{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-be-1991.pdf","jurisdiction":"Berlin","num_pages":206,"pages":["Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz BERLIN VerfassungsschutzBericht Berlin 1991","","Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz BERLIN VerfassungsschutzBericht Berlin 1991","2 Herausgeber: Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Berlin Redaktion: LfV II A M\u00e4rz 1992 (Redaktionsschlu\u00df: 28. Februar 1992) Druck: Verwaltungsdruckerei Berlin Abdruck gegen Quellenangabe gestattet, Belegexemplar erbeten","Vorwort 3 Vorwort Nachdem der im vergangenen Jahr erstmals herausgegebene Verfassungsschutzbericht auf gro\u00dfe Resonanz gesto\u00dfen ist, freue ich mich, nunmehr den Verfassungsschutzbericht Berlin 1991 vorstellen zu k\u00f6nnen. Er informiert wie der vorangegangene umfassend \u00fcber den politischen Extremismus von links und rechts sowie \u00fcber Ergebnisse der Spionageabwehr. Sachlich und frei von parteipolitischen Einfl\u00fcssen zeigt der Verfassungsschutzbericht wichtige Tatsachen, Entwicklungen und relevante Zusammenh\u00e4nge auf. Wie bereits im Vorjahr bildete neben dem unver\u00e4ndert fortbestehenden linksextremistisch orientierten Gewaltpotential die militante SkinheadSzene eines der bedeutsamen sicherheitspolitischen Probleme in der Bundesrepublik Deutschland und in Berlin. Das Jahr 1991 war unter anderem durch eine zunehmende Ausl\u00e4nderfeindlichkeit gekennzeichnet, die ihren unr\u00fchmlichen H\u00f6hepunkt in den gewaltt\u00e4tigen \u00dcbergriffen von Skinheads auf Ausl\u00e4nderund Asylbewerberheime in Hoyerswerda fand. In diesem Zusammenhang konnte zwar festgestellt werden, da\u00df die \u00dcbergriffe von Skinheads auf ausl\u00e4ndische Mitb\u00fcrgerinnen und Mitb\u00fcrger in Berlin bisher nicht die Ausma\u00dfe erreicht haben, die in den anderen Bundesl\u00e4ndern zu verzeichnen waren. Gro\u00dfen Anla\u00df zur Sorge bereitet allerdings die sich verst\u00e4rkende Polarisierung zwischen Angeh\u00f6rigen des militanten linken und rechten Spektrums. Die im Berichtszeitraum bekanntgewordenen t\u00e4tlichen Auseinandersetzungen zwischen Linksund Rechtsextremisten verdeutlichen, da\u00df die Konfrontation zwischen beiden Gruppen an Sch\u00e4rfe und Entschlossenheit zugenommen hat. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder sind weiterhin in erheblichem Ma\u00dfe damit besch\u00e4ftigt, die Hinterlassenschaft der fr\u00fcheren DDR-Nachrichtendienste aufzuarbeiten. Deren Agenten im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland sind noch l\u00e4ngst nicht alle entdeckt. Sie bilden nach wie vor ein nicht zu untersch\u00e4tzendes Reservoir f\u00fcr fremde Nachrichtendienste.","4 Vorwort Der Bericht macht insgesamt deutlich, da\u00df es sich ein freiheitlicher Rechtsstaat wie die Bundesrepublik Deutschland trotz ge\u00e4nderter Aufgabenstellung der Nachrichtendienste durch den Demokratisierungsproze\u00df in den L\u00e4ndern Osteuropas nicht leisten kann, auf einen wirksamen Verfassungsschutz zu verzichten. Die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in Osteuropa, die im Zerfall der fr\u00fcheren UdSSR einen weiteren historischen H\u00f6hepunkt fanden, haben das Berliner Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nicht unber\u00fchrt gelassen. Im Zusammenhang mit der ver\u00e4nderten Aufgabenstellung des Verfassungsschutzes mu\u00df auch die Beauftragung eines unabh\u00e4ngigen Gremiums von erfahrenen Fachleuten auf dem Gebiet des Verfassungsschutzes gesehen werden, das in seinem Ende letzten Jahres vorgelegten Gutachten konkrete Vorschl\u00e4ge zur Anpassung der k\u00fcnftigen personellen und sachlichen Ausstattung des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz an seine tats\u00e4chlichen Bed\u00fcrfnisse und Aufgaben unterbreitet hat. Durch den geplanten Personalabbau im LfV Berlin wird zum einen den grundlegenden politischen Entwicklungen Rechnung getragen. Andererseits bleibt gew\u00e4hrleistet, da\u00df das Amt die verbliebenen und die k\u00fcnftig m\u00f6glicherweise hinzukommenden Aufgaben auch weiterhin effektiv erf\u00fcllt. Berlin, im April 1992 Professor Dr. Dieter Heckelmann Senator f\u00fcr Inneres","Inhaltsverzeichnis 5 Inhaltsverzeichnis Einleitung 12 1 Allgemeines 16 1.1 Abbau des Vorschriftendefizits beim LfV Berlin 17 1.2 Datenschutz und Auskunftserteilung 17 1.3 Parlamentarische Kontrolle 18 1.4 Personalbestand und Haushaltswirtschaft des LfV 18 2 Politischer Extremismus 19 2.1 Linksextremismus 20 2.1.1 Linksextremistisch motiviertes Gewaltpotential 20 2.1.1.1 Vorbemerkung 20 2.1.1.2 \"Rote Armee Fraktion\" (RAF) 21 2.1.1.2.1 Grundlagen und Ziele 21 2.1.1.2.2 Strukturen 22 2.1.1.2.3 Aktuelle Aktivit\u00e4ten des Berliner RAF-Umfeldes 24 2.1.1.2.4 Ausblick 25 2.1.1.3 \"Revolution\u00e4re Zellen\" (RZ) 27 2.1.1.3.1 Entstehung 27 2.1.1.3.2 Grundlagen, Ziele, Strukturen 27 2.1.1.3.3 Anschl\u00e4ge in Berlin 28 2.1.1.3.4 Ausblick 29 2.1.1.4 Autonome 30 2.1.1.4.1 Vorbemerkung 30 2.1.1.4.2 Grundlagen, Ziele, Strukturen 31 2.1.1.4.3 Aktionsformen und Militanz der Autonomen 33 2.1.1.4.4 Aktuelle Aktivit\u00e4ten der Autonomen 34 2.1.1.4.5 Ausblick 36 2.1.2 Dogmatische \"Neue Linke\" 37 2.1.2.1 Vorbemerkung 37 2.1.2.2 Revolution\u00e4r-marxistische Gruppen 37 2.1.2.2.1 \"Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD\" (AB) 37","6 Inhaltsverzeichnis 2.1.2.2.2 \"Bund Westdeutscher Kommunisten\" (BWK) 38 2.1.2.2.3 \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD) 39 2.1.2.2.4 \"Kommunistischer Bund\" (KB) 39 2.1.2.2.5 \"Gruppe K\" 40 2.1.2.2.6 \"Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands\" (MI_PD)..40 2.1.2.2.7 \"Marxistische Gruppe\" (MG) 41 2.1.2.2.8 \"Revolution\u00e4re Kommunisten (BRD)\" (RK) 42 2.1.2.2.9 \"Rote Garde Berlin\" (RG) 43 2.1.2.2.10 \"Rote Hilfe e.V.\" (RH) 43 2.1.2.2.11 \"Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg\" (Volksfront) 43 2.1.2.2.12 \"Vereinigte Sozialistische Partei\" (VSP) 44 2.1.2.3 Trotzkistische Parteien und Gruppen 45 2.1.2.3.1 \"Bund Sozialistischer Arbeiter\" (BSA) 46 2.1.2.3.2 \"Gruppe Revolution\u00e4re Sozialistinnen (GRS) 47 2.1.2.3.3 \"Internationale Sozialistische Arbeiterorganisation\" (ISA) .47 2.1.2.3.4 \"Sozialistische Arbeitergruppe\" (SAG) 48 2.1.2.3.5 \"Spartakist - Arbeiterpartei Deutschlands\" (SpAD) 49 2.1.2.4 Ausblick 49 2.1.3 \"Orthodoxe\" Kommunisten 50 2.1.3.1 Vorbemerkung 50 2.1.3.2 \"Sozialistische Initiative\" (Sl) 50 2.1.3.3 \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) 52 2.1.3.4 \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD) 53 2.1.3.5 Ausblick 53 2.1.4 \"St\u00e4ndiger Rat Marxistischer Parteien\" (SRMP) 54 2.2 Rechtsextremismus 55 2.2.1 Vorbemerkung 55 2.2.2 Neuer Nationalsozialismus (Neonazismus) 56 2.2.2.1 \"Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front\" (GdNF) 57 2.2.2.2 \"Nationale Alternative Berlin\" (NA Berlin) 59 2.2.2.3 \"Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei\" (FAP) 60 2.2.2.4 \"Nationalistische Front\" (NF) 62 2.2.2.5 \"ASGARD-Bund e.V.\"/\"Wotans Volk\" 63 2.2.2.6 \"V\u00f6lkischer Freundeskreis\" (VFK) 64 2.2.2.7 \"Bund Vaterlandstreuer Volksgenossen\" (BW) 65 2.2.2.8 \"Freiheitspartei\" 65","Inhaltsverzeichnis 7 2.2.2.9 \"Wiking-Jugend, volkstreue nordl\u00e4ndische Jugendbewegung Deutschland e.V.\" (WJ) 66 2.2.2.10 \"Deutsche Jugendinitiative Berlin\" (DJI) , 67 2.2.2.11 \"Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V.\" (HNG) 67 2.2.3 \"Nationalfreiheitliche\"/\"Nationaldemokraten\" 68 2.2.3.1 \"Nationalfreiheitliche\" (DVU e.V./DVU) 68 2.2.3.2 \"Nationaldemokraten\" 70 2.2.4 Sonstige rechtsextremistische Organisationen 72 2.2.4.1 \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen\" (vormals \"Deutsche Kulturgemeinschaft Berlin\" - DKG-Berlin -) 72 2.2.5 Gesetzesverletzungen mit rechtsextremistischem Hintergrund 73 2.2.6 Ausblick 79 2.2.7 Im Blickpunkt: Militante Skinheads in Berlin 80 2.3 Sonderthema: Polarisierung und m\u00f6gliche Eskalation der Gewalt zwischen Rechtsund Linksextremisten in Berlin 87 2.3.1 \"Antifaschismusarbeit\" der extremistischen Linken 87 2.3.2 Positionen des militanten Antifaschismus 88 2.3.3 Verminderte rechtsextremistische Aktionsf\u00e4higkeit bis zur Suspendierung des Besatzungsrechts 91 2.3.4 Rechtsextremistische Aggressionsbereitschaft 92 2.3.5 Beispiele bekanntgewordener t\u00e4tlicher Auseinandersetzungen 93 2.3.6 Ausblick 97 2.4 Ausl\u00e4nderextremismus 99 2.4.1 \u00dcberblick 99 2.4.2 Staatsterrorismus 101 2.4.3 Pal\u00e4stinenser/Araber 102 2.4.3.1 PLO-Mitgliedsorganisationen 103 2.4.3.2 Islamisch-extremistische Pal\u00e4stinenserund Araber-Organisationen 106 2.4.4 T\u00fcrken 107 2.4.4.1 Linksextremisten 108 2.4.4.2 Rechtsextremisten 111 2.4.4.3 Islamisch-extremistische T\u00fcrken 112 2.4.5 Kurden 113","8 Inhaltsverzeichnis 2.4.6 Iraner 114 2.4.6.1 Regimeanh\u00e4nger 115 2.4.6.2 Regimegegner 115 2.4.7 Jugoslawen 116 2.4.8 Ausblick 117 2.4.9 Sonderthema: Auswirkung des Nationalit\u00e4tenkonfliktes in Jugoslawien auf die Sicherheitslage in Berlin 119 3 Spionageabwehr 125 3.1 Entwicklung im Jahre 1991 126 3.2 Weitere Bearbeitung der Nachrichtendienste der ehemaligen DDR 126 3.3 Aufarbeitung der Zusammenarbeit zwischen MfS und KGB 128 3.3.1 Informationsweitergabe zwischen den Nachrichtendiensten 128 3.3.2 Fortf\u00fchrung der Spionaget\u00e4tigkeit des KGB nach Aufl\u00f6sung des MfS 129 3.3.3 \"Der Berliner Apparat\" des KGB 130 3.4 Lagebild der Spionageabwehr 132 3.4.1 UdSSR und Nachfolgestaaten 132 3.4.2 Polen 133 3.4.3 Ungarn 134 3.4.4 CSFR 134 3.4.5 Rum\u00e4nien 134 3.4.6 Bulgarien 135 3.4.7 Jugoslawien 135 3.5 Geheimschutz 135 3.5.1 Geheimschutz in der Verwaltung 135 3.5.2 Geheimschutz in der Wirtschaft 136 3.5.3 Materieller Geheimschutz 137 3.6 Wirkungsvolle Spionageabwehr ist nur mit Hilfe der Bev\u00f6lkerung m\u00f6glich 138","Inhaltsverzeichnis 9 4 Anhang I: Kurzdarstellungen wichtiger extremistischer Organisationen 139 4.1 Linksextremismus 140 4.1.1 Linksextremistisch motiviertes Gewaltpotential 140 4.1.1.1 \"Rote Armee Fraktion\" (RAF) 140 4.1.1.2 \"Revolution\u00e4re Zellen\" (RZ) 140 4.1.1.3 Autonome 141 4.1.2 Revolution\u00e4r-marxistische Gruppen 141 4.1.2.1 \"Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD\" (AB) 141 4.1.2.2 \"Bund Westdeutscher Kommunisten\" (BWK) 141 4.1.2.3 \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD) 142 4.1.2.4 \"Kommunistischer Bund\" (KB) 142 4.1.2.5 \"Gruppe K\" 142 4.1.2.6 \"Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands\" (MLPD) 143 4.1.2.7 \"Marxistische Gruppe\" (MG) 143 4.1.2.8 \"Revolution\u00e4re Kommunisten (BRD)\" (RK) 143 4.1.2.9 \"Rote Garde Berlin\" (RG) 144 4.1.2.10 \"Rote Hilfe e.V.\" (RH) 144 4.1.2.11 \"Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg\" (Volksfront) 144 4.1.2.12 \"Vereinigte Sozialistische Partei\" (VSP) 144 4.1.3 Trotzkistische Parteien und Gruppen 145 4.1.3.1 \"Bund Sozialistischer Arbeiter\" (BSA) 145 4.1.3.2 \"Gruppe Revolution\u00e4re Sozialistinnen\" (GRS) 145 4.1.3.3 \"Internationale Sozialistische Arbeiterorganisation\" (ISA) 145 4.1.3.4 \"Vereinigung der Arbeitskreise f\u00fcr Arbeitnehmerpolitik und Demokratie\" (VAA) 146 4.1.3.5 \"Sozialistische Arbeitergruppe\" (SAG) 146 4.1.3.6 \"Spartakist-Arbeiterpartei Deutschlands\" (SpAD) 146 4.1.3.7 \"Gruppe Arbeitermacht\" (GAM) 147 4.1.3.8 \"Gruppe Spartakus\" 147 4.1.4 \"Orthodoxe\" Kommunisten 147 4.1.4.1 \"Sozialistische Initiative\" (Sl) 147 4.1.4.2 \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) 148 4.1.4.3 \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD) 148 4.1.5 \"St\u00e4ndiger Rat Marxistischer Parteien\" (SRMP) 148 4.2 Rechtsextremismus 150 4.2.1 Neuer Nationalsozialismus/Neonazismus 150","10 Inhaltsverzeichnis 4.2.1.1 \"ASGARD-Bund e.V.\" 150 4.2.1.2 \"Bund Vaterlandstreuer Volksgenossen\" ( B W ) 150 4.2.1.3 \"Deutsche Alternative\" (DA) 150 4.2.1.4 \"Deutsche Jugendinitiative Berlin\" (DJI) 150 4.2.1.5 \"Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei\" (FAP) 151 4.2.1.6 \"Freiheitspartei\" 151 4.2.1.7 \"Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front\" (GdNF) 151 4.2.1.8 \"Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V.\" (HNG) 151 4.2.1.9 \"Nationale Alternative Berlin\" (NA Berlin) 152 4.2.1.10 \"Nationalistische Front\" (NF) 152 4.2.1.11 \"Nationale Offensive\" (NO) 152 4.2.1.12 \"V\u00f6lkischer Freundeskreis\" 152 4.2.1.13 \"Wiking-Jugend, volkstreue, nordl\u00e4ndische Jugendbewegung Deutschland e.V.\" (WJ) 153 4.2.1.14 \"Wotans Volk\" 153 4.2.2 \"Nationalfreiheitliche\" und \"Nationaldemokraten\" 153 4.2.2.1 \"Deutsche Volksunion e.V.\" (DVU e.V.) 153 4.2.2.2 \"Deutsche Volksunion\" (DVU) 154 4.2.2.3 \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) 154 4.2.3 Sonstige 154 4.2.3.1 \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen\" (ehemals \"Deutsche Kulturgemeinschaft Berlin\" - DKG-Berlin -) ....154 4.3 Ausl\u00e4nderextremismus 155 4.3.1 Pal\u00e4stinenser/Araber 155 4.3.1.1 \"ALFATAH\" 155 4.3.1.2 \"Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" (PFLP) 155 4.3.1.3 \"Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" (DFLP) 155 4.3.1.4 \"Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas-Generalkommando\" (PFLP-GC) 156 4.3.1.5 \"Pal\u00e4stinensische Volkskampffront\" (PPSF) 156 4.3.1.6 \"ALSAIQA\" 156 4.3.1.7 \"Abu-Nidal-Organisation\" (ANO) 156 4.3.1.8 \"Islamische Widerstandsbewegung\" (HAMAS) 157 4.3.1.9 \"Moslembruderschaft\" (MB) 157 4.3.1.10 \"Hizb Allah\" (Partei Gottes) 157 4.3.1.11 AMAL 157","Inhaltsverzeichnis 11 4.3.1.12 \"Hizb AI-Da'Wa Al-Islamia\" 158 4.3.1.13 \"Pal\u00e4stinensischer Islamischer Jihad\" (PIJ) 158 4.3.2 Kurden 159 4.3.2.1 \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) 159 4.3.3 T\u00fcrken 159 4.3.3.1 \"T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L) 159 4.3.3.2 \"Revolution\u00e4re Kommunistische Partei der T\u00fcrkei\" (TDKP) 159 4.3.3.3 \"T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei/-front\" (THKP/-C) 160 4.3.3.4 \"Devrimci Sol\" (Revolution\u00e4re Linke) 160 4.3.3.5 \"Avrupa'da Dev Gene\" (Revolution\u00e4re Jugend in Europa) 160 4.3.3.6 \"Partei der Nationalistischen Arbeit\" (MCP) 160 4.3.3.7 \"Wohlstandspartei\" (RP) 160 4.3.3.8 \"Verband der islamischen Vereine und Gemeinden e.V. K\u00f6ln\" (ICCB) 161 4.3.4 Iraner 161 4.3.4.1 \"Union islamischer Studentenvereine in Europa\" (U.I.S.A.) 161 4.3.4.2 \"Organisation der Volksmojahedin Iran\" (PMOl) 161 4.3.4.3 \"Organisation der Iranischen Studenten in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin, Sympathisanten der Volksfedayin Guerilla Iran\" (O.I.P.F.G.) 162 4.3.4.4 \"Rat der Konstitutionellen Monarchie des Iran in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin\" (R.K.M.I.)162 4.3.5 Jugoslawen 162 4.3.5.1 \"Kroatischer Nationalrat\" (\"Hrvatsko Narodno Vijece\" - HNV) 162 5 Anhang II: Chronologie 163 5.1 Linksextremismus/Gewaltpotential 164 5.2 Rechtsextremismus 184 5.3 Ausl\u00e4nderextremismus 199","12 Einleitung Einleitung Der erstmals f\u00fcr das Jahr 1990 herausgegebene Jahresbericht des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz Berlin (LfV) stie\u00df auf reges Interesse; die gesamte Auflage ist vergriffen. So ist zu hoffen, da\u00df die Informationen, Erl\u00e4uterungen und Schwerpunktthemen wiederum interessierte Leser finden und zufriedenstellen werden. Bei der Darstellung unterschiedlicher Bereiche des politischen Extremismus folgt der Bericht den Entwicklungslinien der in dieser Szene durch die Einheit Deutschlands ausgel\u00f6sten Verschiebungen und Verwerfungen. Unvermindert am unmittelbarsten beiroffen waren die Parteien und Gruppierungen des Linksextremismus. Die \"Sozialistische Initiative\" (Sl), Nachfolgeorganisation der \"Sozialistischen Einheitspartei Westberlins\" (SEW), war nur als \u00dcbergangserscheinung konzipiert worden. Sie l\u00f6ste sich plangetreu zum 30. Juni 1991 auf. Ein Gro\u00dfteil der Sl-Mitglieder w\u00e4hlte als neue politische Heimat die \"Partei des Demokratischen Sozialismus\" (PDS), unmittelbare Nachfolgerin der Ostund Westberliner Kommunisten historisch gemeinsamen \"Mutterpartei\" SED. Einigen Sl-Mitgliedern erschien die nunmehr auch in Berlin vertretene \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) als der wahre Hort marxistischleninistischer \u00dcberzeugungen. Die Anfang des Jahres 1990 gegr\u00fcndete \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD) stie\u00df indes unter West-Berliner Kommunisten kaum auf Resonanz und blieb weitgehend auf die \u00f6stlichen Stadtbezirke beschr\u00e4nkt. Erwartungsgem\u00e4\u00df nutzte die linksextremistische Terrororganisation \"Rote Armee Fraktion\" (RAF) die mit dem deutschen Einigungsproze\u00df einhergehenden wirtschaftlichen und sozialen Probleme als Begr\u00fcndungszusammenhang f\u00fcr ihre Gewalttaten. Das t\u00f6dliche Attentat auf den \"Treuhandanstalf-Manager Dr. ROHWEDDER am 1. April 1991 best\u00e4tigte diese \"Angriffslinie\" des von der RAF praktizierten \"antiimperialistischen Kampfes\" in tragischer Weise. Ihre Ank\u00fcndigung, k\u00fcnftig mehr aktuelle Themen, wie Stadtentwicklung, Asylpolitik und Arbeitslosigkeit, aufzugreifen, deutet auf den Versuch der RAF hin, den Anspruch auf revolution\u00e4re","Einleitung 13 Ver\u00e4nderungen, gerade nach dem Scheitern des \"realen Sozialismus\", auch gegen\u00fcber den eigenen Anh\u00e4ngern durch allgemein plausible Ziele weiter zu legitimieren. Die autonome Szene Berlins erhielt im Laufe des Jahres 1991 u.a. erheblichen Zulauf aus dem Ostteil der Stadt und blieb derart gest\u00e4rkt weiterhin das bedeutendste Zentrum des militanten Linksextremismus in Deutschland. Wesentliche Aktionsschwerpunkte der Autonomen waren Proteste gegen die angebliche \"Umstrukturierung\" gewachsener Wohnund Gewerbegegenden, die Olympiabewerbung Berlins und die Verlagerung des Regierungssitzes in die Stadt. Am 12. Juni 1991 wurde der leitende Mitarbeiter der Senatsbauverwaltung Hanno KLEIN mit einer Briefbombe ermordet. Die Taterkl\u00e4rung, die auf dessen Verantwortlichkeiten bei der Stadtplanung Bezug nimmt, wurde von autonomen Kreisen verfa\u00dft. Komplexe wie \"Regierungssitz\", \"Golfkrieg\" und \"Rassismus/Sexismus\" bildeten f\u00fcr die terroristischen \"Revolution\u00e4ren Zellen\" (RZ) thematische Ankn\u00fcpfungspunkte bei zwei spektakul\u00e4ren Anschl\u00e4gen. Am 15./16. Januar 1991 richtete sich ein Sprengstoffattentat gegen die Siegess\u00e4ule, mehrere Brands\u00e4tze z\u00fcndeten am 11 ./12. Juni 1991 im Reichstagsgeb\u00e4ude. Von den Gruppen der dogmatischen \"Neuen Linken\" l\u00f6sten sich im Jahre 1991 zwei revolution\u00e4r-marxistische Zusammenschl\u00fcsse auf. Die Trotzkisten, ermutigt durch den Zerfall der von ihnen als \"b\u00fcrokratisch entartet\" abgelehnten Regime Ostund S\u00fcdosteuropas, sahen sich alsbald hinsichtlich ihrer anf\u00e4nglichen Zuversicht auf gestaltende Einflu\u00dfchancen in den neuen Bundesl\u00e4ndern entt\u00e4uscht. Abzuwarten bleibt die Entwicklung eines im April 1991 konstituierten \"St\u00e4ndigen Rates Marxistischer Parteien\" (SRMP), in dem sich mehrere Organisationen, \u00fcberwiegend revolution\u00e4r-marxistische, \"orthodox\"kommunistische und trotzkistische, zusammengefunden haben, um l\u00e4ngerfristig ihre ideologische Zerstrittenheit mit dem Ziel des Aufbaus einer \"einheitlichen\" kommunistische Partei zu \u00fcberwinden. Das Berliner Erscheinungsbild des organisierten Rechtsextremismus war im Jahre 1991 weitgehend von neonazistischen Gruppierungen bestimmt. Die in fr\u00fcheren Jahren vorhandene gr\u00f6\u00dfere Einheitlichkeit der Berliner Neonazi-","14 Einleitung Szene gegen\u00fcber der Szene in den westdeutschen L\u00e4ndern, die auf die damalige besondere Situation Berlins zur\u00fcckzuf\u00fchren war, ist nicht mehr in diesem Umfang vorhanden. Die gr\u00f6\u00dften Berliner Neonazi-Gruppen, die \"Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei\" (FAP), die \"Nationalistische Front\" (NF) und die \"Nationale Alternative\" (NA), bem\u00fchten sich, weitgehend unabh\u00e4ngig voneinander eigenst\u00e4ndige Aktivit\u00e4ten in und um Berlin zu entwickeln. Im Berichtszeitraum 1991 bildete die militante Skinhead-Szene ein bedeutsames, nach wie vor aktuelles sicherheitspolitisches Problem in Berlin. Ohne vorg\u00e4ngige Planungen ver\u00fcbten Skinheads rassistisch motivierte Anschl\u00e4ge und sonstige Gewalttaten. Die Aktivit\u00e4ten extremistischer, insbesondere terroristischer Ausl\u00e4nderorganisationen in Berlin waren im Jahre 1991 vor allem von Konfliktund Krisensituationen in den Herkunftsl\u00e4ndern gepr\u00e4gt. Dazu geh\u00f6rten der sog. Golfkrieg Anfang des Jahres, die Entwicklung in Jugoslawien, die schlie\u00dflich zum B\u00fcrgerkrieg f\u00fchrte, der Kurdenkonflikt in der T\u00fcrkei und im Irak, die Pal\u00e4stinenser-Frage in Verbindung mit der Ende Oktober 1991 begonnenen Friedenskonferenz \u00fcber den Nahen Osten und das Nordirland-Problem. Bedingt durch die tats\u00e4chliche oder formelle Aufl\u00f6sung weiterer Nachrichtendienste des fr\u00fcheren Warschauer Paktes ver\u00e4nderten sich die Anforderungen an die Spionageabwehr des LfV erneut. Ein Arbeitsschwerpunkt war die Aufdeckung fr\u00fcherer Spionageaktivit\u00e4ten des Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit bzw. des Milit\u00e4rischen Nachrichtendienstes der DDR und die Kl\u00e4rung der Zusammenarbeit zwischen dem MfS und dem - zwischenzeitlich ebenfalls aufgel\u00f6sten - sowjetischen Nachrichtendienst KGB. Die politischen Umw\u00e4lzungen f\u00fchrten nicht zur g\u00e4nzlichen Einstellung der Ausforschungsversuche gegnerischer Dienste des fr\u00fcheren Ostblocks. Vielmehr wollen auch die neuen Regierungen Ostund S\u00fcdosteuropas, darunter die in der GUS zusammengeschlossenen L\u00e4nder, erkl\u00e4rterma\u00dfen weiterhin Auslandsaufkl\u00e4rung betreiben. Neben dem \u00dcberblick \u00fcber den Entwicklungsverlauf des Extremismus enth\u00e4lt der vorliegende Jahresbericht wiederum einzelne Kapitel, in denen das LfV jedes Jahr spezielle Aspekte extremistischer Bestrebungen thematisieren will.","Einleitung 15 So wird \u00fcber die wegen ihrer zunehmenden Bedrohung der inneren Sicherheit im \"Blickpunkt\" von \u00d6ffentlichkeit und Politik stehenden rechtsextremistischen Skinheads berichtet und als \"Sonderthema\" die f\u00fcr eine Analyse extremistischer Bedrohungspotentiale ebenfalls bedeutsame Frage einer \"Polarisierung und m\u00f6glichen Eskalation der Gewalt zwischen Rechtsund Linksextremisten in Berlin\" behandelt. Dem Berichtsabschnitt \u00fcber trotzkistische Vereinigungen, deren Politikans\u00e4tze von denen anderer Linksextremisten abweichen, wurde diesmal im Interesse eines besseren Verst\u00e4ndnisses ein Abri\u00df der trotzkistischen Ideologie vorangestellt. In einem Anhang werden schlie\u00dflich die wesentlichen extremistischen Aktivit\u00e4ten im Berichtszeitraum stichwortartig aufgef\u00fchrt sowie wichtige extremistische Organisationen in Kurzform vorgestellt.","16 1.-Allgemeines - 1 Allgemeines","1. -Allgemeines - 17 1.1 Abbau des Vorschriftendefizits beim LfV Berlin Im Zuge des weiteren Abbaus des bis zum Ende der 80er Jahre bestehenden Vorschriftendefizits beim Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Berlin wurden bis zum Ende des Berichtszeitraumes insgesamt 14 Verwaltungsvorschriften in Kraft gesetzt. Die Vorschriften betreffen sowohl den Ablauf der amtsinternen Verwaltung als auch die nach au\u00dfen wirkende T\u00e4tigkeit der Beh\u00f6rde im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrags. Auch zuk\u00fcnftig werden mit besonderer Priorit\u00e4t die noch f\u00fcr notwendig erachteten Verwaltungsvorschriften erarbeitet werden. 1.2 Datenschutz und Auskunftserteilung Im Bereich des Datenschutzes hat es im Berichtszeitraum verst\u00e4rkt Kontrollen des Berliner Datenschutzbeauftragten gegeben, die grunds\u00e4tzlich zur Kl\u00e4rung von unterschiedlichen Rechtsauffassungen f\u00fchrten. Zur Gew\u00e4hrleistung effektiven Datenschutzes wurde innerhalb des Amtes ein beh\u00f6rdlicher Datenschutzbeauftragter entsprechend SS 9 Abs. 5 des Berliner Datenschutzgesetzes eingesetzt, der in allen den Datenschutz betreffenden Angelegenheiten des Landesamtes beteiligt wird. Die Auskunftsregelung des LfV erm\u00f6glicht grunds\u00e4tzlich sowohl die Auskunftserteilung als auch die Akteneinsicht. Seit Beginn der Auskunftspraxis des LfV Berlin im Jahr 1989 haben insgesamt 1.143 B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger (Stand: 31. Dezember 1991) einen Antrag auf Auskunft oder Akteneinsicht gestellt. Davon waren 527 Antragsteller (= 46 %) in keiner Datei des LfV Berlin erfa\u00dft. Von den \u00fcbrigen gespeicherten Personen erhielten etwa 85 % Auskunft und - falls beantragt - Akteneinsicht. Bei ca. 15 % der erfa\u00dften Antragsteller wurde nach eingehender Relevanzpr\u00fcfung festgestellt, da\u00df die Daten dieses Personenkreises - unter Beachtung des Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeitsgrundsatzes - weiterhin f\u00fcr die gesetzliche Aufgabenerf\u00fcllung des LfV erforderlich sind. Nach sorgf\u00e4ltiger Abw\u00e4gung des individuellen Auskunftsanspruchs mit dem besonderen \u00f6ffentlichen Geheimhaltungsinteresse konnten die Betroffenen lediglich Teilausk\u00fcnfte, jedoch keine Akteneinsicht erhalten.","18 1.-Allgemeines1.3 Parlamentarische Kontrolle Im Berichtszeitraum fanden insgesamt sieben Sitzungen des Ausschusses f\u00fcr Verfassungsschutz des Abgeordnetenhauses von Berlin statt. Im Rahmen seiner Kontrollbefugnis wurde dem Ausschu\u00df eine Vielzahl von Berichten \u00fcber die Arbeit des Landesamtes vorgelegt. 1.4 Personalbestand und Haushaltswirtschaft des LfV Die Vereinigung Deutschlands und die tiefgreifenden Ver\u00e4nderungen in Osteuropa sind nicht ohne Einflu\u00df auf die Personalund Sachmittelausstattung des LfV geblieben. Bereits durch das Nachtragshaushaltsgesetz 1990 sind im Stellenplan 20 Stellen gestrichen und weitere 20 Stellen mit Wegfallvermerken versehen worden. Diese Personalreduzierung ist zum weit \u00fcberwiegenden Teil im Berichtsjahr realisiert worden. Der Personalstellensollbestand des LfV hat sich somit auf 304 Stellen reduziert. Die aufgabenkritischen Vorschl\u00e4ge der Boeden-Kommission zur Struktur und Arbeitsweise des LfV und die Entscheidungen der Politik dar\u00fcber werden noch zu weiteren Reduzierungen f\u00fchren. Die Einnahmen und Ausgaben des LfV sind offen im Haushaltsplan von Berlin unter Kapitel 0512 nachgewiesen. F\u00fcr konsumtive Sachausgaben und Investitionen standen 2,77 Mio. DM zur Verf\u00fcgung, die zu rd. 81 % in Anspruch genommen wurden. Davon wurden allein f\u00fcr die Fortf\u00fchrung der 1990 begonnenen Einrichtung und Ausstattung von APC-Arbeitspl\u00e4tzen rd. 230.000 DM ausgegeben. Der Einsatz moderner Informationsund Kommunikationstechnik dient nicht nur der Effektivit\u00e4tssteigerung in der Aufgabenerf\u00fcllung; durch die automatisierte Dokumentation des T\u00e4tigwerdens wird ein weiterer Beitrag zur Erf\u00fcllung datenschutzrechtlicher Bestimmungen geleistet.","2. - Politischer Extremismus - 19 Politischer Extremismus","20 2. - Politischer Extremismus - 2.1 Linksextremismus 2.1.1 Linksextremistisch motiviertes Gewaltpotential 2.1.1.1 Vorbemerkung Im Bereich des Linksextremismus liegt das Hauptgewicht der Arbeit des LfV auf denjenigen linksextremistisch motivierten Gruppen, die den Gewalteinsatz als Mittel der politischen Auseinandersetzung bejahen. Ma\u00dfgeblich f\u00fcr die Einordnung dieser Gruppen als linksextremistisch ist deren Ablehnung jeglicher Herrschaft des Menschen \u00fcber den Menschen, sei es, da\u00df zentrale Organisationsformen generell als \u00dcbel gelten, sei es, da\u00df in der kapitalistischen Klassengesellschaft die Ursache aller gesellschaftlichen Mi\u00dfst\u00e4nde ausgemacht wird. Die parlamentarische Demokratie, die lediglich der geschickten Verschleierung gesellschaftlicher Herrschaft und Unterdr\u00fcckung diene, wird kompromi\u00dflos abgelehnt. F\u00fcr diese Gruppen und deren T\u00e4tigkeit wird vielfach die Bezeichnung \"Terrorismus\" bzw. \"Linksterrorismus\" gebraucht. Dabei versteht man unter Terrorismus den nachhaltig gef\u00fchrten Kampf f\u00fcr politische Ziele, die mit Hilfe von Anschl\u00e4gen auf Leib, Leben und Eigentum anderer Menschen durchgesetzt werden sollen, insbesondere durch schwere Straftaten, wie sie in SS 129 a Abs. 1 des Strafgesetzbuches genannt sind (vor allem: Mord, Totschlag, erpresserischer Menschenraub, Brandstiftung, Herbeif\u00fchrung einer Explosion durch Sprengstoff) oder durch andere Gewalttaten, die der Vorbereitung solcher Straftaten dienen. Tr\u00e4ger des deutschen linksextremistisch motivierten Terrorismus sind die \"Rote Armee Fraktion\" (RAF) und die \"Revolution\u00e4ren Zellen\" (RZ). Beide Gruppen verfolgen gleiche Ziele mit dem milit\u00e4risch-politischen Kampf gegen das politische System in der Bundesrepublik Deutschland. Von RAF und RZ durch den Mangel eines durchg\u00e4ngigen ideologischen Konzepts getrennt, aber aufgrund eigener Militanz dennoch dazugeh\u00f6rig,","2. - Politischer Extremismus - 21 stellen sich die Autonomen als in diesen Zusammenhang geh\u00f6rende Erscheinung dar. 2.1.1.2 \"Rote Armee Fraktion\" (RAF) 2.1.1.2.1 Grundlagen und Ziele Die Keimzelle der relevantesten deutschen linksextremistisch motivierten Terrorgruppe bildete sich 1970 um Ulrike MEINHOF und Andreas BAADER, Gudrun ENSSLIN und Horst MAHLER in Berlin. Sie verstand sich von Anfang an als eine marxistisch-leninistische Gruppe und somit als Fraktion einer weltweiten revolution\u00e4ren Bewegung. Die RAF suchte ihren bewaffneten Kampf als Stadtguerilla nach dem Vorbild s\u00fcdamerikanischer Terroristen zu f\u00fchren und operierte aus dem Untergrund heraus. Sich selbst hatte die RAF die Funktion einer revolution\u00e4ren Avantgarde zugedacht. Die terroristischen Aktionen sollten das revolution\u00e4re Feuer in den \"Metropolen\" des \"Kapitalismus\" entfachen und die \"Massen\" mobilisieren. Das Konzept \"Stadtguerilla\" bestimmte die Fr\u00fchphase der RAF \u00fcber die Festnahme der ersten RAF-Generation hinaus. Seit Anfang der 80er Jahre sieht sich die RAF nicht mehr nur als verl\u00e4ngerter Arm der Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt, sondern als eigenst\u00e4ndige Guerilla im imperialistischen Zentrum Westeuropa. Ihr \"antiimperialistischer Kampf\" gilt insbesondere den ma\u00dfgeblichen St\u00fctzen der bestehenden Machtstrukturen. Dazu z\u00e4hlt sie neben den Sicherheitsbeh\u00f6rden - \"dem Repressionsapparat\" - die Bereiche Politik, Milit\u00e4r, Kapital und Industrie, deren Verflechtungen als \"milit\u00e4risch-industrieller Komplex\" (MIK) bezeichnet werden. Aus der Entwicklung in Osteuropa zog die RAF insofern Konsequenzen, als sie - neue vermittelbare, d.h. der eigenen Anh\u00e4ngerschaft und Kreisen dar\u00fcber hinaus einleuchtende \"Kampffelder\" suchend - sich unmittelbar dem tagespolitischen Geschehen zuwandte. Der t\u00f6dlich endende Anschlag auf den Treuhand-Manager Dr. ROHWEDDER am I.April 1991 ist Teil dieser neuen Angriffslinie gegen die Strategie des internationalen Kapitals und seine","22 2. - Politischer Extremismus - Machtstrukturen. Vordergr\u00fcndig sind die Attentate auf aktuelle soziale und wirtschaftliche Entwicklungen in den neuen Bundesl\u00e4ndern gerichtet. Die Angriffslinie zielt schlie\u00dflich gegen die neu entstandene Gro\u00dfdeutsche/Westeurop\u00e4ische Weltmacht. Eine zweite Linie dieser \"Doppelstrategie\" ist nach wie vor auf die Durchsetzung der Forderungen der Gefangenen und den Aufbau einer \"revolution\u00e4ren Front\" in Westeuropa gerichtet. 2.1.1.2.2 Strukturen Kommandoebene Alle wesentlichen Entscheidungen werden gemeinsam von der seit Jahren auf etwa 15 bis 20 Personen gesch\u00e4tzten Kommandoebene der RAF getroffen. In Berlin sind in der Vergangenheit keine Angeh\u00f6rigen der Kommandoebene festgestellt worden, wie auch bisher Berlin von Anschl\u00e4gen dieser Gruppe verschont blieb. Alle Terroranschl\u00e4ge dieser Ebene werden von - \"M\u00e4rtyrern\" des eigenen Lagers gewidmeten - sog. Kommandos ausgef\u00fchrt. So wurde der Anschlag auf den Vorstandsvorsitzenden der Treuhandanstalt, Dr. Detlev Karsten ROHWEDDER, am 1. April 1991, dem bei einem \u00dcberfall der RAF am 24. April 1975 auf die Deutsche Botschaft in Stockholm get\u00f6teten Ulrich WESSEL gewidmet. Das Kommando begr\u00fcndete den Anschlag damit, da\u00df Dr. ROHWEDDER als Schreibtischt\u00e4ter im Interesse von Macht und Profit \u00fcber Leichen gegangen sei. Als Statthalter Bonns sei es seine Aufgabe gewesen, den Zusammenbruch der \u00f6konomischen und sozialen Strukturen in der ehemaligen DDR zu organisieren und sie dem Diktat des Kapitals zu unterwerfen. Umfangreiche Textpassagen dieser Erkl\u00e4rung sind vom erkennbaren Bestreben der RAF-Kommandoebene getragen, ein breites Widerstandsspektrum anzusprechen und Themen aufzugreifen, die traditionell eher von Autonomen oder \"Revolution\u00e4ren Zellen\" (RZ) als Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr ihre Aktivit\u00e4ten genutzt wurden, z.B. S\u00fcdafrika, Asyl-Ausl\u00e4nderproblematik, Frauenfragen, Luxussanierung oder \"Schicki-Micki\"-L\u00e4den.","2. - Politischer Extremismus - 23 Militante der RAF Auch dieser zweite \"k\u00e4mpfende Teil\" der RAF ist bisher in Berlin nicht in Erscheinung getreten. Die Militanten der RAF rekrutieren sich in erster Linie aus dem RAF-Umfeld und leben grunds\u00e4tzlich in der Legalit\u00e4t. Sie wechseln nur f\u00fcr die Zeit der Attentate in die Illegalit\u00e4t und treten dann als \"k\u00e4mpfende Einheit\" auf. Ihre Anschl\u00e4ge zielen nicht auf die Vernichtung von Menschenleben, sondern auf Sachsch\u00e4den und \u00e4hneln insofern denen der \"Revolution\u00e4ren Zellen\" (RZ). RAF-Umfeld Dem Umfeld der RAF werden von den Sicherheitsbeh\u00f6rden diejenigen in der Szene als \"Antiimps\" bezeichneten Personen zugerechnet, die sich voll mit den Zielen der RAF identifizieren und sie politischpropagandistisch unterst\u00fctzen. Dieser Personenkreis umfa\u00dft im Westteil Berlins derzeit etwa 50 Personen. Von diesen werden dem engeren RAF-Umfeld etwa 15 Personen zugerechnet, die im Verdacht stehen, die RAF durch praktische Hilfeleistung zu unterst\u00fctzen. Die Zugeh\u00f6rigkeit zum engeren RAF-Umfeld wird u.a. an folgenden Kriterien festgemacht: Verdacht der Unterst\u00fctzung der \"Kommandos\" oder der Militanten, z.B. durch logistische Hilfeleistung, mitverantwortliche Vorbereitung und Beteiligung an Veranstaltungen, die der Propagierung der Ziele und Forderungen der RAF dienen, Bekenntnisse zur Konzeption und Strategie der RAF (z.B. auch bei Besuchen in Haftanstalten) und nicht nur kurzfristige Einbindungen in regionale und \u00fcberregionale Strukturen. \"Inhaftierte der RAF\" Die \"Inhaftierten der RAF\" sind nach eigenen Aussagen mit ihrer Verhaftung nicht mehr Mitglieder der RAF, bleiben aber Teil des revolution\u00e4ren Prozesses. In Berliner Haftanstalten sitzen derzeit keine \"Gefangenen der RAF\" ein.","24 2. - Politischer Extremismus - Verwandtengruppe Die \"Gefangenen aus RAF und Widerstand\" werden regelm\u00e4\u00dfig von \"Angeh\u00f6rigen der politischen Gefangenen in der BRD\" (Verwandtengruppe) betreut. Diese im gesamten Bundesgebiet etwa 40 Personen umfassende Gruppe, in der auch Angeh\u00f6rige des Berliner RAF-Umfeldes mitarbeiten, besucht die Inhaftierten, unterst\u00fctzt sie finanziell aus einem Spendenkonto, sorgt f\u00fcr Postkontakte und versucht, durch Herausgabe eines vierzehnt\u00e4glich erscheinenden \"Angeh\u00f6rigen Infos\" sowie durch sonstige teils spektakul\u00e4re Aktivit\u00e4ten die Forderungen der Inhaftierten zu propagieren. \"Rote S\u00e4ge\" Die Forderungen der \"Gefangenen der RAF\" nach Zusammenlegung bzw. Freilassung angeblich haftunf\u00e4higer Gefangener werden in Berlin au\u00dferdem von einem anl\u00e4\u00dflich des letzten Hungerstreiks der \"Gefangenen aus RAF und aus dem Widerstand\" im Jahre 1989 gegr\u00fcndeten \"Hungerstreik-Info-B\u00fcro\", das sp\u00e4ter seine Arbeit unter der Bezeichnung \"Rote S\u00e4ge, B\u00fcro zur Unterst\u00fctzung der k\u00e4mpfenden Gefangenen\" fortsetzte, propagiert. Die Aktivit\u00e4ten des B\u00fcros haben im Verlauf des Jahres 1991 aufgrund interner Querelen und nicht zuletzt vor dem Hintergrund der j\u00fcngsten Diskussion \u00fcber eine vorzeitige Haftentlassung fr\u00fcherer RAF-Mitglieder sp\u00fcrbar nachgelassen. 2.1.1.2.3 Aktuelle Aktivit\u00e4ten des Berliner RAF-Umfeldes Der Golfkrieg, europaweite Zusammenlegungsund Hafterleichterungsforderungen f\u00fcr inhaftierte Terroristen, die Asylproblematik und die Ausl\u00e4nderfeindlichkeit waren die Themen des Jahres 1991, denen sich die Angeh\u00f6rigen des Berliner RAF-Umfeldes widmeten und die die Zusammenarbeit zwischen RAF-Anh\u00e4ngern und Autonomen weiter f\u00f6rderten. Der Todestag der RAF-Mitbegr\u00fcnder BAADER, ENSSLIN und RASPE am 18. Oktober 1991 sowie die Hauptstadtfrage wurden dagegen vom Berliner RAF-Umfeld ignoriert. RAF-Anh\u00e4nger und Autonome initiierten und beteiligten sich in den Monaten Januar und Februar 1991 an zahlreichen Versammlungen, Aktionstagen und","2. - Politischer Extremismus - 25 Demonstrationen gegen den Golfkrieg, wobei die Anh\u00e4nger der RAF ihre Aktivit\u00e4t in erster Linie als Kampf gegen den \"US-Imperialismus\" verstanden. In diesem Zusammenhang fand am 18. Februar 1991 im Audimax der Technischen Universit\u00e4t (TU) Berlin eine vom Berliner RAF-Umfeld mitgetragene Veranstaltung zum Thema Black Power, schwarzer Widerstand in den USA statt. Hier wurde eine Forderung aus der Erkl\u00e4rung zum Anschlag auf die US-Botschaft in Bonn am 13. Februar 1991 aufgegriffen, die Hinrichtung von Mumia ABU JAMAL in den USA zu verhindern. [Anmerkung: ABU JAMAL ist ein ehemaliges Mitglied der amerikanischen \"BlackPanther-Bewegung\" und wurde 1981 wegen Polizistenmordes zum Tode verurteilt.] Im Fr\u00fchjahr 1991 mehrten sich die Anzeichen, da\u00df die RAF eine neue \"Zusammenlegungskampagne\" in Gang setzen wolle. Angeh\u00f6rige des Berliner RAF-Umfeldes k\u00fcndigten in diesem Zusammenhang auch f\u00fcr Berlin entsprechende Aktivit\u00e4ten an, blieben jedoch lange Zeit in der Vorbereitungsphase stecken. Auftakt der Kampagne in Berlin war eine Diskussionsveranstaltung Autonomer zur Situation der politischen Gefangenen am 13. Dezember 1991 in einem Lokal in Berlin-Wedding, an der sich ma\u00dfgebende RAF-Anh\u00e4nger beteiligten. RAF-Anh\u00e4nger und Autonome kamen dabei \u00fcberein, diese Kampagne im Fr\u00fchjahr 1992 im Rahmen eines Aktionstages, in dessen Verlauf eine Kundgebung vor der Berliner \"Treuhandanstalt\" stattfinden sollte, zu intensivieren. Anstelle der in Berlin verschobenen \"Zusammenlegungskampagne\" organisierten Berliner RAF-Anh\u00e4nger gemeinsam mit Autonomen im Herbst 1991 zahlreiche Aktivit\u00e4ten gegen die \u00dcbergriffe rechtsextremistischer und sonstiger Gewaltt\u00e4ter auf Asylbewerber, so u.a. am 22. September 1991 einen Autokonvoi nach Hoyerswerda (Sachsen), wo es am Vortage schwere Ausschreitungen rechtsextremistischer Gewaltt\u00e4ter gegeben hatte. 2.1.1.2.4 Ausblick Der Mordanschlag auf den Vorstandsvorsitzenden der Berliner \"Treuhandanstalt\" Dr. ROHWEDDER am I.April 1991 und die dazu abgegebene Taterkl\u00e4rung machen deutlich, da\u00df sich zur Zeit vor allem exponierte Personen unter den Aspekten \"politisch-\u00f6konomischer Sektor\" und Deutschland-/Europa-Politik im Fadenkreuz der RAF befinden.","26 2. - Politischer Extremismus - In der Selbstbezichtigung stellte die RAF gleichzeitig fest, da\u00df sie k\u00fcnftig vermehrt in aktuelle gesellschaftliche Auseinandersetzungen eingreifen wolle. Au\u00dferdem dokumentierte sie ihre \u00d6ffnungspolitik gegen\u00fcber anderen Widerstandsspektren durch die Einbeziehung aktueller Themen, wie Umstrukturierung der St\u00e4dte, Rassismus gegen Fl\u00fcchtlinge und Ausl\u00e4nder, Frauenfeindlichkeit und Unterdr\u00fcckung, R\u00e4umung besetzter H\u00e4user, Massenarbeitslosigkeit und die Rolle der Gewerkschaften im imperialistischen System. Dar\u00fcber hinaus erkl\u00e4rte die Terrorgruppe, da\u00df es f\u00fcr sie eine Frage der eigenen Identit\u00e4t sei, Wege zur Freiheit der politischen Gefangenen zu suchen. Damit er\u00f6ffnete die RAF nicht nur ein vielf\u00e4ltiges Angriffsspektrum, sondern ver\u00f6ffentlichte auch einen Themenkatalog f\u00fcr die Aktivit\u00e4ten ihres Umfeldes und m\u00f6gliche B\u00fcndnisfelder mit anderen \"Revolution\u00e4ren Bewegungen\". Das Berliner RAF-Umfeld hat diese Anregungen im Jahre 1991 sowohl im Zuge seiner aktuellen Aktivit\u00e4ten, aber auch bei seiner B\u00fcndnispolitik gegen\u00fcber Autonomen aufgegriffen und wird diese Politik auch im Jahre 1992 fortf\u00fchren. Schwerpunkte der Aktivit\u00e4ten des Berliner RAF-Umfeldes d\u00fcrften dabei die Komplexe \"Antifaschismus/Antirassismus\", \"Gro\u00dfdeutschland\", \"Europa '92\" und \"Umstrukturierung\" sein. Auf diese \u00dcberlegung deuteten ma\u00dfgebliche Angeh\u00f6rige des Berliner RAFUmfeldes mit der sinngem\u00e4\u00dfen \u00c4u\u00dferung hin, als konkretisierte Forderung zur Zusammenlegung st\u00fcnde k\u00fcnftig auch die Unterbringung \"Gefangener\" in einer Berliner Haftanstalt an. Die Intensit\u00e4t, mit der die neuerliche \"Zusammenlegungskampagne\" in Berlin gef\u00fchrt werden wird, h\u00e4ngt jedoch weitgehend vom Ausgang der j\u00fcngsten Diskussion um eine vorzeitige Haftentlassung inhaftierter RAF-Miglieder ab. Dar\u00fcber hinaus ist davon auszugehen, da\u00df sich die Berliner RAF-Anh\u00e4nger, die nicht als homogener Block anzusehen sind, weiterhin bem\u00fchen werden, im Ostteil der Stadt Sympathisanten zu gewinnen und bereits vorhandene Kontakte zu Studenten der Humboldt-Universit\u00e4t auszubauen.","2. - Politischer Extremismus - 27 2.1.1.3 \"Revolution\u00e4re Zellen\" (RZ) 2.1.1.3.1 Entstehung Die \"Revolution\u00e4ren Zellen\" (RZ) bildeten sich Anfang der siebziger Jahre nach der \"Roten Armee Fraktion\" (RAF) und neben der heute nicht mehr existenten \"Bewegung 2. Juni\" als dritte eigenst\u00e4ndige und unabh\u00e4ngige Gruppe im Bereich des deutschen linksextremistisch motivierten Terrorismus. Wie f\u00fcr die \"Bewegung 2. Juni\" war auch f\u00fcr die RZ die Debatte in der militanten linken Szene \u00fcber Strategie und Taktik der RAF konstitutiv. Kritiker der terroristischen RAF-Praxis vertraten die Position, da\u00df nur solche Angriffe auf die bestehende Gesellschaftsund Verfassungsordnung durchgef\u00fchrt werden d\u00fcrften, die potentiellen Sympathisanten vermittelbar seien und deshalb einem m\u00f6glichst gro\u00dfen relevanten Personenkreis eine Identifikation erm\u00f6glichten. Dem \"bewaffneten Kampf\", wie ihn die RAF aus der \"Illegalit\u00e4t\" f\u00fchrt, sprechen die RZ in aller Regel jegliche Effizienz ab. Die Weiterf\u00fchrung des RZ-Konzepts war dann die Losung \"Bildet viele RZ\". 2.1.1.3.2 Grundlagen, Ziele, Strukturen Die theoretischen Grundlagen der RZ, die ihr ideologisches Selbstverst\u00e4ndnis und ihre Aktionsformen u.a. in ihrer Zeitschrift \"Revolution\u00e4rer Zorn\" vermittelten, unterscheiden sich nur unwesentlich von denen der RAF. Anders als die Kommandoebene der RAF agieren die Kleingruppen der RZ nicht aus dem Untergrund, sondern verlassen ihren normalen Lebensrhythmus nur zur Durchf\u00fchrung von Aktionen (\"Feierabendterrorismus\"). Die schriftliche Begr\u00fcndung der Anschl\u00e4ge in Selbstbezichtigungen, mit denen die angeblichen politischen Zusammenh\u00e4nge der Tat erl\u00e4utert werden, bilden einen unverzichtbaren Bestandteil der RZ-Aktionen. Im allgemeinen besteht die Taktik der RZ darin, mit m\u00f6glichst geringem Einsatz und Risiko m\u00f6glichst gro\u00dfen Sachschaden anzurichten. Dieser schadet nach dem Kalk\u00fcl der RZ den betroffenen Einrichtungen mehr als der Ausfall von F\u00fchrungspersonen. Ihre Attentate haben deshalb - anders als die milit\u00e4rischen Angriffe des Kommandobereichs der RAF - nicht unmittelbar den Mord am Menschen zum Ziel.","28 2. - Politischer Extremismus - Aus dem Gebot der \"Vermittelbarkeit\" ihrer terroristischen Aktionen resultieren die thematischen Ankn\u00fcpfungspunkte der RZ. Sie greifen auch in der breiten \u00d6ffentlichkeit diskutierte Themen, wie Stadtsanierung, Ausbeutung der Dritten Welt, Ausl\u00e4nderund Asylproblematik und Biobzw. Gentechnologie, auf. 2.1.1.3.3 Anschl\u00e4ge in Berlin Origin\u00e4re RZ In Berlin (West) begannen die RZ ihre Anschlagst\u00e4tigkeit am 17. November 1973 mit einem Sprengstoffanschlag auf ein B\u00fcrohaus der Firma ITT-Schaub Lorenz in Berlin-Charlottenburg. Seitdem folgten weitere Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge der RZ zu jeweils aktuellen Themen. In der Nacht zum 16. Januar 1991 detonierten auf der obersten Plattform der Siegess\u00e4ule Teile eines Sprengsatzes. Ein planm\u00e4\u00dfig verlaufener Anschlag h\u00e4tte die Viktoria-Figur (im Volksmund Goldelse) abst\u00fcrzen lassen. RZ-Aktivisten bezeichneten in einer Selbstbezichtigung die Tat als einen Beitrag zur Diskussion \u00fcber die Zusammenh\u00e4nge von Golfkrieg, Patriarchat, Rassismus und Sexismus. In der Nacht zum 12. Juni 1991 z\u00fcndeten zwei Brands\u00e4tze im Reichstagsgeb\u00e4ude. Die RZ begr\u00fcndeten in einer Selbstbezichtigung den Anschlag dahingehend, sie wollten wenige Tage vor der Entscheidung des Bundestages \u00fcber den zuk\u00fcnftigen Regierungssitz eine Entscheidungshilfe geben. Die Verfasser lehnten Berlin als Regierungssitz ab, da damit keine Verbesserung der Lebensbedingungen f\u00fcr die Mehrheit der Berliner verbunden sei. Statt dessen w\u00fcrde die Stadt eine Bonzenmetropole, in der dann Wohnungsmieten nicht mehr zu zahlen seien. Dies habe zur Folge, da\u00df wir, die \u00c4rmeren, in die Betonsilos am Stadtrand ziehen m\u00fc\u00dften. \"Rote Zora\" Die autonome Frauengruppe der RZ \"Rote Zora\", deren Anschl\u00e4ge sich bevorzugt gegen die imperialistische Frauenunterdr\u00fcckung hier und in der Dritten Welt richten, trat in Berlin (West) bisher lediglich einmal, am 18. Oktober 1986, mit einem versuchten Sprengstoffanschlag auf das Institut f\u00fcr gentechnische Forschung Berlin GmbH in Berlin-Zehlendorf","2. - Politischer Extremismus - 29 hervor. Auch im Jahre 1991 gingen von ihr in Berlin erkennbare Aktivit\u00e4ten nicht aus. Resonanz-RZ Parallel zu den Brandund Sprengstoffanschl\u00e4gen der RZ gab es in den letzten Jahren auch in Berlin Anschl\u00e4ge von Resonanzoder Nachahmer-RZ. Seit 1979 waren entsprechend der Forderung der RZ \"Schafft viele revolution\u00e4re Zellen\" im gesamten damaligen Bundesgebiet Gruppierungen entstanden, die nach dem Vorbild der RZ Aktionen durchf\u00fchrten, ihre Tatausf\u00fchrungen jedoch einfacher gestalteten und in Selbstbezichtigungen nicht so argumentativ umfassend erl\u00e4uterten, wie es von den origin\u00e4ren RZ bekannt ist. Im Jahre 1991 waren die folgenden Anschl\u00e4ge in Berlin Resonanz-RZ zuzuordnen: Am 17. Juni 1991 richtete sich ein Brandanschlag in Berlin-Pankow gegen einen Container der Dresdner Bank. Der Anschlag wurde in einer zur\u00fcckgelassenen Selbstbezichtigung mit der Verantwortlichkeit der Dresdner Bank f\u00fcr die Verelendung gro\u00dfer Menschenmassen und der Schuld an der Arbeitslosigkeit von Millionen in der EX-DDR begr\u00fcndet. Am 17. Juli 1991 ver\u00fcbten Unbekannte etwa zeitgleiche Brandanschl\u00e4ge gegen einen \"Kaiser's Verbrauchermarkt\" in Berlin-Prenzlauer Berg und gegen den Neubau einer Filiale derselben Firma auf dem Gel\u00e4nde des ehemaligen Konzentrationslagers Ravensbr\u00fcck bei F\u00fcrstenberg (Brandenburg). In einer mit \"revolution\u00e4re zellen\" unterschriebenen und mit einem RZ-Stern versehenen Erkl\u00e4rung wandten sich die T\u00e4ter gegen den Neubau der Filiale in Ravensbr\u00fcck. In Berlin begingen RZ im Jahre 1991 insgesamt sechs versuchte bzw. vollendete Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge. 2.1.1.3.4 Ausblick Die Aufkl\u00e4rung von Aktionen der RZ stellt die Sicherheitsbeh\u00f6rden vor erhebliche Probleme, weil die den RZ eigene Strategie des \"Feierabendterrorismus\", die organisatorische Struktur selbst\u00e4ndig","30 2. - Politischer Extremismus - operierender Zellen mit jeweils nur wenigen Mitgliedern und die thematische Breite der RZ, die Aktionen gegen eine Vielzahl von Sachobjekten mit angeblicher Symbolfunktion vielen Sympathisanten plausibel macht, eine Eingrenzung des m\u00f6glichen T\u00e4terbereichs au\u00dferordentlich erschwert. Dies erkl\u00e4rte sich auch daraus, da\u00df die Aktivit\u00e4ten der RZ offensichtlich weit mehr positive Resonanz als die der RAF im allgemeinen und unter Autonomen im besonderen finden. Mehr als die terroristischen Aktivit\u00e4ten der RZ ist ihre Vorbildfunktion f\u00fcr \u00e4hnliche Aktionen anderer zur Gewaltaus\u00fcbung bereiter Gruppen und Personen zu f\u00fcrchten. Insbesondere militante Autonome orientieren sich - offenbar h\u00e4ufig - am Handlungsmuster der RZ. Denjenigen, die einen Zusammenschlu\u00df nach dem Muster der RZ bilden wollen, bietet der \"Feierabendterrorismus\" der RZ g\u00fcnstigere Bedingungen als die Ideologie der RAF, die ein Abtauchen in die Illegalit\u00e4t beinhaltet. Gegenw\u00e4rtig ist von mehreren in der Stadt existierenden RZ bzw. ResonanzRZ, die aus aktuellem Anla\u00df jederzeit und an jedem Ort in der Stadt aktiv werden k\u00f6nnen, auszugehen. Mit weiteren RZ-Anschl\u00e4gen, insbesondere zu aktuellen Themen, wie Asylpolitik und zu den sozialen Problemen im Ostteil der Stadt und in den neuen Bundesl\u00e4ndern, ist in naher Zukunft zu rechnen. 2.1.1.4 Autonome 2.1.1.4.1 Vorbemerkung Bei der Vielzahl heterogener, mehr oder weniger konstanter Gruppen und Zusammenschl\u00fcsse, die sich selbst als Autonome bezeichnen, sind die \u00dcberg\u00e4nge zwischen gewaltablehnenden und gewaltbef\u00fcrwortenden Kr\u00e4ften flie\u00dfend. Grunds\u00e4tzlich unterliegen nur diejenigen Autonomen der Beobachtung der Sicherheitsbeh\u00f6rden, die an gewaltt\u00e4tigen Aktionen mit linksextremistischem Hintergrund mitgewirkt oder diese vorbereitet haben, den Einsatz von Gewalt bei diesen Aktionen bef\u00fcrwortet haben oder","2. - Politischer Extremismus - 31 h\u00e4ufige oder enge Kontakte zu Gewaltt\u00e4tern oder Gewaltbef\u00fcrwortern hatten, d.h. insbesondere zu Mitgliedern von Gruppen, die Gewalttaten propagieren, vorbereiten oder durchf\u00fchren. 2.1.1.4.2 Grundlagen, Ziele, Strukturen Bei den Autonomen, die grunds\u00e4tzlich Ideologien und gesellschaftliche Normen ablehnen, d.h. selbstbestimmt leben wollen, handelt es sich um \u00f6rtliche, meist nur lose strukturierte Zusammenschl\u00fcsse oder um Einzelpersonen ohne Gruppenzusammenhang mit diffusen anarchistischen, nihilistischen, bisweilen auch revolution\u00e4r-marxistischen Zielen. Sie bef\u00fcrworten und praktizieren militante Aktionen, wie z.B. \u00f6ffentliche gewaltt\u00e4tige Protestaktionen, Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge, im Kampf gegen die als \"Schweinesystem\" diffamierte politische Ordnung des Grundgesetzes. Dabei bieten u.a. folgende Themen Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr (aktuelle) Aktivit\u00e4ten: Proteste gegen internationale Konferenzen, Staatsbesuche und sonstige Veranstaltungen, deren Teilnehmer in der linksextremistischen Agitation als Tr\u00e4ger imperialistischer Bestrebungen diffamiert werden, Proteste gegen den Bau und Betrieb von Kernenergieanlagen und anderen technischen Gro\u00dfprojekten, Proteste gegen tats\u00e4chlichen oder unterstellten Rechtsextremismus sowie angeblichen Rassismus und Sexismus (sog. Antifaschistischer Kampf), Proteste gegen angebliche deutsche Gro\u00dfmachtpl\u00e4ne (\"Gro\u00dfdeutschland\", \"Europa 92\", Berlin als Hauptstadt/Regierungssitz, \"imperialistische Ausbeutung\" der Dritten Welt), Eroberung und Verteidigung von \"Freir\u00e4umen\" gegen\u00fcber dem \"System\".","32 2. - Politischer Extremismus - Obwohl Autonome von der Grundtendenz her den Aufbau einer (eigenen) Organisation ablehnen, wurde im Laufe des Jahres 1991 deutlich, da\u00df Teile des autonomen Potentials einen gewissen Grad von Organisierung f\u00fcr unverzichtbar halten. Diese beklagten, da\u00df es der autonomen Bewegung aufgrund ihrer Zersplitterung und unzureichender Informationsund Kommunikationsm\u00f6glichkeiten nicht gelungen sei, \u00fcber einzelne Kampagnen hinaus zu gemeinsamem, kontinuierlichem Handein zu gelangen, und sie dadurch an politischer Kraft verloren habe. Zur \u00dcberwindung der Schwierigkeiten wurden Forderungen nach festeren Strukturen bis hin zur Initiierung eines Wahlb\u00fcndnisses anl\u00e4\u00dflich der bevorstehenden Wahlen zu den Bezirksverordnetenversammlungen im Mai 1992 erhoben; die bereits bestehenden Strukturen, zu denen z.B. Info-L\u00e4den und Telefonketten geh\u00f6ren, reichten nicht aus. Die Diskussion wurde insbesondere \u00fcber Beitr\u00e4ge im autonomen Szeneblatt \"INTERIM\" gef\u00fchrt und dauert noch an. Die \u00fcberwiegende Mehrheit der Autonomen sind Jugendliche bzw. j\u00fcngere Erwachsene zwischen 18 und 28 Jahren. Zumeist sind es Sch\u00fcler, Auszubildende, darunter viele, die mit der Lehre oder dem Studium nicht zurechtkommen, Gelegenheitsjobber, Arbeitslose und Sozialhilfeempf\u00e4nger. Viele Autonome wenden sich schon nach wenigen Jahren ern\u00fcchtert von der Szene ab, entt\u00e4uscht \u00fcber das Auseinanderklaffen von Anspruch und Wirklichkeit autonomer Lebensziele. Als besonders frustierend werden die selbstgew\u00e4hlte Ghettosituation und die st\u00e4ndigen ergebnislosen Perspektivdiskussionen empfunden. Die Zahl der Autonomen wird von den Sicherheitsbeh\u00f6rden f\u00fcr die alten Bundesl\u00e4nder auf 2.700 Personen gesch\u00e4tzt; verl\u00e4\u00dfliche Zahlen f\u00fcr die neuen Bundesl\u00e4nder liegen noch nicht vor. Die autonome Szene in Berlin stellt mit inzwischen etwa 1.000 Personen das weitaus gr\u00f6\u00dfte Kontingent innerhalb des deutschen linksextremistisch motivierten Gewaltpotentials dar; der starke Anstieg der Zahl ihrer Angeh\u00f6rigen gegen\u00fcber 1990 beruht auf Zug\u00e4ngen aus dem Ostteil der Stadt, aber zugleich auch auf der erfolgreichen Mobilisierung neuer Anh\u00e4nger. Auch im Jahre 1991 war festzustellen, da\u00df es den Autonomen gelungen ist, insbesondere Angeh\u00f6rige der sog. Alternativszene und anderer subkultureller Kreise Berlins zu aktivieren. So beteiligten sich an der haupts\u00e4chlich von","2. - Politischer Extremismus - 33 Angeh\u00f6rigen der autonomen Szene organisierten sog. Revolution\u00e4ren 1. MaiDemonstration etwa 8.000 Personen. Dar\u00fcber hinaus existieren zahlreiche - \u00fcberwiegend ausl\u00e4ndische - Jugendbanden, die die von den Autonomen ausgehende Militanz aus gegebenem Anla\u00df zum Ausgangspunkt eigener Gewalttaten machen, ohne da\u00df eine linksextremistische Motivation erkennbar wird. 2.1.1.4.3 Aktionsformen und Militanz der Autonomen Die Aktionsformen der Autonomen reichen von Versammlungen und Demonstrationen \u00fcber St\u00f6raktionen, Blockaden und Sachbesch\u00e4digungen bis zu \u00dcberf\u00e4llen auf politische Gegner und terroristischen Anschl\u00e4gen, die sich an das Handlungsmuster der \"Revolution\u00e4ren Zellen\" (RZ) anlehnen. Im Jahre 1991 forderte ein der autonomen Szene zuzurechnender Anschlag ein Menschenleben. Am 12. Juni 1991 wurde der leitende Mitarbeiter der Senatsverwaltung f\u00fcr Bauund Wohnungswesen, Hanno KLEIN, durch die Explosion einer ihm zugesandten Briefbombe in seinem privaten Arbeitszimmer get\u00f6tet. In der Taterkl\u00e4rung rechtfertigen sich die T\u00e4ter, da\u00df das Ableben Kleins zwar nicht dem urspr\u00fcnglichen Anschlagsziel entsprochen habe, n\u00e4mlich ihn als Motor der Umstrukturierung der berliner Innenstadt ... physisch - allerdings nicht t\u00f6dlich - zu verletzen, sein Tod stehe jedoch im realen Verh\u00e4ltnis zur gewaltt\u00e4tigen Dimension des derzeitigen Umstrukturierungsprozesses, dem umfassenden Angriff der HERRschenden auf die proletarischen Bev\u00f6lkerungsschichten, insbesondere Frauen und Immigrantinnen. Das Recht auf physische Unversehrtheit h\u00e4tten die Schweine verspielt, wobei es nicht Ziel des Widerstands sei, soviel wie m\u00f6glich von ihnen k\u00f6rperlich anzugehen. Vielmehr geh\u00f6re dazu eine Vielzahl von Aktionsformen wie der Aufbau einer in den Vierteln fest verankerten proletarischen Widerstandsbewegung. Dieser Anschlag stie\u00df innerhalb der autonomen Szene auf heftige Kritik, da die Liquidierung von Personen nicht zu den Aktionsformen Autonomer geh\u00f6ren k\u00f6nne und die Gef\u00e4hrdung Unbeteiligter bei ihren Aktionen ausgeschlossen werden m\u00fcsse.","34 2. - Politischer Extremismus - Dennoch ist Gewalt gegen Sachen, aber auch gegen Personen, f\u00fcr viele Autonome selbstverst\u00e4ndlich, Militanz geradezu ein Kriterium autonomer Politik. Die angewandten Aktionsformen und der dabei ausge\u00fcbte Grad von Gewalt richten sich nach den eigenen M\u00f6glichkeiten und den jeweils vorgefundenen Gegebenheiten. In diesem Zusammenhang war festzustellen, da\u00df Autonome seit Herbst 1991 bei Ausschreitungen verst\u00e4rkt mit der Taktik agieren, in Kleingruppen zuzuschlagen, sich sofort wieder zur\u00fcckzuziehen, um ein neues Ziel anzugreifen. Teile der autonomen Szene waren auch im Jahre 1991 bereit, auf den Einsatz von Gewalt zu verzichten, wenn ihnen militantes Vorgehen zur Erreichung ihrer Ziele nicht opportun erschien. 2.1.1.4.4 Aktuelle Aktivit\u00e4ten der Autonomen Zu den Aktionsschwerpunkten Berliner Autonomer z\u00e4hlten im Jahre 1991 Aktionen anl\u00e4\u00dflich des Golfkrieges und gegen die angebliche Umstrukturierung Berlins im Zusammenhang mit der Bestimmung als Regierungssitz und der Bewerbung f\u00fcr die Olympischen Spiele im Jahre 2000. Breiten Raum nahmen in der Vielfalt autonomer Bestrebungen auch Antifa-Aktionen gegen tats\u00e4chliche oder vermeintliche Rechtsextremisten sowie Aktivit\u00e4ten zu den Themenkomplexen Asylbewerber/Ausl\u00e4nderfeindlichkeit (vgl. Sonderthema: Polarisierung und m\u00f6gliche Eskalation der Gewalt zwischen Rechtsund Linksextremisten in Berlin) ein. Bei vielen dieser Unternehmungen konnte eine Kooperation zwischen Autonomen und Angeh\u00f6rigen des RAF-Umfeldes festgestellt werden. Auch im Jahre 1991 ging die Mehrzahl aller Anschl\u00e4ge - zumeist Brandanschl\u00e4ge mit einfachen, aber wirksamen Mitteln - auf das Konto der Autonomen. Soweit sie Taterkl\u00e4rungen abgaben, traten sie u.a. unter Namen wie \"Autonome Gruppe\", \"Autonome Zelle\", \"Antifaschistische Gruppe\", \"antirassistische gruppe\", \"Kreuzberg dufter Haufen\", \"Thomas M\u00fcnzer's wilder Haufen\", \"BooMTOWN RATS\" und \"Die schwarze Pest\" auf.","2. - Politischer Extremismus - 35 Aktionen gegen den Golfkrieg Autonome nutzten die zahlreichen Protestaktionen diverser gesellschaftlicher Gruppen und Organisationen im Zusammenhang mit der Krise und dem im Januar begonnenen Krieg am Persischen Golf, um eigene - militante - Aktionen durchzuf\u00fchren. So begingen sie aus friedlichen Aufz\u00fcgen heraus Sachbesch\u00e4digungen und initiierten z.T. schwere Krawalle. Hierbei griffen sie auch massiv friedliche Demonstranten an, die sich ihnen zur Verhinderung von Gewalttaten in den Weg gestellt hatten. Dar\u00fcber hinaus ver\u00fcbten sie mehrere Brandanschl\u00e4ge gegen Nutznie\u00dfer und Kriegsgewinnler, wie Banken und Mineral\u00f6lkonzerne. In den Taterkl\u00e4rungen behaupteten sie u.a., die USA und ihre westlichen Verb\u00fcndeten h\u00e4tten das Ziel, der sogenannten 3. Welt ein f\u00fcr alle Mal ihr Diktat aufzuzwingen und eine Neuaufteilung der Welt zur Verfestigung und Absicherung der \u00f6konomischen Interessen der westlichen Industriestaaten gegen\u00fcber den L\u00e4ndern des Trikonts vorzunehmen, und benutzten u.a. folgende Parolen DEUTSCHE WAFFEN DEUTSCHES GELD MORDEN MIT IN ALLER WELT und Kein Blut f\u00fcr \u00d6lmultis. Aktivit\u00e4ten gegen die angebliche Umstrukturierung Berlins Autonome haben die 1990 gef\u00fchrte Kampagne gegen die Vereinigung Deutschlands im Jahre 1991 unter dem Thema Umstrukturierung fortgesetzt. Ankn\u00fcpfungspunkte hierf\u00fcr waren die vereinigungsbedingten Ver\u00e4nderungen in nahezu allen Lebensbereichen und die daraus resultierenden sozialen Spannungen, von denen Berlin in besonderem Ma\u00dfe betroffen ist. Ihre Aktivit\u00e4ten richteten sich insbesondere gegen die Bestimmung Berlins zum Regierungssitz, die Bewerbung Berlins um die Austragung der Olympischen Spiele im Jahre 2000,","36 2. - Politischer Extremismus - die Verdr\u00e4ngung \u00e4rmerer Schichten an den Stadtrand durch Mietsteigerungen f\u00fcr Wohnund Gewerber\u00e4ume und Gro\u00dfprojekte im Rahmen der Stadtplanung, das verst\u00e4rkte Ausrichten von Tagungen und Kongressen nationaler und internationaler Gremien in Berlin, wie das 1. Treffen des Rates der Au\u00dfenminister der Teilnehmerstaaten der KSZE am 19./20. Juni sowie die Konferenz europ\u00e4ischer Innenund Justizminister \u00fcber Fragen der illegalen Zuwanderung aus und \u00fcber Mittelund Osteuropa am 30./31. Oktober. In diesem Zusammenhang initiierten, organisierten und unterst\u00fctzten Autonome diverse - z.T. gewaltsam verlaufene - Veranstaltungen und Demonstrationen. Herausragendes Ereignis war neben zahlreichen Sachsch\u00e4den durch Steinw\u00fcrfe oder Brandanschl\u00e4ge das t\u00f6dliche Attentat auf den leitenden Mitarbeiter der Senatsverwaltung f\u00fcr Bauund Wohnungswesen, Hanno KLEIN. 2.1.1.4.5 Ausblick Den Aktivisten der etwa 1.000 Personen umfassenden autonomen Szene Berlins ist es auch im Jahre 1991 nicht gelungen, \u00fcber (spontane) Aktivit\u00e4ten zu aktuellen politischen Ereignissen (\"Teilbereichsk\u00e4mpfe\") hinaus zu einheitlichem, kontinuierlichem Handeln zu gelangen. Neben der Arbeit in den \"Teilbereichen\" haben jedoch die Themen \"Umstrukturierung\" und \"Antifaschistischer Kampf\" das Interesse weiter Teile der autonomen Szene geweckt, da sie sich hierdurch pers\u00f6nlich betroffen f\u00fchlen. Diese Betroffenheit k\u00f6nnte neben militanten Aktionen zu den genannten Themen dazu f\u00fchren, da\u00df Autonome ihre bereits bestehenden Strukturen, wie z.B. Info-L\u00e4den und Telefonketten, noch weiter ausbauen und so der von Teilen geforderten effektiveren Organisierung n\u00e4herkommen. Hierdurch w\u00e4re die autonome Szene wirkungsvoller mobilisierbar; eine weitere Zunahme von Gewalttaten w\u00e4re die Folge. Dar\u00fcber hinaus bieten auch 1992 aktuelle Ereignisse und Entwicklungen, wie das politische und wirtschaftliche Zusammenwachsen Europas, Anl\u00e4sse f\u00fcr militante Handlungen, auch \u00fcber die Stadtgrenze hinaus.","2. - Politischer Extremismus - 37 Die Tatsache, da\u00df Teile der Autonomen vereinzelt aus taktischen \u00dcberlegungen auf die Anwendung von Gewalt verzichten, bleibt davon unber\u00fchrt. 2.1.2 Dogmatische \"Neue Linke\" 2.1.2.1 Vorbemerkung Neben den gewaltorientierten linksextremistisch motivierten Gruppen versuchen auch andere linksextremistische Organisationen und Zusammenschl\u00fcsse, die freiheitliche demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland auf revolution\u00e4rem Weg zu beseitigen. Dazu z\u00e4hlen au\u00dfer einer Reihe relativ unbedeutender anarchistischer Zirkel und Zusammenschl\u00fcsse (ca. 100 Anh\u00e4nger), die eine \"herrschaftsfreie Gesellschaft\" anstreben, insbesondere marxistisch-leninistische B\u00fcnde und Parteien sowie trotzkistische Gruppierungen. Diesen \u00fcberwiegend aus der Studentenbewegung der sechziger Jahre entstandenen Organisationen ist gemeinsam, da\u00df sie den Klassenkampf und die proletarische Revolution propagieren und eine kommunistische Diktatur errichten wollen. Dabei sind sie auch bereit, Gewalt zur Durchsetzung dieses politischen Ziels anzuwenden, sobald die Situation dies ihrer Meinung nach zul\u00e4\u00dft. 2.1.2.2 Revolution\u00e4r-marxistische Gruppen In Berlin sind mehr als zehn dieser, fr\u00fcher im allgemeinen Sprachgebrauch als \"K-Gruppen\" bezeichneten Organisationen, die \u00fcberwiegend auch bundesweit aktiv t\u00e4tig sind, mit unterschiedlichen Aktivit\u00e4ten und Mitgliederst\u00e4rken (insgesamt unter 500 Angeh\u00f6rige) vertreten. 2.1.2.2.1 \"Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD\" (AB) Beim schwerpunktm\u00e4\u00dfig in Bayern vertretenen AB deutet sich eine endg\u00fcltige Spaltung an. Auseinandersetzungen \u00fcber die k\u00fcnftige revolution\u00e4re Strategie und Taktik f\u00fchrten zur Bildung einer Mehrheitsund Minderheitsfraktion. Seinen j\u00fcngeren","38 2. - Politischer Extremismus - Mitgliedern hat der AB empfohlen, der \"Freien Deutschen Jugend\" (fdj) beizutreten. Zur Begr\u00fcndung hie\u00df es, die - vom AB gesteuerten - \"Initiativen zur Vereinigung der revolution\u00e4ren Jugend\" (IVRJ) sowie die \"Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend\" (SDAJ) und die \"Freie Deutsche Jugend\" (fdj) m\u00fc\u00dften die G\u00e4ngelung der Arbeiterjugend durch den deutschen Imperialismus durchbrechen und f\u00fcr die Aufhebung des FDJ-Verbots von 1951 k\u00e4mpfen. Eine Fraktion im AB arbeitet als \"Mitgliedsorganisation\" im Zusammenschlu\u00df \"St\u00e4ndiger Rat Marxistischer Parteien\" (SRMP) mit. In Berlin-Friedrichshain veranstaltete der AB am 2./3. Februar 1991 ein Teilnehmer-Treffen der Veranstaltungsreihe \"Anachronistischer Zug 1990\"; vom 7. M\u00e4rz bis zum 13. April 1991 f\u00fchrte die Organisation im Innenhof der Humboldt-Universit\u00e4t eine Ausstellung mit der Bezeichnung \"Anachronistischer Zug - Brecht statt Deutschland \u00fcber alles\" durch. 2.1.2.2.2 \"Bund Westdeutscher Kommunisten\" (BWK) Der BWK, 1980 aus einer Spaltung des damaligen \"Kommunistischen Bundes Westdeutschland\" (KBW) hervorgegangen, propagiert weiterhin die \"proletarische Revolution in der BRD und Westberlin\". Erkl\u00e4rterma\u00dfen verzichtet der BWK auf eine Ausdehnung auf die neuen Bundesl\u00e4nder; einen entsprechenden Beschlu\u00df fa\u00dften die Teilnehmer der 11. ordentlichen BWKBundesdelegiertenkonferenz am 9./10. M\u00e4rz 1991 in K\u00f6ln. Begr\u00fcndend hie\u00df es, eine solche Ausdehnung k\u00f6nne zur Spaltung der PDS f\u00fchren; die ehemaligen DDR-B\u00fcrger h\u00e4tten jedoch Anspruch auf eigene Organisationsformen. Daher d\u00fcrfte der BWK-Landesverband in Berlin nur in Abstimmung mit der PDS t\u00e4tig werden. Da der BWK unterstreicht, da\u00df kommunistische Politik heute im B\u00fcndnis von Organisationen, Vereinigungen etc. betrieben werden mu\u00df und nicht mehr in einer einheitlichen Partei betrieben werden kann, beteiligt er sich als beobachtende Organisation an den Zusammenk\u00fcnften des Zusammenschlusses \"St\u00e4ndiger Rat Marxistischer Parteien\" (SRMP). Wegen der geringen Mitgliederzahl (bundesweit nicht mehr als 300, in Berlin unter 20 Personen) beschr\u00e4nkt sich der BWK \u00fcberwiegend auf publizistische Aktivit\u00e4ten.","2. - Politischer Extremismus - 39 \u00dcber seine Medienfirma \"Gesellschaft f\u00fcr Nachrichtenerfassung und Nachrichtenverbreitung, Verlagsgesellschaft Politische Berichte m.b.H.\" (GNN) stellt der BWK seit Jahren publizistische Serviceleistungen f\u00fcr Linksextremisten zur Verf\u00fcgung. Zu den Nutzern geh\u00f6ren u.a. die \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) - \"Kurdistan-Rundbrief\" - und das RAFUmfeld - \"Angeh\u00f6rigen Info\" -. Neuerdings l\u00e4\u00dft auch die PDS ihr \"Kommunalpolitisches Forum\" bei der GNN drucken. 2.1.2.2.3 \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD) Die KPD, die sich als die einzige Verfechterin eines unverf\u00e4lschten MarxismusLeninismus und somit als legitime Nachfolgerin der 1933 verbotenen KPD Ernst TH\u00c4LMANNs verstanden hatte, besteht faktisch nicht mehr. Nach wie vor gibt es drei Gruppierungen, die die 1986 vollzogene Fusion mit der trotzkistischen \"Gruppe Internationale Marxisten\" (GIM) zur \"Vereinigten Sozialistischen Partei\" (VSP) nicht akzeptiert haben. Diese Gruppen mit Sitz in Berlin, Gelsenkirchen bzw. Stuttgart haben bundesweit unter 100 Anh\u00e4nger; in Berlin verf\u00fcgen sie \u00fcber kaum mehr als insgesamt etwa 30 Angeh\u00f6rige. Neben der monatlichen Herausgabe jeweils eigener Zentralorgane (\"Roter Morgen\", \"Roter Blitz\") entfalten sie keine nennenswerten Aktivit\u00e4ten. Die KPD mit Sitz in Gelsenkirchen geh\u00f6rt als Mitgliedsorganisation dem Zusammenschlu\u00df \"St\u00e4ndiger Rat Marxistischer Parteien\" (SRMP) an. 2.1.2.2.4 \"Kommunistischer Bund\" (KB) Der 1971 in Hamburg gegr\u00fcndete KB konnte seine Zerstrittenheit um die Aufgaben revolution\u00e4rer Marxisten im vereinigten Deutschland nicht \u00fcberwinden. Auf seinem 4. Kongre\u00df am 20. April 1991 in Hamburg beschlossen die etwa 180 Mitglieder einer sich unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcberstehenden Mehrheitsund Minderheitsfraktion die Aufl\u00f6sung des KB. Der KB, zuletzt noch etwa 350 Mitglieder, war beweglicher als die meisten anderen revolution\u00e4r-marxistischen Gruppen und vermochte sich immer wieder in gesellschaftliche Protestbewegungen einzuschalten. KB-Anh\u00e4nger","40 2. - Politischer Extremismus - hatten zeitweilig erheblichen Einflu\u00df in der Anti-Kernkraft-Bewegung, in Teilen der \"Friedensbewegung\" und in mehreren Landesverb\u00e4nden der \"GR\u00dcNEN\". \u00dcber diese Partei waren einzelne aktive oder ehemalige KB-Mitglieder seit 1983 st\u00e4ndig im Deutschen Bundestag bzw. in Landtagen vertreten. Das bisherige KB-Organ \"ak-Arbeiterkampf\" wird mit einer Redaktion aus Vertretern beider Str\u00f6mungen mit dem Titel \"ak\" weiterhin vierw\u00f6chentlich herausgegeben. Die Zeitung \"ak\" hat eine Auflage von \u00fcber 4.000 und ver\u00f6ffentlicht Beitr\u00e4ge aus dem gesamten Spektrum des Linksextremismus. Sie hat damit Bedeutung \u00fcber die Ex-KB-Zusammenh\u00e4nge hinaus. 2.1.2.2.5 \"Gruppe K\" Eine Minderheitsfraktion des am 20. April 1991 aufgel\u00f6sten \"Kommunistischen Bundes\" (KB) hat sich am 7. Juli 1991 in Dortmund neu formiert und die \"Gruppe K\" gegr\u00fcndet. Die etwa 80 Mitglieder z\u00e4hlende Gruppe hat ihren Sitz in Hamburg und ist derzeit in 12 St\u00e4dten - u.a. in Berlin - vertreten. In Berlin hat die \"Gruppe K\" bisher noch keine nennenswerten Aktivit\u00e4ten entwickelt. Sie begreift sich als Zusammenhang im \u00dcbergang zugunsten eines organisatorischen Neuansatzes f\u00fcr kommunistische Politik. 2.1.2.2.6 \"Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands\" (MLPD) Die 1982 gegr\u00fcndete MLPD ist jetzt bundesweit mit 1.500 Mitgliedern die st\u00e4rkste Organisation innerhalb der revolution\u00e4r-marxistischen Bewegung. In einem selbstkritischen Proze\u00df revidierte die MLPD ihren bisherigen Standpunkt zur nationalen Frage, wonach die Vereinigung als reaktion\u00e4rer Vorgang gewertet wurde und behauptet seit Juni 1991, die deutsche Vereinigung sei haupts\u00e4chlich fortschrittlich. Noch in einer Erkl\u00e4rung des Zentralkomitees der MLPD (ZK) vom Januar 1990 hatte es gehei\u00dfen: Wer unter der Herrschaft des Imperialismus die \"deutsche Einheit\" verwirklichen will, der macht sich - ob er will oder nicht - zum Handlanger des deutschen Monopolkapitalismus. Derzeit ber\u00e4t die MLPD ein Kampfprogramm f\u00fcr die Arbeitereinheit in Ost und West und propagiert den gesamtnationalen Parteiaufbau. In diesem Zusammenhang bildete sie eine \"Zentrale Aufbaugruppe Ost\" (ZAG-Ost) und","2. - Politischer Extremismus - 41 forderte Lehrer und Besch\u00e4ftigte gro\u00dfer Firmen unter ihren Mitgliedern auf, sich in die neuen Bundesl\u00e4nder versetzen zu lassen. So wurde auch der MLPD-Bezirk Berlin-Brandenburg inzwischen durch Wohnsitzwechsel von Funktionstr\u00e4gern u.a. mit einem ZK-Mitglied als Vertreter des ZK in Berlin verst\u00e4rkt. Dar\u00fcber hinaus sollen nach Gespr\u00e4chsrunden in Leipzig, Eisenh\u00fcttenstadt und im Ostteil Berlins bereits erste neue St\u00fctzpunkte gegr\u00fcndet worden sein. In Berlin-Neuk\u00f6lln er\u00f6ffnete der MLPD-eigene Verlag \"neuer weg\" eine Au\u00dfenstelle. Neben zahlreichen Veranstaltungen mit bis zu 120 Teilnehmern f\u00fchrte die MLPD in Berlin auch Agit-Prop-Eins\u00e4tze mit dem Verkauf der \"Roten Fahne\" vor Gro\u00dfbetrieben und vor einem Kaufhaus in Berlin-Neuk\u00f6lln durch. Zur Straffung ihrer Organisation hat die MLPD auf ihrem IV. Parteitag im Dezember 1991 die Vereinigung ihrer Jugendverb\u00e4nde \"ARBEITERJUGENDVERBAND/Marxisten-Leninisten\" (AJV/M-L) und \"Marxistisch-Leninistischer Sch\u00fclerund Studentenverband\" (MLSV) sowie die Aufl\u00f6sung ihrer Nebenorganisation \"Marxistisch-Leninistischer Bund Intellektueller\" (MLBI) beschlossen. Die MLBI-Mitglieder sollen von der MLPD \u00fcbernommen werden. Die Spendenfreudigkeit der MLPD-Mitglieder scheint weiterhin ungebrochen. Nach einem Aufruf zu einer Spendenkampagne 1 Million f\u00fcr den Aufbau der Partei in den f\u00fcnf neuen Bundesl\u00e4ndern mit Startschu\u00df am 31. Dezember 1991 sollen bereits bei den parteiinternen Silvesterfeiern \u00fcber 32.000,DM (davon in Berlin etwa 1.300,DM) gespendet worden sein. 2.1.2.2.7 \"Marxistische Gruppe\" (MG) Die zu Beginn der siebziger Jahre in Bayern entstandene MG hat - v\u00f6llig \u00fcberraschend - am 20. Mai 1991 ihre Selbstaufl\u00f6sung erkl\u00e4rt. Die bundesweit mitgliederst\u00e4rkste Organisation unter den revolution\u00e4rmarxistischen Zusammenschl\u00fcssen mit zuletzt bis zu 10.000 fest in die Gruppe eingebundenen Anh\u00e4ngern begr\u00fcndete ihre Aufl\u00f6sung mit angeblicher Verfolgung durch den Rechtsstaat: Die Angriffe des demokratischen Staates und seiner Sicherheitsbeh\u00f6rden auf unsere","42 2. - Politischer Extremismus - Organisation und auf die berufliche Existenz der Bef\u00fcrworter unserer Sache n\u00f6tigen uns dazu, die Marxistische Gruppe aufzul\u00f6sen. Die Erkl\u00e4rung vom 20. Mai 1991, ver\u00f6ffentlicht in der letzten Ausgabe der MGPublikation \"MSZ - Marxistische Streitund Zeitschrift\", l\u00e4\u00dft erkennen, da\u00df mit der Aufl\u00f6sung der MG kein Abr\u00fccken von ihren verfassungsfeindlichen Zielen verbunden ist: Nein, wir nehmen nichts zur\u00fcck von der kommunistischen Kritik, die wir verbreitet und immer vertreten haben ... Wir geben nicht auf, weii wir wegen mangelnder Nachfrage nach kommunistischer Kritik an unseren Ansichten Zweifel bekommen h\u00e4tten. Wir geben auch nicht auf, weil die Welt den Kommunismus f\u00fcr tot erkl\u00e4rt. Wir l\u00f6sen uns auf, weil uns der freiheitliche demokratische Rechtsstaat mit seinem Verfolgungswahn keine Wahl l\u00e4\u00dft. Und der staatlichen Fahndung M\u00e4rtyrer anzubieten, ist uns zu bl\u00f6d. Gegenw\u00e4rtig spricht vieles daf\u00fcr, da\u00df es sich bei der Aufl\u00f6sung tats\u00e4chlich um eine strategische Umgruppierung zum Schutze der Mitglieder und zur Desorientierung der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden handelt. Nahezu \u00fcberall, wo die MG zuvor aktiv war, sind weiterhin konspirative Bestrebungen erkennbar, den Zusammenhalt des Organisationskerns zu erhalten. 2.1.2.2.8 \"Revolution\u00e4re Kommunisten (BRD)\" (RK) Die stalinistisch gepr\u00e4gte Gruppe \"Revolution\u00e4re Kommunisten (BRD)\" (RK) f\u00fchrte bis Ende 1990 die Bezeichnung \"Sympathisanten der Revolution\u00e4ren Kommunisten (BRD)\". Sie wird von deutschen und ausl\u00e4ndischen - zumeist jugendlichen - Anh\u00e4ngern der 1984 entstandenen \"Revolutionary Internationalist Movement\" (RIM) mit Sitz in London getragen. Die RIM vereint als Dachverband derzeit 19 maoistische Parteien und Zusammenschl\u00fcsse aus verschiedenen L\u00e4ndern, darunter die auch in Deutschland t\u00e4tige \"T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L) sowie die durch ihre Gewalttaten gef\u00fcrchtete \"Kommunistische Partei Perus\" (PCP), besser bekannt unter der Bezeichnung \"Sendero Luminoso\" (Leuchtender Pfad). Besonders die PCP wird in RK-Flugschriften als beispielhaft f\u00fcr den \"revolution\u00e4ren Kampf\" verherrlicht. Die haupts\u00e4chlich in Berlin aktive Gruppierung, die hier ihre Anh\u00e4ngerschaft seit 1989 von etwa 15 auf bis zu ca. 100 Personen steigern konnte, ruft dazu","2. - Politischer Extremismus - 43 auf, eine revolution\u00e4re Jugendorganisation aufzubauen, die die revolution\u00e4ren Jugendlichen aller Nationalit\u00e4ten vereint. Bei Demonstrationen, an denen die RK-Anh\u00e4nger als geschlossener Block teilnehmen, praktizieren ihre Aktivisten exzessive Gewaltformen, die selbst bei Autonomen punktuell auf Ablehnung sto\u00dfen. 2.1.2.2.9 \"Rote Garde Berlin\" (RG) Von der Ende 1988 gegr\u00fcndeten RG gingen im Jahre 1991 keine nennenswerten Aktivit\u00e4ten aus. Innerorganisatorische F\u00fchrungsk\u00e4mpfe l\u00e4hmten die Organisation. Ihre Publikation \"Rebell\", die viertelj\u00e4hrlich erscheinen soll, wurde im Jahre 1991 lediglich zweimal herausgegeben. 2.1.2.2.10 \"Rote Hilfe e.V.\" (RH) Die seit mehr als 15 Jahren bestehende \"Rote Hilfe\" versteht sich als Schutzorganisation f\u00fcr die gesamte Linke und setzt sich f\u00fcr die Betreuung von \"politischen H\u00e4ftlingen\" ein. Die in Ortsgruppen gegliederte RH hat bundesweit etwa 700, in Berlin etwa 100 Mitglieder, die teilweise auch in anderen revolution\u00e4r-marxistischen Gruppen organisiert sind. In der viertelj\u00e4hrlich mit etwa 2.000 Exemplaren erscheinenden \u00fcberregionalen Publikation \"Die Rote Hilfe\" wird \u00fcber Prozesse und Ermittlungen berichtet. Die \"Rote Hilfe Berlin\" gibt zus\u00e4tzlich monatlich ein \"Rote Hilfe Info\" als Informationsblatt mit Proze\u00dfterminen, Berichten \u00fcber Prozesse und Informationen \u00fcber \"Repressionsma\u00dfnahmen\" heraus. Aktivit\u00e4ten, die \u00fcber den Kreis der RH selbst hinaus wirken k\u00f6nnen, sind kaum erkennbar. 2.1.2.2.11 \"Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg\" (Volkfront) Die Ende 1979 gegr\u00fcndete Volksfront - mit derzeit etwa 400 Mitgliedern, davon unter 20 in Berlin - versteht sich als antifaschistische Mitgliederund B\u00fcndnisorganisation. Zu der derzeitigen Mitgliedschaft z\u00e4hlt ein hoher Anteil","44 2. - Politischer Extremismus - von Angeh\u00f6rigen des \"Bundes Westdeutscher Kommunisten\" (BWK), die in den F\u00fchrungsgremien der \"Volksfront\" dominant vertreten sind. In ihrem \"antifaschistischen Kampf\" setzt die Volksfront vor allem auf die Wirkung ihrer Publikationen. So erscheint 14t\u00e4glich \u00fcberregional die Zeitung \"Antifaschistische Nachrichten\", viertelj\u00e4hrlich das Mitteilungsblatt \"Volksecho\" und das monatlich vom Berliner Volksfront-Landesverband herausgegebene \"frontblatt - zeitung gegen reaktion, faschismus und krieg\". Den Schwerpunkt in der politischen Aktion bildet ihre B\u00fcndnispolitik. Von der Berliner Volksfront gehen zur Zeit kaum Aktivit\u00e4ten aus. im Jahre 1991 wurden lediglich vereinzelt Flugschriften herausgegeben. Au\u00dferdem nahmen ihre Mitglieder an Demonstrationen und organisations\u00fcbergreifenden Treffen teil. Von autonomen \"Antifa-Gruppen\" werden die Volksfront-Mitglieder in Berlin inzwischen als Schreibtischpropagandisten und antifaschistische F\u00fchrungsclique abqualifiziert. 2.1.2.2.12 \"Vereinigte Sozialistische Partei\" (VSP) Bei der 1986 als Zusammenschlu\u00df der Mehrheitsfraktionen der \"Kommunistischen Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten\" (KPD) und der \"Gruppe Internationale Marxisten\" (GIM), seinerzeitge deutsche Sektion des internationalen trotzkistischen Dachverbandes \"IV. Internationale (Vereinigtes Sekretariat)\", gegr\u00fcndeten VSP deuten sich Spaltungserscheinungen an. Die etwa 300 Mitglieder (davon ca. 150 Trotzkisten) haben sich in ein revolution\u00e4r-marxistisches sowie in ein trotzkistisches Lager gespalten. Eine \"trotzkistische Plattform in der VSP\" tritt inzwischen f\u00fcr eine Neugr\u00fcndung einer gesamtdeutschen Sektion der \"IV. Internationale\" ein. Die VSP ist in Berlin nur im Westteil mit einer Ortsgruppe (OG) vertreten, der unter 20 Mitglieder angeh\u00f6ren. Eine 1990 begonnene bundesweite Spendenkampagne zur Sicherung der bisherigen Erscheinungsweise des 14t\u00e4gig erscheinenden Organs der VSP - \"SoZ - Sozialistische Zeitung\" - mit dem Spendenziel von 90.000,-DM wurde im April 1991 mit erreichten ca. 63.000,-DM deutlich unterschritten. Mitte Mai wurde zu einer neuen Spendenkampagne aufgerufen, die bis Dezember 1991 etwa 39.000,DM erbrachte.","2. - Politischer Extremismus - 45 2.1.2.3 Trotzkistische Parteien und Gruppen Der Trotzkismus, dessen Anh\u00e4nger, eine \"linke Minderheit\" in der kommunistischen Bewegung, sich selbst als \"revolution\u00e4re Kommunisten\" bezeichnen, hat seinen Ursprung in der von Leo TROTZKI am 3. September 1938 in Perigny bei Paris gegr\u00fcndeten \"IV. Internationale\" und dem dort von ihm vorgelegten \"\u00dcbergangsprogramm: Der Todeskampf des Kapitalismus und die Aufgaben der Vierten Internationale\". Darin fa\u00dfte TROTZKI f\u00fcr ihn richtungsweisende Grunds\u00e4tze zusammen und formulierte ein Ablaufmuster zur \"Mobilisierung der Massen\". In ihrem Statut proklamierte die \"IV. Internationale\" das Ziel der proletarischen Revolution im Weltma\u00dfstab zur Errichtung einer r\u00e4tedemokratischen Ordnung: Die Kommunistische Internationale setzt sich zum Ziel den bewaffneten Kampf f\u00fcr den Sturz der internationalen Bourgeoisie und die Schaffung der internationalen R\u00e4terepublik als ersten Schritt auf dem Wege zur v\u00f6lligen Abschaffung jeglicher Regierungsherrschaft. Die Kommunistische Internationale h\u00e4lt die Diktatur des Proletariats f\u00fcr das einzige verf\u00fcgbare Mittel, um die Menschheit dem Schrecken des Kapitalismus zu entrei\u00dfen. Und die Kommunistische Internationale h\u00e4lt die R\u00e4teherrschaft f\u00fcr die von der Geschichte gebotene Form der Diktatur des Proletariats. Sowohl das \"\u00dcbergangsprogramm\" als auch die seinerzeit benannten Ziele bilden bis heute f\u00fcr Trotzkisten die ideologische Grundlage ihres Verst\u00e4ndnisses von Sozialismus. Zentrale Werte der trotzkistischen Lehre sind die Theorie der \"permanenten Revolution\" (bruchlose Entwicklung von der demokratischen zu einer sozialistischen Umw\u00e4lzung) sowie das auf \"R\u00e4ten\" gegr\u00fcndete Demokratiemodell (Arbeiterselbstverwaltungsmodell zur Kontrolle der Produktions-, Arbeitsund Lebensbedingungen). Ebenfalls charakteristisch f\u00fcr das trotzkistische Vokabular ist der Begriff \"Entrismus\". Darunter verstehen Trotzkisten die konspirative Infiltration von Parteien und Massenorganisationen, wobei die trotzkistischen Unterwanderer nach au\u00dfen Loyalit\u00e4t und Einverst\u00e4ndnis mit den Zielen und Aufgaben der jeweiligen Organisation vorgeben. Ziel ist es, diese von innen auszuh\u00f6hlen, zu desorganisieren und einzelne Mitglieder f\u00fcr den Trotzkismus zu gewinnen. TROTZKIs \"IV. Internationale\" konnte bisher keine gro\u00dfe politische Bedeutung gewinnen. Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten \u00fcber taktische und","46 2. - Politischer Extremismus - organisatorische Fragen spaltete sie sich im Dezember 1953 in ein \"Internationales Komitee\" und ein \"Internationales Sekretariat\". Daraus entwickelten sich - nach vergeblichen Einigungsversuchen - viele unterschiedliche rivalisierende Gruppen, die in internationalen Dachverb\u00e4nden organisiert sind, von denen jeder beansprucht, der einzige legitime Nachfolger TROTZKIs \"IV. Internationale\" zu sein. Angesichts seiner Zersplitterung und seiner geringen Anh\u00e4ngerzahl - bundesweit etwa 800 Personen in etwa einem Dutzend Parteien, Gruppen und Zirkeln organisiert - stellt der organisierte deutsche Trotzkismus zur Zeit keine ernsthafte Gefahr f\u00fcr die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung dar. Gleichwohl gelingt es Trotzkisten mitunter, Diskussionen und Aktivit\u00e4ten innerhalb der extremistischen Bewegung zu beeinflussen sowie durch besonderen Einsatz und \"entristisches\" Vorgehen auch auf Teile der demokratischen Arbeiterbewegung und auf Kampagnen einzuwirken. Nach dem Zusammenbruch der DDR und den Ereignissen in Osteuropa - besonders infolge des Zerfalls der Sowjetunion - f\u00fchlten sich auch die Berliner Trotzkisten in ihrer kategorischen Ablehnung des Stalinismus ideologisch best\u00e4tigt. Allerdings wurden ihre Hoffnungen auf eine andere sozialistische Entwicklung in den neuen Bundesl\u00e4ndern und in Berlin im Jahre 1991 alsbald entt\u00e4uscht. Vereinzelt mu\u00dften sie sogar neu eingerichtete St\u00fctzpunkte wieder aufgeben. In Berlin sind derzeit acht, insgesamt \u00fcber etwa 200 Mitglieder verf\u00fcgende, trotzkistische Parteien und Gruppen, die als deutsche Sektionen der internationalen Dachverb\u00e4nde auftreten, aktiv. 2.1.2.3.1 \"Bund Sozialistischer Arbeiter\" (BSA) Der 1972 gegr\u00fcndete BSA ist die deutsche Sektion des \"Internationalen Komitees der Vierten Internationale\" (IKVI), eines internationalen Dachverbandes mit Sitz in London. \u00dcberregional gibt er die Wochenzeitung \"Neue Arbeiterpresse\" heraus. Der BSA verf\u00fcgt bundesweit \u00fcber etwa 100 Mitglieder; in Berlin besteht er aus einer Funktion\u00e4rsgruppe.","2. - Politischer Extremismus - 47 Neben monatlichen Diskussionsveranstaltungen, sog. Neue ArbeiterpresseTreffs im Ostteil Berlins, f\u00fchrte der BSA am 11. Oktober 1991 in Berlin eine Veranstaltung unter dem Motto \"Verhindert den Einsatz deutscher Truppen in Jugoslawien\" durch. Diese Veranstaltung war Teil einer weltweiten Kampagne, mit der das IKVI f\u00fcr eine \"Internationale Arbeiterkonferenz gegen imperialistischen Krieg und Kolonialismus\" am 16./17. November 1991 in Berlin mobilisierte. Zur Finanzierung der Konferenz organisierte der BSA eine Spendenkampagne, die \u00fcber 20.000,DM erbracht haben soll. An der Konferenz am 16./17. November 1991 in Berlin nahmen mehr als 200 Delegierte der einzelnen nationalen Sektionen des IKVI teil. Das IKVI und der BSA werteten die \"Internationale Konferenz\" als Erfolg und Beweis f\u00fcr den Aufw\u00e4rtstrend der \"Vierten Internationale\". 2.1.2.3.2 \"Gruppe Revolution\u00e4re Sozialistinnen\" (GRS) Die GRS wurde Ende 1989 nach der Mauer\u00f6ffnung von Mitgliedern des internationalen trotzkistischen Dachverbandes \"IV. Internationale (Vereinigtes Sekretariat)\" (VS) exklusiv f\u00fcr die Arbeit in der damaligen DDR gegr\u00fcndet. Seit der deutschen Vereinigung arbeitet die 30k\u00f6pfige Gruppe mit Mitgliedern der trotzkistischen Plattform in der \"Vereinigten Sozialistischen Partei\" (VSP) zusammen. Erstmals im November 1990 gab die GRS das Monatsblatt \"Avanti - Zeitung der Gruppe Revolution\u00e4re Sozialistinnen/Vierte Internationale\" heraus. Die Zeitung, die sich bis September 1991 nur an die Leser in den neuen Bundesl\u00e4ndern richtete, wird seit Oktober 1991 bundesweit verbreitet. Inzwischen verf\u00fcgt die GRS bundesweit \u00fcber zahlreiche Kontaktadressen. Im Jahre 1991 beteiligte sich die \"GRS Berlin\" an Veranstaltungen anderer Linksextremisten und f\u00fchrte am 23. November 1991 ein Seminar zum Thema \"Rassismus\" durch. Au\u00dferdem organisierte sie zusammen mit VSPMitgliedern ein Seminar vom 6. bis 8. Dezember 1991 in der HumboldtUniversit\u00e4t zum Thema \"Zukunft der Sowjetunion\". Die Gruppe arbeitet als \"beobachtende Organisation\" in dem Zusammenschlu\u00df \"St\u00e4ndiger Rat Marxistischer Parteien\" (SRMP) mit. 2.1.2.3.3 \"Internationale Sozialistische Arbeiterorganisation\" (ISA) Die 1979 aus einer Gruppe um die Zeitschrift \"Internationale Arbeiterkorrespondenz\" hervorgegangene ISA ist die deutsche Sektion der in","48 2. - Politischer Extremismus - Paris ans\u00e4ssigen \"IV. Internationale/Internationales Zentrum f\u00fcr ihren Wiederaufbau\" (IZ). Die ISA befolgt die Strategie des Entrismus: Ihre Anh\u00e4nger sind angehalten, Mitglieder demokratischer Parteien bzw. der Gewerkschaften zu werden, dort aber zun\u00e4chst nicht offen als Trotzkisten aufzutreten. Eigene Aktivit\u00e4ten hat die ISA zugunsten ihrer 1989 gegr\u00fcndeten Tarnorganisation \"Vereinigung der Arbeitskreise f\u00fcr Arbeitnehmerpolitik und Demokratie\" (VAA) aufgegeben. Nach der Vorstellung der ISA soll die VAA zum organisierenden Rahmen von gleichberechtigten Kr\u00e4ften von Arbeiterk\u00e4mpfern, Gewerkschaftern, Sozialdemokraten und den Mitgliedern der ISA f\u00fcr unabh\u00e4ngige Arbeiterpolitik, f\u00fcr eine wirkliche unabh\u00e4ngige politische Vertretung der Bed\u00fcrfnisse des Kampfes der Arbeiterklasse und der Jugend werden. Aus der VAA, deren Bundesgesch\u00e4ftsstelle sich in Berlin-Charlottenburg befindet, will die ISA neue Mitglieder rekrutieren. Mit der VAA gelang es der ISA, auch in den neuen Bundesl\u00e4ndern \"Arbeitskreise\" aufzubauen, so u.a. in Chemnitz, Dresden, Eisenh\u00fcttenstadt und Leipzig. 2.1.2.3.4 \"Sozialistische Arbeitergruppe\" (SAG) Die SAG, deutsche Sektion der \"Internationalen Sozialisten\" (IS), hat ihre Aktivit\u00e4ten in Berlin im Jahre 1991 weiter ausgebaut. Mit monatlichen Veranstaltungen zu aktuellen Themen, wie \"Die neue Weltordnung\", \"Rassismus: Abschiebung ist Mord\", \"War der Zweite Weltkrieg ein antifaschistischer Krieg?\" usw., sowie einer \"Marxismus\"-Schulungsreihe am 19. und 20. Oktober 1991 und ihrem ma\u00dfgeblichen Einsatz f\u00fcr eine \"Antifaschismusaktion\" anl\u00e4\u00dflich eines \"Antifaschistischen Ratschlages\" gemeinsam mit anderen linksextremistischen Organisationen in Dresden vom 1. bis 3. November 1991 geh\u00f6rt die SAG zu den aktivsten trotzkistischen Gruppen. Au\u00dferdem vereinbarte sie Mitte 1991 eine enge Zusammenarbeit mit der t\u00fcrkischen trotzkistischen Gruppe \"Sozialist Isci\" (Sl). Beide Organisationen wollen sich beim Verkauf ihrer Publikationen unterst\u00fctzen und auch gemeinsame Aktionen durchf\u00fchren.","2. - Politischer Extremismus - 49 Die Leitung der Sl soll ihre Mitglieder und Sympathisanten in Deutschland aufgefordert haben, der SAG beizutreten. 2.1.2.3.5 \"Spartakist-Arbeiterpartei Deutschlands\" (SpAD) Die SpAD, deutsche Sektion der \"Internationalen Kommunistischen Liga (Vierte Internationalisten)\" (IKL), geh\u00f6rte im Jahre 1991 zu den in Berlin aktivsten linksextremistischen Organisationen. Neben ihrem \u00fcberregional monatlich erscheinenden Organ \"Spartakist\" gab sie zahlreiche Flugschriften zu aktuellen Themen heraus. In ihrem St\u00fctzpunkt in Berlin-Wedding f\u00fchrte die SpAD monatlich mehrmals Diskussionsveranstaltungen zu aktuellen Themen mit bis zu 30 Teilnehmern sowie vom August bis Oktober 1991 eine Schulungsreihe mit der Bezeichnung \"ABC des Marxismus\" durch. Derartige Schulungen begreift die SpAD als Beitrag f\u00fcr den von ihr angestrebten \"Aufbau einer revolution\u00e4ren Partei\". Auch \u00fcber ihre Tarnorganisationen \"Komitee zur Verteidigung der Antifaschisten von Moabit\" und \"Komitee f\u00fcr soziale Verteidigung\" (KfsV) versucht die SpAD, politischen Einflu\u00df zu gewinnen. 2.1.2.4 Ausblick Mit dem KB und der MG haben sich zwei weitere Organisationen der revolution\u00e4ren Linken aus der Nach-68er-Zeit aufgel\u00f6st. Weitere Organisationen, wie der AB und die VSP, sind durch innere Fraktionsk\u00e4mpfe gel\u00e4hmt und spaltungsgef\u00e4hrdet. Bei den Trotzkisten ist ein leichter Aufw\u00e4rtstrend zu erkennen, allerdings haben sich ihre Hoffnungen hinsichtlich ihrer Ausbreitung auf die neuen Bundesl\u00e4nder bisher nur begrenzt erf\u00fcllt. Der Zusammenschlu\u00df sowohl revolution\u00e4r-marxistischer und trotzkistischer als auch \"orthodox\"-kommunistischer Parteien und Gruppen im \"St\u00e4ndigen Rat Marxistischer Parteien\" (SRMP) k\u00f6nnte dagegen der Beginn eines Neuformierungsprozesses zur \u00dcberwindung der Krise des kommunistischen Lagers nach dem Untergang des \"realen Sozialismus\" sein. Es bleibt abzuwarten, ob dieser neuerliche Versuch der Konzentration der Kr\u00e4fte erfolgreich sein wird oder nicht.","50 2. - Politischer Extremismus - 2.1.3 \"Orthodoxe\" Kommunisten 2.1.3.1 Vorbemerkung Die Situation \"orthodoxer\" Kommunisten und ihrer Parteien stand im Jahre 1991 weiterhin unter den f\u00fcr sie schock\u00e4hnlichen Eindr\u00fccken des Zusammenbruchs der \"sozialistischen Staatengemeinschaft\" in Ostund S\u00fcdosteuropa. Im Zuge dieser Prozesse, die einen erneuten dramatischen H\u00f6hepunkt mit dem Zerfall der Sowjetunion erreichten, verloren diejenigen Kommunisten, die - zumindest bis zur Reformpolitik GORBATSCHOWS - bedingungslos dem marxistisch-leninistischen Weltbild in der jeweiligen g\u00fcltigen Interpretation durch die KPdSU bzw. - bis zuletzt - den ideologischen Vorgaben der \"Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands\" (SED) gefolgt waren, insbesondere die DDR als ihr \"realsozialistisches\" Vorbild f\u00fcr die von ihnen auch in \"Westberlin\" angestrebte \"sozialistische Entwicklung\". Nach dem zun\u00e4chst erkl\u00e4rten und sp\u00e4ter vollzogenen Verzicht der \"Sozialistischen Initiative\" (Sl), der Nachfolgeorganisation der \"Sozialistischen Einheitspartei Westberlins\" (SEW), dauerhaft eine eigenst\u00e4ndige kommunistische Partei fortzuf\u00fchren, warben sowohl die SED-Nachfolgepartei \"Partei des Demokratischen Sozialismus\" (PDS) als auch die - bislang nur in den westlichen Bundesl\u00e4ndern existente - \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) um die pers\u00f6nlich in ihren ideologischen Positionen und organisatorischen Zuordnungen verunsicherten fr\u00fcheren SEW-/SI-Mitglieder. Die Anfang 1990 von ehemaligen SED-Mitgliedern in Ost-Berlin gegr\u00fcndete \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD) stie\u00df unter West-Berliner Kommunisten kaum auf Resonanz und blieb weitgehend auf die \u00f6stlichen Stadtbezirke beschr\u00e4nkt. Eine Zusammenarbeit von PDS, DKP und KPD oder Teilen ihrer Organisationen kam \u00fcber die gemeinsame Mitarbeit im \"St\u00e4ndigen Rat Marxistischer Parteien\" (SRMP) nicht hinaus. 2.1.3.2 \"Sozialistische Initiative\" (Sl) Die Sl verstand sich als eine Nachfolgeorganisation der orthodoxkommunistischen SEW. W\u00e4hrend ihres kurzen Bestehens seit Umbenennung","2. - Politischer Extremismus - 51 der SEW am 29. ApriM990 bis Ende Juni 1991 wurde sie gelegentlich gemeinsam mit anderen Gruppierungen aktiv. Dazu z\u00e4hlten im Jahre 1991 vereinzelte Hilfestellungen f\u00fcr die PDS ebenso wie die Beteiligung an Planung und Durchf\u00fchrung mehrerer Demonstrationen gegen den Golfkrieg. Eine dem hohen Mobilisierungsgrad der SEW vergleichbare Aktionsbereitschaft wurde von der Sl nicht ann\u00e4hernd erreicht. Ohnehin erschien den ehemaligen SEW-Funktion\u00e4ren und sonstigen Mitgliedern das Beharren auf einer Nachfolgepartei nur solange notwendig, bis sich die ideologisch in der kommunistischen Idee verwurzelten Sl-Angeh\u00f6rigen organisiert in neue, im Westteil Berlins gegr\u00fcndete Gliederungen der PDS oder der DKP einbringen konnten. Auf dem ersten und zugleich letzten ordentlichen Sl-Parteitag am 9./10. M\u00e4rz 1991 folgten 88 der 91 anwesenden Delegierten dem Beschlu\u00dfantrag des Parteivorstandes zur Aufl\u00f6sung der Sl mit Wirkung zum 30. Juni 1991. In der sich anschlie\u00dfenden Urabstimmung im M\u00e4rz und April 1991 beteiligten sich nach Angaben der Sl 340 der insgesamt 400 Mitglieder, die mit der eindeutigen Mehrheit von 314 Stimmen die Aufl\u00f6sung zum 30. Juni 1991 billigten. Ein aus f\u00fcnf Personen bestehender \"Gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Ausschu\u00df\", der vom Parteitag gew\u00e4hlt worden war, wickelte die juristischen und \u00f6konomischen Angelegenheiten der Partei bis zum 30. Juni 1991 ab. Die der Sl verbliebenen finanziellen Mittel und das Anlageverm\u00f6gen (R\u00e4ume, Ger\u00e4tschaften) wurden weitgehend der PDS zur Verf\u00fcgung gestellt. Ein Gro\u00dfteil der Sl-Mitglieder favorisierte als k\u00fcnftige politische Heimat die PDS, unmittelbare Nachfolgerin der Ostund West-Berliner Kommunisten historisch gemeinsamen \"Mutterpartei\" SED. Sp\u00e4ter kritisierten zahlreiche SlMitglieder \u00c4u\u00dferungen f\u00fchrender PDS-Funktion\u00e4re als zu liberal und lie\u00dfen dabei gleichzeitig ihre politische Perspektive in einer St\u00e4rkung der \"Kommunistischen Plattform der PDS\", eines Zusammenschlusses innerhalb dieser Partei aus Personen mit betont dogmatischem Ideologieverst\u00e4ndnis, erkennen. Das anwachsende Mitgliederpotential der PDS im Westteil Berlins spiegelt tats\u00e4chlich die Hauptstr\u00f6mung der Mitgliederwanderung aus dem Sl-Bereich wider. Anl\u00e4\u00dflich des 3. Landesparteitages der PDS Berlin (26./27. Oktober 1991) teilte die Zeitung \"Neues Deutschland\" am 28. Oktober","52 2. - Politischer Extremismus - mit, die PDS im Westteil Berlins habe 434 Mitglieder. In dieser Zahl sind etwa 100 PDS-Mitglieder enthalten, die zuvor in dem zur fr\u00fcheren DDR geh\u00f6renden jetzigen Berliner Ortsteil West-Staaken organisiert waren. Dazu im Vergleich zahlenm\u00e4\u00dfig gering blieb die Abwanderung zu Berliner Gliederungen der DKP und der KPD bzw. zu revolution\u00e4r-marxistischen Organisationen. 2.1.3.3 \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) Der Aufbau eines Berliner Landesverbandes der DKP, einer Partei, deren T\u00e4tigkeit als formal selbst\u00e4ndiger SED-Ableger in der Bundesrepublik Deutschland bis dahin aufgrund der fr\u00fcheren \u00f6stlichen Drei-Staaten-Theorie Berlin (West) aussparte, vollzog sich bereits seit 1990 auf Initiative f\u00fchrender SEW/SI-Funktion\u00e4re. Dieser Personenkreis, der sich als Vertreter der \"reinen Lehre\" betrachtete, sah in der Wandlung der SEW zur Si eine Abkehr von der Klassenpartei marxistisch-leninistischen Zuschnitts. Am 20. November 1991 fand die konstituierende Mitgliederversammlung des Bezirks Berlin/Brandenburg der DKP statt. Die Bezirksorganisation wird durch einen aus sieben Personen bestehenden Vorstand repr\u00e4sentiert. Gemeinsam mit einer f\u00fcr diesen neuen Parteibezirk gebildeten Gliederung ihrer Jugendorganisation \"Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend\" (SDAJ) verf\u00fcgt die DKP Berlin/Brandenburg \u00fcber ca. 50 Mitglieder. Im Jahre 1991 war die hiesige DKP weitgehend mit dem Aufbau der Bezirksorganisation besch\u00e4ftigt. Bereits Anfang des Jahres begannen die Vorarbeiten f\u00fcr eine Parteizeitung, die seit Oktober 1991 unter dem Titel \"Kommunistische Korrespondenz - Zeitung der DKP Berlin/Brandenburg\" erscheint. Vereinzelt brachte die DKP Flugbl\u00e4tter zu tagespolitischen Themen heraus. So verteilte sie Flugschriften, in denen man den Putsch reformfeindlicher Kr\u00e4fte gegen den sowjetischen Staatsund Parteichef Michail GORBATSCHOW mit den Worten begr\u00fc\u00dfte, die Absetzung werde zu einer erkennbaren Konsolidierung der Lage in der UdSSR f\u00fchren und die sozialistische Perspektive des Landes sichern. Ferner nahm die DKP Berlin/Brandenburg u.a. als beobachtende Organisation an den Sitzungen und Aktionen des \"St\u00e4ndigen Rates Marxistischer Parteien\" (SMRP) teil.","2. - Politischer Extremismus - 53 2.1.3.4 \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD) Die KPD wurde kurz nach \u00d6ffnung der innerdeutschen Grenzen am 31. Januar 1990 in Ost-Berlin von ehemaligen SED-Mitgliedern als Konsequenz aus ihrer Distanzierung zur stalinistischen Vergangenheit der SED und dem dadurch erfolgten Mi\u00dfbrauch der kommunistischen Ideale gegr\u00fcndet. Lt. KPD-Statut von Ende September 1990 versteht sie sich als marxistisch-leninistische Partei mit gesamtdeutschem Anspruch und als unmittelbare Nachfolgerin jener KPD, die 1946 in der SED aufgegangen war. Im Jahre 1991 war die KPD im wesentlichen mit dem Aufbau der Parteiorganisation besch\u00e4ftigt. Zudem beteiligte sie sich an einzelnen Aktionen anderer Gruppierungen; u.a. rief sie Ende 1991 zur Teilnahme an der traditionellen Demonstration am 12. Januar 1992 in Berlin aus Anla\u00df des Jahrestages der Ermordung Rosa LUXEMBURGS und Karl LIEBKNECHTS auf. Die KPD geh\u00f6rt zu den Gr\u00fcndungsmitgliedern des \"St\u00e4ndigen Rates Marxistischer Parteien\" (SMRP) und verf\u00fcgt in Berlin \u00fcber etwa 40 Mitglieder. Als Publikation gibt sie die Monatsschrift \"Trotz alledem!\" heraus. 2.1.3.5 Ausblick Erwartungsgem\u00e4\u00df haben sich die meisten SEW/SI-Mitglieder in der PDS neu organisiert. Dennoch hat die DKP Bezirksorganisation Berlin/Brandenburg ihren Mitgliederbestand von 12 Personen zur Gr\u00fcndungszeit 1990 auf gegenw\u00e4rtig ca. 50 Mitglieder erh\u00f6hen k\u00f6nnen. Nach eigenen Angaben w\u00fcrden dar\u00fcber hinaus etwa 100 weitere Personen mit der DKP sympathisieren. Zur Attraktivit\u00e4t der Berliner DKP bleibt die Entwicklung der PDS abzuwarten. Sollte der Mitgliederr\u00fcckgang der PDS anhalten oder sollten sich in der PDS Spaltungstendenzen verst\u00e4rken, wird die DKP auf einen Zulauf von PDS-entt\u00e4uschten Altkommunisten z\u00e4hlen d\u00fcrfen, zumal sie die Verbreitung und Weiterentwicklung der marxistischen Theorie und ihre Verankerung in der Arbeiterklasse durch eine gesamtdeutsche kommunistische Partei abzusichern, als ihr erkl\u00e4rtes Ziel sieht. Zur Dokumentation ihrer Eigenst\u00e4ndigkeit beabsichtigt die DKP, bei den Berliner Bezirksverordnetenversammlungen im Mai 1992 mit eigenen (offenen ) Listen zu kandidieren. Der zeitweilig angestrebte Zusammenschlu\u00df der neugegr\u00fcndeten \"Kommunistischen Partei Deutschlands\" (KPD) mit der \"Deutschen","54 2. - Politischer Extremismus - Kommunistischen Partei\" (DKP) wurde wegen ideologischer Differenzen zur\u00fcckgestellt. Derzeit sieht die KPD eine M\u00f6glichkeit zur Herstellung der Aktionseinheit aller Kommunisten in Deutschland in der Mitarbeit im \"St\u00e4ndigen Rat Marxistischer Parteien\" (SRMP). F\u00fcr \"orthodoxe\" Kommunisten bietet der Zusammenschlu\u00df mit revolution\u00e4rmarxistischen und trotzkistischen Parteien im SRMP am ehesten die Chance, innerhalb des kommunistischen Lagers mittelfristig wieder an politischem Selbstbewu\u00dftsein und Einflu\u00df zu gewinnen. 2.1.4 \"St\u00e4ndiger Rat Marxistischer Parteien\" (SRMP) Am 21. April 1991 konstituierten sich in Berlin vier marxistisch-orientierte Organisationen bzw. Parteien zum SRMP. Ziel des Zusammenschlusses ist nach der erkl\u00e4rten Absicht seiner Gr\u00fcnder, zur Bildung einer einheitlichen revolution\u00e4ren Klassenpartei beizutragen. Die beteiligten Parteien wollen unter Wahrung ihrer Eigenst\u00e4ndigkeit solidarisch zusammenarbeiten. Neben den Gr\u00fcndungsorganisationen, der revolution\u00e4r-marxistischen Partei \"Die Nelken\", der von ehemaligen SED-Mitgliedern am 31. Januar 1990 in Berlin wiedergegr\u00fcndeten \"Kommunistischen Partei Deutschland\" (KPD), der \"Unabh\u00e4ngigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands\" (USPD) und der \"Kommunistischen Plattform (Berlin) in der PDS\" haben sich als Mitgliedsorganisation auch zwei stalinistische Gruppen, n\u00e4mlich eine Fraktion innerhalb des \"Arbeiterbundes f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD\" (AB) sowie die \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD) - Sitz Gelsenkirchen -, dem SRMP angeschlossen. Als sog. beobachtende Organisationen nehmen die Bezirksorganisation Berlin/Brandenburg der \"Deutschen Kommunistischen Partei\" (DKP), der \"Bund Westdeutscher Kommunisten\" (BWK) und die \"Gruppe Revolution\u00e4re Sozialistinnen\" (GRS) an den Sitzungen des SRMP teil. Au\u00dfer einem Aufzug unter dem Motto \"Demokratie statt Annexion\" am 3. Oktober 1991 auf dem Alexanderplatz, an dem etwa 100 Personen teilnahmen, waren bisher keine nennenswerten Aktivit\u00e4ten des SRMP feststellbar.","2. - Politischer Extremismus - 55 2.2 Rechtsextremismus 2.2.1 Vorbemerkung Die unter dem Sammelbegriff Rechtsextremismus zusammengefa\u00dften Parteien, Organisationen oder Gruppierungen zeichnen sich im Gegensatz zu linksextremistischen, auf dem Marxismus-Leninismus) oder anderen Gedankengeb\u00e4uden basierenden Str\u00f6mungen nicht durch ein geschlossenes theoretisches Bezugssystem aus. Gemeinsam ist ihnen eine antirationalistische, antiindividualistische, die demokratische Grund\u00fcberzeugung von der fundamentalen Gleichheit aller Menschen negierende Haltung und die daraus erwachsende Ablehnung des auf dem Prinzip gleicher politischer Rechte beruhenden demokratischen Verfassungsstaates. Im Rahmen dieser gemeinsamen Grundhaltung lassen sich schlagwortartig wesentliche Elemente rechtsextremistischer \"Weltanschauung\" benennen, die sich in unterschiedlicher Gewichtung und unterschiedlichen Auspr\u00e4gungen bei den verschiedenen rechtsextremistischen Str\u00f6mungen feststellen lassen. Dazu z\u00e4hlen: ein \u00fcbersteigerter, oft aggressiver Nationalismus, verbunden mit Feindschaft gegen Ausl\u00e4nder, Minderheiten, fremde V\u00f6lker und Staaten, Antisemitismus und Rassismus, verbunden mit der Propagierung biologistischer und sozialdarwinistischer Ideen, v\u00f6lkischer Kollektivismus, d.h. \u00dcberbewertung der aufgrund ethnischer Zugeh\u00f6rigkeit definierten \"Volksgemeinschaft\" zu Lasten der Rechte und Interessen des Einzelnen, \u00dcberbetonung milit\u00e4rischer bzw. soldatischer Werte und hierarchischer Prinzipien (\"F\u00fchrer\" und \"Gefolgschaft\"), verbunden mit der Propagierung einer entsprechenden autorit\u00e4ren bzw. diktatorischen staatlichen und sozialen Ordnung sowie der \u00dcberbetonung der Notwendigkeit eines nach innen und au\u00dfen starken Staates (Etatismus).","56 2. - Politischer Extremismus - Gemeinsam ist den rechtsextremistischen Gruppierungen schlie\u00dflich die Verharmlosung oder Leugnung der Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, die gerade in den letzten Jahren unter dem Stichwort \"Revisionismus\" zunehmend an Bedeutung gewonnen haben. 2.2.2 Neuer Nationalsozialismus (Neonazismus) Neonazis bekennen sich offen zum historischen Vorbild des Nationalsozialismus bzw. zu dessen von den Gebr\u00fcdern STRASSER und Ernst R\u00d6HM repr\u00e4sentierten Sozialrevolution\u00e4ren Fl\u00fcgel. Repr\u00e4sentant dieser Richtung des \"Neuen Nationalsozialismus\" war vor allem der im April 1991 verstorbene Michael K\u00dcHNEN mit seiner \"Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front\" (GdNF). Als Nachfolger K\u00dcHNENs gilt zwar der \u00d6sterreicher Gottfried K\u00dcSSEL; Akzeptanz konnte er jedoch bei weitem nicht im gesamten bisherigen K\u00dcHNEN-Lager mit seinen etwa 400 Anh\u00e4ngern erlangen. Die Entwicklung neonazistischer Gruppierungen und ihre Aktivit\u00e4ten waren weitestgehend von der Wiedervereinigung Deutschlands bestimmt und von der damit verbundenen Hoffnung, in den neuen Bundesl\u00e4ndern Fu\u00df zu fassen. War die Neonazi-Szene der alten Bundesrepublik Deutschland aktionsund zahlenm\u00e4\u00dfig in eine Abw\u00e4rtsbewegung geraten, so nutzten die wichtigsten Neonazi-Gruppen die neue politische Situation in den neuen Bundesl\u00e4ndern zu verst\u00e4rkten Aktivit\u00e4ten und Aktionismus. Unmittelbar nach der Wende in der damaligen DDR konzentrierten sich westdeutsche Neonazis - allen voran K\u00dcHNENs \"Deutsche Alternative\" (DA) - auf die Arbeit mit ostdeutschen Gesinnungsgenossen und den Aufbau entsprechender Organisationstrukturen. Aber auch die \"Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei\" (FAP) und die \"Nationalistische Front\" (NF) bauten inzwischen \u00f6rtliche Gruppen im Beitrittsgebiet auf. In oft provozierender Weise traten ostund westdeutsche Neonazis regelm\u00e4\u00dfig in der \u00d6ffentlichkeit auf. So nahmen z.B. an der Trauerfeier f\u00fcr den ermordeten Dresdner NeonaziF\u00fchrer Rainer SONNTAG am 15. Juni 1991 ca. 1.500 Rechtsextremisten teil.","2. - Politischer Extremismus - 57 Bundesweit gibt es etwa 1.500 gruppengebundene Neonazis sowie weitere etwa 200 neonazistische Einzelaktivisten, dazu kommen rund 4.200 neonazistische Skinheads - 1.200 in den westdeutschen, 3.000 in den ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern -, die durch eine Vielzahl von Gewaltakten gegen Ausl\u00e4nder und deren Unterk\u00fcnfte bundesweit von sich reden machten. Berlin war davon ebenfalls betroffen, bildete jedoch keinen Schwerpunkt auf diesem Gebiet. Die Zahl der namentlich bekannten Neonazis in Berlin ist auf 180 angestiegen (1990: 115). Die meisten von ihnen sind 18 bis 25 Jahre alt. Dem neonazistischen Umfeld in Berlin geh\u00f6ren etwa 150 Personen an. Zusammen mit den im Jahre 1991 festgestellten etwa 180 neonazistischen Skinheads umfa\u00dft das gesamte neonazistische Spektrum Berlins etwa 500 Personen. Die in fr\u00fcheren Jahren vorhandene gr\u00f6\u00dfere Einheitlichkeit der Berliner Neonazi-Szene gegen\u00fcber der Szene in den westdeutschen L\u00e4ndern, die auf die damalige besondere Situation Berlins zur\u00fcckzuf\u00fchren war, ist nicht mehr in diesem Umfang vorhanden. Die gr\u00f6\u00dften Berliner Neonazigruppen, die FAP, die NF und die NA, bem\u00fchten sich, weitgehend unabh\u00e4ngig voneinander eigenst\u00e4ndige Aktivit\u00e4ten in und um Berlin zu entwickeln. Dennoch gibt es Kontakte untereinander. Auch treffen sich die Gruppierungen gelegentlich zu gemeinsamen \u00f6ffentlichen Veranstaltungen, zu denen sie als Einzelorganisation aufgrund ihrer personellen Schw\u00e4che und fehlender F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten in der Regel nicht in der Lage sind. So versammelten sich Berliner Neonazis aller Schattierungen am 17. November 1991 gemeinsam mit anderen Rechtsextremisten - zusammen 500 Personen - in Halbe (Brandenburg), um einer \"Heldengedenkfeier\" der rechtsextremistischen \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen\" auf dem dortigen Soldatenfriedhof beizuwohnen. 2.2.2.1 \"Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front\" (GdNF) Die GdNF ist kein eigenst\u00e4ndiges organisatorisches Gebilde, sondern eine zusammenfassende Bezeichnung f\u00fcr die Anh\u00e4ngerschaft des am 25. April 1991 in Kassel verstorbenen Michael K\u00dcHNEN. Der bundesweit etwa 400, in Berlin etwa 20 Personen umfassende Aktivistenkreis f\u00fchlt sich weiterhin uneingeschr\u00e4nkt dem Gedankengut und der Ideologie der ehemaligen \"Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei\" (NSDAP) verpflichtet und strebt die \u00dcberwindung des NSVerbotes an. Die GdNF sieht sich in der Tradition der SA Ernst R\u00d6HMs und","58 2. - Politischer Extremismus - bekennt sich zu Adolf HITLER als Heilsgestalt der arischen Rasse und deutschem Nationalhelden. In einer von der GdNF im Jahr 1989 zum 100. Geburtstag Adolf HITLERs herausgegebenen Brosch\u00fcre (Was ist eigentlich Nationalsozialismus???) stellt sich die GdNF im Abschnitt Der Nationalsozialismus der Neuen Generation wie folgt vor: Die nationalsozialistische Bewegung der Gegenwart ist Erbe des von der historischen Generation gestalteten Nationalsozialismus. Der Nationalsozialismus der neuen Generation ist kein neuer Nationalsozialismus, sondern der Nationalsozialismus, getragen von jungen Idealisten unserer Zeit, die sich bewu\u00dft in die historische Tradition stellen. Aktivit\u00e4ten entfalten die K\u00dcHNEN-Anh\u00e4nger bundesweit vornehmlich durch \"Vorfeldorganisationen\" oder sonstige strukturlose Aktionsgebilde, auch \"Frontund Massenorganisationen\" genannt. Parteipolitischer Arm der GdNF ist die von K\u00dcHNEN ma\u00dfgeblich gestaltete, am 5. Mai 1989 in Bremen gegr\u00fcndete \"Deutsche Alternative\" (DA). Die GdNF verlagerte im Jahre 1991 den Schwerpunkt ihrer Aktivit\u00e4ten v\u00f6llig auf das Gebiet der neuen Bundesl\u00e4nder. Erkl\u00e4rtes Ziel der GdNF war es aber auch, eigenst\u00e4ndige Landesparteien zu gr\u00fcnden, um etwaige Verbote bundesweit operierender Organisationen zu erschweren. So gr\u00fcndeten die GdNF-Anh\u00e4nger inzwischen die Organisationen \"Deutsches Hessen\" (DH), in Bayern den \"Nationalen Block\" (NB), in Baden-W\u00fcrttemberg die \"Volkstreue Liste\" (VL), in NordrheinWestfalen die Organisation \"Der Deutsche Weg\" (DDW) sowie die \"S\u00e4chsische Nationale Liste\" (SNL). Als langj\u00e4hriger und treuer Kamerad der Gesinnungsgemeinschaft gilt in Berlin der Neonazi Oliver SCHWEIGERT. Er ist gleichzeitig Mitglied der \"Deutschen Alternative\" (DA) und Vorsitzender der in Berlin beheimateten \"Nationalen Alternative Berlin\" (NA Berlin). Auch der Berliner Neonazi ArnulfWinfried PRIEM, Anf\u00fchrer der Neonazigruppe \"Wotans Volk\", gilt als Repr\u00e4sentant der GdNF in Berlin. In der GdNF-Publikation \"Die Neue Front\", Nr. 76, vom November/ Dezember 1990, stellt die Gesinnungsgemeinschaft f\u00fcr den Bereich Ost, \"Gau Gross-Berlin\" einen \"Berliner Block\" als Zusammenschlu\u00df","2. - Politischer Extremismus - 59 von Vertretern der \"Deutschen Alternative\" und der \"Nationalen Alternative Berlin\" sowie von \"Wotans Volk\" vor. Mit dem \"Berliner Block\" sollte, da nach Angaben der Gesinnungsgemeinschaft die politische Arbeit in der Reichshauptstadt... kein Vergn\u00fcgen sei, der Versuch unternommen werden, ein Dach f\u00fcr die gesamte deutsch-alternative Opposition zu schaffen. Erkennbare Aktivit\u00e4ten entwickelten im Jahre 1991 jedoch weder der \"Berliner Block\" noch die \"Kameradschaft Berlin der Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front\" unter F\u00fchrung SCHWEIGERTs. 2.2.2.2 \"Nationale Alternative Berlin\" (NA Berlin) Die Anfang 1990 von Angeh\u00f6rigen der Ost-Berliner Neonaziund SkinheadSzene mit Unterst\u00fctzung westdeutscher K\u00dcHNEN-Anh\u00e4nger gegr\u00fcndete NA Berlin konnte im Jahr 1991 ihren im Vorjahr begonnen Aufstieg nicht fortsetzen. Unter F\u00fchrung ihres neuen Vorsitzenden Oliver SCHWEIGERT mu\u00dfte die NA Berlin, die seit ihrer Gr\u00fcndung Verbindungen zu anderen rechtsextremistischen Organisationen und Gruppierungen, wie zur \"Deutschen Alternative\" (DA), der Hamburger \"Nationalen Liste\" (NL) und zur \"Nationalen Offensive\" (NO), unterh\u00e4lt, aufgrund interner F\u00fchrungstreitigkeiten einen erheblichen R\u00fcckgang ihrer Anh\u00e4ngerschaft hinnehmen. Im Laufe des Jahres 1991 sank die Zahl der Aktivisten von vormals 40 auf etwa 20. Entsprechend gering fielen die Aktivit\u00e4ten der NA Berlin aus. Zu den H\u00f6hepunkten der Aktionen z\u00e4hlten der am 24. Februar 1991 durchgef\u00fchrte NA-Landesparteitag in einem Jugendhotel in Berlin-Lichtenberg, an dem sich etwa 60 Personen beteiligten, sowie in den Folgemonaten eine bundesweite Verbreitung von Flugbl\u00e4ttern der NA Berlin in Zusammenarbeit mit der in Augsburg ans\u00e4ssigen \"Nationalen Offensive\" (NO) unter dem Motto Wunsiedel ruft!, in denen zur Teilnahme an der allj\u00e4hrlichen, aus Anla\u00df des Todestages des HITLER-Stellvertreters Rudolf HESS im fr\u00e4nkischen Wunsiedel abgehaltenen rechtsextremistischen Gro\u00dfveranstaltung aufgerufen wurde. Ferner beteiligten sich NA-Anh\u00e4nger am 15. Juni 1991 an einer Demonstration in Dresden aus Anla\u00df der Beisetzung des in der Nacht zum I.Juni 1991 get\u00f6teten Neonazi-Anf\u00fchrers Rainer SONNTAG, am 21. Juni 1991 an einer Sonnwendfeier rechtsextremistischer Berliner Organisationen in H\u00f6now (Brandenburg) sowie am 17. August 1991 an einer Protestdemonstration in Bayreuth gegen das Verbot der erw\u00e4hnten Veranstaltung in Wunsiedel.","60 2. - Politischer Extremismus - Im Berliner Stadtgebiet wurden im Jahre 1991 wiederholt Aufkleber der NA Berlin mit Parolen wie Schlu\u00df mit rotem Stra\u00dfenterror!, Besatzer raus! sowie Haut ihn weg, den roten Dreck! (auf dem ein deutscher 'Landser' seinen Gewehrkolben gegen einen Sowjetstern schwingt) festgestellt. 2.2.2.3 \"Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei\" (FAP) Die 1979 gegr\u00fcndete, seit 1984 von Anh\u00e4ngern der verbotenen \"Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten\" (ANS/NA) unterwanderte FAP, die sich weiterhin in der Tradition der historischen NSDAP sieht, befindet sich seit 1990 in einer Rezessionsphase, in deren Verlauf die Zahl ihrer Mitglieder drastisch sank. Die Partei, der im Jahre 1991 bundesweit noch etwa 150 Personen angeh\u00f6rten (1990: etwa 200), verf\u00fcgt derzeit nur noch \u00fcber drei aktive Landesverb\u00e4nde in Nordrhein-Westfaien, Niedersachsen und Berlin. Der Landesverband Berlin der FAP wurde am 20. Oktober 1990 in Wildau (Brandenburg) unter Leitung des Bundesvorsitzenden Friedhelm BUSSE gegr\u00fcndet. Nahmen an der Gr\u00fcndungsveranstaltung etwa 80 FAP-Anh\u00e4nger teil und konnte deren Zahl anfangs noch gesteigert werden, so insbesondere durch den Zulauf von Interessenten aus den \u00f6stlichen Bezirken Berlins, sank die Anzahl der FAP-Mitglieder im Verlauf des Jahres 1991 auf etwa 30 Aktivisten ab. Der von Lars BURMEISTER gef\u00fchrte Landesverband Berlin der FAP, der als seinen Sitz den Ost-Berliner Bezirk Hohensch\u00f6nhausen angibt, gliedert sich in die Kreisverb\u00e4nde S\u00fcd und Ost. Seit April 1991 gibt die Berliner FAP die Zeitschrift \"AUFRECHT!\" (Motto: Wir k\u00e4mpfen f\u00fcr ein Deutschland, in dem wir leben k\u00f6nnen!) heraus; laut Impressum zeichnet der fr\u00fchere K\u00dcHNEN-Anh\u00e4nger Christian WENDT, der 1989 als Abspaltung von der \"Kameradschaft Berlin\" der GdNF den \"V\u00f6lkischen Freundeskreis\" (VFK) ins Leben rief, f\u00fcr die Publikation verantwortlich. Neben ihrer Zeitschrift verbreitete die Berliner FAP im Jahre 1991 Aufkleber mit Parolen wie Mit unseren Fahnen ist der Sieg - FAP oder Ausl\u00e4nderbanden gibt fein acht, wir haben euch etwas zubedacht!! (versehen mit einer WilhelmBusch-Zeichnung, auf der ein Knabe mit einem Rohrstock gez\u00fcchtigt wird).","2. - Politischer Extremismus - 61 Am 19. Januar 1991 fand in Berlin-Wei\u00dfensee ein \"Au\u00dferordentlicher Bundesparteitag der FAP\" statt, an dem etwa 150 Personen, darunter der Bundesvorsitzende BUSSE, teilnahmen. Unter den Anwesenden befanden sich auch Mitglieder und Anh\u00e4nger weiterer rechtsextremistischer Vereinigungen und Gruppierungen, wie der \"Nationalistischen Front\" (NF) und der \"Wiking-Jugend e.V.\" (WJ). Im Verlauf der Veranstaltung stellte die Polizei Baseballschl\u00e4ger, mehrere Pistolen und Gewehre einschlie\u00dflich Magazinen und Munition sowie Kampfmesser, Schlagringe, Wurfsterne und Schlagst\u00f6cke sicher. Wiederholt beteiligten sich die Berliner FAP-Angeh\u00f6rigen gemeinsam mit anderen Rechtsextremisten aus den neuen und alten Bundesl\u00e4ndern an Veranstaltungen, wie der Protestdemonstration in Bayreuth am 19. August 1991 gegen das Verbot einer Gedenkkundgebung in Wunsiedel aus Anla\u00df des 4. Todestages Rudolf HESS' oder am 31. August 1991 an einem \"Skintreffen\" in Leipzig, in dessen Verlauf unter Beteiligung des Berliner FAP-Vorsitzenden ein Asylantenwohnheim angegriffen wurde. Am 17. November 1991 beteiligten sich FAP-Angeh\u00f6rige an der von der rechtsextremistischen \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen\" organisierten \"Heldengedenkfeier\" in Halbe (Brandenburg). Im Rahmen einer Kampagne unter dem Motto Stoppt neue Armut, Arbeitslosigkeit und \u00dcberfremdung! versuchten Angeh\u00f6rige des Kreisverbandes Ost der FAP im September 1991, mit Plakatund Flugblattaktionen (u.a. vor dem Arbeitsamt Berlin-Prenzlauer Berg), die wirtschaftlichen Sorgen der Ost-Berliner Bev\u00f6lkerung f\u00fcr ihre Interessen auszunutzen. Ohne auf nennenswerte Resonanz zu sto\u00dfen, verteilten die FAPAktivisten Flugbl\u00e4tter (Deutsche Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr deutsche Arbeitnehmer), in denen es u.a. hei\u00dft: Glaubt nicht l\u00e4nger der Bonner L\u00fcgenkoalition, sondern vertretet gemeinsam mit der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei die deutschen Interessen. Auch der am 30. November 1991 im Ostteil Berlins durchgef\u00fchrte Parteitag der Berliner FAP, an dem sich etwa 40 Mitglieder und Anh\u00e4nger der Partei beteiligten, stand mit Forderungen wie Ausl\u00e4nder raus! und Baustopp f\u00fcr Asylantenheime im Zeichen der f\u00fcr die FAP kennzeichnenden rassistisch motivierten Ausl\u00e4nderfeindlichkeit.","62 2. - Politischer Extremismus - 2.2.2.4 \"Nationalistische Front\" (NF) Die im November 1985 bei Bielefeld gegr\u00fcndete \"Nationalistische Front\" (NF) sieht sich in der Tradition der nationairevolution\u00e4ren Vorstellungen der Br\u00fcder Gregor und Dr. Otto STRASSER. Die Organisation ist \u00fcberwiegend in den alten Bundesl\u00e4ndern (Nordrhein-Westfalen, Bremen und Berlin) aktiv, doch erstreckten sich ihre Aktivit\u00e4ten zunehmend auch auf das Gebiet der neuen Bundesl\u00e4nder. Die NF ist unter ihrem langj\u00e4hrigen Bundesvorsitzenden Meinolf SCH\u00d6NBORN bundesweit kaderm\u00e4\u00dfig organisiert und verf\u00fcgt derzeit \u00fcber rund 130 Mitglieder. Der Ortsgruppe Berlin der NF unter dem stellvertretenden Bundesvorsitzenden Andreas POHL geh\u00f6rten bis zu 20 Mitglieder und Anh\u00e4nger an. Die Berliner Gruppe, die in der jetzigen organisatorischen Form seit September 1987 existiert, erwies sich in den letzten Jahren als eine der tragenden S\u00e4ulen der Berliner Neonazi-Szene mit vielfachen Verbindungen zu anderen Organisationen. Unter Leitung POHLs gelang es den Angeh\u00f6rigen der Berliner Ortsgruppe, ihre Aktivit\u00e4ten im Jahr 1991 auf ganz Berlin und das Berliner Umfeld auszudehnen, wo es vereinzelt, z.B. in K\u00f6nigs Wusterhausen und Hennigsdorf, zur Bildung von St\u00fctzpunkten kam. Mitgliederm\u00e4\u00dfig konnte sich die NF st\u00e4rken, h\u00e4lt aber nach wie vor am Kaderprinzip, das Vorrang vor wahlpolitischen Experimenten hat, fest. Zu den Aktivit\u00e4ten der Ortsgruppe Berlin der NF, die in Berlin-Charlottenburg einen Treffort unterh\u00e4lt, geh\u00f6rten im Jahr 1991 u.a. Klebeund Schmieraktionen und die Verteilung von Propagandamaterialien sowie die regelm\u00e4\u00dfige Durchf\u00fchrung von Gruppenabenden und Interessentenveranstaltungen in und au\u00dferhalb Berlins. Bei \u00f6ffentlichen Aktionen und bei Treffen mit Sympathisanten verbreitete die Berliner Ortsgruppe Propagandamaterial mit Parolen wie: Heute wie damals: Kampf dem Weltjudentum u. US-Imperialismus. Solidarit\u00e4t mit dem Irakischen Volk und seinem F\u00fchrer Saddam Hussein! 2/3 unseres deutschen Volkes sind f\u00fcr Ausl\u00e4nder raus! Des Volkes Wille ist unser Auftrag!","2. - Politischer Extremismus - 63 Schlu\u00df mit dem Holocaust! ODER: Deutscher willst du ewig zahlen? H\u00f6hepunkte der Aktivit\u00e4ten der Berliner NF-Ortsgruppe waren im Jahre 1991 u.a.: Die Teilnahme am \"Bundestreffen der Nationalistischen Front\" am 6. April 1991 in Niederaula bei Kassel, an dem sich etwa 300 Personen, \u00fcberwiegend aus den alten Bundesl\u00e4ndern, beteiligten; eine Gemeinschaftsveranstaltung der NF und der Partei \"Die Republikaner\" am 20. September 1991 in Hennigsdorf (Brandenburg), an der etwa 250 Personen teilnahmen; eine NF-Informationsveranstaltung am 21. September 1991 in Beetz (Brandenburg), die von etwa 80 Personen, darunter ca. 60 neue Interessenten aus dem Beitrittsgebiet, besucht worden war; die Mitwirkung an der erw\u00e4hnten \"Heldengedenkfeier\" am 17. November 1991 in Halbe (Brandenburg). 2.2.2.5 \"ASGARD-Bund e.V.\"/\"Wotans Volk\" Vorsitzender des im Jahre 1980 bekanntgewordenen Vereins \"ASGARD-Bund e.V.\" ist seit mehreren Jahren der militante Neonazi Arnulf-Winfried PRIEM. Der Verein versteht sich als Gemeinschaft heidnisch-germanischer Weltanschauung und tritt im wesentlichen durch Herausgabe und Vertrieb seiner \"Nordisch-Germanischen Jahrweiser\" hervor. Der seit 1979 erscheinende Kalender, der vornehmlich Abbildungen aus germanisierender Literatur der NS-Zeit und deutscht\u00fcmelnde Sentenzen faksimiliert, wird vorwiegend von Neonazis und Angeh\u00f6rigen heidnischer Gemeinschaften aus dem Inund Ausland bezogen. Dem \"ASGARD-Bund e.V.\" geh\u00f6ren formell etwa 20 Mitglieder an. Der Verein trat im Jahr 1991 in der \u00d6ffentlichkeit kaum in Erscheinung. Im Gegensatz dazu entfaltete die erstmals 1987 als \"Jugendgruppe\" des \"ASGARD-Bundes e.V.\" hervorgetretene Neonazigruppe \"Wotans Volk\" unter F\u00fchrung PRIEMs seit dem Fall der Mauer vielf\u00e4ltige Aktivit\u00e4ten in Berlin und im Berliner Umland. Schon fr\u00fchzeitig nahm die Gruppe Kontakt zu ostdeutschen","64 2. - Politischer Extremismus - Gesinnungsgenossen auf. Wie bereits im Vorjahr unternahm die Gruppe auch 1991 Exkursionen in die Berliner Umgebung, um wehrsport\u00e4hnliche \u00dcbungen abzuhalten und Schlachtfelder des Zweiten Weltkrieges nach Waffen und Militaria abzusuchen. Am 1. Mai 1991 beteiligten sich Anh\u00e4nger PRIEMs an einer Veranstaltung in Cottbus (Brandenburg) anl\u00e4\u00dflich des Maifeiertages. W\u00e4hrend des Treffens, an dem sich bis zu 100 Rechtsextremisten beteiligten, sprach u.a. PRIEM zum \"Tag der deutschen Arbeit\" und hielt anschlie\u00dfend einen Nachruf auf den am 25. April 1991 verstorbenen Kameraden Michael K\u00dcHNEN. Zur weltanschaulichen Unterweisung behandelt das von PRIEM gef\u00fchrte \"Hauptschulungsamt Wotans Volk\" in Schulungsbl\u00e4ttern Themen wie Rassetypen des Deutschen Volkes und Altgermanische Keilzeichen. 2.2.2.6 \"V\u00f6lkischer Freundeskreis\" (VFK) Der \"V\u00f6lkische Freundeskreis\" (VFK) wurde 1989 von abtr\u00fcnnigen Mitgliedern der damaligen \"Kameradschaft Berlin\" der \"Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front\" ins Leben gerufen, die damit ihre Abkehr von Michael K\u00dcHNEN dokumentierten. Dieser Zusammenschlu\u00df verstand sich in der Gr\u00fcndungsphase als \"Kameradschaft\" im Sinne der \"Volksgemeinschaft\" und strebte \"v\u00f6lkisch-sozialistische\" Ideale an. Nach monatelanger Inaktivit\u00e4t wurde der VFK Anfang Juli 1991 mit Unterst\u00fctzung der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) reaktiviert. In der Berliner FAP-Monatsschrift \"AUFRECHT\" vom August/September 1991 wurde die Wiedergr\u00fcndung des VFK bekanntgegeben und darauf hingewiesen, der VFK sei weder als Partei noch als eine gleichzusetzende Organisation gegr\u00fcndet worden. Nach Angaben des Freundeskreises versteht sich diese Gruppierung nunmehr als Projekt f\u00fcr Schulungsund Aufkl\u00e4rungsarbeit und beabsichtigt, mit ihrer politischen Arbeit Kameraden aus jeder nationalen Gruppierung zu erreichen. Ein Konkurrenzverhalten zu anderen \"nationalen Gruppen\" - besonders zur FAP - strebe der VFK nicht an. Der VFK will durch Schulungen seinen Mitgliedern \"weltanschauliche Ziele\" in den Bereichen Kultur, Umweltund Lebensschutz sowie Nationale und v\u00f6lkische Identit\u00e4t vermitteln.","2. - Politischer Extremismus - 65 Anh\u00e4nger des VFK planen f\u00fcr 1992 die Herausgabe eines politischen Mitteilungsblattes mit dem Titel \"V\u00f6lkischer Blick\", der im \"AUFRECHT'-Verlag erscheinen soll. 2.2.2.7 \"Bund Vaterlandstreuer Volksgenossen\" (BW) Bei dem \"Bund Vaterlandstreuer Volksgenossen\" (BW) handelt es sich um eine im Jahre 1988 entstandene neonazistische, politisch weitgehend selbst\u00e4ndig operierende Kleinstgruppe. Vor dem am 9. Februar 1989 vollzogenen Verbot der \"Nationalen Sammlung\" (N.S.) durch den Bundesminister des Innern hatte die Gruppe Verbindung zu dieser von Michael K\u00dcHNEN geschaffenen neonazistischen Organisation. Die Anh\u00e4nger des BW traten auch im Jahre 1991 sporadisch mit Plakatund Klebeaktionen in der \u00d6ffentlichkeit in Erscheinung. Zu den verbreiteten Parolen z\u00e4hlte z.B. die Forderung Holocaust in ISRAEL SCHLUSS MIT DER KNECHTUNG DES PAL\u00c4STINENSISCHEN VOLKES!. Angeh\u00f6rige des BW hatten bei besonderen Anl\u00e4ssen, wie z.B. bei der \"Heldengedenkfeier\" am 17. November 1991 in Halbe (Brandenburg), Verbindung zu anderen rechtsextremistischen Organisationen. Ende 1991 verlagerte der B W seine politische T\u00e4tigkeit auch in den Kreis Cottbus (Brandenburg) und strebte dar\u00fcber hinaus eine Zusammenarbeit mit der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) an. 2.2.2.8 \"Freiheitspartei\" Die 1987 von Berliner Anh\u00e4ngern der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) gegr\u00fcndete \"Freiheitspartei\" besteht zur Zeit nur aus wenigen Akteuren. Sie arbeiten sporadisch in dem losen Zusammenschlu\u00df \"Deutsche Jugendinitiative Berlin\" (DJI) mit, dem auch Mitglieder der \"Nationalistischen Front\" (NF) sowie unorganisierte Neonazis angeh\u00f6ren. Die \"Freiheitspartei\" trat seit ihrer Gr\u00fcndung nur gelegentlich mit Flugblattverteilaktionen in der Berliner \u00d6ffentlichkeit in Erscheinung. Zu den erw\u00e4hnenswerten Aktivit\u00e4ten der Organisation im Jahr 1991 z\u00e4hlten die Teilnahme an einer gemeinsamen Sonnwendfeier der rechtsextremistischen \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen\", der NPD-Jugendorganisation \"Junge Nationaldemokraten\" (JN) und der neonazistischen \"Wiking-Jugend e.V.\" (WJ)","66 2. - Politischer Extremismus - in H\u00f6now (Brandenburg) am 21. Juni 1991 sowie die Beteiligung an der \"Heldengedenkfeier\" auf dem Soldatenfriedhof in Halbe (Brandenburg) am 17. November 1991, der - wie bereits 1990 - von der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen\" organisiert worden war. 2.2.2.9 \"Wiking-Jugend, volkstreue nordi\u00e4ndische Jugendbewegung Deutschland e.V.\" (WJ) Die 1952 gegr\u00fcndete \"Wiking-Jugend e.V.\" (WJ) versteht sich als Lebensgemeinschaft auf v\u00f6lkischer Grundlage. Sie wird nach dem \"F\u00fchrerprinzip\" geleitet und sieht sich in der Tradition der ehemaligen \"HitlerJugend\". Die einer germanisierenden Nordlandideologie anh\u00e4ngende WJ ist in Gaue und Horte gegliedert. Bundesweit geh\u00f6ren der WJ etwa 400 Personen an; zum Gau Berlin geh\u00f6rten im Jahr 1991 etwa zehn Aktivisten. Mit der F\u00fchrung des Berliner Gaues ist seit 1983 Wolfram NAHRATH beauftragt, der am 6. Juli 1991 seinen Vater Wolfgang NAHRATH im Amt des Bundesf\u00fchrers abl\u00f6ste. Im Jahr 1980 wurde der Gau Berlin vor\u00fcbergehend aufgel\u00f6st, weil das militante Auftreten einzelner WJ-Mitglieder die Gefahr eines Vereinsverbots heraufbeschwor. In den darauffolgenden Jahren f\u00fchrte die WJ in Berlin interne Zusammenk\u00fcnfte und Flugblattverteilaktionen zur Mitgliederwerbung durch, ohne in der \u00d6ffentlichkeit besonders aufzufallen. Nach dem Fall der Mauer erweiterten die Anh\u00e4nger der WJ ihren Wirkungskreis in den neuen Bundesl\u00e4ndern und strebten eine Zusammenarbeit mit anderen rechtsextremistischen Organisationen an. So nahmen z.B. Anh\u00e4nger des Berliner Gaues an dem am 19. Januar 1991 stattgefundenen \"Au\u00dferordentlichen Bundesparteitag\" der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in Berlin-Wei\u00dfensee teil, beteiligten sich ferner an einer am 21. Juni 1991 durchgef\u00fchrten Sonnwendfeier der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen\" in H\u00f6now (Brandenburg) und waren bei einer Veranstaltung der neonazistischen \"Nationalistischen Front\" (NF), die am 20. September 1991 in Hennigsdorf (Brandenburg) stattfand, pr\u00e4sent. Auch an dem am 17. November 1991 stattgefundenen \"Heldengedenktag\" auf dem Soldatenfriedhof in Halbe (Brandenburg) beteiligten sich Berliner WJAngeh\u00f6rige.","2. - Politischer Extremismus - 67 2.2.2.10 \"Deutsche Jugendinitiative Berlin\" (DJI) Der lose Zusammenschlu\u00df von gegenw\u00e4rtig etwa 30 Anh\u00e4ngern der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP), der \"Nationalistischen Front\" (NF) und unorganisierter Neonazis trat erstmals 1986 mit Flugblattaktionen u.a. zur Ausl\u00e4nderpolitik hervor. Das Aktionsb\u00fcndnis beteiligt sich seit 1988 sporadisch an von der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen\" (vormals \"Deutsche Kulturgemeinschaft Berlin\") organisierte Vortragsveranstaltungen. Zuletzt trat die DJI mit Flugblattaktionen unter dem Motto Den Zionismus stoppen! an die \u00d6ffentlichkeit. Auch warb die DJI f\u00fcr eine von der \"Nationalistischen Front\" organisierten Veranstaltung des in rechtsextremistischen Kreisen bekannten Liedermachers Frank RENNICKE unter dem Motto Nationale Lieder f\u00fcr Deutschland. An der Veranstaltung, die am 20. September 1991 in Hennigsdorf (Brandenburg) stattfand, beteiligten sich etwa 250 Personen, darunter Angeh\u00f6rige der \"Wiking-Jugend e.V.\" (WJ), der NPD-Jugendorganisation \"Junge Nationaldemokraten\" (JN) sowie der FAP. 2.2.2.11 \"Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V.\" (HNG) Die 1979 gegr\u00fcndete HNG ist mit etwa 200 Mitgliedern immer noch eine der mitgliederst\u00e4rksten neonazistischen Organisationen. Sie bem\u00fcht sich seit Jahren, die aus der Haft entlassenen Gesinnungsgenossen wieder in die neonazistische Szene einzugliedern. Die Organisation, die ihre Mitglieder aus verschiedenen neonazistischen Vereinigungen rekrutiert, hat in Berlin keine Gliederung, sondern verf\u00fcgt hier nur \u00fcber Einzelmitglieder. Die HNG ist Anlaufstelle f\u00fcr Gesinnungsgenossen aus dem gesamten neonazistischen Spektrum. Sie gew\u00e4hrt ihnen finanzielle sowie auch immaterielle Unterst\u00fctzung und vermittelt Kontakte zu anderen Rechtsextremisten. Die monatlich erscheinende Publikation \"Nachrichten der HNG\" ver\u00f6ffentlicht regelm\u00e4\u00dfig eine \"Gefangenenliste\", die der Kontaktvermittlung und Betreuung inhaftierter \"Kameraden\" dient. Dar\u00fcber hinaus werden Leserbriefe und Zuschriften von Gesinnungsgenossen aus der Haft abgedruckt.","68 2. - Politischer Extremismus - Die langj\u00e4hrige Vorsitzende der HNG, Christa GOERTH, legte Ende M\u00e4rz 1991 ihr Amt als Vorsitzende wegen interner Streitigkeiten zwischen Anh\u00e4ngern und Gegnern K\u00dcHNENs nieder. Nachfolgerin wurde Ursula M\u00dcLLER aus MainzGonsenheim. 2.2.3 \"Nationalfreiheitiiche'y'Nationaidemokraten\" 2.2.3.1 \"Nationalfreiheitliche\" (DVU e.V./DVU) Nachdem DVU und NPD 1990 aus ihrem B\u00fcndnis zun\u00e4chst materiell und personell geschw\u00e4cht hervorgegangen waren [vgl. Verfassungsschutzbericht Berlin 1990, S. 88], nahmen sie seit Beginn 1991 ihre Zusammenarbeit wieder auf. Ausschlaggebend f\u00fcr das Wahlb\u00fcndnis zur Bremer B\u00fcrgerschaftswahl am 29. September 1991, bei der die DVU \u00fcber 6 % erhielt und sechs Abgeordnete, darunter zwei NPD-Funktion\u00e4re, in die B\u00fcrgerschaft entsenden konnte, d\u00fcrfte die Gr\u00fcndung der neuen rechtsextremistischen Vereinigung \"Deutsche Allianz - Vereinigte Rechte\" am 18. Januar 1991 gewesen sein. Diese Vereinigung konstituierte sich am 3. Oktober 1991 unter dem neuen Namen \"Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat\" als Partei. DVU und NPD betrachten die \"Deutsche Liga ...\" als weitere Zersplitterung des \"rechten Lagers\" und lehnen sie daher ab. Die vor\u00fcbergehende Schw\u00e4chung von DVU und NPD im Jahr 1990 ist, wie auch die Mitgliederentwicklung bei der DVU belegt, einer Konsoldierungsphase gewichen. Verzeichnete die DVU 1989 noch 25.000 Mitglieder und 1990 nur noch 22.000 Mitglieder, verf\u00fcgte sie nach Erkenntnissen der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden Ende 1991 wieder \u00fcber rund 24.000 Mitglieder (FREY spricht von 27.000 Mitgliedern). Neben dem Bremer Wahlerfolg war der erfolgreiche Aufbau der DVU in den neuen Bundesl\u00e4ndern f\u00fcr den Aufschwung der Partei mitentscheidend. Bis auf Mecklenburg-Vorpommern konnte die DVU in allen neuen Bundesl\u00e4ndern Landesverb\u00e4nde gr\u00fcnden. Entscheidenden Anteil am Wahlerfolg der DVU in Bremen hatte, so Analysen des Wahlergebnisses, die massive Agitation gegen Asyl-Betrug und \u00dcberfremdung. Insbesondere forderte die DVU Kein Wahlrecht f\u00fcr Ausl\u00e4nder,","2. - Politischer Extremismus - 69 Abschiebung von Rauschgifth\u00e4ndlern, Scheinasylanten und Kriminellen, Wohnungen und Arbeitspl\u00e4tze, vorrangig f\u00fcr Deutsche, Begrenzung des Ausl\u00e4nderanteils in Deutschland, staatliche Hilfe f\u00fcr junge und kinderreiche Familien bzw. Alleinerziehende, St\u00e4rkung der Polizei, Gesetzesversch\u00e4rfungen f\u00fcr Kapitalverbrechen. Bei k\u00fcnftigen Wahlen, an denen sich DVU und NPD m\u00f6glicherweise wieder unter wechselseitiger Unterst\u00fctzung beteiligen werden, k\u00f6nnten neben der Agitation gegen Ausl\u00e4nder Themen wie die Festschreibung der Westgrenze Polens weitere Agitationsfelder der DVU werden. Dar\u00fcber hinaus d\u00fcrfte die DVU versuchen, ihre Position in den neuen Bundesl\u00e4ndern dadurch aufzubauen, da\u00df sie sich als Wegbereiterin f\u00fcr nicht erf\u00fcllte Hoffnungen der dortigen Bev\u00f6lkerung auf unmittelbare Teilhabe am wirtschaftlichen Aufschwung darstellt. Die DVU, die im M\u00e4rz 1991 einen Landesverband Berlin-Brandenburg gr\u00fcndete, ist mit etwa 800 Mitgliedern die weitaus gr\u00f6\u00dfte rechtsextremistische Organisation Berlins, doch ist sie innerhalb der rechtsextremistischen Szene der Stadt weitgehend isoliert. Auch die f\u00f6rmliche Ausdehnung des Berliner DVU-Landesverbandes auf das Land Brandenburg hat bisher kaum Auswirkungen auf die seit Jahren bedeutungslose Situation der DVU im Berliner Raum gehabt. Kennzeichnend hierf\u00fcr ist, da\u00df die Mitgliederzahl stagniert und die Aktivit\u00e4ten sich kaum gesteigert haben. Fanden 1990 vier DVU-Veranstaltungen statt, an denen sich durchschnittlich 30 Personen beteiligten, so konnte die Berliner DVU im Jahre 1991 einschlie\u00dflich der Teilnahme an der allj\u00e4hrlichen Gro\u00dfveranstaltung in Passau f\u00fcnf Veranstaltungen durchf\u00fchren, die von durchschnittlich 42 Personen besucht wurden.","70 2. - Politischer Extremismus - Seine politische Situation offensichtlich realistisch einsch\u00e4tzend, verzichtete der Landesverband Berlin-Brandenburg der DVU auch darauf, an den am 24. Mai 1992 stattfindenden Wahlen zu den Bezirksverordentenversammlungen teilzunehmen. 2.2.3.2 \"Nationaldemokraten\" Das Desaster der NPD bei der Bundestagswahl am 2. Dezember 1990 [vgl. Verfassungsschutzbericht Berlin 1990, S. 95], in dessen Folge der langj\u00e4hrige NPD-Bundesvorsitzende Martin MU\u00dfGNUG seine Partei\u00e4mter aufgab und zur \"Deutschen Allianz-Vereinigte Rechte\" (jetzt: \"Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat\") wechselte, brachte die Partei an den Rand des finanziellen Ruins und l\u00f6ste heftige Diskussionen \u00fcber den Fortbestand der NPD aus. Mit Hilfe von Spenden und drastischen Einsparungen gelang es der Partei im Jahre 1991 jedoch, ihre Finanzen zu konsolidieren und mit der Wahl des neuen Parteivorsitzenden G\u00fcnther DECKERT auf dem Bundesparteitag am 8. und 9. Juni 1991 ihre F\u00fchrungskrise zu \u00fcberwinden. Der neue NPD-Bundesvorsitzende versucht, der Partei neue Impulse zu geben, dem Substanzverlust, der insbesondere durch Abwanderungen zur \"Deutschen Liga f\u00fcr Volk und Heimat\" eingetreten ist, entgegenzuwirken und den Ausbau der Partei in den neuen Bundesl\u00e4ndern voranzutreiben. In diesem Sinne erkl\u00e4rte DECKERT bereits auf dem NPD-Bundesparteitag, die NPD habe insbesondere in \"Mitteldeutschland\" eine gute Chance, weil dort eine gro\u00dfe geistige Aufnahmebereitschaft vorhanden sei. Den Wahlerfolg der DVU bei der Wahl zur Bremer B\u00fcrgerschaft am 29. September 1991 nimmt auch die NPD f\u00fcr sich in Anspruch. Die Wahl von zwei NPD-Funktion\u00e4ren auf der DVU-Landesliste sei schlie\u00dflich mit erheblicher Unterst\u00fctzung des Wahlkampfes durch die NPD gelungen und bedeute dar\u00fcber hinaus einen Motivationsschub f\u00fcr den Ausbau der neuen Landesverb\u00e4nde. Das NPD/DVU-Wahlb\u00fcndnis von Bremen zeigte jedoch bereits kurz nach seinem Erfolg erste Risse. Sollte der DVU-Bundesvorsitzende Dr. FREY seinen autorit\u00e4ren F\u00fchrungsstil beibehalten, der mit dazu beitrug, da\u00df die NPD ihren Anspruch auf den Posten des Fraktionsvorsitzenden in der neuen","2. - Politischer Extremismus - 71 B\u00fcrgerschaft nicht durchsetzen konnte, d\u00fcrfte ein weiteres fruchtbares Miteinander von DVU und NPD fraglich sein. Die sich insbesondere durch das Bremer Wahlergebnis im Aufschwung f\u00fchlende NPD mu\u00dfte jedoch - insbesondere in Baden-W\u00fcrttemberg - erhebliche Mitgliederverluste hinnehmen, die auf Abwanderungen zur \"Deutschen Liga ...\" zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Diese Mitgliederverluste d\u00fcrften sich jedoch durch neue Mitglieder aus dem Beitrittsgebiet relativieren. Nach Erkenntnissen der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden verf\u00fcgt die NPD bundesweit derzeit \u00fcber etwa 6.100 Mitglieder (Stand 1990: 6.500 Mitglieder). Der Berliner NPD-Landesverband zog auf seinem Parteitag im Juni 1991 die sich f\u00fcr ihn ergebenden Konsequenzen der deutschen Vereinigung. Nach jahrzehntelanger politischer Abstinenz l\u00f6ste sich die Berliner NPD von ihren alten Strukturen und gr\u00fcndete mit Beteiligung neuer Mitglieder aus Brandenburg einen Landesverband Berlin-Brandenburg. Die bisherigen Berliner Kreisverb\u00e4nde wurden zugunsten eines \"Stadtverbandes Berlin\" aufgel\u00f6st. Der NPD-Bundesvorsitzende DECKERT betonte auf seiner Parteitagsrede, es lohne sich wieder, in Deutschland Ordnung zu schaffen und Hand anzulegen. W\u00e4hrend die \"etablierten\" Parteien \"Mitteldeutschland\" abgeschrieben h\u00e4tten und eine multikulturelle Vielfalt der nationalen Einheit vorziehen w\u00fcrden, strebe die NPD nach der \"Auferstehung\" all dessen, was deutsch sei. Die offensichtlichen Schwierigkeiten des NPD-Landesverbandes BerlinBrandenburg seinen organisatorischen Anspruch tats\u00e4chlich umzusetzen, kommen auch darin zum Ausdruck, da\u00df es bisher nicht gelungen ist, in Brandenburg funktionierende Organisationseinheiten zu bilden. Dar\u00fcber hinaus sanken seine Aktivit\u00e4ten in Berlin erheblich. Der Landesverband organisierte in Berlin (einschlie\u00dflich Umland) im Jahre 1991 lediglich 7 Veranstaltungen - 1990 waren es noch 14 Veranstaltungen -, die von durchschnittlich 50 Personen besucht wurden. Der insbesondere von Berliner NPD-Funktion\u00e4ren erhobene Anspruch, mit der regionalen Ausdehnung der Partei auf das Land Brandenburg die personelle und organisatorische Basis erheblich zu erweitern, gelang somit im Jahre 1991 noch nicht. Obwohl die Mitgliederzahl des Landesverbandes Ende 1991 etwa 200 betrug (Stand Ende 1990 etwa 130), gelang es der Partei bei weitem","72 2. - Politischer Extremismus - nicht, die Mitgliederzahl von 1968 zu erreichen. Damals verf\u00fcgte allein der Berliner NPD-Landesverband \u00fcber mehr als 500 Mitglieder in 12 Kreisverb\u00e4nden. Seit dem Jahreswechsel 1991/1992 versucht der NPD-Landesverband BerlinBrandenburg erneut, aus der politischen Bedeutungslosigkeit hervorzutreten. Berliner NPD-Funktion\u00e4re hoffen, da\u00df eine Teilnahme an den am 24. Mai 1992 in Berlin stattfindenden Wahlen zu den Bezirksverordnetenversammlungen m\u00f6glich w\u00fcrde, auch wenn hierbei gemeinsam mit anderen Rechtsextremisten - darunter auch Neonazis - unter dem Dach einer W\u00e4hlergemeinschaft agiert werden m\u00fc\u00dfte. Nach bisherigen Einsch\u00e4tzungen d\u00fcrften hierbei f\u00fcr die NPD in Berlin - au\u00dfer m\u00f6glichen propagandistischen Aspekten - kaum Erfolgsaussichten bestehen. 2.2.4 Sonstige rechtsextremistische Organisationen 2.2.4.1 \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen\" (vormals \"Deutsche Kulturgemeinschaft Berlin\" - DKG-Berlin -) Die 1983 von einem Kreis oppositioneller Berliner NPD-Mitglieder um die als Integrationsfigur der rechtsextremistischen Szene Berlins respektierte Dr. Ursula SCHAFFER ins Leben gerufene \"Deutsche Kulturgemeinschaft Berlin\", die sich seit 1991 \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen\" nennt, hat sich seit etwa 1988 mit ihren Vortragsveranstaltungen, Reichsgr\u00fcndungs-, Sonnwendund anderen Gedenkfeiern zunehmend zu einem Sammelbecken f\u00fcr das gesamte rechtsextremistische Spektrum Berlins entwickelt. Die \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen\" z\u00e4hlt gegenw\u00e4rtig etwa 25 Mitglieder, vorwiegend Angeh\u00f6rige der Berliner NPD, aber auch einige bekannte Neonazis. W\u00e4hrend zu den Vortragsveranstaltungen der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen\", auf denen in der rechtsextremistischen Szene prominente Referenten auftreten, durchschnittlich etwa 60 Zuh\u00f6rer erscheinen - wobei der h\u00e4ufig hohe Anteil Jugendlicher auff\u00e4llig ist -, gelingt es ihr zu","2. - Politischer Extremismus - 73 Gro\u00dfveranstaltungen mit \u00fcberregionaler Resonanz, mehrere 100 Rechtsextremisten zu mobilisieren. Seit \u00d6ffnung der innerdeutschen Grenzen und der deutschen Vereinigung veranstaltete die \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen\" ihre Gedenkfeiern bevorzugt in den neuen Bundesl\u00e4ndern. So organisierte sie am 21. Juni 1991 in H\u00f6now (Brandenburg) eine Sonnwendfeier, an der zahlreiche Berliner Rechtsextremisten - darunter viele bekannte Neonazis - teilnahmen. Polizeiliche Ma\u00dfnahmen im Vorfeld der Veranstaltung f\u00fchrten dazu, da\u00df die Veranstaltung letztlich nur von etwa 100 Personen besucht wurde. Ein weiterer H\u00f6hepunkt der Aktivit\u00e4ten der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen\" war - wie schon 1990 - die Veranstaltung eines \"Heldengedenktages\" am 17. November 1991 auf dem Soldatenfriedhof in Halbe (Kreis M\u00e4rkisch Buchholz, Brandenburg). An dieser Veranstaltung, an der sich etwa 500 Personen beteiligten, nahmen auch Angeh\u00f6rige rechtsextremistischer Gruppen aus Belgien, Frankreich, Spanien und den Niederlanden teil. Die \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen\" setzte auch im Jahre 1991 ihre gruppenund partei\u00fcbergreifenden Aktivit\u00e4ten fort und ist nach wie vor als integrierender Faktor innerhalb der rechtsextremistischen Szene Berlins zu betrachten. 2.2.5 Gesetzesverletzungen mit rechtsextremistischem Hintergrund Die Zahl der bis zum 20. Februar 1992 bekanntgewordenen Gesetzesverletzungen mit erkennbarem oder vermutetem rechtsextremistischen Hintergrund ist 1991 gegen\u00fcber dem Vorjahr von 285 auf 389 angestiegen. [Anmerkung: Es ist zu ber\u00fccksichtigen, da\u00df es sich bei den in diesem Abschnitt angef\u00fchrten Zahlen nur um die dem LfV Berlin bekanntgewordenen Gesetzesverletzungen handelt. Dar\u00fcber hinaus ist von einer Dunkelziffer erheblicher Gr\u00f6\u00dfe auszugehen, da erfahrungsgem\u00e4\u00df eine Vielzahl von entsprechenden F\u00e4llen nicht angezeigt wird oder der politische Hintergrund nicht unmittelbar erkennbar ist. Allerdings wird die Zusammenarbeit der Sicherheitsbeh\u00f6rden in diesem Bereich st\u00e4ndig optimiert.]","74 2. - Politischer Extremismus - Besonders auff\u00e4llig ist die hohe Zahl von rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten gegen Personen und Sachen, die von 20 im Jahr 1990 auf 57 im Berichtszeitraum angestiegen ist. Gewalttaten im Berichtszeitraum: - gegen Personen in den westlichen Bezirken Berlins 9 - gegen Personen in den \u00f6stlichen Bezirken Berlins 25 - gegen Sachen in den westlichen Bezirken Berlins 9 - gegen Sachen in den \u00f6stlichen Bezirken Berlins 14 57 Dies bedeutet, da\u00df fast 70% (39) aller bekanntgewordenen Gewalttaten in den \u00f6stlichen Bezirken Berlins ver\u00fcbt wurden. Die H\u00e4lfte der Gewalttaten richteten sich gegen Ausl\u00e4nder, Asylantenunterk\u00fcnfte und Wohnheime, in denen Ausl\u00e4nder untergebracht wurden bzw. sind. An den Gewalttaten waren in 27 F\u00e4llen Skinheads beteiligt [vgl. 2.2.6]. Von den 57 im Jahr 1991 bekanntgewordenen Gewaltakten gegen Personen oder Sachen mit erkennbarem, wahrscheinlichem oder vermutetem rechtsextremistischen Hintergrund sind sechs Vorf\u00e4lle besonders hervorzuheben: 1. Offensichtlich aus Gr\u00fcnden rassistisch motivierter Ausl\u00e4nderfeindlichkeit griffen ca. 20 Skinheads am 12. Januar 1991 in Berlin-Pankow drei Staatsb\u00fcrger aus Mozambique an und verletzten sie durch Fu\u00dftritte. Ein T\u00e4ter konnte inzwischen ermittelt werden. 2. Unbekannte T\u00e4ter ver\u00fcbten am 19. Januar 1991 einen Brandanschlag auf einen Bank-Container der Bayerischen Hypothekenund Wechselbank in Berlin-Friedrichshain. Die Brandflaschen entz\u00fcndeten sich jedoch nicht. In einem vor Ort abgelegten Selbstbezichtigungsschreiben begr\u00fcndete eine \"Nationale Alternative - Gau Gro\u00df Berlin\" die Gewaltaktion mit der Forderung, Friedrichshain, Kreuzberg und andere linke Viertel m\u00fcssen vom Roten Unrat befreit","2. - Politischer Extremismus - 75 werden!!. Unterzeichnet ist die Selbstbezichtigung Mit Deutschem Gru\u00df!! NA Kampfgruppe MICHAEL K\u00dcHNEN. [Anmerkung: Eine \"NA Kampfgruppe Michael K\u00dcHNEN\" ist nicht bekannt. Rechtsextremisten vermeiden bei Gewalttaten in der Regel schriftliche Selbstbezichtigungen; dennoch ist zu vermuten, da\u00df die Tat aus rechtsextremistischen Motiven begangen wurde. Anhaltspunkte daf\u00fcr, da\u00df f\u00fcr den versuchten Anschlag Mitglieder der NA verantwortlich sind, liegen nicht vor. Wahrscheinlich verwendeten rechtsextremistische \"Trittbrettfahrer\" f\u00fcr ihre Aktion den Organisationsnamen \"Nationale Alternative\" (NA), weil diese Neonazi-Gruppe durch die Besetzung eines Hauses in der Weitlingstra\u00dfe 122 in Berlin-Lichtenberg und die mit diesem inzwischen nicht mehr relevanten Objekt verbundenen gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen zwischen Linksund Rechtsextremisten \u00f6ffentliches Interesse geweckt hatte.] 3. Am 2. April 1991 wurde eine t\u00fcrkische Staatsangeh\u00f6rige von einer unbekannt gebliebenen m\u00e4nnlichen Person zu Boden gerissen, etwa einen Meter weit \u00fcber den Gehweg geschleift und gew\u00fcrgt. Dar\u00fcber hinaus wurde sie in volksverhetzender Weise u.a. mit den Worten: Hure, Nutte, T\u00fcrkenschwein. Euch T\u00fcrken m\u00fc\u00dfte man alle an die Wand stellen und umbringen! beleidigt. 4. Zwei Neonazis fingen am 3. April 1991 in einem S-Bahnzug Streit mit einer Gruppe von Ausl\u00e4ndern an. Schlichtend eingreifende Personen wurden geschlagen und getreten und mit einem Gasrevolver beschossen. Als eine Person versuchte, die Neonazis an der Flucht zu hindern, wurde sie mehrmals mit dem Revolver auf den Kopf geschlagen. Bei von der Polizei durchgef\u00fchrten Vernehmungen zeigten beide Beschuldigten kein Unrechtsbewu\u00dftsein. 5. Offensichtlich aus Gr\u00fcnden rassistisch motivierter Ausl\u00e4nderfeindlichkeit wurden am 2. Mai 1991 zwei mongolische Staatsangeh\u00f6rige - BerlinTouristen - in einer Stra\u00dfenbahn von einer etwa 15 Personen umfassenden Gruppe beleidigt und geschlagen; einer der BerlinTouristen wurde mit einem Messerstich in den R\u00fccken lebensgef\u00e4hrlich verletzt. 6. Etwa 35 Skinheads aus dem Bereich Bahnhof Lichtenberg und Bahnhof Sch\u00f6neweide schl\u00f6ssen sich am 30. August 1991 zusammen, um einen Angriff autonomer Ausl\u00e4nder zu r\u00e4chen. Auf der Suche nach Ausl\u00e4ndern","76 2. - Politischer Extremismus - stie\u00dfen sie am S-Bahnhof Ostkreuz auf zwei im Zug nach Erkner fahrende algerische Staatsb\u00fcrger und mi\u00dfhandelten sie. Die Zahl der im Berichtszeitraum registrierten ausl\u00e4nderfeindlich motivierten Vorf\u00e4lle betrug 139; davon waren 37 mit Gewalt verbunden. Die 139 ausl\u00e4nderfeindlichen Gesetzesverletzungen wurden in etwa zu gleichen Teilen in den westlichen und \u00f6stlichen Bezirken Berlins ver\u00fcbt. Nach den Vorf\u00e4llen in Hoyerswerda (Sachsen) - am 17. September 1991 und den darauffolgenden Tagen hatten Skinheads und andere Rechtsextremisten unter dem Applaus von Einwohnern zwei Ausl\u00e4nderwohnheime attackiert und sich Stra\u00dfenschlachten mit der Polizei und Autonomen geliefertstieg auch die Zahl der rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten in Berlin - speziell im Oktober 1991 - an, wenn auch bei weitem nicht in dem Ma\u00dfe wie in anderen Bundesl\u00e4ndern. 24 Vorf\u00e4lle erf\u00fcllten den Straftatbestand der Beleidigung auf antisemitischer Grundlage, der Volksverhetzung und Bedrohung. Von den 255 Schmier-, Klebeund Verteilaktionen hatten 37 einen antisemitischen Bezug. Besonders hervorzuheben ist ein Vorfall vom 6. November 1991, der sich gegen die j\u00fcdische Gedenkst\u00e4tte auf der Putlitzbr\u00fccke in Berlin-Tiergarten richtete: Von unbekannt gebliebenen Personen wurde aus offensichtlich volksverhetzenden und politisch-rassistischen Motiven an diesem Ehrenmal eine Plastikt\u00fcte befestigt, in welcher sich ein Schweinekopf mit ausgestochenen Augen befand. An der Schnauze war ein bronzefarbener Orden befestigt, auf dem sich auf der einen Seite die Jahreszahl 1939 und auf der anderen Seite ein Hakenkreuz befanden. Im Nackenfleisch wurde ein zusammengefalteter Zettel mit folgender Aufschrift gefunden: Kopf an Kopf mit Heinz Galinski [Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland]. Wann rollt er endlich? F\u00fcr ein gro\u00dfdeutsches Reich ohne Juden. Kanaken - Asylanten - Kroppzeug raus. 46 Vorf\u00e4lle richteten sich gegen \"Linke\". Neben einem versuchten Brandanschlag und einigen K\u00f6rperverletzungen waren es in der Regel Schmieraktionen mit Parolen wie:","2. - Politischer Extremismus - 77 Rotfront verrecke! Linke raus! Linke verpiBt euch - keiner vermi\u00dft euch! Dar\u00fcber hinaus sind 20 Gesetzesverletzungen mit rechtsextremistischem Hintergrund (Schmieraktionen) bekanntgeworden, welche an Berliner Schulen ver\u00fcbt worden sind. Berlin nimmt in der bundesweiten Statistik der Gesetzesverletzungen mit erkennbarem oder vermutetem rechtsextremistischen Hintergrund eine mittlere Position, bei den Brandanschl\u00e4gen auf Ausl\u00e4nderund Asylantenwohnheime den vorletzten Platz ein. Die meisten Brandanschl\u00e4ge gegen Ausl\u00e4nder und deren Unterk\u00fcnfte wurden in den alten Bundesl\u00e4ndern in Nordrhein-Westfalen (\u00fcber 120), Niedersachsen (37) und BadenW\u00fcrttemberg (35) ver\u00fcbt; in den neuen Bundesl\u00e4ndern sind vor allem Sachsen (22), Mecklenburg-Vorpommern (19) und Brandenburg (15) zu nennen. In Berlin waren im Jahre 1991 vier derartige Anschl\u00e4ge zu verzeichnen. Die nachstehend aufgef\u00fchrte Tabelle gibt einen \u00dcberblick \u00fcber die Entwicklung der Gesetzesverletzungen der vergangenen drei Jahre. In Klammern ist jeweils die Anzahl der Gesetzesverletzungen mit bekanntgewordenen T\u00e4tern oder Tatverd\u00e4chtigen angegeben: Jahr 1991 1990 1989 Gesamtzahl der 389 285 604 Gesetzesver(82) (73) (159) letzungen Gewalttaten 57 20 25 (16) (5) (8) Unbefugter 1 2 2 Waffenbesitz (1) (2) (2) (Schu\u00dfwaffen)","78 2. - Politischer Extremismus - Schmier-, Ver255 184 367 teil-und (15) (15) (23) Klebeaktionen Beleidigung auf 24 35 104 antisemitischer (6) (14) (311) Grundlage.Volksverhetzungen, Bedrohungen Verwenden von 52 44 100 NS-Symbolen und (43) (37) (90) NS-Propagandamitteln Rechtskr\u00e4ftige (*) 15 34 Verurteilungen (*) nicht bekannt In 82 F\u00e4llen von Gesetzesverletzungen im Jahr 1991 sind jeweils ein oder mehrere T\u00e4ter bzw. Tatverd\u00e4chtige namentlich bekannt. Von diesen insgesamt 243 Personen, die zwischen 16 und 45 Jahren alt waren, sind 19 bereits bekannte Rechtsextremisten. Im einzelnen stellt sich die Altersstruktur der T\u00e4ter bzw. Tatverd\u00e4chtigen wie folgt dar: Alter Anzahl unter 18 Jahre 60 18-25 Jahre 159 26 - 35 Jahre 23 36 - 45 Jahre 1 46 Jahre und \u00e4lter 243","2. - Politischer Extremismus - 79 2.2.6 Ausblick Auch in Zukunft ist mit der Fortsetzung rechtsextremistischer Aktivit\u00e4ten Berliner Neonazis und militanter Skinheads zu rechnen. W\u00e4hrend die neonazistischen Organisationen \"Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei\" (FAP) und \"Nationalistische Front\" (NF) ihre Aktivit\u00e4ten in Berlin und Umgebung verst\u00e4rken und ihre Verbindungen zu Gesinnungsgenossen in Brandenburg festigen d\u00fcrften, scheint die \"Nationale Alternative Berlin\" (NA Berlin), die 1990 mit der Errichtung eines \"Nationalen Kommunikationszentrums\" in der Lichtenberger Weitlingstra\u00dfe 122 ein pressewirksames Fanal setzte, vor der baldigen Aufl\u00f6sung zu stehen. Inzwischen sind jedoch Bem\u00fchungen zu erkennen, die von Michael K\u00dcHNEN aufgebaute \"Deutsche Alternative\" (DA) als Ersatz f\u00fcr die NA auch in Berlin und Brandenburg zu etablieren. Die \"nationaldemokratischen\" und \"nationalfreiheitlichen\" Organisationen in Berlin werden voraussichtlich auch in Zukunft nur eine geringe Anziehungskraft erreichen. Wegen fehlender F\u00fchrungspersonen mit Ausstrahlungkraft, unzureichenden Engagements, aber auch Unverm\u00f6gens zahlreicher Funktion\u00e4re und Mitglieder d\u00fcrfte auch nach der erfolgten organisatorischen Ausdehnung der Berliner Landesverb\u00e4nde der NPD und der DVU auf das Land Brandenburg die Chance zur Etablierung neuer Wirkungskreise gering sein. Allein gro\u00dfsprecherische T\u00f6ne in Presseorganen - meist der Bundesparteien -, in denen regelm\u00e4\u00dfig die Verbrechen der NS-Zeit geleugnet bzw. verharmlost, gro\u00dfdeutsches Denken und Handeln gef\u00f6rdert und rassistische Propaganda im Zusammenhang mit der Asyldebatte betrieben sowie der Erhalt der Deutschen Mark zum nationalen Dogma erhoben werden, reichen nicht aus, um gr\u00f6\u00dfere Schichten der Berliner Bev\u00f6lkerung f\u00fcr die rechtsextremistischen Parteien zu gewinnen. Rechtsextremistisch eingestellte, insbesondere gewaltbereite junge Menschen, die sich f\u00fcr die rassistischen, nationalistischen und revisionistischen T\u00f6ne der \"nationalfreiheitlichen\" und \"nationaldemokratischen\" Organisationen begeistern, schlie\u00dfen sich lieber gleich neonazistischen Gruppen bzw. militanten Skinhead-Kreisen an, die deshalb auch in Zukunft - trotz der in diesem Bereich zu beobachtenden starken Fluktuation - Zulauf erhalten werden.","80 2. - Politischer Extremismus - Ob der Zenit fremdenfeindlicher Gewalttaten im Jahre 1991 bereits \u00fcberschritten wurde oder ob die Zahl der Brandanschl\u00e4ge und anderer Gewalttaten gegen Ausl\u00e4nder noch ansteigen wird, h\u00e4ngt in Berlin und seinem Umland auch von der L\u00f6sung der gesellschaftlichen Probleme ab, die sich als Folge des Bankrotts des politischen und wirtschaftlichen Systems der DDR ergeben haben. Gerade die noch vorhandene Verunsicherung weiter Bev\u00f6lkerungskreise als Folge neuer Entwicklungen und Ver\u00e4nderungen im wiedervereinigten Deutschland, die Entwurzelung insbesondere junger Menschen in den neuen L\u00e4ndern, die gesamtdeutschen Problemfelder Arbeitslosigkeit, fehlender oder unzureichender Wohnraum, steigende Kriminalit\u00e4t, die sich an der Asylfrage entwickelnden \"\u00dcberfremdungs\"-\u00c4ngste u.a. n\u00e4hren bei einem Teil der Bev\u00f6lkerung den Boden f\u00fcr rechtsextremistische Orientierungen. Wenn bei der Bev\u00f6lkerung zus\u00e4tzlich der Eindruck entst\u00fcnde, der demokratische Rechtsstaat sei nicht in der Lage, die Probleme zielstrebig zu l\u00f6sen, k\u00f6nnten sich Teile der Bev\u00f6lkerung - sei es aus Protest, sei es aus \u00dcberzeugung - rechtsextremistischen Parteien zuwenden. Ein Versuch, dieses Potential zu mobilisieren, lie\u00df sich bereits Ende 1991 in der Bildung eines Dachverbandes neonazistischer und anderer rechtsextremistischer Gruppen unter dem Deckmantel einer Freien W\u00e4hlergemeinschaft \"Die Nationalen\" zur Kandidatur bei den Wahlen zu den Berliner Bezirksverordnetenversammlungen am 24. Mai 1992 erkennen. Vom Erfolg dieses Wahlengagements d\u00fcrfte der Bestand dieses Zusammenschlusses und seine m\u00f6gliche Teilnahme an weiteren Wahlen in Berlin abh\u00e4ngen. 2.2.7 Im Blickpunkt: Militante Skinheads in Berlin Wie bereits im Vorjahr bildete die militante Skinhead-Szene auch im Jahre 1991 ein bedeutsames, nach wie vor aktuelles sicherheitspolitisches Problem in der Bundesrepublik Deutschland und in Berlin. Nach Sch\u00e4tzungen des BfV gibt es in der Bundesrepublik mehr als 6.000 gewaltbereite Skinheads - etwa zu gleichen Teilen in den alten und den neuen Bundesl\u00e4ndern. W\u00e4hrend in den alten Bundesl\u00e4ndern etwa 1.200 Skinheads","2. - Politischer Extremismus - 81 als neonazistisch angesehen werden, ist die Skinhead-Szene in den neuen L\u00e4ndern wegen ihrer Beteiligung an rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten insgesamt als neonazistisch zu bezeichnen. [Anmerkung: Neben den rechtsextremistisch orientierten militanten Skinheads gibt es eine kleinere Gruppe betont \"antifaschistischer\" Skinheads, sog. \"Redskins\", die dem linksextremistischem, v.a. autonomen Spektrum zuzurechnen sind. Skinheads in Ostdeutschland \u00fcbertreffen ihre Gesinnungsgenossen in Westdeutschland an Anzahl, Radikalit\u00e4t und Brutalit\u00e4t deutlich. Bei Krawallen legen ostdeutsche Skinheads weit ausgepr\u00e4gtere neonazistische Verhaltensmuster an den Tag und identifizieren sich damit viel deutlicher als ihre westdeutschen Gesinnungsgenossen. Besondere Schwerpunkte neonazistischer Skinhead-Aktivit\u00e4ten bilden Sachsen und Brandenburg, in den alten Bundesl\u00e4ndern vor allem Nordrhein-Westfalen. Dabei stehen rechtsextremistische Merkmale, wie aggressiver Nationalismus und rassistisch motivierte Fremdenfeindlichkeit, im Vordergrund. Traf man in den 80er Jahren noch h\u00e4ufig bei der Bewertung der politischen Motivation der Skinheads auf die These, diese seien im Grunde unpolitisch und wollten mit ihren Ausschreitungen ihre Umwelt nur provozieren, so mu\u00df heute festgestellt werden, da\u00df sich in der Skinhead-Szene - verursacht durch das Hinzutreten des quantitativ wie qualitativ als gef\u00e4hrlicher einzustufenden ostdeutschen Skinheadpotentials und einer deutlich gewachsenen Gewaltbereitschaft - ein grundlegender Wandel im Sinne einer allgemeinen Politisierung vollzogen hat, auch wenn es - vor allem in den alten Bundesl\u00e4ndern - weiterhin unpolitische \"Glatzen\" gibt. Diesem Wandel haben die Verfassungsschutz\u00e4mter des Bundes und der L\u00e4nder Rechnung getragen und betrachten militante Skinhead-Gruppen als integralen Bestandteil der rechtsextremen Szene, die wegen ihrer au\u00dferordentlichen Gewaltgeneigtheit als besonderes Gef\u00e4hrdungspotential angesehen werden m\u00fcssen. Die meisten Skins in der Bundesrepublik Deutschland und in Berlin geh\u00f6ren zu der Bewegung der sog. White-Power-Skins. Sie vertreten einen besonders menschenverachtenden Rassismus und bilden das Lager der \"rechten Skins\", auch \"Boneheads\" (Knochenk\u00f6pfe) genannt. Ihr Kampf gilt dem Erhalt der \"wei\u00dfen Rasse\", den sie durch das Symbol der geballten wei\u00dfen Faust kennzeichnen.","82 2. - Politischer Extremismus - Die rassistischen Vorstellungen von Skinheads, die sie in ihren Magazinen (\"Fanzines\") und Songs zum Ausdruck bringen, sind denen des III. Reiches entlehnt, weshalb sie sich auch als \"Soldaten der Stra\u00dfe\" nach dem Vorbild der SA verstehen. Der brutale Rassismus in ihren Songs (sog. Oi-Musik) und Beitr\u00e4gen der sog. Fanzines richtet sich gegen Ausl\u00e4nder, aber auch gegen Juden, Hippies und Kommunisten und wird abgeleitet von der Glorifizierung des III. Reiches. So bezeichnete z.B. die Skinhead-Band \"Endstufe\" in einem Interview die NSDAP als einzig akzeptable Partei. In dem Song \"Kampfhund\" der Gruppe \"St\u00f6rkraft\" wird zum Mord an Fremden aufgerufen. Durch Verbreitung solcher Magazine und Songs, z.B. bei SkinheadKonzerten, kommunizieren Skinheads untereinander und stacheln sich gegenseitig auf; h\u00e4ufig - meist in Verbindung mit Alkoholkonsum - gipfeln solche Exzesse in gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen und Anschl\u00e4gen gegen ausl\u00e4ndische Personen und Einrichtungen. In Berlin d\u00fcrfte die Gesamtst\u00e4rke der Skinheads nach groben Sch\u00e4tzungen bei etwa 500 liegen, mindestens die H\u00e4lfte ist als rechtsextremistisch orientiert zu bezeichnen. Unter den inzwischen \u00fcber 180 bekannten Berliner Neonazis stammen etwa 50 aus der Skinhead-Szene. Dar\u00fcber hinaus wurden im Jahre 1991 im Rahmen der verst\u00e4rkten Beobachtung der militanten Skinhead-Szene etwa 180 Personen bekannt, bei denen tats\u00e4chliche Anhaltspunkte oder Tatsachen f\u00fcr rechtsextremistische Bestrebungen festgestellt wurden. Fast 90 von ihnen sind aufgrund ihrer Beteiligung an Gewaltt\u00e4tigkeiten eindeutig der militanten Skinhead-Szene zuzurechnen. Die meisten Berliner Skinheads sind zwischen 17 und 25 Jahre alt, \u00fcber 20 rechtsextremistische Skinheads sind 16 Jahre oder j\u00fcnger. Der Anteil der weiblichen Skinheads liegt unter 10 %. Eine gro\u00dfe Zahl der Skinheads wohnt in den \u00f6stlichen Bezirken Berlins. Besonders bei ihnen fallen Problemfelder wie Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot und fehlende Freizeitangebote auf fruchtbaren Boden und n\u00e4hren ihre Aggressionsbereitschaft.","2. - Politischer Extremismus - 83 Die gesamte Skinhead-Szene ist ein weitgehend amorphes Gebilde ohne \u00fcbergreifende Strukturen. Sie setzt sich aus einer Vielzahl loser Gruppen zusammen, die sich an bestimmten Trefforten bilden. Zur Jahreswende 1990/1991 waren dies in erster Linie S- und Fernbahnh\u00f6fe; inzwischen bevorzugen Skinhead-Gruppen als Trefforte Jugendclubs, Imbi\u00dfst\u00e4nde und Gastst\u00e4tten. Lokale werden h\u00e4ufig gewechselt, da deren Inhaber Skinhead-Gruppen wegen ihrer Gewaltbereitschaft h\u00e4ufig Hausverbot erteilen. Ihre Gruppennamen leiten Skinheads von ihren Trefforten bzw. -Regionen ab. Sie nennen sich z.B. Clique Lichtenberg, Clique Sch\u00f6neweide, Lichtenberger Kameradschaftsbund, Frohnauer Wehrsportgruppe, Sch\u00f6nefelder Sturmstruppe, Rosenthaler, Bucher, Wilhelmsruher T\u00fcrkenj\u00e4ger, Wehrwolfterror Berlin. Auch in Berlin, insbesondere in den \u00f6stlichen Bezirken der Stadt, ist - wie im gesamten Bundesgebiet und vor allem in den neuen Bundesl\u00e4ndern - seit 1990 eine steigende Tendenz rechtsextremistisch motivierter SkinheadAktivit\u00e4ten zu verzeichnen. W\u00e4hrend f\u00fcr die Jahre 1989 und 1990 keine verl\u00e4\u00dflichen Aussagen \u00fcber die Berliner Skinhead-Szene und ihre rechtsextremistisch motivierte Militanz getroffen werden k\u00f6nnen, sind im Jahre 1991 \u00fcber 100 Vorf\u00e4lle, die von Skinheads meist an Wochenenden ver\u00fcbt wurden, bekanntgeworden. Etwa bei der H\u00e4lfte dieser Vorf\u00e4lle ist eine rechtsextremistische Motivation erkennbar oder zu vermuten. Ca. 75 % der Vorf\u00e4lle spielten sich in den \u00f6stlichen Bezirken (Schwerpunktbezirke: Prenzlauer Berg, Pankow, Lichtenberg und Hohensch\u00f6nhausen, im Westteil Berlins: Reinickendorf) ab. \u00dcber 20 Gewalttaten haben einen rechtsextremistischen Hintergrund und richteten sich gegen Ausl\u00e4nder oder Andersdenkende. In etwa 30 weiteren F\u00e4llen besteht Tatverdacht u.a. wegen Volksverhetzung und Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Die \u00fcbrigen bekanntgewordenen Vorf\u00e4lle weisen einen kriminellen Hintergrund auf - in der Regel in Verbindung mit Gewalt gegen Gleichaltrige (K\u00f6rperverletzung, Raub etc.). Im Jahre 1991 wurden in Berlin zehn rassistisch motivierte Angriffe auf Ausl\u00e4nderbzw. Asylantenheime bzw. deren Bewohner bekannt, darunter:","84 2. - Politischer Extremismus - 04.04.1991: Auseinandersetzung zwischen Skinheads und Vietnamesen vor einem Ausl\u00e4nderwohnheim in Berlin-Hohensch\u00f6nhausen (Skinheads bewarfen die Ausl\u00e4nder mit Steinen). 24.04.1991: Brandanschlag auf ein Arbeiterwohnheim f\u00fcr Vietnamesen in Berlin-Marzahn. 07.06.1991: Auseinandersetzung zwischen Skinheads und Ausl\u00e4ndern vor einem Ausl\u00e4nderwohnheim in Berlin-Rosenthal. 03.10.1991: Versuchter Brandanschlag von etwa 10 unbekannten Skinheads auf ein Wohnhaus in Berlin-Hellersdorf. Zielobjekt war vermutlich das Nachbarhaus, ein ehemaliges Ausl\u00e4nderwohnheim. 03.10.1991: Angriff von etwa 20 Jugendlichen auf ein Wohnheim f\u00fcr Vietnamesen in Berlin-Marzahn. Die T\u00e4ter bewarfen das Heim mit Steinen und verletzten dabei eine ausl\u00e4ndische Bewohnerin. Ihr Ehemann wurde von vier Skinheads mit Messern bedroht. 05.10.1991: Brandanschlag auf ein Asylantenheim in Berlin-Lichtenberg. 18.10.1991: Inbrandsetzen des Treppenhauses eines im Bezirk BerlinKreuzberg gelegenen, \u00fcberwiegend von t\u00fcrkischen Staatsangeh\u00f6rigen bewohnten Mietshauses. Bei Gewalttaten gegen Personen setzten die T\u00e4ter u.a. Baseballschl\u00e4ger und Messer ein oder mi\u00dfhandelten ihre Opfer mit Stiefeltritten und Faustschl\u00e4gen. Im Durchschnitt beteiligten sich 6 - 8 Personen an Skinhead-Vorf\u00e4llen, in Einzelf\u00e4llen traten bei Aktionen bis zu 40 Skinheads in Erscheinung. Bei Gewaltt\u00e4tigkeiten und anderen Gesetzesverletzungen traten h\u00e4ufig altbekannte Skinheads aus dem Westteil der Stadt gemeinsam mit \"Glatzen\" aus dem Ostteil Berlins auf. Inwieweit die hier schon l\u00e4nger bekannten Skinheads aus den westlichen Bezirken eine F\u00fchrungsposition gegen\u00fcber den \u00fcbrigen Skinheads aus\u00fcben, ist derzeit nicht zu beantworten.","2. - Politischer Extremismus - 85 Die Ost-Berliner Skinhead-Szene stellte sich 1990 f\u00fcr westdeutsche und WestBerliner Neonazis als eine erfolgversprechende Zielgruppe dar. Die dortigen Zusammenschl\u00fcsse von Skinheads zeichneten sich in der Regel durch ein h\u00f6heres Ma\u00df an Gewaltbereitschaft und insbesondere an Ausl\u00e4nderfeindlichkeit aus. Offensichtlich ist es den Neonazis gelungen, das Skinhead-Potential zumindest in der ehemaligen DDR f\u00fcr ihre Ziele zu instrumentalisieren. Die Ereignisse in Hoyerswerda und dann in anderen Orten Ostaber auch Westdeutschlands k\u00f6nnen als Erfolg neonazistischer Aktivit\u00e4ten gewertet werden. Hinweise auf die Teilnahme von Skinheads an Neonazi-Treffen, das Auftauchen von Neonazis und neonazistischem Propagandamaterial bei Konzerten von Skinhead-Bands und SkinheadTreffen st\u00e4rken die Annahme, da\u00df sich Neonazi-Gruppen und Angeh\u00f6rige der Skinhead-Szene sowohl thematisch als auch in ihren Aktionsformen gegenseitig erg\u00e4nzen und st\u00e4rken. Dar\u00fcber hinaus ist auch eine teilweise \"Abwanderung\" von Skinheads in rechtsextremistische Parteien und Organisationen, wie die \"Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei\" (FAP) oder die \"Nationale Alternative Berlin\" (NA Berlin), festzustellen, die um so bemerkenswerter ist, als sich Skinheads in der Vergangenheit nicht dauerhaft in feste Organisationsstrukturen einbinden lassen wollten und bei organisierten Neonazis deshalb als undisziplinierbar galten. Erkenntnisse \u00fcber eine unmittelbare Steuerung von Skinhead-Gruppen durch neonazististische oder andere rechtsextremistische Organisationen liegen jedoch bisher hier nicht vor. Die DVU des Dr. FREY bem\u00fcht sich in letzter Zeit sogar um demonstrative Abgrenzung von Skinheads und deren Gewaltakten gegen Ausl\u00e4nder, obwohl sie durch ihre fremdenfeindliche Agitation weiterhin den Boden f\u00fcr derartige Ausschreitungen bereitet. Vor allem \u00fcber Skinhead-Bands wie \"Skrewdriver\" u.a. gibt es auch Verbindungen zu ausl\u00e4ndischen Skinheads, die z.T. ihrerseits in rechtsextremistische Organisationen wie die britische \"National Front\" eingebunden sind. Zudem h\u00e4ufen sich in j\u00fcngster Zeit Hinweise auf Kontakte von Skinheads zu in Deutschland agierenden Gruppen des in den USA beheimateten militant-rassistischen Geheimbundes \"Ku-Klux-Klan\" (KKK), dessen Druckschriften und Flugbl\u00e4tter auch in Berlin vereinzelt bereits Verbreitung gefunden haben.","86 2. - Politischer Extremismus - Offensichtlich versucht der \"Ku-Klux-Klan\" seit geraumer Zeit, sich mit Hilfe von Skinheads insbesondere in den neuen Bundesl\u00e4ndern zu etablieren. So f\u00fchrte der von seinen Anh\u00e4ngern als \"Imperial Dragon\" bezeichnete Dennis W. MAHON, Chef einer der aggressivsten KKK-Gruppen in den USA, am 20. September 1991 im Rahmen einer Deutschlandreise in K\u00f6nigs Wusterhausen (Brandenburg) eine rituelle Kreuzverbrennung durch. Die \u00dcbergriffe von Skinheads in Berlin - insbesondere gegen Ausl\u00e4nderwohnheime und Asylantenunterk\u00fcnfte - hatten bisher nicht die Ausma\u00dfe, die in anderen Bundesl\u00e4ndern festzustellen sind [vgl. 2.2.5] Dennoch ist das Gef\u00e4hrdungspotential auch in Berlin vorhanden, das ohne gro\u00dfe Planungen rassistisch motivierte Aktionen und Gewalttaten brutal und unberechenbar zu ver\u00fcben, in der Lage ist.","2. - Politischer Extremismus - 87 2.3 Sonderthema: Polarisierung und m\u00f6gliche Eskalation der Gewalt zwischen Rechtsund Linksextremisten in Berlin 2.3.1 \"Antifaschismusarbeit\" der extremistischen Linken Die im Jahre 1991 erneut unter Beweis gestellte Bereitschaft Berliner Linksextremisten, und hier insbesondere autonomer Gruppen, gegen Rechtsextremisten und vermeintliche Rechtsextremisten gewaltt\u00e4tig vorzugehen, liegt in spezifischen Auffassungen dieser Organisationen und Gruppen \u00fcber Ursachen und Ausformungen des Faschismus begr\u00fcndet. Vor allem \"orthodoxe\" Kommunisten, wie Anh\u00e4nger der DKP, aber auch ein Teil der revolution\u00e4r-marxistischen Gruppen st\u00fctzen sich bei ihrer \"Antifaschismusarbeit\" nach wie vor auf die von Georgi DIMITROFF 1935 bei dem VII. Weltkongre\u00df der \"Kommunistischen Internationale\" (KOMINTERN) gepr\u00e4gten Definition des Faschismusbegriffs aus marxistisch-leninistischer Sicht. Danach ist Faschismus ... die offene terroristische Diktatur der reaktion\u00e4rsten, am meisten chauvinistischen, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals. [Anmerkung: F\u00fcr Marxisten-Leninisten ist das Finanzkapital eine Ausformung des Monopolkapitals, das seinen H\u00f6hepunkt im staatsmonopolistischen Kapitalismus findet, und ein Merkmal des Imperialismus, der letzten Phase des Kapitalismus.] Dazu erl\u00e4utern die Kommunisten, da\u00df heute zwar das Bekenntnis zu einer offenen terroristischen Diktatur fehle, das Finanzkapital aber keineswegs auf faschistische Methoden verzichte. So setze es bestimmte Gruppen, wie die \"neofaschistische\" Partei \"Die Republikaner\", als Instrumente seiner Herrschaftssicherung ein. Der Antifaschismus k\u00f6nne sich daher nicht nur auf eine reine Gegnerschaft zum Rechtsextremismus beschr\u00e4nken, sondern m\u00fcsse die materielle Basis und deren sozial\u00f6konomische Wurzeln, also den vom Finanzkapital geformten und unterhaltenen b\u00fcrgerlichen Staat, zugunsten einer \"antifaschistischen\" und \"antimonopolistischen Demokratie\" beseitigen. Vor dieser Grundhaltung wird deutlich, da\u00df es sich bei der linksextremistischen \"Antifaschismusarbeit\" nicht nur um den Kampf gegen","88 2. - Politischer Extremismus - \"faschistische\" Tendenzen oder einen erstarkenden Rechtsextremismus, sondern vielmehr um ein revolution\u00e4res Konzept zur Machteroberung handelt. Linksextremistische Organisationen und Gruppen nutzen das Thema \"Antifaschismus\" in diesem Zusammenhang auch als Ausgangspunkt ihrer B\u00fcndnispolitik und als Mittel zur Diffamierung der Bundesrepublik Deutschland, die sie dabei in die N\u00e4he des nationalsozialistischen Unrechtsstaates r\u00fccken. 2.3.2 Positionen des militanten Antifaschismus Die von \"orthodoxen\" Kommunisten entwickelte Grundidee, das Thema \"Antifaschismus\" als revolution\u00e4res Konzept einzusetzen, wurde in den letzten Jahren zunehmend auch von militanten Linksextremisten \u00fcbernommen. Zu Beginn der achtziger Jahre entstanden im gesamten Bundesgebiet zahlreiche, meist aktionistische sog. Antifagruppen, die ihre Hauptaufgabe darin sahen, auf \"Nazi-Aufm\u00e4rsche\" zu reagieren und diese zu verhindern. Ein gro\u00dfer Teil dieser Gruppen war jedoch nicht in der Lage - trotz mehrfacher Vemetzungsversuche -, eine kontinuierliche Politik zu entwickeln. Aus dieser Bewegung ging unter Mitarbeit Autonomer eine Reihe von Gruppen hervor, die einen \"autonomen Antifaschismus\" propagierten und sich nicht nur an der militanten Praxis gegen Rechtsextremisten und mutma\u00dfliche Rechtsextremisten unter dem Motto \"Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft!\" orientierten, sondern ihre Aktivit\u00e4ten auch ideologisch rechtfertigten, indem sie sich als Teil des \"antiimperialistischen Widerstands\" bezeichneten. Dabei stellten sie sich in einen historischen Zusammenhang mit der 1932 von der KPD ausgerufenen \"Einheitsfront\" (sp\u00e4ter \"Antifaschistische Aktion\") und entwickelten folgende Positionen: Die BRD ist in Kontinuit\u00e4t zum NS-Staat entstanden. Die \u00f6konomischen und politischen Grundstrukturen blieben bestehen und wurden weiterentwickelt. Die geschichtliche Trennung von faschistischer und b\u00fcrgerlicher Herrschaft ist so nicht aufrechtzuerhalten. Faschismus ist keine Form b\u00fcrgerlicher Herrschaft, sondern an den Inhalten wie z.B. unterschiedliche Wertigkeit von Menschen, Autorit\u00e4tsh\u00f6rigkeit, Patriarchate Strukturen, Leistungsethos ... festzumachen.","2. - Politischer Extremismus - 89 Die BRD organisiert selbst faschistische Praxis. - Das gleiche System, das sich hier demokratisch geb\u00e4rdet, ist f\u00fcr Unterdr\u00fcckung und Ausbeutung von Menschen in anderen Teilen der Welt verantwortlich, z.B. durch direkte Unterst\u00fctzung faschistischer Milit\u00e4rdiktaturen wie die der T\u00fcrkei. Der Imperialismus ist faschistisch. Wenn die kapitalistischen Interessen gef\u00e4hrdet w\u00e4ren, so w\u00fcrden auch hier zu ihrer Verteidigung faschistische Potentiale eskaliert werden. Faschismus ist integraler Bestandteil westeurop\u00e4ischer Demokratien. Die Herrschenden haben ein Interesse an der Existenz (neo)faschistischer Gruppen als Herrschaftsreserve, Abgrenzungsm\u00f6glichkeiten gegen Rechts, Testballon f\u00fcr repressive Ma\u00dfnahmen, Bindung des Widerstandes usw. In einem \"Diskussionspapier zur AUTONOMEN ORGANISIERUNG\" der G\u00f6ttinger \"Autonomen Antifa\", ver\u00f6ffentlicht von dem Berliner autonomen Infoblatt \"INTERIM\", Nr. 161, vom 19. September 1991, wird festgestellt, da\u00df diese Positionen nach wie vor G\u00fcltigkeit h\u00e4tten und unter der Parole \"Kampf dem Faschismus hei\u00dft Kampf dem imperialistischen System!\" auf den Punkt gebracht worden seien. Die daraus abgeleitete Praxis sei nach wie vor sinnvoll im Sinne revolution\u00e4rer Politik. Die Auseinandersetzung mit Nazis f\u00fchre zwangsl\u00e4ufig irgendwann zur Auseinandersetzung mit der Staatsmacht in Form von \"Bullen\" und erreiche damit andere Dimensionen. Der autonome Antifaschismus sei - trotz der Gefahr zu einer Anti-Nazi-Bewegung zu verkommen - immer noch der beste Hebel f\u00fcr die Vermittlung antiimperialistischer Politik. \u00c4hnliche Positionen wie Autonome zum Thema Antifaschismus/Antirassismus vertreten auch Anh\u00e4nger der RAF und der RZ. So behaupten RAF-Anh\u00e4nger, da\u00df der Staat neofaschistische Gruppen strategisch einsetze, um den Kommunismus zu unterdr\u00fccken, und eine RZ \u00e4u\u00dferte in der Erkl\u00e4rung zu einem Anschlag auf das Ausl\u00e4nderamt in B\u00f6blingen am 22. August 1991, da\u00df der Rassismus integraler Bestandteil der imperialistischen Ausbeutung sei und es damit erm\u00f6gliche, Ansatzpunkte f\u00fcr revolution\u00e4ren Widerstand zu finden.","90 2. - Politischer Extremismus - Autonome und autonome Antifa-Gruppen sehen die Anwendung von Gewalt gegen rechtsextreme Ideologie und die, die sie vertreten, als absolute Notwendigkeit an. Dazu erkl\u00e4rte beispielsweise die \"Militante antifaschistische Jugend\" in \"INTERIM\", Nr. 164, vom 10. Oktober 1991, die Sprache der Nazis und Bullen sei Gewalt; man m\u00fcsse ihnen daher in derselben Sprache antworten. Das militant-autonome Szeneblatt \"radikal\", Nr. 144, vom Oktober 1991, propagierte in diesem Zusammenhang den systematischen Gegenterror gegen neonazistische und rassistische Gewalt und ihre Akteure. Neben Gro\u00dfdemonstrationen sei offensive MHitanz gefordert. Reiner Verteidigungskampf und Selbstschutz sei zu wenig. Der \"Faschismus\" m\u00fcsse zerschlagen werden. Dies beinhalte zum Beispiel, erkannte \"Faschos\" aller Art \u00f6ffentlich und in ihrem Wohnumfeld (z.B. durch Flugbl\u00e4tter oder regelrechte Steckbriefe) zu denunzieren, gezielte Aktionen gegen Faschof\u00fchrer oder sonstige Schweine durchzuf\u00fchren, Treffpunkte von \"Faschos\" auszuforschen und zusammenzutragen; so k\u00f6nne man sich aussuchen, wo und wann und mit wieviel Leuten man sie am besten angreift oder einzelnen auf dem Heimweg auflauert, Patrouillen zu laufen in Gebieten mit Naziproblemen oder mit dem Auto oder mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, Vergeltungsaktionen gegen \u00f6rtliche \"Fascho-Strukturen\". Neben direkten Aktionen gegen \"Faschisten\" oder vermeintliche \"Faschisten\" und die sie angeblich sch\u00fctzende Polizei wird in j\u00fcngster Zeit im Rahmen des \"autonomen antifaschistischen Kampfes\" auch Gewalt gegen diejenigen bef\u00fcrwortet, die sich Aktionen gegen \"Faschisten\" entgegenstellen oder den Faschismus indirekt unterst\u00fctzen. In \"INTERIM\", Nr. 164, vom 10. Oktober 1991, wird ausgef\u00fchrt:","2. - Politischer Extremismus - 91 Wenn die Polizei nix tut, wie immer, tun wir etwas. Und wenn Gewaltlose uns daran hindern bzw. mit Nazis und Bullen zusammenarbeiten, werden sie ebenso bestraft, und wer Gewalt will, soll sie haben. Jeder, der unsere Verteidigungsaktionen behindert, mu\u00df die Konsequenzen tragen. Noch weiter geht der anarchistische Berliner \"A-Kurier\", Nr. 17, vom 25. November 1991. Er gibt unter der \u00dcberschrift Perspektiven des politischen Kampfes Antifaschismus zu bedenken, da\u00df 60 bis 70 Prozent der Bev\u00f6lkerung identisch in ihrem Handeln und Denken mit dem als \"faschistisch\" einzustufenden Staat sind. Antifa-Aktionen und -Arbeit sollte sich deshalb nicht scheuen, den Widerstand gegen den Rassismus, Sexismus und Faschismus auch gegen das B\u00fcrgertum voranzubringen und beachten, da\u00df nicht nur die Ausf\u00fchrenden den Mob darstellen, sondern jene Teile der Bev\u00f6lkerung, die so denken und solches propagieren. 2.3.3 Verminderte rechtsextremistische Aktionsf\u00e4higkeit bis zur Suspendierung des alliierten Besatzungsrechts Das Auftreten von Rechtsextremisten in der \u00d6ffentlichkeit wurde in Berlin in der Vergangenheit nicht nur von den auch im \u00fcbrigen Bundesgebiet geltenden Strafrechtsbestimmungen, z.B. SS 86 a StGB, eingeengt, sondern insbesondere auch durch administrative Anordnungen der Alliierten (BK/O) und nur in Berlin geltendes alliiertes Recht speziell beschr\u00e4nkt. Herausragendes Beispiel sind in diesem Zusammenhang die seit 1969 regelm\u00e4\u00dfig erlassenen alliierten Anordnungen, die der NPD praktisch jegliche \u00f6ffentliche Aktivit\u00e4t untersagten. Unabh\u00e4ngig hiervon kam es jedoch seit Jahren zu rechtswidrigen rechtsextremistischen Aktionen in der \u00d6ffentlichkeit (z.B. Schmieraktionen oder andere Rechtsverletzungen). Mit dem Fall der Mauer am 9. November 1989 und der deutschen Vereinigung war auch der Fortfall des in Berlin geltenden alliierten Rechts verbunden, so da\u00df heute Rechtsextremisten wesentlich ungehemmter auch in Berlin auftreten k\u00f6nnen.","92 2. - Politischer Extremismus - 2.3.4 Rechtsextremistische Aggressionsbereitschaft Wegen zahlenm\u00e4\u00dfiger und logistischer \u00dcberlegenheit ihrer aktiven politischen Gegner, aber auch eingedenk ihrer eigenen organisatorischen und personellen Schw\u00e4che, waren Neonazis und andere Rechtsextremisten in Berlin, unabh\u00e4ngig von rechtlichen Erw\u00e4gungen, ohnehin seit jeher darauf bedacht, offene Konfrontationen zu vermeiden. Ihre latente, ideologisch begr\u00fcndete Aggressivit\u00e4t haben sie aber schon damals immer wieder durch n\u00e4chtliche Schmierund Klebeaktionen und bei vereinzelten sonstigen Aktivit\u00e4ten, auch provokatorisch angelegten, gegen \"Linke\" entladen, ein Feindbild, das neben Linksextremisten nach Gutd\u00fcnken auch Sozialdemokraten, Linksliberale, Alternative und andere Demokraten einschlie\u00dft. Ber\u00fchrung mit Linksextremisten erhielten zum Beispiel in der zweiten H\u00e4lfte der achtziger Jahre Neonazis und andere Anh\u00e4nger des Aktionsb\u00fcndnisses \"Deutsche Jugendinitiative Berlin\" (DJI), die besonders von 1986 bis 1988 gegen die Ausl\u00e4nderund Asylpolitik des Senats polemisierten und in \u00f6ffentlichen Flugblattaktionen im Berliner Stadtgebiet, vornehmlich in Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen, aber auch vor Schulen, gegen Ausl\u00e4nder und Asylanten Front machten. Militant-rassistisch zeigten sich bereits damals neonazistische Skinheads, als sie im M\u00e4rz 1987 vor Berliner Schulen als Steckbrief aufgemachte Flugbl\u00e4tter verbreiteten, in denen - mit Hakenkreuzen und Runen versehen - dazu aufgerufen wurde, einen als DRECKIGEN RASSEFREMDEN UNV\u00d6LKISCHEN KOMMUNISTEN bezeichneten Jugendlichen zu verpr\u00fcgeln. Ab 1988 kam es dann zu ersten Gewalttaten von neonazistischen Skinheads gegen \"Linke\". So griffen Skinheads im M\u00e4rz 1988 eine offensichtlich als \"linke\" Einrichtung angesehene Selbsthilfegruppe in einem ehemaligen besetzten Haus in BerlinNeuk\u00f6lln mit einem Brandsatz an. Dar\u00fcber hinaus wurden bis in das Fr\u00fchjahr 1989 Skinhead-\u00dcberf\u00e4lle auf Personen bekannt, bei denen die T\u00e4ter ihre Opfer unter Sieg-Heil-Rufen als rote S\u00e4ue oder linke Schweine titulierten.","2. - Politischer Extremismus - 93 Es gibt allerdings f\u00fcr Berlin keine Erkenntnisse, da\u00df organisierte Rechtsextremisten - auch Neonazis - gezielt Auseinandersetzungen mit linksextremistischen Gegnern suchen. Bekannt ist, da\u00df Neonazis, wie Aktivisten der \"Nationalen Alternative\" (NA) mit der \"Verteidigung\" ihres im Jahre 1990 besetztgewesenen Domizils Weitlingstra\u00dfe 122 (BerlinLichtenberg) bewiesen haben, zu gewaltt\u00e4tigen Abwehrma\u00dfnahmen greifen. Insbesondere neonazistische Skinheads setzen hingegen ihre meist spontanen, von ausgiebiger Brutalit\u00e4t begleiteten Angriffe gegen \"Linke\" fort, wobei sie auch nicht vor Auseinandersetzungen mit gewaltt\u00e4tigen Linksextremisten, z.B. Autonomen, zur\u00fcckschrecken. 2.3.5 Beispiele bekanntgewordener t\u00e4tlicher Auseinandersetzungen 14.02.1991 In Berlin-Wilmersdorf schl\u00e4gt ein Skinhead einer Frau ins Gesicht, als sie die Frage, ob sie gegen Nazis w\u00e4re, bejaht. 16.02.1991 Sechs Skinheads randalieren vor einem Lokal in Niedersch\u00f6neweide (Berlin-Treptow), in dem \u00fcberwiegend autonome Kreise verkehren. U.a. wird die Eingangst\u00fcr mit einem Hakenkreuz beschmiert. 24.02.1991 In einem S-Bahnzug zwischen den Bahnh\u00f6fen Waidmannslust und Hermsdorf (Berlin-Reinickendorf) wird ein Mann von einer Gruppe Skinheads geschlagen und getreten; ihrem Opfer entrei\u00dfen sie einen \"Peace-Button\". 05.03.1991 Drei Skinheads zerren am Frankfurter Tor (BerlinFriedrichshain) einem Mann seine Jacke vom Leib, auf der ein Aufn\u00e4her mit dem Schriftzug \"Gegen Nazis\" angebracht ist.","94 2. - Politischer Extremismus - 20.04.1991 Im Anschlu\u00df an eine Kundgebung in Berlin-Kreuzberg unter dem Motto \"F\u00fcr Frieden und V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung - Gegen Rassismus\" formiert sich, wie in einer \"Vollversammlung\" beschlossen, ein nicht angemeldeter Aufzug aus \u00fcberwiegend Anh\u00e4ngern militanter Antifa-Gruppen in Richtung Lichtenberg mit knapp 1.000 Teilnehmern, um dort einem vermuteten Aufmarsch von Rechtsextremisten entgegenzutreten. 17.06.1991 Im Vorfeld der \u00fcberwiegend von Autonomen und Angeh\u00f6rigen des RAF-Umfeldes durchgef\u00fchrten Demonstrationen \"Gegen Umstrukturierung und Hauptstadtwahn\" unter dem Motto \"Potzblitz Regierungssitz ... Gegen ein Berlin der Reichen!\" verhindern etwa 50 Angeh\u00f6rige des autonomen Teils der sog. AntifaBewegung, \u00fcberwiegend Personen aus besetzten H\u00e4usern im Ostteil Berlins, handgreiflich eine Kranzniederlegung der \"Republikanischen Jugend\" in Berlin-Mitte. 23./24.06.1991 Angeh\u00f6rige des autonomen Teils der sog. Antifa-Bewegung beteiligen sich an gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen anl\u00e4\u00dflich eines Konzertes der fr\u00fcheren Skinhead-RockGruppe \"B\u00f6hse Onkelz\" in Berlin-Neuk\u00f6lln. Die Randalierer greifen Polizeibeamte an und zerst\u00f6ren Scheiben des Veranstaltungsortes. Es kommt zu Schl\u00e4gereien zwischen Demonstranten und Skinheads. Juni/Juli 1991 Autonome f\u00fchren sog. S-Bahn-Aktionen gegen Skinheads und andere \"Faschos\" durch. Hierbei fahren sie auf verschiedenen S-Bahn-Strecken, zum Teil bewaffnet, um unter dem Motto \"Glatzen klatschen\" gewaltt\u00e4tig gegen Rechtsextremisten vorzugehen und \"faschistische Parolen\" mit Antifa-Losungen zu \u00fcbermalen.","2. - Politischer Extremismus - 95 17.08.1991 Etwa 2.500 Personen, darunter zahlreiche Linksextremisten einschlie\u00dflich 100 Autonome aus Berlin, demonstrieren im Raum Bayreuth gegen den Aufmarsch von \u00fcber 1.000 Personen des rechtsextremistischen Spektrums aus Anla\u00df des 4. Todestages des ehemaligen Hitlerstellvertreters Rudolf HE\u00df. Berliner Linksextremisten hatten bereits Wochen zuvor mit Planungen f\u00fcr Ausschreitungen begonnen. W\u00e4hrend die Polizei in Bayreuth Gewaltt\u00e4tigkeiten zwischen Neonazis und ihren politischen Gegnern weitgehend verhindern kann, kommt es im Umfeld Bayreuths zu massiven Auseinandersetzungen. 24.08.1991 Beteiligung zahlreicher Angeh\u00f6riger der autonomen Szene an einem Aufzug in Berlin-Kreuzberg aus \"Protest gegen den Angriff der t\u00fcrkischen Armee auf Kurdistan\". Mehrere Demonstranten greifen zwei Personen au\u00dferhalb des Zuges an, die ihrem Erscheinungsbild nach der SkinheadSzene zugeordnet werden. Eine der Angegriffenen erleidet durch Schl\u00e4ge mit einer Flasche Verletzungen am Kopf. Aug./Sept. 1991 Berliner Autonome fahren nach Zeesen b. K\u00f6nigsWusterhausen (Brandenburg), um dortige Besetzer eines ehemaligen Jagdschlosses gegen Angriffe von Rechtsextremisten zu unterst\u00fctzen. 22.09.1991 Aktionen autonomer Aktivisten gegen Hooligans und Skinheads anl\u00e4\u00dflich eines Fu\u00dfballspiels Hertha BSC - 1. FC-St. Pauli im Olympia-Stadion. Etwa 300 Personen treffen sich zentral in Berlin-Kreuzberg, um gemeinsam zum Veranstaltungsort zu fahren. Die Polizei verhindert t\u00e4tliche Auseinandersetzungen zwischen den rivalisierenden Gruppen.","96 2. - Politischer Extremismus - 22./29.09.1991 Autonome und Angeh\u00f6rige des RAF-Umfeldes beteiligen sich in Hoyerswerda (Sachsen) zum Teil f\u00fchrend an mehreren Protestaktionen gegen zuvor erfolgte \u00dcbergriffe rechtsextremistischer Gewaltt\u00e4ter auf Asylbewerber. Es kommt u.a. mehrfach zu gewaltsamen Auseinandersetzungen Berliner Autonomer mit Angeh\u00f6rigen der s\u00e4chsischen Skinhead-Szene. 06.10.1991 Redskins schlagen einen Mann zusammen und entwenden ihm Jackenaufn\u00e4her mit dem Schriftzug \"Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein\" bzw. mit dem Aufdruck des \"Eisernen Kreuzes\". 18.10.1991 F\u00fcnf Redskins werden vor einem Jugendclub in BerlinPrenzlauer Berg von vier Skinheads mit Baseballschl\u00e4gern verletzt. 22.10.1991 Brandstiftung im Haus Pfarrstra\u00dfe 111 (Berlin-Lichtenberg). Ziel des Anschlages war das dortige von einem evangelischen Diakon geleitete Jugendprojekt, in dem Neonazis aus der \"Nationalen Alternative\" (NA) mitarbeiten. In einer Taterkl\u00e4rung bezichtigt sich eine \"antifaschistische Gruppe\", eine Brandbombe in dem \"getarnten, k\u00fcnftigen Nazihauptquartier\" gez\u00fcndet zu haben. 23.10.1991 Gewaltt\u00e4tige Auseinandersetzungen zwischen Skinheads und Angeh\u00f6rigen der autonomen Szene. Etwa 20 Personen sind unter Benutzung von Schlagwerkzeugen, Gaspistolen und Brandflaschen in Auseinandersetzungen vor besetzten H\u00e4usern in der Pfarrstra\u00dfe (Berlin-Lichtenberg) verwickelt. 26.10.1991 Oliver SCHWEIGERT, Vorsitzender der neonazistischen Partei \"Nationale Alternative\" (NA), wird in Berlin-Mitte nach einem Interview mit einem franz\u00f6sischen Fernsehsender von ca. 10 der autonomen Szene zuzuordnenden Personen verletzt.","2. - Politischer Extremismus - 97 17.11.1991 Etwa 30 Vermummte aus der linksextremistischen Szene greifen auf dem Bahnhof K\u00f6nigs Wusterhausen (Brandenburg) mit Steinen und Baseballschl\u00e4gern ca. 12 Personen an, die zuvor an einem \"Heldengedenktag\" der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen\" auf dem Soldatenfriedhof in Halbe teilgenommen hatten. 09.12.1991 Gewaltt\u00e4tige Auseinandersetzungen zwischen insgesamt etwa 50 Angeh\u00f6rigen der autonomen Antifa-Szene und Skinheads in Berlin-Friedrichshain. Mehrere Personen werden verletzt; die Polizei nimmt einige der Kontrahenten vor\u00fcbergehend fest und stellt Waffen und andere gef\u00e4hrliche Gegenst\u00e4nde sicher. R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Intensit\u00e4t des seitens rechtsextremistischer Kreise angestauten ungez\u00fcgelten Hasses gegen ihre politischen Gegner lassen auch im Jahre 1991 bekanntgewordene Textschmierereien zu. So stand u.a. auf W\u00e4nden und anderen Fl\u00e4chen im Stadtgebiet zu lesen: Linke in die Gaskammer, FAP, den Linken wird es so ergehen wie den Juden in Ausschwitz, Sieht der Nazi rot, ist der Linke tot. 2.3.6 Ausblick Allein die angef\u00fchrten Beispiele bekanntgewordener t\u00e4tlicher Auseinandersetzungen zwischen Rechtsund Linksextremisten belegen anhand der H\u00e4ufigkeit solcher Vorf\u00e4lle bzw. der jeweils angewandten Methoden und Mittel, da\u00df die Konfrontation beider \"Lager\" Im Jahre 1991 an Sch\u00e4rfe und Entschlossenheit zugenommen hat. Militante Linksextremisten, und hier insbesondere Autonome, f\u00fchrten ihren \"antifaschistischen Kampf\", wie seit Jahren propagiert, zunehmend in gewaltt\u00e4tigen Formen. Erfahrungsgem\u00e4\u00df sind es momentan vor allem sie, die zielund planvoll zum direkten Angriff auf verha\u00dfte politische Gegner \u00fcbergehen. Unter Ber\u00fccksichtigung, da\u00df insbesondere im Ostteil Berlins das rechtsextremistische Gewaltpotential weiter anw\u00e4chst, mu\u00df damit gerechnet werden, da\u00df auch organisierte Neonazis ihre bisher - nicht zuletzt aus einem Gef\u00fchl mangelnder Durchsetzungskraft in der direkten Auseinandersetzung mit \"Linken\" heraus - gezeigte eher defensive Taktik aufgeben. Derart im Vertrauen auf die eigene \"Kampfesst\u00e4rke\" ermutigt, w\u00e4ren offensive,","98 2. - Politischer Extremismus - bewaffnete Attacken gegen Personen und Einrichtungen der \"linken Szene\" denkbar. Aktionistisch gepaart mit den seit geraumer Zeit exzessiv gewaltt\u00e4tigen Skinheads, gliche diese Entwicklung einer politischen Initialz\u00fcndung f\u00fcr verbesserte Rekrutierungsund Mobilisierungschancen der militanten Linken unter bisher gewaltfreien \"Antifaschisten\". Eine u.U. dem Proze\u00df eines gegenseitigen \"Hochschaukeins\" der untereinander strikt verfeindeten extremistischen Str\u00f6mungen folgende st\u00e4ndig eskalierende \"Gewaltspirale\" ist aus heutiger Sicht weder in ihrem Militanzgrad noch hinsichtlich eventueller \u00fcbergreifender Radikalisierungstendenzen in breiteren Bev\u00f6lkerungsschichten absch\u00e4tzbar, jedoch als potentielles zentrales Bedrohungsmoment f\u00fcr die innere Sicherheit deutlich erkennbar.","2. - Politischer Extremismus - 99 2.4 Ausl\u00e4nderextremismus 2.4.1 \u00dcberblick Der Sammelbegriff \"Ausl\u00e4nderextremismus\" umfa\u00dft Organisationen und Gruppierungen von Ausl\u00e4ndern mit sicherheitsgef\u00e4hrdenden und extremistischen Bestrebungen. Das Hauptgewicht der Arbeit des LfV Berlin im Bereich des Ausl\u00e4nderextremismus lag auch im Jahre 1991 bei der Aufkl\u00e4rung des gewaltorientierten Extremismus. Die Beobachtung der gewaltfreien extremistischen Bestrebungen war f\u00fcr den Berliner Verfassungsschutz wieder von nachrangiger Bedeutung. Dies gilt besonders f\u00fcr orthodox-kommunistische Ausl\u00e4nderorganisationen, deren Niedergang sich nach dem Scheitern des \"realen Sozialismus\" auch im Jahre 1991 fortsetzte. Als Folge dieser Entwicklung haben eine Vielzahl von ausl\u00e4ndischen Organisationen, die sich der orthodox-kommunistischen Ideologie verschrieben hatten, ihre programmatische Zielsetzung aufgegeben oder zumindest soweit ver\u00e4ndert, da\u00df diese nicht mehr mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland im Konflikt steht. Diese Organisationen werden vom Verfassungsschutz nicht mehr beobachtet. Trotz des Wegfalls dieses Beobachtungsspektrums konnte von einer Reduzierung der Sicherheitsbedrohung Berlins durch Ausl\u00e4nder keine Rede sein. Beim \u00fcberwiegenden Teil der Beobachtungsobjekte des Verfassungsschutzes auf dem Gebiet des Ausl\u00e4nderextremismus spielt der Kommunismus als Weltanschauung keine oder nur eine geringe Rolle. Viele gewaltorientierte Ausl\u00e4nderorganisationen sind nationalistisch, monarchistisch oder islamisch-extremistisch eingestellt. In Berlin waren im Jahre 1991 nach Angaben des Statistischen Landesamtes Berlin 355.356 Ausl\u00e4nder melderechtlich erfa\u00dft; d.h. der Anteil der ausl\u00e4ndischen Mitb\u00fcrger an der Gesamtbev\u00f6lkerung in Berlin (ca. 3,5 Mill.) betrug 1991 10,3 % (Stand: 31.12.1991). Knapp 31.000 Ausl\u00e4nder waren 1991 im Ostteil Berlins wohnhaft. Den h\u00f6chsten Ausl\u00e4nderanteil Berlins stellten 1991 wie in den Vorjahren die 137.592 t\u00fcrkischen Staatsangeh\u00f6rigen. Ferner waren in Berlin etwa 42.000 Jugoslawen, 13.000 Angeh\u00f6rige verschiedener arabischer Staaten, etwa","\"JEM VHld Jsp us\u00dfejyssuy uon jeIz Jydu Neyus\u00dfue\u00dfusN Jep u UNMOg Yone uuom \"uEPINM HUnjSBYSAINP puejyssinsg Ylqndalsspung Jop ul SoPLEWWOYJOLOL usap uoRA 1661 Alyer wi yone ap \"(YHid) \"Away uesiandey ysul jeuoisinold, J9P USYEHAIIY USYOSNSUOLS} SOIP USUNP uUsqlalq Juyemisun JysN \"USWIPIM NZ PUEISIEN UEJeHANM Jspuspyejo\u00dfsyaylsysis Jsys\u00dfbow ue\u00dfem uemejso\u00dfnr uon ueddnug pun ue\u00dfun\u00dflusis'A WEUYOSINSIWEINKE UEPUSySISSq Puejyssinsq ul usp yos 'Yuqndassspung Jep Uep4oysqsysylsysis ap elglejueien LeImelso\u00dfnf u usddnu\u00dfsyion USp usyosmz Beuyuo\u00dfing Susysolge\u00dfsne |661 SNN Jod \"ulsueJ| pun uUSYINnL 'USPINY UOA USUONESILUERIO SUYOSISIWEINXS SUSNUSLONEMSEB SIMOos uouoresiue\u00dfig-ieqgeiy PUN -Jssusunsejed JeyeNUsuoyeme\u00df Jeyasjsillanxe ueddnig uspusysjssq uMeg ul Ip 'snwsuonejsfeels \"Bos Jep 1661 syer w uoyyez ullog AJ] sOp uepundiemysss\u00dfunysegosg uelsyeMm uop nz 1onloy (Pus\u00dfnf eyosysiyosejyNuy) \"H1OUSH Issejyuy, eddnug ayosyny sp sepuosagq yos Je} Bueyuswwesnz WESSIP UL \"USUOIPY SySlpulsyopuejsne Syalmu! 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Nach Erkenntnissen der deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden, die zum Teil auf nunmehr zug\u00e4nglich gewordenen Materialien des ehemaligen \"Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit\" der DDR basieren, sind u.a. die Geheimdienste Iraks, Libyens, Syriens und Irans als Tr\u00e4ger staatsterroristischer Bestrebungen in der Bundesrepublik Deutschland in Erscheinung getreten. Bis zur deutschen Einigung am 3. Oktober 1990 waren die Botschaften der genannten Staaten in der ehemaligen DDR ideale Ausgangspunkte f\u00fcr Aktionen im Westteil Berlins. Die Angeh\u00f6rigen dieser Vertretungen konnten grunds\u00e4tzlich ungehindert und unkontrolliert in den Westteil Berlins einreisen und in ihren Diplomatenwagen Waffen, Munition und Sprengstoff transportieren. W\u00e4hrend des Zusammenwachsens der beiden deutschen Staaten wurden diese diplomatischen Vertretungen in der DDR zum Teil in Au\u00dfenstellen der Bonner Botschaften der jeweiligen Staaten umgewandelt und die Zahl der darin t\u00e4tigen Personen erheblich reduziert. Die Geb\u00e4ude der Berliner Au\u00dfenstellen der Botschaften Iraks, Libyens und Syriens werden von diesen Staaten weiter genutzt. Die bisherige Botschaft Irans in der ehemaligen DDR wurde inzwischen in ein Generalkonsulat umgewandelt. Im Zusammenhang mit dem Golfkonflikt bzw. Golfkrieg erhielten die Sicherheitsbeh\u00f6rden Hinweise, wonach die im Bundesgebiet aufh\u00e4ltlichen Angeh\u00f6rigen der irakischen Nachrichtendienste in Anschlagsvorbereitungen verwickelt seien und u.a. zur Abkl\u00e4rung geeigneter Anschlagsziele bzw. zur logistischen Unterst\u00fctzung eingesetzt w\u00fcrden. Um m\u00f6glichst fr\u00fchzeitig Vorbereitungen terroristischer Aktionen zu st\u00f6ren, wurden auf Anregung der deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden ab Ende 1990 erkannte Angeh\u00f6rige von Nachrichtendiensten an den irakischen","102 2. - Politischer Extremismus - diplomatischen Vertretungen in Bonn und Berlin vom Ausw\u00e4rtigen Amt aus der Bundesrepublik Deutschland ausgewiesen. So \u00fcbergab am 21. Dezember 1990 das Ausw\u00e4rtige Amt dem irakischen Botschafter in Bonn eine Liste von acht irakischen Diplomaten - davon drei aus der ehemaligen Botschaft in der DDR -, die bis zum 4. Januar 1991 die Bundesrepublik Deutschland verlassen mu\u00dften. In der Folgezeit wurde weiteres irakisches Botschaftspersonal ausgewiesen. Nach Einsch\u00e4tzung der deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden hatten ihre Pr\u00e4ventivma\u00dfnahmen, die sich auch auf au\u00dferhalb der Botschaften t\u00e4tige Angeh\u00f6rige irakischer Nachrichtendienste bezogen, zur Folge, da\u00df deren Struktur in Deutschland empfindlich gest\u00f6rt wurde und es auch aus diesem Grunde zu keinen terroristischen Aktivit\u00e4ten auf deutschem Boden kam. Von den Nachrichtendiensten Libyens, Syriens und Irans wurden im Jahre 1991 keine staatsterroristischen Aktivit\u00e4ten bekannt. 2.4.3 Pal\u00e4stinenser/Araber Das Ausma\u00df der Gef\u00e4hrdung der inneren Sicherheit Berlins durch Gewaltakte von pal\u00e4stinensischen/arabischen Extremisten wird haupts\u00e4chlich von der politischen Situation im Nahen Osten, d.h. dem Verhalten der dort miteinander und gegeneinander wirkenden politischen Kr\u00e4fte, bestimmt. Vor dem Hintergrund des arabisch-israelischen Konfliktes, um dessen Beilegung sich seit Ende Oktober 1991 die Weltm\u00e4chte sowie die Konfliktparteien im Nahen Osten bem\u00fchen, war der Golfkonflikt das Schl\u00fcsselereignis bei der Beurteihjng und Einsch\u00e4tzung der Bedrohungslage f\u00fcr die Sicherheit der Stadt durch Aktivit\u00e4ten pal\u00e4stinensischer bzw. arabischer Extremisten. Tr\u00e4ger der sicherheitsgef\u00e4hrdenden Bestrebungen sind seit Jahren einerseits die in der \"Pal\u00e4stinensischen Befreiungsorganisation\" (PLO) zusammengeschlossenen Pal\u00e4stinenser-Organisationen sowie aus diesen hervorgegangene Splittergruppen und andererseits islamisch-fundamentalistisch bzw. -extremistisch ausgerichtete Pal\u00e4stinenserund Araber-Organisationen. Diese Organisationen und Gruppen operieren sowohl im Nahen Osten als auch in Europa einschlie\u00dflich der Bundesrepublik Deutschland.","2. - Politischer Extremismus - 103 Etwa 13.000 Angeh\u00f6rige verschiedener arabischer Staaten sowie etwa 10.000 - zum Teil illegal aufh\u00e4ltliche - Pal\u00e4stinenser leben derzeit in Berlin. Der Anteil in extremistischen bzw. in extremistisch beeinflu\u00dften Organisationen und Gruppen in Berlin ist weiterhin sehr gering. Das extremistische Kernpotential unter den Arabern und Pal\u00e4stinensern in Berlin umfa\u00dfte im Jahre 1991 nach hiesiger Sch\u00e4tzung etwa 300 Personen. 2.4.3.1 PLO-Mitgliedsorganisationen Etwa 180 dieser 300 Personen geh\u00f6rten PLO-Mitgliedsorganisationen bzw. aus diesen hervorgegangenen Splittergruppen an. Von den neun Mitgliedsorganisationen der PLO, die im Jahre 1964 als Dachverband aller Pal\u00e4stinenser-Organisationen gegr\u00fcndet worden war und in ihrem Programm, der \"Pal\u00e4stinensischen National-Charta\", die Vernichtung des Staates Israel als strategisches Ziel verankert hat, waren sechs mit Gliederungen (Gruppen, Zellen, St\u00fctzpunkte, Einzelmitglieder) in Berlin vertreten. Es handelt sich um \"AI FATAH\" \"Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" (PFLP) \"Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" (DFLP) \"Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas-Generalkommando\" (PFLP-GC) \"Pal\u00e4stinensische Volkskampffront\" (PPSF) \"AL SAIQA\" Von den restlichen drei Organisationen sind die \"Pal\u00e4stinensische Befreiungsfront\" (PLF) sowie die erst 1984 in die PLO aufgenommene \"Pal\u00e4stinensische Kommunistische Partei\" (PKP) in Berlin bisher nicht in Erscheinung getreten; die von Irak gesteuerte Pal\u00e4stinenser-Organisation \"Arabische Befreiungsfront\" (ALF) z\u00e4hlte nicht zu den Beobachtungsobjekten","104 2. - Politischer Extremismus - der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden. Diese Organisation gewann erst im Verlauf des Golfkrieges unter dem Aspekt der inneren Sicherheit Bedeutung. In Berlin waren weiterhin Angeh\u00f6rige von pal\u00e4stinensischen Terrororganisationen bzw. -gruppen aktiv, die sich von der PLO abgespalten haben. Zu nennen sind hier insbesondere die \"Abu-Nidal-Organisation\" (ANO) sowie die \"Abu-Moussa-Gruppe\". Im Jahre 1991 boten diese Organisationen in Berlin folgendes Erscheinungsbild: Die \"FATAH\" verf\u00fcgte in Berlin \u00fcber etwa 100 Mitglieder. Von diesen war jedoch nur ein sehr kleiner Teil aktiv. Die Gruppe wurde von der Berliner Zweigsteile der Informationsstelle Pal\u00e4stina (ISPA) in Bonn angeleitet. Bei der Berliner Zweigstelle der ISPA handelt es sich um die vormalige Botschaft der PLO in der ehemaligen DDR. Das Engagement der gr\u00f6\u00dften PLO-Mitgliedsorganisation FATAH unter ihrem F\u00fchrer Yassir ARAFAT bei der im Oktober 1991 begonnenen Nahost-Friedenskonferenz f\u00fchrte dazu, da\u00df radikalere Pal\u00e4stinenserOrganisationen, insbesondere die ANO und die PFLP-GC, aber auch islamisch-extremistische Gruppen Anschl\u00e4ge gegen f\u00fchrende Funktion\u00e4re der FATAH ank\u00fcndigten. Auch Repr\u00e4sentanten der FATAH in Berlin waren davon betroffen. Aufgrund des desolaten Gesamtzustandes der Gruppe gingen von ihr als Organisation im Berichtszeitraum keine sicherheitsgef\u00e4hrdenden Aktivit\u00e4ten aus. Der Berliner Gruppe der PFLP geh\u00f6rten im Jahre 1991 etwa 25 Pal\u00e4stinenser an, die konspirativ in Zellen arbeiten. Die Gruppe wurde von einem Kollektiv geleitet. Die Berliner PFLP-Gliederung trat 1991 \u00f6ffentlich nicht in Erscheinung. Durch Pr\u00e4ventivma\u00dfnahmen im Zusammenhang mit dem Golfkrieg Anfang des Jahres 1991 gelang es den deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden, die PFLP-Mitgliedschaft in der","2. - Politischer Extremismus - 105 Bundesrepublik Deutschland stark zu verunsichern. Aus diesem Grund ist die Gefahr terroristischer Anschl\u00e4ge durch PFLP-Kommandos derzeit gering einzusch\u00e4tzen. Jedoch geht von der Organisation eine latente Sicherheitsbedrohung aus. Zu beachten ist, da\u00df die PFLP zu den radikalen Pal\u00e4stinenserOrganisationen z\u00e4hlt, die die Nahost-Friedenskonferenz strikt ablehnen. In Berlin geh\u00f6rten der DFLP im Jahre 1991 etwa 30 Mitglieder an. Ende 1990 hatte sich die Organisation gespalten. Der eine Fl\u00fcgel, der sich um den aus der DFLP wegen seiner proirakischen Haltung w\u00e4hrend des Golfkonfliktes ausgeschlossenen Nayef HAWATMEH gebildet hat, steht hinter der Politik des PLO-Chefs Yassir ARAFAT. Der andere Fl\u00fcgel der DFLP unterst\u00fctzt die Politik Syriens, wo sich auch die Zentrale der Organisation befindet. Im Jahre 1991 vollzog sich auch die Spaltung innerhalb der DFLP-Organisation in der Bundesrepublik Deutschland. Gewaltt\u00e4tige Auseinandersetzungen zwischen Anh\u00e4ngern der beiden Fl\u00fcgel sind in der Bundesrepublik Deutschland bisher nicht bekanntgeworden. Die Sicherheitsbedrohung durch die DFLP ist als gering einzusch\u00e4tzen. Die \u00fcbrigen obengenannten Pal\u00e4stinenser-Organisationen, wie die PFLP-GC, ANO, SAIQA und PPSF, verf\u00fcgten in Berlin nach den Erkenntnissen der Berliner Verfassungsschutzbeh\u00f6rde \u00fcber keine Gliederungen. Sie waren in der Stadt nur mit Einzelmitgliedern und Anh\u00e4ngern vertreten. Die meisten Berliner Angeh\u00f6rigen aller Pal\u00e4stinenser-Organisationen waren au\u00dferdem im \"Pal\u00e4stinensischen Arbeiterverein\" (PAV) bzw. im \"Pal\u00e4stinensischen Studentenverein\" (PSV) in Berlin organisiert. Beide Vereinigungen fungieren als Sammelbecken der in Berlin lebenden Pal\u00e4stinenser. Zusammen verf\u00fcgten sie \u00fcber 450 Mitglieder. Aktivit\u00e4ten gingen von beiden Vereinigungen im Jahr 1991 nicht aus. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Mitglieder war inaktiv. Im Zusammenhang mit dem Golfkrieg f\u00fchrten die Berliner Sicherheitsbeh\u00f6rden Pr\u00e4ventivma\u00dfnahmen (u.a. Hausdurchsuchungen, melderechtliche Auflagen) gegen erkannte extremistische Pal\u00e4stinenser/Araber durch. Dies f\u00fchrte zu einer allgemeinen Verunsicherung","106 2. - Politischer Extremismus - unter den in Berlin lebenden Pal\u00e4stinensern und Arabern. Vermutlich aus diesem Grund fanden auch keine nennenswerten Aktionen der genannten Pal\u00e4stinenser-/Araber-Organisationen in Berlin statt. 2.4.3.2 Islamisch-extremistische Pal\u00e4stinenserund Araber-Organisationen Im Gegensatz zu den PLO-Mitgliedsorganisationen, die nicht zuletzt wegen des politischen Agierens des PLO-Vorsitzenden ARAFAT viel an politischer Geltung verloren haben und sich insgesamt gesehen in einem desolaten Zustand befinden, erfuhren islamisch-extremistische Pal\u00e4stinenserund Araber-Organisationen wegen ihrer konsequenten anti-israelischen Haltung, die in dem Ziel der Ausl\u00f6schung des Staates Israel gipfelt, einen starken Zulauf an Mitgliedern und Anh\u00e4ngern. Wegen ihrer Ziele stellten diese Organisationen eine latente Bedrohung der inneren Sicherheit Berlins dar. Folgende islamisch-extremistische Pal\u00e4stinenserund Araber-Organisationen verf\u00fcgten in Berlin \u00fcber Gliederungen: \"Hizb Allah\" (Partei Gottes), \"Hizb AI-Da'Wa Al-Islamia\" (\"Partei des Islamischen Rufs der Islamischen Mission\"), AMAL-Bewegung, \"Moslem-Bruderschaft\" mit ihrer radikalen Abspaltung \"Islamische Avantgarden\", \"Islamische Widerstandsbewegung\" (HAMAS), \"Pal\u00e4stinensischer Islamischer Jihad\" (PU). Diese Organisationen, die ihre Zentralen in den von Israel besetzten Gebieten, im Libanon und im Iran haben, verf\u00fcgten in Berlin zusammen \u00fcber etwa 120 aktive Mitglieder. Trefforte dieses Personenkreises waren insbesondere mehrere Moscheen in Berlin.","2. - Politischer Extremismus - 107 Die Anh\u00e4ngerschaft der islamisch-extremistischen Organisationen und Gruppen in Berlin ist um ein Vielfaches h\u00f6her als die der in Berlin aktiven PLOMitgliedsorganisationen. Von einem mobilisierbaren Potential von mehreren tausend Personen ist auszugehen. So f\u00fchrten Anh\u00e4nger islamischextremistischer Organisationen am 26. Januar 1991 eine Demonstration zum Thema \"Gegen den Golfkrieg\" durch, an der sich etwa 5.000 Personen beteiligten. Unter den Teilnehmern befanden sich viele Anh\u00e4nger der \"Moslembruderschaft\", der \"Hizb Allah\", der \"HAMAS\" und des PL). Im Jahre 1991 ging insbesondere von der Organisation \"Pal\u00e4stinensischer Islamischer Jihad\" eine Bedrohung f\u00fcr die Bundesrepublik Deutschland aus. Diese in sechs Fraktionen aufgespaltene Organisation, die bisher terroristisch nur im Nahen Osten in Erscheinung getreten war, erhielt im Jahre 1991 starken Zulauf in der Bundesrepublik Deutschland. In Berlin, wo es bisher nur Einzelmitglieder des PIJ gab, etablierte sich im Berichtszeitraum eine Gruppe von etwa 40 Mitgliedern. Diese Gruppe setzt sich aus fanatischen Moslems zusammen, die sich die Vernichtung des Staates Israel zum obersten Ziel gesetzt haben. W\u00e4hrend des Golfkrieges wurde von f\u00fchrenden Funktion\u00e4ren des PIJ auch mit Anschl\u00e4gen gegen US-amerikanische Ziele in der Bundesrepublik Deutschland gedroht. 2.4.4 T\u00fcrken Die Aktivit\u00e4ten der in Berlin organisierten T\u00fcrken im Bereich des politischen Extremismus stellen ein Spiegelbild der tiefgreifenden sozialen und politischen Konflikte in der T\u00fcrkei dar. Ihre Zahl ist jedoch im Vergleich zur Gesamtzahl der in Berlin lebenden T\u00fcrken \u00e4u\u00dferst gering. Von den 137.592 melderechtlich erfa\u00dften t\u00fcrkischen Staatsangeh\u00f6rigen in Berlin waren im Jahre 1991 etwas weniger als 2.000 Personen Mitglied in einer extremistischen bzw. extremistisch beeinflu\u00dften T\u00fcrkenorganisation in Berlin. Bei der Bewertung des Ausl\u00e4nderextremismus mu\u00df besonders bei den t\u00fcrkischen Staatsangeh\u00f6rigen ber\u00fccksichtigt werden, da\u00df nicht alle Angeh\u00f6rigen extremistisch beeinflu\u00dfter Organisationen deren Zielsetzung vorbehaltlos unterst\u00fctzen. H\u00e4ufig sind die Beweggr\u00fcnde f\u00fcr eine Mitgliedschaft, insbesondere bei den im Verh\u00e4ltnis zu anderen Nationalit\u00e4ten mitgliederstarken T\u00fcrkenorganisationen, im zwischenmenschlichen Bereich angesiedelt. Es werden vorrangig Kontakte zu Landsleuten und Unterst\u00fctzung bei der Bew\u00e4ltigung von Alltagsproblemen gesucht. Allerdings erliegen diese Ausl\u00e4nder nicht selten der indoktrinierenden Kraft geschulter Funktion\u00e4re.","108 2. - Politischer Extremismus - 2.4.4.1 Linksextremisten Zu den gewaltorientierten Organisationen der t\u00fcrkischen Neuen Linken, die im Jahre 1991 in Berlin Aktivit\u00e4ten entwickelten, z\u00e4hlen \"T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L), \"Revolution\u00e4re Kommunistische Partei der T\u00fcrkei\" (TDKP), \"T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei/-front\" (THKP/-C), \"Devrimci Yol\" (\"Revolution\u00e4rer Weg\") und die verbotene T\u00fcrken-Organisation \"Devrimci Sol\" (\"Revolution\u00e4re Linke\"), die seit ihrem Verbot auch die Tarnbezeichnung \"Avrupa'da Dev Gene\" (\"Revolution\u00e4re Jugend in Europa\") benutzt. Diesen Organisationen bzw. Gruppen wurden in Berlin etwa 150 Personen (aktiver Kern) zugerechnet. Die in Berlin bestehende Gruppe der TKP/M-L mit etwa 50 aktiven Mitgliedern und nach hiesiger Sch\u00e4tzung weiteren 100 Anh\u00e4ngern entwickelte im Jahre 1991 zahlreiche Aktivit\u00e4ten, in deren Verlauf es auch zu Gewalthandlungen, u.a. gegen die Polizei, kam. Beispielhaft hierf\u00fcr waren folgende \u00f6ffentliche Veranstaltungen 1991 in Berlin: Am 8. Oktober 1991 fand eine Solidarit\u00e4tsdemonstration der \"Revolution\u00e4ren Kommunisten (BRD)\" (RK) f\u00fcr den des Totschlags angeklagten t\u00fcrkischen Staatsb\u00fcrger Ayhan \u00d6ZT\u00dcRK statt. Aus der Mitte der etwa 400 Teilnehmer, darunter auch mehrere Anh\u00e4nger und Mitglieder der TKP/M-L, warfen einzelne Randalierer u.a. Steine auf Polizeibeamte und das Gerichtsgeb\u00e4ude. Am Rande eines Trauermarsches am 16. November 1991 aus Anla\u00df des Todes von Mete EKSI vom Adenauerplatz in Berlin-Charlottenburg zum Rathaus Sch\u00f6neberg versuchten insbesondere die Anh\u00e4nger der TKP/M-L zum Teil mit gewaltsamen Aktionen auf die eigenen Belange aufmerksam zu machen. Etwa 20 ihrer Anh\u00e4nger waren w\u00e4hrend der","2. - Politischer Extremismus - 109 gesamten Veranstaltung mehrmals in t\u00e4tliche Auseinandersetzungen sowohl mit den Ordnern des Veranstalters als auch mit der Polizei verwickelt. Aus dieser Personengruppe wurden wiederholt Parolen wie \"Nie wieder Deutschland\" und \"Tod dem Faschismus\" gerufen. Die TKP/M-L bem\u00fchte sich auch im Jahre 1991 in Berlin um die Eintreibung von Spendengeldern. Wie im Vorjahr bediente sie sich dabei krimineller Methoden. Im Januar 1991 ereigneten sich derartige Vorf\u00e4lle im Bezirk Wedding. Es ist davon auszugehen, da\u00df die TKP/M-L erpresserische Methoden zur Eintreibung von sog. Spenden h\u00e4ufiger anwendet, dies aber in der Mehrzahl der F\u00e4lle nicht bekannt wird, weil die Gesch\u00e4digten vermutlich aus Angst vor Repressalien keine Anzeige bei der Polizei erstatten. Eine latente Bedrohung f\u00fcr die innere Sicherheit Berlins ging im Jahre 1991 auch von der im Februar 1983 in der Bundesrepublik Deutschland verbotenen T\u00fcrken-Organisation \"Devrimci Sol\" (\"Revolution\u00e4re Linke\") bzw. ihrer Nachfolgeorganisation \"Avrupa'da Dev Gene\" (\"Revolution\u00e4re Jugend in Europa\") aus. Mit Beginn des Golfkrieges waren in der T\u00fcrkei zunehmende Gewaltaktivit\u00e4ten der dort terroristisch operierenden \"Devrimci Sol\" zu verzeichnen. Bei Feuergefechten mit t\u00fcrkischen Sicherheitskr\u00e4ften anl\u00e4\u00dflich einer gro\u00dfangelegten Durchsuchungsaktion in Istanbul in der Nacht zum 13. Juli 1991 wurden 10 mutma\u00dfliche \"Devrimci Sol\"-Aktivisten get\u00f6tet und 12 festgenommen. Die Organisation f\u00fchrte deswegen zahlreiche Protestaktionen, auch in der Bundesrepublik Deutschland, durch. Ein besonderes Problem bei den sicherheitsgef\u00e4hrdenden Aktivit\u00e4ten von T\u00fcrken in Berlin stellt das unorganisierte, politisch motivierte Gewaltpotential jugendlicher T\u00fcrken dar. Dieses zahlenm\u00e4\u00dfig nicht genau bestimmbare Gewaltpotential war auch im Jahre 1991 an Gewalthandlungen, die im Verlauf von Demonstrationen entfacht wurden, beteiligt, wie etwa am 1. Mai 1991. Aufgrund der inzwischen der Berliner Verfassungsschutzbeh\u00f6rde vorliegenden Erkenntnisse k\u00f6nnen zwei Arten der an den gewaltsamen Ausschreitungen beteiligten Ausl\u00e4nder unterschieden werden: Bei vielen t\u00fcrkischen Gewaltt\u00e4tern, insbesondere bei Jugendlichen, d\u00fcrfte es sich - auch nach Auffassung zust\u00e4ndiger Polizeidienststellen - um sog. Destruktionst\u00e4ter (Zerst\u00f6rungswut) bzw. um Personen handeln,","110 2. - Politischer Extremismus - die sich einen finanziellen bzw. materiellen Vorteil (Pl\u00fcnderungen) verschaffen wollen. Zahlreiche t\u00e4tliche Auseinandersetzungen einzelner t\u00fcrkischer Jugendlicher mit tats\u00e4chlichen oder vermeintlichen deutschen Rechtsextremisten im Jahre 1991 lie\u00dfen keinen organisierten politischen/extremistischen Hintergrund erkennen. Bei anderen an den Ausschreitungen beteiligten t\u00fcrkischen Staatsangeh\u00f6rigen d\u00fcrften politische Motive, nach au\u00dfen hin manifestiert durch ihr gemeinsames Auftreten mit Personen aus dem deutschen autonomen Bereich, ausschlaggebend gewesen sein. Bezeichnend hierf\u00fcr ist die Tatsache, da\u00df diese Erscheinungsformen von Gewaltanwendung stets im Zusammenhang mit Kundgebungen, Aufz\u00fcgen oder sonstigen Aktivit\u00e4ten standen, die erkennbare Bez\u00fcge zu tagespolitischen Ereignissen bzw. aktuellen Themen aufwiesen und h\u00e4ufig durch provokatives Auftreten auf Konfrontation mit den Sicherheitsorganen abzielten. Es mu\u00df daher davon ausgegangen werden, da\u00df es vor solchen Ausschreitungen gemeinsame Absprachen zwischen gewaltbereiten T\u00fcrken und deutschen Autonomen gegeben hat. Insbesondere die in Berlin agierenden Gruppen der t\u00fcrkischen Neuen Linken (TKP/M-L, TDKP und \"Avrupa'da Dev Gene\") waren bem\u00fcht, dieses unorganisierte Gewaltpotential in Berlin f\u00fcr ihre Zwecke einzusetzen. Besonders erw\u00e4hnenswert ist in diesem Zusammenhang auch eine t\u00fcrkische Gruppe^ die sich \"Antifasist Genclik\" (\"Antifaschistische Jugend1') nennt Die Gruppe ist dem autonomen Spektrum der Antifa-Bewegung zuzurechnen. Diese aus etwa 30 Personen bestehende Gruppe zeichnete sich im Jahre 1991 durch besondere Gewaltbereitschaft aus. So beteiligten sich zum Beispiel am 20. April 1991 einige ihrer Anh\u00e4nger an gewaltsamen Auseinandersetzungen in Berlin-Kreuzberg mit Rechtsextremisten aus Anla\u00df des Geburtstages von Adolf HITLER. Bei der Demonstration in Hoyerswerda (Sachsen) am 29. September 1991 gegen \u00dcbergriffe rechtsextremistischer Gewaltt\u00e4ter auf Asylbewerber fielen etwa 30 Aktivisten dieser Gruppe durch besonders ausgepr\u00e4gte Gewaltbereitschaft, u.a. gegen\u00fcber Polizisten und Pressevertretern, auf.","2. - Politischer Extremismus - 111 2.4.4.2 Rechtsextremisten Die rechtsextremistischen, d.h. extrem-nationalistischen T\u00fcrken-Organisationen in Berlin vertreten die Ideen und politischen Ziele der \"Partei der Nationalistischen Arbeit\" (MCP) in der T\u00fcrkei. In Berlin gibt es vier MCPorientierte Vereinigungen, die auch unter der Bezeichnung \"idealistenvereine\" bekannt sind: \"Gro\u00dfer Idealer Kreis T\u00fcrkischer Kulturverein Berlin e.V.\" (B\u00dcD) mit etwa 300 Mitgliedern, \"T\u00fcrkische Gemeinschaft in Berlin e.V.\" (BTO) mit etwa 50 Mitgliedern, \"Vereinigung der t\u00fcrkischen Jugend in Berlin e.V.\" (BTGB) mit etwa 50 Mitgliedern, \"T\u00fcrkischer Studentenund Jugendverein e.V.\" (T\u00d6GD) mit etwa 10 Mitgliedern. Diese Vereinigungen sind in der Lage, f\u00fcr Gro\u00dfveranstaltungen zwischen 500 und 1.000 Personen zu mobilisieren. Die \"Idealistenvereine\" in Berlin beschr\u00e4nkten ihre Aktivit\u00e4ten im Berichtszeitraum gr\u00f6\u00dftenteils auf interne Zusammenk\u00fcnfte und Veranstaltungen aus Anla\u00df nationaler und religi\u00f6ser Feiertage. Das wichtigste Ereignis der t\u00fcrkischen \"Idealisten\" in Berlin war das Erscheinen des F\u00fchrers der MCP, Alparslan T\u00dcRKES, in Berlin. Er trat bei einer Gro\u00dfveranstaltung des B\u00dcD am 16. Februar 1991 auf. Etwa 1.000 Personen hatten an der Veranstaltung teilgenommen. Ein weiteres wichtiges Thema der t\u00fcrkischen Rechtsextremisten in Berlin war im Jahre 1991 die zunehmende Ausl\u00e4nderfeindlichkeit in der Bundesrepublik Deutschland. Wiederholt wurde bei Veranstaltungen ge\u00e4u\u00dfert, sich in sog. Selbstschutzgruppen zu organisieren und sich ggf. zu bewaffnen. Zu einer Beeintr\u00e4chtigung der \u00f6ffentlichen Sicherheit durch derartige Aktivit\u00e4ten ist es bisher nicht gekommen.","112 2. - Politischer Extremismus - 2.4.4.3 Islamisch-extremistische T\u00fcrken Die Mehrzahl der islamisch-extremistischen T\u00fcrken in Berlin orientiert sich an den Zielen der \"Wohlstandspartei\" (RP) in der T\u00fcrkei. Das Hauptziel dieser Partei ist die Errichtung einer islamischen Staatsordnung in der T\u00fcrkei nach dem Muster der Islamischen Republik Iran. Etwa 1.300 T\u00fcrken waren im Jahre 1991 in Berlin in der \"Islamischen F\u00f6deration in Berlin e.V.\" organisiert. Dieser Dachverband von \u00fcber 20 Vereinigungen in Berlin wird ma\u00dfgeblich von der islamisch-extremistischen \"Vereinigung der Neuen Weltsicht in Europa e.V.\" (AMGT) mit Sitz in K\u00f6ln beeinflu\u00dft. Die AMGT vertritt die politischen Ziele der \"Wohlstandspartei\" (RP) in der Bundesrepublik Deutschland. \u00d6ffentliche Aktivit\u00e4ten, die die innere Sicherheit Berlins gef\u00e4hrdeten, gingen im Jahre 1991 von der \"Islamischen F\u00f6deration in Berlin e.V.\" nicht aus. Zu erw\u00e4hnen ist jedoch, da\u00df Ende 1991 auch im Bereich der islamischextremistischen T\u00fcrken in Berlin sog. Schutzgruppen gegen ausl\u00e4nderfeindliche Aktivit\u00e4ten ins Leben gerufen wurden. Die Angeh\u00f6rigen dieser sog. Schutzgruppen wurden regelm\u00e4\u00dfig in Karateund TaekwandoKursen geschult. Dabei soll es sich nicht um eine allgemeine Unterrichtung in Kampfsportarten gehandelt haben, sondern um ein gezieltes Training zur Abwehr von Angriffen durch vermeintliche oder tats\u00e4chliche Rechtsextremisten. Als weitere islamisch-extremistische T\u00fcrken-Vereinigung in Berlin ist das \"Muslimen-Treffund Kulturzentrum\" zu nennen, in dem etwa 20 T\u00fcrken organisiert sind. Diese Vereinigung orientiert sich an den Lehren des unter der Bezeichnung \"T\u00fcrkischer KHOMEINI\" bekannten Cemaleddin KAPLAN und bezeichnet sich \u00f6ffentlich als Berliner Repr\u00e4sentantin des von KAPLAN gef\u00fchrten Verbandes der \"Islamischen Vereine und Gemeinden e.V. K\u00f6ln\" (ICCB). Nennenswerte Aktivit\u00e4ten entwickelte die Vereinigung im Jahre 1991 in Berlin nicht.","2. - Politischer Extremismus - 113 2.4.5 Kurden Der politische Extremismus kurdischer Gruppen ist eine Folge der seit Jahrzehnten vergeblich erhobenen Forderungen der Kurden nach politischer Unabh\u00e4ngigkeit bzw. Autonomie und kultureller Selbstbestimmung innerhalb der Staaten, in denen das kurdische Volk heute noch lebt. Bei den Staaten handelt es sich um die T\u00fcrkei, Iran, Irak und Syrien sowie die ehemalige Sowjetunion. Die genaue Zahl der Kurden schwankt je nach dem politischen Interessenstandpunkt; Sch\u00e4tzungen bewegen sich zwischen 10 und 20 Millionen. Etwa die H\u00e4lfte von ihnen lebt im Osten der T\u00fcrkei, dem \u00e4rmsten Gebiet des Landes; jeweils ca. ein Viertel lebt im Iran und im Irak. In Berlin wird die Zahl der Kurden auf 35.000 bis 50.000 Personen mit unterschiedlicher Staatsangeh\u00f6rigkeit gesch\u00e4tzt. Aus diesem Personenkreis wurden im Jahre 1991 ungef\u00e4hr 200 extremistischen und extremistisch beeinflu\u00dften Kurden-Organisationen zugerechnet. Mit der Wohnsitznahme vieler Kurden (\u00fcberwiegend t\u00fcrkischer Staatsangeh\u00f6rigkeit) - sei es als Gastarbeiter oder Asylanten - in der Bundesrepublik Deutschland und in anderen westlichen L\u00e4ndern Europas wurde auch die Bundesrepublik Deutschland und somit Berlin mit der ungel\u00f6sten Kurdenfrage konfrontiert. Die f\u00fcr die Sicherheitslage Berlins wichtigste Kurden-Organisation ist die linksextremistische, international agierende, gewaltorientierte \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK). Wegen ihrer in den vergangenen Jahren durchgef\u00fchrten Gewalthandlungen (u.a. zahlreiche Terroranschl\u00e4ge und Morde in der T\u00fcrkei sowie Anschl\u00e4ge auf t\u00fcrkische Einrichtungen und deren Repr\u00e4sentanten im Ausland) wurde die PKK im Berichtszeitraum intensiv von den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden beobachtet. Dem Gebietskomitee Berlin der PKK geh\u00f6rten im Jahre 1991 etwa 150 Mitglieder und Anh\u00e4nger an. Treffund Versammlungsort der Gruppe ist das \"Kurdische Kulturzentrum BOTAN in Berlin e.V.\" im Bezirk Kreuzberg. Im Berichtszeitraum richtete die Berliner PKK-Gruppe den Schwerpunkt ihrer Aktivit\u00e4ten auf \u00f6ffentliche Aktionen, die sich mit den milit\u00e4rischen Operationen der t\u00fcrkischen Armee gegen Ausbildungslager und St\u00fctzpunkte der PKK im t\u00fcrkisch-irakischen Grenzgebiet befa\u00dften.","114 2. - Politischer Extremismus - Im August 1991 f\u00fchrte die Berliner PKK-Gliederung insgesamt f\u00fcnf \u00f6ffentliche Aktionen durch, um gegen die milit\u00e4rischen Operationen der t\u00fcrkischen Armee im t\u00fcrkisch-irakischen Grenzgebiet zu protestieren. Zweimal versuchten dabei Angeh\u00f6rige der PKK und Mitglieder linksextremistischer T\u00fcrken-Organisationen (u.a. TKP/M-L), in das Rathaus Sch\u00f6neberg einzudringen, um dem Regierenden B\u00fcrgermeister und Mitgliedern des Berliner Abgeordnetenhauses Protestresolutionen zu \u00fcbergeben. Beide Aktionen wurden von der Polizei verhindert. Protestaktionen fanden nicht nur in Berlin, sondern im gesamten Bundesgebiet statt. Neben friedlichen Besetzungsaktionen und Demonstrationen wurden von der PKK auch Sachbesch\u00e4digungen gegen t\u00fcrkische Konsulate, Banken und Reiseb\u00fcros durchgef\u00fchrt. Die Polizei nahm in mehreren St\u00e4dten der Bundesrepublik Deutschland in diesem Zusammenhang zahlreiche Personen fest. Die bundesweiten Besetzungsaktionen und Sachbesch\u00e4digungen an t\u00fcrkischen Einrichtungen betrachtete die PKK offensichtlich als legitimes Mittel, um die \u00d6ffentlichkeit auf die Kurden-Problematik hinzuweisen. Auf jede weitere Gewaltanwendung wurde von den Mitgliedern der PKK verzichtet, um die bis jetzt teilweise erworbene Sympathie f\u00fcr die Kurden bei der deutschen Bev\u00f6lkerung nicht zu verlieren. Die Partei achtete auch strikt darauf, da\u00df es bei ihren Aktionen nicht zu gr\u00f6\u00dferen Personensch\u00e4den kam. Bewu\u00dft wurden Frauen und Kinder f\u00fcr Besetzungsaktionen eingesetzt. Dar\u00fcber hinaus beteiligte sich die Berliner PKK-Gliederung im Berichtszeitraum mit mehreren Aktionen an einer Kampagne wegen in D\u00fcsseldorf und Celle gef\u00fchrter Prozesse gegen PKK-Funktion\u00e4re, denen u.a. Mitgliedschaft in bzw. Unterst\u00fctzung einer terroristischen Vereinigung, Mord, Freiheitsberaubung, gef\u00e4hrliche K\u00f6rperverletzung und anderes mehr vorgeworfen wird. 2.4.6 Iraner Der politische Extremismus unter den in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Iranern hat seine Wurzeln in den seit Jahrzehnten andauernden politischen, religi\u00f6sen und sozialen Konflikten im Iran, die in der islamischen Revolution von 1979 kulminierten.","2. - Politischer Extremismus - 115 In Berlin waren im Jahre 1991 etwa 6.300 iranische Staatsangeh\u00f6rige melderechtlich erfa\u00dft. Etwa 150 waren in extremistischen bzw. extremistisch beeinflu\u00dften Vereinigungen in Berlin organisiert. Bei der Beobachtung des politischen Extremismus/Terrorismus unter Iranern in Deutschland unterscheiden die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden zwei Bereiche. Zum einen stellen die Anh\u00e4nger des Mullah-Regimes im Iran eine st\u00e4ndige Sicherheitsbedrohung f\u00fcr Deutschland dar. Zum anderen bildet die in Deutschland aktive iranische Opposition gegen die Herrschaft der Mullahs einen Gefahrenherd. 2.4.6.1 Regimeanh\u00e4nger Die au\u00dferhalb des Iran lebenden Anh\u00e4nger des Regimes der Islamischen Republik Iran sind vor allem in der \"Union Islamischer Studentenvereine in Europa\" (U.I.S.A.) organisiert. Eine der Hauptaufgaben der U.I.S.A. in der Bundesrepublik Deutschland ist die Aussp\u00e4hung sowie ggf. die Bestrafung von gegen das Mullah-Regime aktiven iranischen Oppositionellen. In der Vergangenheit sind Mitglieder der U.I.S.A. in Deutschland mehrfach durch Gewalthandlungen, u.a. t\u00e4tliche Auseinandersetzungen mit oppositionellen iranischen Studenten, in Erscheinung getreten. Die U.I.S.A. sprach sich au\u00dferdem f\u00fcr eine Bestrafung des Autors des Buches \"Satanische Verse\", Salman RUSHDIE, aus und billigte ausdr\u00fccklich das vom verstorbenen Ayatollah KHOMEINI gegen RUSHDIE verh\u00e4ngte Todesurteil, das vom neuen iranischen Staatspr\u00e4sidenten RAFSANDSCHANI erneuert wurde. Die U.I.S.A. wird vom Iran aus bzw. von iranischen diplomatischen Vertretungen im Ausland gesteuert. In Berlin geh\u00f6rt der Verein \"Islamischer Studenten in Berlin-West e.V.\" der U.S.I.A. als Mitgliedsorganisation an. Im Verein sind etwa 20 Mitglieder aktiv. Im Berichtszeitraum wurden vom Verein keine nennenswerten Aktivit\u00e4ten durchgef\u00fchrt. 2.4.6.2 Regimegegner Die Opposition gegen die Herrschaft der Mullahs ist zersplittert und - soweit nicht vernichtet oder mundtot gemacht - im Exil. Die Opposition reicht heute von den zur \"Neuen Linken\" z\u00e4hlenden gewaltorientierten Gruppen","116 2. - Politischer Extremismus - \"Organisation der Volksmojahedin Iran\" (PMOI), deren Ziele in Berlin der \"Moslem-Studentenverein West-Berlin\" mit etwa 50 Mitgliedern vertritt, \"Organisation der Iranischen Studenten in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin, Sympathisanten der Volksfedayin Guerilla Iran\" (O.I.P.F.G.), die \u00fcber eine kleine Gruppe von Anh\u00e4ngern in Berlin verf\u00fcgt, \u00fcber die heute bedeutungslose orthodox-kommunistische Organisation \"Tudeh-Partei Iran\" mit etwa 10 Mitgliedern in Berlin, bis zu den monarchistischen Organisationen, von denen der \"Rat der Konstitutionellen Monarchie des Iran in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin\" (R.K.M.I.), dessen Berliner Gliederung etwa 60 Mitglieder z\u00e4hlt, die bedeutendste Vereinigung ist. Von diesen Organisationen gingen im Berichtszeitraum keine sicherheitsgef\u00e4hrdenden Aktivit\u00e4ten aus. 2.4.7 Jugoslawen DeM991 attsgebrochene B\u00fcrgerkrieg in Jugoslawien He\u00df bef\u00fcrchten, da\u00df der Funke zur Gewaltt\u00e4tigkeit auch auf die in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Jugoslawen \u00fcberspringt. In Berlin waren im Jahre 1991 etwa 42.000 jugoslawische Staatsangeh\u00f6rige registriert. Von diesen sind nur sehr wenige politisch aktiv bzw. in extremistischen Vereinigungen organisiert. Der B\u00fcrgerkrieg in Jugoslawien veranla\u00dfte 1991 die rund 15.000 Personen z\u00e4hlende Kroatische Gemeinde in Berlin, mehrere Demonstrationen durchzuf\u00fchren. Die Aufz\u00fcge standen alle unter dem Motto \"Gegen B\u00fcrgerkrieg und gegen gro\u00dfserbische Pr\u00e4tention auf Kroatien\". An einer am 16. November 1991 von etwa 1.200 Kroaten getragenen Demonstration vom Pariser Platz zum Breitscheidplatz beteiligten sich auch Mitglieder und Anh\u00e4nger extremistischer Kroaten-Organisationen.","2. - Politischer Extremismus - 117 Am 22. Dezember 1991 veranstalteten erstmals Serben eine Demonstration, an der \u00fcber 600 Personen teilnahmen. Die Demonstration f\u00fchrte vom Reichstag zum Ernst-Reuter-Platz und stand unter dem Motto \"Einseitige Berichterstattung der deutschen Medien und Einmischung deutscher Politiker in die inneren Angelegenheiten Jugoslawiens, Volksverhetzung gegen die Serben\". Unter den Teilnehmern befanden sich auch serbische Extremisten, unter anderem j\u00fcngere, die Kampfuniformen der sog. Tschetniks (TotenkopfEmbleme an der M\u00fctze) trugen. 2.4.8 Ausblick Die Ende Oktober 1991 begonnene Nahost-Friedenskonferenz hat die Pal\u00e4stinenser in zwei Lager gespalten. Yassir ARAFAT und seine Anh\u00e4nger, insbesondere die FATAH, haben sich bereit erkl\u00e4rt, den Weg des Verhandeins einzuschlagen. Er zog sich damit die entschiedene Gegnerschaft anderer Pal\u00e4stinenser-Organisationen (insbesondere ANO und PFLP-GC) sowie islamisch-extremistischer Organisationen (u.a. PIJ) zu. F\u00fchrende Funktion\u00e4re dieser Organisationen haben den Bef\u00fcrwortern der Nahost-Friedenskonferenz gedroht, sie zu ermorden. Selbst wenn zur Zeit die Gefahr von Anschl\u00e4gen in westeurop\u00e4ischen Staaten durch pal\u00e4stinensische Terrorgruppen (ANO, PFLP-GC) gering zu sein scheint, da keiner ihrer bisherigen Unterst\u00fctzerStaaten (Syrien, Libyen, Irak, Iran) gegenw\u00e4rtig bereit oder in der Lage ist, ihnen die hierf\u00fcr erforderliche Hilfe (Reisedokumente, Logistik in der Einsatzregion, Ruher\u00e4ume) zu gew\u00e4hren, kann nicht ausgeschlossen werden, da\u00df Einzelt\u00e4ter dieser Gruppen Terrorakte durchf\u00fchren werden. Besonders trifft dies auf den PIJ zu, der wegen seiner bedingungslosen Gegnerschaft zu Israel im Jahre 1991 einen starken Zulauf von Mitgliedern erhalten hat. Der Golfkrieg zu Beginn des Jahres 1991 sowie die vorgenannten anderen Gr\u00fcnde veranla\u00dften die deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden im Berichtszeitraum, den pal\u00e4stinensischen bzw. arabischen Extremisten gro\u00dfe Aufmerksamkeit zu widmen. Durch Pr\u00e4ventivma\u00dfnahmen, die im Zusammenhang mit dem \"Golfkrieg\" standen, konnten pal\u00e4stinensische bzw. arabische Extremisten in Deutschland unter Kontrolle gehalten werden.","118 2. - Politischer Extremismus - Eine Gefahr f\u00fcr die innere Sicherheit Berlins geht ferner von den gewaltorientierten linksextremistischen T\u00fcrken-Organisationen aus, die auch 1991 im Verlauf von \u00f6ffentlichen Aktionen durch Gewalthandlungen in Erscheinung getreten sind. Zu diesem Spektrum mu\u00df seit 1991 auch die Gruppe \"Antifasist Genclik\" gez\u00e4hlt werden, die mehrfach durch \u00e4u\u00dferst brutale Gewalthandlungen in Erscheinung trat. Von den rechtsextremistischen bzw. islamisch-extremistischen T\u00fcrkenVereinigungen in Berlin geht derzeit keine akute Beeintr\u00e4chtigung der Sicherheitslage aus. Die PKK stellt eine st\u00e4ndige Bedrohung der inneren Sicherheit Berlins dar. Die deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden gingen bisher davon aus, da\u00df die PKKMitglieder aufgrund einer Weisung ihrer F\u00fchrung auf die derzeit laufenden Gerichtsverfahren in D\u00fcsseldorf und Celle R\u00fccksicht nehmen und jeglichen Anschein, eine terroristische Vereinigung zu sein, vermeiden. Zudem stellte die Bundesrepublik Deutschland f\u00fcr die PKK in der Vergangenheit einen wichtigen \"Ruheraum\" dar, in dem sie sowohl Spendengelder sammeln als auch neue K\u00e4mpfer f\u00fcr den. Guerilla-Krieg in der Ostt\u00fcrkei werben konnte. In den letzten Monaten hat sich jedoch die innenpolitische Lage in der T\u00fcrkei, insbesondere durch massive Angriffe der t\u00fcrkischen Luftwaffe auf vermutete St\u00fctzpunkte der PKK im t\u00fcrkisch-irakischen Grenzgebiet, erheblich versch\u00e4rft. Vor diesem Hintergrund mu\u00df wegen der aufgeheizten Stimmungslage unter den PKK-Mitgliedern damit gerechnet werden, da\u00df die PKK ihre bisherige R\u00fccksichtnahme auf ihren \"Ruheraum\" Deutschland sowie auf den Ausgang den PKK-Prozesse aufgeben und Racheaktionen gegen t\u00fcrkische Einrichtungen und Personen auch hier durchf\u00fchren wird. Erw\u00e4hnenswert ist dar\u00fcber hinaus, da\u00df die PKK seit Oktober 1991 immer heftigere verbale Angriffe gegen die Bundesrepublik Deutschland wegen ihrer Milit\u00e4rhilfe an die T\u00fcrkei richtet. Mit Terrorakten gegen deutsche Einrichtungen in der T\u00fcrkei ist daher ebenfalls zu rechnen. Die Stimmung unter den Jugoslawen in Berlin ist durch den B\u00fcrgerkrieg emotional aufgeheizt, so da\u00df gewaltsame Aktionen von verfeindeten ethnischen Gruppen m\u00f6glich erscheinen. Vereinzelten Hinweisen zufolge versuchen extremistische Kreise gerade unter Kroaten in Deutschland, Waffen f\u00fcr den B\u00fcrgerkrieg in Jugoslawien zu beschaffen.","2. - Politischer Extremismus - 119 2.4.9 Sonderthema: Auswirkungen des Nationalit\u00e4tenkonfliktes in Jugoslawien auf die Sicherheit in Berlin Die jugoslawische politische Immigration hat ihre Ursachen in der historischen Entwicklung des Vielv\u00f6lkerstaates Jugoslawien. Auch der Extremismus jugoslawischer Emigrantenorganisationen ist ein Abbild der in Jugoslawien oftmals brutal gef\u00fchrten Auseinandersetzungen. Nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie 1918 kam es zur Vereinigung der Serben, Kroaten, Slowenen und Montenegriner in einem gemeinsamen Staat. Die Grenzen des neugeschaffenen Staates wurden 1919 durch die Vertr\u00e4ge von St. Germain, Trianon und Neuilly festgelegt. Die Innenpolitik blieb vom Gegensatz vor allem zwischen den Kroaten und den Serben \u00fcberschattet; diese versuchten in repressiver Manier, die anderen - gro\u00dfenteils auch andersgl\u00e4ubigen - V\u00f6lker und Minderheiten ihrer Vorherrschaft zu unterwerfen. Der Gegensatz vertiefte sich nach der Besetzung Jugoslawiens durch deutsche und italienische Truppen im Jahre 1941, als in dem \"Unabh\u00e4ngigen Staat Kroatien\", dessen Souver\u00e4nit\u00e4t sp\u00e4testens nach der vollst\u00e4ndigen Macht\u00fcbernahme durch Wehrmacht und SS im Jahre 1943 reine Fiktion war, die \"Ustascha\" des Ante PAVELIC, die seit Ende der 20er Jahre den gewaltsamen Umsturz des jugoslawischen Staates zur Schaffung eines selbst\u00e4ndigen Kroatien proklamiert hatte, eine Politik des Terrors gegen die serbische Bev\u00f6lkerung betrieb und sich zum Werkzeug der SS machen lie\u00df. Nach dem Zweiten Weltkrieg proklamierte der kommunistische Partisanenf\u00fchrer TITO die \"F\u00f6derative Volksrepublik Jugoslawien\"; der neugegr\u00fcndete - damals noch im Fahrwasser der Sowjetunion befindliche - Staat nahm harte grausame Rache u.a. an den kroatischen \"Kollaborateuren\", denen ihr gutes Verh\u00e4ltnis zu den \"Achsenm\u00e4chten\" zum t\u00f6dlichen Verh\u00e4ngnis wurde. Man spricht von Massenexekutionen an \u00fcber 150.000 Kroaten. Nach dem Tod TITOs im Jahre 1980 brachen die Spannungen zwischen den Nationalit\u00e4ten, insbesondere den beiden gr\u00f6\u00dften, den r\u00f6misch-katholischen Kroaten, die 19,7 % der Gesamtbev\u00f6lkerung ausmachen, und den orthodoxen Serben, deren Anteil 36,3 % an der Gesamtbev\u00f6lkerungszahl betr\u00e4gt, wieder auf. Als weitere Spannungspotentiale kamen die Jugoslawen albanischer Nationalit\u00e4t, die sog. Kosovo-Albaner, sowie die slowenische Volksgruppe hinzu. Mit Ausnahme der Serben verfolgten die \u00fcbrigen drei Volksgruppen nach dem Tod des mit eiserner Hand den Vielv\u00f6lkerstaat","120 2. - Politischer Extremismus - zusammenhaltenden TITO das Ziel, ihre jeweiligen Siedlungsgebiete aus dem \"V\u00f6lkergef\u00e4ngnis Jugoslawien\" herauszul\u00f6sen und in die Unabh\u00e4ngigkeit zu f\u00fchren. Diese Unabh\u00e4ngigkeitsbestrebungen einzelner Volksgruppen in Jugoslawien, verkn\u00fcpft mit einer katastrophalen Wirtschaftslage, f\u00fchrten Mitte 1991 zum B\u00fcrgerkrieg. Der besonders zwischen Serben und Kroaten gef\u00fchrte Krieg l\u00e4\u00dft bef\u00fcrchten, da\u00df der Funke zur Gewaltt\u00e4tigkeit auch auf die in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Jugoslawen \u00fcberspringt. In der Bundesrepublik Deutschland leben gegenw\u00e4rtig \u00fcber 600.000 Jugoslawen, von denen nach Sch\u00e4tzungen des Bundesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz (BfV) etwa 1.000 in extremistischen Emigrantenvereinigungen organisiert sind. Extremistische jugoslawische Emigrantenvereinigungen stellen seit ihrem Bestehen auf deutschem Boden eine dauernde Bedrohung der inneren Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland dar. Insbesondere die Spannungen zwischen den beiden gr\u00f6\u00dften Nationalit\u00e4ten, den r\u00f6mischkatholischen Kroaten und den orthodoxen Serben, setzten sich - weltweit - auch in der Emigration fort. Ein weiteres Spannungspotential bildeten die Jugoslawen albanischer Nationalit\u00e4t, die sog. Kosovo-Albaner. Die bedeutendste Vereinigung von Exiljugoslawen in der Bundesrepublik Deutschland ist der \"Kroatische Nationalrat\" (\"Hrvatsko Narodno Vijece\" - HNV). Der HNV wurde am 2. Februar 1974 in Toronto (Kanada) gegr\u00fcndet. Er versteht sich als nationalistische Dachorganisation kroatischer Emigrantenvereinigungen in der ganzen Welt. Der Sitz des HNV befindet sich in New York (USA). Der HNV hat sich zum Zjel gesetzt, f\u00fcr das kroatische Volk das Selbstbestimmungsrecht und einen \"Unabh\u00e4ngigen Staat Kroatien\" in seinen ethnischen Grenzen zu schaffen. In der Bundesrepublik Deutschland unterh\u00e4lt der HNV 16 sog. Ortsaussch\u00fcsse mit \u00fcber 300 Mitgliedern. In Berlin geh\u00f6rt der \"Kroatische Republikanische Verein 'Br\u00fcder Andric'\" (\"Hrvatsko Republikansko Drustvo 'Braca Andric'\") mit etwa 10 Mitgliedern dem HNV als Mitgliedsorganisation an. [Anmerkung: Die Organisationsbezeichnung geht auf zwei Br\u00fcder namens ANDRIC zur\u00fcck, die zu einer Partisanengruppe geh\u00f6rten, die Anfang der 70er Jahre Einheiten der jugoslawischen Armee in den Bergen Kroatiens harte Gefechte lieferte und von den Armee-Einheiten aufgerieben wurde.]","2. - Politischer Extremismus - 121 Der Verein \"Br\u00fcder Andric\", dessen Anschrift mit \"Berlin 21, Postfach 21 03 52\" angegeben wird, hat sich am 14. April 1980 beim Polizeipr\u00e4sidenten in Berlin vereinsrechtlich angemeldet. Die Aktivit\u00e4ten des Vereins beschr\u00e4nkten sich in den letzten Jahren auf die gelegentliche Verteilung von Flugbl\u00e4ttern. Die Anf\u00e4nge des gewaltt\u00e4tigen politischen Extremismus unter Jugoslawen reichen bis in das Jahr 1962 zur\u00fcck. Seinerzeit \u00fcberfielen Exilkroaten die jugoslawische Handelsmission in Bonn-Mehlem und t\u00f6teten dabei den Hausmeister. Die Zahl der Mordanschl\u00e4ge und Mordversuche hat in den folgenden Jahren zugenommen. Die Beteiligung des jugoslawischen Geheimdienstes in F\u00e4llen von Gewaltanwendung gegen Exil-Jugoslawen (Kroaten und Kosovo-Albaner) wurde erstmals in einem Urteil des Schwurgerichts beim Landgericht Saarbr\u00fccken best\u00e4tigt. In dem Strafverfahren wegen versuchten Mordes an dem Exilkroaten Franjo GORETA am 13. Dezember 1980 wurde dabei die Verbindung eines der Verurteilten zum jugoslawischen Geheimdienst deutlich herausgestellt. Dieser hatte sich mehrmals mit Vertretern des jugoslawischen Geheimdienstes getroffen, von denen er dann unter Inaussichtstellung einer hohen Belohnung den Mordauftrag erhielt. Nachfolgend werden einige aufsehenerregende F\u00e4lle von Gewalttaten unter Jugoslawen in der Bundesrepublik Deutschland aufgef\u00fchrt: Am 30. Juni 1969 drang der jugoslawische Staatsangeh\u00f6rige Drago DOLO (Kroate) in die R\u00e4ume der Jugoslawischen Milit\u00e4rmission in Berlin-Wilmersdorf, Taubertstra\u00dfe 18, ein und scho\u00df auf den Missionschef Dr. Anton KOLENDIC und auf den Hausmeister der Jugoslawischen Milit\u00e4rmission, Stanko GOLOB. Beide wurden verletzt. In den Vernehmungen gab DOLO an, Anh\u00e4nger der \"Ustascha\" zu sein und aus politischen Motiven geschossen zu haben. [Anmerkung: Bei der \"Ustascha\" handelte es sich um eine 1929 gegr\u00fcndete Organisation kroatischer Nationalisten, die besonders von Italien und Ungarn aus f\u00fcr ein unabh\u00e4ngiges Kroatien k\u00e4mpfte. Die \"Ustascha\" herrschte w\u00e4hrend der deutschen Besatzung von 1941 bis 1945 unter Ante PAVELIC in dem \"Unabh\u00e4ngigen Staat Kroatien\". Die \"Ustascha\" wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges auf Befehl TITOs zerschlagen; die meisten ihrer Mitglieder und Anh\u00e4nger wurden hingerichtet. Das Schwurgericht beim Landgericht Berlin verurteilte Drago DOLO am 17. April 1970 wegen versuchten Totschlages in zwei F\u00e4llen zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren.]","122 2. - Politischer Extremismus - Am 10. September 1970 und am 5. Mai 1971 wurden in Berlin auf den deutschen Staatsangeh\u00f6rigen Dr. Branimir JELIC zwei Sprengstoffanschl\u00e4ge ver\u00fcbt. W\u00e4hrend er bei dem ersten Anschlag unverletzt blieb, wurde er bei dem zweiten Attentat schwer verletzt. [Anmerkung: Dr. Branimir JELIC war Gr\u00fcnder und bis zu seinem Tode am 30. Mai 1972 Pr\u00e4sident des \"Kroatischen Nationalkomitees\" (HNO). Er galt als Zentralfigur der kroatischen \"Emigrantenszene\" in der Bundesrepublik Deutschland. Aus diesen Kreisen wurde die Vermutung ge\u00e4u\u00dfert, da\u00df hinter den beiden Anschl\u00e4gen auf Dr. JELIC der jugoslawische Geheimdienst gestanden habe.] Vom April 1978 bis zum Februar 1979 ver\u00fcbte der kroatische Extremist Pero SEKKERKO in Baden-W\u00fcrttemberg zahlreiche Pistolenund Brandanschl\u00e4ge auf jugoslawische Einrichtungen. Er wurde am 9. Oktober 1980 vom Oberlandesgericht Stuttgart wegen versuchten Mordes, schwerer und versuchter Brandstiftung sowie gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren verurteilt. Am 13. Januar 1980 wurden der Exilkroate Nikola MILICEVIC in Frankfurt am Main und am 16. April 1980 der Exilserbe Dusan SEDLAR in D\u00fcsseldorf ermordet. F\u00fcr beide F\u00e4lle wurde von Emigrantenkreisen der jugoslawische Geheimdienst verantwortlich gemacht. Am 9. Dezember 1981 wurden aufgrund nachrichtendienstlicher Hinweise in Berlin von der Polizei mehrere Wohnungen von Exilkroaten wegen des Verdachts der Vorbereitung eines Sprengstoffverbrechens durchsucht Im Verlauf der Aktion wurden Sprengstoff, Sprengk\u00f6rper, Rohrbomben, Sprengkapseln sowie weiteres Material zur Herstellung von Bomben sichergestellt. [Anmerkung: Die seinerzeit in Berlin durchgef\u00fchrten polizeilichen Ma\u00dfnahmen standen im Zusammenhang mit Festnahmen von Exilkroaten am 30. November 1981 in der Schweiz und am 1. Dezember 1981 in Darmstadt. In beiden F\u00e4llen wurden erhebliche Mengen Sprengstoff sichergestellt. Es handelte sich dabei um dasselbe Fabrikat wie bei den Funden in Berlin.] Am 17. Januar 1982 wurden in Untergruppenbach, Kreis Heilbronn, drei Exiljugoslawen albanischer Volkszugeh\u00f6rigkeit in einem Personenkraftwagen erschossen. Nach Zeugenaussagen habe einer der Get\u00f6teten vor seinem Tode noch ge\u00e4u\u00dfert, da\u00df der jugoslawische Geheimdienst f\u00fcr den Anschlag verantwortlich sei. Bei den drei","2. - Politischer Extremismus - 123 Get\u00f6teten handelte es sich um f\u00fchrende Funktion\u00e4re von kosovoalbanischen kommunistischen Befreiungsbewegungen. Am 26. M\u00e4rz 1983 wurde der Exilkroate Djuro ZAGAJSKI in einer Gr\u00fcnanlage in M\u00fcnchen ermordet aufgefunden. [Anmerkung: ZAGAJSKI hatte im Jahr 1980 den \"Kroatischen B\u00fcrgerausschu\u00df zum Schutze der Kroaten und der kroatischen Fl\u00fcchtlinge\" (HGO) gebildet, der sich als \"kroatischer Nachrichtendienst\" verstand und praktisch nur von ZAGAJSKI repr\u00e4sentiert wurde.] Am 28. Juli 1983 wurde der Exilkroate Stjepan DJUREKOVIC in seinem Verlag \"Das Kroatische Buch\" in Wolfratshausen ermordet. [Anmerkung: DJUREKOVIC war in Jugoslawien bis zu .seiner Flucht im April 1982 Marketing-Direktor des gr\u00f6\u00dften jugoslawischen \u00d6lkonzerns. Nach eigenen Angaben hatte man ihn f\u00fcr die wirtschaftliche Misere Jugoslawiens mitverantwortlich gemacht. DJUREKOVIC unterhielt enge Kontakte zu kroatischen Emigrantenkreisen.] Seit 1962 wurden in der Bundesrepublik Deutschland 47 politisch motivierte Anschl\u00e4ge gegen Exiljugoslawen registriert, bei denen 29 Personen get\u00f6tet wurden. Der jugoslawische B\u00fcrgerkrieg wirkt sich nat\u00fcrlich auch auf die Befindlichkeit der Jugoslawen in Berlin aus. Zwischen den beiden etwa gleichgro\u00dfen Volksgruppen der Serben und Kroaten in Berlin (jeweils etwa 15.000 Personen) gibt es - im Gegensatz zu fr\u00fcher - keinerlei Ber\u00fchrungspunkte mehr. Selbst feste freundschaftliche Bindungen zwischen Personen beider Volksgruppen wurden abgebrochen. Die dadurch entstandenen Spannungen haben nach den Erkenntnissen des LfV Berlin bisher jedoch zu keinen gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen zwischen beiden Volksgruppen in Berlin gef\u00fchrt. Erw\u00e4hnenswert ist in diesem Zusammenhang jedoch der Brandanschlag auf die Au\u00dfenstelle der jugoslawischen Botschaft in Berlin-Mitte am 30. November 1991, bei dem am Botschaftsgeb\u00e4ude nur geringer Sachschaden entstand. Eine Selbstbezichtigung zu diesem Anschlag erfolgte nicht. Es ist davon auszugehen, da\u00df es sich hierbei um eine politisch motivierte Tat handelte.","124 2. - Politischer Extremismus - Im zur\u00fcckliegenden Jahr fanden auch in Berlin mehrere \u00fcberwiegend von Kroaten getragene Demonstrationen statt. Nur bei zweien lie\u00dfen sich auch Extremisten feststellen [vgl. Abschnitt 2.3.7].","3. - Spionageabwehr - 125 Spionageabwehr","126 3. - Spionageabwehr - 3.1 Entwicklung im Jahre 1991 Durch die politischen Umw\u00e4lzungen im Osten und S\u00fcdosten Europas wurden die Rahmenbedingungen f\u00fcr die gegen die Bundesrepublik Deutschland gerichtete Spionage nachhaltig ver\u00e4ndert. Auch im R\u00fcckblick auf das Jahr 1991 gilt (wie schon im Vorjahr), da\u00df das gesamte Ausma\u00df der politischen Ver\u00e4nderungen in den Staaten des ehemaligen Ostblocks und in der inzwischen aufgel\u00f6sten UdSSR wegen der noch nicht abgeschlossenen, graduell unterschiedlichen politischen Neuorientierungsprozesse auch im Hinblick auf Spionageaktivit\u00e4ten noch nicht abschlie\u00dfend beurteilt werden kann. Sicher d\u00fcrfte lediglich sein, da\u00df nicht mehr der fr\u00fchere Ost-WestGegensatz, sondern nationale Interessen der einzelnen Staaten das grunds\u00e4tzliche Bestimmungselement im Bereich der Auslandsaufkl\u00e4rung sein werden. Zum gegenw\u00e4rtigen Zeitpunkt fehlen, u.a. auch wegen der Schnelligkeit, mit der die erw\u00e4hnten Ver\u00e4nderungen im Jahre 1991 vor sich gingen, Informationen in der Menge und Qualit\u00e4t, die eine endg\u00fcltige Beurteilung \u00fcber Umfang und Zielsetzung der gegen die Bundesrepublik Deutschland gerichteten Spionageaktivit\u00e4ten zulie\u00dfen. Deshalb bedarf es auch in der n\u00e4chsten Zukunft intensiver Beobachtung durch die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden. 3.2 Weitere Bearbeitung der Nachrichtendienste der ehemaligen DDR Seit der politischen Wende in der ehemaligen DDR - insbesondere aber nach der deutschen Staatsvereinigung - haben sich die Aufgabenstellungen und Arbeitsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Fachbereiche des LfV, denen die Abwehr der von den DDR-Diensten ausgehenden Spionage oblag, entschieden ver\u00e4ndert. Diese neue Situation, die bereits im Jahresbericht 1990 zum Ausdruck kam, bestand grunds\u00e4tzlich auch im Berichtszeitraum 1991. Es bedurfte anhaltender Bem\u00fchungen zur Aufdeckung fr\u00fcherer Spionageaktivit\u00e4ten des Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit und des Milit\u00e4rischen Nachrichtendienstes der DDR und zur Enttarnung der darin verstrickten Personen. Das LfV Berlin hat eigenst\u00e4ndig sowie im Zusammenwirken mit anderen Verfassungsschutzbeh\u00f6rden dazu seinen Beitrag geleistet.","3. - Spionageabwehr - 127 Im Berichtszeitraum suchten 17 ehemals hauptamtliche und inoffizielle Mitarbeiter des MfS von sich aus Kontakt zum LfV und gaben ihr Wissen preis. Im Vergleich zum vergangenen Jahr ging die Zahl der \"Selbstgesteller\" also deutlich zur\u00fcck. Vermutlich ist dies auf die weiterhin nicht abschlie\u00dfend gekl\u00e4rte Frage zur\u00fcckzuf\u00fchren, ob ehemals hauptamtliche Mitarbeiter der auslandsaufkl\u00e4renden MfS-Bereiche - insbesonders der Hauptverwaltung Aufkl\u00e4rung des MfS (HVA) - strafrechtlich zu belangen sind. Dar\u00fcber hinaus wurden 78 ehemals hauptamtliche MfS-Angeh\u00f6rige durch das LfV eigeninitiativ angesprochen. Die Ansprachen erfolgten zur umfassenden Absch\u00f6pfung des nachrichtendienstlichen Wissens sowie zur Kl\u00e4rung konkreter Einzelf\u00e4lle. Aus den Ermittlungsma\u00dfnahmen des LfV und den Informationszulieferungen anderer Abwehrbeh\u00f6rden - u.a. des Bundesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz (BfV) - entstanden insgesamt 41 Sachverhalte, die zur exekutiven Weiterbearbeitung an den Polizeilichen Staatsschutz abgegeben wurden. Dar\u00fcber hinaus wurden im Zuge der Bearbeitung 46 Erkenntnisf\u00e4lle bez\u00fcglich Spionageaktivit\u00e4ten erfa\u00dft, die aber auf das Jahr 1989 und fr\u00fchere Jahrg\u00e4nge zur\u00fcckgehen. Im Rahmen der weiteren, bislang nicht abgeschlossenen Aufarbeitung des MfS-Komplexes wurde im Jahre 1991 in einer konzentrierten Aktion (unter F\u00fchrung des BfV) damit begonnen, \"Offiziere im besonderen Einsatz\" des MfS (OibE) zu befragen. \"OibE\" waren hauptamtliche MfS-Angeh\u00f6rige, die ihren geheimdienstlichen Auftrag abgesetzt von ihrer Diensteinheit unter konspirativen Bedingungen erf\u00fcllten. Ihr Einsatz erfolgte \u00fcberwiegend in Schl\u00fcsselpositionen aller Lebensbereiche der DDR, aber auch zu Spionagezwecken in der Bundesrepublik und anderen westlichen Staaten. Vom LfV Berlin wurden bisher 20 \"OibE\" befragt; die Erkenntnislage \u00fcber diese besondere Art hauptamtlicher MfS-Angeh\u00f6riger konnte dabei zwar verbessert werden, jedoch sind bislang keine Hinweise auf noch unenttarnte Agenten angefallen. Die Ma\u00dfnahme wird im Jahre 1992 fortgesetzt.","128 3. - Spionageabwehr - Die Bearbeitung des MfS-Komplexes hinsichtlich der personellen und fachlichen Strukturen durch die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden wird weiterhin als wichtiges Arbeitsfeld gesehen. Hintergrund ist der hohe Grad an Verflechtung zwischen dem MfS und den anderen Nachrichtendiensten des ehemaligen Ostblocks, in dessen Konsequenz das MfS u.a. Tausende von Datens\u00e4tzen erfa\u00dfter Personen weitergegeben hat. Es gilt daher als sicher, da\u00df damit auch die Daten ehemaliger, noch nicht enttarnter Agenten in der Bundesrepublik Deutschland ein Potential f\u00fcr eine \u00dcbernahme bzw. Aktivierung durch noch aktive Nachrichtendienste darstellen. 3.3 Aufarbeitung der Zusammenarbeit zwischen MfS und KGB Infolge der Aufl\u00f6sung der Nachrichtendienste der DDR und der politischen Ver\u00e4nderungen in der ehemaligen UdSSR wurden die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden in die Lage versetzt, durch Auswertung der Aussagen ehemaliger Mitarbeiter/\u00dcberl\u00e4ufer an detaillierte Informationen \u00fcber Ausma\u00df und Qualit\u00e4t der Zusammenarbeit der sog. \"Bruderdienste\" des ehemaligen Ostblocks und im besonderen \u00fcber das Verh\u00e4ltnis des MfS zum KGB zu gelangen. Angemerkt sei an dieser Stelle, da\u00df die im Westen gebr\u00e4uchliche Bezeichnung KGB (Abk\u00fcrzung des russischen Begriffs \"Komitet Gosudarstwennoy Besopasnosti\", deutsche \u00dcbersetzung: Komitee f\u00fcr Staatssicherheit = KfS) im Sprachgebrauch des MfS nicht \u00fcblich war. Das KGB bzwr dessen Mitarbeitef w u r d e n ^ l & \"difr Freunde\"L^>der flfH^der^ deutschen Abk\u00fcrzung \"KfS\" bezeichnet. 3.3.1 Informationsweitergabe zwischen den Nachrichtendiensten Die Kooperation zwischen beiden Nachrichtendiensten war au\u00dferordentlich eng. Organisatorisch kam dieser Umstand darin zum Ausdruck, da\u00df den wichtigsten Diensteinheiten des MfS Verbindungsoffiziere des KGB zugeordnet waren, die eigene B\u00fcros in diesen MfS-Bereichen unterhielten, um den st\u00e4ndigen Arbeitskontakt zu gew\u00e4hrleisten. Besonderes Interesse bestand beim KGB an Informationen aus der Zentrale der HVA (Hauptverwaltung Aufkl\u00e4rung) des MfS.","3. - Spionageabwehr - 129 Als Ausflu\u00df dessen erhielt das KGB seit Bestehen der HVA bis zu deren Aufl\u00f6sung im Jahre 1990 prinzipiell von beschafften Aufkl\u00e4rungsmaterialien - mit wenigen, genau geregelten Ausnahmen - eine Ausfertigung. Anl\u00e4\u00dflich hoher sowjetischer Staatsfeiertage hielt die F\u00fchrung des MfS bzw. der HVA es f\u00fcr angebracht, gewichtige Informationen in sog. Geschenkaktionen zu \u00fcbergeben. Die entsprechenden Papiere wurden technisch einwandfrei kopiert, in anspruchsvolle, eigens angefertigte Lederkassetten verpackt und dem jeweiligen KGB-Vorsitzenden unter Berufung auf das \"tschekistische Kampfb\u00fcndnis\" \u00fcberreicht. Diese eher als skurril anzusehende Handlungsweise illustriert jedoch einen einseitig zu Gunsten des KGB ausgelegten Charakter der Zusammenarbeit auf diesem Gebiet. 3.3.2 Fortf\u00fchrung der Spionaget\u00e4tigkeit des KGB nach Aufl\u00f6sung des MfS Eine \u00e4hnlich enge Zusammenarbeit wie auf dem Gebiet der Informationsweitergabe bestand zwischen MfS und KGB in operativen Arbeitsgebieten, wobei das MfS jegliche Unterst\u00fctzung leistete. Das MfS half dem KGB bei der Werbung von Agenten, gab entsprechende Hinweise und f\u00fchrte die erforderlichen \u00dcberpr\u00fcfungen durch. Dar\u00fcber hinaus verschaffte das MfS dem KGB Zugang zum eigenen Datenbestand und dem anderer DDR-Organe (z.B. der Volkspolizei) und \u00fcbergab dem KGB auch IM (inoffizielle Mitarbeiter). Bemerkenswert ist, da\u00df das KGB sich zu anderen DDR-Organen auch eigene Zug\u00e4nge durch Informanten und inoffizielle Mitarbeiter verschaffte. Ein Gro\u00dfteil dieser Personen wurde mit Unterst\u00fctzung des MfS gewonnen. Beispielhaft sei hier der Fall des ehemaligen Angeh\u00f6rigen der \"Volkspolizei\" Y. geschildert, wie er sich nach dessen Aussagen darstellt: Im Jahre 1984 wurde Y., der bei der Kriminalpolizei eingesetzt war, durch Vermittlung des dortigen Verbindungsmannes des MfS zum Treffen mit zwei KGB-Angeh\u00f6rigen einbestellt. Nach anf\u00e4nglichen Bedenken, die von seinem vorgesehenen F\u00fchrungsoffizier ausger\u00e4umt wurden, erkl\u00e4rte sich Y. zu einer Zusammenarbeit mit dem KGB bereit.","130 3. - Spionageabwehr - In der Folgezeit f\u00fchrte Y. Anschriften bzw. Arbeitsstellenabkl\u00e4rungen mittels der Kripo-Kartei f\u00fcr das KGB durch. Ferner berichtete er \u00fcber Interna seiner Dienststelle. Nach der staatlichen Vereinigung am 3. Oktober 1990 wurde Y. von der nun Gesamtberliner Polizei \u00fcbernommen. Y. hatte sich im September 1990 letztmals mit seinem F\u00fchrungsoffzier getroffen und hatte die Absicht, die nachrichtendienstliche Verbindung zum KGB abzubrechen. Mit der Drohung des F\u00fchrungsoffiziers, ihn bez\u00fcglich seines Dienstverh\u00e4ltnisses in gr\u00f6\u00dfte Schwierigkeiten zu bringen, wurde Y. im M\u00e4rz 1991 veranla\u00dft, weiter f\u00fcr das KGB zu arbeiten und Informationen aus der Berliner Polizei zu beschaffen. Aufgrund der Hinweise eines \u00dcberl\u00e4ufers aus dem KGB konnte das LfV Berlin im November 1991 die Identit\u00e4t des Y. kl\u00e4ren. Ein Ermittlungsverfahren gegen Y. wurde zwischenzeitlich eingeleitet. 3.3.3 \"Der Berliner Apparat\" des KGB Zwischen dem MfS und dem KGB bestanden auch vertraglich abgesicherte Beziehungen, die Perspektiven und Einzelheiten der Zusammenarbeit festlegten. In einer dieser Vereinbarungen wurde vertraglich geregelt, da\u00df beim MfS eine \"Vertretung des Komitees f\u00fcr Staatssicherheit beim Ministerrat der UdSSR\" (KGB-Vertretung) eingerichtet wird. Von dieser KGB-Vertretung, die nach ihrem Sitz in Berlin-Karlshorst (in einem Sperrgebiet) als \"Berliner Apparat\" bezeichnet wurde und ein verkleinertes Abbild der Moskauer Zentrale des KGB war, gingen die Hauptaktivit\u00e4ten der sowjetischen Nachrichtendienste gegen die Bundesrepublik Deutschland aus. Hier arbeiteten etwa 350 Operativoffiziere mit einer erheblichen Zahl von Unterst\u00fctzungskr\u00e4ften. Nach einem dem LfV vorliegenden Vertrag vom 10. September 1982, der im Zusammenhang mit der Bearbeitung der Strukturen der sowjetischen Nachrichtendienste angefallen war, wurde die T\u00e4tigkeit der KGB-Vertretung auch durch umfangreiche Unterst\u00fctzung im materiell-technischen Bereich gesichert. So wurden dem KGB auf Kosten des MfS allein in Berlin-Karlshorst","3. - Spionageabwehr - 131 au\u00dferhalb des dortigen Sperrbezirks mehr als 300 Wohnungen zur Verf\u00fcgung gestellt, dar\u00fcber hinaus Geb\u00e4ude und Einrichtungen wie z.B. Kaufhalle, Hotel, Poliklinik usw. Wie weit die Unterst\u00fctzungsma\u00dfnahmen gingen und b\u00fcrokratisch geregelt waren, zeigt das Beispiel des vom MfS zu unterhaltenden Friseursalons f\u00fcr KGB-Angeh\u00f6rige in Berlin-Karlshorst. Hier sah die Vereinbarung vor, da\u00df die f\u00fcr die Inanspruchnahme dieser Dienstleistungen gezahlten Entgelte an das MfS abzuf\u00fchren waren. Die oben erw\u00e4hnten Wohnungen wurden noch bis Ende 1990 von einer MfSWohnungsverwaltung bewirtschaftet. Die im Zusammenhang mit dem Abzug der sowjetischen Streitkr\u00e4fte aus Deutschland vereinbarte R\u00e4umung der Objekte durch die KGB-Zentrale wurde nach Beobachtungen des LfV schrittweise im Jahre 1991 begonnen und d\u00fcrfte 1992 fortgesetzt werden. Auch in dieser Phase der Aufl\u00f6sung konnten vom LfV operative Aktivit\u00e4ten des \"Berliner Apparates\" \u00fcber den oben geschilderten Fall Y. hinaus belegt werden. Gest\u00fctzt auf eigene Aussagen des Beschuldigten sei hier der Fall K. geschildert: Der ehemals hauptamtliche Mitarbeiter des MfS., L, wurde Anfang des Jahres 1990 von dem ehemals f\u00fcr seine damalige Diensteinheit des MfS zust\u00e4ndigen KGB-Verbindungsoffizier aus dem \"Berliner Apparat\" erstmalig kontaktiert. L. war zu dieser Zeit noch mit der Restaufl\u00f6sung des MfS besch\u00e4ftigt. K. lud den L. in eine KW (= konspirative Wohnung) in Berlin-Karlshorst ein. In der Folgezeit wurde L von seinem Gespr\u00e4chspartner gebeten, f\u00fcr das KGB zur \"Verf\u00fcgung\" zu stehen. Zu einer direkten Mitarbeit will L. nicht aufgefordert worden sein. Aus den \u00c4u\u00dferungen des K. konnte L. entnehmen, da\u00df dieser \u00fcber Informationen aus Fallakten des MfS hinsichtlich vom MfS gef\u00fchrter Agenten im Bundesgebiet verf\u00fcgte. Auf Bitten von K. war L. dem KGB insofern behilflich, als er den Kontakt zu einem dieser Agenten vermittelte.","132 3. - Spionageabwehr - 3.4 Lagebild der Spionageabwehr Auch nach der Aufl\u00f6sung des Warschauer Paktes und der Aufl\u00f6sung der UdSSR wird in den neuen Staaten Ostund S\u00fcdosteuropas Auslandsaufkl\u00e4rung als ein notwendiges Mittel der Politik angesehen. Folglich wurden in allen betreffenden Staaten, auch in den ehemaligen Republiken der UdSSR, Nachrichtendienste geschaffen; allerdings sind die f\u00fcr ein Wirksamwerden notwendigen organisatorischen Ma\u00dfnahmen noch nicht durchgehend abgeschlossen. 3.4.1 UdSSR und Nachfolgestaaten Das wohl gravierendste Ereignis auf dem Sektor Nachrichtendienste war im Jahre 1991 in der zu dem Zeitpunkt noch bestehenden UdSSR als Ausflu\u00df des gescheiterten August-Putsches die Aufl\u00f6sung des sowjetischen KGB, die am 11. Oktober 1991 vom Staatsrat verk\u00fcndet worden war. Aus dieser formellen Aufl\u00f6sung des KGB konnte jedoch keinesfalls der Schlu\u00df gezogen werden, da\u00df nachrichtendienstliche Aktivit\u00e4ten eingestellt werden sollten. Als eine der Nachfolgeorganisationen des aufgel\u00f6sten KGB entstand ein sowjetischer Auslandsnachrichtendienst mit der Bezeichnung \"Zentraler Nachrichtendienst\", geleitet von J. PRIMAKOW. In einem Interview in der Zeitschrift \"Der Spiegel\" vom 18. November 1991 \u00e4u\u00dferte sich der mit der Aufl\u00f6sung des KGB befa\u00dft gewesene W. BAKATIN auch \u00fcber den neuen Auslandsnachrichtendienst und best\u00e4tigte die weiterhin gegebene Notwendigkeit von Auslandsspionage f\u00fcr die Sowjetunion. Die zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu erwartende Aufl\u00f6sung der UdSSR am Ende des Jahres 1991 lie\u00df jedoch Aktivit\u00e4ten in diesem organisatorischen Rahmen einer zentralen Einrichtung der Union ein schnelles Ende finden. Hinsichtlich der \u00dcbernahme eines Gro\u00dfteils der sowjetischen Nachrichtendienste durch Institutionen der Republik Ru\u00dfland k\u00f6nnen noch keine abschlie\u00dfenden Aussagen gemacht werden. Es ist aber davon auszugehen, da\u00df auch der neue Bundesnachrichtendienst bzw. Staatssicherheitsdienst \"Agentstvo Federalnoy Bezopasnosti (AFB)\" Ru\u00dflands im nationalen Interesse Auslandsaufkl\u00e4rung betreiben wird. Die Bundesrepublik Deutschland bietet auch Nachfolgeorganisationen des KGB derzeit noch gute Voraussetzungen, intensive Spionageaktivit\u00e4ten zu","3. - Spionageabwehr - 133 entfalten, begr\u00fcndet in der beim KGB vorhandenen F\u00fclle von personenbezogenen Informationen aus dem Bestand der ehemaligen DDRNachrichtendienste, die eine gezielte \u00dcbernahme bzw. Werbung von Agenten erm\u00f6glichen. \u00dcberdies mu\u00df ber\u00fccksichtigt werden, da\u00df sich bis 1994 Truppen der ehemaligen Sowjetunion auf dem Gebiet der neuen f\u00fcnf L\u00e4nder aufhalten werden, die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr eine milit\u00e4rische Abdeckung bieten. Die hier gegebene Lagebeschreibung kann verst\u00e4ndlicherweise nicht die zuk\u00fcnftigen unw\u00e4gbaren weiteren Entwicklungen in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion voraussehen, die zwangsl\u00e4ufig Auswirkungen auf m\u00f6gliche Aufkl\u00e4rungsaktivit\u00e4ten haben werden. 3.4.2 Polen Nach der Aufl\u00f6sung der bis dahin bestehenden Geheimdienste wurde im Jahre 1990 ein neues \"Amt f\u00fcr Staatsschutz\" (UOP) gegr\u00fcndet. Bestandteil dieses Amtes ist die f\u00fcr Auslandsspionage zust\u00e4ndige \"Verwaltung Aufkl\u00e4rung\" unter der Leitung von Oberst JASIK. Als Indiz f\u00fcr die Priorit\u00e4ten in dieser Verwaltung ist zu werten, da\u00df f\u00fcr die Bundesrepublik Deutschland eine eigene selbst\u00e4ndige Abteilung eingerichtet wurde. Bemerkenswert erscheint, da\u00df sich zwar die Mitarbeiter des UOP vor ihrer Einstellung einer \u00dcberpr\u00fcfung unterziehen mu\u00dften, jedoch auf ausgebildete Fachleute nicht verzichtet wurde. So ist davon auszugehen, da\u00df neben dem leitenden Personal auch der \u00fcbrige Personalstamm des UOP zu einem Gro\u00dfteil aus \"alten Kadern\" des fr\u00fcheren Geheimdienstes zusammengesetzt ist. Hinsichtlich der nachrichtendienstlichen Aktivit\u00e4t des UOP und seiner Ziele kann gegenw\u00e4rtig keine verl\u00e4\u00dfliche Aussage getroffen werden. Offenbar herrscht zur Zeit aufgrund der noch instabilen politischen Verh\u00e4ltnisse in Polen auch im Nachrichtendienst noch eine gewisse Orientierungslosigkeit. Gleichwohl gibt es konkrete Hinweise, da\u00df vorrangige Ziell\u00e4nder die Bundesrepublik Deutschland und die ehemaligen Mitgliedsstaaten der Sowjetunion sein werden. An der Zielsetzung der gegen die Bundesrepublik Deutschland gerichteten Spionage d\u00fcrfte sich kaum etwas ge\u00e4ndert haben. So wird hinsichtlich der politischen Entwicklung und des Technologietransfers der gr\u00f6\u00dfte Aufkl\u00e4rungsbedarf bestehen. F\u00fcr die Verantwortlichen in Polen besteht offenbar kein Widerspruch zwischen politischer Ann\u00e4herung und der","134 3. - Spionageabwehr - geheimdienstlichen Aussp\u00e4hung Deutschlands. Dies belegt u.a. die schon im Vorjahresbericht zitierte \u00c4u\u00dferung von Oberst JASIK, da\u00df n\u00e4mlich \"das bestehende polnische Agentennetz in Deutschland und die jeweiligen F\u00fchrungsoffiziere nahtlos \u00fcbernommen werden\". Neben dem UOP besteht noch ein milit\u00e4rischer Informationsdienst, der heute jedoch nicht wie seine Vorg\u00e4ngerinstitution dem Generalstab, sondern dem Verteidigungsminister direkt untersteht. Auch dieser Dienst d\u00fcrfte sich schwerpunktm\u00e4\u00dfig mit der Bundesrepublik Deutschland befassen. Konkrete Aussagen \u00fcber seine Aktivit\u00e4t lassen sich zum gegenw\u00e4rtigen Zeitpunkt noch nicht treffen. 3.4.3 Ungarn Eine nachrichtendienstliche Aktivit\u00e4t ungarischer Geheimdienste konnte nicht festgestellt werden. Somit scheint entsprechend den Verlautbarungen aus Regierungskreisen eine Aussp\u00e4hung der Bundesrepublik Deutschland nicht mehr zu erfolgen (vgl. Verfassungsschutzbericht Beriin 1990, S.152). 3.4.4 CSFR Zum gegenw\u00e4rtigen Zeitpunkt kann keine verl\u00e4\u00dfliche Aussage \u00fcber die Aktivit\u00e4t des CSFR-Nachrichtendienstes getroffen werden. Noch nicht best\u00e4tigt ist die Meldung, da\u00df auch im Bereich des Aufkl\u00e4rungsdienstes eine \"Deutschland-Abteilung;' existiert, die sich aus ehemaligen Mitarbeitern des aufgel\u00f6sten ehemaligen Nachrichtendienstes StB zusammensetzt. 3.4.5 Rum\u00e4nien Die zivile Auslandsaufkl\u00e4rung gegen die Bundesrepublik Deutschland obliegt dem Auslandsnachrichtendienst SIE (\"Serviciul de Informatic Externe\"), der im Jahre 1991 in eine eigenst\u00e4ndige Organisation neben dem Rum\u00e4nischen (Inlands-) Informationsdienst SRI umgewandelt wurde. Als Aufkl\u00e4rungsschwerpunkte sind u.a. bekanntgeworden rum\u00e4nische Emigrantenkreise und die Beschaffung von Informationen aus Wissenschaft und Technik.","3. - Spionageabwehr - 135 Die nachrichtendienstlichen Mitarbeiter in den Legalresidenturen arbeiten mit dem Mittel der offenen Gespr\u00e4chsaufkl\u00e4rung (Absch\u00f6pfung). Klassische nachrichtendienstliche Aktivit\u00e4ten gehen von der \"SIE-Zentrale\" in Bukarest aus. Vom LfV konnte ein R\u00fcckgang der Besch\u00e4ftigungszahl im Berliner \"B\u00fcro der Rum\u00e4nischen Botschaft\" f\u00fcr das Jahr 1991 festgestellt werden. 3.4.6 Bulgarien F\u00fcr das Jahr 1991 konnte keine von Nachrichtendiensten Bulgariens ausgehende Aktivit\u00e4t gegen die Bundesrepublik Deutschland festgestellt werden. Schwerpunkt f\u00fcr die Nachrichtendienste sind nach vorliegenden Erkenntnissen Aufkl\u00e4rungsaktivit\u00e4ten gegen\u00fcber der T\u00fcrkei. 3.4.7 Jugoslawien F\u00fcr diesen zerfallenden Staat ist festzustellen, da\u00df bereits im Jahre 1991 in Teilrepubliken eigenst\u00e4ndige Nachrichtendienste existierten. \u00dcber deren Aktivit\u00e4ten in der Bundesrepublik Deutschland liegen keine Erkenntnisse vor, sie sind aber aufgrund der politischen Entwicklung vor allem in der Emigrantenszene zu erwarten. 3.5 Geheimschutz 3.5.1 Geheimschutz in der Verwaltung Die Situation auf dem Gebiet des personellen Geheimschutzes hat sich gegen\u00fcber den grunds\u00e4tzlichen Ausf\u00fchrungen im \"Verfassungsschutz-Bericht f\u00fcr das Jahr 1990\" nicht wesentlich ver\u00e4ndert. Allerdings mu\u00df festgestellt werden, da\u00df sich der Trend aus dem Jahr 1990, den Bereich der sicherheitsempfindlichen Arbeitsgebiete in den Berliner Beh\u00f6rden unter Mitwirkung des LfV zu verringern, im Jahre 1991 nicht fortgesetzt hat. Die Anzahl der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen, bei denen das LfV auf der Basis des LfV-Gesetzes mitgewirkt hat, ist nahezu konstant geblieben.","136 3. - Spionageabwehr - Jedoch wurden vom LfV verst\u00e4rkt Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen von Personen aus dem Ostteil der Stadt durchgef\u00fchrt, bei denen sich in besonderem Ma\u00dfe die sicherheitsm\u00e4\u00dfige Problematik einer ehemaligen hauptamtlichen T\u00e4tigkeit oder inoffiziellen Mitarbeit f\u00fcr das fr\u00fchere MfS stellte und somit zu l\u00f6sen war. Nahezu einhellig geht hier die sicherheitsm\u00e4\u00dfige Beurteilung dahin, da\u00df grunds\u00e4tzlich fr\u00fchere hauptamtliche MfS-Angeh\u00f6rige in einer nach heutigen Ma\u00dfst\u00e4ben als sicherheitsempfindlich bewerteten Steile nicht besch\u00e4ftigt werden d\u00fcrfen. In besonderem Ma\u00df als bedenklich mu\u00dften jene F\u00e4lle beurteilt werden, in denen wahrheitswidrige Angaben gemacht worden waren. Bei bereits bestehenden Arbeitsverh\u00e4ltnissen wurden hier im Regelfall fristgem\u00e4\u00dfe K\u00fcndigungen durch die Beh\u00f6rden ausgesprochen. Beurteilungsschwierigkeiten im Zusammenhang mit der Besetzung sicherheitsempfindlicher Arbeitsgebiete ergaben sich bei dem vorstehend behandelten Personenkreis auch bei der Bewertung von Mitgliedschaften und Funktionen in der ehemaligen SED. In weitgehender \u00dcbereinstimmung mit der Entscheidungspraxis im Bund und den anderen Bundesl\u00e4ndern haben nominelle Mitgliedschaften in dieser Partei f\u00fcr sich allein im Regelfall noch nicht zu Sicherheitsbedenken gef\u00fchrt. Ergab sich jedoch durch eigene Angaben oder bereits vorhandene Erkenntnisse, da\u00df die betreffende Person aufgrund von herausgehobenen Funktionen in der SED oder besonderen F\u00f6rderungsma\u00dfnahmen durch diese Partei in hervorstechender Weise als Anh\u00e4nger des Herrschaftssystems in der ehemaligen DDR angesehen werden mu\u00dfte, konnte auch in diesen F\u00e4llen das Votum nur \"Sicherheitsbedenken\" lauten. Bei derartigen Bewerbern mu\u00df zumindest noch vorerst bezweifelt werden, da\u00df sie sich zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes bekennen und bereit sind, jederzeit f\u00fcr deren Erhaltung einzutreten. 3.5.2 Geheimschutz in der Wirtschaft Das Geheimschutzverfahren in der Wirtschaft dient dem Schutz s\u00e4mtlicher Tatbest\u00e4nde, die von amtlichen Stellen oder auf deren Veranlassung geheimgehalten werden. Vornehmlich sollen dabei sabotagegef\u00e4hrdete Objekte der gesch\u00fctzten Industrie gesichert werden.","3. - Spionageabwehr - 137 Mit Einverst\u00e4ndnis der Betroffenen werden Personen, die in sicherheitsempfindlichen Stellen lebenswichtiger Einrichtungen besch\u00e4ftigt sind oder werden sollen, \u00fcberpr\u00fcft (SS 2 Abs. 2 Ziff. 2 LfVG). Allerdings legt das LfV in diesem Zusammenhang besonders strenge datenschutzrechtliche Ma\u00dfst\u00e4be an, so da\u00df im Jahre 1991 in keinem einzigen Fall eine entsprechende Anfrage zur \u00dcbermittlung von Erkenntnissen des LfV an die betroffene Einrichtung f\u00fchrte. Es ist davon auszugehen, da\u00df die Zahl der Personenanfragen im Zusammenhang mit der Ausgestaltung Berlins zum Regierungssitz und den damit verbundenen sicherheitsempfindlichen Bauvorhaben in den n\u00e4chsten Jahren ansteigen wird. Die Unternehmen werden dar\u00fcber hinaus auf Wunsch in allen Sicherheitsfragen beraten, insbesondere dar\u00fcber, wie sie sich vor gegnerischer Ausforschung, vor nachrichtendienstlich gesteuerter Sabotage und vor terroristischen Anschl\u00e4gen sch\u00fctzen k\u00f6nnen. Sie erhalten in diesem Zusammenhang offene Informationen nicht personengebundener Art \u00fcber Vorg\u00e4nge aus den Arbeitsfeldern des LfV, die f\u00fcr die Sicherheit der Einrichtungen relevant sind. 3.5.3 Materieller Geheimschutz Mit der Vereinigung Deutschlands sind f\u00fcr das LfV auf dem Gebiet des materiellen Geheimschutzes zus\u00e4tzliche Aufgaben im Ostteil Berlins entstanden, die insbesondere durch zahlreiche Eins\u00e4tze zum Auffinden von versteckten Abh\u00f6reinrichtungen (sog. Wanzen) in \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden bedingt waren. Dar\u00fcber hinaus bildete die sicherheitsm\u00e4\u00dfige Beratung der Beh\u00f6rden, die ihre T\u00e4tigkeit ganz oder teilweise in den Ostteil Berlins verlagerten (z.B. Senatskanzlei) oder Vorbereitungen f\u00fcr einen Umzug im Westteil der Stadt trafen (z.B. Abgeordnetenhaus von Berlin), weitere Arbeitsschwerpunkte. Hierbei zeigte sich, da\u00df die bei verschiedenen Dienststellen anf\u00e4nglich aufgekommenen Tendenzen, den Schutz von Verschlu\u00dfsachen nach dem Wegfall des ehemaligen MfS vernachl\u00e4ssigen zu k\u00f6nnen, einer sicherheitsbewu\u00dfteren Einstellung gewichen sind.","138 3. - Spionageabwehr - 3.6 Wirkungsvolle Spionageabwehr ist nur mit Hilfe der Bev\u00f6lkerung m\u00f6glich Im Bewu\u00dftsein dessen werden alle Betroffenen, die von Aktivit\u00e4ten gegnerischer Nachrichtendienste gegen die Bundesrepublik Deutschland Kenntnis haben oder von diesen Nachrichtendiensten angesprochen oder zur Mitarbeit aufgefordert worden sind, gebeten, ihr Wissen im Interesse unseres Gemeinwesens, aber auch der eigenen Sicherheit zu offenbaren. Das gilt selbst f\u00fcr diejenigen, die schon nachrichtendienstlich t\u00e4tig geworden sind. Hier k\u00f6nnen die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden helfen, sich aus der Verstrickung zu befreien. Voraussetzung ist jedoch eine umfassende Offenbarung. Das LfV steht jederzeit f\u00fcr eine Ansprache bereit. Vertraulichkeit wird zugesichert. Die Beratungsstelle des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz Berlin ist unter der Telefonnummer 867 42 16 zu erreichen.","4. - Anhang I: Kurzdarstellungen - 139 4 Anhang I Kurzdarstellungen wichtiger extremistischer Organisationen","140 4. - Anhang I: Kurzdarstellungen - 4.1 Linksextremismus 4.1.1 Linksextremistisch motiviertes Gewaltpotential 4.1.1.1 \"Rote Armee Fraktion\" (RAF) Terrorgruppe, die sich in einem \"bewaffneten antiimperialistischen Kampf\" sieht und \u00fcber milit\u00e4rische Offensiven eine \"einheitliche antiimperialistische Front in Westeuropa\" als Zwischenetappe zu einer kommunistischen Gesellschaft anstrebt. Ihr illegaler Kern (Kommandobereich) besteht aus etwa 1 5 - 2 0 Personen. Offensiven der RAF werden durch Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge der \"Militanten der RAF\", die als \"zweite k\u00e4mpfende Ebene\" in die RAF eingebunden sind, unterst\u00fctzt. Angaben \u00fcber deren personelle St\u00e4rke sind nicht m\u00f6glich. Das bundesweit aus ca. 250, in Berlin aus ca. 50 Personen bestehende RAFUmfeld, davon ca. 15 im engeren RAF-Umfeld agierende Aktivisten, unterst\u00fctzt den \"bewaffneten Kampf\" der RAF propagandistisch und \u00fcbt als Sprachrohr der RAF eine wichtige Vermittlerrolle aus. 4.1.1.2 \"Revolution\u00e4re Zellen\" (RZ) Kleingruppen ohne erkennbare Struktur, die mit z.T. schweren Sprengstoffund Brandanschl\u00e4gen, Sabotageakten i j n d \"Bestrafungsaktionen\", wie Kniesch\u00fcssen, ein auf Breitenwirkung angelegtes - teilweise \"sozialrevolution\u00e4res\" Konzept - verfolgen. Die RZ kn\u00fcpfen hierbei in der Regel an aktuelle gesellschaftliche Probleme an. Die innerhalb der RZ als \"Rote Zora\" selbst\u00e4ndig agierende radikal feministische Frauengruppe ver\u00fcbt Anschl\u00e4ge nach dem RZ-Konzept zu \u00fcberwiegend frauenspezifischen Problemen.","4. - Anhang I: Kurzdarstellungen - 141 4.1.1.3 Autonome Lose strukturierte Zusammenschl\u00fcsse - teilweise auch Einzelpersonen ohne Gruppenzusammenhang - mit diffusen anarchistischen, nihilistischen, bisweilen auch revolution\u00e4r-marxistischen Zielen. Sie bef\u00fcrworten und praktizieren militante Aktionen, wie \u00f6ffentliche gewaltt\u00e4tige Protestaktionen, aber auch Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge, im Kampf gegen \"das System\". Die Zahl der Autonomen wird f\u00fcr die alten Bundesl\u00e4nder auf etwa 2.700 Personen gesch\u00e4tzt, auf Berlin entfallen davon etwa 1.000. Verl\u00e4\u00dfliche Zahlen f\u00fcr die neuen Bundesl\u00e4nder liegen bisher nicht vor. 4.1.2 Revolution\u00e4r-marxistische Gruppen 4.1.2.1 \"Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD\" (AB) Der stalinistisch ausgerichtete AB, 1973 durch Zusammenschlu\u00df \"Sozialistischer Betriebsgruppen\" mit \"Arbeiter-Basis-Gruppen\" in Bayern entstanden, hat sich \u00fcber Linienk\u00e4mpfe faktisch in zwei gleich gro\u00dfe Fraktionen gespalten. Bundesweit verf\u00fcgt der AB \u00fcber etwa 200 Anh\u00e4nger, in Berlin besteht eine Splittergruppe. Organ: \"KAZ - Kommunistische Arbeiterzeitung\", mtl. 4.1.2.2 \"Bund Westdeutscher Kommunisten\" (BWK) Der 1980 als Abspaltung des \"Kommunistischen Bund Westdeutschland\" (KBW) gegr\u00fcndete BWK strebt die \"Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparates\" an. Der BWK verf\u00fcgt bundesweit \u00fcber etwa 300 Mitglieder; in Berlin sind etwa 20 Personen im BWK organisiert. Organ: \"Politische Berichte\", 14tgl., Aufl.: 1.200.","142 4. - Anhang I: Kurzdarstellungen - 4.1.2.3 \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD) 1968 als \"Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten\" (KPD/M-L) gegr\u00fcndet, 1980 in KPD umbenannt. 1986 Fusion der Mehrheitsfraktion mit der trotzkistischen \"Gruppe Internationale Marxisten\" (GIM) zur \"Vereinigten Sozialistischen Partei\" (VSP). Verblieben sind Splittergruppen, von denen jede f\u00fcr sich den bisherigen Parteinamen beansprucht und die insgesamt etwa 70, in Berlin etwa 30, Mitglieder umfassen. Organe: \"Roter Morgen\", mtl., \"Roter Blitz\", mtl., Aufl.: jeweils 200 bis 300. 4.1.2.4 \"Kommunistischer Bund\" (KB) Der 1971 gegr\u00fcndete KB hat sich auf seinem letzten Kongre\u00df am 20. April 1991 aufgel\u00f6st. Eine Minderheitsfraktion gr\u00fcndete am 7. Juli 1991 die \"Gruppe K\". Das bisherige KB-Organ \"ak-Arbeiterkampf\" wird von ehemaligen KBMitgliedern beider Fraktionen weiterhin unter dem Titel \"ak\" herausgegeben. 4.1.2.5 \"Gruppe K\" Die aus einer Minderheitsfraktion des im April 1991 aufgel\u00f6sten \"Kommunistischen Bundes\" (KB) hervorgegangene Gruppe mit etwa 80 Mitgliedern wurde am 7. Juli 1991 in Dortmund formell gegr\u00fcndet. Sie h\u00e4lt ideologisch am Ziel des Kommunismus fest. Ein Hauptzweck der Organisation liegt nach eigenem Bekunden in den Bereichen der Analyse sowie der Theorieund Strategieentwicklung. Publikation: \"ak\" (fr\u00fcher \"Arbeiterkampf\"), 4w\u00f6. 4.1.2.6 \"Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands\" (MLPD) Die 1982 in Bochum gegr\u00fcndete, aus dem \"Kommunistischen Arbeiterbund Deutschlands\" (KABD) hervorgegangene MLPD bekennt sich zur Theorie des Marxismus-Leninismus in seiner Interpretation durch MAO ZEDONG. In der","4. - Anhang I: Kurzdarstellungen - 143 MLPD sind bundesweit 1.500 Mitglieder organisiert, in Berlin geh\u00f6ren der MLPD bis zu 100 Personen an. Zentralorgan: \"Rote Fahne\", wo., Aufl.: 6.000. Nebenorganisationen (zusammen weniger als 400 Mitglieder): \"ARBEITERJUGENDVERBAND/Marxisten-Leninisten\" (AJV/ML) \"Marxistisch-Leninistischer Sch\u00fclerund Studentenverband\" (MLSV) \"Marxistisch-Leninistischer Bund Intellektueller\" (MLBI) - Der MLBI wurde auf Beschlu\u00df des IV. MLPD-Parteitages im Dezember 1991 aufgel\u00f6st. - 4.1.2.7 \"Marxistische Gruppe\" (MG) Die Anfang der 70er Jahre aus \"Roten Zellen\" hervorgegangene MG hat sich am 20. Mai 1991 selbst \"aufgel\u00f6st\". Die MG hatte im Mai 1991 bundesweit mehr als 10.000 Anh\u00e4nger. Publikationen: \"Marxistische Arbeiterzeitung\" (MAZ), \"Marxistische Hochschulzeitung\" (MHZ), \"Marxistische Streitund Zeitschrift\" (MSZ), Aufl.: bis zu 10.000; die Herausgabe wurde im Mai 1991 eingestellt. 4.1.2.8 \"Revolution\u00e4re Kommunisten (BRD)\" (RK) Ein nach stalinistischem Prinzip organisierter Zusammenschlu\u00df von deutschen Anh\u00e4ngern der \"Revolutionary Internationalist Movement\" (RIM). Diesem 1984 entstandenen Dachverband (Sitz: London) geh\u00f6ren derzeit 19 revolution\u00e4re Parteien und Zusammenschl\u00fcsse aus verschiedenen L\u00e4ndern an. In Berlin steigerte die Gruppierung ihre Anh\u00e4ngerschaft seit 1989 von etwa 15 auf bis heute ca. 100 Personen. Publikation: \"Aufstand-Zeitung der Revolution\u00e4ren Kommunisten (BRD)\", unreg.","144 4. - Anhang I: Kurzdarstellungen - 4.1.2.9 \"Rote Garde Berlin\" (RG) 1988 gegr\u00fcndete \"Kampforganisation der proletarischen und werkt\u00e4tigen Jugend\", mit etwa 30 Mitgliedern. Publikation: \"Roter Rebell\", vj. 4.1.2.10 \"Rote Hilfe e.V.\" (RH) 1975 gegr\u00fcndete Rechtsund Hafthilfeorganisation der \"Neuen Linken\", die ma\u00dfgeblich von Mitgliedern/ehemaligen Mitgliedern mehrerer K-Gruppen getragen wird und bundesweit \u00fcber 700, in Berlin \u00fcber etwa 100 Mitglieder verf\u00fcgt. Publikationen: \"Die Rote Hilfe\", vj., Aufl.: 2.000 bis 2.500; in Berlin: \"Rote Hilfe Info\", mtl. 4.1.2.11 \"Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg\" (Volksfront) 1979 von der damaligen KPD/ML gegr\u00fcndete \"antifaschistische\" B\u00fcndnisorganisation mit einem hohen Anteil von Mitgliedern des BWK und der VSP; in den F\u00fchrungsgremien dominieren inzwischen Mitglieder des BWK. Die Volksfront hat derzeit 400 Mitglieder, von denen unter 20 im \"Landesverband Westberlin\" organisiert sind. Publikationen: \"Antifaschistische Nachrichten\", 14t^L AufULSOO; \"Volksecho\", vj., Aufl.: 800; in Berlin: \"frontblatt\", mtl., Aufl.: 300. 4.1.2.12 \"Vereinigte Sozialistische Partei\" (VSP) Die 1986 aus einer Fusion der \"Kommunistischen Partei Deutschlands\" (KPD) und der \"Gruppe Internationale Marxisten\" (GIM) hervorgegangene VSP umfa\u00dft bundesweit etwa 300 Mitglieder, die in zahlreichen Ortsgruppen u.a. im Westteil Berlins organisiert sind. Organ: \"SoZ - Sozialistische Zeitung\", 14 tgl.","4. - Anhang I: Kurzdarstellungen - 145 4.1.3 Trotzkistische Parteien und Gruppen 4.1.3.1 \"Bund Sozialistischer Arbeiter\" (BSA) Der 1972 gegr\u00fcndete BSA, dem bundesweit etwa 100 Mitglieder angeh\u00f6ren, sieht im Kampf gegen \"Stalinismus und Kapitalismus\" die zentrale Achse seines Programms. Er geh\u00f6rt dem internationalen trotzkistischen Zusammenschlu\u00df \"Internationales Komitee der Vierten Internationale\" (IKVI) als deutsche Sektion an. Organ: \"Neue Arbeiterpresse\", wo. 4.1.3.2 \"Gruppe Revolution\u00e4re Sozialistinnen\" (GRS) Die GRS wurde 1989 nach der Mauer\u00f6ffnung von Mitgliedern der internationalen trotzkistischen Bewegung \"IV. Internationale (Vereinigtes Sekretariat)\" exklusiv f\u00fcr die Arbeit in der damaligen DDR gegr\u00fcndet. Die Gruppe arbeitet seit der deutschen Vereinigung mit Mitgliedern der trotzkistischen Plattform in der \"Vereinigten Sozialistischen Partei\" (VSP) zusammen und ist inzwischen mit Kontaktadressen in Berlin, Erfurt, Halle, Leipzig sowie in den alten Bundesl\u00e4ndern vertreten. Als ihr Ziel bezeichnet die GRS - deutsche Sektion der \"IV. Internationale\" in den neuen Bundesl\u00e4ndern und im Ostteil Berlins - die \"Herstellung verbindlicher Strukturen der Vierten Internationale sowie die Rekonstruktion einer Sektion in Gesamtdeutschland\". Publikation: \"Avanti-Zeitung der Gruppe Revolution\u00e4re Sozialistinnen/ Vierte Internationale\", mtl. 4.1.3.3 \"Internationale Sozialistische Arbeiterorganisation\" (ISA) Die 1979 gegr\u00fcndete ISA, deutsche Sektion der \"IV. Internationale (Internationales Zentrum f\u00fcr ihren Wiederaufbau)\" - IZ -, ging aus einer Gruppe um die trotzkistische Zeitschrift \"Internationale Arbeiterkorrespondenz\" (IAK) hervor und umfa\u00dft etwa 150 Mitglieder, davon etwa 20 in Berlin.","146 4. - Anhang I: Kurzdarstellungen - Organ: \"Sozialistische Arbeiterzeitung\" (SAZ), dt. Beilage der mtl. Zeitschrift \"Internationale Trib\u00fcne - La Verite\", die vom Generalrat der \"IV. Internationale (IZ)\" herausgegeben wird. 4.1.3.4 \"Vereinigung der Arbeitskreise f\u00fcr Arbeitnehmerpolitik und Demokratie\" (VAA) 1989 mit dem Ziel, Gewerkschafter, Sozialdemokraten und Jugendliche zur Mitarbeit zu gewinnen, von der ISA gebildete Tarnorganisation. Organ: \"Freie Trib\u00fcne f\u00fcr Arbeitnehmerpolitik\", 14tgl. 4.1.3.5 \"Sozialistische Arbeitergruppe\" (SAG) Die 1969/70 aus dem Frankfurter SDS hervorgegangene SAG ist die deutsche Sektion der \"International Socialists\" - IS - (Sitz: London), einer der gr\u00f6\u00dferen internationalen trotzkistischen Dachverb\u00e4nde um die britische \"Socialist Worker Party\" (SWP). Die etwa 150 Mitglieder sind in mehreren Ortsgruppen u.a. in Berlin organisiert. Die SAG erstrebt \u00fcber Betriebsund Gewerkschaftsarbeit den Aufbau einer revolution\u00e4ren kommunistischen Partei. Publikation: \"Klassenkampf\", mtl. 4.1.3.6 -Spartakist-Arbeiterpartei Deutschlands'^ (SpAD) Der im Januar 1990 in Berlin gegr\u00fcndete SpAD, deutsche Sektion der \"Internationalen Kommunistischen Liga (Vierte Internationalisten)\" (IKL), geh\u00f6ren unter 100 Mitglieder an. Vorl\u00e4uferorganisation waren die 1974 gegr\u00fcndete \"Trotzkistische Liga Deutschlands\" (TLD) sowie die 1989 auf dem Gebiet der damaligen DDR gegr\u00fcndeten \"Spartakist-Gruppen\". Organ: \"Spartakist\", mtl.","4. - Anhang I: Kurzdarstellungen - 147 4.1.3.7 \"Gruppe Arbeitermacht\" (GAM) Die erstmals 1983 bekanntgewordene Splittergruppe GAM, deutsche Sektion der internationalen trotzkistischen Bewegung \"Liga f\u00fcr eine revolution\u00e4re kommunistische Internationale\" (LRKI), bildete bis Oktober 1991 eine \"revolution\u00e4r-kommunistische Fraktion\" in der PDS Berlin. Ziel der das Konzept eines \"offenen Entrismus\" vertretenen GAM ist die Gr\u00fcndung einer \"revolution\u00e4ren Partei\". Publikation: \"Arbeitermacht\", unreg. 4.1.3.8 \"Gruppe Spartakus\" Diese Splittergruppe wurde 1983 als \"Gruppe IV. Internationale\" von Personen gegr\u00fcndet, die aus der damaligen \"Trotzkistischen Liga Deutschlands\" (TLD) ausgeschlossen worden waren. Seit August 1990 ist diese Gruppe deutsche Sektion der internationalen trotzkistischen Bewegung \"Bolschewistische Tendenz\" (BT) mit Kontaktadressen in Berlin und Hamburg. Organ: \"Trotzkistisches Bulletin\", unreg. 4.1.4 \"Orthodoxe\" Kommunisten 4.1.4.1 \"Sozialistische Initiative\" (Sl) Die am 29. April 1990 durch Umbenennung der \"orthodox\"-kommunistischen \"Sozialistischen Einheitspartei Westberlins\" (SEW) entstandene Sl hat sich nach einer Urabstimmung ihrer Mitglieder zum 30. Juni 1991 aufgel\u00f6st. In der Sl waren zum Aufl\u00f6sungszeitpunkt ca. 400 Mitglieder organisiert. Ehemalige Nebenorganisationen der SEW: \"Demokratischer Frauenbund Berlin\" (DFB); \"Aktionsgemeinschaft von Demokraten und Sozialisten Westberlin\" (ADS Westberlin); \"Gesellschaft f\u00fcr Deutsch-Sowjetische Freundschaft Berlin (West)\" - DSF Berlin (West);","148 4. - Anhang I: Kurzdarstellungen - \"Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes Westberlin - Verband der Antifaschisten\" (VNN Westberlin/Verband der Antifaschisten). Mit der Beendigung der Finanzierung der SEW durch die \"Sozialistische Einheitspartei Deutschlands\" (SED) Anfang 1990 mu\u00dfte die SEW ihrerseits die Finanzierung ihrer Nebenorganisationen einstellen, was zu einer erheblichen Reduzierung der Aktivit\u00e4ten der Nebenorganisationen f\u00fchrte und Diskussionen um den politischen Standpunkt in diesen Organisationen ausl\u00f6ste. Im Jahr 1991 konnte keine Beeinflussung der politischen T\u00e4tigkeiten dieser Organisationen durch die Sl festgestellt werden. Mit der Aufl\u00f6sung der Sl ist die Grundlage der Beobachtung entfallen. 4.1.4.2 \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) Am 20. November 1991 von ehemaligen SEW/SI-Funktion\u00e4ren gegr\u00fcndete \"orthodox\"-kommunistische Kernorganisation. Der DKP-Bezirksorganisation Berlin/Brandenburg geh\u00f6ren derzeit ca. 50 Mitglieder an. Publikation: \"Kommunistische Korrespondenz\" - Zeitung der DKP-Berlin/Brandenburg - (ehemals \"Zettel\"); Aufl. 300. 4.1.4.3 \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD) Am 31. Januar 1990 in Ost-Berlin f\u00fcr das Gebiet der ehemaligen DDR u wiedergegr\u00fcndete orthodox\"-kommuntstische Kernorganisation mit gesamtdeutschem Anspruch. In Ost-Berlin geh\u00f6ren ca. 40 Mitglieder der KPD an. Publikation: \"Trotz alledem\" - Monatsschrift der \"Kommunistischen Partei Deutschlands\". 4.1.5 \"St\u00e4ndiger Rat Marxistischer Parteien\" (SRMP) Am 21. April 1991 konstituierten sich in Berlin vier marxistisch-orientierte Organisationen bzw. Parteien zum SRMP.","4. - Anhang I: Kurzdarstellungen - 149 Die beteiligten Parteien wollen unter Wahrung ihrer Eigenst\u00e4ndigkeit solidarisch zusammenarbeiten. Ziel des Zusammenschlusses ist nach der erkl\u00e4rten Absicht seiner Gr\u00fcnder, \"zur Bildung einer einheitlichen revolution\u00e4ren Klassenpartei beizutragen\".","150 4. - Anhang I: Kurzdarstellungen - 4.2 Rechtsextremismus 4.2.1 Neuer Nationalsozialismus/Neonazismus 4.2.1.1 \"ASGARD-Bund e.V.\" Der 1980 unter dem ma\u00dfgeblichen Einflu\u00df des militanten Neonazis ArnulfWinfried PRIEM gebildete \"ASGARD-Bund e.V.\" strebt die Gleichstellung des germanischen Kulturkreises mit den anderen Religionen an und versteht sich als religi\u00f6se unabh\u00e4ngige Gemeinschaft. Der Verein tritt inzwischen nur noch durch die j\u00e4hrliche Herausgabe seines \"Nordisch-Germanischen Jahrweisers\" hervor (vgl. \"Wotans Volk\"). 4.2.1.2 \"Bund Vaterlandstreuer Volksgenossen\" (BVV) 1988 in Berlin (West) entstandene neonazistische, politisch weitgehend selbst\u00e4ndig operierende Kleinstgruppe, die 1990 und 1991 sporadisch mit Klebeaktionen (Holocaust in ISRAEL SCHLUSS MIT DER KNECHTUNG DES PAL\u00c4STINENSISCHEN VOLKES!) in Erscheinung trat. 4.2.1.3 \"Deutsche Alternative\" (DA) Die 1989 in Bremen gegr\u00fcndete, bundesweit etwa 320 Mitglieder umfassende Partei vertritt die politischen Ziele des verstorbenen Neonazis Michael K\u00dcHNEN. Die etwa 20 Berliner Mitglieder der DA sind zugleich Angeh\u00f6rige der \"Kameradschaft Berlin\" der \"Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front\" (GdNF) oder der \"Nationalen Alternative Berlin\" (NA Berlin). 4.2.1.4 \"Deutsche Jugendinitiative Berlin\" (DJI) Etwa 30 Personen umfassendes loses Aktionsb\u00fcndnis von Anh\u00e4ngern der \"Freiheitspartei\", der \"Nationalistischen Front\" (NF) und einigen unorganisierten Neonazis. Seit 1986 tritt die DJI sporadisch mit Flugblattaktionen in der \u00d6ffentlichkeit auf.","4. - Anhang I: Kurzdarstellungen - 151 4.2.1.5 \"Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei\" (FAP) Seit 1984 von Anh\u00e4ngern der 1983 verbotenen neonazistischen ANS/NA unterwanderte Partei. Der Landesverband Berlin der FAP wurde erst am 20. Oktober 1990 in Wildau, Kreis K\u00f6nigs Wusterhausen, gegr\u00fcndet. Im Verlauf des Jahres 1991 sank die Anzahl der Mitglieder des FAPLandesverbandes Berlin auf etwa 30 Aktivisten ab. Publikationen: \"AUFRECHT! Zeitschrift f\u00fcr nationale Solidarit\u00e4t\", hrsg. vom FAP-Landesverband Berlin (seit April 1991) 4.2.1.6 \"Freiheitspartei\" 1987 von Berliner Anh\u00e4ngern der neonazistischen \"Bewegung\" als \"Auffangbecken\" f\u00fcr den Fall eines Verbots der FAP gegr\u00fcndete Partei, die 1989 aus Anla\u00df der Berliner Wahlen f\u00fcr die Bezirksverordnetenversammlung Wedding als W\u00e4hlergemeinschaft kandidierte. 1990 und 1991 trat die \"Freiheitspartei\" \u00f6ffentlich kaum in Erscheinung. 4.2.1.7 \"Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front\" (GdNF) Der von dem 1991 verstorbenen Michael K\u00dcHNEN gef\u00fchrten GdNF, die sich weiterhin uneingeschr\u00e4nkt zum Nationalsozialismus bekennt, geh\u00f6rten 1991 bundesweit etwa 400 Personen an. Nach dem Verbot der von K\u00dcHNEN gegr\u00fcndeten \"Nationalen Sammlung\" (N.S.) im M\u00e4rz 1989 bildeten er und seine Anh\u00e4nger verschiedene andere Organisationen wie die bisher auf Hamburg beschr\u00e4nkte \"Nationale Liste\" (NL) und die auch in der ehemaligen DDR verbreitete \"Deutsche Alternative\" (DA). Die \"Kameradschaft Berlin\" der GdNF umfa\u00dfte 1991 bis zu 20 Personen, die gleichzeitig Mitglieder der DA oder der NA sind. 4.2.1.8 \"Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V.\" (HNG) 1979 gegr\u00fcndete Organisation zur Unterst\u00fctzung inhaftierter Neonazis mit bundesweit etwa 200 Mitgliedern. In Berlin existiert keine Gliederung der HNG, sondern nur Einzelmitglieder.","152 4. - Anhang I: Kurzdarstellungen - Publikation: \"Nachrichten der HNG\", monatlich, Auflage: ca. 300 4.2.1.9 \"Nationale Alternative Berlin\" (NA Berlin) Eine am 1. Februar 1990 auf Initiative westdeutscher K\u00dcHNEN-Anh\u00e4nger im Ostteil Berlins gegr\u00fcndete Partei, der im Jahr 1991 noch etwa 20 Aktivisten angeh\u00f6rten. 4.2.1.10 \"Nationalistische Front\" (NF) 1985 gegr\u00fcndete, 1991 bundesweit etwa 130 Mitglieder umfassende Partei mit nationalrevolution\u00e4rer Ausrichtung. In Berlin existiert eine etwa 20 Mitglieder umfassende Ortsgruppe. 4.2.1.11 \"Nationale Offensive\" (NO) Am 3. Juli 1990 in Augsburg gegr\u00fcndete v\u00f6lkisch-nationalistische Partei unter F\u00fchrung des ehemaligen FAP-Aktivisten Michael SWIERCZEK, die bisher vorzugsweise im s\u00fcddeutschen Raum t\u00e4tig war, aber die Gr\u00fcndung von Gruppen in der ehemaligen DDR anstrebt. In Berlin besteht zur Zeit nur ein informeller NO-Funktion\u00e4rskreis, der Verbindung zur \"Nationalen Alternative Berlin\" unterh\u00e4lt. Bundesweit etwa 100 Mitglieder. 4.2.1.12 \"V\u00f6lkischer Freundeskreis\" 1989 von ehemaligen Mitgliedern der damaligen \"Kameradschaft Berlin\" der GdNF ins Leben gerufene Funktion\u00e4rsgruppe, die sich von Michael K\u00dcHNEN als F\u00fchrer distanziert hatte. Nach monatelanger Inaktivit\u00e4t wurde Anfang Juli 1991 die neonazistische Kleinstgruppe mit Unterst\u00fctzung der FAP reaktiviert.","4. - Anhang I: Kurzdarstellungen - 153 4.2.1.13 \"Wiking-Jugend volkstreue, nordl\u00e4ndische Jugendbewegung Deutschland e.V.\" (WJ) Die 1952 gegr\u00fcndete, heute bundesweit etwa 450 Mitglieder umfassende WJ sieht sich in der Tradition der \"Hitler-Jugend\". Die etwa 10 Mitglieder des Gaues Berlin der WJ beteiligten sich 1991 an verschiedenen Veranstaltungen anderer rechtsextremistischer Organisationen. 4.2.1.14 \"Wotans Volk\" Erstmals 1987 als \"Jugendgruppe\" des Vereins \"ASGARD-Bund e.V.\" hervorgetretener Zusammenschlu\u00df einiger Anh\u00e4nger des militanten Neonazis Arnulf-Winfried PRIEM, der mit dieser Gruppe die Tradition der 1984 aufgel\u00f6sten \"Kampfgruppe PRIEM e.V.\" fortsetzt. Die Gruppe beteiligt sich sporadisch an Flugblattund Schmieraktionen neonazistischen Charakters. 4.2.2 \"Nationalfreiheitliche\" und \"Nationaldemokraten\" 4.2.2.1 \"Deutsche Volksunion e.V.\" (DVU e.V.) einschlie\u00dflich: \"Aktion Oder-Nei\u00dfe\" (AKON), \"Aktion deutsches Radio und Fernsehen\" (ARF), \"Deutscher Schutzbund f\u00fcr Volk und Kultur\" (DSVK), \"Ehrenbund Rudel\" (ER), \"Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung\" (l.f.A.), \"Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie\" (VOGA). 1971 von dem M\u00fcnchner Verleger Dr. Gerhard FREY als \"\u00fcberparteiliches\" Sammelbecken der \"Verfassungstreuen Rechten\" gegr\u00fcndete Kernorganisation der \"National-Freiheitlichen\". In den von FREY herausgegebenen Wochenzeitungen (\"Deutsche National-Zeitung\", Aufl.: 35.000, \"Deutsche Wochen-Zeitung\"/\"Deutscher Anzeiger\", Aufl.: 39.000) wird regelm\u00e4\u00dfig rechtsextremistische Agitation betrieben.","154 4. - Anhang I: Kurzdarstellungen - Seit Gr\u00fcndung des Berliner Landesverbandes der DVU - Liste D sind f\u00fcr die DVU e.V. keine Aktivit\u00e4ten mehr zu verzeichnen; die Mitglieder des Vereins sind automatisch Mitglieder der Partei. 4.2.2.2 \"Deutsche Volksunion\" (DVU) 1987 auf Initiative Dr. FREYs gegr\u00fcndete Partei. Die DVU ist mit inzwischen rund 24.000 Mitgliedern die mit Abstand gr\u00f6\u00dfte Partei im rechtsextremistischen Spektrum. Der 1988 gegr\u00fcndete Berliner Landesverband ist mit etwa 800 Mitgliedern die zahlenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dfte rechtsextremistische Organisation Berlins. 4.2.2.3 \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) Die 1964 aus der \"Deutschen Reichspartei\" (DRP) und anderen rechtsextremistischen Organisationen hervorgegangene NPD umfa\u00dfte 1991 bundesweit etwa 6.100 Mitglieder. Der Landesverband Berlin-Brandenburg der NPD hatte zum Jahresende 1991 etwa 200 Mitglieder. Die NPDJugendorganisation \"Junge Nationaldemokraten\" (JN) umfa\u00dfte 1991 bundesweit etwa 550, in Berlin etwa 15 Mitglieder. 4.2.3 Sonstige 4.273.1 berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen^ (ehemals \"Deutsche Kulturgemeinschaft Berlin - DKG-Berlin) Die im M\u00e4rz 1983 von oppositionellen Berliner NPD-Mitgliedern gegr\u00fcndete, 1991 etwa 25 Mitglieder umfassende Vereinigung hat sich seit 1988 zu einem Sammelbecken f\u00fcr Berliner Rechtsextremisten unter Einschlu\u00df der neonazistischen Gruppen entwickelt.","4. - Anhang I: Kurzdarstellungen - 155 4.3 Ausl\u00e4nderextremismus 4.3.1 Pal\u00e4stinenser/Araber 4.3.1.1 \"ALFATAH\" Ende der 50er Jahre gegr\u00fcndete, zahlenm\u00e4\u00dfig st\u00e4rkste PLOMitgliedsorganisation unter F\u00fchrung von Yassir ARAFAT. Die FATAH hat ihre Hauptst\u00fctzpunkte in Tunis, Tripolis und Bagdad. Erkl\u00e4rtes Ziel der FATAH ist die Befreiung Pal\u00e4stinas durch Zerst\u00f6rung des Staates Israel und die Errichtung eines unabh\u00e4ngigen pal\u00e4stinensischen Staates. In der Vergangenheit war sie f\u00fcr zahlreiche Terrorakte verantwortlich (z.B. 1972 auf die israelische Olympia-Mannschaft in M\u00fcnchen). In Berlin besteht eine Gliederung der FATAH mit ca. 100 Mitgliedern (bundesweit ca. 500). 4.3.1.2 \"Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" (PFLP) Die 1967 gegr\u00fcndete PFLP unter Leitung von Dr. George HABBASH mit Sitz in Damaskus will ihr politisches Ziel, die Schaffung eines panarabischen Staates, mit den Mitteln des Guerilla-Krieges, insbesondere durch organisierten Terror, erreichen. In der Vergangenheit hat die PFLP zahlreiche Terroranschl\u00e4ge gegen Israel und mi\u00dfliebige europ\u00e4ische Staaten ver\u00fcbt. Die PFLP verf\u00fcgt in Berlin \u00fcber eine Gliederung mit etwa 25 Mitgliedern (bundesweit ca. 150). 4.3.1.3 \"Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" (DFLP) Die 1969 gegr\u00fcndete DFLP unter Leitung von Nayef HAWATMEH mit Sitz in Damaskus lehnt die L\u00f6sung der \"Pal\u00e4stina-Frage\" auf dem Verhandlungswege ab. Sie ist in Israel und den von Israel besetzten Gebieten durch zahlreiche Terrorakte in Erscheinung getreten. In der Bundesrepublik Deutschland sind Terrorakte von der DFLP bisher nicht durchgef\u00fchrt worden. In Berlin besteht eine Gliederung der DFLP mit etwa 30 Mitgliedern (bundesweit ca. 200).","156 4. - Anhang I: Kurzdarstellungen - 4.3.1.4 \"Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas-Generalkommando\" (PFLP-GC) Die 1968 gegr\u00fcndete PFLP-GC unter Leitung von Ahmed JIBRIL mit Sitz in Damaskus z\u00e4hlt zu den aggressivsten pal\u00e4stinensischen Terrororganisationen. Sie zeichnete f\u00fcr zahlreiche Terrorakte in Israel und den von Israel besetzten Gebieten sowie in Westeuropa verantwortlich. 1986 und 1988 gelang es deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden, Anschlagsvorbereitungen von PFLP-GC-Angeh\u00f6rigen in der Bundesrepublik Deutschland aufzudecken. Im Bundesgebiet und in Berlin verf\u00fcgt die PFLP-GC nur \u00fcber Einzelmitglieder. 4.3.1.5 \"Pal\u00e4stinensische Volkskampffront\" (PPSF) Die 1967 gegr\u00fcndete PPSF unter Leitung von Dr. Samir GHOUSHA mit Sitz ist Damaskus lehnt eine politische L\u00f6sung der \"Pal\u00e4stina-Frage\" ab und fordert die Fortsetzung des bewaffneten Kampfes bis zur v\u00f6lligen Vernichtung Israels. In der Bundesrepublik Deutschland hat die PPSF bisher keine Terrorakte ver\u00fcbt. In Berlin gibt es wie im Bundesgebiet nur Einzelmitglieder der PPSF. 4.3.1.6 \"AL SAIQA\" Die 1968 von der in Syrien regierenden BAATH-Partei gegr\u00fcndete \"AL SAIQA\" vertritt die Interessen Syriens in der PLO. Sie verf\u00fcgt im Bundesgebiet wie in Berlin nur \u00fcber Einzelmitglieder. 4.3.1.7 \"Abu-Nidal-Organisation\" (ANO) Die 1972 von Hassan Sabri AL BANNA alias \"Abu NIDAL\" gegr\u00fcndete ANO, die ihre Hauptst\u00fctzpunkte in Libyen und Irak besitzt, geh\u00f6rt zu den aggressivsten pal\u00e4stinensischen Terrororganisationen. Seit ihrer Gr\u00fcndung hat sie f\u00fcr zahlreiche Terrorakte, u.a. in Westeuropa, verantwortlich gezeichnet. Sie verf\u00fcgt im Bundesgebiet wie in Berlin nur \u00fcber Einzelmitglieder.","4. - Anhang I: Kurzdarstellungen - 157 4.3.1.8 \"Islamische Widerstandsbewegung\" (HAMAS) Die 1987 gegr\u00fcndete \"HAMAS\" tritt f\u00fcr den Jihad (Heiligen Krieg) gegen Israel und die Errichtung eines islamischen Staates in Israel und den von Israel besetzten Gebieten ein. Sie operierte bisher terroristisch ausschlie\u00dflich in den von Israel besetzten Gebieten, wo sie auch ihre Hauptst\u00fctzpunkte hat. Sie verf\u00fcgt in Berlin \u00fcber Einzelmitglieder (bundesweit ca. 50). 4.3.1.9 \"Moslembruderschaft\" (MB) Die bereits 1928 in \u00c4gypten gegr\u00fcndete \"Moslembruderschaft\" ist ein Zusammenschlu\u00df radikaler sunnitischer Muslime, der haupts\u00e4chlich in \u00c4gypten und Syrien mit Gewalt die dortigen Regime st\u00fcrzen will. In Berlin leben etwa 10 Mitglieder der MB (bundesweit ca. 700). 4.3.1.10 \"Hizb Allah\" (Partei Gottes) Die 1982 im Libanon gebildete, vom Iran gesteuerte \"Hizb Allah\", die sich in den letzten Jahren zur st\u00e4rksten Kraft unter den pro-iranischen SchiitenOrganisationen entwickelte, hat sich die Schaffung einer Islamischen Republik Libanon zum Ziel gesetzt. Sie ist f\u00fcr zahlreiche Terrorakte im Libanon verantwortlich, u.a. die Entf\u00fchrung der Deutschen SCHMIDT und CORDES. In Berlin verf\u00fcgt die \"Hizb Allah\" \u00fcber etwa 40 Mitglieder (bundesweit ca. 300). 4.3.1.11 AMAL Die 1969 im Libanon gegr\u00fcndete, sowohl vom Iran als auch von Syrien unterst\u00fctzte AMAL-Bewegung ist die gr\u00f6\u00dfte und bedeutendste schiitische Organisation im Libanon. Sie zeichnete in der Vergangenheit f\u00fcr zahlreiche Gewaltakte und Entf\u00fchrungsaktionen im Libanon verantwortlich. In der Bundesrepublik Deutschland sind bisher keine Gewaltakte der AMALBewegung bekanntgeworden. In Berlin verf\u00fcgt sie \u00fcber eine Gliederung mit etwa 10 Mitgliedern (bundesweit ca. 240).","158 4. - Anhang I: Kurzdarstellungen - 4.3.1.12 \"Hizb AI-Da'Wa Al-Islamia\" Die Ende der 60er Jahre im Irak von dem 1980 hingerichteten Muhammad BAKIR ins Leben gerufene, vom Iran gesteuerte Partei will das Regime unter Saddam HUSSEIN st\u00fcrzen und eine Islamische Republik Irak errichten. Anh\u00e4nger dieser Partei haben mehrere Anschl\u00e4ge auf staatliche Einrichtungen im Irak und auf irakische Vertretungen im Ausland ver\u00fcbt. In der Bundesrepublik Deutschland ist sie bisher durch Gewalthandlungen nicht in Erscheinung getreten. In Berlin verf\u00fcgt sie \u00fcber etwa 10 Mitglieder (bundesweit ca. 150). 4.3.1.13 \"Pal\u00e4stinensischer Islamischer Jihad\" (PIJ) Die Urspr\u00fcnge des PIJ gehen auf verschiedene fundamentalistische Bewegungen zur\u00fcck, die zumeist unter dem Einflu\u00df der sunnitischextremistischen Moslembruderschaft standen. Der PIJ wurde etwa Ende der 70er Jahre gegr\u00fcndet. In den 80er Jahren und Anfang 1990 kristallisierten sich insbesondere vor dem Hintergrund pers\u00f6nlicher Auseinandersetzungen, ideologischer Meinungsverschiedenheiten und Verbindungen zu verschiedenen L\u00e4ndern und Organisationen sechs Fraktionen der Bewegung heraus. Ziel aller Fraktionen des PIJ ist die Errichtung eines islamischen Staates Pal\u00e4stina und die Vernichtung des Staates Israel. Dieses Ziel ist nach Auffassung des PIJ nur unter Einsatz von Gewalt zu erreichen. Die Bewegung \u00fcbernahm bereits die Verantwortung f\u00fcr zahlreiche in Israel und den besetzten Gebieten sowie au\u00dferhalb Israels begangene Anschl\u00e4ge. Der PIJ hat angek\u00fcndigt, auch au\u00dferhalb des Nahen Ostens gegen israelische Ziele vorzugehen. Im Zusammenhang mit dem \"Golfkrieg\" Anfang 1991 drohte ein hoher Funktion\u00e4r des PIJ mit Anschl\u00e4gen gegen US-amerikanische Einrichtungen in Deutschland. Nach Erkenntnissen der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden verf\u00fcgt der PIJ bisher nur in Berlin \u00fcber eine Gliederung, der etwa 40 Mitglieder und Anh\u00e4nger angeh\u00f6ren.","4. - Anhang I: Kurzdarstellungen - 159 4.3.2 Kurden 4.3.2.1 \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) Die 1978 in der T\u00fcrkei gegr\u00fcndete PKK unter Leitung von Abdullah \u00d6CALAN mit Sitz in Damaskus erstrebt die Schaffung eines vereinigten Kurdistans unter Einsatz auch terroristischer Mittel. Seit 1979 ist die PKK in der Bundesrepublik Deutschland aktiv und seitdem durch zahlreiche Aktionen in Erscheinung getreten. Wegen der in den vergangenen Jahren in der Bundesrepublik Deutschland ver\u00fcbten Morde an PKK-Dissidenten stehen in D\u00fcsseldorf und Celle derzeit mehrere PKK-Mitglieder vor Gericht. Dem Berliner Gebietskomitee der PKK geh\u00f6ren etwa 150 Mitglieder und Anh\u00e4nger an (bundesweit 2.600). 4.3.3 T\u00fcrken 4.3.3.1 \"T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L) Die 1972 gegr\u00fcndete proalbanische TKP/M-L spaltete sich 1981 in die Gruppen Partizan (P) und Bolsevik (B). In der Vergangenheit wurden in Berlin von Anh\u00e4ngern der TKP/M-L (P) Gewalthandlungen durchgef\u00fchrt. In Berlin verf\u00fcgt sie \u00fcber eine Gliederung mit etwa 50 Mitgliedern (bundesweit ca. 1.600). 4.3.3.2 \"Revolution\u00e4re Kommunistische Partei der T\u00fcrkei\" (TDKP) Die 1980 gegr\u00fcndete proalbanische TDKP, die den gewaltsamen Umsturz in der T\u00fcrkei propagiert, verf\u00fcgt in Berlin \u00fcber etwa 60 Anh\u00e4nger (bundesweit ca. 900). Gewaltaktionen sind von ihren Mitgliedern bzw. Anh\u00e4ngern in der Bundesrepublik Deutschland bereits ausgegangen.","160 4. - Anhang I: Kurzdarstellungen - 4.3.3.3 \"T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei/-front\"(THKP/-C) Die 1971 gegr\u00fcndete THKP/-C \u00fcbt in der T\u00fcrkei individuellen Terror nach dem Vorbild lateinamerikanischer Stadtguerilleros aus. Aus der THKP/-C gingen mehrere konspirativ arbeitende Gruppen hervor, deren Mitglieder und Anh\u00e4nger in der \u00d6ffentlichkeit durch zahlreiche, z.T. gewaltt\u00e4tige Aktionen in Erscheinung getreten sind. Die THKP/-C verf\u00fcgt in Berlin \u00fcber etwa 10 Mitglieder (bundesweit ca. 300). 4.3.3.4 \"Devrimci Sol\" (Revolution\u00e4re Linke) Die Gruppe ging im Mai/Juni 1978 aus der THKP/-C als konspirativ arbeitender Zusammenschlu\u00df hervor. Sie strebt in der T\u00fcrkei eine kommunistische Gesellschaftsordnung durch einen bewaffneten Volkskrieg an. Trotz des Verbots vom 9. Februar 1983 durch den Bundesminister des Innern sind Einzelmitglieder der Gruppe nach wie vor in der Bundesrepublik Deutschland aktiv. (In Berlin etwa 30 Mitglieder und Anh\u00e4nger.) 4.3.3.5 \"Avrupa'da Dev Gene\" (Revolution\u00e4re Jugend in Europa) Tarnbezeichnung, unter der Anh\u00e4nger der verbotenen \"Devrimci Sol\" in der Bundesrepublik Deutschland aktiv sind. 4.3.3.6 \"Partei der Nationalistischen Arbeit\" (MCP) Nachfolgeorganisation der 1957 gegr\u00fcndeten und durch das Milit\u00e4r Jaxier T\u00fcrkei 1980 verbotenen und aufgel\u00f6sten \"Partei der Nationalistischen Bewegung\" (MHP). Die von Alparslan T\u00dcRKES gef\u00fchrte, laizistischnationalistische Partei mit antikommunistischer und antisemitischer Haltung verf\u00fcgt bundesweit \u00fcber ca. 6.600, in Berlin \u00fcber ca. 500 Mitglieder und Anh\u00e4nger. 4.3.3.7 \"Wohlstandspartei\" (RP) Nachfolgeorganisation der 1972 gegr\u00fcndeten und durch das Milit\u00e4r in der T\u00fcrkei 1980 verbotenen \"Nationalen Heilspartei\" (MSP). Die RP ist eine nationalistische, islamisch-fundamentalistische Organisation, die sich gegen","4. - Anhang I: Kurzdarstellungen - 161 den Laizismus wendet. Bundesweit umfa\u00dft die von dem MSP-Gr\u00fcnder Necmettin ERBAKAN gef\u00fchrte RP ca. 12.500, in Berlin etwa 1.300 Mitglieder und Anh\u00e4nger. 4.3.3.8 \"Verband der islamischen Vereine und Gemeinden e.V. K\u00f6ln\" (ICCB) Der 1983 gegr\u00fcndete, von Cemaleddin KAPLAN gef\u00fchrte ICCB strebt wie die RP die Errichtung einer islamischen Republik in der T\u00fcrkei, jedoch durch eine Revolution nach iranischem Vorbild, an. Kaplan, dessen Anh\u00e4ngerschaft bundesweit ca. 4.200, in Berlin etwa 20 Personen umfa\u00dft, lehnt jegliche Zusammenarbeit mit der RP ab. 4.3.4 Iraner 4.3.4.1 \"Union islamischer Studentenvereine in Europa\" (U.I.S.A.) Nach dem Sieg der islamischen Revolution im Iran wurde die Anfang der 60er Jahre gegr\u00fcndete U.I.S.A. durch die islamisch-fundamentalistischen Kr\u00e4fte zu einer regimetreuen Organisation umgestaltet. Mitglieder der bundesweit ca. 400, in Berlin ca. 20 Personen umfassenden U.I.S.A. sind in der Bundesrepublik Deutschland in der Vergangenheit durch Gewalttaten in Erscheinung getreten. 4.3.4.2 \"Organisation der Volksmojahedin Iran\" (PMOI) Bei der 1965 gegr\u00fcndeten PMOI handelt es sich um eine islamischfundamentalistische Organisation mit marxistischer Pr\u00e4gung ( Sitz Bagdad). Sie zielt auf den gewaltsamen Sturz des Mullah-Regimes im Iran. Die PMOI verf\u00fcgt in der Bundesrepublik Deutschland \u00fcber etwa 800 Mitglieder, davon 50 in Berlin.","162 4. - Anhang I: Kurzdarstellungen - 4.3.4.3 \"Organisation der Iranischen Studenten in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin, Sympathisanten der Volksfedayin Guerilla Iran\" (O.I.P.F.G.) Die am 8. Februar 1971 im Iran gegr\u00fcndete O.I.P.F.G. strebt den gewaltsamen Sturz des Mullah-Regimes im Iran an. Von den bundesweit 200 Mitgliedern leben etwa 10 in Berlin. 4.3.4.4 \"Rat der Konstitutionellen Monarchie des Iran in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin\" (R.K.M.I.) 1984 gegr\u00fcndete Dachorganisation der in der Bundesrepublik ans\u00e4ssigen monarchistischen Organisationen und Einzelpersonen, die die Wiedereinf\u00fchrung der Monarchie im Iran anstrebt. Sie verf\u00fcgt bundesweit \u00fcber ca. 900, in Berlin \u00fcber ca. 60 Mitglieder. 4.3.5 Jugoslawen 4.3.5.1 \"Kroatischer Nationalrat\" (\"Hrvatsko Narodno Vijece\" - HNV) Der HNV mit Sitz in New York ist die bedeutendste Vereinigung von ExilJugoslawen in Deutschland. Er wurde am 2. Februar 1974 in Toronto/Kanada gegr\u00fcndet. Er versteht sich als nationalistische Dachorganisation kroatischer Effiigrantenvereirrigungen fn der ganzen Welt. In Deutschland unterh\u00e4lt der HNV 16 sog. Ortsaussch\u00fcsse mit \u00fcber 300 Mitgliedern. In Berlin geh\u00f6rt der Kroatische Republikanische Verein \"Br\u00fcder Andric\" mit etwa 10 Mitgliedern dem HNV als Mitgliedsorganisation an.","5. - Anhang II: Chronologie - 163 5 Anhang II Chronologie","164 5. - Anhang II: Chronologie - 5.1 Linksextremismus/Gewaltpotential 31.12.1990/ Ausschreitungen in Berlin-Kreuzberg durch etwa 150 zum 01.01.1991 Teil vermummte Personen. Barrikaden aus Containern wurden errichtet, Steine auf Polizeibeamte geworfen. Die T\u00e4ter werden der autonomen Szene zugerechnet. 01.01.1991 Stra\u00dfenblockade in Berlin-Sch\u00f6neberg durch etwa 20 Personen. Barrikaden aus zwei Bauwagen wurden errichtet, ein Lkw in Brand gesetzt und mehrere Brands\u00e4tze in eine Drogerie geworfen. Die T\u00e4ter werden der autonomen Szene zugerechnet. 03.01.1991 R\u00e4umung der teilbesetzten H\u00e4user Kadiner Stra\u00dfe 15, Proskauer Stra\u00dfe 4 und Rigaer Stra\u00dfe 101 in BerlinFriedrichshain. Stellenweise hatten sich Besetzer massiv verbarrikadiert. Sympathisanten, darunter auch vermummte, setzten in der Umgebung ein Kraftfahrzeug und einen M\u00fcllcontainer in Brand. 03.01.1991 Demonstration in Berlin-Friedrichshain mit Beteiligung linksextremistischer Gewaltt\u00e4ter unter dem Motto Gegen Wohnraumzerst\u00f6rung und Mietsteigerung. Polizeibeamte wurden mit Steinen beworfen und mit Leuchtspurmunition beschossen. 03./07.01.1991 Offene Weltkonferenz der \"IV. Internationale/Internationales Zentrum f\u00fcr ihren Wiederaufbau\" (IV. Internationale - IZ -) in Barcelona (Spanien) mit Teilnehmern aus 55 L\u00e4ndern. Zu den angereisten Deutschen geh\u00f6rten Vertreter der \"Internationalen Sozialistischen Arbeiterorganisation\" (ISA) aus Berlin.","5. - Anhang II: Chronologie - 165 04.01.1991 Brandanschlag auf den Pkw einer Baufirma in BerlinKreuzberg. In einem Selbstbezichtigungsschreiben machten die T\u00e4ter, die sich als \"Anf\u00e4ngerkurs einer weiteren autonomen Bastelgruppe\" bezeichneten, das Unternehmen als Teil der Berliner Baumafia f\u00fcr die R\u00e4umung besetzter H\u00e4user am 03.01.1991 mitverantwortlich. Bereits 1990 hatte sich ein \"Autonomer Bastelverein\" zu einem Brandanschlag am 08.11. auf das B\u00fcrohaus einer anderen Firma bekannt. 07.01.1991 Brandanschlag auf das Teppichcenter eines Kaufhauskonzerns in Berlin-Neuk\u00f6lln. In einem Selbstbezichtigungsschreiben bekannte sich eine \"Autonome Gruppe\" unter Hinweis auf Forderungen der militanten Hausbesetzerszene zu der Tat. 07./13.01.1991 Aktionswoche der (autonomen) Hausbesetzerszene mit teilweise unfriedlichen Aufz\u00fcgen in Berlin-Friedrichshain und Farbschmierereien in Berlin-Dahlem. 12.01.1991 Demonstration gegen einen drohenden Krieg am Golf. An der Vorbereitung und Durchf\u00fchrung beteiligten sich mehrere autonome Gruppen. W\u00e4hrend des Aufzuges und danach gingen militante Aktivisten u.a. mit Steinw\u00fcrfen gegen Polizeibeamte vor. 14.01.1991 Brandanschl\u00e4ge auf f\u00fcnf Filialen einer Gro\u00dfbank. Die T\u00e4ter deponierten in Briefumschl\u00e4gen verpackte, mit einem S\u00e4urez\u00fcnder pr\u00e4parierte chemische Substanzen in Briefk\u00e4sten der Bank. Anonyme Schreiber erkl\u00e4rten in einer Selbstbezichtigung, die Brandanschl\u00e4ge w\u00fcrden als M\u00f6glichkeit, den Krieg um Rohstoffe und menschliche Verwertbarkeit in die Metropolen zu tragen, begriffen. 14.01.1991 Blockade des Berliner US-Hauptquartiers anl\u00e4\u00dflich der Golfkrise. Zu den Initiatoren der Protestaktion z\u00e4hlte die anarchistische \"Freie Arbeiterinnen Union\" (FAU).","166 5. - Anhang II: Chronologie - 15.01.1991 Sprengstoffanschlag der \"Revolution\u00e4re Zellen\" (RZ) auf die Viktoria-Figur der Siegess\u00e4ule. In einem Selbstbezichtigungsschreiben mit dem Tenor Nationalismus, Rassismus, Sexismus und Patriarchat werteten die T\u00e4ter angesichts der Golfkrise ihre Aktion als Beitrag zum Widerstand gegen den Krieg. 16./18.01.1991 Diverse Demonstrationen unter dem Eindruck des drohenden bzw. am 17.01.1991 erfolgten Kriegsausbruchs am Golf. Zu den Zehntausenden, die an derartigen Protestaufz\u00fcgen teilnahmen, geh\u00f6rten zahlreiche Autonome. Aus dem Schutz der Demonstrantenmengen warfen Gewaltt\u00e4ter beispielsweise entlang der Demonstrationsroute Kurf\u00fcrstendamm - Tauentzienstra\u00dfe - Hardenbergstra\u00dfe reihenweise Scheiben ein und attackierten Polizeibeamte mit Steinw\u00fcrfen. Hierbei gingen sie auch massiv gegen Demonstranten vor, die sich ihnen zur Gewaltverhinderung in den Weg gestellt hatten. 18.01.1991 Auffinden eines Sprengsatzes auf dem Flughafen BerlinSch\u00f6nefeld. Das Laborat war mit der Aufschrift Vergeltung f\u00fcr deutsche C-Waffen nach Irak und mit einem f\u00fcnfzackigen Stern beschriftet. 20.01.1991 Brandanschl\u00e4ge gegen zwei Tankfahrzeuge einer Spedition Ja Berlin-Spandau und gegen die Tankstelle eines franz\u00f6sischen Mineral\u00f6lkonzerns in Berlin-Reinickendorf. In dem Selbstbezichtigungsschreiben eines \"Komitees zur sofortigen Beendigung des V\u00f6lkermords\" wandten sich die T\u00e4ter insbesondere gegen R\u00fcstungsbetriebe und \u00d6lkonzerne als Nutznie\u00dfer des Golfkrieges. 21.01.1991 Brandanschlag auf eine Sparkassenfiliale in BerlinNeuk\u00f6lln. Die T\u00e4ter stellten auf dem Sims einer Schaufensterscheibe ein Laborat ab.","5. - Anhang II: Chronologie - 167 22.01.1991 Brandanschlag auf den Gesch\u00e4ftscontainer einer Gro\u00dfbank in Berlin-Prenzlauer Berg. Die T\u00e4ter deponierten den Brandsatz an dem Zielobjekt. 26.01.1991 Sternmarsch unter dem Motto Stoppt den Krieg am Golf! Sofortiger Waffenstillstand - Verhandeln!. Unter den etwa 6.000 Teilnehmern befanden sich insbesondere innerhalb der Marschbl\u00f6cke aus Kreuzberg und Wedding zahlreiche Autonome, dar\u00fcber hinaus auch ehemalige Funktion\u00e4re der fr\u00fcheren \"Sozialistischen Einheitspartei Westberlins\" (SEW) und Mitglieder der \"Sozialistischen Initiative\" (Sl). 27.01.1991 St\u00f6rung einer pro-alliierten/-israelischen Demonstration anl\u00e4\u00dflich des Golfkrieges. An der Aktion beteiligten sich etwa 300 Personen, darunter zahlreiche Autonome. 27.01.1991 Brandanschl\u00e4ge des \"Komitees zur sofortigen Beendigung des V\u00f6lkermords\" auf drei Filialen eines amerikanischen Kaufhauskonzerns. In einem Bekennerschreiben warfen die T\u00e4ter dem Unternehmen vor, einen \u00f6konomischen Krieg gegen die ausgebeuteten Menschen in den Billiglohnl\u00e4ndern der Dritten Welt zu f\u00fchren. Zugleich verurteilten sie neben den Nutznie\u00dfern und Kriegsgewinnlern alle Beteiligten des Golfkrieges. 31.01.1991 Auffinden eines nicht gez\u00fcndeten Brandsatzes in der Lebensmittelabteilung eines Kaufhauses in Berlin-Steglitz. Die Polizei stellte Tatmittel\u00fcbereinstimmung mit Anschl\u00e4gen auf zwei M\u00f6belh\u00e4user fest, zu denen sich \"Revolution\u00e4re Zellen\" (RZ) bekannt hatten. 02./03.02.1991 Teilnehmer-Treffen des \"Anachronistischen Zuges 1990\", einer Veranstaltungsreihe anl\u00e4\u00dflich der Bundestagswahlen, die vom \"Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD\" (AB) zusammen mit der \"Partei des Demokratischen Sozialismus\" (PDS) organisiert worden war.","168 5. - Anhang II: Chronologie - 04.02.1991 Brandanschlag gegen die Filiale einer Gro\u00dfbank in BerlinSpandau. In einer Bekennung wandten sich die T\u00e4ter anl\u00e4\u00dflich des Golfkrieges gegen R\u00fcstungsgesch\u00e4fte deutscher Unternehmen und gegen die an derartigen Transaktionen als Geldgeber beteiligten Banken. 07.02.1991 Brandanschlag auf den Berliner Zentralsitz des \"Deutschen Gewerkschaftsbundes\" (DGB) in Berlin-Sch\u00f6neberg. In einem mit \"W\u00fctende Kollegen und Kolleginnen\" unterzeichneten Selbstbezichtigungsschreiben warfen die T\u00e4ter den Gewerkschaften vor, sie h\u00e4tten \u00fcber die Mitarbeit in Parteispitzen und Aufsichtsr\u00e4ten bundesdeutscher Gro\u00dfkonzerne die zerst\u00f6rerische Politik ... gegen\u00fcber den V\u00f6lkern der sogenannten 3. Welt mitgetragen. 12.02.1991 Brandanschlag auf ein Kaufhaus in Berlin-Kreuzberg durch \"eine revolution\u00e4re zelle\" anl\u00e4\u00dflich des Golfkrieges. In einer Bekennung begr\u00fcndeten die T\u00e4ter den Anschlag mit ihrer Wut und ihrem ha\u00df gegen menschenverachtende Systeme (brd, usa, Irak u.a.), denen sie V\u00f6lkermordabsichten vorwarfen. 18.02.1991 Besch\u00e4digung von insgesamt 14 Tankstellen verschiedener Mineral\u00f6lkonzerne. Es wurden Tankschl\u00e4uche zerschnitten, Zapfpistolen gestohlen, Zucker in Vorratsbeh\u00e4lter gesch\u00fcttet und Parolen gegen den Golfkrieg geschmiert. Eine Bekennung mit der \u00dcberschrift Kein Blut f\u00fcr \u00d6l, die keinen T\u00e4terhinweis enth\u00e4lt, endet mit der Aufforderung Blockieren Sabotieren Desertieren. 18.02.1991 Beteiligung ma\u00dfgeblicher Angeh\u00f6riger des Berliner RAFUmfeldes an einer Versammlung zum Thema Black Power - Schwarzer Widerstand in den USA.","5. - Anhang II: Chronologie - 169 18.02.1991 Brandanschlag auf das Firmenfahrzeug eines amerikanischen B\u00fcromaschinen-Unternehmens in BerlinWedding. Die T\u00e4ter \u00f6ffneten gewaltsam die Beifahrert\u00fcr und g\u00f6ssen in den Innenraum Vergaserkraftstoff, den sie entz\u00fcndeten. 20.02.1991 Brandanschlag auf ein Kaufhaus in Berlin-Charlottenburg. Die T\u00e4ter deponierten eine Flasche mit brennbarer Fl\u00fcssigkeit, kombiniert mit einem selbstgebauten Z\u00fcnder, in den Gesch\u00e4ftsr\u00e4umen. 23./24.02.1991 3. Nationalkonferenz der \"Spartakist-Arbeiterpartei Deutschlands\" (SpAD) in Berlin. 25.02.1991 Beteiligung von Autonomen an einer Demonstration anl\u00e4\u00dflich des Beginns der Bodenoffensive alliierter Streitkr\u00e4fte am Golf. Insgesamt nahmen etwa 200 Personen teil. 04.03.1991 Brandanschlag auf Kraftfahrzeuge eines Autoh\u00e4ndlers in Berlin-Sch\u00f6neberg. Das mit \"Autonome Zelle\" unterzeichnete Selbstbezichtigungsschreiben, in dem die T\u00e4ter ihr Vorgehen gegen R\u00fcstungslieferanten wie VW verteidigten, endete mit den Parolen Freiheit f\u00fcr Pal\u00e4stina und Kurdistan! Krieg dem Krieg!. 06.03.1991 Brandanschlag gegen die Filiale einer Sexshop-Kette in Berlin-Mitte. In einer mit \"Calamity-Jane\" unterzeichneten Bekennung wandten sich die T\u00e4ter GEGEN SEXISTISCHE UND RASSISTISCHE AUSBEUTUNG. 09./10.03.1991 Ordentlicher Parteitag der \"Sozialistischen Initiative\" (Sl). In einer Urabstimmung wurde die Aufl\u00f6sung der Sl mit Wirkung vom 30.06.1991 beschlossen.","170 5. - Anhang II: Chronologie - 15.03.1991 Versuchter Brandanschlag auf ein Kaufhaus in BerlinSch\u00f6neberg. Der Brandsatz wurde vor Erreichen des Z\u00fcndzeitpunktes entdeckt und entsch\u00e4rft; Aufbau und Funktionsweise entsprachen Laboraten, wie sie bei Anschl\u00e4gen \"Revolution\u00e4rer Zellen\" (RZ) 1990 und 1991 verwendet worden waren. 18.03.1991 Brandanschlag auf ein Polizeidienstgeb\u00e4ude in BerlinLichtenberg. Die T\u00e4ter warfen eine Brandflasche aus einem fahrenden S-Bahn-Zug auf das Vordach des Geb\u00e4udes. 23./24.03.1991 Gesamtdeutsche Konferenz in Berlin f\u00fcr die Einheit der Arbeitnehmer und Jugendlichen und ihrer Organisationen. Veranstalter war die \"Vereinigung der Arbeitskreise f\u00fcr Arbeitnehmerpolitik und Demokratie\" (VAA). 29.03.1991 Brandanschlag auf ein \u00fcberwiegend von der \"Treuhandanstalt\" genutztes Geb\u00e4ude in Berlin-Prenzlauer Berg. In einer Selbstbezichtigung wandte sich eine Gruppe \"THOMAS M\u00dcNZER'S WILDER HAUFEN\" gegen eine angebliche Kaputtsanierung der DDR-Industrie durch die \"Treuhandanstalt\" im Auftrage der Herrn aus Bonn im Interesse des westdeutschen Gro\u00dfkapitals. 29.03.1991 Brandanschlag innerhalb eines B\u00fcrohochhauses in BerlinCharjottenburg^TJie T\u00e4ter deponierten den Brandsatz auf der 1. Etage des Geb\u00e4udes in einem Schl\u00e4uchkasTeh. Ziel der Attacke waren u.U. die dortigen Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume einer Computerfirma. 30.03.1991 Brandanschlag auf das Fahrzeug eines Computerunternehmens in Berlin-Zehlendorf. Die T\u00e4ter setzten zwei Fahrzeugreifen in Brand.","5. - Anhang II: Chronologie - 171 02.04.1991 Beteiligung Autonomer an massiven Behinderungen im Berliner Hauptbahnhof gegen einen Zug, mit dem Wehrpflichtige zu ihren Ausbildungskompanien gebracht werden sollten. Die Abfahrt wurde durch mehrfaches Ziehen der Notbremse wiederholt verz\u00f6gert; Gewaltt\u00e4ter gingen t\u00e4tlich gegen Polizeibeamte vor. 05.04.1991 Farbschmierereien autonomer Kreise an einem Gedenkstein f\u00fcr die Gefallenen der beiden Weltkriege in Berlin-Steglitz. Eine Taterkl\u00e4rung enth\u00e4lt u.a. Parolen wie Der Krieg geht weiter! Solidarit\u00e4t mit dem kurdischen und pal\u00e4stinensischen Widerstand! Soziale Revolution statt imperialistischem Krieg!. Ein zu der Bekennung in einem autonomen Szeneblatt ver\u00f6ffentlichtes Bild tr\u00e4gt das Emblem der \"Antifaschistischen Aktion\". 06.04.1991 Demonstration Gegen Massenmord an der kurdischen Zivilbev\u00f6lkerung. In dem von einer \"Autonomen Gruppe\" unter dem Titel Kampf dem Krieg am Golf ver\u00f6ffentlichten Aufruf warfen die Initiatoren den Alliierten vor, Imperialismus zu betreiben und damit einer Bev\u00f6lkerungspolitik zu gehorchen, die die Vernichtung der \"unn\u00fctzen Esser\" zum Ziel hat. 07.04.1991 Brandanschlag gegen zwei Abri\u00dfbagger einer Baufirma in Berlin-Kreuzberg. Eine Taterkl\u00e4rung, die sich gegen den Abri\u00df eines alten Gewerbehofes richtete, war mit KIEZ GEGEN ABRISS UND UMSTRUKTURIERUNG unterzeichnet. 07./13.04.1991 Ausstellung des \"Arbeiterbundes f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD\" (AB) zur Veranstaltungsreihe \"Anachronistischer Zug\", die der AB gemeinsam mit der \"Partei des Demokratischen Sozialismus\" (PDS) organisierte.","172 5. - Anhang II: Chronologie - 20.04.1991 Kundgebung mit etwa 600 Personen, \u00fcberwiegend Autonome, Anh\u00e4nger militanter Antifa-Gruppen, Angeh\u00f6rige t\u00fcrkischer Jugendbanden und einzelne Angeh\u00f6rige des Berliner RAF-Umfeldes, in Berlin-Kreuzberg unter dem Motto F\u00fcr Frieden und V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung - Gegen Rassismus. Im Verlauf eines anschlie\u00dfenden unangemeldeten Aufzuges mit knapp 1.000 Teilnehmern kam es zu Ausschreitungen, insbesondere durch Angeh\u00f6rige t\u00fcrkischer Jugendbanden. 20.04.1991 Beteiligung Berliner Mitglieder des \"Kommunistischen Bundes\" (KB) an einem Kongre\u00df ihrer Organisation in Hamburg. Die Anwesenden beschlossen, den KB aufzul\u00f6sen. 21.04.1991 Konstituierung eines \"St\u00e4ndigen Rates Marxistischer Parteien\" (SRMP) mit der erkl\u00e4rten Absicht, zur Bildung einer einheitlichen revolution\u00e4ren Klassenpartei beizutragen. Zu den Gr\u00fcndungsmitgliedern geh\u00f6rten u.a. die \"Kommunistische Plattform\" (Berlin) in der \"Partei des Demokratischen Sozialismus\" (PDS) und die (von ehemaligen SED-Mitgliedern gegr\u00fcndete) \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD). 25.04.1991 Butters\u00e4ureanschlag auf eine Ausstellung \u00fcber die Umgestaltung des Moritzplatzes in Berlin-Kreuzberg. Die T\u00e4ter verteilten gr\u00f6\u00dfere Mengen der extrem \u00fcbelrtechenden Chemikalie auf dem Teppichboden der Ausstellungsst\u00e4tte. In einer Taterkl\u00e4rung wandte sich eine Gruppe \"Kreuzberg Dufter Haufen\" insbesondere gegen erwartete Mieterh\u00f6hungen im Zuge k\u00fcnftiger Gewerbeansiedlungen. 25./28.04.1991 Beteiligung Berliner Aktivisten der \"Vereinigten Sozialistischen Partei\" (VSP) an der 3. ordentlichen Zentralen Delegiertenkonferenz ihrer Partei in K\u00f6ln.","5. - Anhang II: Chronologie - 173 29.04.1991 Brandanschl\u00e4ge gegen Fahrzeuge der Marke MercedesBenz auf dem Gel\u00e4nde eines Gebrauchtwagen-Centers dieses Herstellers in Berlin-Tegel und im Parkhaus eines First-Class-Hotels in Berlin-Mitte. In einer mit \"BooMTOWN RATS\" unterzeichneten Erkl\u00e4rung wandten sich die T\u00e4ter gegen eine bef\u00fcrchtete Verdr\u00e4ngung \u00e4rmerer Schichten an den Stadtrand im Zuge der angeblichen Umstrukturierung Berlins. 01.05.1991 Revolution\u00e4re 1. Mai-Demonstration. An dem von Autonomen und Angeh\u00f6rigen des RAF-Umfeldes vorbereiteten Aufzug beteiligten sich etwa 8.000 Personen, darunter 500 - 800 Aktivisten aus dem politisch-motivierten Gewaltpotential. W\u00e4hrend und insbesondere gegen Ende der Demonstration kam es zu Ausschreitungen gegen Gesch\u00e4fte und Kraftfahrzeuge. 01.05.1991 Ausschreitungen bei einem Stra\u00dfenfest in Berlin-Kreuzberg, ausgel\u00f6st von Anh\u00e4ngern der \"Revolutionary Internationalist Movement\" (RIM) und t\u00fcrkischen Jugendbanden. Insbesondere nach dem vorzeitigen Ende des Festes beteiligten sich zunehmend Autonome an den Krawallen, die bis in die Nachtstunden von flexibel agierenden Kleingruppen fortgef\u00fchrt wurden. 12.05.1991 Nachbereitungsveranstaltung zu den Ereignissen am 01.05.1991. Im Mittelpunkt der Versammlung, an der sich u.a. etwa 50 Autonome beteiligten, standen Vorw\u00fcrfe Autonomer gegen RIM-Aktivisten, zu falschen Zeiten und an falschen Orten Krawalle initiiert zu haben. 13.05.1991, Zerst\u00f6rung von Schaufensterscheiben einer Bankfiliale in 14.05.1991, Berlin-Friedrichshain. Eine der autonomen Szene 20.05.1991 zuzurechnende Gruppe begr\u00fcndete in einer Bekennung ihr Vorgehen u.a. mit der Umstrukturierung Berlins im Zuge der Hauptstadtplanung.","174 5. - Anhang II: Chronologie - 20.05.1991 Bekanntgabe eines Beschlusses der \"Marxistischen Gruppe\" (MG) zur Selbstaufl\u00f6sung. Als Begr\u00fcndung f\u00fchrte sie an, die Organisation sehe sich nicht mehr in der Lage, der staatlichen Repression zu widerstehen. 30.05.1991 Versuchter Brandanschlag auf Verkaufsr\u00e4ume des Gebrauchtwagen-Centers der Firma Daimler Benz AG in Berlin-Tegel. Der unter einem Fahrzeug deponierte Brandsatz wurde beim Umsetzen des Wagens entdeckt. 30.05.1991 Anschlag von sechs Personen auf die Filiale einer SexshopKette in Berlin-Mitte. Die T\u00e4ter warfen nach Zerst\u00f6rung der Schaufensterscheiben mit Butters\u00e4ure gef\u00fcllte Gl\u00fchlampen in die Auslagen. Vier Frauen wurden als Tatverd\u00e4chtige festgenommen. 30.05.1991 Brandanschlag auf den Verkaufscontainer eines franz\u00f6sischen Automobilherstellers in Berlin-Mitte. Die T\u00e4ter warfen zwei Brandflaschen durch eine Fensterscheibe. 02.06.1991 Sachbesch\u00e4digungen an Fahrzeugen und Maschinen zweier Baugesellschaften. In einer mit \"Sozialrevolution\u00e4re Gruppe\" unterzeichneten Taterkl\u00e4rung denunzierten die Schreiber das eine Unternehmen als Spekulanten ... und als Baumafiosi. Der anderen Firma warfen sie den Bau von Kriegsinfrastruktur im Irak und den Bau des Frauenknastes Pl\u00f6tzensee und des Polizeipr\u00e4sidiums vor: Weiterhin wandten sie sich gegen Berlin als Regierungssitz und die angebliche Umstrukturierung der Stadt. 07.06.1991 Beteiligung von Angeh\u00f6rigen der autonomen Szene an einer \u00fcber 2.000 Teilnehmer umfassenden Demonstration zum Thema Lesben und Schwule gegen faschistische Gewalt. Vereinzelt sch\u00f6ssen Teilnehmer Signalmunition ab; eine Gruppe griff einen Polizeibeamten an und entwendete seine Dienstwaffe, die sp\u00e4ter der Polizei zur\u00fcckgegeben wurde.","5. - Anhang II: Chronologie - 175 08.06.1991 Teilnahme Berliner Vertreter der \"Vereinigung f\u00fcr Arbeitnehmerpolitik und Demokratie\" (VAA) an einer internationalen Versammlung der \"Europ\u00e4ischen Arbeiterallianz\" (EAA) in Paris. 12.06.1991 Brandanschlag in den R\u00e4umen der st\u00e4ndigen Ausstellung Fragen an die Deutsche Geschichte im Reichstagsgeb\u00e4ude. \"Revolution\u00e4re Zellen\" hatten nach eigenen Angaben am Vortag zwei Brands\u00e4tze in der Ausstellung abgestellt, um damit wenige Tage vor der Entscheidung des Bundestages ... \u00fcber den zuk\u00fcnftigen Regierungssitz Entscheidungshilfe zu geben. In der Erkl\u00e4rung wandten sich die T\u00e4ter weiterhin dagegen, da\u00df im Falle einer Entscheidung f\u00fcr Berlin als Regierungssitz Arbeitslose, Ausl\u00e4nderinnen, Auszubildende, Rentnerinnen und Sozialhilfeempf\u00e4ngerinnen aus der Stadt gedr\u00e4ngt w\u00fcrden. 12.06.1991 Anschlag auf Hanno KLEIN, Referatsleiter in der Senatsverwaltung f\u00fcr Bauund Wohnungswesen. KLEIN wurde durch die Explosion einer Briefbombe in seinem privaten Arbeitszimmer get\u00f6tet. Der T\u00e4terkreis wird im autonomen Spektrum vermutet. 14./19.06.1991 Sachbesch\u00e4digungen an insgesamt 43 Lichtzeichenanlagen. Die Aktionen standen wahrscheinlich im Zusammenhang mit Protesten der autonomen Szene gegen das 1. Treffen des Rates der Au\u00dfenminister der Teilnehmerstaaten der KSZE vom 19./20.06.1991 in Berlin. 15.06.1991 Wahl einer Berliner Funktion\u00e4rin der \"Vereinigten Sozialistischen Partei\" (VSP) in das Zentralkomitee ihrer Partei w\u00e4hrend der 3. ordentlichen Zentralen VSPDelegiertenkonferenz in K\u00f6ln.","176 5. - Anhang II: Chronologie - 17.06.1991 Demonstration gegen Umstrukturierung und Hauptstadtwahn unter dem Motto Potzblitz Regierungssitz ... Gegen ein Berlin der Reichen!. Der Aufzug, vorbereitet von Autonomen und Angeh\u00f6rigen des RAF-Umfeldes, stand im Zusammenhang mit der Entscheidung des Bundestages am 20.06.1991 \u00fcber den k\u00fcnftigen Regierungssitz. Die \u00fcber 1.000 Teilnehmer skandierten Parolen wie Hanno Klein wird nicht der Letzte sein und Bomben und Benzin f\u00fcr den Regierungssitz Berlin; vereinzelt wurden Feuerwerksk\u00f6rper und Steine geworfen. 17.06.1991 Brandanschlag gegen die Filiale einer Gro\u00dfbank in BerlinPankow. Die T\u00e4ter bohrten ein Loch in die Au\u00dfenwand des Gesch\u00e4ftscontainers und g\u00f6ssen brennbare Fl\u00fcssigkeit in den Raum, die mittels eines Zeitz\u00fcnders entz\u00fcndet wurde. In einem Selbstbezichtigungsschreiben polemisierte \"eine revolution\u00e4re zelle\" gegen die Bank. Diese unterst\u00fctze zusammen mit anderen Banken und Konzernen das System in der BRD, das f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Gewinne \u00fcber seine b\u00fcttel alles in der ehemaligen ddr dagewesene zerschlage. 17.06.1991 Besch\u00e4digungen an zwei Parteib\u00fcros der SPD in BerlinNeuk\u00f6lln. Auf Flugbl\u00e4ttern und in einer Wandschmiererei stritten die T\u00e4ter gegen Berlin als Hauptstadt u.a. wegen damit angeblich einhergehender Umstrukturierung der Stadt. 23. /24.06.1991 Gewaltt\u00e4tige Auseinandersetzungen anl\u00e4\u00dflich eines Konzertes der Skinband \"B\u00f6hse Onkelz\" in Berlin-Neuk\u00f6lln. Bis zu 300 Personen, darunter Angeh\u00f6rige des autonomen Teils der sog. Antifa-Bewegung, randalierten vor und w\u00e4hrend des Konzertes, griffen Polizeibeamte an und waren in Schl\u00e4gereien mit Skinheads verwickelt. 30.06.1991 Aufl\u00f6sung der \"Sozialistischen Initiative\" (Sl). 07.07.1991 Formelle Gr\u00fcndung der \"Gruppe K\" in Dortmund. Zu den Gr\u00fcndungsmitgliedern geh\u00f6rten auch Berliner Genossen.","5. - Anhang II: Chronologie - 177 17.07.1991 Brandanschl\u00e4ge auf den Verbrauchermarkt einer Lebensmittelkette in Berlin-Prenzlauer Berg und gegen den Filialneubau derselben Firma auf dem Gel\u00e4nde des ehemaligen Konzentrationslagers Ravensbr\u00fcck bei F\u00fcrstenberg (Brandenburg). In einer mit \"revolution\u00e4re zellen\" unterschriebenen und mit einem RZ-Stem versehenen Erkl\u00e4rung forderten die T\u00e4ter unter Hinweis auf das ansehen und gedenken vieler antifaschist(innen) u.a. einen sofortigen baustopp. 23./25.07.1991 Besch\u00e4digung von Einrichtungen der SPD in Berlin-Mitte und -Sch\u00f6neberg sowie der Filiale einer Gro\u00dfbank in BerlinLichtenberg aus Protest gegen Bauma\u00dfnahmen auf dem Gel\u00e4nde des ehemaligen \"Flora-Theaters\" in Hamburg, eines ehemaligen Treffpunktes u.a. der dortigen linksextremistischen Szene. 31.07.1991 Versuchte Aktionen Autonomer gegen Skinheads und andere Faschos. Etwa 15 Personen trafen sich auf dem S- Bahnhof Warschauer Stra\u00dfe in Berlin-Friedrichshain, um unter dem Motto Glatzenklatschen in S-Bahn-Z\u00fcgen gewaltt\u00e4tig gegen Rechtsextremisten vorzugehen und faschistische Parolen zu \u00fcbermalen. Wegen massiver Polizeipr\u00e4senz unterblieben die geplanten Handlungen. 06.09.1991 Brandanschlag auf einen Schaufelbagger in BerlinFriedrichshain. Zu dem Anschlag bekannte sich unter dem Signum \"Auto gnome\" eine Gruppe, die sich gegen den Bau eines vier-sechsspurigen Innenstadtrings im Bereich der Oberbaumbr\u00fccke wandte.","178 5. - Anhang II: Chronologie - 14.09.1991 Ausschreitungen in Berlin-Kreuzberg bei einem Stra\u00dfenfest unter dem Motto Solidarit\u00e4t mit den politischen Gefangenen, gegen Umstrukturierung der Stadtteile, gegen Rassismus und Sexismus - gemeinsam sind wir st\u00e4rker!. Etwa 250 Angeh\u00f6rige der autonomen Szene errichteten brennende Barrikaden, steckten Fahrzeuge in Brand, pl\u00fcnderten Superm\u00e4rkte, st\u00fcrzten Bauwagen um und bewarfen Polizeibeamte u.a. mit Molotow-Cocktails. 14.09.1991 Farbbeutelw\u00fcrfe gegen den Tagungsort des IOCExekutivkomitees, ein Hotel in Berlin-Mitte. Die Aktion, zu der sich eine vermutlich der autonomen Szene zuzurechnende Gruppe bekannte, stand im Zusammenhang mit Protesten gegen die Bewerbung Berlins als Austragungsort der Olympischen Spiele. 16.09.1991 NOIympic-City-Demo in Berlin-Mitte gegen die Sitzung des IOC-Exekutivkomitees. Unter den etwa 1.500 Teilnehmern befanden sich 300 bis 400 Angeh\u00f6rige des politisch motivierten Gewaltpotentials. 22.09.1991 Demonstration unter der Losung F\u00fcr bezahlbare Wohnungen und ein selbstbestimmtes Leben anl\u00e4\u00dflich des 10. Todestages von Klaus-J\u00fcrgen RATTAY, der am 22.09.1981 bei Ausschreitungen anl\u00e4\u00dflich der R\u00e4umung mehrerer besetzter H\u00e4user auf der Flucht vor Polizeima\u00dfnahmen unter einen Bus geraten und t\u00f6dlich verletzt worden war. An dem Gedenkspaziergang zur Unfallstelle beteiligten sich 100 bis 150 Personen. 29.09.1991 Beteiligung von etwa 1.000 Berlinern, darunter zahlreiche Autonome und eine kleinere Gruppe Angeh\u00f6riger des RAFUmfeldes, an einer Demonstration von etwa 3.000 Personen in Hoyerswerda (Sachsen) gegen die \u00dcbergriffe rechtsextremistischer Gewaltt\u00e4ter auf Asylbewerber an den Vortagen. Bei exzessiven Angriffen gegen Polizeibeamte trat insbesondere die Berliner t\u00fcrkische autonome Gruppe \"Antifasist Genclik\" hervor.","5. - Anhang II: Chronologie - 179 30.09.1991 Nachbereitungstreffen zu den Protestaktionen in Hoyerswerda (Sachsen) gegen die \u00dcbergriffe rechtsextremistischer Gewaltt\u00e4ter auf Asylbewerber. In der Diskussion griffen Autonome Angeh\u00f6rige der \"Revolutionary Internationalist Movement\" (RIM) wegen angeblicher ungez\u00fcgelter Gewalt gegen die eigenen Leute verbal heftig an. RIM-Vertreter verteidigten sich mit der Begr\u00fcndung, antifaschistische Arbeit k\u00f6nne nur militant geleistet werden. 03.10.1991 Demonstration in Berlin-Kreuzberg und -Friedrichshain Gegen weitere Pogrome. Der Aufzug richtete sich gegen die \u00dcbergriffe rechtsextremistischer Gewaltt\u00e4ter auf Asylbewerber in Hoyerswerda (Sachsen). Es kam zu schweren Ausschreitungen durch flexibel agierende Kleingruppen; u.a. wurden Barrikaden errichtet und Polizeibeamte mit Steinen beworfen. 03.10.1991 Aufzug des \"St\u00e4ndigen Rates Marxistischer Parteien\" (SRMP) unter dem Motto Demokratie statt Annexion. 05.10.1991 Schmutzanschlag auf das Restaurant \"Auerbach\" in BerlinKreuzberg. Etwa sieben vermummte Personen drangen in die Gastst\u00e4tte ein und warfen einen Eimer mit F\u00e4kalien, faulem Fleisch und Pferdemist in den Innenraum. In einer Taterkl\u00e4rung wandten sich die Delinquenten unter der \u00dcberschrift K\u00fcbel's Comeback! gegen Kreuzberger Restaurants, in denen zu hohen Preisen gegessen werde, w\u00e4hrend viele Bewohnerinnen dieses Kiezes mit saftigen Miet-, Preis-, Tarifund Steuererh\u00f6hungen konfrontiert w\u00fcrden. 08.10.1991 Solidarit\u00e4tsdemonstration der \"Revolution\u00e4ren Kommunisten (BRD)\" - RK - f\u00fcr einen des Totschlags angeklagten t\u00fcrkischen Staatsb\u00fcrger. Im Umfeld des Gerichtsgeb\u00e4udes warfen einzelne Randalierer aus der Mitte der ca. 400 Teilnehmer u.a. Steine auf Polizeibeamte.","180 5. - Anhang II: Chronologie - 17.10.1991 Brandanschl\u00e4ge gegen Busse eines Reiseunternehmens in Berlin-Wilmersdorf. F\u00fcnf Busse brannten aus, einer wurde schwer besch\u00e4digt. In der Taterkl\u00e4rung wandte sich eine \"arag (anti-rassistische Gruppe)\" u.a. gegen die Verteilung von Asylbewerbern auf die einzelnen Bundesl\u00e4nder und forderte f\u00fcr hier aufh\u00e4ltliche Ausl\u00e4nder eine freie Wahl des Wohnortes. Das Busunternehmen, erkl\u00e4rte die Gruppe, sei in der Vergangenheit mehrmals mit der Bef\u00f6rderung von Asylbewerbern beauftragt worden. 22.10.1991 Vandalismus an und in Filialen eines Reiseunternehmens in mehreren Bezirken Berlins. Die T\u00e4ter warfen Schaufensterscheiben ein und schleuderten rote Farbe in die Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume. In einer mit \"Autonome Gruppen\" unterzeichneten Bekennung beschuldigten sie das Unternehmen, seit zwei Jahren ... an der unfreiwilligen Verschubung von Fl\u00fcchtlingen in die ehemalige DDR beteiligt gewesen zu sein. 22.10.1991 Brandanschlag auf ein Dienstgeb\u00e4ude des Bezirksamtes Friedrichshain. Die T\u00e4ter warfen einen Molotow-Cocktail und zwei Flaschen mit Benzin durch ein zuvor eingeschlagenes Fenster der Bezirkskasse. 22.10.1991 Brandstiftung im Haus Pfarrstra\u00dfe 111 in BerlinLichtenberg. In einer Taterkl\u00e4rung bezichtigte sich eine \"Antifaschistische Gruppe\", eine Brandbombe in dem getarnten, k\u00fcnftigen Nazi-Hauptquartier gez\u00fcndet zu haben. Begr\u00fcndend hie\u00df es, das Haus werde u.a. von Gr\u00fcndungsmitglieder^) der Nationalen Alternative (NA) zu einer Schaltzentrale ihrer Organisation ausgebaut. 23.10.1991 Gewaltt\u00e4tige Auseinandersetzungen zwischen Skinheads und Angeh\u00f6rigen der autonomen Szene unter Benutzung von Schlagwerkzeugen, Gaspistolen und Brandflaschen vor besetzten H\u00e4usern in der Pfarrstra\u00dfe in Berlin-Lichtenberg.","5. - Anhang II: Chronologie - 181 30.10.1991 Demonstration gegen die Konferenz europ\u00e4ischer Innenund Justizminister \u00fcber Fragen der illegalen Zuwanderung aus und \u00fcber Mittelund Osteuropa am 30./31. Oktober 1991 in Berlin. 01 ./03.11.1991 Beteiligung Berliner Linksextremisten an einem \"Antifaschistischen Ratschlag\" in Dresden. Etwa 500 \"Antifaschisten\" aus der gesamten Bundesrepublik, darunter zahlreiche Linksextremisten unterschiedlicher Provenienz, berieten und diskutierten \u00fcber Strategien rechtsextremistischer Umtriebe. 02.11.1991 Antifa-Demo mit etwa 300 Personen, \u00fcberwiegend Angeh\u00f6rige der autonomen Szene sowie deutscher und t\u00fcrkischer Jugendbanden. Nachdem die Polizei den Aufzug unter Hinweis auf eine fehlende Anmeldung und drohende Ausschreitungen untersagt hatte, kam es seitens der Demonstranten zu Flaschenw\u00fcrfen und Verkehrsblockaden; schlie\u00dflich l\u00f6sten die Beamten die Ansammlung auf. 03./04.11.1991 Brandanschlag auf einen in den neuen Bundesl\u00e4ndern als mobile Gesch\u00e4ftsstelle eines Unternehmens f\u00fcr Verm\u00f6gensberatung eingesetzten Reisebus in Berlin-Mitte. Eine mit \"Autonome Mitte\" unterzeichnete Taterkl\u00e4rung endete mit Parolen wie KAMPF DER HAUPTSTADT! KAMPF DEM GRO\u00dfDEUTSCHLAND!. 09.11.1991 Mehrere Demonstrationen im Rahmen eines bundesweiten Aktionstages Gegen Gewalt und Fremdenha\u00df von verschiedenen Trefforten aus nach Berlin-Mitte. An der dortigen Abschlu\u00dfkundgebung beteiligten sich insgesamt bis zu 25.000 Personen. Neben Autonomen mit eigenen Aufz\u00fcgen hatten auch revolution\u00e4r-marxistische Gruppen und extremistische Ausl\u00e4nderorganisationen zur Teilnahme aufgerufen.","182 5. - Anhang II: Chronologie - 16.11.1991 Beteiligung Autonomer an Ausschreitungen gegen Polizeibeamte und -fahrzeuge w\u00e4hrend und nach einem Trauermarsch f\u00fcr den von einem Deutschen erschlagenen T\u00fcrken Mete EKSI. 16. /17.11.1991 Internationale Arbeiterkonferenz gegen imperialistischen Krieg und Kolonialismus in Berlin. Mehr als 200 Delegierte nationaler Sektionen nahmen an der vom \"Internationalen Komitee der Vierten Internationale\" (IKVI) einberufenen Konferenz teil. 17.11.1991 Sprengstoffanschlag auf das \u00dcbungsgel\u00e4nde der US-Army in Berlin-Lichterfelde. Zu der Tat bekannte sich eine \"Rote Sabotage Front\". 17.11.1991 Aufruf der Berliner Gruppierung der \"Revolution\u00e4ren Kommunisten (BRD)\" zum Aufbau einer revolution\u00e4ren Jugendorganisation. 20.11.1991 Konstituierung eines DKP-Bezirksverbandes Berlin/ Brandenburg. Auf der 1. Bezirksdelegiertenkonferenz wurde ein aus sieben Personen bestehender Bezirksvorstand gew\u00e4hlt. 30.11.1991 Ausschreitungen in Berlin-Friedrichshain am Rande eines geplanten Stra\u00dfenfestes anl\u00e4\u00dflich des ersten Jahrestages der polizeilichen R\u00e4umung seinerzeit \u00fcberwiegend von Autonomen besetzter H\u00e4user am 14. November 1990. Nachdem die Polizei das Fest mit Hinweis auf eine fehlende Anmeldung unterbunden hatte, gingen zum Teil vermummte Gruppen von etwa 250 Personen gewaltt\u00e4tig u.a. gegen Polizeifahrzeuge vor. 06./08.12.1991 Seminar der \"Gruppe Revolution\u00e4re Sozialistinnen\" (GRS) und der trotzkistischen Mitglieder der \"Vereinigten Sozialistischen Partei\" (VSP). Thema war die Konzeption der politischen Revolution - UdSSR wohin?.","5. - Anhang II: Chronologie - 183 07./08.12.1991 7. ordentlicher Kongre\u00df der \"Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg\" (Volksfront) in K\u00f6ln unter Beteiligung Berliner Delegierter. 09.12.1991 Angriffe auf eine Diskothek in Berlin-Sch\u00f6neberg, in der urspr\u00fcnglich ein - vorher kurzfristig abgesagtes - Konzert einer Musikgruppe mit faschistische^) Texten stattfinden sollte. Etwa 50 Personen, vermutlich Angeh\u00f6rige der autonomen Szene, randalierten in und au\u00dferhalb des Lokals. Auseinandersetzungen mit der Polizei verlagerten sich sp\u00e4ter in den Umkreis einer \"linken Szenekneipe\". 13.12.1991 Solidarit\u00e4tsdemonstration von Anh\u00e4ngern der \"SpartakistArbeiterpartei Deutschlands\" (SpAD) f\u00fcr Erich HONECKER und den ehemaligen DDR-Verteidigungsminister Heinz KESSLER. 14.12.1991 Butters\u00e4ureanschlag und versuchte Brandstiftung gegen einen Souvenirladen in Berlin-Charlottenburg. In einer mit \"Autonome Gruppen gegen Rassismus\" unterzeichneten Erkl\u00e4rung werfen die T\u00e4ter dem Gesch\u00e4ftsinhaber vor, Faschokram zu verkaufen. 31.12.1991 Startschu\u00df f\u00fcr eine Spendenkampagne der \"MarxistischLeninistischen Partei Deutschlands\" (MLPD) unter der Losung 1 Million f\u00fcr den Aufbau der Partei in den f\u00fcnf neuen Bundesl\u00e4ndern!","184 5.-Anhang II: Chronologie5.2 Rechtsextremismus 03.01.1991 Zusammenkunft von Anh\u00e4ngern und Mitgliedern des Landesverbandes Berlin der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP), an der etwa 30 j\u00fcngere Personen, darunter einige Skinheads, teilnahmen. 12.01.1991 Offensichtlich rassistisch motivierter Angriff von ca. 20 Skinheads auf drei Staatsb\u00fcrger aus Mozambique. Die T\u00e4ter, von denen einer inzwischen ermittelt werden konnte, verletzten ihre Opfer durch Fu\u00dftritte. 13.01.1991 \u00dcbergriff auf einen sowjetischen Staatsangeh\u00f6rigen aus einer Gruppe von 10 Skinheads heraus. Das Opfer wurde zu Boden gerissen, geschlagen und getreten. Der T\u00e4ter konnte festgenommen werden. 18.01.1991 \"Reichsgr\u00fcndungsfeier\" des Landesverbandes Berlin der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD) mit etwa 70 Veranstaltungsbesuchern. 19.01.1991 Brandanschlag auf einen Bankcontainer der Bayerischen Hypothekenund Wechselbank in Berlin-Friedrichshain. In einem eingeschlagenen Schaukasten fand sich ein Selbstbezichtigungsschreiben, in dem sich eine \"Nationale Alternative ^GarxGro\u00df-Berlin\" zu dem Ansehlaeh bekannte und die Forderung erhob: Friedrichshain, Kreuzberg und andere linke Viertel m\u00fcssen vom roten Unrat befreit werden!! 19.01.1991 Teilnahme von Angeh\u00f6rigen des Landesverbandes Berlin der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) am Au\u00dferordentlichen Bundesparteitag der FAP in BerlinWei\u00dfensee. Unter den etwa 150 anwesenden Personen befanden sich Anh\u00e4nger weiterer rechtsextremistischer Vereinigungen und Gruppierungen, wie der \"Nationalistischen Front\" (NF) und der \"Wiking-Jugend e.V.\" (WJ).","5. - Anhang II: Chronologie - 185 19.01.1991 \"Reichsgr\u00fcndungsfeier\" der \"Deutschen Kulturgemeinschaft Berlin\" (DKG Berlin), an der sich 60 Personen unterschiedlicher rechtsextremistischer Herkunft beteiligten. 15.02.1991 Veranstaltung des Berliner Landesverbandes der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD) zur Verleihung des \"Emil Maier-Dorn-Preises\" an einen ehemaligen NPD-Landtagsabgeordneten und fr\u00fcheren nationalsozialistischen Funktion\u00e4r in einer Gastst\u00e4tte in Ahrensfelde, Kreis Bernau, mit ca. 70 Personen, darunter eine gro\u00dfe Anzahl Skinheads. 16.02.1991 Vortragsveranstaltung der \"Deutschen Kulturgemeinschaft Berlin\" (DKG Berlin), an der sich ca. 70 Personen beteiligten. Der Referent, ein ehemaliger Funktion\u00e4r der \"Hitlerjugend\" (HJ), sprach zum Thema: Die deutsche Jugend vor, w\u00e4hrend und nach dem 2. Weltkrieg - Zielsetzung und Ergebnisse. 23.02.1991 Teilnahme von Anh\u00e4ngern der Ortsgruppe Berlin der \"Nationalistischen Front\" (NF) an einer Informationsveranstaltung der NF in Bestensee (Brandenburg). Vor etwa 40 Personen sprachen NFAktivisten \u00fcber Struktur und Wirken ihrer Organisation. 24.02.1991 Landesparteitag der \"Nationalen Alternative Berlin\" (NA Berlin). An der Veranstaltung beteiligten sich etwa 60 Personen. Zum neuen Vorsitzenden wurde der militante Neonazi Oliver SCHWEIGERT gew\u00e4hlt. 09.03.1991 Vortragsveranstaltung des NPD-Kreisverbandes Berlin-Ost. Vor etwa 80 Veranstaltungsbesuchem, darunter etwa 60 Jugendliche, sprach der Referent zum Thema Ausl\u00e4nderr\u00fcckf\u00fchrung - eine volkserhaltende Notwendigkeit.","186 5. - Anhang II: Chronologie 14.03.1991 Neonazistische Protestaktion aus Anla\u00df eines Strafprozesses gegen Gesinnungsgenossen in Stuttgart. Anh\u00e4nger der \"Nationalen Alternative Berlin\" h\u00e4ngten Transparente mit entsprechenden Aufschriften an der Fassade des Hauses Weitlingstra\u00dfe 122 aus. 16.03.1991 Beteiligung von Angeh\u00f6rigen des Berliner Landesverbandes der \"Jungen Nationaldemokraten\" (JN) an dem JN-Bundeskongre\u00df in Oranienburg (Brandenburg). 21.03.1991 Vortragsveranstaltung der \"Deutschen Kulturgemeinschaft Berlin\" (DKG Berlin) in Potsdam mit etwa 50 Personen, darunter zahlreiche Neonazis. 23.03.1991 Landesparteitag der \"Deutschen Volksunion\" (DVU) mit 90 Teilnehmern. 23.03.1991 Teilnahme von Angeh\u00f6rigen der \"Nationalen Alternative Berlin\" (NA Berlin) an einer von dem M\u00fcnchener Neonazi Ewald ALTHANS initiierten \"Internationalen Jahrestagung kritischer Zeitgenossen\" (\"Revisionistentreffen\") in M\u00fcnchen. April 1991 Bundesweite Verbreitung von Flugbl\u00e4ttern der \"Nationalen Alternative Berlin\" (NA Berlin) in Zusammenarbeit mit der in Augsburg ans\u00e4ssigen \"Nationalen Offensive\" (NO) unter dem Motto Wunsiedel ruft!. Beide Organisationen mobilisierten darin f\u00fcr einen am 17. August 1991 geplanten Gedenkmarsch f\u00fcr Rudolf He\u00df im oberfr\u00e4nkischen Wunsiedel (Bayern). 04.04.1991 Gewaltt\u00e4tige Auseinandersetzungen zwischen Skinheads und in einem Ausl\u00e4nderwohnheim lebenden Vietnamesen, in deren Verlauf durch Steinw\u00fcrfe mehrere Fensterscheiben zerst\u00f6rt wurden. Alarmierte Polizeikr\u00e4fte konnten eine Ausweitung der Auseinandersetzungen verhindern.","5. - Anhang II: Chronologie - 187 06.04.1991 Teilnahme von \u00fcber 40 Mitgliedern und Anh\u00e4ngern der \"Nationalistischen Front\" (NF) aus Berlin und Umgebung an dem \"Bundestreffen der Nationalistischen Front\" in Niederaula bei Kassel. Im Verlauf der Veranstaltung, zu der insgesamt etwa 300 Personen, \u00fcberwiegend aus den alten Bundesl\u00e4ndern, erschienen waren, sprach der bekannte Hamburger Rechtsextremist J\u00fcrgen RIEGER zum Thema Ausl\u00e4nder raus - wann und wie! 20.04.1991 Ca. 50 Neonazis und Skinheads aus dem Ostund Westteil Berlins skandierten w\u00e4hrend einer Fahrt auf einem Fahrgastmotorschiff lautstark neonazistische Parolen. Die Polizei stellte beim Eintreffen des Schiffes am Zielort die Personalien wegen Verdachts der Volksverhetzung fest. Unter den \u00fcberpr\u00fcften Personen, die offensichtlich den HITLER-Geburtstag feierten, waren mehrere Mitglieder der \"Nationalen Alternative Berlin\" (NA Berlin), der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) und der \"Deutschen Alternative\" (DA). 20.04.1991 Flugblattverteilaktion der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD) und ihrer Jugendorganisation, der \"Jungen Nationaldemokraten\" (JN), in der Vorhalle des Bahnhofs Berlin-Lichtenberg zu den Themen Einheit statt Anschlu\u00df und Kampf dem Asylschwindel. 24.04.1991 Brandanschlag auf ein Arbeiterwohnheim f\u00fcr vietnamesische Staatsangeh\u00f6rige in Berlin. Die unbekannten T\u00e4ter warfen einen Brandsatz auf den Balkon einer zur Tatzeit unbewohnten Wohnung. Der entstandene Brand verursachte nur geringen Sachschaden. 01.05.1991 Teilnahme von Angeh\u00f6rigen des \"ASGARD-Bundes\" an einer Veranstaltung in Cottbus(Brandenburg) anl\u00e4\u00dflich des Maifeiertages. An dem Treffen beteiligten sich etwa 100 Personen.","188 5. - Anhang II: Chronologie - 08.05.1991 Vortragsveranstaltung der \"Deutschen Kulturgemeinschaft Berlin\" (DKG Berlin) mit etwa 60 Personen, darunter einige Neonazis. Der Referent sprach zum Thema Ru\u00dfland-Feldzug 1941 - \u00dcberfall oder Pr\u00e4ventivschlag? und verteidigte den Einmarsch deutscher Truppen in die Sowjetunion im Jahre 1941 im Sinne der nationalsozialistischen Propaganda. 13.05.1991 Angriff von f\u00fcnf Skinheads auf einen in Berlin geborenen t\u00fcrkischen Staatsb\u00fcrger; die T\u00e4ter verletzten ihr Opfer mit einem 20 cm langen Springmesser. 22.05.1991 Umbenennung der \"Deutschen Kulturgemeinschaft Berlin\" (DKG Berlin) in \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen\". 31.05. - \"2. Berliner Seminar\" der \"Berliner Kulturgemeinschaft 02.06.1991 Preu\u00dfen\", an dem sich zeitweise bis zu 70 Personen beteiligten. Im Mittelpunkt standen Thesen zur \"Gesundung\" der deutschen Volkswirtschaft. 07.06.1991 T\u00e4tlicher Angriff auf einen Ausl\u00e4nder aus einer Gruppe von Skinheads heraus. Der Angegriffene wurde vor einem Ausl\u00e4nderwohnheim mit einer Holzkeule von seinem Fahrrad geschlagen. Bewohner des Ausl\u00e4nderwohnheimes beobachteten den Vorfall, griffen ihrerseits die Skinheads an und trieben sie in die Flucht. Herbeigerufene Polizeikr\u00e4fte konnten in Tatortn\u00e4he die Personalien von 18 Skinheads feststellen. Eine konkrete Tatbeteiligung konnte ihnen jedoch nicht nachgewiesen werden.","5. - Anhang II: Chronologie - 189 07.06.1991 T\u00e4tliche Auseinandersetzungen zwischen einer Gruppe von etwa 10 Skinheads und zwei Polen. Nachdem die Skinheads die Polen beleidigt hatten, setzten sich diese mit Eisenstangen gegen die Skinheads zur Wehr. Aus der Skinhead-Gruppe heraus wurde im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung der Pkw der Polen besch\u00e4digt. Die Polizei stellte die Personalien der Skinheads fest. 08.06.1991 Zusammenkunft von etwa 35 Anh\u00e4ngern des Landesverbandes Berlin der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in einer Wohnung in Berlin-Prenzlauer Berg. Die Rechtsextremisten sangen nationalsozialistische Lieder und skandierten mehrfach Sieg Heil!. Polizeibeamte stellten die Personalien der in der Wohnung aufh\u00e4ltlichen Personen fest. 08.06.1991 Angriff einer Skinhead-Gruppe auf den Imbi\u00dfwagen eines t\u00fcrkischen Staatsangeh\u00f6rigen. Mit den Worten T\u00fcrken wollen wir hier nicht haben, wir hassen Ausl\u00e4nder. Geb' schon her, ansonsten machen wir dich platt umringten die Skinheads den Wagen, entwendeten Genu\u00dfmittel und versuchten, in den Imbi\u00dfwagen einzudringen. Da dies nicht gelang, besch\u00e4digten die T\u00e4ter den Pkw des T\u00fcrken und bewarfen den Imbi\u00dfwagen mit Steinen. 17 Personen, von denen ein gro\u00dfer Teil aus dem Umland Berlins stammt, konnten als Tatverd\u00e4chtige festgenommen werden. 14.-15.06.1991 Teilnahme von Angeh\u00f6rigen des Landesverbandes Berlin der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) an einer Versammlung dieser Organisation in Jesewitz, Kreis Eilenburg (Sachsen). An der Zusammenkunft nahmen etwa 150 Personen, darunter der FAP-Vorsitzende Friedhelm BUSSE, teil.","190 5. - Anhang II: Chronologie - 15.06.1991 Teilnahme Berliner Neonazis, darunter Angeh\u00f6rige der \"Nationalen Alternative Berlin\" (NA Berlin), an einer Demonstration in Dresden aus Anla\u00df der Beisetzung des in der Nacht zum 1. Juni ermordeten Neonazi-Anf\u00fchrers Rainer SONNTAG. An dem Aufzug beteiligten sich etwa 1.500 Rechtsextremisten aus unterschiedlichen Gruppierungen. 15.06.1991 Gr\u00fcndung des Landesverbandes Berlin-Brandenburg der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD). An dem \" 1 . ordentlichen NPD-Landesparteitag BerlinBrandenburg\" in Strausberg (Brandenburg) beteiligten sich etwa 60 Personen. 17.06.1991 Teilnahme von Anh\u00e4ngern der \"Nationalistischen Front\" (NF) an einer Gedenkveranstaltung der Partei \"Die Republikaner\" in Hennigsdorf (Brandenburg). W\u00e4hrend des Treffens verteilten die NF-Angeh\u00f6rigen Flugbl\u00e4tter mit den Titeln Ausl\u00e4nder raus! und Sind auch Sie ein reuevoller und schuldbewu\u00dfter Bundeskonsumb\u00fcrger?. 21.06.1991 Gemeinsame Sonnwendfeier der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen\", der \"Jungen Nationaldemokraten\" (JN) und der neonazistischen \"Wiking-Jugend e.V.\" (WJ) in H\u00f6now (Brandenburg). An der Veranstaltung, die von etwa 100 Personen besucht wurde, beteiligten sich auch Angeh\u00f6rige der neonazistischen Zusammenschl\u00fcsse \"Nationale Alternative Berlin\" (NA Berlin), \"Freiheitspartei\" und \"Wotans Volk\". 21.-23.06.1991 Teilnahme der \"Nationalistischen Front\" (NF) an einer Sonnwendfeier in Hetendorf (Niedersachsen).","5. - Anhang II: Chronologie - 191 29.06.1991 Mitgliederversammlung des Landesverbandes BerlinBrandenburg der \"Deutschen Volksunion\" (DVU), an der sich etwa 45 Personen beteiligten. Der DVU-Landesvorsitzende Hans-Werner ROLOFF sprach zum Thema Wie souver\u00e4n ist Deutschland nach der Einigung?. 29.06.1991 Teilnahme von Anh\u00e4ngern der Ortsgruppe Berlin der \"Nationalistischen Front\" (NF) an der \"Bundesveranstaltung\" der NF in Roding (Bayern). An dem Treffen, das unter dem Motto Schlu\u00df mit dem Holocaust stand, nahmen etwa 300 Personen teil. Polizeikr\u00e4fte l\u00f6sten die Versammlung auf. Der daraufhin durchgef\u00fchrte \"Aufmarsch\" in Roding wurde von der Polizei gestoppt, wobei es zu Zusammenst\u00f6\u00dfen mit den Ordnungsh\u00fctern kam. 06.07.1991 Teilnahme von Angeh\u00f6rigen des Gaues Berlin der \"WikingJugend e.V.\" (WJ) an einem \"ordentlichen Bundesthing\" in Schmalkalden (Th\u00fcringen). 07.07.1991 Klebeund Steckaktion der \"Nationalistischen Front\" (NF) zum Thema Holocaust. Die NF-Angeh\u00f6rigen verbreiteten handtellergro\u00dfe Aufkleber ihrer Organisation mit der Aufschrift Schlu\u00df mit den Holocaust-Vorw\u00fcrfen! oder: Deutscher, willst du ewig zahlen?. 13.07.1991 Gr\u00fcndung des Stadtverbandes Berlin der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD).","192 5. - Anhang II: Chronologie - 03.08.1991 Zusammenkunft von etwa 25 Skinheads aus fast allen Berliner Stadtbezirken zur Vorbereitung f\u00fcr den am 17. August geplanten Gedenkmarsch Zum Todestag von Rudolf Hess. W\u00e4hrend der Versammlung sangen die Teilnehmer das Horst-Wessel-Lied und skandierten Naziparolen. Polizeikr\u00e4fte konnten im Versammlungsraum einen Zettel mit Hakenkreuz mit der Aufschrift Jetzt NSDAP sowie eine Hakenkreuzfahne sicherstellen. 10.08.1991 Verteilaktion der \"Deutschen Volksunion\" (DVU) in Oranienburg und Luckenwalde (Brandenburg). 17.08.1991 Protestaktion in Bayreuth gegen das Verbot einer Gedenkkundgebung in Wunsiedel aus Anla\u00df des 4. Todestages Rudolf HESS'. An dem Aufzug beteiligten sich insgesamt \u00fcber 1.000 Rechtsextremisten aus dem gesamten Bundesgebiet, darunter prominente Neonazi-F\u00fchrer wie der Bundesvorsitzende der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP), Friedhelm BUSSE, und der \u00d6sterreicher Gottfried K\u00dcSSEL. Die Teilnehmer trugen Bilder von HESS und skandierten u.a. M\u00e4rtyrer des Friedens Rudolf He\u00df, Deutschland den Deutschen und Asylanten raus. 25.08.1991 Flugblattaktion der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in Berlin-Prenzlauer Berg. Die Akteure verteilten Werbematerial der FAP in Hausbriefk\u00e4sten einiger Mietsh\u00e4user. 27.08.1991 \u00dcberfall von vier unbekannt gebliebenen Skinheads auf einen somalischen Staatsb\u00fcrger, der von den T\u00e4tern geschlagen und getreten wurde.","5. - Anhang II: Chronologie - 193 30.08.1991 Zusammenrottung von etwa 35 Skinheads aus dem Bereich Bahnhof Lichtenberg und Bahnhof Sch\u00f6neweide, um einen Angriff befeindeter autonomer Ausl\u00e4nder zu r\u00e4chen. Auf der Suche nach Ausl\u00e4ndern stie\u00dfen sie am S- Bahnhof Ostkreuz auf zwei algerische Staatsb\u00fcrger, die von ihnen mit Schl\u00e4gen und Fu\u00dftritten mi\u00dfhandelt wurden. Einen der beiden Algerier versuchten die Skinheads aus dem fahrenden Zug zu sto\u00dfen. Acht Skinheads konnten als Tatverd\u00e4chtige festgestellt werden. 31.08.1991 \"Skintreffen\" in Leipzig. An der Zusammenkunft, die von Skinheads aus den alten und neuen Bundesl\u00e4ndern besucht wurde, beteiligten sich bis zu 150 jugendliche Personen. W\u00e4hrend des Treffens bewarfen alkoholisierte Skinheads ein Asyiantenwohnheim mit Steinen und selbstgebastelten Brandflaschen. Die Polizei nahm u.a. ein Vorstandsmitglied des Berliner Landesverbandes der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) fest. 03.09.1991 Flugblattaktion des Landesverbandes Berlin - Kreisverband Ost - der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) vor dem Arbeitsamt 2 in Berlin-Prenzlauer Berg. Im Zuge einer Kampagne unter dem Motto STOPPT NEUE ARMUT, ARBEITSLOSIGKEIT UND \u00dcBERFREMDUNG! verteilten die FAP-Aktivisten zahlreiche Flugbl\u00e4tter ihrer Partei an Passanten. 08.09.1991 Flugblattaktion der \"Nationalistischen Front\" (NF) aus Anla\u00df einer Veranstaltung verschiedener Vertriebenenverb\u00e4nde. 13.09.1991 Vortragsveranstaltung des Stadtverbandes Berlin der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD) mit etwa 55 Teilnehmern. Ein Mitglied des NPDBundesvorstandes sprach zum Thema Kampf dem Asylschwindel!.","194 5. - Anhang II: Chronologie - 18.09.1991 Plakataktion des Landesverbandes Berlin - Kreisverband Ost - der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) u.a. in den G\u00e4ngen des S-Bahnhofs Prenzlauer Allee im Rahmen einer FAP-Kampagne unter dem Motto STOPPT NEUE ARMUT, ARBEITSLOSIGKEIT UND \u00dcBERFREMDUNG!. 20.09.1991 Teilnahme der \"Nationalistischen Front\" (NF) an einer Veranstaltung mit einem in rechtsextremistischen Kreisen bekannten Liedermacher in Hennigsdorf (Brandenburg). Unter den \u00fcberwiegend aus den neuen Bundesl\u00e4ndern angereisten etwa 250 Teilnehmern befanden sich u.a. Angeh\u00f6rige der \"Wiking-Jugend e.V.\" (WJ), der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) sowie der \"Jungen Nationaldemokraten\" (JN). 21.09.1991 Informationsveranstaltung der \"Nationalistischen Front\" (NF) in Beetz (Brandenburg). Der NF-Bundesvorsitzende Meinolf SCH\u00d6NBORN referierte vor etwa 80 Teilnehmern, darunter ca. 60 neue Interessenten aus dem Beitrittsgebiet, \u00fcber Ziele und Programm seiner Organisation. 03.10.1991 Wurf eines Brandsatzes (Molotow-Cocktail) aus einer Gruppe von etwa 10 Skinheads gegen ein Wohnzimmerfenster einer in Berlin-Hellersdorf gelegenen Wohnung. Bei dem Anschlag wurde die \u00e4u\u00dfere Glasscheibe zerst\u00f6rt. Brandschaden entstand nicht. Im angrenzenden Geb\u00e4ude befand sich ehemals ein Wohnheim f\u00fcr Ausl\u00e4nder. Die T\u00e4ter blieben unbekannt. 03.10.1991 Anschlag auf ein Wohnheim des \"Deutschen Roten Kreuzes\" f\u00fcr asylsuchende Ausl\u00e4nder. Die T\u00e4ter warfen einen Nebeltopf, der sich auf dem Gehweg entz\u00fcndete. Personen oder Sachwerte waren nicht in Gefahr.","5. - Anhang II: Chronologie - 195 03.10.1991 Zusammenrottung von etwa 20 Jugendlichen vor einem Wohnheim f\u00fcr Vietnamesen in Berlin-Marzahn. Die Gruppe warf mit Steinen zwei Fensterscheiben ein und verletzte dabei eine ausl\u00e4ndische Bewohnerin des Wohnheimes. Als ihr Ehemann zur Haust\u00fcr lief, um die Polizei zu alarmieren, bedrohten ihn vier Skinheads mit Messern. 03.10.1991 \"Deutschlandtreffen\" der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD) in Gera/Th\u00fcringen. An der Veranstaltung nahmen etwa 800 Personen aus allen Teilen des Bundesgebietes teil, darunter Angeh\u00f6rige der \"Wiking-Jugend e.V.\", der NPD-Jugendorganisation \"Junge Nationaldemokraten\" (JN) sowie zahlreiche Skinheads. Der NPD-Landesverband Berlin-Brandenburg war mit etwa 50 Mitgliedern und Anh\u00e4ngern vertreten. 03.10.1991 Beteiligung von etwa 25 Berliner Neonazis, darunter Mitglieder und Anh\u00e4nger der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) sowie Skinheads und Hooligans, an einem Skinhead-Konzert in Werben bei Cottbus (Brandenburg). Insgesamt nahmen etwa 700 Skinheads und Personen aus deren Umfeld teil, die aus allen Teilen des Bundesgebietes angereist waren. 05.10.1991 Angriff auf ein Ausl\u00e4nderwohnheim in Berlin-Lichtenberg. Unbekannte T\u00e4ter zerst\u00f6rten 14 Fensterscheiben und warfen zwei Brandflaschen gegen das Heim, die jedoch keinen Schaden anrichteten.","196 5. - Anhang II: Chronologie - 14.10.1991 \u00dcberfall von drei der Skinhead-Szene zuzurechnenden Jugendlichen auf einen vietnamesischen Staatsangeh\u00f6rigen. Die T\u00e4ter schlugen das Opfer zu Boden und mi\u00dfhandelten es mit Fu\u00dftritten. Der Vietnamese erlitt dabei schwere Kopfverletzungen und mu\u00dfte durch die Feuerwehr in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Bei den T\u00e4tern handelt es sich um Jugendliche zwischen 16 und 17 Jahren, die einer Gruppe angeh\u00f6ren, die sich \"Wehrwolfterror Berlin\" nennt. 18.10.1991 Brandanschlag auf einen \u00fcberwiegend von t\u00fcrkischen Staatsangeh\u00f6rigen bewohntes Mietshaus. Die unbekannten T\u00e4ter setzten das Treppenhaus in Brand; aus dem stark verqualmten Haus wurden von der Feuerwehr 10 Personen gerettet. 18.10.1991 Vortragsveranstaltung des Stadtverbandes Berlin der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD). Vor etwa 70 Veranstaltungsteilnehmern sprach der rechtsextremistische Verleger und Publizist Udo WALENDY zum Thema Deutschland einig B\u00fc\u00dferland. 19.10.1991 Parteitag der \"Nationalen Alternative\" (NA Berlin) in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Lichtenberg. 30404991 Vortragsveranstaltung der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen\". Vor etwa 80 Zuh\u00f6rernT darunter etwa--25Skinheads, referierte ein militanter Berliner Neonazi zum Thema Der geistige Bankrott des demokratischen Liberalismus. 06.11.1991 Sch\u00e4ndung des an die Deportation j\u00fcdischer B\u00fcrger im Dritten Reich erinnernden Mahnmals an der Putlitzbr\u00fccke (Berlin-Tiergarten) durch Anbringen einer Plastikt\u00fcte mit einem Schweinekopf.","5. - Anhang II: Chronologie - 197 09.11.1991 Teilnahme von Anh\u00e4ngern und Mitgliedern des Landesverbandes Berlin der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) an einem Treffen dieser Partei vor dem V\u00f6lkerschlachtdenkmal in Leipzig. An der Zusammenkunft beteiligten sich etwa 250 \u00fcberwiegend j\u00fcngere Personen. Einige Teilnehmer skandierten Hier marschiert die FAP!. 17.11.1991 Veranstaltung der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen\" auf dem Soldatenfriedhof in Halbe(Brandenburg). An der Feier aus Anla\u00df des Volkstrauertages (Heldengedenktag) beteiligten sich etwa 500 Personen, davon ca. 300 Rechtsextremisten aus dem Inund Ausland. 30.11.1991 Parteitag des Landesverbandes Berlin der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP). 07.12.1991 Teilnahme von Angeh\u00f6rigen des Landesverbandes Berlin der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) an einer von der FAP organisierten Interessentenveranstaltung in Neuruppin (Brandenburg). Unter den \u00fcberwiegend aus Berlin und Brandenburg angereisten 60 Personen befanden sich der FAP-Bundesvorsitzende Friedhelm BUSSE sowie Vorstandsmitglieder des Landesverbandes Berlin der FAP. 07.12.1991 Festnahme eines angetrunkenen Skinheads, der unter Sieg-HeiH-Rufen Sachbesch\u00e4digungen in einem Lokal begangen hatte. Bei seiner Festnahme leistete er erheblichen Widerstand; ein weiterer Skinhead versuchte die Festnahme zu verhindern, indem er die Polizeibeamten t\u00e4tlich angriff. Kurze Zeit sp\u00e4ter st\u00fcrzten ca. 50 Personen, darunter auch Skinheads, aus dem Lokal und bewarfen die Polizeikr\u00e4fte mit Steinen und Flaschen. Neben dem Tatverd\u00e4chtigen wurden zwei weitere Skinheads wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt festgenommen.","198 5. - Anhang II: Chronologie - 08.12.1991 Jahresabschlu\u00dffeier des Stadtverbandes Berlin der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD) mit etwa 250 Teilnehmern. 16.12.1991 Teilnahme f\u00fchrender Berliner Rechtsextremisten an einer internen Interessentenveranstaltung des Zusammenschlusses \"Freiheitliche W\u00e4hlergemeinschaft, 'Wir sind das Volk'\", die an den Wahlen zu den Bezirksverordnetenversammlungen in Berlin am 24. Mai 1992 teilnehmen will.","5. - Anhang II: Chronologie - 199 5.3 Ausl\u00e4nderextremismus 03.01.1991 Fackelzug von etwa 300 Teilnehmern, darunter einige Deutsche, der Berliner Gliederung der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) aus \"Solidarit\u00e4t mit den streikenden t\u00fcrkischen Arbeitern\". 05.01.1991 Festveranstaltung der Berliner Gliederung der \"FATAH\" aus Anla\u00df des 26. Jahrestages der Gr\u00fcndung der PLO mit etwa 600 Teilnehmern. 05.01.1991 Gedenkveranstaltung der Berliner Gruppe der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L) f\u00fcr gefallene und hingerichtete Parteimitglieder mit etwa 500 Teilnehmern. 23.01.1991 Teilnahme von Anh\u00e4ngern der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L), \"Devrimci Sol\" und \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) an einer Kundgebung vor dem Generalkonsulat der T\u00fcrkei unter dem Motto \"Kampf dem Krieg am Golf\". 26.01.1991 Demonstration \"Gegen den Golfkrieg\" von Anh\u00e4ngern islamisch-extremistischer Organisationen (u.a. Moslembruderschaft, \"Hizb Allah\") mit bis zu 5.000 Teilnehmern (Araber und T\u00fcrken). 09.02.1991 Beteiligung von Mitgliedern und Anh\u00e4ngern der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L) und der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) an einer Veranstaltung eines \"Berliner Solidarit\u00e4tskomitees mit der Arbeiterklasse in der T\u00fcrkei und Kurdistan\" unter dem Motto \"Nein zum ungerechten Krieg am Golf - Solidarit\u00e4t mit den Streiks und dem Widerstand der Arbeiter in der T\u00fcrkei\" mit etwa 500 Teilnehmern, fast ausschlie\u00dflich T\u00fcrken und Kurden.","200 5. - Anhang II: Chronologie - 09.02.1991 Teilnahme von Angeh\u00f6rigen der Berliner Gliederungen der PLO-Mitgliedsorganisationen \"FATAH\", PFLP und DFLP an einer Demonstration von etwa 350 Personen \"Gegen den Krieg am Golf\". 16.02.1991 Gro\u00dfveranstaltung in den R\u00e4umen der Vereinigung \"Gro\u00dfer Idealer Kreis T\u00fcrkischer Kulturverein in Berlin e.V.\" (B\u00dcD) mit dem aus der T\u00fcrkei angereisten F\u00fchrer der extremen nationalistischen \"Partei der Nationalistischen Arbeit\" (MCP), Alparslan T\u00dcRKES, als Hauptredner. An der Veranstaltung nahmen etwa 1.000 Personen aus Kreisen der MCP-orientierten sog. Idealistenvereine aus Berlin und dem \u00fcbrigen Bundesgebiet teil. 17.02.1991 Erneute Veranstaltung mit T\u00dcRKES in den R\u00e4umen des B\u00dcD mit etwa 350 Besuchern. 23.02.1991 Demonstration von Anh\u00e4ngern des irakischen Staatspr\u00e4sidenten HUSSEIN unter dem Motto \"Wir d\u00fcrfen nicht sagen, da\u00df wir gegen den Krieg sind\". Die H\u00e4lfte der etwa 350 Teilnehmer waren Deutsche. 02.03.1991 Kundgebung gegen den Golfkrieg vor dem t\u00fcrkischen Generalkonsulat mit etwa 100 Teilnehmern, darunter Mitglieder linksextremistischer Kurden-Organisationen, Angeh\u00f6rige der Berliner Gruppe der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen P\u00e4rter/Marxisfen-LehThlsfen\" (TKF*/t#t) und deutsche Autonome. 16.03.1991 Demonstration der Berliner Gliederung der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) aus Anla\u00df des 3. Jahrestages der Bombardierung der kurdischen Stadt Halabja (Irak) mit Giftgas. Unter den etwa 150 Teilnehmern befanden sich auch ca. 30 Deutsche. 22.03.1991 Aus gleichem Anla\u00df Veranstaltung von Anh\u00e4ngern verschiedener linksextremistischer Kurden-Organisationen mit etwa 300 Teilnehmern, die H\u00e4lfte davon Deutsche.","5. - Anhang II: Chronologie - 201 23.03.1991 Teilnahme von Mitgliedern und Anh\u00e4ngern der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) an einer Protestkundgebung von etwa 50 Personen zur \"Situation politischer Gefangener in der T\u00fcrkei und Kurdistan\" vor dem Generalkonsulat der T\u00fcrkei. 06.04.1991 Demonstration der Berliner Gliederung der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) \"Gegen den Massenmord an der kurdischen Zivilbev\u00f6lkerung\" unter Beteiligung von \u00fcber 300 Personen, darunter zahlreiche deutsche Autonome. 13.04.1991 Protestaktion aus Anla\u00df der Kurdenverfolgung und -Vertreibung in Irak. Etwa 40 Personen, fast ausschlie\u00dflich T\u00fcrken, besetzten eine Fahrbahn und z\u00fcndeten mit Benzin \u00fcbergossene Autoreifen an. F\u00fcnf Polizeibeamte wurden leicht verletzt und drei Demonstranten, darunter ein Anh\u00e4nger der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L), festgenommen. 25.05.1991 Beteiligung von etwa 100 Mitgliedern und Sympathisanten der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) an einer Gedenkveranstaltung des \"Kurdischen Kulturzentrums BOTAN in Berlin e.V.\" f\u00fcr gefallene PKK-K\u00e4mpfer. 16.06.1991 Gro\u00dfveranstaltung der islamisch-extremistischen \"Vereinigung der Neuen Weltsicht in Europa e.V.\" (AMGT) mit etwa 5.000 Teilnehmern. Hauptredner war der aus der T\u00fcrkei angereiste Vorsitzende der \"Wohlstandspartei\" (RP), Prof. Dr. ERBAKAN, der zum Thema \"T\u00fcrkei im Blickfeld der Welt\u00f6ffentlichkeit\" sprach. 10.-16.06.1991 Hungerstreikaktion von sieben Mitgliedern des Vereins \"Kurdisches Kulturzentrum BOTAN in Berlin e.V.\" wegen in der T\u00fcrkei inhaftierter PKK-Mitglieder.","202 5. - Anhang II: Chronologie - 13.-14.07.1991 Hungerstreikaktion von etwa 30 bis 40 Mitgliedern des Vereins \"Kurdisches Kulturzentrum BOTAN in Berlin e.V.\" vor einer Sparkassenfiliale zum Gedenken an mehrere Mitglieder der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK), die im Juli 1982 durch \"Todesfasten\" in t\u00fcrkischen Gef\u00e4ngnissen zu M\u00e4rtyrern der Partei geworden waren. 20.07.1991 Demonstration \"Gegen den t\u00fcrkischen Terror in Kurdistan\" zum Generalkonsulat der T\u00fcrkei. Unter den etwa 400 Teilnehmern befanden sich Mitglieder der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK), Anh\u00e4nger verschiedener linksextremistischer t\u00fcrkischer Organisationen sowie deutsche Autonome. 08.08.1991 Vor\u00fcbergehende Besetzung einer t\u00fcrkischen Bank durch \u00fcber 20 Mitglieder des Vereins \"Kurdisches Kulturzentrum BOTAN in Berlin e.V.\". 09.08.1991 Versuchte \"Besetzung\" des Rathauses Sch\u00f6neberg durch etwa 30 Jugendliche und Kinder unter Anleitung von drei Mitgliedern des \"Kurdischen Kulturzentrums BOTAN in Berlin e.V.\", um den Regierenden B\u00fcrgermeister und Abgeordnete auf die Situation in T\u00fcrkisch-Kurdistan aufmerksam zu machen. 10 PB 1991 Demonstration^Gegen^en[Terror des t\u00fcrkischen Regimes\" zum Generalkonsulat der T\u00fcrkei. Unter den Teilnehmern befanden sich zahlreiche Mitglieder der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) und Anh\u00e4nger verschiedener linksextremistischer, t\u00fcrkischer Organisationen sowie deutsche Autonome.","5. - Anhang II: Chronologie - 203 13.08.1991 Protestaktion gegen die t\u00fcrkische Regierung vor einer t\u00fcrkischen Bankfiliale, wobei etwa 15 \u00fcberwiegend vermummte Personen die Fensterscheiben der Bank zertr\u00fcmmerten. Ein am Tatort zur\u00fcckgelassenes Transparent, das mit \"T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L) unterzeichnet war, trug sinngem\u00e4\u00df die Aufschrift \"Faschistischer T\u00fcrkischer Staat, zieh deine Soldaten zur\u00fcck. Wir werden euch schon fertig machen\". 16.08.1991 Versuch einer Gruppe von etwa 30 Mitgliedern des Vereins \"Kurdisches Kulturzentrum BOTAN in Berlin e.V.\" und verschiedener linksextremistischer T\u00fcrken-Organisationen, in die Amtsr\u00e4ume des Regierenden B\u00fcrgermeisters im Rathaus Sch\u00f6neberg einzudringen. 24.08.1991 Teilnahme von Mitgliedern der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK), Anh\u00e4ngern verschiedener linksextremistischer T\u00fcrken-Organisationen sowie einiger deutscher Autonomer an einer Demonstration \"Gegen t\u00fcrkische Angriffe auf Kurden\". 31.08.1991 Gro\u00dfveranstaltung mit etwa 1.000 Besuchern der Berliner Gliederung der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) aus Anla\u00df des 7. Jahrestages des Beginns des bewaffneten Kampfes in der T\u00fcrkei durch die PKK-\"Kampforganisation\" \"Volksbefreiungsarmee Kurdistans\" (ARGK). 16.11.1991 Beteiligung von etwa 20 Anh\u00e4ngern der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L) an einem Trauermarsch f\u00fcr den von einem Deutschen get\u00f6teten t\u00fcrkischen Jugendlichen Mete EKSI. Von den TKP/M-L-Anh\u00e4ngern gingen w\u00e4hrend des Aufzugs immer wieder gewaltsame Aktionen aus.","204 5. - Anhang II: Chronologie 16.11.1991 Teilnahme von Mitgliedern und Anh\u00e4ngern extremistischer Exil-Kroatenorganisationen an einer Demonstration f\u00fcr die \"Beendigung des B\u00fcrgerkrieges in Kroatien\" mit etwa 1.200 Teilnehmern. 30.11.1991 Veranstaltung des \"Kurdischen Kulturzentrums BOTAN in Berlin e.V.\" anl\u00e4\u00dflich des 13. Jahrestages der Gr\u00fcndung der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) im Mehringhof mit etwa 150 Teilnehmern. 09.12.1991 Beteiligung von etwa 100 Personen, in der Mehrzahl Angeh\u00f6rige der PLO-Mitgliedsorganisationen \"FATAH\", PFLP und DFLP, an einer Veranstaltung zum Thema \"Vier Jahre Intifada\". 12.12.1991 Veranstaltung zum Thema \"Pal\u00e4stina: Nach den Steinen der Olivenzweig?\" mit insgesamt etwa 100 Teilnehmern, darunter zahlreiche Angeh\u00f6rige der PLOMitgliedsorganisationen \"FATAH\", PFLP und DFLP sowie Mitglieder und Anh\u00e4nger der islamisch-extremistischen Organisationen \"Pal\u00e4stinensischer Islamischer Jihad\" (PIJ) und HAMAS. 22.12.1991 Beteiligung serbischer Extremisten an einer Demonstration gegen die \"Einseitige Berichterstattung der deutschen Medien und Einmischung deutscher^Politiker in die inneren Angelegenheiten Jugoslawiens, Volksverhetzung gegen die Serben\" mit \u00fcber 600 Teilnehmern."],"title":"Verfassungsschutzbericht 1991","year":1991}
