{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-be-1992.pdf","jurisdiction":"Berlin","num_pages":263,"pages":["Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz BERLIN VerfassungsschutzBericht Berlin 1992","2 Herausgeber: Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Berlin Redaktion: LfV II A Mai 1993 (Redaktionsschlu\u00df: 5. April 1993) Druck: Verwaltungsdruckerei Berlin Abdruck gegen Quellenangabe gestattet, Belegexemplar erbeten","Vorwort 3 Vorwort Der j\u00e4hrliche Verfassungsschutzbericht Berlin stellt einen wichtigen Beitrag zur Information der B\u00fcrger \u00fcber die Aktivit\u00e4ten und politischen Ziele extremistischer Gruppierungen in Berlin sowie \u00fcber die Spionaget\u00e4tigkeit gegnerischer Nachrichtendienste dar. Als Nachrichtendienst steht der Verfassungsschutz naturgem\u00e4\u00df in einem Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen den individuellen Freiheitsrechten und den Sicherheitsinteressen der Allgemeinheit. Daher ist gerade hier nicht nur ein H\u00f6chstma\u00df an Rechtsstaatlichkeit geboten, sondern der Verfassungsschutz mu\u00df sich als ein der \u00d6ffentlichkeit zugewandter Nachrichtendienst verstehen. Seine Aufgabe ist die Information von Parlament, Regierung und Bev\u00f6lkerung aufgrund eines gesetzlich klar definierten Auftrages. Dabei unterliegt er der Kontrolle von Parlament und Regierung. Mit dem im Januar 1993 inkraftgetretenen neuen Gesetz \u00fcber das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Berlin wurden das \u00f6ffentliche Interesse an einem effektiven Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung und das Individualinteresse des B\u00fcrgers am Schutz seiner pers\u00f6nlichen Daten in ausgewogener Weise zusammengef\u00fchrt. Das Jahr 1992 war durch die erschreckende Welle brutaler Gewalt gegen Ausl\u00e4nder, vor allem Asylbewerber und deren Unterk\u00fcnfte, gepr\u00e4gt. H\u00f6hepunkte dieser Gewalt waren die entsetzlichen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen sowie der Mordanschlag in M\u00f6lln. Auch wenn Berlin im bundesweiten Vergleich rechtsextremistisch motivierter Gewalttaten einen hinteren Platz einnahm, so blieb auch unsere Stadt nicht von dieser Welle verschont. Die im Jahre 1992 festgestellte bundesweite Zunahme ausl\u00e4nderfeindlicher \u00dcbergriffe lieferte dem linksextremistisch motivierten, haupts\u00e4chlich von Autonomen getragenen militanten \"Antifaschismus\" auch in Berlin Anla\u00df zu gewaltt\u00e4tigen Angriffen auf erkannte oder vermeintliche Rechtsextrem isten.","4 Vorwort Diese f\u00fcr den demokratischen Rechtsstaat bedrohliche Entwicklung setzte sich leider auch im ersten Halbjahr 1993 fort und gipfelte in dem schrecklichen Mordanschlag von Solingen, der ein neues Ausma\u00df an Gegengewalt durch das linksund das ausl\u00e4nderextremistische Spektrum ausl\u00f6ste. Die Ereignisse in Solingen haben uns vor Augen gef\u00fchrt, da\u00df die Sicherheitsbeh\u00f6rden dieses Ph\u00e4nomen nicht allein wirksam eind\u00e4mmen k\u00f6nnen; vielmehr ist es vordringliche Aufgabe aller demokratischen Kr\u00e4fte und Institutionen, gesamtgesellschaftliche L\u00f6sungsans\u00e4tze gegen Ausl\u00e4nderund Fremdenfeindlichkeit sowie gegen jede politisch motivierte Gewalt zu finden. Berlin, im Juli 1993 Professor Dr. Dieter Heckelmann Senator f\u00fcr Inneres","Inhaltsverzeichnis 5 Inhaltsverzeichnis Einleitung 13 1 Allgemeines 17 1.1 Personalbestand und Haushaltswirtschaft des LfV 19 1.2 Datenschutz und Auskunftserteilung 19 1.3 Aktenund Datenbereinigung 21 1.4 Parlamentarische Kontrolle 21 2 Politischer Extremismus 23 2.1 Linksextremismus 25 2.1.1 Linksextremistisch motiviertes Gewaltpotential 25 2.1.1.1 Vorbemerkung 25 2.1.1.2 \"Rote Armee Fraktion\" (RAF) 28 2.1.1.2.1 Grundlagen und Ziele 28 2.1.1.2.2 Strukturen 29 2.1.1.2.3 Aktuelle Aktivit\u00e4ten des Berliner RAF-Umfeldes 31 2.1.1.2.4 Ausblick 32 2.1.1.3 \"Revolution\u00e4re Zellen\" (RZ) J34 2.1.1.3.1 Entstehung [34 2.1.1.3.2 Grundlagen, Ziele, Strukturen '. 34 2.1.1.3.3 Anschl\u00e4ge in Berlin 35 2.1.1.3.4 Ausblick 35 2.1.1.4 Autonome 36 2.1.1.4.1 Vorbemerkung J36 2.1.1.4.2 Grundlagen, Ziele, Strukturen 37 2.1.1.4.3 Militanz und Aktionsformen Autonomer 39 2.1.1.4.4 Aktuelle Aktivit\u00e4ten der Autonomen 40 2.1.1.4.5 Ausblick 43 2.1.2 Marxistisch-leninistische und sonstige revolution\u00e4r-marxistische Gruppen 45 2.1.2.1 Vorbemerkung 45 2.1.2.2 \"Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD\" (AB) 48 2.1.2.3 \"Bund Westdeutscher Kommunisten\" (BWK) 49 * ' i .!","6 Inhaltsverzeichnis 49 2.1.2.4 \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD) 2.1.2.5 \"Kommunistischer Bund\" (KB) 50 2.1.2.6 \"Gruppe K\" 50 2.1.2.7 \"Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands\" (MLPD) 51 2.1.2.8 \"Marxistische Gruppe\" (MG) 52 2.1.2.9 \"Revolution\u00e4re Kommunisten (BRD)\" (RK) 52 2.1.2.10 \"Rote Hilfe e.V.\" (RH) 53 2.1.2.11 \"Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg\" (Volksfront) 53 2.1.2.12 \"Vereinigte Sozialistische Partei\" (VSP) 54 2.1.2.13 \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) 54 2.1.2.14 \"Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend\" (SDAJ) 55 2.1.2.15 \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD) 56 2.1.2.16 \"St\u00e4ndiger Rat Marxistischer Parteien\" (SRMP) 57 2.1.2.17 \"Bund Sozialistischer Arbeiter\" (BSA) 57 2.1.2.18 \"Gruppe Avanti\" (ehemals: \"Gruppe Revolution\u00e4re Sozialistinnen\" - GRS -) 58 2.1.2.19 \"Internationale Sozialistische Arbeiterorganisation\" (ISA) 58 2.1.2.20 \"Sozialistische Arbeitergruppe\" (SAG) 59 2.1.2.21 \"Spartakist - Arbeiterpartei Deutschlands\" (SpAD) 59 2.1.2.22 Ausblick 60 2.2 Rechtsextremismus 61 2.2.1 Vorbemerkung 61 2.2.2 Neuer Nationalsozialismus (Neonazismus) 63 2.2.2.1 \"Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei\" (FAP) 69 2.2.2.2 \"Deutsche Alternative\" (DA) 71 2.2.2.3 \"Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front\" (GdNF) 73 2.2.2.4 \"Nationalistische Front\" (NF) : 73 2.2.2.5 \"Nationale Offensive\" (NO) 76 2.2.2.6 \"Nationale Alternative Berlin\" (NA Berlin) 77 2.2.2.7 \"Wiking-Jugend, volkstreue nordl\u00e4ndische Jugendbewegung Deutschland e.V.\" (WJ) 78 2.2.2.8 \"ASGARD-Bund e.V.\"/\"Wotans Volk\" 79 2.2.2.9 \"Deutsche Jugendinitiative Berlin\" (DJI) 80 2.2.2.10 \"Ku-Klux-Klan\" (KKK) 81 2.2.2.11 \"V\u00f6lkischer Freundeskreis\" (VFK) 82","Inhaltsverzeichnis 7 2.2.2.12 \"Bund Vaterlandstreuer Volksgenossen\" (BW) 82 2.2.2.13 \"Vandalen - Ariogermanische Kampfgemeinschaft\" 83 2.2.2.14 \"Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V.\" (HNG) ..83 2.2.2.15 \"Neonazikreis um Curt M\u00fcller\" 84 2.2.2.16 \"Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei - Auslandsund Aufbauorganisation\" (NSDAP-AO) 84 2.2.3 Militante Skinhead-Szene in Berlin 85 2.2.4 \"Nationalfreiheitliche\"/\"Nationaldemokraten\" 89 2.2.4.1 \"Deutsche Volksunion\" (DVU) 91 2.2.4.2 \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) 92 2.2.4.2.1 \"Junge Nationaldemokraten\" (JN) 93 2.2.4.3 \"Die Nationalen e.V.\" 94 2.2.4.4 \"Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat\" (Deutsche Liga) 95 2.2.5 Sonstige rechtsextremistische Organisationen 96 2.2.5.1 \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e.V.\" 96 2.2.6 Gesetzesverletzungen mit rechtsextremistischem Hintergrund 98 2.2.7 Ausblick 103 2.3 Sonderthema: Weitere Polarisierung zwischen Linksund Rechtsextremisten in Berlin 106 2.3.1 Linksextremistisch motivierter militanter \"Antifaschismus\" im Aufwind 106 2.3.1.1 Zunehmende Organisierung im \"Antifaschistischen Kampf\" 106 2.3.1.2 Anschwellen der Gewalttaten von Linksextremisten gegen Rechtsextremisten 108 2.3.2 Reaktionen rechtsextremistischer Organisationen auf Angriffe von Linksextremisten 110 2.3.3 Ausblick 111 2.4 Ausl\u00e4nderextremismus 112 2.4.1 Vorbemerkung und \u00dcberblick 112 2.4.2 Staatsterrorismus 117 2.4.3 Pal\u00e4stinenser/Araber 118 2.4.3.1 PLO-Mitgliedsorganisationen 118 2.4.3.2 Islamisch-extremistische Pal\u00e4stinenserund Araber-Organisationen 120","8 Inhaltsverzeichnis 2.4.4 T\u00fcrken 122 2.4.4.1 Linksextremistische Organisationen 122 2.4.4.2 Rechtsextremistische Organisationen 124 2.4.4.3 Islamisch-extremistische Organisationen 125 2.4.5 Kurden 126 2.4.6 Iraner 128 2.4.6.1 Regimeanh\u00e4nger 129 2.4.6.2 Regimegegner 129 2.4.7 Ausblick 130 3 Spionageabwehr 133 Spionageabwehr - eine Schwerpunktaufgabe des Verfassungsschutzes 135 3.1 Allgemeiner \u00dcberblick 136 3.2 Tr\u00e4ger der Spionageaktivit\u00e4ten 137 3.2.1 Nachrichtendienste der GUS-Staaten 137 3.2.1.1 Ru\u00dfland 138 3.2.1.2 Ukraine 140 3.2.1.3 GRU - der milit\u00e4rische Nachrichtendienst 140 3.2.2 Andere osteurop\u00e4ische Nachrichtendienste 141 3.2.3 Nachrichtendienste der Krisenund Schwellenl\u00e4nder.... 142 3.3 Hinterlassenschaften der ehemaligen DDR-Nachrichtendienste 142 3.3.1 Enttarnung von Agenten 142 3.3.2 Fortsetzung bundesweiter Ma\u00dfnahmen 143 3.3.3 \u00dcberwachung des Telefonverkehrs durch das MfS 145 3.3.4 Einflu\u00dfnahme des MfS auf ein fr\u00fcheres Presseorgan 146 3.4 Pr\u00e4ventive Spionageabwehr 147 3.4.1 Geheimschutz in Landesbeh\u00f6rden 147 3.4.2 Geheimschutz in der Wirtschaft 148 3.5 B\u00fcrgerberatung 149 3.6 Ausblick 150 4 Anhang I: Kurzdarstellungen wichtiger extremistischer Organisationen 153 4.1 Linksextremismus 155 4.1.1 Linksextremistisch motiviertes Gewaltpotential 155 4.1.1.1 \"Rote Armee Fraktion\" (RAF) 155","Inhaltsverzeichnis 9 4.1.1.2 \"Revolution\u00e4re Zellen\" (RZ) 155 4.1.1.3 Autonome 156 4.1.2 Marxistisch-leninistische und sonstige revolution\u00e4r-marxistische Gruppen 156 4.1.2.1 \"Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD\" (AB) 156 4.1.2.2 \"Bund Westdeutscher Kommunisten\" (BWK) 156 4.1.2.3 \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD) 157 4.1.2.4 \"Kommunistischer Bund\" (KB) 157 4.1.2.5 \"Gruppe K\" 157 4.1.2.6 \"Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands\" (MLPD) 157 4.1.2.7 \"Marxistische Gruppe\" (MG) 158 4.1.2.8 \"Revolution\u00e4re Kommunisten (BRD)\" (RK) 158 4.1.2.9 \"Rote Hilfe e.V.\" (RH) 159 4.1.2.10 \"Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg\" (Volksfront) 159 4.1.2.11 \"Vereinigte Sozialistische Partei\" (VSP) 159 4.1.2.12 \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) 159 4.1.2.13 \"Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend\" (SDAJ) 160 4.1.2.14 \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD) 160 4.1.2.15 \"St\u00e4ndiger Rat Marxistischer Parteien\" (SRMP) 160 4.1.2.16 \"Bund Sozialistischer Arbeiter\" (BSA) 160 4.1.2.17 \"Gruppe Avanti\" 161 4.1.2.18 \"Internationale Sozialistische Arbeiterorganisation\" (ISA) 161 4.1.2.19 \"Vereinigung der Arbeitskreise f\u00fcr Arbeitnehmerpolitik und Demokratie\" (VAA) 161 4.1.2.20 \"Sozialistische Arbeitergruppe\" (SAG) 162 4.1.2.21 \"Spartakist-Arbeiterpartei Deutschlands\" (SpAD) 162 4.1.2.22 \"Gruppe Arbeitermacht\" (GAM) 162 4.1.2.23 \"Gruppe Spartakus\" (GS) 162 4.2 Rechtsextremismus 165 4.2.1 Neuer Nationalsozialismus (Neonazismus) 165 4.2.1.1 \"ASGARD-Bund e.V.\" 165 4.2.1.2 \"Bund Vaterlandstreuer Volksgenossen\" (BW) 165 4.2.1.3 \"Deutsche Alternative\" (DA) 165 4.2.1.4 \"Deutsche Jugendinitiative Berlin\" (DJI) 166 4.2.1.5 \"Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei\" (FAP) 166","10 Inhaltsverzeichnis 4.2.1.6 \"Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front\" (GdNF) 166 4.2.1.7 \"Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V.\" (HNG) 166 4.2.1.8 \"Ku-Klux-Klan\" (KKK) 166 4.2.1.9 \"Nationale Alternative Berlin\" (NA Berlin) 167 4.2.1.10 \"Nationalistische Front\" (NF) 167 4.2.1.11 \"Nationale Offensive\" (NO) 167 4.2.1.12 \"Nationalsozialistische Arbeiterpartei Deutschlands - Auslandsund Aufbauorganisation (NSDAP-AO) 167 4.2.1.13 \"Neonazikreis um Curt M\u00fcller\" 168 4.2.1.14 \"Vandalen - Ariogermanische Kampfgemeinschaft\" 168 4.2.1.15 \"V\u00f6lkischer Freundeskreis\" (VFK) 168 4.2.1.16 \"Wiking-Jugend, volkstreue nordl\u00e4ndische Jugendbewegung Deutschland e.V.\" (WJ) 168 4.2.1.17 \"Wotans Volk\" 168 4.2.2 \"Nationalfreiheitliche\"/\"Nationaldemokraten\" .169 4.2.2.1 \"Deutsche Volksunion e.V.\" (DVU e.V.) 169 4.2.2.1.1 \"Deutsche Volksunion\" (DVU) 169 4.2.2.2 \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) 169 4.2.2.3 \"Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat\" (Deutsche Liga)....170 4.2.2.4 \"Die Nationalen e.V.\" 170 4.2.3 Sonstige rechtsextremistische Organisationen 170 4.2.3.1 \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e.V.\" 170 4.3 Ausl\u00e4nderextremismus 171 4.3.1 Pal\u00e4stinenser/Araber 171 4.3.1.1 \"AL FATAH\" 171 4.3.1.2 \"Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" (PFLP) 171 4.3.1.3 \"Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" (DFLP) 171 4.3.1.4 \"Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas-Generalkommando\" (PFLP-GC) 172 4.3.1.5 \"Pal\u00e4stinensische Volkskampffront\" (PPSF) 172 4.3.1.6 \"ALSAIQA\" 172 4.3.1.7 \"Abu-Nidal-Organisation\" (ANO) 172 4.3.1.8 \"Islamische Widerstandsbewegung\" (HAMAS) 173 4.3.1.9 \"Moslembruderschaft\" (MB) 173 4.3.1.10 \"Hizb Allah\" [Partei Gottes] 173 4.3.1.11 AMAL 173","Inhaltsverzeichnis 11 4.3.1.12 \"Hizb AI-Da'Wa Al-lslamia\" [Partei des Islamischen Rufs] 174 4.3.1.13 \"Pal\u00e4stinensischer Islamischer Jihad\" (PU) 174 4.3.2 Kurden 175 4.3.2.1 \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) 175 4.3.3 T\u00fcrken 175 4.3.3.1 \"T\u00fcrkische Kommunistische Partei/ Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L) 175 4.3.3.2 \"Revolution\u00e4re Kommunistische Partei der T\u00fcrkei\" (TDKP) 175 4.3.3.3 \"T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei/-front\" (THKP/-C) 176 4.3.3.4 \"Devrimci Sol\" [Revolution\u00e4re Linke] 176 4.3.3.5 \"Avrupa'da Dev Gene\" [Revolution\u00e4re Jugend in Europa] 176 4.3.3.6 \"Partei der Nationalistischen Arbeit\" (MCP) 176 4.3.3.7 \"Wohlstandspartei\" (RP) 176 4.3.3.8 \"Verband der islamischen Vereine und Gemeinden e.V. K\u00f6ln\" (ICCB) 177 4.3.4 Iraner 177 4.3.4.1 \"Union islamischer Studentenvereine in Europa\" (U.I.S.A.) 177 4.3.4.2 \"Organisation der Volksmojahedin Iran\" (PMOI) 177 4.3.4.3 \"Organisation der Iranischen Studenten in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin, Sympathisanten der Volksfedayin Guerilla Iran\" (O.I.P.F.G.) 178 4.3.5 Iren 178 4.3.5.1 \"Provisional Irish Republican Army\" (PIRA) [Provisorische Irische Republikanische Armee] 178 5 Anhang II: Chronologie 179 5.1 Linksextremismus 181 5.2 Rechtsextremismus 221 5.3 Ausl\u00e4nderextremismus 247 6 Anhang III: Gesetz \u00fcber das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz vom 26. Januar 1993 255","","Einleitung 13 Einleitung Das Erscheinungsbild des vereinten Deutschland war im Jahr 1992 vor allem durch die erschreckende Welle brutaler Gewalt gegen Ausl\u00e4nder, vor allem Asylbewerber und deren Unterk\u00fcnfte, gepr\u00e4gt. Fast ein Jahr nach den Ausschreitungen in Hoyerswerda gingen die Bilder aus Rostock-Lichtenhagen und M\u00f6lln um die ganze Welt, und fast t\u00e4glich waren Meldungen \u00fcber Angriffe auf Menschen, die nicht in das rechte Weltbild pa\u00dften, in den Zeitungen des Inund Auslands zu lesen. Mit 2.285 erwiesenerma\u00dfen oder vermutlich rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten, bei denen 16 Menschen ums Leben kamen, war im vergangenen Jahr ein trauriger \"Rekord\" in der Geschichte der Bundesrepublik zu verzeichnen. Auch wenn Berlin im bundesweiten Vergleich einen hinteren Platz einnahm, so blieb es nicht von dieser Gewaltwelle verschont: Die Zahl der Gewalttaten stieg von 57 auf 92, die Zahl s\u00e4mtlicher registrierter Gesetzesverletzungen mit rechtsextremistischem Hintergrund von 389 auf 475. Wenn auch die meisten rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten nicht von organisierten Neonazis durchgef\u00fchrt wurden und auch eine zentrale Steuerung der Gewalttaten nicht erkennbar war, vielmehr die eher spontane, nicht langfristig vorbereitete Handlung bislang nicht einschl\u00e4gig in Erscheinung getretener, meist jugendlicher T\u00e4ter als charakteristisch anzusehen ist, trifft die neonazistischen und sonstigen rechtsextremistischen Organisationen die Verantwortung der geistigen Urheberschaft der Gewalttaten. Es war deshalb folgerichtig, da\u00df der Bundesminister des Innern in den letzten Wochen des Jahres 1992 drei der wichtigsten neonazistischen Organisationen, n\u00e4mlich die \"Nationalistische Front\" (NF), die \"Deutsche Alternative\" (DA) und die \"Nationale Offensive\" (NO) verbot und damit ein deutliches Zeichen gegen den wiedererstarkenden Rechtsextremismus in diesem Land setzte. Von den Verboten nicht betroffen war die in Berlin am st\u00e4rksten vertretene Neonazi-Gruppe, die \"Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei\" (FAP). Sie hat im vergangenen Jahr ihre dominierende Stellung in der Berliner Neonazi-Szene","14 Einleitung - auch bedingt durch den fortschreitenden Niedergang der \"Nationalen Alternative\" (NA) und die Spaltung der \"Nationalistischen Front\" - weiter ausbauen k\u00f6nnen. Den Organisationen der \"Alten Rechten\" gelang es demgegen\u00fcber nicht, von der rechtsextremistischen Welle zu profitieren; hier setzte sich die seit Jahren festzustellende Stagnation weiter fort. Auch die Gr\u00fcndung neuer Organisationen (\"Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat\" und \"Die Nationalen\") d\u00fcrfte weniger zur proklamierten Einigung des \"nationalen Lagers\" als zu dessen weiterer Zersplitterung f\u00fchren. Berliner Anh\u00e4nger der RAF zeigten sich in ihrer Reaktion verunsichert \u00fcber einen erstmals im Fr\u00fchjahr propagierten politischen Neuorientierungsproze\u00df. Eine Minderheit innerhalb des hiesigen RAF-Umfeldes lehnte insbesondere die in mehreren \"Kommandoerkl\u00e4rungen\" formulierte bedingte Aussetzung der T\u00f6tungsaktionen ab. Nachdem mehrere von der Kommandoebene genannte Interventionsvoraussetzungen eintrafen, so u.a. eine vorzeitige Haftentlassung inhaftierter Gesinnungsgenossen und die \"Zusammenlegung von Gefangenen\" ausblieben, erschien die f\u00fcr diesen Fall angek\u00fcndigte Wiederaufnahme des \"bewaffneten Kampfes\" immer wahrscheinlicher. Dem autonomen Potential, von dem nach wie vor die bedeutendste linksextremistische Gef\u00e4hrdung ausgeht, gelang es, \u00fcber eine erh\u00f6hte Mobilisierungsf\u00e4higkeit in der alternativen Szene und in den eigenen Reihen seine Handlungsf\u00e4higkeit deutlich zu erh\u00f6hen. Die Anzahl gewaltt\u00e4tiger autonomer Kleingruppen und der von ihnen ver\u00fcbten Anschl\u00e4ge, zumeist Brandstiftungen und andere Sachbesch\u00e4digungen, stiegen sprunghaft an. Weiterhin ein wichtiges Aktionsfeld autonomer Agitation und Aktion war der sog. Antifaschistische Kampf. Bei einer dieser Aktionen zur \"Antifaschistischen Selbsthilfe\" wurde ein rechtsextremistischer Funktion\u00e4r erstochen. Erwartungsgem\u00e4\u00df setzten Autonome 1992 ihre Kampagne gegen die \"Umstrukturierung\" Berlins infolge der Hauptstadtund Olympiaplanungen verst\u00e4rkt fort. Von Anschl\u00e4gen betroffen waren insbesondere Geb\u00e4ude und Maschinen u.a. beteiligter Baufirmen sowie Personenkraftwagen der Luxusklasse (\"Bonzenund Nobelkarossen\"). F\u00fcr die Befindlichkeiten traditioneller Kommunisten blieben die Turbulenzen im Anschlu\u00df an den Zusammenbruch der Sowjetunion und ihres","Einleitung 15 Hegemonialbereichs auch l\u00e4ngerfristig pr\u00e4gend. Versuche, ein neues Selbstverst\u00e4ndnis auf der Grundlage alter, d.h. marxistisch-leninistischer Werte zu finden, kam \u00fcber z\u00f6gerliche Anf\u00e4nge nicht hinaus. Am auff\u00e4lligsten manifestierte sich diese Feststellung an der organisatorischen Zersplitterung derartiger Zusammenschl\u00fcsse. Ans\u00e4tze, institutionalisiert und koordiniert zusammenzuwirken, blieben auf sporadische Zusammenarbeit beschr\u00e4nkt. Auch andere marxistisch-leninistische und sonstige revolution\u00e4r-marxistische Gruppen konnten lediglich allenfalls Mitgliederbest\u00e4nde und publizistische M\u00f6glichkeiten ann\u00e4hernd absichern, jedoch keinesfalls ausbauen. Erweiterte Einflu\u00dfm\u00f6glichkeiten \u00fcber die eigenen Reihen hinaus kam nicht zustande. Unverkennbar gewann innerhalb dieser Zusammenschl\u00fcsse der Dogmatismus an Boden, nachdem vor\u00fcbergehend ein Aufeinanderzugehen zwischen Stalinisten, Maoisten und Trotzkisten bis hin zu traditionellen Kommunisten angezeigt schien. Im Bereich des 'Ausl\u00e4nderextremismus lag das Hauptgewicht der Arbeit des LfV Berlin auch 1992 bei der Beobachtung gewaltorientierter sicherheitsgef\u00e4hrdender Bestrebungen. Die Beobachtung des gewaltfreien politisch motivierten Extremismus war im Berichtszeitraum weiterhin von nachrangiger Bedeutung. Zu den Beobachtungsschwerpunkten des LfV Berlin z\u00e4hlten 1992 der sog. Staatsterrorismus sowie die in der Stadt bestehenden Gliederungen bzw. Gruppen gewaltorientierter p\u00e4listinensisch-arabischer Organisationen sowie extremistische bzw. gewaltorientierte Organisationen von T\u00fcrken, Kurden und Iranern. Die Aktivit\u00e4ten in diesem Beobachtungspektrum waren weiterhin von den in den Herkunftsl\u00e4ndern herrschenden Konfliktund Krisensituationen bestimmt. Dazu z\u00e4hlten der Kurden-Konflikt in der T\u00fcrkei, im Irak und Iran, das Pal\u00e4stinenser-Problem sowie der B\u00fcrgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien. Besondere Publizit\u00e4t erlangte der Anschlag am 17. September 1992 im Restaurant \"Mykonos\" in Berlin-Wilmersdorf, bei dem vier Funktion\u00e4re der \"Demokratischen Partei Kurdistans/Iran\" ermordet wurden. Der Wegfall der Beobachtungssituation als Folge des Ost-West-Konflikts hat nicht dazu gef\u00fchrt, da\u00df durch die in j\u00fcngster Zeit entstandenen neuen Staaten in Osteuropa keine Aufkl\u00e4rungsarbeit der jeweiligen Nachrichtendienste betrieben wird.","16 Einleitung Gleichwohl befinden sich die osteurop\u00e4ischen Nachrichtendienste noch in einer Phase des Umbruchs, die mit einer Neubestimmung ihrer Aufkl\u00e4rungsziele und -mittel verbunden ist. Im Jahre 1992 konnten die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden zunehmend gegen die Bundesrepublik Deutschland gerichtete nachrichtendienstliche Aktivit\u00e4ten der Krisenund Schwellenl\u00e4nder - zu diesen z\u00e4hlen vor allem Staaten des Nahen und Mittleren Ostens und die noch kommunistisch gelenkten Staaten Asiens - feststellen. Wie in den vorangegangenen Berichten werden im Anhang wichtige extremistische Organisationen in Kurzform vorgestellt und die wesentlichen extremistischen Aktivit\u00e4ten im Berichtszeitraum stichwortartig aufgef\u00fchrt. Schlie\u00dflich wird als Anlage der Text des \"Gesetzes \u00fcber das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz\" (LfVG) vom und 26. Januar 1993 abgedruckt.","1 - Allgemeines - 17 1 Allgemeines","","1 -Allgemeines19 1.1 Personalbestand und Haushaltswirtschaft des LfV Der 1990 eingeleitete Proze\u00df der Personalreduzierung und Umstrukturierung des LfV wurde 1992 nach Vorlage des Gutachtens der sogenannten BoedenKommission zur Neustrukturierung des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz Berlin weitgehend abgeschlossen. Die von der Politik festgelegten Personalk\u00fcrzungen wurden realisiert. Zum Ende des Berichtsjahres standen dem LfV 260 Stellen zur Verf\u00fcgung. Die Einnahmen und Ausgaben des LfV sind offen im Haushaltsplan von Berlin unter Kapitel 0512 nachgewiesen. F\u00fcr konsumtive Sachausgaben und Investitionen standen 2,92 Mio. DM zur Verf\u00fcgung. Schwerpunkt der Investitionst\u00e4tigkeit war die Fortf\u00fchrung der 1990 begonnenen Einrichtung und Ausstattung von APC-Arbeitspl\u00e4tzen. 1.2 Datenschutz und Auskunftserteilung Die bisherige Auskunftsregelung des LfV Berlin erm\u00f6glichte grunds\u00e4tzlich neben der Auskunftserteilung auch die Akteneinsicht. Seit Beginn der Auskunftspraxis im Jahr 1989 haben insgesamt 1.238 B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger (Stand: 31. Dezember 1992) einen Antrag auf Auskunft oder Akteneinsicht gestellt. Davon waren in Dateien des LfV Berlin 576 (= 47 %) nicht erfa\u00dft und 662 (= 53 %) gespeichert. Von den 662 gespeicherten Personen erhielten 520 (= 79 %) als \"L\u00f6schungsund Vernichtungsf\u00e4lle\" Auskunft und - falls beantragt - Akteneinsicht (bisher wurde bis zum 31. Dezember 1992 in 302 F\u00e4llen Akteneinsichtnahme gew\u00e4hrt). Bei 141 (= 21 %) der erfa\u00dften Antragsteller ist nach eingehender Relevanzpr\u00fcfung festgestellt worden, da\u00df die Daten dieses Personenkreises - unter Beachtung des Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeitsgrundsatzes - als sog. laufende F\u00e4lle weiterhin f\u00fcr die gesetzliche Aufgabenerf\u00fcllung des LfV erforderlich sind. Nach sorgf\u00e4ltiger Abw\u00e4gung des individuellen Auskunftsanspruchs mit dem besonderen \u00f6ffentlichen Geheimhaltungsinteresse konnten die Betroffenen lediglich Teilausk\u00fcnfte, jedoch keine Akteneinsicht erhalten.","20 1 -AllgemeinesVon den 520 \"L\u00f6schungsund Vernichtungsf\u00e4llen\" sind nach Aufhebung des allgemeinen L\u00f6schungsund Vernichtungsverbots f\u00fcr diesen Personenkreis im April 1992 im Berichtszeitraum 443 Vorg\u00e4nge bereits gel\u00f6scht und vernichtet worden. Die Anfragen schl\u00fcsseln sich im einzelnen wie folgt auf: - Jahres\u00fcberblick 1989 1990 1991 1992 negativ 96 345 86 49 positiv, davon 163 334 96 69* \"L\u00f6schungsund Vernichtungsf\u00e4lle\" 130 276 67 47 \"lfd. F\u00e4lle\" 33 58 29 21 insgesamt 259 679 182 118 * Ein Fall aus dem Bereich des linksextremistisch motivierten Gewaltpotentials ist noch nicht abgeschlossen. - Zuordnung der Positivf\u00e4lle nach Bereichen 1989 1990 1991 1992 Linksextremismus, davon 139 278 84 55 -linksextr.mot. Gewaltpotential 77 154 55 26 -dogmatische \"Neue Linke\" 36 64 11 10 -\"orthodoxe\" Kommunisten 26 60 18 19 Rechtsextremismus 3 5 1 1 Ausl\u00e4nderextremimus 3 9 2 2 Sonstige 18 42 9 11 insgesamt 163 334 96 69","1 - Allgemeines - 21 1.3 Akten-und Datenbereinigung Unmittelbar nach der Aufhebung des allgemeinen L\u00f6schungsund Vernichtungsverbots f\u00fcr Akten, Unterlagen und Daten des LtV durch die Senatsverwaltung f\u00fcr Inneres im April 1992 hat das LfV Berlin mit der planm\u00e4\u00dfigen und umfassenden Bereinigung seiner Aktenund Datenbest\u00e4nde in allen Bereichen des Amtes begonnen. Bis zum Jahresende konnten bereits Zehntausende von Akten und personenbezogenen Daten gesperrt und aus den aktuellen Best\u00e4nden ausgesondert werden. Die L\u00f6schung der gesperrten Personendaten im Nachrichtendienstlichen Informationssystem (NADIS) wurde inzwischen vollzogen. 1.4 Parlamentarische Kontrolle Im Berichtszeitraum fanden zw\u00f6lf Sitzungen des Ausschusses f\u00fcr Verfassungsschutz des Abgeordnetenhauses von Berlin statt. Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (LfV) erstattete Berichte zur Lage und in Einzelf\u00e4llen. Der Ausschu\u00df beriet u.a. das sog. BOEDEN-Gutachten zur Neustrukturierung des LfV und den Haushaltsplanentwurf 1993 f\u00fcr das LfV, stimmte der Aufhebung des L\u00f6schungsund Vemichtungsverbots, das seit dem 8. Dezember 1988 bestanden hatte, und der Gesch\u00e4ftsordnung der G 10Kommission des Landes Berlin zu. Zwei Sitzungen waren der Beratung des Antrags \u00fcber das Gesetz \u00fcber das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz vorbehalten. Der Wortlaut des inzwischen in Kraft getretenen Gesetzes \u00fcber das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz vom 26. Januar 1993 ist im Anhang III zu diesem Bericht abgedruckt.","","2 - Politischer Extremismus - 23 2 Politischer Extremismus","","2 - Politischer Extremismus - 25 2.1 Linksextremismus 2.1.1 Linksextremistisch motiviertes Gewaltpotential 2.1.1.1 Vorbemerkung Im Bereich des Linksextremismus liegt das Hauptgewicht der Arbeit des UV auf denjenigen linksextremistisch motivierten Gruppen, die den Gewalteinsatz als Mittel der politischen Auseinandersetzung bejahen. Ma\u00dfgeblich f\u00fcr die Einordnung dieser Gruppen als linksextremistisch ist deren \u00fcbersteigert radikale Ablehnung der Herrschaft von Menschen \u00fcber Menschen, sei es, da\u00df zentrale Organisationsformen generell als \u00dcbel gelten, sei es, da\u00df in der \"kapitalistischen Klassengesellschaft\" die Ursache aller gesellschaftlichen Mi\u00dfst\u00e4nde ausgemacht wird. Die parlamentarische Demokratie, die lediglich der geschickten Verschleierung gesellschaftlicher Herrschaft und Unterdr\u00fcckung diene, wird kompromi\u00dflos abgelehnt. F\u00fcr diese Gruppen und deren T\u00e4tigkeit wird vielfach die Bezeichnung \"Terrorismus\" bzw. \"Linksterrorismus\" gebraucht. Dabei versteht man unter Terrorismus den nachhaltig gef\u00fchrten Kampf f\u00fcr politische Ziele, die mit Hilfe von Anschl\u00e4gen auf Leib, Leben und Eigentum anderer Menschen durchgesetzt werden sollen, insbesondere durch schwere Straftaten, wie sie in SS 129 a Abs. 1 des Strafgesetzbuches genannt sind (vor allem: Mord, Totschlag, erpresserischer Menschenraub, Brandstiftung, Herbeif\u00fchrung einer Explosion durch Sprengstoff) oder durch andere Gewalttaten, die der Vorbereitung solcher Straftaten dienen. Tr\u00e4ger des deutschen linksextremistisch motivierten Terrorismus sind die \"Rote Armee Fraktion\" (RAF) und die \"Revolution\u00e4ren Zellen\" (RZ). Beide Gruppen verfolgen gleiche Ziele mit dem milit\u00e4risch-politischen Kampf gegen das politische System in der Bundesrepublik Deutschland. Von RAF und RZ durch den Mangel eines durchg\u00e4ngigen ideologischen Konzepts getrennt, aber aufgrund eigener Militanz dennoch dazugeh\u00f6rig, stellen sich die Autonomen als in diesen Zusammenhang geh\u00f6rende Erscheinung dar.","Linksextremistisch motiviertes Gewaltpotential, Anarchisten sowie Marxisten-Leninisten und andere Gruppen in Berlin RAF-Umfeld 100 50 Autonome Anarchisten 1200 700 Revolution\u00e4r-marxistische 100 und trotzkistische Gruppen Marxisten-Leninisten Linksextremistisch motiviertes Gewaltpotential (1250 Personen) = Autonome RAF-Umfeld Marxisten-Leninisten und andere Gruppen (800 Personen) = Revolution\u00e4r-marxistische Gruppen }fr\u00fcher: \"Dogmatische Neue Linke\" Trotzkistische Parteien und Gruppen }fr\u00fcher: \"Dogmatische Neue Linke\" Marxisten-Leninisten Ifr\u00fcher: orthodoxe Kommunisten","Mitgliederentwicklung bei linksextremistischen Organisationen und Personenzusammenschl\u00fcssen 1983-1992 1983 i1984 1985 1986 1987 1988 1989 1990 199111992 Revolution\u00e4r-marxistische Org. 700 | 600 450 350 350 300 300 450 650 700 Linksextr. Gewaltpotential 150 200 500 500 500 700 1000 1250 Marxistisch-leninistische Org. ! 6200 | 6400 6400 6500 6500 6200 4000 500 400 100 Gesamtzahl [ 6900 j 7000 7000 7050 7350 7000 4800 1650 2050 [ 2050 *Revolution\u00e4r-marxistische Org. E2 Linksextr. Gewaltpotential ES Marxistisch-leninistische Org. ESGesamtzahl","28 2 - Politischer Extremismus - 2.1.1.2 \"Rote Armee Fraktion\" (RAF) 2.1.1.2.1 Grundlagen und Ziele Die RAF, deren'Keimzelle, ein Kreis um Ulrike MEINHOF und Andreas BAADER, Gudrun ENSSLIN und Horst MAHLER in Berlin, im Jahre 1970 entstand, suchte ihren \"bewaffneten Kampf\" als Stadtguerilla nach dem Vorbild s\u00fcdamerikanischer Terroristen aus dem Untergrund zu f\u00fchren. Sich selbst hatte die RAF die Funktion einer revolution\u00e4ren Avantgarde zugedacht. Seit Anfang der 80er Jahre sah sich die RAF nicht mehr nur als verl\u00e4ngerter Arm der Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt, sondern als eigenst\u00e4ndige Guerilla im imperialistischen Zentrum Westeuropa. Ihr \"antiimperialistischer Kampf\" galt insbesondere neben den Sicherheitsbeh\u00f6rden - dem \"Repressionsapparat\" - den Bereichen Politik, Milit\u00e4r, Kapital und Industrie, deren Verflechtungen als \"milit\u00e4risch-industrieller Komplex\" (MIK) bezeichnet werden. Aus der Entwicklung in Osteuropa zog die RAF insofern Konsequenzen, als sie - neue, vermittelbare, d.h. der eigenen Anh\u00e4ngerschaft und Kreisen dar\u00fcber hinaus einleuchtende, \"Kampffelder\" suchend - sich unmittelbar dem tagespolitischen Geschehen zuwandte. Der t\u00f6dlich endende Anschlag auf den Treuhand-Manager Dr. ROHWEDDER am I.April 1991 war Teil dieser neuen Angriffslinie gegen die Strategie des internationalen Kapitals und seine Machtstrukturen. Seit 1992 befindet sich die RAF in einem politischen Neuorientierungsproze\u00df, dessen Ausgang derzeit nicht abzusehen ist. In einer sog. Kommandoerkl\u00e4rung vom 10. April 1992 und in erg\u00e4nzenden Erkl\u00e4rungen vom Juni und August 1992 stellte die RAF die Forderung nach Freilassung der Inhaftierten aus RAF und Widerstand in den Vordergrund ihrer neuen politischen Linie und forderte daf\u00fcr vom Staat eine politische L\u00f6sung, d.h. der Staat m\u00fcsse zun\u00e4chst alle Haftunf\u00e4higen entlassen, die verbleibenden Gefangenen umgehend zusammenlegen und auch diese zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt freilassen. Als eigene Vorleistung f\u00fcr diese politische L\u00f6sung k\u00fcndigte die RAF die R\u00fccknahme der Eskalation an und f\u00fchrte dazu u.a. aus, sie werde auf gezielte T\u00f6tungsaktionen gegen f\u00fchrende","2 - Politischer Extremismus - 29 Repr\u00e4sentanten des Staates und der Wirtschaft verzichten. Zugleich drohte sie aber die Wiederaufnahme des bewaffneten Kampfes an, falls der Staat den Forderungen nach Freilassung der Inhaftierten nicht entsprechen werde. Andere wesentliche Bestandteile der Erkl\u00e4rungen waren die Aufgabe des Avantgardeanspruchs sowie die Propagierung des Aufbaus einer \"Gegenmacht von unten\", zusammen mit anderen Teilen der extremistischen Linken. Mit ihren Erkl\u00e4rungen l\u00f6ste die RAF-Kommandoebene eine verst\u00e4rkte Diskussion - auch unter Berliner Autonomen - zur Frage des bewaffneten Kampfes aus. In einer Vielzahl von Beitr\u00e4gen in dem autonomen Szeneblatt \"INTERIM\" vertraten Bef\u00fcrworter der neuen RAF-Politik und Verfechter des bewaffneten Kampfes ihre Positionen. 2.1.1.2.2 Strukturen Kommandoebene Alle wesentlichen Entscheidungen werden gemeinsam von der seit Jahren auf etwa 15 bis 20 Personen gesch\u00e4tzten Kommandoebene der RAF getroffen. In Berlin sind in der Vergangenheit keine Angeh\u00f6rigen der Kommandoebene festgestellt worden, wie auch bisher Berlin von Anschl\u00e4gen dieser Gruppe verschont blieb. Alle Terroranschl\u00e4ge dieser Ebene wurden von - \"M\u00e4rtyrern\" des eigenen Lagers gewidmeten - sog. Kommandos ausgef\u00fchrt. So wurde der bisher letzte Anschlag der RAF, auf den Vorstandsvorsitzenden der Treuhandanstalt, Dr. Detlev Karsten ROHWEDDER, am I.April 1991, dem bei einem \u00dcberfall der RAF im April 1975 auf die Deutsche Botschaft in Stockholm get\u00f6teten Ulrich WESSEL gewidmet. Umfangreiche Textpassagen der Tatbekennung des Kommandos waren schon vom sichtbar werdenden Bestreben der RAF-Kommandoebene getragen, ein breites Widerstandsspektrum anzusprechen und Themen aufzugreifen, die traditionell eher von Autonomen oder \"Revolution\u00e4ren Zellen\" (RZ) als Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr ihre Aktivit\u00e4ten genutzt wurden, z.B. S\u00fcdafrika, Asyl-Ausl\u00e4nderproblematik, Frauenfragen, Luxussanierung oder \"Schicki-Micki\"-L\u00e4den.","30 2 - Politischer Extremismus - Militante der RAF Auch dieser zweite \"k\u00e4mpfende Teil\" der RAF ist bisher in Berlin nicht in Erscheinung getreten. Die Militanten der RAF rekrutieren sich in erster Linie aus dem RAF-Umfeld und leben grunds\u00e4tzlich in der Legalit\u00e4t. Sie wechseln nur f\u00fcr die Zeit der Attentate in die Illegalit\u00e4t und treten dann als \"k\u00e4mpfende Einheit\" auf. Ihre Anschl\u00e4ge zielen nicht auf die Vernichtung von Menschenleben, sondern auf Sachsch\u00e4den und \u00e4hneln insofern denen der \"Revolution\u00e4ren Zellen\" (RZ). RAF-Umfeld Dem Umfeld der RAF werden von den Sicherheitsbeh\u00f6rden diejenigen, in der Szene als \"Antiimps\" bezeichneten, Personen zugerechnet, die sich vollinhaltlich mit den Zielen der RAF identifizieren und sie politischpropagandistisch unterst\u00fctzen. Dieser Personenkreis umfa\u00dft in Berlin derzeit etwa 50 Personen. Von diesen werden dem engeren RAF-Umfeld etwa 15 Personen zugerechnet, die im Verdacht stehen, die RAF durch praktische Hilfeleistung zu unterst\u00fctzen. Die Zugeh\u00f6rigkeit zum engeren RAF-Umfeld wird u.a. durch folgende Kriterien bestimmt: Verdacht der Unterst\u00fctzung der \"Kommandos\" oder der Militanten, z.B. durch logistische Hilfeleistung, mitverantwortliche Vorbereitung und Beteiligung an Veranstaltungen, die der Propagierung der Ziele und Forderungen der RAF dienen, Bekenntnisse zur Konzeption und Strategie der RAF (z.B. auch bei Besuchen in Haftanstalten) und nicht nur kurzfristige Einbindungen in regionale und \u00fcberregionale Strukturen. \"Inhaftierte der RAF\" Die \"Inhaftierten der RAF\" sind nach eigenen Aussagen mit ihrer Verhaftung nicht mehr Mitglieder der RAF, bleiben aber Teil des revolution\u00e4ren Prozesses. In Berliner Haftanstalten sitzen derzeit keine \"Gefangenen der RAF\" ein.","2 - Politischer Extremismus - 31 Verwandtengruppe Die \"Gefangenen aus RAF und Widerstand\" werden regelm\u00e4\u00dfig von \"Angeh\u00f6rigen der politischen Gefangenen in der BRD\" (Verwandtengruppe) betreut. Diese im gesamten Bundesgebiet etwa 40 Personen umfassende Gruppe, in der auch Angeh\u00f6rige des Berliner RAFUmfeldes mitarbeiten, besucht die Inhaftierten, unterst\u00fctzt sie finanziell aus einem Spendenkonto, sorgt f\u00fcr Postkontakte und versucht, durch Herausgabe eines vierzehnt\u00e4glich erscheinenden \"Angeh\u00f6rigen Infos\" sowie durch sonstige teils spektakul\u00e4re Aktivit\u00e4ten die Forderungen der Inhaftierten zu propagieren. 2.1.1.2.3 Aktuelle Aktivit\u00e4ten des Berliner RAF-Umfeldes Das Berliner RAF-Umfeld wurde offensichtlich im April 1992 von der \"Kommandoerkl\u00e4rung\" der RAF \u00fcberrascht. So lehnte ein wenn auch geringer Teil von ihnen insbesondere die R\u00fccknahme der Eskalation strikt ab, die weitaus meisten Berliner RAF-Anh\u00e4nger dagegen bef\u00fcrworteten die Aussetzung der T\u00f6tungsaktionen. Unabh\u00e4ngig von der RAF-Erkl\u00e4rung f\u00fchrten Berliner RAF-Angeh\u00f6rige bereits Anfang 1992 einen Dialog mit anderen Gruppen, wie z.B. den Autonomen, der PDS, extremistischen Pal\u00e4stinensern, aber auch kirchlichen Gruppierungen, und begannen mit dem Aufbau sog. Unterst\u00fctzergruppen, einer Vorstufe zur Aufbau der Gegenmacht von unten. Diese Verhaltensweise deutet darauf hin, da\u00df wesentliche Inhalte der \"Kommandoerkl\u00e4rung\" vor der Ver\u00f6ffentlichung einigen ma\u00dfgeblichen Angeh\u00f6rigen des Berliner RAF-Umfeldes bekannt gewesen sein mu\u00dften. Eine dieser regelm\u00e4\u00dfig tagenden Unterst\u00fctzergruppen mit dem Themenschwerpunkt politische Gefangene versucht, insbesondere Studenten an Hochschuleinrichtungen im Ostteil Berlins anzusprechen, ein weiterer Zusammenschlu\u00df sucht schwerpunktm\u00e4\u00dfig den Dialog mit anderen Kreisen und ver\u00f6ffentlicht die Protokolle solcher Diskussionsrunden. Diese Aktivit\u00e4ten und andere Indizien deuten auf funktionierende Kommunikationsbeziehungen zwischen einzelnen Aktivisten des Berliner RAF-Umfeldes und der RAF-Kommandoebene hin. Neben der Gruppenarbeit bem\u00fchen sich die Berliner RAF-Anh\u00e4nger weiterhin intensiv um die Betreuung der \"Inhaftierten der RAF\" und das Vorantreiben der andauernden \"Freilassungskampagne\". So organisierten Berliner RAF-","32 2 - Politischer Extremismus - Anh\u00e4nger mehrere gr\u00f6\u00dfere Veranstaltungen, u.a. in der Humboldt-Universit\u00e4t, in der Hochschule der K\u00fcnste und im Mehringhof sowie gemeinsame Veranstaltungen mit Autonomen in Szenekneipen. Dar\u00fcber hinaus engagierten sich Angeh\u00f6rige des Berliner RAF-Umfeldes bei zahlreichen Aktivit\u00e4ten zum Thema \"Gewalt gegen Ausl\u00e4nder\" bzw. in der \"Asylfrage\". 2.1.1.2.4 Ausblick Der Mordanschlag auf den Vorstandsvorsitzenden der Berliner Treuhandanstalt, Dr. ROHWEDDER, am I.April 1991 und die dazu abgegebene Taterkl\u00e4rung machten deutlich, da\u00df sich, bis zur R\u00fccknahme der Eskalation aufgrund der \"Kommandoerkl\u00e4rung\" vom 10. April 1992, vor allem exponierte Personen des \"politisch-\u00f6konomischen Sektors\" und der Deutschland-/ Europapolitik im Fadenkreuz der RAF befanden. Die Politik der RAF ist durch die \"Kommandoerkl\u00e4rung\" vom April und die Erg\u00e4nzungen von Juni und August 1992 unberechenbarer geworden. Zwar hat die RAF in ihren Erkl\u00e4rungen die R\u00fccknahme der Eskalation angek\u00fcndigt, aber gleichzeitig mit der Wiederaufnahme des bewaffneten Kampfes gedroht, falls ihre Forderungen nicht erf\u00fcllt w\u00fcrden. Als m\u00f6gliche Punkte f\u00fcr eine Versch\u00e4rfung des Konfrontationsverh\u00e4ltnisses nennt die RAF in ihrer Erkl\u00e4rung vom August 1992 insbesondere die Verschleppung des Prozesses ... von Freiheit der Gefangenen ... - wie beispielsweise im Fall Bernd R\u00d6SSNER -, die ... Ank\u00fcndigung der neuen Proze\u00dfwelle gegen ... auf Grund von Kronzeugenaussagen... und ein Verhalten des Staates, das ... keinen Raum zul\u00e4\u00dft, in dem sich ... (''Gegenmacht von unten\") organisieren kann .... Inzwischen ist ein Gro\u00dfteil dieser Interventionsvoraussetzungen eingetreten, d.h. der \"Gefangene der RAF\", Bernd R\u00d6SSNER, wurde nicht begnadigt, sondern seine Strafe nur ausgesetzt; die \"Zusammenlegung von Gefangenen\" lehnten die zust\u00e4ndigen Stellen ab und inzwischen sind neue Prozesse gegen bereits inhaftierte fr\u00fchere RAF-Mitglieder aufgrund von Kronzeugenaussagen anh\u00e4ngig.","2 - Politischer Extremismus - 33 Aus diesem Grunde ist ein taktisch bezogener Anschlag der RAF, insbesondere gegen Vertreter bzw. Einrichtungen des sog. Repressionsapparates . m\u00f6glicherweise auch der Politik und der Wirtschaft -, zunehmend wahrscheinlicher. Auch die von Anfang an unrealistische Erwartung der RAF, die Aussetzung ihrer Anschlagst\u00e4tigkeit f\u00f6rdere den Aufbau einer Gegenmacht von unten, hat sich bisher nicht erf\u00fcllt. Die Prognose gilt um so mehr, als die RAF nunmehr um die eigene Glaubw\u00fcrdigkeit f\u00fcrchten mu\u00df, wenn \"Erfolge\" in ihrem Sinne nicht relativ kurzfristig eintreten. Ungeachtet der Betriebsamkeit des Berliner RAF-Umfeldes mehren sich unter den Berliner RAF-Anh\u00e4ngern offenbar Zweifel, ob die jetzige Politik der RAF k\u00fcnftig \u00fcberhaupt noch die M\u00f6glichkeit bietet, erfolgreich in soziale Konflikte eingreifen zu k\u00f6nnen. Eine ma\u00dfgebliche Berliner RAF-Anh\u00e4ngerin \u00e4u\u00dferte dazu pessimistisch, die RAF sei augenblicklich zwar noch in der Lage, milit\u00e4rische Schl\u00e4ge auszuteilen, k\u00f6nne aber politisch nichts mehr bewegen. Trotz allem wird das Berliner RAF-Umfeld auch weiterhin bem\u00fcht sein, die Forderung nach Freilassung der Inhaftierten aus RAF und Widerstand mit f\u00fcr sie geeignet erscheinenden Aktivit\u00e4ten zu unterst\u00fctzen. Dies d\u00fcrften in erster Linie Versammlungen und Demonstrationen sein. Ein anderer wesentlicher Bestandteil der neuen Politik der RAF war die Aufgabe des Anspruches, eine \"revolution\u00e4re Avantgarde\" zu sein. Damit erhoffte sie sich, die M\u00f6glichkeit zu schaffen, mit anderen Gruppen, wie z.B. Autonomen, PDS, aber auch sozialkritischen christlichen Vereinigungen organisiert zusammenarbeiten zu k\u00f6nnen. Ziel dieser \u00d6ffnungspolitik war, die Beteiligung iam Aufbau einer Gegenmacht von unten, einem Sammelbecken von Personen und evtl. auch Organisationen der linksextremistischen/terroristischen Szene, zu bewirken. Dar\u00fcber hinausist davon auszugehen, da\u00df die Berliner RAF-Anh\u00e4nger weiter bem\u00fcht sein werden, im Zuge des Aufbaus der Gegenmacht von unten, neue Unterst\u00fctzergruppen zu bilden bzw. bestehende Gruppen auszubauen. In diesem Zusammenhang wird das Berliner RAF-Umfeld auch aktuelle Themen des \u00fcbrigen linksextremistischen Spektrums aufgreifen und unterst\u00fctzen.","34 2 - Politischer Extremismus - 2.1.1.3 \"Revolution\u00e4re Zellen\" (RZ) 2.1.1.3.1 Entstehung Die \"Revolution\u00e4ren Zellen\" (RZ) bildeten sich Anfang der 80er Jahre nach der \"Roten Armee Fraktion\" (RAF) und neben der - heute nicht mehr existenten - \"Bewegung 2. Juni\" als dritte eigenst\u00e4ndige und unabh\u00e4ngige Gruppe im Bereich des deutschen linksextremistisch motivierten Terrorismus. Wie f\u00fcr die \"Bewegung 2. Juni\" war auch f\u00fcr die RZ die Debatte in der militanten linken Szene \u00fcber Strategie und Taktik der RAF konstitutiv. Kritiker der terroristischen RAF-Praxis vertraten die Position, da\u00df nur solche Angriffe auf die bestehende Gesellschaftsund Verfassungsordnung durchgef\u00fchrt werden d\u00fcrften, die potentiellen Sympathisanten vermittelbar seien und deshalb einem m\u00f6glichst gro\u00dfen relevanten Personenkreis eine Identifikation erm\u00f6glichten. Dem \"bewaffneten Kampf\", wie ihn, die RAF bisher aus der \"Illegalit\u00e4t\" f\u00fchrte, sprechen die RZ in der Regel jegliche Effizienz ab. Die Weiterf\u00fchrung des RZKonzeptes war dann die Losung \"Bildet viele RZ!\". 2.1.1.3.2 Grundlagen, Ziele, Strukturen Die theoretischen Grundlagen der RZ, die ihr ideologisches Selbstverst\u00e4ndnis und ihre Aktionsformen u.a. in ihrer Zeitschrift \"Revolution\u00e4rer Zorn\" vermittelten, unterscheiden sich nur unwesentlich von denen der RAF. Anders als die Kommandoebene der RAF agieren die Kleingruppen der RZ nicht aus dem Untergrund, sondern verlassen ihren normalen Lebensrhythmus nur zur! Durchf\u00fchrung von Aktionen (\"Feierabendterrorismus\"). Die schriftliche Begr\u00fcndung der Anschl\u00e4ge in Selbstbezichtigungen, mit denen die angeblichen politischen Zusammenh\u00e4nge der Tat erl\u00e4utert werden sollen, bildet einen unverzichtbaren Bestandteil der RZ-Aktionen. Im allgemeinen besteht die Taktik der RZ darin, mit m\u00f6glichst geringem Einsatz und Risiko gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Sachschaden anzurichten. Dieser treffe - nach dem Kalk\u00fcl der RZ - den gesch\u00e4digten Einrichtungen mehr als der Ausfall von F\u00fchrungspersonen. Diese Attentate haben deshalb - anders als die milit\u00e4rischen Angriffe des Kommandobereichs der RAF - nicht unmittelbar die T\u00f6tung eines Menschen zum Ziel.","2 - Politischer Extremismus - 35 /\\us dem Gebot der \"Vermittelbarkeit\" ihrer terroristischen Aktionen resultieren die thematischen Ankn\u00fcpfungspunkte der RZ. Sie greifen auch in der breiten \u00d6ffentlichkeit diskutierte Themen wie Stadtsanierung, Ausbeutung der Dritten Welt, Ausl\u00e4nderund Asylproblematik und Biobzw. Gentechnologie auf. 2.1.1.3.3 Anschl\u00e4ge in Berlin Origin\u00e4re RZ In Berlin (West) begannen die RZ ihre Anschlagst\u00e4tigkeit am 17. November 1973 mit einem Sprengstoffanschlag auf ein B\u00fcrohaus der Firma ITT-Schaub Lorenz in Berlin-Charlottenburg. Seitdem folgten weitere Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge der RZ zu jeweils aktuellen Themen. Den bislang letzten in Berlin zu verzeichnenden Anschlag ver\u00fcbten Unbekannte am 12. Juni 1991. 1992 gab es keinen der origin\u00e4ren RZ zuzurechnenden Anschlag in Berlin. Die autonome Frauengruppe der RZ, \"Rote Zora\", hat sich nach Erkenntnissen der Sicherheitsbeh\u00f6rden aufgel\u00f6st. Resonanz-RZ Parallel zu den Brandund Sprengstoffanschl\u00e4gen der RZ kam es in den letzten Jahren auch in Berlin zu Anschl\u00e4gen von Resonanzoder Nachahmer-RZ. Seit 1979 waren, entsprechend der Forderung der RZ \"Schafft viele Revolution\u00e4re Zellen!\", im gesamten damaligen Bundesgebiet Gruppierungen entstanden, die nach dem Vorbild der RZ agierten, ihre Tatausf\u00fchrungen jedoch einfacher gestalteten und in Selbstbezichtigungen nicht so argumentativ umfassend erl\u00e4uterten, wie es von den origin\u00e4ren RZ bekannt ist. Resonanz-RZ d\u00fcrften sich personell \u00fcberwiegend aus der autonomen Szene rekrutieren. Im Jahre 1992 kam es in Berlin zu keinem Anschlag einer Resonanz-RZ. 2.1.1.3.4 Ausblick Die Aufkl\u00e4rung von Aktionen der RZ stellt die Sicherheitsbeh\u00f6rden vor erhebliche Probleme, weil die den RZ eigene Strategie des \"Feierabendterrorismus\", die organisatorische Struktur selbst\u00e4ndig operierender Zellen mit jeweils nur","36 2 - Politischer Extremismus - wenigen Mitgliedern und die thematische Breite der RZ, die Aktionen gegen eine Vielzahl von Sachobjekten mit angeblicher Symbolfunktion vielen Sympathisanten plausibel macht, eine Eingrenzung des m\u00f6glichen T\u00e4terbereichs au\u00dferordentlich erschwert. Daraus erkl\u00e4rt sich auch, da\u00df die Aktivit\u00e4ten der RZ, sowohl im allgemeinen als auch unter Autonomen im besonderen, eine weitaus positivere Resonanz als die der RAF finden. Mehr als die terroristischen Aktivit\u00e4ten der RZ ist ihre Vorbildfunktion f\u00fcr \u00e4hnliche Aktionen anderer zur Gewaltaus\u00fcbung bereiter Gruppen und Personen zu f\u00fcrchten. Insbesondere militante Autonome orientieren sich - offenbar h\u00e4ufig - am Handlungsmuster der RZ. Denjenigen, die einen Zusammenschlu\u00df nach dem Muster der RZ bilden wollen, bietet der \"Feierabendterrorismus\" der RZ g\u00fcnstigere Bedingungen als die Ideologie der RAF, die ein Abtauchen in die Illegalit\u00e4t beinhaltet. Es ist davon auszugehen, da\u00df es in Berlin nach wie vor einzelne intakte \"Revolution\u00e4re Zellen\" bzw. Resonanz-RZ gibt, die aus aktuellem Anla\u00df vor allem zu Themen wie der Asylund Ausl\u00e4nderproblematik und der \"Umstrukturierung\" der Stadt im Rahmen der Hauptstadtund Olympiaplanungen jederzeit aktiv werden k\u00f6nnen. i 2.1.1.4 Autonome 2.1.1.4.1 Vorbemerkung Bei der Vielzahl heterogener, mehr oder weniger konstanter Gruppen und Zusammenschl\u00fcsse, die sich selbst als Autonome bezeichnen, sind die \u00dcberg\u00e4nge zwischen gewaltablehnenden und gewaltbef\u00fcrwortenden Kr\u00e4ften flie\u00dfend. Grunds\u00e4tzlich unterliegen nur diejenigen Autonomen der Beobachtung der Sicherheitsbeh\u00f6rden, die an gewaltt\u00e4tigen Aktionen mit linksextremistischem Hintergrund mitgewirkt oder diese vorbereitet haben, den Einsatz von Gewalt bei diesen Aktionen bef\u00fcrwortet haben oder","2 - Politischer Extremismus - 37 h\u00e4ufige oder enge Kontakte zu Gewaltt\u00e4tern oder Gewaltbef\u00fcrwortern hatten, d.h. insbesondere zu Mitgliedern von Gruppen, die Gewalttaten propagieren, vorbereiten oder durchf\u00fchren. 2.1.1.4.2 Grundlagen, Ziele, Strukturen Bei den Autonomen, die grunds\u00e4tzlich Ideologien und gesellschaftliche Normen ablehnen, d.h. selbstbestimmt leben wollen, handelt es sich um \u00f6rtliche, meist nur lose strukturierte Zusammenschl\u00fcsse oder um Einzelpersonen ohne Gruppenzusammenhang mit diffusen anarchistischen, nihilistischen, bisweilen auch revolution\u00e4r-marxistischen Zielen. Sie bef\u00fcrworten und praktizieren militante Aktionen, wie z.B. \u00f6ffentliche gewaltt\u00e4tige Protestaktionen, Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge, im Kampf gegen die als Schweinesystem diffamierte politische Ordnung des Grundgesetzes. Dabei bieten u.a. folgende Themen Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr (aktuelle) Aktivit\u00e4ten: Proteste gegen angeblichen (staatlichen) Faschismus, darunter Rassismus und Sexismus, sowie gegen tats\u00e4chliche oder vermeintliche Rechtsextremisten (sog. Antifaschistischer Kampf), Proteste gegen die \"Umstrukturierung\" Berlins als Hauptstadt und Regierungssitz nach der Vereinigung, Proteste gegen internationale Konferenzen, Staatsbesuche und sonstige Veranstaltungen, deren Teilnehmer in der linksextremistischen Agitation als Tr\u00e4ger imperialistischer Bestrebungen diffamiert werden, Proteste gegen den Bau und Betrieb von technischen Gro\u00dfprojekten, Eroberung und Verteidigung von \"Freir\u00e4umen\" gegen\u00fcber dem \"System\". Obwohl Autonome von der Grundtendenz her den Aufbau einer (eigenen) Organisation ablehnen, halten Teile des autonomen Potentials einen gewissen Grad von Organisierung f\u00fcr unverzichtbar. Die angestrebte Organisierung solle der auch 1992 beklagten Orientierungsund Perspektivlosigkeit","38 2 - Politischer Extremismus - entgegenwirken. Die bisher bestehenden \u00f6ffentlichen Strukturen (z.B. \"Infotelefone\", \"Infol\u00e4den\" und \"Vollversammlungen\") sowie die verdeckten, informellen Strukturen (z.B. Telefon ketten) reichten nicht aus, die Unf\u00e4higkeit, \u00fcber einzelne Kampagnen hinaus kontinuierlich nachhaltige politische Arbeit zu leisten, zu \u00fcberwinden. Berliner Autonome schlossen sich daher im Fr\u00fchjahr 1992 dem computergest\u00fctzten Informationssystem \"Spinnennetz\" an. Mit diesem Informationssystem soll ein Info-Netzwerk politischer Gruppen und Infol\u00e4den aufgebaut werden, um einen gegenseitigen Nachrichtenaustausch auf europ\u00e4ischer Ebene zu erreichen. Als St\u00fctzpunkte in Berlin dienen hierbei verschiedene Infol\u00e4den und andere Kommunikationszentren, die schon in der Vergangenheit Teile bestehender autonomer Strukturen waren. Die \u00fcberwiegende Mehrheit der Autonomen sind deutsche, zum geringeren Teil ausl\u00e4ndische Jugendliche bzw. j\u00fcngere Erwachsene aus der Altersgruppe der 18bis 28j\u00e4hrigen, zumeist Sch\u00fcler, Auszubildende und Studenten, die I mit der Lehre oder dem Studium nicht zurechtkommen. Sie bestreiten ihren Lebensunterhalt \u00fcberwiegend durch Gelegenheitsjobs und den Empfang von \u00f6ffentlichen Sozialleistungen. Viele Autonome wenden sich schon nach wenigen Jahren ern\u00fcchtert von der Szene ab, entt\u00e4uscht \u00fcber das Auseinanderklaffen von Anspruch und Wirklichkeit autonomer Lebensziele. Als besonders frusfierend werden die selbstgew\u00e4hlte gesellschaftliche Isolation, die Auseinandersetzungen zwischen \"Altautonomen\" und ihrem \"Nachwuchs\" sowie die st\u00e4ndigen ergebnislosen Perspektivdiskussionen empfunden. Die Zahl der Autonomen wird von den Sicherheitsbeh\u00f6rden bundesweit auf etwa 5.000 Personen gesch\u00e4tzt. Die autonome Szene in Berlin stellt mit inzwischen etwa 1.200 Personen das | weitaus gr\u00f6\u00dfte Kontingent innerhalb des deutschen linksextremistisch motivierten Gewaltpotentials dar. Zum weiteren Anstieg des autonomen Potentials gegen\u00fcber 1991 trug wesentlich der 1992 verst\u00e4rkt gef\u00fchrte sog. Antifaschistische Kampf bei, der sich als Aktionsund Agitationsthema \u00e4u\u00dferst mobilisierend auswirkte. Auch im Jahre 1992 gelang es den Autonomen, insbesondere Angeh\u00f6rige der sog. Alternativszene und anderer - subkultureller - Kreise Berlins zu aktivieren. So beteiligten sich an der haupts\u00e4chlich von Angeh\u00f6rigen der autonomen","2 - Politischer Extremismus - 39 Szene organisierten sog. Revolution\u00e4ren 1. Mai-Demonstration erneut etwa 8.000 Personen. \u00dcberwiegend ausl\u00e4ndische Jugendbanden, die ohne erkennbare linksextremistische Motivation in bestimmten Situationen militant-autonome Aktionsformen zum Ausgangspunkt eigener Gewalttaten machten, erh\u00f6hten ihrerseits zus\u00e4tzlich den Wirkungsgrad exzessiver Attacken der verfassungsfeindlichen Kr\u00e4fte. 2.1.1.4.3 Militanz und Aktionsformen Autonomer Gewalt gegen Sachen, aber auch gegen Personen, ist f\u00fcr viele Autonome selbstverst\u00e4ndlich, Militanz geradezu ein Kriterium autonomer Politik. Die angewandten Aktionsformen und der dabei ausge\u00fcbte Grad von Gewalt richten sich nach den eigenen M\u00f6glichkeiten und den jeweils vorgefundenen Gegebenheiten. Sie reichen von Versammlungen und Demonstrationen \u00fcber St\u00f6raktionen, Blockaden und Sachbesch\u00e4digungen bis zu \u00dcberf\u00e4llen auf politische Gegner und terroristischen Anschl\u00e4gen, die sich an das Handlungsmuster der \"Revolution\u00e4ren Zellen\" (RZ) anlehnen. Die unter der Bezeichnung \"Antifaschistische Selbsthilfe\" zunehmend brutaler durchgef\u00fchrten Angriffe auf tats\u00e4chliche oder vermeintliche Rechtsextremisten vervierfachten sich 1992 gegen\u00fcber 1991. Hierbei wurde auch der Tod von Anschlagsopfern in Kauf genommen bzw. in Ver\u00f6ffentlichungen gebilligt. Auch im letzten Berichtszeitraum behielten Autonome bei Ausschreitungen die seit Herbst 1991 verst\u00e4rkt angewandte Taktik bei, in Kleingruppen zuzuschlagen und sich sofort zur\u00fcckzuziehen, um ein neues Ziel anzugreifen. Verst\u00e4rkte Polizeipr\u00e4senz bei Demonstrationen mit Beteiligung Autonomer f\u00fchrte dazu, da\u00df viele potentielle Gewaltt\u00e4ter verunsichert von der Aus\u00fcbung militanter Aktionen absahen. Im Zusammenhang mit als \"Volxsport\" betitelten Zerst\u00f6rungsaktionen ver\u00f6ffentlichten Autonome detaillierte Sabotageanleitungen und begr\u00fcndeten die Wahl ihrer Anschlagsziele regelm\u00e4\u00dfig in Taterkl\u00e4rungen. Diese sandten sie z. T. der Presseagentur dpa oder verschiedenen Tageszeitungen zu. Eine bereits seit l\u00e4ngerer Zeit gef\u00fchrte Debatte autonomer Kreise \u00fcber Sinn, Anla\u00df und Ausma\u00df gewaltt\u00e4tiger Aktionsformen l\u00f6ste im Jahre 1992 innerhalb der Szene eine Polarisierung im Widerstreit kontr\u00e4rer Meinungen aus. Diese","40 2 - Politischer Extremismus - Entwicklung hatte u.a. zur Folge, da\u00df sog. Reformautonome, die aus taktischen Erw\u00e4gungen bereit waren, insbesondere bei Demonstrationen auf Gewalt zu verzichten, Verfechter einer exzessiven Gewaltstrategie aus den eigenen Reihen und dem \u00fcbrigen linksextremistischen Spektrum t\u00e4tlich angriffen. 2.1.1.4.4 Aktuelle Aktivit\u00e4ten der Autonomen Berliner Autonome widmeten sich 1992 vornehmlich dem sog. Antifaschistischen Kampf. Einen weiteren Schwerpunkt bildeten, \u00e4hnlich wie im Vorjahr, Aktivit\u00e4ten gegen die bef\u00fcrchtete \"Umstrukturierung\" Berlins im Zuge der \"Hauptstadtplanungen\" sowie der Bewerbung f\u00fcr die Austragung der Olympischen Spiele im Jahre 2000. Abermals kam es zur Zusammenarbeit zwischen Autonomen und Angeh\u00f6rigen des RAF-Umfeldes. Nahezu alle Anschl\u00e4ge des linksextremistisch motivierten Gewaltpotentials - zumeist Sachbesch\u00e4digungen und Brandanschl\u00e4ge mit einfachen, aber wirksamen Mitteln - wurden von autonomen Kleingruppen begangen. Die hierbei angerichteten Sch\u00e4den belaufen sich auf mehrere Mio. DM. Soweit sie Taterkl\u00e4rungen abgaben, traten sie u.a. unter Namen wie \"Rote Antifaschistische Fraktion\", \"Volxsport Club Dynamo Kreuzberg\", \"Komitee Gegen Bonzen (KGB)\", \"AUTONOME SENFGURKEN\", \"Die Drei von der Tankstelle\", \"Rote BMW-Fraktion\", \"AUTONOME PHYSIKERiNNEN DES 20. JAHRHUNDERTS\" und \"autonome gruppe 'volxsport statt Olympia'\" auf. \"Antifaschistischer Kampf\" Der sog. Antifaschistische Kampf entwickelte sich 1992 zum Hauptaktionsfeld der Autonomen. Unter dem Motto Kampf dem Faschismus auf allen Ebenen propagierten Autonome u.a., den Aufbau faschistischer Organisationen und Strukturen ... mit Mitteln der Aufkl\u00e4rung und in der direkten Konfrontation zu bek\u00e4mpfen, staatliche(n) Rassismus, der den wachsenden Faschismus beg\u00fcnstigt, anzugreifen, Fl\u00fcchtlinge und Antifaschistinnen tatkr\u00e4ftig zu unterst\u00fctzen und die Organisierung und Vernetzung des antifaschistischen Widerstandes in der BRD und international voranzutreiben. Dabei haben autonome Protagonisten die - durch pers\u00f6nliche Betrof-","2 - Politischer Extremismus - 41 fenheit seit den Ereignissen in Hoyerswerda im September 1991 und durch weitere \u00dcbergriffe von Rechtsextremisten auf Asylbewerber und andere Ausl\u00e4nder hervorgerufene - erh\u00f6hte Mobilisierungsf\u00e4higkeit in der alternativen Szene und in den eigenen Reihen genutzt, um ihr Handlungspotential deutlich zu erh\u00f6hen. So stieg sowohl die Zahl der Aktivit\u00e4ten als auch die Anzahl gewaltt\u00e4tiger autonomer Kleingruppen sprunghaft an. Angriffe auf tats\u00e4chliche oder vermeintliche Rechtsextremisten wurden hierbei als \"Antifaschistische Selbsthilfe\" deklariert [vgl. 2.3]. Aktivit\u00e4ten gegen die \"Umstrukturierung\" Berlins Autonome haben 1992 die Kampagne gegen die \"Umstrukturierung\" Berlins verst\u00e4rkt fortgesetzt. Im Vordergrund ihres Interesses standen hierbei die Bezirke Kreuzberg und Friedrichshain, die mit ihren Kiezen nach der Vereinigung Berlins aus vormals ghettoartiger Randlage wieder zu Innenstadtbezirken geworden waren. Die Autonomen bef\u00fcrchten, aufgrund verst\u00e4rkter Baut\u00e4tigkeit und folgender Mietsteigerungen f\u00fcr Wohnungen und Gewerber\u00e4ume zusammen mit anderen \u00e4rmeren Kiezbewohnern an den Stadtrand gedr\u00e4ngt zu werden. Ihre Aktionen, insbesondere Brandanschl\u00e4ge und Sachbesch\u00e4digungen, richteten sich vor allem gegen Firmen, die sie mit der \"Umstrukturierung\" in Zusammenhang brachten, gegen sich in \"ihrem Kiez\" ansiedelnde kapitalkr\u00e4ftige Gro\u00dfunternehmen sowie Lokale, die sie als \"Schicki-Micki-L\u00e4den\" diffamierten. In diesem Zusammenhang ist eine Anfang 1992 begonnene Serie von Brandanschl\u00e4gen auf Personenkraftwagen der Luxusklasse hervorzuheben. Darunter befanden sich sowohl gezielte Anschl\u00e4ge auf Fahrzeuge von Personen, die f\u00fcr die \"Umstrukturierung\" verantwortlich gemacht wurden, als auch zahlreiche wahllos durchgef\u00fchrte Aktionen gegen \"Bonzenund Nobelkarossen\". Zu den gezielten Aktionen, die insbesondere Furcht und Einsch\u00fcchterung erzeugen sollten, geh\u00f6rten beispielsweise Brandanschl\u00e4ge auf die Fahrzeuge von SPD-Politikern in der Nacht zum 22. Mai 1992 in Kreuzberg und Neuk\u00f6lln und am 20. Juni 1992 auf den Personenkraftwagen eines in Kreuzberg t\u00e4tigen Architekten. Die willk\u00fcrlichen Anschl\u00e4ge, die in erster Linie darauf angelegt waren, \"Bonzen\", Makler, Gesch\u00e4ftsleute und \"Yuppies\" aus dem Kiez zu","42 2 - Politischer Extremismus - vertreiben, listeten Autonome unter der Rubrik \"Volxsport\" s\u00e4uberlich in ihrem Sprachrohr, dem klandestin herausgegebenen Info-Blatt \"INTERIM\", auf. \"INTERIM\" ver\u00f6ffentlichte in diesem Zusammenhang in seiner Ausgabe vom 1. Oktober 1992 Spielregeln und Handlungsanleitungen f\u00fcr potentielle Nachahmer. Darin hei\u00dft es, da\u00df man es nicht mehr hinnehme, da\u00df immer mehr Yuppiekacknasen mit ihren Luxuskarossen in den Kiezen zu sehen seien. Deshalb sei die BERLINER WAGENSPORTLIGA IM SUPERSCHWERGEWICHT gegr\u00fcndet worden. Objekte der Begierde seien dabei die neue S-Klasse von Mercedes Benz, die 7er-BMW-Serie, neue Porsche, Jaguar, Rolls Royce u.\u00c4. (sic!). G\u00fcnstigste Zeit f\u00fcr das Spiel sei der Abend, der eigene Kiez das beste Spielfeld, da man dort die Hinterh\u00f6fe, Fluchtwege und Zivikutschen am besten kenne. Als Spielger\u00e4te brauche jeder Volxsportclub lediglich einen Hammer, einen mit Benzin\u00d6l-Gemisch gef\u00fcllten Kanister, ein St\u00fcck Papier oder einen Lappen und ein Feuerzeug. Das Spiel werde durch Schlagen mit dem Hammer auf die Scheiben er\u00f6ffnet. Teilnehmen k\u00f6nne jeder mit Freude am Volxsport. Gewonnen habe der Volxsportclub, der am Ende der Saison das gr\u00f6\u00dfte Produkt aus der Summe an Spielen, multipliziert mit den Listenpreisen der Wagen, erreicht habe. Ein weiterer Ankn\u00fcpfungspunkt f\u00fcr Aktionen Autonomer zum Thema \"Umstrukturierung\" war die beabsichtigte \u00d6ffnung der Oberbaumbr\u00fccke f\u00fcr den Personenindividualverkehr. Die Br\u00fccke \u00fcber die Spree verbindet die Bezirke Kreuzberg und Friedrichshain und soll Teil des sog. Stadtringes zur Umfahrung der Innenstadt werden. Seit der R\u00e4umung der von etwa 100 Personen vier Tage lang besetzten Oberbaumbr\u00fccke am 8. Juli 1992 kam es wiederholt zu gewaltsamen Aktionen. Unter dem Slogan Oberbaumbr\u00fccke bleibt Stadtringl\u00fccke ver\u00fcbten autonome Kleingruppen vor allem Brandanschl\u00e4ge auf Baufahrzeuge und -gerate einer an dem Bauvorhaben beteiligten Firma. Auch Aktivit\u00e4ten gegen die Bewerbung Berlins f\u00fcr die Olympischen Spiele im Jahre 2000 subsumierten Autonome unter ihre Kampagne gegen die \"Umstrukturierung\". In diesem Zusammenhang stahl eine autonome Gruppe mit der Bezeichnung \"kommando lutz gr\u00fcttke\" am","2 - Politischer Extremismus - 43 5. Januar 1992 eine Gedenktafel f\u00fcr Carl DIEM aus dem Olympiastadion. Diverse Brandanschl\u00e4ge richteten sich gegen Firmen, die mit Bauprojekten bzw. mit der Bewerbungsschrift f\u00fcr die geplante Austragung der Olympischen Spiele befa\u00dft waren; Taterkl\u00e4rungen enthielten Parolen wie Wer mit den Olympischen Ringen spielt, verbrennt sich leicht die Finger..., Kein Elitedenken, kein Leistungsund Konsumterror, keine auf Kommerz und Profit ausgerichtete Stadtplanung..., nie wieder Olympia, schon gar nicht in berlinl. Weiterhin verbreiteten Autonome Brosch\u00fcren und Flugbl\u00e4tter, mit denen sie versuchten, den Olympischen Spielen ein negatives Image zu verschaffen und den Eindruck einer olympiafeindlichen Stimmung in der Bev\u00f6lkerung zu wecken, um dadurch die Chancen f\u00fcr eine Entscheidung zugunsten Berlins als Austragungsort der Olympischen Spiele zu mindern. 2.1.1.4.5 Ausblick Autonome werden den 1992 intensivierten \"Antifaschistischen Kampf\" und hierbei insbesondere die als \"Antifaschistische Selbsthilfe\" deklarierten Angriffe auf tats\u00e4chliche oder vermeintliche Rechtsextremisten auch im Jahre 1993 weiterf\u00fchren. Inwieweit dieses momentane Schwerpunktthema Triebfeder erh\u00f6hter autonomer Gewaltbereitschaft bleibt, aber auch fortgesetzt jungen Leuten Anreiz f\u00fcr ihren Einstieg in die autonome Szene bietet, d\u00fcrfte nicht unwesentlich abh\u00e4ngen von Entwicklungen im militant-rechtsextremistischen Spektrum. So h\u00e4tten weitere neonazistische, fremdenfeindliche \u00dcbergriffe gegen Ausl\u00e4nder auf das Stimmungsgef\u00fcge des autonomen Potentials einen extrem anheizenden Einflu\u00df. Schon jetzt ist bekannt, da\u00df Autonome in Vorbereitung militanter Aktionen vermehrt und gr\u00fcndlicher Anschlagsziele ausforschen wollen; bei \u00dcbergriffen auf Personen ist mit \u00e4u\u00dferster Brutalit\u00e4t zu rechnen. Die 1993 zu erwartende vermehrte Baut\u00e4tigkeit im Zusammenhang mit der neuen Hauptstadtfunktion und der Olympiabewerbung wird die Zahl m\u00f6glicher Anschlagsziele und -anlasse autonomer Kleingruppen weiter erh\u00f6hen. Bis zum 23. September 1993, dem Tag der Entscheidung des IOC \u00fcber die Vergabe der Olympischen Spiele, planen Autonome eine aktionistische \"hei\u00dfe Phase\", mit dem Ziel, Berlin weltweit als Bewerber zu diskreditieren und so die Spiele in der Stadt zu verhindern. Besonders erscheinen z.B. Betriebe, die als Lizenznehmer oder Sponsoren auftreten sowie andere \"F\u00f6rderer\" der hiesigen","44 2 - Politischer Extremismus - Olympiawerbung gef\u00e4hrdet. Bei der Auswahl spektakul\u00e4rer Anschlagsziele r\u00fccken voraussichtlich zunehmend auch Spielst\u00e4tten der Olympiade 1936 in das Blickfeld autonomer Olympiagegner. Seitens der Autonomen k\u00f6nnte hierbei eine Chance gesehen werden, agitatorisch die Ablehnung der Spiele in Berlin auch Kreisen au\u00dferhalb des extremistischen Spektrums zu vermitteln, indem man die heutige Bundesrepublik mit ihrer Hauptstadt Berlin in eine diffuse historische Kontinuit\u00e4t zu der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft und Propagandaoffensive im Umfeld der damaligen Olympiade stellt. Ihren Kampf gegen die \"Umstrukturierung\" wollen Autonome 1993 vor allem durch entschlossenere Militanz intensivieren. Gewaltt\u00e4tige Aktivisten k\u00fcndigten an, \"mit Volldampf\" in gro\u00dfem Ma\u00dfe \"Bonzenautos\" (gemeint sind Nobelmarken wie Mercedes-Benz, BMW und Jaguar) in Brand zu setzen und weiterhin Ger\u00e4tschaften an dem Projekt Oberbaumbr\u00fccke beteiligter Baufirmen zu zerst\u00f6ren. Autonome werden anhaltend bem\u00fcht sein, ihre Strukturen, insbesondere den schon 1992 verbesserten \u00fcberregionalen Informationsflu\u00df zu effektivieren. \u00c4hnlich wie im letzten Berichtszeitraum wird dabei der weitere Aufund Ausbau des computergest\u00fctzten, \u00fcberwiegend von autonomen \"Infol\u00e4den\" getragenen Kommunikationssystems \"Spinnennetz\" von Bedeutung sein. Ein derartiges qualifiziertes Informationssystem k\u00f6nnte entscheidend zum Abbau bisheriger theoretischer Defizite des autonomen Selbstverst\u00e4ndnisses beitragen. F\u00f6rderlich f\u00fcr die \u00dcberwindung der weitgehenden Desintegration des autonomen Potentials, wie sie seit jeher durch Zersplitterung in \"Teilbereichsk\u00e4mpfe\" sichtbar wird, d\u00fcrfte nicht zuletzt der mobilisierungswirksame \"Antifaschistische Kampf\" sein. Dieses Aktionsfeld ist nach autonomer Definition bereichs\u00fcbergreifend angelegt, bezieht ausdr\u00fccklich \"antiimperialistische\", \"antipatriarchalische\" und \"antikapitalistische\" Zielsetzungen mit ein. So entstehende Ans\u00e4tze f\u00fcr eine kontinuierliche, nachhaltige politische Arbeit k\u00f6nnten in Verbindung mit der st\u00e4ndigen Gewaltbereitschaft Autonomer zu einer erheblichen Gefahr f\u00fcr die innere Sicherheit Deutschlands und, wegen der hiesigen Konzentration des linksextremistisch motivierten Gewaltpotentials, insbesondere Berlins f\u00fchren. Eine derart gefestigte autonome Bewegung b\u00f6te au\u00dferdem dem RAF-Umfeld einen zuverl\u00e4ssiger und berechenbarer gewordenen B\u00fcndnispartner mit","2 - Politischer Extremismus - 45 erweiterten und neuen Perspektiven in der Zusammenarbeit. Sollte es zwischen beiden Str\u00f6mungen des linksextremistischen Gewaltpotentials zu einer - durchaus denkbaren - intensiveren Kooperation als bisher kommen, erg\u00e4ben sich zwangsl\u00e4ufig gesteigerte Risiken in der Gef\u00e4hrdungslage. 2.1.2 Marxistisch-leninistische und sonstige revolution\u00e4r-marxistische Gruppen 2.1.2.1 Vorbemerkung Neben den gewaltorientierten linksextremistisch motivierten Gruppen versuchen auch andere linksextremistische Organisationen, Parteien und Zusammenschl\u00fcsse, die freiheitliche demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland auf revolution\u00e4rem Weg zu beseitigen. Dazu z\u00e4hlen au\u00dfer einer Reihe relativ unbedeutender anarchistischer Zirkel und Zusammenschl\u00fcsse (ca. 100 Anh\u00e4nger), die eine \"herrschaftsfreie Gesellschaft\" anstreben, marxistisch-leninistische B\u00fcnde und Parteien inklusive traditionell-kommunistische Organisationen sowie trotzkistische Vereinigungen. Den einerseits aus der kommunistischen Weltbewegung unter ideologischer Hegemonie der ehemaligen KPdSU entstandenen Parteien und Gruppen und den andererseits in der Studentenbewegung der 60er Jahre wurzelnden Organisationen ist gemeinsam, da\u00df sie den Klassenkampf und die proletarische Revolution propagieren sowie eine kommunistische Diktatur errichten wollen. Dabei sind sie zum Teil auch bereit, Gewalt zur Durchsetzung dieses politischen Ziels anzuwenden, sobald die Situation dies ihrer Meinung nach zul\u00e4\u00dft. In Berlin sind mehr als zehn, fr\u00fcher im allgemeinen Sprachgebrauch als \"KGruppen\" bezeichnete Organisationen, die \u00fcberwiegend auch bundesweit aktiv t\u00e4tig sind, mit unterschiedlichen Aktivit\u00e4ten und Mitgliederst\u00e4rken (insgesamt unter 500 Angeh\u00f6rige) vertreten. Die Situation traditioneller Kommunisten und ihrer Parteien stand im Jahre 1992 weiterhin unter den Auswirkungen des Zusammenbruchs der \"sozialistischen Staatengemeinschaft\" in Ostund S\u00fcdosteuropa.","46 2 - Politischer Extremismus - Bestimmte zun\u00e4chst schockartiges Agieren ihr politisches Handeln, ist nunmehr der Versuch einer Neuorientierungsphase zu erkennen. Nachdem sich die \"Sozialistische Einheitspartei Westberlins\" (SEW) bzw. ihre Nachfolgeorganisation \"Sozialistische Initiative\" (SI) statutengem\u00e4\u00df am 30. Juni 1991 aufgel\u00f6st hatten, organisierte sich ein Gro\u00dfteil der ehem. SEW/SI-Mitglieder zun\u00e4chst in der \"Partei des Demokratischen Sozialismus\" (PDS), der unmittelbaren Nachfolgerin der Ostund West-Berliner Kommunisten historisch gemeinsamen \"Mutterpartei\" SED. Die von der PDS \u00fcber die ehemaligen SEW/SI-Mitglieder erhoffte weitere Ausdehnung auf die Westbezirke hat sich 1992 nicht erf\u00fcllt. Im Vorfeld der 4. Tagung des 3. Landesparteitages der PDS Berlin (12./13. Dezember 1992) wurde bekannt, da\u00df die PDS auch im Westteil der Stadt eine r\u00fcckl\u00e4ufige Mitgliederentwicklung zu beklagen hat. Konnte sich die Berliner PDS It. Zeitung \"Neues Deutschland\" vom 28. Oktober 1991 noch auf 434 \u00fcberwiegend aus der ehemaligen SEW/SI kommende Mitglieder im Westteil der Stadt berufen, so verf\u00fcgte sie 1992 lediglich noch \u00fcber etwa 260 Mitglieder im Westteil Berlins. In dieser r\u00fcckl\u00e4ufigen Mitgliederentwicklung spiegelt sich auch das fr\u00fcher von SEW/SI-Mitgliedern wiederholt ge\u00e4u\u00dferte Unbehagen gegen\u00fcber einer als zu \"liberal\" empfundenen PDS wider. Eine im Vergleich zu den Eintritten in die PDS zahlenm\u00e4\u00dfig kleine Gruppe von fr\u00fcheren SEW/SI-Mitgliedern bildete dagegen den Kern der 1990 auf Berlin ausgedehnten \"Deutschen Kommunistischen Partei\" (DKP). 1992 waren auch erste Aktivit\u00e4ten der Anfang 1991 ins Leben gerufenen Berlin-Brandenburger Organisationseinheit der DKP-Nebenorganisation \"Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend\" (SDAJ) festzustellen. Die Anfang 1990 von ehemaligen SED-Mitgliedern im Ostteil Berlins gegr\u00fcndete \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD) stie\u00df unter fr\u00fcheren SEW/SI-Mitgliedern auch 1992 kaum auf Resonanz und blieb auf die \u00f6stlichen Stadtbezirke beschr\u00e4nkt. Die von der PDS und hier insbesondere der \"Kommunistischen Plattform\" dieser Partei mit der DKP und der KPD angestrebte Zusammenarbeit kam auch 1992 \u00fcber eine sporadische gemeinsame Arbeit im \"St\u00e4ndigen Rat Marxistischer Parteien\" (SRMP) nicht hinaus.","2 - Politischer Extremismus - 47 Trotz dieser negativen Entwicklung hoffen sowohl die DKP als auch die PDS weiterhin auf einen Mitgliederzuwachs aus dem ehem. SEW-Mitgliederpotent'ial. Der Trotzkismus, dessen Anh\u00e4nger sich selbst als \"revolution\u00e4re Kommunisten\" bezeichnen, hat seinen Ursprung in der von Leo TROTZKI am 3. September 1938 in Perigny bei Paris gegr\u00fcndeten \"IV. Internationale\" und dem dort von ihm vorgelegten \"\u00dcbergangsprogramm: Der Todeskampf des Kapitalismus und die Aufgaben der Vierten Internationale\". Darin fa\u00dfte TROTZKI f\u00fcr ihn richtungsweisende Grunds\u00e4tze zusammen und formulierte ein Ablaufmuster zur \"Mobilisierung der Massen\". In ihrem Statut proklamierte die \"IV. Internationale\" das Ziel der proletarischen Revolution im Weltma\u00dfstab zur Errichtung einer r\u00e4tedemokratischen Ordnung. Sowohl das \"\u00dcbergangsprogramm\" als auch die seinerzeit benannten Ziele bilden bis heute f\u00fcr Trotzkisten die ideologische Grundlage ihres Verst\u00e4ndnisses von Sozialismus. Zentrale Werte der trotzkistischen Lehre sind die Theorie der \"permanenten Revolution\" (bruchlose Entwicklung von der demokratischen zu einer sozialistischen Umw\u00e4lzung) sowie das auf \"R\u00e4ten\" gegr\u00fcndete Demokratiemodell (Arbeiterselbstverwaltungsmodell zur Kontrolle der Produktions-, Arbeitsund Lebensbedingungen). Ebenfalls charakteristisch f\u00fcr das trotzkistische Vokabular ist der Begriff \"Entrismus\". Darunter verstehen Trotzkisten die konspirative Infiltration von Parteien und Massenorganisationen, wobei die trotzkistischen Unterwanderer nach au\u00dfen Loyalit\u00e4t und Einverst\u00e4ndnis mit den Zielen und Aufgaben der jeweiligen Organisation vorgeben. Ziel ist es, diese von innen auszuh\u00f6hlen, zu desorganisieren und einzelne Mitglieder f\u00fcr den Trotzkismus zu gewinnen. TROTZKIS \"IV. Internationale\" konnte bisher keine gro\u00dfe politische Bedeutung gewinnen. Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten \u00fcber taktische und organisatorische Fragen spaltete sie sich im Dezember 1953 in ein \"Internationales Komitee\" und ein \"Internationales Sekretariat\". Daraus entwickelten sich - nach vergeblichen Einigungsversuchen - viele unterschiedliche rivalisierende Gruppen, die in internationalen Dachverb\u00e4nden organisiert sind, von denen jeder beansprucht, der einzige legitime Nachfolger TROTZKIS \"IV. Internationale\" zu sein.","48 2 - Politischer Extremismus - Angesichts seiner Zersplitterung und seiner geringen Anh\u00e4ngerzahl - bundesweit etwa 1.200 Personen in etwa einem Dutzend Parteien, Gruppen und Zirkeln organisiert - stellt der organisierte deutsche' Trotzkismus zur Zeit keine ernsthafte Gefahr f\u00fcr die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung dar. Gleichwohl gelingt es Trotzkisten mitunter, Diskussionen und Aktivit\u00e4ten innerhalb der extremistischen Bewegung zu beeinflussen sowie durch besonderen Einsatz und \"entristisches\" Vorgehen auch auf Teile der demokratischen Arbeiterbewegung und auf Kampagnen einzuwirken. In Berlin sind derzeit insgesamt acht, zusammen \u00fcber etwa 200 Mitglieder verf\u00fcgende, trotzkistische Parteien und Gruppen, die als deutsche Sektionen der internationalen Dachverb\u00e4nde auftreten, aktiv. 2.1.2.2 \"Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD\" (AB) Der schwerpunktm\u00e4\u00dfig in Bayern vertretene AB hat sich \u00fcber Linienk\u00e4mpfe zur k\u00fcnftigen revolution\u00e4ren Strategie und Taktik faktisch in zwei gleich gro\u00dfe Fraktionen gespalten. Eine \"KAZ-Fraktion\", benannt nach ihrem wiederbelebten Zeitungsprojekt \"Kommunistische Arbeiterzeitung\" (KAZ) will sich vor allem auf Propaganda und Agitation konzentrieren. Die \"Zug-Fraktion\", so genannt, weil sie auf B\u00fcndnisprojekte wie den \"Anachronistischen Zug\" u.a. zusammen mit Teilen der PDS und DKP setzt. Diese Fraktion unterh\u00e4lt besonders enge politische Beziehungen zur \"Kommunistischen Plattform der PDS\". F\u00fcr den 17./18. Januar 1992 hatte der AB einen internationalen Kongre\u00df an der Humboldt-Universit\u00e4t in Berlin unter dem Motto Wohin zieht der Anachronistische Zug? initiiert. Die 3. Etappe des Anachronistischen Zuges sollte - nach 1980 und 1990 - erstmals l\u00e4nder\u00fcbergreifend angelegt sein, um, wie es hie\u00df, gegen die vergr\u00f6\u00dferte Bundesrepublik und eine demagogische Vereinigung der Deutschen gegen \u00e4u\u00dfere Feinde zu agieren. So beabsichtigte man beispielsweise, die Wegstrecke durch die damalige CSFR zu f\u00fchren. F\u00fcr die Planungen bildete der AB mit der PDS und der \"Kommunistischen Partei B\u00f6hmen und M\u00e4hren\" ein gemeinsames Arbeitssekretariat, das auch in Berlin ans\u00e4ssig ist.","2 - Politischer Extremismus - 49 Wegen der bekannten politischen Umbruchsituation in der Tschechoslowakei mu\u00dften die Initiatoren f\u00fcr 1992 auf dieses Projekt verzichten; die Planung wird jedoch fortgesetzt. 2.1.2.3 \"Bund Westdeutscher Kommunisten\" (BWK) Der BWK, 1980 aus einer Spaltung des damaligen \"Kommunistischen Bundes Westdeutschland\" (KBW) hervorgegangen, propagiert weiterhin die proletarische Revolution in der BRD und Westberlin. Erkl\u00e4rterma\u00dfen verzichtet der BWK auf eine Ausdehnung auf die neuen Bundesl\u00e4nder mit dem Argument, man sehe den Anspruch der ehemaligen DDR-Bev\u00f6lkerung auf eigene Organisationsformen und wolle daher keine Spaltung der PDS. Schon seit der 11. ordentlichen BWK-Bundesdelegiertenkonferenz im M\u00e4rz 1991 sieht sich die Organisation verpflichtet, in Berlin nur nach Abstimmung mit der SEDNachfolgepartei t\u00e4tig zu werdern. Unter Hinweis darauf, da\u00df kommunistische Politik heute im B\u00fcndnis von Organisationen, Vereinigungen etc. betrieben werden mu\u00df und nicht mehr in einer einheitlichen Partei betrieben werden kann, versucht der BWK in Berlin zusammen mit der Volksfront und der PDS \u00fcber monatliche Diskussionsveranstaltungen eine breitere \u00d6ffentlichkeit zu erreichen. Wegen der geringen Mitgliederzahl (bundesweit nicht mehr als 300, in Berlin unter 20 Personen) beschr\u00e4nkt sich der BWK \u00fcberwiegend auf publizistische Aktivit\u00e4ten. Der BWK hat 1992 seine Medienfirma \"Gesellschaft f\u00fcr Nachrichtenerfassung und Nachrichtenverbreitung\" (GNN), die die Organisation seit Jahren als publizistische Serviceleistung auch f\u00fcr andere Linksextremisten zur Verf\u00fcgung stellt, zu einem Netzwerk gleichberechtigt zusammenarbeitender Verlage umstrukturiert. Es gibt seit geraumer Zeit Hinweise, da\u00df er und die GNN nicht nur Serviceleistungen f\u00fcr linksterroristische Gruppierungen bereitstellen, sondern deren Konzeption und Ziele auch zumindest partiell teilen. 2.1.2.4 \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD) Die KPD, die sich als die einzige Verfechterin eines unverf\u00e4lschten MarxismusLeninismus und somit als legitime Nachfolgerin der 1933 verbotenen KPD Ernst TH\u00c4LMANNs verstanden hatte, besteht faktisch nicht mehr. Nach wie","50 2 - Politischer Extremismus - vor gibt es drei Gruppierungen, die die 1986 vollzogene Fusion mit der trotzkistischen \"Gruppe Internationale Marxisten\" (GIM) zur \"Vereinigten Sozialistischen Partei\" (VSP) nicht akzeptiert haben. Diese Gruppen mit Sitz in Berlin, Gelsenkirchen bzw. Stuttgart haben bundesweit etwa 70 Anh\u00e4nger; in Berlin verf\u00fcgen sie \u00fcber kaum mehr als 30 Angeh\u00f6rige. Neben der monatlichen Herausgabe jeweils eigener Zentralorgane (\"Roter Morgen\", \"Roter Blitz\") entfalten sie keine nennenswerten Aktivit\u00e4ten. 2.1.2.5 \"Kommunistischer Bund\" (KB) Der 1971 in Hamburg gegr\u00fcndete KB hat sich auf seinem 4. Kongre\u00df am 20. April 1991 in Hamburg aufgel\u00f6st. Nach der Aufl\u00f6sung des KB organisierte sich eine PDS-orientierte \"Ex-KBMehrheit\" in autonomen Ortsgruppen, die in einzelnen St\u00e4dten (u.a. Berlin) weiterhin unter der Bezeichnung \"Kommunistischer Bund\" auftreten. Die \"Ex-KB-Mehrheit\" versucht an die ideologische und polit-strategische Tradition des KB anzukn\u00fcpfen und propagiert die F\u00e4higkeit zur B\u00fcndnispolitik in allen Bereichen des Widerstandes; einzelne Mitglieder arbeiten f\u00fchrend in der PDS/LL mit. Eine \"KB-Minderheit\" organisierte sich in der \"Gruppe K\". Seit August 1992 wird das fr\u00fchere KB-Organ \"ak\" (\"Arbeiterkampf\"), das auch nach der KB-Aufl\u00f6sung von beiden Nachfolgeorganisationen gemeinsam herausgegeben worden war, allein von der \"Ex-KB-Mehrheit\" unter dem Titel \"ak (neue folge) analyse & kritik-Zeitung f\u00fcr linke Debatte und Praxis\" herausgegeben. Diese Zeitung hat eine Auflage von 4.600 Exemplaren und ver\u00f6ffentlicht Beitr\u00e4ge aus dem gesamten Spektrum des Linksextremismus. Sie hat damit Bedeutung \u00fcber die Ex-KB-Zusammenh\u00e4nge hinaus. 2.1.2.6 \"Gruppe K\" Eine Minderheitsfraktion des am 20. April 1991 aufgel\u00f6sten \"Kommunistischen Bundes\" (KB) hat sich am 7. Juli 1991 in Dortmund neu formiert und die \"Gruppe K\" gegr\u00fcndet.","2 - Politischer Extremismus - 51 Sie h\u00e4lt am Ziel des Kommunismus fest; die \"Gruppe K\" definiert sich als Teil der antikapitalistischen, nichtreformistischen Linken mit der Zielsetzung einer herrschaftsfreien Gesellschaft. Der bisherige interne Rundbrief \"Bahama-News\" wird seit Dezember 1992 unter dem Titel \"Bahamas, Zirkular der Gruppe K\" herausgegeben. Die etwa 80 Mitglieder z\u00e4hlende Gruppe hat ihren Sitz in Hamburg und ist derzeit in 12 St\u00e4dten - u.a. in Berlin - vertreten. Hier hat die \"Gruppe K\" bisher noch keine nennenswerten Aktivit\u00e4ten entwickelt. 2.1.2.7 \"Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands\" (MLPD) Die 1982 gegr\u00fcndete MLPD ist bundesweit mit etwa 1.700 Mitgliedern eine der gr\u00f6\u00dften Organisationen innerhalb der revolution\u00e4r-marxistischen Bewegung. 1992 propagierte sie ein Kampfprogramm f\u00fcr die Arbeitereinheit in Ost und West und betrieb mit einer Aktion Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr Millionen intensive Mitgliederwerbung. Mit der Gr\u00fcndung von Initiativgruppen des Parteiaufbaus, St\u00fctzpunkten und weiteren Ortsgruppen konnte die MLPD insbesondere in den neuen Bundesl\u00e4ndern erste Erfolge verzeichnen. So sind im MLPD-Bezirk Berlin-Brandenburg in Hennigsdorf und Potsdam sowie in Berlin-Treptow und -K\u00f6penick neue Ortsgruppen gegr\u00fcndet worden. Versuche, sich aus ihrer politischen Isolation zu l\u00f6sen und als Partner anderer linksextremistischer Organisationen anerkannt zu werden, scheiterten auch 1992 angesichts ihrer unver\u00e4ndert dogmatischen Auslegung des MarxismusLeninismus. Der Parteitagsbeschlu\u00df vom Dezember 1991, zur Straffung der Organisation die Jugendverb\u00e4nde \"ARBEITERJUGENDVERBAND/Marxisten-Leninisten\" (AJV/M-L) und \"Marxistisch-Leninistischer Sch\u00fclerund Studentenverband\" (MLSV) zu vereinen und die Nebenorganisation \"Marxistisch-Leninistischer Bund Intellektueller\" (MLBI) aufzul\u00f6sen, ist 1992 umgesetzt worden. Am 16./17. Mai ist statt dessen die neue Jugendorganisation \"REBELL\" als Zusammenschlu\u00df von AJV/M-L und MLSV gegr\u00fcndet worden. Der MLBI wurde Anfang 1992 aufgel\u00f6st; die Berliner MLBI-Ortsgruppe hat sich im Februar 1992 aufgel\u00f6st. Die MLBI-Mitglieder sind \u00fcberwiegend von der MLPD \u00fcbernommen worden.","52 2 - Politischer Extremismus - Eine Ende Dezember 1991 begonnene Spendenkampagne 1 Million f\u00fcr den Aufbau der Partei in den f\u00fcnf neuen Bundesl\u00e4ndern wurde im Juni 1992 beendet. Das angestrebte Ziel wurde mit einem Ergebnis von 1,31 Millionen DM weit \u00fcbertroffen. 2.1.2.8 \"Marxistische Gruppe\" (MG) Die Anfang der 70er Jahre in Bayern entstandene MG, bis zu ihrem formellen Aufl\u00f6sungsbeschlu\u00df am 20. Mai 1991 bundesweit mitgliederst\u00e4rkste Organisation unter den revolution\u00e4r-marxistischen Zusammenschl\u00fcssen - mit zuletzt bis zu 10.000 fest in die Gruppe eingebundenen Anh\u00e4ngern -, wahrte bei Verzicht auf \u00f6ffentliche Aktivit\u00e4ten ihren internen Zusammenhalt. Seit M\u00e4rz 1992 vertreibt die MG die Politische Vierteljahresschrift \"GegenStandpunkt\" und trat damit erstmals seit Mai 1991 wieder an die \u00d6ffentlichkeit. Die Publikation enth\u00e4lt keinen Hinweis auf die Organisation; die im Impressum genannten Personen sind allerdings s\u00e4mtlich als langj\u00e4hrige MG-Funktion\u00e4re bekannt. Aus Berlin hat sich die MG offensichtlich zur\u00fcckgezogen; es sind 1992 keinerlei Diskussionszusammenh\u00e4nge oder festgef\u00fcgtere Strukturen bekanntgeworden. 2.1.2.9 \"Revolution\u00e4re Kommunisten (BRD)\" (RK) Die stalinistisch gepr\u00e4gte Gruppe \"Revolution\u00e4re Kommunisten (BRD)\" (RK) wird von deutschen und ausl\u00e4ndischen - zumeist jugendlichen - Anh\u00e4ngern der 1984 entstandenen \"Revolutionary Internationalist Movement\" (RIM) mit Sitz in London getragen. Die RIM vereint als Dachverband derzeit 19 maoistische Parteien und Zusammenschl\u00fcsse aus verschiedenen L\u00e4ndern, darunter die auch in Deutschland t\u00e4tige \"T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L) sowie die wegen ihrer Gewalttaten gef\u00fcrchtete \"Kommunistische Partei Perus\" (PCP), besser bekannt unter der Bezeichnung \"Sendero Luminoso\" (Leuchtender Pfad). Besonders die PCP wird in RK-Flugschriften als beispielhaft f\u00fcr den revolution\u00e4ren Kampf verherrlicht.","2 - Politischer Extremismus - 53 Die haupts\u00e4chlich in Berlin aktive Gruppierung, die hier ihre Anh\u00e4ngerschaft seit 1989 von etwa 15 auf bis zu ca. 100 Personen steigern konnte, ruft dazu auf, eine revolution\u00e4re Jugendorganisation aufzubauen, die die revolution\u00e4ren Jugendlichen aller Nationalit\u00e4ten vereint. Bei Demonstrationen, an denen die RK-Anh\u00e4nger als geschlossener Block teilnehmen, praktizieren ihre Aktivisten exzessive Gewaltformen, die selbst bei Autonomen auf Ablehnung sto\u00dfen. Deshalb und wegen ihrer stalinistischen Ausrichtung wurden die RK 1992 von anderen Linksextremisten in Berlin ausgegrenzt. Autonome betrachten die RK-Anh\u00e4nger inzwischen wegen ihres agressiven Verhaltens auch gegen\u00fcber Mitdemonstranten bei Aufz\u00fcgen als politische Gegner und gehen t\u00e4tlich gegen sie vor. 2.1.2.10 \"Rote Hilfe e.V.\" (RH) Die seit mehr als 15 Jahren bestehende \"Rote Hilfe\" versteht sich als Schutzorganisation f\u00fcr die gesamte Linke und setzt sich f\u00fcr die Betreuung von politischen H\u00e4ftlingen ein. Die in Ortsgruppen gegliederte RH hat bundesweit etwa 700, in Berlin etwa 100 Mitglieder, die teilweise auch in anderen revolution\u00e4r-marxistischen Gruppen organisiert sind. In der viertelj\u00e4hrlich mit etwa 2.000 Exemplaren erscheinenden \u00fcberregionalen Publikation \"Die Rote Hilfe\" wird \u00fcber Prozesse und Ermittlungen berichtet. Die \"Rote Hilfe Berlin\" gibt zus\u00e4tzlich monatlich ein \"Rote Hilfe Info\" als Informationsblatt mit Proze\u00dfterminen, Berichten \u00fcber Prozesse und Informationen \u00fcber \"Repressionsma\u00dfnahmen\" heraus. 2.1.2.11 \"Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg\" (Volksfront) Die Ende 1979 gegr\u00fcndete Volksfront - mit derzeit etwa 400 Mitgliedern, davon unter 20 in Berlin - versteht sich als antifaschistische Mitgliederund B\u00fcndnisorganisation. F\u00fcr ihre Landesverb\u00e4nde und den Gesamtverband strebt die Volksfront die Rechtsform eines eingetragenen Vereins an, um insbesondere durch Anerkennung als gemeinn\u00fctzige Einrichtung steuerliche Vorteile aussch\u00f6pfen zu k\u00f6nnen. Zu der derzeitigen Mitgliedschaft z\u00e4hlt ein hoher Anteil von Angeh\u00f6rigen des \"Bundes Westdeutscher Kommunisten\" (BWK), die in den F\u00fchrungsgremien der \"Volksfront\" dominant vertreten sind.","54 2 - Politischer Extremismus - Die Volksfront h\u00e4lt weiterhin an einer Nicht-Ausweitung auf die neuen Bundesl\u00e4nder fest. In ihrem \"Antifaschistischen Kampf\" setzt die Volksfront vor allem auf die Wirkung ihrer Publikationen. So erscheint 14t\u00e4glich \u00fcberregional die Zeitung \"Antifaschistische Nachrichten\", viertelj\u00e4hrlich das Mitteilungsblatt \"Volksecho\" und das monatlich vom Berliner Volksfront-Landesverband herausgegebene \"frontblatt - zeitung gegen reaktion, faschismus und krieg\". Den Schwerpunkt ihrer politischen Arbeit bildet ihre B\u00fcndnispolitik. Von der Berliner Volksfront gehen zur Zeit nur geringe Aktivit\u00e4ten aus. 2.1.2.12 \"Vereinigte Sozialistische Partei\" (VSP) Bei der 1986 als Zusammenschlu\u00df der Mehrheitsfraktionen der \"Kommunistischen Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten\" (KPD) und der \"Gruppe Internationale Marxisten\" (GIM) gegr\u00fcndeten VSP deuten sich weiterhin Spaltungserscheinungen an. Die etwa 300 Mitglieder haben sich in ein revolution\u00e4r-marxistisches sowie in ein trotzkistisches Lager geteilt. Eine Mehrheit will an einer Vielfalt revolution\u00e4r-sozialistischen Positionen, die auch trotzkistische Politikans\u00e4tze enthalten, festhalten. Eine trotzkistische Minderheit, die f\u00fcr die Neugr\u00fcndung einer gesamtdeutschen Sektion der \"IV. Internationale\" eintritt, hat 1992 au\u00dferhalb der VSP zusammen mit anderen Trotzkisten die \"Gruppe Avanti\" gebildet. Dem 1992 neugew\u00e4hlten Zentralkomitee geh\u00f6rt kein Mitglied der fr\u00fcheren KPD mehr an. Eine Spendenkampagne zur Sicherung der weiteren Erscheinungsweise des 14t\u00e4glich erscheinenden Organs der VSP - \"SoZ-Sozialistische Zeitung\" erbrachte von erwarteten 70.000,DM nur etwa 44.000,DM bis zum Jahresende. Die VSP ist in Berlin mit einer Ortsgruppe (OG) vertreten, der unter 20 Mitglieder angeh\u00f6ren. 2.1.2.13 \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) Der Aufbau des Landesverbandes der DKP Berlin-Brandenburg, einer Partei, deren T\u00e4tigkeit als formal selbst\u00e4ndiger SED-Ableger in der Bundesrepublik","2 - Politischer Extremismus - 55 Deutschland bis dahin aufgrund der fr\u00fcheren \u00f6stlichen Drei-Staaten-Theorie Berlin (West) aussparte, vollzog sich seit 1990 auf Initiative f\u00fchrender SEW/SIFunktion\u00e4re. Dieser Personenkreis, der sich als Vertreter der \"reinen Lehre\" betrachtete, sah sowohl in der damaligen SI als auch in der PDS keine Klassenpartei marxistisch-leninistischen Zuschnitts. 1992 konnte die DKP mit der Einrichtung von zwei Kreisorganisationen (Nordund S\u00fcdkreis) und einer Betriebsgruppe f\u00fcr Besch\u00e4ftigte bei der Deutschen Reichsbahn ihren Parteiaufbau festigen. Sie kam aber dennoch \u00fcber einen Mitgliederbestand von gut 50 z\u00e4hlenden Mitgliedern nicht hinaus. Zu erheblichen Differenzen mit dem Bundesvorstand f\u00fchrte dagegen das Beharren der Berliner Bezirksorganisation auf traditionellen marxistisch-leninistischen Positionen. Die DKP beteiligte sich am 24. Mai 1992 an den Wahlen zu den Bezirksverordnetenversammlungen in den Berliner Bezirken Kreuzberg und Hohensch\u00f6nhausen. Sie begr\u00fcndete ihre Kandidatur damit, da\u00df die PDS \"ebenso wie die anderen etablierten Parteien keine Perspektive zur grunds\u00e4tzlichen Ver\u00e4nderung der Verh\u00e4ltnisse\" gezeigt habe. Es h\u00e4tten nicht nur \"Erfahrungen mit der f\u00fcr die Mehrheit der Menschen erfolglosen Parlamentsarbeit von CDU, SPD und FDP, sondern auch die PDS mit ihren rechtsstaatlichen Illusionen\" bewirkt, da\u00df sich W\u00e4hler \"im Stich gelassen\" gef\u00fchlt h\u00e4tten. Die DKP erhielt insgesamt 240 Stimmen (0 Sitze). Sie gab ihre Parteizeitung \"Kommunistische Korrespondenz - DKP BerlinBrandenburg\" in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden heraus und beteiligte sich an einzelnen Aktionen anderer Gruppierungen. Ferner nahm die DKP Berlin-Brandenburg u.a. als beobachtende Organisation an den Sitzungen und Aktionen des \"St\u00e4ndigen Rates Marxistischer Parteien\" (SMRP) teil. 2.1.2.14 \"Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend\" (SDAJ) Die Anfang 1991 gegr\u00fcndete SDAJ Berlin-Brandenburg ist die langj\u00e4hrige Jugendorganisation der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP). Die SDAJ versteht sich als revolution\u00e4re sozialistische Arbeiterjugendorganisation, deren Aufgabe es sei, sozialistisches Klassenbewu\u00dftsein unter Jugendlichen zu verbreiten. Die SDAJ Berlin-Brandenburg besteht zur Zeit lediglich aus einer Funktion\u00e4rsgruppe.","56 2 - Politischer Extremismus - 1992 beteiligten sich Mitglieder der SDAJ Berlin-Brandenburg gemeinsam mit anderen linksextremistischen Gruppen und Organisationen an Aufz\u00fcgen und Demonstrationen, die teilweise zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei eskalierten. Ihre Hinwendung zur Militanz dokumentierte die SDAJ im Jahr 1992 auch mit in ihrem Organ \"position\" Nr. 4/92 ver\u00f6ffentlichten taktischen \u00dcberlegungen. Darin hie\u00df es, die Massenbasis der revolution\u00e4ren Demo bestehe aus politisierten, aber noch desorientierten Jugendlichen. Das Auf, auf zum Kampf-Geschrei, das R\u00e4uberund Gendarm-Spiel mit der Bullerei und das anschlie\u00dfende Stra\u00dfenfest br\u00e4chten oft mehr Bewu\u00dftsein als f\u00fcnf Seminare zum Thema Klassenkampf. Das pers\u00f6nliche Erlebnis sei der beste Einstieg in die theoretische Auseinandersetzung; w\u00f6rtlich: \"ein Fall f\u00fcr uns!\". Auch in \"position\" Nr. 10/92 rief die SDAJ zu Gewalt im \"Antifaschistischen Kampf\" auf. Die SDAJ Berlin-Brandenburg unterhielt 1992 enge Kontakte zur \"Freien Deutschen Jugend\" (fdj), einer ehemaligen DDR-\"Massenorganisation\". Beide Zusammenschl\u00fcsse f\u00fchrten gemeinsam Veranstaltungen und Seminaren durch. 2.1.2.15 \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD) Die KPD wurde kurz nach \u00d6ffnung der innerdeutschen Grenzen am 31. Januar 1990 in Ost-Berlin von ehemaligen SED-Mitgliedern als Konsequenz aus ihrer Distanzierung zur stalinistischen Vergangenheit der SED und dem dadurch erfolgten Mi\u00dfbrauch der kommunistischen Ideale gegr\u00fcndet. Sie versteht sich als marxistisch-leninistische Partei mit gesamtdeutschem Anspruch und als unmittelbare Nachfolgerin jener KPD, die 1946 in der SED aufgegangen war. Die KPD besch\u00e4ftigte sich im wesentlichen auch 1992 mit dem Aufbau ihrer Parteiorganisation. Ferner beteiligte sie sich an einzelnen Aktionen anderer Gruppierungen, die sich gegen Faschismus und Ausl\u00e4nderfeindlichkeit wandten. Medienwirksam profilierte sich die KPD im Oktober 1992 mit der Bekanntgabe der Aufnahme des ehem. DDR-Staatsund Parteichefs Erich HONECKER in ihre Reihen.","2 - Politischer Extremismus - 57 Die KPD geh\u00f6rt zu den Gr\u00fcndungsmitgliedern des \"St\u00e4ndigen Rates Marxistischer Parteien\" (SMRP) und verf\u00fcgt in Berlin \u00fcber etwa 40 Mitglieder. Als Publikation gibt sie die Monatsschrift \"Trotz alledem!\" heraus. 2.1.2.16 \"St\u00e4ndiger Rat Marxistischer Parteien\" (SRMP) Am 21. April 1991 konstituierten sich in Berlin vier marxistisch-orientierte Organisationen bzw. Parteien zum SRMP. Ziel des Zusammenschlusses ist nach der erkl\u00e4rten Absicht seiner Gr\u00fcnder, zur Bildung einer einheitlichen revolution\u00e4ren Klassenpartei beizutragen. Die beteiligten Parteien wollen unter Wahrung ihrer Eigenst\u00e4ndigkeit solidarisch zusammenarbeiten. Zu den Gr\u00fcndungsorganisationen geh\u00f6rten die revolution\u00e4r-marxistischen Partei \"Die Nelken\", die von ehemaligen SED-Mitgliedern am 31. Januar 1990 in Berlin wiedergegr\u00fcndete \"Kommunistische Partei Deutschland\" (KPD), die \"Unabh\u00e4ngige Sozialdemokratische Partei Deutschlands\" (USPD) und die \"Kommunistische Plattform (Berlin) in der PDS\". Die zun\u00e4chst erwartete Zusammenarbeit auch mit anderen revolution\u00e4rmarxistischen Gruppen konnte im SRMP offensichtlich nicht umgesetzt werden. Erkennbare \u00dcberlegungen zur Neustrukturierung einer einheitlichen kommunistischen Bewegung bzw. wesentliche Aktivit\u00e4ten waren nicht feststellbar. 2.1.2.17 \"Bund Sozialistischer Arbeiter\" (BSA) Der 1972 gegr\u00fcndete BSA ist die deutsche Sektion des \"Internationalen Komitees der Vierten Internationale\" (IKVI), eines internationalen trotzkistischen Dachverbandes. \u00dcberregional gibt er die Wochenzeitung \"neue ARBEITERPRESSE\" heraus. Der BSA hat bundesweit unter 100 Mitglieder. Neben monatlichen Diskussionsveranstaltungen, sog. neue ARBEITERPRESSE-Treffs im Ostteil Berlins, gehen kaum nennenswerte Aktivit\u00e4ten vom BSA aus.","58 2 - Politischer Extremismus - 2.1.2.18 \"Gruppe Avanti\" (ehemals: \"Gruppe Revolution\u00e4re Sozialistinnen\" - GRS -) Ende 1989 wurde von Mitgliedern des internationalen trotzkistischen Dachverbandes \"IV. Internationale (Vereinigtes Sekretariat)\" (VS) exklusiv f\u00fcr die Arbeit in der damaligen DDR die GRS gegr\u00fcndet. Nach enger Zusammenarbeit mit Mitgliedern einer trotzkistischen Plattform in der VSP kam es am 30./31. Mai 1992 zur Bildung einer bundesweit vertretenen \"Arbeitsgemeinschaft Revolution\u00e4rer Sozialistinnen\" (AGRS). Die zuvor z.T. aus der VSP ausgetretenen Anh\u00e4nger des VS und die etwa 30 Angeh\u00f6rigen der GRS, die in der AGRS zusammenarbeiteten, haben sich im September 1992 zu der \"Gruppe Avanti\" zusammengeschlossen. Die GRS hat daraufhin ihren Namen aufgegeben; ihre Mitglieder bezeichnen sich seitdem als Mitglieder der Vierten Internationale. Der \u00fcberregionale Zusammenschlu\u00df ist u.a. in Berlin mit einer Avanti-Gruppe vertreten. Die \"IV Internationale (VS)\" hat seit einiger Zeit ihre mehrere Tausend Anh\u00e4nger in Europa auf den revolution\u00e4ren Antirassismus als Schwerpunktaufgabe festgelegt. 2.1.2.19 \"Internationale Sozialistische Arbeiterorganisation\" (ISA) Die 1979 aus einer Gruppe um die Zeitschrift \"Internationale Arbeiterkorrespondenz\" hervorgegangene ISA ist die deutsche Sektion der in Paris ans\u00e4ssigen trotzkistischen \"IV. Internationale (Internationales Zentrum f\u00fcr ihren Wiederaufbau)\" -IZ-. Die ISA verfolgt insbesondere die Strategie des Entrismus: Ihre Anh\u00e4nger sind angehalten, Mitglieder demokratischer Parteien bzw. der Gewerkschaften zu werden, dort aber zun\u00e4chst nicht offen als Trotzkisten aufzutreten. Eigene Aktivit\u00e4ten hat die ISA zugunsten ihrer 1989 gegr\u00fcndeten Tarnorganisation \"Vereinigung der Arbeitskreise f\u00fcr Arbeitnehmerpolitik und Demokratie\" (VAA) aufgegeben. Nach der Vorstellung der ISA soll die VAA zum organisierenden Rahmen von gleichberechtigten Kr\u00e4ften von Arbeiterk\u00e4mpfern, Gewerkschaftern, Sozialdemokraten und den Mitgliedern der ISA f\u00fcr unabh\u00e4ngige Arbeiterpolitik, f\u00fcr eine wirkliche unabh\u00e4ngige politische Vertretung der Bed\u00fcrfnisse des Kampfes der Arbeiterklasse und der Jugend werden.","2 - Politischer Extremismus - 59 Aus der VAA, deren Bundesgesch\u00e4ftsstelle sich in Berlin-Charlottenburg befindet, will die ISA neue Mitglieder rekrutieren. Mit der VAA gelang es der ISA, auch in den neuen Bundesl\u00e4ndern \"Arbeitskreise\" aufzubauen. 2.1.2.20 \"Sozialistische Arbeitergruppe\" (SAG) Die SAG, deutsche Sektion der trotzkistischen \"Internationalen Sozialisten\" (IS), konnte ihre Aktivit\u00e4ten in Berlin im Jahre 1992 weiter ausbauen. Mit w\u00f6chentlichen \"\u00f6ffentlichen\" Treffen will sie ihre Ideen und Theorien verbreiten und Mitgliederwerben. Wenig Erfolg konnte die SAG mit ihrem bisherigen massiven Einsatz in der \"Antifa\"-Bewegung erzielen. Obwohl in Berlin ma\u00dfgeblich Vertreter der SAG teilweise als Initiatoren an fast allen Treffen in diesem Bereich teilnahmen, gelang es der SAG nicht, ihren immer wieder erhobenen F\u00fchrungsanspruch durchzusetzen. Autonome erl\u00e4uterten dazu, da\u00df die SAG zu wenig auf die \"physische Konfrontation\" setze. 2.1.2.21 \"Spartakist-Arbeiterpartei Deutschlands\" (SpAD) Die SpAD, deutsche Sektion der trotzkistischen \"Internationalen Kommunistischen Liga (Vierte Internationalisten)\" (IKL), geh\u00f6rte auch 1992 zu den in Berlin aktivsten linksextremistischen Organisationen. Neben ihrem \u00fcberregional monatlich erscheinenden Organ \"Spartakist\" gab sie zahlreiche Flugschriften zu aktuellen Themen heraus. In ihrem St\u00fctzpunkt in Berlin-Wedding f\u00fchrte die SpAD mehrmals Diskussionsveranstaltungen zu aktuellen Themen mit bis zu 30 Teilnehmern sowie Schulungsreihen zum Marxismus durch. Derartige Schulungen begreift die SpAD als Beitrag f\u00fcr den von ihr angestrebten Aufbau einer revolution\u00e4ren Partei. Auch \u00fcber ihre Tarnorganisationen \"Komitee f\u00fcr soziale Verteidigung\" (KfsV) versucht die SpAD, politischen Einflu\u00df zu gewinnen. Hier hat die SpAD die Solidarit\u00e4t f\u00fcr verfolgte Repr\u00e4sentanten der ehemaligen DDR und f\u00fcr andere Altkommunisten zu einem ihrer Hauptaktionsfelder erkl\u00e4rt. Das Wirtschaftsunternehmen der SpAD, die \"Verlag Avantgarde GmbH\", hat im M\u00e4rz 1992 den Sitz von Hamburg nach Berlin-Reinickendorf verlegt.","60 2 - Politischer Extremismus - 2.1.2.22 Ausblick Die Situation aller marxistischen-lenistischen und sonstigen revolution\u00e4rmarxistischen Zusammenschl\u00fcsse ist zur Zeit von Stagnation gepr\u00e4gt. Zwar konnten alle diese Organisationen ihre Mitgliederst\u00e4nde und publizistischen M\u00f6glichkeiten weitgehend erhalten, zeigten sich aber trotz des Aufgreifens aktueller Themen (u.a. des \"Antifaschistischen Kampfes\") unf\u00e4hig, mehr Einflu\u00df oder gar neue Mitglieder zu gewinnen. Hoffnungsvolle Ans\u00e4tze wie eine echte Zusammenarbeit im \"St\u00e4ndigen Rat Marxistischer Parteien\" (SRMP) wurden bisher vertan. Man zog sich statt dessen wieder mehr und mehr auf die ureigenen politischen Positionen zur\u00fcck. Ein Aufeinanderzugehen - wie es nach dem Zusammenbruch des \"realen Sozialismus\" angezeigt schien - fand nicht statt. Traditionelle Marxisten-Leninisten, Stalinisten, Maoisten und Trotzkisten stehen sich nach wie vor ideologisch unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcber. Auch die Erwartung traditionell-kommunistischer Organisationen wie der DKP und der 1990 neugegr\u00fcndeten KPD, auf ein potentielles Mitgliederreservoir aus der ehemaligen SEW/SI zur\u00fcckgreifen zu k\u00f6nnen, hat sich nicht erf\u00fcllt. Beide Organisationen hoffen nun, da\u00df der erkennbare Mitgliederr\u00fcckgang bei der PDS ihnen noch einmal Zulauf aus den Reihen \"linientreuer Kommunisten\" beschert. Dazu schrieb die DKP Berlin-Brandenburg in ihrem Organ \"Kommunistische Korrespondenz\" (3/92): Die DKP mu\u00df darauf orientieren, bald entt\u00e4uschte PDS-W\u00e4hler f\u00fcr die Unterst\u00fctzung revolution\u00e4rer Ver\u00e4nderungen zu gewinnen. Ob sich diese Hoffnung erf\u00fcllt, bleibt abzuwarten.","2 - Politischer Extremismus - 61 2.2 Rechtsextremismus 3 2.2.1 Vorbemerkung Den unter dem Sammelbegriff Rechtsextremismus zusammengefa\u00dften Parteien, Organisationen oder Gruppierungen ist eine antirationalistische, antiindividualistische, die demokratische Grund\u00fcberzeugung von der fundamentalen Gleichheit aller Menschen negierende Haltung und die daraus erwachsende Ablehnung des auf dem Prinzip gleicher politischer Rechte beruhenden demokratischen Verfassungsstaates gemeinsam. Zu den wesentlichen Elementen rechtsextremistischer \"Weltanschauung\" z\u00e4hlen: ein \u00fcbersteigerter, oft aggressiver Nationalismus, verbunden mit Feindschaft gegen Ausl\u00e4nder, Minderheiten, fremde V\u00f6lker und Staaten, Antisemitismus und Rassismus, verbunden mit der Propagierung biologischer und sozialdarwinistischer Ideen, v\u00f6lkischer Kollektivismus, d.h. \u00dcberbewertung der aufgrund ethnischer Zugeh\u00f6rigkeit definierten \"Volksgemeinschaft\" zu Lasten der Rechte und Interessen des Einzelnen, \u00dcberbetonung milit\u00e4rischer bzw. soldatischer Werte und hierarchischer Prinzipien, verbunden mit der Propagierung einer entsprechenden autorit\u00e4ren bzw. diktatorischen staatlichen und sozialen Ordnung sowie der \u00dcberbetonung der Notwendigkeit eines nach innen und au\u00dfen starken Staates. Gemeinsam ist den rechtsextremistischen Gruppierungen schlie\u00dflich die Verharmlosung oder Leugnung der Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft (\"Revisionismus\").","Rechtsextremisten in Berlin 1983-1992 i1983|1984|1985|1986|1987,1988 1989I1990 1991i1992 Neonazis 65 65 70 65 80 85 105 j 250 500 I 600 Organisierte Rechtsextremisten 620 620 630 680 730 900 950 950 1000 1000 Gesamtzahl 685 685 700 745 810 985 , 1055 1200 1500 [ 1600 *Neonazis ZaOrganisierte Rechtsextremisten ESGesamtzahl","2 - Politischer Extremismus - 63 2.2.2 Neuer Nationalsozialismus (Neonazismus) Nach dem Tod des prominentesten Repr\u00e4sentanten des sich offen zum historischen Vorbild des Nationalsozialismus bzw. zu dessen von den Gebr\u00fcdern STRASSER und Ernst R\u00d6HM repr\u00e4sentierten Sozialrevolution\u00e4ren Fl\u00fcgel bekennenden Neonazismus, des am 25. April 1991 verstorbenen Michael K\u00dcHNEN, hat sich keine neue F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeit herausgebildet, die die Neonazigruppen bundesweit einen k\u00f6nnte. Das weiterhin nach einem charismatischen F\u00fchrer suchende neonazistische Lager wird derzeit von mehreren regionalen F\u00fchrern in den alten und in den neuen Bundesl\u00e4ndern gepr\u00e4gt. Treibende Kraft bei der Organisation und k\u00e4mpferischen Umsetzung neonazistischen Handelns in Deutschland ist dabei in zunehmendem Ma\u00dfe der Hamburger Neonazi Christian WORCH. WORCH ist einer der Initiatoren des Aufbaus einer sog. Anti-\"Antifa\"Kampagne, die als Antwort auf gewaltt\u00e4tige \u00dcbergriffe von Linksextremisten der Sammlung von Informationen \u00fcber politische Gegner dient und als neue \u00fcbergreifende Aktionsgemeinschaft neonazistischer Gruppen entwickelt werden soll. Die nach der Wende in der ehemaligen DDR begonnene und nach der Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990 fortgesetzte Aufbauarbeit neonazistischer Organisationen in den neuen Bundesl\u00e4ndern wurde im Jahr 1992 verst\u00e4rkt. Insbesondere die zu Lebzeiten K\u00dcHNENS gegr\u00fcndete \"Deutsche Alternative\" (DA) und ihr nahestehende Organisationen konnten - vor allem in Brandenburg, Sachsen und im Gro\u00dfraum Berlin, aber auch in Th\u00fcringen und Mecklenburg-Vorpommern - schon sehr fr\u00fch Fu\u00df fassen. Cottbus (Brandenburg) wurde zu einem Aktionszentrum der DA. Neben der DA bauten die \"Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei\" (FAP) und die \"Nationalistische Front\" (NF) sowie die \"Nationale Offensive\" (NO) \u00f6rtliche Gruppen in den neuen Bundesl\u00e4ndern auf, deren Aktionismus und Gewaltbereitschaft dort radikaler hervortritt als bei den westdeutschen Neonazis. In oft provozierender Weise traten ostund westdeutsche Neonazis und ihre Sympathisanten regelm\u00e4\u00dfig in der \u00d6ffentlichkeit auf - manchmal 1.500 bis 2.000 Personen - und lie\u00dfen sich kaum mehr durch","64 2 - Politischer Extremismus - staatliche Verbote, Demonstrationen politischer Gegner oder gewaltt\u00e4tige \u00dcbergriffe von Linksextremisten zur\u00fcckhalten. Bundesweit gibt es etwa 2.000 Neonazis (1991: etwa 1.700) und 6.400 (4.200) militante Rechtsextremisten, insbesondere rechtsextremistische Skinheads, davon 2.600 (1.200) in den westdeutschen, 3.800 (3.000) in den ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern sowie eine unbekannte Zahl nichtorganisierter rechtsextremistischer Gewaltt\u00e4ter, die durch eine in der Nachkriegszeit noch nie dagewesene Zahl von Gewaltakten gegen Asylbewerber und deren Unterk\u00fcnfte bundesweit von sich reden machten. Die erschreckende Welle brutaler Gewalt, die im Sp\u00e4tsommer 1991 in Hoyerswerda begann und fast genau ein Jahr sp\u00e4ter mit schwersten rechtsextremistischen Ausschreitungen in Rostock und anderen St\u00e4dten der neuen L\u00e4nder kulminierte, pr\u00e4gte das Erscheinungsbild des Jahres 1992. Rechtsextremistische Gewaltaktionen gegen Personen und Sachen haben im Jahre 1992 auch in Berlin weiter zugenommen. W\u00e4hrend die beim Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (BfV) erfa\u00dften Gewalttaten des Jahres 1992 mit erwiesener oder zu vermutender rechtsextremistischer Motivation bundesweit auf 2.285 Vorf\u00e4lle, bei denen 16 Menschen get\u00f6tet wurden, anstieg, ereigneten sich in Berlin im vergangenen Jahr 92 Gewalttaten, bei denen zwei Menschen ums Leben kamen. [Anmerkung: Der Fall des in einem besetzten Haus in Berlin-Friedrichshain lebenden 27j\u00e4hrigen Silvio M., der am 21. November 1992 auf dem U-Bahnhof Samariterstra\u00dfe im Verlauf einer t\u00e4tlichen Auseinandersetzung mit einer Gruppe anscheinend rechtsgerichteter Jugendlicher mit einem Messer erstochen wurde, bleibt hier unber\u00fccksichtigt, da die Auswertung der Ermittlungsunterlagen den anf\u00e4nglich zu vermutenden rechtsextremischen Hintergrund nicht best\u00e4tigt hat.] Am 25. April 1992 wurde in Berlin-Marzahn in der N\u00e4he eines Einkaufszentrums ein 29j\u00e4hriger Vietnamese durch einen Messerstich t\u00f6dlich verletzt. Der 21j\u00e4hrige T\u00e4ter gab zu, in angetrunkenem Zustand grundlos eine Gruppe vietnamesischer H\u00e4ndler, die unverzollte Zigaretten verkauften, provoziert zu haben, indem er ihre Kartons umstie\u00df. Als Motiv gab","2 - Politischer Extremismus - 65 er an, \"etwas gegen Schmuggel\" zu haben. Bei der anschlie\u00dfenden Auseinandersetzung stach er einen der Vietnamesen mit seinem Butterflymesser nieder. [Anmerkung: Am 8. Oktober 1992 wurde der T\u00e4ter, der nach eigenen Angaben der rechtsextremistischen DVU nahesteht, wegen K\u00f6rperverletzung mit Todesfolge zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt.] Am 29. August 1992 \u00fcberfielen zwei Skinheads in Berlin-Charlottenburg zwei deutsche Stadtstreicher, indem sie mit einem Baseballschlager auf diese einschlugen; einer der Angegriffenen wurde dabei so schwer verletzt, da\u00df er am 5. September verstarb. Die Beschuldigten, die zum Tatzeitpunkt stark alkoholisiert waren, hatten zuerst Ausl\u00e4nder von einem Kinderspielplatz vertrieben und dann die ebenfalls dort aufh\u00e4ltlichen Stadtstreicher angegriffen. [Anmerkung: Gegen einen der Tatverd\u00e4chtigen ermittelte der Generalbundesanwalt wegen des Verdachts der Gr\u00fcndung einer Teilorganisation des rassistischen Geheimbundes \"Ku-Klux-Klan\". Das Verfahren wurde mittlerweile eingestellt, da der Nachweis der Bildung einer terroristischen Vereinigung i.S. des SS 129 a StGB nicht gef\u00fchrt werden konnte. Am 22. Februar 1993 wurde er wegen K\u00f6rperverletzung mit Todesfolge zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt.] Die Gesamtzahl aller im Jahr 1992 bekanntgewordenen Gesetzesverletzungen mit rechtsextremistischem Hintergrund ist in Berlin gegen\u00fcber dem Vorjahr weiter angestiegen (1991: 389; 1992: 475). Dabei haben vor allem die fremdenfeindlichen Straftaten einen deutlichen Anstieg zu verzeichnen (1991: 139; 1992: \u00fcber 180). An den fremdenfeindlichen Gewalttaten sind auch weiterhin zahlreiche Skinheads beteiligt, wenngleich das Schwergewicht ihrer Aktivit\u00e4ten im Umland Berlins zu liegen scheint. Die weitaus meisten Gewalttaten mit rechtsextremistischem Hintergrund wurden nicht von organisierten Neonazis, sondern von unorganisierten Rechtsextremisten (insbesondere Skinheads) durchgef\u00fchrt, m\u00f6glicherweise spontan, aus der Situation heraus oder mit kurzfristiger Verabredung. Geistige Urheber sind jedoch die neonazistischen Organisationen, die mit ihrem einschl\u00e4gigen Propagandamaterial und ihrem Auftreten bei Veranstaltungen, die auch von Skinheads besucht werden, den f\u00fcr eine rechtsextremistische Beeinflussung besonders empf\u00e4nglichen Skinheads eine Orientierung und scheinbare L\u00f6sungswege ihrer Probleme bieten.","66 2 - Politischer Extremismus - Der nach den fremdenfeindlichen Anschl\u00e4gen und Ausschreitungen in Rostock vom 22. - 26. August 1992 und den Folgeaktionen in anderen Orten sprunghaft angestiegene Trend wirkte sich auch in Berlin quantitativ wie qualitativ aus, wie der - inzwischen aufgekl\u00e4rte - Sprengstoffanschlag auf das j\u00fcdische Mahnmal in Tiergarten vom 30. August 1992, die Anfang September 1992 ver\u00fcbten Brandanschl\u00e4ge auf ein Wohnheim f\u00fcr Vietnamesen in Hohensch\u00f6nhausen und der Brandanschlag auf die j\u00fcdische Gedenkst\u00e4tte in Sachsenhausen bei Berlin vom 25./26. September 1992 belegen. Dennoch bildete Berlin - wie bereits im Vorjahr - keinen Schwerpunkt auf dem Gebiet rechtsextremistischer Gewalt, sondern nimmt in der bundesweiten Statistik einen hinteren Platz ein. Die Zahl der namentlich bekannten Neonazis in Berlin ist auf \u00fcber 210 angestiegen (1991: 180). Die meisten von ihnen sind 18 bis 25 Jahre alt. Dem neonazistischen Umfeld in Berlin geh\u00f6ren etwa 100 Personen an. Zusammen mit den im Jahre 1992 festgestellten etwa 340 militanten Rechtsextremisten (vor allem Skinheads) umfa\u00dft das gesamte neonazistische und militant-rechtsextremistische Spektrum Berlins \u00fcber 600 Personen. Altersstruktur der namentlich bekannten Neonazis Alter Anzahl unter 18 4 18-25 148 26 - 35 49 36-45 8 \u00fcber 46 4 Gesamtzahl 213 (davon 22 Frauen) Rechtsextremistisch orientierte Skinheads machen etwa die H\u00e4lfte der neonazistischen und militant-rechtsextremistischen Szene aus; nur ein geringer Teil hat sich neonazistischen Organisationen (insbesondere der FAP) angeschlossen, im \u00fcbrigen bilden sie lose Gruppierungen (in Berlin acht erkannte Gruppierungen) ohne \u00fcbergreifende Strukturen.","2 - Politischer Extremismus - 67 Altersstruktur der festgestellten rechtsextremistischen Skinheads in Berlin Alter Anzahl unter 18 24 18-25 272 26 - 35 39 36-45 1 \u00fcber 46 \" Gesamtzahl 336 (davon 26 Frauen) Von den etwa 150 organisierten Berliner Neonazis sind die meisten in den folgenden Organisationen aktiv: Deutsche Alternative (DA) Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP) Nationale Alternative Berlin (NA Berlin) Nationale Offensive (NO) Nationalistische Front (NF) Vor dem Hintergrund rechtsextremistischer Gewalt und des Aufstrebens eines neuen Nationalsozialismus in Deutschland, der im Inund Ausland zu gro\u00dfer Besorgnis Anla\u00df gibt und dem Ansehen des wiedervereinigten Deutschlands schadet, hat der Bundesminister des Innern gem\u00e4\u00df SS 3 des Vereinsgesetzes i.d.F. vom 17. Dezember 1990 am 27. November 1992 die \"Nationalistische Front\" (NF), am 10. Dezember 1992 die \"Deutsche Alternative\" (DA) und am 22. Dezember 1992 die \"Nationale Offensive\" (NO) bundesweit verboten. Diese Verbote wurden auch in Berlin vollzogen. Bei zahlreichen Wohnungsdurchsuchungen wurde umfangreiches Beweismaterial sichergestellt. Die betroffenen Organisationen haben gegen die Verbotsverf\u00fcgungen Rechtsmittel eingelegt.","Neonazi-Gruppen in Berlin Gesamtzahl der Personen: ca. 150 Neonazistische Kleinstgruppen mit jeweils unter 10 Personen VFK BW Asgard-Bund WJ 10 Vandalen 10 NF 15 20","2 - Politischer Extremismus - 69 2.2.2.1 Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei\" (FAP) Die in der Tradition der historischen NSDAP stehende FAP, der bundesweit etwa 220 Mitglieder (1991: 150) angeh\u00f6ren, verf\u00fcgte im Jahr 1992 \u00fcber drei aktive Landesverb\u00e4nde in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Berlin. Der im Oktober 1990 gegr\u00fcndete Berliner Landesverband der FAP unter F\u00fchrung des militanten Neonazis Lars BURMEISTER ist mit etwa 40 Mitgliedern (1991: 30) weiterhin die st\u00e4rkste Neonazi-Gruppe in Berlin. Der Schwerpunkt ihrer Aktivit\u00e4ten liegt in den \u00f6stlichen Bezirken Berlins. Hier versucht die FAP, mit Veranstaltungen und Plakataktionen die Probleme und Sorgen der Bev\u00f6lkerung auszunutzen und Aggressionen gegen Ausl\u00e4nder zu f\u00f6rdern. Der Bundesvorstand der FAP unter Leitung des Bundesvorsitzenden Friedhelm BUSSE beschlo\u00df im Februar 1992, die politische Arbeit auf die \"Reichshauptstadt\" Berlin zu konzentrieren. Die FAP-Parteif\u00fchrung unterst\u00fctzte den Berliner Landesverband, der als \"W\u00e4hlergemeinschaft FAP\" bei den Wahlen zu den Berliner Bezirksverordnetenversammlungen am 24. Mai 1992 im Bezirk Prenzlauer Berg kandidierte, in seinem Wahlkampf durch finanzielle und materielle Hilfe. H\u00f6hepunkt der FAP-Wahlkampfaktion war das als \"Propagandamarsch\" angemeldete \u00f6ffentliche Auftreten bis zu 100 FAP-Anh\u00e4ngern unter der F\u00fchrung BUSSEs und BURMEISTERs am 1. Mai 1992 im Bezirk Prenzlauer Berg. Die Polizei, die am Aufmarschort (S-Bahnhof Ernst-Th\u00e4lmann-Park) massive Auseinandersetzungen zwischen Linksund Rechtsextremisten verhinderte, nahm bei Vorkontrollen 12 Neonazis aufgrund von Verst\u00f6\u00dfen gegen das Versammlungsverbot vorl\u00e4ufig fest. Die Festgenommenen, darunter BURMEISTER, hatten Gaspistolen und andere gef\u00e4hrliche Gegenst\u00e4nde bei sich. Daraufhin verzichtete die FAP auf den \"Propagandamarsch\". Nach einer kurzen Kundgebung schob die Polizei die Neonazis auf das Bahnhofsgel\u00e4nde ab. Dort l\u00f6ste sich die FAPAnsammlung unter dem Steinhagel von Linksextremisten endg\u00fcltig auf. Unbeeindruckt von ihrem Mi\u00dferfolg bei den BW-Wahlen (die \"W\u00e4hlergemeinschaft\" erhielt lediglich 228 Stimmen = 0,37 %) setzte die Berliner FAP ihre Aktivit\u00e4ten vor allem in den \u00f6stlichen Bezirken fort und","70 2 - Politischer Extremismus - stellte sich bei Klebeaktionen im Stadtgebiet als \"national-revolution\u00e4re\" und \"radikal-sozialistische\" Partei vor. An internen Kameradschaftstreffen nahmen regelm\u00e4\u00dfig zwischen 40 und 80 Mitglieder und Interessenten teil. Auf die zunehmende Bereitschaft der FAP-Aktivisten zu militanten Aktionen weist u.a. hin, da\u00df die Polizei anl\u00e4\u00dflich einer Personenkontrolle am 26. August 1992 im Bezirk Prenzlauer Berg bei einer Gruppe von FAPAnh\u00e4ngem Waffen und Schlagwerkzeuge fand. Im Laufe des Jahres 1992 beteiligten sich die Berliner FAP-Angeh\u00f6rigen gemeinsam mit anderen Rechtsextremisten aus den neuen und alten Bundesl\u00e4ndern an bundesweiten Veranstaltungen, wie z.B. an einer Kundgebung am 20. Juni 1992 auf dem Marktplatz in Biebelsheim (RheinlandPfalz) aus Anla\u00df des Volksaufstandes am 17. Juni 1953 sowie gegen die Errichtung einer M\u00fclldeponie auf den Gr\u00e4bern deutscher Soldaten oder am 15. August 1992 an einer Demonstration mit Kundgebung in Rudolstadt (Th\u00fcringen) anl\u00e4\u00dflich des 5.Todestages des HITLER-Stellvertreters Rudolf HESS. Wie im Jahr 1991 beabsichtigten auch 1992 die Berliner FAP-Anh\u00e4nger, an einer von der rechtsextremistischen \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e.V.\" f\u00fcr den 15. November 1992 geplanten \"Heldengedenkfeier\" in Halbe (Brandenburg) teilzunehmen [vgl. 2.2.5.1]. Nach dem polizeilichen Verbot der Veranstaltung beteiligten sich zahlreiche Berliner FAP-Anh\u00e4nger an einer Spontankundgebung vor dem Kriegerdenkmal in Waldow (Brandenburg). Am Vorabend der geplanten \"Heldengedenkfeier\" hatte in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-K\u00f6penick in Anwesenheit des Bundesvorsitzenden BUSSE der \"3. ordentliche Parteitag\" des Landesverbandes Berlin der FAP stattgefunden. An der Zusammenkunft beteiligten sich bis zu 300 Personen, darunter etwa 100 FAP-Mitglieder und -Sympathisanten aus Berlin, Angeh\u00f6rige anderer neonazistischer Organisationen, wie der \"Nationalistischen Front\" (NF), der \"Nationalen Offensive\" (NO), der \"Nationalen Alternative Berlin\" (NA Berlin) und der \"Vandalen\".","2 - Politischer Extremismus - 71 2.2.2.2 \"Deutsche Alternative\" (DA) Die von dem am 25. April 1991 verstorbenen Neonazi Michael K\u00dcHNEN ma\u00dfgeblich gestaltete \"Deutsche Alternative\" (DA) wurde am 5. Mai 1989 in Bremen gegr\u00fcndet. Sie ging aus dem Landesverband Bremen der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) hervor. Nach ihrem auf dem Gr\u00fcndungsparteitag verabschiedeten Programm sieht die DA ihre Hauptaufgabe darin, den weitverbreiteten Protest der W\u00e4hler politisch auszudr\u00fccken und in konkrete deutsch-alternative Politik umzusetzen. Deshalb verstehe sich die DA als nationale Protestpartei. Bundesweit geh\u00f6rten der DA im Dezember 1992 etwa 340 Personen an; die Mitgliederzahl des Landesverbandes \"Reichshauptstadt\" betrug etwa 20. Die DA fordert u.a. die Neuvereinigung aller in Mitteleuropa geschlossen siedelnden Deutschen, Schlu\u00df mit der Verzichtspolitik im Hinblick auf die deutschen Ostgebiete und als Fernziel die R\u00fcckgewinnung der geraubten Ostgebiete. Die DA pl\u00e4diert f\u00fcr einen nationalen Befreiungskampf und setzt sich bedingungslos f\u00fcr die Wiederherstellung der deutschen Ehre und des Deutschen Reiches ein. Die DA dehnte seit 1990 ihre Aktivit\u00e4ten auf das Gebiet der neuen Bundesl\u00e4nder aus und machte Brandenburg zu ihrem Hauptaktionsfeld. In Berlin verzichtete die DA zun\u00e4chst auf eine eigenst\u00e4ndige Organisationsgr\u00fcndung zugunsten der bereits bestehenden, auf Berlin beschr\u00e4nkten \"Nationalen Alternative\" (NA). Dennoch geh\u00f6rten Berliner Neonazis, wie z.B. der jetzige Vorsitzende der \"Nationalen Alternative Berlin\" (NA Berlin), Oliver SCHWEIGERT, und der Anf\u00fchrer der Neonazi-Gruppe \"ASGARD-Bund e.V.\"/\"Wotans Volk\", ArnulfWinfried PRIEM, sowie einige Mitbegr\u00fcnder der NA Berlin der DA als Mitglieder an, engagierten sich jedoch in der die gleichen politischen Ziele verfolgenden NA.","72 2 - Politischer Extremismus - Seit Mitte 1991 bem\u00fchten sich die Anh\u00e4nger K\u00dcHNENS, neue selbst\u00e4ndige Regionalorganisationen unter verschiedenen Namen zu gr\u00fcnden, um dadurch staatliche Verbote zu erschweren. Auf einem \"Bundesparteitag\" der DA scheiterten im September 1991 sowohl der Versuch, die DA zu einer nordrhein-westf\u00e4lischen Landespartei mit Sitz in Duisburg zu machen, als auch der Antrag, die DA in eine regionale Partei f\u00fcr Brandenburg mit Sitz in Cottbus umzuwandeln. Nach dem R\u00fccktritt des kommissarischen Bundesvorsitzenden Michael THIEL wurde ein neuer Bundesvorstand unter Vorsitz von Frank H\u00dcBNER aus Cottbus gew\u00e4hlt. Als Antwort auf den stetigen Niedergang der NA Berlin gr\u00fcndeten Berliner Neonazis am 5. August 1992 in Finsterwalde (Brandenburg) den Landesverband \"Reichshauptstadt\" der DA; zum Landesvorsitzenden wurde der militante Berliner Neonazi Arnulf-Winfried PRIEM gew\u00e4hlt. Mitteilungsblatt der DA wurde der seit Anfang 1992 erscheinende \"Brandenburger Beobachter\", von dem im Jahre 1992 f\u00fcnf Ausgaben erschienen. Nach dem polizeilichen Verbot einer f\u00fcr den 7. November 1992 in Frankfurt/Oder angemeldeten neonazistischen Demonstration (Zur Erinnerung an die friedliche Revolution in Mitteldeutschland im Herbst 1989) beteiligten sich Berliner DA-Anh\u00e4nger an einer ersatzweise abgehaltenen Saalveranstaltung ihrer Organisation im Jugendfreizeitheim in L\u00fcbbenau (Brandenburg), an der etwa 120 Personen, \u00fcberwiegend Mitglieder und Anh\u00e4nger der DA, teilnahmen. Wie die Angeh\u00f6rigen anderer neonazistischer Organisationen hatten auch die Mitglieder und Anh\u00e4nger der Berliner DA die Teilnahme an der geplanten \"Heldengedenkfeier\" am 15. November 1992 beabsichtigt. Nach deren Verbot beteiligten sie sich an einer Spontankundgebung vor dem Kriegerdenkmal in Waldow (Brandenburg). Als Reaktion auf die Welle rechtsextremistischer Gewalt in Deutschland, an der auch Anh\u00e4nger der DA beteiligt waren, erlie\u00df der Bundesminister des","2 - Politischer Extremismus - 73 Innern am 8. Dezember 1992 gem\u00e4\u00df SS 3 Vereinsgesetz ein Verbot der DA, das am 10. Dezember 1992 vollstreckt wurde. Die Verbotsverf\u00fcgung wurde dem Bundesvorsitzenden der DA, Frank H\u00dcBNER, und dessen Vertreter, Rene KOSWIG, zugestellt. Im Rahmen der bundesweiten Exekutivma\u00dfnahmen gegen die DA wurden auch die Wohnungen von drei Berliner DA-Aktivisten durchsucht und Propagandamaterial sichergestellt. 2.2.2.3 \"Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front\" (GdNF) Die Bedeutung der \"Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front\" (GdNF) in der sich die Anh\u00e4nger Michael K\u00dcHNENS zusammengefunden hatten, ging nach dessen Tod erheblich zur\u00fcck; vermutlich verbirgt sich hinter dieser Bezeichnung nur noch eine Funktion\u00e4rsgruppe zur Herausgabe der von K\u00dcHNEN ins Leben gerufenen Zeitschrift \"Die Neue Front\". Nach einj\u00e4hriger Unterbrechung erschienen im Jahr 1992 erstmals wieder zwei Ausgaben dieser Publikation. Eine kleine Gruppe mit dem Namen \"Kameradschaft Berlin der Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front\" war erstmals im Jahr 1988 bekanntgeworden, entwickelte aber in den folgenden Jahren unter dieser Bezeichnung keine Aktivit\u00e4ten in Berlin. Auch der im Jahr 1990 bekanntgewordene \"Berliner Block\", ein Zusammenschlu\u00df von Anh\u00e4ngern der \"Deutschen Alternative\" und der \"Nationalen Alternative Berlin\" sowie der Neonazi-Gruppe \"Wotans Volk\", trat im Jahr 1992 nicht mehr in Erscheinung. 2.2.2.4 \"Nationalistische Front\" (NF) Die Mitte der 80er Jahre als \"nationalrevolution\u00e4re\" Bewegung gegr\u00fcndete, kaderm\u00e4\u00dfig organisierte \"Nationalistische Front\" (NF), deren organisatorischer Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen lag und die bis zur Spaltung der Organisation im Sommer 1992 bundesweit \u00fcber etwa 130 Aktivisten","74 2 - Politischer Extremismus - verf\u00fcgte, orientierte sich an den Ideen des von den Gebr\u00fcdern STRASSER und Ernst R\u00d6HM repr\u00e4sentierten Sozialrevolution\u00e4ren Fl\u00fcgels des Nationalsozialismus. Seit Ende 1991 verbreitete der Bundesvorsitzende der NF, Meinolf SCH\u00d6NBORN, Aufrufe zu Bildung eines am Vorbild der Freikorps und der Waffen-SS orientierten \"Nationalen Einsatzkommandos\" (NEK), zu dessen Aufgaben die Aufstellung kaderm\u00e4\u00dfig gegliederter hochmobiler Verb\u00e4nde, die Ausbildung f\u00fcr den politischen Kampf auf der Stra\u00dfe sowie die Planung und Koordinierung \u00fcberraschend durchgef\u00fchrter zentraler Aktionen z\u00e4hlen sollten. Gegen SCH\u00d6NBORN und andere NF-Aktivisten wurde daraufhin vom Generalbundesanwalt ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Verabredung eines Verbrechens (Gr\u00fcndung einer terroristischen Vereinigung) eingeleitet. Im Zuge dieses Verfahrens kam es im M\u00e4rz und im Juni 1992 in mehreren Bundesl\u00e4ndern zu Durchsuchungsma\u00dfnahmen, bei denen Waffen und logistisches Ger\u00e4t sichergestellt wurden. Die Pl\u00e4ne SCH\u00d6NBORNs l\u00f6sten innerhalb der NF-F\u00fchrung schwere Differenzen aus; besonders der stellvertretende Bundesvorsitzende und langj\u00e4hrige F\u00fchrer der Berliner NF-Ortsgruppe, Andreas POHL, \u00fcbte massive Kritik an SCH\u00d6NBORNs Vorhaben und an dessen autorit\u00e4rem F\u00fchrungsstil. Im Rahmen der Wahlen zu den Berliner Bezirksverordnetenversammlungen am 24. Mai 1992 kandidierte die NF im Bezirk Hohensch\u00f6nhausen und erhielt 136 (0,31 %) von 43.602 abgegebenen g\u00fcltigen Stimmen. Bis zur Spaltung der Organisation im Sommer 1992 trat die Berliner NF, die seit Anfang 1992 von Enno GEHRMANN gef\u00fchrt wurde, wiederholt im Stadtgebiet mit Klebeund Schmieraktionen sowie mit der Verteilung von NF-Propagandamaterial und mit Interessentenveranstaltungen auch au\u00dferhalb Berlins in Erscheinung. Den Schwerpunkt ihrer Aktivit\u00e4ten verlagerte die Berliner NF-Ortsgruppe zunehmend in das Berliner Umland, wo sie einen gewissen Mitgliederzuwachs verzeichnen konnte. Sie erweiterte ihren Aktionskreis durch neue St\u00fctzpunkte in K\u00f6nigs Wusterhausen und Hennigsdorf (Brandenburg). Die engen Verbindungen zu NF-St\u00fctzpunkten in Kremmen und Potsdam (Brandenburg), denen zahlreiche Skinheads angeh\u00f6ren, wurden weiter","2 - Politischer Extremismus - 75 intensiviert. Mit NF-Publikationen, die in einschl\u00e4gigen Skinhead-Lokalen Berlins, z.B. im \"Judith-Auer-Club\" in Berlin-Lichtenberg, verbreitet wurden, versuchte die NF zudem, Skinheads zu werben und anzupolitisieren. Gro\u00dfe Resonanz unter Skinheads fand in diesem Zusammenhang ein von der NF organisiertes Konzert mit dem rechtsextremistischen Liedermacher Frank RENNICKE am 19. Juni 1992 in Falkensee (Brandenburg), das von etwa 250 Zuh\u00f6rern besucht wurde. Der seit dem Fr\u00fchjahr 1992 schwelende F\u00fchrungsstreit innerhalb der NF f\u00fchrte im Sommer 1992 zur Spaltung der Organisation in eine Gruppe um den bisherigen Bundesvorsitzenden SCH\u00d6NBORN und eine konkurrierende Gruppe um Andreas POHL. Nachdem etwa 40 Anh\u00e4nger SCH\u00d6NBORNs am 27. Juni 1992 in Hetendorf (Niedersachsen) den bisherigen Bundesvorsitzenden in seinem Amt best\u00e4tigt hatten, versammelten sich am 8. August 1992 etwa 60 Anh\u00e4nger POHLs, unter ihnen 15 Mitglieder und Anh\u00e4nger des \"St\u00fctzpunktes Berlin\" (bis Juli 1992: Ortsgruppe Berlin) der NF, zu einem \"Sonderparteitag\" in Flatow (Brandenburg), w\u00e4hlten POHL zum Bundesvorsitzenden und bestimmten Berlin zum Hauptsitz der NF. Nach Anerkennung der Wahl SCH\u00d6NBORNs zum Bundesvorsitzenden der NF durch den Bundeswahlleiter verlie\u00df die POHL-Gruppe die NF und trat seit September 1992 unter den Bezeichnungen \"Sozialrevolution\u00e4re Arbeiterfront\" (SrA) und \"F\u00f6rderwerk Mitteldeutsche Jugend\" (FMJ) auf. In ihrem Mitteilungsblatt \"Angriff\" stellt sich die SrA als Kaderund Elitepartei, das FMJ als Massenorganisation dar. Neben den Anh\u00e4ngern POHLs, die sich inzwischen weitgehend in der SrA organisiert haben, existiert in Berlin weiterhin eine Gruppe von SCH\u00d6NBORN-Gefolgsleuten. Am 27. November 1992 hat der Bundesminister des Innern als Reaktion auf die Welle rechtsextremistischer Gewalttaten ein Verbot der NF gem\u00e4\u00df SS 3 Vereinsgesetz erlassen. Die Verf\u00fcgung umfa\u00dfte auch das Verbot von Ersatzorganisationen. Nach Feststellung des Bundesministers des Innern ziele die NF in aggressiv-k\u00e4mpferischer Weise darauf ab, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beseitigen.","76 2 - Politischer Extremismus - Von den in Vollzug des Vereinverbots durchgef\u00fchrten Exekutivma\u00dfnahmen waren auch mehrere Berliner NF-Aktivisten betroffen. 2.2.2.5 \"Nationale Offensive\" (NO) Ehemalige Funktion\u00e4re und Aktivisten der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) - unter F\u00fchrung des fr\u00fcheren bayerischen FAP-Vorsitzenden Michael SWIERCZEK - gr\u00fcndeten am 3. Juli 1990 in Augsburg die v\u00f6lkischnationalistisch ausgerichtete \"Nationale Offensive\" (NO), die als Auffangbecken insbesondere f\u00fcr entt\u00e4uschte FAP-Anh\u00e4nger dienen sollte. Der Vereinigung geh\u00f6rten Ende 1992 bundesweit etwa 140 Personen an. In ihrem Programm fordert die NO, deren erkl\u00e4rtes Ziel es ist, zu einer wahrhaft revolution\u00e4ren Gesinnungsund Kampfgemeinschaft zu werden, Einwanderungsstopp und schrittweise R\u00fcckf\u00fchrung der Ausl\u00e4nder in ihre Heimatl\u00e4nder - Kulturvermischung ist V\u00f6lkermord und die sofortige Ausweisung aller kriminellen und arbeitslosen Ausl\u00e4nder. Im Zuge der Intensivierung ihrer Bem\u00fchungen, vor allem in den neuen Bundesl\u00e4ndern Fu\u00df zu fassen, gr\u00fcndete die NO am 8. August 1992 in Berlin ihren Landesverband Berlin-Brandenburg. Erstmals im Oktober 1992 erschien das an Freunde und Sympathisanten gerichtete monatliche Mitteilungsblatt \"DAS TOR\", in dem sich die NO vor allem mit aktuell-politischen, geschichtlichen und kulturellen Themen befassen wollte. Die ersten Hefte enthielten u.a. Beitr\u00e4ge zu folgenden Themen: 3. Oktober - Tag der deutschen Einheit?; Ausl\u00e4nderterror, Ausl\u00e4nder rein - Deutsche weg? und Reichskristallnacht. Die Aktivit\u00e4ten des Landesverbandes Berlin-Brandenburg der NO, der nicht \u00fcber den Kreis einer Funktion\u00e4rsgruppe hinauskam, beschr\u00e4nkten sich im \u00fcbrigen auf kleinere Zusammenk\u00fcnfte und auf die Teilnahme an bundesweiten Demonstrationen und Veranstaltungen. So nahmen Berliner NO-Anh\u00e4nger am 3. Oktober 1992 an einer von der NO angemeldeten Demonstration in Dresden teil. An der Veranstaltung, die unter dem Motto Einigkeit und Recht und Freiheit - Gemeinsam demonstrie-","2 - Politischer Extremismus - 77 ren - Zusammen k\u00e4mpfen! stand, beteiligten sich insgesamt etwa 600 Neonazis. Berliner NO-Anh\u00e4nger waren auch unter den etwa 500 Neonazis, die sich am 15. November 1992 trotz des polizeilichen Verbots der seit 1990 allj\u00e4hrlich von Rechtsextremisten veranstalteten \"Heldengedenkfeier\" in der N\u00e4he des geplanten Veranstaltungsortes Halbe (Brandenburg) versammelten und sp\u00e4ter in Waldow (Brandenburg) an einer Spontankundgebung teilnahmen. Als Reaktion auf die Welle rechtsextremistischer Gewalt im Verlauf des Jahres 1992 erlie\u00df der Bundesminister des Innern am 22. Dezember 1992 gem\u00e4\u00df SS 3 Vereinsgesetz ein Verbot der NO. Im Zuge der Vollstreckung der Verbotsverf\u00fcgung kam es am selben Tag zu einer polizeilichen Hausdurchsuchung bei dem Vorsitzenden des Landesverbandes Berlin-Brandenburg der NO. 2.2.2.6 \"Nationale Alternative Berlin\" (NA Berlin) Die 1990 im Ostteil Berlins mit Unterst\u00fctzung westdeutscher K\u00dcHNENAnh\u00e4nger von Angeh\u00f6rigen der dortigen Neonazibzw. Skinhead-Szene ins Leben gerufene \"Nationale Alternative\" (NA), seit Februar 1991 von dem militanten Neonazi Oliver SCHWEIGERT gef\u00fchrt, verlor im Jahre 1992 weiter an Bedeutung. SCHWEIGERT, der bei der Bundestagswahl 1990 als Einzelbewerber f\u00fcr die NA im Wahlkreis Berlin-Lichtenberg 4 drei\u00dfig Stimmen erhalten hatte (0,2 %), kandidierte bei der Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung (BW) Lichtenberg am 24. Mai 1992 im Rahmen der rechtsextremistischen W\u00e4hlergemeinschaft \"Die Nationalen\", einem Zweckb\u00fcndnis von NPD, \"Deutscher Liga f\u00fcr Volk und Heimat\" und neonazistischer Einzelbewerber; in Lichtenberg erzielten \"Die Nationalen\" mit 339 Stimmen (0,46 %) eines ihrer besten Resultate. Die Aktivit\u00e4ten der inzwischen auf etwa 15 Anh\u00e4nger (1991: etwa 20) geschrumpften NA Berlin beschr\u00e4nkten sich im Jahre 1992 weitgehend auf interne Zusammenk\u00fcnfte und die Teilnahme an bundesweiten rechtsextremistischen Veranstaltungen, wie der von Neonazis am 4. April 1992 in","78 2 - Politischer Extremismus - Dresden veranstalteten Demonstration aus Anla\u00df der Freispr\u00fcche in dem Strafproze\u00df um den erschossenen Neonazi-Anf\u00fchrer Rainer SONNTAG und der am 15. August 1992 in Rudolstadt (Th\u00fcringen) aus Anla\u00df des 5. Todestages des HITLER-Stellvertreters Rudolf HESS abgehaltenen Kundgebung, an der sich etwa 1.500 Rechtsextremisten aus den alten und neuen Bundesl\u00e4ndern beteiligten. Weiterhin verbreiteten Anh\u00e4nger der NA Berlin handtellergro\u00dfe Aufkleber mit Parolen wie Mit unseren Fahnen ist der Sieg!; Zerschlagt die kommunistische Pest!; Stoppt die Macht der Kirche - Tritt aus; Ausl\u00e4nder raus - Oi-Skins und Asylanten raus! Deutscher sei stolz, ein Deutscher zu sein. 2.2.2.7 \"Wiking-Jugend, volkstreue nordl\u00e4ndische Jugendbewegung Deutschland e.V.\" (WJ) Der in der Tradition der ehemaligen \"Hitler-Jugend\" (HJ) stehenden und nach dem F\u00fchrerprinzip organisierten \"Wiking-Jugend\" (WJ) geh\u00f6ren bundesweit etwa 400 Personen an; in Berlin sind es etwa 10 Aktivisten sowie einige jugendliche Anh\u00e4nger. F\u00fchrer des \"Gau Berlin\" ist in Personalunion der WJ-Bundesf\u00fchrer Wolfram NAHRATH. Ihre Aktivit\u00e4ten konzentriert die Berliner WJ-Formation auf gemeinsam mit anderen rechtsextremistischen, vornehmlich neonazistischen Organisationen durchgef\u00fchrte Veranstaltungen, wie das von der \"Nationalistischen Front\" (NF) organisierte Konzert des rechtsextremistischen Liedermachers Frank RENNICKE am 19. Juni 1992 in Falkensee (Brandenburg) oder die Planung der j\u00e4hrlichen \"Heldengedenkfeier\" in Halbe (Brandenburg), bei deren Gestaltung der WJ in den vergangenen Jahren eine wichtige Rolle zukam. Nach dem polizeilichen Verbot der f\u00fcr den 15. November 1992 geplanten Veranstaltung hielt die WJ zusammen mit anderen rechtsextremistischen, vor allem neonazistischen Vereinigungen eine von dem WJBundesf\u00fchrer Wolfram NAHRATH geleitete Ersatzkundgebung in Waldow (Brandenburg) ab, an der sich insgesamt 250 Personen beteiligten. Daneben f\u00fchrte die Berliner WJ im Jahre 1992 regelm\u00e4\u00dfig Gesangs-, Volkstanzund sog. Heimabende durch und beteiligte sich an einem in","2 - Politischer Extremismus - 79 Hetendorf (Kreis Celle) abgehaltenen bundesweiten Pfingstlager der \"Wiking-Jugend\". In der \u00d6ffentlichkeit trat die WJ wiederholt mit Propagandaaktionen in Erscheinung. Dabei wurden in einigen Berliner Bezirken Werbeaufkleber mit den Parolen Gau Berlin - Mehr sein als Schein und Gau Berlin - Reih' dich ein verbreitet sowie auf Verteilerk\u00e4sten der BEWAG und auf \u00f6ffentliche Papierk\u00f6rbe der Schriftzug \"WIKING JUGEND\" sowie Odalrunen gespr\u00fcht. H\u00f6hepunkt der WJ-Aktivit\u00e4ten war am 6. Dezember 1992 eine bundesweite Veranstaltung aus Anla\u00df des 40j\u00e4hrigen Bestehens der \"Wiking-Jugend\", die von etwa 200 Personen, darunter etwa 20 Berliner WJ-Anh\u00e4nger, besucht wurde. Die Zusammenkunft fand in Kleinmachnow vor den Toren Berlins statt. Unter den G\u00e4sten befanden sich auch Angeh\u00f6rige der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) sowie der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e.V.\". Neben Ansprachen f\u00fchrender WJ-Funktion\u00e4re wurden Musikund Volkstanzdarbietungen geboten. 2.2.2.8 \"ASGARD-Bund e.V.\"/\"Wotans Volk\" Wie in den Vorjahren beschr\u00e4nkten sich auch im Jahre 1992 die Aktivit\u00e4ten des von dem militanten Neonazi Arnulf-Winfried PRIEM gef\u00fchrten \"ASGARD-Bundes\", einer Funktion\u00e4rsgruppe, die sich als \"Gemeinschaft heidnisch-germanischer Weltanschauung\" versteht, auf die - kommerziell offensichtlich erfolgreiche - Herausgabe des seit 1979 erscheinenden \"Nordisch-Germanischen Jahrweisers\", eines bei Neonazis und Angeh\u00f6rigen heidnischer Gemeinschaften im Inund Ausland beliebten Kalenders, sowie auf den Handel mit germanisierenden Devotionalien und neonazistischen Videos. Die erstmals 1987 als \"Jugendgruppe des ASGARD-Bundes\" hervorgetretene Gruppe \"Wotans Volk\" nahm unter F\u00fchrung PRIEMs fr\u00fchzeitig Kontakt zu ostdeutschen Gesinnungsgenossen auf, vor allem zur Ostberliner PolitRockergruppe \"Vandalen - Ariogermanische Kampfgemeinschaft\".","80 2 - Politischer Extremismus - Wie bereits in den Vorjahren unternahm PRIEM mit seinen Gesinnungsgenossen auch im Jahr 1992 Exkursionen in die Berliner Umgebung, um Schlachtfelder des Zweiten Weltkrieges nach Waffen und Militaria abzusuchen. Diese Vorgehensweise stie\u00df selbst in den Reihen von Neonazis auf Ablehnung und f\u00fchrte zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen PRIEM und Anh\u00e4ngern der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP). PRIEMs Gruppe \"Wotans Volk\" verbreitete im Rahmen der im Jahr 1992 initiierten \"Anti-Antifa-Kampagne\" Propagandamaterial mit den Parolen: Stoppt ANTIFAtzke! Asyl beibehalten - brauche meinen Drogendealer, Gastarbeiter - Nein Danke!, Don't worry be Nazi, ANTIFAtzke ? - Anpissen. Der seit Jahren in der Berliner Neonazi-Szene aktive PRIEM, der seit August 1992 auch Vorsitzender des Landesverbandes \"Reichshauptstadt\" der \"Deutschen Alternative\" (DA) war, ist durch seine vielf\u00e4ltigen Aktivit\u00e4ten und sein aggressives Auftreten zu einer bevorzugten Zielscheibe militanter \"Antifa\"-Gruppen geworden. So ver\u00fcbten bisher unbekannte T\u00e4ter am 29. Oktober 1992 einen Brandanschlag auf das Kraftfahrzeug PRIEMs. 2.2.2.9 \"Deutsche Jugendinitiative Berlin\" (DJI) Die DJI trat im Jahr 1992 in Berlin kaum in Erscheinung. Der lose Zusammenschlu\u00df von Anh\u00e4ngern der ehemaligen neonazistischen \"Bewegung\" sowie einigen Angeh\u00f6rigen der neonazistischen \"Nationalistischen Front\" (NF) und unorganisierten Neonazis zeigte sich erstmals 1986 mit Flugblattaktionen in der \u00d6ffentlichkeit. Im Rahmen einer von Angeh\u00f6rigen der NF am 1. Februar 1992 in Kremmen (Brandenburg) durchgef\u00fchrten St\u00f6raktion gegen ZDF-Dreharbeiten zu einem Film \u00fcber das \"Dritte Reich\" wurden zahlreiche Exemplare eines unter","2 - Politischer Extremismus - 81 der Bezeichnung DJI verfa\u00dften Flugblattes an die anwesenden Schauspieler und Statisten verteilt. In dem schon seit l\u00e4ngerer Zeit bekannten Flugblatt mit, dem Titel \"Aktion S\u00fchneklappspaten\" werden Wiedergutmachungsleistungen f\u00fcr NS-Opfer diffamiert und antisemitische Ressentiments mobilisiert. Die DJI trat auch als Veranstalter eines von der NF organisierten Konzerts mit dem in rechtsextremistischen Kreisen bekannten Liedermacher Frank RENNICKE auf. An der Veranstaltung, die am 19. Juni 1992 in Falkensee (Brandenburg) stattfand, beteiligten sich etwa 250 Zuh\u00f6rer, darunter zahlreiche Neonazis und Skinheads. RENNICKE trug Lieder gegen den Zeitgeist vor, polemisierte gegen religi\u00f6se Minderheiten und sprach sich dabei gegen alles Fremdl\u00e4ndische aus. 2.2.2.10 \"Ku-Klux-Klan\" (KKK) Der 1865 in den S\u00fcdstaaten der USA gegr\u00fcndete militant-rassistische Geheimbund \"Ku-Klux-Klan\" (KKK), der sich in einem Kampf um die Erhaltung der \"wei\u00dfen Rasse\" sieht und der Anfang der 80er Jahre auch in der Bundesrepublik Deutschland Anh\u00e4nger organisierte, versuchte seit Mitte 1991, auch im Berliner Raum Fu\u00df zu fassen. Hinweise auf eine Berliner Ku-Klux-Klan-Gruppe mit dem Namen \"White Storm Berlin\" sowie Flugbl\u00e4tter dieser Gruppe, in denen in volksverhetzender und beleidigender Weise gegen Farbige, Juden und Ausl\u00e4nder agitiert wird, wurden im Dezember 1991 bekannt. Zu dem Material geh\u00f6rte auch die von der Klan-Gruppe vertriebene Schrift \"Das Feuerkreuz\". Ein vom Generalbundesanwalt im Februar 1992 u.a. gegen Berliner Neonazis, die eine eigenst\u00e4ndige Klan-Gruppe aufbauen wollten, wegen des Verdachts der Gr\u00fcndung einer terroristischen Vereinigung eingeleitetes Ermittlungsverfahren nach SS 129 a StGB mu\u00dfte mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt werden.","82 2 - Politischer Extremismus - 2.2.2.11 \"V\u00f6lkischer Freundeskreis\" (VFK) Der 1989 von abtr\u00fcnnigen Mitgliedern der ehemaligen \"Kameradschaft Berlin\" der \"Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front\" ins Leben gerufene VFK war zwar nach l\u00e4ngerer Inaktivit\u00e4t Anfang des Jahres 1991 mit Unterst\u00fctzung der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) reaktiviert worden, entfaltete jedoch im Jahr 1992 keine Aktivit\u00e4ten. Der VFK - eine kleine Funktion\u00e4rsgruppe - verstand sich bei Gr\u00fcndung als Projekt f\u00fcr Schulungsund Aufkl\u00e4rungsarbeit und wollte mit seiner politischen Arbeit Kameraden aus jeder nationalen Gruppierung erreichen. 2.2.2.12 \"Bund Vaterlandstreuer Volksgenossen\" (BVV) Die im Jahr 1988 entstandene neonazistische Kleingruppe trat in den vergangenen Jahren sporadisch mit Plakatund Klebeaktionen in der \u00d6ffentlichkeit in Erscheinung. Zu den verbreiteten Parolen z\u00e4hlten u.a.: Holocaust in ISRAEL - SCHLUSS MIT DER KNECHTUNG DES PAL\u00c4STINENSISCHEN VOLKES Der Putz br\u00f6ckelt ab! - Hau weg den Dreck!!! Aufl\u00f6sung und Zerschlagung aller antifaschistischen Parteien und Organisationen! Kampf dem alleszerst\u00f6renden Liberalismus! F\u00fcr artgerechte Umweltund Volkspolitik! Aktivisten des BW klebten z.B. im M\u00e4rz und September 1992 in den Berliner Bezirken Steglitz und Spandau handtellergro\u00dfe Aufkleber mit Parolen wie Deutsche Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr Deutsche Arbeitnehmer La\u00dft Euch Eure Arbeitspl\u00e4tze nicht wegnehmen Unser Glaube ist unser Schicksal","2 - Politischer Extremismus - 83 an Fassaden und Hausbriefk\u00e4sten einiger Mietsh\u00e4user sowie an Bushaltestellen, Stra\u00dfenbeleuchtungsmasten und Gartenz\u00e4une. 2.2.2.13 \"Vandalen - Ariogermanische Kampfgemeinschaft\" Die seit Jahren in den \u00f6stlichen Bezirken Berlins ans\u00e4ssige Neonazi-Kleinstgruppe \"Vandalen\" unterh\u00e4lt seit der Wende gute Kontakte zu neonazistischen Organisationen in Berlin und Umgebung. Die Anh\u00e4nger der \"Vandalen\" kleiden sich martialisch und leben nach pseudo-germanischen Ordnungsbildern und Riten. Seit 1990 beteiligten sie sich an Zusammenk\u00fcnften der neonazistischen Vereinigungen \"Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei\" (FAP), \"Nationalistische Front\" (NF) und \"Wotans Volk\". Vereinzelt werden Beitr\u00e4ge der \"Vandalen\" in einschl\u00e4gigen SkinheadFanzines sowie in der von dem \u00f6sterreichischen Rechtsextremisten OCHENSBERGER vertriebenen neonazistischen Zeitschrift \"Sieg\" ver\u00f6ffentlicht. 2.2.2.14 \"Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V.\" (HNG) Die 1979 gegr\u00fcndete, seit M\u00e4rz 1991 von Ursula M\u00dcLLER (Mainz) geleitete HNG verf\u00fcgt als eine der mitgliederst\u00e4rksten Neonazi-Organisationen bundesweit \u00fcber etwa 220 Mitglieder. Ihr Ziel ist es, \"nationale politische Gefangene\" zu betreuen und den Kontakt Inhaftierter zur neonazistischen Szene zu f\u00f6rdern. Als Anlaufstelle f\u00fcr Gesinnungsgenossen aus dem gesamten neonazistischen Spektrum gew\u00e4hrt die HNG finanzielle sowie auch immaterielle Hilfe und vermittelt Kontakte zu anderen Rechtsextremisten. Die Organisation, die ihre Mitglieder aus verschiedenen neonazistischen Vereinigungen rekrutiert, hat in Berlin keine Gliederung. Tr\u00e4ger hiesiger Aktivit\u00e4ten f\u00fcr die Organisation sind lediglich Einzelmitglieder. Am 8. August 1992 beteiligten sich Berliner Neonazis an einer Gemeinschaftsveranstaltung der HNG, die in Berlin-Lichtenberg stattfand. Die von","84 2 - Politischer Extremismus - der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) und der \"Deutschen Alternative\" (DA) unterst\u00fctzte Veranstaltung, an der insgesamt etwa 50 Neonazis aus Berlin, Brandenburg und anderen Bundesl\u00e4ndern teilnahmen, stand unter dem Motto Gegen politische Repressionen! Gemeinsam schlagen wir den Staatsschutzterror zur\u00fcck!. Die etwa monatlich erscheinende Publikation \"Nachrichten der HNG\" ver\u00f6ffentlicht nach wie vor regelm\u00e4\u00dfig eine \"Gefangenenliste\", die der Kontaktvermittlung und Betreuung inhaftierter \"Kameraden\" dient. Dar\u00fcber hinaus werden Leserbriefe und Zuschriften von Gesinnungsgenossen aus der Haft abgedruckt. 2.2.2.15 \"Neonazikreis um Curt M\u00fcller\" Seit fast 20 Jahren dient das Anwesen des wegen NS-Aktivit\u00e4ten vorbestraften Ehepaares Curt und Ursula M\u00dcLLER in Mainz-Gonsenheim als Anlaufund Kommunikationsstelle f\u00fcr rechtsextremistische, vor allem neonazistische Aktivisten aus dem Inund Ausland. Auch 1992 fanden in Gonsenheim die allj\u00e4hrlichen Sonnwendund HITLERGeburtstagsfeiern statt, an denen sich auch Berliner Neonazis, darunter Angeh\u00f6rige des Landesverbandes Berlin der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpatei\" (FAP) und der Neonazi-Gruppe \"Vandalen\" beteiligten. 2.2.2.16 \"Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei - Auslandsund Aufbauorganisation\" (NSDAP-AO) Wie in den Vorjahren tauchte im Jahre 1992 in Berlin wiederholt Propagandamaterial der NSDAP-AO im Stadtbild auf. In verschiedenen Berliner Bezirken wurden Plakate und handtellergro\u00dfe Aufkleber mit den Parolen Trotz Verbot nicht tot!; Ausl\u00e4nder Raus!; Wir sind wieder dal; Die Juden sind unser Ungl\u00fcck! und NS-Verbot aufheben! u.a. an Hausw\u00e4nden einiger Mietsh\u00e4user, an Bauwagen und Verkehrszeichen angebracht. Das Propa-","2 - Politischer Extremismus - 85 gandamaterial war mit einem Hakenkreuz und der Urheberangabe \"NSDAP/AO: Box 6414, Lincoln, NE 68 506 USA\" versehen. Bei der NSDAP-AO handelt es sich um eine seit 1976 aktive Gruppierung mit zahlreichen, unabh\u00e4ngig voneinander arbeitenden und meist aus Einzelpersonen bestehenden St\u00fctzpunkten in der Bundesrepublik Deutschland. Diese beziehen umfangreiches neonazistisches Propagandamaterial von der \"Auslandszentrale\" der NSDAP-AO in den USA. Bundesweit geh\u00f6ren der Gruppe etwa 100 Mitglieder an. Bei dem Propagandamaterial handelt es sich um die sechsmal j\u00e4hrlich erscheinende Zeitschrift \"NS-Kampfruf\", um Flugbl\u00e4tter, Plakate und Aufkleber, die auch unaufgefordert an Bewohner der Bundesrepublik Deutschland versandt werden, sowie um Hakenkreuzfahnen und -arminden. Leiter der NSDAP-AO ist der US-B\u00fcrger Gary Rex LAUCK. Da in den Vereinigten Staaten von Amerika im Gegensatz zur hiesigen Rechtslage die Herstellung und Verbreitung neonazistischen Propagandamaterials nicht verboten ist, k\u00f6nnen dort keine juristischen Ma\u00dfnahmen gegen LAUCK ergriffen werden. 2.2.3 Militante Skinhead-Szene in Berlin Die militante Skinhead-Szene in Berlin ist in ihrer Mehrheit nach wie vor von rechtsextremistischen Verhaltensmustern gepr\u00e4gt. Das Verhalten dieser rechtsextremistisch motivierten Skinheads wird u.a. \u00fcberaus stark durch Gewalt, rassistische Fremdenfeindlichkeit sowie durch Verwenden von rechtsextremistischen Kennzeichen bestimmt. Die Gesamtst\u00e4rke der Berliner Skinheads d\u00fcrfte bei ungef\u00e4hr 600 liegen. Fast 340 Personen wurden inzwischen namentlich bekannt, bei denen tats\u00e4chliche Anhaltspunkte oder Erkenntnisse \u00fcber rechtsextremistische Bestrebungen vorliegen. 139 von ihnen sind wegen ihrer Beteiligung an Gewaltt\u00e4tigkeiten eindeutig der militanten Skinhead-Szene zuzuordnen.","86 2 - Politischer Extremismus - Aufgrund der auf Dauer angelegten neonazistischen Aktivit\u00e4ten und/oder der Verbindungen zur neonazistischen Szene bzw. Mitgliedschaften in neonazistischen Gruppen, wie der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP), der \"Deutschen Alternative\" (DA), der \"Nationalen Alternative\" (NA) und der \"Nationalistischen Front\" (NF), sind 72 Skinheads als aktive Neonazis anzusehen, 38 von ihnen sind als militant einzustufen. Die h\u00e4ufig auf politische Feindbilder, wie \"Zecken\" (Linke) und \"Kanaken\" (Ausl\u00e4nder), fixierte latente Gewaltbereitschaft innerhalb der SkinheadSzene ist sehr hoch. Sehr h\u00e4ufig werden bei Skinhead-Treffen brutale Vorstellungen wie Zecken und Kanaken aufmischen und klatschen ge\u00e4u\u00dfert. Nach den bisherigen Erkenntnissen ist bei den Skinheads allerdings die Bereitschaft, \u00fcber diese verbalen \u00c4u\u00dferungen hinaus konkrete Gewalttaten planvoll vorzubereiten und durchzuf\u00fchren, nicht \u00fcblich. Typischer sind spontan begangene Gewalttaten, wobei Aggressionen durch Alkoholexzesse, aufputschende Skin-Musik und Gruppenzw\u00e4nge gesteigert bzw. ausgel\u00f6st werden. Das aus aggressivem Nationalismus und rassistisch motivierter Fremdenfeindlichkeit gewaltgeneigte Verhalten von Skinheads spiegelt sich auch in den bekanntgewordenen und von Skinheads ausgel\u00f6sten 58 Vorf\u00e4llen mit erwiesener oder zu vermutender rechtsextremistischer Motivation wider, wenngleich eine Unterscheidung zwischen rechtsextremistischen Skinheads und anderen rechtsextremistischen Straft\u00e4tern kaum noch m\u00f6glich erscheint. Insbesondere die jugendlichen, rechtsextremistisch motivierten Gewaltt\u00e4ter sind durchweg beeinflu\u00dft von den Verhaltensmustern der Skinheads und ihren Feindbildern. Hervorzuheben ist ein in j\u00fcngster Zeit beginnender Anstieg von Auseinandersetzungen zwischen Skinheads und \"Linken\", die zum Teil auf gewaltt\u00e4tige Angriffe von Linksextremisten auf Skinheads oder ihre Trefforte zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Die Schwerpunkte der bekanntgewordenen rechtsextremistisch motivierten Skinhead-Aktivit\u00e4ten und die Trefforte liegen zu 75 % in den \u00f6stlichen","2 - Politischer Extremismus - 87 Bezirken (Schwerpunktbezirke: Prenzlauer Berg, Marzahn, Kaulsdorf und Lichtenberg; im Westteil Berlins: Sch\u00f6neberg und Charlottenburg). Hinsichtlich der Skinhead-Aktivit\u00e4ten und der relativ h\u00e4ufig wechselnden Trefforte ist die Tendenz eines \"freiwilligen\" Ausweichens in das Berliner Umland erkennbar. Gr\u00fcnde hierf\u00fcr sind u.a. die ablehnende Haltung einiger Betreiber der Trefforte gegen\u00fcber Skinheads, die erfolgreichen Ma\u00dfnahmen der Berliner Polizei und die j\u00fcngsten Angriffe politischer Gegner auf Skinheads. Die in der Vergangenheit vereinzelt aufgetauchten Skinhead-Personenzusammenschl\u00fcsse mit eigenen Gruppennamen, wie z.B. \"Frohnauer Sturmtruppe\", \"Wilhelmsruher T\u00fcrkenj\u00e4ger\" u.a., sind im Jahre 1992 nicht mehr festgestellt worden. \u00dcbergreifende Organisationsstrukturen innerhalb der Skinhead-Szene bestehen nicht. Es kommt aber zu eher losen, einer starken Fluktuation unterliegenden, kurzlebigen, z.T. auch spontanen Personenzusammenschl\u00fcssen, die sich nach relativ kurzer Zeit wieder aufl\u00f6sen, um sich in anderer Besetzung und mit neuer Bezeichnung erneut zu bilden. Zur Zeit sind acht Skinhead-Personenzusammenschl\u00fcsse in Berlin mit rechtsextremistischer Ausrichtung aktiv, darunter \"Lichtenberger Kameradschaftsbund\", Umfeld Pfarrstra\u00dfe 111, Gruppe im Umfeld \"Judith-Auer-Club\", \"Tempelhofer\". Die St\u00e4rke der einzelnen Gruppen schwankt zwischen 10 und 40 Personen. Dar\u00fcber hinaus ver\u00e4ndert sich auch das \u00e4u\u00dfere Erscheinungsbild der Skinheads (Glatze, Bomberjacke, Doc-Marten-Stiefel). W\u00e4hrend es in der Vergangenheit schon aufgrund dieses Erscheinungsbildes m\u00f6glich war, eine Zuordnung von Personen zur Skinhead-Szene zu treffen, so kann nunmehr festgestellt werden, da\u00df Skinheads z.B. durch l\u00e4ngere Haare ihr Aussehen variieren, um ihre \"Szene\"-Zugeh\u00f6rigkeit zu verschleiern.","88 2 - Politischer Extremismus - Kontakte und Verbindungen zwischen Neonazis und Skinheads bestehen nach wie vor und werden weiter ausgebaut. Hinweise daf\u00fcr sind u.a., die Teilnahme von Skinheads an Neonazi-Treffen und -Plakataktionen, das Auftauchen von Neonazis und neonazistischem Propagandamaterial bei Konzerten von Skinheads-Bands und in den einschl\u00e4gig bekannten \"Szenetrefforten\" sowie die zu verzeichnende Abwanderung von Skinheads in rechtsextremistische Parteien und Organisationen. Zusammenfassend bleibt festzustellen, da\u00df die Skinhead-Szene in Berlin eine eigenst\u00e4ndige, nach au\u00dfen abgeschottete, zum Teil militante, \u00fcberwiegend rechtsextremistisch motivierte Subkultur darstellt, die partiell mit dem organisierten Neonazismus vernetzt ist. Wegen ihrer ungehemmten Gewaltbereitschaft verst\u00e4rken die Skinheads die militante Potenz des Neonazismus. Durch ihre Ausschreitungen verleihen sie neonazistischen Auftritten h\u00e4ufig erst ihren gef\u00e4hrlichen und spektakul\u00e4ren Charakter. Eine konkrete Steuerung von Skinhead-Aktionen durch Neonazi-Organisationen ist nicht festzustellen. Hier wirkt sich jedoch die einschl\u00e4gige Propaganda neonazistischer Organisationen auf die orientierungslosen und f\u00fcr eine rechtsextremistische Beeinflussung besonders empf\u00e4nglichen Skinheads aus. Eines der wichtigsten Medien f\u00fcr die Auspr\u00e4gung und Verbreitung offen rassistischen und neonazistischen Gedankenguts in der Skinhead-Szene stellt die von Skinhead-Bands - in Berlin sind dies die rechtsextremistischen Bands \"Landser\", \"Macht und Ehre\" und \"Walhalla\" - getragene \"Oi-Musik\" dar. Urspr\u00fcnglich Ausdruck des spezifischen Lebensgef\u00fchls der eher unpolitischen Skinhead-Subkultur - der Begriff \"Oi\" ist angeblich von der englischen \u00dcbersetzung der NS-Organisation \"Kraft durch Freude\" (Strength through joy) abgeleitet und sollte signalisieren, da\u00df Spa\u00df und nicht politische Agitation im Vordergrund stehe - bezeichnet \"Oi\" heute die von den eindeutig rechtsextremistisch orientierten \"White Power-Skins\" oder \"Boneheads\" favorisierte Musik.","2 - Politischer Extremismus - 89 Die Texte der Songs sind gepr\u00e4gt von einem militanten, gewaltverherrlichenden, besonders menschenverachtenden Rassismus, der h\u00e4ufig offen zur Gewalt gegen Fremde und sonstige Feinde der \"wei\u00dfen Rasse\" aufruft. Ihre politischen Vorstellungen artikulieren die Bands au\u00dfer in ihren Texten auch in Interviews, die sie den zahlreichen in der Szene existierenden \"Fanzines\" (= Fan-Magazinen) gew\u00e4hren. Die emotional aufstachelnde Wirkung, die von der mit brutal-dr\u00f6hnenden \"Heavy-Metal\"-Kl\u00e4ngen vorgetragenen \"Oi-Musik\" auf die alkoholisierten \"Glatzen\" ausgeht, ist gar nicht zu \u00fcbersch\u00e4tzen; so kommt es regelm\u00e4\u00dfig am Rande oder im Anschlu\u00df von Skinhead-Konzerten zu Ausschreitungen mit exzessiver Gewaltanwendung. 2.2.4 \"Nationalfreiheitliche\"/\"Nationaldemokraten\" Im Unterschied zu Neonazis orientieren sich die sich selbst als \"nationalfreiheitlich\" bzw. \"nationaldemokratisch\" bezeichnenden Organisationen der \"Alten Rechten\" st\u00e4rker an v\u00f6lkisch-kollektivistischen, statistischen, nicht unbedingt nationalsozialistischen Vorstellungen. Gewaltt\u00e4tige Aktionen gehen von diesen Parteien nicht aus. Die gr\u00f6\u00dften rechtsextremistischen Parteien sind die \"Deutsche Volksunion\" (DVU) mit etwa 26.000 Mitgliedern [der DVU-Vorsitzende Dr. FREY nennt h\u00f6here Zahlen] und die \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) mit 5.000 Mitgliedern. Unmittelbar nach \u00d6ffnung der Grenzen versuchten NPD und DVU mit gro\u00dfem propagandistischen Aufwand, Anh\u00e4nger in der damaligen DDR zu gewinnen. Die Hoffnung, den schwindenden Einflu\u00df in Westdeutschland durch erhebliche Zugewinne in Ostdeutschland ausgleichen zu k\u00f6nnen, erf\u00fcllten sich jedoch nicht. Lediglich die DVU konnte in den neuen Bundesl\u00e4ndern Mitgliederzuw\u00e4chse verbuchen. Nach einer Phase der politischen Lethargie bem\u00fchten sich die Landesverb\u00e4nde Berlin-Brandenburg der NPD und der DVU vor dem Hintergrund der Wahlerfolge von Rechtsextremisten bzw. -radikalen in Bremen, BadenW\u00fcrttemberg und Schleswig-Holstein, ihre in Berlin bedeutungslosen Positionen zu \u00fcberwinden. Praktische Erfolge sind jedoch bisher ausgeblieben.","Gewalttaten mit vermutetem oder erwiesenem rechtsextremistischen Hintergrund in Berlin Gesamt: 92 (Ost 60 / West 32)","2 - Politischer Extremismus - 91 Die von unzufriedenen Mitgliedern aus NPD und \"Republikanern\"* gegr\u00fcndete \"Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat\", die sich selbst als neue rechte Sammlungspartei versteht, bildete am 8. Februar 1992 einen Landesverband in Berlin-Brandenburg. Im September 1991 gr\u00fcndeten Angeh\u00f6rige der NPD, der Deutschen Liga, der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) sowie der \"Republikaner\"* die \"Freiheitliche W\u00e4hlergemeinschaft 'Wir sind das Volk'\" (WSDV), die unter dem Namen \"Die Nationalen\" als W\u00e4hlergemeinschaft an den Wahlen zu den Berliner Bezirksverordnetenversammlungen (BW) im Mai 1992 teilnahm und in den neun Berliner Bezirken, in denen sie sich zur Wahl stellte, zwischen 0,16 % und 0,69 % der abgegebenen g\u00fcltigen Stimmen erhielt. Zusammen weisen diese vier Organisationen in Berlin nominell \u00fcber 1.000 Mitglieder auf, doch ist nur ein geringer Teil der Mitglieder tats\u00e4chlich aktiv. Mit der Gr\u00fcndung neuer rechtsextremistischer Organisationen (\"Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat\" und \"Die Nationalen e.V.\") in Berlin trat eine weitere Zersplitterung des \"nationalistischen\" Lagers ein, die die politische Bedeutung der \"nationalfreiheitlichen\"/\"nationaldemokratischen\" Organisationen in der Stadt eher schw\u00e4chen als st\u00e4rken d\u00fcrfte. 2.2.4.1 \"Deutsche Volksunion\" (DVU) Die 1971 von dem Verleger der rechtsextremistischen \"Deutschen Nationalzeitung\", Dr. Gerhard FREY, gegr\u00fcndete mitgliederst\u00e4rkste rechtsextremistische Vereinigung organisierte sich erst 1987 als Partei. Die hohe Zahl von \u00fcber 700 (nominellen) Mitgliedern - die tats\u00e4chliche Zahl d\u00fcrfte erheblich niedriger sein - allein im Landesverband BerlinBrandenburg l\u00e4\u00dft keine R\u00fcckschl\u00fcsse auf den Umfang der Parteiaktivit\u00e4ten Nach den Angaben des Verfahrensbevollm\u00e4chtigten in dem Verwaltungsstreitverfahren der Partei \"Die Republikaner\" gegen das Land Berlin im Sommer 1993, mit dem die Partei das Ziel verfolgte, dem LfV Berlin zu untersagen, die \"Republikaner\" im Verfassungsschutzbericht 1992 als rechtsextremistische Partei zu bezeichnen und \u00fcber sie zu berichten, handelte es sich ausschlie\u00dflich um ehemalige Mitglieder dieser Partei.","92 2 - Politischer Extremismus - zu: von den Mitgliedern wird in der Regel au\u00dfer der Zahlung monatlicher Beitr\u00e4ge und dem Abonnement FREY'scher Zeitungen keine weitere Aktivit\u00e4t erwartet, so da\u00df die DVU im wesentlichen eine Institution zur finanziellen und ideellen Unterst\u00fctzung der Interessen ihres Mentors ist. Die f\u00f6rmliche Ausdehnung der Berliner DVU auf das Land Brandenburg durch Gr\u00fcndung eines gemeinsamen Landesverbandes am 23. M\u00e4rz 1991 hat nicht zu einer Steigerung der Aktivit\u00e4ten gef\u00fchrt und stie\u00df bisher auch nur auf geringe Resonanz. Die Berliner DVU verzichtete denn auch auf eine Beteiligung an den Wahlen zu den Berliner Bezirksverordnetenversammlungen (BW) im Mai 1992. Obwohl die \"Deutsche Volksunion\" (DVU) weiterhin bem\u00fcht ist, durch Gr\u00fcndung neuer Landesverb\u00e4nde und durch medienwirksame Auftritte ihres Bundesvorsitzenden Dr. FREY Aufmerksamtkeit zu erzeugen, ist es zu den geplanten Gr\u00fcndungen von selbst\u00e4ndigen Landesund Kreisverb\u00e4nden in Berlin und Brandenburg bisher - mit Ausnahme der Gr\u00fcndung des DVUKreisverbandes in Schwedt/Oder am 25. April 1992 - nicht gekommen. Die im Rahmen einer Veranstaltung mit Dr. FREY in K\u00f6nigs Wusterhausen geplante Gr\u00fcndung eines eigenst\u00e4ndigen DVU-Landesverbandes Brandenburg konnte nicht vollzogen werden, da die Veranstaltung wegen bef\u00fcrchteter Auseinandersetzungen mit politischen Gegnern polizeilich verboten und auf die Durchf\u00fchrung einer Ersatzveranstaltung angesichts der geringen Beteiligung verzichtet wurde. 2.2.4.2 \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) Die 1964 gegr\u00fcndete NPD befindet sich bundesweit weiterhin in einem Tief. Die Partei verf\u00fcgt insgesamt nur noch \u00fcber etwa 5.000 Mitglieder (1991: 6.100). Durch das schlechte Abschneiden bei den Landtagswahlen in BadenW\u00fcrttemberg im April 1992 (0,9 %) geriet die NPD wiederum in eine finanzielle Notlage, da sie Wahlkampfkostenvorauszahlungen in H\u00f6he von etwa 1,2 Millionen DM zur\u00fcckerstatten mu\u00df. Die fortbestehenden personellen und materiellen Unzul\u00e4nglichkeiten erschweren eine geregelte Parteiarbeit.","2 - Politischer Extremismus - 93 So war auch die NPD im Bereich Berlin-Brandenburg bisher nicht in der Lage, ihre personellen und finanziellen Schwierigkeiten zu \u00fcberwinden. Nach der Schaffung des Landesverbandes Berlin-Brandenburg am 15. Juni 1991 stieg die Mitgliederzahl zwar auf 200 an, ging jedoch bis Ende 1992 auf 175 Personen zur\u00fcck. Auch ist es dem NPD-Landesverband BerlinBrandenburg bisher nicht gelungen, in Brandenburg funktionierende Organisationseinheiten zu bilden. Dar\u00fcber hinaus gingen die Aktivit\u00e4ten in Berlin merklich zur\u00fcck. So organisierte der Landesverband Berlin-Brandenburg 1992 nur noch zwei Veranstaltungen, die von 35 bzw. 30 Personen besucht wurden. An dem traditionellen \"Deutschlandtreffen\" der NPD, das am 3. Oktober 1992 in Arnstadt (Th\u00fcringen) stattfand, sollen sich etwa 30 Mitglieder des hiesigen Landesverbandes beteiligt haben. Gro\u00dfe Hoffnungen setzte der NPD-Landesverband auf die Beteiligung an den Wahlen zu den Berliner Bezirksverordnetenversammlungen (BW) am 24. Mai 1992, zu denen er gemeinsam mit anderen Rechtsextremisten - darunter auch Neonazis - unter dem Dach der W\u00e4hlergemeinschaft \"Die Nationalen\" antrat. Mit einem Wahlergebnis, das f\u00fcr \"Die Nationalen\" in den einzelnen Bezirken zwischen 0,16 % und 0,69 % lag, gelang es der NPD jedoch wiederum nicht, aus ihrer politischen Bedeutungslosigkeit herauszutreten. Auf dem am 12. September 1992 in Berlin abgehaltenen ordentlichen Landesparteitag der NPD Berlin-Brandenburg wurde der nicht mehr kandidierende Landesvorsitzende Lutz REICHEL von dem fr\u00fcheren Bundesvorsitzenden der NPD-Jugendorganisation \"Junge Nationaldemokraten\" (JN), Thilo KABUS, abgel\u00f6st. 2.2.4.2.1 \"Junge Nationaldemokraten\" (JN) Die Aktivit\u00e4ten des aus etwa 15 Personen bestehenden Landesverbandes Berlin-Brandenburg der JN beschr\u00e4nkten sich 1992 allein auf die Herausgabe der viertelj\u00e4hrlich erscheinenden Jugendzeitschrift \"Denkzettel\".","94 2 - Politischer Extremismus - 2.2.4.3 \"Die Nationalen e.V.1' Seit Mitte 1991 stellten in Berlin vertretene rechtsextremistische und neonazistische Parteien und Gruppierungen \u00dcberlegungen hinsichtlich einer Teilnahme an den Wahlen zu den Berliner Bezirksverordnetenversammlungen (BW) am 24. Mai 1992 an. In realistischer Einsch\u00e4tzung der geringen Erfolgsaussichten im Falle einer jeweils eigenst\u00e4ndigen Kandidatur gr\u00fcndeten am 3. September 1991 Angeh\u00f6rige der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD), der rechtsextremistischen \"Deutschen Liga f\u00fcr Volk und Heimat\" (Deutsche Liga) und der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) die \"Freiheitliche W\u00e4hlergemeinschaft 'Wir sind das Volk'\" (WSDV). An der Gr\u00fcndung beteiligten sich auch Mitglieder der Partei \"Die Republikaner\" (REP)*. In ihrer Satzung vom September 1991 (\"Lichtenberger Erkl\u00e4rung\") bezeichnete sich die \"W\u00e4hlergemeinschaft\" als eine von bestehenden Parteien entt\u00e4uschte Gemeinschaft deutscher W\u00e4hler im Land Brandenburg und in Berlin und erkl\u00e4rte u.a., in Zukunft auch bei Landtagswahlen und den Wahlen zum Abgeordnetenhaus zu kandidieren. Seit dem 28. August 1992 ist die Vereinigung unter ihrem jetzigen, seit Januar 1992 gef\u00fchrten Namen \"Die Nationalen\" im Vereinsregister beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg eingetragen. Anl\u00e4\u00dflich der Wahien zu den Berliner Bezirksverordnetenversammlungen (BW) im Mai 1992 bewarben sich f\u00fcr die \"W\u00e4hlergemeinschaft\" 46 Kandidaten in neun Bezirken um Mandate. \"Die Nationalen\" errangen in den \u00f6stlichen Bezirken Lichtenberg 339 (0,46 %), Treptow 153 (0,29 %), Marzahn 235 (0,38 %) und Pankow 132 (0,26 %) und in den westlichen Bezirken Wedding 402 (0,69 %), Spandau 167 (0,16 %), Tempelhof 358 (0,38 %), Neuk\u00f6lln 453 (0,35 %), Reinickendorf 244 (0,19 %), der abgegebenen g\u00fcltigen Stimmen. siehe Fu\u00dfnote zu 2.2.4, S. 86","2 - Politischer Extremismus - 95 Trotz dieses entt\u00e4uschenden Abschneidens setzten die \"Nationalen\" ihre politische Arbeit \u00fcber den Wahltag hinaus fort und ver\u00f6ffentlichten in den Monaten Juli, Oktober und November 1992 ihr Mitteilungsblatt \"Berlin-Brandenburger\". Mit der Gr\u00fcndung des Kreisverbandes Berlin-S\u00fcdost im August 1992 versuchten \"Die Nationalen\", ihre personelle und organisatorische Basis zu stabilisieren. Nach nicht best\u00e4tigten Informationen sollen den \"Nationalen\" etwa 50 Personen angeh\u00f6ren. 2.2.4.4 \"Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat\" (Deutsche Liga) Die ausgebliebenen Wahlerfolge der NPD und der damalige Niedergang der Partei \"Die Republikaner\" (Rep) f\u00fchrten bei beiden Organisationen 1990/91 zu einer Austrittsbewegung. Dissidenten um den ehemaligen NPD-Vorsitzenden MU\u00dfGNUG und den ehemaligen Rep-Funktion\u00e4r NEUBAUER bildeten unter der Bezeichnung \"Deutsche Allianz-Vereinigte Rechte\" einen Zusammenschlu\u00df, um eine neue rechte Sammlungspartei ins Leben zu rufen. Unter ihrem jetzigen Namen \"Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat\" konstituierte sich die Formation am 3. Oktober 1991 in Villingen-Schwenningen als Partei, die wegen der bef\u00fcrchteten Konkurrenz von anderen Parteien der \"Alten Rechten\" (NPD, DVU) abgelehnt wird. Der \"Deutschen Liga\" geh\u00f6ren bundesweit etwa 800 Mitglieder an. Am 8. Februar 1992 wurde auf einem von 80 Teilnehmern besuchten Gr\u00fcndungsparteitag der Landesverband Berlin-Brandenburg der \"Deutschen Liga\" ins Leben gerufen; zum Landesvorsitzenden wurde der ehemalige stellvertretende Landesvorsitzende der \"Republikaner\", Frank SCHWERDT, gew\u00e4hlt. Dem hiesigen Landesverband sollen 140 Mitglieder angeh\u00f6ren. \u00dcberregionales Aufsehen erregte im Fr\u00fchjahr 1992 die Ermordung eines f\u00fchrenden Funktion\u00e4rs der Partei. Am 4. April 1992 wurde das Vorstandsmitglied der \"Deutschen Liga\" Berlin-Brandenburg, Gerhard KAINDL, in einem Kreuzberger Restaurant bei einem \u00dcberfall von noch unbekannten Vermummten - nach Zeugenaussagen Ausl\u00e4nder - erstochen. Die T\u00e4ter werden unter Angeh\u00f6rigen der militanten \"Antifa\"-Bewegung vermutet.","96 2 - Politischer Extremismus - Geplant gewesene spektakul\u00e4re Aktionen der \"Deutschen Liga\" im Vorfeld der Wahlen zu den Berliner Bezirksverordnetenversammlungen, an denen sie sich unter dem Dach der W\u00e4hlergemeinschaft \"Die Nationalen\" beteiligte, wie eine Wahlkundgebung mit dem \"Revisionisten\" David IRVING in BerlinKarlshorst und eine demonstrative Aktion vor dem Geb\u00e4ude der J\u00fcdischen Gemeinde zu Berlin, wurden von der Polizei wegen bef\u00fcrchteter Ausschreitungen verboten. 2.2.5 Sonstige rechtsextremistische Organisationen 2.2.5.1 \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e.V.\" Die fr\u00fchere \"Deutsche Kulturgemeinschaft Berlin\" ist seit Jahren ein Sammelbecken f\u00fcr das gesamte rechtsextremistische Spektrum Berlins von der NPD bis hin zu eindeutig neonazistischen Gruppen. Zu Gro\u00dfveranstaltungen der Gemeinschaft, der etwa 20 Mitglieder angeh\u00f6ren, erscheinen regelm\u00e4\u00dfig Hunderte von Rechtsextremisten aus allen Teilen des Bundesgebietes; die Vortragsveranstaltungen, auf denen prominente Referenten der rechtsextremistischen Szene auftreten, werden durchschnittlich von etwa 60 Zuh\u00f6rern besucht. H\u00f6hepunkt ihrer Aktivit\u00e4ten ist allj\u00e4hrlich seit dem Fall der Mauer ein gemeinsam mit der \"Wiking-Jugend e.V.\" (WJ) und der \"Nationalistischen Front\" (NF) auf dem Soldatenfriedhof in Halbe (Kreis K\u00f6nigs Wusterhausen, Brandenburg) veranstalteter \"Heldengedenktag\", an dem sich 1991 etwa 500 Rechtsextremisten, darunter auch Gesinnungsgenossen aus Belgien, Frankreich, Spanien und den Niederlanden, beteiligt hatten. Die Veranstaltungen der \"Kulturgemeinschaft\" haben mit dem demonstrativen Auftreten inund ausl\u00e4ndischer Neonazis das besondere \"Interesse\" iinksextremistischer militanter \"Antifaschisten\" gefunden. So \u00fcberfielen am 21. Februar 1992 etwa 20 teilweise vermummte Autonome Teilnehmer einer Veranstaltung der \"Kulturgemeinschaft\", schlugen mit Eisenstangen und Holzlatten auf die \"Faschos\" ein und verletzten dabei f\u00fcnf Personen.","2 - Politischer Extremismus - 97 Die von der \"Kulturgemeinschaft\" f\u00fcr den 15. November 1992 angemeldete \"Heldengedenkfeier\" auf dem Soldatenfriedhof in Halbe wurde vom Polizeipr\u00e4sidenten in Potsdam mit Verf\u00fcgung vom 2. November verboten. Das Verwaltungsgericht Potsdam best\u00e4tigte in zweiter Instanz das Verbot der Polizei dieser f\u00fcr den Volkstrauertag geplanten Veranstaltung sowie die polizeiliche Verbotsverf\u00fcgung gegen eine beabsichtigte Gegendemonstration linker Gruppen in Halbe. Versuche einzelner Gruppen von Neonazis und anderer Rechtsextremisten, trotz des Verbots am 15. November nach Halbe zu gelangen, wurden aufgrund polizeilicher Ma\u00dfnahmen bereits im Vorfeld verhindert. Dennoch gelang es Angeh\u00f6rigen der neonazistischen Organisationen \"Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei\" (FAP), \"Nationalistische Front\" (NF), \"Nationale Offensive\" (NO), \"Wiking-Jugend e.V.\" (WJ), \"Deutsche Alternative\" (DA) sowie NPD-Anh\u00e4ngern, kurzfristig \"Gedenkveranstaltungen\" an Ausweichorten im Land Brandenburg durchzuf\u00fchren. So versammelten sich etwa 500 Angeh\u00f6rige der genannten rechtsextremistischen Organisationen auf dem Marktplatz in Gol\u00dfen (Kreis Luckau) und fuhren im Konvoi in das nahegelegene Waldow (Kreis L\u00fcbben). Vor dem dortigen Kriegerdenkmal fanden sich noch insgesamt 250 Personen ein, die an einer von dem WJ-Bundesf\u00fchrer Wolfram NAHRATH geleiteten Ersatzveranstaltung mit Kranzniederlegung und Fanfarenspiel teilnahmen. Unabh\u00e4ngig davon versammelten sich etwa 50 NF-Anh\u00e4nger aus Berlin und Umgebung sowie Angeh\u00f6rige der FAP in uniform\u00e4hnlicher Kleidung auf dem Waldfriedhof in Stahnsdorf (Kreis Potsdam), wo unter F\u00fchrung des fr\u00fcheren stellvertretenden Bundesvorsitzenden der NF, Andreas POHL, ebenfalls eine Kranzniederlegung stattfand. Vertreter der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e.V.\" waren unter Beachtung des Versammlungsverbots bei keiner der beiden Ersatzveranstaltungen anwesend. Trotz eines gro\u00dfen Polizeiaufgebots in und um Halbe kam es zu vereinzelten Zusammenst\u00f6\u00dfen von Rechtsextremisten und Autonomen. Anl\u00e4\u00dflich polizeilicher Kontrollen wurden etwa 40 Personen vor\u00fcbergehend festgenommen; bei ihnen wurden u.a. Schlagringe und Messer sichergestellt.","98 2 - Politischer Extremismus - 2.2.6 Gesetzesverletzungen mit rechtsextremistischem Hintergrund Die Zahl der f\u00fcr das Jahr 1992 bekanntgewordenen Gesetzesverletzungen mit erkennbarem oder vermutetem rechtsextremistischen Hintergrund in Berlin ist gegen\u00fcber dem Vorjahr von 389 auf 475 angestiegen. [Anmerkung: Es ist zu ber\u00fccksichtigen, da\u00df es sich bei den in diesem Abschnitt angef\u00fchrten Zahlen nur um die dem LfV Berlin bekanntgewordenen Gesetzesverletzungen handelt. Dar\u00fcber hinaus ist von einer Dunkelziffer unbekannter Gr\u00f6\u00dfe auszugehen, da erfahrungsgem\u00e4\u00df eine Vielzahl von entsprechenden F\u00e4llen nicht angezeigt wird oder der politische Hintergrund nicht unmittelbar erkennbar ist. Die Zahlenangaben f\u00fcr 1992 sind zudem nur bedingt mit denen des Jahres 1991 vergleichbar, da 1992 im Unterschied zu den Vorjahren nicht mehr die im Berichtszeitraum bekanntgewordenen, sondern nur noch die vom 01.01. -31.12. tats\u00e4chlich vorgefallenen Gesetzesverletzungen gez\u00e4hlt wurden.] Besonders auff\u00e4llig ist die hohe Zahl von rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten gegen Personen und Sachen, die von 57 im Jahr 1991 auf 92 im Berichtszeitraum angestiegen ist. 60 (65 %) aller bekanntgewordenen Gewalttaten wurden in den \u00f6stlichen Bezirken Berlins ver\u00fcbt. Fast 2/3 der Gewalttaten richteten sich gegen Ausl\u00e4nder, Asylantenunterk\u00fcnfte und Wohnheime, in denen Ausl\u00e4nder untergebracht sind. Von den 92 im Jahr 1992 bekanntgewordenen Gewalttaten mit erkennbarem oder vermutetem rechtsextremistischen Hintergrund-sind sechs Vorf\u00e4lle mit K\u00f6rperverletzung bis hin zum Totschlag besonders hervorzuheben: 1. Offensichtlich aus Gr\u00fcnden rassistisch motivierter Ausl\u00e4nderfeindlichkeit griffen vier Skinheads am 4. Februar 1992 in Berlin-Neuk\u00f6lln einen t\u00fcrkischen Staatsangeh\u00f6rigen und seine schwangere Freundin an. Der t\u00fcrkische Staatsangeh\u00f6rige wurde niedergeschlagen und beraubt. 2. Sechs unbekannt gebliebene Skinheads bel\u00e4stigten am 7. M\u00e4rz 1992 eine 70j\u00e4hrige Frau auf dem U-Bahnhof Bismarckstra\u00dfe (BerlinCharlottenburg). Ein der Frau zu Hilfe kommender T\u00fcrke wurde mit einem Baseballschl\u00e4ger zusammengeschlagen und mit einer Rasierklinge am Arm verletzt.","2 - Politischer Extremismus - 99 3. Am 24. April 1992 wurde ein Vietnamese von einem - nach eigenen Angaben der rechtsextremistischen DVU nahestehenden - 21j\u00e4hrigen in Berlin-Marzahn im Verlauf einer von dem T\u00e4ter provozierten Auseinandersetzung mit einer Gruppe vietnamesischer Zigarettenverk\u00e4ufer erstochen. [Anmerkung: Der T\u00e4ter wurde am 8. Oktober 1992 in erster Instanz wegen K\u00f6rperverletzung mit Todesfolge zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt.] 4. Offensichtlich aus Gr\u00fcnden rassistisch motivierter Ausl\u00e4nderfeindlichkeit wurde eine farbige deutsche Frau in Berlin-Marzahn angegriffen. Die Frau wurde durch Fu\u00dftritte und Faustschl\u00e4ge schwer mi\u00dfhandelt. 5. Am 29. August 1992 erschlugen zwei Skinheads in alkoholisiertem Zustand einen Stadtstreicher in Berlin-Charlottenburg. Die T\u00e4ter waren, nachdem sie sich auf einem Spielplatz mit Ausl\u00e4ndern verbal auseinandergesetzt hatten, nach Hause gegangen. In der Absicht, die Ausl\u00e4nder zu vertreiben, kamen sie mit einem Baseballschl\u00e4ger bewaffnet zur\u00fcck. Da die Ausl\u00e4nder sich jedoch bereits entfernt hatten, mi\u00dfhandelten die T\u00e4ter zwei auf dem Spielplatz aufh\u00e4ltliche Stadtstreicher. Einer der Stadtstreicher erlag seinen schweren Verletzungen. [Anmerkung: Einer der T\u00e4ter ist als Neonazi bekannt und vermutlich Anh\u00e4nger des \"Ku-Klux-Klan\" (KKK); am 22.' Februar 1993 wurde er wegen K\u00f6rperverletzung mit Todesfolge zu einer Freiheitstrafe von sechs Jahren verurteilt.] 6. Am 14. November 1992 forderten drei unbekannte Skinheads in Berlin-Kaulsdorf einen nicht im Dienst befindlichen Polizeibeamten auf, \"Heil Hitler\" zu rufen. Als der Beamte dieser Aufforderung nicht nachkam, wurde er mit einer Pistole bedroht und schlie\u00dflich niedergeschlagen. Die Zahl der im Berichtszeitraum registrierten fremdenfeindlich motivierten Vorf\u00e4lle betrug \u00fcber 180; davon waren 67 mit Gewalt verbunden.","100 2 - Politischer Extremismus - F\u00fcr 1992 wurden 63 antisemitische Vorf\u00e4lle festgestellt. In acht F\u00e4llen handelte es sich um Gewalttaten, von denen drei besonders hervorzuheben sind. 1. Das Mahnmal zum Gedenken an die Deportation Berliner Juden im \"Dritten Reich\" auf der Putlitzbr\u00fccke in Berlin-Tiergarten war am 30. August 1992 Ziel eines Sprengstoffanschlages. Durch die Wucht der Detonation wurde die schwere Granitplatte des Mahnmals verschoben und eine St\u00fctze weggerissen. Die Polizei konnte die T\u00e4ter ermitteln. Ihnen wird auch der Sprengstoffanschlag am 17. Juni 1992 auf ein Asylbewerberwohnheim in Berlin-Wedding angelastet. [Anmerkung: Die T\u00e4ter wurden am 17. M\u00e4rz 1993 wegen der beiden Sprengstoffanschl\u00e4ge zu Freiheitsstrafen von f\u00fcnf Jahren und neun Monaten bzw. von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt.] 2. Unbekannte T\u00e4ter ver\u00fcbten am 9. Oktober 1992 einen Brandanschlag auf das j\u00fcdische Mahnmal in der Levetzowstra\u00dfe in Berlin-Tiergarten. 3. Die Grabst\u00e4tte der Familie des ehemaligen Reichsau\u00dfenministers Walther RATHENAU auf dem Waldfriedhof in Berlin-Obersch\u00f6neweide wurde am 13. Dezember 1992 von Unbekannten gesch\u00e4ndet. Die T\u00e4ter beschmierten den Grabstein mit antisemitischen Parolen und Hakenkreuzen. 17 Vorf\u00e4lle erf\u00fcllten den Straftatbestand der Beleidigung auf antisemitischer Grundlage, der Volksverhetzung oder Bedrohung. Mit antisemitischem Bezug wurden 38 Schmier-, Klebeund Verteilaktionen festgestellt. 31 Vorf\u00e4lle richteten sich gegen \"Linke\". Neben zehn Gewalttaten, darunter drei Brandanschl\u00e4ge, handelte es sich vorwiegend um Schmierund Klebeaktionen. Berlin nimmt in der bundesweiten Statistik der Gewalttaten mit erkennbarem oder vermutetem rechtsextremistischen Hintergrund insgesamt eine hintere Position (11), bei den K\u00f6rperverletzungen den f\u00fcnften Platz ein. Die meisten Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge wurden in den alten Bundesl\u00e4ndern in","2 - Politischer Extremismus - 101 Nordrhein-Westfalen (132), Baden-W\u00fcrttemberg (95) und Niedersachsen (73) ver\u00fcbt; von den neuen Bundesl\u00e4ndern sind vor allem Brandenburg (55), Sachsen (50) und Sachsen-Anhalt (44) zu nennen. In Berlin waren im Jahr 1992 22 derartige Anschl\u00e4ge zu verzeichnen. Bei 78 rechtsextremistischen Gesetzesverst\u00f6\u00dfen des Jahres 1992 wurden insgesamt 199 T\u00e4ter bzw. Tatverd\u00e4chtige namentlich festgestellt. Im einzelnen stellt sich deren Altersstruktur wie folgt dar: Altersstruktur der T\u00e4ter bzw. Tatverd\u00e4chtigen Alter Anzahl unter 18 36 18-25 135 26-35 25 36-45 2 \u00fcber 46 1 Gesamtzahl 199","102 2 - Politischer Extremismus - Rechtsextremistisch motivierte Gewalttaten 1992 1991 Gesamtzahl der Gewalttaten gegen 92 57 Personen/Sachen Gewalttaten gegen Personen 45 32 davon T\u00f6tungsdelikte 2 - Angriffe gegen vermeintl./ tats\u00e4chl. polit. Gegner 10 4 Sprengstoffanschl\u00e4ge 3 - Brandanschl\u00e4ge 19 9 Sachbesch\u00e4digungen (soweit nicht Brandoder 29 9 Sprengstoffanschlage) Antisemitisch motivierte Gewalttaten 8 - Fremdenfeindl. motivierte Gewalttaten 67 35 Anmerkung: Wegen der Aufschl\u00fcsselung der Gesamtzahl der Gewalttaten nach Tatart, Tatmittel, Tatmotiv kommt es zu Mehrfachnennungen (z.B. wird ein Brandanschlag gegen ein Asylbeweberheim, bei dem Personen verletzt werden, in drei Kategorien erfa\u00dft), so da\u00df die Gesamtzahl der Gewalttaten niedriger ist als die Summe der in den einzelnen Sparten aufgef\u00fchrten Zahlen.","2 - Politischer Extremismus - 103 2.2.7 Ausblick Auch wenn die seit dem Sp\u00e4tsommer 1991 sich entwickelnde Welle ausl\u00e4nderfeindlich motivierter Gewalt, die durch die Namen Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen repr\u00e4sentiert wird und die Anla\u00df zu tiefer Sorge im lnund Ausland bot, sich seit dem Jahresende 1992 deutlich abgeschw\u00e4cht hat, kann von einem Ende der rechtsextremistischen Gewalt noch keine Rede sein. Neonazis und andere Rechtsextremisten werden auch weiterhin versuchen, Fremdenfeindlichkeit zu sch\u00fcren und in der Bev\u00f6lkerung vorhandene \u00c4ngste und Ressentiments f\u00fcr ihre politischen Ziele auszunutzen. Gerade in Berlin und in den neuen Bundesl\u00e4ndern finden Rechtsextremisten durch die sp\u00fcrbar werdenden wirtschaftlichen und sozialen Probleme bei der Angleichung der Lebensverh\u00e4ltnisse in den alten und den neuen Bundesl\u00e4ndern Ansatzpunkte f\u00fcr ihre aggressive Agitation, indem sie Asylproblematik, Wohnungsnot, Arbeitslosigkeit und Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t in einen Topf werfen und einfache L\u00f6sungen mit Parolen wie \"Ausl\u00e4nder raus\" und \"Deutschland den Deutschen\" anbieten. Auf der anderen Seite hat die Welle rechtsextremistischer Gewalt, die im Jahr 1992 einen kaum noch zu \u00fcbertreffenden brutalen H\u00f6hepunkt erreicht hat, die schweigende Mehrheit aufger\u00fcttelt und auch an den Orten der Gewalt anscheinend zu einem Umdenken bei vielen vor kurzem noch beifallklatschenden Menschen gef\u00fchrt. Die vielfachen Aktivit\u00e4ten, in denen Hunderttausende ihre Ablehnung von Gewalt und Fremdenha\u00df zum Ausdruck brachten und den fatalen Eindruck eines stillschweigenden Einverst\u00e4ndnisses der \"schweigenden Mehrheit\" mit den Gewaltexzessen korrigierten, bieten zusammen mit dem entschiedenen Einsatz staatlicher Machtmittel gegen politische Gewaltt\u00e4ter die Chance, die rechtsextremistisch motivierte Gewalt nachhaltig einzud\u00e4mmen. Da nach den Erkenntnissen der Sicherheitsbeh\u00f6rden nichts f\u00fcr eine zentrale (\u00fcberregionale) Steuerung der rechtsextremistischen Gewalttaten spricht, w\u00e4re es allerdings ein Trugschlu\u00df zu glauben, der festzustellende R\u00fcckgang der Gewalttaten seit Dezember 1992 sei auf die Ende des Jahres","104 2 - Politischer Extremismus - ausgesprochenen Organisationsverbote von NF, DA und NO zur\u00fcckzuf\u00fchren. Organisationsverbote allein reichen nicht aus, um den Rechtsextremisten entscheidend Einhalt zu gebieten; sie setzen jedoch ein un\u00fcbersehbares Zeichen nach Innen und nach Au\u00dfen und f\u00fchren zu (vor\u00fcbergehender) Verunsicherung bei den Betroffenen. Hartgesottene Neonazis schrecken Verbote jedoch nicht ab, sie suchen sich neue politische Agitationsfelder oder tauchen gar in der Illegalit\u00e4t unter. In ihrer extremistischen Einstellung (noch) nicht gefestigte junge Anh\u00e4nger und Sympathisanten k\u00f6nnten jedoch durch Organisationsverbote von einer weiteren Zuwendung zum Neonationalsozialismus abgehalten werden. Anla\u00df zu weiterer Sorge bereitet die zunehmende Eskalation der Gewalt zwischen Linksund Rechtsextremisten. Als Reaktion auf den \"antifaschistischen Kampf\" militanter Linksextremisten, der auch gezielte Angriffe auf \"prominente\" Neonazis, wie auf den nieders\u00e4chsischen FAP-F\u00fchrer Thorsten HEISE und den Berliner Neonazi-Funktion\u00e4r Arnulf-Winfried PRIEM, sowie die Ermordung des Funktion\u00e4rs der \"Deutschen Liga\" Gerhard KAINDL, einschlie\u00dft, wurde im neonazistischen Lager - vor allem im Umkreis von FAP, DA, NF und der Hamburger \"Nationalen Liste\" (NL)'begonnen, das \"Nationale Lager\" f\u00fcr eine \"Anti-AntifaArbeit\" zusammenzufassen. Dieser Versuch einer organisierten Gewaltstrategie gegen \"Links\" d\u00fcrfte auch in Zukunft fortgesetzt werden. Entsprechend der bei \"Antifa\"-Gruppen seit Jahren \u00fcblichen Praxis, Namen, Adressen und Fotos \"prominenter Faschos\" zu ver\u00f6ffentlichen und sie damit gewisserma\u00dfen \"zum Abschu\u00df freizugeben\", tr\u00e4gt man in Neonazigruppen seit geraumer Zeit systematisch Informationen \u00fcber erkannte Gegner zusammen. In einer Presseerkl\u00e4rung der \"Anti-Antifa-Bonn\", die Ende September 1992 an Abgeordnete des Deutschen Bundestages versandt wurde, hei\u00dft es dazu: Wir werden es nicht mehr weiter hinnehmen, da\u00df man uns materiell und physisch so tangiert wie bisher. \u00dcber gewaltbereite Autonome,","2 - Politischer Extremismus - 105 b\u00fcrgerliche Antifaschisten, linke Medien oder Gegner \u00fcberhaupt werden wir k\u00fcnftig alle bekannten Daten speichern. Dabei bedient man sich - wie auch das linksextremistische \"Vorbild\" - modernster technischer Mittel wie Computer, Fax-Ger\u00e4te und Mobiltelefone. Die Gefahr gezielter Angriffe rechtsextremistischer Gewaltt\u00e4ter auf \"linke\" Einzelpersonen und Objekte und damit einer Eskalation der gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen zwischen Rechtsund Linksextremisten ist angesichts dieser Bestrebungen durchaus ernstzunehmen. Dies belegen u.a. zwei von unbekannten rechtsextremistischen Gewaltt\u00e4tern am 31. August 1992 und 12. Dezember 1992 in Berlin ver\u00fcbte Brandanschl\u00e4ge auf von \"Linken\" benutzte Einrichtungen. Dabei handelt es sich um ein besetztes Haus in Prenzlauer Berg sowie um einen Jugendclub in K\u00f6penick. Rechtsterroristische Organisationsstrukturen sind in Berlin gegenw\u00e4rtig nicht erkennbar. Allerdings sind mehrere Ermittlungsverfahren gem\u00e4\u00df SS 129 a und SS 129 StGB (Verdacht der Gr\u00fcndung einer terroristischen bzw. kriminellen Vereinigung), wie sie gegen Mitglieder der inzwischen verbotenen NF in Braunschweig, gegen den ehemaligen NF-Vorsitzenden SCH\u00d6NBORN wegen Aufbaus des \"Nationalen Einsatzkommandos\" (NEK) und gegen weitere Personen wegen der Gr\u00fcndung einer Teilorganisation des militant-rassistischen amerikanischen Geheimbundes \"Ku-Klux-Klan\" (KKK) auf deutschem Boden eingeleitet wurden, ein deutliches Warnzeichen. Wenngleich die aufgrund festgestellter Verbindungen nach Berlin hier gef\u00fchrten Ermittlungsverfahren inzwischen in wesentlichen Teilen eingestellt wurden, sind sie als un\u00fcbersehbare Hinweise zu verstehen, da\u00df \"Terrorismus von rechts\" auch in Berlin m\u00f6glich ist.","106 2 - Politischer Extremismus - 2.3 Sonderthema: Weitere Polarisierung zwischen Linksund Rechtsextremisten in Berlin 2.3.1 Linksextremistisch motivierter militanter \"Antifaschismus\" im Aufwind 2.3.1.1 Zunehmende Organisierung im \"Antifaschistischen Kampf\" Die im Jahre 1992 zu beobachtende bundesweite Zunahme ausl\u00e4nderfeindlicher \u00dcbergriffe lieferte dem linksextremistisch motivierten, haupts\u00e4chlich von Autonomen getragenen militanten \"Antifaschismus/Antirassismus\" auch in Berlin neue Nahrung. Dabei diente der von Autonomen, insbesondere seitens der ihnen zuzurechnenden militanten 'Antifa\"-Gruppenanh\u00e4nger, propagierte 'Antifaschistische Kampf\" nach Bekundungen Autonomer gleichzeitig als Hebel zur Vermittlung \"antiimperialistischer Politik\", als Vehikel zur erw\u00fcnschten Auseinandersetzung mit der Staatsmacht sowie als M\u00f6glichkeit, Jugendliche zu politisieren, die \"Zunahme revolution\u00e4rer antifaschistischer Gewalt\" zu f\u00f6rdern und die eigenen Strukturen \u00fcber die Organisierung dieses Kampfes zu verbessern. Insbesondere im Hinblick auf die Organisierung des militanten \"Antifaschistischen Kampfes\" und den Aufund Ausbau entsprechender Strukturen und Kommunikationsmittel stellt Berlin einen Drehund Angelpunkt dar. So wurde in Berlin bereits 1985 mit der Gr\u00fcndung einer \"Jugendgruppe gegen Faschismus und Rassismus\" eine der Keimzellen f\u00fcr den militanten Antifaschismus im gesamten Bundesgebiet gelegt. Diese Gruppe mit Kontaktadresse im Mehringhof in Berlin-Kreuzberg, Gneisenaustra\u00dfe 2 a, breitete sich sp\u00e4ter unter der Anleitung sog. Altautonomer als \"ANTIFA-JUGENDFRONT\" (AJF) \u00fcber das gesamte Bundesgebiet einschlie\u00dflich der neuen Bundesl\u00e4nder aus.","2 - Politischer Extremismus - 107 Unter der Kontaktadresse des Mehringhofs werden inzwischen auch die klandestin hergestellten \"Zentralorgane\" der bundesweiten militanten Antifaschismus-Bewegung vertrieben. Dazu z\u00e4hlen die Zeitschriften \"Antifa Jugendinfo\", \"ANTIFA jugendinfo berlin Latscher\" und \"Antifaschistisches Infoblatt\". Dar\u00fcber hinaus fungiert der Mehringhof als Kontaktadresse f\u00fcr die verdeckt arbeitende \"Antifa\"-Jugendgruppe \"Edelwei\u00df-Piraten\" und einen \"ANTIFAVERSAND\", der u.a. \"ANTIFA-KALENDER\", T-Shirts mit \"antifaschistischen Aufschriften\", Sticker, B\u00fccher und Brosch\u00fcren (u.a. \"TIPS und TRIX F\u00dcR ANTIFAS\") verbreitet. Unterst\u00fctzt wird die Organisierung der militanten \"Antifa\"-Bewegung auch durch das autonome Info-Blatt \"INTERIM\", das ebenfalls den Mehringhof als Kontaktadresse angibt. Als vorl\u00e4ufigen H\u00f6hepunkt der Organisierungswelle im \"Antifaschistischen Kampf\" riefen Berliner Autonome und \"Antifa\"-Gruppenanh\u00e4nger im Juli 1992 in Wuppertal gemeinsam mit Gleichgesinnten aus Bonn, Braunschweig, B\u00fcnde, Gifhorn, G\u00f6ttingen, Guben, Halle, K\u00f6ln, Mainz, Wiesbaden, M\u00fcnster, Passau und Wuppertal eine \"Antifaschistische Aktion/Bundesweite Organisation\" ins Leben, deren formelle Gr\u00fcndung f\u00fcr das Fr\u00fchjahr 1993 vorgesehen ist. Parallel dazu haben sich Autonome und militante \"Antifa\"-Gruppenanh\u00e4nger im Jahre 1992 vor allem \u00fcber sog. Infotelefone und Infol\u00e4den noch st\u00e4rker vernetzt. Neu ist dabei der Einsatz moderner Computertechnik im Zuge eines bundesweiten Informationssystems, das auch das europ\u00e4ische Ausland einbezieht und bis in die USA reicht. Dieses, \"Spinnennetz\" genannte, haupts\u00e4chlich von Infol\u00e4den auch mit St\u00fctzpunkten in Berlin getragene System erm\u00f6glicht den Zugriff auf neueste Informationen aus der linksextremistisch motivierten Gewaltszene und \u00fcbermittelt Ereignisberichte, Handlungsanleitungen und Aktionsund Demonstrationsaufrufe.","108 2 - Politischer Extremismus - Eine Gruppe \"Antifa Bites Berlin\" erl\u00e4uterte dazu in der Szene-Zeitung \"Weddinger Neueste Zeitung\" (Weihnachtsausgabe 1992): \"Wer Interesse hat an aktuellen Infos, Hintergrundnachrichten und/oder Diskussionsbeitr\u00e4gen aus dem Antifa-Bereich hat, sollte mal in einen unserer Ordner schauen. Diese befinden sich im Infoladen Daneben, Rigaer Str. 84 bzw. sp\u00e4ter Liebigstr. 34, Friedelhain und im Infoladen Omega, Sparrstr. 21, Wedding. Dort werden aktuelle Meldungen w\u00f6chentlich aus Mailboxen heraus abgeheftet... Wenn ihr Informationen \u00fcber Antifa-Aktionen, Veranstaltungen, Antifa-Mobilisierungen, Fascho-\u00dcbergriffe, Fascho-Strukturen und/oder anderes aus den Bereichen Antifa/Antirassismus habt, dann bitten wir Euch, diese uns zug\u00e4nglich zu machen ... Diese Mailboxarbeit hat f\u00fcr uns den Sinn einer informellen Vernetzung und des brdund dar\u00fcber hinaus weiten Infoaustausch. (Gegen-) Informationen sollen hierbei als Grundlage f\u00fcr linksradikale \u00d6ffentlichkeitsarbeit dienen.\" \"Antifa Bites Berlin\" stellt in diesem Zusammenhang noch einmal klar: \"Antifaschismus bedeutet in so einer offenkundigen Situation ('Die Brandstifter sitzen in Bonn') nicht nur den direkten Angriff gegen Faschisten, sondern ist zwangsl\u00e4ufig auch gegen den Staat gerichtet.\" 2.3.1.2 Anschwellen der Gewalttaten von Linksextremisten gegen Rechtsextremisten Den Ank\u00fcndigungen Autonomer, k\u00fcnftig \"systematischen Gegenterror gegen neonazistische und rassistische Gewalt und ihre Akteure\" im Zuge \"offensiver Militanz\" aus\u00fcben zu wollen (\"radikal\", Nr. 144 vom Oktober 1991), haben Berliner Autonome 1992 Taten folgen lassen. Die Palette des \"Gegenterrors\" reichte dabei von der Ausforschung von \"Fascho-Treffpunkten\", \"Fascho-Gruppen\" und \"Faschos\" und der Ver\u00f6ffentlichung der so gewonnenen Daten in Brosch\u00fcren, Szene-Zeitschriften und","2 - Politischer Extremismus - 109 \"Steckbriefen\" \u00fcber Aufrufe zur Gewaltanwendung gegen Verbreiter sog. NaziZeitungen, Gewaltaktionen gegen \"Nazi-Aufm\u00e4rsche\" und gezielten Anschl\u00e4gen und Angriffen auf erkannte oder vermeintliche Rechtsextremisten und ihre St\u00fctzpunkte bis hin zu einem t\u00f6dlichen Messerangriff auf den Funktion\u00e4r der rechtsextremistischen \"Deutschen Liga f\u00fcr Volk und Heimat\" (Deutsche Liga), Gerhard KAINDL Dabei hat sowohl die H\u00e4ufigkeit als auch die Brutalit\u00e4t solcher Aktionen gegen\u00fcber fr\u00fcheren Jahren erheblich zugenommen. Autonome und ihnen zuzurechnende militante \"Antifa\"-Gruppenanh\u00e4nger zeigten sich bei solchen Aktionen schwer bewaffnet, u.a. mit Baseballschl\u00e4gern, Eisenstangen, Molotowcocktails, einer Schrotflinte mit auswechselbarem Lauf, Schreckschu\u00dfpistolen mit pyrotechnischer Munition, Luftgewehren, Macheten, Messern und Steinen. H\u00e4ufig traten sie vermummt auf. Hervorzuheben ist, da\u00df die Akteure inzwischen nach dem Motto \"Schlagt die Glatzen, bis sie platzen\" sogar den Tod von Menschen billigend in Kauf nehmen. So ver\u00f6ffentlichte das Berliner autonome Info-Blatt \"INTERIM\" vom 16. April 1992 aus Anla\u00df des Todes von Gerhard KAINDL \"Gedanken zum Tod eines Faschisten\". Darin wird festgestellt: Zum erstenmal sei ein Nazi bei einer selbstbestimmten antifaschistischen Aktion ums Leben gekommen, ein Risiko, das jeder militante Angriff in sich berge. Trotzdem seien solche aktiven Angriffe unerl\u00e4\u00dflich. \"Antifaschistischer Selbstschutz\" bedeute nicht, erst dann an Gegenwehr zu denken, wenn man selber bedroht sei. Vielmehr m\u00fcsse man die Faschisten immer und \u00fcberall angreifen und ihre Strukturen zerst\u00f6ren. Da\u00df in einer direkten Konfrontation die M\u00f6glichkeit der T\u00f6tung eines Faschisten liege, sei ein tragbares Risiko. Eine Berliner \"Antifa\"-Gruppe richtete sogar an die RAF die Forderung, ihre Anschlagsziele zu verlagern und \"Fascho-F\u00fchrer\" zu liquidieren (\"INTERIM\" vom 16. Juli 1992). Die Zahl der bekanntgewordenen Aktionen gegen Rechtsextremisten bzw. vermeintliche Rechtsextremisten und ihre St\u00fctzpunkte hat sich in Berlin gegen\u00fcber dem Jahre 1991 (16) im Jahre 1992 mehr als vervierfacht (69).","110 2 - Politischer Extremismus - 2.3.2 Reaktionen rechtsextremistischer Organisationen auf Angriffe von Linksextremisten Die bundesweit st\u00e4ndig zunehmende Zahl t\u00e4tlicher Angriffe auf Angeh\u00f6rige des \"Nationalen Lagers\" hat in der rechtsextremistischen Szene nicht nur Beunruhigung hervorgerufen, sondern auch \u00dcberlegungen ausgel\u00f6st, wie man diesen Angriffen wirkungsvoll entgegentreten kann. Rechtsextremisten begannen im Herbst 1992 schlie\u00dflich auf ma\u00dfgebliche Initiative des Hamburger Funktion\u00e4rs der \"Nationalen Liste\" (NL), Christian WORCH, eine \"Anti-Antifa-Kampagne\". In einer \"Pressemitteilung\", die einer Abgeordneten des Deutschen Bundestages am 24. September 1992 durch die Post zuging, wurde in diesem Zusammenhang die Gr\u00fcndung einer \"Anti-Antifa-Bonn\" bekanntgegeben. In der Mitteilung hie\u00df es: Wir werden nicht mehr weiter hinnehmen, da\u00df man uns materiell und physisch so tangiert wie bisher. \u00dcber gewaltbereite Autonome, b\u00fcrgerliche Antifaschisten, linke Medien oder Gegner \u00fcberhaupt werden wir k\u00fcnftig alle Daten speichern. Ziel der \"Anti-Antifa-Kampagne\" sei es, den Gegner \"aus der Anonymit\u00e4t der Masse herauszurei\u00dfen und durch gezielte Feindaufkl\u00e4rung linken Angriffen vorzubeugen und diese zu verhindern\". Die Bonner \"Anti-Antifa\" begr\u00fcndete das Errichten einer solchen Organisation u.a. mit der Behauptung: \"Allein in den letzten zw\u00f6lf Monaten hat es mehr als drei\u00dfig (!) gewaltsame Angriffe auf Volkstreue Deutsche ... gegeben (...) Ein Bonner Kamerad wurde von mehr als zwanzig Messerstichen lebensgef\u00e4hrlich verletzt. Ein weiterer Kamerad wurde durch Schl\u00e4ge mit Baseballschl\u00e4gern so zugerichtet, da\u00df seine Sch\u00e4deldecke offenlag, Unmengen von Blut und Hirnmasse heraussickerte. Seit dieser Zeit besitzt unser Kamerad keinen Geruchsund Geschmackssinn mehr.\"","2 - Politischer Extremismus - 111 Auch in Berlin sind erste Bem\u00fchungen, eine \"Anti-Antifa\" aufzubauen, feststellbar. So propagierte der Vorsitzende des Landesverbands \"Reichshauptstadt\" der verbotenen \"Deutschen Alternative\" (DA), Arnulf-Winfried PRIEM, unter dem Motto \"ANTIfatzke in die ZWANGSJACKE!\" Aufkl\u00e4rungsma\u00dfnahmen gegen den politischen Gegner und forderte seine Anh\u00e4nger auf, Daten \u00fcber \"Antifa\"K\u00e4mpfer und ihre St\u00fctzpunkte zusammenzutragen. Ein \"erkannter Gegner\" sei nur ein \"halber Gegner\". Diesen k\u00f6nne man aus seiner Anonymit\u00e4t rei\u00dfen und auch \"besuchen\" und mit ihm \"diskutieren\". PRIEM setzte auch eine erste Anschriftenliste von Berliner \"Antifa\"-Trefforten und Propagandaaufkleber f\u00fcr eine \"Anti-Antifa\" in Umlauf. Die Gegenaktionen von Rechtsextremisten beschr\u00e4nkten sich 1992 in Berlin \u00fcberwiegend auf Schmierund Klebeaktionen mit Parolen wie \"Schlu\u00df mit dem roten Stra\u00dfenterror!\" und \"Rotfront verrecke!\" 2.3.3 Ausblick Schon der,steile Anstieg der Zahl der Aktionen von Linksextremisten gegen Rechtsextremisten in Berlin belegt, da\u00df die von Autonomen als notwendige \"antifaschistische Selbsthilfe\" deklarierte Gewalt gegen politische Gegner k\u00fcnftig zu einem Bedrohungsmoment f\u00fcr die innere Sicherheit werden k\u00f6nnte. Dies gilt um so mehr, als die Ans\u00e4tze zur \"Organisierung\" im \"Antifaschistischen Kampf\" im letzten Jahr vorangekommen sind und die offensive \"antifaschistische Selbsthilfe\" die bundesweite autonome Bewegung gest\u00e4rkt und ihr neuen Zulauf gebracht hat. Die Zahl der Autonomen ist in den letzten Monaten bundesweit kontinuierlich auf fast 5.000 und in Berlin von bisher 1.000 auf etwa 1.200 Personen gestiegen. Auch die nunmehr festzustellenden Bem\u00fchungen von Rechtsextremisten, ihre Organisationsdefizite abund eine \"Anti-Antifa\" aufzubauen, im Kampf gegen links st\u00e4rker als bisher zusammenzuarbeiten und die Gewaltaktionen von Linksextremisten mit gleicher M\u00fcnze heimzuzahlen, lassen den Schlu\u00df zu, da\u00df ein Ende des \"Hochschaukeins\" der politischen Extreme noch lange nicht in Sicht ist.","112 2 - Politischer Extremismus - 2.4 Ausl\u00e4nderextremismus 2.4.1 Vorbemerkung und \u00dcberblick Zu den gesetzlichen Aufgaben des LfV Berlin geh\u00f6rt u.a. die Beobachtung von Bestrebungen im Geltungsbereich des Grundgesetzes, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden. Dieser Arbeitsbereich wird von den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden zur Vereinfachung h\u00e4ufig mit dem Begriff \"Ausl\u00e4nderextremismus\" umschrieben. Er soll jedoch mehr umfassen als nur die \"extremistische\" Komponente, d.h. die gegen die Grundlagen unserer Verfassung gerichteten Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern. Der Arbeitsbegriff \"extremistische und sicherheitsgef\u00e4hrdende Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern\" beschreibt deutlicher die Gefahren, die von politisch motivierten Gewalttaten und von der Vorbereitung solcher Gewalttaten durch die in der Bundesrepublik Deutschland ans\u00e4ssigen Ausl\u00e4ndergruppen drohen. Unter dem Begriff \"Ausl\u00e4nderextremismus\" mu\u00df aber auch die Beobachtung terroristischer und staatsterroristischer Bestrebungen gefa\u00dft werden. Dazu z\u00e4hlen auch bestimmte geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten fremder M\u00e4chte, die zum Ziel haben, Terroranschl\u00e4ge vorzubereiten bzw. durchzuf\u00fchren oder Oppositionelle und Regimegegner auszuforschen oder zu bedrohen bzw. einzusch\u00fcchtern, in Einzelf\u00e4llen sogar zu liquidieren. Grunds\u00e4tzlich lassen sich drei Erscheinungsformen extremistischer und sicherheitsgef\u00e4hrdender bzw. gewaltsamer Bestrebungen unterscheiden: Extremistische Organisationen bzw. Gruppen richten ihre Aktivit\u00e4ten und Aktionen meist nicht gegen unsere freiheitliche demokratische Staatsordnung, sondern setzen ihre im jeweiligen Heimatland begr\u00fcndeten innenpolitischen Auseinandersetzungen auf dem Boden der Bundesrepublik Deutschland fort. Ausl\u00f6send daf\u00fcr sind vor allem die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verh\u00e4ltnisse in den Heimatl\u00e4ndern oder ungel\u00f6ste Konflikte in einigen Regionen, wie z.B. in der T\u00fcrkei und im Nahen Osten. Wichtigstes Aktionsmittel extremistischer Organisationen bzw. Gruppen ist die Agitation, in der Regel Propa-","2 - Politischer Extremismus - 113 gandaschriften und \u00f6ffentlichkeitswirksame Protestveranstaltungen. Nicht selten schl\u00e4gt jedoch ein zun\u00e4chst berechtigtes politisches Engagement bei einigen' Gruppen in Radikalit\u00e4t um und m\u00fcndet in Gewaltanwendung. H\u00e4ufig gehen sie Aktionsb\u00fcndnisse mit politisch oder ideologisch verwandten Gruppen, auch des Gastlandes, ein. Als Beispiel daf\u00fcr seien die Zusammenarbeit einiger militanter linksextremistischer t\u00fcrkischer Gruppen mit deutschen Autonomen und ihr gemeinsames Agieren bei gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen erw\u00e4hnt. Terroristische Organisationen und Gruppen wenden, wie die Bezeichnung deutlich sagt, schwerste Gewalt zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele an. Diese vielf\u00e4ltige Form des zum Teil \"internationalen\" Terrorismus zwingt die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden zu einer Zusammenarbeit mit anderen Sicherheitsbeh\u00f6rden. Die terroristischen Aktionen reichen von Flugzeugentf\u00fchrungen und Mord bis hin zu Sprengstoffanschl\u00e4gen, wobei der Tod Unschuldiger billigend in Kauf genommen wird. Tr\u00e4ger terroristischer Gewalttaten Im Bereich des \"Ausl\u00e4nderextremismus\" waren in der Vergangenheit u.a. pal\u00e4stinensische und islamisch-extremistische Terrororganisationen und Gruppen, die sich die Vernichtung des Staates Israel zum Ziel gesetzt haben und eine L\u00f6sung des Pal\u00e4stina-Problems auf dem Verhandlungswege strikt ablehnen. Zu erw\u00e4hnen sind auch terroristische Organisationen aus anderen Regionen, wo ebenfalls schwere Konflikte herrschen, wie z.B. die \"Provisional Irish Republican Army\" (PIRA) und die \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK), auch wenn diese im Berichtszeitraum in der Bundesrepublik Deutschland keine terroristischen Aktionen durchf\u00fchrten. Unter \"Staatsterrorismus\" versteht man im allgemeinen sowohl die Durchf\u00fchrung terroristischer Aktionen durch staatliche Stellen gegen Einrichtungen und B\u00fcrger eines anderen Staates unterhalb der Schwelle eines offenen Krieges (\"Ersatzkrieg\") als auch die von Regierungen bzw. staatlichen Stellen ausgehenden Repressionsma\u00dfnahmen gegen im Ausland lebende Oppositionelle und Regimegegner. Die terroristischen Mittel reichen von Bedrohung und N\u00f6tigung \u00fcber K\u00f6rperverletzung bis zu Entf\u00fchrung und Mord. Staatsterroristische Aktionen werden von staatlichen oder parastaatlichen Institutionen - zumeist von den in diplomatischen Vertretungen t\u00e4tigen nachrichtendienstlichen Mitarbeitern der fremden Macht - geplant, personell, logistisch und technisch","114 2 - Politischer Extremismus - vorbereitet sowie in der Durchf\u00fchrung gesteuert und unterst\u00fctzt. Die unmittelbare Tatausf\u00fchrung erfolgt in der Regel durch einreisende Terrorkommandos oder durch angeworbene - auch in der Bundesrepublik Deutschland ans\u00e4ssige - Einzelpersonen anderer Nationalit\u00e4t. Im Bereich des \"Ausl\u00e4nderextremismus\" lag das Hauptgewicht der Arbeit des LfV Berlin auch 1992 bei der Beobachtung gewaltorientierter sicherheitsgef\u00e4hrdender Bestrebungen. Die Beobachtung des gewaltfreien politisch motivierten Extremismus war im Berichtszeitraum weiterhin von nachrangiger Bedeutung. Als Folge des Zusammenbruchs der kommunistischen Regime und der fortschreitenden Demokratisierung in Osteuropa erfuhr die Beobachtung zahlreicher extremistischer Ausl\u00e4nderorganisationen - nicht nur im orthodox-kommunistischen Spektrum - eine weitere Reduzierung bzw. v\u00f6llige Einstellung. Als Beispiel seien hier die orthodox-kommunistische \"Tudeh-Partei Iran\" und ihre Nebenorganisationen sowie einige Kurden-Organisationen erw\u00e4hnt. Bei weiteren Organisationen erfolgte eine Streichung als Beobachtungsobjekte, weil nach \u00fcbereinstimmender Beurteilung der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden die gesetzlichen Voraussetzungen f\u00fcr eine weitere Beobachtung nicht mehr gegeben waren. In Berlin waren im Jahre 1992 nach Angaben des Statistischen Landesamtes 385.911 Ausl\u00e4nder melderechtlich erfa\u00dft (Stand: 31.12.1992). Der Anteil der ausl\u00e4ndischen Mitb\u00fcrger an der Gesamtbev\u00f6lkerung in Berlin betrug 1992 etwa 11 %. Den h\u00f6chsten Anteil von Ausl\u00e4ndern in Berlin stellten 1992 wie in den Vorjahren die 138.738 t\u00fcrkischen Staatsangeh\u00f6rigen. Ferner waren in Berlin etwa 55.000 Angeh\u00f6rige des ehemaligen Jugoslawien, ca. 13.000 Angeh\u00f6rige verschiedener arabischer Staaten, etwa 6.500 Iraner und etwa 1.200 irische Staatsangeh\u00f6rige melderechtlich erfa\u00dft. Die Zahl der in Berlin - zum Teil illegal - aufh\u00e4ltlichen Pal\u00e4stinenser wurde weiterhin auf \u00fcber 10.000 gesch\u00e4tzt. Der Anteil der Ausl\u00e4nder, die extremistischen oder extremistisch beeinflu\u00dften Ausl\u00e4nderorganisationen angeh\u00f6ren, betrug 1992 mit ca. 2.400 Personen 0,7 %. Im Vergleich zum Vorjahr verringerte er sich um ca. 300 Personen, bzw. 0,1 %.","2 - Politischer Extremismus - 115 Zu den Beobachtungsschwerpunkten des LfV Berlin z\u00e4hlten 1992 der sog. Staatsterrorismus sowie die in der Stadt bestehenden Gliederungen bzw. Gruppen gewaltorientierter pal\u00e4stinensisch-arabischer Organisationen sowie extremistische bzw. gewaltorientierte Organisationen von T\u00fcrken, Kurden und Iranern. Die Aktivit\u00e4ten in diesem Beobachtungsspektrum waren weiterhin von den in den Herkunftsl\u00e4ndern herrschenden Konfliktund Krisensituationen bestimmt. Zu nennen sind der Kurdenkonflikt in der T\u00fcrkei, im Irak und Iran, das Pal\u00e4stinenser-Problem sowie der B\u00fcrgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien. Einen weiteren Beobachtungsschwerpunkt bildete die terroristische \"Provisional Irish Republican Army\" (PIRA), die zuletzt in den Jahren 1987 bis 1990 mit einer Reihe von Anschl\u00e4gen gegen britische Einrichtungen und Staatsb\u00fcrger in der Bundesrepublik Deutschland in Erscheinung trat. Im Berichtszeitraum wurden im Bundesgebiet und in Berlin zwar keine St\u00fctzpunkte oder nennenswerte Aktivit\u00e4ten der PIRA festgestellt, nach Einsch\u00e4tzung der Sicherheitsbeh\u00f6rden ist die Gefahr von Anschl\u00e4gen wegen der nun nicht mehr isolierten Lage Berlins sowie des durch die deutsche Vereinigung vergr\u00f6\u00dferten \"Operationsbzw. Ruheraumes\" erheblich gestiegen. Erfahrungsgem\u00e4\u00df geh\u00f6rt es zur Taktik der PIRA, mit Kommandos zur Vorbereitung - teilweise mit Unterst\u00fctzung von oft unwissenden Einheimischen z.B. bei der Anmietung von Wohnungen oder Fahrzeugen - einzureisen und nach Durchf\u00fchrung von Anschl\u00e4gen anschlie\u00dfend sofort das betreffende Land zu verlassen. Es bedarf daher einer aufmerksamen Beobachtung in Zusammenarbeit mit anderen Sicherheitsbeh\u00f6rden, um m\u00f6gliche Anschl\u00e4ge zu verhindern. Ein weiteres Problem stellt das unorganisierte, politisch motivierte Gewaltpotential jugendlicher Ausl\u00e4nder, insbesondere T\u00fcrken, dar. Im zunehmenden Ma\u00dfe reagierten Gruppen von Ausl\u00e4ndern mit Gewalt gegen von Skinheads und Neonazis initiierte ausl\u00e4nderfeindliche Aktionen, wobei sich die mit deutschen Autonomen zusammenarbeitende t\u00fcrkische Gruppe \"Antifasist Genclik\" (Antifaschistische Jugend) besonders hervortat. Als Folge der zahlreichen gewaltt\u00e4tigen \u00dcbergriffe deutscher Rechtsextremisten auf Ausl\u00e4nder, insbesondere auf Asylsuchende, ist in diesem Bereich seit dem zweiten Halbjahr 1992 eine zunehmende Gewaltbereitschaft feststellbar, die nicht - wie bislang - allein den Selbstschutz vor \u00dcberf\u00e4llen, sondern nunmehr auch die \"Jagd\" nach vermeintlichen Neonazis zum Ziel hat.","Extremistische Ausl\u00e4ndergruppen in Berlin Rechtsextremistische und extrem-nationalistische 550 t\u00fcrkische Organisationen Islamischextremistische t\u00fcrkische Organisationen Linksextremistische t\u00fcrkische Organisationen ^ QQ. Kurden , .. 150 1--1020 Regimetreue IranerOrganisationen 20 Oppositionelle Iraner-Organisationen Extremistische Araber-/Pal\u00e4stinenser290 Organisationen Islamisch-extremistische Araber-/Pal\u00e4stinenser-Organisationen","2 - Politischer Extremismus - 117 2.4.2 Staatsterrorismus Tr\u00e4ger staatsterroristischer Bestrebungen in der Bundesrepublik Deutschland waren in der Vergangenheit nach Erkenntnissen der deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden die Geheimdienste Iraks, Libyens, Syriens und des Iran. Bis zum 3. Oktober 1990 waren die Botschaften der genannten Staaten in der ehemaligen DDR ideale Ausgangspunkte f\u00fcr Aktionen im Westteil Berlins. Nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten wurden die diplomatischen Vertretungen dieser Staaten im Ostteil Berlins zun\u00e4chst in Au\u00dfenstellen der Bonner Botschaften der jeweiligen Staaten umgewandelt und die Zahl der Mitarbeiter erheblich reduziert. Die bisherige Botschaft Irans in der ehemaligen DDR wurde 1991 in ein Generalkonsulat umgewandelt. Die Berliner Au\u00dfenstellen der Botschaften Iraks und Libyens wurden Anfang 1992, die Au\u00dfenstelle der syrischen Botschaft Ende 1992 geschlossen und das gesamte Personal der drei Au\u00dfenstellen abgezogen. Von den Nachrichtendiensten Libyens, Syriens und des Irak wurden im Jahre 1992 keine staatsterroristischen Aktivit\u00e4ten bekannt. Am 17. September 1992 wurden im Restaurant \"Mykonos\" in Berlin-Wilmersdorfvier oppositionelle kurdische Politiker ermordet. Im Zuge der polizeilichen Ermittlungen ergaben sich Hinweise, da\u00df der Anschlag im Auftrag des iranischen Nachrichtendienstes VEVAK ausgef\u00fchrt worden sein k\u00f6nnte. Als einer der mutma\u00dflichen T\u00e4ter wurde der in Berlin ans\u00e4ssige f\u00fchrende Funktion\u00e4r der dem Mullah-Regime treu ergebenen \"Union Islamischer Studentenvereine in Europa\" (U.I.S.A.) Kazem D. ermittelt, der \u00fcber enge Verbindungen zu der vom Iran gesteuerten terroristischen \"Hizb Allah\" verf\u00fcgt und der in Verdacht stand, f\u00fcr den Iran nachrichtendienstlich t\u00e4tig zu sein; die Ermittlungen in diesem Fall dauern noch an. [Anmerkung: Die nach Redaktionsschlu\u00df eingegangene Anklageschrift des Generalbundesanwalts beschuldigt D., als \"Agent des iranischen Nachrichtendienstes VEVAK und Angeh\u00f6riger der islamischen revolution\u00e4ren Garden 'Pasdaran'\", den ihm im Sommer 1992 erteilten nachrichtendienstlichen Auftrag, die kurdischen Oppositionspolitiker anl\u00e4\u00dflich ihres Berlin-Aufenthalts zu liquidieren, durchgef\u00fchrt und f\u00fcr die Ausf\u00fchrung der Tat ihm seit langem pers\u00f6nlich bekannte \"Hizballah-K\u00e4mpfer\" angeworben zu haben.]","118 2 - Politischer Extremismus - 2.4.3 Pal\u00e4stinenser/Araber Arabische und pal\u00e4stinensische Extremisten stellen seit Jahren eine st\u00e4ndige Gefahr f\u00fcr die innere Sicherheit Berlins dar. Das Ausma\u00df dieser Gef\u00e4hrdung wird haupts\u00e4chlich von der politischen Situation im Nahen Osten, dem Verhalten der dort wirkenden politischen Kr\u00e4fte sowie von Ereignissen von besonderer Bedeutung bestimmt. Viel d\u00fcrfte davon abh\u00e4ngen, ob es gelingt, den arabisch-israelischen Konflikt, um dessen Beilegung sich die Weltm\u00e4chte und die Konfliktparteien seit Oktober 1991 bem\u00fchen, auf dem Verhandlungswege einer L\u00f6sung n\u00e4her zu bringen. Tr\u00e4ger der sicherheitsgef\u00e4hrdenden Bestrebungen sind einerseits die in der \"Pal\u00e4stinensischen Befreiungsorganisation\" (PLO) zusammengeschlossenen Pal\u00e4stinenser-Organisationen sowie aus diesen hervorgegangene radikale Splittergruppen und andererseits islamisch-fundamentalistische Pal\u00e4stinenserund Araber-Organisationen. Diese Organisationen und Gruppen operieren sowohl im Nahen Osten als auch in Europa. Ihre latente Gewaltbereitschaft kann je nach der schwer kalkulierbaren politischen Entwicklung im Nahen Osten zu einer schweren Gefahr werden. In Berlin leben derzeit etwa 13.000 Angeh\u00f6rige arabischer Staaten sowie etwa 10.000 - zum Teil illegal aufh\u00e4ltliche - Pal\u00e4stinenser. Im Vergleich zu diesen Zahlen ist das extremistische Kernpotential unter den Arabern einschlie\u00dflich den Pal\u00e4stinensern mit - nach hiesiger Sch\u00e4tzung - etwa 470 Personen verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gering. 2.4.3.1 PLO-Mitgliedsorganisationen Etwa 180 dieser 470 Personen sind in den folgenden PLO-Mitgliedsorganisationen organisiert: \"AL FATAH\" \"Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" (PFLP) \"Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" (DFLP) \"Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas-Generalkommando\" (PFLP-GC) \"Pal\u00e4stinensische Volkskampffront\" (PPSF) \"AL SAIQA\".","2 - Politischer Extremismus - 119 In Berlin gab es weiterhin Zellen und Einzelmitglieder von pal\u00e4stinensischen Terrororganisationen bzw. -gruppen, die sich von der PLO abgespalten haben. Zu nennen waren insbesondere die \"Abu-Nidal-Organisation\" (ANO) sowie die \"Abu-Moussa-Gruppe\". Im Jahr 1992 boten die vorgenannten Pal\u00e4stinenser-Organisationen bzw. -gruppen folgendes Erscheinungsbild: Die \"FATAH\" in Berlin mit ihren weiterhin etwa 100 Mitgliedern verhielt sich weitgehend inaktiv. Unter den Mitgliedern bestehen zwiesp\u00e4ltige Meinungen \u00fcber die seit Oktober 1991 andauernden Nahost-Friedensverhandlungen. Einerseits verbiete es der Stolz der Pal\u00e4stinenser, mit Israel zu verhandeln, andererseits sehe man darin die vielleicht einzige M\u00f6glichkeit, einen unabh\u00e4ngigen pal\u00e4stinensischen Staat zu errichten. Angesichts des von radikalen und islamisch-fundamentalistischen Pal\u00e4stinenser-Organisationen auf ARAFAT ausge\u00fcbten Drucks forderten Funktion\u00e4re der FATAH ihre Mitglieder auf, im Bundesgebiet und in Berlin lebenden Pal\u00e4stinensern mit politischer \u00dcberzeugungskraft die Notwendigkeit der Friedensverhandlungen zu verdeutlichen und auch im Lager des radikalen politischen Gegners Freunde zu gewinnen. Diese Forderung der FATAH-Funktion\u00e4re ist offensichtlich von der Furcht bestimmt, da\u00df viele Mitglieder zu den pal\u00e4stinensischen islamisch-fundamentalistischen Organisationen, die den bedingungslosen Kampf gegen Israel bef\u00fcrworten, \u00fcberwechseln. Der Berliner Gruppe der PFLP geh\u00f6rten im Jahre 1992 etwa 25 Pal\u00e4stinenser an, die konspirativ in Zellen arbeiten. Die Gruppe wurde von einem Kollektiv geleitet. Im Jahre 1992 trat die Gruppe nur durch kleine Veranstaltungen in Erscheinung, die alle st\u00f6rungsfrei verliefen. Die PFLP geh\u00f6rt zu den radikalen, die Nahost-Friedensverhandlungen strikt ablehnenden Pal\u00e4stinenser-Organisationen. Insofern geht von ihr weiterhin eine latente Sicherheitsbedrohung aus. In Berlin geh\u00f6rten der DFLP im Jahre 1992 etwa 30 Mitglieder an. Die Ende 1990 erfolgte Spaltung in einen radikalen und in einen eher","120 2 - Politischer Extremismus - gem\u00e4\u00dfigten Fl\u00fcgel konnte auch 1992 nicht \u00fcberwunden werden. W\u00e4hrend der radikale Fl\u00fcgel die Nahost-Friedensverhandlungen solange ablehnt, bis die PLO vom Ausland anerkannt wird, unterst\u00fctzt der andere Fl\u00fcgel die Politik ARAFATS und seine Bereitschaft zur Fortsetzung der Verhandlungen. Die Sicherheitsbedrohung durch die DFLP ist gegenw\u00e4rtig als sehr gering einzusch\u00e4tzen. Die \u00fcbrigen obengenannten Pal\u00e4stinenser-Organisationen, wie die PFLP-GC, ANO, SAIQA und PPSF, verf\u00fcgten 1992 in Berlin nach den Erkenntnissen des LfV Berlin \u00fcber keine Gliederungen, sondern nur \u00fcber Einzelmitglieder bzw. Anh\u00e4nger. Dennoch ist die insbesondere von der PFLP-GC und der ANO ausgehende Gefahr von Anschl\u00e4gen weiterhin gegeben. 2.4.3.2 Islamisch-extremistische Pal\u00e4stinenserund AraberOrganisationen Im Gegensatz zu den Mitgliedsorganisationen der PLO, die unter der F\u00fchrung von Yassir ARAFAT mehrheitlich politische L\u00f6sungen anstrebt, stellten auch im Jahre 1992 islamisch-extremistische Pal\u00e4stinenserund Araber-Organisationen eine latente Bedrohung der inneren Sicherheit Berlins dar. Diese Organisationen erhielten wegen ihrer konsequenten anti-israelischen Haltung, die in dem Ziel der Vernichtung des Staates Israel gipfelt, einen starken Zulauf an Mitgliedern und Anh\u00e4ngern, u.a. auch aus Organisationen, die der PLO angeh\u00f6ren und bisher als gem\u00e4\u00dfigt galten. Folgende islamisch-extremistische Pal\u00e4stinenserund Araber-Organisationen verf\u00fcgten 1992 in Berlin \u00fcber Gliederungen: \"Hizb Allah\" (Partei Gottes) \"Pal\u00e4stinensischer Islamischer Jihad\" (PU) \"Hizb AI-Da'Wa Al-Islamia\" (\"Partei des Islamischen Rufs der Islamischen Mission\") AMAL-Bewegung","2 - Politischer Extremismus - 121 \"Islamische Widerstandsbewegung\" (HAMAS) \"Moslem-Bruderschaft\" mit ihrer radikalen Abspaltung \"Islamische Avantgarden\". Diese Organisationen, die ihre Zentralen in den israelisch besetzten Gebieten, im Libanon und im Iran haben, verf\u00fcgten im Berichtszeitraum in Berlin zusammen \u00fcber etwa 280 aktive Mitglieder. Trefforte dieses Personenkreises waren \u00fcberwiegend verschiedene Moscheen in Berlin. Die Anh\u00e4ngerschaft der islamisch-extremistischen Organisationen und Gruppen in Berlin ist um ein Vielfaches h\u00f6her als die der in Berlin aktiven PLO-Mitgliedsorganisationen. Von einem mobilisierbaren Potential von einigen tausend Personen mu\u00df aufgrund der Teilnehmerzahlen an Veranstaltungen dieser Organisationen in den vergangenen Jahren ausgegangen werden. Bei der \"Islamischen Widerstandsbewegung\" (HAMAS) konnte 1992 ein Ausbau ihrer Strukturen festgestellt werden. Der Berliner Fraktion geh\u00f6ren derzeit etwa 50 Mitglieder an. Wegen der ideologischen Verwandtschaft zum \"Pal\u00e4stinensischen Islamischen Jihad\" (PU) agieren beide Organisationen vielfach gemeinsam. Die von der islamisch-extremistischen \"Hizb Allah\" ausgehende Gefahr f\u00fcr die innere Sicherheit Berlins wurde durch einen Mordanschlag am 17. September 1992 in Berlin-Wilmersdorf deutlich. Gegen 23.00 Uhr betraten zwei T\u00e4ter das Restaurant \"Mykonos\" in Berlin-Wilmersdorf, Prager Stra\u00dfe 2 a, und feuerten mit einer verdeckt mitgef\u00fchrten Maschinenpistole mehrere Salven auf eine achtk\u00f6pfige Gruppe iranischer Oppositionspolitiker, zum Teil kurdischer Volkszugeh\u00f6rigkeit, ab. Dabei wurden vier Funktion\u00e4re der oppositionellen \"Demokratischen Partei Kurdistans/Iran\" (DPK/I), darunter deren Generalsekret\u00e4r und der f\u00fcr Europa zust\u00e4ndige Vertreter der Partei, get\u00f6tet. Unter den zun\u00e4chst vorl\u00e4ufig Festgenommenen befanden sich auch einige hier als Mitglieder bzw. Anh\u00e4nger der \"Hizb Allah\" bekannte libanesische und iranische Staatsangeh\u00f6rige. Am 8. Oktober 1992 wurde der seit langem in Berlin ans\u00e4ssige iranische Staatsangeh\u00f6rige Kazem D. festgenommen. D. steht unter dem Verdacht, ma\u00dfgeblich an den Vorbereitungen des Mordanschlages beteiligt gewesen zu sein. Der nach Erkenntnissen des LfV Berlin f\u00fcr den Iran nachrichtendienstlich t\u00e4tige D. ist f\u00fchrender Funktion\u00e4r der regimetreuen iranischen \"Union Islamischer Studentenvereine in Europa\" (U.I.S.A.) und ein-","122 2 - Politischer Extremismus - flu\u00dfreiches Mitglied der \"Hizb Allah\" in Berlin. Die \"Hizb Allah\" verf\u00fcgt in Berlin \u00fcber etwa 50 Mitglieder. Sowohl bei der \"Hizb Allah\" als auch bei der U.I.S.A. [vgl. 2.4.6.1] handelt es sich um Organisationen, die vom Iran gesteuert werden. 2.4.4 T\u00fcrken Die Aktivit\u00e4ten der in Berlin im Bereich des politischen Extremismus organisierten T\u00fcrken stellen ein Spiegelbild der tiefgreifenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Konflikte in der T\u00fcrkei dar. Die Zahl der in extremistischen bzw. extremistisch-beeinflu\u00dften Vereinigungen organisierten T\u00fcrken betrug Ende 1992 etwa 1.700, d.h. ca.-1,2 % der in Berlin im Jahre 1992 melderechtlich erfa\u00dften 138.738 t\u00fcrkischen Staatsangeh\u00f6rigen. Bei der Beurteilung des \"Ausl\u00e4nderextremismus\" im allgemeinen und insbesondere beim t\u00fcrkischen Extremismus sollte jedoch ber\u00fccksichtigt werden, da\u00df nicht alle Angeh\u00f6rigen extremistisch-beeinflu\u00dfter Organisationen deren Zielsetzung vorbehaltlos unterst\u00fctzen. Vielfach werden Kontakte zu Landsleuten, die M\u00f6glichkeit der Pflege von Sitten und Gebr\u00e4uchen und Unterst\u00fctzung bei der Bew\u00e4ltigung von Alltagsproblemen gesucht. Oft erliegen jedoch Ausl\u00e4nder dem mit der Hilfe verbundenen Einflu\u00df indoktrinierender Funktion\u00e4re. 2.4.4.1 Linksextremistische Organisationen Zu den gewaltorientierten Organisationen der t\u00fcrkischen Neuen Linken, die im Jahre 1992 in Berlin Aktivit\u00e4ten entwickelten, z\u00e4hlen die Organisationen \"T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L) \"Revolution\u00e4re Kommunistische Partei der T\u00fcrkei\" (TDKP) \"T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei/-front\" (THKP/-C) \"Devrimci Yol\" (Revolution\u00e4rer Weg) und die verbotene \"Devrimci Sol\" (\"Revolution\u00e4re Linke\"), die seit ihrem Verbot 1983 auch die Tarnbezeichnung \"Avrupa'da Dev Gene\" (\"Revolution\u00e4re Jugend in Europa\") benutzt.","2 - Politischer Extremismus - 123 Die TKP/M-L ist in mehrere Fraktionen zerfallen. In Berlin sind nur die Fraktionen \"Maoisten\" und \"Partizan\" als Gewaltpotential von Bedeutung. W\u00e4hrend die etwa 40 Aktivisten der \"Maoisten\" keinen festen Vereinssitz haben, sind die etwa 50 Mitglieder bzw. Anh\u00e4nger der Fraktion \"Partizan\" im \"Verein der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Berlin e.V.\" (TID) mit Sitz im Mehringhof in Kreuzberg organisiert. Mitglieder bzw. Anh\u00e4nger beider Fraktionen der TKP/M-L haben sich im Berichtszeitraum gemeinsam mit der Gruppe \"Antifasist Genclik\" und deutschen Autonomen an gewaltt\u00e4tigen Aktionen, u.a. im Anschlu\u00df an Demonstrationen, beteiligt. Dar\u00fcber hinaus d\u00fcrften sie auch f\u00fcr zumindest einige \u00dcbergriffe auf t\u00fcrkische Reiseb\u00fcros bzw. Bankfilialen verantwortlich zeichnen. Die \"maoistische\" Fraktion der TKP/M-L geh\u00f6rt zusammen mit der stalinistisch gepr\u00e4gten deutschen Gruppe \"Revolution\u00e4re Kommunisten\" (RK) dem Dachverband \"Revolutionary International Movement\" (RIM) mit Sitz in London an, dem etwa 19 maoistische Parteien und Gruppen aus verschiedenen L\u00e4ndern angeh\u00f6ren. Im Berichtszeitraum beteiligte sich die Fraktion \"Maoisten\" der TKP/M-L an mehreren Protestveranstaltungen der RIM aus Anla\u00df der Verurteilung des F\u00fchrers der ebenfalls der RIM angeh\u00f6renden peruanischen Terror-Organisation \"Sendero Luminoso\" (\"Leuchtender Pfad\"), Abimael GUZMAN, zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Die Fraktion \"Partizan\" f\u00fchrte im Jahre 1992, wie in den Jahren zuvor, eine Spendensammlung zur Unterst\u00fctzung des \"revolution\u00e4ren Kampfes in der T\u00fcrkei\" durch, bei der in einigen bekanntgewordenen F\u00e4llen t\u00fcrkische Gesch\u00e4ftsleute, teilweise unter Androhung von Gewalt, zum Spenden gen\u00f6tigt wurden. In diesem Zusammenhang ist von einer erheblichen Dunkelziffer auszugehen, da sich erfahrungsgem\u00e4\u00df viele Betroffene aus Furcht vor Repressalien nicht den Polizeibeh\u00f6rden offenbaren. Zu den gewaltorientierten T\u00fcrken-Organisationen bzw. -Gruppen z\u00e4hlten im Jahre 1992 auch die im Februar 1983 in der Bundesrepublik Deutschland verbotene \"Devrimci Sol\" (\"Revolution\u00e4re Linke\") bzw. ihre Nachfolgeorganisation \"Avrupa'da Dev Gene\" (\"Revolution\u00e4re Jugend in Europa\") sowie insbesondere die \u00e4u\u00dferst militante t\u00fcrkische Gruppe \"Antifasist Genclik\" (Antifaschistische Jugend).","124 2 - Politischer Extremismus - Hauptziel der Gruppe \"Antifasist Genclik\", die 1989 gegr\u00fcndet wurde und der etwa 30 \u00fcberwiegend junge T\u00fcrken sowie einige Deutsche aus dem sog. \"Antifa\"-Bereich angeh\u00f6ren, ist die Bek\u00e4mpfung des Faschismus in der BRD nicht nur auf der friedlichen legalen Ebene, sondern auch mit Gewalt. Die 'Gruppe bedient sich der Strukturprinzipien einer sog. geschlossenen Gruppe, d.h. gemeinsamer politischer und ideologischer Grundgedanke, innere Abgeschlossenheit, keine F\u00fchrungspersonen und strikte Abschottung nach au\u00dfen. Durch die bei der Gruppe \"Antifasist Genclik\" latent vorhandene Gewaltbereitschaft reagieren deren Angeh\u00f6rige spontan aggressiv. Diese Unberechenbarkeit wird zuweilen selbst von deutschen Autonomen scharf kritisiert und abgelehnt. Neben den vorgenannten gewaltorientierten Organisationen und Gruppen gibt es dar\u00fcber hinaus ein zahlenm\u00e4\u00dfig nicht genau bestimmbares unorganisiertes Gewaltpotential, insbesondere unter jungen T\u00fcrken (sog. Jugendbanden), das sich in der Vergangenheit wiederholt an Ausschreitungen und Pl\u00fcnderungen beteiligt hat. Zwar liegen den Handlungen der meisten dieser Jugendlichen keine politischen Motive zugrunde, gleichwohl bem\u00fchen sich sowohl die Gruppe \"Antifasist Genclik\" als auch die TKP/M-L st\u00e4ndig, dieses Gewaltpotential f\u00fcr ihre Zwecke zu nutzen. 2.4.4.2 Rechtsextremistische Organisationen Die rechtsextremistischen T\u00fcrken-Organisationen in Berlin verbreiten das Gedankengut der extrem nationalistischen, laizistischen \"Partei der Nationalistischen Arbeit\" (MCP) in der T\u00fcrkei. In Berlin gibt es vier MCP-orientierte Vereinigungen, mit insgesamt etwa 550 Mitgliedern, die in der Vergangenheit auch unter der Bezeichnung \"Idealistenvereine\" bekannt wurden: \"Gro\u00dfer Idealer Kreis T\u00fcrkischer Kulturverein Berlin e.V.\" (B\u00dcD) \"T\u00fcrkische Gemeinschaft in Berlin e.V.\" (BTO) \"Vereinigung der t\u00fcrkischen Jugend in Berlin e.V.\" (BTGB) und \"T\u00fcrkischer Studentenund Jugendverein e.V.\" (T\u00d6GD). Diese Vereinigungen waren 1992 in der Lage, f\u00fcr Gro\u00dfveranstaltungen bis zu 2.500 Personen zu mobilisieren.","2 - Politischer Extremismus - 125 Am 15. M\u00e4rz 1992 f\u00fchrte die mitgliederst\u00e4rkste Vereinigung, der B\u00dcD, einen Aufzug unter dem Motto \"Moralische Unterst\u00fctzung der Menschen in Aserbaidschan\" durch, an dem sich etwa 2.500 Personen beteiligten, darunter ein aus der T\u00fcrkei angereister Abgeordneter der \"Partei der Nationalistischen Arbeit\" (MCP). Wichtigstes Ereignis im Jahre 1992 war eine Gro\u00dfveranstaltung der \"Idealistenvereine\" am 17. April 1992 in der Vereinsr\u00e4umen des B\u00dcD, auf der als Hauptredner der aus der T\u00fcrkei angereiste Vorsitzende der MCP, Alparslan T\u00dcRKES, auftrat. An dieser Veranstaltung beteiligten sich etwa 1.000 Personen. Ansonsten beschr\u00e4nkten die genannten Organisationen in Berlin ihre Aktivit\u00e4ten im Berichtszeitraum \u00fcberwiegend auf interne Zusammenk\u00fcnfte und Veranstaltungen aus Anla\u00df nationaler und religi\u00f6ser Feiertage. Sicherheitsgef\u00e4hrdende Aktivit\u00e4ten gingen auch 1992 von den \"Idealistenvereinen\" nicht aus. 2.4.4.3 Islamisch-extremistische Organisationen Die islamisch-extremistischen T\u00fcrken bilden mit etwa 17.000 Mitgliedern den mitgliederst\u00e4rksten Bereich des \"Ausl\u00e4nderextremismus\" in der Bundesrepublik Deutschland. Diese Gruppen, deren Mitgliederzahl in Berlin auf etwa 1.000 Personen gesch\u00e4tzt wird, orientieren sich an den Zielen der islamisch-fundamentalistischen \"Wohlstandspartei\" (RP) in der T\u00fcrkei, deren Hauptziel die Errichtung einer islamischen Staatsordnung in der T\u00fcrkei nach dem Muster der Islamischen Republik Iran ist. Die Ziele der RP werden im Bundesgebiet und in Berlin von der \"Vereinigung der Neuen Weltsicht in Europa e.V.\" (AMGT) mit Sitz in K\u00f6ln vertreten. Ihre Anh\u00e4nger sind bestrebt, in der \u00d6ffentlichkeit jeden Eindruck einer Mitgliedbzw. Anh\u00e4ngerschaft zur AMGT bzw. zur RP zu vermeiden. Wichtigstes Ereignis der AMGT im Berichtszeitraum war ihr Jahreskongre\u00df am 10. Mai 1992 in der Deutschlandhalle in Berlin. An dem Kongre\u00df beteiligten","126 2 - Politischer Extremismus - sich zwischen 15.000 und 20.000 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet und benachbarten L\u00e4ndern, u.a. Belgien, Frankreich, den Niederlanden, D\u00e4nemark und \u00d6sterreich. Der als Ehrengast geladene Vorsitzende der \"Wohlstandspartei\" (RP), Necmettin ERBAKAN, erkl\u00e4rte in seiner Rede u.a., im Gegensatz zum dekadenten und innerlich verfaulten Westen sowie seiner entarteten christlichen Religion stehe der Islam an der Schwelle zu einer besseren und gerechteren Ordnung. Die weltweite politische Entwicklung bed\u00fcrfe daher einer Partei an der Macht, die eine islamische Politik betreibe. Als weitere islamisch-extremistische T\u00fcrken-Vereinigung in Berlin ist das \"Muslimen Treffund Kulturzentrum\" zu nennen, dem etwa 20 Mitglieder angeh\u00f6ren. Diese Vereinigung bezeichnet sich als Berliner Repr\u00e4sentantin des islamisch-fundamentalistischen \"Verbandes der Islamischen Vereine und Gemeinden e.V.\" (ICCB) mit Sitz in K\u00f6ln, dessen Leiter Cemaleddin KAPLAN der \"t\u00fcrkische KHOMEINI\" genannt wird. Ziel des Verbandes ist die Schaffung eines islamischen Staates in der T\u00fcrkei durch eine islamische Revolution nach dem Beispiel KHOMEINIS. Die islamisch-extremistischen T\u00fcrken in Berlin entwickelten 1992 keine Aktivit\u00e4ten, die die innere Sicherheit Berlins gef\u00e4hrdeten. 2.4.5 Kurden Das fast geschlossene Siedlungsgebiet der Kurden verteilt sich auf die T\u00fcrkei, den Irak, den Iran und Syrien sowie auf die fr\u00fchere UdSSR. Die Zahl der in diesen Gebieten lebenden Kurden wird auf ca. 20 Millionen gesch\u00e4tzt. Etwa die H\u00e4lfte von ihnen lebt im Osten der T\u00fcrkei, dem \u00e4rmsten Gebiet des Landes; jeweils ca. ein Viertel lebt im Irak und im Iran. Die Anzahl der in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Kurden verschiedener Nationalit\u00e4ten wird auf etwa 300.000 bis 400.000, in Berlin auf ca. 35.000 bis 50.000 Personen gesch\u00e4tzt. Der politische Extremismus kurdischer Gruppen ist eine Folge der seit Jahrzehnten vergeblich erhobenen Forderungen der Kurden nach Unabh\u00e4ngigkeit bzw. Autonomie und kultureller Selbstbestimmung innerhalb der Staaten, in denen das kurdische Volk heute lebt.","2 - Politischer Extremismus - 127 Die mit Abstand aktivste Vereinigung extremistischer Kurden in Berlin und im \u00fcbrigen Bundesgebiet ist seit Jahren die \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK). Ziel der insbesondere in der T\u00fcrkei terroristisch operierenden PKK ist ein selbst\u00e4ndiger, kommunistisch gepr\u00e4gter kurdischer Nationalstaat unter ihrer alleinigen F\u00fchrung. In Verfolgung dieses Zieles ver\u00fcbte die PKK in der Vergangenheit auch in Westeuropa, insbesondere auf deutschem Boden, eine Reihe schwerster Straftaten - von gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung \u00fcber Entf\u00fchrungen und Brandanschl\u00e4gen bis hin zu Mordtaten -, die sich vor allem gegen Angeh\u00f6rige konkurrierender Kurden-Organisationen und abtr\u00fcnnige Mitglieder richteten. Die PKK ist eine straff organisierte, den Grunds\u00e4tzen des Marxismus-Leninismus verpflichtete Kaderpartei. Ihre Mitglieder sind der Partei gegen\u00fcber zu unbedingtem Gehorsam verpflichtet; sie verhalten sich konspirativ und benutzen - auch untereinander - Decknamen. Oberste Organe in Europa sind das Exekutivund das Zentralkomitee, dem zahlreiche Gebietskomitees unterstellt sind. In der Bundesrepublik Deutschland bestehen Gebietskomitees in den meisten Gro\u00dfst\u00e4dten, so auch in Berlin, die aus Gr\u00fcnden einer besseren Kontrolle in einen Nord-, Mittelund S\u00fcdabschnitt zusammengefa\u00dft wurden. Dem Berliner Gebietskomitee der PKK geh\u00f6rten im Jahre 1992 etwa 150 Mitglieder bzw. Anh\u00e4nger an. Treffund Versammlungsort ist das \"Kurdische Kulturzentrum BOTAN in Berlin e.V.\" im Bezirk Kreuzberg. Anl\u00e4\u00dflich von Gro\u00dfveranstaltungen der PKK au\u00dferhalb Berlins gelang es den Berliner PKK-Mitgliedern in letzter Zeit, eine gro\u00dfe Anzahl von Sympathisanten zur Teilnahme zu mobilisieren. Schwerpunkte der Aktivit\u00e4ten des Berliner Gebietskomitees der PKK bildeten im Berichtszeitraum vor allem Aktionen aus Protest gegen die Angriffe der t\u00fcrkischen Armee auf St\u00fctzpunkte und Einheiten der PKK im t\u00fcrkisch-irakischen Grenzgebiet, die j\u00e4hrlich in Europa durchgef\u00fchrte Spendensammlung zur Unterst\u00fctzung des \"Kampfes in der T\u00fcrkei\" sowie die sog. Delegiertenwahlen f\u00fcr ein \"Kurdisches Nationalparlament\". Neben friedlich verlaufenen Demonstrationen, Kundgebungen und Hungerstreikaktionen kam es besonders im Bundesgebiet in mehreren Gro\u00dfst\u00e4dten","128 2 - Politischer Extremismuszu zahlreichen Sachbesch\u00e4digungen, vereinzelt auch zu Brandanschl\u00e4gen, von denen t\u00fcrkische Einrichtungen, u.a. Konsulate, Reiseb\u00fcros und Bankfilialen, betroffen waren. In Berlin kam es nur vereinzelt zu solchen Aktionen. Am 15. August 1992, dem 8. Jahrestag des Beginns der Guerillat\u00e4tigkeit der PKK in der T\u00fcrkei, startete die PKK in Westeuropa ihre j\u00e4hrliche Spendenkampagne, bei der sie sich zum Ziel gesetzt hatte, europaweit 10 Millionen DM zu sammeln. In Aufrufen, auch in deutscher Sprache, verheimlichte die PKK nicht, da\u00df die Spenden u.a. dringend f\u00fcr den Kauf von Waffen f\u00fcr ihren milit\u00e4rischen Arm in der T\u00fcrkei, die \"Volksbefreiungsarmee Kurdistans\" (ARGK), ben\u00f6tigt w\u00fcrden. Wichtigstes Ereignis der PKK in Europa wie auch des Gebietskomitees der Partei in Berlin war im Berichtszeitraum die mit gro\u00dfem Propagandaaufwand angek\u00fcndigte und im November/Dezember 1992 durchgef\u00fchrte \"Wahl eines Kurdischen Nationalparlaments\". In 35 sog. Wahlbezirken bzw. Gebietskomitees wurden im November 1992 in einer ersten Phase 153 \"Delegierte\", darunter f\u00fcnf aus Berlin, gew\u00e4hlt; diese w\u00e4hlten in einer zweiten Phase im Dezember 1992 aus ihren Reihen 15 \"Abgeordnete\". Diese \"Abgeordneten\", unter denen sich aber kein \"Berliner\" befindet, sollen die \"Kurden aus Europa\" im \"Kurdischen Nationalparlament\" vertreten. Die PKK f\u00fchrte die \"Wahlen\" in Deutschland trotz einer Untersagung des Bundesministers des Innern durch. Die Untersagung war u.a. damit begr\u00fcndet worden, die \"Wahlen\" stellten eine Beeintr\u00e4chtigung der Souver\u00e4nit\u00e4t v\u00f6lkerrechtlich anerkannter Staaten sowie eine Anma\u00dfung hoheitlicher Rechte auf dem Boden der Bundesrepublik Deutschland dar. 2.4.6 Iraner Der politische Extremismus unter den in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Iranern - in Berlin waren im Jahre 1992 etwa 6.500 iranische Staatsangeh\u00f6rige melderechtlich erfa\u00dft - hat seine Wurzeln in den seit Jahrzehnten andauernden politischen, religi\u00f6sen und sozialen Konflikten im Iran, die 1979 in der islamischen Revolution und der \u00dcbernahme der Macht durch Ayatollah KHOMEINI kulminierten. Dessen Interpretation des Islam bedroht mit ihrer Militanz andere Staaten und greift zu Gewaltmitteln gegen Andersdenkende. Das Regime verfolgt dar\u00fcber hinaus Dissidenten und Oppositionelle in aller Welt und bestraft sie sogar mit dem Tode. Dabei setzt es nachrichtendienst-","2 - Politischer Extremismus - 129 liehe Mitarbeiter ein, die zu ihrer illegalen T\u00e4tigkeit in andere L\u00e4nder entsandt werden bzw. verdeckt in staatlichen, iranischen Einrichtungen t\u00e4tig sind. Bei der Beobachtung des politischen Extremismus/Terrorismus unter Iranern in der Bundesrepublik Deutschland unterscheiden die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden zwei Bereiche. Zum einen stellen die fanatischen Anh\u00e4nger des Mullah-Regimes im Iran eine st\u00e4ndige Bedrohung der inneren Sicherheit Deutschlands dar. Zum anderen bilden die in Deutschland aktiven, zum Teil in Vereinigungen organisierten iranischen Oppositionellen einen Gefahrenherd. 2.4.6.1 Regimeanh\u00e4nger Die au\u00dferhalb des Iran lebenden Anh\u00e4nger des Regimes der Islamischen Republik Iran, bei denen es sich vor allem um vom Iran finanziell unterst\u00fctzte Studenten handelt, sind \u00fcberwiegend in regionalen Vereinen organisiert, die dem Dachverband \"Union Islamischer Studentenvereine in Europa\" (U.I.S.A.) angeschlossen sind. Eine der Hauptaufgaben der vom Iran gesteuerten U.I.S.A. ist die Aussp\u00e4hung sowie ggf. die Bestrafung von Dissidenten und Oppositionellen. In diesem Zusammenhang wird hier auch auf den bereits erw\u00e4hnten Mordanschlag am 17. September 1992 im Restaurant \"Mykonos\" verwiesen, bei dem vier iranisch-kurdische Oppositionelle get\u00f6tet wurden; bei einem der Tatverd\u00e4chtigen handelt es sich um den in Berlin ans\u00e4ssigen U.I.S.A.-Funktion\u00e4r Kazem D. [vgl. 2.4.3.2]. In der Vergangenheit sind Mitglieder der U.I.S.A. bereits mehrfach durch Gewalthandlungen gegen oppositionelle iranische Studenten in Erscheinung getreten. Die U.I.S.A. spricht sich weiterhin f\u00fcr die Bestrafung des Autors des Buches \"Satanische Verse\", Salman RUSHDIE, aus. In Berlin geh\u00f6rt der \"Verein Islamischer Studenten in Berlin-West e.V.\", in dem etwa 20 Mitglieder organisiert sind, der U.I.S.A. als Mitgliedsorganisation an. 2.4.6.2 Regimegegner Die extremistischen iranischen Oppositionsgruppen haben im Jahre 1992 weiter an Bedeutung verloren; sie sind nicht nur stark zersplittert, sondern mu\u00dften zudem erkennen, da\u00df sich nach dem Tod des Ayatollah KHOMEINI die pragmatische Politik der Regierung RAFSANDJANIs durchgesetzt hat und mit einem baldigen Machtwechsel nicht zu rechnen ist.","130 2 - Politischer Extremismus - Zu den gewaltorientierten Regimegegnem z\u00e4hlen die \"Organisation der Volksmojahedin Iran\" (PMOI), deren Ziele in Berlin von dem \"Moslem-Studentenverein West-Berlin\" mit etwa 25 Mitgliedern vertreten werden, und die \"Organisation der Iranischen Studenten in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin, Sympathisanten der Volksfedayin Guerilla Iran\" (O.I.P.F.G.), die in Berlin nur \u00fcber eine kleine Anh\u00e4ngerschaft verf\u00fcgt. In der Bundesrepublik Deutschland trat in der Vergangenheit insbesondere die PMOI durch Gewalthandlungen, wie die Erst\u00fcrmung der iranischen Botschaft in Bonn am 5. April 1992, in Erscheinung, zuletzt am 16. Juli 1992, als Anh\u00e4nger der PMOI in Potsdam das Fahrzeug des iranischen Au\u00dfenministers mit Steinen und Eiern bewarfen. 2.4.7 Ausblick * Die Nahost-Friedensgespr\u00e4che, die zu einer L\u00f6sung des israelisch-pal\u00e4stinensischen Konfliktes f\u00fchren sollen, brachten 1992 keine greifbaren Erfolge. Ihre Ablehnung durch mehr und mehr Pal\u00e4stinenser w\u00e4chst, die zum bewaffneten Kampf gegen Israel und seine \"Verb\u00fcndeten\", vor allem die USA, zur\u00fcckkehren wollen. Gegenw\u00e4rtig ist eine Entwicklung zu mehr Gewalt, auch au\u00dferhalb Israels, erkennbar. Zudem besteht eine st\u00e4ndige Gefahr von Anschl\u00e4gen durch radikale Pal\u00e4stinenser-Organisationen, u.a. durch die PFLP-GC und die \"Abu-Nidal-Organisation\", die ohnehin eine friedliche L\u00f6sung des Pal\u00e4stina-Problems bisher strikt ablehnen. Eine andere Folge des Pal\u00e4stinakonfliktes ist der stetige Zulauf, den islamisch-fundamentalistische Gruppen erhalten. Er verst\u00e4rkt die wachsende Bedeutung, die diese Bewegung aufgrund der seit einiger Zeit anhaltenden Aufbruchsstimmung in der islamischen Welt ohnehin schon hat. In der Bundesrepublik Deutschland sind in diesem Zusammenhang der \"Pal\u00e4stinensische Islamische Jihad\", die \"HAMAS-Bewegung\" sowie die \"Hizb Allah\" zu nennen. Bei einigen dieser Gruppen mu\u00df angenommen werden, da\u00df sie \u00fcber die f\u00fcr Anschl\u00e4ge im Ausland, u.a. auch in der Bundesrepublik Deutschland, erforderliche Infrastruktur verf\u00fcgen.","2 - Politischer Extremismus - 131 Eine weitere Gefahr f\u00fcr die innere Sicherheit Berlins stellt die PKK dar. Die erhebliche Versch\u00e4rfung der Situation im t\u00fcrkisch-irakischen Grenzgebiet, eine Folge der massiv vorgetragenen Offensiven der t\u00fcrkischen Landund Luftstreitkr\u00e4fte gegen die PKK, hat die Stimmung unter den PKK-Mitgliedem weiter aufgeheizt. Damit w\u00e4chst auch die Gefahr von Gewaltaktionen bzw. \"Racheakten\" der PKK im Bundesgebiet und in Berlin. Ziele d\u00fcrften in erster Linie t\u00fcrkische Einrichtungen und Diplomaten sein, wobei lageabh\u00e4ngig - wegen deutscher Waffenlieferungen an die T\u00fcrkei - mit einer Einbeziehung deutscher Interessen gerechnet werden mu\u00df. Eine Gefahr f\u00fcr die innere Sicherheit Berlins geht weiterhin von den gewaltorientierten linksextremistischen T\u00fcrken-Organisationen und -Gruppen aus, die im Berichtszeitraum durch Gewalthandlungen in Erscheinung getreten sind. Zu diesen z\u00e4hlen die beiden Fraktionen \"Maoisten\" und \"Partizan\" der TKP/M-L sowie insbesondere die Gruppe \"Antifasist Genclik\", die sich seit ihrem Bestehen im Jahre 1989 bis heute mehrfach durch brutale Gewalthandlungen in Erscheinung getreten ist. \") Die Lage im ehemaligen Jugoslawien hat sich bisher nicht auf das Verhalten der in Berlin lebenden etwa 55.000 Angeh\u00f6rigen der verschiedenen Volksgruppen ausgewirkt. Das d\u00fcrfte darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren sein, da\u00df der weitaus \u00fcberwiegende Teil aus Kroaten besteht und deren \"Gegner\", die Serben, in Deutschland zahlenm\u00e4\u00dfig kaum vertreten sind. Dies k\u00f6nnte sich jedoch bei einer ver\u00e4nderten ethnischen Zusammensetzung der anhaltenden Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me \u00e4ndern.","","3 - Spionageabwehr - 133 3 Spionageabwehr","","3 - Spionageabwehr - 135 Spionageabwehr - eine Schwerpunktaufgabe des Verfassungsschutzes Zu den Aufgaben der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden geh\u00f6rt es, alle Erkenntnisse \u00fcber die Vorgehensweise gegnerischer Nachrichtendienste zu sammeln, auszuwerten und in Ma\u00dfnahmen der Spionageabwehr umzusetzen. Hierzu sind ihnen Befugnisse einger\u00e4umt, die sich von denen der Polizei unterscheiden. So haben die Verfassungschutzbeh\u00f6rden z.B. das Recht, zum Erkennen geheimdienstlicher Agentent\u00e4tigkeit nachrichtendienstliche Mittel einzusetzen, d.h. solche Mittel und Methoden, die der geheimen, vom Gegner nicht wahrnehmbaren Beobachtung dienen, da einem konspirativ gegen die Bundesrepublik Deutschland arbeitenden Gegner h\u00e4ufig nur durch spezifisch nachrichtendienstliche Abwehrmethoden zu begegnen ist. Anders als die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden, deren T\u00e4tigwerden zumindest den Verdacht einer strafbaren Handlung voraussetzt, setzen die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden bei ihrer Arbeit bereits im Vorfeld der Staatsschutzkriminalit\u00e4t an. Eine ihrer wesentlichen Aufgaben ist es, Erkenntnisse \u00fcber die Vorgehensweise gegnerischer Nachrichtendienste daraufhin zu pr\u00fcfen, ob ein methodisches Muster sichtbar wird. Gelingt dies, versucht die Spionageabwehr, zu diesem Typus geh\u00f6rende F\u00e4lle aufzudecken. Der Weg von der methodischen Grundlagenarbeit bis hin zur Vermutung eines Spionagefalles und der Erh\u00e4rtung dieses Verdachts verlangt meistens eine aufwendige Ermittlungst\u00e4tigkeit. Die Abgabe eines Verdachtsfalles an die zust\u00e4ndigen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden ist daher ein Schritt, der oft erst am Ende umfassender Vorarbeiten der nachrichtendienstlichen Spionageabwehr steht. Aber auch das Ausr\u00e4umen eines Verdachts gegen eine Person ist als ein Erfolg f\u00fcr die Arbeit der Spionageabwehr zu betrachten. Die T\u00e4tigkeit der Spionageabwehr ist nicht ausschlie\u00dflich auf die Festnahme von Agenten ausgerichtet. Es ist ebenso wichtig, die Strukturen und die Arbeitsweisen gegnerischer Nachrichtendienste zu erkennen und zu analysieren. Die hierbei erzielten Ergebnisse sind eine erfolgversprechende Grundlage zur Enttarnung von Agenten, ebenso aber auch zur vorbeugenden Beratung spionagegef\u00e4hrdeter Beh\u00f6rden und Wirtschaftsunternehmen. Es w\u00e4re daher falsch anzunehmen, da\u00df sich die Erfolge der Spionageabwehr allein in der Zahl der festgenommenen Agenten ausdr\u00fccken m\u00fc\u00dften.","136 3 - Spionageabwehr - Die Aufgaben der Spionageabwehr obliegen im Land Berlin aufgrund der f\u00f6deralen Gliederung der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz, das im Rahmen der gesetzlichen Erm\u00e4chtigung des \"Gesetzes \u00fcber das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz\" (LfVG) t\u00e4tig wird. Die Aufgabenerf\u00fcllung erfolgt dabei in enger Kooperation mit den anderen Landes\u00e4mtern, dem Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz, den weiteren Sicherheitsbeh\u00f6rden Deutschlands und den ausl\u00e4ndischen Partnerdiensten. 3.1 Allgemeiner \u00dcberblick Auch im Jahre 1992 hielt der politische Wandel in Osteuropa an. Er lie\u00df in der \u00d6ffentlichkeit und bei politischen Repr\u00e4sentanten die Frage aufkommen, ob \u00fcberhaupt noch eine Gefahr f\u00fcr deutsche Belange durch gegnerische Nachrichtendienste besteht. Nur eine kontinuierlich arbeitende, funktionsf\u00e4hige Spionageabwehr ist in der Lage, eine Antwort auf diese Frage nach objektiven Ma\u00dfst\u00e4ben zu geben. Der Wegfall der Bedrohungssituation infolge des Ost-West-Konfliktes hat nicht dazu gef\u00fchrt, da\u00df durch die in j\u00fcngster Zeit entstandenen neuen Staaten in Osteuropa keine Aufkl\u00e4rungsarbeit der jeweiligen Nachrichtendienste betrieben wird. Jeder Staat - unabh\u00e4ngig von seinen politischen Verh\u00e4ltnissen - unterh\u00e4lt Aufkl\u00e4rungsdienste, die mit nachrichtendienstlichen Mitteln arbeiten. In der Vergangenheit war Berlin als Vier-Sektoren-Stadt aufgrund der politischen und rechtlichen Gegebenheiten ein Schwerpunkt f\u00fcr Aktivit\u00e4ten fast aller Nachrichtendienste der Welt. Die sog. Ostblockdienste - und hier insbesondere die fr\u00fcheren sowjetischen Nachrichtendienste und das ehemalige MfS - nutzten diese Berliner Verh\u00e4ltnisse (wie z.B. die Insellage, die Vielzahl von Grenz\u00fcberg\u00e4ngen) aus, um unter f\u00fcr sie sehr g\u00fcnstigen Bedingungen ihre nachrichtendienstliche Arbeit zu erledigen. Die schon im Jahre 1991 begonnene personelle und organisatorische Aufl\u00f6sung der KGB-Vertretung in Berlin-Karlshorst (\"Berliner Apparat\"), die einmal mit etwa 350 Nachrichtendienstoffizieren besetzt war, wurde nach Beobachtungen des LfV Ende M\u00e4rz 1992 beendet. Lediglich ein \"Abwicklungsund","3 - Spionageabwehr - 137 \u00dcbergabestab\", bestehend aus einigen wenigen Offizieren, erledigte die \u00dcbergabe von Objekten aus der ebenfalls in Karlshorst befindlichen milit\u00e4rischen Kommandantur heraus. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind die abgezogenen Offiziere in das Gebiet der GUS zur\u00fcckgekehrt. Die Folgen nachrichtendienstlicher Aktivit\u00e4ten enden nicht zwangsl\u00e4ufig mit der Aufl\u00f6sung eines Nachrichtendienstes. So wurde bereits 1990 festgestellt, da\u00df in einer Reihe von F\u00e4llen vom MfS angeworbene, ausgebildete und z.T. langj\u00e4hrig t\u00e4tig gewesene Agenten von Nachrichtendiensten der ehemaligen Sowjetunion \u00fcbernommen wurden. Den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden gelang es, derartige \u00dcbernahmen transparent zu machen und in Einzelf\u00e4llen zu verhindern. 40 Jahre intensiver Zusammenarbeit zwischen den sowjetischen und den DDR-Nachrichtendiensten mit entsprechender informationeller Verflechtung haben zur Folge, da\u00df die Aufarbeitung des MfS-Komplexes noch nicht abgeschlossen werden kann. 3.2 Tr\u00e4ger der Spionageaktivit\u00e4ten 3.2.1 Nachrichtendienste der GUS-Staaten Mit der Bildung der \"Gemeinschaft Unabh\u00e4ngiger Staaten\" (GUS) zum Jahresende 1991 endete endg\u00fcltig die Existenz der Sowjetunion; als Rechtsnachfolgerin sieht sich die Russische F\u00f6deration. Folgerichtig fielen dadurch die zentralen Dienststellen des KGB der Sowjetunion, und damit der gesamte Spionageapparat des sowjetischen KGB, in die Hoheitsgewalt Ru\u00dflands. Da der gesamte zentrale Bereich des sowjetischen KGB an die Russische F\u00f6deration gefallen war, sahen sich die \u00fcbrigen Republiken der neuentstandenen GUS Anfang 1992 gen\u00f6tigt, eigene Nachrichtendienste aufzubauen. Hierzu wurden die in den Hauptst\u00e4dten der ehemaligen Unionsrepubliken verbliebenen Diensteinheiten des KGB (Zweigstellen des zentralen sowjetischen KGB) in vielen F\u00e4llen als Grundstock \u00fcbernommen. Diese Tendenz hatte schon vor der Aufl\u00f6sung der Sowjetunion im Streben nach Selbst\u00e4ndigkeit der sog. \"Republiks-KGB\" ihren Ausdruck gefunden.","138 3 - Spionageabwehr - 3.2.1.1 Ru\u00dfland Im Zuge der Umstrukturierung des ehemaligen KGB in Ru\u00dfland wurde deutlich, da\u00df die Bestrebungen der Reformkr\u00e4fte, den zuk\u00fcnftigen Auslandsnachrichtendienst vom innerstaatlichen Sicherheitsapparat strikt zu trennen, zum Erfolg gef\u00fchrt hatten. Am Ende dieses Prozesses existierten in Ru\u00dfland ein \"Ministerium f\u00fcr Sicherheit\" (MBR) und der \"Aufkl\u00e4rungsdienst der Russischen F\u00f6deration\" (SWR), deren Entwicklung im folgenden kurz skizziert wird: \"Ministerium f\u00fcr Sicherheit\" (MBR) Zum Jahreswechsel 1991/92 wurde durch die Verschmelzung des \"Interrepublikanischen Sicherheitsdienstes\" (MSB), hervorgegangen aus Diensteinheiten des KGB und der \"Agentur f\u00fcr Sicherheit der russischen F\u00f6deration\" (AFB) das russische \"Ministerium f\u00fcr Sicherheit\" (Ministerstwo Bezopasnosti Rossii) gebildet. Dieses Ministerium, unter Leitung von V. BARANNIKOW, ist der gr\u00f6\u00dfte und bedeutendste Inlandsnachrichtendienst der \"Gemeinschaft unabh\u00e4ngiger Staaten\" (GUS), dessen Personalbestand nach offiziellen Angaben etwa 138.000 Mitarbeiter betragen soll. Ungeachtet seiner Aufgabenstellung als Inlandsnachrichtendienst betreibt das MBR im Bereich der Milit\u00e4rabwehr auch Auslandsaufkl\u00e4rung, und zwar in Deutschland aus den Milit\u00e4robjekten der GUS-Streitkr\u00e4fte. Beleg f\u00fcr derartige Aktivit\u00e4ten ist die schon in Presseorganen (Oktober 1992) erw\u00e4hnte Aktion \"MINOLTA\" der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden. Mit der bundesweiten Ma\u00dfnahme, die auch Berlin ber\u00fchrte, war es gelungen, ein zehnk\u00f6pfiges Agentennetz zu enttarnen, das f\u00fcr die Zeit nach dem endg\u00fcltigen Abzug der GUS-Streitkr\u00e4fte aufgebaut worden war. Alle enttarnten Agenten waren ehemalige Mitarbeiter des MfS aus unterschiedlichen Lebensbereichen, von der Polizei bis zur Politik. Der Fall zeigt \u00fcberdies auf, da\u00df auch das MBR durch die \u00dcbernahme von Teilen des sowjetischen KGB und dessen durch jahrzehntelange enge Zusammenarbeit mit den Nachrichtendiensten der DDR entstandenen Fundus potentielle Nutzungsm\u00f6glichkeiten hat. Von einer hohen Dunkelziffer noch nicht enttarnter oder neu geworbener Agenten mu\u00df daher ausgegangen werden.","3 - Spionageabwehr - 139 \"Aufkl\u00e4rungsdienst der russischen F\u00f6deration\" (SWR) Aus der f\u00fcr Auslandsaufkl\u00e4rung zust\u00e4ndigen 1. Hauptverwaltung des KGB der Sowjetunion entstand nach deren Aufl\u00f6sung Ende 1991 ein selbst\u00e4ndiger russischer \"Aufkl\u00e4rungsdienst der russischen F\u00f6deration\" (Slushba Wneschnej Raswedki) unter Leitung von J. PRIMAKOW. Da\u00df der neue Aufkl\u00e4rungsdienst Ru\u00dflands seine nachrichtendienstliche Arbeit trotz ver\u00e4nderter politischer Lage fortsetzt, deutete J. PRIMAKOW im November 1992 bei einem Treffen des Veteranenverbandes der Agenten an: Ru\u00dfland bleibt eine Gro\u00dfmacht, und eine Gro\u00dfmacht braucht eine Au\u00dfenpolitik zum Schutz ihrer Interessen. Eine Gro\u00dfmacht braucht auch einen starken Geheimdienst. Noch deutlicher \u00e4u\u00dferte sich ein hoher Mitarbeiter des SWR, KARPOW, in einem Interview der Zeitung \"BILD am Sonntag\". Auf die Frage, wie viele russische Agenten noch in Deutschland eingesetzt seien, antwortete KARPOW: Diese Zahlen geben wir nat\u00fcrlich nicht bekannt. Wir k\u00f6nnen unsere Aufkl\u00e4rung in Deutschland nicht einseitig einstellen und fordern das auch von der deutschen Seite nicht... Ein herausragender Fall beleuchtet diese Tatsache: Aufgrund der Angaben eines \u00dcberl\u00e4ufers wurden in einem Fallkomplex, der in den Berichtszeitraum hineinreicht, allein neun Ermittlungsverfahren gegen bis dahin unbekannte Agenten, die im Raum Berlin eingesetzt waren, eingeleitet. . Die Aufkl\u00e4rungsziele reichten in gro\u00dfer Bandbreite von der Berliner Polizei, dem Landeseinwohneramt, den Streitkr\u00e4ften der ehemaligen Schutzm\u00e4chte bis zum Aufbau eines Perspektivagenten im journalistischen Bereich. Auch im Falle des russischen Aufkl\u00e4rungsdienstes ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen, deshalb ist eine sorgf\u00e4ltige Beobachtung seiner Aktivit\u00e4ten durch die Spionageabwehr geboten. Bezeichnend f\u00fcr das ungebrochene Selbstverst\u00e4ndnis der russischen Auslandsspionage sind die \u00c4u\u00dferungen KARPOWs im gleichen Interview zur Frage, ob Ru\u00dfland ehemaligen Spionen und \u00dcberl\u00e4ufern, die f\u00fcr die Sowjetunion gearbeitet hatten, Asyl gew\u00e4hre:","140 3 - SpionageabwehrJa. Wer f\u00fcr uns gearbeitet hat, kann auf unsere Unterst\u00fctzung und unseren Schutz vertrauen ... 3.2.1.2 Ukraine Nach gesicherten Erkenntnissen wurde im M\u00e4rz 1992 in Kiew durch den Beschlu\u00df des Obersten Rats der Ukraine ein Gesetz \u00fcber die Errichtung eines ukrainischen Sicherheitsdienstes erlassen. Dieser Sicherheitsdienst tr\u00e4gt die Bezeichnung \"Sluzhba Nationalna Bezbeka Ukrainy\" (SNBU). Eine der Abteilungen ist zust\u00e4ndig f\u00fcr den \"Nachrichtendienst\", jedoch werden deren Aufgaben im Gesetz nicht n\u00e4her erl\u00e4utert. M\u00f6glicherweise liegt hier die Aufkl\u00e4rungskomponente des neuen ukrainischen Dienstes. Ob und inwieweit aufkl\u00e4rerische Aktivit\u00e4ten gegen Deutschland unternommen werden, bedarf der Beobachtung durch die Spionageabwehrbeh\u00f6rden. 3.2.1.3 GRU - der milit\u00e4rische Nachrichtendienst In der Sowjetunion existierte neben dem KGB ein milit\u00e4rischer Aufkl\u00e4rungsdienst mit der russischen Bezeichnung \"Glawnoje Raswedywatelnoje Uprawlenije\" (GRU), in deutscher \u00dcbersetzung \"Nachrichtendienstliche Hauptverwaltung des Generalstabs\". Im Gegensatz zum KGB hatte die GRU jedoch keine Zust\u00e4ndigkeiten hinsichtlich der inneren Sicherheit der Sowjetunion. Aufgabe der GRU war u.a. die konspirative Beschaffung von Informationen \u00fcber milit\u00e4rische und r\u00fcstungstechnische Objekte sowie \u00fcber milit\u00e4risch/politische Strategien und Taktiken anderer Staaten. Die nachrichtendienstlichen Operationen richteten sich nicht nur gegen milit\u00e4rische, sondern auch gegen politische, wissenschaftliche und wirtschaftliche Einrichtungen, jedoch jeweils unter milit\u00e4rischen Aspekten. Das geteilte Deutschland und die hier stationierten Streitkr\u00e4fte der westlichen Verb\u00fcndeten waren bevorzugte Aufkl\u00e4rungsziele, wobei die in der DDR stationierten Streitkr\u00e4fte der Sowjetunion sowie die Zusammenarbeit mit den Nachrichtendiensten der ehemaligen DDR eine gute operative Ausgangslage boten.","3 - Spionageabwehr - 141 Die Ver\u00e4nderungen in der Sowjetunion und deren Aufl\u00f6sung lie\u00dfen die GRU im wesentlichen unber\u00fchrt; durch den Wegfall der KGB-Kontrolle verbesserten sich sogar die Arbeitsm\u00f6glichkeiten dieses Dienstes. Die Personalst\u00e4rke der GRU blieb 1992 nahezu unver\u00e4ndert. Ende 1991 wurde die GRU zumindest nominell dem Oberkommando der vereinigten Streitkr\u00e4fte der Gemeinschaft Unabh\u00e4nigiger Staaten (GUS) unterstellt. Nach neueren Erkenntnissen kann davon ausgegangen werden, da\u00df die GRU inzwischen dem russischen Verteidigungsministerium und damit der Befehlsgewalt Ru\u00dflands (Russische F\u00f6deration) untersteht. Die Pr\u00e4senz der GRU in Deutschland u.a. in den Legalresidenturen und in den Milit\u00e4robjekten der noch verbliebenen GUS-Streitkr\u00e4fte blieb nahezu konstant. Die im Berliner Umland gelegenen milit\u00e4rischen Einrichtungen der GUSStreitkr\u00e4fte wurden auch im Berichtszeitraum nach Erkenntnissen des LfV von GRU-Offizieren f\u00fcr nachrichtendienstliche Aktivit\u00e4ten auf dem Gebiet des Landes Berlin genutzt. Bis zum Abzug der letzten Truppenteile im Jahre 1994 wird von dieser Nutzung der sicheren Standorte auszugehen sein. 3.2.2 Andere osteurop\u00e4ische Nachrichtendienste Die Entwicklung der Nachrichtendienste in den anderen osteurop\u00e4ischen Staaten ist weiterhin eng verkn\u00fcpft mit den dortigen Reformund Demokratisierungsprozessen. Der au\u00dfenpolitische Kurs dieser Staaten ist vorwiegend auf eine Ann\u00e4herung an westeurop\u00e4ische Staaten und Institutionen ausgerichtet. F\u00fcr einige dieser Staaten f\u00fchrt dieser Weg erkl\u00e4rterma\u00dfen \u00fcber die vermittelnde Hilfe und engere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland. Diese Bem\u00fchungen haben naturgem\u00e4\u00df Auswirkungen auf die nachrichtendienstlichen Aktivit\u00e4ten gegen\u00fcber Deutschland. Sie waren aus der geschilderten Interessenlage heraus r\u00fcckl\u00e4ufig, teilweise wurden sie eingestellt. Im Berichtsjahr wurden in Berlin nur noch vereinzelt Aktivit\u00e4ten der polnischen Nachrichtendienste registriert, deren Beobachtung zur abschlie\u00dfenden Kl\u00e4rung andauert.","142 3 - Spionageabwehr - 3.2.3 Nachrichtendienste der Krisenund Schwellenl\u00e4nder Im Jahre 1992 konnten die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden zunehmend gegen die Bundesrepublik Deutschland gerichtete nachrichtendienstliche Aktivit\u00e4ten der Krisenund Schwellenl\u00e4nder feststellen. Zu diesen z\u00e4hlen im wesentlichen die von den Rahmenbedingungen des Islam gepr\u00e4gten Staaten Nordafrikas sowie des Nahen und Mittleren Ostens und die noch kommunistisch gelenkten Staaten im asiatischen Raum. Nach den Erkenntnissen der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden konzentrieren sich die Nachrichtendienste dieser L\u00e4nder vor allem auf den illegalen Technologietransfer und auf die Beschaffung kriegsf\u00e4higer G\u00fcter. Im Jahre 1992 wurde aber auch erkennbar, da\u00df sich das nachrichtendienstliche Interesse ebenso auf das Gebiet der klassischen Spionage richtet. Dar\u00fcber hinaus sind die \u00dcberg\u00e4nge zwischen nachrichtendienstlichen Operationen und staatsterroristischen Aktionen flie\u00dfend. In den offiziellen Vertretungen dieser L\u00e4nder sind nachrichtendienstliche Infrastrukturen in Form von Legalresidenturen vorhanden; dies gilt auch f\u00fcr Berlin. 3.3 Hinterlassenschaften der ehemaligen DDR-Nachrichtendienste 3.3.1 Enttarnung von Agenten Die politischen Ver\u00e4nderungen, die letztlich zum Untergang der DDR und zur Aufl\u00f6sung ihrer einst hoch aktiven Geheimdienste f\u00fchrten, haben ver\u00e4nderte Aufgabenstellungen bei dem zust\u00e4ndigen Spionageabwehrbereich des LfV nach sich gezogen. Da beide DDR-Dienste, das \"Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit\" (MfS) und der \"Milit\u00e4rische Nachrichtendienst\" (MilND), sp\u00e4testens seit der Jahresmitte 1990 keine \"lebende\" Spionage mehr aus\u00fcbten, ist die Situation seitdem anhaltend dadurch gekennzeichnet, da\u00df nur noch f r \u00fc h e r gegen die Bundesrepublik Deutschland t\u00e4tige Agenten zu enttarnen sind. Dabei gilt es vor allem, eine evtl. \u00dcbernahme durch andere Nachrichtendienste - namentlich durch die russischen (siehe 3.1) - zu verhindern.","3 - Spionageabwehr - 143 Die Ermittlungen des LfV und der Informationsaustausch mit befreundeten Nachrichtendiensten haben zu 26 Verdachtsf\u00e4llen gef\u00fchrt, die zur exekutiven Weiterbearbeitung an die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden (Polizeilicher Staatsschutz in Berlin sowie Generalbundesanwalt) weitergeleitet wurden. Die Erkenntnisgewinnung durch gezielte Befragungen ehemaliger Nachrichtenoffiziere des MfS war zwar im Vergleich zu den Vorjahren r\u00fcckl\u00e4ufig, insgesamt gesehen aber f\u00fcr die Enttarnung von Agenten von gro\u00dfer Bedeutung. Der R\u00fcckgang der Erkenntnisse ist u.a. auf die Verunsicherung der fr\u00fcheren MfS-Offiziere hinsichtlich der Strafbarkeit ihrer eigenen T\u00e4tigkeit als Agentenf\u00fchrer zur\u00fcckzuf\u00fchren; diese grunds\u00e4tzliche Frage liegt seit l\u00e4ngerem dem Bundesverfassungsgericht zur Entscheidung vor. In Einzelf\u00e4llen wurden Hinweise auf Agenten von nicht akzeptablen Forderungen abh\u00e4ngig gemacht. Durch die Befragungen konnten auch wertvolle Erkenntnisse \u00fcber die personellen Strukturen des MfS gewonnen und zahlreiche Originalunterlagen, die inzwischen zust\u00e4ndigkeitshalber an die \"Gauck-Beh\u00f6rde\" weitergeleitet worden sind, entgegengenommen werden. Der Kreis derjenigen, die durch die Preisgabe ihres Wissens einen Schlu\u00dfstrich unter ihre MfS-Vergangenheit gezogen haben, reicht vom einfachen MfS-Offizier bis zum -General. 3.3.2 Fortsetzung bundesweiter Ma\u00dfnahmen Neben der Einzelfallbearbeitung zur Enttarnung von Agenten hat sich das LfV auch an bundesweiten Ermittlungsund Befragungsma\u00dfnahmen unter Federf\u00fchrung des Bundesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz beteiligt. So wurde die bereits im Jahre 1991 begonnene Befragungsaktion sog. \"Offiziere im besonderen Einsatz\" (OibE) fortgesetzt und im Berichtszeitraum vorerst abgeschlossen. OibE waren hauptamtliche MfS-Angeh\u00f6rige, die unter Verschleierung ihres Dienstverh\u00e4ltnisses zum MfS in allen Lebensbereichen der DDR eingesetzt waren, vereinzelt aber auch als Auslandsagenten eingesetzt wurden. Durch die Ma\u00dfnahme konnten zwar keine weiteren Agenten ermittelt werden, jedoch ist eine Vielzahl interessanter Informationen \u00fcber Strukturen, Personen und Objekte des ehemaligen MfS angefallen.","144 3 - Spionageabwehr - Hinsichtlich der in der DDR eingesetzten OibE mu\u00df die bisherige Erkenntnislage zum Teil revidiert werden. W\u00e4hrend bislang davon ausgegangen wurde, da\u00df Offiziere dieser speziellen Kategorie einem ganz besonderen Anforderungsprofil gen\u00fcgen mu\u00dften, weil sie ihren geheimdienstlichen Auftrag abgesetzt von ihrer Diensteinheit unter erschwerten konspirativen Bedingungen zu erf\u00fcllen hatten, hat die Befragungsma\u00dfnahme jetzt offengelegt, da\u00df es sich h\u00e4ufig um Offiziere handelte, die wegen privater oder dienstlicher Verfehlungen sowie mangelnder Arbeitsleistungen von ihren Diensteinheiten abgeschoben wurden (Strafversetzungen). Gelegentlich sind Personen auch zu OibE ernannt worden, ohne da\u00df sie vorher in einem hauptamtlichen Dienstverh\u00e4ltnis zum MfS standen. Beispiel: Ein Z\u00f6llner bewirbt sich um eine h\u00f6her dotierte Stelle seines Dienstbereiches. Erst dabei erf\u00e4hrt er, da\u00df diese Stelle aus dem Haushalt des MfS bezahlt wird. Die Bef\u00f6rderung ist f\u00fcr ihn nur m\u00f6glich, wenn er vorher hauptamtlich in den Dienst des MfS eintritt und k\u00fcnftig als OibE t\u00e4tig wird. Ferner beteiligte sich das LfV Berlin an einer bundesweiten Suchma\u00dfnahme zur Enttarnung von Agenten, die in der Vergangenheit mit falschen biographischen Daten und total gef\u00e4lschten Personalpapieren in die Bundesrepublik Deutschland eingeschleust wurden (sog. \"Illegale\"). Die Einschleusung von \"Illegalen\" geh\u00f6rte seit jeher zu den klassischen Vorgehensweisen gegnerischer Nachrichtendienste, wobei auch in diesem Bereich besondere Aktivit\u00e4ten - quantitativ und qualitativ - von den DDRDiensten entwickelt wurden. Die Einschleusungsmethoden waren vielf\u00e4ltig und ideenreich; die Vorbereitung der Agenten auf ihren Westeinsatz \u00e4u\u00dferst aufwendig und sorgf\u00e4ltig. Bereits vor der deutschen Vereinigung verf\u00fcgten die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden \u00fcber gesicherte Erkenntnisse, da\u00df die Einschleusungswege der Agenten bevorzugt \u00fcber Berlin f\u00fchrten. Hieraus leitet sich ab, da\u00df das LfV Berlin nunmehr auch bei der im Berichtszeitraum durchgef\u00fchrten Suchma\u00dfnahme schwerpunktm\u00e4\u00dfig betroffen war. Durch die Ma\u00dfnahme konnte bundesweit bereits eine Reihe von \"Illegalen\" erkannt werden. Die Suche wird auch im Jahre 1993 fortgesetzt, weil zu","3 - Spionageabwehr - 145 bef\u00fcrchten ist, da\u00df die noch nicht Enttarnten ein besonderes Werbungspotential f\u00fcr noch aktive Spionagedienste darstellen. 3.3.3 \u00dcberwachung des Telefonverkehrs durch das MfS Erst durch die kontinuierliche Aufarbeitung der Hinterlassenschaften der ehemaligen DDR-Geheimdienste - vor allem des MfS - wird nach und nach der tats\u00e4chliche Umfang der fr\u00fcheren Spionageaktivit\u00e4ten auch f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit sichtbar. Besonders deutlich wird dies an dem technischen und personellen Aufwand, mit dem der westliche Telefonverkehr \u00fcberwacht wurde. Neben der bereits bekannten Tatsache, da\u00df die \u00fcber Richtfunk abgewickelten Telefongespr\u00e4che - insbesondere auf der Funkstrecke zwischen Berlin und dem Bundesgebiet - im gro\u00dfen Stil abgeh\u00f6rt wurden, konnte nunmehr durch Befragung ehemaliger MfS-Mitarbeiter best\u00e4tigt werden, da\u00df auch in das innerst\u00e4dtische Telefonnetz Berlins eingegriffen wurde. Die heutige Erkenntnislage belegt, da\u00df die bereits im M\u00e4rz 1986 zuf\u00e4llig von Postbediensteten entdeckten Kleinstsender in zwei grenznahen West-Berliner Telefonzellen (Invalidenstra\u00dfe und Bomholmer Stra\u00dfe) durch Techniker des MfS installiert wurden. Zu diesem Zweck wurde ein in den Farben der Bundespost lackiertes Fahrzeug eingesetzt und der vorher in Ostberlin trainierte Einbau \"generalstabsm\u00e4\u00dfig\" durchgef\u00fchrt, obwohl in diesem Bereich st\u00e4ndig Polizei und Zoll pr\u00e4sent waren. Das LfV ist damals schon von einer Urheberschaft des MfS ausgegangen. Wie jetzt bekannt wurde, ist dieser schwerwiegende Eingriff in das Fernmeldegeheimnis durchgef\u00fchrt worden, nachdem das MfS beobachtet hatte, da\u00df die grenznahen Telefonzellen bevorzugt von in Ostberlin akkreditierten Diplomaten westlicher Staaten genutzt wurden. In der tr\u00fcgerischen Annahme, auf West-Berliner Boden vor gegnerischem Mith\u00f6ren sicher zu sein, sollen dabei nahezu regelm\u00e4\u00dfig auch wichtige Telefonate mit geheimzuhaltenden Inhalten gef\u00fchrt worden sein. Durch die technische Konstruktion der Minisender war eine \u00fcber f\u00fcnfj\u00e4hrige kontinuierliche Abh\u00f6rung aller von diesen Telefonzellen gef\u00fchrten Gespr\u00e4che m\u00f6glich.","146 3 - Spionageabwehr - 3.3.4 Einflu\u00dfnahme des MfS auf ein fr\u00fcheres Presseorgan Ein zeitlich zwar weit zur\u00fcckliegender, jedoch im Hinblick auf eine spezielle Arbeitsweise gegnerischer Nachrichtendienste heute noch interessanter Fall einer \"aktiven Ma\u00dfnahme\" war die \"Operation EXTRADIENST\" der \"Hauptverwaltung Aufkl\u00e4rung\" (HVA) des MfS. \"Aktive Ma\u00dfnahmen\" von Nachrichtendiensten zielen darauf ab, auf die Innenund Au\u00dfenpolitik anderer Staaten Einflu\u00df zu nehmen, ihre Beziehungen untereinander zu st\u00f6ren und ihre Institutionen und politischen Repr\u00e4sentanten zu diskreditieren. Das ehemalige MfS verf\u00fcgte mit der Abteilung X der HVA \u00fcber einen leistungsf\u00e4higen Apparat, um im Wege \"aktiver Ma\u00dfnahmen\" Einflu\u00df auf die \u00f6ffentliche Meinung der Bundesrepublik Deutschland zu nehmen. Signifikant wird diese Vorgehensweise am Beispiel des \"Berliner EXTRADIENST\", dessen Herausgeber der inzwischen verstorbene Journalist G. war. Schon fr\u00fch hatte das LfV Berlin die durch Indizien gest\u00fctzte Vermutung gehegt, da\u00df der \"Berliner EXTRADIENST\" nicht nur vom MfS gesteuert, sondern auch durch finanzielle Zuwendungen am Leben erhalten wurde. Beide Vermutungen konnten im Jahre 1992 im Zuge von Ermittlungen des LfV best\u00e4tigt werden. Hiernach hatte der damalige Leiter der HVA, Markus WOLF, Mitte der 60er Jahre die Weisung erteilt, die sich entfaltende sog. \"APO-Bewegung\" im Interesse der DDR zu nutzen. Im Auftrag der HVA gr\u00fcndete G. im Jahre 1967 den \"Berliner EXTRADIENST\", der mangels ausreichender wirtschaftlicher Grundlage einen j\u00e4hrlichen Zuschu\u00df des MfS in H\u00f6he von ca. 100.000,-DM erhielt. Als unverf\u00e4ngliche Verbindungsschiene wurde u.a. der VDJ (Verein der Journalisten) im damaligen Ost-Berlin genutzt, wo Redakteure und Journalisten des Blattes sog. \"Informationsgespr\u00e4che\" mit den dortigen \"Kollegen\" f\u00fchrten, die entweder MfS-Angeh\u00f6rige waren oder aber von dort gesteuert wurden, sowie Materialien f\u00fcr die geplanten Ver\u00f6ffentlichungen entgegennahmen. So war es mit der \"Operation EXTRADIENST\" dem MfS und damit der DDR jahrelang m\u00f6glich, unter Nutzung der damals herrschenden antiparlamentarischen Str\u00f6mung mit einem Presseorgan destruktiv auf die politischen und gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse in der Bundesrepublik Deutschland einzuwirken.","3 - Spionageabwehr - 147 3.4 Pr\u00e4ventive Spionageabwehr Zu den elementaren pr\u00e4ventiven Vorkehrungen auf dem Gebiet der Spionageabwehr geh\u00f6ren die Ma\u00dfnahmen des vorbeugenden personellen und materiellen Geheimschutzes in den Beh\u00f6rden des Landes Berlin und der Wirtschaft. Damit eine dem neuesten Stand der Methoden der gegnerischen Nachrichtendienste angepa\u00dfte Arbeit des Bereiches Geheimschutz erfolgen kann, werden diesem f\u00fcr die Durchf\u00fchrung von Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen, Geheimschutzberatungen und f\u00fcr das Aufgabengebiet \"Geheimschutz in der Wirtschaft\" die aktuellen Erkenntnisse aus der Arbeit der Spionageabwehr zug\u00e4nglich gemacht. Es entspricht rechtsstaatlichen Grunds\u00e4tzen, da\u00df eine Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung nur mit Zustimmung des zu \u00dcberpr\u00fcfenden erfolgen darf. Die erforderlichen personenbezogenen Daten werden von dem Betroffenen selbst mitgeteilt und die \u00dcberpr\u00fcfungsma\u00dfnahmen offen durchgef\u00fchrt. Im Falle einer f\u00fcr ihn nachteiligen Entscheidung hat der Betroffene Anspruch auf rechtliches Geh\u00f6r. 3.4.1 Geheimschutz in Landesbeh\u00f6rden Eine R\u00fcckschau auf das Jahr 1992 f\u00fchrt zu der Feststellung, da\u00df die Zahl der von den Beh\u00f6rden des Landes Berlin beantragten Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen im wesentlichen gleich geblieben ist. Ein Arbeitsschwerpunkt war erneut die \u00dcberpr\u00fcfung von etwa 1.000 Personen aus dem Beitrittsgebiet der ehemaligen DDR und Ost-Berlin, die vor allem bei der Berliner Polizei in sicherheitsempfindlichen Bereichen Verwendung finden sollten. Nicht bei allen \u00dcberpr\u00fcften wurden aufgrund der fr\u00fcheren Zugeh\u00f6rigkeit zum MfS Sicherheitsbedenken erhoben. Soweit eindeutig nachzuweisen war, da\u00df sie im MfS der fr\u00fcheren DDR lediglich untergeordnete, nicht gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung versto\u00dfende T\u00e4tigkeiten ausge\u00fcbt hatten, ist von Sicherheitsbedenken Abstand genommen worden.","148 3 - Spionageabwehr - In etwa gleicher Gr\u00f6\u00dfenordnung lag die Anzahl der vorgeschriebenen Wiederholungs\u00fcberpr\u00fcfungen und der \u00dcberpr\u00fcfungen von Mitarbeitern privater Firmen, die in Sicherheitsbereichen des \u00f6ffentlichen Dienstes eingesetzt werden. Das LfV f\u00fchrte bei zahlreichen Dienststellen des Landes Berlin Beratungen \u00fcber die zur Sicherheit von Verschlu\u00dfsachen zu treffenden technischen und nichttechnischen Ma\u00dfnahmen durch und konnte entsprechende Empfehlungen geben. Einen Schwerpunkt bildeten hierbei u.a. auch Beratungen bei Bauvorhaben. Im Verlauf der Gespr\u00e4che mit den Geheimschutzbeauftragten einzelner Dienststellen bzw. den f\u00fcr die Verwaltung von Verschlu\u00dfsachen zust\u00e4ndigen Mitarbeitern wurde erreicht, da\u00df die verschiedentlich noch vorhandenen Tendenzen, dem Schutz von Verschlu\u00dfsachen nach dem Wegfall der Bedrohung durch die Nachrichtendienste der DDR weniger Bedeutung beizumessen, einer sicherheitsbewu\u00dfteren Einstellung gewichen sind. Unterst\u00fctzt wurden diese Sicherheitsberatungen durch die Verteilung bzw. den Versand von Geheimschutzwerbemitteln. 3.4.2 Geheimschutz in der Wirtschaft Durch den Geheimschutz in der Wirtschaft sollen Unternehmen, die der Geheimhaltung unterliegende staatliche Auftr\u00e4ge ausf\u00fchren, vor Aussp\u00e4hung durch gegnerische Nachrichtendienste und Sabotage gesch\u00fctzt werden. 'Das LfV wirkt auf Ersuchen der zust\u00e4ndigen Senatsverwaltung f\u00fcr Wirtschaft und Technologie bei der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung von Personen mit, die in sicherheitsempfindlichen Stellen von lebensoder verteidigungswichtigen Einrichtungen besch\u00e4ftigt sind oder werden sollen. Es ist davon auszugehen, da\u00df die Zahl der Personenanfragen im Zusammenhang mit der Ausgestaltung Berlins zum Parlamentsund Regierungssitz und den damit verbundenen sicherheitsempfindlichen Bauvorhaben in den n\u00e4chsten Jahren ansteigen wird. Die Unternehmen werden dar\u00fcber hinaus auf Wunsch in allen Sicherheitsfragen beraten, insbesondere dar\u00fcber, wie sie sich vor gegnerischer Ausfor-","3 - Spionageabwehr - 149 schung, vor nachrichtendienstlich gesteuerter Sabotage und vor terroristischen Anschl\u00e4gen sch\u00fctzen k\u00f6nnen. 3.5 B\u00fcrgerberatung Die pr\u00e4ventive Arbeit der Spionageabwehr hat nicht allein das Ziel, die Anwerbung von B\u00fcrgern durch fremde Geheimdienste zu erschweren; sie hat auch die Aufgabe, Personen, die sich bereits nachrichtendienstlich verstrickt haben, zu helfen. Strafbar macht sich nach dem Strafgesetzbuch nicht nur derjenige, der f\u00fcr den Geheimdienst einer fremden Macht eine geheimdienstliche T\u00e4tigkeit gegen die Bundesrepublik Deutschland aus\u00fcbt, sondern auch derjenige, der sich zu einer solchen T\u00e4tigkeit bereit erkl\u00e4rt. Dabei reicht schon eine m\u00fcndliche Erkl\u00e4rung z.B. gegen\u00fcber einem Angeh\u00f6rigen eines fremden Geheimdienstes aus. Die Strafbarkeit entf\u00e4llt nicht, wenn der T\u00e4ter, entgegen seiner Erkl\u00e4rung, keine nachrichtendienstliche T\u00e4tigkeit entfaltet. Die Strafgesetze enthalten jedoch Bestimmungen, nach der das Gericht die Strafe mildern oder von einer Bestrafung absehen kann, wenn sich ein Betroffener von sich aus einer Beh\u00f6rde gegen\u00fcber offenbart. Jedem von einem Anbahnungsversuch fremder Geheimdienste betroffenen B\u00fcrger kann deshalb geraten werden, sich vertrauensvoll an die zust\u00e4ndige Spionageabwehrbeh\u00f6rde zu wenden. Wer mit Sachverhalten konfrontiert worden ist, die auf einen nachrichtendienstlichen Hintergrund schlie\u00dfen lassen, oder wer von Aktivit\u00e4ten gegnerischer Nachrichtendienste Kenntnis erhalten hat, wird daher gebeten, sich an die zust\u00e4ndige Verfassungsschutzbeh\u00f6rde zu wenden. Das LfV Berlin steht jederzeit - auch in Zweifelsf\u00e4llen - f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch zur Verf\u00fcgung. Die Beratungsstelle des LfV ist unter der Telefonnummer 867 42 16 zu erreichen. Selbstverst\u00e4ndlich werden alle Informationen und Hinweise vertraulich behandelt; dies gilt auch f\u00fcr Angelegenheiten auf dem Gebiet des politischen Extremismus.","150 3 - Spionageabwehr - 3.6 Ausblick Aus den Entwicklungen des Jahres 1992 lassen sich f\u00fcr die k\u00fcnftige Abwehrarbeit des LfV Berlin folgende Schl\u00fcsse ziehen: Die osteurop\u00e4ischen Nachrichtendienste befinden sich in einer noch andauernden Phase des Umbruchs, die mit einer Neubestimmung ihrer Aufkl\u00e4rungsziele und -methoden verbunden ist. Als Grundtendenz ist inzwischen erkennbar, da\u00df daf\u00fcr die nationale Interessenlage der jeweiligen Staaten im Verh\u00e4ltnis zur Bundesrepublik Deutschland bestimmend ist. Art und Umfang der Spionageaktivit\u00e4ten d\u00fcrften daher in Zukunft jeweils vom Stand der bilateralen politischen und wirtschaftlichen Beziehungen gepr\u00e4gt sein. F\u00fchrende Repr\u00e4sentanten, namentlich aus Ru\u00dfland und Polen, halten die Aufkl\u00e4rungsdienste ihrer Staaten weiterhin f\u00fcr ein notwendiges Mittel der Politik. Sie sehen darin keinen Widerspruch zu den Bem\u00fchungen um gegenseitige Ann\u00e4herung und Zusammenarbeit auch in sicherheitspolitischen Fragen. Vor diesem Hintergrund ist eine Fortsetzung der Beobachtung jener osteurop\u00e4ischen Nachrichtendienste erforderlich, die nach wie vor in einer beachtlichen Gr\u00f6\u00dfenordnung in Berlin pr\u00e4sent und aktiv sind. Ein besonderes Augenmerk wird das LfV in Zukunft auch auf die Nachrichtendienste sog. Krisenund Schwellenl\u00e4nder zu richten haben, deren Aktivit\u00e4ten nicht nur die ausw\u00e4rtigen Belange der Bundesrepublik Deutschland, sondern auch die innere Sicherheit gef\u00e4hrden. Die T\u00e4tigkeit der Spionageabwehr ist in diesem Bereich darauf gerichtet, jeweils im Vorfeld zollrechtlicher und strafprozessualer Ma\u00dfnahmen jegliche nachrichtendienstlich gesteuerte Beschaffung kriegsf\u00e4higer G\u00fcter (sog. sensitive Exporte) sowie den illegalen Transfer gesch\u00fctzter (R\u00fcstungs-)Technologien aufzukl\u00e4ren. Dar\u00fcber hinaus gilt es, von Nachrichtendiensten dieser L\u00e4nder geplante (staats-)terroristische Aktionen gegen Personen und Einrichtungen im","3 - Spionageabwehr - 151 Bundesgebiet fr\u00fchzeitig zu erkennen, damit von den zust\u00e4ndigen Stellen geeignete Abwehrma\u00dfnahmen ergriffen werden k\u00f6nnen. Das Kapitel MfS kann vorerst noch nicht abgeschlossen werden. Die Enttarnung von fr\u00fcheren MfS-Agenten, die noch immer unentdeckt in Staat und Gesellschaft leben und m\u00f6glicherweise schon f\u00fcr einen anderen fremden Nachrichtendienst agieren, d\u00fcrfte auch in n\u00e4chster Zeit eine unverzichtbare Aufgabe der Spionageabwehr sein. Ferner hat das LfV Berlin auf diesem Gebiet mit Inkrafttreten des neuen Landesverfassungsschutzgesetzes die Aufgabe erhalten, fr\u00fchere, fortwirkende Strukturen und T\u00e4tigkeiten der ehemaligen DDR-Nachrichtendienste festzustellen. Die mehr als 100.000 ehemaligen Mitarbeiter der aufgel\u00f6sten Dienste, von denen etwa 35.000 in Berlin leben, bilden zumindest teilweise ein Risikopotential f\u00fcr die innere Sicherheit. Das LfV Berlin hat sich inzwischen auf die grundlegenden Ver\u00e4nderungen, die im Bereich der Spionageabwehr nicht zuletzt durch die Aufl\u00f6sung der DDRNachrichtendienste eingetreten sind, sowohl strukturell als auch konzeptionell eingestellt. Die notwendigen Anpassungen bilden eine wesentliche Voraussetzung daf\u00fcr, auch k\u00fcnftig allen illegalen T\u00e4tigkeiten fremder Nachrichtendienste in Berlin durch geeignete Abwehrma\u00dfnahmen begegnen zu k\u00f6nnen.","","4 - Anhang I: Kurzdarstellungen - 153 4 Anhang I Kurzdarstellungen wichtiger extremistischer Organisationen","","4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 155 4.1 Linksextremismus 4.1.1 Linksextremistisch motiviertes Gewaltpotential 4.1.1.1 \"Rote Armee Fraktion\" (RAF) Terrorgruppe, die sich in einem \"bewaffneten antiimperialistischen Kampf\" sah und \u00fcber milit\u00e4rische Offensiven eine \"einheitliche antiimperialistische Front in Westeuropa\" als Zwischenetappe zu einer kommunistischen Gesellschaft anstrebte. Ihr illegaler Kern (Kommandobereich) besteht aus etwa 1 5 - 2 0 Personen. Offensiven der RAF wurden durch Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge der \"Militanten der RAF\", die als \"zweite k\u00e4mpfende Ebene\" in die RAF eingebunden waren, unterst\u00fctzt. Angaben \u00fcber deren personelle St\u00e4rke sind nicht m\u00f6glich. Zur Zeit hat die RAF zwar in Form der \"Kommandoerkl\u00e4rung\" vom 10. April 1992 die \"R\u00fccknahme der Eskalation\" angek\u00fcndigt, aber gleichzeitig erkl\u00e4rt, sie werde den bewaffneten Kampf aufnehmen, falls der Staat nicht ihre Forderungen erf\u00fclle. Das bundesweit aus ca. 250, in Berlin aus ca. 50 Personen bestehende RAFUmfeld, davon ca. 15 im engeren RAF-Umfeld agierende Aktivisten, unterst\u00fctzt die RAF propagandistisch und \u00fcbt als Sprachrohr der RAF eine wichtige Vermittlerrolle aus. 4.1.1.2 \"Revolution\u00e4re Zellen\" (RZ) Kleingruppen ohne erkennbare Struktur, die mit z.T. schweren Sprengstoffund Brandanschl\u00e4gen, Sabotageakten und \"Bestrafungsaktionen\", wie Kniesch\u00fcssen, ein auf Breitenwirkung angelegtes - teilweise \"sozialrevolution\u00e4res\" Konzept - verfolgen. Die RZ kn\u00fcpfen hierbei in der Regel an aktuelle gesellschaftliche Probleme an.","156 4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 4.1.1.3 Autonome Lose strukturierte Zusammenschl\u00fcsse - teilweise auch Einzelpersonen ohne Gruppenzusammenhang - mit diffusen anarchistischen, nihilistischen, bisweilen auch revolution\u00e4r-marxistischen Zielen. Sie bef\u00fcrworten und praktizieren militante Aktionen, wie \u00f6ffentliche gewaltt\u00e4tige Protestaktionen, aber auch Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge, im Kampf gegen \"das System\". Die Zahl der Autonomen wird bundesweit auf etwa 5.000 Personen gesch\u00e4tzt, auf Berlin entfallen davon etwa 1.200. Organe: \"radikal\", \"INTERIM\", \"Besetzerinnen Zeitung\". 4.1.2 Marxistisch-leninistische und sonstige revolution\u00e4r-marxistische Gruppen 4.1.2.1 \"Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD\" (AB) Der stalinistisch ausgerichtete AB, 1973 durch Zusammenschlu\u00df \"Sozialistischer Betriebsgruppen\" mit \"Arbeiter-Basis-Gruppen\" in Bayern entstanden, hat sich \u00fcber Linienk\u00e4mpfe faktisch in zwei gleich gro\u00dfe Fraktionen gespalten. Bundesweit verf\u00fcgt der AB \u00fcber etwa 200 Anh\u00e4nger, in Berlin besteht eine Splittergruppe. Organ: \"KAZ - Kommunistische Arbeiterzeitung\", mtl. 4.1.2.2 \"Bund Westdeutscher Kommunisten\" (BWK) Der 1980 als Abspaltung des \"Kommunistischen Bund Westdeutschland\" (KBW) gegr\u00fcndete BWK strebt die \"Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparates\" an. Der BWK verf\u00fcgt bundesweit \u00fcber etwa 300 Mitglieder; in Berlin sind etwa 20 Personen im BWK organisiert. Organ: \"Politische Berichte\", 14tgl., Aufl.: 1.200.","4 - Anhang I: Kurzdarstellungen - 157 4.1.2.3 \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD) 1968 als \"Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten\" (KPD/M-L) gegr\u00fcndet, 1980 in KPD umbenannt. 1986 Fusion der Mehrheitsfraktion mit der trotzkistischen \"Gruppe Internationale Marxisten\" (GIM) zur \"Vereinigten Sozialistischen Partei\" (VSP). Verblieben sind Splittergruppen, von denen jede f\u00fcr sich den bisherigen Parteinamen beansprucht und die insgesamt etwa 70, in Berlin etwa 30, Mitglieder umfassen. Organe: \"Roter Morgen\", mtl., \"Roter Blitz\", mtl., Aufl.: jeweils 200 bis 300. 4.1.2.4 \"Kommunistischer Bund\" (KB) Der 1971 gegr\u00fcndete KB hat sich auf seinem letzten Kongre\u00df am 20. April 1991 aufgel\u00f6st. Eine Minderheitsfraktion gr\u00fcndete am 7. Juli 1991 die \"Gruppe K\". Publikation: \"ak (neue folge) analyse & kritik-Zeitung f\u00fcr linke Debatte und Praxis\", mtl., Aufl. 4.600. 4.1.2.5 \"Gruppe K\" Die aus einer Minderheitsfraktion des im April 1991 aufgel\u00f6sten \"Kommunistischen Bundes\" (KB) hervorgegangene Gruppe mit etwa 80 Mitgliedern wurde am 7. Juli 1991 in Dortmund formell gegr\u00fcndet. Sie h\u00e4lt ideologisch am Ziel des Kommunismus fest. Ein Hauptzweck der Organisation liegt nach eigenem Bekunden in den Bereichen der Analyse sowie der Theorieund Strategieentwicklung. Publikation: \"Bahamas\", unreg. 4.1.2.6 \"Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands\" (MLPD) Die 1982 in Bochum gegr\u00fcndete, aus dem \"Kommunistischen Arbeiterbund Deutschlands\" (KABD) hervorgegangene MLPD bekennt sich zur Theorie des","158 4 - Anhang I: Kurzdarstellungen - Marxismus-Leninismus in seiner Interpretation durch MAO ZEDONG. In der MLPD sind bundesweit 1.700 Mitglieder organisiert, in Berlin geh\u00f6ren ihr bis zu 100 Personen an. Zentralorgan: \"Rote Fahne\", wo., Aufl.: 6.000. Nebenorganisation: \"REBELU'-Jugendverband der MLPD. 4.1.2.7 \"Marxistische Gruppe\" (MG) Die Anfang der 70er Jahre aus \"Roten Zellen\" hervorgegangene MG hat sich am 20. Mai 1991 formell selbst \"aufgel\u00f6st\". Intern wahrte sie jedoch ihren Zusammenhalt. Zum Zeitpunkt der Aufl\u00f6sung hatte die MG bundesweit mehr als 10.000 Anh\u00e4nger. Publikationen: Die Herausgabe der Periodika \"Marxistische Arbeiterzeitung\" (MAZ), \"Marxistische Hochschulzeitung\" (MHZ) und \"Marxistische Streitund Zeitschrift\" (MSZ) (Aufl.: bis zu 10.000) wurde im Mai 1991 eingestellt. Als neue Zeitschrift erscheint seit M\u00e4rz 1992 \"GegenStandpunkt\", vj. 4.1.2.8 \"Revolution\u00e4re Kommunisten (BRD)\" (RK) Ein nach stalinistischem Prinzip organisierter Zusammenschlu\u00df von deutschen Anh\u00e4ngern der \"Revolutionary Internationalist Movement\" (RIM). Diesem 1984 entstandenen Dachverband (Sitz: London) geh\u00f6ren derzeit 19 revolution\u00e4re Parteien und Zusammenschl\u00fcsse aus verschiedenen L\u00e4ndern an. Als deutsche Gruppierung der RIM verf\u00fcgen die RK - mit regionalem Schwerpunkt in Berlin - \u00fcber etwa 150 Anh\u00e4nger. Publikation: \"Aufstand-Zeitung der Revolution\u00e4ren Kommunisten (BRD)\", unreg.","4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 159 4.1.2.9 \"Rote Hilfe e.V.\" (RH) 1975 gegr\u00fcndete Rechtsund Hafthilfeorganisation der \"Neuen Linken\", die ma\u00dfgeblich von Mitgliedern/ehemaligen Mitgliedern mehrerer K-Gruppen getragen wird und bundesweit \u00fcber 700, in Berlin \u00fcber etwa 100 Mitglieder verf\u00fcgt. Publikationen: \"Die Rote Hilfe\", vj., Aufl.: 2.000 bis 2.500; in Berlin: \"Rote Hilfe Info\", mtl. 4.1.2.10 \"Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg\" (Volksfront) 1979 von der damaligen KPD/ML gegr\u00fcndete \"antifaschistische\" B\u00fcndnisorganisation mit einem hohen Anteil von Mitgliedern des BWK und der VSP; in den F\u00fchrungsgremien dominieren inzwischen Mitglieder des BWK. Die Volksfront hat derzeit 400 Mitglieder, von denen unter 20 im \"Landesverband Westberlin\" organisiert sind. Publikationen: \"Antifaschistische Nachrichten\", 14tgl., Aufl.: 600; \"Volksecho\", vj., Aufl.: 800; in Berlin: \"frontblatt\", mtl., Aufl.: 300. 4.1.2.11 \"Vereinigte Sozialistische Partei\" (VSP) Die 1986 aus einer Fusion der \"Kommunistischen Partei Deutschlands\" (KPD) und der \"Gruppe Internationale Marxisten\" (GIM) hervorgegangene VSP umfa\u00dft bundesweit etwa 300 Mitglieder, die in zahlreichen Ortsgruppen u.a. im Westteil Berlins organisiert sind. Organ: \"SoZ - Sozialistische Zeitung\", 14 tgl., Aufl.: 2.500. 4.1.2.12 \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) Am 20. November 1991 von ehemaligen SEW/SI-Funktion\u00e4ren gegr\u00fcndete \"orthodox\"-kommunistische Kernorganisation. Der DKP-Bezirksorganisation Berlin-Brandenburg geh\u00f6ren derzeit ca. 50 Mitglieder an. Publikation: \"Kommunistische Korrespondenz\" - Zeitung der DKP-Berlin-Brandenburg -.","160 4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 4.1.2.13 \"Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend\" (SDAJ) Die seit Anfang 1991 auch in Berlin bestehende SDAJ ist die Jugendorganisation der DKP, von der sie als \"Kaderreserve\" angesehen wird. Der SDAJ Berlin-Brandenburg geh\u00f6ren etwa zehn Mitglieder an. Publikation: \"position\" - magazin der SDAJ -. 4.1.2.14 \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD) Am 31. Januar 1990 in Ost-Berlin f\u00fcr das Gebiet der ehemaligen DDR wiedergegr\u00fcndete \"orthodox\"-kommunistische Kernorganisation mit gesamtdeutschem Anspruch. In Ost-Berlin geh\u00f6ren ca. 40 Mitglieder der KPD an. Publikation: \"Trotz alledem\" - Monatsschrift der \"Kommunistischen Partei Deutschlands\". 4.1.2.15 \"St\u00e4ndiger Rat Marxistischer Parteien\" (SRMP) Am 21. April 1991 konstituierten sich in Berlin vier marxistisch-orientierte Organisationen bzw. Parteien zum SRMP. Die beteiligten Parteien wollen unter Wahrung ihrer Eigenst\u00e4ndigkeit solidarisch zusammenarbeiten. Ziel des Zusammenschlusses ist nach der erkl\u00e4rten Absicht seiner Gr\u00fcnder, \"zur Bildung einer einheitlichen revolution\u00e4ren Klassenpartei beizutragen\". 4.1.2.16 \"Bund Sozialistischer Arbeiter\" (BSA) Der 1971 gegr\u00fcndete BSA, dem bundesweit unter 100 Mitglieder angeh\u00f6ren, sieht im Kampf gegen \"Stalinismus und Kapitalismus\" die zentrale Achse seines Programms. Er geh\u00f6rt dem internationalen trotzkistischen Zusammenschlu\u00df \"Internationales Komitee der Vierten Internationale\" (IKVI) als deutsche Sektion an. Organ: \"neue ARBEITERPRESSE\", wo.","4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 161 4.1.2.17 \"Gruppe Avanti\" Die \"Gruppe Avanti\" ist im September 1992 aus einem Zusammenschlu\u00df von Anh\u00e4ngern der internationalen trotzkistischen Bewegung \"IV. Internationale (Vereinigtes Sekretariat)\" (VS) entstanden. Ihr geh\u00f6ren ehemalige Mitglieder der VSP sowie die Angeh\u00f6rigen der \"Gruppe Revolution\u00e4re Sozialistinnen\" (GRS) an. Die GRS hat mit dem Zusammenschlu\u00df ihren Namen aufgegeben; ihre Mitglieder bezeichnen sich jetzt als Mitglieder der Vierten Internationale. Ziel der Gruppe ist die \"Herstellung verbindlicher Strukturen der Vierten Internationale sowie die Rekonstruktion einer Sektion in Gesamtdeutschland\". Publikation: \" \"Avanti-Zeitung der Gruppe Avanti (Vierte Internationale)\", mtl. \"INPREKORR - Internationale Pressekorrespondenz - deutschsprachiges Informationsorgan des Vereinigten Sekretariats der IV. Internationale in der Bundesrepublik Deutschland\", mtl., Aufl.: 1.000. 4.1.2.18 \"Internationale Sozialistische Arbeiterorganisation\" (ISA) Die 1979 gegr\u00fcndete ISA, deutsche Sektion der \"IV. Internationale (Internationales Zentrum f\u00fcr ihren Wiederaufbau)\" - IZ -, ging aus einer Gruppe um die trotzkistische Zeitschrift \"Internationale Arbeiterkorrespondenz\" (IAK) hervor und umfa\u00dft etwa 250 Mitglieder, davon etwa 20 in Berlin. Organ: \"Sozialistische Arbeiterzeitung\" (SAZ), dt. Beilage der mtl. Zeitschrift \"Internationale Trib\u00fcne - La Verite\", die vom Generalrat der \"IV. Internationale (IZ)\" herausgegeben wird. 4.1.2.19 \"Vereinigung der Arbeitskreise f\u00fcr Arbeitnehmerpolitik und Demokratie\" (VAA) 1989 mit dem Ziel, Gewerkschafter, Sozialdemokraten und Jugendliche zur Mitarbeit zu gewinnen, von der ISA gebildete Tarnorganisation. Organ: \"Freie Trib\u00fcne f\u00fcr Arbeitnehmerpolitik\", wo.","162 4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 4.1.2.20 \"Sozialistische Arbeitergruppe\" (SAG) Die 1969/70 aus dem Frankfurter SDS hervorgegangene SAG ist die deutsche Sektion der internationalen Str\u00f6mung \"Internationale Sozialisten\" (IS), die ihren Ursprung in Gro\u00dfbritannien hat. Die etwa 250 Mitglieder sind in mehreren Ortsgruppen u.a. in Berlin organisiert. Die SAG erstrebt \u00fcber Betriebsund Gewerkschaftsarbeit den Aufbau einer revolution\u00e4ren kommunistischen Partei. Publikation: \"Klassenkampf\", mtl., Aufig.: \u00fcber 3.000. 4.1.2.21 \"Spartakist-Arbeiterpartei Deutschlands\" (SpAD) Im Januar 1990 in Berlin gegr\u00fcndeten SpAD, deutsche Sektion der \"Internationalen Kommunistischen Liga (Vierte Internationalisten)\" (IKL), geh\u00f6ren etwa 150 Mitglieder an. Vorl\u00e4uferorganisationen waren die 1974 gegr\u00fcndete \"Trotzkistische Liga Deutschlands\" (TLD) sowie die 1989 auf dem Gebiet der damaligen DDR gegr\u00fcndeten \"Spartakist-Gruppen\". Organ: \"Spartakist\", mtl. 4.1.2.22 \"Gruppe Arbeitermacht\" (GAM) Die erstmals 1983 bekanntgewordene Splittergruppe GAM, deutsche Sektion der internationalen trotzkistischen Bewegung \"Liga f\u00fcr eine revolution\u00e4re kommunistische Internationale\" (LRKI), bildete bis Oktober 1991 eine \"revolution\u00e4r-kommunistische Fraktion\" in der PDS Berlin. Ziel der das Konzept eines \"offenen Entrismus\" vertretenden GAM ist die Gr\u00fcndung einer \"revolution\u00e4ren Partei\". Publikation: \"Arbeitermacht\", unreg. 4.1.2.23 \"Gruppe Spartakus\" (GS) Diese Splittergruppe wurde 1983 als \"Gruppe IV. Internationale\" von Personen gegr\u00fcndet, die aus der damaligen \"Trotzkistischen Liga Deutschlands\" (TLD) ausgeschlossen worden waren. Seit August 1990 ist diese Gruppe deutsche","4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 163 Sektion der internationalen trotzkistischen Bewegung \"Bolschewistische Tendenz\" (BT) mit Kontaktadressen in Berlin und Hamburg. Publikationen: \"Trotzkistisches Bulletin\", unreg. \"BOLSCHEWIK\", unreg.","","4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 165 4.2 Rechtsextremismus 4.2.1 Neuer Nationalsozialismus (Neonazismus) 4.2.1.1 \"ASGARD-Bund e.V.\" Der 1980 unter dem ma\u00dfgeblichen Einflu\u00df des militanten Neonazis ArnulfWinfried PRIEM gebildete \"ASGARD-Bund e.V.\" versteht sich als Gemeinschaft heidnisch-germanischer Weltanschauung und strebt die Gleichstellung des germanischen Kulturkreises mit den anderen Religionen an. Der Verein tritt inzwischen nur noch durch die j\u00e4hrliche Herausgabe seines \"NordischGermanischen Jahrweisers\" sowie durch den Handel mit germanisierenden Devotionalien und neonazistischen Videos hervor. 4.2.1.2 \"Bund Vaterlandstreuer Volksgenossen\" (BVV) 1988 in Berlin (West) entstandene neonazistische, politisch weitgehend selbst\u00e4ndig operierende Kleinstgruppe, die in den vergangenen Jahren sporadisch mit Klebeaktionen (Holocaust in ISRAEL SCHLUSS MIT DER KNECHTUNG DES PAL\u00c4STINENSISCHEN VOLKES und Schaffendes Deutschland erwache, brich deine Ketten entzwei) in Erscheinung trat. 4.2.1.3 \"Deutsche Alternative\" (DA) Die 1989 in Bremen gegr\u00fcndete, bundesweit etwa 340 Mitglieder umfassende Organisation vertritt die politischen Ziele des verstorbenen Neonazis Michael K\u00dcHNEN. Von den etwa 20 Berliner Mitgliedern der DA sind einige zugleich Angeh\u00f6rige der \"Nationalen Alternative Berlin\" (NA Berlin). Am 10. Dezember 1992 wurde die DA durch den Bundesmimister des Innern verboten.","166 4 - Anhang I: Kurzdarstellungen - 4.2.1.4 \"Deutsche Jugendinitiative Berlin11 (DJI) Loses Aktionsb\u00fcndnis von Anh\u00e4ngern der ehemaligen neonazistischen \"Bewegung\", der \"Nationalistischen Front\" (NF) und einigen unorganisierten Neonazis. Seit 1986 tritt die DJI sporadisch mit Flugblattaktionen in der \u00d6ffentlichkeit auf. 4.2.1.5 \"Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei\" (FAP) Seit 1984 von Anh\u00e4ngern der 1983 verbotenen neonazistischen ANS/NA unterwanderte Organisation. Der erst am 20. Oktober 1990 gegr\u00fcndete Landesverband Berlin der FAP ist mit etwa 40 Aktivisten die gr\u00f6\u00dfte neonazistische Organisation Berlins. Bundesweit geh\u00f6ren der FAP etwa 220 Mitglieder an. 4.2.1.6 \"Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front\" (GdNF) Fr\u00fchere Bezeichnung f\u00fcr die Anh\u00e4nger des 1991 verstorbenen Neonazis Michael K\u00dcHNEN; nach dem Tode K\u00dcHNENS nur noch eine Funktion\u00e4rsgruppe zur Herausgabe der Zeitschrift \"Die Neue Front\". 4.2.1.7 \"Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V.\" (HNG) 1979 gegr\u00fcndete Organisation zur Unterst\u00fctzung inhaftierter Neonazis mit etwa 220 Mitgliedern. In Berlin ohne Gliederung, sondern nur Einzelmitglieder. Publikation: \"Nachrichten der HNG\". 4.2.1.8 \"Ku-Klux-Klan\" (KKK) 1865 in den S\u00fcdstaaten der USA gegr\u00fcndeter militant-rassistischer Geheimbund. 1991 wurden einige KKK-Gruppen in der Bundesrepublik Deutschland bekannt; auch in Berlin und der n\u00e4heren Umgebung versuchte der KKK seit Mitte 1991 Fu\u00df zu fassen. Die Anh\u00e4nger der KKK-Gruppen achten auf ein pseudoreligi\u00f6ses Leben ihrer Mitglieder und bedienen sich zahlreicher Rituale, von denen sie sich eine \"magnetische\" Au\u00dfenwirkung versprechen.","4 - Anhang I: Kurzdarstellungen - 167 4.2.1.9 \"Nationale Alternative Berlin\" (NA Berlin) Eine am 1. Februar 1990 unter ma\u00dfgeblichem Einflu\u00df westdeutscher K\u00dcHNEN-Anh\u00e4nger im Ostteil Berlins gegr\u00fcndete Organisation, deren Mitgliederzahl im Jahr 1992 auf etwa 15 Aktivisten zur\u00fcckgegangen ist. 4.2.1.10 \"Nationalistische Front\" (NF) 1985 gegr\u00fcndete, 1992 bis zur Spaltung der Organisation bundesweit etwa 130 Personen umfassende Vereinigung mit nationalrevolution\u00e4rer Ausrichtung. In Berlin existierte bis Mitte 1992 eine etwa 20 Mitglieder umfassende Ortsgruppe. Die NF wurde am 27. November 1992 vom Bundesminister des Innern verboten. Die Berliner NF-Angeh\u00f6rigen, die sich bereits vor dem Verbot von der von Meinolf SCH\u00d6NBORN (Bielefeld) gef\u00fchrten NF getrennt hatten, gr\u00fcndeten inzwischen mit Brandenburger Neonazis die \"Sozialrevolution\u00e4re Arbeiterfront\" (SrA) und das \"F\u00f6rderwerk Mitteldeutsche Jugend\" (FMJ). 4.2.1.11 \"Nationale Offensive\" (NO) Am 3. Juli 1990 in Augsburg gegr\u00fcndete v\u00f6lkisch-nationalistische Gruppierung unter F\u00fchrung des ehemaligen FAP-Aktivisten Michael SWIERCZEK, umfa\u00dft bundesweit etwa 100 Mitglieder. Der Landesverband Berlin-Brandenburg wurde am 8. August 1992 in Berlin gegr\u00fcndet. Die NO wurde am 22. Dezember 1992 vom Bundesminister des Innern verboten. 4.2.1.12 \"Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei - Auslandsund Aufbauorganisation\" (NSDAP-AO) Seit 1976 aktive Gruppe, die mehrere St\u00fctzpunkte in der Bundesrepublik Deutschland unterh\u00e4lt, um das von dem US-B\u00fcrger Gary Rex LAUCK, dem \"Propagandaleiter\" der NSDAP-AO, in den USA erstellte umfangreiche neonazistische Propagandamaterial in der Bundesrepublik zu verbreiten.","168 4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 4.2.1.13 \"Neonazikreis um Curt M\u00fcller\" Seit 1974 bekannter Aktionszirkel um die wegen NS-Aktivit\u00e4ten vorbestraften Eheleute Curt und Ursula M\u00dcLLER. Das Ehepaar M\u00dcLLER beschr\u00e4nkt sich seit 1986 im wesentlichen auf die Durchf\u00fchrung von \"Sonnwendund HitlerGeburtstagsfeiern\" auf ihrem Anwesen in Mainz-Gonsenheim. 4.2.1.14 \"Vandalen - Ariogermanische Kampfgemeinschaft\" Die in den \u00f6stlichen Bezirken Berlins beheimatete neonazistische Kleinstgruppe unterh\u00e4lt seit der Wende Kontakte zur FAP und anderen neonazistischen Organisationen in Berlin und Umgebung. 4.2.1.15 \"V\u00f6lkischer Freundeskreis\" (VFK) 1989 von ehemaligen Mitgliedern der damaligen \"Kameradschaft Berlin\" der GdNF ins Leben gerufene Funktion\u00e4rsgruppe, die sich von Michael K\u00dcHNEN als F\u00fchrer distanziert hatte. Nach monatelanger Inaktivit\u00e4t wurde Anfang Juli 1991 die neonazistische Kleinstgruppe mit Unterst\u00fctzung der FAP reaktiviert. Im Jahr 1992 keine wesentlichen Aktivit\u00e4ten. 4.2.1.16 \"Wiking-Jugend, volkstreue nordl\u00e4ndische Jugendbewegung Deutschlands e.V.\" (WJ) Die 1952 gegr\u00fcndete, heute bundesweit etwa 400 Mitglieder umfassende WJ sieht sich in der Tradition der \"Hitler-Jugend\". Die etwa 10 Mitglieder des Gaues Berlin der WJ beteiligten sich 1991 und 1992 an verschiedenen Veranstaltungen anderer rechtsextremistischer Organisationen. 4.2.1.17 \"Wotans Volk\" Erstmals im Jahr 1987 als \"Jugendgruppe\" des \"ASGARD-Bundes e.V.\" hervorgetretener Zusammenschlu\u00df einiger Anh\u00e4nger des militanten Neonazis Arnulf-Winfried PRIEM, der mit dieser Gruppe die Tradition der 1984 aufgel\u00f6sten \"Kampfgruppe PRIEM e.V.\" fortsetzt. Die Gruppe beteiligt sich sporadisch an Flugblattund Schmieraktionen neonazistischen Charakters.","4 - Anhang I: Kurzdarstellungen - 169 4.2.2 \"Nationalfreiheitliche\"/\"Nationaldemokraten\" 4.2.2.1 \"Deutsche Volksunion e.V.\" (DVU e.V.) einschlie\u00dflich: \"Aktion Oder-Neisse\" (AKON), - * \"Aktion deutsches Radio und Fernsehen\" (ARF), \"Deutscher Schutzbund f\u00fcr Volk und Kultur\" (DSVK), \"Ehrenbund Rudel\" (ER), \"Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung\" (l.f.A.), \"Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie\" (VOGA). 1971 von dem M\u00fcnchener Verleger Dr. Gerhard FREY als \"\u00fcberparteiliches\" Sammelbecken der \"Verfassungstreuen Rechten\" gegr\u00fcndete Kernorganisation der \"National-Freiheitlichen\". In den von FREY herausgegebenen Wochenzeitungen (\"Deutsche National-Zeitung\", Aufl.: 52.000, \"Deutsche Wochen-Zeitung\"/\"Deutscher Anzeiger\", Aufl.: 33.000) wird regelm\u00e4\u00dfig rechtsextremistische Agitation betrieben. Seit Gr\u00fcndung des Berliner Landesverbandes der DVU sind f\u00fcr die DVU e.V. keine Aktivit\u00e4ten mehr zu verzeichnen; die Mitglieder des Vereins sind automatisch Mitglieder der Partei. 4.2.2.1.1 \"Deutsche Volksunion\" (DVU) 1987 auf Initiative Dr. FREYs gegr\u00fcndete Partei. Die DVU ist mit inzwischen etwa 26.000 Mitgliedern [Dr. FREY nennt h\u00f6here Zahlen] die mit Abstand gr\u00f6\u00dfte Partei im rechtsextremistischen Spektrum. Der 1988 gegr\u00fcndete Berliner Landesverband ist mit etwa 735 Mitgliedern die zahlenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dfte rechtsextremistische Organisation in Berlin. 4.2.2.2 \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) Die 1964 aus der \"Deutschen Reichspartei\" (DRP) und anderen rechtsextremistischen Organisationen hervorgegangene NPD umfa\u00dfte 1992 bundesweit etwa 5.000 Mitglieder. Der Landesverband Berlin-Brandenburg der NPD hatte","170 4 - Anhang I: Kurzdarstellungen - zum Jahresende 1992 etwa 175 Mitglieder. Die NPD-Jugendorganisation \"Junge Nationaldemokraten\" (JN) umfa\u00dfte 1992 bundesweit etwa 200, in Berlin etwa 15 Mitglieder. 4.2.2.3 \"Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat\" (Deutsche Liga) Am 3. Oktober 1991 von ehemaligen Angeh\u00f6rigen der NPD sowie der Partei \"Die Republikaner\" offiziell gegr\u00fcndete, aus dem \"F\u00f6rderverein Vereinigte Rechte\" hervorgegangene Partei mit bundesweit etwa 800 Mitgliedern. Dem am 8. Februar 1992 gegr\u00fcndeten Landesverband Berlin-Brandenburg der \"Deutschen Liga\" geh\u00f6ren etwa 140 Personen an. 4.2.2.4 \"Die Nationalen e.V.\" \"Die Nationalen e.V.\" wurden im September 1991 von Angeh\u00f6rigen der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD), \"Deutschen Liga f\u00fcr Volk und Heimat\" (Deutsche Liga), \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) und Mitgliedern der Partei \"Die Republikaner\"* unter dem Namen \"Freiheitliche W\u00e4hlergemeinschaft 'Wir sind das Volk'\" als Zweckgemeinschaft f\u00fcr die Teilnahme an den Wahlen zu den Berliner Bezirksverordnetenversammlungen (BW) am 24. Mai 1992 gegr\u00fcndet. Dem Verein geh\u00f6ren etwa 50 Personen an. 4.2.3 Sonstige rechtsextremistische Organisationen 4.2.3.1 \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e.V.\" Die im M\u00e4rz 1983 von oppositionellen Berliner NPD-Mitgliedern gegr\u00fcndete, 1992 etwa 25 Mitglieder umfassende Vereinigung hat sich seit 1988 mit ihren Vortragsveranstaltungen zu einem Sammelbecken f\u00fcr Berliner Rechtsextremisten unter Einschlu\u00df neonazistischer Gruppen entwickelt. Seit dem Beitritt der neuen Bundesl\u00e4nder versucht die \"Gemeinschaft\" mit ihren Aktivit\u00e4ten, die verschiedenen Str\u00f6mungen innerhalb der rechtsextremistischen Szene Gesamtberlins und seines Umlandes zu integrieren. siehe Fu\u00dfnote zu 2.2.4, S. 86","4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 171 4.3 Ausl\u00e4nderextremismus 4.3.1 Pal\u00e4stinenser/Araber 4.3.1.1 \"AL FATAH'1 Ende der 50er Jahre gegr\u00fcndete, zahlenm\u00e4\u00dfig st\u00e4rkste PLO-Mitgliedsorganisation unter F\u00fchrung von Yassir ARAFAT. Die FATAH hat ihren Hauptst\u00fctzpunkt in Tunis/Tunesien. Erkl\u00e4rtes Ziel der FATAH ist die Befreiung Pal\u00e4stinas durch Zerst\u00f6rung des Staates Israel und die Errichtung eines unabh\u00e4ngigen pal\u00e4stinensischen Staates. In der Vergangenheit war sie f\u00fcr zahlreiche Terrorakte verantwortlich (z.B. 1972 auf die israelische Olympia-Mannschaft in M\u00fcnchen). In Berlin besteht eine Gliederung der FATAH mit ca. 100 Mitgliedern (bundesweit ca. 450). 4.3.1.2 \"Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" (PFLP) Die 1967 gegr\u00fcndete PFLP unter Leitung von Dr. George HABBASH mit Sitz in Damaskus will ihr politisches Ziel, die Schaffung eines panarabischen Staates, mit den Mitteln des Guerilla-Krieges, insbesondere durch organisierten Terror, erreichen. In der Vergangenheit hat die PFLP zahlreiche Terroranschl\u00e4ge gegen Israel und mi\u00dfliebige europ\u00e4ische Staaten ver\u00fcbt. Die PFLP verf\u00fcgt in Berlin \u00fcber eine Gliederung mit etwa 25 Mitgliedern (bundesweit ca. 200). 4.3.1.3 \"Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" (DFLP) Die 1969 gegr\u00fcndete DFLP unter Leitung von Nayef HAWATMEH mit Sitz in Damaskus lehnt die L\u00f6sung der \"Pal\u00e4stina-Frage\" auf dem Verhandlungswege ab. Sie ist in Israel und den von Israel besetzten Gebieten durch zahlreiche Terrorakte in Erscheinung getreten. In der Bundesrepublik Deutschland sind Terrorakte von der DFLP bisher nicht durchgef\u00fchrt worden. In Berlin besteht eine Gliederung der DFLP mit etwa 30 Mitgliedern (bundesweit ca. 150).","172 4 - Anhang I: Kurzdarstellungen - 4.3.1.4 \"Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas-Generalkommando\" (PFLP-GC) Die 1968 gegr\u00fcndete PFLP-GC unter Leitung von Ahmed JIBRIL mit Sitz in Damaskus z\u00e4hlt zu den aggressivsten pal\u00e4stinensischen Terrororganisationen. Sie zeichnete f\u00fcr zahlreiche Terrorakte in Israel und den von Israel besetzten Gebieten sowie in Westeuropa verantwortlich. 1986 und 1988 gelang es deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden, Anschlagsvorbereitungen von PFLP-GC-Angeh\u00f6rigen in der Bundesrepublik Deutschland aufzudecken. Im Bundesgebiet und in Berlin verf\u00fcgt die PFLP-GC nur \u00fcber Einzelmitglieder. 4.3.1.5 \"Pal\u00e4stinensische Volkskampffront\" (PPSF) Die 1967 gegr\u00fcndete PPSF unter Leitung von Dr. Samir GHOUSHA mit Sitz ist Damaskus lehnt eine politische L\u00f6sung der \"Pal\u00e4stina-Frage\" ab und fordert die Fortsetzung des bewaffneten Kampfes bis zur v\u00f6lligen Vernichtung Israels. In der Bundesrepublik Deutschland hat die PPSF bisher keine Terrorakte ver\u00fcbt. In Berlin gibt es wie im \u00fcbrigen Bundesgebiet nur Einzelmitglieder der PPSF. 4.3.1.6 \"ALSAIQA\" Die 1968 von der in Syrien regierenden BAATH-Partei gegr\u00fcndete \"AL SAIQA\" vertritt die Interessen Syriens in der PLO. Sie verf\u00fcgt im Bundesgebiet wie in Berlin nur \u00fcber Einzelmitglieder. 4.3.1.7 \"Abu-Nidal-Organisation\" (ANO) Die 1972 von Hassan Sabri AL BANNA alias \"Abu NIDAL\" gegr\u00fcndete ANO, die ihre Hauptst\u00fctzpunkte in Libyen und Irak besitzt, geh\u00f6rt zu den aggressivsten pal\u00e4stinensischen Terrororganisationen. Seit ihrer Gr\u00fcndung hat sie f\u00fcr zahlreiche Terrorakte, u.a. in Westeuropa, verantwortlich gezeichnet. Sie verf\u00fcgt im Bundesgebiet wie in Berlin nur \u00fcber Einzelmitglieder.","4 - Anhang I: Kurzdarstellungen - 173 4.3.1.8 \"Islamische Widerstandsbewegung\" (HAMAS) Die 1987 gegr\u00fcndete \"HAMAS\" tritt f\u00fcr den Jihad (Heiligen Krieg) gegen Israel und die Errichtung eines islamischen Staates in Israel und den von Israel besetzten Gebieten ein. Sie operierte bisher terroristisch ausschlie\u00dflich in den von Israel besetzten Gebieten, wo sie auch ihre Hauptst\u00fctzpunkte hat. In Berlin verf\u00fcgt sie \u00fcber etwa 50 Mitglieder. 4.3.1.9 \"Moslembruderschaft\" (MB) Die bereits 1928 in \u00c4gypten gegr\u00fcndete \"Moslembruderschaft\" ist ein Zusammenschlu\u00df radikaler sunnitischer Muslime, der haupts\u00e4chlich in \u00c4gypten und Syrien mit Gewalt die dortigen Regime st\u00fcrzen will. In Berlin leben etwa 10 Mitglieder der MB (bundesweit ca. 750). 4.3.1.10 \"Hizb Allah\" [Partei Gottes] Die 1982 im Libanon gebildete, vom Iran gesteuerte \"Hizb Allah\", die sich in den letzten Jahren zur st\u00e4rksten Kraft unter den pro-iranischen Schiiten-Organisationen entwickelte, hat sich die Schaffung einer Islamischen Republik Libanon zum Ziel gesetzt. Sie ist f\u00fcr zahlreiche Terrorakte im Libanon verantwortlich, u.a. die Entf\u00fchrung der Deutschen SCHMIDT und CORDES. In Berlin verf\u00fcgt die \"Hizb Allah\" \u00fcber etwa 50 Mitglieder (bundesweit ca. 350). 4.3.1.11 AMAL Die 1969 im Libanon gegr\u00fcndete, sowohl vom Iran als auch von Syrien unterst\u00fctzte AMAL-Bewegung ist die gr\u00f6\u00dfte und bedeutendste schiitische Organisation im Libanon. Sie zeichnete in der Vergangenheit f\u00fcr zahlreiche Gewaltakte und Entf\u00fchrungsaktionen im Libanon verantwortlich. In der Bundesrepublik Deutschland sind bisher keine Gewaltakte der AMAL-Bewegung bekanntgeworden. In Berlin verf\u00fcgt sie \u00fcber eine Gliederung mit etwa 10 Mitgliedern (bundesweit ca. 250).","174 4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 4.3.1.12 \"Hizb AI-Da'Wa Al-Islamia\" [Partei des Islamischen Rufs] Die Ende der 60er Jahre im Irak von dem 1980 hingerichteten Muhammad BAKIR ins Leben gerufene, vom Iran gesteuerte Partei will das Regime unter Saddam HUSSEIN st\u00fcrzen und eine Islamische Republik Irak errichten. Anh\u00e4nger dieser Partei haben mehrere Anschl\u00e4ge auf staatliche Einrichtungen im Irak und auf irakische Vertretungen im Ausland ver\u00fcbt. In der Bundesrepublik Deutschland ist sie bisher durch Gewalthandlungen nicht in Erscheinung getreten. In Berlin verf\u00fcgt sie \u00fcber etwa 10 Mitglieder (bundesweit ca. 100). 4.3.1.13 \"Pal\u00e4stinensischer Islamischer Jihad\" (PU) Die Urspr\u00fcnge des PU gehen auf verschiedene fundamentalistische Bewegungen zur\u00fcck, die zumeist unter dem Einflu\u00df der sunnitisch-extremistischen Moslembruderschaft standen. Der PU wurde etwa Ende der 70er Jahre gegr\u00fcndet. In den 80er Jahren und Anfang 1990 kristallisierten sich insbesondere vor dem Hintergrund pers\u00f6nlicher Auseinandersetzungen, ideologischer Meinungsverschiedenheiten und Verbindungen zu verschiedenen L\u00e4ndern und Organisationen sechs Fraktionen der Bewegung heraus. Ziel aller Fraktionen des PU ist die Errichtung eines islamischen Staates Pal\u00e4stina und die Vernichtung des Staates Israel. Dieses Ziel ist nach Auffassung des PU nur unter Einsatz von Gewalt zu erreichen. Die Bewegung \u00fcbernahm bereits die Verantwortung f\u00fcr zahlreiche in Israel und den besetzten Gebieten sowie au\u00dferhalb Israels begangene Anschl\u00e4ge. Der PU hat angek\u00fcndigt, auch au\u00dferhalb des Nahen Ostens gegen israelische Ziele vorzugehen. Im Zusammenhang mit dem \"Golfkrieg\" Anfang 1991 drohte ein hoher Funktion\u00e4r des PU mit Anschl\u00e4gen gegen US-amerikanische Einrichtungen in Deutschland. In Berlin verf\u00fcgt der PU \u00fcber eine Gliederung, der etwa 10 Mitglieder und Anh\u00e4nger angeh\u00f6ren. *","4 - Anhang I: Kurzdarstellungen - 175 4.3.2 Kurden 4.3.2.1 \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) Die am 27. November 1978 in der T\u00fcrkei gegr\u00fcndete PKK unter Leitung von Abdullah \u00d6CALAN mit Sitz in Damaskus erstrebt die Schaffung eines vereinigten Kurdistans unter Einsatz auch terroristischer Mittel. Seit 1979 ist die PKK in der Bundesrepublik Deutschland aktiv und seitdem durch zahlreiche Aktionen in Erscheinung getreten. Wegen der in den vergangenen Jahren in der Bundesrepublik Deutschland ver\u00fcbten Morde an PKK-Dissidenten stehen in D\u00fcsseldorf und Celle derzeit mehrere PKK-Mitglieder vor Gericht. Dem Berliner Gebietskomitee der PKK geh\u00f6ren etwa 150 Mitglieder und Anh\u00e4nger an (bundesweit 3.500). 4.3.3 T\u00fcrken 4.3.3.1 \"T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L) Die 1972 gegr\u00fcndete proalbanische TKP/M-L spaltete sich 1981 in die Gruppen Partizan (P) und Bolsevik (B). In der Vergangenheit wurden in Berlin von Anh\u00e4ngern der TKP/M-L (P) Gewalthandlungen durchgef\u00fchrt. In Berlin verf\u00fcgt sie \u00fcber eine Gliederung mit etwa 50 Mitgliedern (bundesweit ca. 1.500). 4.3.3.2 \"Revolution\u00e4re Kommunistische Partei der T\u00fcrkei\" (TDKP) Die 1980 gegr\u00fcndete proalbanische TDKP, die den gewaltsamen Umsturz in der T\u00fcrkei propagiert, verf\u00fcgt in Berlin \u00fcber etwa 60 Anh\u00e4nger (bundesweit ca. 800). Gewaltaktionen sind von ihren Mitgliedern bzw. Anh\u00e4ngern in der Bundesrepublik Deutschland bereits ausgegangen.","176 4 - Anhang I: Kurzdarstellungen - 4.3.3.3 \"T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei/-front\" (THKP/-C) Die 1971 gegr\u00fcndete THKP/-C \u00fcbt in der T\u00fcrkei individuellen Terror nach dem Vorbild lateinamerikanischer Stadtguerilleros aus. Aus der THKP/-C gingen mehrere konspirativ arbeitende Gruppen hervor, deren Mitglieder und Anh\u00e4nger in der \u00d6ffentlichkeit durch zahlreiche, z.T. gewaltt\u00e4tige Aktionen in Erscheinung getreten sind. Die THKP/-C verf\u00fcgt in Berlin \u00fcber etwa 10 Mitglieder (bundesweit ca. 300). 4.3.3.4 \"Devrimci Sol\" [Revolution\u00e4re Linke] Die Gruppe ging im Mai/Juni 1978 aus der THKP/-C als konspirativ arbeitender Zusammenschlu\u00df hervor. Sie strebt in der T\u00fcrkei eine kommunistische Gesellschaftsordnung durch einen bewaffneten Volkskrieg an. Trotz des Verbots vom 9. Februar 1983 durch den Bundesminister des Innern sind Einzelmitglieder der Gruppe nach wie vor in der Bundesrepublik Deutschland aktiv. In Berlin z\u00e4hlt die Gruppe etwa 30 Mitglieder und Anh\u00e4nger (bundesweit etwa 400). 4.3.3.5 \"Avrupa'da Dev Gene\" [Revolution\u00e4re Jugend in Europa] Tarnbezeichnung, unter der Anh\u00e4nger der verbotenen \"Devrimci Sol\" in der Bundesrepublik Deutschland aktiv sind. 4.3.3.6 \"Partei der Nationalistischen Arbeit\" (MCP) Nachfolgeorganisation der 1957 gegr\u00fcndeten und durch das Milit\u00e4r in der T\u00fcrkei 1980 verbotenen und aufgel\u00f6sten \"Partei der Nationalistischen Bewegung\" (MHP). Die von Alparslan T\u00dcRKES gef\u00fchrte, laizistischnationalistische Partei mit antikommunistischer und antisemitischer Haltung verf\u00fcgt bundesweit \u00fcber ca. 6.600, in Berlin \u00fcber ca. 500 Mitglieder und Anh\u00e4nger. 4.3.3.7 \"Wohlstandspartei\" (RP) Nachfolgeorganisation der 1972 gegr\u00fcndeten und durch das Milit\u00e4r in der T\u00fcrkei 1980 verbotenen \"Nationalen Heilspartei\" (MSP). Die RP ist eine natio-","4 - Anhang i: Kurzdarstellungen - 177 nalistische, islamisch-fundamentalistische Organisation, die sich gegen den Laizismus wendet. Bundesweit umfa\u00dft die von dem MSP-Gr\u00fcnder Necmettin ERBAKAN gef\u00fchrte RP ca. 12.500, in Berlin etwa 1.000 Mitglieder und Anh\u00e4nger. 4.3.3.8 \"Verband der islamischen Vereine und Gemeinden e.V. K\u00f6ln\" (ICCB) Der 1983 gegr\u00fcndete, von Cemaleddin KAPLAN gef\u00fchrte ICCB strebt wie die RP die Errichtung einer islamischen Republik in der T\u00fcrkei, jedoch durch eine Revolution nach iranischem Vorbild, an. Kaplan, dessen Anh\u00e4ngerschaft bundesweit ca. 4.200, in Berlin etwa 20 Personen umfa\u00dft, lehnt jegliche Zusammenarbeit mit der RP ab. 4.3.4 Iraner 4.3.4.1 \"Union islamischer Studentenvereine in Europa\" (U.I.S.A.) Nach dem Sieg der islamischen Revolution im Iran wurde die Anfang der 60er Jahre gegr\u00fcndete U.I.S.A. durch die islamisch-fundamentalistischen Kr\u00e4fte zu einer regimetreuen Organisation umgestaltet. Mitglieder der bundesweit ca. 350, in Berlin ca. 20 Personen umfassenden U.I.S.A. sind in der Bundesrepublik Deutschland in der Vergangenheit durch Gewalttaten in Erscheinung getreten. 4.3.4.2 \"Organisation der Volksmojahedin Iran\" (PMOI) Bei der 1965 gegr\u00fcndeten PMOI handelt es sich um eine islamisch-fundamentalistische Organisation mit marxistischer Pr\u00e4gung (Sitz Bagdad). Sie zielt auf den gewaltsamen Sturz des Mullah-Regimes im Iran. Die PMOI verf\u00fcgt in der Bundesrepublik Deutschland \u00fcber etwa 750 Mitglieder, davon 25 in Berlin.","178 4 - Anhang I: Kurzdarstellungen - 4.3.4.3 \"Organisation der Iranischen Studenten in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin, Sympathisanten der Volksfedayin Guerilla Iran\" (O.I.P.F.G.) Die am 8. Februar 1971 im Iran gegr\u00fcndete O.I.P.F.G. strebt den gewaltsamen Sturz des Mullah-Regimes im Iran an. Von den bundesweit 150 Mitgliedern leben etwa 10 in Berlin. 4.3.5 Iren 4.3.5.1 \"Provisional Irish Republican Army\" (PIRA) [Provisorische Irische Republikanische Armee] Die PIRA f\u00fchrt seit \u00fcber 20 Jahren \"Krieg\" gegen die britische \"Besatzungsarmee\" in Nordirland. Ziel ist die Vereinigung mit der Republik Irland. Seit 1973 hat sie in Westeuropa \u00fcber 30 terroristische Anschl\u00e4ge ver\u00fcbt. Die letzte spektakul\u00e4re Terroraktion der PIRA auf deutschem Boden erfolgte 1990 in der N\u00e4he von Dortmund. Dabei wurde ein britischer Major der Rheinarmee von einem PIRA-Kommando ermordet. In der Folgezeit gelang es den europ\u00e4ischen Sicherheitsbeh\u00f6rden, mehrere Terrorkommandos der PIRA festzunehmen. In der Bundesrepublik Deutschland bestehen Kontakte der PIRA zu Angeh\u00f6rigen des RAF-Umfeldes und deutschen Autonomen. In Berlin sind bisher keine Aktivit\u00e4ten der PIRA bekanntgeworden.","5 - Anhang II: Chronologie - 179 5 Anhang II Chronologie","","5 -Anhang II: Chronologie181 5.1 Linksextremismus 31.12.1991/ Krawalle autonomer Kreise in Berlin-Kreuzberg. 01.01.1992 Bis zu 100 Gewaltt\u00e4ter, die - teilweise vermummt - in Kleingruppen im Schutz von mehreren Hundert Schaulustigen agierten, errichteten in den Bereichen Kottbusser Stra\u00dfe, Adalbertstra\u00dfe, Oranienstra\u00dfe - zum Teil brennende - Barrikaden. Weiterhin warfen sie u.a. Steine, Feuerwerksk\u00f6rper und Molotowcocktails auf Polizeibeamte und -fahrzeuge; zu den umfangreichen Sachsch\u00e4den z\u00e4hlten u.a. Pl\u00fcnderungen in einem Supermarkt und in einem Elektrogesch\u00e4ft. Die Gewalttaten waren in Flugbl\u00e4ttern als Kiez-Spaziergang unter dem Motto Offensive 92, wir greifen an angek\u00fcndigt worden. 05.01.1992 Diebstahl einer bronzenen Gedenktafel f\u00fcr Carl DIEM vom Marathontor des Olympiastadions durch autonome T\u00e4ter. In einer Taterkl\u00e4rung wandte sich eine Gruppe mit der Bezeichnung \"kommando lutz gr\u00fcttke\" gegen die Ehrung Carl DIEMs, obwohl er w\u00e4hrend der Olympischen Spiele 1936 u.a. als chef der auslandsabteilung des nationalsozialistischen reichsbundes f\u00fcr leibes\u00fcbungen propaganda f\u00fcr den faschistischen sport betrieben und bis zu allerletzt f\u00fcr nazi-deutschland gek\u00e4mpft habe. Weiterhin polemisierte die Gruppe gegen die Bewerbung Berlins f\u00fcr die Olympischen Spiele 2000 und bezeichnete ihre intervention als beitrag zu den anti-olympia-aktivit\u00e4ten in dieser Stadt. In einer Ende Januar ver\u00f6ffentlichten weiteren Erkl\u00e4rung behauptete die Gruppe, die Gedenktafel eingeschmolzen und zu Kr\u00e4henf\u00fc\u00dfen verarbeitet zu haben, da der Senat den Forderungen nicht nachgekommen sei. 29.01.1992 Veranstaltung in der Humboldt-Universit\u00e4t (Berlin-Mitte) zu den politischen Gefangenen in der BRD. Die Organisatoren, Angeh\u00f6rige des Berliner RAF-Umfeldes, versuchten, etwa 120 Interessenten an die Geschichte und Entwicklung des bewaffneten Widerstandes heranzuf\u00fchren","182 5 - Anhang II: Chronologie - und warben f\u00fcr eine Unterst\u00fctzung der Kampagne f\u00fcr die Freilassung angeblich haftunf\u00e4higer Gefangener aus RAF und Widerstand. 29.01.1992 Schmutzanschlag autonomer Kreise auf Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume einer Immobilienfirma in Berlin-Wilmersdorf. Hierbei handelte es sich um eine Reaktion von Besetzern der H\u00e4user Marchstra\u00dfe 23/Einsteinufer 41 (BerlinCharlottenburg) bzw. ihrer Unterst\u00fctzer auf eine von dem Unternehmen als Hauseigent\u00fcmer eingereichte R\u00e4umungsklage. 07.02.1992 Infoveranstaltung im Rahmen der vorwiegend von RAFAnh\u00e4ngern getragenen Kampagne f\u00fcr die Freilassung der Gefangenen aus RAF und Widerstand in der Hochschule der K\u00fcnste Berlin (Berlin-Charlottenburg) mit rd. 200 Teilnehmern. Angeh\u00f6rige des Berliner RAF-Umfeldes organisierten die Veranstaltung unter dem Motto Stammheim - Der Film von Aust Zeitzeugen: Wie es wirklich war, um weiterhin f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der Forderung nach Freilassung angeblich haftunf\u00e4higer Inhaftierter der RAF zu werben. 08.02.1992 Beteiligung linksextremistischer Gruppen und Organisationen an einer Demonstration unter dem Motto UNTERST\u00dcTZT DIE SELBSTORGANISIERUNG DER FL\u00dcCHTLINGE UND IMMIGRANTINNEN!! An dem Aufzug von der Pallas-/Goebenstra\u00dfe (BerlinSch\u00f6neberg) zum von Fl\u00fcchtlingen besetzten sog. Mathematikgeb\u00e4ude der Technischen Universit\u00e4t Berlin (BerlinCharlottenburg), zu dem Selbstorganisierte Fl\u00fcchtlinge und inund ausl\u00e4ndische Unterst\u00fctzerinnen - teilweise auch im \u00fcbrigen Bundesgebiet - aufgerufen hatten, nahmen Angeh\u00f6rige der autonomen Szene, der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L), der \"Spartakist-Arbeiterpartei Deutschlands\" (SpAD), der \"Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend\" (SDAJ), der \"Kommunistischen Partei Deutschlands\" (KPD) und der","5 -Anhang II: Chronologie - 183 in Deutschland unter der Bezeichnung \"Revolution\u00e4re Kommunisten (BRD)\" (RK) auftretenden maoistisch orientierten \"Revolutionary Internationalist Movement\" (RIM) teil. Vereinzelt kam es zu Farbschmierereien, Sachbesch\u00e4digungen und Steinw\u00fcrfen, insbesondere von Angeh\u00f6rigen der RIM. 10. -13.02.1992 Mehrere t\u00e4tliche Auseinandersetzungen zwischen Weddinger Autonomen und angeblichen \"Nazis\". 12.02.1992 Autonome zerst\u00f6ren die Scheiben eines Schallplattenladens in Berlin-Prenzlauer Berg wegen des angeblichen Verkaufs \"faschistischer Platten\". 14.02.1992 Nach Ausl\u00f6sung der szeneinternen Telefonkette begeben sich etwa 40 Autonome aus dem autonomen St\u00fctzpunkt der Kneipe \"Clash\" in Berlin-Wedding nach -Buckow, um dort gegen einen angeblichen \"Fascho\u00fcberfall\" auf ein Asylbewerberheim gewaltsam vorzugehen. 20.02.1992 Inbrandsetzen eines Personenkraftwagens der Marke Mercedes-Benz in Berlin-Neuk\u00f6lln durch etwa 10 vermummte Radfahrer. In unmittelbarer N\u00e4he des Fahrzeuges wurden Handzettel mit der Aufschrift GIB BONZEN KEINE CHANCE gefunden. In einer Taterkl\u00e4rung wandten sich die T\u00e4ter gegen Bonzen als Organisatoren der Umstrukturierung Berlins und riefen zu weiteren Anschl\u00e4gen auf ihre empfindlichen Stellen - ihre Edelkarossen - auf. Der Anschlag galt als Auftakt einer Serie von.Sachbesch\u00e4digungen verschiedenster Art vornehmlich an Personenkraftwagen der Luxusklasse. 21.02.1992 T\u00e4tliche Angriffe Autonomer auf Teilnehmer eines Vortragsabends der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen\" in BerlinKreuzberg zum Thema Die One-World droht. Vor Beginn des Vortrages, an dem etwa 80 Personen, darunter etwa 30 Jugendliche, teilnahmen, versammelten sich auf dem Vorplatz des Veranstaltungsortes bis zu etwa","184 5 - Anhang II: Chronologie * 20 teilweise vermummte Personen aus der autonomen Szene. Eintreffende Teilnehmer wurden von den Demonstranten mit Eisenstangen und Holzlatten attackiert. Im Verlauf der Auseinandersetzungen erlitten etwa f\u00fcnf Personen Verletzungen, die \u00e4rztlicher Behandlung in Krankenh\u00e4usern bedurften. 21.02.1992 Etwa 180 Autonome verlassen nach Ausl\u00f6sung der Telefonkette den Mehringhof in Berlin-Kreuzberg, um ein \"Fascho-Treffen\" in der Anhalter Stra\u00dfe 1 \"aufzumischen\". Die Polizei verhindert Ausschreitungen. 29.02.1992 Etwa 15 Autonome \u00fcberfallen einen Wahlstand der Partei \"Die Republikaner\" (Rep) in Berlin-Mitte und verletzen drei Wahlbewerber durch Faustschl\u00e4ge und Fu\u00dftritte. 29.02.1992 20 vermummte Autonome zerst\u00f6ren einen Informationsstand der Partei \"Die Republikaner\" (Rep) in BerlinFriedrichshain. 06.03.1992 Weddinger Autonome verabreden regelm\u00e4\u00dfige, jeweils samstags durchzuf\u00fchrende Ausfl\u00fcge, um \"Nazis zu klatschen\". Die Akteure sind mit Kn\u00fcppeln, Reizgas und Armsch\u00fctzern bewaffnet. 06.03.1992 Veranstaltung zum Thema Politische Gefangene in BerlinKreuzberg. An der von Angeh\u00f6rigen des RAF-Umfeldes durchgef\u00fchrten Veranstaltung beteiligten sich etwa 200 bis 250 Personen, \u00fcberwiegend Autonome, um die Freilassungsforderung der politischen Gefangenen und die sog. Kinkel-Initiative (Freilassung der haftunf\u00e4higen Str\u00e4flinge) zli diskutieren. 08.03.1992 Beteiligung autonomer Frauen und weiblicher Angeh\u00f6riger des Berliner RAF-Umfeldes an einer Demonstration in Berlin-Kreuzberg anl\u00e4\u00dflich des \"Internationalen Frauentages\". Insgesamt nahmen bis zu 1.200 Frauen teil.","5 -Anhang II: Chronologie - 185 Vermutlich militant-feministische Akteurinnen aus Kreisen des gewaltbereiten Linksextremismus hatten in den Tagen und N\u00e4chten vor dem Aufzug u.a. an verschiedenen SexShops/-Kinos Farbschmierereien angebracht bzw. Plakate geklebt, in denen zum Widerstand gegen ... die Betreibung des Sexismus \u00fcberall aufgerufen wurde. Bei einem Reiseb\u00fcro waren die Scheiben der Eingangsfront eingeworfen und die Parole Gegen Sextourismus gespr\u00fcht worden. 09.03.1992 Aufzug von etwa 80 Personen unter dem Motto Gegen die R\u00e4umungsklagen) die Route f\u00fchrte vom Landgericht Berlin, Tegeler Weg 17 - 20, zum Grundst\u00fcck Marchstra\u00dfe 23 (jeweils Berlin-Charlottenburg). Die Demonstration richtete sich gegen eine am selben Tage vor dem Landgericht angesetzte Verhandlung der R\u00e4umungsklagen gegen die Besetzer des Gel\u00e4ndes Marchstra\u00dfe/Einsteinufer (drei H\u00e4user, eine \"Wagenburg\" und ein \"H\u00fcttendorf\"). 13.03.1992 Versuchte St\u00f6rung der Preisverleihung Olympia - Feststadt Berlin 2000 im Rahmen des 137. Schinkelfestes im Konzertsaal der Hochschule der K\u00fcnste Berlin (Charlottenburg), durch etwa 70 Autonome. Wegen der starken Polizeipr\u00e4senz kam es zu keinen Behinderungen im Veranstaltungsablauf. 14.03.1992 Beteiligung von etwa 200 Personen aus Berlin, darunter etwa 100 Autonome, Anh\u00e4nger/Angeh\u00f6rige autonomer 'Antifa\"-Gruppen und Aktivisten der \"Sozialistischen Arbeitergruppe\" (SAG), an Aktionen gegen die Gro\u00dfveranstaltung der \"Deutschen Volksunion\" (DVU) in Passau, Bereits vor Beginn der Veranstaltung kam es im Zuge einer Gegendemonstration zu Ausschreitungen, in deren Verlauf u.a. versucht wurde, den Zugang zur Nibelungenhalle zu blockieren. Dar\u00fcber hinaus demolierten Demonstranten zahlreiche Schaufensterscheiben und einige Personenkraftwagen. Direkte Auseinandersetzungen zwischen","186 5 -Anhang II: Chronologierechtsextremistischen Veranstaltungsteilnehmern und Anh\u00e4ngern des \"linken\" Spektrums konnten aufgrund des starken Polizeiaufgebots verhindert werden. 21./22.03.1992 Beteiligung zahlreicher Berliner Autonomer, darunter Anh\u00e4nger sog. \"Antifa\"-Gruppen, an Protestaktionen gegen eine - als Faschistenaufmarsch charakterisierte - AntiDrogen-Demo in Leipzig. Bereits an einem Treffpunkt Berliner Autonomer zur Abfahrt nach Sachsen, dem S-Bahnhof Sch\u00f6nefeld (Brandenburg), kam es zu t\u00e4tlichen Auseinandersetzungen zwischen autonomen \"Antifa\"-Gruppen und Skinheads. Nach der Gegendemonstration in Leipzig unter dem Motto F\u00fcr antifaschistische Selbstbestimmung kam es zu erheblichen Ausschreitungen, an denen auch Berliner Linksextremisten beteiligt waren. 04.04.1992 T\u00f6dlicher Messerangriff auf den Funktion\u00e4r der rechtsextremistischen \"Deutschen Liga f\u00fcr Volk und Heimat\", Gerhard KAINDL, in einem Lokal in Berlin-Kreuzberg. Das Berliner Autonomen-Infoblatt \"INTERIM\" kommentiert den Mord mit der Bemerkung, da\u00df bei antifaschistischen Selbstschutzaktionen die M\u00f6glichkeit der T\u00f6tung eines Faschisten ein \"tragbares Risiko\" sei. Name und Anschrift des Get\u00f6teten waren in einer fr\u00fcheren \"INTERIM\"-Ausgabe in einer Liste angeblicher Rechtsextremisten ver\u00f6ffentlicht worden. 20.04.1992 Demonstration in Berlin-Kreuzberg unter dem Motto Gegen Rassismus und Naziterror vom Kottbusser Tor zum Heinrichplatz aus Anla\u00df der Wiederkehr des Geburtstages Adolf HITLERs. Unter den bis zu 1.500 Teilnehmern befanden sich zahlreiche Angeh\u00f6rige der autonomen Szene, so auch Aktivisten der t\u00fcrkischen Gruppe \"Antifasist Genclik\", ferner Angeh\u00f6rige militanter sog. \"Antifa\"-Gruppen, des RAFUmfeldes, der \"Spartakist-Arbeiterpartei Deutschlands\"","5 - Anhang II: Chronologie - 187 (SpAD), der \"Revolutionary Internationalist Movement\" (RIM) und der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei/ Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L) sowie t\u00fcrkischer und deutscher Jugendbanden. Die Demonstranten, formiert in mehreren Marschbl\u00f6cken, bildeten feste Ketten, um das \"Herausgreifen\" von Gewaltt\u00e4tern durch die Polizei zu verhindern. Im Verlaufe des Aufzuges und danach wurden Polizeibeamte und -fahrzeuge u.a. mit Brandflaschen, Steinen und Feuerwerksk\u00f6rpern beworfen, Schaufensterscheiben und Personenkraftwagen besch\u00e4digt. Demonstranten skandierten Parolen wie \"Tod dem Faschismus\", \"Nazis raus\" und \"Wir sind nicht alle - es fehlen die Gefangenen\". RIMund TKP/M-L-Angeh\u00f6rige verbrannten eine US-Flagge. 29.04.1992 Unbekannte, den Autonomen zuzurechnende T\u00e4ter entwenden aus dem Fahrzeug eines \"Republikaners\" einen Karton mit Ausgaben des Parteiblattes \"Der Republikaner\". 01.05.1992 Revolution\u00e4re 1. Mai-Demonstration. An dem von Autonomen und Angeh\u00f6rigen des Berliner RAF-Umfeldes organisierten Aufzug nahmen bis zu 8.000 Personen teil. Unter den Demonstranten befanden sich zahlreiche Autonome, Angeh\u00f6rige des Berliner RAFUmfeldes, Aktivisten der \"Revolutionary Internationalist Movement\" (RIM) und militanter \"Antifa\"-Gruppen, ferner u.a. Mitglieder der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei/ Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L), \"Bolsevik Partizan\" (BP) und \"Avrupa'da Dev Gene\", sowie mehrere 100 Mitglieder deutscher und t\u00fcrkischer Jugendbanden. W\u00e4hrend des Aufzuges wurden Polizeibeamte mit Molotowcocktails, selbstgebastelten Sprengs\u00e4tzen, Steinen sowie B\u00fcchsen angegriffen und zahlreiche Schaufenster und Kraftfahrzeuge besch\u00e4digt. 01.05.1992 Aktionen gegen einen geplanten Wahlpropagandamarsch der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) im Ernst-Th\u00e4lmann-Park (Berlin-Prenzlauer Berg).","188 5 -Anhang II: Chronologie - Bis zu 300 Personen, \u00fcberwiegend Autonome, die u.a. w\u00e4hrend der Revolution\u00e4ren 1. Mai-Demonstration mobilisiert worden waren, griffen etwa 100 Anh\u00e4nger der FAP gezielt mit Steinen und Leuchtspurgeschossen an und schlugen einige der Neonazis zusammen. Nach diesen \u00dcbergriffen und der Festnahme mehrerer FAPAngeh\u00f6riger, darunter auch der Veranstalter des Aufzuges, wegen Versto\u00dfes gegen das Versammlungsgesetz (Mitf\u00fchren von Waffen) verzichtete die FAP auf ihren Marsch und f\u00fchrte lediglich eine kurze Kundgebung durch. 01.05.1992 Kiezumzug zum 1. mAi (sic!) in Berlin-Prenzlauer Berg unter dem Motto DER OSTEN SCHL\u00c4GT ZUR\u00dcCK. Mehr als 500 Autonome und andere gewaltt\u00e4tige Personen versuchten, wie geplant, gr\u00f6\u00dfere Ausschreitungen auszul\u00f6sen; zahlreiche Schaufensterscheiben und Kraftfahrzeuge wurden besch\u00e4digt. Ausgiebigere Krawalle verhinderte die Polizei. 01.05.1992 Besch\u00e4digung von Kraftfahrzeugen und Farbschmierereien in Berlin-Steglitz und -Zehlendorf. In den Nachtstunden zerstachen unbekannte T\u00e4ter, die den Autonomen zuzurechnen sein d\u00fcrften, Reifen mehrerer Kraftfahrzeuge und schmierten Parolen wie F\u00fcr die Macht der Reichen gehen wir \u00fcber Leichen und Wer Geld hat, hat die Macht, bis es unterm Auto kracht, 1. Mai Revolte. 07.05.1992 Protestaktion gegen eine Wahlkampfveranstaltung der Partei \"Die Republikaner\" (Rep) vor einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Tiergarten. Dabei werden Scheiben eingeschlagen und Parolen geschmiert. 09.05.1992 Demonstration des \"B\u00fcndnisses Berliner Antifaschistinnen und Antifaschisten\" unter dem Motto Stoppt die Nazis gegen einen zwischenzeitlich verbotenen Wahlpropagandamarsch der rechtsextremistischen W\u00e4hlergemeinschaft \"Die Nationalen\" in Berlin-Karlshorst.","5-Anhang II: Chronologie189 Bis zu 6.000 Personen, darunter 600 Autonome sowie Angeh\u00f6rige der \"Kommunistischen Partei Deutschlands\" (KPD), der \"Spartakist - Arbeiterpartei Deutschlands\" (SpAD) und der \"Partei des Demokratischen Sozialismus\" (PDS), beteiligten sich an dem Aufzug, der zum sog. Kapitulationsmuseum der GUS-Streitkr\u00e4fte f\u00fchrte. 09./10.05.1992 Unbekannte, den Autonomen zuzurechnende T\u00e4ter werfen zwei Gehwegplatten durch die Schaufensterscheiben eines Ladens in Berlin-Pankow, weil dort angeblich \"FaschoAccessoires\" verkauft werden und schmieren \"antifaschistische Gr\u00fc\u00dfe\" an die Hauswand. 13.05.1992 Angriff mehrerer \"Antifa\"-Gruppenanh\u00e4nger auf einen Wahlkandidaten der Partei \"Die Republikaner\" (Rep) f\u00fcr die Bezirksverordnetenversammlungen (BW). Die T\u00e4ter, die schwarze Lederjacken mit der Aufschrift T\u00fcrkische Gangster trugen, provozierten und traten den Mandatsbewerber nach einer Podiumsdiskussion in der Paul-Nartop-Schule (Berlin-Friedenau). 18./19.05.1992 Unbekannte, den Autonomen zuzurechnende T\u00e4ter zerstechen in Berlin-Lankwitz die Reifen des Personenkraftwagens eines \"Republikaner-Funktion\u00e4rs und sch\u00fctten Zucker in den Tank. 21.05.1992 Demonstration Wir lassen uns nicht vertreiben in BerlinNeuk\u00f6lln. Zur Teilnahme war von Anarchisten und Autonomen aufgerufen worden. Der Aufzug, an dem sich etwa 100 Personen beteiligten, richtete sich gegen die angebliche Umstrukturierung Neuk\u00f6llns. 21.05.1992 Antifaschistische Kundgebung auf dem Alexanderplatz (Berlin-Mitte) aus Protest gegen die Wahlkampf-Abschlu\u00dfveranstaltung der Partei \"Die Republikaner\" (Rep) in der dortigen Kongre\u00dfhalle.","190 5 - Anhang II: Chronologie - Es nahmen etwa 1.000 Personen teil, \u00fcberwiegend Autonome und Anh\u00e4nger der \"Spartakist-Arbeiterpartei Deutschlands\" (SpAD), der \"Revolutionary Internationalist Movement\" (RIM) und der \"Partei des Demokratischen Sozialismus\" (PDS). Wegen des massiven Polizeiaufgebots kam es zu keinen nennenswerten Zwischenf\u00e4llen. 21./22.05.1992 Brandanschl\u00e4ge auf die Personenkraftwagen des Kreuzberger SPD-Bezirksb\u00fcrgermeister-Kandidaten und des Neuk\u00f6llner Bezirksb\u00fcrgermeisters (SPD). In einem Selbstbezichtigungsschreiben, das am 23. Mai bei der Tageszeitung \"BZ\" einging, beschrieben die T\u00e4ter beide Politiker als Interessenvertreter der Spekulanten, die nicht gew\u00e4hlt werden d\u00fcrften. 23.05.1992 Demonstration Gegen Rassismus und Naziterror vom Zionskirchplatz (Berlin-Mitte) zum Helmholtzplatz (BerlinPrenzlauer Berg). W\u00e4hrend des Aufzuges, an dem sich bis zu 550 Personen, darunter auch Autonome, beteiligten, kam es an verschiedenen Orten zu Farbschmierereien. Etwa 20 Personen randalierten in einem Lokal in Berlin-Mitte. 23.05.1992 Beteiligung Autonomer an einer Demonstration \"Gegen Rassismus und Naziterror\" in Berlin-Prenzlauer Berg. W\u00e4hrend des Aufzuges kommt es zu Farbschmierereien und einer \"Randale-Aktion\" in einer Gastst\u00e4tte. 24.05.1992 Besch\u00e4digung von T\u00fcrschl\u00f6ssern an insgesamt neun Wahllokalen in Berlin-Friedrichshain, -Hohensch\u00f6nhausen und -Lichtenberg. Die Aktion Autonomer richtete sich gegen die Kandidatur von Rechtsextremisten zu den BW-Wahlen. 24.05.1992 Zwei sog. Spontandemonstrationen - gegen den Einzug von \"Republikanern\" in mehrere Bezirksverordnetenversammlungen - mit jeweils 200 Personen vom Breit-","5 -Anhang II: Chronologie - 191 scheidplatz (Berlin-Charlottenburg) bzw. vom Alexanderplatz zum Roten Rathaus (jeweils Berlin-Mitte). Von dort aus zogen etwa 100 Demonstranten zum unweit gelegenen Hotel \"Berlin Hilton\", in dem eine Talkshow des privaten Fernsehsenders \"SAT 1\" mit dem Bundesvorsitzenden der Partei \"Die Republikaner\" (Rep), Franz SCH\u00d6NHUBER, stattfand. 24.05.1992 Brandanschlag auf den Personenkraftwagen eines Funktion\u00e4rs der Partei \"Die Republikaner\" (Rep). Name und Anschrift des Gesch\u00e4digten waren zuvor in der \"INTERIM\" ver\u00f6ffentlicht worden. 03. - 05.06.1992 Zerst\u00f6rungen in einem Architektenb\u00fcro in Berlin-Kreuzberg. Unbekannte T\u00e4ter drangen in die R\u00e4ume ein, besch\u00e4digten diverse Arbeitsger\u00e4te und verursachten eine \u00dcberschwemmung. In einer Taterkl\u00e4rung begr\u00fcndeten die T\u00e4ter - mit der Bezeichnung \"Planungskollektiv 2\" - den Anschlag mit der Beteiligung der Architekten sowohl an st\u00e4dtebaulichen Planungen im Zusammenhang mit der Bewerbung Berlins f\u00fcr die Ausrichtung der Olympischen Spiele im Jahre 2000 als auch an Neubauprojekten im Zuge der Vereinigung Berlins und der neuen Hauptstadtfunktion. 10.06.1992 Solidarit\u00e4tsdemonstration in Berlin-Kreuzberg f\u00fcr autonome Gruppen im Rhein/Main-Gebiet. Etwa 300 Personen, darunter \u00fcber 100 Angeh\u00f6rige der autonomen Szene, zogen vom Kottbusser Tor zur Adalbertstra\u00dfe, um ihre Solidarit\u00e4t mit Autonomen in Mannheim zu bekunden. Diese f\u00fchrten seinerzeit Aktionen gegen vermeintlich rassistische B\u00fcrger in der Umgebung einer Unterkunft f\u00fcr Asylbewerber in Mannheim durch. 14.06.1992 Mobilisierungsveranstaltung in Berlin-Kreuzberg f\u00fcr die Demonstration F\u00fcr das Leben und die Freiheit der politischen Gefangenen am 20. Juni in Bonn.","192 5 -Anhang II: Chronologie - An der von RAF-Angeh\u00f6rigen initiierten Veranstaltung beteiligten sich lediglich ca. 40 Personen. 17.06.1992 Demolierungen und Farbschmierereien autonomer T\u00e4ter an einem Laden in Berlin-Neuk\u00f6lln. Unbekannte zerst\u00f6rten zwei Schaufensterscheiben eines Sportgesch\u00e4ftes und beschmierten die Geb\u00e4udewand mit Parolen. In einer Erkl\u00e4rung warfen die T\u00e4ter mit der Bezeichnung \"AUTONOME SENFGURKEN\" dem Inhaber des Gesch\u00e4fts vor, als Vorsitzender der \"Aktionsgemeinschaft Hermannstra\u00dfe\" (Zusammenschlu\u00df von Gesch\u00e4ftsleuten) mitverantwortlich zu sein f\u00fcr STEIGENDE WOHNUNGSUND GEWERBEMIETEN, F\u00dcR VERTREIBUNG DER 'GELDLOSEN' AUS DEM KIEZ. 17.06.1992 St\u00f6rung der konstituierenden Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain. Etwa 100 Personen, \u00fcberwiegend Angeh\u00f6rige der autonomen Szene, liefen nach einer Demonstration an der Warschauer Stra\u00dfe zum Sportund Erholungszentrum (SEZ) Friedrichshain, Landsberger Allee, um dort die Wahl von Bezirksstadtr\u00e4ten aus den Reihen der Partei \"Die Republikaner\" (Rep) zu verhindern. Nachdem keine \"Republikaner\" erkannt worden waren und einzelne Teilnehmer der Aktion im Sitzungsraum mit Zustimmung des BW-Vorstehers eine Resolution verlesen durften, zogen sich die Demonstranten zur\u00fcck. 18.06.1992 Beteiligung von Autonomen an einer Demonstration gegen den Einzug von Mitgliedern der Partei \"Die Republikaner\" (Rep) in die Bezirksverordnetenversammlung Wedding. Etwa 85 Personen, darunter Autonome, hielten w\u00e4hrend der konstituierenden Sitzung eine Kundgebung vor dem Rathaus Wedding, M\u00fcllerstra\u00dfe, ab. Da keine \"Republikaner\" ausgemacht werden konnten, l\u00f6ste sich die Versammlung nach kurzer Zeit friedlich auf.","5 - Anhang II: Chronologie - 193 20.06.1992 Brandanschlag auf den Personenkraftwagen eines Architekten. In einer Taterkl\u00e4rung mit der \u00dcberschrift KAMPF DEM VERTREIBUNGS-BAUPROJEKT 'EUROPEAN HOUSE OF COMMERCE'! wandten sich die T\u00e4ter gegen die Errichtung eines Dienstleistungszentrums im Bereich Moritzplatz (Berlin-Kreuzberg). Der betroffene Architekt sei Koordinator dieses Bauprojektes und trage daher Verantwortung f\u00fcr Mietsteigerungen in der Umgebung und erh\u00f6hte Arbeitslosigkeit durch Industrieabwanderung. 25.06.1992 Sachbesch\u00e4digungen an einer Bankfiliale in BerlinWilmersdorf. Eine unbekannte, den Autonomen zuzurechnende Gruppe ohne Namensbezeichnung bezichtigte sich in dem autonomen Szeneblatt \"INTERIM\", die Bank angegriffen zu haben. Dabei wurden drei Schaufensterscheiben und ein Glasschaukasten besch\u00e4digt sowie ein Beutel mit roter Farbe in die Eingangsvorhalle geworfen. In der Bekennung wurde dem Unternehmen vorgeworfen, als Au\u00dfenstelle des \"deutschen\" Gro\u00dfkapitals daran mitzuwirken, da\u00df dieses sich an der Auspl\u00fcnderung und Verelendung ganzer Regionen eine goldene Nase verdiene. Abschlie\u00dfend forderten die Schreiber dazu auf, weitere derartige Aktionen durchzuf\u00fchren. 02.07.1992 Autonome f\u00fchren nach Ausl\u00f6sen der Telefonkette eine \"Spontandemonstration\" gegen einen angeblichen Aufmarsch von Neonazis vor dem Rathaus Neuk\u00f6lln durch. 08./09.07.1992 Sachbesch\u00e4digungen an Personenkraftwagen in BerlinFriedrichshain aus Protest gegen die R\u00e4umung der Oberbaumbr\u00fccke im selben Bezirk. Unbekannte T\u00e4ter mit der Gruppenbezeichnung \"the falling stones\" bezichtigten sich in dem autonomen Szeneblatt \"INTERIM\", von einem Dach aus zwei auf dem Gel\u00e4nde eines Autoh\u00e4ndlers zum Verkauf stehende Personenkraft-","194 5 -Anhang II: Chronologie - wagen besch\u00e4digt zu haben. Der betroffene Autokonzern sei mitverantwortlich f\u00fcr allgemeinen autoterror und konkrete Umstrukturierung hier in berlin. 10.07.1992 Demonstration anl\u00e4\u00dflich einer Polizeiaktion gegen autonome Besetzer der Oberbaumbr\u00fccke (Berlin-Friedrichshain) am 8. Juli. Etwa 400 Personen, \u00fcberwiegend Angeh\u00f6rige der autonomen Szene, versammelten sich am Kottbusser Tor (BerlinKreuzberg) und zogen zur Oberbaumbr\u00fccke, um - \u00fcber den Protest gegen die R\u00e4umung hinaus - gegen die geplante \u00d6ffnung der Oberbaumbr\u00fccke f\u00fcr den Personenindividualverkehr im Zuge der Schlie\u00dfung des sog. Innenstadtringes zu demonstrieren. Bis auf Beschimpfungen in Richtung der eingesetzten Polizeibeamten verlief der Aufzug friedlich. 13.07.1992 Brandanschlag auf einen Personenkraftwagen am PaulLincke-Ufer (Berlin-Kreuzberg). Unbekannte T\u00e4ter zerschlugen die Seitenscheibe eines Porsche Carrera mit M\u00fcnchener Kennzeichen, g\u00f6ssen Benzin aus einem sp\u00e4ter am Tatort gefundenen Kanister in das Wageninnere und z\u00fcndeten es an. In einer Selbstbezichtigung schreiben die T\u00e4ter u.a. Greifen wir geineinsam die Bonzen und Hauptstadtstrategen an, auf da\u00df das \"Investionsklima\" [sic!] in unserem Kiez ihnen zu hei\u00df wird! 24.07.1992 Brandanschl\u00e4ge auf Personenkraftwagen in Berlin-Kreuzberg aus Protest gegen die geplante \u00d6ffnung der Oberbaumbr\u00fccke (Berlin-Friedrichshain). Etwa zehn, zum Teil vermummte, der autonomen Szene zuzurechnende Personen schoben einen Personenkraftwagen der Marke Trabant quer auf die Fahrbahn und z\u00fcndeten diesen, einen ebenfalls dort abgestellten Lastkraftwagen sowie mehrere Reifen an. \u00dcber die Fahrbahn wurde ein Transparent mit der Aufschrift Oberbaumbr\u00fccke - bleibt - Stadtringl\u00fccke gespannt.","5 -Anhang II: Chronologie - 195 In einer Taterkl\u00e4rung bezichtigt sich ein \"Komitee Gegen Bonzen (KGB)\" der Anschl\u00e4ge. Mit der Aktion solle gegen die Verkehrspolitik des Senats demonstriert und dem Protest und Widerstand gegen die brutale R\u00e4umung der Oberbaumbr\u00fccke Ausdruck gegeben werden. Die Erkl\u00e4rung wendet sich gegen eine Politik ausschlie\u00dflich f\u00fcr die Reichen dieser Stadt, f\u00fcr Banker und Bonzen und k\u00fcndigt weiterhin Protest und Widerstand gegen die Metropolenmodernisierung durch Senat und Bundesregierung an. 31.07.1992 Brandanschlag auf ein Baufahrzeug an der Oberbaumbr\u00fccke in Berlin-Friedrichshain. F\u00fcnf vermummte Personen drangen kurz nach Mitternacht in die Baustelle an der Oberbaumbr\u00fccke ein und warfen mehrere mit einer brennbaren Fl\u00fcssigkeit gef\u00fcllte Glasflaschen gegen einen dort abgestellten Schaufelbagger einer Stra\u00dfentiefbaufirma, von denen drei das Fahrzeug trafen und in Brand setzten. In einer bei der Presseagentur \"dpa\" eingegangenen Taterkl\u00e4rung wandte sich eine Gruppe ohne Namensbezeichnung gegen die Metropole der Bonzen, B\u00e4nker und Beamten und die Zerst\u00f6rung der Kieze durch t\u00e4glich mehr als 5000 Autos. 01.08.1992 Beteiligung von Autonomen und Angeh\u00f6rigen des RAFUmfeldes an einer Demonstration gegen den geplanten Ausbau der Oberbaumbr\u00fccke (Berlin-Friedrichshain) f\u00fcr den Kfz-Individualverkehr. Etwa 400 Personen, darunter bis zu 200 Angeh\u00f6rige der autonomen Szene und des RAF-Umfeldes, skandierten Parolen gegen die beabsichtigte Schlie\u00dfung des Innenstadtringes zur Umfahrung der Citybereiche. Militante Aufzugsteilnehmer beklatschten den Brandanschlag gegen einen Schaufelbagger am Vortag und k\u00fcndigten weitere Sachbesch\u00e4digungen an. 04.08.1992 Besch\u00e4digung von Baumaterial auf der Oberbaumbr\u00fccke (Berlin-Friedrichshain).","196 5 - Anhang II: Chronologie - Vermutlich Angeh\u00f6rige der autonomen Szene setzten eine Holzbohle in Brand. Das Feuer wurde von einem Wachmann gel\u00f6scht. 09.08.1992 Entfernung von Bauzaunteilen auf der Oberbaumbr\u00fccke (Berlin-Friedrichshain). Etwa 20 Personen, die der autonomen Szene zuzurechnen sein d\u00fcrften, l\u00f6sten Drahtsicherungen von 32 Bauzaunsegmenten und warfen diese sowie 20 aus Beton gefertigte Zaunfeldhalter von der Br\u00fccke in die Spree. 11.08.1992 Brandanschlag auf einen Kleinlastwagen mit Aufschrift der Olympia GmbH Berlin 2000 in Berlin-Mitte. Unbekannte T\u00e4ter, vermutlich Angeh\u00f6rige der autonomen Szene, versuchten, das Fahrzeug mittels Benzin in Brand zu setzen. Polizeibeamte l\u00f6schten das Feuer. 13.08.1992 \"Autonome Antifaschisten\" brechen in die R\u00e4umlichkeiten der Landesgesch\u00e4ftsstelle Berlin der \"Nationalen Alternative\" (NA) ein und entwenden u.a. Mitgliederakten und Propagandamaterial. 14.08.1992 Versuchter Brandanschlag in Berlin-Neuk\u00f6lln auf einen Schaufelbagger. Unbekannte T\u00e4ter, vermutlich Aktivisten der autonomen Szene, versuchten, in \u00e4hnlicher Vorgehensweise wie am 31. Juli, eine Baufirma zu sch\u00e4digen, die mit Arbeiten an der Oberbaumbr\u00fccke (Berlin-Friedrichshain) betraut ist. Die Brands\u00e4tze funktionierten jedoch nicht. 15.08.1992 Angriffe dem autonomen Spektrum zuzurechnender Gewaltt\u00e4ter auf Polizeibeamte an der Rastst\u00e4tte Hermsdorf (Th\u00fcringen). Bis zu 100 Teilnehmer eines Konvois, der offenbar anl\u00e4\u00dflich von Aktivit\u00e4ten rechtsextremistischer Organisationen und Einzelpersonen zur Wiederkehr des Todestages des einstigen HITLER-Stellvertreters Rudolf HESS unterwegs war, griffen auf dem Autobahnrastplatz Hermsdorf ohne Vorwar-","5 - Anhang II: Chronologie - 197 nung observierende Zivilkr\u00e4fte der Polizei an. Die Gewaltt\u00e4ter, mit Eisenstangen und Wurfgeschossen bewaffnet, besch\u00e4digten mehrere Personenkraftwagen, darunter die Ejnsatzfahrzeuge. 16.08.1992 Angriff auf ein Lokal in Berlin-Kreuzberg. Vier vermummte Personen st\u00fcrmten in das Lokal und schleuderten Nebelwurfk\u00f6rper russischer Herkunft in die R\u00e4umlichkeiten. Es wurde niemand verletzt. In Flugbl\u00e4ttern, die man in der N\u00e4he des Tatortes fand, polemisierten die T\u00e4ter unter Hinweis auf Studentenkrawalle in Seoul (S\u00fcdkorea), (streikende) Bergarbeiter in Polen und Rum\u00e4nien sowie Blockadeaktionen franz\u00f6sischer Fernfahrer gegen Karrieristen, ... Boomtownideologen und die versch\u00e4rften Kapitalistenangriffe auf unsere Stadtteile. Das Restaurant - bereits am 5. Oktober 1991 Ziel eines Schmutzanschlages - wurde in der autonomen Szene als Schicki-Micki-Laden diffamiert. Es stehe, so Verlautbarungen Autonomer, f\u00fcr die Umstrukturierung des Kiezes und diene der Vertreibung \u00e4rmerer Bev\u00f6lkerungsschichten aus dem Innenstadtbereich. 19.08.1992 Beteiligung Berliner Autonomer an einer gewaltt\u00e4tig verlaufenen Demonstration in Eberswalde (Brandenburg) unter dem Motto Rassismus t\u00f6tet. Anla\u00df war der dortige Proze\u00df gegen rechtsextremistische Gewaltt\u00e4ter, die den Angolaner Amadeu ANTONIO zu Tode gepr\u00fcgelt hatten. Bereits kurz nach dem Eintreffen und sp\u00e4ter im Verlaufe des Aufzuges griffen autonome Gewaltt\u00e4ter Polizeibeamte massiv an, warfen auf sie u.a. Steine, Knallk\u00f6rper und mit Scherben gef\u00fcllte B\u00fcchsen; au\u00dferdem setzte man Leuchtspurmunition gegen die Ordnungsh\u00fcter ein. Passanten, die man aufgrund ihres \u00c4u\u00dferen seitens der Autonomen f\u00fcr Rechtsextremisten hielt, wurden brutal zusammengeschlagen. H\u00e4user, \u00fcber die zuvor das Ger\u00fccht dort angeblich wohnhafter Neonazis verbreitet worden war, wurden mit Steinen und Knallk\u00f6rpern beworfen.","198 5 -Anhang II: Chronologie 23.08.1992 Schwere t\u00e4tliche Auseinandersetzungen zwischen Angeh\u00f6rigen der autonomen Szene und Rechtsextremisten in Berlin-Lichtenberg. 24.08.1992 Demonstration vom Alexanderplatz zum S-Bahnhof Friedrichstra\u00dfe (jeweils Berlin-Mitte) gegen die ausl\u00e4nderfeindlichen Krawalle in Rostock. Etwa 400 Personen, \u00fcberwiegend Autonome und Angeh\u00f6rige von \"Antifa\"-Gruppen, protestierten gegen die seit 22. August andauernden Angriffe \u00fcberwiegend rechtsextremistischer Kreise auf eine Unterkunft f\u00fcr Asylbewerber in Rostock. 26.08.1992 Brandanschlag auf Baufahrzeuge einer an dem Bauvorhaben Oberbaumbr\u00fccke (Berlin-Friedrichshain) beteiligten Firma. Infolge des Anschlages unbekannter, der autonomen Szene zuzurechnender T\u00e4ter verschmorte der Kabelbaum eines Schaufelbaggers. Deponierte Brands\u00e4tze an einer Walze und einem Bauwagen, der zus\u00e4tzlich mit Benzin \u00dcbergossen worden war, z\u00fcndeten nicht. 27.08.1992 Ausschreitungen bei der R\u00e4umung des besetzten Hauses Pfarrstra\u00dfe 112 (Berlin-Lichtenberg). Bis zu 15 Hausbesetzer, vermutlich Angeh\u00f6rige der autonomen Szene, bewarfen Polizeibeamte, die nach mehrmaliger Aufforderung zum Verlassen des Hauses in das Objekt eindrangen, mit Steinen, Flaschen und Fernsehger\u00e4ten. Bei der anschlie\u00dfenden Durchsuchung des Hauses stellten die Beamten zahlreiche Pflastersteine und Brandflaschen sicher. 27.08.1992 Versuchte St\u00f6rung einer Live-Sendung des privaten Fernsehsenders \"SAT 1\" in der \"Kultur Brauerei\", Sredzkistra\u00dfe (Berlin-Prenzlauer Berg), zum Thema Krawalle in Rostock. Ca. 100 Angeh\u00f6rige der autonomen Szene belagerten das Veranstaltungsgel\u00e4nde, um die Sendung \"Einspruch\", in","5 -Anhang II: Chronologie199 der auch prominente Neonazis zu Wort kommen sollten, zu verhindern. Polizeibeamte schritten ein. Sp\u00e4ter griffen militante Akteure abreisende Teilnehmer mit Flaschenund Steinw\u00fcrfen an. 29.08.1992 Beteiligung des Berliner linksextremistisch motivierten Gewaltpotentials an der Demonstration Stoppt die Pogrome in Rostock. An dem insgesamt etwa 12 000 Personen umfassenden Aufzug nahmen ca. 3 000 Demonstranten aus Berlin teil, darunter ein harter Kern von rund 600 Autonomen, militanten \"Antifa\"-Gruppenanh\u00e4ngern und Angeh\u00f6rigen des RAF-Umfeldes. W\u00e4hrend des Zuges durch Rostock wurde mit Steinen und Leuchtraketen auf Fenster und Balkone gezielt, hinter denen man Rechtsextremisten vermutete. Gegen Ende des Aufzuges versuchten militante Akteure, Polizeibeamte anzugreifen. Diese verhinderten jedoch gr\u00f6\u00dfere Ausschreitungen. 03.09.1992 Brandanschlag auf einen Jugendclub in Berlin-Ahrensfelde. Die Aktion richtete sich gegen ein dort untergebrachtes, selbstverwaltetes, sozialp\u00e4dagogisch betreutes Jugendpilotprojekt f\u00fcr Skinheads, das aus \u00f6ffentlichen Mitteln finanziert wird. Unter Hinweis auf zugunsten des Projekts bewilligte Landesmittel kritisierte eine Gruppe mit der Bezeichnung \"Rote Antifaschistische Fraktion\" die enge Verkn\u00fcpfung der staatlichen stellen mit den faschisten. F\u00fcr die Zukunft propagierten die Verfasser koordinierte milit\u00e4rische aktionen gegen die Faschisten. 03./04.09.1992 Schmutzanschlag auf das Privathaus des Berliner Senators f\u00fcr Verkehr und Betriebe, Prof. Dr. Herwig HAASE. Unbekannte, der autonomen Szene zuzurechnende T\u00e4ter warfen Farbbeutel gegen die vordere Geb\u00e4udewand. Der Anschlag, zu dem sich eine \"Autonome Gruppe\" bekannte, richtete sich gegen den Ausbau der Oberbaum-","200 5 - Anhang II: Chronologie - br\u00fccke (Berlin-Friedrichshain) im Rahmen der von Autonomen bek\u00e4mpften Umstrukturierung Berlins. 05./06.09.1992 Polizeibeamte kontrollieren die Umgebung von Unterk\u00fcnften f\u00fcr Asylbewerber und Ausl\u00e4nder in Berlin-Hohensch\u00f6nhausen wegen bef\u00fcrchteter Angriffe von Rechtsextremisten und entsprechenden Gegenaktionen Autonomer. Dabei werden 570 Personen sowohl aus dem rechtsextremistischen als auch aus dem linksextremistischen Spektrum \u00fcberpr\u00fcft und zahlreiche Waffen wie Gasund Schreckschu\u00dfpistolen, Baseballschl\u00e4ger, Schlagst\u00f6cke und Molotowcocktails sichergestellt. 11.09.1992 Brandanschlag auf einen Personenkraftwagen der Marke Mercedes-Benz in Berlin-Kreuzberg. In einer Bekennung erkl\u00e4rte eine Gruppe \"Rote BMWFraktion\", sie habe urspr\u00fcnglich ein Fahrzeug der Marke BMW zerst\u00f6ren wollen, dieses Vorhaben jedoch am Sicherheitsglas des Zielobjektes gescheitert sei. Weiterhin polemisierte sie gegen die Halterfirma, die u.a. an der Umstrukturierung des Moritzplatzes im Bezirk Kreuzberg Geld verdiene. 17.09.1992 Brandanschlag in Berlin-Friedrichshain auf einen Personenkraftwagen der Marke Mercedes-Benz. In einer Taterkl\u00e4rung wandte sich eine Gruppe mit der Bezeichnung \"Die Drei von der Tankstelle\" unter der \u00dcberschrift VOLXSPORTFEST GEGEN BONZEN IN FRIEDRICHSHAIN ER\u00d6FFNET!!!! gegen eine bef\u00fcrchtete Umstrukturierung in diesem Bezirk. 20.-24.09.1992 Besch\u00e4digung mehrerer Fahrzeuge eines Busunternehmens. Unbekannte T\u00e4ter zerstachen in den Bezirken Tempelhof und Tiergarten insgesamt neun Reifen von f\u00fcnf Reisebussen. In einem Schreiben an den Hauptsitz der betroffenen Firma in Bielefeld wandten sich die T\u00e4ter mit der Bezeichnung","5 - Anhang II: Chronologie - 201 \"BbB (B\u00fcrger/innen beobachten Busunternehmen)\" gegen die Bef\u00f6rderung von faschistischen Gruppen wie FAP, NA, NL, DA zu \u00f6ffentliche(n) Massenveranstaltungen ...in Halle, Dresden, Halbe, Wunsiedel/Rudolfstadt (sic!) und Hoyerswerda (sic!) (geplant zum 26.9.) durch das gesch\u00e4digte Busunternehmen. Kopien des Schreibens seien an weitere Busfirmen gesandt worden, die auch beim Faschistentreffen in Wunsiedel bzw. Rudolf Stadt (sic!) dabei waren. 27.09.1992 St\u00f6raktion gegen die Sportveranstaltung Berlin-Marathon an den sog. Yorckbr\u00fccken (Berlin-Sch\u00f6neberg). Unbekannte T\u00e4ter, die der autonomen Szene zuzurechnen sind, kippten den Inhalt zahlreicher mit Schmierseife gef\u00fcllter Farbeimer durch Wasserabl\u00e4sse der Br\u00fccken auf die Fahrbahn. Mehrere L\u00e4ufer kamen auf der rutschigen Substanz zu Fall; Fahrzeuge Anwesender und Kleidungsst\u00fccke von Teilnehmern wurden beschmutzt. Zu dem Anschlag erschien ein Bekennerschreiben mit der \u00dcberschrift KEIN LEISTUNGSTERROR KEINE OLYMPISCHEN SPIELE IN BERLIN, in dem sich die T\u00e4ter gegen die m\u00f6gliche Austragung der Olympischen Spiele 2000 in Berlin sowie die Umstrukturierung der Stadt wandten. 02.10.1992 Brandanschlag gegen eine Firma in Berlin-Prenzlauer Berg, die u.a. mit der Erstellung von Werbebrosch\u00fcren f\u00fcr die Olympiabewerbung Berlins f\u00fcr das Jahr 2000 befa\u00dft ist. In einer Taterkl\u00e4rung wandte sich eine \"Autonome Gruppe\" pauschal gegen die Austragung Olympischer Spiele. 02.10.1992 Ausschreitungen nach Ende einer Musikveranstaltung unter dem Motto EINHEIZFESTIVAL ANTIFA BENEFIZ, dessen Erl\u00f6s \"Antifa\"-Gruppen in Berlin und Brandenburg zugute kommen sollte. Etwa 500 Besucher, die mit der S-Bahn vom Veranstaltungsort, der Freilichtb\u00fchne im \"Freizeitund Erholungszentrum Wuhlheide\" (FEZ) in die Innenstadt gefahren waren, griffen in der \u00f6stlichen Umgebung des Brandenbur-","202 5 - Anhang II: Chronologie - ger Tores und des Reichstages (jeweils Berlin-Mitte) Polizeibeamte an. Die Gewaltt\u00e4ter, \u00fcberwiegend Angeh\u00f6rige der autonomen Szene, warfen Steine und Flaschen und demolierten mehrere geparkte Fahrzeuge. 03.10.1992 Besch\u00e4digung eines Personenkraftwagens der Marke Jaguar in Berlin-Friedrichshain. Unbekannte, vermutlich der autonomen Szene zuzurechnende T\u00e4ter zerstachen die Reifen des Fahrzeuges, zerkratzten den Lack und schmierten die Worte Schei\u00df-Bonze auf die Motorhaube. 03.10.1992 Linksextremistische Aktivit\u00e4ten gegen die \u00f6ffentlichen Feierlichkeiten anl\u00e4\u00dflich des 2. Jahrestages der Vereinigung Deutschlands. Von den etwa 500 gewaltbereiten Linksextremisten, die nach Schwerin gereist waren, um die Veranstaltungen zu st\u00f6ren, stammte der \u00fcberwiegende Teil aus Berlin. Es wurden vereinzelt Steine, Feuerwerksk\u00f6rper und Eier in Richtung der Medienvertreter und offiziellen G\u00e4ste geworfen sowie Schm\u00e4hrufe wie Nie wieder Deutschland! und Kohl verrecke! skandiert. Die Polizei verhinderte gr\u00f6\u00dfere Ausschreitungen. In Berlin-Kreuzberg kam es w\u00e4hrend und nach einem Aufzug bis zum sp\u00e4ten Abend zu Steinw\u00fcrfen auf Polizeibeamte und Verkehrsbehinderungen durch Bohlen und in Brand gesetzte Bauwagen. 05./06.10.1992 Aktionen gegen verschiedene Gesch\u00e4fte in Berlin-Prenzlauer Berg; vermutlich Angeh\u00f6rige einer autonomen Kleingruppe verklebten die T\u00fcrschl\u00f6sser mehrerer L\u00e4den. In einer Taterkl\u00e4rung ohne Gruppenbezeichnung wurden die betroffenen Gesch\u00e4ftsinhaber beschuldigt, verursacher und nutznie\u00dfer einer gewerbemietenentwicklung, die immer mehr kleine betriebe kaputt macht, zu sein, kiezstrukturen zu zerst\u00f6ren und den kiez f\u00fcr besser verdienende passend zu machen.","5 -Anhang II: Chronologie203 10./11.10.1992 Brandanschl\u00e4ge auf hochwertige Personenkraftwagen in Berlin-Kreuzberg. Unbekannte, der autonomen Szene zuzurechnende T\u00e4ter besch\u00e4digten insgesamt f\u00fcnf Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz, Alfa Romeo und Volvo. Zwei Brands\u00e4tze unter einem Personenkraftwagen der Marke Porsche z\u00fcndeten nicht; ein weiterer wurde im Parkraum eines inzwischen entfernten Fahrzeuges gefunden. In der Umgebung eines besch\u00e4digten Fahrzeuges fanden Anwohner Flugbl\u00e4tter mit der aus Zeitungsbuchstaben zusammengesetzten und fotokopierten Aufschrift Todeszone f\u00fcr Spekulanten und Yuppieschweine! Proletarische Justiz! \"Komitees f\u00fcr Gerechtigkeit\". Eine Verbindung zu den - insbesondere als Sprachrohr der Bev\u00f6lkerung in den neuen Bundesl\u00e4ndern gegr\u00fcndeten - \"Komitees f\u00fcr Gerechtigkeit\" war trotz Namensgleichheit nicht erkennbar. 11./12.10.1992 Besch\u00e4digung eines Lastkraftwagens in Berlin-Neuk\u00f6lln durch unbekannte Angeh\u00f6rige einer vermutlich autonomen Kleingruppe. Unter der Bezeichnung \"kommando willy brandt\" forderten die T\u00e4ter H\u00e4nde weg von der Oberbaumbr\u00fccke und oberbaumbr\u00fccke bleibt stadtringl\u00fccke. 12.10.1992 Angriffe Autonomer gegen Skinheads in Berlin-Lichtenberg. Bis zu 40 der autonomen Szene zuzurechnende Personen bewarfen vor einem Imbi\u00df etwa zehn Skinheads mit Steinen und Flaschen und schlugen mit Eisenstangen, Baseballschl\u00e4gem und Ketten auf ihre Gegner ein. Zwei Skinheads erlitten dabei Frakturen. 12.10.1992 Besch\u00e4digung zahlreicher Personenkraftwagen auf dem Gel\u00e4nde eines Autohauses in Berlin-Kreuzberg. In einer Taterkl\u00e4rung wandten sich die T\u00e4ter gegen einen geplanten Neubau des Unternehmens am Moritzplatz im selben Bezirk unter Hinweis auf die auch mit diesem Bau-","204 5 - Anhang II: Chronologie - vorhaben verbundene Umstrukturierung insbesondere dieses Stadtteils. 12.10.1992 Anonyme Bombendrohung gegen die Zentrale der Berliner B\u00f6rse in Berlin-Charlottenburg. Das autonome Szeneblatt \"INTERIM\" druckte unter der \u00dcberschrift 500 Jahre imperialistische Weltordnung sind kein Grund zum Feiern! eine ironische Beschreibung der R\u00e4umung ab. Der Beitrag eines \"Kommando TUPAC AMARU\" endete mit den Parolen Solidarit\u00e4t mit dem indigenen-, schwarzenund Volkswiderstand Lateinamerikas! 500 Jahre sind genug! 15./16.10.1992 Sachbesch\u00e4digungen an einer angeblichen Faschistenkneipe in Berlin-Moabit. In einer Selbstbezichtigung, die von Autonomen stammen d\u00fcrfte, wird die Aktion als unmi\u00dfverst\u00e4ndlicher Hinweis, da\u00df \"in diesem Kiez Faschos und ihre Freunde/Sympis unerw\u00fcnscht\" sind, bezeichnet. 16.10.1992 Angriff Autonomer gegen einen vermeintlichen Rechtsextremisten (Skinhead) in Berlin-Lichtenberg. Der Gesch\u00e4digte wurde von etwa 30 zum Teil vermummten, den Autonomen zuzurechnenden Personen umringt und mit einer Eisenstange am Kopf verletzt. 16./17.10.1992 Versenken einer schwimmenden Bauschute in der N\u00e4he der Oberbaumbr\u00fccke (Berlin-Friedrichshain). Unbekannte, der autonomen Szene zuzurechnende T\u00e4ter legten f\u00fcnf Plastikschl\u00e4uche \u00fcber die Bordwand des Schiffes, so da\u00df Wasser in das Innere laufen konnte. Eigent\u00fcmerin der Bauschute ist eine am Bauvorhaben Oberbaumbr\u00fccke beteiligte Firma, deren Bauger\u00e4te schon mehrmals Ziel von Anschl\u00e4gen autonomer Kleingruppen waren. In einer Taterkl\u00e4rung wandten sich \"AUTONOME PHYSIKERiNNEN DES 20. JAHRHUNDERTS\" gegen den Ausbau der Oberbaumbr\u00fccke f\u00fcr den Personenindividualverkehr.","5 -Anhang II: Chronologie205 22.10.1992 St\u00f6rung einer Filmveranstaltung in Berlin-Charlottenburg. Anl\u00e4\u00dflich der Vorf\u00fchrung des Filmes \"Columbus 1492\" \u00fcber die Entdeckung Amerikas vor 500 Jahren verteilten zwei unbekannte mutma\u00dfliche Angeh\u00f6rige der autonomen Frauenbewegung eine \u00fcbelriechende Fl\u00fcssigkeit in dem Kinosaal und hinterlie\u00dfen Flugbl\u00e4tter, in denen zum Boykott der Filmvorf\u00fchrung aufgerufen wurde. Zur Begr\u00fcndung hie\u00df es in den Schriften, die Landung von Christoph Kolumbus sei der Anfang von Zerst\u00f6rung, Unterwerfung, Ausbeutung und V\u00f6lkermord an Hunderten von Kulturen in der \"Neuen Welt\" gewesen. 23. /24.10.1992 Brandanschlag gegen einen Personenkraftwagen der Marke Mercedes-Benz in Berlin-Friedrichshain. Vermutlich Angeh\u00f6rige der autonomen Szene versuchten am 23. Oktober mit einem selbstgefertigten Sprengsatz den Benzintank des Fahrzeuges zu besch\u00e4digen und auslaufendes Benzin mittels einer Wunderkerze in Brand zu setzen. Es wurde jedoch lediglich die Unterbodenbeschichtung des Benzintanks leicht besch\u00e4digt. In einer Taterkl\u00e4rung bekannte sich ein der autonomen Szene zuzurechnendes \"Kommando Coupe ade\" zu dem Anschlag. Offenbar am n\u00e4chsten Tage, dem 24. Oktober, schlugen T\u00e4ter einer weiteren autonomen Gruppe u.a. mehrere Scheiben desselben, inzwischen umgesetzten Fahrzeuges ein. Zur Begr\u00fcndung der Demolierungen wird in einer Selbstbezichtigung angef\u00fchrt, der Fahrzeugbesitzer geh\u00f6re zu den zugezogenen Bewohnern eines ehemals besetzten, nunmehr modernisierten Hauses, die \u00fcberh\u00f6hte Mieten bezahlen k\u00f6nnten. 23.-25.10.1992 Unterst\u00fctzung ausl\u00e4ndischer Studenten in Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) gegen fremdenfeindliche Gewaltt\u00e4ter durch etwa 50 Anh\u00e4nger der sog. autonomen \"Antifa\"-Bewegung.","206 5 - Anhang II: Chronologie - 23./24.10.1992 Besch\u00e4digung eines Personenkraftwagens der Marke Mercedes-Benz in Berlin-Friedrichshain. Unbekannte, der autonomen Szene zuzurechnende T\u00e4ter besch\u00e4digten das Fahrzeug, indem sie mit H\u00e4mmern Scheiben zerst\u00f6rten und den Lack zerkratzten. In einer Taterkl\u00e4rung wandten sich die T\u00e4ter gegen erh\u00f6hte Mieten nach Renovierung von H\u00e4usern in der Stra\u00dfe, in der das Kraftfahrzeug abgestellt war. 24./25.10.1992 Brandanschlag u.a. auf Au\u00dfenanlagen des Anwesens eines ehemaligen Funktion\u00e4rs der Partei \"Die Republikaner\" (Rep). Nach einer Taterkl\u00e4rung einer der autonomen Szene zuzurechnenden Gruppierung mit der Bezeichnung \"KOMMANDO: MILITANT UND FIES GEWESEN !!!!!\" setzten die unbekannten T\u00e4ter den Gartenzaun am Einfamilienhaus des Gesch\u00e4digten sowie eine dort stehende M\u00fclltonne der Berliner Stadtreinigung in Brand. 28.10.1992 Angriff auf einen Militaria-H\u00e4ndler in Berlin-Pankow. Sechs bis acht unbekannte, der autonomen Szene zuzurechnende T\u00e4ter \u00fcberfielen, nachdem sie schon vor der Laden\u00f6ffnung versucht hatten, in das Gesch\u00e4ft einzudringen, kurz nach dem Aufschlie\u00dfen den Gesch\u00e4ftsinhaber. Sie fesselten ihn, besch\u00e4digten Textilien, Schallplatten sowie Teile der Ladeneinrichtung und spr\u00fchten die Parole Frei Nazischwein an die Wand. Vor dem Verlassen des Gesch\u00e4ftes bespr\u00fchten sie das Opfer mit Butters\u00e4ure, entwendeten sein Schl\u00fcsselbund und forderten es auf, nicht mehr an Nazischweine zu verkaufen. 29.10.1992 Zwei vermutlich der autonomen Szene zuzurechnende Personen rei\u00dfen einen Mann auf dem Bahnhof Lichtenberg zu Boden, treten ihn mit F\u00fc\u00dfen und beschimpfen ihn mit den Worten Du Nazi-Sau. Der Angegriffene wehrt sich mit einer Pistole, die ihm die sp\u00e4ter unerkannt entkommenden T\u00e4ter entrei\u00dfen.","5 -Anhang II: Chronologie207 29.10.1992 Brandanschlag auf das Kraftfahrzeug des Vorsitzenden des Landesverbandes \"Reichshauptstadt\" der \"Deutschen Alternative\" (DA), Arnulf-Winfried PRIEM. Bei den T\u00e4tern handelt es sich wahrscheinlich um Angeh\u00f6rige der autonomen Szene. 29.10.1992 Schmutzanschlag auf ein Lokal in Berlin-Kreuzberg. Drei maskierte, unbekannte T\u00e4ter drangen aus einer Gruppe von zehn Personen in die R\u00e4umlichkeiten ein, \u00fcbersch\u00fctteten die Inhaberin, mehrere Angestellte sowie sechs G\u00e4ste mit F\u00e4kalien, warfen ein Beh\u00e4ltnis mit Butters\u00e4ure in das Lokal und verspr\u00fchten aus einem Feuerl\u00f6scher ein Gemisch von Tr\u00e4nengas und Butters\u00e4ure. Vor dem Verlassen des Raumes entwendeten sie aus der Kasse Geld und schlugen eine Fensterscheibe ein. Kurze Zeit nach dem Schmutzanschlag wurden in unmittelbarer N\u00e4he des Lokals zwei Brandanschl\u00e4ge auf Personenkraftwagen der Marken Pontiac und Volvo ver\u00fcbt. In einem Bekennerschreiben polemisierten die T\u00e4ter gegen sog. Yuppie-L\u00e4den. Unterzeichnet war die Bekennung mit dem Zusatz KLASSE GEGEN KLASSE F\u00dcR DEN KOMMUNISMUS. 29.10.1992 Versuchte St\u00f6rung einer Aufzeichnung der Sendung \"Einspruch\" des privaten Fernsehsenders \"SAT 1\" zum Thema Rechte Bands contra linke Bands - Mit Hitler in die Hitparade in der \"Kultur Brauerei\" (Berlin-Prenzlauer Berg). Nach Mobilisierung in der autonomen Szene versammelten sich bis zu 80 Personen vor dem Veranstaltungsort, um gegen den Auftritt einer \"Nazi-Band\" zu protestieren. Im Verlaufe der Aufzeichnung gingen desweiteren zwei anonyme, telefonische Bombendrohungen ein, die den Verlauf der Fernsehdiskussion unterbrechen sollten. Entsprechende Tatmittel fand man nicht. 04.11.1992 Mi\u00dfgl\u00fcckter Anschlag auf Baumaschinen einer am Bauvorhaben Oberbaumbr\u00fccke beteiligten Firma.","208 5 -Anhang II: Chronologie - Unbekannte, der autonomen Szene zuzurechnende T\u00e4ter beschmierten in Berlin-Neuk\u00f6lln eine Bauramme mit der Parole Kein Innenstadtring. Haut ab. und versuchten, diese sowie einen neben der Bauramme stehenden Radlader in Brand zu setzen. In einer kurzen Taterkl\u00e4rung drohten die T\u00e4ter ohne Gruppenbezeichnung der betreffenden Firma mit weiteren Anschl\u00e4gen, falls sie an dem Bauvorhaben weiterarbeite. 04.11.1992 Beteiligung von Angeh\u00f6rigen der autonomen Szene, des RAF-Umfeldes, der \"Revolutionary Internationalist Movement\" (RIM), der \"T\u00fcrkischen Komunistischen Partei/ Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L) sowie der \"Partei des Demokratischen Sozialismus\" (PDS) an der Demonstration F\u00fcr eine offene demokratische Gesellschaft - kein Anschlag auf die Grundrechte in der Verfassung - Schlu\u00df mit der Rassistischen Asyldebatte - Verteidigt Artikel 16 des GG. Vereinzelt wurden Knallk\u00f6rper geworfen und Sch\u00fcsse mit Signalmunition abgegeben. 08.11.1992 St\u00f6rung der Demonstration Die W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar in Berlin-Mitte. Angeh\u00f6rige der autonomen Szene einschlie\u00dflich autonomer \"Antifa\"-Gruppen bewarfen am Brandenburger Tor Bundeskanzler KOHL mit Eiern und Farbbeuteln. Vor der Abschlu\u00dfkundgebung sickerten etwa 500 von bis zu 800 Autonomen, die insbesondere aus dem Zug von der Gethsemane-Kirche aus zum Kundgebungsplatz am Lustgarten gekommen waren, in die Menge friedfertiger Demonstranten ein, dr\u00e4ngten zum Teil gewaltsam vor das Podium und bewarfen Bundespr\u00e4sident von WEIZS\u00c4CKER mit Farbeiern, Tomaten und Steinen. Zur Unterbrechung der lautsprecherverst\u00e4rkten Reden auf dem Podium kam es, als militante Akteure ein Kabel der \u00dcbertragungseinrichtung zerschnitten. Im Anschlu\u00df an die Veranstaltung zogen sie zum Alexanderplatz, warfen mehrere Schaufensterscheiben ein und provozierten Auseinandersetzungen mit der Polizei.","5 -Anhang II: Chronologie209 08./09.11.1992 Farbschmierereien an einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Tiergarten. Angeh\u00f6rige der autonomen Szene beschmierten die Hauswand des Treffortes einer von ihnen als Fascho-Organisation charakterisierten Gruppierung mit Anf/ra-Parolen. In einer Taterkl\u00e4rung wandten sich die T\u00e4ter mit der Gruppenbezeichnung \"MLS-moabits lustige spr\u00fcher/innen\" dagegen, da\u00df der Wirt sein Lokal dieser Gruppe f\u00fcr Treffen zur Verf\u00fcgung stellt. 09.11.1992 Brandanschlag in Berlin-Kreuzberg auf einen Bagger einer an dem Bauvorhaben Oberbaumbr\u00fccke (Berlin-Friedrichshain) beteiligten Firma. Das Baufahrzeug brannte vollst\u00e4ndig aus. Aus dem Hydrauliktank fl\u00f6ssen etwa 80 Liter \u00d6l in das umliegende Erdreich. 09.11.1992 Anf/fa-Demonstration unter dem Motto Kein Vergeben - Kein Vergessen! Pogrome verhindern - Rassismus t\u00f6tet! in Berlin-Tiergarten anl\u00e4\u00dflich des Jahrestages der \"Reichskristallnacht\" 1938. Der Aufzug war von einer dem autonomen Spektrum der \"Antifa\"-Bewegung zuzurechnenden Gruppierung als Gegenveranstaltung zur Demonstration Die W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar am 8. November initiiert worden. W\u00e4hrend der Auftakt-Kundgebung hoben militante Akteure den gro\u00dfen Sieg der Autonomen \u00fcber die Heuchler am Vortag hervor. Beim anschlie\u00dfenden Marsch von bis zu 1.500 Personen zum j\u00fcdischen Mahnmal auf der Putlitzbr\u00fccke kam es zu Farbschmierereien und Sachbesch\u00e4digungen an Kraftfahrzeugen. Die Polizei verhinderte gr\u00f6\u00dfere Ausschreitungen. 09.11.1992 Pressekonferenz Autonomer, darunter Vertreter von \"Antifa\"-Gruppen, in Berlin-Kreuzberg zu den Aktionen gegen die Demonstration Die W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar am 08.11. Mehrere Aktivisten werteten die Ausschreitungen als Erfolg, da man die Propagandashow der etablierten Parteien zum","210 5 - Anhang II: Chronologie - Platzen gebracht und die Politiker als Heuchler entlarvt habe. Au\u00dferdem zeigte man sich bem\u00fcht, die Steinw\u00fcrfe Autonomer durch Vergleich mit neonazistischen Brandstiftungen an Ausl\u00e4nderheimen als weitaus harmlosere Gewaltform zu verteidigen. In einer am selben Tag verbreiteten Erkl\u00e4rung bekr\u00e4ftigten \"Berliner Autonome\" ihre Einsch\u00e4tzung. Es sei gelungen, die heuchlerische Inszenierung der Herrschenden f\u00fcr die internationale Presse und ausl\u00e4ndische Investoren zu st\u00f6ren und die Verantwortlichen f\u00fcr Ausl\u00e4nderhetze, Fremdenfeindlichkeit und Vertreibungspolitik zu benennen. 10.11.1992 Angriff Autonomer auf Angeh\u00f6rige der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) und Skinheads in BerlinPrenzlauer Berg. Bis zu 30 der autonomen Szene zuzurechnende T\u00e4ter bewarfen vor einer Gastst\u00e4tte ihre Gegner mit Flaschen und Feuerwerksk\u00f6rpern und schlugen mit Baseballschl\u00e4gern auf sie ein. 11.11.1992 Anschlag auf den Umweltstadtrat im Bezirksamt Wedding, Hermann VOSS. Unbekannte T\u00e4ter beschossen den Angeh\u00f6rigen der Partei \"Die Republikaner\" (Rep) beim Verlassen des Dienstgeb\u00e4udes vermutlich mittels einer Zwille mit einer 20 mm dicken Leichtmetallschraube, die in H\u00f6he des Herzens von einem dort befindlichen Notizbuch abgefangen wurde. 11.11.1992 Erneuter Angriff auf einen Militaria-H\u00e4ndler in BerlinPankow. Vier bis sechs unbekannte, der autonomen Szene zuzurechnende Personen zerst\u00f6rten die Schaufensterscheiben des Gesch\u00e4ftes und warfen einen Nebelwurfk\u00f6rper und Butters\u00e4ureflaschen in den Laden, in dem sich der Besitzer sowie weitere Personen aufhielten. Vor ihrer Flucht setzten die zum Teil vermummten T\u00e4ter den Personenkraftwagen des Gesch\u00e4ftsinhabers in Brand. Dieses und ein weiteres Fahrzeug brannten vollst\u00e4ndig aus.","5 - Anhang II: Chronologie - 211 In einer Taterkl\u00e4rung wandten sich die T\u00e4ter ohne Gruppenbezeichnung gegen den Verkauf von Tontr\u00e4gern faschistischer Musikgruppen und T-Shirts mit faschistischem Aufdruck sowie gegen den Versand faschistischer Literatur. 15.11.1992 Ausschreitungen Berliner Autonomer in K\u00f6nigs Wusterhausen (Brandenburg) im Rahmen von Aktionen gegen eine von der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e.V.\" geplante \"Heldengedenkfeier\" auf dem Soldatenfriedhof in Halbe. Auf dem Bahnhof durchsuchten insbesondere Angeh\u00f6rige autonomer und sog. \"Antif\u00e4'-Gruppen ankommende Z\u00fcge nach Neonazis, schlugen mehrere tats\u00e4chliche oder vermeintliche Rechtsextremisten zusammen und raubten ihnen teilweise Schuhe und andere Bekleidungsst\u00fccke. Weiterhin demolierten sie Scheiben an Z\u00fcgen und im Bahnhof. 15.11.1992 Angriff gegen eine der \"rechten Szene\" zuzurechnende m\u00e4nnliche Person in Berlin-Prenzlauer Berg. Etwa 15 Personen aus der autonomen Szene umringten das Opfer und schlugen es zusammen. Als Polizeibeamte die Umgebung des Tatortes absuchten, trafen sie auf 20 zum Teil vermummte Personen und wurden, bei dem Versuch deren Identit\u00e4t festzustellen, t\u00e4tlich u.a. mit Steinen angegriffen. Die T\u00e4ter konnten unerkannt entkommen. 15.11.1992 Angriffe gegen Bauarbeiter im Haus Pfarrstra\u00dfe 104 (BerlinLichtenberg). Nachdem es schon in der Vergangenheit zu kleineren Auseinandersetzungen zwischen den der autonomen Szene zuzurechnenden Besetzern, insbesondere des Hauses Pfarrstra\u00dfe 104, und dort t\u00e4tigen Handwerkern gekommen war, bewarfen nunmehr 20 bis 25 vermummte jugendliche Gewaltt\u00e4ter zwei von ihnen mit Steinen, schlugen sie zu Boden und traten auf sie ein. Ein Opfer verletzten sie mit einem Messer. Anschlie\u00dfend demolierten die T\u00e4ter das","212 5 - Anhang II: Chronologie - Firmenfahrzeug, indem sie u.a. s\u00e4mtliche Scheiben einwarfen. 18.11.1992 Brandanschlag auf den \"Berlin-Pavillon\" in Berlin-Tiergarten. Angeh\u00f6rige einer \"Autonomen Gruppe Volxsport statt Olympia\" setzten die Eingangst\u00fcr und die Holzverkleidung der Wand eines Lagerraumes in Brand. Das Feuer erlosch von selbst, ohne die Haussubstanz anzugreifen. In einer Taterkl\u00e4rung wandten sich die T\u00e4ter gegen die Bewerbung der Stadt Berlin f\u00fcr die Austragung der Olympischen Spiele 2000. 19.11.1992 Brandanschlag auf einen Personenkraftwagen der Luxusklasse in Berlin-Mitte. Unbekannte T\u00e4ter, vermutlich Angeh\u00f6rige der autonomen Szene, schlugen die Fensterscheibe der Beifahrert\u00fcr eines Mercedes-Benz 300 SL aus Tauberbischofsheim ein und setzten den Beifahrersitz mittels einer Fl\u00fcssigkeit in Brand. Polizeibeamte fanden sp\u00e4ter in dem Fahrzeug einen teilweise verschmorten Benzinkanister aus Plastik. 21.11.1992 Sachbesch\u00e4digungen durch Angeh\u00f6rige der autonomen Szene im Jugendklub \"Judith Auer\" (Berlin-Lichtenberg). Die T\u00e4ter, Teilnehmer eines Spontanaufzuges anl\u00e4\u00dflich der T\u00f6tung des Hausbesetzers Silvio MEIER am 20./21. November, bedrohten die Beteiligten einer Kinder-Disco und zerst\u00f6rten die Einrichtung. Aus einem nach dem Angriff auf den Jugendclub neugebildeten Aufzug heraus wurden weitere Sachbesch\u00e4digungen begangen. In dem Jugendclub, u.a. ein Treffpunkt militanter Rechtsextremisten, verkehrte neben Skinheads auch die Gruppe Jugendlicher, aus der heraus der Hausbesetzer erstochen wurde. 22.11.1992 Demonstration in Berlin-Friedrichshain anl\u00e4\u00dflich der T\u00f6tung des Hausbesetzers Silvio MEIER.","5 - Anhang II: Chronologie - 213 Aus einer aggressiven Menge von insgesamt etwa 2.000 Demonstrationsteilnehmern, \u00fcberwiegend Angeh\u00f6rige der autonomen Szene, richteten Gewaltt\u00e4ter Steinw\u00fcrfe und Leuchtspurgeschosse gegen ein Geb\u00e4ude, in dem sie ein B\u00fcro der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) vermuteten. Auch Eishockey-Fans in einer Stra\u00dfenbahn und Polizeibeamte wurden attackiert. Ferner besch\u00e4digten die Randalierer ein Lokal und beschmierten Objekte mit Farbe. 22./23.11.1992 Anschl\u00e4ge auf drei \"Pornoschuppen\" in Berlin-Moabit. Eine der autonomen Szene zuzurechnende \"MOABITER GRUPPE PSALM 26/VERS 4 UND 48/VERS 6\" bezichtigte sich in der Zeitschrift \"INTERIM\", drei Gesch\u00e4fte besch\u00e4digt zu haben. Die Aktion, so \u00c4u\u00dferungen der Verfasser, habe sich nicht gegen die dort besch\u00e4ftigten Frauen gerichtet, sondern gegen die in dieser Art von L\u00e4den zum Ausdruck kommende Unterdr\u00fcckung von Frauen. 23.11.1992 Erneuter Brandanschlag auf den Jugendclub \"Judith Auer\" (Berlin-Lichtenberg). Die T\u00e4ter warfen zwei Molotowcocktails in die R\u00e4umlichkeiten der bereits am 21. November von autonomen Kreisen attackierten Einrichtung. Das autonome Szeneblatt \"INTERIM\" ver\u00f6ffentlichte zu der Aktion die kurze Bekennung einer \"FRAUENLESBEN GRUPPE\". 23.11.1992 Brandanschlag auf einen Personenkraftwagen in BerlinKreuzberg. Unbekannte, der autonomen Szene zuzurechnende T\u00e4ter setzten ein Fahrzeug der Marke Chrysler in Brand. Der Wagen brannte vollst\u00e4ndig aus. Auf dem Beifahrersitz fand man Reste eines Benzinkanisters aus Plastik. 23.11.1992 Ausschreitungen in Berlin-Kreuzberg bei einer Demonstration anl\u00e4\u00dflich der T\u00f6tung des Hausbesetzers Silvio MEIER am 20./21. November.","214 5 - Anhang II: Chronologie - Etwa 200 Gewaltt\u00e4ter, die der autonomen Szene zuzurechnen sind, bewarfen Polizeibeamte und -fahrzeuge mit Steinen, beschossen sie mit Signalund Gasmunition und griffen sie teilweise mit \u00c4xten, Steinen und Platten an. In \"Lynchstimmung\" waren die Randalierer fortgesetzt auf der Suche nach vermeintlichen Rechtsextremisten, ohne jedoch auf solche zu treffen. 24.11.1992 Sachbesch\u00e4digungen und Farbschmierereien am Haus Pfarrstra\u00dfe 111 (Berlin-Lichtenberg). Unbekannte, der \u00f6rtlichen autonomen Hausbesetzerszene zuzurechnende Personen drangen gewaltsam in das leerstehende Haus ein, zerschlugen diverse Fensterscheiben und beschmierten die Hauswand u.a. mit Parolen wie Nazis raus, nur tote Nazis gute Nazis. Das Haus sollte - innerhalb eines Jugendprojektes u.a. f\u00fcr Skinheads - renoviert werden. 01.12.1992 Angriff auf einen vermeintlichen Rechtsextremisten in Berlin-Prenzlauer Berg. Ein unbekannter Insasse eines mit weiteren vermutlichen Autonomen besetzten Personenkraftwagen hielt einen Passanten an, fragte ihn, ob er ein \"Nazi\" sei, schlug ihm, ohne eine Antwort abzuwarten, mehrmals in das Gesicht und fl\u00fcchtete anschlie\u00dfend mit dem Fahrzeug. Das Opfer mu\u00dfte sich in \u00e4rztliche Behandlung begeben. 01.12.1992 Versuchter Brandanschlag auf einen Rammbagger in Berlin-Kreuzberg, unweit der Oberbaumbr\u00fccke (BerlinFriedrichshain). Unbekannte, der autonomen Szene zuzurechnende T\u00e4ter versuchten, mittels eines Molotowcocktails, das nur vom Wasser aus zug\u00e4ngliche, auf einem Ponton befindliche Bauger\u00e4t in Brand zu setzen. Der Brandsatz z\u00fcndete, konnte jedoch trotz deponierter zus\u00e4tzlicher Flammentr\u00e4ger (eine Wolldecke, ein Schlafsack und ein Hanfseil) kein anhaltendes Schadenfeuer ausl\u00f6sen.","5 -Anhang II: Chronologie215 In einer in dem autonomen Szeneblatt \"INTERIM\" ver\u00f6ffentlichten Taterkl\u00e4rung bekannte sich eine Gruppe \"Kommando Heiligs Blechle\" unter der \u00dcberschrift \"Advent Advent ein Bagger brennt\" zu dem Anschlag und k\u00fcndigte an, den \"Kampf\" gegen die Baufirma fortzusetzen. 02.12.1992 Brandanschl\u00e4ge auf mehrere Personenkraftwagen in BerlinTempelhof. Unbekannte, der autonomen Szene zuzurechnende T\u00e4ter setzten auf verschiedenen Mieterparkpl\u00e4tzen zwei Autos der Marken BMW und Mercedes-Benz in Brand. 03.12.1992 Pressekonferenz des Koordinierungsausschusses f\u00fcr die \"bundesweite Antifa-Demo\" am 5. Dezember. Der Zusammenschlu\u00df, hinter dem sich u.a. deutsche und t\u00fcrkische autonome Gruppen verbargen, k\u00fcndigte an, da\u00df man sich nicht an das Vermummungsverbot halten wolle. Mit dem beabsichtigten Versto\u00df gegen das Versammlungsgesetz k\u00f6nne man sich vor dem Fotografieren einzelner Aufzugsteilnehmer durch Rechtsextremisten sch\u00fctzen. Sollte die Polizei das Vermummungsverbot durchsetzen, so hie\u00df es, werde man sich nicht \"plattmachen\" lassen. 04.12.1992 Im Verlaufe einer \"Vollversammlung\" zur \"Antifa-Demo\" am 5. Dezember verweisen Teilnehmer bei Er\u00f6rterungen \u00fcber m\u00f6gliche Aktionen an diesem Tag auf w\u00e4hrend der Zusammenkunft verteilte Flugschriften, in denen \"Treffpunkte von Faschisten\" aufgelistet sind. 04./05.12.1992 Brandanschl\u00e4ge in Berlin-Kreuzberg (vier F\u00e4lle) und -Neuk\u00f6lln (ein Fall). Anschlagsziele waren insgesamt f\u00fcnf Personenkraftwagen der Marken Porsche (zwei Wagen), BMW, Chevrolet und Mercedes-Benz (jeweils ein Fahrzeug). In einer in der \"INTERIM\" unter der \u00dcberschrift \"Wagensport\" ver\u00f6ffentlichten Bekennung wandten sich die T\u00e4ter gegen die \"Zerst\u00f6rung proletarischer Strukturen\". Die","216 5 - Anhang II: Chronologie - Anschl\u00e4ge seien exemplarisch in Stra\u00dfen durchgef\u00fchrt worden, in denen \"der Ausbau von Luxusdachgeschossen forciert wird\", \"ein kiez zum yuppieviertel\" kippt und sich \"die etablierten pseudoalternativen mittelschichten immer breiter\" machen. Bei den Urhebern d\u00fcrfte es sich um Angeh\u00f6rige der autonomen Szene gehandelt haben. 05.12.1992 \"Bundesweite Antifa-Demo\" Autonomer unter dem Motto Kampf gegen den Faschismus - Wir greifen ein. Bis zu 3.000 Personen, mehrheitlich Angeh\u00f6rige der autonomen Szene aus Berlin und anderen Bundesl\u00e4ndern sowie Aktivisten der \"Revolution\u00e4ren Kommunisten (BRD)\" (RK), der \"Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands\" (MLPD), der \"Antifasist Genclik\", verschiedener Fraktionen der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei/MarxistenLeninisten\" (TKP/M-L), der \"Devrimci Sol\" und der \"Revolution\u00e4ren Kommunistischen Partei der T\u00fcrkei\" (TDKP), zogen vom Oranienplatz (Berlin-Kreuzberg) \u00fcber die Frankfurter Allee (Berlin-Friedrichshain) mit einer Zwischenkundgebung am U-Bahnhof Samariterstra\u00dfe - dem Ort, an dem ein Hausbesetzer am 20./21. November get\u00f6tet worden war - zum Tuchollaplatz (Berlin-Lichtenberg). An der Spitze des Aufzuges hatten sich zeitweise bis zu 70 Personen vermummt. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen t\u00fcrkischen Gruppen maoistischer Ausrichtung einerseits und ihnen ideologisch verfeindeten Linksextremisten andererseits. Autonome griffen Demonstranten der RK mit Kn\u00fcppeln und Pflastersteinen an. Dabei setzten sie auch unbeteiligte Aufzugsteilnehmer einem Steinhagel aus. Polizeibeamte wurden aus der Demonstrantenmenge mit Flaschen und Steinen beworfen, Personenkraftwagen besch\u00e4digt; den Versuch, zwei Wagen umzust\u00fcrzen, verhinderten die Sicherheitskr\u00e4fte. Weitere Ausschreitungen w\u00e4hrend des Aufzuges und danach, u.a. Versuche, in der","5-Anhang II: Chronologie217 Umgebung der Demonstrationsstrecke gelegene Trefforte von Rechtsextremisten anzugreifen, unterband die Polizei nachhaltig. 08.12.1992 Angriff auf einen vermeintlichen Rechtsextremisten in Berlin-Kreuzberg. Eine unbekannte, der autonomen Szene zuzurechnende Person beschimpfte auf dem U-Bahnhof Moritzplatz einen 19j\u00e4hrigen Passanten als Nazi-Schwein; im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung wurde der Angegriffene von einem Gescho\u00df aus einer Schreckschu\u00dfpistole mit aufgeschraubtem pyrotechnischen Zusatzger\u00e4t im Schulterbereich getroffen. 09.12.1992 Angriff auf vermeintliche Rechtsextremisten in BerlinTreptow. Etwa 15 der autonomen Szene zuzurechnende Gewaltt\u00e4ter griffen in einem S-Bahnabteil auf der Fahrt zum S-Bahnhof Sch\u00f6neweide, an einem Imbi\u00df vor dem Bahnhof sowie am Bahndamm in der N\u00e4he dieser Station insgesamt vier junge m\u00e4nnliche Personen t\u00e4tlich an und raubten ihnen teilweise Geld und pers\u00f6nliche Gegenst\u00e4nde. Ein Opfer wurde mit Tr\u00e4nengas bespr\u00fcht, einem weiteren ein Aufn\u00e4her mit der Aufschrift Ich bin froh, ein Deutscher zu sein aus dem \u00c4rmel seiner Jacke geschnitten. 11.12.1992 Angriff auf einen Skinhead in Berlin-Mitte. Mehrere unbekannte Personen, vermutlich Angeh\u00f6rige einer autonomen Gruppe, schlugen auf dem S-Bahnhof Friedrichstra\u00dfe einen 17j\u00e4hrigen Skinhead zusammen, sch\u00f6ssen ihm Tr\u00e4nengas in das Gesicht und entwendeten u.a. seinen Personalausweis und eine Monatskarte. 12.12.1992 \u00dcberfall auf einen Werbestand der Partei \"Die Republikaner\" (Rep) vor dem Einkaufszentrum Johannisthaler Chaussee (Berlin-Neuk\u00f6lln). Acht vermummte, mit Bomberjacken bekleidete Personen warfen Rep-Publikationen zu Boden und mi\u00dfhandelten","218 5 -Anhang II: Chronologieeinen Neuk\u00f6llner Rep-Bezirksverordneten mit Faustschl\u00e4gen. Nachdem der Mandatstr\u00e4ger die Verfolgung der fl\u00fcchtenden Angreifer aufgenommen hatte, scho\u00df einer der T\u00e4ter - offenbar aus einer Schreckschu\u00dfpistole mit pyrotechnischem Zusatzger\u00e4t - auf ihn. 12.12.1992 Angriff auf einen vermeintlichen Rechtsextremisten in Berlin-Hohensch\u00f6nhausen. Etwa zehn Personen, vermutlich Angeh\u00f6rige der autonomen Szene, umringten auf dem Vorplatz des S-Bahnhofs Wartenberg einen 19j\u00e4hrigen Passanten, zwangen ihn, seinen Ausweis zu zeigen, entwendeten eine Anstecknadel mit einer \"Odinsrune\" und schlugen ihm in das Gesicht. 15./16.12.1992 Versuchter Brandanschlag auf einen Lastkraftwagen einer an dem Bauvorhaben Oberbaumbr\u00fccke (Berlin-Friedrichshain) beteiligten Firma. Unbekannte, der autonomen Szene zuzurechnende T\u00e4ter deponierten auf dem Motorblock zwei mit Benzin gef\u00fcllte Plastikflaschen. Diese sollten vermutlich durch die Hitze des Motors entflammt werden. Der Fahrer des Lastkraftwagens wurde durch starken Benzingeruch auf den Brandsatz aufmerksam. 18.12.1992 Anschlagsdrohung gegen ein B\u00fcro der Partei \"Die Republikaner\" (Rep) in Berlin-Hellersdorf. An der verschlossenen Eingangst\u00fcr befestigte eine vermutlich autonome Gruppe mit der Bezeichnung \"k.r.k.b.\" einen Zettel mit der Ank\u00fcndigung, zu einem nicht n\u00e4her bestimmten Zeitpunkt einen Anschlag auf das B\u00fcro ver\u00fcben zu wollen. 19.12.1992 Angriff auf vermeintliche Rechtsextremisten in BerlinHellersdorf. In der Nacht zum 20. Dezember wurde die Polizei auf eine Gruppe von etwa 20 der autonomen Szene zuzurechnende Personen aufmerksam gemacht, die in der Umgebung des U-Bahnhofs Cottbusser Platz, zum Teil vermummt und mit","5 -Anhang II: Chronologie219 Schlagwerkzeugen bewaffnet, offensichtlich Angeh\u00f6rige der \"rechten Szene\" attackierten bzw. dieses beabsichtigten. Bei der Absuche der Umgebung wurden drei gesch\u00e4digte Personen angetroffen, von denen einer \u00e4rztlich behandelt werden mu\u00dfte. 22.12.1992 Farbschmierereien an dem Gesch\u00e4ft eines Militaria-H\u00e4ndlers in Berlin-Pankow. Vermutlich Angeh\u00f6rige der autonomen Szene beschmierten die Fensterscheiben und die Hauswand des Ladens mit antifaschistischen Parolen. Das Gesch\u00e4ft war im Berichtszeitraum wiederholt, zuletzt am 11. November, Ziel von Anschl\u00e4gen Autonomer, die damit gegen den Verkauf von \" Fascho-Accessoi res\" protestierten. 22.12.1992 Aufruf Autonomer zur Teilnahme an der Lichterkette gegen Fremdenfeindlichkeit am 25. Dezember. In einer der Tageszeitung \"Der Tagesspiegel\" zugeleiteten Erkl\u00e4rung k\u00fcndigten \"einige autonome gruppen\" an, die \"ans\u00e4tze vom 08.11.\" (Ausschreitungen w\u00e4hrend der Gro\u00dfdemonstration \"Die W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar\") fortzuf\u00fchren und auszuweiten und \"die heuchler aus Staat und parteien erneut angreifen\" zu wollen. Aufgrund fehlender Angriffsziele kam es w\u00e4hrend der Lichterkette am 25. Dezember zu keinen Ausschreitungen. 23.12.1992 Brandanschlag auf einen Personenkraftwagen der Luxusklasse in Berlin-Kreuzberg. Unbekannte, vermutlich Angeh\u00f6rige einer autonomen Kleingruppe, setzten einen Mercedes-Benz 500 SEL aus N\u00fcrnberg in Brand. Als Brands\u00e4tze benutzten sie drei 1,5 I- Flaschen, gef\u00fcllt mit Benzin und vermutlich Pattex-Kleber. 23.12.1992 Angriff auf vermeintliche Hooligans in Berlin-K\u00f6penick. Etwa 20, der autonomen \"Antifa\"-Szene zuzurechnende Personen griffen sechs Jugendliche, die sie der Kleidung nach f\u00fcr Hooligans hielten, mit Schlagwerkzeugen an,","220 5 -Anhang II: Chronologie - beschossen sie mit Gaspistolen und bewarfen sie mit Feuerwerksk\u00f6rpern. 28.12.1992 Nicht angemeldete Kundgebung vor dem Amtsgericht Tiergarten anl\u00e4\u00dflich eines Haftpr\u00fcfungstermins. Bis zu 50 Angeh\u00f6rige des autonomen Spektrums der sog. \"Antifa\"-Bewegung demonstrierten vor dem Gerichtsgeb\u00e4ude f\u00fcr die Entlassung eines im Zusammenhang mit Angriffen gegen vermeintliche Rechtsextremisten am 9. Dezember in Berlin-Treptow festgenommenen mutma\u00dflichen Straft\u00e4ters aus der Untersuchungshaft. Zu der Versammlung war u.a. in einer der \"Deutschen Presseagentur\" (dpa) zugeleiteten \"Presseerkl\u00e4rung\" der Initiatoren aufgerufen worden. 31.12.1992 Aufz\u00fcge unter dem Motto \"F\u00fcr eine Gesellschaft ohne Knaste\". Ausgangspunkte waren besetzte H\u00e4user in Berlin-Charlottenburg, Zielpunkte die Justizvollzugsanstalt Moabit (BerlinTiergarten), und die Justizvollzugsanstalt f\u00fcr Frauen Berlin (Berlin-Charlottenburg). Etwa 100 der Autonomenund der Hausbesetzer-Szene zuzurechnende Personen trennten sich auf ihrem Marsch und liefen dann in Gruppen von 70 bzw. 30 Demonstranten zu den Endpl\u00e4tzen.","5 - Anhang II: Chronologie - 221 5.2 Rechtsextremismus 03.01.1992 Teilnahme Berliner Neonazis, darunter Vertreter der \"Nationalen Alternative Berlin\" (NA Berlin) sowie der Gruppe \"Wotans Volk\" an der Beisetzung der Urne mit den sterblichen \u00dcberresten des am 25. April 1991 verstorbenen Neonazis Michael K\u00dcHNEN in Kassel. Insgesamt beteiligten sich etwa 200 Personen aus mehreren Bundesl\u00e4ndern an der Trauerfeier. 06.01.1992 Teilnahme f\u00fchrender Berliner Rechtsextremisten, unter ihnen Angeh\u00f6rige verschiedener Neonazigruppen, an einer au\u00dferordentlichen Hauptversammlung des Zusammenschlusses \"Freiheitliche W\u00e4hlergemeinschaft 'Wir sind das Volk\"1 (WSDV). Im Rahmen der von etwa 30 Personen besuchten Veranstaltung, die in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Neuk\u00f6lln stattfand, wurden die Kandidaten f\u00fcr die Wahlen zu den Berliner Bezirksverordnetenversammlungen (BW) am 24. Mai aufgestellt. 13.01.1992 \u00dcberfall auf einen vietnamesischen Staatsangeh\u00f6rigen, vermutlich aus rassistischen und fremdenfeindlichen Motiven. Vier unbekannte T\u00e4ter stachen in der Leninallee (Berlin-Lichtenberg) den 30j\u00e4hrigen Asiaten mit einem Messer nieder und verletzten ihn schwer. Die T\u00e4ter fl\u00fcchteten mit dem Geld des Opfers. 18.01.1992 Teilnahme Berliner Neonazis, darunter Mitglieder und Anh\u00e4nger der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP), an einer Veranstaltung zum Auftakt des Wahlkampfes der \"Nationalen Offensive\" (NO) in Konstanz (Baden-W\u00fcrttemberg) anl\u00e4\u00dflich der bevorstehenden Wahlen zum baden-w\u00fcrttembergischen Landtag. 18.01.1992 In Blankenburg wird ein 19j\u00e4hriger von unbekannten Skinheads mit den Worten \"Linke Sau\" beschimpft und beraubt.","222 5 -Anhang II: Chronologie20.01.1992 Verbreitung eines erstmals erschienenen Mitteilungsblattes der \"Deutschen Alternative\" (DA) mit dem Titel \"Brandenburger Beobachter\" unter Berliner Neonazis verschiedener Zusammenschl\u00fcsse. Lt. Impressum zeichnet die DA Cottbus f\u00fcr die Herausgabe verantwortlich. 20.01.1992 Teilnahme f\u00fchrender Funktion\u00e4re rechtsextremistischer Organisationen an einer Veranstaltung der \"Freiheitlichen W\u00e4hlergemeinschaft 'Wir sind das Volk'\" (WSDV) in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Neuk\u00f6lln. Aus dem Kreis der Anwesenden wurden weitere Kandidaten f\u00fcr die BW-Wahlen aufgestellt. 22.01.1992 Traditionelle \"Reichsgr\u00fcndungsfeier\" der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e.V.\" in einer Gastst\u00e4tte in BerlinSch\u00f6neberg mit etwa 100 Teilnehmern. 25.01.1992 Verteilund Klebeaktion von Mitgliedern und Anh\u00e4ngern der Ortsgruppe Berlin der neonazistischen \"Nationalistischen Front\" (NF) in Neuenhagen (Brandenburg). Die Akteure steckten zahlreiche Info-Bl\u00e4tter mit dem Titel 9-Punkte-Plan zur Ausl\u00e4nderr\u00fcckf\u00fchrung in Hausbriefk\u00e4sten und klebten mehrere Hundert NF-Aufkleber {Ausl\u00e4nder raus, Ausl\u00e4nderintegration ist V\u00f6lkermord u.a.) an Briefk\u00e4sten, Telefonzellen, Stra\u00dfenund Verkehrsschilder. 01.02.1992 St\u00f6raktion von etwa 15 Berliner Mitgliedern und Anh\u00e4ngern der neonazistischen \"Nationalistischen Front\" (NF) in Kremmen (Brandenburg) gegen Dreharbeiten des ZDF zu einem Film \u00fcber das \"Dritte Reich\". 01.02.1992 Veranstaltung der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in einer Gastst\u00e4tte in BerlinNiedersch\u00f6nhausen aus Anla\u00df der Wahlen zu den Berliner Bezirksverordnetenversammlungen (BW) am 24. Mai. An der Zusammenkunft, in deren Mittelpunkt eine Rede des FAP-Vorsitzenden Friedhelm BUSSE stand, nahmen etwa","5 - Anhang II: Chronologie - 223 120 Personen teil, darunter Gesinnungsgenossen aus den neuen Bundesl\u00e4ndern, aus Hamburg und NordrheinWestfalen. 04.02.1992 \u00dcberfall auf einen t\u00fcrkischen Staatsangeh\u00f6rigen und dessen schwangere deutsche Freundin in Berlin-Tempelhof. Vier unbekannte T\u00e4ter, vermutlich Skinheads, dr\u00e4ngten unter Drohung mit einem Messer beide Opfer in den Hausflur eines Wohnhauses, wo der T\u00fcrke geschlagen und seiner Geldb\u00f6rse beraubt wurde. 06.02.1992 Entdeckung mehrerer Farbschmierereien neonazistischen Inhalts auf dem Gel\u00e4nde der \"Gedenkst\u00e4tte der Sozialisten\" in Berlin-Lichtenberg. Die T\u00e4ter bespr\u00fchten mit wei\u00dfer Farbe mehrere Gedenkplatten mit Hakenkreuzen und Davidsternen; an eine Mauer schmierten sie die Parole Volksgemeinschaft statt Klassenkampf. 16.02.1992 Bundesvorstandssitzung der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Lichtenberg. 18.02.1992 \u00dcberfall auf einen vietnamesischen Staatsb\u00fcrger in BerlinHellersdorf. Zwei Skinheads zwangen ihr Opfer unter Drohungen und Schl\u00e4gen zur Herausgabe von Zigaretten, die vermutlich illegal verkauft werden sollten. 18.02.1992 Bekanntwerden mehrerer Farbschmierereien unter Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen in Berlin-Mitte. Die unbekannten T\u00e4ter schmierten an Hausw\u00e4nde in den Stra\u00dfenz\u00fcgen Granseer, Wolliner, F\u00fcrstenberger und Swinem\u00fcnder Stra\u00dfe Hakenkreuze sowie das Signet der neonazistischen \"Nationalen Alternative Berlin\" (NA Berlin).","224 5 -Anhang II: Chronologie - 21.02.1992 Vortragsveranstaltung des Stadtverbandes Berlin der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD) zum Thema: Amerikanisierung von Sprache und Kultur. Die Veranstaltung, die von ca. 50 Personen besucht wurde, fand in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Pankow statt. 21.02.1992 Vortragsabend der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e.V.\" zum Thema Die One-World droht. An der Veranstaltung in einem Lokal in Berlin-Kreuzberg nahmen etwa 80 Personen, darunter 30 Jugendliche, teil. Vor Beginn der Veranstaltung hatten bis zu 20 teilweise vermummte Personen aus der autonomen Szene mehrere eintreffende Teilnehmer mit Eisenstangen und Holzlatten angegriffen und verletzt. 23.02.1992 Gedenkveranstaltung des Landesverbandes Berlin der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) auf dem St.-Nicolai-Friedhof in Berlin-Prenzlauer Berg aus Anla\u00df des 62. Todestages des Nationalsozialisten Horst WESSEL. 23.02.1992 Bekanntwerden einer Propagandaaktion unter Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen durch Anh\u00e4nger der \"Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei-Auslandsund Aufbauorganisation\" (NSDAPAO) in Berlin-Reinickendorf; in mehreren Stra\u00dfenz\u00fcgen waren mit Hakenkreuz versehene Plakate geklebt worden. 27.02.1992 Sachbesch\u00e4digung an zwei Stra\u00dfenschildern auf dem Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin-Mitte durch den Vorsitzenden und den Schatzmeister des Landesverbandes Berlin der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP). Die von der Polizei gestellten T\u00e4ter klebten \u00fcber eine Seite der Schilder ein Transparent mit der Aufschrift Horst-Wessel-Platz.","5 - Anhang II: Chronologie - 225 01.03.1992 Flugblattaktion des Landesverbandes Berlin - Kreisverband Ost - der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in Berlin-Prenzlauer Berg. Mitglieder und Sympathisanten der FAP verteilten aus Anla\u00df der Wahlen zu den Berliner Bezirksverordnetenversammlungen (BW) in Hausbriefk\u00e4sten mehrerer Mietsh\u00e4user Propagandamaterial, in dem sich die FAP als nationale und sozialistische Partei darstellt. 04./05.03.1992 N\u00e4chtliche Plakataktion von Mitgliedern und Sympathisanten der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) - Landesverband Berlin, Kreisverband Ost - im Bezirk Prenzlauer Berg. 05.03.1992 Flugblattaktion der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) - Landesverband Berlin, Kreisverband Ost - vor dem Arbeitsamt 2, Storkower Stra\u00dfe 118 (Berlin-Prenzlauer Berg). Anh\u00e4nger der FAP verteilten mehrere Hundert Flugbl\u00e4tter mit der Parole Stoppt die neue Armut, Arbeitslosigkeit und \u00dcberfremdung!. 14.03.1992 \"Gro\u00dfkundgebung\" der rechtsextremistischen \"Deutschen Volksunion\" (DVU) in der Nibelungenhalle in Passau. An der Veranstaltung, die vom DVU-Bundesvorsitzenden, Dr. Gerhard FREY, geleitet wurde und auf der neben FREY der rechtsextremistische britische Autor David IRVING sprach, beteiligten sich ca. 3.500 Personen. Der Landesverband Berlin-Brandenburg nahm mit einer etwa 40 Mitglieder z\u00e4hlenden Gruppe an der Kundgebung teil. 14.03.1992 Beteiligung von Mitgliedern und Anh\u00e4ngern der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) - Landesverband Berlin - am \"Ordentlichen Parteitag 1992\" ihrer Organisation in Obersdorf bei M\u00fcncheberg (Kreis Strausberg, Brandenburg). Unter den etwa 200 Teilnehmern dominierten FAP-Angeh\u00f6rige aus den alten Bun-","226 5 -Anhang II: Chronologie - desl\u00e4ndern, Brandenburger und Sachsen geh\u00f6rten zu den wenigen Ostdeutschen unter den Versammelten. In einer Rede betonte der vom Parteitag in seinem Amt best\u00e4tigte Bundesvorsitzende Friedhelm BUSSE, da\u00df das Schwergewicht der politischen Arbeit der FAP k\u00fcnftig im Raum Berlin/Brandenburg liegen werde. 16.03.1992 \u00dcberfall auf zwei indische Staatsangeh\u00f6rige in Berlin-Friedrichshain. Zwei unbekannte Skinheads zwangen eines der Opfer unter Schl\u00e4gen und Drohung mit einem Messer zur Herausgabe seines Bargeldes und einer Herrenarmbanduhr. 19.03.1992 Jahreshauptversammlung des NPD-Stadtverbandes Berlin in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Pankow. 29.03.1992 In Berlin-Lichtenberg sto\u00dfen Unbekannte 12 Grabsteine der Verfolgten des Naziregimes um. 04.04.1992 Teilnahme von Berliner Neonazis, darunter Mitglieder und Anh\u00e4nger der neonazistischen \"Nationalen Alternative Berlin\" (NA Berlin) und der \"Deutschen Alternative\" (DA), an einer von verschiedenen neonazistischen Organisationen getragenen bundesweiten Demonstration in Dresden aus Anla\u00df der Freispr\u00fcche in dem Strafproze\u00df um die T\u00f6tung des Neonazi-Anf\u00fchrers Rainer SONNTAG. Vor etwa 800 Teilnehmern traten auf der Abschlu\u00dfkundgebung u.a. die Neonazi-F\u00fchrer Christian WORCH (\"Nationale Liste\", Hamburg), Friedhelm BUSSE (FAP) und der militante Berliner Neonazi Arnulf-Winfried PRIEM (\"Asgard-Bund\", DA) auf. 09.04.1992 Treffen von Anh\u00e4ngern der rechtsextremistischen \"Deutschen Liga f\u00fcr Volk und Heimat\" in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Tempelhof. Thema der Veranstaltung war neben den BW-Wahlen die Ermordung des Vorstandsmitglieds der Berliner DL, Gerhard KAINDL, am 04.04.1992.","5 - Anhang II: Chronologie - 227 10.04.1992 Veranstaltung des Stadtverbandes Berlin der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD) in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Charlottenburg. 18.04.1992 Teilnahme von Anh\u00e4ngern des Kreisverbandes Ost des Landesverbandes Berlin der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) an einer \"Hitler-Geburtstagsfeier\" auf dem Anwesen der wegen neonazistischer Aktivit\u00e4ten vorbestraften Eheleute Curt und Ursula M\u00dcLLER in Mainz-Gonsenheim. 18./20.04.1992 Antisemitische Schmierund Klebeaktionen rechtsextremistischer Aktivisten an verschiedenen j\u00fcdischen Gedenkst\u00e4tten aus Anla\u00df der Wiederkehr des Geburtstages Adolf HITLERS (20. April). 22.04.1992 Sprengstoffexplosion hinter dem Haupttor zum t\u00fcrkischen Friedhof in Berlin-Neuk\u00f6lln, auf dem es in der Vergangenheit wiederholt zu rassistisch und ausl\u00e4nderfeindlich motivierten Grabsch\u00e4ndungen gekommen war. 24.04.1992 T\u00f6tung eines Vietnamesen in Berlin-Marzahn durch einen nach eigenen Angaben der rechtsextremistischen \"Deutschen Volksunion\" (DVU) nahestehenden 21j\u00e4hrigen Mann. Die Tat erfolgte im Verlauf einer von dem T\u00e4ter provozierten Auseinandersetzung mit einer Gruppe vietnamesischer Zigarettenh\u00e4ndler. 26.04.1992 Feststellung von Besch\u00e4digungen an Grabanlagen auf dem j\u00fcdischen Friedhof in der Herbert-Baum-Stra\u00dfe (BerlinWei\u00dfensee). Unbekannte T\u00e4ter hatten die Umfriedungen zahlreicher Grabst\u00e4tten ramponiert, Blumenschalen und kleinere S\u00e4ulen umgeworfen. 01.05.1992 \u00d6ffentliche Versammlung mit Kurzkundgebung der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) im ErnstTh\u00e4lmann-Park (Berlin-Prenzlauer Berg). Es beteiligten sich","228 5 - Anhang II: Chronologie - bis zu 100 Mitglieder und Anh\u00e4nger dieser neonazistischen Partei, darunter der FAP-Bundesvorsitzende Friedhelm BUSSE sowie weitere f\u00fchrende FAP-Aktivisten. Auf den urspr\u00fcnglich geplanten \"Propagandamarsch\" wurde nach massiven Angriffen von Linksextremisten verzichtet. 12 Neonazis wurden von der Polizei wegen Versto\u00dfes gegen das Versammlungsgesetz vorl\u00e4ufig festgenommen. 2. Dekade Mai T\u00e4gliche \"Steckaktionen\" von Angeh\u00f6rigen des Landesverbandes Berlin der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in Berlin-Prenzlauer Berg. Im Rahmen der Wahlkampfaktivit\u00e4ten im Vorfeld der BW-Wahlen am 24. Mai wurden mehrere tausend Exemplare der \"FAP-Nachrichten\", des Mitteilungsblattes der FAP-Berlin, in dem massiv gegen die in Berlin lebenden Ausl\u00e4nder gehetzt wird, verteilt. 15.05.1992 Plakataktion von Angeh\u00f6rigen des Landesverbandes Berlin der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in Berlin-Prenzlauer Berg aus Anla\u00df der BWWahlen am 24. Mai. 16.05.1992 Angriff auf ein Mitglied der SPD-Fraktion des Abgeordnetenhauses in Berlin-Prenzlauer Berg. Das Opfer hatte eine Gruppe Jugendlicher aufgefordert, das Gr\u00f6len von Naziparolen, wie Heil Hitler zu unterlassen. Nach einem kurzen Wortwechsel schlugen die T\u00e4ter den Abgeordneten bewu\u00dftlos. 16.05.1992 Flugblattaktion der Ortsgruppe Berlin der neonazistischen \"Nationalistischen Front\" (NF) vor verschiedenen Gesch\u00e4ften in der Falkenberger Chaussee (Berlin-Hohensch\u00f6nhausen). NF-Anh\u00e4nger aus Berlin und Brandenburg verbreiteten aus Anla\u00df der BW-Wahlen am 24. Mai ca. 2.000 Flugbl\u00e4tter mit der \u00dcberschrift Es ist an der Zeit, einiges zu \u00e4ndern!, in denen u.a. Ausl\u00e4nderr\u00fcckf\u00fchrung und Stopp der Asylantenflut gefordert wird.","5 - Anhang II: Chronologie - 229 23.05.1992 Ansammlung von etwa 140 Personen der Skinheadund Hooligan-Szene aus fast allen Teilen der Bundesrepublik auf dem Gel\u00e4nde vor dem Olympiastadion in BerlinCharlottenburg aus Anla\u00df des DFB-Pokalendspiels. Die Anwesenden, darunter auch Berliner Skinheads, skandierten nach reichlichem Alkoholgenu\u00df u.a. folgende Parolen: Deutschen den Deutschen - Ausl\u00e4nder raus!; F\u00fcr jeden toten T\u00fcrken gebe ich einen aus!; Sieg Heil!; NSDAP! und Rotfront verrecke!. Ferner sang man das Horst-WesselLied. 23.05.1992 \u00dcberfall auf einen Jugendclub iii Berlin-K\u00f6penick, in dessen R\u00e4umen fr\u00fcher die \u00f6rtliche FDJ-Leitung residiert hatte. Etwa 30 - 50 mit Eisenstangen bewaffnete Jugendliche, die z.T. der rechtsextremistischen Szene zuzuordnen sind, warfen unter Sieg Heilund Heil Hitler-Rufen gezielt mit Steinen auf das Clubgeb\u00e4ude. Dabei wurden mehrere Fensterscheiben zerst\u00f6rt; eine Person erlitt Verletzungen. 24.05.1992 Rechtsextremistische Beteiligung an den Wahlen zu den Berliner Bezirksverordnetenversammlungen (BW). Angeh\u00f6rige der Ortsgruppe Berlin der neonazistischen \"Nationalistischen Front\" (NF) kandidierten im Bezirk Hohensch\u00f6nhausen. Von 43.602 g\u00fcltigen Stimmen entfielen auf die NF 136 (0,31 %). Mitglieder des Landesverbandes Berlin der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) kandidierten im Bezirk Prenzlauer Berg als \"W\u00e4hlergemeinschaft Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei\". Die Liste erhielt von insgesamt 60.937 g\u00fcltigen Stimmen 228 (0,37 %). Angeh\u00f6rige der neonazistischen \"Nationalen Alternative Berlin\" (NA Berlin), darunter der NA-Vorsitzende Oliver SCHWEIGERT, kandidierten im Bezirk Lichtenberg f\u00fcr die W\u00e4hlergemeinschaft \"DIE NATIONALEN\", ein Zweckb\u00fcndnis der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD), der \"Deutschen Liga f\u00fcr Volk und Heimat\" und neonazistischer Einzelbewerber, und erzielten 339 Stimmen","230 5 - Anhang II: Chronologie - (0,46 %). Die \u00fcbrigen Bezirkslisten der \"NATIONALEN\" erhielten zwischen 0,16 % (Spandau) und 0,69 % (Wedding) der abgegebenen Stimmen. 25.05.1992 \u00dcberfall auf drei m\u00e4nnliche Personen in der Winsstra\u00dfe (Berlin-Prenzlauer Berg). Etwa zehn, \u00fcberwiegend jugendliche Gewaltt\u00e4ter, darunter Mitglieder und Anh\u00e4nger der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) unter F\u00fchrung des FAP-Landesvorsitzenden Lars BURMEISTER und eines weiteren Vorstandsmitglieds, schlugen ihre Opfer brutal zu Boden und zerschmetterten eine Flasche auf dem Kopf eines Angegriffenen. 28.05.1992 Feststellung einer Sch\u00e4ndung des \"Walther-RathenauDenkmals\" in Berlin-Wilmersdorf. Bisher unbekannte T\u00e4ter, vermutlich Rechtsextremisten, legten auf einem Mauersockel des Monuments einen Schweinekopf ab. [Vgl. 13.12.] 16.06.1992 Informationsabend des Stadtverbandes Berlin der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD) in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Pankow. 17.06.1992 Vortragsveranstaltung der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e.V.\" in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Reinickendorf. Vor etwa 65 Personen, darunter etwa 20 Neonazis, sprach ein Referent zum Thema: Oberschlesien in Geschichte, Gegenwart und Zukunft. 17.06.1992 Sprengstoffanschlag auf ein Asylbewerberheim in BerlinWedding. Die T\u00e4ter hatten auf einem Fenstersims des Geb\u00e4udes einen zeitz\u00fcndergesteuerten Brandsatz abgelegt. Personen wurden nicht verletzt. [Vgl. 30.08.] 19.06.1992 Konzertveranstaltung der \"Deutschen Jugendinitiative Berlin\" (DJI) mit dem rechtsextremistischen Liedermacher","5 -Anhang II: Chronologie231 Frank RENNICKE in der \"Stadthalle\" Falkensee (Brandenburg). Unter den etwa 250 Zuh\u00f6rern befanden sich zahlreiche Mitglieder und Anh\u00e4nger neonazistischer Organisationen; etwa die H\u00e4lfte der Besucher geh\u00f6rte der Berliner SkinheadSzene an. 20.06.1992 Teilnahme von etwa 20 Berliner Rechtsextremisten, darunter Funktion\u00e4re der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e.V.\" und der Ortsgruppe Berlin der neonazistischen \"Nationalistischen Front\" (NF) an einer Sonnwendfeier der \"Artgemeinschaft e.V.\" in Hetendorf (Niedersachsen). An der Veranstaltung beteiligten sich insgesamt etwa 200 Personen, darunter etwa 70 NF-Mitglieder und -Anh\u00e4nger. 20.06.1992 Beteiligung von Mitgliedern und Anh\u00e4ngern des Landesverbandes Berlin der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) an einer Kundgebung auf dem Marktplatz in Biebelsheim (Rheinland-Pfalz) aus Anla\u00df des Volksaufstandes am 17. Juni 1953 sowie gegen die Errichtung einer M\u00fclldeponie auf den Gr\u00e4bern deutscher Soldaten. Unter den etwa 250 erschienenen Neonazis befand sich der FAP-Bundesvorsitzende Friedhelm BUSSE. Die Berliner FAP-Angeh\u00f6rigen nahmen im Anschlu\u00df an die Kundgebung an einer Sonnwendfeier auf dem als NeonaziTreffort dienenden Anwesen der Eheleute Curt und Ursula M\u00dcLLER in Mainz-Gonsenheim teil. 19.07.1992 Kameradschaftsabend des Landesverbandes Berlin der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Rosenthal. Unter den Teilnehmern befanden sich auch Anh\u00e4nger der \"Nationalistischen Front\" (NF) und der \"Nationalen Alternative Berlin\" (NA Berlin) sowie FAP-Anh\u00e4nger aus Kremmen (Brandenburg). 25./26.07.1992 Teilnahme von Mitgliedern des Landesverbandes Berlin der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\"","232 5 -Anhang II: Chronologie(FAP) an einer Schulungsveranstaltung und einem FAP\"F\u00fchrerthing\" auf dem seit Jahren als Treffort inund ausl\u00e4ndischer Neonazis dienenden Anwesen der Eheleute Curt und Ursula M\u00dcLLER in Mainz-Gonsenheim. 05.08.1992 Landesparteitag des Landesverbandes \"Reichshauptstadt\" der neonazistischen \"Deutschen Alternative\" (DA) in Finsterwalde (Brandenburg). Zum Landesvorsitzenden wurde in Anwesenheit des DA-Bundesvorsitzenden Frank H\u00dcBNER (Cottbus) der militante Berliner Neonazi ArnulfWinfried PRIEM (\"Asgard-Bund\"/\"Wotans Volk\") gew\u00e4hlt. 08.08.1992 Gemeinschaftsveranstaltung der neonazistischen \"Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V.\" (HNG) in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Lichtenberg. Die von der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) und der \"Deutschen Alternative\" (DA) unterst\u00fctzte Veranstaltung stand unter dem Motto Gegen politische Repressionen! Gemeinsam schlagen wir den Staatsschutzterror zur\u00fcck!. 08.08.1992 Teilnahme von Anh\u00e4ngern des \"St\u00fctzpunktes Berlin\" der neonazistischen \"Nationalistischen Front\" (NF) an einem \"Sonderparteitag der NF\" in Flatow (Brandenburg). Die etwa 60 anwesenden Mitglieder w\u00e4hlten den langj\u00e4hrigen Berliner NF-F\u00fchrer Andreas POHL zum 1. Vorsitzenden der Vereinigung und bestimmten Berlin zum \"Hauptsitz der NF\". Da ein am gleichen Tag in Pivitsheide (NordrheinWestfalen) von Anh\u00e4ngern des NF-Bundesvorsitzenden Meinolf SCH\u00d6NBORN abgehaltener \"Sonderparteitag\" diesen in seinem Amt best\u00e4tigte, wurde durch die konkurrierenden Wahlakte faktisch die Spaltung der Organisation vollzogen. 09.08.1992 Kameradschaftsabend des Landesverbandes Berlin der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in einer Kleingartenkolonie in Berlin-Rosenthal.","5 - Anhang II: Chronologie - 233 15.08.1992 Teilnahme von Berliner Neonazis - darunter Mitglieder und Anh\u00e4nger der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP), der \"Nationalen Alternative Berlin\" (NA Berlin) und der \"Deutschen Alternative\" (DA) sowie der NeonaziGruppen \"Vandalen\" und \"Wotans Volk\" - an einer Demonstration mit Kundgebung in Rudolstadt (Th\u00fcringen) aus Anla\u00df des 5. Todestages des HITLER-Stellvertreters Rudolf HESS. An der Veranstaltung beteiligten sich etwa 1.500 Rechtsextremisten aus den alten und neuen Bundesl\u00e4ndern sowie ausl\u00e4ndische Abordnungen. 20.08.1992 Zusammenkunft von Angeh\u00f6rigen der neonazistischen \"Nationalen Alternative Berlin\" (NA Berlin) in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Friedrichsfelde. 21.08.1992 Vermutlich rassistisch und fremdenfeindlich motivierter \u00dcberfall auf einen togolesischen Staatsangeh\u00f6rigen im U- Bahnhof Hallesches Tor (Berlin-Kreuzberg). Etwa zehn unbekannte m\u00e4nnliche T\u00e4ter, vermutlich Skinheads, verletzten den Asylbewerber durch Tritte und Schl\u00e4ge. 21.08.1992 Vortragsveranstaltung des Stadtverbandes Berlin der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD) in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Charlottenburg mit etwa 40 Teilnehmern. Als Gastredner sprach das aus Bayern angereiste NPDParteivorstandsmitglied Udo VOIGT zum Thema Was kostet uns Europa?. 23.08.1992 T\u00e4tliche Auseinandersetzungen zwischen etwa 80 Jugendlichen, vermutlich Angeh\u00f6rige rivalisierender Kreise des rechtsund linksextremistischen Spektrums, in der Pfarrstra\u00dfe (Berlin-Lichtenberg). W\u00e4hrend der Randale wurden Leuchtkugeln abgeschossen und abgestellte Personenkraftwagen durch Steinw\u00fcrfe besch\u00e4digt. Nach Beendigung der Auseinandersetzungen","234 5 -Anhangll: Chronologiebegab sich eine Gruppe in nahegelegene besetzte H\u00e4user, die andere zog sich in eine benachbarte, vor allem von Skinheads besuchte Diskothek zur\u00fcck. 25.08.1992 \u00dcberfall auf einen mongolischen Staatsangeh\u00f6rigen in Berlin-Lichtenberg. Das Motiv der Tat d\u00fcrfte in rassistischen und fremdenfeindlichen Ressentiments gelegen haben. Zwei unbekannte m\u00e4nnliche Personen, vermutlich Skinheads, beschimpften den Mongolen mit den Worten Schei\u00df Ausl\u00e4nder und f\u00fcgten ihm bei dem anschlie\u00dfenden Handgemenge eine Stichverletzung am linken Schulterblatt zu. 26.08.1992 Teilnahme Berliner Neonazis an einer Demonstration in Eberswalde (Brandenburg) aus Anla\u00df der Fortsetzung des Prozesses gegen die aus der Skinhead-Szene stammenden mutma\u00dflichen M\u00f6rder des Angolaners Amadeu ANTONIO. 28.08.1992 Brandanschlag auf eine vorwiegend von Homosexuellen besuchte Gastst\u00e4tte in Berlin-Neuk\u00f6lln. Der Inhaber des Lokals beobachtete, wie mehrere M\u00e4nner Pflastersteine gegen die Fensterscheiben und in die Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume sowie zwei Brands\u00e4tze in das Ladeninnere warfen; beide Brands\u00e4tze konnten sofort gel\u00f6scht werden, Personen kamen nicht zu Schaden. Zeugenaussagen lassen die T\u00e4ter im rechtsextremistischen Spektrum vermuten. 29.08.1992 \u00dcberfall auf zwei Stadtstreicher durch zwei Skinheads in Berlin-Charlottenburg. Einer der Angegriffenen starb am 5. September an den Folgen der Verletzungen, die ihm mit einem Baseballschl\u00e4ger beigebracht worden waren. [Anmerkung: Einer der T\u00e4ter, der als Neonazi bekannt und vermutlich Anh\u00e4nger des militant-rassistischen Geheimbundes \"Ku-KluxKlan\" ist, wurde am 22. Februar 1993 wegen K\u00f6rperverletzung mit Todesfolge zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt.] 29.08.1992 Versuchter Brandanschlag auf ein u.a. von ausl\u00e4ndischen Staatsb\u00fcrgern bewohntes Studentenwohnheim in BerlinWei\u00dfensee.","5 - Anhang II: Chronologie - 235 Der Brandsatz erlosch von selbst, es entstand kein Schaden. Eine rechtsextremistische Motivation der Urheber des Anschlages ist zu vermuten. 29.08.1992 Fremdenfeindliche Demonstration von etwa 15 Jugendlichen vor einem Wohnheim f\u00fcr vietnamesische Staatsb\u00fcrger in Berlin-Hohensch\u00f6nhausen. Die Demonstranten skandierten Parolen wie Ausl\u00e4nder raus!. Polizeikr\u00e4fte konnte mehrere Personen, die zuvor Schottersteine vom Gleisbett einer dort verlaufenden Stra\u00dfenbahnlinie aufgenommen hatten, stellen und deren Identit\u00e4t festhalten. 30.08.1992 Sprengstoffanschlag auf das Mahnmal zum Gedenken an die Deportation Berliner Juden im \"Dritten Reich\" an der Putlitzbr\u00fccke (Berlin-Tiergarten). Durch die Wucht der Detonation wurde eine schwere Granitplatte des Mahnmals verschoben und eine St\u00fctze weggerissen. [Anmerkung: Die auch des Sprengstoffanschlags auf ein Asylbewerberheim in Berlin-Wedding [vgl. 17.06.] \u00fcberf\u00fchrten T\u00e4ter wurden am 17. M\u00e4rz 1993 zu Freiheitsstrafen von f\u00fcnf Jahren und neun Monaten bzw. von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt.] 30.08.1992 Zusammenrottung von etwa 60 - 80 Jugendlichen der rechtsextremistischen Szene vor der Diskothek \"Sealodge\" (Berlin-Lichtenberg). Alarmierte Polizeikr\u00e4fte wurden bei Eintreffen sofort aus der Gruppe heraus mit Steinen beworfen und mit Leuchtspurmunition beschossen; die Frontscheibe eines Polizeifahrzeuges ging zu Bruch. Unter Einsatz von Verst\u00e4rkungskr\u00e4ften r\u00e4umten die Beamten die Stra\u00dfe. 30.08.1992 Brandanschlag auf den Imbi\u00dfwagen eines t\u00fcrkischen Staatsb\u00fcrgers in Berlin-Hellersdorf. Zwei unbekannt gebliebene Jugendliche hatten zuvor nach Zeugenaussagen unter dem Wagen eine mit brennbarer","236 5 - Anhang II: Chronologie - Fl\u00fcssigkeit gef\u00fcllte Glasflasche deponiert. Die Feuerwehr l\u00f6schte den Brand. Kurze Zeit sp\u00e4ter warfen vermutlich dieselben T\u00e4ter gegen einen anderen t\u00fcrkischen Imbi\u00dfstand einen Brandsatz, der sich jedoch nicht entz\u00fcndete. 31.08.1992 Versuchter Brandanschlag auf ein sog. legalisiertes Haus in Berlin-Pankow. Drei Jugendliche warfen zwei Brandflaschen, die jedoch an der Hausfassade abprallten, ohne Schaden anzurichten; die Flammen konnten von Hausbewohnern gel\u00f6scht werden. Als Tatverd\u00e4chtiger wurde ein 16j\u00e4hriger Jugendlicher ermittelt. 31.08.1992 Versuchter Brandanschlag unbekannter, vermutlich rechts*extremistischer T\u00e4ter auf ein Ausl\u00e4nderwohnheim in BerlinHohensch\u00f6nhausen. Der zuvor durch ein eingeschlagenes Kellerfenster geworfene Brandsatz erlosch von selbst, Personen kamen nicht zu Schaden. 01.09.1992 Versuchter Brandanschlag auf einen t\u00fcrkischen Imbi\u00df-Kiosk in Berlin-Hohensch\u00f6nhausen. Die T\u00e4ter schlugen eine Scheibe ein und brachten eine Fl\u00fcssigkeit zum Entz\u00fcnden. Es entstand geringer Sachschaden. 03.09.1992 Erneuter Brandanschlag auf ein \u00fcberwiegend von vietnamesischen Arbeitnehmern bewohntes Ausl\u00e4nderheim in Berlin-Hohensch\u00f6nhausen. Zeugen, die drei Brandherde entdeckt hatten, konnten Hinweise auf die fl\u00fcchtigen T\u00e4ter geben. Die zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt durch die Polizei vorl\u00e4ufig Festgenommenen gestanden in ihren Vernehmungen die Tat. 04.09.1992 Feier von ca. 40 \u00fcberwiegend aus Berlin stammenden Skinheads auf einem ehemaligen NVA-Gel\u00e4nde in BerlinAdlershof.","5 -Anhang II: Chronologie237 07.09.1992 Versuchter Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim in Berlin-Wilhelmsruh. Zwei unbekannt gebliebene T\u00e4ter warfen zwei Flaschen mit brennendem Inhalt auf einen vor dem Nebeneingang des Wohnheimes stehenden Personenkraftwagen. Die Flammen konnten vor dem \u00dcbergreifen von den Bewohnern der Unterkunft gel\u00f6scht werden. 07.09.1992 \u00dcberfall auf zwei vietnamesische Asylbewerber in BerlinHohensch\u00f6nhausen. Drei jugendliche T\u00e4ter raubten den Vietnamesen mehrere Stangen Zigaretten und verletzten einen im Gesicht und am Schienbein. Vor dem \u00dcberfall \u00e4u\u00dferten die Jugendlichen ausl\u00e4nderfeindliche Parolen wie Die Schei\u00df-Kanaken m\u00fc\u00dfte man aus Deutschland herauspr\u00fcgeln und Die Fidschis m\u00fc\u00dfte man \u00f6fter klatschen. Einer der T\u00e4ter tr\u00e4gt am linken Unterarm eine Hakenkreuzt\u00e4towierung. 08.09.1992 Brandanschl\u00e4ge auf drei t\u00fcrkische Imbi\u00dfst\u00e4nde in BerlinMarzahn. Die Anschl\u00e4ge wurden von den unbekannt gebliebenen T\u00e4tern, deren Beweggr\u00fcnde mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit in rassistisch motivierter Ausl\u00e4nderfeindlichkeit gelegen haben d\u00fcrften, innerhalb einer halben Stunde durchgef\u00fchrt. 12.09.1992 \"2. ordentlicher Landesparteitag\" des NPD-Landesverbandes Berlin-Brandenburg. An der ohne Zwischenf\u00e4lle verlaufenen Veranstaltung in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Pankow beteiligten sich etwa 35 Personen, darunter der stellvertretende NPD-Bundesvorsitzende Walter BACHMANN. 12.09.1992 Beteiligung von Berliner Neonazis an einer von der neonazistischen \"Nationalistischen Front\" (NF) initiierten \"Party\" im \"Kulturhaus\" in Hennigsdorf (Brandenburg). An der Veranstaltung nahmen bis zu 150 Personen teil, darunter etwa 120 Skinheads aus Brandenburg.","238 5 -Anhang II: Chronologie - 13.09.1992 Kameradschaftsabend des Landesverbandes Berlin der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in der Klubgastst\u00e4tte einer Kleingartenkolonie in Berlin-Blankenfelde. 18.09.1992 Zusammenkunft von etwa 50 der militanten SkinheadSzene zuzurechnenden Personen in einer Szene-Kneipe in Berlin-Buch. Unter den Anwesenden befanden sich auch einige Angeh\u00f6rige neonazistischer Gruppierungen. Nach erheblichem Alkoholgenu\u00df zog die Gruppe vom Treffort in Richtung des nahegelegenen S-Bahnhofes. Auf dem Weg dorthin skandierte die Gruppe neonazistische Parolen; eine als \"Linker\" bezeichnete Person schlugen die Neonazis zusammen, ein t\u00fcrkischer Imbi\u00dfstand wurde von ihnen verw\u00fcstet. 22.09.1992 Brandanschlag auf ein von Vietnamesen bewohntes Ausl\u00e4nderwohnheim in Berlin-Marzahn. Vermutlich rassistisch-ausl\u00e4nderfeindlich motivierte unbekannte T\u00e4ter setzten mit einer Fl\u00fcssigkeit die Klingelleiste des Wohnheimes in Brand. Anschlie\u00dfend schleuderten sie einen Molotowcocktail auf den Treppenabsatz. Das Feuer konnte durch den Wachschutz gel\u00f6scht werden. Menschenleben waren nicht in Gefahr. 01.10.1992 Brandanschlag auf ein Asylbewerberwohnheim in BerlinMarzahn. Die von Unbekannten geschleuderte Brandflasche durchschlug die erste Scheibe eines Doppelfensters; die Flammen konnten von den Bewohnern gel\u00f6scht werden. 03.10.1992 Teilnahme Berliner Neonazis an einer von der neonazistischen \"Nationalen Offensive\" (NO) angemeldeten Demonstration in Dresden. An der Veranstaltung, die unter dem Motto Einigkeit und Recht und Freiheit - Gemeinsam demonstrieren - Zusammen k\u00e4mpfen! stand, beteiligten sich etwa 600 Neonazis,",", 5 - Anhang II: Chronologie - 239 darunter etwa 50 Personen der rechtsextremistischen Skinhead-Szene. 09.10.1992 Versuchter Brandanschlag auf das j\u00fcdische Mahnmal, Levetzowstra\u00dfe 8 (Berlin-Tiergarten). Der T\u00e4ter, der versuchte, das Mahnmal mit einer Fl\u00fcssigkeit in Brand zu setzen, wurde von einer Objektschutzstreife eines Polizeiabschnittes \u00fcberrascht und fl\u00fcchtete. I.Dekade Verteilung von zahlreichen Exemplaren des Flugblattes Oktober 1992 ejner ^ 2 U d j e s e m Zeitpunkt nicht in Erscheinung getretenen \"B\u00fcrgerinitiative Hohensch\u00f6nhausen\", in dem aus Anla\u00df der bevorstehenden Verlagerung der \"Asylantragsstelle Berlin\" nach Berlin-Hohensch\u00f6nhausen ausl\u00e4nderfeindliche Propaganda verbreitet wurden. 17.10.1992 Vorstandssitzung und Interessentenveranstaltung des Landesverbandes Berlin-Brandenburg der neonazistischen \"Nationalen Offensive\" (NO) in einer Gastst\u00e4tte in BerlinCharlottenburg. Unter den etwa 30 Anwesenden befand sich auch. der NO-Bundesvorsitzende Michael SWIERCZEK. 17.10.1992 Beisammensein von etwa 150 Personen im ehemaligen Kulturhaus \"Ottomar Geschke\" in Berlin-Karow. Unter den Besuchern befanden sich etwa 50 Skinheads sowie einige Angeh\u00f6rige der neonazistischen Organisationen \"Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei\" (FAP) und \"Nationalistische Front\" (NF). 18.10.1992 Marsch\u00fcbungen von Mitgliedern und Anh\u00e4ngern des Landesverbandes Berlin der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in Berlin-Pankow. Auf einem freien Feld \u00fcbten etwa 30 Neonazis unter der F\u00fchrung des Berliner FAP-Vorsitzenden Lars BURMEISTER in Gruppen das Marschieren im Gleichschritt mit Richtungswechsel. 1","240 5 -Anhang II: Chronologie2. Dekade Erscheinen der ersten Ausgabe des Monatsblattes des Oktober 1992 Landesverbandes Berlin-Brandenburg der neonazistischen \"Nationalen Offensive\" (NO) mit dem Titel \"Das Tor\" in Berliner rechtsextremistischen Kreisen. 24.10.1992 Zusammenkunft von ca. 200 Personen, darunter ca. 50 Skinheads, Hooligans und Angeh\u00f6rige rechtsextremistischer Organisationen, im ehemaligen Kulturhaus \"Ottomar Geschke\" in Berlin-Karow. Zu den Anwesenden z\u00e4hlten auch Angeh\u00f6rige der neonazistischen Organisationen \"Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei\" (FAP) und \"Nationalistische Front\" (NF). 29.10.1992 Brandanschlag auf das Kraftfahrzeug des Vorsitzenden des Landesverbandes \"Reichshauptstadt\" der neonazistischen ''Deutschen Alternative\" (DA), des militanten Neonazis Arnulf-Winfried PRIEM, in Berlin-Lichtenberg. Feuerwehr und Polizei wurden alarmiert, das Feuer gel\u00f6scht. 01.11.1992 Kameradschaftsabend des Landesverbandes Berlin der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Friedrichsfelde. 06./07.11.1992 N\u00e4chtliche fremdenfeindliche Aktion in Berlin-Lichtenberg. Unter Sieg-Heil-Ruien zogen unbekannte Jugendliche zu einer ehemaligen Kindertagesst\u00e4tte und setzten zwei Altstoffbeh\u00e4lter aus Kunststoff in Brand. Das Feuer griff auf einen in unmittelbarer N\u00e4he geparkten Personenkraftwagen \u00fcber, der nahezu vollst\u00e4ndig ausbrannte. Die alarmierte Feuerwehr konnte den Brand l\u00f6schen. Das Geb\u00e4ude wurde vom Feuer nicht besch\u00e4digt. 07.11.1992 Teilnahme von Anh\u00e4ngern des Landesverbandes \"Reichshauptstadt\" der neonazistischen \"Deutschen Alternative\" (DA) an einer Saalveranstaltung ihrer Organisation in einem Jugendfreizeitheim in L\u00fcbbenau (Brandenburg).","5 - Anhang II: Chronologie - 241 An dem Treffen, das als Reaktion auf das Verbot der neonazistischen Demonstration Zur Erinnerung an die friedliche Revolution in Mitteldeutschland im Herbst 1989 in Frankfurt/Oder zustande kam, beteiligten sich etwa 100 bis 120 Personen. 07.11.1992 \u00dcberfall mehrerer Skinheads auf zwei M\u00e4nner in BerlinPrenzlauer Berg. In den fr\u00fchen Morgenstunden bel\u00e4stigten elf Skinheads zun\u00e4chst Fahrg\u00e4ste der S-Bahnlinie S 8. Auf dem Bahnhof Sch\u00f6nhauser Allee verlie\u00df die Gruppe die S-Bahn. Sie ging auf einen 23j\u00e4hrigen Mozambiquaner zu und schlug ihn mit den F\u00e4usten zu Boden. Auf dem Boden liegend wurde der \u00dcberfallene mit F\u00fc\u00dfen getreten. Die T\u00e4ter wurden von der Polizei vor\u00fcbergehend festgenommen. 08.11.1992 Kameradschaftsabend des Landesverbandes Berlin der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Friedrichsfelde. 10.11.1992 Zusammensto\u00df zwischen politisch unterschiedlich motivierten Gruppen in der Immanuelkirchstra\u00dfe (Berlin-Prenzlauer Berg). Etwa zehn der rechtsextremistischen Szene zuzuordnende Jugendliche wurden von ca. 30, zum Teil vermummten und mit Baseballschl\u00e4gern bewaffneten Personen verfolgt, mit Steinen beworfen und mit Leuchtspurmunition beschossen. 13.11.1992 Klebeaktion von Angeh\u00f6rigen des Landesverbandes Berlin der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in Berlin-Lichtenberg. Bedienstete der Bahnpolizei Lichtenberg stellten auf dem Bahnhofsgel\u00e4nde Plakate der FAP fest. Auf den Plakaten, die entfernt werden konnten, befanden sich das FAP-Symbol (Zahnrad mit FAP-Buchstaben) sowie die Schlagworte national, radikal und sozial.","242 5 -Anhang II: Chronologie14.11.1992 \"3. ordentlicher Parteitag\" des Landesverbandes Berlin der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-K\u00f6penick. An der Veranstaltung beteiligten sich etwa 300 Personen, darunter etwa 100 FAP-Mitglieder und -Sympathisanten aus Berlin. 15.11.1992 Fahrt zahlreicher Berliner Neonazis nach Halbe (Kreis K\u00f6nigs Wusterhausen, Brandenburg). Anla\u00df war eine von der rechtsextremistischen \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e.V.\" angek\u00fcndigte \"Heldengedenkfeier\" am Volkstrauertag auf dem dortigen Zentralen Waldfriedhof. Unter den Berliner Teilnehmern befanden sich im wesentlichen Mitglieder und Anh\u00e4nger der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP), der \"Nationalen Offensive\" (NO) und der \"Nationalistischen Front\" (NF). Als Ersatz f\u00fcr die von der Polizei verbotene Feier in Halbe f\u00fchrten etwa 250 Rechtsextremisten in Waldow (Kreis L\u00fcbben, Brandenburg) eine spontane Versammlung durch, in deren Rahmen Kr\u00e4nze vor dem dortigen Kriegerdenkmal niedergelegt wurden. 27.11.1992 Verbot der neonazistischen \"Nationalistischen Front\" (NF) durch den Bundesministers des Innern. Die Berliner Polizei stellte bei vier in diesem Zusammenhang durchgef\u00fchrten Durchsuchungen u.a. Mitgliederlisten und Propagandamaterial sicher. 27.11.1992 Sachbesch\u00e4digung an f\u00fcnf von 80 f\u00fcr die Unterbringung von Asylbewerbern aufgestellten Wohncontainern in BerlinMarzahn. Vermutlich durch Axthiebe besch\u00e4digten die unbekannten T\u00e4ter Decken und W\u00e4nde der zur Tatzeit leerstehenden Container und verursachten damit einen Sachschaden von ca. 10.000,--DM. Ende Herausgabe des 14seitigen Kalenders \"Nordisch-GermaniNovember1992 scher Jahrweiser 1993\" durch den in Berlin-Wedding ans\u00e4ssigen neonazistischen \"Asgard-Bund e.V.\".","5 - Anhang II: Chronologie - 243 06.12.1992 Kameradschaftsabend mit anschlie\u00dfender Zusammenkunft von Angeh\u00f6rigen des Landesverbandes Berlin der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Friedrichsfelde. 06.12.1992 Teilnahme von Angeh\u00f6rigen des Gaues \"Reichshauptstadt Berlin\" der \"Wiking-Jugend e.V.\" (WJ) an einer Veranstaltung in Kleinmachnow (Kreis Potsdam, Brandenburg) unter dem Motto 40 Jahre Wiking-Jugend. Die Zusammenkunft, an der etwa 200 Personen teilnahmen, wurde von f\u00fchrenden Funktion\u00e4ren der in der Tradition der ehemaligen \"Hitler-Jugend\" (HJ) stehenden WJ organisiert. 09.12.1992 Teilnahme von Mitgliedern und Anh\u00e4ngern des Landesverbandes Berlin der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) an einem \"Kameradschaftsabend\" der \"Nationalen Offensive\" (NO) in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Treptow. 09.12.1992 Sachbesch\u00e4digung durch zwei dem \u00e4u\u00dferen Erscheinungsbild nach der rechtsextremistischen Szene zugeh\u00f6rige T\u00e4ter in den R\u00e4umen des t\u00fcrkischen Vereins \"Diyalog - Verein f\u00fcr kulturellen Austausch e.V.\" in Berlin-Kreuzberg. Die T\u00e4ter schlugen einen anwesenden t\u00fcrkischen Staatsangeh\u00f6rigen und versuchten, ihn unter Vorhalt eines Messers dazu zu zwingen, Heil Hitler zu rufen. Der Gesch\u00e4digte konnte in einen angrenzenden B\u00fcroraum fl\u00fcchten. Als sich weitere Personen dem Tatort n\u00e4herten, fl\u00fcchteten die T\u00e4ter unerkannt. 10.12.1992 Unangemeldete Teilnahme von Anh\u00e4ngern der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in uniform\u00e4hnlicher Kleidung an einer sog. Jahresausklangveranstaltung der Jugendorganisation der Partei \"Die Republikaner\" (Rep). Die Rep-Veranstaltung fand in einem Saal des Bezirksamtes Berlin-Pankow statt.","244 5-Anhang II: Chronologie10.12:1992 Vollzug einer Verbotsverf\u00fcgung des Bundesministers des Innern vom 8. Dezember gegen die neonazistische \"Deutsche Alternative\" (DA). In Berlin wurden in diesem Zusammenhang die Wohnungen von drei DA-Aktivisten polizeilich durchsucht und diverses Schriftmaterial beschlagnahmt. 12.12.1992 Brandanschlag auf den Jugendclub \"Allende\" (BerlinK\u00f6penick). Unbekannte warfen durch eine zun\u00e4chst zerst\u00f6rte Fensterscheibe der R\u00e4umlichkeiten, die als Treffpunkt der \"linken\" Szene dienen sollen, einen Brandsatz. Mitarbeiter der Einrichtung l\u00f6schten das Feuer, bevor gr\u00f6\u00dferer Schaden entstand. 13.12.1992 Mitgliederversammlung mit anschlie\u00dfendem Kameradschaftsabend des Landesverbandes Berlin der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Friedrichsfelde. An dem Treffen beteiligten sich etwa 50 Personen. 13.12.1992 Sch\u00e4ndung der Grabst\u00e4tte des fr\u00fcheren Reichsau\u00dfenministers Walther RATHENAU (1867-1922) auf dem Waldfriedhof in Berlin-K\u00f6penick. Die unbekannten T\u00e4ter schmierten antisemitische Parolen und Hakenkreuze auf den Grabstein. [Vgl. 28.05.] 19.12.1992 Teilnahme Berliner Neonazis, darunter Anh\u00e4nger der von der \"Nationalistischen Front\" (NF) abgespalteten NeonaziGruppe \"Sozialrevolution\u00e4re Arbeiterfront\" (SrA) an einer Sonnwendfeier in J\u00e4nickendorf \u00fcber Luckenwalde (Brandenburg). 19./20.12.1992 Teilnahme von etwa 40 Berliner Neonazis, darunter Mitglieder und Anh\u00e4nger der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) und der Neonazi-Gruppe \"Vandalen\", an einer Wintersonnwendfeier auf dem Gel\u00e4nde der Eheleute M\u00dcLLER in Mainz-Gonsenheim. An der Veranstaltung beteiligten sich insgesamt 200 Personen.","5 - Anhang II: Chronologie - 245 21.12.1992 Jahresabschlu\u00dffeier des Vereins \"Die Nationalen e.V.\" in Berlin-Treptow. 22.12.1992 Verbot der neonazistischen \"Nationalen Offensive\" (NO) durch den Bundesminister des Innern; in Berlin durchsuchte die Polizei in diesem Zusammenhang die Wohnung eines NO-Aktivisten. 23.12.1992 Bekanntwerden einer Propagandaaktion unter Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen durch Anh\u00e4nger der \"Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei-Auslandsund Aufbauorganisation\" (NSDAPAO) in Berlin-Altglienicke. Die T\u00e4ter brachten an Stra\u00dfenbahnhaltestellen in der K\u00f6penicker Stra\u00dfe Aufklebe'r der NSDAP-AO - versehen mit Hakenkreuz und der Parole Wir sind wieder da! - an.","","5 - Anhang II: Chronologie - 247 5.3 Ausl\u00e4nderextremismus 04.01.1992 Festveranstaltung der Berliner Gliederung der \"FATAH\" aus Anla\u00df des 27. Jahrestages der Gr\u00fcndung der PLO mit etwa 350 Teilnehmern. 25.01.1992 Informationsveranstaltung des Vereins \"Gro\u00dfer Idealer Kreis T\u00fcrkischer Kulturverein Berlin e.V.\" (B\u00dcD) mit einem aus der T\u00fcrkei angereisten Abgeordneten der extrem-nationalistischen \"Partei der Nationalistischen Arbeit\" (MCP) mit etwa 250 Teilnehmern. 16.02.1992 Veranstaltung des Vereins \"Gro\u00dfer Idealer Kreis T\u00fcrkischer Kulturverein Berlin e.V.\" (B\u00dcD) mit dem Pr\u00e4sidenten der T\u00fcrkischen Republik Nordzypern, Rauf DENKTAS, mit etwa f.200 Teilnehmern. 23.02.1992 Kranzniederlegung von etwa 35 Mitgliedern des Vereins \"Gro\u00dfer Idealer Kreis T\u00fcrkischer Kulturverein Berlin e.V.\" (B\u00dcD) vor der Au\u00dfenstelle der Botschaft der Demokratischen Volksrepublik Algerien aus Anla\u00df von Unruhen in Algerien. 12.03.1992 Vor\u00fcbergehende Besetzung eines t\u00fcrkischen Reiseb\u00fcros durch etwa 100 Mitglieder und Sympathisanten der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) aus Anla\u00df der Bombardierung kurdischer Lager in Nordirak durch die t\u00fcrkische Luftwaffe. W\u00e4hrend der Besetzung wurde ein t\u00fcrkischsprachiges Flugblatt verteilt und nach Verlassen des Reiseb\u00fcros auf der Stra\u00dfe eine t\u00fcrkische Flagge verbrannt. 14.03.1992 Treffen der militanten t\u00fcrkischen Gruppe \"Antifasist Genclik\" (Antifaschistische Jugend) mit t\u00fcrkischen Jugendbanden und deutschen Autonomen unter dem Motto Aufruf zum gemeinsamen Widerstand. Am Veranstaltungsende brachten etwa 150 Teilnehmer den Verkehr in der Oranienstra\u00dfe zum Erliegen. Eine sich anbahnende gewalt-","248 5 -Anhang II: Chronologie - same Auseinandersetzung dieser Personengruppe untereinander konnte durch die Polizei verhindert werden. 15.03.1992 An einem vom Verein \"Gro\u00dfer Idealer Kreis T\u00fcrkischer Kulturverein Berlin e.V.\" (B\u00dcD) initiierten Aufzug unter dem Motto Moralische Unterst\u00fctzung der Menschen in Aserbaidschan beteiligten sich etwa 2.500 Personen. Ein aus der T\u00fcrkei angereister Abgeordneter der extrem-nationalistischen \"Partei der Nationalistischen Arbeit\" (MCP) begleitete die gesamte Demonstration mit Redebeitr\u00e4gen. 16.03.1992 Fackelzug der Berliner Gliederung der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) aus Anla\u00df des 4. Jahrestages der Bombardierung der kurdischen Stadt Halabja (Irak) mit Giftgas durch die irakische Luftwaffe. Unter den 200 Teilnehmern befanden sich auch einige Deutsche. 16./17.03.1992 Mahnwache der Berliner Gliederung der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) aus gleichem Anla\u00df. An beiden Tagen nahmen jeweils etwa 10 Personen teil. 21.03.1992 Protestkundgebung gegen die t\u00fcrkische Kurdenpolitik von Mitgliedern und Anh\u00e4ngern verschiedener t\u00fcrkischer Organisationen, darunter der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L) und der \"Revolution\u00e4ren Kommunistischen Partei der T\u00fcrkei\" (TDKP). 21.03.1992 An einem Fackelzug der Berliner Gliederung der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) aus Anla\u00df des kurdischen Neujahrsfestes \"Newroz\" beteiligten sich etwa 500 Personen. Die Demonstranten protestierten gleichzeitig gegen den Milit\u00e4reinsatz gegen Kurden in T\u00fcrkisch-Kurdistan. 21.03.1992 Demonstration der islamisch-extremistischen \"Vereinigung der Neuen Weltsicht in Europa e.V.\" (AMGT) zum Thema \"Vorkommnisse in Algerien und Aserbaidschan\" mit etwa 2.000 Teilnehmern.","5 -Anhang II: Chronologie249 23.03.1992 Protestaktionen von jeweils bis zu 35 Mitgliedern und Sympathisanten der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) vor zwei t\u00fcrkischen Banken gegen die Vorgehensweise des t\u00fcrkischen Milit\u00e4rs w\u00e4hrend der Feierlichkeiten zum kurdischen Neujahrsfest \"Newroz\" im S\u00fcdosten der T\u00fcrkei. 26.03.1992 An einer Demonstration von Anh\u00e4ngern t\u00fcrkischer linksextremistischer Organisationen, darunter der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L) unter dem Motto Protest gegen die Ereignisse in der T\u00fcrkei/Kurdistan beteiligten sich etwa 450 Personen. W\u00e4hrend der Abschlu\u00dfkundgebung wurden Flaggen Deutschlands und der USA verbrannt. 28.03.1992 Feierlichkeiten der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) anl\u00e4\u00dflich des kurdischen Neujahrsfestes \"Newroz\". Daran nahmen etwa 2.000 Personen, darunter einige Deutsche, teil. 30.03.1992 An einer Protestdemonstration der Berliner Gliederung der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) unter dem Motto Stoppt den V\u00f6lkermord in Kurdistan beteiligten sich etwa 800 Personen. 04.04.1992 Festveranstaltung der PLO-Mitgliedsorganisation \"Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" (PFLP) aus Anla\u00df des pal\u00e4stinensischen Gedenktages Tag des Bodens mit etwa 100 Teilnehmern. 06./25.04.1992 Hungerstreikaktion von bis zu 40 kurdischen Jugendlichen des Vereins \"Kurdisches Kulturzentrum BOTAN in Berlin e.V.\" in einem ehemaligen Laden aus Protest gegen die \"Massaker in Kurdistan\". Zur Unterst\u00fctzung reisten zeitweise Jugendliche aus anderen Bundesl\u00e4ndern an. 17.04.1992 Veranstaltung in den R\u00e4umen der Vereinigung \"Gro\u00dfer Idealer Kreis T\u00fcrkischer Kulturverein in Berlin e.V.\" (B\u00dcD) mit dem aus der T\u00fcrkei angereisten F\u00fchrer der extremnationalistischen \"Partei der Nationalistischen Arbeit\"","250 5 - Anhang II: Chronologie - (MCP), Alparslan T\u00dcRKES, als Hauptredner. Es beteiligten sich etwa 1.000 Personen. 25.04.1992 Protestdemonstration der Berliner Gliederung der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) unter dem Motto Stoppt den V\u00f6lkermord in Kurdistan, mit bis zu 300 Teilnehmern. Die Demonstration bildete den Abschlu\u00df der Hungerstreikaktion zum gleichen Thema. 08./10.05.1992 Veranstaltungsreihe von Berliner Mitgliedern und Sympathisanten der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) zum Thema Aktuelle Lage in Kurdistan. An den einzelnen Veranstaltungstagen nahmen bis zu 350 Personen teil. 10.05.1992 Kongre\u00df der islamisch-extremistischen \"Vereinigung der Neuen Weltsicht in Europa e.V.\" (AMGT) in der Deutschlandhalle mit etwa 15.000 Teilnehmern, u.a. aus Belgien, Frankreich, den Niederlanden, D\u00e4nemark und \u00d6sterreich. Ehrengast war der Vorsitzende der \"Wohlstandspartei\" (RP) in der T\u00fcrkei, Necmettin ERBAKAN. 30.05.1992 Gedenkveranstaltung der \"Revolution\u00e4ren Kommunistischen Partei der T\u00fcrkei\" f\u00fcr \"M\u00e4rtyrer\" der Partei, die 1972 in der T\u00fcrkei get\u00f6tet wurden. Unter den etwa 300 Teilnehmern befanden sich auch Mitglieder und Anh\u00e4nger der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L) sowie anderer linksextremistischer t\u00fcrkischer Organisationen. 13.06.1992 Gedenkveranstaltung der Berliner Gliederung der linksextremistischen t\u00fcrkischen Organisation \"Devrimci Yol\" (\"Revolution\u00e4rer Weg\") f\u00fcr ihren 1980 in der T\u00fcrkei get\u00f6teten F\u00fchrer. Unter den etwa 300 Teilnehmern befanden sich auch Anh\u00e4nger der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei/ Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L), der \"Devrimci Sol\" (\"Revolution\u00e4re Linke\") sowie der \"Revolution\u00e4ren Kommunistischen Partei der T\u00fcrkei\" (TDKP).","5 -Anhang II: Chronologie251 20.06.1992 Kundgebung von etwa 20 Anh\u00e4ngern der islamisch-fundamentalistischen \"Volksmojahedin Iran\" (PMOI). Die Teilnehmer agitierten in Sprechch\u00f6ren gegen die iranische Regierung und deren Politik. 28.08.1992 An einer von der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei/ Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L) initiierten Protestkundgebung aus Anla\u00df des Vorgehens des Milit\u00e4rs in der t\u00fcrkischen Stadt Sirnak beteiligten sich bis zu 100 Personen aus Kreisen kurdischer und t\u00fcrkischer linksextremistischer Organisationen. 29.08.1992 Protestdemonstration der islamisch-extremistischen \"Vereinigung der Neuen Weltsicht in Europa e.V.\" (AMGT) zum Thema Vorkommnisse In Bosnien-Herzegowina mit etwa 3.500 Teilnehmern. Ein aus der T\u00fcrkei angereister Redner warf den westlichen Staaten vor, der Vernichtung der moslemischen Bev\u00f6lkerung in Bosnien-Herzegowina tatenlos zuzusehen. 15. und Protestaktionen von etwa 100 Mitgliedern und Sympathi17.09.1992 santen des Vereins \"Kurdisches Kulturzentrum BOTAN in Berlin e.V.\" vor dem Reichstag. Anla\u00df war die Teilnahme des stellvertretenden t\u00fcrkischen Ministerpr\u00e4sidenten IN\u00d6N\u00dc an dem dort tagenden 19. Weltkongre\u00df der \"Sozialistischen Internationale\" (SI). 17.09.1992 Mordanschlag auf neun iranische Kurden in dem Restaurant \"Mykonos\" in Berlin-Wilmersdorf. Bei dem Anschlag wurden vier Funktion\u00e4re der oppositionellen \"Demokratischen Partei Kurdistans/Iran\" (DPK/I) get\u00f6tet. 07.10.1992 An einer von der \"Revolution\u00e4ren Internationalistischen Bewegung \" (RIM) - einem weltweiten Zusammenschlu\u00df maoistischer Organisationen - initiierten und haupts\u00e4chlich von der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei/MarxistenLeninisten\" (TKP/M-L) getragenen Demonstration f\u00fcr den in Peru inhaftierten Vorsitzenden der Terrororganisation","252 5 - Anhang II: Chronologie - \"Sendero Luminoso\" (Leuchtender Pfad), Abimael GUZMAN, beteiligten sich etwa 80 Personen, darunter auch deutsche RIM-Anh\u00e4nger. 22.10.1992 Demonstration der \"Revolution\u00e4ren Kommunistischen Partei der T\u00fcrkei\" (TDKP) unter dem Motto Protest gegen Massaker in Kurdistan. Unter den etwa 80 Teilnehmern befanden sich Mitglieder der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L) sowie zahlreiche t\u00fcrkische Jugendliche. 24.10.1992 Demonstration eines \"Aktionsb\u00fcndnisses Kurdistan\" zum Thema Milit\u00e4r\u00fcbergriffe in der T\u00fcrkei (Kurdistan) unter Einsatz deutscher Waffen. Daran nahmen etwa 500 Personen, je zur H\u00e4lfte Deutsche und Anh\u00e4nger verschiedener linksextremistischer kurdischer/t\u00fcrkischer Organisationen, u.a. der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L) und der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK), teil. 01.11.1992 Erzwungener Abbruch einer kurdischen Kulturveranstaltung durch etwa 40 jugendliche Sympathisanten der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK). Die St\u00f6rer st\u00fcrmten die B\u00fchne und riefen: Es lebe die Unabh\u00e4ngigkeit Kurdistans - Es lebe die PKK. Sie begr\u00fcndeten ihre Aktion mit der T\u00f6tung von Kurden in der T\u00fcrkei. 14.11.1992 An einem von der gewaltorientierten t\u00fcrkischen Gruppe \"Antifasist Genclik\" (Antifaschistische Jugend) initiierten Trauermarsch f\u00fcr den im November 1991 an den Folgen einer t\u00e4tlichen Auseinandersetzung mit einem Deutschen verstorbenen t\u00fcrkischen Jugendlichen Mete EKSI beteiligten sich bis zu 1.000 Personen. Unter den Demonstranten befanden sich zahlreiche Mitglieder und Anh\u00e4nger der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei der T\u00fcrkei\" (TDKP) sowie viele Deutsche, darunter etwa 200 Autonome und etwa 70 Anh\u00e4nger der \"Antifasist Genclik\".","5 - Anhang II: Chronologie - 253 12.12.1992 Festveranstaltung der Berliner Gliederung der PLO-Mitgliedsorganisation \"Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" (PFLP) aus Anla\u00df des 25. Jahrestages ihrer Gr\u00fcndung mit etwa 150 Teilnehmern.","","6 -Anhang III: LfVG255 6 Anhang III Gesetz \u00fcber das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz vom 26. Januar 1993","","Gesetzund Verordnungsblatt BERLIN Gesetzund Verordnungsblatt f\u00fcr Berlin Herausgeber: Senatsverwaltung f\u00fcr Justiz 49. Jahrgang Nr. 7 Berlin, den 30. Januar 1993 A 3227 A Inhalt 26. 1. 1993 Gesetz \u00fcber das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschulz (LfVG) 33 12-1 26. 1. 1993 Gesetz \u00fcber die Schaffung bereichsspezifischer Regelungen T\u00fcr die Verarbeitung personenbezogener Daten 40 205-3; 205-1; 402-10; 231-1: 630-1; 401-1; 400-1; 2120-7; 2120-1; 2171-1; 221-11; 232-1; 2232-1; 2230-1; 3216-1; 27-1; 2136-2: 753-1; 2130-3; 205-4; 205-5; 2132-1; 2127-11; 2132-3; 806-1; 1101-3 Gesetz \u00fcber das Landesamt T\u00fcr Verfassungsschutz (LfVG) Vom 26. Januar 1993 Das Abgeordnetenhaus hat das folgende Gesetz beschlossen: SS4 Zusammenarbeit Erster Abschnitt (1) Das Landesami f\u00fcr Verfassungsschutz ist verpflichtet, mit Bund und L\u00e4ndern in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes Aufgaben und Befugnisse zusammenzuarbeiten. Die Zusammenarbeit besteht insbesondes Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz dere in gegenseitiger Unterst\u00fctzung und Information sowie in der Unterhaltung gemeinsamer Einrichtungen (wie z. B. das nachSS1 richtendienstliche Informationssystem des Bundes und der L\u00e4nZweck des Verfassungsschutzes der (NADIS) und die Schule f\u00fcr Verfassungsschutz). Der Verfassungsschutz dient dem Schutz der freiheitlichen (2) Verfassungsschutzbeh\u00f6rden anderer L\u00e4nder d\u00fcrfen im demokratischen Grundordnung, des Bestandes und der SicherGeltungsbereich dieses Gesetzes nur im Einvernehmen, das heit der Bundesrepublik Deutschland und ihrer L\u00e4nder. Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nur im Benehmen mit dem Landesamt fur Verfassungsschutz t\u00e4tig werden. SS2 Organisation SS5 (1) Die Aufgaben des Verfassungsschutzes werden ausschlie\u00dfAufgaben des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz lich vom Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wahrgenommen. Es (1) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die Aufgabe, den wird als obere Landesbeh\u00f6rde gef\u00fchrt und untersteht der AufSenat von Berlin und andere zust\u00e4ndige staatliche Stellen \u00fcber sicht der Senatsverwaltung f\u00fcr Inneres. Gefahren f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand und die Sicherheit des Bundes und der L\u00e4nder zu unter(2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf einer polizeirichten. Dadurch soll diesen Stellen insbesondere erm\u00f6glicht lichen Dienststelle nicht angegliedert werden. werden, rechtzeitig die erforderlichen Ma\u00dfnahmen zur Abwehr dieser Gefahren zu ergreifen. SS3 (2) Zur Erf\u00fcllung dieser Aufgaben sammelt und wertet das Dienstkr\u00e4fte Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Informationen, insbesondere sachund personenbezogene Daten, Ausk\u00fcnfte, Nachrichten und Die Dienstkr\u00e4fte des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz Unterlagen aus \u00fcber haben neben den allgemeinen Beamtenpflichten die sich aus dem Wesen des Verfassungsschutzes und ihrer dienstlichen Stellung I, Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische ergebenden besonderen Pflichten. Sie haben sich jederzeit f\u00fcr Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes den Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung im oder eines Landes gerichtet sind oder eine ungesetzliche Sinne des Grundgesetzes und der Verfassung von Berlin einzuBeeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung der Verfassungsorgane setzen. Die Funktion des Amtsleiters soll nur einer Person \u00fcberdes Bundes oder eines Landes oder ihrer Mitglieder zum tragen werden, die die Bef\u00e4higung zum Richteramt besitzt. Ziele haben, A b k \u00fc r z u n g e n : CVBI. - Gesetzund Verordnungsblau f\u00fcr Berlin. VOBI. * Verordnungsblatt f\u00fcr Berlin Teil I bzw. Teil II. BGBl. = Bundesgesetzblatt Teil I, II bzw. III. QVABI. = Gesetz-, Vcrordnungsuna Amtsblatt f\u00fcr Berlin. GBl. = Gesetzblatt der DDR Teil I bzw. Teil II, ABl. = Amtsblatt fur Berlin","Gesetzund Verordnungsblatt f\u00fcr Berlin 49. Jahrgang Nr. 7 30. Januar 1993 2. sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten 4. die Abl\u00f6sbarkeit der Regierung und ihre Verantwortlichkeit im Geltungsbereich des Grundgesetzes f\u00fcr eine fremde gegen\u00fcber der Volksvertretung, Macht, 5. die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte, 3. Bestrebungen im Geltungsbereich des Grundgesetzes, die 6. der Ausschlu\u00df jeder Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft und durch Anwendung von Gewalt oder daraufgerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik 7. die im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechte. Deutschland gef\u00e4hrden, (3) Im Sinne dieses Gesetzes sind 4. fr\u00fchere, fortwirkende unbekannte Strukturen und T\u00e4tigkeiten der Aufkl\u00e4rungsund Abwehrdienste der ehemaligen 1. Bestrebungen gegen den Bestand des Bundes oder eines LanDDR im Geltungsbereich dieses Gesetzes. des solche, die daraufgerichtet sind, die Freiheit des Bundes oder eines Landes von fremder Herrschaft aufzuheben, ihre (3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wirkt auf Ersuchen staatliche Einheit zu beseitigen oder ein zu ihm geh\u00f6rendes der zust\u00e4ndigen \u00f6ffentlichen Stellen mit Gebiet abzutrennen, 1. bei der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung von Personen, denen im 2. Bestrebungen gegen die Sicherheit des Bundes oder eines \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftige Tatsachen, Landes solche, die daraufgerichtet sind, den Bund, die L\u00e4nGegenst\u00e4nde oder Erkenntnisse anvertraut werden, die der oder deren Einrichtungen in ihrer Funktionsf\u00e4higkeit Zugang dazu erhalten sollen oder ihn sich verschaffen k\u00f6nerheblich zu beeintr\u00e4chtigen. nen, (4) Ausw\u00e4rtige Belange im Sinne des SS5 Abs. 2 Nr. 3 werden 2. bei der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung von Personen, die an sichernur gef\u00e4hrdet, wenn innerhalb des Geltungsbereichs des Grundheitsempfindlichen Stellen von lebensoder verteidigungsgesetzes Gewalt ausge\u00fcbt oder durch Handlungen vorbereitet wichtigen Einrichtungen besch\u00e4ftigt sind oder werden sollen, wird und diese sich gegen die politische Ordnung oder Einrich3. bei technischen Sicherheitsma\u00dfnahmen zum Schutz von tungen anderer Staaten richten. im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftigen Tatsachen, Gegenst\u00e4nden oder Erkenntnissen gegen die KenntSS7 nisnahme durch Unbefugte, Voraussetzung und Rahmen f\u00fcr die T\u00e4tigkeit 4. bei sonstigen \u00dcberpr\u00fcfungen, soweit dies im Einzelfall zum des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung (1) Soweit dieses Gesetz nichts anderes bestimmt, darf das oder f\u00fcr Zwecke der \u00f6ffentlichen Sicherheit erforderlich ist. Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz bei der Wahrnehmung seiner N\u00e4heres wird in einer durch die Senatsverwaltung f\u00fcr InneAufgaben nach SS 5 Abs. 2 nur t\u00e4tig werden, wenn im Einzelfall tatres zu erlassenden Verwaltungsvorschrift bestimmt. s\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht der dort genannten Die Mitwirkung des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz an der Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten vorliegen. Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung nach Absatz 3 Nr. 1 und 2 setzt im Einzel(2) Zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben darf das Landesamt f\u00fcr Verfall voraus, da\u00df die zu \u00fcberpr\u00fcfende Person zugestimmt hat. In fassungsschutz nur die dazu erforderlichen Ma\u00dfnahmen ergreidie Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung d\u00fcrfen mit ihrer Zustimmung der fen; dies gilt insbesondere f\u00fcr die Erhebung und Verarbeitung Ehegatte, Verlobte oder die Person, die mit der betroffenen Perpersonenbezogener Informationen. Von mehreren m\u00f6glichen son in ehe\u00e4hnlicher Gemeinschaft lebt, miteinbezogen werden. und geeigneten Ma\u00dfnahmen hat es diejenige auszuw\u00e4hlen, die den einzelnen, insbesondere in seinen Grundrechten, und die Allgemeinheit voraussichtlich am wenigsten beeintr\u00e4chtigt. Eine Ma\u00dfnahme hat zu unterbleiben, wenn sie einen Nachteil herbeiSS6 f\u00fchrt, der erkennbar au\u00dfer Verh\u00e4ltnis zu dem beabsichtigten Begriffsbestimmungen Erfolg steht. Sie ist nur solange zul\u00e4ssig, bis ihr Zweck erreicht ist oder sich zeigt, da\u00df er nicht erreicht werden kann. (1) Bestrebungen im Sinne des SS 5 Abs. 2 Nr. 1 und 3 sind politisch motivierte, zielund zweckgerichtete Verhaltensweisen oder (3) Soweit in diesem Gesetz besondere Eingriffsbefugnisse das Bet\u00e4tigungen von Organisationen, Personenzusammenschl\u00fcssen Vorliegen gewaltt\u00e4tiger Bestrebungen oder daraufgerichtete Vorohne feste hierachische Organisationsstrukturen (unorganisierte bereitungshandlungen voraussetzen, ist Gewalt die Anwendung Gruppen) oder Einzelpersonen gegen die in SS 5 Abs. 2 bezeichnek\u00f6rperlichen Zwanges gegen Personen oder eine nicht unerhebten Schutzg\u00fcter. F\u00fcr eine Organisation oder einen Personenzuliche Einwirkung auf Sachen. sammenschlu\u00df ohne feste hierachische Organisationsstruktur (unorganisierte Gruppe) handelt, wer sie in ihren Bestrebungen SS8 nachdr\u00fccklich unterst\u00fctzt. Verhaltensweisen von Einzelpersonen, die nicht in einer oder f\u00fcr eine Organisation oder in einem Befugnisse des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz oder f\u00fcr einen Personenzusammenschlu\u00df ohne feste hierachische (1) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf die zur Erf\u00fclOrganisationsstruktur (unorganisierte Gruppe) handeln, sind lung seiner Aufgaben erforderlichen Informationen einschlie\u00dfBestrebungen im Sinne dieses Gesetzes, wenn sie auf Anwenlich personenbezogener Daten erheben, verarbeiten und nutzen, dung von Gewalt gerichtet sind oder auf Grund ihrer Wirkungssoweit die Bestimmungen dieses Gesetzes dies zulassen. weise geeignet sind, ein Schutzgut dieses Gesetzes erheblich zu besch\u00e4digen. (2) Das Landesami f\u00fcr Verfassungsschutz darf nach Ma\u00dfgabe dieses Gesetzes Methoden und Gegenst\u00e4nde einschlie\u00dflich tech(2) Bestrebungen im Sinne dieses Gesetzes, die gegen die freinischer Mittel zur heimlichen Informationsbeschaffung, wie insheitliche demokratische Grundordnung gerichtet sind, sind besondere den Einsatz von Vertrauensleuten und Gew\u00e4hrspersosolche, die auf die Beseitigung oder Au\u00dferkraftsetzung wesentnen, Observationen, Bildund Tonaufzeichnungen, Tarnpapiere licher Verfassungsgrunds\u00e4tze abzielen. Hierzu geh\u00f6ren: und Tarnkennzeichen anwenden. Diese sind in einer von der Senatsverwaltung f\u00fcr Inneres zu erlassenden Verwaltungsvor1. das Recht des Volkes, die Staatsgewalt in Wahlen und schrift zu benennen, die auch die Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr die AnordAbstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgenung solcher Informationsbeschaffung regelt. Die Verwaltungsbung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung vorschrift ist dem Ausschu\u00df f\u00fcr Verfassungsschutz des Abgeordauszu\u00fcben und die Volksvertretung in allgemeiner, unmittelnetenhauses von Berlin zur Kenntnis zu geben. Die Beh\u00f6rden des barer, freier, gleicher und geheimer Wahl zu w\u00e4hlen, Landes sind verpflichtet, dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz technische Hilfe f\u00fcr Tarnungsma\u00dfnahmen zu leisten. 2. die Bindung der Gesetzgebung an die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung und die Bindung der vollziehenden Gewalt und der (3) Polizeiliche Befugnisse stehen dem Landesamt f\u00fcr VerfasRechtssprechung an Gesetz und Recht, sungsschutz nicht zu; es darf die Polizei auch nicht im Wege der 3. das Recht auf Bildung und Aus\u00fcbung einer parlamentariAmtshilfe um Ma\u00dfnahmen ersuchen, zu denen es selbst nicht schen Opposition, befugt ist.","Gesetzund Verordnungsblatt f\u00fcr Berlin 49. Jahrgant; Nr. 7 30. Januar 1993 (4) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz ist an die allgemeiMa\u00dfgabe des SS 7 Abs. 3 des Gesetzes zu Artikel 10 Grundgesetz nen Rechtsvorschriften gebunden (Artikel 20 des Grundgesetvom 13-August 1968 (BGBl. I S. 949), zuletzt ge\u00e4ndert durch zes). Gesetz vom 27. Mai 1992 (BGBl. I S. 997), verwendet werden. Die auf Grund der Erhebungen nach Absatz 1 gespeicherten Informationen sind nach Ma\u00dfgabe des SS 14 Abs. 2 zu l\u00f6schen. SS9 i Besondere Formen der Datenerhebung SS10 (1) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf Informationen Registereinsicht durch das einschlie\u00dflich personenbezogener Daten mit den Mitteln gem\u00e4\u00df Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz SS 8 Abs. 2 erheben, wenn (1) Das Landesamt fur Verfassungsschutz darf zur Aufkl\u00e4rung 1. sich ihr Einsatz gegen Organisationen. Personenzusammenschl\u00fcsse ohne feste hierachische Organisationsstrukturen -- von sicherheitsgef\u00e4hrdenden oder geheimdienstlichen T\u00e4tig(unorganisierte Gruppen), in ihnen oder einzeln t\u00e4tige Persokeiten f\u00fcr eine fremde Macht oder nen richtet, bei denen tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr den -- von Bestrebungen, die durch Anwendung von Gewalt oder Verdacht der Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten nach SS 5 Abs. 2 darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen gegen die freibestehen, heitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder 2. auf diese Weise Erkenntnisse \u00fcber gewaltt\u00e4tige Bestrebundie Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind, gen oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten gewonnen werden oder k\u00f6nnen, -- von Bestrebungen, die durch Anwendung von Gewalt oder 3. auf diese Weise die zur Erforschung von Bestrebungen oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige T\u00e4tigkeiten nach SS 5 Abs. 2 erforderlichen Quellen erschlosBelange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden, sen werden k\u00f6nnen oder von \u00f6ffentlichen Stellen gef\u00fchrte Register, z. B. Melderegister, 4. dies zum Schutz der Dienstkr\u00e4fte, Einrichtungen, GegenPersonalausweisregister, Pa\u00dfregister, F\u00fchrerscheinkarteien, Wafst\u00e4nde und Quellen des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz fenscheinkarteien, einsehen. gegen sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten erforderlich ist. (2) Eine solche Einsichtnahme ist nur zul\u00e4ssig, wenn 1. die Aufkl\u00e4rung auf andere Weise nicht m\u00f6glich erscheint, (2) Das in einer Wohnung nicht \u00f6ffentlich gesprochene Wort insbesondere durch eine \u00dcbermittlung der Daten durch die darf mit technischen Mitteln ausschlie\u00dflich bei der Wahrnehregisterf\u00fchrende Stelle der Zweck der Ma\u00dfnahme gef\u00e4hrdet mung der Aufgaben auf dem Gebiet der Spionageabwehr und des w\u00fcrde, und gewaltbereiten politischen Extremismus heimlich mitgeh\u00f6rt oder aufgezeichnet werden. Eine solche Ma\u00dfnahme ist nur zul\u00e4ssig, 2. die betroffene Person durch eine anderweitige Aufkl\u00e4rung wenn sie im Einzelfall zur Abwehr einer gejneinen Gefahr oder unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig beeintr\u00e4chtigt w\u00fcrde und einer Lebensgefahr fur einzelne Personen unerl\u00e4\u00dflich ist, ein 3. eine besondere gesetzliche Geheimhaltungsvorschrift oder konkreter Verdacht in bezug auf eine Gef\u00e4hrdung der vorstehenein Berufsgeheimnis der Einsichtnahme nicht entgegensteht. den Rechtsg\u00fcter besteht und der Einsatz anderer Methoden und Mittel zur heimlichen Informationsbeschaffung keine Aussicht (3) Die Anordnung fur die Ma\u00dfnahme nach Absatz 1 trifft der auf Erfolg bietet. Satz 1 und 2 gelten entsprechend f\u00fcr einen verLeiter des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz, im Falle der Verdeckten Einsatz technischer Mittel zur Anfertigung von Bildaufhinderung der Vertreter. nahmen und Bildaufzeichnungen in Wohnungen. (4) Die auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse d\u00fcrfen nur (3) Die Erhebung nach Absatz 1 und 2 ist unzul\u00e4ssig, wenn die zu den in Absatz 1 genannten Zwecken verwendet werden. Erforschung des Sachverhalts auf andere, die betroffene Person Gespeicherte Informationen sind zu l\u00f6schen und Unterlagen zu weniger beeintr\u00e4chtigende Weise m\u00f6glich ist; eine geringere vernichten, sobald sie fur diese Zwecke nicht mehr ben\u00f6tigt werBeeintr\u00e4chtigung ist in der Regei anzunehmen, wenn die Inforden. mationen aus allgemein zug\u00e4nglichen Quellen oder durch eine (5) \u00dcber die Einsichtnahme ist ein gesonderter Nachweis zu Auskunft nach SS27 gewonnen werden k\u00f6nnen. Die Anwendung eines Mittels gem\u00e4\u00df SS 8 Abs. 2 soll erkennbar im Verh\u00e4ltnis zur fuhren, aus dem ihr Zweck, die in Anspruch genommene Stelle, Bedeutung des aufzukl\u00e4renden Sachverhalts stehen. Die Ma\u00dfdie Namen der Betroffenen, deren Daten f\u00fcr eine weitere Vernahme ist unverz\u00fcglich zu beenden, wenn ihr Zweck erreicht ist wendung erforderlich sind, sowie der Zeitpunkt der Einsichtoder sich Anhaltspunkte daf\u00fcr ergeben, da\u00df er nicht oder nicht nahme hervorgehen. Diese Aufzeichnungen sind gesondert aufauf diese Weise erreicht werden kann. Daten, die f\u00fcr das Verzubewahren, durch technische und organisatorische Ma\u00dfnahmen st\u00e4ndnis der zu speichernden Informationen nicht erforderlich zu sichern und, soweit sie f\u00fcr die Aufgabenerf\u00fcllung des Landessind, sind unverz\u00fcglich zu l\u00f6schen. Die L\u00f6schung kann unterbleiamtes f\u00fcr Verfassungsschutz nach SS 5 Abs. 2 nicht mehr ben\u00f6tigt ben, wenn die Informationen von anderen, die zur Erf\u00fcllung der werden, am Ende des Kalenderjahres, das dem Jahr der ErstelAufgaben erforderlich sind, nicht oder nur mit unvertretbarem lung folgt, zu vernichten. Aufwand getrennt werden k\u00f6nnen; in diesem Fall d\u00fcrfen die Daten nicht verwertet werden. Zweiter Abschnitt (4) Ein Eingriff, der in seiner Art und Schwere einer Beschr\u00e4nkung des Brief-, Postund Fernmeldegeheimnisses gleichkommt, Datenverarbeitung bedarf der Zustimmung des Senators f\u00fcr Inneres, im Falle der Verhinderung derjenigen des Vertreters. SS11 Speicherung, Ver\u00e4nderung und Nutzung (5) Bei Erhebungen nach Absatz 1, die in ihrer Art und Schwere einer Beschr\u00e4nkung des Brief-, Postund Fernmeidegepersonenbezogener Informationen heimnisses gleichkommen, insbesondere durch Abh\u00f6ren und (1) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf zur Erf\u00fcllung Aufzeichnen des nicht \u00f6ffentlich gesprochenen Wortes mit dem seiner Aufgaben rechtm\u00e4\u00dfig erhobene personenbezogene Inforverdeckten Einsatz technischer Mittel, sowie nach Absatz 2 ist der mationen speichern, ver\u00e4ndern und nutzen, wenn Eingriff nach seiner Beendigung der betroffenen Person mitzuteilen, sobald eine Gef\u00e4hrdung des Zwecks des Eingriffs ausge1. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr Bestrebungen oder T\u00e4tigkeischlossen werden kann. Einer Mitteilung bedarf es nicht, wenn ten nach SS 5 Abs. 2 vorliegen oder sich auch nach f\u00fcnf Jahren noch nicht abschlie\u00dfend beurteilen 2. dies T\u00fcr die Erforschung oder Bewertung von gewaltt\u00e4tigen l\u00e4\u00dft, ob diese Voraussetzung vorliegt. Die durch Ma\u00dfnahmen im Bestrebungen oder geheimdienstlichen T\u00e4tigkeiten nach SS 5 Sinne des Satzes 1 erhobenen Informationen d\u00fcrfen nur nach Abs. 2 erforderlich ist oder","Gesetzund Verordnungsblatt f\u00fcr Berlin 49. Jahrgans Nr\" ? 30. Januar 1993 3. dies zur Schaffung oder Erhaltung nachrichtendienstlicher (5) Personenbezogene Informationen, die ausschlie\u00dflich zu Zug\u00e4nge \u00fcber Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten nach SS 5 Abs. 2 Zwecken der Datenschutzkontrolle, der Datensicherung oder zur erforderlich ist oder Sicherstellung eines ordnungsgem\u00e4\u00dfen Betriebes einer Datenverarbeitungsanlage gespeichert werden, d\u00fcrfen nur f\u00fcr diese 4. es auf Ersuchen der zustandigen Stelle nach SS 5 Abs. 3 t\u00e4lig Zwecke und zur Verfolgung der in der jeweiligen Fassung des wird, Berliner Datenschutzgesetzes als Straftaten bezeichneten Hand(2) Zur Aufgabenerf\u00fcllung nach SS 5 Abs. 3 d\u00fcrfen in automatilungen verwendet werden. sierten Dateien nur personenbezogene Informationen \u00fcber die Personen gespeichert werden, die der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung SS15 unterliegen oder in die Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung einbezogen werden. Berichtigung und Sperrung personenbezogener Informationen in Akten (3) In Dateien gespeicherte Informationen m\u00fcssen durch Aktenr\u00fcckhait belegbar sein. (1) Stellt das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschulz fest, da\u00df in Akten gespeicherte personenbezogene Informationen unrichtig (4) In Dateien ist die Speicherung von Informationen aus der sind, oder wird ihre Richtigkeit von dem Betroffenen bestritten, Intimsph\u00e4re der betroffenen Person unzul\u00e4ssig. so ist dies in der Akte zu vermerken oder auf sonstige Weise festzuhalten. SS12 (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat personenbezoSpeicherung, Ver\u00e4nderung und Nutzung gene Informationen in Akten zu sperren, wenn es im Einzelfall personenbezogener Informationen von Minderj\u00e4hrigen feststellt, da\u00df ohne die Sperrung schutzw\u00fcrdige Interessen von Die Speicherung personenbezogener Informationen \u00fcber MinBetroffenen beeintr\u00e4chtigt w\u00fcrden und die Daten f\u00fcr seine Aufderj\u00e4hrige, die das 14. Lebensjahr nicht vollendet haben, ist unzugabenerf\u00fcllung nicht mehr erforderlich sind. Gesperrte Informal\u00e4ssig. tionen sind mit einem entsprechenden Vermerk zu versehen; sie d\u00fcrfen nicht mehr genutzt oder \u00fcbermittelt werden. Eine AufheSS13 bung der Sperrung ist m\u00f6glich, wenn ihre Voraussetzungen nachSpeicherungsdauer tr\u00e4glich entfallen. (1) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die Speicherungsdauer auf das f\u00fcr seine Aufgabenerf\u00fcllung erforderliche SS16 Ma\u00df zu beschr\u00e4nken. Die in Dateien gespeicherten InformatioDateianordnungen nen sind bei der Einzeifallbearbeitung, sp\u00e4testens aber f\u00fcnf Jahre nach Speicherung der letzten Information, auf ihre Erforderiich(1) F\u00fcr jede automatisierte Datei beim Landesarat f\u00fcr Verfaskeit zu \u00fcberpr\u00fcfen. Sofern die Informationen Bestrebungen nach sungsschutz sind in einer Dateianordnung, die \"der Zustimmung SS 5 Abs. 2 Nr. 1 oder 3 betreffen, sind sie sp\u00e4testens zehn Jahre der Senatsverwaltung f\u00fcr Inneres bedarf, im Benehmen mit dem nach der zuletzt gespeicherten relevanten Information zu Berliner Datenschutzbeauftragten festzulegen: l\u00f6schen. 1. Bezeichnung der Datei, (2) Sind Informationen \u00fcber Minderj\u00e4hrige in Dateien oder in 2. Zweck der Datei, Akten, die zu ihrer Person gef\u00fchrt werden, gespeichert, ist nach zwei Jahren die Erforderlichkeit der Speicherung zu \u00fcberpr\u00fcfen 3. Inhalt, Umfang, Voraussetzungen der Speicherungen, \u00dcberund sp\u00e4testens nach f\u00fcnf Jahren die L\u00f6schung vorzunehmen, es mittlung und Nutzung {betroffener Personenkreis, Arten der sei denn, da\u00df nach Eintritt der Vollj\u00e4hrigkeit weitere ErkenntDaten), nisse nach SS 5 Abs. 2 angefallen sind, die zur Erf\u00fcllung der Auf4. Eingabeberechtigung, gaben im Sinne dieses Gesetzes eine Fortdauer der Speicherung rechtfertigen. 5. Zugangsberechtigung, 6. \u00dcberpr\u00fcfungsfristen, Speicherungsdauer, SS14 Berichtigung, L\u00f6schung und Sperrung 7. Protokollierung, personenbezogener Informationen in Dateien 8. Datenverarbeitungsgerate und Betriebssystem, (1) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die in Dateien 9. Inhalt und Umfang von Textzus\u00e4tzen, die der Erschlie\u00dfung gespeicherten personenbezogenen Informationen zu berichtigen, von Akten dienen. wenn sie unrichtig sind; sie sind zu erg\u00e4nzen, wenn sie unvollst\u00e4ndig sind und dadurch schutzw\u00fcrdige Interessen der betroffe(2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat in angemessenen nen Person beeintr\u00e4chtigt sein k\u00f6nnen. Abst\u00e4nden die Notwendigkeit der Weiterf\u00fchrung oder \u00c4nderung seiner Dateien zu pr\u00fcfen. (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die in Dateien gespeicherten personenbezogenen Informationen zu l\u00f6schen, SS17 wenn ihre Speicherung irrt\u00fcmlich erfolgt war, unzul\u00e4ssig war oder ihre Kenntnis f\u00fcr die Aufgabenerf\u00fcllung nicht mehr erforGemeinsame Dateien derlich ist und schutzw\u00fcrdige Interessen der betroffenen Person Bundesgesetzliche Vorschriften \u00fcber die Datenverarbeitung in nicht beeintr\u00e4chtigt werden. gemeinsamen Dateien der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden des Bun(3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die in Dateien des und der L\u00e4nder bleiben unber\u00fchrt. gespeicherten personenbezogenen Informationen zu sperren, wenn die L\u00f6schung unterbleibt, weil Grund zu der Annahme besieht, da\u00df durch die L\u00f6schung schutzw\u00fcrdige Interessen der Dritter Abschnitt betroffenen Person beeintr\u00e4chtigt w\u00fcrden; gesperrte Informationen sind entsprechend zu kennzeichnen und d\u00fcrfen nur mit EinInformations\u00fcbermittlung willigung der betroffenen Person verwendet werden. SS18 (4) In Dateien gel\u00f6schte Informationen sind gesperrt. UnterlaGrunds\u00e4tze bei der Informations\u00fcbermittlung gen sind zu vernichten, wenn sie zur Erf\u00fcllung der Aufgaben nach durch das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz SS 5 nicht oder nicht mehr erforderlich sind, es sei denn, da\u00df ihre Die \u00dcbermittlung von personenbezogenen Informationen ist Aufbewahrung zur Wahrung schutzw\u00fcrdiger Interessen der betroffenen Person notwendig ist. Die Vernichtung unterbleibt, aktenkundig zu machen. In der entsprechenden Datei ist die wenn die Unterlagen von anderen, die zur Erf\u00fcllung der AufInformations\u00fcbermittlung zu vermerken. Vor der Informationsgaben erforderlich sind, nicht oder nur mit unvertretbarem Auf\u00fcbermittlung ist der Akteninhalt im Hinblick auf den \u00dcbermittwand getrennt werden k\u00f6nnen. lungszweck zu w\u00fcrdigen und der Informations\u00fcbermittlung zu-","Gesetzund Verordnungsblatt f\u00fcr Berlin 49. Jahrgang Nr. 7 30. Januar 1993 gr\u00fcnde zu legen. Erkennbar unvollst\u00e4ndige Informationen sind mung erteilt hat. Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz fuhrt vor der \u00dcbermittlung im Rahmen der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit durch \u00fcber die Auskunft nach Satz 1 einen Nachweis, aus dem der Einholung zus\u00e4tzlicher Ausk\u00fcnfte zu vervollst\u00e4ndigen. Zweck der \u00dcbermittlung, die Aktenfundstelle und der Empf\u00e4nger hervorgehen; die Nachweise sind gesondert aufzubewahren, SS19 gegen unberechtigten Zugriff zu sichern und am Ende des Kalenderjahres, das dem Jahr seiner Erstellung folgt, zu vernichten. Informations\u00fcbermittlung zwischen den Der Empf\u00e4nger darf die \u00fcbermittelten personenbezogenen InforVerfassungsschutzbeh\u00f6rden mationen nur f\u00fcr den Zweck verwenden, zu dem sie ihm \u00fcbermitDas Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz unterrichtet das Bundestelt wurden. Der Empf\u00e4nger ist auf die Verwendungsbeschr\u00e4namt f\u00fcr Verfassungsschutz und die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden kung und darauf hinzuweisen, da\u00df das Landesamt f\u00fcr Verfasder L\u00e4nder \u00fcber alle Angelegenheiten, deren Kenntnis zur Erf\u00fclsungsschutz sich vorbeh\u00e4lt, um Auskunft \u00fcber die vorgenomlung der Aufgaben der empfangenden Stellen erforderlich ist. mene Verwendung der Informationen zu bitten. SS24 SS20 Informations\u00fcbermittlung an den \u00dcbermittlung von Informationen Bundesnachrichtendienst und den an die Stationierungstreitkr\u00e4fte Milit\u00e4rischen Abschirmdienst Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf personenbezogene Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz \u00fcbermittelt dem Informationen an Dienststellen der Stationierungsstreitkr\u00e4fte Bundesnachrichtendienst und dem Milit\u00e4rischen Abschirmdienst \u00fcbermitteln, soweit die Bundesrepublik Deutschland dazu im die ihm bekanntgewordenen Informationen einschlie\u00dflich persoRahmen von Artikel 3 des Zusatzabkommens zu dem Abkomnenbezogener Daten, wenn tats\u00e4chliche Anhaltspunkte daf\u00fcr men zwischen den Parteien des Nordatlantikpaktes \u00fcber die bestehen, da\u00df die \u00dcbermittlung f\u00fcr die Erf\u00fcllung der Aufgaben Rechtsstellung ihrer Truppen hinsichtlich der in der Bundesrepuder empfangenden Steilen erforderlich ist. Handelt das Landesblik Deutschland stationierten ausl\u00e4ndischen Streitkr\u00e4fte vom amt f\u00fcr Verfassungsschutz auf Ersuchen, so ist es zur \u00dcbermitt3. August 1959 (BGBl. 1961 II S. 1183) verpflichtet ist. Die \u00dcberlung nur verpflichtet und berechtigt, wenn sich die Voraussetzunmittlung ist aktenkundig zu machen. Der Empf\u00e4nger ist darauf gen aus den Angaben der ersuchenden Beh\u00f6rde ergeben. hinzuweisen, da\u00df die \u00fcbermittelten Informationen nur zu dem Zweck verwendet werden d\u00fcrfen, zu dem sie ihm \u00fcbermittelt wurden. SS21 Informations\u00fcbermittlung an SS25 Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in Angelegenheiten des \u00dcbermittlung von Informationen an Staatsund Verfassungsschutzes \u00f6ffentliche Stellen au\u00dferhalb des Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz \u00fcbermittelt den StaatsGeltungsbereichs des Grundgesetzes anwaltschaften und, vorbehaltlich der staatsanwaltlichen SachleiDas Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf personenbezogene tungsbefugnis, den Polizeibeh\u00f6rden des Landes die ihm bekanntInformationen an ausl\u00e4ndische \u00f6ffentliche Stellen sowie an \u00dcbergewordenen Informationen einschlie\u00dflich personenbezogener oder zwischenstaatliche Stellen \u00fcbermitteln, wenn die \u00dcbermittDaten, wenn tats\u00e4chliche Anhaltspunkte daf\u00fcr bestehen, da\u00df die lung zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben oder zur Wahrung erheb\u00dcbermittlung zur Verhinderung oder Verfolgung von Straftaten, licher Sicherheitsinteressen des Empf\u00e4ngers erforderlich ist. Die die im Zusammenhang mit Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten nach \u00dcbermittlung unterbleibt, wenn ausw\u00e4rtige Belange der BundesSS5 Abs. 2 stehen, erforderlich ist. republik Deutschland oder \u00fcberwiegende schutzw\u00fcrdige Interessen der betroffenen Person entgegenstehen. Die \u00dcbermittlung SS22 ist nur im Einvernehmen mit dem Bundesamt f\u00fcr Verfassungs\u00dcbermittlung von Informationen schutz zul\u00e4ssig. Sie ist aktenkundig zu machen. Der Empf\u00e4nger an den \u00d6ffentlichen Bereich ist darauf hinzuweisen, da\u00df die \u00fcbermittelten personenbezogenen Informationen nur zu dem Zweck verwendet werden d\u00fcrfen, (1) Die im Rahmen der gesetzlichen Aufgabenerf\u00fcllung zu dem sie ihm \u00fcbermittelt wurden, und das Landesamt f\u00fcr Vergewonnenen, nicht personenbezogenen Erkenntnisse des fassungsschutz sich vorbeh\u00e4lt, um Auskunft \u00fcber die vorgenomLandesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz k\u00f6nnen an andere Beh\u00f6rden mene Verwendung der Informationen zu bitten. und Stellen, insbesondere an die Polizei und die Staatsanwaltschaft, \u00fcbermittelt werden, wenn sie f\u00fcr die Aufgabenerf\u00fcllung SS26 der empfangenden Stellen erforderlich sein k\u00f6nnen. Unterrichtung der \u00d6ffentlichkeit (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf personenbezoDie Senatsverwaltung f\u00fcr Inneres und das Landesamt f\u00fcr Vergene Informationen an inl\u00e4ndische Beh\u00f6rden und juristische Perfassungsschutz unterrichten die \u00d6ffentlichkeit mindestens einsonen des \u00d6ffentlichen Rechts \u00fcbermitteln, wenn dies zur Erf\u00fclmal j\u00e4hrlich \u00fcber Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten nach SS 5 Abs. 2. lung seiner Aufgaben erforderlich ist oder der Empf\u00e4nger die Dabei ist die \u00dcbermittlung von personenbezogenen InformatioInformationen zum Schutz vor Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten nen nur zul\u00e4ssig, wenn die Bekanntgabe f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des nach SS 5 Abs. 2 oder zur Strafverfolgung ben\u00f6tigt oder nach SS 5 Zusammenhanges oder der Darstellung von Organisationen oder Abs. 3 t\u00e4tig wird. unorganisierten Gruppierungen erforderlich ist und die Inter(3) Die empfangende Stelle von Informationen nach Absatz 2 essen der Allgemeinheit an sachgem\u00e4\u00dfen Informationen das ist daraufhinzuweisen, da\u00df sie die \u00fcbermittelten personenbezoschutzw\u00fcrdige Interesse des Betroffenen \u00fcberwiegen. genen Informationen nur zu dem Zweck verwenden darf, zu dessen Erf\u00fcllung sie ihr \u00fcbermittelt wurden. SS27 \u00dcbermittlung von Informationen an das SS23 Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz \u00dcbermittlung von Informationen an (1) Die Beh\u00f6rden des Landes und die sonstigen der Aufsicht Personen und Stellen au\u00dferhalb des des Landes unterstehenden juristischen Personen des \u00f6ffent\u00d6ffentlichen Bereichs lichen Rechts \u00fcbermitteln von sich aus dem Landesamt f\u00fcr VerPersonenbezogene Informationen d\u00fcrfen an Personen oder fassungsschutz die ihnen bekanntgewordenen Informationen, Stellen au\u00dferhalb des \u00d6ffentlichen Bereichs nicht \u00fcbermittelt insbesondere personenbezogene Daten, \u00fcber Bestrebungen nach werden, es sei denn, da\u00df dies zum Schutz der freiheitlichen SS 5 Abs. 2. die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichdemokratischen Grundordnung, des Bestandes oder der Sichertete Vorbereitungshandlungen verfolgt werden, und \u00fcber geheimheit des Bundes oder eines Landes erforderlich ist und der Senadienstliche T\u00e4tigkeiten. Die Staatsanwaltschaften und, vorbehalttor f\u00fcr Inneres oder sein Vertreter im Einzelfall seine Zustimlich der staatsanwaltlichen Sachleitungsbefugnis, die Polizei","Gesetzund Verordnungsblatt T\u00fcr Berlin 49. Jahrgang Nr. 7 30. Januar 1993 \u00fcbermitteln dar\u00fcber hinaus auch andere im Rahmen ihrer Aufbensjahres d\u00fcrfen nach den Vorschriften dieses Gesetzes nicht an gabenerf\u00fcllung bekanntgewordene Informationen \u00fcber Bestreausl\u00e4ndische oder \u00fcberoder zwischenstaatliche Stellen \u00fcbermitbungen im Sinne des SS5 Abs. 2. telt werden. (2) Das Landesami f\u00fcr Verfassungsschutz kann von jeder der SS30 in Absatz I genannten \u00f6ffentlichen Stellen verlangen, da\u00df sie ihm Nachberichtspflicht die zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben erforderlichen Informationen einschlie\u00dflich personenbezogener Daten \u00fcbermittelt, wenn die Erweisen sich Informationen nach ihrer \u00dcbermittlung nach Informationen nicht aus allgemein zug\u00e4nglichen Quellen oder den Vorschriften dieses Gesetzes als unvollst\u00e4ndig oder unrichnur mit unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigem Aufwand oder nur durch eine den tig, so hat die \u00fcbermittelnde Stelle ihre Informationen unverz\u00fcgBetroffenen st\u00e4rker beiastende Ma\u00dfnahme erhoben werden k\u00f6nlich gegen\u00fcber der empfangenden Stelle zu erg\u00e4nzen oder zu nen. Es d\u00fcrfen nur die Informationen \u00fcbermittelt werden, die bei berichtigen, wenn dies zu einer anderen Bewertung der Informader ersuchten Beh\u00f6rde bereits bekannt sind. tionen f\u00fchren k\u00f6nnte oder zur Wahrung schutzw\u00fcrdiger Interessen der betroffenen Person erforderlich ist. Die Erg\u00e4nzung oder (3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz braucht Ersuchen Berichtigung ist aktenkundig zu machen und in den entsprechennicht zu begr\u00fcnden, soweit dies dem Schutz der betroffenen Perden Dateien zu vermerken. son dient oder eine Begr\u00fcndung den Zweck der Ma\u00dfnahme gef\u00e4hrden w\u00fcrde. (4) Die \u00dcbermittlung personenbezogener Informationen, die auf Grund einer Ma\u00dfnahme nach SS 100 a der Strafproze\u00dfordnung Vierter Abschnitt bekanntgeworden sind, ist nur zul\u00e4ssig, wenn tats\u00e4chliche Auskunftserteilung Anhaltspunkte daf\u00fcr bestehen, da\u00df jemand eine der in SS 2 des Gesetzes zu Artikel 10 Grundgesetz genannten Straftaten plant, SS31 begeht oder begangen hat. Auf die dem Landesamt f\u00fcr VerfasAuskunft an den Betroffenen sungsschutz nach Satz 1 \u00fcbermittelten Informationen findet der Absatz 3, auf die dazugeh\u00f6renden Unterlagen findet der Absatz 4 (I) Das Landesami f\u00fcr Verfassungsschutz erte\u00fct einer nat\u00fcrdes SS7 des Gesetzes zu Artikel 10 Grundgesetz entsprechende lichen Person \u00fcber die zu ihr gespeicherten Informationen auf Anwendung. Antrag unentgeltlich Auskunft, soweit die Person ein besonderes Interesse an einer Auskunft darlegt. Die Auskunftsverpfiichtung (5) Vorschriften zur Informations\u00fcberrniitlung an das Landeserstreckt sich nicht auf Informationen, die nicht der alleinigen amt f\u00fcr Verfassungsschutz nach anderen Gesetzen bleiben unbeVerf\u00fcgungsberechtigung des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz r\u00fchrt. unterliegen, sowie auf die Herkunft der Informationen und die (6) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die \u00fcbermittelEmpf\u00e4nger von \u00dcbermittlungen. ten Informationen nach ihrem Eingang unverz\u00fcglich darauf zu i (2) Das Landesami f\u00fcr Verfassungsschutz darf den Antrag \u00fcberpr\u00fcfen, ob sie zur Erf\u00fcllung seiner in SS 5 genannten Aufablehnen, wenn das \u00f6ffentliche Interesse an der Geheimhaltung gaben erforderlich sind. Ergibt die Pr\u00fcfung, da\u00df sie nicht erforseiner T\u00e4tigkeit oder ein \u00fcberwiegendes Geheimhaltungsinterderlich sind, sind die Unterlagen unverz\u00fcglich zu vernichten. Die esse Dritter gegen\u00fcberdem Interesse der antragstellenden Person Vernichtung unterbleibt, wenn die Trennung von anderen Inforan der Auskunftserteilung \u00fcberwiegt. In einem solchen Fall hat mationen, die zur Erf\u00fcllung der Aufgaben erforderlich sind, nicht das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz zu pr\u00fcfen, ob und inwieoder nur mit unvertretbarem Aufwand erfolgen kann; in diesem weit eine Teilauskunft m\u00f6glich ist. Ein Geheimhaltungsinteresse Fall sind die Informationen gesperrt und entsprechend zu kennliegt vor, wenn zeichnen. 1. eine Gef\u00e4hrdung der Aufgabenerf\u00fcllung durch die Aus(7) Soweit andere gesetzliche Vorschriften nicht besondere kunfiserteilung zu besorgen ist, Regelungen \u00fcber die Dokumentation treffen, haben das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz und die \u00fcbermittelnde Stelle die Infor2. durch die Auskunftserteilung Quellen gef\u00e4hrdet sein k\u00f6nnen mations\u00fcbermittlung aktenkundig zu machen. oder die Ausforschung des Erkenntnisstandes oder der Arbeitsweisen des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz zu bef\u00fcrchten ist, SS28 3. die Auskunft die \u00d6ffentliche Sicherheit gef\u00e4hrden oder sonst \u00dcbermittlungsverbote dem Wohl des Bundes oder eines Landes Nachteile bereiten Die \u00dcbermittlung von Informationen nach den Vorschriften w\u00fcrde oder dieses Abschnitts unterbleibt, wenn 4. die Informationen oder die Talsache der Speicherung nach 1. eine Pr\u00fcfung durch die \u00fcbermittelnde Stelle ergibt, da\u00df die einer Rechtsvorschrift oder ihrem Wesen nach, insbesondere Informationen zu l\u00f6schen oder f\u00fcr die empfangende Stelle wegen der \u00fcberwiegenden berechtigten Interessen Dritter, nicht mehr bedeutsam sind, geheimgehalten werden m\u00fcssen. 2. \u00fcberwiegende Sicherheitsinteressen dies erfordern, Die Entscheidung nach Satz 1 und 2 trifft der Leiter des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz oder ein von ihm besonders beauf3. f\u00fcr die \u00fcbermittelnde Stelle erkennbar ist. da\u00df unter Ber\u00fccktragter Mitarbeiter. sichtigung der An der Informationen und ihrer Erhebung die schutzw\u00fcrdigen Interessen der betrolTenen Personen das (3) Die Ablehnung einer Auskunft ist zumindest insoweit zu Allgemeininteresse an der \u00dcbermittlung \u00fcberwiegen oder begr\u00fcnden, da\u00df eine verwaltungsgerichtliche Nachpr\u00fcfung der Verweigerungsgr\u00fcnde gew\u00e4hrleistet wird, ohne dabei den Zweck 4. besondere gesetzliche \u00dcbermittlungsregelungen entgegender Auskunftsverweigerung zu gef\u00e4hrden. Die Gr\u00fcnde der Ablehstehen; die Verpflichtung zur Wahrung gesetzlicher Geheimnung sind in jedem Fall aktenkundig zu machen. haltungspflichten oder von Berufsoder besonderen Amtsgeheimnissen, die nicht auf gesetzlichen Vorschriften beruhen, (4) Wird die Auskunftserteilung ganz oder teilweise abgelehnt, bleibt unber\u00fchrt. ist die betroffene Person darauf hinzuweisen, da\u00df sie sich an den Berliner Datenschutzbeauftragten wenden kann. Dem Berliner SS29 Datenschutzbeauftragten ist auf sein Verlangen Auskunft zu Minderj\u00e4hrigenschutz erteilen, soweit nicht der Senator f\u00fcr Inneres im Einzelfall feststellt, da\u00df dadurch die Sicherheit des Bundes oder eines Landes (1) Informationen einschlie\u00dflich personenbezogener Daten gef\u00e4hrdet w\u00fcrde. Mitteilungen des Berliner Datenschutzbeauf\u00fcber das Verhalten Minderj\u00e4hriger d\u00fcrfen nach den Vorschriften tragten an den Betroffenen d\u00fcrfen keine R\u00fcckschl\u00fcsse auf den dieses Gesetzes \u00fcbermittelt werden, solange die Voraussetzungen Erkenntnisstand des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz zulasder Speicherung nach SS 13 Abs. 2 erf\u00fcllt sind. sen, soweit es nicht einer weitergehenden Auskunft zustimmt. (2) Informationen einschlie\u00dflich personenbezogener Daten Der Kontrolle durch den Berliner Datenschutzbeauftragten \u00fcber das Verhalten Minderj\u00e4hriger vor Vollendung des 16. Leunterliegen nicht personenbezogene Informationen, die der Kon-","Gesetzund Verordnungsblatt T\u00fcr Berlin 49. Jahrgang Nr. 7 30. Januar 1993 trolle durch die Kommission nach SS 2 des Gesetzes zur Ausf\u00fchSS35 rung des Gesetzes zu Artikel 10 Grundgesetz vom 16. Juli 1991 Aufgaben und Befugnisse des Ausschusses (GVB1. S. 172) unterliegen, es sei denn, die Kommission ersucht den Berliner Datenschutzbeauftragten, die Einhaltung der Vor(1) Der Senat hat den Ausschu\u00df umfassend \u00fcber die allgeschriften \u00fcber den Datenschutz bei bestimmten Vorgangen oder meine T\u00e4tigkeit des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz und \u00fcber in bestimmten Bereichen zu kontrollieren und ausschlie\u00dflich ihr Vorg\u00e4nge von besonderer Bedeutung zu unterrichten; er berichdar\u00fcber zu berichten. tet auch \u00fcber den Erla\u00df von Verwaitungsvorschriften. Der Ausschu\u00df hat Anspruch auf Unierrichtung. SS32 (2) Der Ausschu\u00df hat auf Antrag mindestens eines seiner MitAkteneinsicht glieder das Recht auf Erteilung von Ausk\u00fcnften, Einsicht in (1) Sind personenbezogene Daten in Akten gespeichert, so Akten und andere Unterlagen, Zugang zu Einrichtungen der Verkann dem Betroffenen auf Antrag Akteneinsicht gew\u00e4hrt werden, fassungsschutzbeh\u00f6rde sowie auf Anh\u00f6rung von deren Diensisoweit Geheimhaltungsinteressen oder schutzw\u00fcrdige Belange kr\u00e4ften. Die Befugnisse des Ausschusses nach Satz 1 erstrecken Dritter nicht entgegenstehen. SS31 gilt entsprechend. sich nur auf Gegenst\u00e4nde, die der alleinigen Verf\u00fcgungsberechtigung des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz unterliegen. (2) Die Einsichtnahme in Akten oder Aktenteile ist insbesondere dann zu versagen, wenn die Daten des Betroffenen mit (3) Der Senat kann die Unterrichtung \u00fcber einzelne Vorg\u00e4nge Daten Dritter oder geheimhaliungsbed\u00fcrftigen sonstigen Inforverweigern und bestimmten Kontrollbegehren widersprechen, mationen derart verbunden sind, da\u00df ihre Trennung auch durch wenn dies erforderlich ist, um vom Bund oder einem deutschen Vervielf\u00e4ltigung und Unkenntlichmachung nicht oder nur mit Land Nachteile abzuwenden; er hat dies vor dem Ausschu\u00df zu unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gro\u00dfem Aufwand m\u00f6glich ist. In diesem Fall begr\u00fcnden. ist dem Betroffenen zusammenfassende Auskunft \u00fcber den Akteninhalt zu erteilen. (4) Das Abgeordnetenhaus kann den Ausschu\u00df f\u00fcr einen bestimmten Untersuchungsgegenstand als Untersuchungsausschu\u00df (Artikel 33 der Verfassung von Berlin) einsetzen. SS3 des F\u00fcnfter Abschnitt Gesetzes \u00fcber die Untersuchungsaussch\u00fcsse des AbgeordnetenParlamentarische Kontrolle hauses von Berlin vom 22. Juni 1970 (GVB1. S. 925), zuletzt ge\u00e4ndert durch Gesetz vom 24. Juni 1991 (GVB1. S. 154), findet keine SS33 Anwendung. Ausschu\u00df f\u00fcr Verfassungsschutz (5) F\u00fcr den Ausschu\u00df gelten im \u00fcbrigen die Bestimmungen (1) In Angelegenheiten des Verfassungsschutzes unterliegt der der Gesch\u00e4ftsordnung des Abgeordnetenhauses von Berlin. Senat von Berlin der Kontrolle durch den Ausschu\u00df f\u00fcr Verfassungsschutz des Abgeordnetenhauses von Berlin. Die Rechte des Abgeordnetenhauses und seiner anderen Aussch\u00fcsse bleiben unber\u00fchrt. (2) Der Ausschu\u00df f\u00fcr Verfassungsschutz besteht in der Regel Sechster Abschnitt aus h\u00f6chstens zehn Mitgliedern. Die Fraktionen w\u00e4hlen die auf Schlu\u00dfvorschriften sie entfallenden Mitglieder und machen sie dem Pr\u00e4sidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin namhaft. Die Fraktionen werden SS36 nach ihrer Mitgliederzahl beteiligt, wobei jede Fraktion mindeEinschr\u00e4nkung von Grundrechten stens durch ein Mitglied vertreten sein mu\u00df. Eine Erh\u00f6hung der im Satz 1 bestimmten Mitgliederzahl ist nur zul\u00e4ssig, soweit sie Auf Grund dieses Gesetzes kann das Grundrecht auf Unverzur Beteiligung aller Fraktionen notwendig ist. letzlichkeit der Wohnung nach Artikel 13 des Grundgesetzes ein(3) Scheidet ein Mitglied aus dem Abgeordnetenhaus oder geschr\u00e4nkt werden. seiner Fraktion aus, so verliert es die Mitgliedschaft im Ausschu\u00df f\u00fcr Verfassungsschutz. F\u00fcr dieses Mitglied ist unverz\u00fcglich ein SS37 neues Mitglied zu benennen; das gleiche gilt, wenn ein Mitglied Anwendbarkeit des Berliner Datenschutzgesetzes aus dem Ausschu\u00df ausscheidet. Bei der Erf\u00fcllung der Aufgaben nach SS 5 durch das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz finden die SSSS 10 bis 17 und 19 Abs. 2 bis 4 SS34 des Berliner Datenschutzgesetzes in der Fassung vom 17. DezemGeheimhaltung ber 1990 (GVBI. 1991 S. 16, 54), zuletzt ge\u00e4ndert durch Gesetz Die \u00d6ffentlichkeit wird durch einen Beschlu\u00df des Ausschusses vom 22. Oktober 1992 (GVBI. S.3I4), keine Anwendung. ausgeschlossen, wenn das \u00f6ffentliche Interesse oder berechtigte Interessen eines einzelnen dies gebieten. Sofern die \u00d6ffentlichkeit ausgeschlossen ist, sind die Mitglieder des Ausschusses zur SS38 Verschwiegenheit \u00fcber Angelegenheiten verpflichtet, die ihnen Inkrafttreten, Au\u00dferkrafttreten dabei bekanntgeworden sind. Das gleiche gilt auch f\u00fcr die Zeit (1) Dieses Gesetz tritt am Tage nach der Verk\u00fcndung im nach dem Ausscheiden aus dem Ausschu\u00df. Die Verpflichtung zur Verschwiegenheit kann von dem Ausschu\u00df aufgehoben werden, Gesetzund Verordnungsblatt f\u00fcr Berlin in Kraft. soweit nicht berechtigte Interessen eines einzelnen entgegenste(2) Gleichzeitig tritt das Gesetz \u00fcber das Landesamt f\u00fcr Verfashen oder der Senat widerspricht; in diesem Fall legt der Senat sungsschutz in der Fassung vom 31. Juli 1989 (GVBI. S. 1545) dem Ausschu\u00df seine Gr\u00fcnde dar. au\u00dfer Kraft. Das vorstehende Gesetz wird hiermit verk\u00fcndet. Der Regierende B\u00fcrgermeister Diepgen"],"title":"Verfassungsschutzbericht 1992","year":1992}
