruppen Die Zahl der im Bundesgebiet einschlie\u00dflich West-Berlin gemeldeten ausl\u00e4ndischen Arbeitskr\u00e4fte ist in der Berichtszeit von 2,35 auf rd. 2,6 Millionen gestiegen (vgl. Bildtafel 2). Mindestens weitere 1 V2 Millionen Ausl\u00e4nder leben in unserem Land als Familienmitglieder von \"Gastarbeitern\", politische Fl\u00fcchtlinge, Heimatvertriebene, Emigranten und Studenten. Hinzu kommt die Gruppe der sogenannten \"Illegalen\", die in der Bundesrepublik Deutschland ohne Aufenthaltsberechtigung und Arbeitserlaubnis berufst\u00e4tig sind. Sie entziehen sich der beh\u00f6rdlichen Erfassung. Ihre Zahl ist daher unbekannt. Es liegt auf der Hand, da\u00df dieser starke Ausl\u00e4nderanteil an der Gesamtbev\u00f6lkerung das nat\u00fcrliche Operationsfeld aller ausl\u00e4ndischer Extremistengruppen ist. Unter den an deutschen Hochschulen und Universit\u00e4ten studierenden Ausl\u00e4ndern aus autorit\u00e4r regierten Staaten, Entwicklungsl\u00e4ndern und den Krisengebieten des Nahen Ostens hat linksextreme Agitation ein relativ starkes Echo gefunden. So setzen sich die Kader der maoistischen Gruppierungen zur Zeit \u00fcberwiegend aus Studenten und jungen Akademikern zusammen. Daneben haben die \"illegalen\" Arbeitnehmer wegen ihrer sozialen Schwierigkeiten 114","eine gewisse Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr linksrevolution\u00e4re Ideologien erkennen lassen. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr die Heranwachsenden aus solchen Gastarbeiterfamilien, die im Bundesgebiet in besonders ung\u00fcnstigen Verh\u00e4ltnissen leben. Chancen hat der politische Radikalismus von rechts und links nach aller Erfahrung auch bei den Angeh\u00f6rigen von Volksgruppen, die in ihren Heimatgebieten benachteiligt sind, verfolgt werden oder -- wie etwa die \"Pal\u00e4stinenser\" -- um die Verwirklichung nationaler Anspr\u00fcche ringen. Schon in den Vorjahren hatten die ausl\u00e4ndischen Extremisten die Erfahrung gemacht, da\u00df die Radikalisierung gr\u00f6\u00dferer Teile der Gastarbeiterschaft wegen der bei diesen bestehenden politischen Zur\u00fcckhaltung au\u00dferordentlicher Anstrengungen bedarf. Dennoch haben sie ihre Versuche, sich in der Gastarbeiterschaft eine Massenbasis f\u00fcr radikale Aktivit\u00e4ten zu schaffen, unter Einsatz erheblicher Propagandamittel unvermindert fortgesetzt. Dabei nutzten sie die sozialen Konflikte ihrer Landsleute und ihre nach l\u00e4ngerem Aufenthalt auf deutschem Boden zunehmende sozialkritische Haltung aus, um eine Klassenkampfsituation zu erzeugen. Nach wie vor ist aber die Bereitschaft der Gastarbeiter gering, sich w\u00e4hrend ihres Aufenthalts in der Bundesrepublik Deutschland politisch extrem zu bet\u00e4tigen. Das ist nicht zuletzt auf die arbeitsund sozialrechtliche Gleichstellung ausl\u00e4ndischer und deutscher Arbeiter sowie die Betreuungsma\u00dfnahmen der Sozialpartner und Spitzenverb\u00e4nde der Freien Wohlfahrtspflege zur\u00fcckzuf\u00fchren. II. \u00dcbersicht in Zahlen 1. Organisationen Schon in den Vorjahren war das Bild des ausl\u00e4ndischen Extremismus im Bundesgebiet st\u00e4ndigen Ver\u00e4nderungen unterworfen. Relativ h\u00e4ufig waren neue \u00f6rtliche Zusammenschl\u00fcsse entstanden, und zahlreiche der bestehenden Vereinigungen entwuchsen radikalen Einfl\u00fcssen oder erloschen nach kurzer Zeit. Diese Tendenz bestand auch 1973 fort. So haben sich im Laufe des Jahres 40 Vereinigungen aufgel\u00f6st oder die Verfolgung radikaler Ziele aufgegeben. Im gleichen Zeitraum traten 33 Gruppierungen neu auf. Ende 1973 erkannten die Sicherheitsorgane der Bundesrepublik Deutschland insgesamt 226 Ausl\u00e4ndervereinigungen auf deutschem Boden, die nach ihren Zielen oder aufgrund des Verhaltens ihrer Anh\u00e4nger als sicherheitsgef\u00e4hrdend beurteilt werden m\u00fcssen. 115","Die konspirativ t\u00e4tigen Ausl\u00e4ndergruppen gingen - soweit erkennbar - von 42 auf 36 zur\u00fcck. Einige von ihnen entfalteten terroristische Aktivit\u00e4ten. Bei den restlichen 190 Gruppen handelt es sich um 26 Studentenund Jugendorganisationen, 87 politisch extreme \"Betreuungsorganisationen\" f\u00fcr ausl\u00e4ndische Arbeitnehmer und 77 Oppositionsgruppen mit unterschiedlichen Zielen. Statistik des Organisationsstandes ausl\u00e4ndischer Extremistengruppen im Bundesgebiet Zahl der Regionale Mitglieder u. Organisationen Zweiggruppen aktive Anh\u00e4nger Nationalit\u00e4t 1972 1973 1972 1973 1972 1973 Ostemigration und Jugoslawien 30 32 92 85 5 000 3100 Spanien, Portugal 78 81 194 170 8 500 6 200 Italien 22 21 204 215 12 000 12 200 Griechenland 38 30 319 290 31500 22 200 T\u00fcrkei 17 17 95 69 3 800 4 900 Iran 8 8 34 38 800 850 Pal\u00e4stinenser 9 11 55 52 2 200 1050 Sonstige Staaten 29 20 67 64 1200 900 International 2 6 5 20 - 1 000 Insgesamt: 233 226 1065 1003 65 000 52 400 Die gegenw\u00e4rtige Gesamtst\u00e4rke der ausl\u00e4ndischen Extremistengruppen im Bundesgebiet wird auf 52 400 Mitglieder und aktive Anh\u00e4nger gesch\u00e4tzt (gegen\u00fcber etwa 65 000 Ende 1972). Starke Einbu\u00dfen erlitten die ausl\u00e4ndischen Rechtsextremisten und Nationalisten, deren Anh\u00e4ngerschaft von 19 000 auf ca. 12 600 sank. Der Mitgliederbestand der orthodox-kommunistischen Parteien und Vereinigungen sank von etwa 36 000 auf 28 800. Lediglich die ausl\u00e4ndische \"Neue Linke\" einschlie\u00dflich der Sozialrevolution\u00e4r-nationalistischen Vereinigungen erh\u00f6hten ihre Mitgliederzahl (etwa 11 000 gegen\u00fcber 10 000 zu Jahresbeginn). 116","Nach wie vor \u00fcberwiegen die Anh\u00e4nger linksextremer Gruppierungen. N\u00e4heres ergibt die folgende Obersicht: Statistik der ausl\u00e4ndischen Extremistengruppen nach ihrem politisch-ideologischen Standort - Stand: 31. 12. 1973 - OrthodoxSonstige Rechtsextrekommunistirevolution\u00e4re misten sche Parteien Gruppierunund Vereinigen mit gungen LinkstenNationalit\u00e4t denzen * Ostemigration U.Jugoslawien 6 3 23 Spanien, Portugal 67 14 -- Italien 9 8 4 Griechenland 14 15 1 T\u00fcrkei 4 7 6 Iran 1 6 1 Pal\u00e4stinenser -- 11 -- Sonstige Staaten 2 17 1 International 1 4 1 Insgesamt: 104 85 37 (mit etwa (mit etwa (mit etwa 28800 Mitgl.) 11 000 Mitgl.) 12600 Mitgl.) *) In dieser Gruppe sind u. a. die maoistischen, trotzkistischen, anarchistischen und auch die Sozialrevolution\u00e4r-nationalistischen Organisationen zusammengefasst. 2. Publizistik Im Bundesgebiet wurden mindestens 165 Presseorgane politischextremer Ausl\u00e4ndergruppen verbreitet. Damit ist die Zahl dieser Publikationen im Vergleich zum Vorjahre konstant geblieben. Insgesamt 59 periodisch erscheinende Bl\u00e4tter werden hier gedruckt, davon allein 18 in M\u00fcnchen, 13 in Frankfurt und 8 in West-Berlin. Statistik der Presseorgane ausl\u00e4ndischer Extremistengruppen 1972 1973 Zahl der davon in Zahl der davon in Periodika der BRD Periodika der BRD Nationalit\u00e4t gedruckt gedruckt Ostemigration und Jugoslawien 28 12 31 13 Spanien, Portugal 22 4 23 3 Italien 20 3 25 6 Griechenland 23 9 25 10 T\u00fcrkei 26 21 18 13 Iran 12 7 13 6 Pal\u00e4stinenser 13 -- 5 -- Sonstige Staaten 21 5 25 8 Insgesamt; 165 61 165 59 117","Die monatliche Gesamtauflage dieser Publikationen (150 000 St\u00fcck) ist im Vergleich zu 1972 um rund 50 000 St\u00fcck gesunken, da mehrere Zeitschriften mit relativ hoher Auflage, wie die t\u00fcrkischen Maoistenbl\u00e4tter \"SAFAK\" und \"Y\u00d6N\", inzwischen ihr Erscheinen eingestellt haben. Fast 80% dieser Periodika werden von kommunistischen oder sonstigen revolution\u00e4ren Ausl\u00e4ndergruppen mit Linkstendenzen herausgegeben. Die restlichen vertreten nationalistische bzw. rechtsextreme Ziele. Statistik der Zeitungen ausl\u00e4ndischer Extremistengruppen nach ihrem politisch-ideologischen Standort -Stand: 31.12.1973OrthodoxBl\u00e4tter Rechtsinsgesamt kommusonstiger radikale nistische revolutioBl\u00e4tter Bl\u00e4tter n\u00e4rer Gruppen mit LinkstenNationalit\u00e4t denzen Ostemigration und Jugoslawien 1 2 28 31 Spanien, Portugal 12 11 - 23 Italien 10 11 4 25 Griechenland 11 12 2 25 T\u00fcrkei 6 9 3 18 Iran 4 8 1 13 Pal\u00e4stinenser - 5 - 5 Sonstige Staaten 1 24 - 25 Insgesamt: 45 82 38 165 In wesentlich st\u00e4rkerem Umfange als in den vergangenen Jahren haben ausl\u00e4ndische Extremisten Flugschriften, Brosch\u00fcren und \"Dokumentationen\" zu aktuellen Themen unter ihren hier lebenden Landsleuten verteilt. Diese Form der Agitation erreichte vor und w\u00e4hrend der Streiks im Sommer 1973 ihren H\u00f6hepunkt. In der genannten Zeit haben vielfach auch deutsche Sympathisanten an der Herstellung und Verteilung des Propagandamaterials sowie an Flugblattund Plakataktionen in bestreikten Betrieben, Ausl\u00e4nderwohnheimen und Hochschulen mitgewirkt. 118","III. Ausschreitungen Die Beh\u00f6rden f\u00fcr Verfassungsschutz haben im Berichtszeitraum 139 politisch motivierte Ausschreitungen von Ausl\u00e4ndern erfa\u00dft. Wie die nachstehende Statistik zeigt, hatten die entsprechenden Untersuchungen f\u00fcr 1970 und die folgenden beiden Jahre jeweils h\u00f6here Zahlen ergeben. Es erscheint jedoch verfr\u00fcht, hieraus R\u00fcckschl\u00fcsse auf k\u00fcnftige Entwicklungen zu ziehen. Die aktivsten Gruppierungen internationaler Terroristen bestehen fort, ihre Bereitschaft zur Gewaltanwendung ist ungebrochen. Jederzeit mu\u00df deshalb mit einer Steigerung terroristischer Aktivit\u00e4ten auch innerhalb des Bundesgebietes gerechnet werden. Statistik der politisch motivierten Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t 1.1.1970 bis 31.12.1973 Ausschreitungsart: 1970 1971 1972 1973 Terrorakte Mordanschl\u00e4ge 3 3 29 1 Sprengstoffdelikte 5 11 8 Brandstiftungen 12 5 5 1 Flugzeugentf\u00fchrungen 2 2 Insgesamt: 22 8 47 11 n Gewaltakte K\u00f6rperverletzungen 24 31 25 15 Gewalt geg. Sachen 35 13 14 15 Sonstige 20 14 9 3 Insgesamt: 79 58 48 33 Androhung von Mord u. Entf\u00fchrung 19 37 43 22 Sprengstoffund Brandanschl\u00e4gen 54 47 65 52 sonst. Gewaltakten 8 18 54 21 Insgesamt: 81 102 162 95 182 168 257 139 *) Am 17. Dezember 1973 entf\u00fchrten pal\u00e4stinensische Araber eine Maschine der Deutschen Lufthansa von dem r\u00f6mischen Flughafen Fiumicino nach Athen und Kuwait. Wie im Vorjahre wurden von den Ausschreitungen nahezu alle Bundesl\u00e4nder betroffen. Die h\u00e4ufigsten Tatorte waren Bonn, Frankfurt und K\u00f6ln. Nach wie vor sind die meisten erkannten oder vermuteten T\u00e4ter Araber pal\u00e4stinensischer Herkunft. Erstmalig haben auch Iren Gewaltakte gegen Einrichtungen der britischen Stationierungsstreitkr\u00e4fte im Bundesgebiet begangen. 119","1. Terrorakte Die Zahl der schwerwiegenden politischen Terrorakte ging gegen\u00fcber 47 im Vorjahre auf 11 zur\u00fcck. Durch die Entf\u00fchung einer Boeing 737 der Deutschen Lufthansa im Anschlu\u00df an das Blutbad pal\u00e4stinensischer Terroristen auf dem Flugplatz in Rom gerieten die Besatzung und mehrere weitere Geiseln in h\u00f6chste Lebensgefahr. Eine der \u00fcbrigen Gewalttaten forderte ein Menschenleben. Am 14. September 1973 wurde der Bruder eines kroatischen Nationalisten, der zur Zeit eine dreij\u00e4hrige Gef\u00e4ngnisstrafe in Jugoslawien wegen regimefeindlicher Agitation verb\u00fc\u00dft, in seiner Wohnung in Kornwestheim von einem Unbekannten aus n\u00e4chster N\u00e4he durch Kopfschu\u00df get\u00f6tet. Nach den bisherigen Ermittlungen sind politische Hintergr\u00fcnde der Tat zu vermuten. Schwere Verletzungen erlitten zwei Postbeamte, als am 24. November in der Luftpostleitstelle des Frankfurter Flughafens zwei Briefbomben explodierten, die an Empf\u00e4nger in Israel gerichtet waren (vgl. Abbildung 3). Bei der anschlie\u00dfenden Kontrolle der Israel-Post wurden sechs Sprengstoffbriefe gleicher Machart entdeckt und unsch\u00e4dlich gemacht. Die \u00fcbrigen Sprengstoffanschl\u00e4ge sowie eine aus politischen Motiven ver\u00fcbte Brandstiftung richteten zum Teil erheblichen Sachschaden an. So haben vermutlich pal\u00e4stinensische Terroristen am 8. Juni eine Zeitz\u00fcnderbombe in der Werkzeugmaschinenfabrik Werner in Berlin zur Explosion gebracht. Der Sachschaden wird auf rund 500 000,DM gesch\u00e4tzt (vgl. Abbildung 4). Dem gleichen T\u00e4terkreis d\u00fcrfte auch ein Sprengstoffanschlag am 7. September auf den Ausstellungsstand der Firma Isrex zuzurechnen sein, die auf der internationalen Funkausstellung in West-Berlin elektronische Erzeugnisse aus Israel zeigte (vgl. Abbildung 5). Irische Extremisten kommen dagegen als Urheber von Bombenanschl\u00e4gen auf dem Gel\u00e4nde des britischen Hauptquartiers in M\u00f6nchen-Gladbach und gegen ein britisches Milit\u00e4rfahrzeug in Hannover in Betracht. Am 7. Mai wurde auf \u00e4hnliche Weise der Personenkraftwagen des argentinischen Generalkonsuls in West-Berlin besch\u00e4digt. Die einzige Brandstiftung mit politischem Hintergrund richtete sich gegen das Sammellager f\u00fcr Ausl\u00e4nder in Zirndorf. Hier setzten die T\u00e4ter am 22. August sieben Unterkunftsr\u00e4ume in Brand. Die R\u00e4ume waren mit Arabern belegt, die sich jedoch zur Tatzeit au\u00dferhalb ihrer Unterk\u00fcnfte befanden. Als Brandstifter werden Araber vermutet, die auf angebliche Mi\u00dfst\u00e4nde im Lager hinweisen, wollten. Durch polizeiliche Ermittlungen und die seit dem Inkrafttreten des Verfassungsschutz\u00e4nderungsgesetzes vom 7. August 1972 intensivierte Beobachtung sicherheitsgef\u00e4hrdender Bestrebungen von 120","Ausl\u00e4ndern wurden zwei gef\u00e4hrliche Terrorvorhaben vereitelt. Am 18. Oktober 1973 nahm die Berliner Polizei vier Araber pal\u00e4stinensischer Herkunft fest, die im doppelten Boden eines ihrer Gep\u00e4ckst\u00fccke 4,75 kg Plastiksprengstoff mit sich f\u00fchrten (vgl. Abbildung 6 u. 7). Nach dem Ergebnis der bisherigen Ermittlungen sollten damit u. a. Anschl\u00e4ge gegen das B\u00fcro der israelischen Fluggesellschaft EL-AL in West-Berlin und die dortige Ausl\u00e4nderpolizei ver\u00fcbt werden. Einen Monat darauf f\u00fchrten Ermittlungen in Hessen und Baden-W\u00fcrttemberg zur Aufdeckung einer Gruppe t\u00fcrkischer Terroristen. Bei der Festnahme eines ihrer Mitglieder wurden zwei Maschinenpistolen, zwei Pistolen Marke Beretta, fast 2 kg Sprengstoff, 20 Sprengkapseln, eine Z\u00fcndschnur und schriftliche Anweisungen f\u00fcr die konspirative Arbeit polizeilich sichergestellt. 2. Sonstige Gewaltakte Kriminelle Ausschreitungen im Anschlu\u00df an Demonstrationen und im Zusammenhang mit Arbeitsk\u00e4mpfen und Auseinandersetzungen politisch rivalisierender Ausl\u00e4ndergruppen ereigneten sich 1973 nur selten, obwohl die Versammlungst\u00e4tigkeit politisch engagierter Ausl\u00e4nder gerade in dieser Zeit besonders rege war. Bekannt wurden 33 F\u00e4lle dieser Art gegen\u00fcber 48 im Vorjahr. An den K\u00f6rperverletzungen mit politischem Hintergrund waren in erster Linie T\u00fcrken beteiligt. Aktuelle politische Ereignisse wie der arabischisraelische Krieg, die politischen Unruhen und Umst\u00fcrze in Griechenland und Chile sowie Wahlen und politische Strafprozesse in anderen L\u00e4ndern l\u00f6sten demonstrative Sachbesch\u00e4digungen aus, die sich u. a. gegen diplomatische Vertretungen und gesch\u00e4ftliche Niederlassungen Israels, Griechenlands, Portugals und der T\u00fcrkei richteten. Diese \"Demonstrationsfolgedelikte\" haben indes nur geringen Schaden angerichtet. 3. Anonyme Androhung von Gewaltund Terrorakten Nahezu t\u00e4glich gehen den Staatsschutzorganen der Bundesrepublik Deutschland Mitteilungen \u00fcber F\u00e4lle zu, in denen anonyme T\u00e4ter aus politischen Gr\u00fcnden mit Gewaltund Terrorakten gegen Beh\u00f6rden, \u00f6ffentliche Einrichtungen, Gesch\u00e4ftsunternehmen, Politiker und Privatpersonen drohen. Dabei werden h\u00e4ufig erpresserische Forderungen erhoben. Anzeigen und Hinweise dieser Art l\u00f6sen in der Regel umfangreiche Schutzund Sicherheitsma\u00dfnahmen aus, da die Ernsthaftigkeit solcher Drohungen fast nie von vornherein auszuschlie\u00dfen ist. Oft fehlt jeder Hinweis auf die Nationalit\u00e4t der 121","T\u00e4ter. Im abgelaufenen Jahre deuteten aber bei insgesamt 95 Vorkommnissen der genannten Art die Sprache oder andere Anhaltspunkte auf ausl\u00e4ndische T\u00e4ter hin. Bei rund der H\u00e4lfte d\u00fcrfte es sich um Araber handeln. In den restlichen F\u00e4llen lassen die Tatumst\u00e4nde auf t\u00fcrkische, jugoslawische, irische, griechische und iranische T\u00e4ter schlie\u00dfen. Mit Mord und Entf\u00fchrung bedroht wurden - durch Ausl\u00e4nder - prominente Pers\u00f6nlichkeiten wie der Pr\u00e4sident des Bundesverfassungsgerichts, zwei amtierende Bundesminister, der t\u00fcrkische Arbeitsminister anl\u00e4\u00dflich seines hiesigen Aufenthalts, der israelische Botschafter in Bonn und der Vorsitzende des Anerkennungsausschusses beim Bundesamt f\u00fcr die Anerkennung ausl\u00e4ndischer Fl\u00fcchtlinge. Anonyme Bombendrohungen richteten sich u. a. gegen Einrichtungen des zivilen Luftverkehrs (darunter Flugzeuge amerikanischer, israelischer, griechischer, t\u00fcrkischer, iranischer und deutscher Fluggesellschaften), Anlagen der Erd\u00f6lindustrie, j\u00fcdische Kultusgemeinden und Gesch\u00e4ftsunternehmen, deutsche Firmen mit gesch\u00e4ftlichen Verbindungen nach Israel, das t\u00fcrkische Generalkonsulat in Frankfurt und den Generalkonsul Jugoslawiens in Stuttgart. IV. Ausl\u00e4ndergruppen mit terroristischen Tendenzen 1. Pal\u00e4stinensischer Widerstand Die Aktivit\u00e4t der Zweiggruppen des pal\u00e4stinensischen Widerstandes in der Bundesrepublik Deutschland war 1973 geringer als in den Vorjahren. Hauptursache f\u00fcr diese Entwicklung sind die Verbote der \"Generalunion Pal\u00e4stinensischer Studenten\" (GUPS) und der \"Generalunion Pal\u00e4stinensischer Arbeiter\" (GUPA) durch den Bundesminister des Innern im Oktober 1972 und die Ausweisung einiger wichtiger Funktion\u00e4re dieser Organisationen. Ihren im Bundesgebiet verbliebenen Mitgliedern gelang es bisher nicht, sich neu zu formieren oder Ersatzorganisationen zu bilden. Nur zum Teil haben sie ihre Aktivit\u00e4ten im Rahmen anderer politisch extremer Gruppierungen fortgesetzt. Seit der Ausweisung des Jordaniers Abdallah Frangi im September 1972 ist auch der Dachverband der Fedayin, die \"Pal\u00e4stinensische Befreiungsorganisation\" (PLO), in der Bundesrepublik nicht mehr offiziell vertreten. Ihr Ost-Berliner Repr\u00e4sentant hat erst gegen Ende des Jahres verst\u00e4rkt auf die pal\u00e4stinensischen Gruppierungen im Bundesgebiet Einflu\u00df zu nehmen 122","versucht. Da au\u00dferdem auch die im Nahen Osten befindlichen F\u00fchrungsstellen der FATAH, der \"Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" (PFLP) und ihrer maoistischen Abspaltung PDFLP den Zweiggruppen im Bundesgebiet nur selten Aktionsrichtlinien zukommen lie\u00dfen, waren diese Vereinigungen und Zellen weitgehend auf sich selbst gestellt. Viele ihrer Aktivisten fanden ein zus\u00e4tzliches Bet\u00e4tigungsfeld in den mit dem pal\u00e4stinensischen Widerstand sympathisierenden \"Arabischen Studentenvereinigungen\" (ASV) oder als Hinterm\u00e4nner der von deutschen Linksextremisten geleiteten \"Nahost-\" bzw. \"Pal\u00e4stina-Komitees\", denen sich teilweise auch t\u00fcrkische und iranische Extremisten anschlossen. Die meisten Araber pal\u00e4stinensischer Herkunft im Bundesgebiet lehnen den Waffenstillstand im Nahen Osten und eine politische L\u00f6sung des arabisch-israelischen Konflikts ab. F\u00fcr die gegenw\u00e4rtige \"Etappe der Revolution\" gelten folgende \"Strategischen Leitlinien\": * Die Organisierung aller Kr\u00e4fte des Volkes f\u00fcr einen langandauernden Volkskrieg. * Die Verschmelzung des Kampfes des jordanischen und pal\u00e4stinensischen Volkes in einer Front zur Befreiung Jordaniens und zur Gr\u00fcndung eines nationalen demokratischen Staates Jordanien. * Die Errichtung einer gesamtarabischen revolution\u00e4ren Front f\u00fcr alle fortschrittlichen Kr\u00e4fte. * Die Zusammenarbeit des Widerstandes mit den internationalen Befreiungsbewegungen. Aufrufe zur bewaffneten Volksrevolution wenden sich nicht nur gegen \"Unterdr\u00fcckung und Ausbeutung seitens des Kolonialismus\", sondern gleichzeitig gegen die angeblich \"reaktion\u00e4ren\" Regierungen der Vereinigten Arabischen Republik, Jordaniens, Marokkos, Saudi-Arabiens und anderer arabischer Staaten, die es sich zur Aufgabe gemacht h\u00e4tten, \"ihre schuftenden V\u00f6lker zu unterdr\u00fccken, damit sie die Pl\u00e4ne der Regierungen und ihrer Herren nicht durchkreuzen\"; der \"arabische Riese\" bewege sich und eines Tages werde er \"die M\u00e4rtyrer der pal\u00e4stinensischen Revolution und die M\u00e4rtyrer der Revolutionen in Saudi-Arabien, Marokko und Bahrein r\u00e4chen\" (Flugblatt des \"Arabischen Studentenvereins\" M\u00fcnster vom Juli 1973). Die in der Bundesrepublik Deutschland erkannten Zellen und Kontaktstellen der pal\u00e4stinensischen Widerstandsorganisationen ALFATAH, PFLP und PDFLP arbeiten konspirativ. AL-FATAH-Funktion\u00e4re treten grunds\u00e4tzlich unter Decknamen auf. Als Reaktion auf 123","die Ausweisung mehrerer ihrer Gesinnungsfreunde haben sie damit begonnen, Mitglieder auf ihre Zuverl\u00e4ssigkeit zu \u00fcberpr\u00fcfen. Mitgliederverzeichnisse werden aus Sicherheitsgr\u00fcnden weder bei der FATAH noch bei den beiden anderen Vereinigungen gef\u00fchrt. Das Netz ihrer St\u00fctzpunkte erstreckt sich \u00fcber zahlreiche Gro\u00dfst\u00e4dte im Bundesgebiet. Damit wird es den ausw\u00e4rtigen F\u00fchrungsstellen m\u00f6glich, zur Vorbereitung und Unterst\u00fctzung k\u00fcnftiger Terrorakte im Bundesgebiet jederzeit auf ortskundige Helfer zur\u00fcckzugreifen. 2. Sonstige terroristische Gruppierungen Die Bundesrepublik Deutschland ist mit rund 500 000 jugoslawischen Arbeitskr\u00e4ften und etwa 15 000 Emigranten aus Jugoslawien eine nat\u00fcrliche Operationsbasis extremer kroatischer Nationalisten. Insbesondere Anh\u00e4nger der im Juni 1968 vom Bundesminister des Innern verbotenen \"Kroatischen Revolution\u00e4ren Bruderschaft\" (HRB) haben ihre Untergrundt\u00e4tigkeit auf deutschem Boden fortgesetzt. Das Schwergewicht ihrer Aktivit\u00e4ten lag auf organisatorischem Gebiet. Nach den Erkenntnissen der Sicherheitsorgane haben die F\u00fchrungsstellen der Organisation in \u00dcbersee diese Bem\u00fchungen um den Ausbau des Netzes konspirativer \"Dreiergruppen\" auf deutschem Boden, wie in den Vorjahren, durch Entsendung von Kurieren und Instrukteuren aktiv unterst\u00fctzt. Dadurch ist die HRB trotz schwerer R\u00fcckschl\u00e4ge im Jahre 1972 (Ermordung von zwei f\u00fchrenden Funktion\u00e4ren, Verhaftung mehrerer Aktivisten wegen eines Mordkomplotts in Stuttgart, Zerschlagung einer Insurgentengruppe in Jugoslawien) wieder aktionsf\u00e4hig geworden. In einer im Januar 1973 herausgegebenen Informationsschrift der \"HRB -- Aufbauabteilung Europa\" bekennt sich die Organisation erneut zu den Richtlinien f\u00fcr ihre Untergrundt\u00e4tigkeit, die in der Brosch\u00fcre \"Osvetnici Bleiburga\" (Die R\u00e4cher von Bleiburg) enthalten sind. Die Schrift ruft zu Attentaten und Sabotageakten in und au\u00dferhalb Jugoslawiens auf. Dar\u00fcber hinaus enth\u00e4lt sie genaue Anweisungen zur Handhabung von Brandund Sprengs\u00e4tzen. Im Gegensatz zu den kroatischen Nationalisten, die der rechtsextremen \"Ustascha-Ideologie\" nahestehen, sind alle sonst im Bundesgebiet operierenden ausl\u00e4ndischen Terroristen der \"Neuen Linken\" oder dem internationalen Anarchismus zuzurechnen. Ihr gemeinsames Kennzeichen ist der bewu\u00dfte Verzicht auf starre Organisationsformen. St\u00e4rke und Struktur der konspirativen Zellen sind vielmehr den im Einzelfall verfolgten Zielen angepa\u00dft. Oft verf\u00fcgen diese Gruppierungen im Bundesgebiet nur \u00fcber ein loses 124","Netz von Kontaktpersonen. Die folgenden Erkenntnisse aus j\u00fcngster Zeit bieten eine zus\u00e4tzliche Grundlage f\u00fcr die Beurteilung der Sicherheitslage: * Anh\u00e4nger der in der T\u00fcrkei verbotenen maoistischen \"Revolution\u00e4ren Arbeiterund Bauernpartei\" haben im Bundesgebiet mit dem Aufbau einer Zweigorganisation begonnen. Die bisher erkannten Zellen bet\u00e4tigen sich konspirativ und zeigen terroristische Tendenzen. Die bei einem f\u00fchrenden Aktivisten in Frankfurt polizeilich sichergestellten Waffen und Sprengmittel d\u00fcrften f\u00fcr ein Terrorvorhaben aus Anla\u00df der in der T\u00fcrkei anh\u00e4ngigen Strafprozesse gegen den ehemaligen Parteivorsitzenden Dogu Perinzek und seine Gesinnungsfreunde bestimmt gewesen sein. Dar\u00fcber hinaus bestehen in einigen deutschen St\u00e4dten Kontaktstellen der \"Volksbefreiungsarmee der T\u00fcrkei\" (THKO), von der bekannt ist, da\u00df sie ihre Ziele durch politischen Terror zu erreichen sucht. * Unter den Geheimb\u00fcnden des griechischen Widerstandes, die im Bundesgebiet durch Mitglieder vertreten sind, haben die \"Bewegung 20. Oktober\" und die \"Demokratische Verteidigung\" (DA) trotz der Ereignisse in Griechenland erheblich an Bedeutung verloren. Ernsthafte Ans\u00e4tze zu terroristischen Aktivit\u00e4ten wurden lediglich innerhalb der \"Panhellenischen Befreiungsbewegung\" (PAK) erkannt, deren Vorsitzender Andreas Papandreou sozialrevolution\u00e4re Ideen mit dem Ziel einer griechischen \"R\u00e4tedemokratie\" vertritt. Die PAK setzte den Ausbau ihres konspirativen Widerstandsnetzes in Europa fort, dessen organisatorische Trennung von ihrem offen gegen die derzeitigen politischen Verh\u00e4ltnisse in Griechenland agitierenden Zweig bereits 1972 beschlossen wurde. An ihren Konferenzen im Januar, Februar und Juni 1973 im Bundesgebiet haben Funktion\u00e4re aus mehreren europ\u00e4ischen L\u00e4ndern und \u00dcbersee teilgenommen. Dabei wurden als wichtigste Ziele der Aufbau weiterer konspirativer Zellen und die Wiederaufnahme terroristischer Aktivit\u00e4ten im Inund Ausland festgesetzt. Der konspirative Fl\u00fcgel der PAK wird durch ein \"Spezialkomitee\" geleitet, dessen Mitglieder in Italien, der Schweiz und der Bundesrepublik Deutschland leben. * Nach den Erkenntnissen der Beh\u00f6rden f\u00fcr Verfassungsschutz sind im Bundesgebiet mehrere Aktivisten spanischer und italienischer Anarchistengruppen untergetaucht, darunter Angeh\u00f6rige der \"Federacion Anarquista Iberica\" (FAI, \"Iberische Anarchistische F\u00f6deration\"), der \"Federacion Iberica de Juventudes Libertarias\" (FIJL, \"Freiheitliche Iberische Jugendorganisation\") und der 125","\"Federazione Anarchica Italiana\" (FAI, \"Verband Italienischer Anarchisten\") die sich der Strafverfolgung wegen politisch motivierter Gewalttaten in ihren Heimatl\u00e4ndern entzogen hatten. Dar\u00fcber hinaus verf\u00fcgen die genannten Gruppen in mehreren deutschen St\u00e4dten \u00fcber Kontaktpersonen. Es ist deshalb nicht auszuschlie\u00dfen, da\u00df sie ihre terroristischen Aktivit\u00e4ten k\u00fcnftig auch auf Einrichtungen ihrer Herkunftsl\u00e4nder im Bundesgebiet ausdehnen. Gefahren f\u00fcr die innere Sicherheit gehen weiterhin von den ann\u00e4hernd 150 Anh\u00e4ngern der linksradikalen italienischen Vereinigung \"Lotta Continua\" (\"St\u00e4ndiger Kampf\") im Bundesgebiet aus, die - nach ihren zum Teil erheblichen Ausschreitungen in mehreren Werken der Automobilindustrie w\u00e4hrend der vergangenen Jahre -- k\u00fcrzlich wieder durch aktive Teilnahme an \"Hausbesetzungen\" hervorgetreten sind. V. Sonstige Tr\u00e4ger linksextremer Tendenzen 1. Ausl\u00e4ndische kommunistische Parteien und ihre Hilfsorganisationen Nach wie vor sind in der Bundesrepublik Deutschland die orthodoxkommunistischen Parteien Italiens, Griechenlands, Spaniens, Portugals, der T\u00fcrkei und des Iran t\u00e4tig. W\u00e4hrend die drei zuletzt genannten kommunistischen Parteien auf deutschem Boden nur wenige Kontaktstellen unterhalten, ist es den italienischen, griechischen und spanischen Kommunisten gelungen, ihre hiesigen Positionen zu festigen. Neben der \"Partito Comunista Italiano\" (PCI, \"Kommunistische Partei Italiens\") und der \"Partido Comunista de Espana\" (PCE, \"Kommunistische Partei Spaniens\") verf\u00fcgt jetzt auch die prosowjetische \"Kommunistische Partei Griechenlands\" (KKE-Moskaufl\u00fcgel) im Bundesgebiet \u00fcber einen ausgebauten Parteiapparat. Die rund 3500 aktiven PCI-Mitglieder arbeiten in der Bundesrepublik Deutschland offen. Demgegen\u00fcber hat die in Griechenland verbotene KKE ein Netz konspirativ t\u00e4tiger Dreierzellen aufgebaut, die durch das \"Komitee f\u00fcr Westdeutschland\" in K\u00f6ln und die ihm untergeordneten Gebietskomitees in Hannover, D\u00fcsseldorf, Frankfurt und M\u00fcnchen angeleitet werden (vgl. Abbildung 8). Die Zahl ihrer Mitglieder und aktiven Anh\u00e4nger wird auf rund 1000 gesch\u00e4tzt. Der im Jahre 1968 von dieser Partei abgespaltene reformkommunistische \"KKE-Inlandfl\u00fcgel\" verlor dagegen weiter an Bedeutung. 126","Auch die \"Kommunistische Partei Spaniens\" (PCE) verh\u00e4lt sich im Bundesgebiet konspirativ. Ihre rund 1200 Mitglieder werden von dem \"Comite Federal\" in Frankfurt betreut, das der WesteuropaKommission beim Zentralkomitee der PCE in Paris untersteht (vgl. Abbildung 9). Auf ihrer Bundesversammlung im Sommer 1973 in Frankfurt hat die Partei beschlossen, die mittlere Organisationsebene im Bundesgebiet auszubauen und in Zonen zu teilen, die sp\u00e4ter in Regionalkomitees umgewandelt werden sollen. Stark r\u00fcckl\u00e4ufig ist die Entwicklung der von ausl\u00e4ndischen Kommunisten gesteuerten \"Hilfsorganisationen\". Statistik der Hilfsorganisationen ausl\u00e4ndischer kommunistischer Parteien im Bundesgebiet (Stand: 31.12.1973) Mitglieder Organisationen 1971 1972 1973 Griechische 19 000 18000 14 000 Italienische 6 000 5 600 4 500 Spanische 5000 5 000 3800 Sonstige 2 000 1900 1100 Insgesamt: 32 000 30 500 23 400 \u00dcber zahlreiche Zweigstellen verf\u00fcgen der \"Bund Griechischer Gemeinden\" (OEK) und die \"Griechischen Antidiktatorischen Komitees\" (EAE), deren Funktion\u00e4re oft gleichzeitig Mitglieder der KKE sind. Die Arbeit der PCE wird durch die \"Kommission zur Unterst\u00fctzung der Arbeiterkommissionen in Spanien\" (CC.OO) und die teilweise kommunistisch unterwanderten \"Spanischen KulturKlubs\" (CCE) unterst\u00fctzt. Als st\u00e4rkste Betreuungsorganisation der italienischen Kommunisten ist der \"Italienische Verband der Gastarbeiter und ihrer Familien\" (FILEF) hervorzuheben. 2. Die ausl\u00e4ndische \"Neue Linke\" Seit 1970 ist die Zahl der Mitglieder kommunistischer und sonstiger linksextremer Ausl\u00e4ndervereinigungen, die sich vom Kommunismus sowjetischer Pr\u00e4gung distanzieren, von zun\u00e4chst 4000 auf 10 000 zu Beginn des Jahres 1973 angewachsen. Um die Jahreswende 1973/74 geh\u00f6rten bereits rund 11 000 Ausl\u00e4nder im Bundesgebiet der \"Neuen Linken\" an, davon mehr als die H\u00e4lfte maoistischen Gruppierungen. Der Rest setzt sich aus Sozialrevolution\u00e4ren Nationalisten, Trotzkisten, Anh\u00e4ngern lateinamerikanischer Revolutions127","modelle und Anarchisten zusammen. Allen gemeinsam ist die Ablehnung der parlamentarisch-demokratischen Verfassungsordnung und der Wille zum Umsturz des bestehenden Herrschaftssystems in ihren Heimatstaaten mittels \"revolution\u00e4rer Gewalt\". Lediglich \u00fcber Art und Zeitpunkt der Gewaltanwendung bestehen unterschiedliche Ansichten. Wie bei der deutschen \"Neuen Linken\" stammen auch die Aktivisten der entsprechenden ausl\u00e4ndischen Gruppierungen vorwiegend aus der studentischen Jugend. An nahezu allen deutschen Hochschulen und Universit\u00e4ten bestehen heute Zweiggruppen ausl\u00e4ndischer maoistisch oder Sozialrevolution\u00e4r eingestellter Studenten. Zu den aktivsten z\u00e4hlen die \"Studentenf\u00f6deration der T\u00fcrkei in Deutschland\" (AT\u00d6F) und die \"Conf\u00f6deration Iranischer Studenten-Nationalunion\" (CISNU) mit ihrer Mitgliederorganisation \"F\u00f6deration Iranischer Studenten in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin\" (FIS). AT\u00d6F und FIS haben im Bundesgebiet zusammen mehr als 1000 Mitglieder. Ausl\u00e4ndische Studenten spielen auch eine wichtige Rolle in den Arbeiterorganisationen der \"Neuen Linken\". Auf ihre Initiative gehen weiterhin zahlreiche Versuche zur\u00fcck, der organisatorischen Zersplitterung linksrevolution\u00e4rer Gruppierungen durch den Aufbau von Dachverb\u00e4nden und Aktionsgemeinschaften entgegenzuwirken, \"Revolution\u00e4re Arbeiterkomitees\" in den Betrieben zu etablieren und die Agitation in den Wohnheimen der Gastarbeiter zu verst\u00e4rken. So haben in erster Linie Studenten den Zusammenschlu\u00df mehrerer t\u00fcrkischer Maoistengruppen zur \"Patriotischen Einheitsfront der T\u00fcrkei\" (PEF) zustande gebracht, von der sich inzwischen jedoch wieder ein sozialrevolution\u00e4rer Fl\u00fcgel abgespalten hat. Wie sich aus sichergestellten Publikationen einer Zweiggruppe der AT\u00d6F ergibt, ist bei dieser Studentenorganisation \"die Linie zwischen geheimer und offener T\u00e4tigkeit\" so gezogen, da\u00df die Vorstandsmitglieder entsprechend der Satzung \u00f6ffentlich agieren, w\u00e4hrend die Zusammensetzung und Arbeitsweise der \"Revolution\u00e4ren Studentenund Fabrikkomitees\" geheimgehalten werden (\"Unsere Stimme\", Presseorgan der t\u00fcrkischen Studentenvereinigung Konstanz Nr. 2, Seite 3). Zweiggruppen ausl\u00e4ndischer maoistischer Parteien wurden bisher nur bei den Italienern, Spaniern und T\u00fcrken erkannt. Ihr Bestand an Mitgliedern ist sehr gering. Die \"Partito Comunista -- ML -- Italiano\" (PC-ML-I, \"Kommunistische Partei Italiens -- ML\"), ihre spanische Schwesterpartei (PCE-ML) und die \"Revolution\u00e4re Arbeiterund Bauernpartei der T\u00fcrkei\" d\u00fcrften in der Bundesrepublik 128","Deutschland insgesamt kaum mehr als 300 Mitglieder haben. Ihre bedeutendsten Massenorganisationen sind die \"Federazione Italiani Lavoratori Emigrati\" (FILE, \"Verband ausgewanderter italienischer Arbeiter\"), die spanische \"Frente Revolucionario Antifascista y Patriota\" (FRAP, \"Revolution\u00e4re Antifaschistische Volksfront\") und der maoistische Fl\u00fcgel der \"Patriotischen Einheitsfront der T\u00fcrkei\" (PEF). Die griechischen Maoisten haben noch keine Parteiorganisation. Jedoch fordert die \"Revolution\u00e4re Kommunistische Bewegung Griechenlands\" (EKKE) in ihren Publikationen den Aufbau einer marxistisch-leninistischen Partei. Da die Vereinigungen vielfach ihre St\u00e4rke geheimzuhalten suchen oder bewu\u00dft \u00fcberh\u00f6hte Mitgliederzahlen nennen, sind entsprechende Sch\u00e4tzungen im Einzelfall schwierig. Dies vorausgeschickt, l\u00e4\u00dft sich die Anh\u00e4ngerschaft der ausl\u00e4ndischen \"Neuen Linken\" im Bundesgebiet nach Nationalit\u00e4t wie folgt gliedern: Araber etwa 2 500 T\u00fcrken etwa 2 400 Griechen etwa 2 200 Spanier etwa 1 400 Italiener etwa 1 300 Iraner etwa 800 Sonstige etwa 400 Insgesamt maximal 11 000 Die ausl\u00e4ndischen maoistischen Gruppierungen suchen verst\u00e4rkt Anlehnung und Zusammenarbeit bei den ideologisch verwandten Vereinigungen der deutschen \"Neuen Linken\". Hier gewinnen Aktionsgemeinschaften ausl\u00e4ndischer und deutscher Gruppierungen zunehmend an Gewicht. Es liegt auf der Hand, da\u00df eine Zusammenarbeit dieser Art, bei der die deutschen Partner vielfach die Verantwortung nach au\u00dfen \u00fcbernehmen, das Selbstvertrauen der ausl\u00e4ndischen Gruppen st\u00e4rkt, ihre Aktivit\u00e4t belebt und damit die Gefahr ihrer Radikalisierung erh\u00f6ht. VI. Schwerpunkte der linksextremen Agitation 1. Revolution\u00e4re Propaganda W\u00e4hrend die orthodox-kommunistischen Ausl\u00e4ndergruppen in ihrer Agitation gegen die Regierungen des jeweiligen Herkunftslandes 129","vorwiegend auf Gewaltparolen verzichten, treten die meisten sonstigen Linksextremisten f\u00fcr die revolution\u00e4re Ver\u00e4nderung der politischen und sozialen Verh\u00e4ltnisse in ihrer Heimat mit Waffengewalt und Terror ein. Aufrufe zum \"Volksbefreiungskampf\" nach Guerilla-Art sind vor allem in den Publikationen t\u00fcrkischer Maoisten enthalten (Abbildung 10). Bei einigen ihrer Aktivisten wurden Flugschriften gefunden, die Anweisungen f\u00fcr politische Gewalttaten enthalten (Abbildung 11). Gewaltparolen verbreiten auch die pal\u00e4stinensischen Widerstandsorganisationen, die \"Volksfront f\u00fcr die Befreiung Omans und des arabischen Golfes\" (PFLOAG), die \"Conf\u00f6deration Iranischer Studenten-Nationalunion\" (CISNU, vgl. Abbildung 12), die \"Irakische Revolution\u00e4re Organisation in Deutschland\" (TTIA) sowie einige griechische und italienische Aktionsgruppen im Bundesgebiet. 2. Angriffe gegen die Bundesrepublik Deutschland, Klassenkampfpolemik Nach wie vor setzen die Agitatoren der ausl\u00e4ndischen extremen Linken alles daran, durch eine Hetzkampagne gegen die Bundesrepublik Deutschland Unruhe und Unzufriedenheit unter den \"Gastarbeitern\" zu stiften und das so geschaffene Klima f\u00fcr die eigenen politischen Zwecke zu nutzen. Dabei benutzen sie zunehmend polemische Mittel; so werden der Bundesregierung imperialistische Ziele und Ausl\u00e4nderfeindlichkeit in der Absicht unterstellt, der zunehmenden Wertsch\u00e4tzung der tragenden Grunds\u00e4tze unserer Verfassung innerhalb der ausl\u00e4ndischen Arbeiterschaft entgegenzuwirken. In diesem Zusammenhang werden M\u00e4ngel in der Eingliederung und Betreuung der Gastarbeiter verallgemeinert und als Ergebnisse einer angeblich bewu\u00dft ausl\u00e4nderfeindlichen Politik hingestellt, die sich u. a. auch darin ausdr\u00fccke, da\u00df den Arbeitern aus Drittl\u00e4ndern der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft Freiz\u00fcgigkeit und das Recht auf freien Wechsel des Arbeitsplatzes vorenthalten w\u00fcrden. Das italienische Maoistenblatt \"La Voce Degli Emigranti\" verstieg sich sogar zu der Behauptung, die deutsche Regierung tue alles, \"um die Emigranten isoliert zu lassen\". \"Pornographie, Zeitschriften, Pornofilme, Karateschule und Spielautomaten\" seien \"Instrumente der deutschen Sozialdemokratie\", um der italienischen Jugend die \"kommunistische Einheit im Dienste der Einheit des Volkes\" zu verwehren. Die Regierung der Bundesrepublik sei deshalb neben derjenigen Italiens \"der zweite Feind der Gastarbeiter\". Hunderte von Anh\u00e4ngern seien bereits in den \"sozialdemokratischen Gef\u00e4ngnissen\" gewesen (\"La Voce Degli Emigranti\", Aus130","g\u00e4be vom 16. 6. 1973). Die spanische \"Revolution\u00e4re Antifaschistische Volksfront\" (FRAP) hat in einem in N\u00fcrnberg verbreiteten Flugblatt den Vorwurf erhoben, ausl\u00e4ndische Arbeiter und ihre Familien m\u00fc\u00dften \"eine st\u00e4ndige Rassendiskriminierung erdulden\", die in der Bundesrepublik Deutschland \"auf dem zum Explodieren reifen Kapitalismus\" beruhe. Unvermindert stark ist auch die linksextreme Agitation gegen das geltende Ausl\u00e4ndergesetz. Sie zielt u. a. auf die Verunsicherung der Exekutivorgane ab. So haben t\u00fcrkische Maoisten die Ausl\u00e4ndergesetze als \"Mittel in der Hand der Bosse und ihres Staatsapparates\" bezeichnet, um gegen politisch mi\u00dfliebige Ausl\u00e4nder vorzugehen (Schreiben der \"Studenten-F\u00f6deration der T\u00fcrkei in Deutschland e.V.\", K\u00f6ln, vom 3.11.1973, \u00e4hnlich in \"FIS-INFO\", dem Organ der \"F\u00f6deration Iranischer Studenten\" vom Oktober 1973). Insbesondere die \"illegalen ausl\u00e4ndischen Arbeiter\" w\u00fcrden \"wie Diebe, Rauschgifth\u00e4ndler und Zuh\u00e4lter\" behandelt. Sie sollten durch die Verweigerung der erforderlichen Papiere gezwungen werden, \"sich wie Ratten in ihren L\u00f6chern zu verstecken, sich f\u00fcr ein paar lumpige Pfennige auf Tod und Verderben an die Kapitalisten zu verkaufen\" (gemeinsamer Aufruf der Kommunistischen Partei Spaniens -- ML (PCE-ML), der t\u00fcrkischen \"Studentenf\u00f6deration in Deutschland\", der CISNU, FRAP und anderer Organisationen vom 8.10.1973). Die vorwiegend von t\u00fcrkischen, griechischen, italienischen und spanischen Maoisten betriebene Klassenkampfpolemik erreichte im Sommer 1973 anl\u00e4\u00dflich der Streiks in der metallverarbeitenden Industrie ihren H\u00f6hepunkt. In dieser Zeit verbreiteten die genannten Gruppierungen auch h\u00e4ufig gewerkschaftsfeindliche Parolen. So stellte das t\u00fcrkische Blatt \"Halkin Sesi\" (Stimme des Volkes) in einem Artikel zu den Streiks bei den K\u00f6lner Ford-Werken die Behauptung auf, \"die gelben Gewerkschaften und die Arbeitervertretungen\" h\u00e4tten \"wie immer auf Seiten der Arbeitgeber gestanden\" (Halkin Sesi Nr. 8/73, S. 3). An anderer Stelle dieses Artikels werden die Repr\u00e4sentanten der Werksleitung als \"Arbeitgeberhunde\" diffamiert. VII. Aktionsschwerpunkte linksextremer Ausl\u00e4ndergruppen 1. Betriebsarbeit Bei den Betriebsratswahlen des Jahres 1972 wurden insgesamt etwa 3100 Ausl\u00e4nder in die Betriebsr\u00e4te ihrer Besch\u00e4ftigungsunter131","nehmen gew\u00e4hlt. Nach Sch\u00e4tzungen der Staatsschutzbeh\u00f6rden d\u00fcrften h\u00f6chstens 80 von ihnen politisch extremen Ausl\u00e4nderorganisationen angeh\u00f6ren. Im wesentlichen handelt es sich um Mitglieder der kommunistischen Parteien Italiens und Spaniens. Der Rest besteht -- von wenigen Ausnahmen abgesehen -- aus moskautreuen Kommunisten anderer Nationalit\u00e4t. Angesichts dieser entt\u00e4uschend geringen Repr\u00e4sentanz in den Betriebsr\u00e4ten haben die ausl\u00e4ndischen Linksextremisten in letzter Zeit verst\u00e4rkte Anstrengungen unternommen, ihre politische Arbeit auf Betriebsebene durch organisatorische Ma\u00dfnahmen und erh\u00f6hte Aktivit\u00e4t unter den Werksangeh\u00f6rigen zu beleben. Den orthodoxen Kommunisten kamen dabei vielf\u00e4ltige Hilfen der DKP zugute, die sich u. a. dazu bereit fand, bei der Herausgabe ihrer mehrsprachigen Betriebszeitungen auf die W\u00fcnsche der \u00f6rtlichen Zellen ausl\u00e4ndischer kommunistischer Parteien einzugehen. Von den relativ schwachen Gruppen der ausl\u00e4ndischen \"Neuen Linken\" gingen die sichtbarsten Impulse f\u00fcr sicherheitsgef\u00e4hrdende Aktivit\u00e4ten in Betrieben aus. Die meisten Betriebszellen ausl\u00e4ndischer Maoistengruppen arbeiten im Bundesgebiet konspirativ. Wie sich aus sichergestellten Dokumenten und anderen Hinweisen ergibt, wird nach folgenden Grunds\u00e4tzen verfahren: * Betriebszellen sollen in \u00dcbereinstimmung mit der \"Klassenstruktur\" der Gesamtorganisation zum \u00fcberwiegenden Teil aus \"den am meisten ausgenutzten\" Werkt\u00e4tigen bestehen, da diese \"opportunistischen Str\u00f6mungen\" weniger zug\u00e4nglich w\u00e4ren als gelernte Handwerker und qualifizierte Facharbeiter. * Zellenversammlungen werden an wechselnden, der Polizei unbekannten Orten au\u00dferhalb des Betriebes durchgef\u00fchrt; dabei werden Decknamen gebraucht. Nur der \"Sekret\u00e4r\" kennt die Namen und Anschriften aller Mitglieder. * \"Agitationsversammlungen\" und Aktionen im Rahmen von Arbeitsk\u00e4mpfen werden grunds\u00e4tzlich von Aktivisten der Organisation geleitet, die nicht Mitglieder der Betriebszellen sind, sondern \"von au\u00dfen kommen\". An Zusammenk\u00fcnften von Funktion\u00e4ren und beitrittswilligen Betriebsangeh\u00f6rigen nehmen Angeh\u00f6rige der konspirativen Zellen nicht teil. * Zu den wesentlichsten Aufgaben der Betriebszellen z\u00e4hlen systematische Analysen des Produktionsablaufs und der Arbeitsbedingungen sowie die Sammlung von Informationen \u00fcber innerbetriebliche Mi\u00dfSt\u00e4nde und deren Weitermeldung an \u00fcbergeordnete Funktion\u00e4re. Um diese Aufgabe erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen, sollen sich die 132","Zellenmitglieder um Arbeitspl\u00e4tze mit g\u00fcnstigen Kontaktgelegenheiten bem\u00fchen, wie in der Werkzeugund Materialausgabe oder als Fahrer von Gabelstaplern. * Aus Sicherheitsgr\u00fcnden werden Betriebszeitungen, Plakate und Handzettel f\u00fcr Werksangeh\u00f6rige von den Mitgliedern der Zelle pers\u00f6nlich hergestellt. F\u00fcr die Agitation gilt das Prinzip, da\u00df wirtschaftliche und soziale Argumente stets mit revolution\u00e4ren Kampfparolen zu verbinden sind. Die Verteilung dieses Materials obliegt besonderen Beauftragten. In einem in dem Parteiorgan der KPD \"Rote Fahne\" ver\u00f6ffentlichten Interview mit dem t\u00fcrkischen Streikf\u00fchrer bei den Ford-Werken in K\u00f6ln hat dieser betont, seine Aufgabe sei es nicht gewesen, Wortf\u00fchrer in einem Arbeitskampf zu sein, sondern \"als Revolution\u00e4r die Arbeiter im Werk zusammenzubringen und einen revolution\u00e4ren Kern zu bilden\". Beim n\u00e4chsten Streik sei es notwendig, \"mit vielen revolution\u00e4ren Kollegen\" die Werksleitung zu besetzen sowie an den technischen Brennpunkten des Unternehmens \"Computer und wertvolle Maschinen\" zu \"bewachen\", um wirksame \"Druckmittel gegen die Polizei\" in die Hand zu bekommen (\"Rote Fahne\", Nr. 40 vom 3.10.1973, vgl. Abbildung 13). Als Wortf\u00fchrer linksrevolution\u00e4rer Ausl\u00e4ndergruppen sind in den Betrieben relativ oft geschulte Funktion\u00e4re aus dem akademischen Bereich aufgetreten. Anl\u00e4\u00dflich der Streiks im Sommer 1973 kn\u00fcpfte ihre Agitation an die Forderungen der \"Gastarbeiter\" nach Teuerungszulagen, gerechterer Vergabe der \u00dcberstunden, Fortfall der \"Leichtlohngruppen\", l\u00e4ngerem Jahresurlaub und besseren Wohnverh\u00e4ltnissen an. Dabei wurde die Belastung ausl\u00e4ndischer Arbeitnehmer durch Isolierungsgef\u00fchle, Stre\u00df und aufgestaute Affekte bewu\u00dft genutzt. 2. Unterwanderung demokratischer Institutionen Angesichts der zunehmenden Schw\u00e4che ihrer \"Betreuungsorganisationen\" haben die ausl\u00e4ndischen orthodoxen Kommunisten ihre Bem\u00fchungen verst\u00e4rkt, sich durch Scheinsolidarit\u00e4t mit den deutschen Gewerkschaften politisch aufzuwerten. Insbesondere die kommunistischen Parteien Italiens, Griechenlands und Spaniens forderten ihre Aktivisten auf, den Industriegewerkschaften beizutreten, um dort bestimmte Nahziele ihrer Parteien anzusteuern, sich demonstrativ zur \"Aktionseinheit\" zu bekennen und das eigene politische Image als Voraussetzung f\u00fcr eine wirksamere Agitation unter den im Bundesgebiet arbeitenden Landsleuten aufzubessern. 133","Im Gegensatz dazu verhalten sich die ausl\u00e4ndischen Maoistengruppen seit jeher gewerkschaftsfeindlich. Sie sehen in den Interessenverb\u00e4nden der deutschen Arbeiterschaft \"systemst\u00fctzende Institutionen\", die besonders deshalb bek\u00e4mpft werden m\u00fc\u00dften, weil eine Radikalisierung der ausl\u00e4ndischen Arbeitnehmer im Bundesgebiet erst nach sp\u00fcrbarem Machtverlust der etablierten Gewerkschaften zu erreichen sei. Vornehmlich griechische Linksextremisten propagierten den Aufbau einer europ\u00e4ischen \"Gastarbeiter-Internationale\". Diesem Kampfverband des \"europ\u00e4ischen Subproletariats\" fiele u. a. die Aufgabe zu, dem angeblich unzul\u00e4nglichen Eintreten der nationalen Gewerkschaften f\u00fcr die Belange der Gastarbeiter eine von diesen selbst erarbeitete politische Konzeption entgegenzusetzen. T\u00fcrkische Maoistengruppen riefen zur geheimen Unterwanderung der Mitgliedsorganisationen des Deutschen Gewerkschaftsbundes auf. Mit diesen Infiltrationsversuchen wollen sie Zugang zu organisationsinternen Informationen gewinnen, um sie zu gewerkschaftsfeindlicher Agitation zu verwenden. Derartige Aktivit\u00e4ten ausl\u00e4ndischer Linksextremisten im Gewerkschaftsbereich haben bisher nur vereinzelt zu dem gew\u00fcnschten Erfolg gef\u00fchrt, zumal erkannte ausl\u00e4ndische Anh\u00e4nger der \"Revolution\u00e4ren Gewerkschaftsopposition\" nach einem Beschlu\u00df des DGB mit ihrem Ausschlu\u00df rechnen m\u00fcssen. Weitere Infiltrationsschwerpunkte sind die Ausl\u00e4nderreferate der \"Allgemeinen Studentenaussch\u00fcsse\" sowie die in Kassel, N\u00fcrnberg, Troisdorf und anderen Orten entstandenen Ausl\u00e4nderbeir\u00e4te der Kommunalverwaltungen, denen insbesondere die Kommunistische Partei Spaniens (PCE) erhebliche Bedeutung f\u00fcr ihre politische Arbeit auf deutschem Boden beimi\u00dft (vgl. Mundo Obrero Nr. 18 vom 17. 10. 1973). VIII. Ausl\u00e4ndische Nationalistengruppen 1. Ostemigration Die - offen arbeitenden - politischen Vereinigungen der Ostemigranten im Bundesgebiet setzten trotz weiterhin r\u00fcckl\u00e4ufiger Mitgliederzahlen und zunehmender finanzieller Schwierigkeiten ihre Aktivit\u00e4t fort. Sie d\u00fcrften insgesamt kaum mehr als etwa 3000 politisch aktive Mitglieder haben. Im Vordergrund ihrer publizistischen 134","T\u00e4tigkeit standen Berichte \u00fcber die Verfolgung von B\u00fcrgerrechtlern und Intellektuellen in der Sowjetunion sowie kritische Stellungnahmen zu der Entspannungspolitik der Bundesregierung und ihrer Verb\u00fcndeten. In einem \"Appell aus der Ukraine\", den der \"Antibolschewistische Block der Nationen\" (ABN) verbreitete, werden die Regierungen der USA und anderer Staaten als mitverantwortlich f\u00fcr die \"Zunahme des Terrors\" und die \"Ausbreitung einer neuen Welle des Stalinismus\" in der Sowjetunion bezeichnet. Die kommunistischen Staaten verst\u00e4rkten ihre Bem\u00fchungen, die Emigranten politisch in ihrem Sinn zu beeinflussen. Erstmals trat im Bundesgebiet eine prosowjetische lettische Gruppe hervor, die den Kulturaustausch mit der Heimat f\u00f6rdern will. Die Kontakte zwischen Vertretern der Volksrepublik China und einigen nationalistischen insbesondere ukrainischen Gruppierungen der Ostemigranten wurden intensiviert, wobei sich die Emigranten aus Osteuropa vor dem Hintergrund der sowjetisch-chinesischen Spannungen eine Unterst\u00fctzung ihrer Selbst\u00e4ndigkeitsbestrebungen durch China erhoffen. Die bedeutendste ukrainische Exilvereinigung, die \"Organisation Ukrainischer Nationalisten\" (OUN) mit Sitz in M\u00fcnchen, sah sich infolge personeller und finanzieller Schwierigkeiten, aber auch aufgrund politischer \u00dcberlegungen veranla\u00dft, das Schwergewicht ihrer T\u00e4tigkeit in das Ausland zu verlegen. Die Konferenzen der OUN fanden in diesem Jahr in Kanada und Gro\u00dfbritannien statt. Auch das Verbandsorgan soll k\u00fcnftig in London, dem Hauptsitz der Organisation, gedruckt werden. Die \"Kroatische Befreiungsbewegung\" (Richtung Dr. Hefer) verbreitete im Bundesgebiet zum ersten Mal umfangreiche \"Anweisungen f\u00fcr den kroatischen K\u00e4mpfer zur Befreiung der Heimat\", in denen alle Bereiche des Guerillakampfes behandelt werden. Bisher hatte sie es vermieden, die Anwendung von Gewalt in dieser Weise offen zu propagieren. Die in letzter Zeit verst\u00e4rkten Einigungsbestrebungen der kroatischen Nationalisten scheiterten bisher an der Rivalit\u00e4t ihrer F\u00fchrer. Einem am 4. November 1973 in Karlsruhe gebildeten \"Kroatischen Kontinental-Rat f\u00fcr Europa\" traten zwei der wichtigsten kroatischen Vereinigungen nicht bei. Ziel der Bem\u00fchungen, das kroatische Exil in Dachorganisationen zusammenzufassen, ist die f\u00fcr Anfang 1974 in Aussicht genommene Einsetzung einer kroatischen Weltvertretung im Ausland. Durch politisch radikale Agitation trat eine nach dem ber\u00fcchtigten Bukarester Gef\u00e4ngnis benannte rum\u00e4nische \"Gruppe Jilava\" hervor. 135","2. Rechtsextreme T\u00fcrken, Griechen und Italiener Die Agitation t\u00fcrkischer Nationalisten unter den Gastarbeitern aus diesem Lande hat zugenommen. Wie in den Jahren zuvor neigen die Wortf\u00fchrer dieser Vereinigungen aus nationaler \u00dcberheblichkeit und religi\u00f6sem Fanatismus zur Ha\u00dfpropaganda gegen die hiesigen Vertreter der t\u00fcrkischen extremen Linken und zu rassistischer, antichristlicher und antizionistischer Polemik. Das t\u00fcrkische Volk wird als \"der w\u00fcrdigste Stamm der Welt\" bezeichnet (\"Miluuiyetci Hareket\", Zeitschrift der MHP vom Februar 1972). Wer ihm schade, m\u00fcsse vernichtet werden. In fremder Umwelt sei es den nationalen Vereinigungen vorbehalten, \"Festungen\" gegen \"Kommunismus, Zionismus, Christentum, Unzucht und Alkohol\" zu sein (\"Hamle\", Organ des T\u00fcrkischen Kulturund Solidarit\u00e4tsvereins Berlin, Nr. 20 vom September 1973). Diese Agitation f\u00e4llt bei Gastarbeitern gelegentlich auf fruchtbaren Boden. Zur Zeit d\u00fcrften die rechtsextremen t\u00fcrkischen Vereinigungen im Bundesgebiet etwa 2000 Mitglieder und aktive Anh\u00e4nger haben (gegen\u00fcber 1600 im Jahre 1972). Gegenw\u00e4rtig ist die \"Partei der Nationalistischen Bewegung\" (MHP) die gr\u00f6\u00dfte derartige t\u00fcrkische Vereinigung auf deutschem Boden. Sie unterh\u00e4lt in mindestens 30 St\u00e4dten der Bundesrepublik Zweiggruppen .Auf Anweisung ihres Vorsitzenden sollen Mitgliederlisten wegen der \"unsicheren Situation der Ausl\u00e4nder in Deutschland\" nicht hier aufbewahrt, sondern der Parteizentrale in Ankara zugeleitet werden. Erstmalig traten in Berlin und Niedersachsen auch \u00f6rtliche Gliederungen der islamisch-konservativen, mit dem \"arabischen Sozialismus\" sympathisierenden \"Nationalen Heilspartei\" (MSP) auf. Die politischen Aktivit\u00e4ten des \"Verbandes der Griechen in Deutschland e.V.\" gingen stark zur\u00fcck. Seine Anh\u00e4ngerschaft sank von fast 9000 Mitgliedern zu Jahresbeginn auf jetzt knapp 5000. Der Verband wird von amtlicher griechischer Seite finanziell nicht mehr unterst\u00fctzt. Stark r\u00fcckl\u00e4ufig ist auch die Entwicklung der Zweiggliederungen des rechtsradikalen \"Movimento Sociale Italiano\" (MSI, \"Soziale Italienische Bewegung\"), der Betreuungsorganisation \"Ente Nationale Assistenza Sociale\" (ENAS, \"Nationale Soziale Hilfsorganisation\") und der \"Comitati Tricolore per gli Italiani nel Mondo\" (CTIM, \"Trikolore-Komitee der Italiener in der Welt\"). Der Schwund an Mitgliedern betrug bei mehreren \u00f6rtlichen TricoloreKomitees \u00fcber 50%. Die gegenw\u00e4rtige Gesamtst\u00e4rke der genannten italienischen Rechtsgruppen in der Bundesrepublik Deutschland wird auf etwa 2800 Mitglieder gesch\u00e4tzt. Im Jahre zuvor waren es noch 4000. 136","IX. Ma\u00dfnahmen Nach dem Verbot der \"Generalunion Pal\u00e4stinensischer Studenten\" (GUPS) und der \"Generalunion Pal\u00e4stinensischer Arbeiter\" (GUPA) am 3. Oktober 1972 sind in der Bundesrepublik Deutschland keine weiteren Vereinigungsverbote ergangen. Beide Organisationen haben gegen die Verbotsverf\u00fcgungen des Bundesministers des Innern Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht erhoben. Die Verfahren sind noch nicht abgeschlossen. Entsprechendes gilt f\u00fcr mehrere Verwaltungsstreitverfahren, die von f\u00fchrenden Mitgliedern dieser Vereinigungen gegen die zust\u00e4ndigen Landesbeh\u00f6rden mit dem Ziel der Aufhebung ausl\u00e4nderrechtlicher Einzelma\u00dfnahmen angestrengt worden sind. Zum Schutz gegen Anschl\u00e4ge internationaler Terroristen wurden die Grenzkontrollen verst\u00e4rkt. Besondere Sicherheitsma\u00dfnahmen galten der Abwehr \u00e4u\u00dferer Gefahren f\u00fcr den Luftverkehr auf allen deutschen Flugh\u00e4fen. Sie waren der jeweils erkannten Gefahrenlage angepa\u00dft. Von den im Jahre 1973 eingeleiteten Strafverfahren gegen Ausl\u00e4nder wegen des Verdachts von Straftaten mit politischem Hintergrund ist noch kein Verfahren abgeschlossen. Gegen elf kroatische Extremisten ergingen Strafurteile wegen politisch motivierter Straftaten aus weiter zur\u00fcckliegender Zeit. Zwei der Verurteilten hatten unerlaubt tausend Pistolen erwoben, um sie an Exilkroaten weiter zu verkaufen. Das Landgericht Karlsruhe verurteilte sie am 15. Januar 1973 zu je 15 Monaten Freiheitsentzug. Am 18. April 1973 verh\u00e4ngte das Landgericht Ulm gegen drei Kroaten Freiheitsstrafen von je 3 Jahren und 6 Monaten wegen versuchter gemeinsamer Geiselnahme. Sie waren am 1. August 1972 in das Dienstzimmer eines Richters beim Landgericht Ravensburg eingedrungen, um sich mit Waffengewalt seiner Person zu bem\u00e4chtigen und dadurch die Freilassung mehrerer kroatischer Terroristen zu erzwingen. Am 7. Mai 1973 verurteilte das Schwurgericht beim Landgericht Heidelberg eine weitere aus vier Personen bestehende Terrorgruppe wegen eines im Fr\u00fchjahr 1972 geplanten Mordanschlags auf den jugoslawischen Konsul in Stuttgart. Die T\u00e4ter erhielten Freiheitsstrafen von 1 Jahr und 3 Monaten bis zu 4 Jahren. Die beiden verantwortlichen Herausgeber der kroatischen Emigrantenzeitung \"Hrvatska Fronta\" wurden durch das Urteil des Amtsgerichts Waiblingen vom 12. M\u00e4rz 1973 wegen Aufforderung zu strafbaren Handlungen und Vergehens gegen das Bundeswaffengesetz sowie das baden-w\u00fcrttembergische Landespressegesetz zu Geldstrafen von 137","1000,DM bzw. 1200,DM verurteilt, da sie in ihrer Zeitung zur Vorbereitung des Kampfes gegen Jugoslawien und zur Beschaffung von Feuerwaffen aufgerufen hatten. X. Beurteilung Wie in den Vorjahren haben Terrorund Gewaltakte pal\u00e4stinensischer, kroatischer und anderer ausl\u00e4ndischer Untergrundorganisationen die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland beeintr\u00e4chtigt. Schwere Gewaltverbrechen mit politischem Hintergrund ereigneten sich auch in anderen Teilen der Welt, darunter in den benachbarten europ\u00e4ischen Staaten. Besonders eindringlich hat das Blutbad eines pal\u00e4stinensischen Kommandotrupps auf dem Flugplatz Rom-Fiumicino der Welt\u00f6ffentlichkeit gezeigt, da\u00df politische Terroristen bedenkenlos unschuldige Menschen t\u00f6ten. Trotz aller Abwehrma\u00dfnahmen im nationalen Bereich mu\u00df nach Auffassung der zust\u00e4ndigen inund ausl\u00e4ndischen Sicherheitsorgane auch k\u00fcnftig mit Terroranschl\u00e4gen, insbesondere des pal\u00e4stinensischen Widerstandes, gerechnet werden, da die ausl\u00e4ndischen F\u00fchrungsstellen der Terroristen bisher nicht ausgeschaltet sind und es einzelnen Fanatikern immer wieder gelingt, eigenst\u00e4ndig operierende Aktionsgruppen zu bilden. Sicherheitsgef\u00e4hrdende Bestrebungen wurden vielfach auch bei den politisch t\u00e4tigen ausl\u00e4ndischen Extremistengruppen erkannt. Dies gilt insbesondere f\u00fcr die Organisationen der ausl\u00e4ndischen \"Neuen Linken\" im Bundesgebiet, die durch Mitgliedergewinne und enge Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Deutschen an Bedeutung gewonnen haben. Sie arbeiten zumeist konspirativ, verherrlichen die Gewalt als Mittel zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele und verbreiten Klassenkampfund B\u00fcrgerkriegsparolen. Den \u00fcbrigen politisch radikalen Ausl\u00e4ndergruppen ist es - von wenigen Ausnahmen abgesehen - nicht gelungen, ihren Organisationsstand zu halten und bei den ausl\u00e4ndischen Arbeitnehmern die erhoffte Resonanz zu finden. 138","Das Massaker pal\u00e4stinensischer Terroristen am 17.12.1973 auf dem Flughafen Rom Am Boden liegt ein t\u00f6dlich verwundeter Polizist Zwei Pal\u00e4stinenser zwingen mit Waffengewalt einen Lufthansapiloten ins Cockpit Kurzer Schu\u00dfwechsel zwischen Polizei und Terroristen im Flughafen-Geb\u00e4ude Verwundet st\u00fcrzen Passagiere zu Boden; ein Polizeibeamter (links im Bild) will Erste Hilfe leisten 139","10720","Vermutlich von pal\u00e4stinensischen Terroristen versandte Sprengstoffbriefe DURCH DIE DETONATION ZWEIER SPRENGEINER DER SICHERGESTELLTEN STOFFBRIEFE AM 2411.1973 IN DER LUFTSPRENGSTOFFBRIEFE POSTLEITSTELLE DES FRANKFURTER FLUGHAFENS WURDEN ZWEI POSTBEAMTE VERLETZT. WEITERE SECHS SPRENGSTOFFBRIEFE KONNTEN SICHERGESTELLT WERDEN RUCKSEITE MIT ABSENDERANGABE SKIZZE DER SPRENGVORRICHTUNG IM INNEREN DES BRIEFES Drehachse des Hebels *'^\" Intlastungshcbel Geh\u00e4use Bohrung liir Sicherungsstift DrucktederSchlagbolzen Sekund\u00e4r - Ladung l\u00fcndh\u00fctchen--| Ambc\u00df I 2 3 i Sem Mafistab: 141","Sprengstoffanschlag gegen die Werkzeugmaschinenfabrik Werner in Berlin am 8.6.1973 ES ENTSTAND SACHSCHADEN IN H\u00d6HE VON CA. 500 000,-DM. ALS BOMBENK\u00d6RPER DIENTE EINE SAUERSTOFF-FLASCHE T\u00c4TER: VERMUTLICH PAL\u00c4STINENSISCHE TERRORISTEN. 142","Anti-israelischer Bombenterror in West-Berlin AM 7.9.1973 ZERST\u00d6RTE EINE ZEITZ\u00dcNDERBOMBE DEN STAND DER FIRMA ISREX AUF DER INTERNATIONALEN FUNKAUSSTELLUNG IN BERLIN. DIE T\u00c4TER WAREN VERMUTLICH PAL\u00c4STINENSISCHE TERRORISTEN. 143","Sprengstoff im doppelten Boden eines Koffers \" * * ; i * : ' ' \" * * \" * * * * * * * * * \\>' \" HB i L * *k,.. VIER PAL\u00c4STINENSISCHE TERRORISTEN, DIE AM 18.10.1973 NACH ILLEGALEM GRENZ\u00dcBERTRITT IN WESTBERLIN FESTGENOMMEN WURDEN, HIELTEN IM DOPPELTEN BODEN EINES KOFFERS 4,75 Kg. PLASTIKSPRENGSTOFF VERSTECKT. 144","Die von pal\u00e4stinensischen Terroristen f\u00fcr Aktionen gegen die Sicherheit des internationalen Luftverkehr in West-Europa vorgesehene Boden-Luft-Rakete SAM-7 (STRELA) -- sichergestellt am 5. 9.1973 in Ostia -- SAM-7 Gesamt-Gewicht=18 Kg 145","Die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE-Moskaufl\u00fcgel) und die von ihr beeinflu\u00dften \"Frontorganisationen\" im Bundesgebiet ZK DER KKE IM BUNDESGEBIET EXILSITZ: BUKAREST, VERBINAUCH AUF \u00d6RTDUNGSSTELLE IN OST-BERLIN LICHER EBENE KONSPIRATIV ARBEITENDE PARTEI WESTEUROPA-KOMMISSION KOMITEE F\u00dcR WEST-DEUTSCHLAND (IN K\u00d6LN) GEBIETSGEBIETS-B GEBIETSKOMITEE K O M I T E E I KOMITEE NORD HESSEN I I BAYERN I HANNOVER FRANKFURT! M\u00dcNCHEN INSGESAMT ETWA 150 \"DREIERZELLEN\" MIT ETWA | 450 MITGLIEDERN (DIE GESAMTST\u00c4RKE DER KKE EINSCHLIESSLICH AKTIVER ANH\u00c4NGER WIRD IM BUNDESGEBIET AUF 1000 GESCH\u00c4TZT)! ,MASSENARB:IN ' KOMMUNISTISCH} BZW. KOMMUNIST BEEINFUSSTEN i \".FRONTORG.\" KOORDINATIONS-B\u00dcRO / D. GRIECH. ANTI DIKTATORISCHEN KOMITEES F\u00dcR DAS BUNDESGEB. / SEEMANNS CLUB DER FREUNDE BUND GRIECHISCH. ANTI DIKTATORISCHE GEWERKSCH DER GEMEINDEN KOMITEES EASKEN EDA OEK EAE UND ALLG. (KNAPP 20 ZWEIG - ETWA 50 ZWEIG(ETWA 30 \u00d6RTLICHE GEWERKSCH GRUPPEN MIT ca. GRUPPEN MIT ca. 8000 KOMITEES MIT ca.3000 ESAK. 1500 ANH\u00c4NGERN) MITGL. U. ANR MITGL. U. ANH. T DEMOKRATISCHE JUGEND LAMBRAKIS 146","Organisationsschema der Kommunistischen Partei Spaniens (PCE) Stand 31. 12.1973 mmmmmmmm STRENG KONSPIRATIV ARBEITENDE F\u00dcHRUNGSGREMIEN (GEBRAUCH VON DECKNAMEN UND DECKANSCHRIFTEN). KOORD.-AUSSCHUSSDER SPAN. ARBEITER KOMMISSIONEN INSGESAMT ETWA 55 SPANISCHE KULTURCLUBS IM BUNDES KOMMISSIONEN Z.UNTER GEBIET, DIE ZUM GR\u00d6SSTEN TEIL KOMMUNISTISCH UNTERST\u00dcTZUNG D. ARBEITERWANDERT SIND. KOMMISSIONEN IN SPANIEN \"CCOO\" IN ETWA 25 ST\u00c4DTEN DER BUNDESREPUBLIK DEUT. 147","Im Bundesgebiet verbreitete linksradikale t\u00fcrkische Periodika F\u00d6DERATION T\u00dcRKISCHER SOZIALISTEN IN EUROPA \" INFORMATIONSBULLETIN e M\" \" \u00e4 c\"* f\"V* M","Polemik der CISNU gegen die iranische Regierung MttKHHUWMWH | M R KAMPF GEHT WEITER --\"\"giSn ^OJ\u00c4HREN\u00c4CHDEM C J A - PUTSCH 1953-1973 AUSZUG AUS EINEM FLUGBLATT . ..,DER CISNU ZUM 1.MAI 1973: L~///* J^OJ^A BEWAFFNETER KAMPF-DAS IST DIE ANTWORT DES VOLKES AUF DIE TERRORHERRSCHAFT","Der t\u00fcrkische Maoist Baha TARG\u00dcN als Streikf\u00fchrer bei den Fordwerken in K\u00f6ln Erkl\u00e4rungen Targ\u00fcns \u00fcber die wahren Streikziele Proletarier aller L\u00e4nder und unterdr\u00fcckte V\u00f6lker, vereinigt Euch! R O T E FAHIME ZENTRALORGAN DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI DEUTSCHLANDS (KPD) 4.Jg./Nr.\"l 3.10.U7J 0,4ODM WOCHENZEITUNG 150","Abk\u00fcrzungsverzeichnis ABN = Antibolschewistischer Block der Nationen AKON = Aktion Oder-Nei\u00dfe ANR = Aktion Neue Rechte APM = Au\u00dferparlamentarische Mitarbeit ASV = Arabische Studentenvereinigungen AT\u00d6F = Studentenf\u00f6deration der T\u00fcrkei in Deutschland e. V. AVV = Arbeitskreis Volkstreuer Verb\u00e4nde CC.00 = Kommissionen zur Unterst\u00fctzung der Arbeiterkommissionen in Spanien CEDADE = Circulo Espanol des Amigos de Europa CISNU = Confoderation Iranischer Studenten-Nationalunion CTIM = Comitato Tricolore Italiano del Mondo DV = Demokratische Verteidigung DA = Deutscher Anzeiger DB = Deutscher Block DESG = Deutsch-Europ\u00e4ische Studiengesellschaft DKP = Deutsche Kommunistische Partei DN = Deutsche Nachrichten DNZ = Deutsche National-Zeitung DVG = Deutsch-V\u00f6lkische Gemeinschaft DVU = Deutsche Volksunion DWZ = Deutsche Wochen-Zeitung EAE = Griechische Antidiktatorische Komitees EF = Europafront == EKKE Revolution\u00e4re Kommunistische Bewegung Griechenlands ENAS = Nationale soziale Hilfsorganisation ENP = Einheitsfront der nationalen Publizistik FAI = Iberische Anarchistische F\u00f6deration FAI = Verband italienischer Anarchisten FIJL = Freiheitlich Iberische Jugendorganisation FILE = Verband ausgewanderter italienischer Arbeiter = FILEF Italienischer Verband der Gastarbeiter und ihrer Familien = FIS F\u00f6deration Iranischer Studenten in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin FR = Freiheitlicher Rat FRAP = Revolution\u00e4re Antifaschistische Volksfront GfP = Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik GIN = Generalsekretariat der Intereurop\u00e4ischen Nationale GUPA = Generalunion Pal\u00e4stinensischer Arbeiter GUPS = Generalunion Pal\u00e4stinensischer Studenten H.K.V.Z.E. = Kroatischer Kontinental-Rat f\u00fcr Europa HOP-Hefer = Kroatische Befreiungsbewegung HRB = Kroatische Revolution\u00e4re Bruderschaft IS = Ideologie und Strategie JBA = Jugendbund Adler JN = Junge Nationaldemokraten KKEInlandfl\u00fcgel = Kommunistische Partei Griechenlands","KKEMoskaufl\u00fcgel = Kommunistische Partei Griechenlands KPD = Kommunistische Partei Deutschlands MHP = Partei der Nationalistischen Bewegung MSI = soziale italienische Bewegung MSP = Nationale Heilspartei NDBB = Nationale Deutsche Befreiungs-Bewegung NDP = Nationaldemokratische Partei \u00d6sterreichs NE = Nation Europa NEC = Nationaleurop\u00e4ischer Jugend Congre\u00df NHB = Nationaldemokratischer Hochschulbund NPD = Nationaldemokratische Partei Deutschlands NRB = Nationalrevolution\u00e4re Basisgruppen NSKG = Nationalsozialistische Kampfgruppe Gro\u00dfdeutschlands NZ = Neue Zeit OEK = Bund Griechischer Gemeinden OLP = Organisation Lutte du Peuple ON = Ordre Nouveau OUN = Organisation Ukrainischer Nationalisten PAK = Panhellenische Befreiungsbewegung PCE = Kommunistische Partei Spaniens PCE-ML = Kommunistische Partei Spaniens-ML PCI = Kommunistische Partei Italiens PC-ML-I = Kommunistische Partei Italiens-ML PDFLP = Demokratische Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas PEF = Patriotische Einheitsfront der T\u00fcrkei PFLOAG = Volksfront f\u00fcr die Befreiung Omans und des arabischen Golfes PFLP = Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas PLO = Pal\u00e4stinensische Befreiungsorganisation RABPdT = Revolution\u00e4re Arbeiterund Bauernpartei der T\u00fcrkei THKO = Volksbefreiungsarmee der T\u00fcrkei TTIA = Irakische Revolution\u00e4re Organisation in Deutschland WJ = Wiking-Jugend 152"],"title":"Verfassungsschutzbericht 1973","year":1973}
