{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-by-1986.pdf","jurisdiction":"Bayern","num_pages":216,"pages":["Verfassungsschutzbericht Bayern 1986 Bayerisches Staatsministerium des Innern","Verfassungsschutzbericht Bayern 1986 ERLEDIGT C K < < Antifaschistisches Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin c V. Fakkensteinsira\u00dfe 46.10997 Berlin Tel/Fax: 030)^11 6 Blz..l0050000/Kto Herausgeber: Bayerisches Staatsministerium des Innern Odeonsplatz 3, 8000 M\u00fcnchen 22 RB Nr. 03A/87/16 Satz: Reiff Druck & Verlag, Vogelweideplatz 9, 8000 M\u00fcnchen 80 Herstellung: Emil M\u00fchl, Richard-Wagner-Stra\u00dfe 21, 8580 Bayreuth","Das Grundgesetz f\u00fcr die Bundesrepublik Deutschland und die Verfassung des Freistaates Bayern haben in unmittelbarer Reaktion auf die Erfahrungen mit einer menschenverachtenden Diktatur eine wertgebundene demokratische Staatsordnung geschaffen, die ausdr\u00fccklich die Freiheit des B\u00fcrgers in ihren Mittelpunkt stellt. Damit diese in der deutschen Geschichte und auf deutschem Boden nie zuvor in \u00e4hnlichem Ausma\u00df verb\u00fcrgte Freiheit von ihren Gegnern nicht noch einmal mi\u00dfbraucht und letztlich beseitigt werden kann, wurde die Staatsordnung streitbar und abwehrbereit ausgestaltet. Dieses Verfassungsauftrags m\u00fcssen wir uns stets bewu\u00dft sein. Da\u00df wir die Vorz\u00fcge wirklicher Freiheit und Demokratie nun schon 40 Jahre erfahren d\u00fcrfen, darf sie nicht zur unbeachteten Selbstverst\u00e4ndlichkeit werden lassen. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden haben den gesetzlich festgelegten Auftrag, dazu beizutragen, da\u00df diese freiheitliche demokratische Grundordnung, die unverzichtbare Voraussetzung f\u00fcr die Freiheit jedes Einzelnen ist, auch k\u00fcnftig erhalten bleibt. Mit der Beobachtung, dem Erkennen und Aufdecken verfassungsfeindlicher Bestrebungen leistet der Verfassungsschutz einen ganz entscheidenden Beitrag zur Sicherung und Erhaltung unserer freiheitlichen Demokratie. Nicht die rechsstaatlicher, insbesondere parlamentarischer Kontrolle unterliegenden Verfassungsschutzbeh\u00f6rden gef\u00e4hrden die Freiheit der B\u00fcrger, sondern die nach wie vor vorhandenen Gegner unserer staatlichen Grundordnung, die sich nicht selten als die nachdr\u00fccklichsten Verfechter verfassungsm\u00e4\u00dfig verb\u00fcrgter Grundund Freiheitsrechte ausgeben. Bei seiner Arbeit ist der Verfassungsschutz auf das Vertrauen und die Unterst\u00fctzung aller B\u00fcrger angewiesen. Letztlich kann unsere Staatsund Gesellschaftsform nur lebendig bleiben, wenn die B\u00fcrger sich aktiv f\u00fcr sie einsetzen und mit ihren politischen Entscheidungen f\u00fcr Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat diese Staatsund Gesellschaftsform auch unterst\u00fctzen. Mit dem Verfassungsschutzbericht f\u00fcr das Jahr 1986 fa\u00dft das Bayerische Staatsministerium des Innern Aktivit\u00e4ten und politische Ziele extremistischer und sicherheitsgef\u00e4hrdender Organisationen zusammen und bewertet sie. Der Bericht kann und soll keinen ersch\u00f6pfenden \u00dcberblick geben, er weist jedoch auf wichtige Entwicklungen und Zusammenh\u00e4nge hin. \u00d6ffentlichkeit und B\u00fcrger erhalten dadurch die notwendigen Informationen zur aktiven Auseinandersetzung mit den Gegnern unserer Freiheit. Allen Mitarbeitern, die im Bereich des Verfassungsschutzes t\u00e4tig sind, gilt unsere besondere Anerkennung und unser Dank f\u00fcr ihre schwierige und verantwortungsvolle Arbeit. M\u00fcnchen, im Juni 1987 f. Causey l]<^(j6*-) --\\ $. % Q^cj^ August R. Lang Dr. Heinz Rosenbauer Dr. Peter Gauweiler Staatsminister Staatssekret\u00e4r Staatssekret\u00e4r","Inhaltsverzeichnis Allgemeiner \u00dcberblick 10 1. Abschnitt Linksextremismus 12 1. Allgemeines 12 2. Orthodoxer Kommunismus 15 2.1 \u00dcberblick 15 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 16 2.2.1 Ideologisch-politischer Standort 16 2.2.2 Steuerung der DKP durch die SED und KPdSU 20 2.2.3 Anforderungen an das DKP-Mitglied 22 2.2.4 Organisation 23 2.2.5 B\u00fcndnispolitik 25 2.2.5.1 Aktionseinheit 27 2.2.5.2 Volksfrontpolitik 30 2.2.6 Publikationen, Verlage und sonstige Propagandatr\u00e4ger 34 2.2.7 Schulung 37 2.2.8 Betriebsarbeit der DKP *. 39 2.2.9 Beteiligung an Wahlen 41 2.2.10 DKP-Hochschulgruppen 42 2.2.11 Sonstige Aktivit\u00e4ten 42 2.3 Nebenorganisationen der DKP 44 2.3.1 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) 44 2.3.2 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) . . . 48 2.3.3 Junge Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP) . . . . 49 2.4 DKP-beeinflu\u00dfte Organisationen 50 2.4.1 Allgemeines * 50 2.4.2 Deutsche Friedens-Union (DFU) 52 2.4.3 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (WN-BdA) 53 4","2.4.4 Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) 56 2.4.5 Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) 60 2.4.6 Vereinigung Demokratischer Juristinnen und Juristen in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West) e.V. (VDJ) . . . 61 2.4.7 Demokratische Fraueninitiative (DFI) 62 2.4.8 \"Die Friedensliste\" 63 3. Neue Linke 65 3.1 \u00dcberblick , 65 3.2 Dogmatische Neue Linke 68 3.2.1 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) 68 3.2.2 Vereinigte Sozialistische Partei (VSP) 71 3.2.3 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) 73 3.2.4 Kommunistischer Bund (KB) 76 3.2.5 Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) 78 3.2.6 Marxistische Gruppe (MG) 79 3.3 Undogmatische Gruppen der Neuen Linken 82 3.3.1 Allgemeines 82 3.3.2 \"Autonome\" Gruppen 82 3.3.3 Anarchistische Arbeiter Union (AAU) 86 3.3.4 Anarchistische F\u00f6deration Nordbayern (AFNB) 86 3.4 Linksextreme Schriften 86 4. Linksextremer Einflu\u00df auf die \"Anti-AKW-Bewegung\" 87 4.1 Allgemeines 87 4.2 Militantes Protestpotential 90 4.3 Aktionsschwerpunkte 91 4.4 Politisch motivierte Gewaltaktionen 95 5. Linksextremer Einflu\u00df auf die \"Friedensbewegung\" 96 5.1 Allgemeines 96 5.2 Agitationsund Aktionsschwerpunkte 99 2. Abschnitt Rechtsextremismus 105 1. Allgemeines 105 2. Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 108 2.1 Ideologisch-politischer Standort 108 2.2 Organisation 111 2.3 Aktivit\u00e4ten 113 2.4 Wahlbeteiligung 115 5","1 2.5 Junge Nationaldemokraten (JN) 117 2.6 Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) 118 2.7 B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp (BIA) 119 3. Deutsche Volksunion (DVU) 120 3.1 Ideologisch-politischer Standort 120 3.2 Organisation 121 3.3 Aktivit\u00e4ten 121 3.4 Aktionsgemeinschaften der DVU 122 3.5 Deutsche Liste 124 4. Neonazistische Organisationen und Vorf\u00e4lle 125 4.1 Allgemeines 125 4.2 Verbotene Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) 126 4.3 Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP) 127 4.4 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) 131 4.5 Nationalistische Front (NF) 131 4.6 Nationalrevolution\u00e4re 132 4.7 Deutsche B\u00fcrgerinitiative (DBI) 133 4.8 Neonazistische, antisemitische und sonstige rassistische Vorf\u00e4lle 133 5. Sonstige rechtsextreme Organisationen 134 5.1 Deutscher Block (DB) 134 5.2 Wiking-Jugend (WJ) 134 5.3 Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik (GFP) 136 5.4 Freundeskreis Ulrich von H\u00fctten 136 5.5 Die Deutsche Freiheitsbewegung (DDF) 137 6. Organisationsunabh\u00e4ngige Publizistik 138 7. Einflu\u00df des ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus 142 3. Abschnitt Extremistische Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 145 1. Allgemeines 145 2. \u00c4thiopische Gruppen 147 3. Afghanische Gruppen 147 6","4. Arabische Gruppen 148 5. Griechische Gruppen 148 6. Iranische Gruppen 150 6.1 Orthodoxe Kommunisten 150 6.2 Neue Linke 1.51 7. Italienische Gruppen 152 8. Jugoslawische Gruppen 153 8.1 Kroatischer Nationalrat (HNV) 153 8.2 Kroatische Staatsbildende Bewegung (HDP) 153 9. Kurdische Gruppen 154 9.1 Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) 154 9.2 F\u00f6deration der Arbeitervereine aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (KOMKAR) 156 9.3 Vereinigung der Studenten Kurdistans im Ausland (AKSA) ... 157 10. Pakistanische Gruppen 157 11. Spanische Gruppen 158 12. T\u00fcrkische Gruppen 158 12.1 Orthodoxe Kommunisten 158 12.2 Neue Linke einschlie\u00dflich Sozialrevolution\u00e4re Gruppen 159 12.2.1 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten (TKP/ML) 160 12.2.2 T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei/-front (THKP/-C) .;.-.'* 161 12.3 Extreme Nationalisten 163 12.4 Islamische Extremisten 164 4. Abschnitt Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt 166 1. Allgemeines 166 2. Rote Armee Fraktion (RAF) 167 2.1 Kommandobereich der RAF 168 2.2 Militante der RAF 170 2.3 Umfeld der RAF 171 2.4 Festnahmen und Urteile 173 3. Revolution\u00e4re Zellen (RZ) 174 4. Politisch motivierte Gewaltaktionen in Bayern 176 7 !","4.1 Sprengstoffanschl\u00e4ge 176 4.2 Brandanschl\u00e4ge '..-,.. 178 4.3 Sonstige Gewaltaktionen 182 5. Abschnitt Spionageabwehr . . , 184 1. Allgemeines 184 2. Struktur und Aufbau des MfS und KGB 185 2.1 Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit (MfS der DDR) 185 2.2 Komitee f\u00fcr Staatssicherheit (KGB) der UdSSR 186 3. Zielrichtung/Zielobjekte 186 3.1 Politische Spionage 186 3.2 Milit\u00e4rspionage 188 3.3 Wirtschaftsspionage 189 4. Kontaktanl\u00e4sse/Werbemethoden 190 4.1 Nachrichtendienstliche Ansprachen von Personen mit Wohnsitz im kommunistischen Machtbereich 190 4.2 Nachrichtendienstliche Ansprachen gegen\u00fcber Bewohnern des Kommunistischen Machtbereichs 192 5. Nachrichtendienstliche Ausr\u00fcstung 192 5.1 Container 192 5.2 Geheimschrift 195 5.3 Mikrate 195 5.4 Funk 195 6. Abschnitt Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst 197 1. Einstellungs\u00fcberpr\u00fcfung 197 2. Extremisten im \u00f6ffentlichen Dienst 198 8","Anhang 1 Gesetz \u00fcber die Errichtung eines Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz in der Fassung der Bekanntmachung vom 8. August 1974 200 Anhang 2 Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 27. M\u00e4rz 1973 \u00fcber die Pflicht zur Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst 203 Anhang 3 Verzeichnis von Publikationen extremistischer und extremisch beeinflu\u00dfter Organisationen 206 Anhang 4 Sachverzeichnis 211","Allgemeiner \u00dcberblick Dieser Verfassungsschutzbericht enth\u00e4lt Feststellungen zur inneren Sicherheit des Freistaats Bayern im Jahre 1986. Er gibt einen \u00dcberblick \u00fcber Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand und die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung von Mitgliedern verfassungsm\u00e4\u00dfiger Organe des Bundes oder eines Landes zum Ziel haben, sowie Bestrebungen, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden. Der Verfassungsschutzbericht enth\u00e4lt auch Informationen \u00fcber sicherheitsgef\u00e4hrdende und geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten f\u00fcr fremde M\u00e4chte. Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist unter der freiheitlichen demokratischen Grundordnung eine Ordnung zu verstehen, die unter Ausschlu\u00df jeglicher Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft eine rechtsstaatliche Herrschaftsordnung auf der Grundlage der Selbstbestimmung des Volkes nach dem Willen der jeweiligen Mehrheit und der Freiheit und Gleichheit darstellt. Zu den fundamentalen Prinzipien dieser freiheitlichen Grundordnung geh\u00f6ren die Achtung vor den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, die Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, die Gewaltenteilung, die Verantwortlichkeit der Regierung, die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit der Verwaltung, die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte, das Mehrparteienprinzip, die Chancengleichheit der politischen Parteien und das Recht auf verfassungsm\u00e4\u00dfige Bildung und Aus\u00fcbung einer Opposition. Die linksextremen Kr\u00e4fte gef\u00e4hrdeten auch 1986 nicht ernsthaft die freiheitliche demokratische Grundordnung. Die Gesamtzahl der Mitgliedschaften in linksextremen Kernund Nebenorganisationen sowie linksextrem beeinflu\u00dften Organisationen lag 1986 in Bayern bei rund 13.600 Personen. Die Zahl der Mitgliedschaften hat sich gegen\u00fcber dem Vorjahr leicht erh\u00f6ht. Diese Steigerung beruht unter anderem auf der Zunahme linksextremer Aktivit\u00e4ten gegen den Bau der Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAW). Die Gesamtzahl der Organisationen betrug wie im Vorjahr 120. Das Ziel sowohl der moskauorientierten orthodoxen Kommunisten als auch der meisten Gruppen der Neuen Linken ist nach wie vor die Errichtung einer kommunistischen Gesellschaftsordnung. 10","Die Entwicklung der Dogmatischen Neuen Linken war auch 1986 von Stagnation gekennzeichnet. Die bereits 1985 begonnenen Fusionsgespr\u00e4che zwischen der Kommunistischen Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) -- KPD -- und der Gruppe Internationaler Marxisten -- Deutsche Sektion der 4. Internationale (GIM) f\u00fchrten 1986 zu einem Zusammenschlu\u00df zu einer neuen Organisation mit dem Namen Vereinigte Sozialistische Partei (VSP). Die mitgliederst\u00e4rkste Organisation innerhalb der Neuen Linken in Bayern ist nach wie vor die Marxistische Gruppe (MG). Innerhalb der Undogmatischen Neuen Linken konnte 1986 der anarchistisch orientierte \"autonome\" Fl\u00fcgel seine Bedeutung weiter festigen. Vor allem die Kampagne gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAW) stand im Mittelpunkt von militanten Aktionen autonomer Gruppen. Die Bestrebungen rechtsextremer Vereinigungen und Personen gef\u00e4hrdeten auch 1986 den freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat nicht. 1986 bet\u00e4tigten sich in Bayern 28 rechtsextreme Organisationen und Gruppen mit rund 4.100 Mitgliedern. Innerhalb des organisierten Rechtsextremismus in Bayern stellten die Deutsche Volksunion (DVU) mit ihren Aktionsgemeinschaften und die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) einschlie\u00dflich ihrer Jugendund Studentenorganisationen den gr\u00f6\u00dften Anteil an Mitgliedern. Eine dominierende Rolle im Bereich des organisierten Neonazismus spielen nach wie vor die ehemaligen Anh\u00e4nger der verbotenen Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA), die unter dem Deckmantel der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) neonazistische Aktivit\u00e4ten entwikkelten. Die Anzahl ausl\u00e4ndischer Extremisten und ihrer Organisationen ist 1986 ann\u00e4hernd gleichgeblieben. Die Zahl der Mitgliedschaften ging von etwa 9.000 auf ca. 8.500 zur\u00fcck, die Zahl der Organisationen verringerte sich gegen\u00fcber 1985 nur um eine Gruppierung auf 168. Vor allem militante Organisationen innerhalb der orthodox-kommunistischen kurdischen Gruppierungen sowie gewaltbereite Vereinigungen der t\u00fcrkischen Neuen Linken stellen eine Gef\u00e4hrdung der \u00f6ffentlichen Sicherheit dar. Die Gefahr von Anschl\u00e4gen pal\u00e4stinensischer Splittergruppen gegen israelische und amerikanische Einrichtungen im Bundesgebiet hat sich verst\u00e4rkt. Die von Terroristen 1986 ver\u00fcbten Gewaltanschl\u00e4ge zeigten, da\u00df die von ihnen ausgehende Bedrohung zugenommen hat. Die Rote Armee Fraktion (RAF) setzte durch die Mordanschl\u00e4ge auf das Vorstandsmitglied der Firma Siemens AG Professor Dr. Karlheinz Beckurts und dessen Fahrer Eckhard Groppler sowie den Leiter der Politischen Abteilung 2 des Ausw\u00e4rtigen Amtes in Bonn, Ministerialdirektor Dr. Gerold von Braunm\u00fchl ihre 1984 begonnene \"Offensive\" fort. Aufgrund der zunehmenden Einbindung der \"militanten\" Ebene in die Planung des Kommandobereichs der RAF ist von einer anhaltend versch\u00e4rften Gef\u00e4hrdungslage auszugehen. Die Spionageaktivit\u00e4ten der Geheimdienste des Ostblocks hielten an. Das Ausspahungsinteresse der \u00f6stlichen Nachrichtendienste erstreckte sich auch 1986 auf alle wesentlichen Entwicklungen und bedeutsamen Ver\u00e4nderungen in den Bereichen Politik, Milit\u00e4r sowie Wirtschaft und Wissenschaft. 11","1. Abschnitt Linksextremismus 1. Allgemeines 1986 gab es in Bayern 120 linksextreme und linksextrem beeinflu\u00dfte Gruppen mit rund 13.600 Mitgliedschaften. Dabei sind auch kleine, \u00f6rtlich begrenzte, teilweise ausgesprochen mitgliederschwache Gruppierungen erfa\u00dft. Die Zahl der Mitgliedschaften hat sich gegen\u00fcber dem Vorjahr leicht erh\u00f6ht. Die Steigerung beruht u.a. auf der Zunahme linksextremer Aktivit\u00e4ten gegen den Bau der Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf. Zahl und St\u00e4rke von linksextremen und linksextrem beeinflu\u00dften Organisationen in Bayern: 1982 1983 1984 1985 1986 Zahl der Organisationen 140 130 120 120 120 Mitgliedschaften Orthodoxe Linke 10.000 10.200 11.000 11.600 11.600 Neue Linke 1.000 1.100 1.400 1.800 2.000 insgesamt 11.000 11.300 12.400 13.400 13.600 Die Gesamtzahl von 13.600 Mitgliedschaften f\u00fcr das Jahr 1986 l\u00e4\u00dft sich wie folgt weiter aufgliedern: Mitgliedschaften in orthodox-kommunistischen Kernund Nebenorganisationen 5.100 abz\u00fcglich Mehrfachmitgliedschaften in Kernund Nebenorganisationen -- 200 4.900 Mitgliedschaften in orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Organisttonen 6.500 11.400 Mitgliedschaften in Kernund Nebenorganisationen der Neuen Linken 1.750 abz\u00fcglich Mehrfachmitgliedschaften in Organisationen der Neuen Linken -- 100 1.650 Mitgliedschaften in beeinflu\u00dften Organisationen der Neuen Linken 250 1.900 Gesamtzahl (bekannte Mehrfachmitgliedschaften abgezogen) 13.300 12","Wie sich aus vorstehender Tabelle ergibt, sind Mehrfachmitgliedschaften nur jeweils innerhalb des Bereichs der Kernund Nebenorganisationen der Orthodoxen Linken und der Neuen Linken ber\u00fccksichtigt. \u00dcber Mehrfachmitgliedschaften in beeinflu\u00dften Organisationen sowie Mehrfachmitgliedschaften in beeinflu\u00dften Organisationen einerseits und Kernund Nebenorganisationen andererseits liegen keine zuverl\u00e4ssigen Zahlen vor. In der Zahl der Mitgliedschaften in beeinflu\u00dften Organisationen sind auch Nichtextremisten enthalten; eine zahlenm\u00e4\u00dfige Aufgliederung ist nicht m\u00f6glich. Durch eine Vielzahl von Aktionen, insbesondere durch Abr\u00fcstungsund Friedenskampagnen sowie Kampagnen gegen die friedliche Nutzung der Kernenergie und den Bau der Wiederaufarbeitungsanlage f\u00fcr Kernbrennstoffe in Wackersdorf versuchten moskauorientierte orthodoxe Kommunisten und die Anh\u00e4nger und Gruppen der Neuen Linken auch 1986 ihrem Ziel, der Einf\u00fchrung einer kommunistischen Gesellschaftsordnung, n\u00e4herzukommen. Zur Erreichung dieses Ziels bekennen sich die Gruppen der Neuen Linken, letztlich aber auch die der orthodoxen Kommunisten zur Gewalt. Eine kommunistische Gesellschaftsordnung ist jedoch, wie das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil zum Verbot der KPD festgestellt hat, unvereinbar mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung des Grundgesetzes und damit verfassungsfeindlich. Die Gruppen der Orthodoxen Linken stellten einen ideologisch festgef\u00fcgten Block dar. Bei den Gruppen der Neuen Linken hielten die ideologischen Auseinandersetzungen an. Die bedeutendsten linksextremen bzw. linksextrem beeinflu\u00dften Organisationen waren 1986: 1.1 Kommunistische Kernorganisationen Die kommunistischen Kernorganisationen verstehen sich als f\u00fchrende Kraft im Kampf f\u00fcr die sozialistische Revolution und die Diktatur des Proletariats. Orthodoxe Linke Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Neue Linke Marxistisch-Leninistische Partei Deutschland (MLPD) Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) Vereinigte Sozialistische Partei (VSP) Kommunistischer Bund (KB) Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) Marxistische Gruppe (MG) 13","1.2 Kommunistische Nebenorganisationen Die kommunistischen Nebenorganisationen sind orgahisatorisch selbst\u00e4ndige Vereinigungen mit eigenen Satzungen und F\u00fchrungsgremien, die sich jedoch der jeweiligen Kernorganisation unterordnen. Sie bekennen sich wie diese zum Kampf f\u00fcr die sozialistische Revolution und die Diktatur des Proletariats. Ma\u00dfgebende F\u00fchrungsfunktionen dieser Vereinigungen sind mit Mitgliedern der Kernorganisation besetzt. Die wesentlichen Nebenorganisationen waren 1986: Nebenorganisationen der DKP Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) Junge Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP) Nebenorganisationen der MLPD Arbeiterjugendverband Marxisten/Leninisten (AJV) Marxistisch-Leninistischer Sch\u00fclerund Studentenverband (MLSV) Marxistisch-Leninistischer Bund Intellektueller (MLBI) Nebenorganisation des AB Kommunistischer Hochschulbund (KHB) 1.3 Kommunistisch beeinflu\u00dfte Organisationen Ein erheblicher Teil der Organisationen im linksextremen Bereich besteht aus Vereinigungen, die sich \u00fcberparteilich oder unabh\u00e4ngig darstellen, tats\u00e4chlich aber unter einem mehr oder weniger starken Einflu\u00df der kommunistischen Kernund/oder Nebenorganisationen stehen. Der Einflu\u00df dr\u00fcckt sich insbesondere darin aus, da\u00df sie -- von diesen oder auf deren Initiative hin gegr\u00fcndet wurden, -- wichtige F\u00fchrungsfunktionen mit Kommunisten besetzen, -- eng mit Kernund/oder Nebenorganisationen zusammenarbeiten, -- Ziele verfolgen, die sich in Teilbereichen mit typisch kommunistischen Zielsetzungen decken. Teilweise liegen mehrere dieser Merkmale vor, teilweise alle. Entsprechend stark ist dann der kommunistische Einflu\u00df. So gibt es Gruppen, die keine wesentliche Entscheidung gegen den Willen der Kernund/oder Nebenorganisationen treffen k\u00f6nnen; andere haben trotz erheblicher kommunistischer Einflu\u00dfnahme noch Raum f\u00fcr ein politisches Eigenleben. Die wichtigsten Organisationen, die unter kommunistischem Einflu\u00df standen, waren 1986: Von der DKP beeinflu\u00dfte Organisationen: Deutsche Friedens-Union (DFU) Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (WN-BdA) 14","Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) Vereinigung Demokratischer Juristen (VDJ) Demokratische Fraueninitiative (DFI) Die Friedensliste Sozialistischer Hochschulbund (SHB) als st\u00e4ndiger B\u00fcndnispartner des MSB Spartakus Vom AB beeinflu\u00dfte Organisationen: Anti-Strau\u00df-Komitee (ASKo) Initiative f\u00fcr die Vereinigung der revolution\u00e4ren Jugend (IVRJ) Nun vom BWK beeinflu\u00dfte Organisation: Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg (VOLKSFRONT) Von der VSP beeinflu\u00dfte Organisation: Autonome Sozialistische Jugendgruppen (ASJG) 1.4 Sonstige linksextreme Gruppen Eine Reihe autonomer Gruppierungen, die anarchistische, spontaneistische oder undogmatische Richtungen vertreten, wollen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung revolution\u00e4r beseitigen, ohne zu sagen, was an ihre Stelle treten soll. 2, Orthodoxer Kommunismus 2.1 \u00dcberblick In der Bundesrepublik Deutschland und damit auch in Bayern sind die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) und ihre Nebenorganisationen sowie -- mit Einschr\u00e4nkungen -- die von der DKP oder ihren Nebenorganisationen beeinflu\u00dften Organisationen Sammelbecken f\u00fcr die orthodoxen Kommunisten. Sie stellen einen festgef\u00fcgten Block dar^sind vor allem im Funktion\u00e4rsbereich eng verflochten und finanziell sehr gut ausgestattet. Die orthodoxen Kommunisten bekennen sich zum Marxismus-Leninismus sowjetischer Pr\u00e4gung und damit, auch wenn sie es zur Verschleierung ihrer wahren Ziele nicht offen aussprechen, zur sozialistischen Weltrevolution und zur Diktatur des Proletariats; dabei werden diese Begriffe vielfach mit \"revolution\u00e4rer Weltproze\u00df\" bzw. \"Herrschaft der Arbeiterklasse\" umschrieben. Das Grundmodell dieser \"sozialistischen Ordnung\" sehen die orthodoxen Kommunisten in der Sowjetunion und der DDR verwirklicht. Deshalb betonen sie die feste Verbundenheit mit den kommunistischen Parteien der Sowjetunion, der DDR und anderer sozialistischer L\u00e4nder. In ideologischer und politischer Hinsicht folgen sie der Linie der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) und der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) der DDR. Sie verstehen sich als Teil der kommunistischen Weltbewegung, der die 15","F\u00fchrungsrolle bei der revolution\u00e4ren Umgestaltung der kapitalistischen in die sozialistische Gesellschaftsordnung zukomme. Innerhalb der kommunistischen Weltbewegung hat nach ihrer \u00dcberzeugung das \"sozialistische Weltsystem\" mit der KPdSU an der Spitze die Vorbildund F\u00fchrungsrolle. Einigendes Band ist der \"proletarische Internationalismus\", der die \"Gesamtheit der Interessen und die Solidarit\u00e4t der Arbeiterklasse und der Werkt\u00e4tigen aller L\u00e4nder, ihre Geschlossenheit und Aktionseinheit im Kampf um die revolution\u00e4re Umgestaltung der Gesellschaft\" zum Ausdruck bringen soll. Der F\u00fchrungsanspruch der KPdSU und der Sowjetideologie, der sich auch in einigen internationalen prosowjetischen Organisationen wie dem Weltfriedensrat (WFR), dem Weltbund der Demokratischen Jugend (WBDJ) und der Federation Internationale des Resistants (FIR) manifestiert, wird uneingeschr\u00e4nkt anerkannt. Organisations\u00fcbersicht Orthodoxe Linke Deutsche Kommunistische Partei (DKP) SDAJ DFU WN-BdA MSB SHB DFG-VK --+TKFAZ JP VDJ -*+DFI Nebenorganisationen __LKomitees, Friedensliste Initiativen beeinflu\u00dfte Organisationen Abk\u00fcrzungen vgl. Abk\u00fcrzungsverzeichnis 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 2.2.1 Ideologisch-politischer Standort Die DKP wurde am 26. September 1968 anstelle der im Jahre 1956 vom Bundesverfassungsgericht verbotenen Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) gegr\u00fcndet. Sie ist nach wie vor die mit Abstand st\u00e4rkste extremistische Partei in der Bundesrepublik Deutschland und nimmt die politische F\u00fchrung der orthodoxen Kommunisten in Anspruch. Ideologisch vertritt die DKP die Lehren des Marxismus-Leninismus. Nach dieser Ideologie des \"wissenschaftlichen Sozialismus\" ist der erste Schritt zum Kommunismus eine Revolution mit dem Ziel der Errichtung der politischen Herrschaft des Proletariats. Die Kommunistische Partei hat dabei im Klassenkampf durch Agitation und \u00c4nderung des Bewu\u00dftseins der Arbeiterklasse auf eine Revolution hinzuarbeiten und diese zu f\u00fchren. Der Revolution folgt die Diktatur des Proletariats, d.h. die Macht 16","wird diktatorisch durch die \"Elite\" der Arbeiterklasse, die Kommunistische Partei ausge\u00fcbt; die Gewaltenteilung ist beseitigt. In der Phase der Diktatur des Proletariats gibt es allerdings noch gegens\u00e4tzliche Klassen, die jedoch in der n\u00e4chsten Stufe der Entwicklung, dem Sozialismus, aufh\u00f6ren zu existieren. Dann f\u00fchrt allein die Kommunistische Partei den sozialistischen Staat und die sozialistische Gesellschaft. Auf dem H\u00f6hepunkt des Sozialismus stirbt nach dieser Ideologie der Staat ab. In dem sich daran anschlie\u00dfenden Stadium des Kommunismus gibt es keine Klassen und keinen Staat mehr. An seine Stelle tritt die Gesellschaft. Politisch folgt die DKP kritiklos der Linie der KPdSU und der SED. Sie betont ihre \"tiefe Verbundenheit\" zur Sowjetunion, \"dem ersten Arbeiterund Bauernstaat\", und verurteilt jede davon abweichende Meinung als \"Rechtsoder Linksopportunismus\", sieht die \"Haltung zur Sowjetunion\" als \"entscheidenden Pr\u00fcfstein f\u00fcr jeden Kommunisten, f\u00fcr seine Treue zur Sache der revolution\u00e4ren Arbeiterbewegung\" und \"erzieht ihre Mitglieder best\u00e4ndig im Geist fester Freundschaft zur Sowjetunion\". In seiner Gru\u00dfansprache auf dem 27. Parteitag der KPdSU am 28. Februar in Moskau betonte der DKP-Vorsitzende Mies die \"traditionell gute Freundschaft\" der beiden kommunistischen Parteien. Auch dem \"Kampf der Kommunisten der Bundesrepublik\" gebe der Parteitag \"neuen Schwung und neue Schubkraft\". Mies versicherte den KPdSU-Delegierten, auf die DKP sei Verla\u00df im \"Kampf um Frieden, Demokratie und Sozialismus\" und in ihrer \"Treue zur Lehre von Marx, Engels und Lenin und zum proletarischen Internationalismus\". Folgerichtig betrachtet die DKP auch das in der DDR herrschende Staatsund Gesellschaftssystem vorbehaltlos als Muster f\u00fcr die von ihr angestrebte Ordnung in der Bundesrepublik Deutschland. Die Gr\u00fcndung der DDR markiere einen \"Wendepunkt in der Geschichte unseres Volkes\". Mit der \"sozialistischen Revolution\" in der DDR habe die deutsche Arbeiterbewegung ihren \"gr\u00f6\u00dften Sieg\" errungen. In der DDR w\u00fcrden die \"besten revolution\u00e4ren, demokratischen und nationalen Traditionen der deutschen Geschichte\" verk\u00f6rpert. Von einem solchen Staat h\u00e4tten \"Generationen von Kommunisten und Sozialisten\" getr\u00e4umt. Nur in einem solchen Staat k\u00f6nne es \"wirkliche Volksherrschaft als Demokratie\" geben. Die DKP h\u00e4lt am \"unverr\u00fcckbaren Ziel\" Sozialismus \"als erster Phase der kommunistischen Gesellschaftsformation\" fest. Diese \"gr\u00fcndlegend neue Gesellschaftsordnung\" baue auf der \"revolution\u00e4ren \u00dcberwindung der kapitalistischen Machtund Besitzverh\u00e4ltnisse\" auf und k\u00f6nne nur \"im harten Klassenkampf\" durchgesetzt werden. Sie setze die Erringung der politischen Macht durch die Arbeiterklasse im B\u00fcndnis mit anderen Werkt\u00e4tigen voraus. Die Lehre von Marx, Engels und Lenin sei der \"politische Kompa\u00df der DKP und wissenschaftliches Fundament ihrer Politik\". In \"sch\u00f6pferischer Anwendung\" dieser Lehre entwickle die DKP Strategie und Taktik ihres Kampfes um die Errichtung des Sozialismus in der Bundesrepublik Deutschland. Als die Partei des \"Klassenkampfes\" und des \"Sozialismus\" bekennt sie sich zu den Grunds\u00e4tzen einer \"bolschewistischen Partei neuen Typs\", die gekennzeichnet sei durch die Anerkennung der Leninschen Normen der Parteimitgliedschaft und des Parteiaufbaues sowie der Diktatur des Proletariats. 17","Die DKP geht aufgrund marxistisch-leninistischer Analyse davon aus, da\u00df die Gegenwart \"die Epoche des \u00dcbergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus im Weltma\u00dfstab\" sei. Der \"staatsmonopolistische Kapitalismus\" habe sich in der Bundesrepublik Deutschland voll entwickelt und befinde sich jetzt in der Krise. Jene \"besonderen Faktoren\" h\u00e4tten aufgeh\u00f6rt zu wirken, die die langanhaltende, \"viele Gebrechen der kapitalistischen Ordnung \u00fcberdeckende Nachkriegskonjunktur\" erm\u00f6glicht und in breiten Bev\u00f6lkerungskreisen tiefe Illusionen \u00fcber die bestehenden gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse erweckt h\u00e4tten. Daher sei die \"Hauptzielsetzung der DKP in der gegenw\u00e4rtigen Etappe\", das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zugunsten der Arbeiterklasse und der \"anderen demokratischen Kr\u00e4fte\" zu ver\u00e4ndern und die \"Wende zu demokratischem und sozialem Fortschritt herbeizuf\u00fchren\". Sie erachtet es als m\u00f6glich und im Interesse der Arbeiterklasse f\u00fcr erstrebenswert, da\u00df dieser Kampf in eine \"antimonopolistische Demokratie\" einm\u00fcndet. Darunter versteht die DKP eine Periode \"grundlegender Umgestaltungen\", in der eine von der \"Arbeiterklasse und den anderen demokratischen Kr\u00e4ften getragene antimonopolistisch-demokratische Staatsmacht\" geschaffen werden soll. Dabei sieht die DKP die antimonopolistische und sozialistische Umw\u00e4lzung als miteinander verbundene Entwicklungsstadien eines \"einheitlichen revolution\u00e4ren Prozesses des \u00dcbergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus\". Diese Aussagen der DKP belegen trotz der aus taktischen Gr\u00fcnden variierten Begriffsbildung, da\u00df die DKP einen dogmatischen Marxismus-Leninismus vertritt. Die Formulierungen \"sozialistische Umw\u00e4lzung\" und \"politische Macht der Arbeiterklasse\" sind gleichbedeutend mit den marxistisch-leninistischen Kernbegriffen \"sozialistische Revolution\" und \"Diktatur des Proletariats\". Im Programm der DKP findet sich der Terminus \"Diktatur des Proletariats\" zwar nicht, denn er sei heute f\u00fcr gro\u00dfe Teile des arbeitenden Volkes mi\u00dfverst\u00e4ndlich. Die DKP bekennt sich in ihrem Programm jedoch \"unmi\u00dfverst\u00e4ndlich\" zur politischen Macht der Arbeiterklasse. Dieser Sprachgebrauch dient der DKP ebenso zur Verschleierung ihrer in Wahrheit verfassungsfeindlichen Zielsetzung wie ihre Beteuerung, sie \"wirke auf dem Boden des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland\" und erstrebe die \"grundlegende Umgestaltung auf der Basis der demokratischen Prinzipien und Rechte des Grundgesetzes\". In Wirklichkeit sieht die DKP im Grundgesetz nur eine disponible Basis f\u00fcr ihren Kampf. Die Grundrechte versteht sie nicht als Garantie eines Freiheitsraumes f\u00fcr jeden B\u00fcrger, sondern als Legitimation und Auftrag f\u00fcr die Arbeiterklasse, die bestehende Ordnung zu beseitigen und den Sozialismus und eine sozialistische Verfassung zu erk\u00e4mpfen. Ihr Bekenntnis, auf dem Boden des Grundgesetzes zu stehen, ist nur vor dem Hintergrund des marxistisch-leninistischen Demokratieverst\u00e4ndnisses zu verstehen. Die System\u00fcberwindung will die DKP unter den gegenw\u00e4rtigen Umst\u00e4nden grunds\u00e4tzlich mit systemkonformen Mitteln erreichen. Gleichwohl betont sie im Mannheimer Programm von 1978, da\u00df es von der Kraft der Arbeiterklasse, der Stabilit\u00e4t ihrer B\u00fcndnisse mit anderen \"demokratischen Kr\u00e4ften\", der St\u00e4rke ihrer revolution\u00e4ren Partei, insbesondere aber von den \"Formen des Widerstandes der Reaktion\" abh\u00e4ngig sei, wie sich dieser Weg konkret gestalten werde. Diese \u00c4u\u00dferungen der DKP lassen erkennen, da\u00df auch weiterhin von einer prinzipiellen Gewaltbereitschaft der Partei auszugehen ist. Der DKP-Vorsitzende Mies hatte bereits 1981 erkl\u00e4rt: \"Das demokratische Widerstands18","recht, das Grundrecht der arbeitenden Menschen, ihre Interessen zur Geltung zu bringen und die entsprechenden Kampfformen zu w\u00e4hlen, entspricht vollauf den demokratischen Prinzipien des Grundgesetzes. ... Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht. Wo Macht vor Recht geht, da mu\u00df man sich gegen die Macht des Unrechts wehren. ... Da fragt man nicht lange: Darf man denn das? Da sollte man in der Tat wahre Demokratie wagen\". F\u00fcr die DKP ist die Gewaltanwendung somit eine Frage politischer Opportunit\u00e4t. Ihre Zur\u00fcckhaltung bei gewaltt\u00e4tigen Aktionen beruht lediglich auf dem Bestreben, sich im Rahmen der von ihr verfolgten B\u00fcndnispolitik \"koalitionsf\u00e4hig\" zu machen. Bemerkenswert waren und sind in diesem Zusammenhang die Stellungnahmen der DKP zu linksextremistisch motivierten terroristischen Aktionen. Die Partei erkl\u00e4rte, diese seien aus einem \"verst\u00e4ndlichen Ha\u00df\" entstanden. Wenn beim Hungerstreik inhaftierter RAFMitglieder \"Gefangene\" st\u00fcrben, dann s\u00e4\u00dfen die M\u00f6rder in \"Justizsesseln\" und \"Regierungsb\u00e4nken\". Sie unterschieden sich nicht von jenen, die auf \"Schleyer und andere geschossen haben\". Diese \u00c4u\u00dferung wirft ein bezeichnendes Licht auf die Einstellung der DKP zur verfassungsm\u00e4\u00dfigen Ordnung, deren ma\u00dfgebliche Repr\u00e4sentanten sie als potentielle \"M\u00f6rder\" bezeichnet. Jeden Realit\u00e4tsbezug hat die DKP mit ihren Kommentaren zum Terroranschlag auf Prof. Dr. Karl-Heinz Beckurts und dessen Fahrer Eckart Groppler am 9. Juli in Stra\u00dflach verloren. So behaupteten Mitarbeiter des DKP -Parteivorstandes, von dem Attentat k\u00f6nnten vor allem jene \"guten Gebrauch\" machen, die ah \"neuen Sicherheitsgesetzen\" basteln und die Regierungskoalition stabilisieren wollten; es werde der \"Terroristenhysterie\" dienen und f\u00fcr eine \"lange Wahlkampfzeit\" eingesetzt werden. Zudem handle es sich bei dem \"Mordanschlag\" um ein perfektes Verbrechen, das zu perfekt gewesen sei, um nicht zu enth\u00fcllen, wem es n\u00fctze: den \"SDI-Einpeitschem\" und den \"Bef\u00fcrwortern der Sicherheitsgesetze\". Es werde genutzt, um die politische Opposition zu \"kriminalisieren\" und zu \"verunglimpfen\". Die in diesen Erkl\u00e4rungen zum Ausdruck kommende groteske Unterstellung, der Mord an Prof. Dr. Beckurts und seinem Fahrer habe im Interesse staatlicher Stellen gelegen, zeigt, da\u00df die DKP bei ihren propagandistischen Bem\u00fchungen, die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung und ihre Repr\u00e4sentanten zu verunglimpfen, vor nichts zur\u00fcckschreckt. In den Reden und Beschl\u00fcssen auf dem 8. Parteitag, der vom 2. bis 4. Mai unter dem Motto \"F\u00fcr eine neue Politik -- atomwaffenfreie Welt und Arbeit f\u00fcr alle\" in Hamburg stattfand, wurde wiederholt die wachsende B\u00fcndnisf\u00e4higkeit der DKP hervorgehoben. Demnach sei die DKP \"keine isolierte Kraft\" mehr; sie sei \"eine Partei, die sich in die Akzeptanz, in das Ansehen, in das Vertrauen aller demokratischen Kr\u00e4fte hineingearbeitet\" habe. Sie werde \"anerkannt\" wegen ihres nicht geringen Anteils an der Entwicklung der \"Friedensbewegung\"; sie werde \"gesch\u00e4tzt\" wegen ihres Einsatzes in \"Arbeiterk\u00e4mpfen\" ; sie genie\u00dfe \"Hochachtung\" als \"aktive Erbin\" des \"Antifaschismus\"; ihre Politik sei zum Teil schon von anderen Parteien und Bewegungen aufgegriffen worden. In den verabschiedeten \"Thesen des 8. Parteitags\" setzte sich die DKP eingehend mit den Bedingungen der \"Aktionseinheit der Arbeiterklasse\" sowie den darauf aufbauenden \"breiten demokratischen B\u00fcndnissen\" auseinander. Nach Aussage des DKP-Vorsitzenden Mies auf dem 8. Parteitag sei bedeutsam, da\u00df \"Arbeiterund Friedensbewegung\" enger zusammenr\u00fcckten. Das \"partnerschaft19","liehe Zusammenwirken von Sozialdemokraten, Kommunisten, Gr\u00fcnen, Christen\" werde \"immer mehr zu einer Selbstverst\u00e4ndlichkeit\". Zunehmend setze sich die Erkenntnis durch, da\u00df nicht \"sozialpartnerschaftliches Wohlverhalten\", sondern \"k\u00e4mpferische Interessenvertretung\" notwendig sei; sozialen Frieden k\u00f6nne es in einem kapitalistischen Land nicht geben. Mies sprach sich f\u00fcr einen aktiven Wahlkampf aus, der das eigenst\u00e4ndige Wirken mit der Werbung f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der \"Friedensliste\" verbinde. Aus Anla\u00df des 30. Jahrestages des Verbots der ehemaligen verfassungswidrigen Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) durch das Bundesverfassungericht am 17. August 1956 erkl\u00e4rte das DKP-Pr\u00e4sidium, das \"rechtswidrige\" Verbotsurteil sei eine \"Kampfansage der reaktion\u00e4ren und militaristischen Kr\u00e4fte\" gegen die \"Bewegung zur Verhinderung der Remilitarisierung\" gewesen und habe der \"Durchpeitschung der Wiederaufr\u00fcstung\" gedient. Es sei zugleich \"Auftakt zur Unterdr\u00fcckung und Verfolgung zahlreicher demokratischer Organisationen\" und zur \"Aush\u00f6hlung des Grundgesetzes\" gewesen. Gegenw\u00e4rtig werde das Urteil als \"willkommener Kn\u00fcppel\" gegen die \"sozialen Bewegungen\" genutzt; es behindere die \"kraftvolle Entfaltung der Friedensbewegung\" und bilde die Grundlage f\u00fcr die \"verfassungswidrigen Berufsverbote\". Schlie\u00dflich solle mit ihm die Verbreitung der \"wissenschaftlichen Weltanschauung der Arbeiterklasse\", d.h. des Marxismus-Leninismus als \"verfassungsfeindlich\" diskriminiert werden. Deshalb m\u00fcsse das KPD-Verbotsurteil aufgehoben werden. 2.2.2 Steuerung der DKP durch die SED und KPdSU Die DKP wird von der SED angeleitet und umfassend unterst\u00fctzt. Die in den \"Thesen zum 8. Parteitag -- Neue Fragen des Kampfes f\u00fcr Frieden und Arbeit -- f\u00fcr eine demokratische Wende\" angesprochene Verbundenheit beider Parteien sicherten auch 1986 zahlreiche Arbeitsgespr\u00e4che zwischen SEDund DKP-Funktion\u00e4ren. Sie dienen einer umfassenden Kontrolle der DKP durch die SED. Zust\u00e4ndig ist daf\u00fcr die sogenannte \"Westabteilung\" beim Zentralkomitee (ZK) der SED. Den Bezirksorganisationen der DKP sind jeweils Bezirksorganisationen der SED als \"Patenbezirke\" zugewiesen. In Bayern sind dies f\u00fcr die DKP-Bezirksorganisation Nordbayern der SED-Bezirk Suhl und f\u00fcr die DKPBezirksorganisation S\u00fcdbayern der SED-Bezirk Gera. Zur Festlegung des Kurses der DKP und zur Abstimmung aktueller \"Kampfaufgaben\" wird j\u00e4hrlich zwischen den F\u00fchrungen von SED und DKP ein Rahmenplan festgelegt, innerhalb dessen die SEDund DKP-Bezirksorganisationen ihre j\u00e4hrlichen schriftlichen Vereinbarungen \u00fcber die Zusammenarbeit treffen. Die intensiven Kontakte zeigten sich auch 1986 in zahlreichen Reisen von DKP-Funktion\u00e4ren und -Mitgliedern in die DDR. So reiste eine DKP-Delegation unter F\u00fchrung des DKP-Vorsitzenden Mies zum 11. Parteitag der SED, der vom 17. bis 21. April in Berlin (Ost) stattfand. Mies betonte in seiner Gru\u00dfansprache die \"\u00dcberlegenheit des Sozialismus gegen\u00fcber dem Kapitalismus\" und ging auf die \"konstruktive Politik der DDR\" ein, die diesen \"Friedensstaat\" als \"wirkungsvollen und un\u00fcbersehbar stabilen Faktor des Friedens\" darstelle. Es sei ein \"geschichtliches Gl\u00fcck\", da\u00df es diesen \"ersten sozialistischen Staat auf deutschem Boden\" gebe. In der Bundesrepublik Deutschland m\u00fcsse erst 20","eine \"Politik zugunsten einer friedlichen, demokratischen und sozial gerechten Entwicklung\" durchgesetzt werden. Deshalb gehe es um die weitere St\u00e4rkung der DKP, die Entwicklung der Aktionseinheit von Kommunisten und Sozialdemokraten, um das B\u00fcndnis aller demokratischen Kr\u00e4fte unseres Landes. Unterst\u00fctzung gew\u00e4hrte die SED der DKP auch dadurch, da\u00df sie Einrichtungen in der DDR f\u00fcr die Schulung, F\u00f6rderung und Betreuung westdeutscher Kommunisten zur Verf\u00fcgung stellt. F\u00fcr verdiente Kader der DKP organisiert und finanziert die SED Urlaubs-, Krankenhausund Kuraufenthalte in der DDR. Zahlreiche Unterlagen der DKP werden in die DDR verbracht und dort in SEDArchiven aufbewahrt, insbesondere Unterlagen \u00fcber DKP-Mitglieder. Umgekehrt wurde eine gro\u00dfe Zahl einreisender \"DDR-Reisekader\" festgestellt, die im Rahmen der \"Westarbeit\" der SED einen Auftrag im Bundesgebiet zu erf\u00fcllen haben. Zu den Reisekadern z\u00e4hlen neben Funktion\u00e4ren der SED und der sogenannten DDR-Massenorganisationen, die Kontakte zur DKP und den ihr nahestehenden Organisationen durch Gespr\u00e4che und Vortr\u00e4ge pflegen, auch Wissenschaftler, die neben ihrem eigentlichen beruflichen Auftrag politisch agitieren und Informationen gewinnen sollen. Die DDR-Reisekader haben \u00fcber Reiseverlauf und Gespr\u00e4che ausf\u00fchrliche Berichte anzufertigen, die von der SED und dem Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit (MfS) der DDR ausgewertet werden. Die strikte Anbindung der DKP an die SED macht auch die Ver\u00f6ffentlichung der DKP ih ihrem Zentralorgan \"Unsere Zeit\" (UZ) zum 25. Jahrestag der Errichtung der Berliner Mauer deutlich, die u.a. Ausz\u00fcge aus einer Rede des SED-Generalsekret\u00e4rs Erich Honecker enthielt. Danach habe die Mauer den \"imperialistischen Kreisen die Grenze ihrer Machtaus\u00fcbung\" gezeigt und die \"Existenz eines zweiten deutschen Staates\" sichtbar gemacht. Sie habe die Kriegsgefahr verhindert und die \"Bl\u00fctentr\u00e4ume\" von einer \"Wiederbefreiung der Zone\" zerst\u00f6rt. Zugleich sei eine \"notwendige Voraussetzung\" f\u00fcr den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft in der DDR und f\u00fcr die Entspannung in Europa geschaffen worden. Die unkritische \u00dcbernahme dieser Argumentation durch die DKP macht deutlich, in welchem Ma\u00df die Partei an die Politik der SED gebunden ist. Auch die Steuerung der DKP durch die KPdSU kommt in zahlreichen Kontakten zum Ausdruck. Gemeinsam mit f\u00fchrenden Funktion\u00e4ren der KPdSU weihten der DKP-Vorsitzende, der Vorsitzende der Sozialistischen Einheitspartei Westberlins (SEW) und der SED-Generalsekret\u00e4r in Moskau am 3. Oktober ein Emst-Th\u00e4lmann-Denkmal ein. Mies w\u00fcrdigte auf dem Moskauer Ernst-Th\u00e4lmann-Platz das Wirken des \"gro\u00dfen deutschen Kommunisten\", bei dem in enger Verbundenheit mit der UdSSR Aktionseinheit und Einheitsfront gegen Faschismus und Krieg im Mittelpunkt seines Denkens und Handelns gestanden h\u00e4tten. Die DKP-Veranstaltungsreihe \"Woche des realen Sozialismus\" fand in diesem Jahr vom 8. bis 13. September mit Vertretern der KPdSU, der SED und erstmals auch der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PVAP) statt. Die KPdSU hatte vier Mitarbeiter ihres Zentralkomitees, die SED vier Wissenschaftler der Akademie der Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED und die PVAP zwei Parteifunktion\u00e4re und zwei \"Publizisten\" entsandt. Auf Veranstaltungen in 21","mehreren St\u00e4dten des Bundesgebietes, darunter in Augsburg, Hof, Ingolstadt, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und W\u00fcrzburg informierten die Parteiaktivisten \u00fcber \"neue Beitr\u00e4ge der sozialistischen L\u00e4nder zur Sicherung des Friedens und zur weiteren Entfaltung der sozialistischen Gesellschaft\". An den Veranstaltungen in Bayern beteiligten sich ca. 450 Personen. Vom 8. bis 10. Oktober fand in Moskau eine Konferenz des \"Instituts f\u00fcr internationale Arbeiterbewegung\" statt, an der eine vierk\u00f6pfige DKP-Delegation teilnahm, darunter der M\u00fcnchner DKPFunktion\u00e4r Professor Horst Holzer. Thematisch behandelte die Konferenz ein breites Spektrum \"wissenschaftlicher\" und \"politisch-strategischer\" Fragen der heutigen \"Arbeiterbewegung\". Das Ausma\u00df der Abh\u00e4ngigkeit der DKP von der KPdSU wird aus ihrer Erkl\u00e4rung zum Reaktorunfall in Tschernobyl am 26. April deutlich: Der Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl l\u00f6se Betroffenheit aus. Er sei jedoch nicht \"mit Harrisburg und der langen Reihe von St\u00f6rf\u00e4llen auch in bundesdeutschen Kernkraftwerken\" zu vergleichen, bei denen \"nachweislich\" technische Sicherheitsstandards aus \"Profitgr\u00fcnden\" nicht beachtet worden seien. Derartige Gr\u00fcnde seien in der Sowjetunion \"ausgeschlossen\", denn die \"sozialistische Gesellschaftsordnung\" tue alles, um die \"Sicherheit von Produktion und Arbeit\" zu gew\u00e4hrleisten. Die \"wichtigste Mahnung\" des Unfalls von Tschernobyl bestehe darin, vor allem die milit\u00e4rische Anwendung der Kernenergie f\u00fcr immer zu verhindern; daf\u00fcr habe die Sowjetunion weitreichende Vorschl\u00e4ge gemacht. 2.2.3 Anforderungen an das DKP-Mitglied In der Brosch\u00fcre mit dem Titel \"F\u00fcr die Neuen -- Blick in die DKP\", die anl\u00e4\u00dflich des Parteibildungsjahres 1986/1987 herausgegeben wurde, fordert die DKP die strikte Unterordnung der Mitglieder unter die kollektive Leitung: \"Die Kommunistische Partei ist ein Kampfbund von Gleichgesinnten. Jede Genossin und jeder Genosse ist freiwillig diesem Kampfbund beigetreten. Wir wissen, da\u00df wir hier keine Vorteile oder Privilegien zu erwarten haben. Wir handeln aus \u00dcberzeugung f\u00fcr die als richtig erkannte Sache, f\u00fcr die Befreiung der Menschheit von Ausbeutung und Krieg. Die St\u00e4rke einer kommunistischen Partei liegt in ihrer Kollektivit\u00e4t. Kollektiv handeln hei\u00dft, gemeinsam und einheitlich handeln. Die zentrale Leitung koordiniert die Kr\u00e4fte. Sie hat das Gesamtinteresse stets im Auge. Sie stimmt das Wirken der Kommunistinnen und Kommunisten auf allen Ebenen des Klassenkampfes sowohl politisch, \u00f6konomisch als auch ideologisch ab. Durch die zentrale Leitung kommt der gemeinsame Wille der Mitglieder und der Funktion\u00e4re zum Ausdruck\". Laut DKP-Statut hat das Mitglied die Pflicht: -- sich f\u00fcr die Verwirklichung der beschlossenen Politik einzusetzen und sie im gesellschaftlichen Leben aktiv zu vertreten, -- seine Kenntnisse durch das Studium des wissenschaftlichen Sozialismus zu vervollkommnen und sich mit den Beschl\u00fcssen der Partei vertraut zu machen, , -- die Publikationen der Partei zu lesen und f\u00fcr ihre Verbreitung t\u00e4tig zu sein, -- der Partei gegen\u00fcber aufrichtig zu sein, die eigene Arbeit kritisch zu beurteilen und durch sein Verhalten das Ansehen der Partei zu f\u00f6rdern. 22","Nach Ansicht der DKP ist man Kommunist \u00fcberall, am Arbeitsplatz, im Wohngebiet, in der Familie. Die richtige Haltung der Kommunisten besteht nach Ansicht der Partei darin, offen und konsequent den kommunistischen Standpunkt zu vertreten, initiativreich und geduldig die Politik der Aktionseinheit zu verfechten, in B\u00fcndnissen \"aktiv und partnerschaftlich\" zu wirken, sich als \"die besten, entschiedensten, uneigenn\u00fctzigsten Vertreter des Volksinteresses\" zu erweisen und \"aktiv bei der Gewinnung neuer Mitglieder und der Verbreitung und Gestaltung der DKP-Presse mitzuwirken\". Kommunist sein hei\u00dfe, aus Klassenbewu\u00dftsein ein disziplinierter K\u00e4mpfer der Partei der Arbeiterklasse zu sein, hei\u00dfe qualitativ gut, gewissenhaft, diszipliniert am Arbeitsplatz, in der Schule, in den Hochschulen, in der Elternvertretung, in der parlamentarischen Vertretung, \"im sogenannten normalen Leben\" zu sein. Bereits in der kapitalistischen Gesellschaft erwerbe der Genosse in der Gemeinschaft der Partei eine eigene \"proletarische Klassenmoral\", die im Gegensatz zur \"b\u00fcrgerlichen Moral\" stehe, welche \"heuchlerisch\", \"doppelb\u00f6dig\" und \"menschenfeindlich\" sei. Die Erf\u00fcllung dieser Anforderungen an die \"proletarische Moral\" wird u.a. im Rahmen einer von Zeit zu Zeit stattfindenden Umtauschaktion der Mitgliedsb\u00fccher \u00fcberwacht. Vor der letzten Ausgabe neuer Mitgliedsb\u00fccher 1983 wurden mit jedem \"Genossen\" intensive und individuelle Gespr\u00e4che gef\u00fchrt, um das Mitglied voll auf die Linie der Partei einzuschw\u00f6ren. Entsprechend den Leninschen Gedanken zum Parteiaufbau sieht sich die DKP nicht als Massenorganisation, sondern als Elite. Diese f\u00fchrende Elite von Revolution\u00e4ren denkt f\u00fcr das Proletariat und soll das Proletariat zur \"Freiheit\" f\u00fchren. Dadurch kommt zum Ausdruck, da\u00df die gro\u00dfe Mehrzahl der Anleitung durch Mitglieder des F\u00fchrungskaders, der Kommunistischen Partei, bedarf, die aus der \"Masse\" herausragen und zur F\u00fchrung bef\u00e4higt sind. Das Parteimitglied hat als Berufsrevolution\u00e4r die Aufgabe, politische Unzufriedenheit durch Propaganda und Agitation zu wecken und so eine revolution\u00e4re Situation vorzubereiten. Da\u00df diese Zielsetzung mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung nicht vereinbar ist, liegt auf der Hand. 2.2.4 Organisation Die DKP hatte 1986 rund 42.000 (1985 40.000) Mitglieder. In Bayern gab es Ende 1986 unver\u00e4ndert 3.100 DKP-Mitglieder. Auf dem 8. Parteitag im Mai 1986 bezifferte die DKP die Zahl ihrer Mitglieder mit 57.802 (7. Parteitag 1984 50.482). Die Mitgliederwerbeaktion im Rahmen des \"Ernst-Th\u00e4lmann-Aufgebots\", von der die Partei bis zum 30. M\u00e4rz 1986 einen Mitgliederzuwachs in H\u00f6he von 20 Prozent erwartete, wirkte sich nur geringf\u00fcgig aus. Die DKP gliedert sich im Bundesgebiet in zw\u00f6lf Bezirksorganisationen. Diese sind in Kreisbzw. Gebietsorganisationen unterteilt, die die Grundorganisationen, n\u00e4mlich die Orts-, Stadtteil-, Wohngebiets-, Betriebsund Hochschulgruppen zusammenfassen. Bayern ist in die Bezirksorganisationen Nordund S\u00fcdbayern aufgeteilt. Auf dem 8. Parteitag der DKP im Mai 1986 wurde Herbert Mies erneut als Parteivorsitzender best\u00e4tigt. Stellvertretende Parteivorsitzende wurde Ellen Weber. Die DKP-Delegierten w\u00e4hlten in den Parteivorstand 92 Mitglieder, darunter 8 aus Bayern. Auf seiner konstituierenden Sitzung w\u00e4hlte der Parteivorstand 23","19 Mitglieder in das Pr\u00e4sidium und 14 in das Sekretariat. Nach dem Bericht der Mandatspr\u00fcfungskommission geh\u00f6rten von den 879 anwesenden Delegierten des Parteitags 72,7% zur \"Arbeiterklasse\", 6,3% zur \"Intelligenz\" und 6,0% zur \"weiteren mittelst\u00e4ndischen Schicht\". F\u00fcr den Rest der Delegierten (15 %) fehlten entsprechende Angaben. Von der Gesamtzahl der Delegierten sollen nach dem Bericht 642 Personen \"Betriebs\"bzw. Gewerkschaftsfunktionen aus\u00fcben, davon 55 Personen als Betriebsratsoder Personalratsvorsitzende, 123 Personen als Mitglieder von Betriebsoder Personalr\u00e4ten und 204 \"Genossinnen und Genossen\" als gewerkschaftliche Vertrauensleute. In Bayern sind Vorsitzender bzw. stellvertretender Vorsitzender im DKP-Bezirk Nordbayern Herbert Stiefvater und Arthur Preischl, im Bezirk S\u00fcdbayern Walter Listl und Heinrich Horrelt. Entwicklung der Mitgliederzahlen der DKP in Bayern Mitglieder 1970 1972 1974 1976 1978 1980 1982 1984 1986 3500 3000 2500 2000 1500 1000 500 Die DKP ist in ihrer inneren Struktur nach dem marxistisch-leninistischen Prinzip des \"demokratischen Zentralismus\" aufgebaut. Nach diesem Prinzip des hierarchischen Parteiaufbaus werden die Organe und Funktion\u00e4re jeder Ebene durch die n\u00e4chst niedrigere Ebene gew\u00e4hlt, wobei eine Abwahl praktisch ausgeschlossen ist. Die Willensbildung findet dann jedoch von oben nach unten statt, d.h. Beschl\u00fcsse sind f\u00fcr nachgeordnete Parteigliederungen absolut verbindlich. Damit ist folgerichtig das strikte Verbot jeder Fraktionsbildung verbunden. Die Einhaltung dieser Grunds\u00e4tze des demokratischen Zentralismus ist f\u00fcr die DKP keineswegs blo\u00dfes historisches Lippenbekenntnis. Ein DKPParteivorstands-Mitarbeiter schrieb in der UZ, nur eine \"im Wollen einheitliche Partei\" k\u00f6nne auch im Handeln geschlossen auftreten. Jegliche \"Fraktionsbildung\" sei nach Lenin unvereinbar mit der Mitgliedschaft in einer kommunistischen Partei. Empfehlungen \"kritischer Kommunisten\", in der DKP auch \"Fraktionen\" zuzulassen, habe die Partei zur\u00fcckgewiesen. In ihrem Anfang September 1986 nach dem Parteiengesetz ver\u00f6ffentlichten Rechenschaftsbericht wies die DKP f\u00fcr 1985 Einnahmen in H\u00f6he von 24","20,1 Mio DM (1984: 19,2 Mio DM) aus, davon 9,3 Mio DM an Mitgliedsbeitr\u00e4gen und 8 Mio DM an Spenden. In dem Spendenbetrag sind sechs Einzelspenden von 20.000 DM und mehr in einem Gesamtbetrag von 538.300 DM enthalten. 1985 sind f\u00fcr die DKP-Bezirksorganisation Nordbayern 865.804,40 DM (1984:853.274 DM), f\u00fcr die DKP-Bezirksorganisation S\u00fcdbayern 863.368,35 DM (1984: 822.640 DM) an Gesamteinnahmen ausgewiesen. Zwar behauptet die DKP, sie finanziere sich ausschlie\u00dflich aus diesen Einnahmequellen. Tats\u00e4chlich war sie aber auch 1986 nicht in der Lage, die Ausgaben f\u00fcr den aufwendigen Parteiapparat, die zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen sowie die umfangreiche publizistische Agitation aus dem eigenen Parteiaufkommen zu bezahlen. Es liegen Anhaltspunkte daf\u00fcr vor, da\u00df die DKP 1986 f\u00fcr ihre Parteiarbeit, ihre Nebenorganisationen und die von ihr gef\u00f6rderten Verlage, Publikationen usw. wieder Zusch\u00fcsse von mehr als 60 Mio DM aus der DDR erhalten hat. 2.2.5 B\u00fcndnispolitik Die sogenannte \"B\u00fcndnispolitik\" ist zentraler Bestandteil der Gesamtpolitik der DKP und ihrer Nebenorganisationen. Sie beruht auf marxistisch-leninistischer Strategie und Taktik. Die DKP geht aufgrund ihrer Analyse der Wirtschaftsund Gesellschaftsordnung davon aus, da\u00df sich der \"staatsmonopolistische Kapitalismus\" in der Bundesrepublik Deutschland voll entwickelt habe. Wegen der dadurch eingetretenen Polarisierung zwischen der \"kleinen Gruppe von Konzernherren und Multimillion\u00e4ren\" und der \"\u00fcberw\u00e4ltigenden Mehrheit des Volkes\" sei die Zusammenfassung aller \"antimonopolistischen\" Kr\u00e4fte um die Arbeiterklasse objektiv m\u00f6glich, aber auch \"unerl\u00e4\u00dflich\" f\u00fcr die Durchsetzung des \"gesellschaftlichen Fortschritts\", also f\u00fcr die Erreichung des sozialistischen Zieles. Nicht zuletzt im Hinblick auf ihr schwaches W\u00e4hlerpotential ist die DKP bestrebt, B\u00fcndnisse mit nicht-kommunistischen Kr\u00e4ften in der \"Aktionseinheit der Arbeiterklasse\" und in einem \"breiten, antimonopolistischen B\u00fcndnis\" zu schaffen und damit eine Massenwirkung zu erreichen. Au\u00dferdem versucht sie, mit der B\u00fcndnispolitik demokratische Kr\u00e4fte an die Partei heranzuf\u00fchren. F\u00fcr eine erfolgreiche Politik der \"Aktionseinheit und des demokratischen B\u00fcndnisses\" ist es f\u00fcr die DKP \"von erstrangiger Bedeutung\", die \"tiefe Kluft\" zwischen der \"objektiven Lage der vom Monopolkapital ausgebeuteten und bedr\u00e4ngten Klassen und Schichten einerseits und ihrer Erkenntnis durch die Betroffenen andererseits\" zu \u00fcberwinden. Der Parteivorstand ver\u00f6ffentlichte im M\u00e4rz 1983 die \"Grunds\u00e4tze kommunistischer B\u00fcndnispolitik, das Herzst\u00fcck Leninscher Strategie und Taktik\". Darin hei\u00dft es, -- die DKP m\u00fcsse \"aktiv und initiativ\" in den Bewegungen mitarbeiten, um Einflu\u00df nehmen zu k\u00f6nnen; -- die DKP trete f\u00fcr \"gleichberechtigte\" Zusammenarbeit ein, bei der alle B\u00fcndnispartner sich auf gemeinsame Forderungen (Minimalkonsens) einigen sollten; -- die DKP wirke in B\u00fcndnissen f\u00fcr die \"Arbeiterinteressen\", denn die Arbeiterklasse sei die entscheidende Kraft; -- die \"Herstellung der Aktionseinheit\", vorrangig von Kommunisten und Sozialdemokraten, bleibe Kernst\u00fcck der Politik der DKP; 25","-- die DKP sei unver\u00e4ndert bem\u00fcht, punktuelle B\u00fcndnisse zu umfassenderen antimonopolistischen B\u00fcndnissen zu erweitern; -- die DKP lehne die Zusammenarbeit mit \"maoistischen Organisationen\" ab; sie werde sich wegen der Beteiligung maoistischer \"Restgruppen\" jedoch nicht aus \"breiten demokratischen B\u00fcndnissen\" zur\u00fcckziehen; -- die DKP m\u00fcsse auch in B\u00fcndnissen ihre \"Selbst\u00e4ndigkeit\" bewahren; ihre Mitglieder d\u00fcrften nicht \"im B\u00fcndnis aufgehen\", denn ein Verzicht auf Selbst\u00e4ndigkeit bedeute das \"Ende einer kommunistischen Partei\"; -- Kommunisten sollten -- durch Schulung bef\u00e4higt -- in den Bewegungen mit \"offenem Visier\" mitwirken, denn ein Verbergen der kommunistischen Identit\u00e4t gebe nur antikommunistischen Verleumdungen Nahrung. M\u00f6gliche B\u00fcndnispartner sieht die DKP in \"Sozialdemokraten, Gewerkschaftern, Gr\u00fcnen und Alternativen, Umweltsch\u00fctzern, Frauenbewegungen, Christen, sozialen Liberalen, Sozialisten, Ausl\u00e4ndergruppen und Linkskr\u00e4ften\". Im Abschnitt \"Neue Fragen der Aktionseinheitsund B\u00fcndnispolitik\" der vom 8. Parteitag der DKP beschlossenen \"These 23\" wird die Bedeutung der kommunistischen B\u00fcndnispolitik als \"wichtiges Instrument\" zur Erf\u00fcllung der historischen Mission der Arbeiterklasse, \"des Sturzes der kapitalistischen Ordnung und Durchf\u00fchrung der sozialistischen Revolution\", hervorgehoben. Darin hei\u00dft es u.a.: \"In den j\u00fcngeren Generationen konnten militanter Antisowjetismus und Antikommunismus, obrigkeitsstaatliches und antidemokratisches Denken zur\u00fcckgedr\u00e4ngt werden.... Der au\u00dferparlamentarische Kampf erhielt eine neue Qualit\u00e4t ... Trotz komplizierter Kampfbedingungen haben die Arbeiterk\u00e4mpfe seit Beginn der achtziger Jahre zugenommen ... Das Zusammenwirken von Arbeiterbewegung und Friedensbewegung hat beachtliche Fortschritte gemacht ... Die Z\u00fcr\u00fcckdr\u00e4ngung der Sozialpartnerschaftsideologie, die St\u00e4rkung des Klassenbewu\u00dftseins und der Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse sind wichtige Voraussetzungen f\u00fcr den Stopp der reaktion\u00e4ren Wendepolitik f\u00fcr demokratischen und sozialen Fortschritt... Es ist zu positiven Ver\u00e4nderungen in der Haltung der SPD zu Frieden und Abr\u00fcstung gekommen ... Von gro\u00dfer Bedeutung ist auch die Entwicklung der gr\u00fcnalternativen Str\u00f6mung; denn mit den Gr\u00fcnen ist eine radikaldemokratische Partei entstanden ... Die Zusammenf\u00fchrung der Friedensbewegung mit der Arbeiterbewegung ist heute und f\u00fcr die Zukunft zu einer Schl\u00fcsselfrage f\u00fcr den erfolgreichen Kampf um Frieden und gesellschaftlichen Fortschritt geworden\". Als Erfolg ihrer Politik betrachtet es die DKP, da\u00df sie den \"aktivsten Kern der Kr\u00e4fte\" in der \"Friedensbewegung\" und in den \"sozialen K\u00e4mpfen\" als neue Mitglieder gewonnen habe. Die \"Zuversicht\" der DKP in die \"anhaltende St\u00e4rke der Friedensbewegung\" sei best\u00e4tigt worden. Bemerkenswert sei aber auch das viel \"gr\u00f6\u00dfere Engagement der Gewerkschaften\" gewesen. In einem Schreiben an den 89. Deutschen Katholikentag in Aachen vom 10. bis 14. September bekr\u00e4ftigte der DKP-Vorsitzende Mies die Bereitschaft zum Dialog und solidarischen Meinungsstreit \u00fcber grunds\u00e4tzliche weltanschauliche und politische Unterschiede zwischen Christen und Kommunisten. Denn dies sei f\u00fcr beide Seiten \"n\u00fctzlich und lehrreich\". Im Rahmen der B\u00fcndnispolitik tritt die DKP h\u00e4ufig nicht unmittelbar als Initiator in Erscheinung, sondern bedient sich der von ihr beeinflu\u00dften Organisationen. 26","Ein Beispiel daf\u00fcr ist die enge Zusammenarbeit der DKP-Nebenorganisation MSB Spartakus mit dem Sozialistischen Hochschulbund (SHB). Der SHB, der in Bayern etwa 70 Mitglieder hat, betreibt eine Politik der \"gewerkschaftlichen Orientierung\", wobei er f\u00fcr ein langfristiges strategisches B\u00fcndnis mit den orthodoxen Kommunisten eintritt und die Errichtung der \"antimonopolistischen Demokratie\" als \"\u00d6ffnung des Weges zum Sozialismus\" anstrebt. Nicht zuletzt geht es der DKP bei der B\u00fcndnispolitik auch um eine gezielte Mitgliederwerbung. In einem internen Rundschreiben hei\u00dft es dazu: \"Bei jeder Unterschriftenliste wird auch ausgewertet, ob weitere Gespr\u00e4che speziell zur Mitgliedschaft m\u00f6glich sind, jede Aktion mu\u00df so angelegt sein, auch an Adressen von weiteren Interessenten heranzukommen\". 2.2.5.1 Aktionseinheit Als \"Kernst\u00fcck\" ihrer B\u00fcndnispolitik sieht die DKP die Herbeif\u00fchrung der \"Aktionseinheit der Arbeiterklasse\". Damit versucht sie, ein Zusammenwirken von \"Arbeitern, Angestellten und Beamten, deutschen und ausl\u00e4ndischen Kollegen, sozialdemokratischen und kommunistischen, christlichen und parteilosen Arbeitern\" zu erreichen. Im Rechenschaftsbericht 1986 des Parteivorstandes hei\u00dft es zur \"gewachsenen B\u00fcndnisf\u00e4higkeit\" der DKP u.a., da\u00df die DKP zur Verwirklichung ihrer Forderungen und zur \"Abl\u00f6sung der Rechtskoalition\" auf die \"Zusammenarbeit der Kr\u00e4fte links von der CDU/CSU\" setze. In der internationalen kommunistischen Zeitschrift \"Probleme des Friedens und des Sozialismus\" wird die Aktionseinheitspolitik der DKP erl\u00e4utert. Darin werden die DKP-Mitglieder aufgefordert, \"beharrlich\" die \"neuen M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Aktionseinheit der Arbeiterklasse\" auszusch\u00f6pfen. Dazu seien \"politische Flexibilit\u00e4t\" und \"ideologische Standfestigkeit\" erforderlich. Auf dem 8. Parteitag der DKP wurde darauf hingewiesen, da\u00df sich die Aktionseinheit von Kommunisten und Sozialdemokraten verbessert habe. Nach der Aussage eines DKP-Pr\u00e4sidiumsmitglieds wurden \"beim Abbau von Trennendem zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten durch das Hervorheben gemeinsamer Interessen keine Zugest\u00e4ndnisse an reformistische Positionen gemacht: \"Unser Zugehen auf Sozialdemokraten dient stets der revolution\u00e4ren Aufgabenstellung\". Der DKP-Vorsitzende Mies hatte bereits 1982 an die \"SPDF\u00fchrung\" appelliert, angesichts der \"Rechtskoalition\" und des \"Generalangriffs\" auf die Rechte der Arbeiter und ihrer Gewerkschaften ihr Verh\u00e4ltnis zur DKP zu \u00fcberdenken und den \"Unvereinbarkeitsbeschlu\u00df\" aufzuheben; dieser Beschlu\u00df sei in den \"Betrieben ohnehin nicht beachtet\" worden. Nach Auffassung eines Pr\u00e4sidiumsmitglieds der DKP sei trotz der \"sogenannten Unvereinbarkeitsbeschl\u00fcsse\" der SPD-F\u00fchrung gegen die DKP die \"Mauer\" zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten \"an vielen Teilen durchbrochen\"; die Zusammenarbeit vollziehe sich \"innerhalb der Friedensbewegung, der antifaschistischen Bewegung, in Betrieben und Gewerkschaften\". Die politischen Bedingungen in der Bundesrepublik Deutschland produzierten auch \"mehr und mehr neue Ansatzpunkte f\u00fcr die Aktionseinheit\". In einem \"Gespr\u00e4ch\" mit der Redaktion der \"Marxistischen Bl\u00e4tter\", dem theoretischen Organ der DKP, bekr\u00e4ftigte ein Mitglied des DKP-Parteivorstandes erneut den Willen der Partei zur \"Aktionseinheit\" mit der SPD. Die DKP strebe 27","\"unbeirrbar\" die Zusammenarbeit mit der SPD an. Ihr Verh\u00e4ltnis zur SPD werde seit jeher von einem \"untr\u00fcglichen Ma\u00dfstab\" bestimmt; die DKP unterst\u00fctze alles, was im \"Interesse des arbeitenden Volkes\" liege. Der Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der SPD werfe der DKP zu Unrecht vor, sie habe versucht, Mitglieder der SPD gegen den Willen der SPD-F\u00fchrung f\u00fcr gemeinsame Aktionen zu gewinnen und die SPD-F\u00fchrung zu isolieren. \"Oft genug\" habe sich die DKP \"ausdr\u00fccklich und unmittelbar\" an den SPD-Parteivorstand gewandt. Die DKP betrachte sich im \u00fcbrigen nicht als \"Vollstrecker der Verbote des SPDParteivorstandes gegen die Zusammenarbeit von Sozialdemokraten und Kommunisten\". Die Anbiederung an die SPD wird auch aus einem UZ-Artikel deutlich. Danach habe die SPD die wesentlichen Forderungen der \"Friedensbewegung\" aufgegriffen. Auch die Kommunisten m\u00fc\u00dften anerkennen, da\u00df die SPD mit den friedenspolitischen Positionen ihres N\u00fcrnberger Parteitages f\u00fcr die gegenw\u00e4rtige Situation in Europa eine den Interessen der Bundesrepublik Deutschland entsprechende, klare Alternative zur \"Bonner Regierung\" aufgezeigt habe. Die Atmosph\u00e4re zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten \"sei vielerorts und auf verschiedenen Ebenen entspannter und konstruktiver\" geworden. Besondere Bedeutung mi\u00dft die DKP der Arbeit in Gewerkschaftsgremien auf allen Ebenen bei, weil sie in den Gewerkschaften die \"breiteste und umfassendste Klassenorganisation der Arbeiter, Angestellten und Beamten\" sieht. Sie betont, f\u00fcr jeden Kommunisten sei es \"selbstverst\u00e4ndliche Pflicht\", \"ein aktiver Gewerkschafter zu sein und f\u00fcr die Verwirklichung der den Interessen der Arbeiterklasse dienenden Gewerkschaftsbeschl\u00fcsse zu k\u00e4mpfen\". Sie beh\u00e4lt sich damit allerdings vor, selbst zu entscheiden, welche Beschl\u00fcsse dies sind. Ihr Ziel ist, in Gewerkschaften Einflu\u00df zu gewinnen und sie zu treuen \"B\u00fcndnisorganisationen\" zu machen. Sie setzt sich daf\u00fcr ein, dem Antikommunismus in den Gewerkschaften keinen Raum zu geben und die \"Grunds\u00e4tze der Einheitsgewerkschaften strikt zu beachten\". Nach Auffassung der DKP sollen die Einheitsgewerkschaften nicht \"St\u00fctze f\u00fcr ein br\u00fcchiger werdendes kapitalistisches System\", sondern \"Kraftzentrum zur Durchsetzung der Klasseninteressen der Arbeiter, Angestellten und Beamten\" sein. Die DKP befolgt getreu die Anweisung Lenins an die Kommunisten, in die Gewerkschaften einzutreten, in ihnen zu bleiben und in ihnen um jeden Preis kommunistische Arbeit zu leisten. Etwa 75 % der DKP-Mitglieder sind nach Darstellung der Partei gewerkschaftlich organisiert; rund 10% nehmen gewerkschaftliche Funktionen und Aufgaben der betrieblichen Mitbestimmung wahr. Der Intensivierung der Gewerkschaftsarbeit der DKP dienen die in allen DKPBezirken t\u00e4tigen \"Marxistischen Betriebsarbeiterschulen\", das \"Institut f\u00fcr Marxistische Studien und Forschungen e.V.\" (IMSF) sowie die \"NachrichtenVerlags-GmbH\" mit Sitz in Frankfurt am Main. Diese verlegt fast ausschlie\u00dflich Publikationen zu gewerkschaftlichen, betrieblichen sowie sozialund wirtschaftspolitischen Themen, u.a. die monatlich erscheinenden \"Nachrichten zur Wirtschaftsund Sozialpolitik/Gewerkschaftsspiegel\". Dem Herausgeberkreis geh\u00f6ren acht Personen an, darunter drei Mitglieder des DKP-Parteivorstandes und drei weitere DKP-Funktion\u00e4re auf Landesebene. Unter dem Motto \"F\u00fcr Arbeitspl\u00e4tze und eine Welt ohne Atomwaffen\" forderte die DKP zum 1. Mai ihre Mitglieder und alle \"Kolleginnen und Kollegen\" auf, 28","sich in der \"Auseinandersetzung um die existentiellen Grundrechte der Arbeiterund Gewerkschaftsbewegungen\" solidarisch zu zeigen. Die DKP sprach in ihrem Zentralorgan von bundesweit mehr als 70 Veranstaltungen zum \"Kampftag gegen Kapital und Kabinett\". Die Arbeiter m\u00fc\u00dften am 1. Mai unter der Losung demonstrieren \"Statt Weltraumwaffen Arbeitspl\u00e4tze schaffen! Die Hochr\u00fcstung stoppen, damit Geld f\u00fcr soziale Zwecke frei wird\". Die DKP-gesteuerte Monatsschrift \"NACHRICHTEN\" hat in mehreren Artikeln die Erwartungen der orthodoxen Kommunisten an den 13. ordentlichen DGBKongre\u00df (25. bis 31. Mai 1986) formuliert. Der verantwortliche Redakteur, Mitglied des DKP-Bezirksvorstandes Hessen, forderte dort eine \"Abrechnung mit der Koalition von Kabinett und Kapital\". Die Einzelgewerkschaften m\u00fc\u00dften verpflichtet werden, ihren \"Kampf verst\u00e4rkt fortzusetzen\". Mit einer \"konkreten Beschlu\u00dffassung\" sei \"schon heute\" f\u00fcr das Jahr 2000 die \"30-Stunden-Woche\" anzuvisieren. Als \"unverst\u00e4ndlich\" wurde ein Antrag der IG Bergbau und Energie kritisiert, in dem der Kampf um Frieden \"mit der Bek\u00e4mpfung des Kommunismus\" verquickt werde. Dagegen habe die gr\u00f6\u00dfte Einzelgewerkschaft bereits 1983 festgestellt, auch \"Kommunisten\" h\u00e4tten \"ihren Platz in der IG Metall\". Diesen Beschlu\u00df solle sich der DGB-Kongre\u00df \"zu eigen machen\". Ein weiterer \"Nachrichten\"-Redakteur kritisierte den Antrag der IG Chemie-Papier-Keramik, als \"B\u00fcndnispartner\" der Gewerkschaften k\u00e4men keine Organisationen in Betracht, die in \"totalit\u00e4ren Gesellschaftssystemen\" oder \"undemokratischen Staatsformen\" ihr Vorbild s\u00e4hen. In derselben Nummer der \"Nachrichten\" versicherte ein Mitglied des DKP-Pr\u00e4sidiums, die DKP unterst\u00fctze gewerkschaftliche Aktionen \"nicht nur verbal\". Vielmehr st\u00fcnden \"alle\" ihre Mitglieder bei Arbeitsniederlegungen und Demonstrationen \"Seite an Seite mit sozialdemokratischen Kollegen und Kolleginnen aktiv in den vorderen Reihen\". In \"mehreren regionalen Bereichen\" habe es zwischen den Gewerkschaften und der DKP \"Absprachen f\u00fcr den gemeinsamen Widerstand gegen den SS 116 AFG\" gegeben. Nun sei auch der Bundesvorstand des DGB gefordert, mit der DKP \"Koordinierungsgespr\u00e4che\" zu f\u00fchren. Die DKP mobilisierte bundesweit ihre Anh\u00e4nger zum \"Aktionstag\" des DGB gegen die \u00c4nderung des SS 116 Arbeitsf\u00f6rderungsgesetz (AFG) am 6. M\u00e4rz mit Parteiaktivtagungen, Sonderveranstaltungen und verst\u00e4rkter publizistischer T\u00e4tigkeit. Ein DKP-Pr\u00e4sidiumsmitglied sprach in einem Kommentar von einer \"Volksbewegung gegen Kapital und Kabinett\" in \u00fcber \"250 Orten und St\u00e4dten\". Es sei eine Manifestation der Arbeiterklasse gewesen, die bereit und willens sei, zu k\u00e4mpfen. Der kommunistischen Presse zufolge fanden zahlreiche betriebliche und au\u00dferbetriebliche Aktionen statt. Anh\u00e4nger der DKP verteilten bei DGB-Versammlungen DKP-Flugbl\u00e4tter und -Kleinzeitungen, u.a. mit dem Titel \"H\u00e4nde weg vom Streikrecht -- alle Kraft der gewerkschaftlichen Aktion!\". In M\u00fcnchen wurden Plakate demokratischer Parteien mit einem DKPPlakat \"Kabinett und Kapital wollen uns an die Leine nehmen. SS 116 -- Streikrecht verteidigen -- Aussperrung verbieten! DKP\" \u00fcberklebt. Der stellvertretende DKP-Vorsitzende rief dazu auf, mit aller Energie gegen die geplante \u00c4nderung des SS 116 AFG zu k\u00e4mpfen, denn \"wo Recht zu Unrecht gemacht werden soll, wird Widerstand zur Pflicht\". Nach Ansicht der DKP sei der \"An29","schlag auf das Streikrecht\" nur ein Teil des \"gro\u00dfen Rundumschlags bestimmter Volksvertreter und ihrer Auftraggeber.\" Das \"engere Zusammengehen von politischer und gewerkschaftlicher Arbeiterbewegung und der Friedensbewegung habe jedoch Fr\u00fcchte getragen, der l\u00e4hmende Antikommunismus habe weiter an Boden verloren\". Ein DKP-Pr\u00e4sidiumsmitglied rief in einem UZ-Artikel dazu auf, m\u00f6glichst fr\u00fch \"offensiv\" mit der Argumentation f\u00fcr die 35-Stunden-Woche zu beginnen. \"Mit Recht\" werde in den Gewerkschaften \u00fcber die \"wirkungsvollsten Formen des Arbeitskampfes\" in der anstehenden Tarifrunde diskutiert. Dazu z\u00e4hlten die \"Ausdehnung der neuen Beweglichkeit, rollende Streiks ... Betriebsbesetzungen, Streik am Arbeitsplatz u.a.\". Es sei viel Aktivit\u00e4t und Argumentation notwendig, um die besten Startbedingungen f\u00fcr die Tarifk\u00e4mpfe zu erreichen. Dabei seien vor allem auch die Kommunisten gefordert. Der DKP-Vorsitzende hob hervor, da\u00df die \"Entfaltung sozialer K\u00e4mpfe\" als \"massenmobilisierendes Gegengewicht zur sozialen Demagogie\" der \"Rechtskoalition\" auch im Hinblick auf den Wahlkampf bedeutsam sei. Die \"Arbeitsk\u00e4mpfe\" forderten die Kommunisten heraus, \"Klassenbewu\u00dftsein\" zu verbreiten. Ein Mitglied des DKP-Pr\u00e4sidiums begr\u00fc\u00dfte in einem Brief an den DGB-Vorsitzenden die Wahlpr\u00fcfsteine des DGB zur Bundestagswahl 1987. In einer ausf\u00fchrlichen Stellungnahme in der UZ vom 29. Oktober sicherte die DKP den Gewerkschaften \"volle Unterst\u00fctzung\" zu; sie werde \"wie in der Vergangenheit stets solidarisch an ihrer Seite\" stehen. Sie unterst\u00fctze auch die gewerkschaftliche Forderung nach Mitbestimmung auf allen Ebenen. Allerdings sei die Mitbestimmung \"kein Instrument der Partnerschaft zwischen Kapital und Arbeit\". Es gehe vielmehr um \"die Kontrolle der betrieblichen, wirtschaftlichen und politischen Macht\", um \"weitere antimonopolistische Reformen\" und letztlich um \"eine Ver\u00e4nderung der politischen Machtverh\u00e4ltnisse\". 2.2.5.2 Volksfrontpolitik Bei ihren Bem\u00fchungen, ein \"breites antimonopolistisches B\u00fcndnis\", eine sogenannte Volksfront zu bilden, wendet sich die DKP vor allem an Intellektuelle, an b\u00fcrgerliche Kreise bis hin zu mittleren Unternehmen. Sie will diese Personenkreise in B\u00fcndnisse gegen das \"Monopolkapital\" einbeziehen, seien sie auch \"sachlich und zeitlich noch so begrenzt\". Daher arbeite sie \"aktiv in demokratischen Bewegungen, B\u00fcrgerinitiativen und B\u00fcndnissen mit\". Im Rahmen der Volksfrontpolitik f\u00fchrt die DKP Kampagnen vor allem mit Hilfe der von ihr beeinflu\u00dften Organisationen durch und greift Forderungen auf, die auch von demokratischen Gruppen vertreten werden. Dabei versucht die DKP jedoch, propagandistisch einen Bezug zwischen diesen tagespolitisch bestimmten, aktuellen Forderungen und ihren langfristigen kommunistischen Zielsetzungen herzustellen. In seinem Kommentar zum Jahreswechsel 1985/86 umri\u00df der DKP-Vorsitzende die wichtigsten Felder der Volksfrontpolitik. Die DKP werde dazu beitragen, da\u00df es zu \"gemeinsamen und eindrucksvollen Manifestationen\" gegen die \"Militarisierung des Weltraums\" komme. Dar\u00fcber hinaus m\u00fc\u00dften die \"Arbeiterk\u00e4mpfe\" gegen Arbeitslosigkeit, \"Sozialdemontage\" und den \"Abbau demokratischer Rechte\", wie der Einschr\u00e4nkung des Streikrechts 30","Atombomben explodieren wieder in denUSA Wahnsinn ! Teststopp jetzt ! DKP -- -- . verst\u00e4rkt fortgesetzt werden. Dazu werde die DKP \"solidarische Unterst\u00fctzung\" leisten. Als \"Schl\u00fcsselproblem der internationalen Sicherheit\" bezeichnete die DKP die \"Militarisierung des Weltraums\", die \"Raketenstationierung\" und die \"Hochr\u00fcstung\". Die Kampagne gegen die NATO-Nachr\u00fcstung wurde im Jahr 1985 im Anschlu\u00df an Tagungen der Au\u00dfenund Verteidigungsminister der 31","Warschauer-Pakt-Staaten erweitert um die Kampagne gegen die \"Militarisierung des Weltraums\". Die DKP versucht auch bei diesem Thema mit \"Massenaktionen\" ihre politischen Vorstellungen zu \"popularisieren\" und ihre \"B\u00fcndnisf\u00e4higkeit\" zu demonstrieren. Es gilt das b\u00fcndnispolitische Konzept: \"Gemeinsames Betonen -- Trennendes zur\u00fcckstellen\". Mit dieser \"Minimalkonsensstrategie\" kann die DKP zwar ihrerseits z.B. bei Aktionen der \"Friedensbewegung\" nur einen Teil ihrer Forderungen propagieren. Andererseits kann sie damit verhindern, da\u00df nichtkommunistische Gruppen der \"Friedensbewegung\" Positionen artikulieren, die mit den Zielen der DKP nicht \u00fcbereinstimmen. Wie im Vorjahr ging der Einflu\u00df der orthodoxen Kommunisten bei der Organisation und Durchf\u00fchrung der \"Osterm\u00e4rsche\" weit \u00fcber ihre zahlenm\u00e4\u00dfige Beteiligung an der \"Friedensbewegung\" hinaus. Dem Aufruf zur Teilnahme am \"Ostermarsch\" M\u00fcnchen, der unter dem Motto stand \"Schlu\u00df mit dem R\u00fcstungswahnsinn: Keine Beteiligung an der Weltraumr\u00fcstung! Keine Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf und anderswo!\" folgten am 30. M\u00e4rz etwa 4.000 Personen. Nach Ansicht eines Mitglieds des Sekretariats des DKP-Parteivorstandes h\u00e4tten \"die Ostermarschinitiativen\" zugleich ein \"B\u00fcndniskonzept\" zur verst\u00e4rkten Einbeziehung von \"Organisationen der Arbeiterklasse\" entwickelt. Damit seien die wesentlichen Voraussetzungen f\u00fcr eine \"alle Friederiskr\u00e4fte umfassende, bundesweite Kampagne gegen die Militarisierung des Weltraums\", den \"R\u00fcstungswahnsinn\" und die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAW) vorhanden. Auch aus dieser Erkl\u00e4rung werden die Bem\u00fchungen der DKP im Rahmen ihrer Volksfrontpolitik ihre verschiedenen B\u00fcndnispartner zu integrieren, deutlich. Es ist auch ein Erfolg der B\u00fcndnispolitik der DKP, da\u00df der \"gro\u00dfe Ratschlag\" der \"Friedensbewegung\" am 16.IM. Juni 1985 in K\u00f6ln den Kampf gegen die \"US-Weltraummilitarisierung\" entsprechend den Priorit\u00e4ten der DKP an die erste Stelle seiner Protestthemen gesetzt hat. Der DKP-Vorsitzende Mies nannte die \"Anbindung der Au\u00dfenund Sicherheitspolitik an das Pentagon das gr\u00f6\u00dfte Sicherheitsrisiko der Bundesrepublik\". Nur die nationalen Sicherheitsinteressen und nicht das Pentagon d\u00fcrften f\u00fcr die Au\u00dfenpolitik der Bundesrepublik Deutschland mitbestimmend sein. Diese Politik erfordere einen \"Proze\u00df des Abbaus der station\u00e4ren atomaren Mittelstreckenraketen und Marschflugk\u00f6rper und der Absage an C-Waffen\". Ein weiterer Schwerpunkt der B\u00fcndnispolitik der DKP waren ihre Kampagnen gegen die Arbeitslosigkeit. Nach Aussagen des DKP-Parteivorstandes dekken sich die Vorstellungen der DKP \"in wachsendem Ma\u00dfe mit den Auffassungen von Gewerkschaften, Sozialdemokraten und demokratischen Wissenschaftlern\". \"Gemeinsame Betroffenheit und Interessenlage\" h\u00e4tten zu \"Verst\u00e4ndigung und zum Zusammenwirken von sozialdemokratischen, kommunistischen, christlichen und parteilosen Gewerkschaftskollegen gef\u00fchrt\". In einer im Januar 1986 ver\u00f6ffentlichten Brosch\u00fcre \"Forderungen zum Kampf gegen die Massenarbeitslosigkeit\" nennt der DKP-Vorstand \"sieben Schritte\" im Kampf gegen die \"Massenarbeitslosigkeit\": \"100-Milliarden-Sofort-Programm\", \"35-Stunden-Woche\", \"h\u00f6here Reall\u00f6hne, Renten und Sozialleistungen\", \"Einschr\u00e4nkungen der \u00dcberstunden\", \"Einf\u00fchrung einer Ausbildungspflicht\", \"gesetzliches Verbot von Massenentlassungen und Betriebsverlagerungen ins Ausland\" und \"Erh\u00f6hung des Arbeitslosengeldes\". Nach Ansicht des DKP32","Vorsitzenden nimmt auch der \"Kampf gegen Massenarbeitslosigkeit und f\u00fcr Besch\u00e4ftigungsprogramme zunehmend den Charakter einer umfassenden Bewegung\" an. Da\u00df es der DKP nur vordergr\u00fcndig um die Bek\u00e4mpfung der Arbeitslosigkeit geht, macht eine \u00c4u\u00dferung des Sprechers des DKP-Parteivorstandes im \"DKP-Ratgeber f\u00fcr Arbeitslose -- Tips und Argumente\", Februar 1986, klar. Er stellte fest, da\u00df zur Durchsetzung des Rechts auf Arbeit \"dieses kapitalistische System \u00fcberwunden\" und damit der \"Weg f\u00fcr eine sozialistische Gesellschaftsordnung freigemacht werden mu\u00df\". Soziale Sicherheit k\u00f6nne erst mit dem Aufbau einer sozialistischen Gesellschaftsordnung durchgesetzt werden. Dies k\u00f6nne nur durch den \"gemeinsamen Kampf von Arbeitslosen und Besch\u00e4ftigten gegen den erbitterten Widerstand der Unternehmer und ihrer Bonner Regierung erreicht\" werden. Auch auf dem 8. Parteitag im Mai 1986 in Hamburg hat die DKP den Kampf gegen die Massenarbeitslosigkeit als eine Schwerpunktaufgabe hervorgehoben. Insbesondere den Jahrestag des Ende des 2. Weltkriegs nahm die DKP zum Anla\u00df, ihre \"Antifaschismus-Kampagne\" zu betreiben. Der Kampf gegen den \"Faschismus\" ist f\u00fcr die DKP eine taktische Variante ihres Kampfes f\u00fcr den Sozialismus. Die gesellschaftlichen Wurzeln, aus denen der Faschismus hervorgegangen sei, seien nicht beseitigt, da es dem Monopolkapital gelungen sei, \"in der heutigen Bundesrepublik\" seine Macht wiederherzustellen. Der \"antifaschistische Kampf\" lehre, da\u00df \"Kampf gegen Faschismus und Krieg\" zugleich \"Kampf gegen Antikommunismus und Antisowjetismus\" bedeute. Das Schlagwort \"antifaschistischer Kampf\" wird von der DKP vorgeschoben, um damit B\u00fcndnispartner zu gewinnen, die mit ihrer Ideologie im \u00fcbrigen nicht \u00fcbereinstimmen. Nach wie vor wurde auch die Kampagne gegen die \"Berufsverbote\" betrieben. Auf dem 8. Parteitag der DKP wurde deshalb die Beseitigung der \"Berufsverbote\" zur \"Wiederherstellung demokratischer Rechte\" gefordert. Die Bundesregierung und einige L\u00e4nderregierungen wurden aufgefordert, nicht an der \"verfassungswidrigen Berufsverbotepolitik\" festzuhalten. Nach Aussage eines DKP-Pr\u00e4sidiumsmitglieds sieht die DKP die Chance, das \"Berufsverbot ganz weg zu kriegen\". Sie werde deshalb nicht das Bundesverfassungsgericht anrufen, zumal sich dessen \"Zweifelhaftigkeit im Sinne des Grundgesetzes\" erwiesen habe. Die DKP werde sich vielmehr mit der \"Bewegung gegen die Berufsverbote\" noch st\u00e4rker als bisher an die \u00d6ffentlichkeit wenden und auf ihre Unterst\u00fctzung vertrauen. Auch in die Proteste gegen den Bau der Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAW), Landkreis Schwandorf, schaltete sich die DKP ein. Bei einer Demonstration am 7. Januar in M\u00fcnchen erkl\u00e4rte sich die DKP-Ortsgruppe M\u00fcnchen solidarisch mit den WAW-Gegnern. Der DKP-Bezirksvorstand Nordbayern bezeichnete die polizeiliche R\u00e4umung des H\u00fcttendorfes im Tax\u00f6lderner Forst am 7. Januar als die \"gr\u00f6\u00dfte Polizeiaktion in Bayern seit 1945\". Die \"Verhaftungsaktionen, zahlreiche verletzte Demonstranten und wahllos im Wald verstreute Habseligkeiten\" zeigten deutlich, gegen wen Gewalt angewandt worden sei. \"Der Widerstand\" sei nicht durch Polizeiaktionen zu brechen. Er m\u00fcsse weiter gehen. Dazu sei die \"Unterst\u00fctzung im ganzen Land\" notwendig. Die DKP werde \u00fcberall ihren Beitrag leisten, um den Bau der Wie33","deraufarbeitungsanlage in Wackersdorf zu verhindern. Auf der Bezirksdelegiertenkonferenz f\u00fcr S\u00fcdbayern wurde betont, mit der als Wiederaufarbeitungsanlage \"getarnten Atomfabrik\" in Wackersdorf w\u00fcrden derzeit in Bayern die Weichen f\u00fcr den \"Griff nach der Atombombe\" und die \"Herausbildung \u00fcberm\u00e4chtiger R\u00fcstungskartelle\" gestellt. Im DKP-Zentralorgan \"Unsere Zeit\" (UZ) vom 5: Juni riefen die DKP-Bezirksvorst\u00e4nde Nordund S\u00fcdbayern zu gemeinsamen Aktionen f\u00fcr die f\u00fcr den 7. Juni geplante verbotene Gro\u00dfkundgebung gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAW) auf. Die DKP betonte hierbei, die WAW sei ein \"zentraler Baustein des Bonner Atomprogramms\", der die M\u00f6glichkeit einschlie\u00dfe, den \"Zugang zur Massenfabrikation von Atombomben\" zu sichern. 2.2.6 Publikationen, Verlage und sonstige Propagandatr\u00e4ger Die wichtigste Publikation der DKP ist ihr Zentralorgan \"Unsere Zeit -- Die Zeitung der arbeitenden Menschen -- Zeitung der DKP\" (UZ). Sie erschien an Werktagen in einer Auflage von etwa 24.000 (1985: 25.000). Die St\u00fcckzahl der Wochenendausgabe am Freitag sank auf 46.000 Exemplare (1985: 48.000). m unsere zeit Die Zeitung der arbeitenden Menschen -- Zeitung der DKP 18. Jahrgang Hr. 145 Donnerstag, den 31. Juli 1986 Die orthodoxen Kommunisten in der Bundesrepublik Deutschland verf\u00fcgen seit Jahren \u00fcber einen gro\u00dfen Propagandaapparat mit einem Netz von Verlagen und beachtlicher drucktechnischer Kapazit\u00e4t. Sie sind st\u00e4ndig bem\u00fcht, die Wirkung ihrer \"parteieigenen Medien\" zu verbessern. Auf einer \"medienpolitiPreis 50 Pfennig schen Konferenz\" der DKP am 14./15. Dezember 1985 in Hamburg hatte der Sekret\u00e4r f\u00fcr \u00d6ffentlichkeitsarbeit und Presse des DKP-Parteivorstandes dazu u.a. erkl\u00e4rt: \"Die Arbeiterbewegung, die demokratische Bewegung, die Friedensbewegung brauchen ... Medien, in denen die Wahrheit verbreitet wird, ... Medien als Transportmittel f\u00fcr diejenigen Informationen und Argumente, die wir im tagt\u00e4glichen Klassenkampf, im Kampf um die K\u00f6pfe ben\u00f6tigen\". Gegenw\u00e4rtig versuchen die orthodoxen Kommunisten durch eine Neuordnung des Verlagsnetzes sowohl die Redaktionsarbeit als auch den Vertrieb der Publikationen rationeller und effektiver zu gestalten. Einen ersten Schritt zu einer Konzentration der DKP-gesteuerten Verlage gab es bereits 1983 mit der \u00dcbernahme der M\u00fcnchener \"Damnitz-Verlag GmbH\" durch die Firma \"Plambeck & Co. Druck und Verlag GmbH\" in Neuss. Dort werden das DKP-Zentralorgan \"Unsere Zeit\" (UZ) verlegt und die meisten anderen Publikationen der DKP und der von ihr beeinflu\u00dften Organisationen hergestellt. Bei Plambeck erscheinen jetzt auch die Zeitschriften \"Tendenzen -- Zeitschrift f\u00fcr engagierte Kunst\" und \"k\u00fcrbiskern -- Literatur, Kritik, Klassenkampf\". 34","DKP-Kleinzeitungen DKP-Zeitung fur die Aschaffenburger Bev\u00f6lkerung Zum 1. Juli 1986 \u00fcbernahm Plambeck vom \"Verlag Marxistische Bl\u00e4tter GmbH\" die Verlagsrechte f\u00fcr das theoretische Organ der DKP, die \"Marxistischen Bl\u00e4tter\". Der Verlag \"Marxistische Bl\u00e4tter\" wurde aufgel\u00f6st. Sein sonstiges Programm -- dazu geh\u00f6rten vor allem Schriften f\u00fchrender DKP-Funktion\u00e4re zur Strategie und Taktik der Partei sowie grundlegende Literatur zum Marxismus/Leninismus -- soll k\u00fcnftig auch von Plambeck betreut werden. Die Redaktion der \"Marxistischen Bl\u00e4tter\" k\u00fcndigte nach dem Verlagswechsel an, die Zeitschrift werde ab Januar 1987 monatlich -- bisher zweimonatlich -- erscheinen. Der \"Gebrauchswert\" der Publikation werde zus\u00e4tzlich durch attraktivere formale Aufmachung und ein breiteres Autorenspektrum gesteigert. Als neuer Chefredakteur der \"Marxistischen Bl\u00e4tter\" wurde bereits Ende Mai 1986 Dr. Robert Steigerwald, Mitglied des DKP-Parteivorstandes und dort bisher Leiter der Abteilung Theorie und marxistische Bildung, eingesetzt. Ebenfalls zum I.Juli 1986 \u00fcbernahm Plambeck die Verlagsrechte der kommunistischen Jugendzeitschriften \"elan\", \"rote bl\u00e4tter\", \"Jugendpolitische Bl\u00e4tter\" und \"pionier\", die bisher bei der \"Weltkreis-Verlags-GmbH\" erschienen. Plambeck hatte schon seit Jahren Druck und Vertrieb dieser Zeitschriften organisiert. 35","Anfang Oktober k\u00fcndigten die \"Weltkreis-Verlags-GmbH\", die \"R\u00f6derbergVerlag GmbH\" und der \"Pahl-Rugenstein-Verlag\" ihre Fusion zum I.Januar 1987 an. Nur der Name \"Pahl-Rugenstein\" werde weitergef\u00fchrt. Das neue Unternehmen werde die eingef\u00fchrten Verlagsprogramme aller drei Verlage fortsetzen. Das Programm des \"Pahl-Rugenstein-Verlags\" war schon bisher darauf ausgerichtet, die kommunistische B\u00fcndnispolitik insgesamt zu f\u00f6rdern; er verlegt auch die Zeitschriften \"Bl\u00e4tter f\u00fcr deutsche und internationale Politik\", \"Demokratische Erziehung\", \"demokratisches gesundheitswesen\" und \"Demokratie und Recht\". Zielgruppe des \"Weltkreis-Verlages\" war die Jugend; der \"R\u00f6derberg-Verlag\" war auf Literatur zur kommunistischen \"Antifaschismus\"-Agitation spezialisiert. Nach Abschlu\u00df dieser Konzentration bilden der \"Verlag Plambeck\" und der neue \"Pahl-Rugenstein-Verlag\" das Zentrum des DKP-gesteuerten Verlagsnetzes. Daneben existieren weiterhin die \"Br\u00fccken-Verlag GmbH -- Literaturvertrieb-Import-Export\", die ein umfangreiches B\u00fcchersortiment aus der UdSSR, DDR und anderen sozialistischen Staaten bereith\u00e4lt; der Vertrieb einer solchen \"fortschrittlichen Literatur\" erfolgt \u00fcber etwa 30 dieser Firma angeschlossene \"collektiv\"-Buchhandlungen. Die DKP st\u00fctzt sich ferner auf die \"NachrichtenVerlags GmbH\", die gewerkschaftsbezogene Ver\u00f6ffentlichungen anbietet, auf den Verlag \"plane\" GmbH, der die Musikzeitschrift \"Eiserne Lerche\" herausgibt sowie Schallplatten und Cassetten produziert und vertreibt, auf die \"UNIDOC-Film GmbH\", die Filme verleiht, und auf das \"Institut f\u00fcr Marxistische Studien und Forschungen e.V.\" (IMSF), das als \"Wissenschaftliches Institut\" der DKP auch k\u00fcnftig selbst Berichte und Analysen aus der Sicht des MarxismusLeninismus herausgeben soll. Die Forderungen und Vorschl\u00e4ge der DKP zu aktuellen Themen werden auch in zahlreichen Brosch\u00fcren ver\u00f6ffentlicht. 1986 erschienen u.a. die Brosch\u00fcren \"DKP und Kernkraft\", \"Die freundlichen Extras der UZ\", \"Bildungs-Magazin\", \"F\u00fcr die Rechte der Arbeiterjugend -- Forderungen der DKP\", \"DKP-Ratgeber f\u00fcr Arbeitslose -- Tips und Argumente\", \"Kommunisten und neue Fragen des Kampfes um Demokratie\", \"DKP und die Bundestagswahlen ~ Programmatische Forderungen -- Alle Kraft f\u00fcr eine neue Politik\", \"Sozialpolitische Vorschl\u00e4ge der DKP\", \"Kommunisten und neue Technologien\", \"Forderungen der DKP zu den Landtagsund Bezirkstagswahlen -- Bayern kann nur in Frieden bl\u00fchen!\", \"100-Milliarden-Besch\u00e4ftigungsprogramm -- Forderungen zum Kampf gegen die Massenarbeitslosigkeit\" und \"Programm 2000: Die Abr\u00fcstungsvorschl\u00e4ge Michail Gorbatschows\". Als Erg\u00e4nzung zu den Bildungsmagazinen gab die DKP f\u00fcr neue Mitglieder und Interessenten zum \"Kennenlernen der Partei\" vierteilige Informationsbrosch\u00fcren heraus mit den \u00dcberschriften \"Was will die DKP eigentlich?\", \"Blick in die DKP\", \"Die st\u00e4rkste internationale Kraft\" und \"Unser Kompa\u00df: Der Marxismus\". Gro\u00dfe Bedeutung mi\u00dft die DKP auch ihren Kleinzeitungen bei. 1986 erschienen in Bayern \u00fcber 50 (1985: \u00fcber 60) Kreis-, Orts-, Stadtteilund Wohngebietszeitungen der DKP, viele allerdings nur gelegentlich. Neben \u00f6rtlichen Problemen wurden in der Ausgabe auch bundesweite Themen behandelt. 1986 wurden 33 (1985: 42) Betriebszeitungen bekannt. Etwa ein Drittel von ihnen er36","schien nur sporadisch. Als Anleitung f\u00fcr das Abfassen der Kleinzeitungen verteilte der DKP-Parteivorstand die Brosch\u00fcre \"Info-Dienst\". Die DKP-Bezirksorganisation S\u00fcdbayern gibt f\u00fcr \"Kulturfreunde, -- schaffende und Politiker\" die Monatszeitschrift \"Linke Seiten\" heraus. Ferner ver\u00f6ffentlichte der DKP-Parteivorstand das \"Handbuch f\u00fcr Betriebszeitungen, Wohngebietsund Hochschulzeitungen der DKP\" sowie viertelj\u00e4hrlich die Zeitschrift \"Praxis -- Erfahrungen aus dem Leben und der Arbeit der Partei\". Au\u00dferdem existieren in Bayern \"Libresso\"-Zentren in M\u00fcnchen und in N\u00fcrnberg, die den collektiv-Buchhandlungen im Bundesgebiet angeschlossen sind. Eine propagandistische Steuerungsfunktion kommt auch der im November 1979 gegr\u00fcndeten Marx-Engels-Stiftung e.V. in Wuppertal zu. Sie will der \u00d6ffentlichkeit durch Veranstaltungen, Publikationen und eine eigenst\u00e4ndige Ausstellung \"Kenntnisse \u00fcber die heutige Wirksamkeit der Ideen von Karl Marx und Friedrich Engels\" vermitteln. Stiftungsvorsitzender ist der DKP-Vorsitzende Mies. 2.2.7 Schulung Die DKP betrachtet es als erstrangige ideologische und politische Aufgabe, \"den Arbeitern und anderen Werkt\u00e4tigen Einsichten in die eigene Klassenlage und den unvers\u00f6hnlichen Gegensatz zwischen ihren Klasseninteressen und den Machtund Profitinteressen des Gro\u00dfkapitals zu vermitteln und klassenm\u00e4\u00dfige Erkenntnisse zu vertiefen\". \"Unter den heutigen Bedingungen\" werden von einem aktiven Kommunisten ein \"hohes Ma\u00df an politischer Beweglichkeit und Aufgeschlossenheit gegen\u00fcber allem Neuen, zugleich aber auch st\u00e4ndiges Bem\u00fchen um einen festen politisch-ideologischen und weltanschaulichen Standpunkt\" gefordert. Die DKP versteht sich als \"einzige Partei der Bundesrepublik, die \u00fcber eine einheitliche wissenschaftliche Weltanschauung\" verf\u00fcge, n\u00e4mlich \"die Theorie von Marx, Engels und Lenin\". Das \"erfolgreiche Wirken der Partei\" sei davon abh\u00e4ngig, \"wie die einzelnen Kommunisten und die Partei als Ganzes es verstehen, sich mit dieser Theorie vertraut zu machen, sie sch\u00f6pferisch auf die konkreten Bedingungen des Klassenkampfes anzuwenden und an m\u00f6glichst breite Bev\u00f6lkerungskreise, vor allem an die Arbeiterklasse, heranzutragen\". Die \"Bedeutung der weltanschaulichen und ideologischen Arbeit\" wachse. Die Lehre von Marx, Engels und Lenin vermittle die F\u00e4higkeit, auch in \"schwierigsten Situationen den kommunistischen \u00dcberzeugungen treu zu bleiben\". Jedes Mitglied der DKP m\u00fcsse sich bem\u00fchen, die \"Theorie von Marx, Engels und Lenin zu studieren\". Die \"ideologische Arbeit\" soll das DKPMitglied bef\u00e4higen, \"offensiv und \u00fcberzeugend\" die \"Weltanschauung und Politik\" der Partei zu verbreiten. Ein wichtiger Bestandteil dieser \"Arbeit\" sei die \"Arbeit mit den grundlegenden Dokumenten der Partei\", vor allem mit dem Parteiprogramm, sowie mit den Dokumenten von Parteitagen und Parteivorstandstagungen. Diesen Zielen sowie der Verwirklichung des Selbstverst\u00e4ndnisses der kommunistischen Partei als einer \"Gemeinschaft von Gleichgesinnten\" dient die Intensivschulung der DKP-Mitglieder. Diese umfa\u00dft Schulungsabende und Studienzirkel in den Parteigruppen, Kurse der Marxistischen Abendschulen (MASCH) und der Marxistischen Betriebsarbeiterschulen der DKP sowie Kurse und 37","Lehrg\u00e4nge an der Karl-Liebknecht-Schule der DKP in Leverkusen. Die eigens f\u00fcr Mitglieder der DKP eingerichtete SED-Parteischule \"Franz Mehring\" in Berlin (Ost) und das Institut f\u00fcr Gesellschaftswissenschaften beim Zentralkomitee der KPdSU in Moskau boten auch 1986 Schulungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr DKPFunktion\u00e4re. Die Marxistische Arbeiterbildung -- Vereinigung zur Verbreitung des wissenschaftlichen Sozialismus (MAB) arbeitet mit Bildungsgemeinschaften zusammen, die mit Unterst\u00fctzung insbesondere der DKP-Kreisorganisationen die Marxistischen Abendschulen (MASCH) betreiben. Ihre Kurse, die auch Nichtparteimitgliedern offenstehen, arbeiten auf der Grundlage einer von der MAB herausgegebenen Seminarplansammlung und umfassen das Studium der marxistischen politischen \u00d6konomie und des \"Wissenschaftlichen Sozialismus\", der Grundlage der gesamten marxistisch-leninistischen Doktrin. Mitglieder, die in Betrieben und Gewerkschaften wichtige Funktionen aus\u00fcben oder erlangen sollen, werden in den Marxistischen Betriebsarbeiterschulen der DKP intensiv geschult. Diese Lehrg\u00e4nge haben das Ziel, Betriebsarbeitern eine gr\u00fcndliche und systematische Einf\u00fchrung in die wichtigsten Bereiche des Marxismus-Leninismus zu geben. Neben der theoretischen Schulung wurde Betriebsarbeitern auch 1986 vor allem anhand aktueller Themen wie \"Weltraumwaffen\", \"Friedensarbeit im Betrieb\", \"Soziale Sicherung\" oder \"Sozialistische Zukunft\" in Betriebsarbeiteraussprachen, -beratungen und -Seminaren die Anwendung der kommunistischen Ideologie erkl\u00e4rt. Die Seminare dienten zugleich dazu, in Fortbildungsveranstaltungen zu \"Imperialismustheorie\", \"Stamokap\" und \"Kapitalistische Krise\" theoretische Kenntnisse zu vertiefen und zu aktualisieren. Als gesellschaftsund sozialwissenschaftliches Institut der DKP ist das 1968 gegr\u00fcndete Institut f\u00fcr Marxistische Studien und Forschungen e.V. (IMSF) in Frankfurt a.Main anzusehen. Das IMSF hat die Aufgabe, die Theorie und Methode des \"Wissenschaftlichen Sozialismus auf \u00f6konomische und soziale Prozesse des heutigen Kapitalismus\" anzuwenden. Das IMSF f\u00fchrte am 7. M\u00e4rz in M\u00fcnchen unter dem Thema \"Koalition der Vernunft zur Verhinderung eines Krieges und Friedenspolitik der DDR\" eine Vortragsund Diskussionsveranstaltung durch. Als Referent trat der Direktor des \"Instituts f\u00fcr internationale Politik und Wirtschaft\" (IPW) aus Berlin (Ost) auf. Thema einer internationalen IMSF-Veranstaltung am 31. Mai/1. Juni in K\u00f6ln war \"Verschuldung und Ausbeutung der Dritten Welt und die Rolle der Bundesrepublik\". Mitveranstalter waren die \"Marx-Engels-Stiftung e.V.\" der DKP, zwei DKP-beeinflu\u00dfte Organisationen, das \"Antiimperialistische Solidarit\u00e4tskomitee\" (ASK), die \"Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba\" das DKP-beeinflu\u00dfte \"Antiimperialistische Informationsbulletin\" (AIB) sowie f\u00fcnf Solidarit\u00e4tsgruppen. Zum Thema \"Sozialismus heute Realit\u00e4t -- Theoretische Analyse -- Perspektive\" richtete das IMSF am 21./22. Juni in Frankfurt a.Main eine \"internationale\" Konferenz aus. Als Mitveranstalter trat, erstmalig in der Bundesrepublik Deutschland, auch die Akademie f\u00fcr Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED in Berlin (Ost) auf. Der Leiter des IMSF hob in seinem Referat hervor, das Bild des \"wissenschaftlichen Sozialismus\" m\u00fcsse \"historisch, materialistisch, realistisch und 38","konkret\" vermittelt werden. Er wertete die Konferenz \"als gro\u00dfes, kompaktes Informationsangebot \u00fcber den realen Sozialismus\". Auf der zentralen Veranstaltung der DKP zur Er\u00f6ffnung ihres Parteibildungsjahres 1986/87 am 5. September in Hamburg forderte ein DKP-Pr\u00e4sidiumsmitglied eine \"Intensivierung und Differenzierung\" der innerparteilichen Schulung. Aufgrund \"betr\u00e4chtlicher Fortschritte\" in der Aktionseinheitsund B\u00fcndnispolitik und auch wegen der notwendigen schnellen Eingliederung neuer Parteimitglieder erg\u00e4ben sich f\u00fcr die ideologische Arbeit \"wachsende Anforderungen\". Bislang habe die DKP selbst \"in \u00e4u\u00dferst komplizierten Situationen unter starkem gegnerischen Druck\" ihre \"politische Geschlossenheit\" bewahrt. Davon h\u00e4nge auch k\u00fcnftig ihre \"Kampfkraft\" ab. Auch in der B\u00fcndnispolitik k\u00f6nnten Erfolge nur dauerhaft sein, wenn die DKP ihren Charakter als \"revolution\u00e4re Partei und als untrennbarer Bestandteil der kommunistischen Weltbewegung\" erhalte. Nach einem UZ-Artikel sollen den \"jungen Genossinnen und Genossen\" in neu eingerichteten Viermonatskursen \"elementare Einsichten in die Ziele der Partei\" und deren Rolle als \"Teil der kommunistischen Weltbewegung\" vermittelt werden. Kernst\u00fcck der Parteibildung \"bleiben aber nach wie vor die alle zwei Monate stattfindenden\" Bildungsveranstaltungen \"der Grundorganisation f\u00fcr alle DKP-Mitglieder mit dem Ziel, regelm\u00e4\u00dfig und systematisch und gemeinsam zu lesen und zu lernen\". Zur Unterst\u00fctzung der Bildungsarbeit wurden die vom DKP-Vorstand herausgegebenen \"Bildungshefte\" wesentlich verbessert und in eine \"popul\u00e4re Magazinform\" gebracht. 2.2.8 Betriebsarbeit der DKP Die DKP ist auf dem Gebiet der Betriebsarbeit nach wie vor die f\u00fchrende extremistische Kraft. Der Betrieb ist f\u00fcr sie als \"Ort des allt\u00e4glichen Klassenkampfes\", des -- wie Marx sagte -- elementaren \"Guerillakrieges zwischen Kapital und Arbeit\" das \"wichtigste Kampffeld\". Hier sieht die DKP \"die besten M\u00f6glichkeiten, den Arbeitern die Unvers\u00f6hnlichkeit ihrer Klasseninteressen mit denen der Bourgeoisie bewu\u00dft zu machen\". Die DKP handelt dabei getreu der Devise Lenins: \"Die Agitation unter den Arbeitern besteht darin, an allen spontanen Kampfaktionen der Arbeiterklasse, an allen Zusammenst\u00f6\u00dfen zwischen Arbeitern und Kapitalisten, wegen Arbeitszeit, Arbeitslohn, Arbeitsbedingungen teilzunehmen\". Dementsprechend versucht die DKP intensiv, in den Betrieben in besonderer Weise die Belange der Arbeitnehmerschaft zu \"vertreten\". Die DKP konzentriert sich dabei vor allem auf Gro\u00dfbetriebe. Sie sieht die Organisierung und Kampfkraft der Arbeiter in den Gro\u00dfbetrieben als wichtigsten \"vereinigenden Faktor\". Die industriellen Gro\u00dfbetriebe seien \"die Zentren der \u00f6konomischen Macht des Industrie-, Bankund Finanzkapitals, zugleich aber auch Konzentrationspunkt der Arbeiterklasse und des Klassenkampfes\". Nach Darstellung des DKP-Vorsitzenden Mies haben \"mehrere tausend Mitglieder der DKP betriebliche oder gewerkschaftliche Funktionen\". Sie und die Betriebsgruppen seien ein aktiver Faktor im Leben und Kampf der Arbeiterklasse unseres Landes. Auch 1986 hat die DKP ihre konzernorientierte T\u00e4tigkeit kontinuierlich weitergef\u00fchrt. Nach wie vor steht im Mittelpunkt die Schaffung von Betriebsgruppen und Betriebsaktivs in den Konzernen und Gro\u00dfbetrieben. 39","Zur Koordinierung und Aktivierung der Betriebsarbeit veranstaltete die DKP \u00fcber\u00f6rtliche Beratungen, Seminare und Aussprachen mit Betriebsarbeitern und Funktion\u00e4ren einzelner Wirtschaftszweige, wobei 1986 der Schwerpunkt bei der Elektroindustrie sowie einzelnen Metallbetrieben lag. Erstmals wurden auch Seminare f\u00fcr Besch\u00e4ftigte des \u00f6ffentlichen Dienstes durchgef\u00fchrt. F\u00fcr Betriebsarbeiter, die nicht die M\u00f6glichkeit haben, andere l\u00e4ngerfristige Lehrg\u00e4nge zu besuchen, wurden 1986 kombinierte \"Betriebsarbeiterlehrg\u00e4nge\" an der DKP-Parteischule \"Franz-Mehring\" in Berlin (Ost) angeboten. Diese Schulungen finden in der Urlaubszeit statt und setzen sich aus 14 Tagen Lehrgang und anschlie\u00dfendem 14t\u00e4gigem Urlaub in der DDR zusammen. Tr\u00e4ger der Betriebsarbeit sind vorrangig die Betriebsgruppen, die nach dem Parteistatut wichtigsten Grundorganisationen der Partei. Die wesentliche Aufgabe dieser Betriebsgruppen besteht darin, DKP-Mitglieder in Betriebsr\u00e4ten und gewerkschaftlichen Vertrauensk\u00f6rpern zu unterst\u00fctzen und in Betriebsund Gewerkschaftsversammlungen \"den Standpunkt der Arbeiterklasse \u00fcberzeugend zu vertreten\". Die Bedeutung der Betriebsgruppen unterstreicht die Beschlu\u00dffassung des 8. Parteitags der DKP im Mai 1986: \"Die Betriebsgruppenund Betriebsarbeit der DKP steht in der Tradition und Kontinuit\u00e4t kommunistischer Klassenund Arbeiterpolitik. Die Grundfragen Frieden und Arbeit, der Kampf um demokratische Rechte, um Gewerkschaftsund Arbeiterrechte erfordern das einheitliche, solidarische Handeln der Arbeiterklasse -- das Handeln in Aktionseinheit. Diese Aufgabe wird in einem starken Ma\u00dfe von dem organisierten Wirken der Kommunisten in Betrieben und Verwaltungen bestimmt\". Der DKP-Vorsitzende Mies betonte, da\u00df die Zusammenarbeit der DKP Betriebsgruppen und Betriebsaktivs mit den SDAJ-Betriebsgruppen unerl\u00e4\u00dflich sei. In den Betrieben, in denen die DKP noch keine \"praktische kommunistische Arbeit\" leisten konnte, sollen Betriebsaktivs geschaffen werden, deren erkl\u00e4rtes \"Kampfziel\" es ist, in dem betreffenden Betrieb die Voraussetzung f\u00fcr die Bildung einer Betriebsgruppe zu schaffen. In sie sollen Mitglieder aus Wohngebfetsund Hochschulgruppen zeitweilig delegiert werden, die den \"Genossen des Betriebs alle Hilfe und Unterst\u00fctzung zu geben\" haben. Trotz dieser Bem\u00fchungen hat die DKP ihr Ziel, in allen Gro\u00dfbetrieben mit mehr als 1000 Besch\u00e4ftigten eine Betriebsgruppe oder ein Betriebsaktiv zu schaffen, nicht erreicht. Derzeit bestehen im Bundesgebiet \u00fcber 300 Betriebsgruppen. Die Zahl der in Bayern bekannten Betriebsgruppen betr\u00e4gt 34 (1985: 35). In erster Linie bestehen Betriebsgruppen in Unternehmen der Metallindustrie. Ferner bem\u00fchte sich die DKP verst\u00e4rkt, im \u00f6ffentlichen Dienst t\u00e4tige DKP-Mitglieder lokal zu \"Betriebsgruppen \u00f6ffentlicher Dienst\" zusammenzufassen, was in einigen St\u00e4dten gelungen ist. Die Zahl der \"Betriebsaktivs\" erh\u00f6hte sich auf ca. 35 (1985: 20). Um ihre Arbeit im Betrieb effektiver zu gestalten, gibt die DKP Betriebszeitungen heraus. Die Zahl der in Bayern bekanntgewordenen Betriebszeitungen verringerte sich auf ca. 35. Die DKP betrachtet die Betriebszeitungen als eine der \"sch\u00e4rfsten Waffen der politischen, ideologischen und \u00f6konomischen Aufkl\u00e4rungsarbeit\", als eine \"besondere Form der Betriebsagitation\". Der 8. Parteitag der DKP unterstrich die Bedeutung der Betriebszeitungen als wichtigste 40","Form der \u00d6ffentlichkeitsarbeit. Deshalb werde angestrebt, da\u00df jede Betriebsgruppe und jedes Betriebsaktiv m\u00f6glichst ihre eigene Betriebszeitung haben soll. Am 21. Juni hielt die DKP ihre zweite \"Zentrale Betriebsr\u00e4tekonferenz\" ab, an der sich nach Berichten in der kommunistischen Presse etwa 600 \"Betriebsr\u00e4te, Personalr\u00e4te und Jugendvertreter\" beteiligten. Ein DKP-Pr\u00e4sidiumsmitglied wies im einleitenden Referat auf die Betriebsund Personalratswahlen 1987 hin und befa\u00dfte sich mit den \"Aufgaben der Kommunistinnen und Kommunisten in Betrieben und Verwaltungen\". Die \"Kernfrage\" f\u00fcr die Entwicklung der Kampfkraft in den Betrieben und die \"St\u00e4rkung der Einheitsgewerkschaft\" bleibe das \"gemeinsame Handeln mit den sozialdemokratischen Kolleginnen und Kollegen\". Bei den kommenden Betriebsund Personalratswahlen sei es \"im Interesse einer k\u00e4mpferischen Politik\" die Zahl der kommunistischen Betriebsund Personalr\u00e4te \"kontinuierlich zu entwickeln\". In Arbeitsgruppen diskutierten die Teilnehmer der \"Zentralen Betriebsr\u00e4tekonferenz\" \u00fcber Lohnund Besch\u00e4ftigungspolitik, die Einf\u00fchrung neuer Technologien, die \"Friedensarbeit im Betrieb\" und Ma\u00dfnahmen gegen eine \"Spaltung oder Schw\u00e4chung\" der Einheitsgewerkschaft. Auf die gro\u00dfe Bedeutung der betrieblichen Friedensinitiativen wird im Abschnitt \"Neue Fragen der Aktionseinheitsund B\u00fcndnispolitik\" der Thesen des 8. Parteitags der DKP hingewiesen: \"Die betrieblichen Friedensinitiativen sind ein wichtiges Bindeglied zwischen Friedensbewegung und Arbeiterbewegung. In ihnen verwirklicht sich die Aktionseinheit der Arbeiterklasse in den Betrieben\". In den \"betrieblichen Friedensinitiativen\" wirken viele betriebliche und gewerkschaftliche Mandatstr\u00e4ger mit. \"Die grunds\u00e4tzliche Bedeutung der betrieblichen Friedensinitiative\" liege darin, da\u00df sie die \"Erfahrungen organisierten Handelns der Arbeiterklasse, den langen Atem und die Beharrlichkeit, die im Kampf zwischen Kapital und Arbeit Grundlage von Erfolgen sind, mit in den Friedenskampf einbringen\". F\u00fcr die DKP ist von \"ma\u00dfgeblicher Bedeutung\", da\u00df die \"Friedensbewegung\" noch st\u00e4rker in die Arbeiterklasse einbezogen wird, d.h., eine \"noch engere Verbindung von Friedensbewegung und Arbeiterbewegung\" erreicht wird. 2.2.9 Beteiligung an Wahlen Die DKP beteiligte sich nicht an der Landtagswahl in Bayern am 12. Oktober, sondern unterst\u00fctzte die Kandidaten der \"Friedensliste\", die auf den offenen Listen der \"Gr\u00fcnen\" kandidierten. In einer Analyse der Wahlergebnisse vom 12. Oktober stellte ein DKP-Funktion\u00e4r fest, da\u00df die taktische \u00dcberlegung der DKP, mit Kandidaten der \"Friedensliste\" auf \"offenen Listen\" der Gr\u00fcnen zur Wahl anzutreten, richtig gewesen sei. Bei den gleichzeitig stattfindenden Bezirkstagswahlen in Bayern war die DKP mit Kandidaten auf der \"Liste Freies Wackerland\" im Regierungsbezirk Oberpfalz vertreten, die von dem Schwandorfer DKP-Funktion\u00e4r und Stadtrat Helmut Orlowski angef\u00fchrt wurde. Die \"Liste Freies Wackerland\" erreichte insgesamt 4.216 Erststimmen und 2.270 Zweitstimmen, wobei Orlowski mit 2.130 Gesamtstimmen am besten abschnitt. Im Bezirkstag ist die Liste jedoch nicht vertreten. 41","Die DKP erwartete vom Ausgang der Landtagswahl in Bayern wichtige Impulse auch im Blick auf die angestrebte Abl\u00f6sung der \"Bonner Rechtskoalition\" bei der Bundestagswahl am 25. Januar 1987. Laut eigenen Angaben ging es der DKP insbesondere darum, mit ihrer Kraft einen m\u00f6glichst effektiven Beitrag zur Ver\u00e4nderung des parlamentarischen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisses in Bund und Land zu leisten, f\u00fcr die weitere Einigung der oppositionellen Kr\u00e4fte zu wirken und dazu beizutragen, ihre Forderungen wirksamer in das Parlament zu tragen. Auf einer \"Bundeswahlkonferenz\" der DKP am 13. September in Bottrop bezeichnete der Parteivorsitzende Herbert Mies die Beendigung der \"unberechenbaren Au\u00dfenund sozialreaktion\u00e4ren Innenpolitik\" der Regierungskoalition als ein \"mobilisierendes Ziel\" des Wahlkampfes. Insbesondere die Kommunisten seien berufen, so erkl\u00e4rte Mies vor etwa 250 DKP-Funktion\u00e4ren, f\u00fcr eine \"neue Politik\" zu k\u00e4mpfen; denn sie h\u00e4tten \"klare und realistische Gegenwartsund Zukunftsvorstellungen\". Eine neue Politik k\u00f6nne nur \u00fcber eine \"von der SPD gef\u00fchrte und mit den Gr\u00fcnen in welcher Weise auch immer kooperierende Regierung\" erreicht werden. Die DKP sei \"Verb\u00fcndete\" der SPD und der Gr\u00fcnen. Mies ging auch ausf\u00fchrlich auf die \"vielen Fragen\", \"Besorgnisse und Zweifel\" unter DKP-Mitgliedern \u00fcber die Taktik der Partei f\u00fcr die Bundestagswahl 1987 ein. Hierzu geh\u00f6rten der Verzicht auf die Eigenkandidatur verbunden mit der Empfehlung, die Erststimme Kandidaten der \"Friedensliste\" zu geben und mit der Zweitstimme SPD oder Gr\u00fcne zu w\u00e4hlen. Die \"Hauptforderungen\" der \"Friedensliste\" seien auch Forderungen der DKP und k\u00f6nnten im B\u00fcndnis wirkungsvoller vertreten werden. Die \"Friedensliste\" trage mit dem Verzicht auf Landeslisten dazu bei, eine \"Zersplitterung der Opposition\" zu vermeiden; das beg\u00fcnstige die in den Bundestag einziehenden Oppositionskr\u00e4fte. 2.2.10 DKP-Hochschulgruppen Die DKP-Hochschulgruppen sind Grundeinheiten der DKP, denen alle an einer Hochschule t\u00e4tigen DKP-Mitglieder (Lehrpersonal, Mitarbeiter der Verwaltung und Studenten) angeh\u00f6ren sollen. Ihre Aufgabe ist es, im Bildungsbereich die Voraussetzungen f\u00fcr einen etappenweisen \u00dcbergang von der parlamentarischen Demokratie zum Sozialismus kommunistischer Pr\u00e4gung zu schaffen. Die DKP-Hochschulgruppen steuerten auch 1986 wieder in den bedeutsamen Bereichen die Aktionen des MSB Spartakus. Sie arbeiteten ferner mit anderen linksextremen Studentenorganisationen zusammen, die f\u00fcr \"Mitbestimmung und Demokratisierung\" der Hochschule eintreten. DKP-Hochschulgruppen bestehen in Bamberg, Erlangen-N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen, Regensburg, W\u00fcrzburg und seit kurzem auch in Augsburg. Organ der DKPHochschulgruppen ist die Zeitung \"Kommunist\". Unter diesem Titel erschienen auch ihre Flugschriften. Dar\u00fcber hinaus wurden in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden \u00f6rtliche Publikationen mit \u00e4hnlichen Titeln verbreitet. 2.2.11 Sonstige Aktivit\u00e4ten Bislang nicht genannte Aktivit\u00e4ten der DKP bezogen sich insbesondere auf die Agitationsschwerpunkte \"\u00dcberwachungsstaat\" und Sicherheitsgesetze, Entwicklungspolitik und Ausl\u00e4nderpolitik. 42","Das DKP-Zentralorgan \"Unsere Zeit\" (UZ) wandte sich Anfang 1986 wiederholt in mehreren Artikeln gegen die geplanten \u00c4nderungen des Datenschutzgesetzes sowie gegen die im Bundestag eingebrachten Sicherheitsgesetze. In einem Artikel hie\u00df es hierzu, die Bundesregierung wolle mit den Sicherheitsgesetzen den B\u00fcrger zum \"Freiwild f\u00fcr Polizei und Geheimdienste\" machen. Die DKP forderte die Bundesregierung auf, die Bev\u00f6lkerung \u00fcber die \"Gefahren dieser Gesetze\" umfassend aufzukl\u00e4ren. Es sei unverkennbar, da\u00df die Gesetze einen \"weiteren Schritt in den \u00dcberwachungsstaat\" bedeuteten. Der ehemalige stellvertretende DKP-Vorsitzende forderte \"alle M\u00f6glichkeiten des au\u00dferparlamentarischen und parlamentarischen Drucks\" zu nutzen, um die geplanten Sicherheitsgesetze zu verhindern; diese seien der \"Versuch einer gro\u00df angelegten obrigkeitsstaatlichen totalen \u00dcberwachung der Bev\u00f6lkerung\". Die computerlesbaren Ausweise und die sogenannte \"Schleppnetz-Fahndung\" w\u00fcrden die gesamte Bev\u00f6lkerung einer \"gro\u00df angelegten Totalerfassung\" unterwerfen. \"Die antidemokratischen Blitzgesetze\" zielten ferner darauf ab, die Machtpositionen der herrschenden Monopole, des Gro\u00dfund R\u00fcstungskapitals auszubauen, die Vorrechte der reichen Minderheit zu sch\u00fctzen und notwendige und berechtigte demokratische Gegenwehr einzusch\u00fcchtern\". Die stellvertretende DKP-Vorsitzende Ellen Weber legte am 24. Juli auf einer Pressekonferenz in Bonn den angek\u00fcndigten \"Gesetzentwurf\" f\u00fcr eine \"Charta des Friedens\" vor. Das Papier sei, so berichtete die UZ, dem Pr\u00e4sidium des Bundestages und den Vorst\u00e4nden der Fraktionen zugeleitet worden. Es ziele darauf ab, die Bundesregierung zu verpflichten, einen \"eigenen nationalen und europ\u00e4ischen Beitrag zur Friedenssicherung, Abr\u00fcstung und Entspannung\" zu leisten, f\u00fcr \"Sicherheitspartnerschaft zwischen Ost und West\" einzutreten und sich zur \"friedlichen Koexistenz\" zu bekennen. Die Kernforderungen der \"Charta\" beziehen sich auf: -- Liquidierung der Atomraketen in Europa, -- Einstellung und Verbot von Kernwaffenversuchen, -- Verbot der Militarisierung des Weltraums, -- Beseitigung der chemischen Waffen und -- Reduzierung von Streitkr\u00e4ften und konventionellen R\u00fcstungen. Der DKP-Vorsitzende Herbert Mies stellte auf einer Pressekonferenz am 24. November in Bonn \"Grunds\u00e4tze und Vorschl\u00e4ge der DKP f\u00fcr eine solidarische Entwicklungspolitik\" vor. Er forderte, die \"imperialistische Ausbeutung der Entwicklungsl\u00e4nder durch bundesdeutsche Konzerne und Gro\u00dfbanken\" aufzugeben und die Beziehungen zur Dritten Welt von \"US-amerikanischer Politik des Neo-Globalismus, der Konfrontation und der Hochr\u00fcstung\" abzukoppeln. In ihren \"Grunds\u00e4tzen\" erkl\u00e4rte die DKP, sie werde weiterhin aktiv in der \"antiimperialistischen Solidarit\u00e4tsbewegung\" mitarbeiten, in die sie die \"Erkenntnisse und die orientierende Kraft der marxistisch -leninistischen Imperialismus-Analyse\" einbringe. Unter dem Motto \"H\u00e4nde weg vom Asylrecht\" \"warnte\" die DKP die Bundesregierung vor einer Versch\u00e4rfung des Asylrechts. Es sei eine \"arrogante Anma\u00dfung\", von der DDR eine perfekte Grenzsicherung zur Bundesrepublik Deutschland zu fordern. Die DDR k\u00f6nne in keinem Fall den \"Hilfspolizisten\" f\u00fcr Bonn spielen. Gemeinsam mit anderen demokratischen Kr\u00e4ften verlange die DKP 43","daher: \"Keine Versch\u00e4rfung des Asylrechts! Sofortige Aufhebung aller diskriminierenden und menschenverachtenden Bedingungen der heutigen Asylpraxis! Uneingeschr\u00e4nkte und volle Verwirklichung des politischen Asylrechts wie es im Grundgesetz verankert ist. Schlu\u00df mit der politischen Unterst\u00fctzung von Terrorregimen durch die Bundesregierung!\" Die Flexibilit\u00e4t der DKP bei der Heranziehung tagespolitischer Themen f\u00fcr ihre Allgemeinstrategie zeigt die \u00c4u\u00dferung eines Mitglieds des DKP-Bezirksvorstandes S\u00fcdbayern. Danach verkomme S\u00fcddeutschland nach und nach zu einem \"landwirtschaftlichen Notstandsgebiet\". Aus diesem Grunde m\u00fcsse der Bauernverband endg\u00fcltig mit der \"Wenderegierung\" brechen und auf massive Aktionen hinarbeiten. Es sei nun an der Zeit, von Seiten der DKP in allen Bezirken Bauernversammlungen durchzuf\u00fchren. 2.3 Nebenorganisatiohen der DKP Die DKP wurde auch 1986 in ihren politischen Aktivit\u00e4ten in weiten Bereichen durch ihre Nebenorganisationen unterst\u00fctzt. Diese sind zwar organisatorisch selbst\u00e4ndige Vereinigungen mit eigenen Satzungen und F\u00fchrungsgremien, ordnen sich aber politisch der DKP unter und bekennen sich wie diese zum Marxismus-Leninismus sowjetischer Pr\u00e4gung. Ma\u00dfgebende Funktionen nehmen DKP-Mitglieder wahr. Solche Nebenorganisationen sind wie bisher die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ), der Marxistische Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) und die Jungen Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP). 2.3.1 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Die SDAJ wurde 1968 in Essen gegr\u00fcndet. Sie hat bundesweit etwa 15.000 Mitglieder. In Bayern blieb die Mitgliederzahl mit 1.150 trotz der Festivalstafette zur Werbung von Mitgliedern etwa auf dem Stand von 1985. Die SDAJ, deren Mitglieder zum Teil gleichzeitig der DKP oder von der DKP beeinflu\u00dften Organisationen angeh\u00f6ren, ist nach wie vor die mitgliederst\u00e4rkste Nebenorganisation und zugleich die bedeutendste Kaderreserve der DKP. Mit dieser k\u00e4mpft sie gemeinsam f\u00fcr eine \"sozialistische Ordnung\" in der Bundesrepublik Deutschland nach dem Vorbild der DDR. Nach ihrem \"Aktionsprogramm f\u00fcr die Grundrechte der Jugend\" will die SDAJ die \"sozialistische Bundesrepublik\" im \"entschiedenen Klassenkampf\" erreichen. Sie bekennt sich zu einem Sozialismus nach den Ideen von Marx, Engels und Lenin und will die revolution\u00e4ren Traditionen der Arbeiterjugendbewegung fortsetzen. Auch heute gebe es nicht nur die Notwendigkeit, sondern auch die M\u00f6glichkeit, Massen von Jugendlichen zu jungen Revolution\u00e4ren zu erziehen. Die organisatorische Struktur der SDAJ blieb 1986 unver\u00e4ndert. Es bestehen Landesverb\u00e4nde, die ihrerseits in Kreisverb\u00e4nde und Ortsgruppen unterteilt sind. In Bayern gibt es in Anlehnung an die Organisation der DKP die Landesverb\u00e4nde Franken/Oberpfalz und S\u00fcdbayern. Sprachrohr der SDAJ ist \"elan -- Das Jugendmagazin\". Es erscheint monatlich in einer Auflage von rund 26.000 (1985:23.000) Exemplaren. In Bayern wurden 1986 21 Kleinzeitungen der SDAJ bekannt, davon 8 Betriebszeitungen (1985: 26 Kleinzeitungen, davon 9 Betriebszeitungen). Bundesvorsitzende der SDAJ ist Birgit Radow, ihr Stell44","Entwicklung der Mitgliederzahlen der SDAJ in Bayern Mitglieder 1970 1972 1974 1976 1978 1980 1982 1984 1986 1400 1200 1000 800 600 400 200 Vertreter Hans Georg Eberhard. Die SDAJ ist eine der aktivsten Mitgliedsorganisationen des prosowjetischen Weltbundes der demokratischen Jugend (WBDJ) und pflegt vor allem mit der SED -- Jugendorganisation Freie Deutsche Jugend (FDJ) und der sowjetischen Jugendorganisation \"Komsomol\" \"freundschaftliche Verbundenheit\". Unter dem Motto \"Festival gegen rechts, f\u00fcr die Rechte der Jugend auf Arbeit, Bildung (und) Demokratie\" veranstalteten die SDAJ und der Marxistische Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) am 17./18. Mai in Dortmund ihr f\u00fcnftes \"Festival der Jugend\". Der kommunistischen Presse zufolge hatten \u00fcber 50 L\u00e4nder, darunter die Sowjetunion und die DDR, Gastdelegationen entsandt. Neben der DKP nahmen auch Vertreter der DFG-VK und der \"Friedensliste\" teil. Im Rahmen des Festivals fanden u.a. Informationsund Diskussionsrunden zu Themen wie \"Sicherheitsgesetze\", \"Berufsverbote\" und \"Friedensbewegung wohin?\" statt. Ein \"Antiimperialistisches Tribunal\" verabschiedete eine Abschlu\u00dferkl\u00e4rung, in der zum \"gemeinsamen Mut\" aufgerufen wurde, den \"Imperialismus in die Knie (zu) zwingen\". Die zentrale Ausbildungsst\u00e4tte der SDAJ, die auch von der DKP und den Jungen Pionieren genutzt wird, befindet sich auf Gut Wahrberg in Aurach, Landkreis Ansbach. 1986 fanden dort zahlreiche Lehrg\u00e4nge f\u00fcr Gruppenleiter und Aufbaukurse mit Themen wie \"Einf\u00fchrung in die Werke von Marx, Engels und Lenin\", \"Geschichte der Arbeiterbewegung\", \"Die Frauenpolitik der SDAJ\", \"Globale Probleme\" und \"Wie kann die Menschheit \u00fcberleben?\" statt. Vom 10. bis 17. August veranstaltete die SDAJ dort ihr \"10. Viktor-Jara-Treffen\", an dem sich nach Berichten der kommunistischen Presse etwa 200 \"Laienund Berufsk\u00fcnstler\" beteiligten. In mehreren Arbeitsgruppen befa\u00dften sich die Teilnehmer mit Theater, Tanz, Pantomime, Rockmusik und Politik. Im Mittelpunkt des Treffens standen ein \"Konzert f\u00fcr Chile\", und eine \"Nicaragua-Aktion\" in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone in Ansbach. Mit Schlagworten wie \"Solidarit\u00e4t, wer k\u00e4mpft, hat noch nicht gewonnen, aber wer nicht k\u00e4mpft, hat bereits verloren\" schaltete sich die SDAJ in M\u00fcnchen in 45","STOPPT DIE JUGENDFEINEC GEMEINSAM GEGEN RECHTS den Kampf um Arbeitsund Ausbildungspl\u00e4tze bei einer zwischenzeitlich in Konkurs gegangenen Firma ein. In einer Aktion vor einer M\u00fcnchner Bank wollte die SDAJ auf die \"Schuldigen\" an dem Zusammenbruch des Unternehmens hinweisen. Die \"Kaputtsanierer\" und \"Raubritter\" eines Instituts f\u00fcr Management wurden nach Meinung der SDAJ von der Bank nach M\u00fcnchen geholt, um einen l\u00e4stigen Konkurrenten zu beseitigen und den Markt f\u00fcr das Gro\u00dfkapital zu bereinigen. 46","Die SDAJ sieht gegenw\u00e4rtig \"gro\u00dfe M\u00f6glichkeiten\", Jugendliche \"anzusprechen, zu mobilisieren\" und auch f\u00fcr die \"Mitarbeit\" in der kommunistischen Partei zu \"gewinnen\". Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des SDAJ-Bundesvorstandes \u00fcber das \"Jugendbewu\u00dftsein\". Entscheidend f\u00fcr die Mobilisierbarkeit von Jugendlichen seien \"Betroffenheit und Wut\"; \"wo eine ausstrahlende politische Kraft\" auftrete und wo \"glaubw\u00fcrdige Aktionsformen\" entwickelt w\u00fcrden, n\u00e4hmen Jugendliche \"an K\u00e4mpfen teil\". Dort zeige sich, da\u00df sie \"sehr schnell\" den \"Schritt von der Wut zum Engagement\" vollziehen k\u00f6nnten. Besondere Bedeutung komme daher dem \"Aufschwung der au\u00dferparlamentarischen Bewegungen\" zu, in denen viele Jugendliche \"wichtige Kampferfahrungen\" gesammelt h\u00e4tten. Die SDAJ will ihren Einflu\u00df unter den Sch\u00fclern verst\u00e4rken. In einer Ausgabe der \"Marxistischen Bl\u00e4tter\" unterstreichen ihr stellvertretender Bundesvorsitzender und der Chefredakteur ihres Verbandsorgans \"Jugendpolitische Bl\u00e4tter\" die Bedeutung der \"Sch\u00fclerbewegung\" f\u00fcr den Kampf gegen \"konservative und reaktion\u00e4re Bildungskonzeptionen\". Diese Bewegung habe \"vielfach Impulse\" gegeben und \"neue Aktionsformen\" wie \"Massendemonstrationen\" und \"Schulbesetzungen\" entwickelt. Die SDAJ begr\u00fc\u00dfe daher die seit Oktober 1985 laufende \"Aktion Mi\u00dfst\u00e4nde\" der \"Bundessch\u00fclervertretung\", mit der \"Grundlagen f\u00fcr kommende Sch\u00fclerk\u00e4mpfe\" geschaffen werden sollen. Die \"SDAJ-Schulgruppen\" m\u00fc\u00dften dabei deutlich machen, da\u00df \"Bildungsfragen immer auch Klassenfragen\" seien. Es gelte, die \"gro\u00dfen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen in die Schulen zu tragen\" und dort eine \"starke Bewegung gegen Weltraummilitarisierung und Hochr\u00fcstung\" zu entwickeln. Die SDAJ rief im Januar ihre Mitglieder und Anh\u00e4nger zum \"aktiven Widerstand\" gegen die geplante Wehrdienstverl\u00e4ngerung auf. Unter den Jugendlichen m\u00fcsse jetzt \"Ablehnung und Widerstand\" gegen die \"druckempfindliche\" Bundesregierung geweckt werden, um \"W 18\" als \"Kernst\u00fcck der Kriegsvorbereitung\" zu verhindern. Das SDAJSprachrohr \"elan\" ver\u00f6ffentlichte u.a. als \"Aktionsvorschl\u00e4ge\": Abladen von \"Mist vor Kreiswehrersatz\u00e4mtern oder CDU-B\u00fcros\" und \"Besuch bei Bundestagsabgeordneten\", deren Adressen bei \"elan\" oder denSDAJ-Landesvorst\u00e4nden zu erfragen seien. Anl\u00e4\u00dflich der Wehrkundetagung Anfang M\u00e4rz in M\u00fcnchen vertrat die SDAJ-Bundesvbrsitzende Birgit Radow in einem UZ-Artikel die Meinung, die geplante Verl\u00e4ngerung der Wehrdienstzeit sto\u00dfe auf breite Ablehnung und den Protest der Jugendverb\u00e4nde. Viele h\u00e4tten ihren Widerstand erkl\u00e4rt, weil die Verl\u00e4ngerung des Wehrdienstes eine direkte Aufr\u00fcstungsma\u00dfnahme und Bestandteil der.geistig moralischen Wende sei. Drei Monate l\u00e4nger dienen, solle den Gener\u00e4len helfen, die jungen Soldaten auf \"Kriegskurs zu trimmen\". Der Bundesvorstand der SDAJ hatte mit mehreren Brosch\u00fcren auf die \"SDIWeltraumr\u00fcstung\" hingewiesen. Um das gr\u00f6\u00dfte Aufr\u00fcstungsprojekt in der Geschichte der Menschheit zu rechtfertigen und durchzusetzen, w\u00fcrden die Aufr\u00fcster und Sternekrieger mit viel Phantasie Argumente f\u00fcr SDI erfinden. Der Frieden werde dadurch nicht sicherer. Im Gegenteil, ein R\u00fcstungswettlauf von noch nicht gewesenem Umfang werde die Folge sein. Immer wenn die USA und die NATO einen Aufr\u00fcstungsschritt planten, werde ein milit\u00e4rischer Vorsprung der Sowjetunion erfunden. 47","Im Zusammenhang mit der Kampagne \"Stoppt die Jugendfeinde -- Gemeinsam gegen rechts\" rief die SDAJ zur Unterst\u00fctzung der DGB-Jugendaktion \"Gegen Jugendarbeitslosigkeit\" auf. Man wisse, wo die Verantwortlichen f\u00fcr diese Zust\u00e4nde zu finden seien, in Bayern und M\u00fcnchen, in den Unternehmeretagen und in den \"geflickten\" Parteizentralen. Die jugendlichen Arbeitslosen sollten dies bedenken, so die SDAJ, wenn sie im Januar 1987 zur Bundestagswahl gingen. Die SDAJ beteiligte sich auch an verschiedenen Aktionen gegen den Bau der Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf. Die WAW sei ein \"zentraler Baustein des Bonner Atomprogramms\", der die M\u00f6glichkeit einschlie\u00dfe, den \"Zugang zur Massenfabrikation von Atombomben\" zu sichern. Aus \"Solidarit\u00e4t mit den Aktionen der Bev\u00f6lkerung\" gegen die WAW rief der SDAJ-Landesverband S\u00fcdbayern seine Mitglieder und Sympathisanten zu einer Fahrt nach Wackersdorf auf. Am 26. Januar fuhren etwa 30 Personen nach Wackersdorf und besichtigten dort das Baugel\u00e4nde der WAW. Das neue Volksz\u00e4hlungsgesetz bezeichnete die SDAJ als \"Teil eines umfangreichen Paketes reaktion\u00e4rer, antidemokratischer Gesetzesvorhaben\", als Teil der \"Erm\u00e4chtigungsgesetze f\u00fcr den totalen \u00dcberwachungsstaat\". Die SDAJ betont die Bedeutung \"demokratischer Soldaten\" im Klassenkampf. Sie k\u00f6nnten \"im Verlaufe demokratischer und antimonopolistischer Ver\u00e4nderungen\" daf\u00fcr sorgen, da\u00df das Milit\u00e4r \"in den Kasernen bleibt\"; so sei eine sozialistische Umw\u00e4lzung ohne B\u00fcrgerkrieg und Blutvergie\u00dfen m\u00f6glich. In ihrem \"antimilitaristischen Kampf\" unterst\u00fctzte die SDAJ auch 1986 die von ihr beeinflu\u00dften Arbeitskreise Demokratischer Soldaten (ADS). Die ADS in Bayern protestierten gegen die disziplinare Bestrafung von Wehrpflichtigen, die als SDAJAngeh\u00f6rige bekannt seien und in Uniform an der Ostermarschkundgebung in Wackersdorf teilgenommen h\u00e4tten. Der ADS Bayern rief die \u00d6ffentlichkeit auf, Protestund Solidarit\u00e4tsbriefe an die betroffenen Soldaten zu schicken. 2.3.2 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) Der MSB Spartakus, der st\u00e4rkste orthodox-kommunistische Studentenverband in der Bundesrepublik Deutschland, wurde im Oktober 1971 gegr\u00fcndet. Er bekennt sich zum Marxismus-Leninismus, k\u00e4mpft zusammen mit der DKP und der SDAJ f\u00fcr die \"sozialistische Revolution\" und propagiert den \"realen Sozialismus\" der DDR als grunds\u00e4tzliche Alternative zum \"kapitalistischen System\". Bundesweit verf\u00fcgt der MSB Spartakus \u00fcber ca. 6.000 Mitglieder. An den bayerischen Hochschulen in Augsburg, Bamberg, Coburg, Erlangen-N\u00fcrnberg, Landshut, M\u00fcnchen, Regensburg und W\u00fcrzburg bestehen Gruppen mit insgesamt ca. 250 Mitgliedern. Organ des MSB Spartakus sind die \"roten blatter\", die in einer monatlichen Auflage von 15.000 Exemplaren erscheinen. In seinem Zentralorgan \"rote bl\u00e4tter\" behauptete der MSB Spartakus, da\u00df er \"heute die gr\u00f6\u00dfte und einflu\u00dfreichste Studentenorganisation an den bundesdeutschen Hochschulen\" sei. Er sieht sich als den entscheidenden Faktor f\u00fcr die \"Kontinuit\u00e4t der Studentenbewegung\", die wegen der \"Aktionseinheit, vor allem von MSB und SHB, zu einem Motor der au\u00dferparlamentarischen Bewegung\" geworden sei. 48","Als Nebenorganisation der DKP obliegt dem MSB Spartakus die Aufgabe, kommunistische Vorstellungen in den Hochschulen einzubringen und die Studenten hierf\u00fcr zu mobilisieren. W\u00e4hrend die DKP-Hochschulgruppen die Politik der DKP an den Hochschulen offen vertreten, \u00fcbt der MSB Spartakus aus taktischen Gr\u00fcnden vielfach eine gr\u00f6\u00dfere Zur\u00fcckhaltung, um sich anderen Studentengruppen als \"B\u00fcndnispartner\" anbieten zu k\u00f6nnen. So konnte er zum Beispiel bei den nach dem Bayerischen Hochschulgesetz nicht vorgesehenen inoffiziellen Studentenparlamentswahlen durch seine nach au\u00dfen hin dokumentierte \"\u00d6ffnung\" bzw. \"Unterordnung\" in der \"B\u00fcndnisliste Wehrt Euch\" sein letztj\u00e4hrliches Wahlergebnis deutlich verbessern. Im Rahmen seiner Aufgabenerf\u00fcllung verfolgt der MSB Spartakus eine Politik der \"gewerkschaftlichen Orientierung\". Er versucht hierbei, seine hochschulpolitischen Forderungen mit gewerkschaftlichen Kampfmitteln wie \"Urabstimmung\" und \"Streiks\" durchzusetzen. Der MSB Spartakus forderte seine Mitglieder zum \"Herangehen an die SPD\" auf. Da ohne die SPD \"keine Wende zu demokratischem und sozialem Fortschritt\" m\u00f6glich sei, suche der MSB Spartakus die \"gemeinsame Aktion mit Sozialdemokraten auf allen Ebenen\". Die MSB-Gruppen an den bayerischen Hochschulen entfalteten wiederum rege Aktivit\u00e4ten. Schwerpunktthema bildete 1986 der \"Kampf\" gegen die Umsetzung des neugefa\u00dften \"Hochschulrahmengesetzes\". Weitere Themen waren die \"Apartheid-Politik\" in S\u00fcdafrika, Nicaragua, das geplante SDI-Projekt, die Friedensbewegung und die Gro\u00dfdemonstration am 11. Oktober im Hunsr\u00fcck. 2.3.3 Junge Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP) Die JP wurden 1974 auf Initiative der DKP nach dem Vorbild der Staatsjugendorganisationen der sozialistischen L\u00e4nder gegr\u00fcndet. Sie erfassen Kinder von 6 bis 14 Jahren. Nach ihrer Satzung k\u00e4mpfen die JP f\u00fcr den Sozialismus und betrachten sich als Teil der weltweiten kommunistischen Pionierbewegung. Sie dienen der DKP und der SDAJ als Basis f\u00fcr die Mitgliedergewinnung. Die DKP unterst\u00fctzt mit der SDAJ und dem MSB Spartakus die JP in der Erwartung, da\u00df sie die Kinder kommunistisch erziehen. Die JP gliedern sich nach ihrer Satzung in Gruppen-, Kreisund Landesverb\u00e4nde. In Bayern bestehen Landesverb\u00e4nde Franken/Oberpfalz und S\u00fcdbayern. Die Zahl der Mitglieder der JP betrug 1986 bundesweit rund 4.000. Unter dem Motto \"Freunde finden -- Mitglied werden\" hatte die Bundesleitung der JP die Monate September und Oktober zu Werbeund Aktionsmonaten erkl\u00e4rt. Insbesondere wollte man nach der vorausgegangenen Kinderferienaktion neue Pioniergruppen gr\u00fcnden. Die Werbeund Aktionsmonate brachten keinen Erfolg. Die Mitgliederzahl der JP in Bayern ist mit rund 500 gegen\u00fcber dem Vorjahr gleichgeblieben. F\u00fchrungspositionen werden durchweg von Jugendlichen und Erwachsenen eingenommen, die der SDAJ bzw. der DKP angeh\u00f6ren. Der Bundesvorstand der JP ver\u00f6ffentlicht die Kinderzeitung \"Pionier\" und die \"Pionierleiterinformation\". Die Bundesleitung der JP nahm den 100. Geburtstag von Ernst Th\u00e4lmann zum Anla\u00df, ein Diskussionspapier mit dem Titel: \"Ernst Th\u00e4lmann und die Rolle der Pionierorganisation\" aufzulegen. Die JP wollen \"mit verst\u00e4rkter Aktivit\u00e4t\" Kin49","der \"in die Friedensbewegung einbeziehen\". In einem UZ-Interview erkl\u00e4rte der JP-Bundesvorsitzende Gerd H\u00e4rtel, mit \"Projektwochen\" an Schulen und Sch\u00fclerwettbewerben gebe es bereits eine Reihe von \"Ansatzpunkten\", den Kindern im Kampf gegen die \"Sternenkriegspl\u00e4ne\" der \"Herrschenden\" \"fortschrittliche Inhalte\" zu vermitteln. Diese \"Einbeziehung\" zeige den Kindern, wie sie \"sich selbst wehren k\u00f6nnen\"; sie sei \"sehr wichtig\" f\u00fcr die Vorbereitung der Herbstaktionen der \"Friedensbewegung\". Vom 17. bis 19. Mai f\u00fchrten die JP mit Unterst\u00fctzung von DKPund SDAJ-Mitgliedern bundesweit etwa 30 Friedenscamps durch. An den Lagern mit \"vielf\u00e4ltigen Aktivit\u00e4ten zum Frieden, zur V\u00f6lkerfreundschaft und Solidarit\u00e4t\" beteiligten sich nach Berichten der kommunistischen Presse etwa 4.000 Kinder. Die DKP und die JP organisierten auch 1986 Kinderferienreisen in das \"kinderfreundliche Land DDR\". Die DKP sieht neben der kommunistischen Indoktrination der Kinder den Hauptzweck dieser Ferienaktion darin, \"Eltern zu gewinnen\" und ihnen ein \"positives Verh\u00e4ltnis zur DDR zu vermitteln\". Aus diesem Grund gab die Partei wiederum im Fr\u00fchjahr Eltern die Gelegenheit zu \"Probeferien\" in DDR-Ferienlagern. 2.4 DKP-beeinfiu\u00dfte Organisationen 2.4.1 Allgemeines Die DKP ist realistisch genug zu erkennen, da\u00df sie mit einer unverhohlenen Propagierung ihrer verfassungsfeindlichen Ziele bei der Bev\u00f6lkerung keine nennenswerte Resonanz findet. Deshalb wirkt sie, oft mit Unterst\u00fctzung ihrer Nebenorganisationen, darauf hin, da\u00df Organisationen, Initiativen oder Komitees gegr\u00fcndet werden, die nicht Teil der Partei oder ihrer Nebenorganisationen sind, aber gleichwohl dazu dienen, kommunistische Zielsetzungen zu f\u00f6rdern. Au\u00dferdem bem\u00fcht sich die DKP nach den Grunds\u00e4tzen ihrer B\u00fcndnispolitik, bei zahlreichen nicht-kommunistischen Organisationen Einflu\u00df zu gewinnen, zu erhalten oder ihn zu verst\u00e4rken. Der Einflu\u00df der DKP bzw. ihrer Nebenorganisationen auf solche \"beeinflu\u00dfte Organisationen\" zeigt sich u.a. darin, da\u00df diese Organisationen eng mit der DKP oder ihren Nebenorganisationen zusammenarbeiten, da\u00df sie in ihren F\u00fchrungsgremien wichtige Positionen mit Kommunisten besetzen, da\u00df sie von der DKP oder ihren Nebenorganisationen materiell unterst\u00fctzt werden oder da\u00df unter ihren Mitgliedern zahlreiche Kommunisten sind. Diese beeinflu\u00dften Organisationen propagieren vielfach Forderungen, die f\u00fcr sich gesehen nicht verfassungsfeindlich sind, aber in Teilbereichen mit Zielsetzungen der orthodoxen Kommunisten \u00fcbereinstimmen. Damit leisten sie den Bestrebungen der DKP Vorschub, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beseitigen, denn dieser zentralen verfassungsfeindlichen Zielsetzung dienen alle Aktivit\u00e4ten der DKP, auch die vermeintlich unverf\u00e4nglichen. Bei den beeinflu\u00dften Organisationen liegen h\u00e4ufig mehrere, gelegentlich auch alle genannten Merkmale vor. Je st\u00e4rker der kommunistische Einflu\u00df ist, desto geringer sind die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die nicht-extremistischen Mitglieder solcher Organisationen Einflu\u00df zu nehmen auf die interne Willensbildung, die politischen \u00c4u\u00dferungen und die Aktivit\u00e4ten der Organisation, insbesondere die 50","Beteiligung an Volksfrontaktionen. Bei anderen beeinflu\u00dften Organisationen besteht dagegen trotz des DKP-Einflusses Raum f\u00fcr politisches Eigenleben; die kommunistische Beeinflussung ist hier f\u00fcr das einfache Mitglied und f\u00fcr Au\u00dfenstehende nicht immer leicht erkennbar. Hierzu z\u00e4hlen auch einige \"Friedensinitiativen\", die in unterschiedlichem Ausma\u00df von der Orthodoxen Linken, aber auch von Gruppierungen der Neuen Linken beeinflu\u00dft werden. Bei den meisten \"Friedensinitiativen\" ist jedoch eine extremistische Beeinflussung nicht feststellbar. Zu den wichtigsten DKP-beeinflu\u00dften Organisationen geh\u00f6ren: -- die Deutsche Friedens-Union (DFU) -- die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (WN-BdA) -- die Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) -- das Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) -- die Vereinigung Demokratischer Juristen (VDJ) -- die Demokratische Fraueninitiative (DFI) -- die \"Friedensliste\". In diesem Zusammenhang sind auch die Initiativen gegen die \"Berufsverbote\" zu erw\u00e4hnen. Die Koordination der Aktivit\u00e4ten der Komitees und Initiativen \"gegen die Berufsverbote\", die sich gegen die Pr\u00fcfung der Verfassungstreue von Bewerbern und Angeh\u00f6rigen des \u00f6ffentlichen Dienstes wenden, liegt \u00fcberwiegend beim DKP-beeinflu\u00dften \"Arbeitsausschu\u00df\" der \u00fcberregionalen Initiative \"Weg mit den Berufsverboten\" in Hamburg. In Bayern gingen 1986 von dem orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften N\u00fcrnberger B\u00fcrgerkomitee \"Verteidigung der Grundrechte -- Aufhebung der Berufsverbote\" und der ebenfalls orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften \"M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative gegen Berufsverbote\" nur geringe Aktivit\u00e4ten aus. Zu den DKP-beeinflu\u00dften Organisationen geh\u00f6ren auch sogenannte \"Freundschaftsgesellschaften\", die beim Kampf der DKP gegen \"Imperialismus und Neokolonialismus\" eine initiierende und koordinierende Rolle spielen. In Bayern traten die \"Gesellschaft f\u00fcr die Freundschaft zwischen den V\u00f6lkern in der Bundesrepublik Deutschland und der Sozialistischen Republik Vietnam e.V.\" (FG BRD-Vietnam e.V.) und die \"Freundschaftsgesellschaft Bundesrepublik Deutschland -- Kuba e.V.\" (FG BRD-Kuba e.V.) aktiv in Erscheinung. Die FG BRD-Kuba e.V. arbeitete im neugebildeten M\u00fcnchner \"Arbeitskreis Friedensforum Zentralamerika\" mit. Die Mitgliedergruppen der FG BRD-Vietnam e.V. in M\u00fcnchen und Regensburg feierten am 27. September in M\u00fcnchen ihr \"lOj\u00e4hriges Gr\u00fcndungsfest. Gegen die Jubil\u00e4umsfeier demonstrierten vor dem Veranstaltungslokal rund 70 oppositionelle Vietnamesen. Die orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Organisationen beteiligten sich auch 1986 aktiv an den Kampagnen und Aktionen der DKP. Der Schwerpunkt der Aktivit\u00e4ten lag wie in den Vorjahren auch 1986 im \"Friedenskampf\". Dabei stand die Kampagne gegen die \"Strategische Verteidigungsinitiative\" (SDI) der USA im Mittelpunkt. Weitere herausragende Themen waren u.a. die \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\", die \"Apartheid-Politik\" in S\u00fcdafrika und der Reaktorunfall von 51","Tschernobyl. Bei den Bezirksund Landtagswahlen in Bayern am 12. Oktober unterst\u00fctzten fast alle beeinflu\u00dften Organisationen die Bewerber der \"Friedensliste\". 2.4.2 Deutsche Friedens-Union (DFU) Die 1960 auf kommunistisches Betreiben als \"Volksfrontpartei\" gegr\u00fcndete DFU, die Mitglied des sowjetisch gelenkten Weltfriedensrates (WFR) ist, wei\u00df sich dem \"antifaschistischen und antimonopolistischen Auftrag des Grundgesetzes und der meisten L\u00e4nderverfassungen verpflichtet\". Sie wendet sich insbesondere gegen \"Antikommunismus\" und fordert, \"Schlu\u00df zu machen mit dem Abbau demokratischer und sozialer Rechte sowie mit der Militarisierung aller gesellschaftlichen Bereiche\". Sie vertritt die Auffassung, da\u00df die Erreichung der Ziele der \"Friedensbewegung und anderer demokratischer und sozialer Bewegungen nur im B\u00fcndnis mit der Arbeiterbewegung, mit ihren Gewerkschaften und Parteien m\u00f6glich ist\". Verfassungskonforme Forderungen, die auch von demokratischen Kr\u00e4ften vertreten werden, wie etwa das Eintreten f\u00fcr \"friedliche Koexistenz, Entspannung und Abr\u00fcstung, sozialen und demokratischen Fortschritt\", werden entsprechend der Strategie orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dfter Organisationen in verschleierter Form mit Zielsetzungen der orthodoxen Kommunisten verbunden. Die politische Bet\u00e4tigung der DFU dient in erheblichem Umfang der F\u00f6rderung kommunistischer Vorstellungen. Seit der \u00c4nderung des Organisationsstatuts am 31. Mai 1984 in Essen versteht sich die DFU nicht mehr als Partei, sondern als \"politische Vereinigung\". Auf Bundesebene wird die DFU vom Bundesvorstand geleitet, dessen Vorsitz ein Direktorium innehat. Von den \u00fcber 60 Mitgliedern des Direktoriums und des Bundesvorstandes geh\u00f6rten zahlreiche Personen der 1956 verbotenen KPD an; andere sind Mitglieder der DKP oder einer kommunistisch beeinflu\u00dften Organisation. Bundesweit verf\u00fcgt die DFU \u00fcber neun Landesverb\u00e4nde, davon einen in Bayern. Dem Landesverband Bayern sind f\u00fcnf Bezirksverb\u00e4nde nachgeordnet, die unterschiedlich aktiv waren. Die Zahl der Mitglieder lag am Jahresende im Bundesgebiet unver\u00e4ndert bei rund 1.000 Personen; in Bayern bei weniger als 400 Personen. Vorsitzender des Landesverbandes Bayern war bisher Gerhard Bitterwolf, der bei der Landesmitgliederversammlung Anfang M\u00e4rz 1987 nicht mehr kandidierte. Als Sprachrohr sowohl der DFU als auch der WN-BdA dient die w\u00f6chentlich erscheinende \"Deutsche Volkszeitung/die tat\". Ihr Chefredakteur geh\u00f6rt der DKP an und war lange Zeit f\u00fcr die \"roten bl\u00e4tter\", das Zentralorgan des MSB Spartakus, verantwortlich. Daneben gibt die DFU in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden einen \"Pressedienst\" heraus, in dem vom Direktorium bzw. von Direktoriumsmitgliedern zu aktuellen Problemen Stellung genommen wird. Die \"Kommission Abr\u00fcstung und Sicherheit\" in der DFU zeichnet f\u00fcr das monatlich erscheinende \"Abr\u00fcstungsinfo\" verantwortlich. Dar\u00fcber hinaus ver\u00f6ffentlichte die DFU 1986 zwei Brosch\u00fcren, und zwar einen Diskussionsbeitrag \"F\u00fcr eine neue Sicherheitspolitik\" und die Abhandlung \"Mit christlichem Verst\u00e4ndnis vom Menschen und f\u00fcr die Interessen aller Deutschen\". Die Abhandlung setzte sich mit dem au\u00dfenpolitischen Teil des Entwurfs der CDU f\u00fcr das Wahlprogramm von CDU/CSU f\u00fcr die Bundestagswahl 1987 auseinander. 52","Herausgeber;' Abr\u00fcstungsinfo Deutsche Friede ns-Uotoo -- DF\u00dc -- Kommission Abr\u00fcstung und Sicherheit Argumente, Dokumente, Informationen Neben ihren publizistischen Aktivit\u00e4ten trat die DFL) 1986 in Bayern in st\u00e4rkerem Ma\u00dfe als in den Vorjahren mit eigenen Veranstaltungen an die \u00d6ffentlichkeit. So fanden in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg Diskussionsveranstaltungen mit G\u00e4sten aus der Sowjetunion statt. Auf mehreren verbandsinternen Versammlungen befa\u00dften sich die Teilnehmer u.a. mit dem Reaktorunfall von Tschernobyl, dem sowjetischen Teststop-Moratorium und den Ergebnissen des amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffens von Reykjavik. Die Arbeit im B\u00fcndnisbereich war jedoch nach wie vor ein wesentlicher Bestandteil der DFU-Aktivit\u00e4ten. Besonders ausgepr\u00e4gt war die bundesweite Mitwirkung bei der Organisation der von der \"Friedensbewegung\" veranstalteten \"Osterm\u00e4rsche\". Die Kontaktadressen f\u00fcr die Ostermarschvorbereitung waren in vielen Bundesl\u00e4ndern identisch mit den Anschriften der jeweiligen DFU-Landesgesch\u00e4ftsstelle. Auch in Bayern beteiligte sich die DFL) an den Vorbereitungen der \"Osterm\u00e4rsche\". So konnten f\u00fcr den Bereich Nordbayern die Materialien f\u00fcr den \"Ostermarsch\" bei dem ehemaligen DFU-Landesvorsitzenden angefordert werden. Die DFL) beteiligte sich auch weiterhin ma\u00dfgeblich an der Arbeit des Personenb\u00fcndnisses Die Friedensliste, an deren Gr\u00fcndung im Jahr 1984 sie mitgewirkt hatte. Dem im M\u00e4rz 1986 neugew\u00e4hlten Bundesvorstand der \"Friedensliste\" geh\u00f6ren unver\u00e4ndert ein Direktoriumsund vier Bundesvorstandsmitglieder der DFU an. Unter den f\u00fcnf gleichberechtigten Bundessprechern der \"Friedensliste\" befindet sich auch ein Bundesvorstandsmitglied der DFU. Im Zusammenhang mit den Bezirksund Landtagswahlen am 12. Oktober in Bayern sowie der Bundestagswahl 1987 forderte die DFU ihre Mitglieder und Freunde auf, die Bewerber der \"Friedensliste\" zu unterst\u00fctzen. Die DFU bet\u00e4tigte sich 1986 auch im Rahmen der Krefelder Initiative, deren Adresse unver\u00e4ndert mit der Anschrift der DFU-Bundesgesch\u00e4ftsstelle \u00fcbereinstimmt. Die Planung und Organisation des am 27. September in Bremen durchgef\u00fchrten 5. Forums der \"Krefelder Initiative\" lag -- wie in den Vorjahren -- in den H\u00e4nden der DFU. An dem Forum nahmen rund 600 Personen teil, darunter Funktion\u00e4re der DKP und anderer linksextremer Organisationen sowie Vertreter \"berufsbezogener Friedensinitiativen\". Die DFU wirkte ferner an der Vorbereitung und Abwicklung des \"Internationalen NaturwissenschaftlerFriedenskongresses\" mit, der vom 14. bis 16. November in Hamburg stattfand. 2.4.3 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (WN-BdA) Die WN-BdA ist eine orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dfte Organisation, die regelm\u00e4\u00dfig entsprechend den Positionen der DKP beschlie\u00dft und handelt. Sie ist der prosowjetischen Federation Internationale des Resistants (FIR) und 53","dem sowjetisch gelenkten Weltfriedensrat (WFR) angeschlossen. Die W N - BdA geh\u00f6rt zu den gr\u00f6\u00dften DKP-beeinflu\u00dften Gruppierungen und tritt nach eigener Aussage ein f\u00fcr \"Frieden, Abr\u00fcstung und V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung\", f\u00fcr die Verteidigung und Wiederherstellung \"demokratischer\" Rechte, f\u00fcr die Verteidigung sozialer Rechte, f\u00fcr internationale Solidarit\u00e4t, f\u00fcr eine \"antifaschistische\" Erziehung der Jugend zu \"Frieden, Demokratie und V\u00f6lkerfreundschaft\" sowie f\u00fcr die Anerkennung des Widerstandes gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft und die Entsch\u00e4digung aller Opfer des Faschismus. Ferner wendet sie sich gegen jede \"faschistische Aktivit\u00e4t und Propaganda\" und den \"Mi\u00dfbrauch wirtschaftlicher Macht zu politischen Zwecken\". F\u00fcr den erfolgreichen Kampf f\u00fcr \"Frieden\", gegen \"Faschismus\" und \"Militarismus\" k\u00f6nnten und m\u00fc\u00dften sich \"Sozialdemokraten, Kommunisten, Christen und Anh\u00e4nger anderer Religionen, Liberale, Gr\u00fcne und Parteilose zusammenfinden\". Die WN-BdA hatte Ende 1986 im Bundesgebiet unver\u00e4ndert etwa 13.500 Mitglieder. Auch in Bayern blieb die Zahl der Mitglieder mit rund 1.200 gegen\u00fcber dem Vorjahr nahezu konstant. Die mitgliederst\u00e4rksten der insgesamt bestehenden 19 Kreisverb\u00e4nde sind M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Der \u00fcberwiegende Teil der Mitglieder verhielt sich jedoch passiv. Pr\u00e4sident der WN-BdA ist Dr. Joseph C. Rossaint, Tr\u00e4ger der vom Pr\u00e4sidium des Obersten Sowjets der UdSSR verliehenen Leninmedaille, Tr\u00e4ger der Friedensmedaille des WFR und B\u00fcromitglied des DKP-beeinflu\u00dften KFAZ. Generalsekret\u00e4r ist das DKP-Parteivorstandsmitglied Kurt Erlebach. Vorsitzender des Landesverbandes Bayern der WN-BdA ist der DKP-Funktion\u00e4r Oskar Neumann; Landessekret\u00e4rin das Vorstandsmitglied der DKP-Bezirksorganisation S\u00fcdbayern und Mitglied des Sprecherkreises der BIFA Marion Lehmicke. Auch nach dem Bundeskongre\u00df im Mai 1983 blieb der dominierende Einflu\u00df der DKP im F\u00fchrungsgremium der WN-BdA gewahrt; in der Mehrzahl sind die 86 Mitglieder des Pr\u00e4sidiums Kommunisten. Sprachrohr der WN-BdA ist die Wochenzeitung \"Deutsche Volkszeitung/die tat\". Sie ist gleichzeitig Publikationsorgan der DFU. Das Pr\u00e4sidium der W N - BdA gibt au\u00dferdem die monatlich erscheinende Mitgliederzeitschrift \"antifaschistische rundschau\" heraus und erg\u00e4nzend hierzu den \"antifaschistischen jugenddienst\" und die unregelm\u00e4\u00dfig erscheinende Schriftenreihe \"AID\" (Argumentation, Information, Dokumentation). Die gelegentlich vom Landesverband Bayern herausgegebenen \"Antifaschistischen Nachrichten\" sowie regionale Informationsbl\u00e4tter vervollst\u00e4ndigen die Reihe der Publikationen. Aktionsschwerpunkt der WN-BdA war 1986 wiederum die \"antifaschistische Friedensarbeit\". In einem hierzu vom Pr\u00e4sidium erstellten \"Arbeitsund Diskussionspapier\" hob die WN-BdA den \"Zusammenhang von Kampf um Frieden mit dem Kampf gegen Neofaschismus\" besonders hervor. Die \"historische Erfahrung\" habe bewiesen, \"da\u00df auch der noch nicht zur Macht gelangte Faschismus, die faschistische Bewegung und die faschistische Ideologie\" letztlich der \"Kriegsvorbereitung\" diene. Deshalb k\u00f6nne heute der \"Kampf gegen Neofaschismus\" nicht losgel\u00f6st gesehen werden von dem Kampf gegen die st\u00e4ndig wachsende Gefahr, da\u00df die Menschheit im \"Gefolge der US-Globalstrategie des .Erstschlags' in einem atomaren Inferno\" untergehe. Demnach sei es nicht richtig, \"eine einzelne Detailstrategie als die alleinige L\u00f654","sungsm\u00f6glichkeit vorzustellen\"; vielmehr komme es darauf an, \"ein zusammenh\u00e4ngendes System und umfassendes Konzept der antifaschistischen Strategie gegen Neofaschismus zu entwickeln\". Grundlinie m\u00fcsse dabei sein, da\u00df jede Aktivit\u00e4t und jedes Vorhaben dazu dient, das \"antifaschistische Bewu\u00dftsein\" und eine \"Ver\u00e4nderung des politischen Klimas und Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisses\" zu schaffen. Die WN-BdA beteiligte sich im Rahmen des \"Friedenskampfes\" bundesweit an der Vorbereitung und Durchf\u00fchrung der von der \"Friedensbewegung\" initiierten \"Osterm\u00e4rsche\". In Bayern nahm sie als Mitglied an Treffen und Konferenzen sogenannter \"Ostermarschvorbereitungskreise\" teil, auf denen Einzelheiten der \"Osterm\u00e4rsche\" f\u00fcr Nordund S\u00fcdbayern festgelegt wurden. Sie trat ferner als Mitveranstalterin des zentralen \"Ostermarsches\" am 30. M\u00e4rz in M\u00fcnchen auf. Anh\u00e4nger der WN-BdA beteiligten sich vielfach an den dezentralen Ostermarschkundgebungen, die in mehreren bayerischen St\u00e4dten stattfanden, sowie an der zentralen Abschlu\u00dfkundgebung am 31. M\u00e4rz am Baugel\u00e4nde der geplanten Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAW). Als Mitglied des bundesweiten \"Koordinierungsausschusses der Friedensbewegung\" rief die WN-BdA zur Teilnahme an der Gro\u00dfdemonstration am 11. Oktober in Hasselbach, Rhein-Hunsr\u00fcck-Kreis, auf. Sie geh\u00f6rte ferner mit drei weiteren linksextrem beeinflu\u00dften Organisationen einem \"Aufruferkreis\" an, der im Rahmen der \"Friedenswochen 1986\" in M\u00fcnchen zahlreiche Veranstaltungen durchf\u00fchrte. Als Mitglied der linksextrem beeinflu\u00dften \"W\u00fcrzburger Friedensinitiative\" (W\u00fcFried) wirkte die WN-BdA auch ma\u00dfgeblich an den Protestaktionen am 15. M\u00e4rz in W\u00fcrzburg mit, die anl\u00e4\u00dflich der 39. Ministerkonferenz der \"Nuklearen Planungsgruppe der NATO\" stattfanden. Dar\u00fcber hinaus war auch der \"Hiroshima-Tag\" (6. August) Anla\u00df f\u00fcr weitere \"Friedensaktionen\", die von der WN-BdA unterst\u00fctzt wurden. Im \"Antifaschismus-Kampf\" wandte sich die WN-BdA wiederholt gegen Aktionen rechtsextremer Gruppierungen. So demonstrierten Anh\u00e4nger der W N - BdA am 18. Januar in Landshut gegen die \"Reichsgr\u00fcndungsfeier\" der NPD. Zahlreiche Anh\u00e4nger der WN-BdA beteiligten sich ferner an den Protestaktionen gegen den NPD-Parteitag am 24725. Mai in Feucht, Landkreis N\u00fcrnberger Land, sowie gegen das Treffen der DVU vom 7. bis 9. August in Passau. Auf den Protestkundgebungen in Passau, die ein \"Arbeitskreis Antifaschismus\" organisierte und der u.a. neben der WN-BdA auch von DKP, SDAJ, DFG-VK, Gruppierungen der Neuen Linken und verschiedenen linksextrem beeinflu\u00dften \"Friedensinitiativen\" unterst\u00fctzt wurde, traten namhafte Funktion\u00e4re der W N - BdA als Redner auf. Ein weiterer Aufzug, der sich gegen eine Gedenkfeier der Sudetendeutschen Landsmannschaft richtete, fand am 26. April in Moosburg a.d.lsar, Landkreis Freising, statt. Am 7. Juni trafen sich rund 50 Mitglieder der WN-BdA in Kaufbeuren-Neugablonz zu einer \"Antifaschistischen Arbeitskonferenz\". In der Er\u00f6ffnungsrede hierzu befa\u00dfte sich die Landessekret\u00e4rin mit den \"neonazistischen und faschistischen Traditionspflegern\". Bayern sei das Bundesland, in dem die \"Rechtswender und Faschisten\" ebenso konzentriert auftr\u00e4ten wie die Konzerne, die an einer weiteren Aufr\u00fcstung Interesse h\u00e4tten. Mit Aufrufen in Tageszeitungen und auf Flugbl\u00e4ttern agitierte die WN-BdA 1986 gegen die geplante Verabschiedung der \"Sicherheitsgesetze\". \"Ehemali55","ge Widerstandsk\u00e4mpfer\" in der WN-BdA richteten einen \"Appell\" an die Bundesregierung und an den Bundestag, von der \u00c4nderung des SS 116 AFG abzusehen. Mit Mahnwachen und Kundgebungen protestierte die WN-BdA im November 1986 verst\u00e4rkt gegen die \"zunehmende Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\". Auch zum Thema \"Asylrecht\" f\u00fchrte die WN-BdA mehrere Informationsabende durch. Im Zusammenhang mit den Vorg\u00e4ngen um die geplante Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAW) erkl\u00e4rte der Landesvorsitzende der W N - BdA in \u00dcbereinstimmung mit der DKP, die WAW stelle keine L\u00f6sung zur Entsorgung von atomarem M\u00fcll dar. Das \"Gerede\" der Bayerischen Staatsregierung k\u00f6nne nicht davon ablenken, da\u00df hier der \"Griff nach der Atombombe\" praktiziert werde. 2.4.4 Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) Die DFG-VK entstand 1974 durch Fusion der Deutschen Friedensgesellschaft -- Internationale der Kriegsdienstgegner (DFG-ldK) mit dem Verband der 56","Kriegsdienstverweigerer (VK). Die sich als \"antimilitaristischer Kampfverband\" verstehende Organisation k\u00e4mpft f\u00fcr Abr\u00fcstung, \"friedliche Koexistenz\" unterschiedlicher Gesellschaftssysteme, Aufhebung der \"Berufsverbote\" und gegen die \"Militarisierung der Bundesrepublik\". Sie erachtet die Verweigerung jeglichen Kriegsdienstes als eine \"demonstrative, individuelle Handlung gegen Krieg und Kriegsvorbereitung\". Den Kriegsdienstverweigerern gew\u00e4hrt sie \"Schutz und Hilfe\". Die DFG-VK fordert in ihrem Programm die Aufl\u00f6sung aller Milit\u00e4rpakte. Als \"vertrauensbildende Abr\u00fcstungsvorausleistung\" verlangt sie die \"quantitative und qualitative Verminderung der Kampfst\u00e4rke der Bundeswehr\"; die Bundeswehr habe unter anderem die Aufgabe, innerhalb der Bundesrepublik Deutschland die \"bestehenden Herrschaftsverh\u00e4ltnisse zu stabilisieren\" und erweise sich gleichzeitig als \"gef\u00e4hrlicher N\u00e4hrboden rechtsradikaler und faschistischer Bestrebungen\". Gem\u00e4\u00df ihrem Programm tritt die DFG-VK auch \"dem von allen Bundesregierungen als ideologisches Fundament der R\u00fcstung und als wirksames Instrument zur Verketzerung demokratischer Opposition gesch\u00fcrten Antikommunismus\" entgegen. Die DFG-VK wird auf Bundesebene vom Bundesvorstand geleitet, in dem orthodoxe Kommunisten bzw. Mitglieder anderer orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dfter Organisationen als f\u00fchrende Funktionstr\u00e4ger mitarbeiten. Seit der Satzungs\u00e4nderung vom 1. M\u00e4rz 1985 hat die DFG-VK nur noch einen Bundesvorsitzenden, n\u00e4mlich Gerd Greune, der auf dem au\u00dferordentlichen Bundeskongre\u00df der DFG-VK am 15./16. M\u00e4rz 1986 wiedergew\u00e4hlt wurde. Bei diesem Kongre\u00df wurde auch der bayerische Landesvorsitzende der DFG-VK und Mitglied der WN-BdA Heinrich H\u00e4berlein in seiner Funktion als einer der drei Stellvertreter des Bundesvorsitzenden best\u00e4tigt. Die 1985 neu geschaffene Stelle des Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrers hat nach wie vor ein DKP-Mitglied inne. Auch f\u00fcr das Referat Abr\u00fcstung ist ein DKPMitglied zust\u00e4ndig. Ein weiteres Bundesvorstandsmitglied, das auf der orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften \"Friedensliste\" f\u00fcr den Landtag in Nordrhein-Westfalen kandidierte, geh\u00f6rt der WN-BdA an. Im neuen Bundesvorstand sind ferner zwei Mitglieder des Landesverbandes Bayern der DFG-VK vertreten. Die DFG-VK ist nach wie vor eine der mitgliederst\u00e4rksten orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Organisationen, aber auch die mit dem h\u00f6chsten Anteil an nicht-kommunistischen Mitgliedern. Seit etwa vier Jahren hat sie andauernde Mitgliederverluste zu verzeichnen. Die Zahl der Mitglieder im Bundesgebiet lag zum Jahresende bei rund 12.000 (1985:13.000). Die Mitgliederzahl des in 20 Ortsgruppen gegliederten bayerischen Landesverbandes betrug etwa 1.700 (1985: 1.900) Personen, von denen nur ein geringer Teil aktiv mitarbeitet. Neben den Ortsgruppen bestanden in verschiedenen Orten \"Arbeitskreise\", \"Initiativen\" und Beratungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Kriegsdienstverweigerer. Daneben gab es mehrere Jugendgruppen der DFG-VK, die unter der Bezeichnung \"Jugendclub Courage\" (JCC) auftraten. Die Gruppen M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg sind mit etwa 600 bzw. 250 Mitgliedern die gr\u00f6\u00dften und aktivsten Ortsgruppen in Bayern. Publikationsorgan der DFG-VK ist die Verbandszeitschrift \"Zivilcourage\", die 1986 viermal erschien. Daneben gibt der Bundesvorstand den \"friedenspolitischen informationsdienst\" (fid) heraus, der sich 1986 mit Themen wie \"Chemi57","sehe Waffen\", \"R\u00fcstungs-und Sozialausgaben\" und \"Krieg aus dem Weltraum\" befa\u00dfte. Der DFG-VK Arbeitskreis \"Kommunale Friedensarbeit\" verbreitete ferner den gleichnamigen Informationsdienst. Zus\u00e4tzliches Informationsmaterial, wie \"Gruppenrundbriefe\" und \"Briefe an Euch!\" erg\u00e4nzten die Reihe der Publikationen. Als regionales Blatt erschien \"Die Alternative -- Antimilitaristische Stadtzeitung der DFG-VK und des Jugendclubs Courage Schweinfurt\". Sie enthielt Beitr\u00e4ge \u00fcber das \"Grundrecht Asyl\", die \"Apartheid-Politik\" und \"Tschernobyl und die Linke in der BRD\". Die erst im Vorjahr neu herausgegebene Jugendzeitschrift \"Panzerknacker\" wurde 1986 in Bayern nicht mehr verbreitet. Die Kampagne zur Wehrdienstverweigerung und der \"Friedenskampf\" waren auch 1986 Themenschwerpunkte der DFG-VK. Sie engagierte sich auch im Kampf gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAW) und ver\u00f6ffentlichte in ihren \"Gruppenrundbriefen\" Aufrufe und Darstellungen \u00fcber sogenannte \"Gewaltfreie Aktionen\" in unmittelbarer N\u00e4he des WAW-Gel\u00e4ndes. Unter der \u00dcberschrift \"Die Tschechen kommen!\" k\u00fcndigte die DFG-VK an, da\u00df sich \"die Freunde vom Tschechoslowakischen Friedenskomitee ... verst\u00e4rkt um dieses Thema k\u00fcmmern\" werden und \"Solidarit\u00e4tsaktionen\" nicht ausschlie\u00dfen wollen. Auf dem Landeskongre\u00df der DFG-VK am 15./16. Februar in Erlangen, der unter dem Motto stand \"Ohne kleine Leute keine gro\u00dfen Kriege -- Kriegsdienste verweigern\", befa\u00dften sich die Delegierten vor allem mit den Themen \"Strategische Verteidigungsinitiative\" (SDI), \"R\u00fcstung und Sozialabbau\", \"kommunale Friedensarbeit\", \"politische Friedenssicherung\" und \"Kriegsdienstverweigerung\". Im Rahmen dieses Kongresses verlieh die DFG-VK den von ihr gestifteten \"Bayerischen Friedenspreis\" an Hans Patzelt, Sprecher des orthodoxkommunistisch beeinflu\u00dften \"N\u00fcrnberger Friedensforums\" und Mitglied der von der DFL) gesteuerten \"Krefelder Initiative\". Am 15./16. M\u00e4rz fand in Wiesbaden-Erbenheim ein au\u00dferordentlicher Bundeskongre\u00df der DFG-VK statt, der Zukunftsperspektiven f\u00fcr den erheblich verschuldeten und unter Mitgliederschwund leidenden Bundesverband entwikkeln sollte. Die anwesenden 212 Delegierten aus 87 Ortsgruppen vertagten jedoch ihre innerverbandlichen Probleme, weil w\u00e4hrend des Kongresses nicht festgestellt werden konnte, in welcher H\u00f6he die DFG-VK tats\u00e4chlich verschul58","det ist. Als k\u00fcnftige Arbeitsschwerpunkte beschlossen die Delegierten eine Kampagne \"Aktiv gegen Oliv\", die den \"wahren Charakter des angeblichen Verteidigungsauftrages\" aufkl\u00e4ren soll, sowie eine \"Kampagne zur kommunalen Friedensarbeit\". In einem UZ-Interview erl\u00e4uterte der Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der DFG-VK die Ziele der Aktion \"Aktiv gegen Oliv\". Danach wolle die DFGVK gegen die \"Offensive\" der Bundeswehr, Jugendliche f\u00fcr das \"Kriegskonzept des Jahres 2000\" zu gewinnen, eine \"Gegenaktion\" starten. Hierbei gehe' es im wesentlichen darum, die \"Verweigerung des Kriegsdienstes als Alternative zur Bundeswehr zu betonen\". Zur Abwendung ihrer \"dr\u00fcckenden Finanzsorgen\" gr\u00fcndete die DFG-VK einen Immobilienfonds, an dem sich 100 \"Friedensfreundinnen und -freunde\" beteiligen sollen. Als Grundlage dient der Hausbesitz in Velbert. Zur Unterst\u00fctzung der DFG-VK ver\u00f6ffentlichte die DKP in der UZ entsprechende Aufrufe zur Beteiligung an dem Fonds. Mit dem hierbei eingenommenen Geld k\u00f6nne die DFG-VK \"Investitionen t\u00e4tigen, die direkt ihrer politischen Arbeit nutzen: Verst\u00e4rkte Interessenwahrnehmung f\u00fcr Kriegsdienstverweigerer und Ausweitung ihrer Friedensaktionen\". Die DFG-VK geh\u00f6rte 1986 wiederum zum Aufruferund Unterst\u00fctzerkreis der \"Osterm\u00e4rsche\", die vom 28. bis 31. M\u00e4rz stattfanden. Ihre Anh\u00e4nger beteiligten sich sowohl an den Vorbereitungen als auch an den dezentralen Aktionen in mehreren bayerischen St\u00e4dten und an der zentralen Abschlu\u00dfkundgebung am 31. M\u00e4rz in Wackersdorf. Die DFG-VK war auch ma\u00dfgeblich an der Durchf\u00fchrung des \"S\u00fcdbayerischen Friedensratschlags\" am 13. Juli in M\u00fcnchen beteiligt. Die Teilnehmer des Treffens befa\u00dften sich schwerpunktm\u00e4\u00dfig mit den Herbstaktionen der \"Friedensbewegung\", der Zusammenarbeit zwischen \"\u00d6kologieund Friedensbewegung\" sowie der Beteiligung an den Wahlk\u00e4mpfen. Als Mitglied des bundesweiten \"Koordinierungsausschusses der Friedensbewegung\" wirkte die DFG-VK ferner bei der Beschlu\u00dffassung \u00fcber Gro\u00dfaktionen der \"Friedensbewegung\", deren Planung und Durchf\u00fchrung mit. Zur Vorbereitung der am 11. Oktober als Schwerpunktaktion angesetzten \"bundesweiten Friedensdemonstration\" in Hasselbach/Hunsr\u00fcck f\u00fchrten Mitglieder der DFG-VK eine \"Exkursion\" zum \"Stationierungsgebiet der Cruise Missiles\" im Hunsr\u00fcck durch. Mitglieder der DFG-VK aus Bayern nahmen auch an der Gro\u00dfdemonstration in Hasselbach teil. Anl\u00e4\u00dflich der \"Friedenswoche 1986\" hatte ein \"Aufruferkreis\", dem auch die DFG-VK angeh\u00f6rte, unter dem Motto \"Frieden schaffen ohne Waffen -- Schafft die Atomwaffen ab! Legt die Atomkraftwerke still!\" zu zahlreichen Veranstaltungen in M\u00fcnchen eingeladen. Unter dem Motto \"Frieden braucht Bewegung\" organisierte die DFG-VK vom 19. bis 22. Juni in Finsterau, Landkreis Freyung-Grafenau, ein \"Dreil\u00e4nder-Friedenstreffen\" f\u00fcr Jugendliche aus Bayern, der CSSR und \u00d6sterreich. Die rund 30 Teilnehmer des Treffens diskutierten \u00fcber \"atomwaffenfreie Zonen\", \"Frieden und Abr\u00fcstung\" sowie \u00fcber die Planung weiterer gemeinsamer Aktionen im n\u00e4chsten Jahr. Die Teilnehmer des Treffens besuchten gleichzeitig ein internationales Jugendcamp in der CSSR. Zum Hiroshima-Tag am 6. August veranstaltete die DFG-VK in M\u00fcnchen einen Vortragsabend mit rund 200 Teilnehmern zu dem Thema \"41 Jahre radioaktive Verseuchung -- von Hiroshima ... bis Tschernobyl\". Die Veranstaltung wurde 59","u.a. von der DKP, der SDAJ und acht weiteren orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Organisationen unterst\u00fctzt. Im Rahmen von \"Antifaschismus\"-Kampagnen beteiligte sich die DFGVK am 24. Mai in Feucht an einer Protestdemonstration gegen den Landesparteitag der NPD. Sie nahm ferner als Mitglied des \"Arbeitskreises Antifaschismus\" an den Protestaktionen gegen das Treffen der DVU vom 7. bis 9. August in Passau teil. 2.4.5 Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) Das KFAZ entstand 1974 unter ma\u00dfgeblicher Beteiligung orthodoxkommunistischer Organisationen. Es verf\u00fcgt weder rechtlich noch tats\u00e4chlich \u00fcber eine feste Organisation. Das \"B\u00fcro\" des KFAZ, das Leitungsgremium dieser Gruppierung, ist eine der Schaltzentralen der \"Friedensbewegung\". Ihm geh\u00f6ren f\u00fchrende Funktion\u00e4re der DKP, der DFL) und der WN-BdA an. Seit 1982 ist in ihm die Angeh\u00f6rige des DKP-Pr\u00e4sidiums Martha Buschmann t\u00e4tig, die f\u00fcr die \"Friedensarbeit\" der DKP zust\u00e4ndig ist und 1983 zur Vizepr\u00e4sidentin des sowjetisch gelenkten Weltfriedensrates (WFR) gew\u00e4hlt wurde. Insgesamt geh\u00f6ren 10 der 16 Mitglieder des \"B\u00fcros\" dem WFR direkt oder indirekt \u00fcber ihre Organisationen DFL) und WN-BdA an. Bundesweit bestehen \u00f6rtliche Komitees und Initiativen des KFAZ, in Bayern in M\u00fcnchen, Regensburg und Weilheim. Das KFAZ war auch 1986 einer der Tr\u00e4ger der \"Friedensund Abr\u00fcstungskampagne\". Es arbeitete -- wie in den Jahren vorher -- im \"Koordinierungsausschu\u00df der Friedensbewegung\" in Bonn mit. Zur Information gibt das Komitee \"Rundbriefe\" mit Positionen und Aussagen zur \"Friedensbewegung\" heraus. Unter dem Motto \"Frieden 2000 -- Wege aus der Gefahr\" veranstaltete das KFAZ am 21./22. Juni in K\u00f6ln eine Konferenz, an der etwa 250 Personen teilnahmen, darunter auch G\u00e4ste aus der DDR, der UdSSR, der CSSR, aus Polen und dem westlichen Ausland. Zur Vorbereitung hatte das Komitee ein sogenanntes \"Memorandum\" mit gleichem Titel vorgelegt. Als \"vordringliche Aufgaben\" wurden darin die \"Verhinderung der Militarisierung des Weltraums\", der \"Verzicht auf milit\u00e4rische \u00dcberlegenheit\" und die \"\u00dcberwindung des antikommunistischen Feindbildes\" genannt. Von den bayerischen Gruppierungen des KFAZ war die M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung (BIFA) die aktivste. In ihr arbeiten u.a. DKP, SDAJ, MSB Spartakus, SHB, DFU, DFG-VK, WN-BdA und DFI zusammen. Ihrem Sprecherkreis geh\u00f6rt u.a. die DKP-Funktion\u00e4rin und Landessekret\u00e4rin der WN-BdA Marion Lehmicke an. Die Anschrift des \"BIFA-Friedensb\u00fcros\" ist mit der Adresse der M\u00fcnchner DFU-Gesch\u00e4ftsstelle identisch. Am 18. April feierte die BIFA in M\u00fcnchen mit rund 300 Teilnehmern ihr 10j\u00e4hriges Bestehen. Hierbei gab ein BIFA-Specherratsmitglied einen \u00dcberblick \u00fcber die Entwicklung der BIFA von einer kleinen \"Friedensgruppe\" zur ma\u00dfgeblichen M\u00fcnchner \"Friedensinitiative\". Die weiteren Aktivit\u00e4ten erstreckten sich auf die \"Osterm\u00e4rsche\" und die \"Friedenswochen\". So geh\u00f6rte die BIFA zusammen mit anderen orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Organisationen dem \"Aufruferkreis\" f\u00fcr die \"Osterm\u00e4rsche\" am 30. M\u00e4rz in M\u00fcnchen und f\u00fcr 60","Komitee f\u00fcr Frieden Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit Gottesweg 52 - 5000 K\u00f6ln 51 * Telefon (02 21)36 16 76 Postscheckamt K\u00f6ln Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit 613 12-508 RUNDBRIEF 4/86 die \"Friedenswochen\" vom 8. bis 23. November an. Aus Anla\u00df der milit\u00e4rischen Operation der USA gegen Ziele in Libyen f\u00fchrte die BIFA am 16. April eine Demonstration durch, an der sich rund 3.000 Personen, darunter zahlreiche Angeh\u00f6rige der DKP, ihrer Nebenorganisationen und der von ihr beeinflu\u00dften Vereinigungen beteiligten. Das KFAZ Weilheim veranstaltete am 28. September mit Friedensinitiativen des Landkreises ein \"Friedensvolksfest\", an dem etwa 400 Personen teilnahmen. An der Podiumsdiskussion, die unter dem Motto \"Schwerpunkte und Perspektiven der Friedensbewegung\" stand, beteiligte sich auch ein Bundesvorstandsmitglied der DKP-beeinflu\u00dften \"Friedensliste\". 2.4.6 Vereinigung Demokratischer Juristinnen und Juristen in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West) e.V. (VDJ) Die 1972 auf Initiative der DKP gegr\u00fcndete VDJ versuchte auch 1986, Einflu\u00df auf die Rechtspolitik in der Bundesrepublik Deutschland im Sinne der Ziele der DKP zu nehmen. Die VDJ arbeitet als nationale Sektion der kommunistisch gesteuerten Internationalen Vereinigung Demokratischer Juristen (IVDJ) mit Sitz in Br\u00fcssel. Das Programm der VDJ setzt Arbeitsschwerpunkte u.a. in der \"Aufarbeitung des Faschismus in Recht und Justiz\", im Kampf gegen \"Berufsverbote und Neofaschismus\", in der Solidarit\u00e4t mit Ausl\u00e4ndern und auch im Kampf f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung. Zum Jahresende z\u00e4hlte die VDJ im Bundesgebiet rund 1.200 Mitglieder, die in 26 teils inaktiven Regionalgruppen organisiert sind. Die bisher in Bayern bekanntgewordenen Regionalgruppen traten 1986 kaum in Erscheinung. Am 30. November f\u00fchrte die VDJ in Marburg ihre Bundesdelegiertenkonferenz durch, auf der auch der Bundesvorstand neu gew\u00e4hlt wurde. Unter den Mitgliedern des erweiterten Bundesvorstandes befiriden sich mehrere Angeh\u00f6rige der DKP und der WN-BdA. Die Delegierten stimmten ferner einem Antrag auf \u00c4nderung des Vereinsnamens in \"Vereinigung Demokratischer Juristinnen und Juristen in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West) e.V.\" zu. Am Tage vorher veranstaltete die VDJ zum Gedenken an ein 1985 verstorbenes Bundesvorstandsmitglied eine \"Wissenschaftliche Konferenz\" mit rund 500 Teilnehmern, die sich mit dem \"Recht der Arbeiterbewegung\" befa\u00dfte. In 61","Bayern wandte sich die VDJ gegen den Bau der geplanten Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAW). Sie forderte die Staatsregierung auf, zur \"Beachtung von rechtsstaatlichen Prinzipien\" zur\u00fcckzukehren. 2.4.7 Demokratische Fraueninitiative (DFI) Die DFI wurde 1975/76 mit Unterst\u00fctzung der DKP gegr\u00fcndet. Sie versucht, die Aktivit\u00e4ten \"fortschrittlicher\" Frauengruppen zu koordinieren und im Sinne der DKP zu lenken. Die DKP h\u00e4lt es f\u00fcr gut, da\u00df sich mit der DFI \"erfolgreich ein Anziehungspunkt und Aktivposten fortschrittlicher Frauenpolitik entwickelt und da\u00df viele Genossinnen hier in einem demokratischen B\u00fcndnis ihren Platz einnehmen\". So arbeiten im \"Zentralen Arbeitskreis\", der die DFI-Arbeit auf Bundesebene beschlie\u00dft, seit Jahren Kommunistinnen und Funktion\u00e4rinnen DKP-beeinflu\u00dfter Vereinigungen ma\u00dfgeblich mit. Bundesweit gliedert sich die DFI in rund 130 Ortsgruppen; davon sind 10 zum Teil inaktive Gruppen in Bayern ans\u00e4ssig. Das Publikationsorgan \"Wir Frauen\" erscheint zweimonatlich in einer Auflage von 3.500 Exemplaren. Die Publikation wird bei der DKP-\"Hausdruckerei\" Plambeck & Co. in Neuss hergestellt. Eine der beiden verantwortlichen Redakteurinnen ist Funktion\u00e4rin der DKP. Zum \"Internationalen Frauentag\" am 8. M\u00e4rz f\u00fchrten DKP und DFI vielfach im B\u00fcndnis mit demokratischen Gruppen bundesweit etwa 150 Aktionen durch. Unter dem Motto \"Nicht Blumen, Rechte fordern wir! -- Wir machen Putz\" rief der Tr\u00e4gerinnenkreis \"Aktion Muttertag\", dem Frauen der DKP, der SDAJ, des MSB Spartakus, des SHB, der DFG-VK und der DFI angeh\u00f6ren, zum bundesweiten Frauenprotest am 10. Mai in Bonn auf. Rund 1.500 Teilnehmerinnen demonstrierten f\u00fcr \"Selbstbestimmungsrecht\" und \"Gleichstellung der Frauen\" sowie gegen \"R\u00fcstungswahnsinn im Weltraum und auf der Erde\". Auf der Abschlu\u00dfkundgebung sprachen u.a. das Mitglied des \"Zentralen Arbeitskreises\" der DFI und des KFAZ-\"B\u00fcros\" sowie des prosowjetischen WFR Mechthild Jansen und ein Mitglied des Sekretariats des DKP-Parteivorstandes. In Bayern unterst\u00fctzten ferner \u00f6rtliche DFI-Gruppen neben der DKP, der SDAJ, dem MSB Spartakus und der WN-BdA den Aufruf eines \"Frauenb\u00fcndnisses Bayern\" zur \"Frauenvollversammlung\" am 19. Juli auf dem Marienplatz in M\u00fcnchen, an der sich rund 300 Frauen beteiligten. Am 7./8. Juni fand in K\u00f6ln eine Bundeskonferenz der DFI statt, an der sich rund 180 Frauen aus dem gesamten Bundesgebiet beteiligten. Die Tagung stand unter dem Motto \"F\u00fcr ein eigenst\u00e4ndiges Leben der Frau! F\u00fcr Abr\u00fcstung, eine menschenw\u00fcrdige Umwelt und Erwerbsarbeit! Nicht Almosen, Abh\u00e4ngigkeit und Individualisierung -- unsere Rechte, Unabh\u00e4ngigkeit und Solidarit\u00e4t, das wollen wir!\". Als G\u00e4ste der Konferenz nahmen Vertreterinnen der DKP, des MSB Spartakus und der SDAJ teil. In einem Gru\u00dfschreiben bezeichnete der DKP-Parteiv\u00f6rstand die DFI als \"einflu\u00dfreichen, integrierenden Faktor innerhalb der Frauenbewegung\" und in der Zusammenarbeit von Frauenund Arbeiterbewegung. In einer ersten Skizze \"Zur Zukunft der DFI\" legte die Bundesgesch\u00e4ftsstelle die Zielvorstellungen der DFI dar, die sich im wesentlichen mit den im Motto genannten Forderungen decken. Zur Durchsetzung dieser Ziele sei die Zusammenarbeit von Frauenbewegung und anderen \"fortschrittli62","chen\" Bewegungen und Organisationen wie mit der Friedens-, Umweltund Jugendbewegung sowie mit den Parteien notwendig. Im Rahmen des \"Friedenskampfes\" trat die DFI \u00fcber die von ihr gegr\u00fcndete und gef\u00fchrte Initiative \"Frauen in die Bundeswehr? Wir sagen Nein!\" auf. Diese Initiative geh\u00f6rt dem bundesweiten \"Koordinierungsausschu\u00df\" der Friedensbewegung an. 2.4.8 \"Die Friedensliste\" Das Personenb\u00fcndnis \"Die Friedensliste\", das 1984 auf Betreiben der DKP und der von ihr beeinflu\u00dften DFU sowie der Demokratischen Sozialisten (DS) entstand, entwickelte 1986 wiederum bundesweit und regional gr\u00f6\u00dfere Aktivit\u00e4ten. Am 9. M\u00e4rz w\u00e4hlte die \"Friedensliste\" in Bonn einen neuen Bundesvorstand. Von den 46 Mitgliedern des Bundesvorstandes geh\u00f6ren die H\u00e4lfte der DKP oder DKP-beeinflu\u00dften Organisationen an. Unter den f\u00fcnf Bundessprechern, die der Bundesvorstand aus seiner Mitte bestellte, befindet sich je ein Mitglied des DKP-Parteivorstandes und des DFUBundesvorstandes. Auf ihrer 4. Bundesmitgliederversammlung am 9. M\u00e4rz beschlo\u00df die \"Friedensliste\", bei der Bundestagswahl 1987 zu kandidieren. Die Mitglieder folgten dabei einem Vorschlag des Bundesvorstandes, der die Nominierung von Direktkandidaten in allen 248 Walkreisen vorsah. Die DKP hatte dem Beschlu\u00dfvorschlag des Bundesvorstandes der \"Friedensliste\" bereits vor der Versammlung ihre Unterst\u00fctzung zugesagt und zum Ausdruck gebracht, da\u00df \"die von der Friedensliste gemeinsam vertretene Politik ... auch zu einem Teil Positionen der DKP\" einschlie\u00dfe. Ende M\u00e4rz erkl\u00e4rte dann der DKP-Parteivorstand, die Partei werde auf eine eigenst\u00e4ndige Kandidatur verzichten. Auf dem 1. Wahlkongre\u00df der \"Friedensliste\" am 28. Juni in K\u00f6ln beschlossen die Teilnehmer, auf die Aufstellung von Landeslisten zu verzichten und stattdessen zu empfehlen, die Zweitstimme f\u00fcr ein parlamentarisches \"Ende der Wende\" abzugeben. Ein Mitglied des DKP-Parteivorstandes begr\u00fc\u00dfte in seinem Redebeitrag diese Entscheidung und forderte dazu auf, die Zweitstimme \"den Parteien zuzuf\u00fchren, die eine politische Abl\u00f6sung der Rechtskoalition erreichen k\u00f6nnen, n\u00e4mlich SPD oder Gr\u00fcne\". Mit diesem \"Stimmensplitting\" wollte die \"Friedensliste\" die \"Kr\u00e4fte links von der CDU/CSU/FDP\" st\u00e4rken und neue Mehrheitsverh\u00e4ltnisse im Bundestag schaffen. Im Mittelpunkt des 63","Abr\u00fcstendas Programm f\u00fcr die Zukunft Positionen zur Bundestagswahl 1987 Friedenes gibt keine andere Wahl. DIE FIMDlNSUSTf IB? 2. Wahlkongresses der \"Friedensliste\" am 21. September in Simmern/Hunsr\u00fcck stand die Diskussion der programmatischen Aussagen. Das auf diesem Kongre\u00df beschlossene, jedoch erst im November 1986 ver\u00f6ffentlichte Programm nennt \"Frieden und Abr\u00fcstung\" als das zentrale Thema; daneben wurden in das Wahlprogramm aber auch Positionen der \"Frauen-, Gewerkschaftsund \u00d6kologiebewegung\" aufgenommen. Im Vorfeld der Bundestagswahl errichtete die \"Friedensliste\" zahlreiche Informationsst\u00e4nde und f\u00fchrte bundesweit gr\u00f6\u00dfere Wahlkampfund Kulturveranstaltungen durch. Auf Einladung des \"Sowjetischen Friedenskomitees\" reiste Anfang Dezember eine Delegation der \"Friedensliste\" zu politischen Gespr\u00e4chen nach Moskau. Aus Anla\u00df des 7. Jahrestages des NATO-Doppelbeschlusses hielt die \"Friedensliste\" am 12. und 13. Dezember in mehreren St\u00e4dten Bayerns Mahnwachen ab. Dar\u00fcber hinaus verbreitete die \"Friedensliste\" 1986 im Rahmen ihres Wahlkampfes \"Rundbriefe\", \"Friedenszeitungen\", die sp\u00e4ter in \"Friedensbl\u00e4tter\" umbenannt wurden, sowie zahlreiche Brosch\u00fcren und Flugbl\u00e4tter zu aktuellen Themen. In Bayern hatte die \"Friedensliste\" in 44 von 45 Wahlkreisen Direktkandidaten f\u00fcr die Bundestagswahl nominiert. Lediglich im Wahlkreis 238 Augsburg-Stadt wurde kein Kandidat der \"Friedensliste\" aufgestellt. Von den 44 Wahlkreisbewerbern der \"Friedensliste\" geh\u00f6rten 20 Personen der DKP, ihren Nebenorganisationen oder den von ihr beeinflu\u00dften Vereinigungen an. Elf weitere Personen kandidierten bei fr\u00fcheren Wahlen auf Listen der DKP oder traten als Aktivisten f\u00fcr die DKP auf. Insgesamt waren 31 Kandidaten der \"Friedensliste\" 64","(= 70 %) dem orthodox-kommunistischen Spektrum zuzuordnen. Unter den DKP-Angeh\u00f6rigen befanden sich zwei Mitglieder des Parteivorstandes der DKP und je vier Vorstandsmitglieder der Bezirksorganisation Nordund S\u00fcdbayern. Nach dem amtlichen. Endergebnis erzielte die \"Friedensliste\" im Bundesgebiet 188.602 g\u00fcltige Erststimmen und damit einen Stimmenanteil von 0,5 %. In Bayern erhielten die Bewerber der \"Friedensliste\" 26.489 Erststimmen (0,4%). Gegen\u00fcber der Wahl zum Europ\u00e4ischen Parlament am 17. Juni 1984, bei der die \"Friedensliste\" bundesweit 313.108 Stimmen (1,3%) und in Bayern 38.510 Stimmen (1,0%) erreichen konnte, mu\u00dfte sie bei der Bundestagswahl 1987 somit deutliche Stimmeneinbu\u00dfen hinnehmen. Im Zusammenhang mit den Landtagsund Bezirkswahlen am 12. Oktober in Bayern begann die \"Friedensliste\" sehr fr\u00fchzeitig mit ihren Vorbereitungen. So fanden bereits Ende 1985 Gespr\u00e4che zwischen Vertretern der Partei \"Die Gr\u00fcnen\" und der \"Friedensliste Bayern\" statt. Diese Verhandlungen f\u00fchrten zu dem Ergebnis, da\u00df auf sogenannten \"offenen Listen\" der Gr\u00fcnen Anh\u00e4nger der \"Friedensliste Bayern\" als Direktoder Listenkandidaten nominiert wurden. Da die \"Friedensliste Bayern\" ihre Forderungen durch das Programm der Gr\u00fcnen vertreten sah, verzichtete sie auf eine eigene Kandidatur. Auch die DKP trat nicht mit eigenen Listen an, sondern unterst\u00fctzte den Aufruf der \"Friedensliste Bayern\", die Listen der Gr\u00fcnen und mit ihnen die Vertreter der \"Friedensliste Bayern\" zu w\u00e4hlen. Am 17. Juni f\u00fchrte die \"Friedensliste Bayern\", die zu diesem Zeitpunkt bereits in allen Regierungsbezirken Kontaktadressen aufweisen konnte, in Ingolstadt eine Landesarbeitstagung durch. Auf dem Programm standen u.a. die Landtagswahl und die Wahl eines gesamtbayerischen Sprecherkreises. Die Teilnehmer verabschiedeten ferner Thesen zur Friedens-, Umweltund Gesellschaftspolitik und w\u00e4hlten erstmals einen aus 13 Personen bestehenden gesamtbayerischen Sprecherkreis. Die meisten Angeh\u00f6rigen dieses Gremiums sind als Funktion\u00e4re oder Mitglieder der DKP, der DFU, der WN-BdA oder DFG-VK bekannt. Unter dem Motto \"Zeichen setzen, Frieden w\u00e4hlen -- Diesmal Gr\u00fcn\" warben die \u00f6rtlichen Unterst\u00fctzerkreise und die regionalen Gliederungen der \"Friedensliste Bayern\" in ihren Wahlkampfpublikationen und Flugbl\u00e4ttern, differenziert nach Stimmbzw. Wahlkreisen, f\u00fcr ihre Anh\u00e4nger oder f\u00fcr die jeweiligen Kandidaten der Gr\u00fcnen. Die politischen Aussagen der \"Friedensliste Bayern\" befa\u00dften sich vor allem mit den Themen \"Frieden und Abr\u00fcstung\", \"Ausstieg aus dem Atomprogramm\", \"Kampf gegen Berufsverbote\" und \"Kampf f\u00fcr mehr demokratische Rechte der B\u00fcrger\". Nach dem amtlichen Endergebnis konnten zwei der f\u00fcnf Bewerber der \"Friedensliste Bayern\", die auf \"offenen Listen\" der Gr\u00fcnen kandidiert haben, ein Landtagsmandat erringen. 3. Neue Linke 3.1 \u00dcberblick Die Neue Linke besteht aus linksextremen und linksextrem beeinflu\u00dften Organisationen und Gruppen, die in ihrer Mehrzahl aus der Sozialrevolution\u00e4ren Studentenbewegung der 60er Jahre hervorgegangen sind. Als Ziel streben die 65","dogmatischen Gruppen der Neuen Linken eine kommunistische Gesellschaft an. Sie lehnen jedoch -- anders als die DKP mit ihren Nebenorganisationen -- den Kommunismus sowjetischer Pr\u00e4gung als \"revisionistisch\", \"b\u00fcrokratisch\" und \"sozialimperialistisch\" entartet ab. Die marxistisch-leninistischen Parteien und B\u00fcnde, die sich urspr\u00fcnglich in weit st\u00e4rkerem Ma\u00dfe nach der maoistischen Ideologie ausgerichtet oder sich an den Kurs der Partei der Arbeit Albaniens (PAA) angelehnt hatten, legen neuerdings ihrer Organisationsstruktur sowie ihrem Erkl\u00e4rungsund' Handlungskonzept im wesentlichen die Lehre von Marx in ihrer leninistischen Auspr\u00e4gung zugrunde. Die Marxistische Gruppe (MG) dagegen entspricht ihrem Aufbau nach einer marxistisch-leninistischen Kaderorganisation, obwohl sie ideologisch wesentliche Positionen des Leninismus ablehnt. Bei den undogmatischen Gruppen, die nach ihren vielfach diffusen Vorstellungen f\u00fcr eine \"gewaltfreie, herrschaftslose Gesellschaft\" k\u00e4mpfen, reicht das Spektrum von revolution\u00e4r-marxistischen bis zu anarchistischen Einstellungen. Einige Gruppen der Neuen Linken bekennen sich nicht nur zur Anwendung revolution\u00e4rer Gewalt, sondern \u00fcben sie auch tats\u00e4chlich aus. Die seit l\u00e4ngerer Zeit anhaltende Krise innerhalb gro\u00dfer Teile der Neuen Linken setzte sich auch 1986 fort. Die fortdauernde Abkehr der Politik der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) vom starren Dogmatismus und das Verblassen der einstigen revolution\u00e4ren Leitbilder in der Dritten Welt, Kuba und Vietnam haben mit zu ideologischen Unsicherheiten und Differenzen innerhalb der Gruppen und Parteien der dogmatischen Neuen Linken beigetragen. Dar\u00fcber hinaus f\u00fchrte bei vielen Gruppen nachlassendes Interesse an aktiver Mitarbeit in den vielfach straff gef\u00fchrten Kaderorganisationen zu einer Stagnation der Mitgliederzahl. Auch die theoretische Diskussion \u00fcber die \"Krise des Marxismus\" hatte bei zahlreichen Gruppierungen der dogmatischen Neuen Linken dazu gef\u00fchrt, da\u00df sie vielfach mit sich selbst und dem Verh\u00e4ltnis zu konkurrierenden Nachbargruppen besch\u00e4ftigt waren. Mit dem Abklingen der Diskussion haben die meisten Gruppen nun das Bem\u00fchen um praktische Politik wieder mehr in den Mittelpunkt ihrer Aktivit\u00e4ten gestellt. Sie sahen ihr zentrales Anliegen in der Zusammenf\u00fchrung der zersplitterten kommunistischen Kr\u00e4fte. Kennzeichnend f\u00fcr diese Bem\u00fchungen um eine verst\u00e4rkte Einheitsfront waren die bereits 1985 begonnenen Fusionsgespr\u00e4che zwischen der Kommunistischen Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) (KPD) und der Gruppe Internationale Marxisten -- Deutsche Sektion der IV. Internationale (GIM), die am 475. Oktober in Dortmund zu einem Zusammenschlu\u00df in einer neuen Organisation mit dem Namen Vereinigte Sozialistische Partei (VSP) f\u00fchrten. Die VSP, die sich als \"kleine sozialistische, revolution\u00e4re Partei\" bezeichnet, habe die Aufgabe, die \"Arbeitervorhut f\u00fcr die sozialistische Umw\u00e4lzung der Gesellschaft zu gewinnen\". Sie soll damit einen Beitrag zur Schaffung einer \"revolution\u00e4ren, sozialistischen Massenpartei\" leisten. Als Nachfolgerin von KPD und GIM geh\u00f6rt jetzt die VSP dem Kreis um den Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) und anarcho-syndikalistischer Gruppierungen an, deren Ziel es ist, die \"Einheit der revolution\u00e4ren Sozialistinnen und Sozialisten weiter voranzutreiben\". Sie geben deshalb eine \"Gemeinsame Beilage\" zu ihren Publikationen heraus. 66","Organisations\u00fcbersicht Neue Linke Dogmatische Gruppen Undogmatische Gruppen Marxistisch-Leninistische Organisationen Anarchisten MLPD VSP AB KB BWK MG Autonome AAU AFNB LJ VOLKSAJV ASJG KHB FRONT - BOTF\u00dcCHSE !-* ASKO MLSV IVRJ L MLBI Nebenorganisationen CT) --I beeinflu\u00dfte Organisationen","Nach der Vereinigung von KPD und GIM schlossen sich auch die ehemalige Jugendgruppe der KPD, die Kommunistische Jugend Deutschlands (KJD) und die von der GIM beeinflu\u00dfte Revolution\u00e4r-Sozialistische Jugend -- Roter Maulwurf (RSJ) zu einer neuen Organisation mit dem Namen Autonome Sozialistische Jugendgruppen (ASJG) zusammen. Ob die Zusammenschl\u00fcsse von KPD und GIM sowie \"ihrer\" Jugendverb\u00e4nde zu einem neuerlichen Aufschwung einer Organisation der Neuen Linken f\u00fchrt, ist fraglich. Unabh\u00e4ngig davon soll jedoch in Zukunft die organisationsubergreifende politische Diskussion und praktische Zusammenarbeit unter den Gruppen der Neuen Linken fortgesetzt werden. Die in Bayern vertretenen dogmatischen Gruppen der Neuen Linken blieben auch 1986 im politischen Tagesgeschehen ohne Bedeutung. Sie engagierten sich vorwiegend im Betriebs-, Bildungs-, \"Antifaschismus-\", \"Antiimperialismus-\" und Ausl\u00e4nderbereich. Weitere Themen und Anl\u00e4sse f\u00fcr Aktionen dieser Gruppen waren die geplante \"Strategische Verteidigungsinitiative\" (SDI), die Entwicklung in Mittelamerika, die Auseinandersetzung der USA mit Libyen und die Umweltverschmutzung. Nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl beteiligten sie sich auch agitatorisch an der Kampagne gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAW), die sie mit Forderungen wie \"Kampf dem Atomtod\" und \"Stillegung aller Atomkraftwerke\" unterstrichen. An den Landtagsund Bezirkstagswahlen in Bayern am 12. Oktober nahmen Gruppierungen der Neuen Linken nicht teil. Einige Gruppen forderten jedoch ihre Anh\u00e4nger auf, \"ung\u00fcltig\" zu stimmen. An der Bundestagswahl 1987 hat sich von den dogmatischen Gruppen lediglich die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) beteiligt. Sie erreichte bundesweit 13.821 (0,0%) Stimmen; in Bayern lediglich 1.607 (0,0%) Zweitstimmen. Die undogmatische Neue Linke, die im wesentlichen aus anarchistischen Gruppierungen besteht, blieb weiterhin in ihrer Struktur un\u00fcbersichtlich und in ihrem Auftreten unver\u00e4ndert militant. Sie fordert \"alternative Lebensformen\", \"Autonomie\" und \"Freir\u00e4ume\" in Staat und Gesellschaft. Seit Jahren treten die \"Autonomen\" st\u00e4rker in den Vordergrund. Ihre von brutaler Militanz gekennzeichneten Aktionen richteten sich vornehmlich gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAW), gegen die am Bau von kerntechnischen Anlagen beteiligten Firmen sowie gegen Einrichtungen und Anlagen von Energieversorgungsunternehmen und der Deutschen Bundesbahn. Sie propagieren und praktizieren Gewalt gegen Personen und Sachen. 3.2 Dogmatische Neue Linke 3.2.1 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) Die aus dem ehemaligen Kommunistischen Arbeiterbund Deutschlands (KABD) hervorgegangene, 1982 in Bochum gegr\u00fcndete MLPD bezeichnet sich als \"politische Vorhutorganisation der Arbeiterklasse in der BRD und in WestBerlin\". Ihr grundlegendes Ziel ist der \"revolution\u00e4re Sturz\" der \"Diktatur der Monopolkapitalisten\" und die Errichtung der \"Diktatur des Proletariats\". In ihrem \"Grundsatzprogramm\" bekennt sich die MLPD zu den \"Lehren von Marx, Engels, Lenin, Stalin und MaoTsetung\", dessen Idee der \"Gro\u00dfen Proletari68","sehen Kulturrevolution\" sie verteidigt. Sie kritisiert die \"revisionistische Entartung\" in allen \"realsozialistischen\" L\u00e4ndern einschlie\u00dflich der Volksrepublik China. Nach Auffassung der MLPD dient die gegenw\u00e4rtige Etappe des Klassenkampfes der Vorbereitung der Revolution. Nur unter F\u00fchrung einer \"revolution\u00e4ren Partei\" k\u00f6nne die Arbeiterklasse erfolgreich zum Sturm gegen den \"staatsmonopolistischen Kapitalismus\" \u00fcbergehen. Die MLPD habe die Aufgabe, die Arbeiterklasse \"\u00fcber die Aktionseinheit in kleinen Fragen zur Einheitsfront in allen wesentlichen Fragen\" zusammenzuschlie\u00dfen. Der Schwerpunkt der Partei liegt im westund s\u00fcdwestdeutschen Raum. Ihre Mitglieder sind in Betriebszellen, Ortsgruppen und Bezirken organisiert, die einer \"Zentralen Leitung\" mit Sitz in Essen unterstehen. Die MLPD verf\u00fcgt wie im Vorjahr bundesweit \u00fcber ca. 1.300 Mitglieder. Nach einer Umorganisation Mitte des Jahres ist Bayern jetzt in die MLPD-Bezirke Bayern-S\u00fcd und Franken aufgeteilt; dort liegen auch die Schwerpunkte, Der Mitgliederstand ist gegen\u00fcber dem Vorjahr gleichgeblieben. 1,00 DM 8. November 1986/ 17. Jahrgang Nr. 45 F 2583 C Proletarier aller L\u00e4nder, vereinigt euch'. Spendet Rote f\u00f6hne Zentralorgan der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands -- MLPD Redaktion: 4300 Kssm I. RelHnnhaiiscr Slralle 334, Pnslfadi LU31 12, Telefon: WIM) f\u00fcr die Rotefbhne Auf das Konto des ZK der MLPD Koiilonummc-r: 193 696-431 Poslgiroimt Essen Bankleitiahl: 36010043 Das Zentralorgan \"Rote Fahne\" erscheint w\u00f6chentlich in einer unver\u00e4nderten Auflagenzahl von rund 10.000 Exemplaren. Theoretisches Organ der Partei ist der \"Revolution\u00e4re Weg\". Dar\u00fcber hinaus verbreitete die MLPD in Bayern 12 verschiedene Betriebsund Stadtzeitungen, die gr\u00f6\u00dftenteils regelm\u00e4\u00dfig erscheinen. Die Zeitungen behandelten in ihren Beitr\u00e4gen neben den allgemeinen Themen der MLPD vielfach aktuelle betriebliche und kommunale Probleme wie Entlassungen, \"Arbeitsplatzvernichtung\" oder Umweltverschmutzung durch Chemiebetriebe, zu deren L\u00f6sung die MLPD ihre Politik als Alternative anbot. Es erschienen auch Artikel in t\u00fcrkischer und griechischer Sprache. Am 15. M\u00e4rz veranstaltete die MLPD in Hamburg ein \"Internationales Tribunal gegen Sozialimperialismus und modernen Revisionismus\" mit etwa 1.000 Teilnehmern. Dabei warfen Redner der Sowjetunion vor, um die \"Weltherrschaft\" zu k\u00e4mpfen und \"daf\u00fcr die internationale Friedensbewegung einzuspannen\". Sie kritisierten ferner die \"imperialistische Unterjochung\" und \"brutale Auspl\u00fcnderung\" fremder V\u00f6lker wie Afghanistan und \u00c4thiopien durch die Sowjetunion. Die \"Revisionisten\", vor allem die DKP, wirkten \"zersetzend\" auf das \"Klassenbewu\u00dftsein der Arbeiter\" und \u00fcberlie\u00dfen \"den Kampf um die Einheit Deutschlands\" den \"Reaktion\u00e4ren\". In einer \"Schlu\u00dfresolution\" riefen die Teilnehmer zum Kampf gegen den \"Sozialimperialismus und modernen Revisionismus\" und zur Verteidigung des \"Marxismus-Leninismus\" auf. 69","Unter dem Motto \"Heraus zum 1. Mai -- F\u00fcr ein vollst\u00e4ndiges und allseitiges gesetzliches Streikrecht\" rief die MLPD in Bayern zur Teilnahme an den gewerkschaftlichen Mai-Kundgebungen auf. Daneben f\u00fchrte die MLPD in einigen Orten eigene Mai-Veranstaltungen durch. In M\u00fcnchen sprach der MLPD-Vorsitzende Stefan Engel vor rund 50 Zuh\u00f6rern. Zentrales Anliegen der MLPD war die Zulassung zur Bundestagswahl 1987. Hierzu betrieb sie eine intensive Unterschriftenkampagne und ver\u00f6ffentlichte unter dem Titel \"Die Sozialistische Alternative\" Anfang September ihr 20 Punkte umfassendes \"Wahlprogramm\" zur Bundestagswahl 1987. Darin wandte sie sich u.a. gegen die \"Militarisierung von Staat und Gesellschaft\" und rief zum \"Kampf gegen den Atomtod\" und zur \"Verteidigung des Weltfriedens\" auf. Diese \"Alternative\" zu dem \"Volksbetrug der Monopolparteien\" m\u00fcsse in den n\u00e4chsten Monaten \"unter den Werkt\u00e4tigen breit verankert werden\". -- Die hochgesteckten Erwartungen der MLPD wurden bei den Bundestagswahlen am 25. Januar 1987 bei weitem nicht erf\u00fcllt. Bundesweit erhielt die Partei 13.422 Stimmen. In Bayern, wo sie nur mit Landeslisten angetreten war, kam sie auf 1.607 Stimmen; \"bester\" Wahlkreis war N\u00fcrnberg-Nord mit 76 Stimmen. Zu den Landtagsund Bezirkstagswahlen am 12. Oktober, an denen die MLPD nicht teilnahm, riefen die Bezirksleitungen Franken und Bayern-S\u00fcd auf: \"Erteilt den Monopolparteien eine Absage! Stimmt bei der Landtagswahl ung\u00fcltig!\". In einer Presseerkl\u00e4rung zum Attentat der RAF am 9. Juli in Stra\u00dflach bei M\u00fcnchen verurteilte die MLPD \"die Ermordung des Siemens-Managers Beckurts und seines Fahrers Groppler\". Der Anschlag schade \"nicht nur dem berechtigten Kampf der Werkt\u00e4tigen gegen das Bonner Atomprogramm, sondern noch mehr dem Kampf f\u00fcr eine sozialistische Gesellschaft\". Er werde auch \"genutzt\", die Arbeiterbewegung und ihr revolution\u00e4res Ziel, den Sozialismus, zu kriminalisieren und den Marxismus-Leninismus als geistigen Vater des individuellen Terrorismus zu diffamieren\". So solle \"den werkt\u00e4tigen Massen das Recht abgesprochen werden, sich zum gegebenen Zeitpunkt und nach freiem Entschlu\u00df mit revolution\u00e4rer Gewalt von Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung zu befreien\". Die Auseinandersetzungen um die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAW) und insbesondere den Reaktorunfall in Tschernobyl nutzte die MLPD zu weiterer Agitation. Mit dem Schlagwort \"Kampf dem Atomtod\" forderte sie die Arbeiter zum \"politischen Streik\" auf, um der Forderung zur \"sofortigen Stillegung aller Atomanlagen\" die \"notwendige Durchschlagskraft\" zu geben. Der Marxistisch-Leninistische Sch\u00fclerund Studentenbund -- MLSV -- (s.u.) kritisierte die UdSSR wegen der \"Verschleierung\" des Reaktorunfalls. Weiterer Agitationsschwerpunkt der MLPD waren der Konflikt zwischen den USA und Libyen, die Sicherheitsgesetze, die \"35-Stunden-Woche\" und die Diskussion um das Asylrecht. Nebenorganisationen der MLPD sind der Arbeiterjugendverband (MarxistenLeninisten) -- AJV -- mit der neugegr\u00fcndeten Kinderorganisation ROTF\u00dcCHSE (gemeinsames Publikationsorgan \"Rebell\"). Der AJV soll zur \"Jugendmassenorganisation\" der MLPD ausgebaut werden. Ziel der Kinderorganisation 70","ROTF\u00dcCHSE ist es, \"die Arbeiterkinder f\u00fcr den gemeinsamen Weg der Arbeiteroffensive zu gewinnen, den Marxismus-Leninismus zu erlernen und dabei die f\u00fcr den Kampf um den Sozialismus notwendigen Klasseneigenschaften herauszubilden\". Weitere Nebenorganisationen sind der Marxistisch-Leninistische Sch\u00fclerund Studentenverband (MLSV) mit dem Publikationsorgan \"Roter Pfeil\" und der Marxistisch-Leninistische Bund Intellektueller (MLBI). Im Verlauf des 4. Zentralen Delegiertentags des MLBI wurden ihm von der Partei zwei umfassende Aufgaben \u00fcbertragen: Beginn einer systematischen Arbeit unter den Kleinund Mittelbauern sowie Schulungsund Bildungsarbeit -- vor allem in der neuen Parteischule, dem \"Arbeiterbildungszentrum Horst\" in Gelsenkirchen. 3.2.2 Vereinigte Sozialistische Partei (VSP) Die VSP entstand aus dem Zusammenschlu\u00df der Kommunistischen Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) (KPD) mit der Gruppe Internationale Marxisten-Deutsche Sektion der IV. Internationale (GIM). Die KPD hatte sich u.a. wegen der Fusionsverhandlungen mit der GIM bereits im M\u00e4rz 1985 in zwei Fraktionen gespalten. Die kleinere Fraktion teilte sich auf ihrem \"6. Parteitag\" im Dezember 1985 nochmals in zwei in Bayern inaktive Splittergruppen, die sich beide weiterhin als \"KPD\" bezeichnen. Die gr\u00f6\u00dfere Fraktion um den Parteivorsitzenden Horst Dieter Koch verabschiedete auf ihrem 6. Parteitag am 172. Februar den \"Fahrplan\" f\u00fcr die angestrebte Vereinigung. Auf einem Sonderparteitag am 14./15. Juni und einer anschlie\u00dfenden Urabstimmung unter 364 Stimmberechtigten sprachen sich 303 Mitglieder f\u00fcr eine Vereinigung aus. Die GIM hat nach mehreren Konferenzen auf einer au\u00dferordentlichen Delegiertenkonferenz am 28729. Juni die \"Aufl\u00f6sung zugunsten der Vereinigung mit der KPD\" beschlossen. Knapp 16 % der Mitglieder, die seit dem Fr\u00fchjahr 1986 f\u00fcr den kollektiven Eintritt der GIM in die Partei Die Gr\u00fcnen k\u00e4mpften, machten diesen Schritt nicht mit. Sie traten aus der GIM aus und bei den Gr\u00fcnen ein, wo sie u.a. eine \"unabh\u00e4ngige Organisierung revolution\u00e4rer Sozialistinnen und Sozialisten\" anstreben und die \"sozialistische Politik in den Gr\u00fcnen\" verankern wollen. Seit ihrer Aufl\u00f6sung ist die GIM als Organisation nicht mehr Mitglied der Deutschen Sektion der IV. Internationale. Die ehemaligen GIM-Mitglieder in der VSP k\u00f6nnen jedoch als Einzelmitglieder in der IV. Internationalen verbleiben. Am 475. Oktober fand in Dortmund nach mehreren gemeinsamen beratenden Sitzungen der Zentralkomitees (ZK) von GIM und KPD der Vereinigungskongre\u00df statt. Etwa 160 Delegierte aus beiden Organisationen beschlossen die Vereinigung unter dem neuen Namen \"Vereinigte Sozialistische Partei\" (VSP). Die neue Vereinigung hat bundesweit ca. 600 Mitglieder. Sie wird von einem 32k\u00f6pfigen Zentralkomitee und einem aus 12 Mitgliedern bestehenden Politischen B\u00fcro geleitet. Das ZK richtete bisher 9 provisorische Abteilungen ein. Bis April 1987 soll die Bildung von Landesverb\u00e4nden abgeschlossen sein. Als 71","WS TUN SOZIALISTISCHE die letzte (Nr. 439) is tun-Mainzer Landstr. 147, D-6000 Frankfurt/M. 1 ZEITUNG 19. Jahrgang, 9.10.1986, DM 1,50 19 Jahre was tun Abschied und Neuanfang was tun in eigener Sache. Heute erstmals auf Seite eins -- und das Am ersten Oktoberwochenende haben sich die GIM -- seit 1969 unwiderruflich auch zum letzten Mal. Nach neunzehn Jahrg\u00e4ngen und Herausgeberin der was tun -- und die KPD zu einerneuen Organisation vierhundertneununddrei\u00dfig Ausgaben verabschiedet sich die Zeitung zusammengeschlossen. Ihr Name: VEREINIGTE SOZIALISTISCHE *was tun von ihren Leserinnen und Lesern. Ein Abschied jedoch nicht aus PARTEI (VSP). Sie wird ab Mitte Oktober eine neue Zeitung, die politischer oder Geldnot, nicht in Resignation und auf NimmerwiederSozialistische Zeitung, herausgeben. In ihr wird alle Kraft, Lust und sehen. Der gute alte Maulwurf, Vorbild aller Redakteurinnen und Leidenschaft der alten was tun weiter wirken. Abschied und Auftakt Redakteure der was tun, wird weiterw\u00fchlen, hat immer noch was zu zugleich also. In diesem Sinne--je nach Geschmack -- Auf Wiedersehen, tun... Rot Front, Tsch\u00fc\u00df, bis bald... Eure wt-Redaktion Preis 1,50 DM 1 H 3752 D Roter Morgen 17. Oktober 1986 I ' J ki I Nummer 24 WS SOZIALISTISCHE TUN ZEITUNG Die Lehre von Wackersdorf von JAKOB MONETA Weder Jubel noch klammheimliche Freude \u00fcber den beachtlichen Vereinigte Sozialistische Erfolg der Gr\u00fcnen in der bayerischen Landtagswahl kann uns den Blick davor versperren, da\u00df sie der konservativ-rechten Str\u00f6mung Auftrieb gab. Partei gegr\u00fcndet 72","Organ der VSP wird die vierzehnt\u00e4gig erscheinende \"Sozialistische Zeitung\" (SoZ) herausgegeben. Die Parteiorgane von KPD und GIM, \"Roter Morgen\" bzw. \"was tun\", wurden eingestellt. Die VSP bezeichnet sich als \"kleine sozialistische, revolution\u00e4re Partei\" mit dem Ziel einer \"von tats\u00e4chlicher Arbeitermacht gepr\u00e4gten sozialistischen Demokratie\". Es soll eine \"revolution\u00e4re sozialistische Massenpartei\" geschaffen werden, die die Arbeiterbewegung zur erfolgreichen F\u00fchrung des Klassenkampfes bef\u00e4higen solle, um eine politische Revolution zum Sturz der kapitalistischen Herrschaft und eine Zerst\u00f6rung des Staatsapparates \"von Grund auf\" zu erreichen. Das grundlegende Prinzip der Demokratie, die Gewaltenteilung, sei \"aufzuheben\". Analog zu KPD und GIM fusionierten der Jugendverband der KPD, die Kommunistische Jugend Deutschlands (KJD) und die GIM-beeinflu\u00dfte Revolution\u00e4r-Sozialistische Jugend --Roter Maulwurf (RSJ). Am 20./21. September fand die Vereinigungskonferenz statt. Dabei wurden Programm, Satzung und Selbstverst\u00e4ndnistext der neuen Organisation, die den Namen Autonome Sozialistische Jugendgruppen (ASJG) tr\u00e4gt, verabschiedet. Die ASJG sehen sich als unabh\u00e4ngige Organisation. Als Publikationsorgan erscheint das \"Rote Groschenheft\" mit dem neuen Namen \"radikarl\" weiter. Das KJD-Organ \"Roter Rebell\" wurde eingestellt. 3.2.3 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) Der AB, 1973 aus dem Zusammenschlu\u00df mehrerer \u00f6rtlich t\u00e4tiger maoistisch orientierter Zirkel in Bayern entstanden, beruft sich auf den Marxismus-Leninismus und Mao Zedongs Ideen. Er strebt die Beseitigung der \"herrschenden Ausbeuterklasse\" und die \"Errichtung einer Diktatur des Proletariats\" an. Endziel ist die Verwirklichung des Kommunismus in einer \"klassenlosen Gesellschaft\". Der AB bekennt offen, da\u00df er seine Ziele nur mit Gewalt erreichen k\u00f6nne. Er rechtfertigt die \"revolution\u00e4re Gewalt\" damit, da\u00df die \"herrschende Klasse\" nicht freiwillig auf ihre Macht verzichte. Der AB ist vorwiegend in Bayern t\u00e4tig. Hier bestehen Gruppen in Augsburg, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, Regensburg und im Raum Alt\u00f6tting-Burghausen-Waldkraiburg. Neben diesen AB-Gruppen gibt es in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Regensburg \"Freundeskreise\", die den AB finanziell unterst\u00fctzen sollen. Au\u00dferhalb Bayerns verf\u00fcgt der AB unver\u00e4ndert in 14 St\u00e4dten des Bundesgebietes \u00fcber Ortsgruppen oder St\u00fctzpunkte. Die Gesamtmitgliederzahl blieb mit rund 300 Personen gleich. Im Bildungsbereich wird der AB von seiner Nebenorganisation Kommunistischer Hochschulbund (KHB) unterst\u00fctzt. Der KHB ist zusammen mit der von ihm beeinflu\u00dften \"Liste st\u00e4rkt den Asta\" (LISA) bzw. \"Liste Demokratischer Asta\" (LDA) an den bayerischen Hochschulen aktiv. Zentralorgan des AB ist die \"Kommunistische Arbeiterzeitung\" (KAZ). Sie erscheint in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden mit einer Auflage von unver\u00e4ndert 1.200 Exemplaren im AB-eigenen \"Verlag Das Freie Buch GmbH, Buchund Zeitungsverlag\" in M\u00fcnchen. 1986 erschienen lediglich eine Normalausgabe, eine Sondernummer und etliche Flugschriften. 73","Nach wie vor nimmt der AB innerhalb der dogmatischen Neuen Linken in Bayern eine hervorgehobene Position ein. 1986 war jedoch ein R\u00fcckgang von Veranstaltungen, die unter seinem Namen durchgef\u00fchrt wurden, zu verzeichnen. Bet\u00e4tigungsfeld des AB war 1986 wiederum die \"Antifaschismuskampagne\". Hierbei setzte der AB seine Bem\u00fchungen um Aktionsb\u00fcndnisse fort. Aus Anla\u00df des 6. Jahrestages des Anschlags auf dem M\u00fcnchner Oktoberfest am 26. September 1980 f\u00fchrten Anh\u00e4nger des AB und seines Umfeldes Ende September einen Aufzug mit anschlie\u00dfender Mahnwache vor dem Mahnmal in M\u00fcnchen durch. Anl\u00e4\u00dflich des 100. Geburtstages von Ernst Th\u00e4lmann veranstaltete der AB vom 14. bis 16. April in Hamburg einen \"Theaterumzug\", der in acht szenisch dargestellten Stationen den Kampf des ehemaligen KPD-Vorsitzenden f\u00fcr den Kommunismus aufzeigen sollte. An dem Umzug, der bei der Bev\u00f6lkerung kaum Beachtung fand, wirkten rund 200 Darsteller mit, darunter zahlreiche AB-Anh\u00e4nger aus Bayern. Der AB und sein Umfeld nutzten den Reaktorunfall von Tschernobyl f\u00fcr eine verst\u00e4rkte Agitation gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAW). Sie verbreiteten hierzu zahlreiche Flugbl\u00e4tter, die \u00dcberschriften trugen wie \"Tschernobyls Folgen: Strahlendes Kapital\", \"Wozu braucht Strau\u00df die WAA?\" und \"Hillermeier will Tote sehen\". Erneut setzte sich der AB f\u00fcr die Belange der Ausl\u00e4nder ein. In Publikationen und mit Aktionen wandte er sich gegen den angeblichen Abbau des Asylrechts. Er agitierte dabei mit Schlagworten wie \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit -- das ist Arbeiterfeindlichkeit\" und \"Stoppt die rassistische Hetze der CSU gegen die Asylsuchenden!\". In seiner Propaganda gegen die angebliche Ausl\u00e4nderfeindlichkeit konnte sich der AB auch auf den von ihm beeinflu\u00dften Aktionsausschu\u00df gegen Zwangsarbeit und Abschiebung in Sammellager st\u00fctzen. Im Rahmen seiner Betriebsarbeit verbreitete der AB zahlreiche Betriebszeitungen und Flugbl\u00e4tter, in denen er sich mit Themen befa\u00dfte wie \"Das Kapital kennt keine Gnade\", \"Ist das Kapital verr\u00fcckt geworden oder Wallmanns blaue Flecken und ihre Folgen\", \"Die Deutsche Bank und der SS 116 Arbeitsf\u00f6rderungsgesetz\". Zum 1. Mai f\u00fchrte der AB in mehreren bayerischen St\u00e4dten eigene Mai-Veranstaltungen durch. An einem Aufzug in M\u00fcnchen beteiligten sich rund 400 Personen. Daneben waren Anh\u00e4nger des AB, die teilweise in einheitlichen blauen Hemden der verbotenen FDJ (ohne Abzeichen) auftraten, auch bei den gewerkschaftlichen 1. Mai-Kundgebungen anwesend. Im Jahre 1972 gr\u00fcndeten Sch\u00fcler-, Betriebsund Arbeiterbasisgruppen in Passau, Regensburg und M\u00fcnchen jeweils ein Anti-Strau\u00df-Komitee (ASKo). Nach dem Zusammenschlu\u00df der in Bayern bestehenden Arbeiterbasisund Betriebsgruppen 1973 zum Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) \u00fcbernahmen AB-Aktivisten die F\u00fchrung der gegen den Bayerischen 'Ministerpr\u00e4sidenten gerichteten Komitees. Nach der 1972 ausgearbeiteten \"Plattform\", die auch heute noch gilt, haben die Komitees die Aufgaben, den \"Sturz des rechten F\u00fchrungskaders und dessen ideologischen F\u00fchrers\" vorzubereiten und \"alle faschistischen Organisationen\" zu bek\u00e4mpfen. Heute bestehen noch Anti-Strau\u00df-Komitees in Regensburg und M\u00fcnchen, die vom AB stark beein74","flu\u00dft sind. Der Mitgliederstand ist sowohl in M\u00fcnchen als auch in Regensburg unver\u00e4ndert. Sprachrohr der Komitees ist der \"Demokratische Informationsdienst\" (DID), der im Eigendruck und Selbstverlag hergestellt wird; die Auflage betr\u00e4gt rund 4.000 Exemplare. Die ASKo's unterst\u00fctzten 1986 den AB insbesondere bei Aktionen gegen den Faschismus, die Bundeswehr, die \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\", gegen den Bau von Kernkraftwerken sowie in der Agitation gegen den Bayerischen Ministerpr\u00e4sidenten. So klebten in der Nacht zum 14. Juni unbekannte Personen im Stadtgebiet von Regensburg Plakate, auf denen der Bundeskanzler, der Bundesinnenminister und der Bayerische Ministerpr\u00e4sident als \"politische Gewaltt\u00e4ter\" bezeichnet und der \"Vorbereitung und F\u00fchrung eines Krieges gegen das Volk\" bezichtigt wurden. Als Herausgeber der Plakate zeichnete das ASKo und die vom Kommunistischen Hochschulbund (KHB) beeinflu\u00dfte \"Liste st\u00e4rkt den AStA\" (LISA) presserechtlich verantwortlich. Die Polizei leitete Ermittlungen wegen Verleumdung von Personen des politischen Lebens ein. Im Vorfeld der Landtagswahl am 12. Oktober f\u00fchrte das ASKo Mitte August in M\u00fcnchen Klebeaktionen durch. Die Aufkleber enthielten die Aufschrift: \"Stoppt Strau\u00df\". Darunter stand in roter Farbe: \"Keine Stimme f\u00fcr die CSU\" und \"Keine Stimme f\u00fcr faschistische Organisationen\". Auch zum Thema WAW f\u00fchrte das ASKo Veranstaltungen durch und verbreitete hierzu zahlreiche Flugschriften, u.a. mit der Behauptung \"Hillermeier will Tote sehen\". Dabei wurde die Aussage des seinerzeitigen bayerischen Innenministers, da\u00df bei den schweren Ausschreitungen in Wackersdorf in einem Einzelfall aus Notwehr ein Schu\u00dfwaffengebrauch seitens der Polizei gerechtfertigt gewesen w\u00e4re, als \"Freibrief zum T\u00f6ten\" bezeichnet. Berichtenswert ist die ASKo-Veranstaltung mit Auftaktund Schlu\u00dfkundgebung am 1. Februar in M\u00fcnchen, an der sich bis zu 1.000 Personen beteiligten. Die Protestaktion stand unter dem Motto \"F\u00fcr den Erhalt des Demonstrationsund Versammlungsrechts -- Gegen Polizeiwillk\u00fcr\" und richtete sich vorwiegend gegen Ma\u00dfnahmen des damaligen M\u00fcnchner Kreisverwaltungsreferenten, der wegen Gef\u00e4hrdung der \u00f6ffentlichen Sicherheit und Ordnung im Oktober 1985 zwei Versammlungen verboten hatte. Der 1971/72 vom Bund der Pfadfinder (BdP) abgespaltene Bund Deutscher Pfadfinder im Bund Demokratischer Jugend (BDP/BDJ) -- Landesverband Bayern betrachtet nach einer von ihm erarbeiteten Grundsatzerkl\u00e4rung das \"kapitalistische System\" als Haupthindernis f\u00fcr die vielf\u00e4ltigen Interessen der arbeitenden und lernenden Jugend und h\u00e4lt deshalb eine \"grundlegende Umw\u00e4lzung dieser gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse\" f\u00fcr notwendig. Dar\u00fcber hinaus tritt er f\u00fcr den Wiederaufbau der 1951 wegen verfassungsfeindlicher Bet\u00e4tigung verbotenen Freien Deutschen Jugend (FDJ) ein. Dem BDP/BDJ-LV Bayern wurde 1984 gerichtlich untersagt, weiterhin die Bezeichnung BDP zu verwenden. Die Anh\u00e4nger des BDP-BDJ-LV Bayern traten deshalb im Jahr 1985 wiederholt unter der Aktionsbezeichnung \"K\u00e4mpfende Jugend\" auf. Seit Ende 1985 f\u00fchren die in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg bestehenden ehemaligen Ortsgruppen des BDP/BDJ-LV Bayern die neue Bezeichnung \"Initiative f\u00fcr die 75","Vereinigung der revolution\u00e4ren Jugend\" (IVRJ). Die dritte in Bayern bestehende Ortsgruppe nennt sich weiterhin Demokratischer Jugendzirkel Regensburg. Sowohl die Initiativen als auch der Jugendzirkel werden vom AB beeinflu\u00dft. Ihr Publikationsorgan ist die Zeitschrift \"K\u00e4mpfende Jugend\", die auch dem AB als Werbetr\u00e4ger dient. Die IVRJ unterst\u00fctzte 1986 den AB insbesondere in der \"Antifaschismusund Antimilitarismusarbeit\". Unter dem Motto \"Beschlu\u00df der Bundesregierung vom 26.06.1951 -- Herrnburger Bericht\" meldete eine Funktion\u00e4rin der IVRJ f\u00fcr den 13. Juli in M\u00fcnchen eine Versammlung an, die sich gegen das Verbot der \"Freien Deutschen Jugend in Westdeutschland\" (FDJ) richtete, das vor 35 Jahren ausgesprochen worden war. Der AB und die von ihm beeinflu\u00dften Gruppierungen haben wiederholt die Aufhebung dieses Verbots gefordert, so 1983 in Essen mit der Auff\u00fchrung des Bert-Brecht-St\u00fcckes \"Herrnburger Bericht\", der ausschlie\u00dflich der verbotenen FDJ gewidmet ist. An der angemeldeten Protestaktion beteiligten sich rund 100 Personen. 84 Teilnehmer, die das FDJAbzeichen sichtbar auf blauen, uniformartigen Hemden oder anderer Kleidung trugen, wurden von der Polizei wegen des Verdachts der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen vorl\u00e4ufig festgenommen. Im Vorfeld der Versammlung wurde innerhalb und au\u00dferhalb Bayerns auf Flugbl\u00e4ttern und Plakaten mit FDJ-Emblem und dem Leitthema \"Wir sind noch da!\", auf die Veranstaltung hingewiesen. Im Oktober meldete die IVRJ unter dem Thema \"Jugendarbeitslosigkeit\" in M\u00fcnchen Aufz\u00fcge mit Schlu\u00dfkundgebungen an. Trotz mehrfacher Verst\u00f6\u00dfe gegen das Versammlungsgesetz, u.a. wegen Tragen von blauen Hemden der verbotenen FDJ (ohne Abzeichen), kam die Versammlungsleiterin der polizeilichen Aufforderung, die Aufz\u00fcge einzustellen, nicht nach. Am 16./20. und 21. Oktober l\u00f6ste die Polizei die Veranstaltungen deshalb auf. Einige Teilnehmer leisteten dabei Widerstand. Entsprechende Strafverfahren wurden eingeleitet. 3.2.4 Kommunistischer Bund (KB) Der Ende 1971 entstandene KB ist ein Zusammenschlu\u00df kommunistischer Organisationen auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus in seiner Weiterentwicklung durch Mao Zedong. Er strebt die \"gewaltsame Zerschlagung des Staatsapparates\" und seine \"Ersetzung durch r\u00e4tedemokratische Strukturen\" an. Sein Einflu\u00df innerhalb der Gruppen der Neuen Linken und die Einsatzbereitschaft seiner Mitglieder lie\u00dfen weiter nach. Ende des Jahres 1986 geh\u00f6rten dem KB im Bundesgebiet unver\u00e4ndert etwa 400 Mitglieder an. Die Mehrzahl seiner Aktivisten ist in Hamburg organisiert. In Bayern verf\u00fcgt der KB \u00fcber Kontaktstellen in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und W\u00fcrzburg mit einer kleinen Anh\u00e4ngerzahl. Die Monatszeitung \"Arbeiterkampf\", deren Auflagenh\u00f6he auf 4.800 Exemplare (1985: 4.500) leicht anstieg, erscheint noch regelm\u00e4\u00dfig. Im \u00fcbrigen beschr\u00e4nkten sich die Aktivit\u00e4ten des KB in Bayern im wesentlichen auf die Mitarbeit in verschiedenen Aktionsb\u00fcndnissen. Bevorzugtes Aktionsfeld des KB in Bayern war 1986 die Kampagne gegen die WAW. Er sagte in seinem Zentralorgan den Atomanlagen den Kampf an und forderte in Flugbl\u00e4ttern die sofortige Abschaltung aller Atomkraftwerke. Am 76","V \"bald eine terroristische Vereinigung? nth a l t und Fun BcXt h i n t e r dem Kronze \u00fcne T e r r o r i s t e n ] Donnerstag, 18.12., 2 0 U h r KOMM .Veranstalter: Kommunistischer","16. August beteiligte er sich am \"Tr\u00e4gerkreistreffen\" in Hanau f\u00fcr die dort am 8. November durchgef\u00fchrte Gro\u00dfdemonstration \"Gegen Atomanlagen\". F\u00fcr den 4. Oktober rief er zur Teilnahme an der Anti-AKW-Gro\u00dfdemonstration in M\u00fcnchen auf. Zum Thema \"Stammheim und die Folgen\" hatten der KB und die studentische \"Gr\u00fcn-Bunte-Liste\" f\u00fcr den 12. Juni mit Flugbl\u00e4ttern zu einer Informationsveranstaltung in die Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen eingeladen. Als Sprecherin traten eine Familienangeh\u00f6rige der in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim verstorbenen Terroristin Gudrun Ensslin und ein M\u00fcnchner Strafverteidiger auf. Die Veranstaltung besuchten etwa 400 Personen. Mit dem Flugblatt \"Ich und Du: bald eine terroristische Vereinigung?\" lud der KB f\u00fcr den 18. Dezember 1986 zu einer Informationsveranstaltung \u00fcber die neuen Anti-Terror-Gesetze in das N\u00fcrnberger \"KOMM\" ein. Etwa 80 Teilnehmer besuchten die Veranstaltung. 3.2.5 Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) Der 1980 von ehemaligen Angeh\u00f6rigen des Kommunistischen Bundes Westdeutschland (KBW) in Hannover gegr\u00fcndete BWK bekennt sich in seinem Programm zur \"proletarischen Revolution\" und zur \"Diktatur des Proletariats\" im marxistisch-leninistischen Sinne. Er propagiert offen die \"Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparates\". Die Zentrale des BWK hat ihren Sitz in K\u00f6ln. Publikationsorgan ist die Zeitschrift \"Politische Berichte\". Sie erscheint vierzehnt\u00e4gig im Verlag \"Gesellschaft f\u00fcr Nachrichtenerfassung und Nachrichtenverbreitung -- Verlagsgesellschaft Politische Berichte mbH\" (GNN) in K\u00f6ln. Die Auflage betrug Ende 1986 unver\u00e4ndert 1.300 St\u00fcck. Die Mitgliederzahl des BWK auf Bundesebene blieb 1986 bei etwa 400 Personen konstant. In Bayern dagegen ging die Mitgliederzahl zum Jahresende erheblich zur\u00fcck. Die Aktionsschwerpunkte des BWK waren 1986 die Atom-, Lohn/Tarifund Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung. In Bayern beschr\u00e4nkte sich die T\u00e4tigkeit des BWK auf die Verbreitung der Zeitschrift \"Politische Berichte\". Die Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg (VOLKSFRONT), ehemals von der im Oktober 1986 aufgel\u00f6sten KPD beeinflu\u00dft, wurde 1979 in Dortmund gegr\u00fcndet. In einem damals ergangenen Aufruf war ausgef\u00fchrt, die Gr\u00fcndung sei erforderlich gewesen, um den wachsenden \"Widerstand in unserem Volke\" gegen \"Aussperrungsterror\", \"brutale Polizeieins\u00e4tze\" und \"Naziprovokation\" bundesweit zu organisieren. Auf einem Sonderkongre\u00df am 12. Mai 1984 in K\u00f6ln betonten die Delegierten, die VOLKSFRONT sei keine Partei im herk\u00f6mmlichen Sinne, sondern eine \"\u00fcberparteiliche Massenorganisation\", die sich um ein einheitliches Vorgehen der \"antifaschistischen Kr\u00e4fte\" bem\u00fche. Dieser \"Einheitsfrontcharakter\" der VOLKSFRONT m\u00fcsse gewahrt bleiben. In der VOLKSFRONT sind nunmehr vor allem Mitglieder des BWK und der VSP (ehemalige KPD-Angeh\u00f6rige) organisiert, wobei der BWK inzwischen eine dominierende Rolle spielt. Die VOLKSFRONT ist jetzt eine BWKund VSP-beeinflu\u00dfte Organisation, marxistisch-leninistisch orientiert, mit bundesweit etwa 600 Mitgliedern. Sie verf\u00fcgt in allen Bundesl\u00e4ndern \u00fcber Landesverb\u00e4nde, die 78","sich in Kreisverb\u00e4nde und Ortsgruppen gliedern. Der Landesverband Bayern wurde 1979 in N\u00fcrnberg unter Beteiligung der KPD gegr\u00fcndet. Publikationsorgan der VOLKSFRONT ist das Mitteilungsblatt \"Volksecho\", das im zweimonatlichen Rhythmus erscheint. Daneben gibt die VOLKSFRONT die Publikation \"Antifaschistische Nachrichten\" heraus. Die Aktivit\u00e4ten der VOLKSFRONT in Bayern umfa\u00dften schwerpunktm\u00e4\u00dfig \"antifaschistische\" Themen; dabei wurde das Verbot aller \"faschistischen Organisationen\" gefordert. 3.2.6 Marxistische Gruppe (MG) Die MG, die Ende der 60er Jahre aus den \"Roten Zellen\" hervorgegangen ist, nimmt innerhalb der Gruppen der Neuen Linken eine Sonderstellung ein. Sie ist gekennzeichnet durch hierarchischen Aufbau, straffe Disziplin, intensive Schulung der Mitglieder und strenge Abschirmung des Verbandslebens und entspricht insoweit einer marxistisch-leninistischen Kaderorganisation. Programmatisch lehnt sie jedoch den \"Leninismus\" in seiner dogmatischen Form ab. Die MG bek\u00e4mpft die \"Demokratie\" als \"Staatsform der b\u00fcrgerlichen Ausbeutung\" und tritt daf\u00fcr ein, den Staat auf dem Weg \u00fcber die sozialistische Revolution abzuschaffen. Voraussetzung dazu sei der \"Klassenkampf des Proletariats\", zu dessen \"Bewu\u00dftseinsorientierung\" sie beitragen wolle. Das Bekenntnis der MG zur sozialistischen Revolution schlie\u00dft auch die Anwendung von revolution\u00e4rer Gewalt als Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele ein. Die MG konnte bundesweit ihren Mitgliederstand (ca. 1700) halten. Sie findet ihre Anh\u00e4nger \u00fcberwiegend unter Studenten und Angeh\u00f6rigen akademischer Berufe. Der organisatorische Schwerpunkt der MG, die sich in den letzten Jahren zur mitgliederst\u00e4rksten Organisation innerhalb der Neuen Linken entwikkelte, liegt in Bayern. Hier bestehen Gruppen in Augsburg, Bamberg, Erlangen-N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen, Regensburg und W\u00fcrzburg. Aktivit\u00e4ten, die auf St\u00fctzpunkte schlie\u00dfen lassen, wurden auch aus Bayreuth, F\u00fcrth, Ingolstadt und Schweinfurt bekannt. Die Zahl ihrer Mitglieder betrug zum Jahresende 1986 wie im Vorjahr etwa 600 Personen. Dar\u00fcber hinaus konnte sich die MG in Bayern auf einen Sympathisantenkreis von rund 4.500 Personen st\u00fctzen, die fest in die MG eingebunden sind, Beitr\u00e4ge entrichten und Schulungen (Sympathisantenplena) besuchen. Die bedeutendste Gruppe ist nach wie vor die MG M\u00fcnchen, die faktisch eine F\u00fchrungsfun(ktion aus\u00fcbt. Kommunikationsund Bildungszentren sind der \"Laden\" des \"Vereins zur F\u00f6rderung des studentischen Pressewesens e.V.\", die \"MHBund NEW-Gesellschaften f\u00fcr Druck und Vertrieb wissenschaftlicher Literatur mbH\" und der \"Resultate-Verlag\" in M\u00fcnchen sowie die \"MG-L\u00e4den\" in Erlangen, N\u00fcrnberg und W\u00fcrzburg. Gliederung und leitende Gremien der MG werden nach wie vor weitgehend geheimgehalten. Die MG praktiziert einen straffen F\u00fchrungsstil und verlangt die stete Bew\u00e4hrung des einzelnen als Mitglied und Sympathisant. Die Finanzierung der MG erfolgt durch sehr hohe Mitgliedsbeitr\u00e4ge und durch den Verkauf von Publikationen. Zentrale Publikationsorgane der MG sind die \"MSZ-Marxistische Zeitung gegen die Kosten der Freiheit\" und die \"Marxistische Arbeiterzeitung\" (MAZ). Zus\u00e4tzlich erscheinen \u00f6rtliche \"Hochschulzeitungen\" mit Ein79","zelauflagen bis zu 14.000 Exemplaren sowie Betriebs-, Branchenund Regionalausgaben der MAZ. Das theoretische Organ der MG f\u00fchrt den Titel \"Resultate\". Agitationsschwerpunkte der MG waren 1986 der Konflikt zwischen den USA und Libyen, die Reaktorkatastrophe'von Tschernobyl sowie das Gipfeltreffen der USA und der Sowjetunion in Reykjavik. Daneben befa\u00dfte sich die MG auf zahlreichen \"teach-in's\" und \u00f6ffentlichen Versammlungen noch mit Themen wie \"WAA-Wackersdorf: Gro\u00dfmachtprojekt und seine demokratische Abwicklung\", \"Deutsche Tugenden -- Unarten zum Abgew\u00f6hnen\", \"SDI -- Der Westen setzt auf Krieg\", \"Weltwirtschaftsgipfel in Tokio -- die demokratischen F\u00fchrer legen ihre n\u00e4chsten Bombenziele fest\", \"Die Politik erledigt das Asylantenproblem -- Demokratischer Rassismus!\" und \"Skandal um die Neue Heimat\". Hauptbet\u00e4tigungsfelder waren wiederum die Hochschulen, wo sie 1986 ihren Einflu\u00dfbereich aufrechterhalten konnte, und die Betriebsarbeit. Bei den Wahlen f\u00fcr die Kollegialorgane der Hochschulen kandidierte die Marxistische Gruppe unter ihrem eigenen Namen, wobei sie bei diesen Wahlen nur ein Ziel verfolgt: \"Das Privileg gew\u00e4hlter Studentenvertreter, in Uni-R\u00e4umen zu sagen, was sie zu sagen haben. Dieses Vorrecht nutzen wir mit unseren Diskussionsveranstaltungen hemmungslos aus, einen gew\u00e4hlten Menschen in einem Fachbereichsrat zu haben, erspart uns einen Extra-Zank mit dem Ordnungsrecht\". An zwei bayerischen Universit\u00e4ten stellt die MG je einen Vertreter im Kovent. 80","Mit der \"Marxistischen Arbeiterzeitung\" (MAZ), die 1986 in zahlreichen St\u00e4dten vor Gro\u00dfbetrieben verteilt wurde, versuchte die MG in den Arbeitnehmerbereich einzudringen. Zu diesem Zweck hat die MG einen eigenen Kader f\u00fcr Betriebsarbeit gebildet, der \u00fcber Einzelpersonen oder kleine Agitationsgruppen ihre Politik in die Betriebe tragen soll. Die Schulung der Arbeiter ist praxisbezogen und weniger \"wissenschaftlich\". In der MAZ behandelte die MG spezielle Themen wie \"Lohnrunde 1986: Diesmal steht SS 116 vor dem Komma\", \"Stichwort Betriebsrat\", \"Lohnabrechnung -- Jeden Monat dieselbe Bescherung\", \"DGB-Kongre\u00df in Hamburg -- Eine Sternstunde der deutschen Arbeiterbewegung\", \"\u00dcberstundenabbau schafft Arbeitspl\u00e4tze -- Eine verbl\u00fcmte L\u00fcge f\u00fcr Lohnsenkung\" und \"Neues aus der Wissenschaft: Arbeiter sind reich\". Der Konflikt zwischen den USA und Libyen war Thema zahlreicher MG-Diskussionsveranstaltungen. Zu einer Veranstaltung in M\u00fcnchen kamen am 17. April ca. 1.200 Personen. Unter dem Motto: \"Weltfrieden 86 -- Die Nato schafft's: Viele Kriege, wenig Kritik\" wurde den USA vorgeworfen, den Frieden beendet zu haben. \"Die USA sind zum Krieg bereit, der 3. Weltkrieg h\u00e4ngt nur noch von der Nachgiebigkeit der Russen ab\", lautete das MG-Fazit dieser Veranstaltung. Das Reaktorungl\u00fcck von Tschernobyl nutzte die MG, um die Atompolitik der Bundesregierung wochenlang in Veranstaltungen und Publikationen zu kritisieren. Auch die MG forderte die sofortige Abschaltung aller Kernkraftwerke in der Bundesrepublik. \"Die Katastrophe von Tschernobyl wurde zum Gottesgeschenk f\u00fcr die demokratische Vorkriegs-Stimmungsmache\". F\u00fcr den \"ewigen prowestlichen Systemvergleich\" mache sich ein brennendes sowjetisches Kernkraftwerk eben ganz hervorragend, so die MG. Die Vorg\u00e4nge um die \"Neue Heimat\" waren f\u00fcr die MG ein willkommener Anla\u00df einen ihrer potentiellen Gegner, die Gewerkschaften, verbal anzugreifen. Eine \u00f6ffentliche Diskussionsveranstaltung zu diesem Thema fand am 2. Oktober in N\u00fcrnberg vor ca. 450 Zuh\u00f6rern statt. Die MG bezeichnete hierin \"DGB-Bonzen\" als \"Kapitalisten\", die einsehen mu\u00dften, da\u00df auch das Spekulieren mit Gewerkschaftsbeitr\u00e4gen nicht vor \"unternehmerischem Risiko\" sch\u00fctze. Um im Gesch\u00e4ft zu bleiben, habe sich der DGB von seiner \"Neuen Heimat\" trennen m\u00fcssen -- und die Arbeiter f\u00fchlten sich wie immer verschaukelt! Im November f\u00fchrte die MG in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Regensburg \u00f6ffentliche Diskussionsveranstaltungen durch mit dem Thema: \"Vergleichen ist modern: Wir unterscheiden Kohl und Hitler, Goebbels und Gei\u00dfler, Reagan und Gorbatschow, M\u00fcnchener Abkommen 1938 und Reykjavik-Gipfel 1986\". Allein in M\u00fcnchen besuchten ca. 1.200 Personen die Veranstaltung. Den ReykjavikGipfel analysierte die MG dabei wie folgt: \"Die ganze Abr\u00fcstungseuphorie der NATO-F\u00fchrer ist eine einzige Heuchelei. Die NATO denkt seit Jahren nur noch an das Eine: Was tun, wenn der gro\u00dfe atomare Schlagabtausch f\u00e4llig ist? Die Antwort: Wir brauchen SDI, das Mittel f\u00fcr eine strategische Schlacht, bei der eine neue Sorte Flugabwehr gegen ballistische Raketen zum Einsatz kommt. Dann braucht man den gro\u00dfen atomaren Schlagabtausch nicht mehr \u00fcber alles zu f\u00fcrchten; man kann ihn nach den taktischen Regeln von Angriff und Verteidigung als weltumspannendes Gefecht f\u00fchren\". 81","3.3 Undogmatische Gruppen der Neuen Linken 3.3.1 Allgemeines Zum Bereich der Neuen Linken geh\u00f6ren auch die sogenannten undogmatischen Gruppen. Sie sind schwer \u00fcberschaubar und bestehen h\u00e4ufig aus kleinen, \u00f6rtlichen Zirkeln oder lockeren kurzlebigen Zusammenschl\u00fcssen. Sie lehnen starre Organisationsformen und feste Bindungen an ideologische Dogmen ab, bef\u00fcrworten im politischen Kampf Spontaneit\u00e4t, Autonomie und \"Selbstorganisation der Unterdr\u00fcckten\". Sie fordern vor allem die Arbeit an der \"Basis\" und \"Selbstbestimmung\" in Bezugsgruppen oder pers\u00f6nlichen \"Arbeitsfeldern\" zur \"eigenen Befreiung\". Das politische Spektrum dieser undogmatischen Linksextremisten reicht von Anh\u00e4ngern eines \"undogmatischen wissenschaftlichen Sozialismus\" \u00fcber Sozialrevolution\u00e4re bis hin zu Anarchisten. Sie alle verfolgen als Endziel die Beseitigung der bestehenden Staatsund Gesellschaftsordnung. Ais-Mittel zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele fordern sie vielfach \"gewaltfreien\" oder gewaltt\u00e4tigen Widerstand. Dabei wird das Widerstandsrecht als \"Gegengewalt\" aus \"der \"strukturellen Gewalt\" des Staates abgeleitet und legitimiert. Innerhalb der undogmatischen Neuen Linken konnte 1986 der anarchistisch orientierte \"autonome\" Fl\u00fcgel seine Bedeutung weiter festigen. Andere Gruppen dagegen verloren an Einflu\u00df. Neben den undogmatischen Linksextremisten gibt es auch Gruppen, die auf den gleichen Aktionsfeldern, h\u00e4ufig mit \u00e4hnlichen Namen und Organisationsformen t\u00e4tig werden, ohne jedoch extremistische Ziele zu verfolgen. Zu diesem Bereich z\u00e4hlt der gr\u00f6\u00dfte Teil der sogenannte Alternativen. 3.3.2 \"Autonome\" Gruppen Mit Aktionen traten 1986 im Bundesgebiet und in Bayern Gruppen auf, die sich selbst als \"Autonome\" bezeichnen. Dabei handelt es sich vielfach um spontane und lose, nach au\u00dfen jedoch abgeschottete Zusammenschl\u00fcsse ohne einheitliches Konzept. Ihr Ziel ist, den Staat mit seinen Institutionen zu beseitigen und eine \"Autonomie\" in einer \"herrschaftsfreien Gesellschaft\" zu errichten. Hierzu wollen sie zun\u00e4chst \"Freir\u00e4ume\" und \"Widerstandsnester\" erk\u00e4mpfen und den \"Kampf gegen das System\" unberechenbar und flexibel f\u00fchren. Ihre vielfach militanten Aktionen richten sich nicht nur gegen \"Spekulanten, Startbahn und Kernkraft\", sondern auch gegen den \"allt\u00e4glichen Faschismus\", gegen Mittelstreckenraketen, \"Ausl\u00e4nderhetze, Knast und Repressionen\" sowie gegen den \"\u00dcberwachungsstaat\". In Bayern bestehen \"autonome\" Zusammenschl\u00fcsse in unterschiedlicher personeller St\u00e4rke in Augsburg, Erlangen, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, Regensburg und W\u00fcrzburg, die unter Bezeichnungen wie \"Anti-NATOGruppe\", \"Basisgruppe\", \"Anti-WAA-Gruppe\", \"Prolos\" und \"Jobbergruppe\", teilweise aber auch ohne Namen auftraten. Neue Gruppen, die sich als \"Oberpf\u00e4lzer Autonome\" bezeichnen, wurden im Rahmen des \"Ostercamps\" bekannt. Sie erhalten Anleitung und Unterst\u00fctzung von den militanten Gruppen aus Erlangen, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Die nach Wackersdorf angereisten au\u00dferbayerischen \"Autono82","Protest ist, wenn ich sage, d a s und d a s pa\u00dft mir nicht. Widerstand ist, VUSAA wenn ich daf\u00fcr NIC-' sorge, d a \u00df das.was mir nicht pa\u00dft, nicht l\u00e4nger geschieht ! \\MSeiZMM m Wir unterst\u00fctzen den Vorschlag, das Baugel\u00e4nde f\u00fcr die \u00dc Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf zu besetzen. Wir hatten es f\u00fcr richtig, den Widerstand dort zu leisten, wo die Herrschenden ihr m\u00f6rderisches Projekt verwirklichen wollen, ' g enauso wie es richtig ist, sie in ihren Rattenl\u00f6chern, ihren Fa*I*I riken, ihren Luxusvillen etc. zu bek\u00e4mpfen. Es ware albern, \"JP I lie\u00dfe man sich seinen Widerstand und seine Formen ausgarech'PS* net vom Staat vorschreiben. Wir haben genug vom Charakter Igj dieses Staates verstanden, um zu wissen, da\u00df die M\u00f6glichkeiten & des juristischen Einspruches allenfalls die demokratischen Spiel ^ regeln bei der Durchsetzung dieses Projektes wahren ange- * sichts der l\u00e4ngst getroffenen politischen Entscheidung, diese zu bauen. In diesem Sinne ist eine Bauplatzbesetzung fur uns Teil Ii aktiver Widerstandsformen. Wir rufen daher dazu auf, sich an der Besetzung am 1 . | Samstag nach Rodungsbeginn zu beteiligen! Treffpunkt: 14.00 Bannhof Altenschwand. f\u00fcr dte autonomen Gruppen: auf der Wiese vor der Bi-Kapelle a m Anfang des Baugel\u00e4ndes, oder wenn das nicht geht, vor der ersten Polizeikette. P\u00fcnktlich seinl Schlafsack, Proviant und Ausr\u00fcstung mitbringen! Autonomes WAA-Plenum Bayern 83","men\", vor allem aus dem Raum Berlin, Frankfurt a.M., Freiburg und G\u00f6ttingen waren mit ihrer Militanz vielfach Vorbilder f\u00fcr die bayerischen Gruppen. Als Publikationsorgan verbreiteten die \"Autonomen\" in Bayern den \"Informationsdienst M\u00fcnchen\" sowie zahlreiche andere Schriften, die sich in militanter Form gegen die geplante Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAW) richteten. Nach Jahren der \"Resignation\" in der \"autonomen Szene\" gab es erstmals 1985/86 wieder Ans\u00e4tze f\u00fcr eine Festigung; einzelne Gruppen sprachen sogar von einer \"Reorganisation\" auf \u00f6rtlicher und \u00fcber\u00f6rtlicher Ebene. Anla\u00df hierf\u00fcr war vor allem die \"Anti-AKW-Kampagne\". Im Rahmen dieser Kampagne bezeichneten die \"Autonomen\" die WAW als \"milit\u00e4risches Kriegsobjekt\", das f\u00fcr die \"NATO-Kriegspolitik\" stehe und deshalb einen \"entschlossenen und kraftvollen\" Widerstand erfordere. Der Reaktorunfall von Tschernobyl am 26. April f\u00fchrte in der \"Anti-AKW-Bewegung\" zu einer Verst\u00e4rkung ihres Kampfs gegen die WAW. F\u00fcr die \"Autonomen\" brach mit dem Ereignis eine neue Epoche an, die nicht nur ihre Kampfmoral verst\u00e4rkte, sondern der Gesamtbewegung und auch den \"Autonomen\" f\u00fcr ihre Aktionen neue Verb\u00fcndete zuf\u00fchrte wie z.B. fr\u00fcher friedliche AKWGegner, Chaoten, Punks und Rocker. Angeh\u00f6rige \"autonomer\" Gruppen haben sich 1986 an fast allen wesentlichen Aktionen gegen die WAW beteiligt. So nahmen militante Gruppen in einer St\u00e4rke von mehreren Hundert Angeh\u00f6rigen an den Ausschreitungen vor der zentralen \"Ostermarsch\"-Abschlu\u00dfkundgebung am 31. M\u00e4rz in Wackersdorf teil. Etwa 800 \"Autonome\" beteiligten sich an einer Demonstration, die am 17. Mai in Erlangen \"gegen Siemens/KWU und WAA\" durchgef\u00fchrt wurde und das anschlie\u00dfende \"Widerstandscamp\" in Wackersdorf er\u00f6ffnen sollte. An der Durchf\u00fchrung dieses \"Widerstandscamps\" und an den gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen w\u00e4hrend der Pfingstfeiertage waren sie nach Sch\u00e4tzungen in St\u00e4rke von weit \u00fcber 1.000 Personen beteiligt. Auch die Aktionen an den \"Blockadeund Aktionstagen\" gegen die WAW, die im Anschlu\u00df an die Landtagswahl in Bayern vom 15. bis 19. Oktober stattfanden, wurden \u00fcberwiegend von Anh\u00e4ngern \"autonomer\" Gruppierungen getragen. Anh\u00e4nger der \"Autonomen\" hatten auch ma\u00dfgeblichen Anteil an den am 2. Weihnachtsfeiertag und an Silvester entstandenen Ausschreitungen, bei denen Polizeibeamte mit Steinen beworfen und Stahlkugeln beschossen wurden. Nach den gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen, die ihren H\u00f6hepunkt w\u00e4hrend der Pfingstfeiertage und im Zusammenhang mit der verbotenen Gro\u00dfdemonstration am 7. Juni erreichten, erkl\u00e4rten die militanten \"Autonomen\", da\u00df nunmehr \"die Zeit der offenen Feldschlachten\" vorbei sei. Als Autonome \"m\u00fcssen wir f\u00fcr die Gegenseite unkalkulierbarer werden und f\u00fcr uns Kriterien entwickeln, wie, wo und wann praktische Angriffe sinnvoll sind\". In einer R\u00fcckschau auf das Jahr 1986 behaupteten \"Oberpf\u00e4lzer Autonome\", es sei ihnen gelungen, ihre \"Inhalte und Aktionsformen\" den \"Oberpf\u00e4lzern\" zu \"vermitteln\"; sie seien \"nicht nur akzeptiert, sondern sogar begr\u00fc\u00dft\" und \"aktiv unterst\u00fctzt\" worden. Das \"Zusammenkommen von revolution\u00e4rer autonomer Bewegung\" mit den \"Oberpf\u00e4lzern\" zu einer \"sozialen Massenbewegung\" ha84","be \"ungeahnte Radikalit\u00e4t\" entwickelt, an der sich die .HERRschenden' die Z\u00e4hne ausgebissen\" h\u00e4tten. Zwar sei es in den letzten Monaten am Bauzaun der WAW \"ruhig\" geblieben, u.a. wegen der Landtagswahl in Bayern und der massiven \"Pr\u00e4senz der Staatstruppen\". Nun aber scheine \"das Tief der letzten Wochen allm\u00e4hlich durchschritten\". Jetzt gehe es darum, wieder \"Ans\u00e4tze f\u00fcr eine offensive Vorgehensweise\" zu entwickeln. Zu den weiteren erw\u00e4hnenswerten Aktivit\u00e4ten 1986 geh\u00f6ren: Am 4: Januar demonstrierten rund 130 Personen ohne Anmeldung vor der Justizvollzugsanstalt (JVA) Amberg gegen die Inhaftierung von zwei Anti-AKWGegnern, die im Zusammenhang mit der R\u00e4umung des \"H\u00fcttendorfes\" auf dem WAW-Gel\u00e4nde am 16. Dezember 1985 festgenommen wurden. Die Demonstrationsteilnehmer versuchten, gewaltsam in die JVA einzudringen. Wegen Verdachts der versuchten Gefangenenbefreiung, N\u00f6tigung, Sachbesch\u00e4digung und Versto\u00dfes gegen das Versammlungsgesetz nahm die Polizei 130 Personen zur Personalienfeststellung fest. Unter den Festgenommenen befanden sich 27 Linksextremisten, davon 25 Anh\u00e4nger der undogmatischen Neuen Linken. Aus Anla\u00df des 1. Jahrestages der Besetzung des WAW-Gel\u00e4ndes veranstaltete am 15. August eine B\u00fcrgerinitiative gegen die WAW in Schwandorf einen Fackelzug, an dem sich rund 500 Personen beteiligten, darunter etwa 40 \"Autonome\" mit einer Fahne. Die Aufschrift auf der Fahne lautete: \"Widerstand, Feuer und Flamme f\u00fcr das Land\". Aus der Gruppe der \"Autonomen\" heraus wurde ein Polizeibeamter mit einer brennenden Fackel angegriffen. Die unter dem Motto \"Gegen Atomanlagen und Polizeistaat\" am 4. Oktober in M\u00fcnchen veranstaltete Kundgebung mit rund 3.500 Teilnehmern, darunter etwa 300 \"Autonomen\", verlief im wesentlichen ohne St\u00f6rungen. Im Anschlu\u00df an die Veranstaltung l\u00f6ste die Polizei jedoch einen verbotenen Demonstrationszug auf, der sich in der Innenstadt formiert hatte. Etwa 200 Kundgebungsteilnehmer aus dem \"autonomen\" Bereich und seinem Umfeld zogen dann zum Marienplatz. Dort kam es zu t\u00e4tlichen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Wegen Widerstands, Beleidigung, K\u00f6rperverletzung und Sachbesch\u00e4digung nahm die Polizei 29 Personen vorl\u00e4ufig fest. Unter den Festgenommenen befanden sich mehrere Anh\u00e4nger der undogmatischen Neuen Linken. Die wochenlang mit Plakaten und Flugbl\u00e4ttern auch von \"Autonomen\" propagierte und vom Landratsamt Schwandorf verbotene WAW-Demonstration am 12. Oktober fand wenig Resonanz. Es wurden etwa 100 Personen festgestellt, die \"autonomen\" Gruppierungen zuzurechnen sind. Als Reaktion auf die R\u00e4umung mehrerer Wohnungen in der Hamburger Hafenstra\u00dfe wurden am 28. und 29. Oktober in Hamburg und in zehn weiteren St\u00e4dten des Bundesgebietes schwere Gewalttaten ver\u00fcbt, die sich vor allem gegen Banken, Gesch\u00e4fte und Parteib\u00fcros richteten. Die Polizei nahm mehr als 40 der \"autonomen\" Szene zuzurechnende Personen fest. Bei den Protestaktionen in N\u00fcrnberg wurde ein unbesetzter Streifenwagen der Polizei umgekippt und mehrere Fensterscheiben einer Bank eingeworfen. In dem umgest\u00fcrzten Auto lagen Flugbl\u00e4tter der \"autonomen\" Gruppe \"Prolos '85\". Die Polizei nahm 85","sechs Personen fest. Von den Festgenommenen sind f\u00fcnf Personen als Anh\u00e4nger der \"Autonomen\" bekannt. 3.3.3 Anarchistische Arbeiter Union (AAU) Die AAU entstand 1985 aus dem Zusammenschlu\u00df der \"Anarchistischen F\u00f6deration S\u00fcdbayern\" (AFS) und der \"Freien Arbeiter Union (FAU). Die rund 20 Mitglieder der AAU orientierten sich weitgehend an der autonomen Szene in M\u00fcnchen und nahmen auch an Aktionen dieser Kreise teil. Die AAU \u00fcbernahm von der ehemaligen AFS die Herausgabe und Verbreitung der Zeitschrift \"freiraum\". 3.3.4 Anarchistische F\u00f6deration Nordbayern (AFNB) Mitte Februar 1986 fand in Bamberg ein \"Treffen aller anarchistisch und autonom denkender Menschen aus dem nordbayerischen Raum\" statt, an dem rund 25 Personen aus den St\u00e4dten Regensburg, W\u00fcrzburg, Aschaffenburg und Bamberg teilnahmen. Im Rahmen dieser Versammlung wurde die \"Anarchistische F\u00f6deration Nordbayern\" gegr\u00fcndet. Als Sprachrohr erscheint die, von der Bamberger Gruppe herausgegebene Schrift \"Der Leichenfledderer\". Die bisher durchgef\u00fchrten Veranstaltungen dieses Zusammenschlusses fanden in der \u00d6ffentlichkeit kaum Beachtung. Ausschreitungen wurden nicht bekannt. Der \u00fcberwiegende Teil der Anh\u00e4nger engagiert sich im \"WAWKampf\". 3.4 Linksextreme Schriften Eine besondere Bedeutung f\u00fcr den Informationsaustausch innerhalb der undogmatischen Bewegung haben Publikationen, die auch \u00fcber terroristische Aktionen informieren und Erkl\u00e4rungen terroristischer Gruppen und ihres Umfeldes abdrucken, ferner einige \"Alternativzeitungen\", die immer wieder Raum f\u00fcr Ver\u00f6ffentlichungen extremistischer Positionen bieten. Im regionalen Bereich geh\u00f6ren hierzu das Publikationsorgan der AAU \"freiraum\" sowie der in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden erscheinende \"Informationsdienst M\u00fcnchen\". Die Zeitschrift \"freiraum\" ver\u00f6ffentlichte 1986 wiederholt Artikel, in denen zur Begehung von Straftaten aufgefordert wurde. So enthielt die Ausgabe Nr. 12 neben Selbstbezichtigungsschreiben zu Brandund Sprengstoffanschl\u00e4gen auf Bauund Industriefirmen in Baden-W\u00fcrttemberg auch eine Proze\u00dferkl\u00e4rung eines RAF-Angeh\u00f6rigen, mehrere Artikel zum Widerstand gegen die Wiederaufarbeitungsanlage (WAW) in Wackersdorf sowie eine \"Schwarze Liste\" von Firmen, die am Bau der WAW beteiligt sind. Die Ausgabe Nr. 16 enthielt u.a. einen Beitrag mit der \u00dcberschrift \"Macht kaputt, was euch kaputt macht -- Anarchie statt Chaos\" sowie die Aufforderung zu Gewaltaktionen gegen Kernkraftwerke, Milit\u00e4reinrichtungen und die WAW. Ferner waren Selbstbezichtigungsschreiben der Revolution\u00e4ren Zellen (RZ) und ihrer Frauengruppe \"Rote Zora\" zu den Anschl\u00e4gen auf das Humangenetische Institut in M\u00fcnster (5. August 1986) und auf den Leiter der Berliner Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde (28. Oktober 1986) abgedruckt. Wegen des Verdachts der Verunglimpfung von Verfassungsorganen, der Aufforderung zur Begehung und Verherrlichung von Straftaten sowie des Werbens f\u00fcr eine terroristische Vereinigung wurden die Aus86","gaben der Zeitschrift \"freiraum\" Nr. 12, 13, 15 und 16 beschlagnahmt und jeweils ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. \u00dcberregionale Bedeutung hat die in Berlin (West) herausgegebene Publikation \"die Tageszeitung\" (taz), die bundesweit t\u00e4glich erscheint und von Gruppierungen der undogmatischen Neuen Linken und der \"Alternativbewegung\" getragen wird. Sie berichtete mehrfach \u00fcber Vorg\u00e4nge innerhalb des undogmatischen Lagers und ver\u00f6ffentlichte Erkl\u00e4rungen und Aufrufe extremistischer Gruppierungen. Nach mehr als sieben Monaten Pause erschien Anfang Februar wieder eine neue Ausgabe der militanten autonomen Zeitschrift \"radikal\" (Nr. 131). Das Redaktionsteam begr\u00fcndete das lange Nichterscheinen mit internen Auseinandersetzungen und technischen Schwierigkeiten, die sich aus der \"illegalen Struktur\" ergeben. Unter der \u00dcberschrift: \"Es mu\u00df nicht immer Sprengstoff sein...\", enthielt das Blatt eine F\u00fclle von Beispielen von leicht durchf\u00fchrbaren Sabotageakten. Die zweiteilige Ausgabe Nr. 132 der Zeitschrift \"radikal\", die im Sommer verbreitet wurde, enthielt Anleitungen zum Herstellen von elektrischen Sprengz\u00fcndern und zum Vorgehen mit \"Kr\u00e4henf\u00fc\u00dfen\" gegen Polizeifahrzeuge. Im Rahmen des \"Anti-AKW-Kampfes\" forderte die Zeitschrift \"direkte Aktionen\", d.h. \"Angriffe gegen verantwortliche Firmen, Institutionen und Planungsb\u00fcros\", die in einer \"Schwarzen Liste\" aufgef\u00fchrt waren. Daneben enthielt die Ausgabe Teile von Selbstbezichtigungen zu Sabotageaktionen und sonstigen Anschl\u00e4gen sowie als Anlage das \"Kommunique\" des RAF-Kommandos \"Mara Cagol\" zu dem Mordanschlag auf Prof. Dr. Beckurts und dessen Fahrer. Gegen die unbekannten Hersteller und Verbreiter der Druckschrift \"radikal\" leitete der Generalbundesanwalt ein Ermittlungsverfahren ein. 4. Linksextremer Einflu\u00df auf die \"Anti-AKW-Bewegung\" 4.1 Allgemeines Die friedliche Nutzung der Kernenergie und die damit verbundenen Probleme der Entsorgung und Endlagerung waren schon in fr\u00fcheren Jahren wiederholt Anla\u00df f\u00fcr bundesweite Protestaktionen der Kernkraftgegner. Die Entscheidung der Betreiberfirma, eine Wiederaufarbeitungsanlage f\u00fcr abgebrannte Kernelemente in Wackersdorf (WAW) zu errichten, f\u00fchrte Anfang 1985 zu einer Verlagerung der gegen Kernkraftwerke gerichteten Aktivit\u00e4ten vom norddeutschen Raum (Grohnde, Brokdorf und Gorleben) nach Bayern. Zu den Tr\u00e4gern der Protestbewegung, die sich hier gebildet hat, geh\u00f6ren der Bund f\u00fcr Umweltund Naturschutz e.V. (Bund), die Landeskonferenz der bayerischen Anti-AKWB\u00fcrgerinitiativen (LAKO) sowie etwa 30 bayerische Anti-WAW-B\u00fcrgerinitiativen, darunter insbesondere die B\u00fcrgerinitiativen Schwandorf und \"BIWAK\" Regensburg. Die Protestbewegung wird au\u00dferdem unterst\u00fctzt von der Bundestagsfraktion der Gr\u00fcnen, mehreren Landesund Ortsverb\u00e4nden der Gr\u00fcnen sowie auch zahlreichen au\u00dferbayerischen B\u00fcrgerinitiativen. Nach vorliegenden Aufrufen wurden Demonstrationen gegen die Errichtung der WAW auch von Teilen der SPD unterst\u00fctzt. Aus dem orthodox-kommunistischen und dem orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Spektrum beteiligten sich an den Protestaktionen -- wenn auch mit 87","Februar 1986 WAA, Atommafia und der Griff nach der Bombe Wackersdorf ist \u00fcberall Mit aller Macht w\u00e4lzt die bayerische Staatsregierung den Widerstand der Bev\u00f6lkerung gegen die atomare Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) nieder. In einem b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnlichen Einsatz r\u00e4umten tausende Polizisten des BGS das H\u00fcttendorf im Tax\u00f6lderner Forst bei Wackersdorf. Rodungsmaschinen f\u00e4llen hunderttausende B\u00e4ume. \"Wir k\u00e4mpfen f\u00fcr die Heimat\" Heimat, das ist der Tax\u00f6lderner Forst, sind Luft und Wasser ohne Radioaktivit\u00e4t, sind gesunde Kinder, sind Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung. Heimat, das ist ein Leben ohne Angst vor einem atomaren St\u00f6rfall. Deshalb zogen zehntausende Oberpf\u00e4lzer auf das geplante WAA-Gel\u00e4nde. Sie unterst\u00fctzten die Bewohner des H\u00fcttendorfs. Wirte, Hausfrauen, B\u00e4cker, Metzger spendeten Verpflegung, Bauern fuhren einige Fuder Stroh ins H\u00fcttendorf. ' unterschiedlicher Intensit\u00e4t -- die Deutsche Kommunistische Partei (DKP), die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ), der Marxistische Studentenbund Spartakus (MSB), die Deutsche Friedens-Union (DFU), die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (WN-BdA) und die Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFGVK), ferner der Sozialistische Hochschulbund (SHB) und die \"Friedensliste\". Die DKP begr\u00fcndete ihre ablehnende Haltung im wesentlichen damit, da\u00df die WAW den \"Griff zur Atombombe\" erm\u00f6gliche. Nach Auffassung der DKP erfordere das Vorgehen der \"Atom-Mafia\" das \"gemeinsame Handeln aller Gegner der Atomwaffenfabrik\". Im Rahmen ihrer \"B\u00fcndnispolitik\" forderte die DKP wiederholt alle WAW-Gegner zur Zusammenarbeit auf, um dieses \"Wahnsinnsprojekt\" zu verhindern. Dies sei insbesondere dann m\u00f6glich, wenn der \"Widerstand\" verbreitert, alle \"Aktionsformen\" genutzt und der \"Schulterschlu\u00df\" mit den demokratischen \"Massenbewegungen\" wie der \"Friedensbewegung\", der \"Arbeiterbewegung\" und der \"Umweltbewegung\" hergestellt werden k\u00f6nne. Um den Protest zu verst\u00e4rken, hatte die DKP ihre Mitglieder und Sympathisanten aufgerufen, sich \"massenhaft\" an den Protestversammlungen zu beteiligen. 88","Das st\u00e4ndige Bem\u00fchen der DKP, auch von demokratischen Gruppen und Organisationen in der \"Anti-AKW-Bewegung\" als gleichberechtigter Teilnehmer akzeptiert zu werden, war durchaus nicht erfolglos. So konnte die DKP z.B. beim \"Anti-Wahnsinns-Festival\" am 26727. Juli in Burglengenfeld nach eigener Aussage und nach dem Inhalt eines Einladungsflugblatts als Mitveranstalter auftreten, obwohl sie nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl erkl\u00e4rt hatte, da\u00df dieser Unfall zwar Betroffenheit ausl\u00f6se, jedoch nicht \"mit Harrisburg und der langen Reihe von St\u00f6rf\u00e4llen auch in bundesdeutschen Kernkraftwerken\" zu vergleichen sei, bei denen \"nachweislich technische Sicherheitsstandards aus Profitgr\u00fcnden\" nicht beachtet w\u00fcrden; derartige Gr\u00fcnde seien in der Sowjetunion ausgeschlossen, denn die \"sozialistische Gesellschaftsordnung\" tue alles, um die \"Sicherheit von Produktion und Arbeit\" zu gew\u00e4hrleisten. Diese widerspr\u00fcchliche, ausschlie\u00dflich von ideologischer Voreingenommenheit gepr\u00e4gte Stellungnahme h\u00e4tte die DKP als Bundesgenossen f\u00fcr demokratische Kernkraftgegner ein f\u00fcr allemal diskreditieren m\u00fcssen. An der \"Anti-AKW-Bewegung\" beteiligten sich neben den orthodoxen Kommunisten auch Gruppierungen der dogmatischen und undogmatischen Neuen Linken. Die Marxistisch-leninistische Partei Deutschlands (MLPD) sieht in der WAW ein Gro\u00dfprojekt, das wie andere, z.B. das Kohlekraftwerk Buschhaus und die Startbahn West des Flughafens Frankfurt a.M., gegen den entschiedenen Widerstand der Bev\u00f6lkerung durchgezogen werden solle. Die Errichtung der WAW ist f\u00fcr die MLPD Teil der atomaren Aufr\u00fcstungspl\u00e4ne des \"imperialistischen Systems\" der Bundesrepublik Deutschland. Deshalb fordert sie zum aktiven Widerstand statt symbolischer Aktionen auf. Auch die linksextrem beeinflu\u00dfte Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg (VOLKSFRONT) wendet sich gegen die Errichtung der WAW mit der Argumentation, da\u00df die WAW energiepolitisch und waffentechnologisch ein entscheidender Schlu\u00dfbaustein f\u00fcr die schon laufenden Kriegsvorbereitungen sei. Das vom Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) beeinflu\u00dfte Anti-Strau\u00df-Komitee (ASKo) sieht in der \"Plutoniumfabrik\" in Wackersdorf den vorl\u00e4ufigen H\u00f6hepukt der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland. Haupttr\u00e4ger der aggressiven Militanz gegen die Errichtung der WAW in Wort und Tat sind jedoch Gruppierungen der undogmatischen Neuen Linken, die aus einer anarchistischen Zielsetzung heraus \"die bestehenden Herrschaftsstrukturen zerschlagen\" wollen. Das gr\u00f6\u00dfte Potential in diesem Bereich stellen nach wie vor die Angeh\u00f6rigen sogenannter \"autonomer\" Gruppen dar, die in zahlreichen, oft nur kurzlebigen aktionsbezogenen Zusammenschl\u00fcssen agieren und in ihren Aktionen, die in Bayern in erster Linie gegen die WAW gerichtet sind, Gewalt gegen Personen und Sachen offen propagieren und praktizieren. In ihren Publikationen befa\u00dften sie sich wiederholt mit dem \"Anti-WAAKampf\". In dem von Gruppen der \"Autonomen\" herausgegebenen \"Informationsdienst M\u00fcnchen\" hei\u00dft es hierzu in einem Kommentar: \"Unsere Beteiligung am Anti-WAA Widerstand geschah nicht, um irgendwelche B\u00e4ume zu retten, sondern vielmehr aus dem Bewu\u00dftsein heraus, mit dem konkreten Ansatzpunkt WAA, auch (den) Atomstaat und das kapitalistische System \u00fcberhaupt anzugreifen. Au\u00dferdem ging es uns um die Entwicklung der Oberpfalz zu einer Region, deren Widerstand \u00fcber den Kampf gegen dieses Gro\u00dfprojekt hinaus geht. Einen Widerstand, der das System in seiner Gesamtheit be89","k\u00e4mpft, weil in den Erfahrungen im Anti-WAA-Kampf, die ganze Dimension dieses Staates erlebt und begriffen werde\". Der Kommentar endet mit der Parole \"Den Stein in der Hand, die Faust geballt -- gegen die Schweine hilft nur Gewalt\". Auch in der Ende Januar 1986 mit einem fingierten Impressum verbreiteten Druckschrift \"freiraum\" Nr. 12 wurde zum \"Widerstand gegen die WAA Wackersdorf\" aufgerufen. Hierzu wurde ausgef\u00fchrt: \"Die Notwendigkeit da\u00df dieser Staat zerschlagen werden mu\u00df, wird immer offensichtlicher, eben nicht nur wegen den Wahnsinnsprojekten wie die WAA, sondern wegen dem ganzen Schweinesystem, was zugegebenerma\u00dfen ziemlich reibungslos funktioniert.\" Neben der massiven Beteiligung von Linksextremisten des gesamten Spektrums an den Protestaktionen gegen die WAW wurden aber auch Versuche des terroristischen Umfeldes bekannt, einen Zusammenhang zwischen dem \"Kampf gegen die WAA\" einerseits und der \"NATO-Kriegspolitik\" sowie dem \"revolution\u00e4ren Widerstand\" andererseits herzustellen. In der Brosch\u00fcre \"Die Front entsteht als k\u00e4mpfende Bewegung -- Krieg dem Krieg\", die w\u00e4hrend des \"antiimperialistischen und antikapitalistischen Kongresses\" in Frankfurt a.M. vom 31. Januar bis 4. Februar als Diskussionsgrundlage verteilt wurde, wird die WAW als \"strategisches Kriegsprojekt\" angesehen und in den \"milit\u00e4risch-industriellen Komplex\" (MIK) eingebunden. Dadurch wurde auch der Kampf gegen die WAW in das Aktionsfeld der Roten Armee Fraktion (RAF) mit einbezogen. Anzeichen f\u00fcr eine versuchte Realisierung dieses vom terroristischen Umfeld beabsichtigten \"Aktionsb\u00fcndnisses\" sind bereits bekanntgeworden. So war w\u00e4hrend der Bauplatzbesetzung um die Jahreswende 1985/86 in einem \"H\u00fcttendorf\" auf einem gro\u00dfen Transparent ein Portr\u00e4t von Ulrike Meinhof, der Mitbegr\u00fcnderin der RAF, angebracht. W\u00e4hrend der Gro\u00dfkundgebung gegen die WAW am 7. Juni wurde an einer Autobahnbr\u00fccke in der N\u00e4he von Wackersdorf ein Plakat mit der Aufschrift \"Zusammen k\u00e4mpfen f\u00fcr ein selbstbestimmtes Leben, WAA nie\" sichergestellt, auf dem ein f\u00fcnfzackiger Stern sowie ebenfalls ein Portr\u00e4t von Ulrike Meinhof angebracht waren. Ein am 3. Juni in M\u00fcnchen festgestelltes Plakat ohne Impressum, das zur Beteiligung an derselben Gro\u00dfdemonstration aufrief, enthielt Forderungen wie \"Kampf dem Atomprogramm\" und \"Solidarit\u00e4t mit allen politischen Gefangenen\" und war mit \"Georg Jackson\" unterzeichnet. Unter dieser Kommandobezeichnung hatten sich die RAF und die franz\u00f6sische Terrorgruppe Action Directe (AD) zu derri Sprengstoffanschlag vom 8. August 1985 auf die US-Air-Base in Frankfurt a.M. bekannt, der zwei Todesopfer gefordert hat. 4.2 Militantes Protestpotential Die militante Gewalt wird in erster Linie von den Angeh\u00f6rigen \"autonomer\" Gruppen getragen. Dieses \"autonome Spektrum\" erfa\u00dft derzeit in seinem harten militanten Kern im Bundesgebiet etwa 3.000 Personen; dazu kommen noch weiter etwa 6.000 Personen in dem diesen Kern umgebenden Unterst\u00fctzerkreis. In Bayern liegt das Potential der militanten Autonomen gegenw\u00e4rtig bei etwa 300 Personen. Schwerpunkte sind dabei die Gro\u00dfr\u00e4ume M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg/Erlangen, neuerdings auch Regensburg. 90","Durch den Reaktorunfall von Tschernobyl hat die \"Anti-AKW-Bewegung\" eine weitere Verst\u00e4rkung erfahren. Die allgemeine Sorge um die durch den Unfall verursachte radioaktive Belastung der Bundesrepublik hat nicht nur die Kampfmoral der \"Autonomen\" neu entfacht und gesteigert, sondern ihnen auch neue Verb\u00fcndete zugef\u00fchrt, \u00fcberwiegend ehemals friedliche AKW-Gegner, aber auch unpolitische Chaoten. Nach dem Reaktorunfall haben sich in der Oberpfalz aber auch Gruppierungen gebildet, in deren Aktionsfeld nicht nur unmittelbare Angriffe gegen das Baugel\u00e4nde fallen, sondern auch Anschl\u00e4ge gegen Einrichtungen der am Bau beteiligten Firmen, gegen Leitungsmasten der Elektrizit\u00e4tsversorgungsunternehmen und gegen Einrichtungen der Deutschen Bundesbahn. Unterst\u00fctzung haben diese Gruppen auch von au\u00dferbayerischen Autonomen erfahren, vor allem aus Frankfurt a.M., Berlin, G\u00f6ttingen und Freiburg; diese Gruppen waren durch ihre Militanz Vorbild f\u00fcr die bayerischen Gesinnungsgenossen. 4.3 Aktionsschwerpunkte Als wesentliche Schwerpunkte der \"Anti-AKW-Bewegung\" sind f\u00fcr 1986 folgende Aktivit\u00e4ten erw\u00e4hnenswert: H\u00f6hepunkt der \"Osterm\u00e4rsche\" 1986 in Bayern war die zentrale \"Ostermarsch\"-Abschlu\u00dfkundgebung am 31. M\u00e4rz in unmittelbarer N\u00e4he des Baugel\u00e4ndes der WAW. Als Veranstalter der Kundgebung, an der rund 30.000 Personen teilnahmen, traten Nordbayerische Friedensinitiativen und Initiativen gegen die WAW auf. Zur Teilnahme hatten neben dem \"Koordinierungsausschu\u00df der Friedensbewegung\" das \"Zentrale Ostermarschb\u00fcro in Frankfurt\", der Bund Naturschutz, Gliederungen von SPD und Gr\u00fcnen, zahlreiche Friedensund WAW-Initiativen sowie linksextreme und linksextrem beeinflu\u00dfte Gruppierungen aufgerufen. Neben der fest organisierten Gro\u00dfveranstaltung fanden auch \"direkte Aktionen\" am Baugel\u00e4nde statt. Zu Einzelaktionen dieser Art rief das \"autonom unabh\u00e4ngige\" Spektrum durch Flugbl\u00e4tter und in einschl\u00e4gigen Publikationen auf. Im Zusammenhang mit der \u00fcberwiegend friedlich verlaufenen Gro\u00dfdemonstration kam es in den Tagen und Stunden zuvor am Baugel\u00e4nde der WAW immer wieder zu gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen durch unterschiedlich starke, teilweise bis zu 500 Personen umfassende militante Gruppierungen, die ihre Angriffe gegen den Bauzaun um das Gel\u00e4nde der WAW sowie gegen die Polizei und deren Fahrzeuge richteten. Durch Steinw\u00fcrfe, Verschie\u00dfen von Stahlkugeln und Eisenmuttern, Zerst\u00f6ren von Zaunteilen, Zerschneiden und Verstecken von Autoreifen und Benzinschl\u00e4uchen an einer Tankstelle, Errichten von Stra\u00dfenund Bahnsperren, Ans\u00e4gen von Strommasten u.a. entstanden Sachsch\u00e4den in betr\u00e4chtlicher H\u00f6he. Insgesamt wurden 24 Polizeibeamte verletzt. Bei der Durchsuchung von Zeltlagern und \u00dcbernachtungspl\u00e4tzen in der N\u00e4he des Baugel\u00e4ndes stellte die Polizei Werkzeuge wie Bolzenschneider, S\u00e4gen, Drahtscheren und Feilen sowie Molotowcocktails, Chemikalien, Kr\u00e4henf\u00fc\u00dfe, Feuerwerksk\u00f6rper und andere waffen\u00e4hnliche Gegenst\u00e4nde sicher. Insgesamt wurden 367 Personen vorl\u00e4ufig festgenommen,, davon 116 aus Bayern und darunter wiederum 17 Personen aus der Oberpfalz. Einige der Festgenommenen aus Bayern sind als Anh\u00e4nger der undogmatischen Neuen Linken bekannt. 91","Demonstranten sch\u00fctzen Demonstranten Gemeinsam gegen die WAA Alle Aktivit\u00e4ten gegen die geplante WAA in Wackersdorf sollen - getreu der bayrischen Linie, jeden Widerstand bereits im Keim zu ersticken - mit aller H\u00e4rte (Verhaftungen, Verletzungen, Kriminalisierung Einzelner WAA-Gegner) unterbunden werden. Wir alle m\u00fcssen darauf reagieren und notwendige Konsequenzen aus unseren Erfahrungen ziehen 1 Der Widerstand mu\u00df effektiver werden Wir m\u00fcssen in Zukunft noch enger Zusammenarbeiten. Dazu geh\u00f6rt t - s\"sc\"yis$im5s mrtmt\u00dfii . Bei Wald s p a z i e r g\u00e4ngea uae aaee**\" Atetivi$\"fc*it geueiBsaa von den Sawasipunkte\" {Rotes K**sz, frmmtvkmm&tmtiy \" weggehen und zuaaanaeableibeal \" - DES JEWEILIGE!\" AKTI01JS01T SICHT ' v i K U S U P , WEHS M*$SVf miizti AUFZIEHT Eng 2\u00fcsamaenS^tli\"8\"tt., tat \"\" \u00dcb#K$riff\" d*r 't\">li<*i vma gezieltes i\"r\"us,gifeif en Eiwseln\".* \"tt yerfetiaa\"*\"! * - WER SICHT SKI3ST AKTIV \"BASRA BlUt sollte \u00e4wrch seine Aaweseakelt *ra Akttentoee Aktivist\"\" *\"fca\"z\"a! .;** '*.*'*. ^ Die Polizei ist beauftragt, das konstruierte Bild der \"gewaltt\u00e4tigen, ausw\u00e4rtigen Chaoten\" und der \"braven Oberpf\u00e4lzer\" aufrechtzuerhalten. Machen wir den Verantwortlichen einen Strich durch die Rechnung ! Handeln wir gemeinsamI Demonstranten sch\u00fctzen Demonstranten 92","Das \"Widerstandscamp gegen die WAA\" vom 17. bis 20. Mai wurde mit einer Demonstration am 17. Mai in Erlangen er\u00f6ffnet. Der Aufzug richtete sich \"Gegen Siemens/KWU und WAA\". Es beteiligten sich etwa 4.000 Personen, darunter etwa 800 \"Autonome\". W\u00e4hrend des Aufzuges kam es zu Sachbesch\u00e4digungen; gr\u00f6\u00dfere Ausschreitungen konnte die Polizei verhindern. Nach der Schlu\u00dfkundgebung reiste der Gro\u00dfteil der militanten Demonstrationsteilnehmer zu einem Zeltlager von Kernkraftgegnern nach Wackersdorf. Im Rahmen dieses \"Widerstandscamps\" kam es w\u00e4hrend der Pfingstfeiertage zu den bisher schwersten Ausschreitungen im Bereich des WAW-Gel\u00e4ndes. Bereits am Abend des 17. Mai stoppten vermummte T\u00e4ter einen Eilzug an einer nahegelegenen Bahnstrecke, drangen in einen Waggon ein, zogen die Notbremse und zertr\u00fcmmerten Scheiben. In der Nacht zum 18. Mai wurden ein G\u00fcterzug zum Anhalten gezwungen, der Lokf\u00fchrer bedroht und zahlreiche Bahneinrichtungen besch\u00e4digt. Gleichzeitig griffen rund 500 militante St\u00f6rer die am Zaun der WAW eingesetzten Polizeikr\u00e4fte mit Steinund Stahlschleudern sowie Molotowcocktails an. Am 18. Mai eskalierten die Ausschreitungen, als rund 1.000 militante St\u00f6rer die Sicherheitskr\u00e4fte am WAW-Gel\u00e4nde mit Stahlkugeln und Feuerwerksk\u00f6rpern beschossen, Steine und Molotowcocktails warfen, ein Einsatzfahrzeug der Polizei in Brand setzten und an mehreren Stellen den Bauzaun durchs\u00e4gten. In der Nacht zum 19. Mai setzten einige hundert Gewaltt\u00e4ter, die Steine warfen und Stahlkugeln verschossen, ihre Angriffe fort. Ihr Versuch, mit einem entwendeten Bagger den Sicherheitszaun einzurei\u00dfen, wurde von der Polizei unterbunden; daraufhin warfen sie einen Molotowcocktail auf das Baufahrzeug. Am Nachmittag des 19. Mai kam es erneut zu schweren Gewalttaten am WAWGel\u00e4nde, wo etwa 1.000 brutale Gewaltt\u00e4ter aus einer Menge von rund 10.000 Personen heraus die eingesetzten Polizeikr\u00e4fte mit Stahlkugeln beschossen sowie mit Steinen und Molotowcocktails bewarfen. Vermummte St\u00f6rer griffen im Au\u00dfenbereich des WAW-Gel\u00e4ndes eine Polizeistreife an und setzten zwei Dienstfahrzeuge in Brand. Erst durch Einsatz von Reizstoffwurfk\u00f6rpern aus Hubschraubern konnten die Gewaltt\u00e4ter zur\u00fcckgedr\u00e4ngt und rund 30 massiv attackierte Beamte in Sicherheit gebracht werden. Zur Unterbindung weiterer Ausschreitungen r\u00e4umte die Polizei am 20. Mai das \"Widerstandscamp\", dessen Teilnehmern ein Gro\u00dfteil der am WAW-Gel\u00e4nde ver\u00fcbten Gewalttaten zuzurechnen war. Die Beamten fanden dabei Molotowcocktails, Leuchtpatronen und Wurfgeschosse und nahmen rund 190 im Zeltlager angetroffene Personen zur Identifizierung vor\u00fcbergehend fest. Am sp\u00e4ten Abend versammelten sich in Schwandorf rund 250 Personen vor dem Geb\u00e4ude der Polizeiinspektion. Sie protestierten mit Sprechch\u00f6ren gegen die Polizeieins\u00e4tze in Wackersdorf und warfen mit Flaschen und Steinen mehrere Fensterscheiben und T\u00fcrverglasungen des Dienstgeb\u00e4udes ein. Zur Teilnahme am \"Widerstandscamp\" hatten neben zahlreichen B\u00fcrgerinitiativen auch das S\u00fcddeutsche Autonomenplenum, der Info-Laden M\u00fcnchen und das Info-B\u00fcro \"Freies Wackerland\" aufgerufen. Aufrufe enthielt auch die \"taz\". Radio Dreyeckland sendete ebenfalls Beitr\u00e4ge. Insgesamt wurden w\u00e4hrend der Pfingstfeiertage 187 Polizeibe\u00e4mte verletzt und 201 Personen festgenommen. 93","An den Protestaktionen am 7. Juni in Brokdorf gegen die Inbetriebnahme des dortigen Kernkraftwerkes Brokdorf (etwa 40.000 Teilnehmer) und gegen den Bau der Wiederaufarbeitungsanlage (fast 15.000 Personen) beteiligten sich auch Linksextremisten aller Richtungen, insbesondere aber militante Gruppierungen der undogmatischen Neuen Linken, Mitglieder von K-Gruppen und orthodoxe Kommunisten. Militante \"Autonome\" hatten ihre Anh\u00e4nger mit Parolen wie \"Kampf dem Staat\", \"Kampf der Atommafia\", \"Radikal ge,gen Staat und Kapital\", \"Den Stein in der Hand, die Faust geballt -- Gegen die Schweine hilft nur Gewalt\" zum \"Widerstand\" aufgerufen. In ihren Erkl\u00e4rungen machten sie deutlich, da\u00df es ihnen nicht darum gehe, \"irgendwelche B\u00e4ume\" zu retten, sondern \"konkrete Ansatzpunkte\" zum Kampf \"gegen das kapitalistische System in seiner Gesamtheit\" zu finden. In Brokdorf griffen w\u00e4hrend einer Kundgebung in der N\u00e4he des Reaktorgel\u00e4ndes etwa 1.500 Militante die Polizei an; 60 Beamte wurden verletzt, mehr als 100 Straft\u00e4ter wurden festgenommen. Schon bei der Anfahrt war es zu zahlreichen gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen gekommen. Auch in Wackersdorf, wo sich trotz eines gerichtlich best\u00e4tigten Demonstrationsverbotes nahezu 15.000 AKW-Gegner eingefunden hatten, kam es zu gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen. Militante St\u00f6rer griffen Polizeibeamte und Wasserwerfer mit Molotowcocktails, Steinen, Flaschen und mit aus Steinschleudern geschossenen Stahlkugeln an. Vermummte St\u00f6rer gingen mit Baumst\u00e4mmen und Eisenst\u00e4ben gegen den Bauzaun vor. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein. 35 Polizeibeamte wurden verletzt. 54 St\u00f6rer wurden festgenommen. An den \"Blockadeund Aktionstagen\" gegen die WAW vom 15. bis 19. Oktober, zu denen \u00f6rtliche B\u00fcrgerinitiativen und \"Autonome\" aufgerufen hatten, beteiligten sich rund 1.000 Personen, vorwiegend Anh\u00e4nger \"autonomer\" Gruppierungen. Die Aktionen begannen in der Nacht zum 16. Oktober mit der Zerst\u00f6rung von Stromleitungen und mit Sachbesch\u00e4digungen an Strecken der Bundesbahn in der N\u00e4he des Baugel\u00e4ndes. Auf den Stra\u00dfen im Raum Schwandorf/Burglengenfeld kam es zu 55 Blockadeversuchen durch brennende Autoreifen und auf die Fahrbahn gezogene Baumst\u00e4mme. Mindestens 12 Strommasten wurden besch\u00e4digt. \"Bummelblockaden\" (absichtlich langsam fahrende Pkw und Radfahrer) f\u00fchrten wiederholt zu Verkehrsbehinderungen. Die Polizei nahm 505 Personen vorl\u00e4ufig fest. Davon hatten 123 Personen ihren Wohnsitz in Bayern. Von diesem Personenkreis sind 31 Personen als Mitglieder und Anh\u00e4nger linksextremer und linksextrem beeinflu\u00dfter Gruppierungen bekannt. Militante Kernkraftgegner, insbesonder Anh\u00e4nger der autonomen Szene, werteten die \"Aktionen\" w\u00e4hrend der Blockadetage als \"erfolgreichen Probelauf\" von \"neuen Formen des Widerstandes\". Die Blockadetage seien ein erster Schritt gewesen, nicht nur am Bauzaun zu demonstrieren, sondern die \"Infrastruktur der WAA\" in der Region insgesamt anzugreifen. An der bundesweiten Gro\u00dfdemonstration der \"Anti-AKW-Bewegung\" am 8. November in Hanau nahmen aus dem autonomen militanten Spektrum etwa 2.500 Personen teil, darunter etwa 150 aus dem autonomen Bereich in Bayern. Eine Sprecherin der \"Autonomen\" erkl\u00e4rte bei der Kundgebung vor rund 12.000 Teilnehmern, \"Strommasten der Atom-Mafia zu kippen\", sei ein legitimes Mittel des Widerstandes. \"Von herrschenden Gesetzen lassen wir uns 94","nicht die Widerstandsformen vorschreiben; das staatliche Gewaltmonopol akzeptieren wir niemals\". Die urspr\u00fcngich f\u00fcr den 28. bis 30. November in Regensburg vorgesehene Bundeskonferenz (Buko) der \"Anti-AKW-Bewegung\" hatte die Stadt Regensburg verboten, weil in einem hierzu verbreiteten Vorbereitungspapier (\"Reader\") zu strafbaren Handlungen aufgerufen wurde. Das Verwaltungsgericht Regensburg und der Bayerische Verwaltungsgerichtshof best\u00e4tigten das Versammlungsverbot. Gruppen der \"Anti-AKW-Bewegung\", darunter auch \"Autonome\", hatten bundesweit mit Flugbl\u00e4ttern f\u00fcr den 14. Dezember zu einem \"Waldspaziergang\" um das Gel\u00e4nde der in Erlangen ans\u00e4ssigen Kraftwerks-Union (KWU) aufgerufen. Die \"Gr\u00fcne Liste Erlangen\" meldete f\u00fcr den gleichen Zeitpunkt in unmittelbarer N\u00e4he der KWU eine Kundgebung an. Wegen Gef\u00e4hrdung der \u00f6ffentlichen Sicherheit und Ordnung, insbesondere wegen zu erwartender gewaltt\u00e4tiger Ausschreitungen, verbot die Stadt Erlangen die geplante Versammlung und den \"Spaziergang\". Das Verwaltungsgericht Ansbach und der Bayer. Verwaltungsgerichtshof best\u00e4tigten das Verbot. Unter der \u00dcberschrift \"Es mu\u00df versch\u00e4rft weitergehen!\" riefen \"Oberpf\u00e4lzer Autonome\" in einem Flugblatt dazu auf, sich an Weihnachten und Silvester in Wackersdorf einzufinden und den mit dem Motto \"Kein falscher Weihnachtsfrieden!\" angek\u00fcndigten Aktionen der Protestbewegung gegen die WAW einen \"radikalen Inhalt\" zu geben. Nach einer Kundgebung in Wackersdorf am 26. Dezember versuchten mehrere hundert Personen, unter Versto\u00df gegen ein beh\u00f6rdlich\" verf\u00fcgtes Versammlungsverbot geschlossen zum Bauzaun der WAW abzuwandern. Die Polizei l\u00f6ste den Zug auf. Am Sp\u00e4tnachmittag drangen \u00fcber 2.000 Personen durch den Wald zum Bauzaun vor. Aus dem Schutz dieser Menschenmenge heraus wurden eingesetzte Polizeikr\u00e4fte von rund 50 vermummten Personen mit Steinen beworfen und mit Stahlkugeln beschossen. Die Polizei rcahm rund 40 militante St\u00f6rer vor\u00fcbergehend fest. Auch in der Silvesternacht griffen gewaltbereite Kernkraftgegner die Polizei am WAW-Gel\u00e4nde mit Steinen und Feuerwerksk\u00f6rpem an. Sie beschossen ein Dienstfahrzeug mit Schleudern, besch\u00e4digten ein Tor des Bauzauns und errichteten mehrere Baumsperren. 19 Straft\u00e4ter wurden vorl\u00e4ufig festgenommen. 4.4 Politisch motivierte Gewaltaktionen Im Zusammenhang mit der geplanten Errichtung der Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAW) standen 1986 zahlreiche politisch motivierte Gewaltaktionen, die im Abschnitt 4 unter Nr. 4 dargestellt sind. Allein in Bayern wurden 50 Brandanschl\u00e4ge, \u00fcber 40 Anschl\u00e4ge auf Hochspannungsmasten sowie 48 Anschl\u00e4ge auf Einrichtungen der Deutschen Bundesbahn ver\u00fcbt. Die Gesamtbilanz der militanten Aktionen, die vielfach mit \u00e4u\u00dferster Brutalit\u00e4t gef\u00fchrt wurden, ist erschreckend: -- Seit dem Beginn der Rodungsarbeiten am 11. Dezember 1985 wurden 376 Polizeibeamte verletzt; 6 Beamte mu\u00dften station\u00e4r behandelt werden, 2 Beamte trugen Dauersch\u00e4den davon. Ein Beamter hat bei einem Hubschrau95","bereinsatz, der durch einen Angriff militanter Kernkraftgegner ausgel\u00f6st worden war, den Tod gefunden. -- Der finanzielle Gesamtaufwand, der dem Freistaat Bayern durch die erforderlichen Polizeieins\u00e4tze und zus\u00e4tzliche Beschaffungskosten f\u00fcr die Polizei entstanden ist, betr\u00e4gt bisher etwa 46 Millionen DM. -- Der Betreibergesellschaft sind durch Reparaturen und zus\u00e4tzliche Sicherung des Baugel\u00e4ndes im Vorfeld (Rodung eines breiteren Sicherheitsstreifens) sowie durch behinderungsbedingte Arbeitserschwemisse Zusatzkosten in H\u00f6he von rund 25 Millionen DM entstanden. -- Verschiedenen Baufirmen, die an der Errichtung der WAW beteiligt sind, entstand durch Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge sowie durch Sachbesch\u00e4digungen gr\u00f6\u00dferen Ausma\u00dfes ein Schaden von mehr als 7 Millionen DM. Im Bereich der bayerischen Elektrizit\u00e4tsversorgung beziffert sich der bisher bekannte Gesamtschaden 1986 auf etwa 2 Millionen DM. 5. Linksextremer Einflu\u00df auf die \"Friedensbewegung\" 5.1 Allgemeines Seit Jahren versuchen Linksextremisten, mit Kampagnen \"f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung\" eine Massenbasis f\u00fcr ihre weitergehenden verfassungsfeindlichen Ziele zu gewinnen. Zu diesem Zweck rufen kommunistische und kommunistisch beeinflu\u00dfte Organisationen Initiativen, Komitees und sonstige Vereinigungen ins Leben und beteiligen sich aktiv an bereits bestehenden nicht-extremistischen Gruppierungen und Initiativen, die die Sehnsucht der Menschen nach Frieden in den verschiedensten Lebensbereichen zum Ausdruck bringen wollen. Nach wie vor bilden die Linksextremisten innerhalb der \"Friedensbewegung\" zahlenm\u00e4\u00dfig eine Minderheit. Der kommunistische Einflu\u00df auf die \"Bewegung\" geht andererseits aber weit \u00fcber seinen zahlenm\u00e4\u00dfigen Anteil hinaus, weil er wesentlich von der Intensit\u00e4t der Propaganda und dem Engagement innerhalb der unterschiedlichen Gruppen abh\u00e4ngt. Trotz verst\u00e4rkter Aktivit\u00e4ten im \"Friedenskampf\" gelang es den kommunistischen Gruppierungen jedoch auch 1986 nicht, ihren Einflu\u00df auf die \"Friedensbewegung\" weiter auszubauen. Die \"Friedensbewegung\" ist keine homogene \"Bewegung\". Sie besteht vielmehr aus einer Vielzahl von Gruppierungen, die sich in ihrer ideologischen Einstellung, in ihrer Organisation, in Taktik und Zielsetzung und vor allem in ihrer Haltung zur Frage der Gewaltanwendung nicht nur unterscheiden, sondern teilweise sogar kontr\u00e4r gegen\u00fcberstehen. Nach diesen Merkmalen k\u00f6nnen die Gruppierungen der \"Friedensbewegung\" unter Ber\u00fccksichtigung des linksextremen Einflusses in zwei gro\u00dfe Lager zusammengefa\u00dft werden, und zwar in den \"traditionellen\" und den \"autonomen/unabh\u00e4ngigen\" Fl\u00fcgel, die sich 1986 wegen unterschiedlicher Aktionskonzepte nur partiell unterst\u00fctzten. Trotz ihrer unterschiedlichen Positionen beschlossen die Vertreter beider Gruppierungen auf der \"Aktionskonferenz\" am 1./2. Februar 1986 in Bonn eine \"Friedenskampagne '86\", die neben der bundesweiten Gro\u00dfdemonstration am 11. Oktober am Stationierungsort der Cruise Missiles in Hasselbach, RheinHunsr\u00fcck-Kreis, auch Aktionen des \"Zivilen Ungehorsams\" umfa\u00dfte. 96","Gemeinsame Aktionen des gesamten Friedensspektrums waren bei einzelnen Auftaktkundgebungen zum \"Ostermarsch\", bei der Gro\u00dfdemonstration in Hasselbach und bei den Blockadeaktionen am 20./21. November feststellbar. Eine verst\u00e4rkte Zusammenarbeit zeichnete sich 1986 zwischen Gruppen der \"Friedensbewegung\" und der \"Anti-AKW-Bewegung\" ab. So fand die Abschlu\u00dfkundgebung zu den \"Osterm\u00e4rschen\" in Bayern als gemeinsame Protestaktion von \"Friedensbewegung\" und Anti-WAA-Bewegung\" am 31. M\u00e4rz in der N\u00e4he der geplanten Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAW) statt. Dem hierf\u00fcr gebildeten \"Koordinierungsausschu\u00df\" geh\u00f6rten Angeh\u00f6rige der beiden \"Bewegungen\" an. Die Resonanz dieser Veranstaltung veranla\u00dfte den \"Koordinierungsausschu\u00df\" zu einer Fortsetzung der Zusammenarbeit, die in einer gemeinsamen Stafette von Wackersdorf nach Hasselbach vom 29. September bis 11. Oktober ihren Ausdruck fand. Diese Aktion sollte auch dazu beitragen, die Themen der \"Friedensbewegung\" mit den Themen der \"Umweltbewegung\" zu verkn\u00fcpfen und der Bev\u00f6lkerung n\u00e4her zu bringen. Der traditionelle Fl\u00fcgel, dessen Organisatoren vielfach orthodox-kommunistische Positionen vertreten, war mit etwa 100.000 st\u00e4ndigen Anh\u00e4ngern im Bundesgebiet wie in den Vorjahren der zahlenm\u00e4\u00dfig st\u00e4rkste Block. Er besteht im wesentlichen aus der DKP, ihren Nebenund beeinflu\u00dften Organisationen und dem gr\u00f6\u00dften Teil der linksextrem beeinflu\u00dften \"Friedensinitiativen\". Haupttr\u00e4ger der linksextremen Aktivit\u00e4ten innerhalb der \"Friedensbewegung\" insgesamt waren nach wie vor die DKP, ihre Nebenorganisationen SDAJ, MSB Spartakus und JP sowie die von ihr beeinflu\u00dften Organisationen, insbesondere KFAZ, DFU, DFG-VK und WN-BdA. Die Aktionen der orthodoxen Kommunisten waren Teil einer von der KPdSU weltweit betriebenen Kampagne, bei der der sowjetisch gelenkte Weltfriedensrat (WFR) eine zentrale Rolle einnimmt. Dem WFR geh\u00f6ren Personen und Organisationen aus mehr als 130 L\u00e4ndern an. Aus der Bundesrepublik Deutschland sind dies die DFU und die WN-BdA als kollektive Mitglieder sowie verschiedene Einzelpersonen wie z.B. das DKPPr\u00e4sidiumsmitglied und Mitglied des KFAZ-B\u00fcros Martha Buschmann, die 1983 in den Kreis der Vizepr\u00e4sidenten des WFR gew\u00e4hlt wurde, und der ehemalige Bundesvorsitzende der DFG-VK und Mitglied des KFAZ-B\u00fcros Klaus Mannhardt. Auf der Tagung des WFR Anfang April in Sofia, an der rund 500 Delegierte aus 21 L\u00e4ndern teilnahmen, standen die Fragen der weiteren peeinflussung und Mobilisierung der Weltfriedensbewegung sowie die Erg\u00e4nzung des Aktionsprogrammes des WFR im Mittelpunkt der Beratungen. Danach sieht der WFR die Beseitigung aller nuklearen und anderen Massenvernichtungsmittel als eine lebenswichtige und dringende Aufgabe der Menschheit, die in den kommenden Jahren die T\u00e4tigkeit aller Friedenskr\u00e4fte bestimmen werde. Die USA sollten die dem SDI-Programm dienenden Kernwaffentests einstellen und sich einem Moratorium f\u00fcr Kernexplosionen anschlie\u00dfen. Auch der auf Initiative des WFR vom 15. bis 19. Oktober in Kopenhagen durchgef\u00fchrte \"Weltkongre\u00df zum Internationalen Jahr des Friedens\" mit rund 2.400 Teilnehmern aus 130 L\u00e4ndern erkl\u00e4rte in einem \"Appell\" die \"Einstellung aller Kernwaffenversuche\" und die \"Verhinderung einer Militarisierung des Weltraums\" zu den \"gegenw\u00e4rtig wichtigsten gemeinsamen Zielen der Friedensbewegung\". 97","Aufgrund straffer Organisation und Parteidisziplin, ausreichender finanzieller Mittel und einer jahrelangen Erfahrung im Organisieren auch von Gro\u00dfveranstaltungen ist die DKP mit ihrem Umfeld jederzeit in der Lage, gem\u00e4\u00df de'n von der KPdSU vorgegebenen Leitlinien Gro\u00dfaktionen zu planen und durchzuf\u00fchren sowie Teilnehmer an Aktionen zu mobilisieren. Auch 1986 sah das DKPSpektrum in der Mobilisierung zu Massenaktionen wie Aufm\u00e4rschen, Kundgebungen und Demonstrationen die wirksamste Waffe im \"Friedenskampf\" und setzte dabei auf eine qualitative Verbreiterung der \"Friedensbewegung\" durch verst\u00e4rkte Einbeziehung demokratischer und kirchlicher Gruppen. Gewaltsame Ausschreitungen wurden tunlichst vermieden. In Einzelf\u00e4llen distanzierte sich der traditionelle Fl\u00fcgel sogar von Gewaltaktionen, die von militanten Gruppen ausgingen (z.B. im Zusammenhang mit dem Ostermarsch in Wackersdorf). Der Protest des orthodox-kommunistisch orientierten traditionellen Fl\u00fcgels der \"Friedensbewegung\" richtete sich 1986 im wesentlichen gegen die \"Militarisierung des Weltraums\", gegen die \"Stationierung von Mittelstreckenraketen in der Bundesrepublik Deutschland\" und gegen die \"Atomtests der USA\". Deutlich abgesetzt von diesem Spektrum agitierte der autonome/unabh\u00e4ngige Fl\u00fcgel, der sich aus anarchistischen \"Gewaltfreien Aktionsgruppen\", \"AntiNATO\"und \"Anti-Kriegs\"-Gruppen der undogmatischen Neuen Linken, radikal-pazifistischen Initiativen, Gruppen der Umweltschutzbewegung, DritteWelt-Komitees, den Gr\u00fcnen, christlich orientierten und nicht-extremistischen \"Friedensinitiativen\" zusammensetzt. Dieser Fl\u00fcgel ist zum Teil im \"Bundeskongre\u00df unabh\u00e4ngiger Friedensgruppen\" (BUF) organisiert und umfa\u00dft im Bundesgebiet etwa 10.000 st\u00e4ndige Anh\u00e4nger. Das Mobilisierungspotential bleibt merklich hinter dem des traditionellen Fl\u00fcgels zur\u00fcck und \u00fcbersteigt derzeit die Zahl der st\u00e4ndigen Anh\u00e4nger nicht wesentlich. Ideologische Gemeinsamkeiten innerhalb des autonomen/unabh\u00e4ngigen Fl\u00fcgels waren kaum erkennbar. Ebenso fehlte eine einheitliche organisatorische F\u00fchrung. Die \"Autonom/Unabh\u00e4ngigen\" waren weder gewillt noch in der Lage, Massenaktionen selbst durchzuf\u00fchren. Sie setzten auf Aktionen des \"Zivilen Ungehorsams\", d.h. \"die bewu\u00dfte Mi\u00dfachtung staatlicher Ma\u00dfnahmen, Gesetze und Verordnungen\". Diese nach ihrer Aussage \"gewaltfreie Kampfform\" \u00e4u\u00dfert sich z.B. in \"NichtZusammenarbeit mit den Herrschenden (Verweigerung, Streik) und direkten Aktionen (Besetzung, Blockaden, Sabotagen)\". Die \"Autonom/Unabh\u00e4ngigen\" bauten das in den Vorjahren entwickelte \"Anti-NATO\"-Konzept weiter aus. Sie forderten erneut den Austritt der Bundesrepublik Deutschland aus der NATO. Die am 15. April 1984 in Frankfurt a.M. gegr\u00fcndete bundesweite Initiative \"Kein Frieden mit der NATO -- Raus aus der NATO\", in der vor allem Mitglieder und Anh\u00e4nger der Neuen Linken mitarbeiten, ist neben den in der BUF organisierten Friedensgruppen ma\u00dfgeblich an den \"Anti-NATO\"-Aktivit\u00e4ten beteiligt. Ein auf Initiative der BUF gebildeter \"Koordinationskreis Kongre\u00df\", dem u.a. die orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dfte \"Friedensliste\" und Gruppierungen der Neuen Linken angeh\u00f6rten, veranstaltete am 12./13. April in K\u00f6ln einen Kongre\u00df zu dem Thema \"Frieden mit der NATO?\". Im Plenum und in Arbeitsgruppen er\u00f6rterten die Teilnehmer Fragen, die sich f\u00fcr die \"Friedensbewegung mit der Existenz und der Politik der NATO als einem offensiven Milit\u00e4rb\u00fcndnis und seiner aggressiven Zielsetzung gen Osten verbinden\". 98","5.2 Agitationsund Aktionsschwerpunkte Erster Aktionsh\u00f6hepunkt in der \"Friedenskampagne '86\" waren die \"Osterm\u00e4rsche\" vom 28. bis 31. M\u00e4rz, an denen sich bundesweit rund 120.000 (1985: 130.000) Personen beteiligten. Im Mittelpunkt der Aktivit\u00e4ten standen die Forderungen nach Beendigung des Wettr\u00fcstens und Verzicht auf eine Beteiligung am SDI-Projekt der USA. Einen besonderen Schwerpunkt bildete in Bayern der Protest gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAW). Bei den Vorbereitungen der \"Osterm\u00e4rsche\" konnten die DKP und ihr Umfeld, wie in den Vorjahren, wichtige Positionen in den Organisationsgremien besetzen und durch fr\u00fchzeitige Mobilisierung ihrer Anh\u00e4nger zum Teil entscheidenden Einflu\u00df auf den Inhalt zentraler \"Ostermarschaufrufe\" nehmen. Bundesweite \"Informationsstelle zum Ostermarsch '86\" war in der Vorbereitungsphase die DFU-Landesgesch\u00e4ftsstelle in Hessen. An den \"Osterm\u00e4rschen\" in Bayern nahmen insgesamt 40.000 Personen teil. Dem Aufruf zur Teilnahme am \"Ostermarsch\" in M\u00fcnchen \"Schlu\u00df mit dem R\u00fcstungswahnsinn! Keine Beteiligung an der Weltraumr\u00fcstung! Keine Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf oder anderswo!\" folgten am 30. M\u00e4rz etwa 4.000 Personen. Zum Aufruferund Unterst\u00fctzerkreis geh\u00f6rten U:a. die DKP und ihre Nebenorganisationen SDAJ, MSB Spartakus und JP, die DKP-beeinflu\u00dften Organisationen WN-BdA, DFG-VK, BIFA, DFI und M\u00fcnchner Friedensforum sowie die linksextrem beeinflu\u00dften Vereinigten M\u00fcnchner Friedensinitiativen (VMF) und zahlreiche M\u00fcnchner Stadtteilfriedensinitiativen. Am 31. M\u00e4rz fanden in mehreren bayerischen St\u00e4dten Auftaktkundgebungen f\u00fcr die Gro\u00dfdemonstration in Wackersdorf statt. In N\u00fcrnberg versammelten sich hierzu etwa 1.500 Personen, die sich bis zur Abfahrt der Sonderz\u00fcge nach Wackersdorf auf rund 3.000 verst\u00e4rkten. Unter den Teilnehmern in N\u00fcrnberg befanden sich Mitglieder und Anh\u00e4nger des orthodox-kommunistischen Spektrums wie der DKP, SDAJ, JP, DFU und DFG-VK, ferner Anh\u00e4nger von Gruppierungen der Neuen Linken wie MLPD, AB, KPD und GIM sowie extremistischer Ausl\u00e4ndergruppen. F\u00fcr die Vorbereitung des N\u00fcrnberger \"Ostermarsches\" war das orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dfte \"N\u00fcrnberger Friedensforum\" verantwortlich. Weitere lokale und regionale \"Ostermarschaktivit\u00e4ten\" fanden in Ansbach, Aschaffenburg, Augsburg, Bayreuth, Erding, Erlangen, F\u00fcrth, Hof, Ingolstadt, Landshut, Lohr am Main, Miesbach, Mindelheim, Penzberg, Regensburg, Rothensand/Lkr. Bamberg, Schweinfurt, Traunstein, Ulm/Neu-Ulm, Untersdorf/ Lkr. N\u00fcrnberger Land und W\u00fcrzburg statt. Tr\u00e4ger der Veranstaltungen waren \u00f6rtliche oder regionale \"Friedensinitiativen\", die vielfach Bez\u00fcge zur DKP oder ihrem Umfeld aufwiesen oder von linksextremen Gruppierungen unterst\u00fctzt wurden. Bei mehreren Veranstaltungen traten als Anmelder, Versammlungsleiter oder Redner DKP-Funktion\u00e4re oder Funktion\u00e4re DKP-beeinflu\u00dfter Organisationen auf. An der zentralen Abschlu\u00dfkundgebung in unmittelbarer N\u00e4he des Baugel\u00e4ndes der geplanten WAW, die unter dem Motto \"Auf der Erde abr\u00fcsten -- Nein zur WAA -- Keine Waffen in den Weltraum\" stand, beteiligten sich am 31. M\u00e4rz rund 30.000 Personen. Der hierf\u00fcr gebildete \"Koordinierungsausschu\u00df zur Vorbereitung der Ostermarsch-Abschlu\u00dfkundgebung in Wackersdorf\" stand unter ma\u00dfgeblichem orthodox-kommunistischem Einflu\u00df. Die Demonstration selbst, 99","an der sich auch Gruppen aus anderen Bundesl\u00e4ndern und aus Osterreich beteiligten, verlief \u00fcberwiegend friedlich. Vor und nach der Demonstratio^ wurden jedoch von Angeh\u00f6rigen der undogmatischen Neuen Linken und militanten Einzelpersonen Gewaltaktionen gegen Personen und Sachen begangen. Bereits Wochen vorher war im \"autonom/unabh\u00e4ngigen Spektrum\" zu \"direkten Aktionen\" am Baugel\u00e4nde und zur Demontage des Bauzaunes\" aufgerufen worden. Insgesamt wurden 367 Personen vorl\u00e4ufig festgenommen, davon waren 116 Personen aus Bayern und davon wiederum 17 Personen aus der Oberpfalz. Nach der milit\u00e4rischen Operation der USA gegen Ziele in Libyen kam es ab 15. April in mehr als 100 St\u00e4dten des Bundesgebietes zu Aufz\u00fcgen und Protestkundgebungen, an denen mehr als 100.000 Personen teilnahmen. Den gr\u00f6\u00dften Zulauf mit rund 10.000 Teilnehmern fand die Demonstration am 19. April vor der amerikanischen Botschaft in Bonn. Aufgerufen hierzu hatte der \"Koordinierungsausschu\u00df der Friedensbewegung\", in dem auch Linksextremisten verantwortlich mitarbeiten. Die Teilnehmer, darunter orthodoxe Kommunisten, Anh\u00e4nger der Neuen Linken und extremistischer Ausl\u00e4nderorganisationen, forderten die Beendigung der \"milit\u00e4rischen Aggression der USA\" gegen Libyen. Die Polizei beschlagnahmte Transparente, in denen die USA der \"Kriegstreiberei\", des \"Kindermordes\" und des \"Staatsterrorismus\" bezichtigt wurden. Auch in Bayern kam es zu mehreren Protestaktionen, an denen sich rund 8.000 Personen beteiligten. Als Veranstalter traten vielfach die DKP, DKP-beeinflu\u00dfte Organisationen und \"Friedensinitiativen\" auf. Im Verlauf der meist friedlichen Demonstrationen wurden jedoch vereinzelt Polizeibeamte t\u00e4tlich angegriffen und Knallk\u00f6rper oder Farbbeutel geworfen. Auf Einladung mehrerer DKP-beeinflu\u00dfter Vereinigungen fand am 13. Juli in M\u00fcnchen ein \"S\u00fcdbayerischer Friedensratschlag\" statt, an dem sich rund 40 Personen beteiligten. Themenschwerpunkte waren die Herbstaktionen der \"Friedensbewegung\", insbesondere die Gro\u00dfdemonstration am 11. Oktober in Hasselbach/Hunsr\u00fcck. Als Mobilisierungsma\u00dfnahmen f\u00fcr diese Demonstration waren u.a. die Aktionen zum \"Hiroshima-Tag\" (6. August), zum \"Antikriegstag\" (I.September) und bei der \"Friedenskulturwoche\" Ende September in M\u00fcnchen vorgesehen. Plakatklebeaktionen und Aufrufe sollten die Mobilisierungsma\u00dfnahmen erg\u00e4nzen. Der Jahrestag des Atombombenabwurfs auf die japanische Stadt Hiroshima, der sogenannte \"Hiroshima-Tag\", war wiederum Anla\u00df zu vielf\u00e4ltigen Aktionen der \"Friedensbewegung\", in deren Mittelpunkt die Forderung nach sofortigem Atomteststopp stand. In M\u00fcnchen f\u00fchrte die DFG-VK am 6. August eine Vortragsveranstaltung mit rund 200 Teilnehmern zum Thema \"41 Jahre radioaktive Verseuchung -- Von Hiroshima ... bis Tschernobyl\" durch, die u.a. von DKP, SDAJ, DFU, WN-BdA und der \"Friedensliste\" unterst\u00fctzt wurde. Linksextreme und linksextrem beeinflu\u00dfte Organisationen wie DKP, WN-BdA und \"Friedensinitiativen\" nutzten aber auch den traditionellen \"Antikriegstag\" der Gewerkschaften am I.September zur Darstellung ihrer \"friedenspolitischen\" Positionen. Unter dem Motto \"Gemeinsame Sicherheit statt Konfrontation -- Die neuen Chancen nutzen\" f\u00fchrte die von der DFU gesteuerte \"Krefelder Initiative\" am 100","27. September in Bremen ihr 5. Forum durch. Nach Angaben in der kommunistischen Presse beteiligten sich an der Veranstaltung rund 600 Personen aus dem \"gesamten Spektrum der Friedensbewegung\". Neben Funktion\u00e4ren der DKP und anderer linksextremer Organisationen nahmen auch Vertreter \"berufsbezogener Friedensinitiativen\" teil. Die Teilnehmer des 5. Forums, das wiederum von der DFL) geplant und organisiert wurde, appellierten in einem Aufruf an Bundesregierung und Bundestag, zu einem Verbot aller Atomwaffentests beizutragen und die US-Regierung aufzufordern, sich dem einseitigen Moratorium der UdSSR anzuschlie\u00dfen. Im Rahmen dieser Veranstaltung kam insbesondere die stark gewachsene Bedeutung der \"berufsbezogenen Friedensinitiativen\" f\u00fcr den \"Friedenskampf\" in der Bundesrepublik Deutschland zum Ausdruck. Hasselbach macht Mut Vom 27. bis 30. September fand in M\u00fcnchen unter dem Motto \"Kultur f\u00fcr den Frieden\" eine Veranstaltungsreihe mehrerer M\u00fcnchner \"Friedensinitiativen\" mit Diskussionsrunden, Filmvorf\u00fchrungen, Theater und Musik statt, die mit einem \"Friedensbasar\" er\u00f6ffnet wurde. Zahlreiche Organisationen, darunter DKP, DFU, WN-BdA, KFAZ, DFI und die \"Friedensliste\" hatten Informationsst\u00e4nde errichtet. Bei verschiedenen Veranstaltungen traten auch Anh\u00e4nger linksextrem beeinflu\u00dfter Gruppierungen auf. i Der \"Gemeinsame Koordinierungsausschu\u00df von Friedensbewegung und B\u00fcrgerinitiativen gegen WAA\" f\u00fchrte vom 27. September bis 11. Oktober in Zusammenarbeit mit vielen \u00f6rtlichen Initiativen eine Stafette \"Widerstand auf Touren\" von Wackersdorf nach Hasselbach zur bundesweiten Gro\u00dfdemonstration der \"Friedensbewegung\" durch, um die Themen Atomenergie und Atomwaffen zu verbinden und die Zusammenarbeit von \"Friedensbewegung\" und \"Umweltbewegung\" weiter auszubauen. In vielen \"Stafettenst\u00e4dten\" wurden Informationsveranstaltungen, Kundgebungen und Demonstrationen abgehalten, die vielfach von orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Gruppierungen organisiert wurden. Unter der Losung \"Frieden braucht Bewegung! F\u00fcr eine neue Politik! Abr\u00fcsten jetzt!\" versammelten sich am 11. Oktober knapp 100.000 Personen, darunter 3.500 aus Bayern, zur bundesweiten Gro\u00dfdemonstration der \"Friedensbewe101","gung\" im Hunsr\u00fcck, um gegen die Stationierung von Atomraketen zu protestieren. Die Aktionen umfa\u00dften Demonstrationsz\u00fcge von Kastellaun und Hasselbach zur Cruise-Missiles-Basis, die \"Umzingelung\" des Stationierungsgel\u00e4ndes und eine Kundgebung auf dem Beller Marktplatz. Mit dieser Kundgebung bereitete der \"Koordinierungsausschu\u00df der Friedensbewegung\" erstmals seit dem \"Friedensherbst 1984\" wieder eine bundesweite Gro\u00dfdemonstration vor, die von allen Str\u00f6mungen der Protestbewegung getragen wurde; \u00fcber 1.000 Organisationen und Gruppen hatten zur Teilnahme aufgerufen. An der Diskussion \u00fcber Inhalte und Aktionsformen der Gro\u00dfdemonstration waren Linksextremisten ma\u00dfgeblich beteiligt. Die Durchf\u00fchrung der Demonstration wurde auf der \"Aktionskonferenz '86 der Friedensbewegung\" am 1./2. Februar in Bonn von den rund 600 Teilnehmern, darunter mehr als die H\u00e4lfte Angeh\u00f6rige der DKP, ihrer Nebenorganisationen und der von ihr beeinflu\u00dften Vereinigungen beschlossen. Eine mobilisierende Wirkung versprach sich der \"Koordinierungsausschu\u00df der Friedensbewegung\" von einer Unterschriftensammlung zur \"Friedenserkl\u00e4rung\", die die \"5 K\u00f6lner Punkte\" -- die gemeinsamen Forderungen der \"Friedensbewegung\" seit der Strategiekonferenz vom Juni 1985 -- enthielt und am 24. Mai, dem \"1. Bundesweiten Friedensund Aktionstag\", gestartet wurde. Als \"H\u00f6hepunkt der Mobilisierung\" war ein \"2. Bundesweiter Aktionstag\" am 20. September geplant, der jedoch wie der erste Aktionstag nicht die von den Veranstaltern erwartete Resonanz fand. Vom 14.,bis 16. November fand in Hamburg als H\u00f6hepunkt und Abschlu\u00df der diesj\u00e4hrigen \"Friedenswoche an den Hochschulen\" ein Internationaler Naturwissenschaftler-Friedenskongre\u00df statt. An der Vorbereitung und Abwicklung des Kongresses waren Mitglieder der DKP, des MSB Spartakus, der DFU und des BdWi ma\u00dfgeblich beteiligt. Nach Berichten in der kommunistischen Presse nahmen an dem Kongre\u00df rund 3.700 Personen aus 23 Staaten teil. Unter den Besuchern der Er\u00f6ffnungsveranstaltung befanden sich u.a. der Direktor der sowjetischen Nachrichtenagentur \"Nowosti\", der fr\u00fchere sowjetische Botschafter in Bonn und f\u00fchrende Funktion\u00e4re der DKP. In 26 Arbeitsgruppen berieten die Teilnehmer \u00fcber Gefahren der R\u00fcstungsentwicklung, \u00f6konomische Auswirkungen des Wettr\u00fcstens, wissenschaftliche und milit\u00e4rische Aspekte des amerikanischen SDI-Projekts und M\u00f6glichkeiten der Verifikation von Abr\u00fcstungsvereinbarungen. Von den Leitern dieser Arbeitsgruppen kamen 22 aus der Bundesrepublik Deutschland. Davon sind neun Personen als Mitglieder DKP-beeinflu\u00dfter Organisationen bekannt. Im Rahmen der bundesweit propagierten \"Friedenswochen '86\" fanden im November in mehreren St\u00e4dten friedenspolitische Aktionen statt. Unter dem Motto \"Frieden schaffen ohne Waffen\" rief in M\u00fcnchen ein aus 13 Gruppierungen bestehender Aufruferkreis zur Teilnahme an den vom 8. bis 23. November angebotenen Veranstaltungen auf. Dem Aufruferkreis geh\u00f6rten auch die DKPbeeinflu\u00dften Organisationen DFG-VK, WN-BdA, BIFA und M\u00fcnchner Friedensforum sowie die linksextrem beeinflu\u00dften Vereinigten M\u00fcnchner Friedensinitiativen (VMF) an. Weitere Veranstaltungen linksextrem beeinflu\u00dfter Friedensinitiativen fanden in Aschaffenburg und Erlangen statt. Auf Einladung des \"Sowjetischen Friedenskomitees\" reiste eine Delegation des Bonner \"Koordinierungsausschusses der Friedensbewegung\" vom 7. bis 102","Friedenskampagne '86 Gro\u00dfdemonstration am 11. Okt. in Hasselbach/Hunsr\u00fcck F\u00dcR EINE NEUE POLITIK ABR\u00dcSTEN JETZT ! 103","11. Dezember zu Gespr\u00e4chen mit sowjetischen Politikern und Wissenschaftlern nach Moskau. Zu den Delegationsmitgliedern geh\u00f6rten u.a. zwei \"B\u00fcromitglieder\" des KFAZ, ein Mitglied des Bundesvorstandes der DFG-VK und ein Vertreter der BUF. Aus Anla\u00df des 7. Jahrestages des NATO-Nachr\u00fcstungsbeschlusses (12.12.1979) fanden in Bayern verschiedene Aktionen statt. So veranstaltete die DKP-beeinflu\u00dfte \"Friedensliste\", die gleichzeitig den 13. Dezember zu einem ihrer \"Informationstage\" erkl\u00e4rt hatte, am 12. und 13. Dezember in Ansbach, Aschaffenburg, Bamberg, Landshut, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg Mahnwachen und errichtete Informationsst\u00e4nde. Am 12. Dezember blockierten Anh\u00e4nger des autonomen/unabh\u00e4ngigen Fl\u00fcgels der \"Friedensbewegung\" die WileyKaserne in Neu-Ulm und den US-St\u00fctzpunkt \"Fort Steuben\" bei Ritzisried, Landkreis Neu-Ulm. Die Polizei nahm mehrere Personen fest. Die BIFA f\u00fchrte am 12. Dezember mit M\u00fcnchner \"Friedensinitiativen\" eine Demonstration vom Siegestor zum Friedensengel mit rund 250 Teilnehmern durch. Als Kundgebungsmittel wurden Fackeln, Plakate und Transparente mit Aufschriften wie \"Atomraketen raus, Schlu\u00df mit den Atomtests\", \"Stoppt Reagans Kriegskurs\" und \"Atomtest stop\" mitgef\u00fchrt. 104","2. Abschnitt Rechtsextremismus 1. Allgemeines Der Rechtsextremismus verf\u00fcgt im Gegensatz zum Linksextremismus orthodoxer Pr\u00e4gung nicht \u00fcber ein geschlossenes theoretisches System, das \u00fcber L\u00e4nderund Kulturgrenzen hinweg Anspruch auf Allgemeing\u00fcltigkeit erhebt. In der Bundesrepublik Deutschland sind die Bestrebungen rechtsextremer Organisationen im wesentlichen dadurch gekennzeichnet, da\u00df sie die Grundlagen der Demokratie ablehnen und -- aus taktischen Gr\u00fcnden meist nicht offen erkl\u00e4rt -- eine totalit\u00e4re Regierungsform unter Einschlu\u00df des F\u00fchrerprinzips anstreben. Bestimmende Merkmale des Rechtsextremismus sind vor allem -- die pauschale \u00dcberbewertung der Interessen einer rassistisch verstandenen \"Volksgemeinschaft\" zu Lasten der Interessen und Rechte des einzelnen, die auf eine Aush\u00f6hlung der Grundrechte abzielt (v\u00f6lkischer Kollektivismus), -- ein den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung mi\u00dfachtender Nationalismus, -- die offene oder verdeckte Wiederbelebung des Antisemitismus und anderer rassistischer Thesen, die mit dem Schutz der Menschenw\u00fcrde und dem Gleichheitsprinzip nicht vereinbar sind, -- immer wiederkehrende Versuche, das NS-Regime unter Herausstellung angeblich positiver Leistungen des Dritten Reiches zu rechtfertigen und dabei seine Verbrechen zu verschweigen, zu verharmlosen oder sogar zu leugnen. Hinzu kommt die allen Extremisten gemeinsame planm\u00e4\u00dfige Bek\u00e4mpfung und Diffamierung der bestehenden Staatsform und ihrer Repr\u00e4sentanten in der Absicht, den \u00fcberragenden Wert der freiheitlichen demokratischen Grundordnung in den Augen der Bev\u00f6lkerung zu ersch\u00fcttern. Diese Merkmale sind nicht gleichm\u00e4\u00dfig bei allen rechtsextremen Organisationen zu beobachten. Manchmal sind nur Teilaspekte bestimmend; auch die Intensit\u00e4t und die Mittel des Kampfes gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung sind unterschiedlich. Wie im Vorjahr verfolgten die rechtsextremen Organisationen und Gruppen keine einheitliche Strategie. Organisatorische Zersplitterung, der Mangel einer geschlossenen Ideologie sowie das Fehlen ausreichender finanzieller Mittel lie\u00dfen den Rechtsextremismus in Bayern keinen gr\u00f6\u00dferen Einflu\u00df gewinnen. 105","Ebenso blieb der Versuch, bei Wahlen auf die politische Willensbildung de/ Bev\u00f6lkerung nachhaltig einzuwirken, auch 1986 erfolglos. Im Jahre 1986 bet\u00e4tigten sich in Bayern 28 (1985: 30) rechtsextreme Organisationen und Gruppen mit rund 4.100 Mitgliedern bzw. Anh\u00e4ngern (1985: 3.900). Innerhalb des organisierten Rechtsextremismus stellten die Deutsche Volksunion (DVU) mit ihren Aktionsgemeinschaften und die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) einschlie\u00dflich ihrer Jugendund Studentenorganisation mit zusammen knapp 3.600 Mitgliedern in Bayern den gr\u00f6\u00dften Anteil. Ein Ende November initiierter Wahlverband, der eine Plattform f\u00fcr die gesamte \"politische Rechte\" darstellen will und sich inzwischen 1987 als Partei konstituiert hat, soll in Zusammenarbeit mit der NPD die Chancen des rechtsextremen Lagers bei k\u00fcnftigen Wahlen erh\u00f6hen. Im Bereich des organisierten Neonazismus waren zwar eine Zunahme der Aktivit\u00e4ten und der Mitgliederzahlen, aber auch Spaltungstendenzen festzustellen. Ehemalige Anh\u00e4nger der verbotenen Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) setzten ihre Bestrebungen fort, insbesondere in der von ihnen unterwanderten Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) Vorstellungen der ANS/NA durchzusetzen! Wehrsportgruppen mit rechtsextremen Zielen traten 1986 in Bayern nicht mehr \u00f6ffentlich in Erscheinung. \u00dcbersicht \u00fcber Zahl und Mitgliederst\u00e4rke rechtsextremer Organisationen in Bayern (Mehrfachmitgliedschaften sind durch Abzug bereits ber\u00fccksichtigt) 1984 1985 1986 Anzahl der Organisationen 30 30 28 Mitgliederst\u00e4rke NPD mit JN und NHB 1.350 1.400 1.470 DVU einschl. Aktionsgemeinschaften 2.000 2.000 2.100 Neonazistische Organisationen und Einzelaktivisten 150 170 240 Sonstige Organisationen 320 320 320 Insgesamt 3.820 3.890 4.130 Einen Schwerpunkt rechtsextremer Agitation bildete vor allem das Ausl\u00e4nderund Asylantenproblem, das inzwischen Rechtsextremisten aller Schattierungen aufgegriffen haben. Ihr ma\u00dfgebliches Motiv ist dabei ihre rassistische und nationalistische Einstellung, die sich mit vorgeblich gesicherten Erfahrungen und weltanschaulichen \"Erkenntnissen\" gegen alles Andersgeartete und Fremde richtet. Sie versuchen, unter Ausnutzung wirtschaftlicher Existenz\u00e4ngste mit Warnungen vor einer \"Ausl\u00e4nder\u00fcberflutung\" fremdenfeindliche Vorurteile propagandistisch zu f\u00f6rdern, um dadurch breite Unterst\u00fctzung f\u00fcr ihre weitergehenden politischen Ziele zu erreichen. Mit nationalistischen Neutralismusparolen, die oft antiamerikanische Z\u00fcge trugen, versuchten Rechtsextremisten au\u00dferdem, den Gedanken eines der \"Friedenssicherung\" dienenden wiedervereinigten \"Gro\u00dfdeutschlands\" zu propagieren. Weitere Agitationsthemen waren wie im Vorjahr die Kriegsschuldfrage, die Judenverfolgung im Drit106","ten Reich und -- vor dem Hintergrund der Rede des Bundespr\u00e4sidenten zum 8. Mai 1985 -- der \"Nationalmasochismus\" f\u00fchrender demokratischer Politiker. Die Zahl der neonazistischen und antisemitischen Vorf\u00e4lle, die vielfach keinen Bezug zu einer bestimmten rechtsextremen Organisation erkennen lassen, ist gegen\u00fcber dem Vorjahr gestiegen. Verringert haben sich dagegen die Kontakte bayerischer Neonazis zu Gleichgesinnten im Ausland und der Anteil des aus dem Ausland stammenden und in Bayern verbreiteten rechtsextremen Propagandamaterials. Militante Neonazis, die Gewalt nicht nur bef\u00fcrworten, sondern auch anwenden, stellen nach wie vor eine Bedrohung der \u00f6ffentlichen Sicherheit dar. Von erheblicher Bedeutung war wiederum die T\u00e4tigkeit der in Bayern ans\u00e4ssigen organisationsunabh\u00e4ngigen Verlage und Vertriebsdienste, die Druckerzeugnisse rechtsextremen Inhalts in hoher Auflage herstellten und verbreiteten. Das Angebot erfa\u00dfte nicht nur organisierte Rechtsextremisten, sondern zielte auch -- wie aus seiner Quantit\u00e4t erkennbar -- auf sonstige Personen ab, die f\u00fcr rechtsextreme Vorstellungen ansprechbar sein k\u00f6nnten. Mit der \u00dcbernahme der bisher in Rosenheim erscheinenden Deutschen Wochen-Zeitung (DWZ) konnte der M\u00fcnchener Verleger und DVU-Vorsitzende Dr. Gerhard Frey seinen publizistischen Einflu\u00df innerhalb des rechtsextremen Spektrums erweitern. In Bayern traten 1986 im wesentlichen folgende Organisationen und Gruppen in Erscheinung: 1.1 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) mit ihrer Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN), der Nebenorganisation Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) und der von der NPD gesteuerten B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp (BIA) 1.2 Deutsche Volksunion (DVU) mit den Aktionsgemeinschaften Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie (VOGA) Aktion Deutsche Einheit (AKON) Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (l.f.A.) Aktion deutsches Radio und Fernsehen (ARF) Ehrenbund Rudel -- Gemeinschaft zum Schutz der Frontsoldaten Deutscher Schutzbund f\u00fcr Volk und Kultur und dem Wahlverband \"Deutsche Liste\" 1.3 Neonazistische Gruppen Verbotene Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP) Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) Nationalistische Front (NF) Nationalrevolution\u00e4re (NR) Deutsche B\u00fcrgerinitiative (DBI) 107","1.4 Sonstige rechtsextreme Organisationen Deutscher Block (DB) Wiking-Jugend (WJ) Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik (GFP) Freundeskreis Ulrich von H\u00fctten Die Deutsche Freiheitsbewegung (DDF) 2. Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 2.1 Ideologisch-politischer Standort Obwohl die NPD in ihrem \"D\u00fcsseldorfer Programm\" von 1973 betont, sie trete f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung ein, lehnt sie wesentliche Prinzipien dieser Grundordnung ab. Die Unterschiede zwischen der Staatsund Gesellschaftsordnung des Grundgesetzes und den Vorstellungen der NPD beruhen vor allem auf unvereinbar gegens\u00e4tzlichen Auffassungen zur Stellung des einzelnen in der Gemeinschaft und zur Stellung des Staates ihm gegen\u00fcber. In der freiheitlichen Demokratie wird dem Menschen um seiner W\u00fcrde willen die freie Entfaltung seiner Pers\u00f6nlichkeit durch den Staat gew\u00e4hrleistet. Im Gegensatz hierzu gibt die NPD in \u00fcberindividualistischer Sicht dem Staat vor dem einzelnen den Vorrang. Dem Primat des Individuums vor dem Staat, wie er sich aus Art. 1 des Grundgesetzes ergibt, stellt sie die \"Gemeinschaft des eigenen Volkes\" als \"Grundlage des Rechts und der Ordnung\" entgegen, die Vorrang vor der Freiheit des einzelnen habe. So versteht die NPD die von ihr propagierte \"Nationaldemokratie\" als eine Gesellschaftsordnung, in der das Wohl des eigenen Volkes f\u00fcr jedermann oberstes Gebot ist. Daher fordert sie die \"Hinf\u00fchrung des deutschen Menschen zum Bewu\u00dftsein seiner sittlichen und v\u00f6lkischen Verantwortung f\u00fcr das Ganze\", und tritt f\u00fcr eine Politik ein, die \"das Volk in den Mittelpunkt stellt und nur diesem verpflichtet ist\", wobei die \"F\u00fchrungselite\" ausschlie\u00dflich \"dem Staat, dem Volk und der Nation\" zu dienen habe. Diese pauschale \u00dcberbewertung der \"Volksgemeinschaft\" im Sinne eines v\u00f6lkischen Kollektivismus kn\u00fcpft an ein Leitbild an, das wesentlicher Bestandteil der nationalsozialistischen Ideologie war. Die Absicht, Interessengegens\u00e4tze innerhalb der Gesellschaft durch die uneingeschr\u00e4nkte Unterordnung des einzelnen unter nicht n\u00e4her definierte Gemeinschaftsinteressen aufzuheben, ist mit den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten nicht vereinbar und verkennt, da\u00df die Menschenrechte des einzelnen origin\u00e4r sind und sich nicht von einer \"Volksgemeinschaft\" ableiten lassen. Ferner klingen in den Ver\u00f6ffentlichungen der Partei nach wie vor rassistische und nationalistische Zielsetzungen und Denkweisen an. Ihre f\u00fcr Rechtsextremisten charakteristische Ablehnung alles Andersartigen, hinter der sich die \u00dcberzeugung von der H\u00f6herwertigkeit der eigenen Rasse und Nation verbirgt, versucht die NPD unter Berufung auf die \"Vielfalt des Lebens und seiner Erscheinungen\" zu rechtfertigen, wobei sie insbesondere die nat\u00fcrliche \"Unterschiedlichkeit der Menschen\" betont. Entsprechend dieser auf ihrem \"lebensrichtigen Bild der V\u00f6lker und Menschen\" beruhenden Grundeinstellung behandelt die Partei das Ausl\u00e4nderund Asylantenproblem vorwiegend unter 108","SCHON Deutschland den Deutschen Hrag. HPO - PV. - Rfcieetr 4 ' 7SO0 SMtgart 1 yorantworttcti: UOQ Hoamftim PS.1.5. 109","dem Gesichtspunkt der \"\u00dcberfremdung\" mit der Gefahr des Untergangs des deutschen Volkes durch \"Vermischung\" bzw. Entwicklung zum \"Vielv\u00f6lkerstaat\". So wandte sie sich mit der Forderung, Deutschland m\u00fcsse das \"Land der Deutschen\" bleiben, gegen die \"Masseneinwanderung\" von Ausl\u00e4ndern, die eine \"schleichende Umwandlung des deutschen Volkes in eine multirassische und multikulturelle Gesellschaft\" zur Folge haben werde. Insbesondere kritisierte sie das Assoziierungsabkommen mit der T\u00fcrkei, das ab 1. Dezember 1986 eine \"Millionen-T\u00fcrken-Invasion\" erwarten lasse. Dar\u00fcber hinaus prognostizierte die NPD eine \"deutsche Bev\u00f6lkerungskatastrophe\", weil der \"deutsche Lebensbaum\" durch den bundesweit ansteigenden Ausl\u00e4nderanteil zunehmend gesch\u00e4digt werde. In diesem Zusammenhang erkl\u00e4rte sie, der \"Volkstod der Deutschen\" sei \"nichts anderes als der von seinen Feinden schon immer gewollte und seinen unf\u00e4higen oder gar bewu\u00dft handelnden Regierenden widerstandslos zugelassene Volksmord\". Der Agitation gegen Asylanten und Ausl\u00e4nder dienten daneben auch nationalistisch gepr\u00e4gte Argumente wie Hinweise auf die \"Auspl\u00fcnderung\" bzw. \"Ausbeutung unserer Steuerzahler durch Scheinund Wirtschaftsasylanten\". Unter der Schlagzeile \"Weniger Ausl\u00e4nder -- weniger Arbeitslosigkeit!\" versuchte die NPD ferner, die \"dem eigenen Volk gegen\u00fcber verantwortungslose Einwanderungspolitik\" f\u00fcr die Lage am Arbeitsmarkt verantwortlich zu machen, wobei sie betonte, da\u00df es nicht Aufgabe der Deutschen sei, in \"falsch verstandener Humanit\u00e4t\" die Arbeitsplatzund Sozialprobleme \"der ganzen EG oder gar der Welt zu l\u00f6sen\"; vielmehr seien \"deutsche Arbeitspl\u00e4tze den deutschen Arbeitslosen\" zur Verf\u00fcgung zu stellen. Wie in den Vorjahren verzichtete die Partei fast v\u00f6llig auf Versuche, das NSRegime zu rechtfertigen, und beschr\u00e4nkte sich im wesentlichen auf Kritik an der \"Vergangenheitsbew\u00e4ltigung\", die ausschlie\u00dflich \"zu Lasten unseres Volkes\" gehe, w\u00e4hrend die \"Verbrechen der Sieger\" nahezu ausnahmslos verschwiegen w\u00fcrden. Daneben wandte sie sich gegen die \"Umerziehungs-Tiraden\" des Bundespr\u00e4sidenten, der mit dem Bundeskanzler in \"bewu\u00dfter Ein\u00e4ugigkeit\" darin zu wetteifern scheine, \"deutsche Straftaten des Zweiten Weltkriegs hervorzuholen\". Im Gegensatz zu dieser Haltung betrachte die NPD die \"Besinnung auf den millionenfachen Opfergang unseres Volkes\" als Voraussetzung einer \"Politik f\u00fcr Deutschlands Zukunft\". Zu den Hauptangriffszielen der Partei geh\u00f6ren nach wie vor die demokratischen Institutionen und ihre Repr\u00e4sentanten. Damit einhergehend lehnt die NPD zugleich die bestehende staatliche Ordnung ab. So machte sie das \"Bonner Parteiensystem\" daf\u00fcr verantwortlich, da\u00df das Grundgesetz \"zu einem Feigenblatt f\u00fcr Korruption, Bestechung, Schiebung, Gesetzesbrecherei, pers\u00f6nlicher Bereicherung und Betrug degradiert\" worden sei. Den von ihr auch als \"Parteienkartell\" und \"\u00dcbel-Parteien\" diffamierten \"Verzichtlern in Bonn\" warf sie \"nationalpolitischen Verrat\" vor, da den \"schwarz-roten Verfassungsver\u00e4chtern\" offenbar nicht bewu\u00dft sei, da\u00df jedes Festhalten am \"status quo der Nachkriegsordnung der Sieger\" zugleich ein Bekenntnis zur \"Souver\u00e4nit\u00e4tslosigkeit des deutschen Volkes in seiner Gesamtheit\" bedeute. Weiter behauptete die NPD, die \"abgewirtschafteten Bonner Parteien\" betrachteten den zur \"Beute der Herrschenden\" gewordenen Staat vorwiegend als \"Selbstbedienungsladen zur Befriedigung des eigenen Egoismus\". Das deutsche Volk wer110","de von seinen Politikern \"zum Esel gemacht, dem jeder Halunke seine S\u00e4cke aufladen darf\". Diese diffamierende Polemik l\u00e4\u00dft darauf schlie\u00dfen, da\u00df die NPD die Prinzipien des Mehrparteiensystems und der Chancengleichheit der Parteien trotz ihres formalen Bekenntnisses zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung ablehnt und durch bewu\u00dfte Entstellung der Verfassungswirklichkeit suggerieren will, diese Grundordnung habe sich -- am Ma\u00dfstab praktischer Bew\u00e4hrung gemessen -- als untauglich erwiesen. Der 1982 beschlossene neutralistische Kurs der NPD sieht einen Zusammenschlu\u00df der beiden deutschen Staaten zu einer \"Konf\u00f6deration Deutschland\" als Vorstufe zur Wiedervereinigung vor und enth\u00e4lt die Forderung nach dem Austritt der Bundesrepublik Deutschland und der DDR aus der NATO bzw. dem Warschauer Pakt. Dazu vertritt die NPD die Auffassung, die Verpflichtung zu diesem \"Deutschen Sonderweg\" ergebe sich zwingend aus der geographischen und politischen Lage Deutschlands, das friedlich nur dann wiedervereinigt werde, wenn dies der Interessenlage der Sowjetunion entspreche. Endziel seien weder Neutralit\u00e4t f\u00fcr die Bundesrepublik Deutschland noch ein neutraler Status f\u00fcr zwei deutsche Staaten, sondern Blockfreiheit und Neutralit\u00e4t f\u00fcr \"Gesamtdeutschland\". Der vom vorj\u00e4hrigen Bundesparteitag gebilligte Entwurf eines neuen Parteiprogramms mit dem Titel \"Nationaldemokratische Gedanken f\u00fcr eine lebenswerte Zukunft\", der das bisherige \"D\u00fcsseldorfer Programm\" von 1973 abl\u00f6sen soll, aber in Teilen der Mitgliedschaft heftig umstritten ist, wurde 1986 noch nicht verabschiedet. Seit Sommer 1986 zeichnete sich zwischen der Parteispitze und dem M\u00fcnchner Verleger Dr. Gerhard Frey, der zugleich Vorsitzender der Deutschen Volksunion (DVU) ist, eine Ann\u00e4herung ab, die insbesondere durch Wahlempfehlungen zugunsten der NPD in Dr. Frey's Wochenzeitungen zum Ausdruck kam. 2.2 Organisation Die am 28. November 1964 in Hannover von Funktion\u00e4ren der ehemaligen Deutschen Reichspartei (DRP) gegr\u00fcndete NPD z\u00e4hlte 1986 wie im Vorjahr bundesweit rund 6.100 Mitglieder. JN und NHB sind dabei nicht eingerechnet. Der Beitritt zur NPD ist mit der Verpflichtung verbunden, monatliche Beitr\u00e4ge zu entrichten, Satzung und Programm der NPD als verbindlich zu akzeptieren und sich zu den Zielen der Partei zu bekennen. Gegen\u00fcber dem Vorjahr haben sich keine wesentlichen organisatorischen \u00c4nderungen ergeben. Parteivorsitzender ist Martin Mu\u00dfgnug, der diese Funktion seit 1971 innehat. Seine Stellvertreter sind der Vorsitzende des Landesverbandes Bayern Walter Bachmann, der Generalsekret\u00e4r der Partei Walter Seetzen und der Vorsitzende des Landesverbandes Baden-W\u00fcrttemberg J\u00fcrgen Sch\u00fctzinger. Der Landesverband Bayern mit Sitz in M\u00fcnchen z\u00e4hlt etwa 1.300 Mitglieder (ohne JN und NHB). Er gliedert sich in sieben Bezirksund rund 60 Kreisverb\u00e4nde, von denen aber mehr als die H\u00e4lfte nicht aktiv ist. Als Organ der NPD erscheint im parteieigenen Verlag in Stuttgart die Zeitung \"Deutsche Stimme\" mit einer durchschnittlichen monatlichen Auflage von rund 111","Entwicklung der Mitgliederzahlen der NPD in Bayern 1966 1968 1970 1972 1974 1976 1978 1980 1982 1984 1986 6000 5500 5000 4500 4000 3500 3000 2500 2000 1500 1000 500 120.000 Exemplaren (1985: 100.000). Die Bezugsgeb\u00fchr ist im Mitgliedsbeitrag eingeschlossen. Zur Erg\u00e4nzung des Verbandsorgans und als Argumentationshilfe f\u00fcr die Mitglieder gibt der Parteivorstand die Flugschrift \"Neuer politischer Dienst\" (fr\u00fcher: \"NPD-aktuell\") heraus. Die bisher vom Landesverband Bayern herausgegebene Schrift \"Die deutschen Nationaldemokraten informieren\" und das Mitteilungsblatt \"Bayern-Stimme\" wurden 1986 nicht mehr festgestellt. Der \"NPD-Frankenspiegel\" des Bezirksverbandes Mittelfranken hat nur regionale Bedeutung. Eine im Herbst 1985 in Oberitalien er\u00f6ffnete Schulungsst\u00e4tte, die von einem Parteivorstandsmitglied aus Moosburg a.d. Isar, Landkreis Freising, geleitet wird, soll der Heranbildung von F\u00fchrungskr\u00e4ften dienen. Im M\u00e4rz 1986 gr\u00fcndete die NPD in M\u00fcnchen den \"Nationaldemokratischen Unternehmerverband -- Mittelstandsvereinigung der NPD\". Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, mittelst\u00e4ndisches Engagement bundesweit zu f\u00f6rdern. In ihrem im Januar 1987 ver\u00f6ffentlichten Rechenschaftsbericht nach dem Parteiengesetz wies die NPD f\u00fcr 1985 Gesamteinnahmen von rund 2,1 Millionen DM (1984: 3,7 Mio DM) aus, von denen' 26,4% (1984:14,7%) auf Mitgliedsbeitr\u00e4ge und 45,9 % (1984: 26,9 %) auf Spenden entfielen. Beim Landesverband Bayern sind f\u00fcr 1985 Gesamteinnahmen von 339.737 DM (1984: 367.866 DM) ausgewiesen, davon 18 % (1984: 17,5 %) Mitgliedsbeitr\u00e4ge und 72,1 % (1984: 67,3 %) Spenden. Die Lage der NPD insgesamt ist weiterhin durch anhaltende personelle und organisatorische Schw\u00e4chen gekennzeichnet. Hingegen hat sich ihre finanzielle Situation seit der Europawahl 1984 durch die damalige Wahlkampfkostenerstattung zumindest auf Bundesebene stabilisiert. Nach Jahren stetigen Nieder112","rv&- I 'XSSSSSSr Begr\u00fcndet w Die Entlarvung der Gescliictitsff\u00e4lsilier! | Deutschlands Einheit kommt bestimmt Lesen und weitergeben DEUTSCHEM STIMME 11..JahrgangNr. VEprti I M \" Einzelpreis2,-DM NationaldemokratischeZeitung Auflage 146000 AusgabeE8027E WenigerAusl\u00e4nder-weniger Arbeitslosigkeit! gangs sieht sich die Partei wieder \"deutlich im Aufwind\", zumal sie in den \"entscheidenden Lebensfragen unseres Volkes\" eine klare Alternative zu den Parteien des \"Bonner Kartells\" zu bieten habe und die \"einzige wahrhafte nationale Opposition\" darstelle. 2.3 Aktivit\u00e4ten Unter dem Motto \"Deutschland mu\u00df deutsch bleiben!\" hielt die NPD am 8./9. November in Willingen/Hessen ihren 20. Ordentlichen Bundesparteitag ab. Daran beteiligten sich etwa 900 Personen, darunter rund 260 Delegierte. Der Parteivorsitzende Martin Mu\u00dfgnug legte in seiner Rede die Schwerpunktthemen f\u00fcr die Bundestagswahl 1987 fest und erkl\u00e4rte, die NPD stehe nach wie vor kontr\u00e4r zum \"offiziell herrschenden\", durch \"nationale W\u00fcrdelosigkeit\" gekennzeichneten politischen Zeitgeist. Nationaldemokratische Politik orientiere sich zum einen \"am Wohl unseres eigenen Volkes in der Gemeinschaft der V\u00f6lker Europas und an der Sicherung der Zukunft der Deutschen\", zum anderen \"am Interesse des freien B\u00fcrgers in der Gemeinschaft seines Volkes\". Verantwortliche Politik f\u00fcr die Zukunft des deutschen Volkes bedeute \"in allererster Linie die Sicherung seiner v\u00f6lkischen Existenz\". Deshalb leiste die NPD Widerstand gegen \"jedwede \u00dcberfremdungspolitik\" und fordere die unverz\u00fcgliche Ausweisung aller abgelehnten Asylbewerber, die Einf\u00fchrung eines Straftatbestandes des \"Asylbetruges\" sowie einen \"verst\u00e4rkten Schutz der Familie, insbesondere der Kinder\". Die \"Erhaltung der Substanz des eigenen Volkes\" sei auch unabdingbare Grundlage einer aktiven Deutschlandpolitik. Hier trete die NPD f\u00fcr einen \"Deutschen Sonderweg\" ein, der \"unser Volk aus den Machtbl\u00f6cken der Gro\u00dfm\u00e4chte herausf\u00fchren\" m\u00fcsse und ein wiedervereinigtes, souver\u00e4nes und neutral zwischen Ost und West vermittelndes Deutschland zum Ziel habe. Die urspr\u00fcnglich in der Tagesordnung vorgesehene Neufassung des Parteiprogramms wurde auf einen sp\u00e4teren Zeitpunkt verschoben. 113","Statt des traditionellen \"Deutschlandtreffens\" f\u00fchrte die NPD vom 14. bis 17. Juni eine \"Woche der NPD\" mit zahlreichen Informationsst\u00e4nden und sonstigen Werbeaktionen durch. H\u00f6hepunkte bildeten in Bayern die Kundgebungen zum Tag der deutschen Einheit (17. Juni) in Kaufbeuren-Neugablonz, M\u00fcnchen und Neustadt a.d.Aisch, bei denen der Bundesorganisationsleiter Hartmut H\u00f6schen, der Landesvorsitzende Walter Bachmann und der Bundesvorsitzende Martin Mu\u00dfgnug vor insgesamt rund 360 Teilnehmern als Redner auftraten. Der NPD-Landesverband Bayern f\u00fchrte am 24725. Mai in Feucht, Landkreis N\u00fcrnberger Land, seinen 20. Ordentlichen Parteitag durch. Bei der Vorstandswahl best\u00e4tigten die Delegierten den bisherigen Landesvorsitzenden Walter Bachmann aus Regensburg in seiner Funktion. Als Stellvertreter w\u00e4hlten sie Karl Feitenhansl aus M\u00fcnchen, Horst Nicolaus aus N\u00fcrnberg und Manfred Theimer aus Rottendorf, Landkreis W\u00fcrzburg. In seinem Rechenschaftsbericht setzte sich der Landesvorsitzende vor allem mit der \"politischen Verfolgung\" von NPD-Mitgliedern auseinander, die von \"Verfassungsfeinden\" in Parteien, \u00c4mtern und Beh\u00f6rden seit Jahren unterdr\u00fcckt, verfolgt, verleumdet und im Vergleich zu Mitgliedern anderer Parteien ungleich behandelt w\u00fcrden. Mit gro\u00dfer Mehrheit nahmen die Delegierten einen Initiativantrag an, in dem die bayerische NPD einen \"schrittweisen R\u00fcckzug aus dem Atomprogramm\" propagiert und daf\u00fcr eintritt, \"alle weiterf\u00fchrenden Atomprojekte\" wie z.B. die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf sofort einzustellen und stattdessen \"alternative und umweltschonende Energien st\u00e4rker zu erforschen\". Gegen die Durchf\u00fchrung des Parteitags demonstrierten am 24. Mai in Feucht rund 350 politische Gegner. Anschlie\u00dfend begaben sich etwa 250 Personen zum Tagungslokal der NPD und beschimpften die dort eintreffenden NPD-Mitglieder. Nach beginnenden t\u00e4tlichen Ausschreitungen r\u00e4umte die Polizei den Platz und nahm drei St\u00f6rer vorl\u00e4ufig fest. Au\u00dferdem hielt die bayerische NPD in Landshut, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg Versammlungen aus Anla\u00df des Tages der Reichsgr\u00fcndung (18. Januar 1871) ab. Bei den Veranstaltungen in Landshut und M\u00fcnchen betonte der Parteivorsitzende Martin Mu\u00dfgnug, da\u00df die Deutschen in der DDR ihre nationale Identit\u00e4t bewahrten und ihre Kultur pflegten, w\u00e4hrend sich die westdeutsche Bev\u00f6lkerung immer mehr zu einer kulturund geschichtslosen Masse entwickle. Ferner warnte er vor einer \"\u00dcberfremdung\" der Bundesrepublik Deutschland durch t\u00fcrkische Gastarbeiter, wobei er im Interesse beider V\u00f6lker einen sofortigen Ausl\u00e4nderstopp sowie die Aufk\u00fcndigung des Assoziierungsabkommens mit der T\u00fcrkei forderte. Auf dem allj\u00e4hrlichen \"Politischen Aschermittwoch\" der NPD am 12. Februar in Vilshofen, Landkreis Passau, richtete der Landesvorsitzende Walter Bachmann vor rund 150 Besuchern scharfe Angriffe gegen den \"schwarz-roten Filz und Korruptionssumpf\" in der Bundesrepublik Deutschland. Zur Situation der gewerkschaftseigenen \"Neuen Heimat\" erkl\u00e4rte er, die DGB^Spitzenfunktion\u00e4re verdienten f\u00fcr ihre \"unternehmerische Unf\u00e4higkeit\" als Aufsichtsr\u00e4te der \"teuren\" Heimat das \"Bundes-Nebenverdienstkreuz\". Des weiteren kritisierte der Redner die \"Schmarotzermentalit\u00e4t\" von Asylbewerbern. 114","Ferner trat die bayerische NPD mit einigen Kundgebungen am 1. Mai, einer Sonnwendfeier am 21. Juni und zwei Aktionen zum Jahrestag des Baues der Berliner Mauer (13. August 1961) an die \u00d6ffentlichkeit. Davon abgesehen standen die Aktivit\u00e4ten der Partei vorwiegend im Zeichen der anstehenden Landtagsund Bundestagswahl. 2.4 Wahlbeteiligung Die NPD kandidierte bei der Landtagswahl in Bayern am 12. Oktober in allen sieben Wahlkreisen mit insgesamt 185 Wahlkreisbewerbern (1982:170), von denen sich au\u00dferdem 103 (1982: 105) in den Stimmkreisen als Direktkandidaten zur Wahl stellten. Lediglich in den Stimmkreisen 127 (Neuburg-Schrobenhausen) und 304 (Nabburg) konnte sie keine Kandidaten nominieren. Zentrale Wahlkampfthemen waren die Arbeitslosigkeit, die Situation der Landwirte, das Assoziierungsabkommen mit der T\u00fcrkei und das Asylantenproblem. Damit versuchte die NPD, sich den W\u00e4hlern als Garantin einer \"Wende zum Besseren\" zu empfehlen, die das \"Volk\" in den Mittelpunkt stelle und \"nur diesem verpflichtet\" sei. Ferner verwies sie auf die parlamentarische Pr\u00e4senz der rechtsextremen \"Front National\" (FN) in Frankreich, die zu einer \u00c4nderung der dortigen Ausl\u00e4ndergesetze aus Furcht vor weiteren Wahlerfolgen der FN gef\u00fchrt habe, und appellierte an die \"nationalen W\u00e4hler\", sich nicht mit der Wahl des \"kleineren \u00dcbels\" um jeden politischen Einflu\u00df bringen zu lassen, sondern mit der Wahlentscheidung f\u00fcr die NPD eine \"neue Politik f\u00fcr deutsche Interessen\" zu erm\u00f6glichen. In der Endphase des Wahlkampfes errichtete die NPD zahlreiche Informationsst\u00e4nde; au\u00dferdem f\u00fchrte sie rund 50 \u00f6ffentliche Veranstaltungen durch, bei denen Spitzenfunktion\u00e4re wie der Bundesvorsitzende Martin Mu\u00dfgnug sowie dessen Stellvertreter Walter Bachmann und J\u00fcrgen Sch\u00fctzinger als Redner auftraten. Dennoch fanden sich zu diesen Versammlungen durchschnittlich nur rund 40 Zuh\u00f6rer ein. Obwohl der Wahlkampf der Partei auch von Teilen der organisationsunabh\u00e4ngigen rechtsextremen Publizistik unterst\u00fctzt wurde, gelang es der bayerischen NPD nicht, an ihr Wahlergebnis von 1982 anzukn\u00fcpfen. Mit 58.165 Gesamtstimmen (1982: 69.656) erzielte sie lediglich einen Stimmenanteil von 0,5 Prozent (1982: 0,6 Prozent). Damit mu\u00dfte sie gegen\u00fcber 1982 deutliche Verluste hinnehmen. Die h\u00f6chsten Stimmenanteile erreichte sie in den Stimmkreisen Kitzingen und Kaufbeuren mit jeweils 1,4 Prozent. Zum Wahlausgang erkl\u00e4rte die NPD, das Ergebnis habe die Erwartungen der Partei nicht erf\u00fcllt, obwohl es zeige, da\u00df die \"veralteten und verkrusteten Parteienstrukturen\" aufzubrechen beg\u00e4nnen und rechts von der CSU \"ein neues W\u00e4hlerpotential entstanden\" sei. Dennoch sei es nicht gelungen, aus den Kreisen der von der \"Bonner Wende\" Entt\u00e4uschten Stimmengewinne zu erzielen. Auch die geringe Wahlbeteiligung und die Kandidatur der Republikaner h\u00e4tten sich f\u00fcr die NPD nachteilig ausgewirkt. Ermutigend sei immerhin, da\u00df es auch au\u00dferhalb der NPD \"echte Patrioten\" wie den M\u00fcnchner Verleger Dr. Frey gebe, dessen \"nationale Presse\" zur Wahl der NPD aufgerufen habe. An der Wahl zum 11. Deutschen Bundestag am 25. Januar 1987 beteiligte sich die NPD mit zehn Landeslisten sowie mit Direktkandidaten in 172 (1983: 105) Wahlkreisen. In den \u00fcbrigen 76 Wahlkreisen war es ihr nicht gelungen, die Vor115","aussetzungen f\u00fcr die Zulassung eines Kreiswahlvorschlags zu erf\u00fcllen. In Bayern konnte die Partei in 31 (1983: 30) von 45 Wahlkreisen Direktkandidaten aufstellen. Mit einem zehn Punkte umfassenden Wahlprogramm pr\u00e4sentierte sich die NPD dem W\u00e4hler unter dem Motto \"Dein Herz f\u00fcr Deutschlands Zukunft\" als einzige \"nationale, demokratische und soziale Partei\", die \"gesamtdeutsch\" handle und ihre Politik an den \"inneren und \u00e4u\u00dferen Interessen des deutschen Volkes\" ausrichte. Einen Schwerpunkt des Wahlprogramms bildete die Bek\u00e4mpfung der Arbeitslosigkeit nach der Devise \"Weniger Ausl\u00e4nder: mehr Arbeitspl\u00e4tze!\". Dazu stellte die NPD fest, in der Bundesrepublik Deutschland w\u00fcrden \"fast genauso viele Arbeitspl\u00e4tze von Ausl\u00e4ndern besetzt, wie Deutsche arbeitslos sind\". Ein \"Arbeitsplatzsicherungsgesetz\" m\u00fcsse daher die \"bevorzugte Einstellung von Deutschen\" regeln; au\u00dferdem sei die \"R\u00fcckkehrbereitschaft\" der Ausl\u00e4nder in die Heimatl\u00e4nder zu f\u00f6rdern. Zur Schaffung neuer Arbeitspl\u00e4tze sollten jene Milliarden verwendet werden, die heute \"zur Finanzierung der EG, f\u00fcr fremde Truppen auf deutschem Boden, f\u00fcr sinnlose Entwicklungshilfeprojekte, zur Finanzierung von Massen-Arbeitslosigkeit und des Scheinasylantentums verschwendet\" w\u00fcrden. Weitere Forderungen des Wahlprogramms betrafen u.a. die Erhaltung der b\u00e4uerlichen Familienbetriebe durch ein \"Nationales Landwirtschafts-Sicherungsgesetz\", den Schutz der Umwelt durch \"Entwicklung einer nach-atomaren Energieversorgung\", Ma\u00dfnahmen gegen die \"\u00dcberschwemmung unseres Landes durch Scheinund Wirtschaftsasylanten\" und \"das wiedervereinigte, blockfreie Deutschland\" als \"neutraler Mittler zwischen Ost und West\". Diese Wahlaussagen zielten -- wie zuvor schon bei der bayerischen Landtagswahl -- insbesondere auf Arbeitslose, Heimatvertriebene und Landwirte, aber auch auf weitere Bev\u00f6lkerungsgruppen, die nach Ansicht der NPD von den Unionsparteien bisher \"str\u00e4flich vernachl\u00e4ssigt\" und als reines \"Stimmvieh\" mi\u00dfbraucht worden seien. Wiederum mu\u00dfte der Wahlkampf fast ausschlie\u00dflich von den Bezirksund Kreisverb\u00e4nden gef\u00fchrt und finanziert werden. Die Wahlwerbung erfolgte im wesentlichen mit Plakaten, Zeitungsanzeigen, Rundfunkund Fernsehsendungen, Verteilung von Propagandamaterial an Informationsst\u00e4nden und \u00f6ffentlichen Wahlveranstaltungen mit einer durchschnittlichen Teilnehmerzahl von rund 40 Personen. Unterst\u00fctzung fand die Partei insbesondere bei dem M\u00fcnchner Verleger Dr. Gerhard Frey, der mit Wahlempfehlungen zugunsten der NPD eine im Sommer 1986 begonnene Ann\u00e4herung an die Parteispitze erneut unterstrich. Nach dem amtlichen Endergebnis der Bundestagswahl 1987 erhielt die NPD im Bundesgebiet 227.054 (1983:91.095) Zweitstimmen (0,6%). Damit konnte sie gegen\u00fcber 1983 bundesweit rund 136.000 Zweitstimmen hinzugewinnen und den damaligen Stimmenanteil (0,2 %) verdreifachen. Auch in Bayern erreichte die NPD mit 42.813 (1983:20.109) Zweitstimmen einen Anteil von 0,6% (1983:0,3%). Ihr bestes Ergebnis erzielte sie im Wahlkreis N\u00fcrnberg-S\u00fcd (1,1 %); in den Wahlkreisen F\u00fcrth, Neu-Ulm und Schweinfurt gaben der NPD jeweils 1 % der W\u00e4hler ihre Zweitstimme. Erste Reaktionen aus der NPD lie\u00dfen Genugtuung \u00fcber das Wahlergebnis, insbesondere \u00fcber den damit erlangten Anspruch auf Erstattung von Wahlkampfkosten, erkennen. 116","Publikationen der Jungen Nationaldemokraten Junge Stimme Mitteilungsblatt des Bundesvorstandes UN) Ausgabe N r . 24 11. Jahrgang 2.5 Junge Nationaldemokraten (JN) Die JN als Jugendorganisation der NPD bekennen sich nach ihrem Statut in Ideologie und Zielsetzung zum Programm der Mutterpartei. Sie sind zur aktiven Mitarbeit in den Gremien der NPD verpflichtet, kritisieren aber deren Kurs als zu wenig k\u00e4mpferisch. Ihr Verhalten ist durch eine erheblich aggressivere Argumentation gekennzeichnet. Dieses \u00e4u\u00dfere Erscheinungsbild wird von der Mutterpartei nur bedingt toleriert. Aus vorwiegend taktischen Gr\u00fcnden versucht die NPD, die Jugendorganisation zu disziplinieren, ihren Konfrontationskurs zu entsch\u00e4rfen und den in Teilbereichen erkennbaren neonazistischen Ans\u00e4tzen entgegenzutreten. Bundesvorsitzender der JN ist seit Oktober 1983 Hermann Lehmann aus Uehrde/Niedersachsen. Den Landesverband Bayern leitet Ralf Ollert aus N\u00fcrnberg. 1986 z\u00e4hlten die JN im Bundesgebiet etwa 600 Mitglieder (1985: 550). In Bayern, wo sie ebenfalls einen geringen Zuwachs auf rund 160 (1985:135) Mitglieder verzeichneten, entwickelten nur die Bezirksverb\u00e4nde Mittelund Unterfranken sowie der 1986 wiedergegr\u00fcndete Bezirksverband Oberbayern nennenswerte Aktivit\u00e4ten. Mitte 1986 wurde die organisatorische Basis durch die Gr\u00fcndung des Kreisverbandes Schweinfurt und einer \"JN-Koordinationsgr\u00fcppe Oberfranken\" mit Sitz in Coburg erweitert. Der JN-Bundesvorstand gibt in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden die Mitteilungsbl\u00e4tter \"Junge Stimme\" und \"JN-Pressedienst\" heraus. Die Publikation \"JN-Org117","Entwicklung der Mitgliederzahlen der JN in Bayern 1968 1970 1972 1974 1976 1978 1980 1982 1984 1986 350 300 250 200 150 100 50 Blitz\" wurde 1986 in Bayern nicht mehr festgestellt. Das unregelm\u00e4\u00dfig herausgegebene Nachrichtenblatt des Landesverbandes Bayern \"JN-Bayern-Info\" enth\u00e4lt Mitteilungen des Landesvorstandes, Presseerkl\u00e4rungen sowie Berichte und Termine bayerischer Verb\u00e4nde. Den Mitteilungsbl\u00e4ttern \"JN-Info\" des Bezirksverbandes Mittelfranken, \"Oberland\" des Bezirksverbandes Oberbayern und den 1986 in Coburg neu erschienenen Schriften \"Durchblick\" und \"Wille und Weg\" kommt nur regionale Bedeutung zu. Auf dem Landeskongre\u00df der JN, der am 5. April unter dem Motto \"F\u00fcr eine bessere Zukunft -- Junge Nationaldemokraten\" in Coburg stattfand, wurden der Landesvorsitzende Ralf Ollert und sein Stellvertreter Roland Sch\u00e4der aus Aschaffenburg wiedergew\u00e4hlt. Die dem Landeskongre\u00df vorausgegangenen \u00f6ffentlichen Veranstaltungen der JN waren von zum Teil heftigen Protesten politischer Gegner begleitet. Die F\u00fchrungsschw\u00e4che der JN-Spitze spiegelt sich nach wie vor in der geringen Motivation der Mitglieder wider. So beschr\u00e4nkten sich die \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten in Bayern im wesentlichen auf die Errichtung von Informationsst\u00e4nden und die Unterst\u00fctzung von Aktionen der NPD; ferner kandidierten bei der bayerischen Landtagswahl einige JN-Mitglieder als Stimmkreisbzw. Wahlkreisbewerber der NPD, jedoch ohne Erfolg. 2.6 Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) Der NHB mit Sitz in M\u00fcnchen wurde 1967 als Studentenorganisation der NPD in T\u00fcbingen gegr\u00fcndet. Er steht in \"kritischer\" Solidarit\u00e4t zur NPD und vertritt nach seiner Satzung die nationaldemokratische Grundhaltung an den deutschen Universit\u00e4ten und Hochschulen. Mit dem Beitritt zum NHB ist die Verpflichtung verbunden, dessen Zielsetzung anzuerkennen und zu unterst\u00fctzen. Der in Hochschulgruppen gegliederte NHB z\u00e4hlt im Bundesgebiet wie im Vorjahr etwa 30 Mitglieder. Bundesvorsitzender ist Karl-Heinz Sendb\u00fchler aus 118","M\u00fcnchen, der bei der 22. Bundesversammlung am 13. Dezember in Regensburg wiedergew\u00e4hlt wurde. Die in Bayern nominell noch bestehenden Hochschulgruppen in Erlangen und M\u00fcnchen zeigten 1986 keine Aktivit\u00e4ten. Zur Landtagswahl in Bayern verbreitete der NHB Flugbl\u00e4tter mit einem Wahlaufruf zugunsten der NPD. Publikationsorgan des NHB ist der \"NHB-Report\". Die Zeitschrift erschien 1986 einmal mit einer Auflage von etwa 10.000 Exemplaren. 2.7 B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp (BIA) Die von der NPD gesteuerte BIA wurde Anfang 1980 von NPD-Funktion\u00e4ren in Bochum gegr\u00fcndet. Mit ihren gegen die Integration der Ausl\u00e4nder gerichteten Forderungen verfolgt sie das Ziel, die fremdenfeindliche Agitation der NPD zu unterst\u00fctzen und dadurch neue Mitglieder und W\u00e4hler f\u00fcr die Partei zu gewinnen. \"Vertrauensmann\" der BIA ist der Vorsitzende des NPD-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen, \"Kontaktadresse\" des \"Regionalverbandes S\u00fcd\" die Anschrift des NPD-Landesverbandes Bayern. Ausgabe: Nr. 3/1986 IDIElUViSiCIHE ZUKUNFT Z e i t s c h r i f t der Bl A u s l a n d e r s t o p p Obdachlosenasyl Bundesrepublik In Bayern trat die BIA durch die Verbreitung ihrer zweimonatlich herausgegebenen Druckschrift \"Deutsche Zukunft\" in Erscheinung. Darin agitierte sie insbesondere gegen die \"Asylanten\u00fcberflutung\" als Folge einer \"Fehlentwicklung der bundesdeutschen Ausl\u00e4nderund Asylpolitik\" und behauptete, das \"unglaubliche, zu schwerem Mi\u00dfbrauch verleitende\" Asylrecht habe die Bundesrepublik Deutschland zu einem \"Obdachlosenasyl\" gemacht. Begriffe wie \"freiheitlicher Rechtsstaat\" m\u00fc\u00dften \"immer wieder als Begr\u00fcndung auch des gr\u00f6\u00dften Unfugs herhalten\", obwohl niemand das Recht habe, die Bundesrepublik Deutschland \"der ganzen Welt als Armenhaus oder als Arbeitsstelle anzubieten\". Der deutsche Bundestag gleiche indes einem \"Randgruppenkabarett\" und scheine nicht mehr f\u00e4hig zu sein, den \"Weg in den Vielv\u00f6lkerstaat\" aufzuhalten. 119","3. Deutsche Volksunion (DVU) 3.1 Ideologisch-politischer Standort Die DVU, die keine politische Partei ist, weist hinsichtlich ihrer ideologischen Ausrichtung weitgehend \u00dcbereinstimmung mit der NPD auf. Sie befa\u00dft sich mit \u00e4hnlichen Themen wie die NPD, ist jedoch in ihren Aussagen aggressiver und mehr tagespolitisch bezogen. Im Gegensatz zur NPD und einigen anderen rechtsextremen Organisationen steht sie nationalistisch-neutralistischen Bestrebungen, die auf eine Losl\u00f6sung der Bundesrepublik Deutschland aus dem westlichen Verteidigungsb\u00fcndnis hinauslaufen, ablehnend gegen\u00fcber. Zu den Schwerpunkten ihrer Agitation geh\u00f6rten wie im Vorjahr Versuche, die NS-Zeit insbesondere durch Leugnung oder Relativierung der Schuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg zu rechtfertigen bzw. zu verharmlosen. So erkl\u00e4rte die DVU, Polen habe im August 1939 voller \"Gr\u00f6\u00dfenwahn\" eine Verst\u00e4ndigung mit Deutschland gar nicht mehr gesucht und sei \"schon ganz auf Krieg eingestellt\" gewesen. England sei durch seine Kriegserkl\u00e4rung an Deutschland f\u00fcr immer mit dem Makel belastet, der \"Hauptschuldige am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges\" zu sein. Im \u00fcbrigen verdichte sich gerade in den USA die \"historisch nachweisbare Erkenntnis\", da\u00df der fr\u00fchere US-Pr\u00e4sident Roosevelt \"sp\u00e4testens ab 1937\" als einer der \"Haupttreiber\" bestrebt gewesen sei, Deutschland und Japan, vor allem aber die USA selbst in den Zweiten Weltkrieg hineinzuman\u00f6vrieren. Die \"Propaganda der Sieger einschlie\u00dflich deutscher Spitzenpolitiker\" wolle jedoch alle Schuld \"allein der deutschen Seite zuteilen\" und die Welt glauben machen, da\u00df England, das damals \"ein Viertel der Welt im Kolonialjoch hielt und 250 V\u00f6lker in diesen Kolonien versklavte\", \"ausgerechnet f\u00fcr die Freiheit des polnischen Volkes in den Krieg gezogen\" sei. Roosevelts und Churchills wahre Ziele seien vielmehr die \"Niederlage und Zerst\u00f6rung Deutschlands\" gewesen. Die heutige Gesellschaft basiere auf der \"Geschichtsl\u00fcge von unserer Alleinschuld am Kriege\" und der \"Servilit\u00e4t von S\u00fchnedeutschen\", die sich der \"Umerziehungspropaganda\" entsprechend \"immer noch angstschlotternd im Schatten Hitlers\" zu bewegen h\u00e4tten. Den Umstand, da\u00df man \"mit Hilfe unserer Jurisdiktion nun auch noch Darstellungen unserer Zeitgeschichte zu zementieren\" beginne, k\u00f6nne man \"nur als peinlichen R\u00fcckfall ins finsterste Mittelalter registrieren\". Daneben war die DVU bestrebt, mit Schlagzeilen wie \"Einwanderungsland Bundesrepublik? Geht das deutsche Volk unter?\", \"Ausl\u00e4nder-Wahlrecht: Anfang vom Ende?\" und \"Noch mehr T\u00fcrken nach Deutschland?\" rassistisch motivierte Vorurteile gegen Ausl\u00e4nder zu f\u00f6rdern. Zugleich warnte sie vor einer von den \"Integrationsund Einwanderungsextremisten\" gebilligten \"\u00dcberfremdung\" und \"Umvolkung\" der Deutschen und forderte eine \"Ausl\u00e4nderbegrenzung\" sowie Ma\u00dfnahmen gegen die \"Asylflut\" und den Mi\u00dfbrauch des Asylrechts durch \"Wirtschaftsfl\u00fcchtlinge\". Insbesondere kritisierte sie das Assoziierungsabkommen mit der T\u00fcrkei, das einen \"millionenfachen Zustrom von T\u00fcrken\" erwarten lasse, und erkl\u00e4rte, aufgrund dieser drohenden \"Masseninvasion aus dem Orient\" stehe eine \"Destabilisierung der Bundesrepublik Deutschland\" bevor. Au\u00dferdem agitierte die DVU gegen \"Minderheiten wie Juden und Zigeuner mitsamt ihren Einrichtungen\", die nach der hier geltenden Rechtsordnung sogar einen strafrechtlichen \"Sonderschutz\" gen\u00f6ssen, w\u00e4h120","rend die \"deutsche Mehrheitsbev\u00f6lkerung\" unterprivilegiert bleibe und \"in jeder Hinsicht geschm\u00e4ht und herabgew\u00fcrdigt werden\" k\u00f6nne. Auch 1986 diffamierte die DVU demokratische Institutionen und ihre Repr\u00e4sentanten. So bezichtigte sie f\u00fchrende Politiker der Union, sie seien ,,nach Kr\u00e4ften bem\u00fcht, das deutsche Volk als ganzes zu belasten und selbst kommende Generationen der Deutschen in Kollektivverantwortung zu nehmen\". Insbesondere griff sie den Bundespr\u00e4sidenten an, der sich als \"Staatsanwalt und Generalankl\u00e4ger der Deutschen\" aufspiele und jede \u00f6ffentliche Verlautbarung mit \"Schuldund S\u00fchnebekundungen wider Deutschland\" garniere. 3.2 Organisation Die DVU wurde im Jahre 1971 in M\u00fcnchen als Auffangbecken f\u00fcr ehemalige NPD-Anh\u00e4nger gegr\u00fcndet. Nach ihrer Satzung haben die Mitglieder au\u00dfer der Zahlung monatlicher Beitr\u00e4ge keine weiteren Verpflichtungen. Die DVU z\u00e4hlt derzeit im Bundesgebiet zusammen mit ihren Aktionsgemeinschaften wie im Vorjahr 12.000 Mitglieder, davon etwa 2.100 (1985:2.000) in Bayern. Bundesvorsitzender ist der Verleger Dr. Gerhard Frey aus M\u00fcnchen. Seine Stellvertreter sind Dr. Bernhard Steidle aus Bonn und Dr. Fritz von Randow aus Hamburg. Die DVU unterh\u00e4lt in allen Bundesl\u00e4ndern formell Bezirksverb\u00e4nde, deren Vorsitzende nicht gew\u00e4hlt, sondern von Dr. Frey bestimmt werden. Die in Bayern bestehenden Untergliederungen entwickelten nach wie vor kaum eigene Initiativen. Im Verlag des DVU-Vorsitzenden erscheint der \"Deutsche Anzeiger\" (DA) mit einer w\u00f6chentlichen Auflage von etwa 25.000 Exemplaren. Erh\u00f6hte Auflagen zu besonderen Anl\u00e4ssen sind dabei nicht eingerechnet. Dr. Frey ist auch Herausgeber und Chefredakteur der mit dem DA teilweise inhaltsgleichen \"Deutschen National-Zeitung\" (DNZ); in seinem Verlag erscheint ferner seit Anfang 1986 die \"Deutsche Wochen-Zeitung\" (DWZ). 2. Weltkrieg durch Verrat verloren? Verschw\u00f6rung gegen Deutschland / Seite 3 Deutscher AnzeigerFreiheitliehe W o c h e n z e i t u n g s s r ^ s c r s R 2357 c F\u00e4lschungen gegen die Deutschen 3.3 Aktivit\u00e4ten Neben der publizistischen Propagandat\u00e4tigkeit lag der Schwerpunkt der Aktivit\u00e4ten der DVU in der Durchf\u00fchrung \u00f6ffentlicher Vortragsveranstaltungen. So fand am 19. Januar in M\u00fcnchen eine Kundgebung statt, die insbesondere dem Gedenken an den im November 1985 verstorbenen Jagdflieger der Wehrmacht 121","Oberst a.D. Walter Dahl gewidmet war. Vor rund 1.400 Zuh\u00f6rern w\u00fcrdigte der britische Schriftsteller David Irving den Verstorbenen als \"tadellosen soldatischen Deutschen\". Der DVU-Vorsitzende Dr. Gerhard Frey erhob im Zusammenhang mit Ausf\u00fchrungen zur \"\u00dcberfremdung\" die Forderung \"Deutschland den Deutschen\". Ferner griff er den Bundespr\u00e4sidenten an, der in seiner Weihnachtsansprache die Verurteilung von Rudolf He\u00df zu lebenslanger Haft gebilligt habe. Im Rahmen der Veranstaltung erhielt der Mitherausgeber der \"Deutschen Wochen-Zeitung\" (DWZ) Waldemar Sch\u00fctz den mit 20.000 DM dotierten \"Europ\u00e4ischen Freiheitspreis der Deutschen National-Zeitung\". Am 9. August veranstaltete die DVU in Passau ihre allj\u00e4hrliche Gro\u00dfkundgebung aus Anla\u00df des Baus der Berliner Mauer. Vor rund 2.500 Teilnehmern, darunter G\u00e4sten aus dem Elsa\u00df, K\u00e4rnten und S\u00fcdtirol, verlieh Dr. Frey einer S\u00fcdtirolerin f\u00fcr ihre Verdienste im \"Volkstumskampf\" gegen den \"italienischen Faschismus\" den gleichfalls mit 20.000 DM dotierten \"Andreas-Hofer-Preis\". Auf der im Rahmen der Kundgebung durchgef\u00fchrten DVU-Bundesversammlung griff Dr. Frey in seiner Rede die \"Verzichtsund S\u00fchnegesinnung\" mancher Politiker an, die zur \"Streichung des Wiedervereinigungsgebots\" aufgerufen h\u00e4tten. Kritik galt wiederum dem Bundespr\u00e4sidenten, der es vers\u00e4umt habe, die \"Gemeinschaft aller Deutschen\" zu pflegen und unserem Volk Nationalstolz, Selbstvertrauen und Selbstbehauptungswillen zu vermitteln. Dem Verfassungsschutz warf der DVU-Vorsitzende vor, kriminelle Banden zu bilden und in seiner F\u00fchrung \"Verr\u00fcckte\" und \"Verr\u00e4ter an Deutschland\" besch\u00e4ftigt zu haben. Unter den Ehreng\u00e4sten befand sich als Vertreter der NPD deren Generalsekret\u00e4r Walter Seetzen. Zuvor hatte bereits ein am I.August in Dr. Frey's DNZ und im DA ver\u00f6ffentlichtes Interview mit Seetzen eine beginnende Ann\u00e4herung zwischen dem DVU-Vorsitzenden und der Parteispitze der NPD signalisiert. An einer Protestkundgebung gegen die DVU-Versammlung beteiligten sich rund 500 Personen, darunter Angeh\u00f6rige der DKP, SDAJ, VVNBdA, des BWK und des AB. 3.4 Aktionsgemeinschaften der DVU Die von der DVU geschaffenen Aktionsgemeinschaften, deren Mitgliedsbeitr\u00e4ge vom DVU-Vorstand festgelegt werden, sind integrierte Bestandteile der DVU. Ihre Ver\u00f6ffentlichungen erscheinen in den \"national-freiheitlichen\" Wochenbl\u00e4ttern von Dr. Frey. Der Beitritt zu einer Aktionsgemeinschaft begr\u00fcndet kraft Satzung gleichzeitig die Mitgliedschaft in der DVU. Durch die Gr\u00fcndung solcher Aktionsgemeinschaften mit attraktiv niedrigen Beitr\u00e4gen hat sich die DVU zur mitgliederst\u00e4rksten rechtsextremen Organisation im Bundesgebiet entwickelt. Die Wirksamkeit und Gef\u00e4hrlichkeit dieser Propagandainstrumente der DVU beruht insbesondere darauf, da\u00df sich ihre Aussagen nur auf Teilbereiche rechtsextremer Agitation beziehen und bei isolierter Betrachtungsweise vielfach nicht erkennen lassen, welche Grundhaltung hinter anscheinend unverf\u00e4nglichen, auch Nichtextremisten vermittelbaren Forderungen wie \"Ausl\u00e4nderbegrenzung\" oder \"Schutz der deutschen Kultur\" steht. 122","F\u00fcr Deutschlands Rechte DEUTSCHE VOLKSUNION (DVU) <mPS2Bi die f\u00fchrende \u00fcberparteiliche Bewegung der verfassungstreuen Rechten und m freiheitlichen Mitte (Vorsitzender Dr. Gerhard Frey) w Ehrenbund Rudel Gemeinschaft zum Schutz der Frontsoldaten Aktion deutsche Einheit (AKON) setzt sich f\u00fcr die Wiedervereinigung Gesamtdeutschlands ein Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie (VOGA) arbeitet f\u00fcr ein Ende der Kriegsverbrecherprozesse gegen Besiegte des II. Weltkriegs Aktion deutsches Radio und Fernsehen (ARF) will die Interessen des deutschen Volkes bei diesen Medien durchsetzen Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (I. f. A.) verteidigt den deutschen Charakter Deutschlands Deutscher Schutzbund f\u00fcr Volk und Kultur k\u00e4mpft f\u00fcr den Erhalt des Lebens und der Heimat Die Ende 1979 von Dr. Frey in M\u00fcnchen gegr\u00fcndete Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie (VOGA) will den Gedanken einer Generalamnestie f\u00fcr bisher unges\u00fchnte NS-Verbrechen verbreiten. Sie wendet sich gegen die \"pharis\u00e4erhaft einseitige Vergangenheitsbew\u00e4ltigung\", die in \"Schauprozessen gegen die Besiegten des Zweiten Weltkriegs\" zum Ausdruck komme, w\u00e4hrend die Sieger ihre \"millionenfachen Morde am deutschen Volk\" l\u00e4ngst amnestiert h\u00e4tten. Die Aktion Deutsche Einheit (AKON), die 1962 in Darmstadt unter der B e - zeichnung \"Aktion \u00d6der-Nei\u00dfe\" (AKON) als selbst\u00e4ndige Organisation entstanden war, schlo\u00df sich 1980 der DVU als Aktionsgemeinschaft an. Sie m \u00f6 c h - te nach ihrer Satzung die \"Wiedervereinigung in Frieden und Freiheit innerhalb gerechter Grenzen\" f\u00f6rdern und agitiert vor allem in ostpolitischen Fragen. So lehnt sie die Ostvertr\u00e4ge, soweit sie \u00fcber eine Gewaltverzichtserkl\u00e4rung hinausgehen, als \"null und nichtig\" ab und wendet sich gegen Versuche, durch die \"Schaffung sogenannter Staatsnationen die volkliche Einheit der deutschen Nation zu zerst\u00f6ren\". Die im Dezember 1980 gegr\u00fcndete Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (l.f.A.) betrachtet die \"Bewahrung des deutschen Charakters von Deutschland\" als Grundvoraussetzung des \"Weiterlebens unseres Volkes\" und wendet sich gegen den Mi\u00dfbrauch des Asylrechts durch \"Wirtschaftsfl\u00fcchtlinge\". Die seit Januar 1982 bestehende Aktion Deutsches Radio und Fernsehen (ARF) k\u00e4mpft gegen die \"linke bis linksradikale Tendenz\" von Rundfunkund Fernsehsendungen an, in denen gegen die : i Lebensrechte und Lebensinteressen des deutschen Volkes\" agitiert werde. Sie fordert eine \"angemessene W\u00fcrdigung der allesamt unges\u00fchnten Massenverbrechen an Deutschen und des andauernden Unrechts der Diffamierung, Entrechtung und Zerst\u00fcckelung des deutschen Volkes\". 123","Der im Januar 1983 gegr\u00fcndete Ehrenbund Rudel -- Gemeinschaft zum Schutz der Frontsoldaten wendet sich gegen die \"Verleumdung des deutschen Soldaten\" und will dessen Ansehen und Ehre unter strafrechtlichen Schutz gestellt wissen. ; Der im November 1984 geschaffene \"Schutzbund f\u00fcr Leben und Umwelt\" wurde 1986 in Deutscher Schutzbund f\u00fcr Volk und Kultur umbenannt. Er versteht sich als \"\u00fcberparteiliche Vereinigung verantwortungsbewu\u00dfter Deutscher\" und fordert insbesondere den Schutz des deutschen Volkstums, der deutschen Sprache und der deutschen Kultur. Weggefallen ist die fr\u00fchere Zielsetzung \"Verst\u00e4rkter Umweltschutz\". Mit der Namens\u00e4nderung startete Dr. Frey eine \"Meinungsumfrage\" zu dem Thema \"Soll das deutsche Volk rechtlos bleiben?\". Darin wandte sich die Aktionsgemeinschaft u.a. gegen Versuche, dem deutschen Volk eine \"Kollektivverantwortung\" anzulasten, die kommenden Generationen \"ein Kainsmal aufbrennen\" und damit \"eine neue Erbs\u00fcnde\" konstruieren w\u00fcrde. Wie im Vorjahr agitierten diese Aktionsgemeinschaften, die mit eigenst\u00e4ndigen Initiativen kaum an die \u00d6ffentlichkeit traten, fast ausschlie\u00dflich in Dr. Frey's Wochenzeitungen. In ihren dort abgedruckten \"Meinungsumfragen\" suchten sie Zustimmung f\u00fcr Forderungen wie \"Der unbeschr\u00e4nkte Zuzug von T\u00fcrken, wie er ab 1. Dezember 1986 vorgesehen ist, mu\u00df verhindert werden\" und \"Ich trete daf\u00fcr ein, die verfassungswidrige Abtreibung per Krankenschein zu untersagen und gleichzeitig durch eine umfassende familienund kinderfreundliche Finanzund Sozialpolitik die Rahmenbedingungen f\u00fcr das \u00dcberleben des deutschen Volkes entscheidend zu verbessern\". Die Leserumfragen enthielten gleichzeitig Beitrittserkl\u00e4rungen zu den Aktionsgemeinschaften und Bestellscheine f\u00fcr den DA, die DNZ und die DWZ. Die Ver\u00f6ffentlichung solcher als \"Meinungsumfragen\" getarnter Anzeigen kennzeichnet die Taktik, mit der Dr. Frey rechtsextreme Agitation und Werbung f\u00fcr seine Organisationen und Verlagserzeugnisse miteinander verbindet. 3.5 Deutsche Liste Seit Ende November 1986 warb Dr. Frey in seinen Wochenzeitungen f\u00fcr den Beitritt zu einer von ihm initiierten \"Deutschen Liste\". Dazu erkl\u00e4rte er, da\u00df sich die \"politische Rechte\" entschlossen habe, mit der \"Deutschen Liste\" eine \"Sammlung aller nationalbewu\u00dften Deutschen\" ins Leben zu rufen. Dieser Wahlverband verstehe sich als \"rechte Alternative\" zu einer nach wie vor gegen die \"Lebensinteressen des deutschen Volkes\" gerichteten Politik. Es handle sich um eine \"Formation neuer Art\", die auch an Wahlen teilnehme, aber keine Partei im herk\u00f6mmlichen Sinne sei. Ihre Aufgabe werde es sein, \"auf parlamentarisch-demokratischem Wege Einflu\u00df zu nehmen\", da die \"Kr\u00e4fte der Mitte\" die seit Jahren versprochene \"Wende zum Besseren\" nicht vollzogen h\u00e4tten. So w\u00fcrden die \"Absage an den deutschen Nationalstaat\" betont, \"Brandts verr\u00e4terische Ostpolitik\" fortgesetzt, die \"Hetze gegen das deutsche Volk\" von f\u00fchrenden Unionspolitikern auf den H\u00f6hepunkt getrieben und die \"\u00fcberf\u00e4lligen gesetzlichen Ma\u00dfnahmen\" gegen die zunehmende \"\u00dcberfremdung\" nicht durchgesetzt. 124","Die Hauptforderungen der \"Deutschen Liste\" glichen den von der DVU und ihren Aktionsgemeinschaften propagierten Zielen. So trat die \"Deutsche Liste\" mit Parolen wie \"Deutschland den Deutschen\", \"Deutschland zuerst\" und \"Gleichberechtigung f\u00fcr das deutsche Volk\" daf\u00fcr ein, -- den Ausl\u00e4nderanteil zu begrenzen und die weitere \"Zuwanderung von Heerscharen fremder Menschen\" in das Bundesgebiet zu stoppen, -- die deutsche Politik auf das Ziel der Wiedervereinigung zu konzentrieren, das \"EG-Bestrebungen\" vorgehen m\u00fcsse, und -- mit den \"st\u00e4ndigen Schuldzuweisungen\" aufzuh\u00f6ren und die allein auf die Besiegten des Zweiten Weltkriegs beschr\u00e4nkte \"Verfolgung\" durch Erla\u00df einer l\u00e4ngst \"\u00fcberf\u00e4lligen Generalamnestie\" zu beenden. Der Wahlverband, der im Dezember 1986 in \"Deutsche Volksliste\" umbenannt wurde, hat sich inzwischen im M\u00e4rz 1987 in M\u00fcnchen unter der Bezeichnung \"Deutsche Volksunion-Liste D\" als Partei konstituiert. 4. Neonazistische Organisationen und Vorf\u00e4lle 4.1 Allgemeines Der Neonazismus (neuer Nationalsozialismus) umfa\u00dft alle Aktivit\u00e4ten und Bestrebungen, die ein offenes Bekenntnis zur Ideologie des Nationalsozialismus darstellen und auf die Errichtung eines dem NS-Staat vergleichbaren oder \u00e4hnlichen Systems gerichtet sind. Die Zahl der Neonazis im Bundesgebiet ist gegen\u00fcber dem Vorjahr von rund 1.320 auf 1.460 gestiegen, darunter 240 (1985:170) in Bayern. Etwa 1.210 (1985: 1.170) von ihnen sind den neonazistischen Organisationen als Mitglieder zuzurechnen, davon rund 160 (1985: 90) in Bayern. Die Zahl der \"Einzelg\u00e4nger\", die durch neonazistische Aktivit\u00e4ten in Erscheinung traten, ohne sich an eine bestimmte Gruppe zu binden, hat sich im Bundesgebiet gegen\u00fcber dem Vorjahr um rund 100 auf 250 erh\u00f6ht; davon entfallen etwa 80 auf Bayern. Die 23 (1985: 29) erkannten neonazistischen Zusammenschl\u00fcsse im Bundesgebiet sind zum Teil lose Gesinnungsund Kampfkader, deren Anh\u00e4nger sich teilweise auch in anderen Gruppen engagieren. Klare organisatorische Strukturen sind meist nicht erkennbar; regelm\u00e4\u00dfig dominiert jedoch ein \"F\u00fchrer\", von dem auch der Bestand der Gruppe abh\u00e4ngt. Neonazistische Gruppen legen Wert darauf, in der \u00d6ffentlichkeit Aufsehen zu erregen und dadurch eine Bedeutung vorzuspiegeln, die ihnen angesichts ihrer geringen St\u00e4rke und der Ablehnung durch die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit der Bev\u00f6lkerung nicht zukommt. Ihre Agitation ist vor allem durch unverhohlenen Antisemitismus und sonstigen Rassismus, Verharmlosung und Leugnung der NS-Verbrechen sowie durch Verherrlichung von Institutionen und Personen der Hitler-Diktatur gekennzeichnet. Teilweise ist auch eine Orientierung an der nationalrevolution\u00e4ren Fr\u00fchform des Nationalsozialismus zu beobachten. Eine geistige Durchdringung der eigenen Ziele und Methoden findet kaum statt. Die Auseinandersetzung mit den bestehenden politischen und gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen beschr\u00e4nkt sich auf die meist kritiklose \u00dcbernahme von Parolen der ehemaligen NSDAP. Gewalt wird emotional bejaht und angewendet, wo es sich ergibt und zweckm\u00e4\u00dfig erscheint. 125","Das Bundesverwaltungsgericht wies mit Urteil vom 13. Mai die Klage der Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit (VSBD/PdA) gegen die Verbotsverf\u00fcgung des Bundesministers des Innern vom M.Januar 1982 ab. In der Begr\u00fcndung verneinte das Gericht den von der Kl\u00e4gerin behaupteten Parteistatus. Die VSBD/PdA sei zum Zeitpunkt des Verbots keine politische Partei gewesen, weil sie nicht mit eigenen WahJvorschl\u00e4gen an Bundestagsund Landtagswahlen teilgenommen habe. In ihrer politischen Arbeit habe die VSBD/PdA sich zum Nationalsozialismus bekannt, die demokratische Staatsform ver\u00e4chtlich gemacht und eine mit dem Diskriminierungsverbot unvereinbare Rassenlehre propagiert. Die VSBD/PdA habe damit gegen elementare Verfassungsgrunds\u00e4tze versto\u00dfen. Im Verfahren gegen den ehemaligen Leiter der 1980 verbotenen Wehrsportgruppe Hoffmann (WSG) verk\u00fcndete das Landgericht N\u00fcrnberg-F\u00fcrth am 30. Juni das Urteil. Karl-Heinz Hoffmann erhielt wegen Freiheitsberaubung, gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung und N\u00f6tigung in mehreren F\u00e4llen sowie wegen Geldf\u00e4lschung, Strafvereitelung und Versto\u00dfes gegen das Waffenund Sprengstoffgesetz eine Freiheitsstrafe von neun Jahren und sechs Monaten. Das Gericht befand ihn f\u00fcr schuldig, mit einem anderen WSG-Angeh\u00f6rigen im Jahre 1980 gro\u00dfe Mengen falscher US-Dollarnoten hergestellt und sp\u00e4ter in Verkehr gebracht zu haben. Im Libanon habe er Mitglieder der nach dem Verbot der WSG gebildeten \"Wehrsportgruppe Ausland\" gefangengehalten und mi\u00dfhandelt. Als besonders schweren Fall hob das Gericht die Mi\u00dfhandlung eines Gefolgsmanns hervor, der 1981 mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit an den Folgen der Folterungen verstorben ist. Vom Vorwurf der Beteiligung am Doppelmord an dem j\u00fcdischen Verleger Shlomo Lewin und dessen Lebensgef\u00e4hrtin Frida Poeschke sprach das Gericht Hoffmann frei. Die von der Staatsanwaltschaft in der Mordanklage angef\u00fchrten Indizien begr\u00fcndeten nach Ansicht des Gerichts zwar einen erheblichen Verdacht, reichten aber f\u00fcr eine Verurteilung nicht aus. Das Urteil ist noch nicht rechtskr\u00e4ftig. Au\u00dferdem waren 1986 wegen der von Angeh\u00f6rigen der \"Wehrsportgruppe Ausland\" begangenen Straftaten noch weitere Verfahren anh\u00e4ngig, die inzwischen abgeschlossen sind. Die Gerichte verh\u00e4ngten gegen die zehn Angeklagten zum Teil mehrj\u00e4hrige Freiheitsstrafen. 4.2 Verbotene Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) Nach dem Ende 1983 vom Bundesminister des Innern verf\u00fcgten Verbot der neonazistischen ANS/NA setzte sich deren bisheriger Organisationsleiter Michael K\u00fchnen an die Spitze einer als \"Gesinnungsgemeinschaft\" gedachten \"Bewegung\", die sich der \"nationalsozialistischen Idee\" verpflichtet f\u00fchlt und ein Instrument zur Steuerung neonazistischer Aktivit\u00e4ten darstellt. Dem inneren Zusammenhalt dient insbesondere die in Frankreich hergestellte Schrift \"Die Neue Front\" (NF), die von Gesinnungsgenossen K\u00fchnens als \"Publikation des nationalen Widerstandes\" herausgegeben wird. Die Schrift ver\u00f6ffentlichte u.a. \"Briefe aus der Haft\" des ehemaligen ANS/NA-Organisationsleiters, der seit Januar 1985 eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten wegen neonazistischer Propagandadelikte verb\u00fc\u00dft. 126","Mitte 1986 entwickelte sich innerhalb der \"Bewegung\" ehemaliger ANS/NAAnh\u00e4nger ein Machtkampf aufgrund von Meinungsverschiedenheiten \u00fcber die \"Dekadenz\" in den eigenen Reihen. In Zusammenhang mit Bestrebungen f\u00fchrender Gesinnungsgenossen, sich gegen Homosexuelle abzugrenzen, trat K\u00fchnen schlie\u00dflich im Sommer 1986 aus der \"Bewegung\" aus. Ehemalige F\u00fchrungskr\u00e4fte der ANS/NA, deren Kritik auch der Person K\u00fchnens gegolten hatte, \u00fcbernahmen die Leitung der \"Gesinnungsgemeinschaft\" und die Herausgabe der Schrift \"Die Neue Front\". In einer \"Gegenausgabe\" dieser Publikation verurteilten K\u00fchnens Anh\u00e4nger den \"Putsch reaktion\u00e4rer Kreise\", der das \"gigantische Aufbauwerk\" ihres ideologischen F\u00fchrers in Gefahr gebracht habe. Inzwischen hat K\u00fchnen seinen Austritt aus der \"Bewegung\" widerrufen und seine Anh\u00e4nger zu \"doppelten Anstrengungen\" aufgefordert, um \"wieder zur Speerspitze und Vorhut des nationalen Widerstandes und zum Willenstr\u00e4ger der deutschen Revolution zu werden\". Mit Urteil vom 13. Mai wies das Bundesverwaltungsgericht die am 3. Januar 1984 erhobene Klage der Aktion Ausl\u00e4nderr\u00fcckf\u00fchrung -- Volksbewegung gegen \u00dcberfremdung und Umweltzerst\u00f6rung (AAR) gegen die Verbotsverf\u00fcgung des Bundesministers des Innern vom 24. November 1983 ab. In der Urteilsbegr\u00fcndung verneinte das Gericht den von der Kl\u00e4gerin behaupteten Parteistatus. Die AAR sei lediglich eine Teilorganisation der ebenfalls am 24. November 1983 verbotenen ANS/NA gewesen und damit vom Verbot dieser Organisation mit erfa\u00dft worden. Es habe der AAR an dem f\u00fcr eine politische Partei erforderlichen Mindestma\u00df an Eigenst\u00e4ndigkeit der Willensbildung und organisatorischer Selbst\u00e4ndigkeit gefehlt. Sie sei von der ANS/NA, die selbst keine Partei war und auch nicht an Wahlen teilnehmen wollte, gegr\u00fcndet, konzipiert und im Verbotszeitpunkt so organisiert gewesen, da\u00df sie von der ANS/ NA g\u00e4nzlich beherrscht und gesteuert wurde. Aus denselben Gr\u00fcnden wurde eine Organklage des Landesverbands Baden-W\u00fcrttemberg der AAR vom Bundesverfassungsgericht mit Beschlu\u00df vom 25. November als unzul\u00e4ssig verworfen. Da die ANS/NA ihre Klage gegen die Verbotsverf\u00fcgung schon am 14. M\u00e4rz 1986 zur\u00fcckgenommen hatte, ist das Verbot der ANS/NA einschlie\u00dflich der AAR und des \"Freundeskreises deutsche Politik\" (FK) nunmehr unanfechtbar. 4.3 Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP) Die im M\u00e4rz 1979 von ihrem derzeitigen Bundesvorsitzenden Martin Pape gegr\u00fcndete FAP, deren Satzung und Programm keine eindeutig rechtsextreme Zielsetzung erkennen lassen, war bis Ende 1983 eine politisch unbedeutende, auf den Raum Stuttgart beschr\u00e4nkte regionale Organisation. Nach dem Verbot der ANS/NA im Dezember 1983 hatte deren damaliger Organisationsleiter Michael K\u00fchnen zu verstehen gegeben, da\u00df die ANS/NA ihre eigenen neonazistischen Bestrebungen unter dem Deckmantel der FAP fortzusetzen gedenke. Seither schlossen sich ehemalige ANS/NA-Anh\u00e4nger, die einen neuen organisatorischen Rahmen f\u00fcr ihre politischen Aktivit\u00e4ten suchten, der FAP an in der Absicht, sie entsprechend den Vorstellungen der ANS/NA umzufunktionieren. Die Organisation, die derzeit bundesweit \u00fcber 400 Mitglieder z\u00e4hlt, hat inzwischen unter Mitwirkung ehemaliger Mitglieder und Funktion\u00e4re der ANS/NA in 127","mehreren Bundesl\u00e4ndern Gebietsverb\u00e4nde gegr\u00fcndet. Zu den in Bayern entstandenen Kreisverb\u00e4nden Aschaffenburg, Bad Neustadt a.d.Saale, Berchtesgadener Land, Garmisch-Partenkirchen, M\u00fcnchen und W\u00fcrzburg kamen 1986 die Kreisverb\u00e4nde Ansbacher Land, G\u00fcnzburg und Kaufbeuren hinzu. Bem\u00fchungen des Bundesvorsitzenden, den Einflu\u00df von Neonazis auf die FAP zu begrenzen, blieben nach wie vor vielfach wirkungslos. Mitglieder aus dem Bereich der ANS/NA billigen Pape allenfalls eine repr\u00e4sentative Funktion zu. Die einzelnen Untergliederungen agieren dementsprechend weitgehend selbst\u00e4ndig und f\u00fchlen sich an Weisungen des Bundesvorsitzenden nicht gebunden. Zwar wurde Pape auf dem ersten Bundesparteitag der FAP am 7. Juni in Stuttgart als Bundesvorsitzender best\u00e4tigt; die \u00fcbrigen vier Mitglieder des neugew\u00e4hlten Bundesvorstands sind aber ausnahmslos ehemalige Aktivisten der verbotenen ANS/NA. Die Aktivit\u00e4ten der FAP-Anh\u00e4ngerschaft in Bayern konzentrierten sich im wesentlichen auf interne Zusammenk\u00fcnfte und propagandistische Aktionen. Einen Schwerpunkt der Agitation bildete dabei das Asylantenund Ausl\u00e4nderproblem. So verteilten Aktivisten der FAP am 8. Februar in M\u00fcnchen an Besucher eines Fu\u00dfballspiels die Ausgabe Nr. 3 der \"FAP-Nachrichten -- Kampfblatt der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\". Darin hie\u00df es unter der \u00dcberschrift \"5 Millionen Ausl\u00e4nder sind genug\", die Ausl\u00e4nder im Bundesgebiet besetzten deutsche Arbeitspl\u00e4tze, \u00fcberv\u00f6lkerten unsere Schulen und bez\u00f6gen schon heute mehr Kindergeld als die Deutschen. Da ab Dezember 1986 aufgrund der Freiz\u00fcgigkeitsregelung innerhalb der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft weitere Millionen von Asiaten und Afrikanern \"unser Land \u00fcberschwemmen\" w\u00fcrden, stelle sich die Frage, ab wann \"wir Deutschen im eigenen Vaterland eine Minderheit\" seien. Als \"nationale, revolution\u00e4re Bewegung\" wende sich die FAP gegen eine als Integration getarnte \"Rassenmischung\" und wolle \"alle Ausl\u00e4nder, Besatzer samt ihrer Unkultur aus unserem Vaterland herausschmei\u00dfen\". Nach dem Grundsatz \"Recht ist, was dem deutschen Volke dient\" sei es n\u00e4mlich \"h\u00f6chste Zeit, die Augen nur noch und ausschlie\u00dflich auf deutsche Interessen zu richten\". In einem weiteren Beitrag \"Der Kampf wird h\u00e4rter\" polemisierte die FAP gegen die angeblich immer mehr zunehmenden Verurteilungen von Angeh\u00f6rigen der \"nationalen Revolution\", die sich zu Deutschland, aber nicht zur \"BRD\" bekannt h\u00e4tten. Wer aber politische Gefangene schaffe und Parteien verbiete, d\u00fcrfe sich nicht wundern, wenn er \"eines Tages eine RAF (eine Rechte Armee Fraktion) sein Eigen nennt\". Exemplare dieser vom FAP-Landesverband Nordrhein-Westfalen herausgegebenen Schrift waren zuvor schon in Dachau verteilt worden. Die Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht M\u00fcnchen II leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Volksverhetzung ein. In der ebenfalls in Bayern verbreiteten Ausgabe Nr. 4 dieses \"Kampfblatts\" hie\u00df es, in Ballungsr\u00e4umen mit hohem Ausl\u00e4nderanteil werde \"immer klarer, da\u00df das Ma\u00df der Duldung \u00fcberschritten und die Schwelle des Schmerzes erreicht\" sei. Die \"Massierung von Ausl\u00e4ndern aller Hautfarben und Rassen\" schaffe \"Zust\u00e4nde, die nicht mehr weit von einem B\u00fcrgerkrieg entfernt\" seien. Zum einen machten Asylanten, die den deutschen Steuerzahler ohnehin er128","Deutschland ist kein Urwald -- Ausl\u00e4nder raus! hebliche Summen kosteten, dem B\u00fcrger \"den Arbeitsplatz streitig\"; zum anderen befa\u00dften sich Parteien und Medien nur mit \u00dcbergriffen gegen Ausl\u00e4nder, ohne entsprechend zu reagieren, wenn \"t\u00fcrkische Streetgangs deutsche Volksgenossen abstechen\". Dieser Zustand sei nicht l\u00e4nger hinnehmbar. Daher fordere die FAP \"Ausl\u00e4nder raus, bevor der Volkszorn erwacht!\". Zahlreiche Exemplare der Ausgabe Nr. 5 der \"FAP-Nachrichten\", in denen die FAP die \"Unf\u00e4higkeit\" der \"Bonner Systemparteien\" kritisierte und \"im Interesse der Volksgesundheit und der Volkswirtschaft\" f\u00fcr die \"sofortige Beseitigung s\u00e4mtlicher Kernkraftwerke und den R\u00fcckgriff auf altbew\u00e4hrte Stromerzeugungsverfahren\" eintrat, wurden am 30. Juli von Aktivisten der FAP in Garmisch-Partenkirchen verbreitet. Bei den in diesem Zusammenhang durchgef\u00fchrten Wohnungsdurchsuchungen stellte die Polizei weitere rechtsextreme Publikationen sowie eine Hakenkreuzfahne sicher. Unter der \u00dcberschrift \"Deutschland ist kein Urwald -- Ausl\u00e4nder raus!\" warnte die FAP in der Ausgabe Nr. 6 ihres \"Kampfblatts\" vor einem bevorstehenden \"Chaos durch \u00dcberfremdung mit Ausl\u00e4ndern\". Die Schuldigen seien \"die Systempolitiker in Bonn -- die kapitalistischen Di\u00e4tenfresser\", die am \"Tag der Rache\" f\u00fcr ihre \"widerlichen Machenschaften\" bezahlen m\u00fc\u00dften. Die \"Bonzen\" bezweckten n\u00e4mlich mit der Ausl\u00e4nderintegration eine \"Orientalisierung Deutschlands, um uns als f\u00fchrendes Volk Europas willenlos zu machen\". Die FAP werde jedoch nicht zulassen, da\u00df \"Deutschland vernegert\". In derselben Ausgabe gedachte die FAP der \"am 16. Oktober 1946 in N\u00fcrnberg ermordeten Kameraden der Deutschen Reichsregierung\", die \"f\u00fcr Deutschlands Zukunft den Opfertod am Galgen der Sieger\" gestorben seien. Des weiteren war eine an \"Volksgenossen\" gerichtete Anzeige abgedruckt, die f\u00fcr den Bezug von \"Publikationen des nationalsozialistischen Widerstandes\" 129","wie Hitlers \"Mein Kampf\" und Rosenbergs \"Der Mythos des 20. Jahrhunderts\" warb. In Zusammenhang mit einem Ermittlungsverfahren gegen die Herausgeber der Schrift stellte die Polizei am 10. Dezember bei zwei FAP-Aktivisten in Burk, Landkreis Ansbach, und M\u00fcnchen insgesamt rund 550 Exemplare dieses Druckwerks sicher. Am 4. und 7. Februar durchsuchte die Polizei im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens wegen Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen die Wohnungen von zehn Mitgliedern und Sympathisanten der FAP im Raum Bad Reichenhall und Garmisch-Partenkirchen, wobei sie umfangreiches neonazistisches Propagandamaterial, Schu\u00dfwaffen und Munition sicherstellte. In diesem Zusammenhang verurteilte das Jugendgericht Garmisch-Partenkirchen am 27. November einen FAP-Anh\u00e4nger wegen Versto\u00dfes gegen das Waffengesetz zur Zahlung einer Geldbu\u00dfe von 800 DM und zur Leistung von sozialen Hilfsdiensten an sechs Tagen. FAP-Mitglieder verteilten am 10. Mai und 12. Juli an einem Informationsstand in M\u00fcnchen Flugbl\u00e4tter mit der \u00dcberschrift \"Deutschland ruft!\", in denen die FAP erkl\u00e4rte, Deutschland sei \"durch die Erf\u00fcllungspolitik der Helfer der Sieger des Krieges unterdr\u00fcckt und geknechtet\". Es gelte nun, gegen die \"Phrasen von deutscher Schuld und berechtigter Bu\u00dfe\" Front zu machen. Da die FAP ein \"starkes, freies und einiges Deutschland\" wolle und sich daf\u00fcr einsetze, da\u00df \"aus der Sklavennation von heute eine Nation freier Menschen wird\", seien ihre Anh\u00e4nger \"radikal\" und \"unvers\u00f6hnlich\". Die f\u00fcr die Errichtung des Informationsstands erforderliche Erlaubnis war jeweils unter der Bezeichnung \"Deutsche Familienpartei\" eingeholt worden. Rund 80 Mitglieder und Sympathisanten der FAP aus dem gesamten Bundesgebiet, \u00d6sterreich und den Niederlanden trafen sich am 4. Oktober in einer Gastst\u00e4tte in Starnberg. Als Redner trat der ehemalige Vorsitzende der im Januar 1982 verbotenen neonazistischen \"Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit\" (VSBD/PdA) Friedhelm Busse auf, der bis Ende August 1986 eine Freiheitsstrafe u.a. wegen Strafvereitelung, Hehlerei und Versto\u00dfes gegen das Waffengesetz verb\u00fc\u00dft hatte. Anschlie\u00dfend verbreiteten die Teilnehmer in M\u00fcnchen FAP-Flugbl\u00e4tter mit der \u00dcberschrift \"Deutschland ruft\". Friedhelm Busse sprach auch auf einer weiteren Zusammenkunft von rund 25 FAP-Anh\u00e4ngern am 25. Oktober in Herrsching a. Ammersee. In Feuchtwangen, Landkreis Ansbach, wurden am 26. Oktober mehrere Farbschmierereien mit ausi\u00e4nderfeindlichen Parolen und Hakenkreuzsymbolen festgestellt. Gegen zwei der Tat verd\u00e4chtige Mitglieder des FAP-Kreisverbandes Ansbacher Land leitete die Polizei ein Ermittlungsverfahren ein; bei einer Wohnungsdurchsuchung stellte sie eine Gaspistole sicher. Bei einer Klebeaktion, die offensichtlich in Zusammenhang mit einer von der FAP propagierten \"Anti-Asyl-Woche\" stand, wurden am 6. Dezember in Feuchtwangen, Landkreis Ansbach, Plakate und Aufkleber der FAP mit der Aufschrift \"Asylanten raus\" verbreitet. Tags darauf verteilten mehrere FAP-Mitglieder in Oettingen i.Bay., Landkreis Donau-Ries, ein Flugblatt mit der \u00dcberschrift \"Die Asyl-Flut\", in dem die FAP vor den m\u00f6glichen Folgen einer weiteren Aufnahme von Asylanten warnte. Bereits am 5. Dezember hatte die Polizei 130","in der N\u00e4he von Augsburg drei Personen vorl\u00e4ufig festgenommen, die am Gel\u00e4nder einer Autobahnbr\u00fccke ein Transparent mit der Aufschrift \"Ausl\u00e4nder raus -- Anti-Asyl-Woche -- FAP\" angebracht hatten. Am 13. Dezember fand in Feldafing, Landkreis Starnberg, eine \"Julfeier\" von etwa 80 bis 100 Mitgliedern und Sympathisanten der FAP statt, zu der die Veranstalter aus taktischen Gr\u00fcnden unter der Bezeichnung \"Deutsches Jugendbildungswerk\" eingeladen hatten. Als Redner traten u.a. der Vorsitzende der Deutschen Freiheitsbewegung (DDF) Otto Ernst Remer und der ehemalige Vorsitzende der verbotenen VSBD/PdA Friedhelm Busse sowie ma\u00dfgebliche ehemalige Funktion\u00e4re der verbotenen ANS/NA auf. 4.4 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) Die 1979 von Neonazis gegr\u00fcndete HNG mit Sitz in Frankfurt a.M. z\u00e4hlt rund 240 (1985: 200) Mitglieder. Sie betreut inhaftierte Gesinnungsgenossen finanziell und ideell, um deren \"Kampfmoral\" zu erhalten. Daneben sollte es von Anfang an Aufgabe der HNG sein, den von Exekutivma\u00dfnahmen betroffenen Gesinnungsgenossen ein ihrer neonazistischen Anschauung entsprechendes politisches Kontaktund Aktionsfeld zu bieten. Ihren Zulauf erh\u00e4lt sie nach wie vor aus Kreisen verbotener neonazistischer Organisationen, deren ehemalige Anh\u00e4nger die Ausrichtung der HNG zunehmend beeinflussen. So ist seit Februar 1984 die fr\u00fchere ANS/NA-Aktivistin Christa Goerth aus Bielefeld Vorsitzende der HNG. Nach der Inhaftierung des ehemaligen ANS/NA-Funktion\u00e4rs Christian Worch im M\u00e4rz 1985 wurde das Amt des Schriftleiters der HNG-Publikation \"Nachrichten der HNG\" dem f\u00fchrenden FAP-Aktivisten Volker Heidel aus Hannover \u00fcbertragen, der einst der 1982 verbotenen Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit (VSBD/PdA) angeh\u00f6rt hatte. Wegen ihrer gruppen\u00fcbergreifenden Bet\u00e4tigung hat sich die HNG zu einem Sammelbecken neonazistischer Bestrebungen und zugleich zu einer Schaltstelle f\u00fcr Kontakte zu ausl\u00e4ndischen Gesinnungsgenossen entwickelt. Insbesondere war eine rege Zusammenarbeit mit der von franz\u00f6sischen Neonazis gegr\u00fcndeten Schwesterorganisation \"Comite Objectif entraide et solidarite avec les victimes de la Repression Antinationaliste\" (COBRA) festzustellen. Die HNG ver\u00f6ffentlichte in ihrem monatlich erscheinenden Mitteilungsblatt regelm\u00e4\u00dfig Listen, Anschriften und Briefe von \"nationalen politischen Gefangenen\", darunter auch von rechtsterroristischen Gewaltt\u00e4tern. \"Kameraden\" aus M\u00fcnchen reisten zur Jahreshauptversammlung der HNG, die am 12. April in Schwarzenborn/Hessen stattfand. 4.5 Nationalistische Front (NF) Die im September 1983 in M\u00fcnchen als Nationale Front -- Bund Sozialrevolution\u00e4rer Nationalisten (NF-BSN) gegr\u00fcndete und sp\u00e4ter in Nationalistische Front (NF) umbenannte Organisation ist ein Zusammenschlu\u00df neonazistischer Gruppen, die sich am 16. November 1985 in Steinhagen/Nordrhein-Westfalen als \"Partei\" konstituierten. Sie setzt sich u.a. aus ehemaligen Anh\u00e4ngern der 1982 verbotenen neonazistischen Volkssozialistischen Bewegung Deutsch131","lands/Partei der Arbeit (VSBD/PdA) zusammen und z\u00e4hlt bundesweit rund 50 Mitglieder. In ihrem von einem aggressiven Nationalismus gepr\u00e4gten Grundsatzprogramm fordert sie die \"antiimperialistische Nationale Befreiung von fremder Macht und ihren deutschen Handlangern\", die \"Schaffung eines gesicherten und geeinten Lebensraumes der deutschen Menschen in Europa\", die \"Herausl\u00f6sung der fremden Waffensysteme\" und eine \"gesamtdeutsche Neutralit\u00e4t\". Ferner wendet sie sich gegen \"weitere fremdv\u00f6lkische Einwanderung\" und propagiert eine \"lebensrichtige Neue Ordnung\" in einer dem \"Volksinteresse\" dienenden \"Volksgemeinschaft der Zukunft\". In einem am 8. Februar in M\u00fcnchen verteilten Flugblatt mit der \u00dcberschrift \"Den Geist von Jalta \u00fcberwinden\" trat die NF f\u00fcr den \"Abzug aller fremden Truppen samt ihren Waffensystemen aus ganz Deutschland\" und den \"Aufbau eines freien und volksbezogenen Sozialismus in einer gesamtdeutschen Volksrepublik\" ein. In einem auf der Flugschrift abgedruckten \"Aktionsprogramm\" hie\u00df es, die NF sei \"nicht l\u00e4nger bereit, die Vergewaltigung unseres Volkes unter den Willen der Siegerm\u00e4chte hinzunehmen\". Sie fordere die \"gerechte Verteilung des Besitzes und der Einkommen entsprechend der Leistung, die jeder f\u00fcr das Volk erbringt\", die \"Brechung der Zinsknechtschaft\", die Beendigung der \"einseitigen Vergangenheitsbew\u00e4ltigung\" und der \"Kriminalisierung nationaler Organisationen\" sowie die R\u00fccksiedlung der \"Fremdarbeiter\". Die Ortsgruppe M\u00fcnchen der NF um den 2. stellvertretenden NF-Vorsitzenden Josef Heggmair trat im M\u00e4rz 1986 geschlossen aus der NF aus; sie f\u00fchrt inzwischen die Bezeichnung \"Nationalrevolution\u00e4re\". 4.6 Nationalrevolution\u00e4re Die nach internen Differenzen im M\u00e4rz 1986 aus der bundesweiten Nationalistischen Front (NF) ausgetretene M\u00fcnchner Gruppe um den bisherigen 2. stellvertretenden NF-Vorsitzertden Josef Heggmair, die seit Mai 1986 unter der Bezeichnung \"Nationalrevolution\u00e4re\" in Erscheinung tritt, z\u00e4hlt etwa 20 Mitglieder. Sie steht in der Sozialrevolution\u00e4ren Tradition der Gebr\u00fcder Strasser; ihr Grundsatzprogramm stimmt in Aufbau und Inhalt mit dem der NF \u00fcberein. In einem am 31. Oktober in Coburg festgestellten Flugblatt mit der \u00dcberschrift \"Grunds\u00e4tze unseres Wollens\" traten die \"Nationalrevolution\u00e4re\" f\u00fcr eine nationalistische, sozialistische, \u00f6kologische, kulturelle und demokratische Revolution ein. Sie forderten einen \"emanzipatorischen, gegen jede Form von Imperialismus gerichteten Nationalismus neuen Typs\" und erkl\u00e4rten, die \"nationale Frage\" k\u00f6nne \"nicht losgel\u00f6st von der Klassenfrage gestellt werden\". Daraus ergebe sich \"die Notwendigkeit, befreiungsnationalistischen und antikapitalistischen Kampf zu verbinden\". Die Verfasser bef\u00fcrworteten \"einen eigenen, den nationalen Besonderheiten entsprechenden Weg zum Sozialismus\", die \"genossenschaftliche Verf\u00fcgungsgewalt der Arbeitenden \u00fcber die Produktionsmittel\" und den \"Klassenkampf aller Werkt\u00e4tigen gegen das Kapital und seine Helfer\". Ferner wandten sie sich gegen den \"Kulturimperialismus\", der die \"Verschiedenheit und Andersartigkeit der V\u00f6lker und Kulturen\" zugunsten eines \"genormten, geplanten und manipulierbaren Einheitsmenschen\" zu beseitigen drohe, und propagierten als \"neue, von der direkten Mitwirkung ge132","pr\u00e4gte Form der Demokratie\" eine \"dezentrale, sozialistische Volksdemokratie\". In diesem Sinne seien die \"nationalrevolution\u00e4ren Basisgruppen\" um den \"Aufbau einer nationalrevolution\u00e4ren Organisation in Deutschland und das Zusammenwirken mit gleichgerichteten Kr\u00e4ften im Ausland\" bem\u00fcht. Des weiteren erkl\u00e4rte die Gruppe in einem am 15. November in M\u00fcnchen verteilten Flugblatt mit dem Titel \"Heimatfront -- keine WAA in Wackersdorf!\", ihr \"unvers\u00f6hnlicher Kampf\" gelte den Repr\u00e4sentanten der \"Verfilzung von Politik und Kapital\". Sie ford.erte den sofortigen \"Ausstieg aus der Atomenergie innerhalb der BRD\" sowie ein \"internationales Abkommen zum Verzicht auf Atomenergie\" vorrangig f\u00fcr Europa und rief dazu auf, bei den kommenden Wahlen nicht f\u00fcr die \"Atomparteien CDU/CSU-FDP-SPD-DKP\" zu stimmen. Ferner propagierte sie eine \"neue Ordnung jenseits der materialistischen Systeme\" durch den \"Aufbau eines freien und volksbezogenen Sozialismus in einer gesamtdeutschen Volksrepublik\". Zuvor m\u00fc\u00dften Kapitalismus und Kommunismus \"zerschmettert\" werden, da die \"lebensfeindlichen\" Gesellschaftssysteme in West und Ost \"nicht reformierbar\" seien. 4.7 Deutsche B\u00fcrgerinitiative (DBI) Der 1982 als R\u00e4delsf\u00fchrer der rechtsterroristischen Deutschen Aktionsgruppen (DA) zu 13 Jahren Freiheitsstrafe verurteilte ehemalige DBI-Leiter Manfred Roeder verfa\u00dfte in der Haft weiterhin Beitr\u00e4ge f\u00fcr die auch in Bayern verbreiteten Publikationen der DBI. Im 59. Rundbrief der \"Europ\u00e4ischen Freiheitsbewegung\" vom Juli/August 1986 bef\u00fcrwortete er den Austritt der \"BRD\" aus der NATO und der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft als Voraussetzung f\u00fcr die \"Wiedervereinigung und Gesundung unseres Volkes\". Dar\u00fcber hinaus trat er daf\u00fcr ein, den Verfassungsschutz und den Milit\u00e4rischen Abschirmdienst abzuschaffen, da diese \"widerlichen Organisationen\" niemals dem Wohl des Volkes gedient, sondern \"jede nationale Gesinnung niedergekn\u00fcppelt\" h\u00e4tten. Im 61. Rundbrief an seine Anh\u00e4nger erkl\u00e4rte Roeder, es gebe \"\u00fcberhaupt kein Grundrecht auf Asyl\". Das deutsche Volk werde in diesem Punkt von den Politikern \"bewu\u00dft belogen\", da das ganze Grundgesetz \"nur Grundrechte f\u00fcr Deutsche\" enthalte. Wer aus Mitleid Asylbewerber aufnehme, sei \"ein n\u00fctzlicher Idiot dieser V\u00f6lkerm\u00f6rder\", die bereits damit begonnen h\u00e4tten, unsere Kinder zu \"fressen\". Ein Haufen arbeitsscheuer \"Asylpsychopathen\" wolle uns jedoch \"mit noch mehr Asylschwindlern begl\u00fccken, um damit den Untergang unseres Volkes zu besiegeln\". Insofern handle es sich um die Vollstreckung der \"amerikanischen Racheund Umerziehungspolitik\", die \"die Ausl\u00f6schung des deutschen Volkscharakters\" zum Ziel habe. 4.8 Neonazistische, antisemitische und sonstige rassistische Vorf\u00e4lle Die Gesamtzahl der bekanntgewordenen neonazistischen, antisemitischen und sonstigen rassistischen Vorf\u00e4lle erh\u00f6hte sich 1986 mit insgesamt 456 gegen\u00fcber 418 im Vorjahr, wobei allerdings in 223 F\u00e4llen (1985: 123) ein entsprechendes Motiv fehlte oder nicht erkennbar war. Zu diesen allgemeinen Verdachtsf\u00e4llen (rund 49 %) geh\u00f6rte z.B. das Verwenden von NS-Symbolen als Mittel des Protestes gegen anderweitige politische Bestrebungen. Allein in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg ereigneten sich mit 72 (1985: 121) bzw. 7 (1985: 16) 133","rund 34% (1985:46%) aller Vorf\u00e4lle (ohne allgemeine Verdachtsf\u00e4lle). Meist handelte es sich um Schmierund Klebeaktionen, bei denen Hakenkreuze und SS-Runen gespr\u00fcht oder Parolen wie \"Heil Hitler\", \"Juden raus\", \"T\u00fcrken raus\" und \"Ausl\u00e4nder raus\" angebracht wurden. Anl\u00e4sse f\u00fcr Ermittlungsverfahren waren auch das Tragen von NS-Symbolen an Kleidungsst\u00fccken, die Besch\u00e4digung j\u00fcdischer Gedenkst\u00e4tten sowie anonyme Beleidigungen und Bedrohungen aus rassistischen bzw. antisemitischen Motiven. Eine Aufkl\u00e4rung gelang in 163 F\u00e4llen (1985: 177). Unter den ermittelten 221 T\u00e4tern (1985: 242) befanden sich 34 (1985: 47) Minderj\u00e4hrige. Die Staatsanwaltschaften stellten 26 Verfahren ein. In 20 F\u00e4llen wurden die T\u00e4ter verurteilt. Die Verfahren gegen die \u00fcbrigen Beschuldigten dauerten Ende 1986 noch an. Eine Gesamtsteuerung der Aktionen durch eine oder mehrere extremistische Gruppen war nicht erkennbar. Die polizeilichen Ermittlungen wegen des neonazistisch gepr\u00e4gten Auftretens von Fu\u00dfballfans, die Hakenkreuze und SS-Runen an der Kleidung trugen, erbrachten in Einzelf\u00e4llen auch Hinweise auf eine diesem \u00e4u\u00dferen Erscheinungsbild entsprechende politische Motivation der T\u00e4ter. Ein gruppenbezogenes Zusammenwirken von Fu\u00dfballfans einerseits und Neonazis andererseits war hingegen in Bayern auch 1986 nicht feststellbar. v 5. Sonstige rechtsextreme Organisationen 5.1 Deutscher Block (DB) Der 1947 in M\u00fcnchen gegr\u00fcndete DB bekennt sich zur \"F\u00fchrung des Staates durch eine Elite\". Er h\u00e4lt \"Demokratie mit dem F\u00fchrertum f\u00fcr vereinbar\", lehnt \"rassischen Mischmasch\" ab und setzt sich f\u00fcr die \"Wiederherstellung des Reiches in seinen gerechten Grenzen\" ein. Der DB mit Sitz in Memmingen z\u00e4hlt im Bundesgebiet nach wie vor rund 30 Mitglieder, davon etwa die H\u00e4lfte in Bayern. \"Reichsvorsitzender\" ist Richard Etzel aus Memmingen. An die Jugendorganisation des DB, die faktisch schon seit Jahren nicht mehr besteht, erinnern lediglich noch die von Etzel unter der Bezeichnung \"Jugendbund Adler\" (JBA) in geringer Auflage herausgegebenen Zeitschriften \"Unsere Arbeit\" und \"Der Adlerf\u00fchrer\". 1986 f\u00fchrte der DB in M\u00fcnchen einige Veranstaltungen durch. Daneben wandte er sich in Flugbl\u00e4ttern gegen die \"Verf\u00e4lschung unserer Geschichte durch linke oder umerzogene Lehrer\" und die \"Diffamierung\" des deutschen Soldaten \"durch die Medien und volksfeindlichen Kr\u00e4fte, die den Krieg ewig fortsetzen m\u00f6chten\". Ferner agitierte er gegen \"Engelhards Maulkorbgesetz\", das \"Zweifel an der Wahrheit der uns aufgetischten Greuelmeldungen\" bestrafe, und rief zum Kampf gegen jede Darstellung auf, die \"Deutschland verunglimpft oder zum Kriegsschuldigen stempelt\". 5.2 Wiking-Jugend (WJ) Die 1952 gegr\u00fcndete WJ ist eine straff nach dem F\u00fchrerprinzip geleitete \"volkstreue nordl\u00e4ndische\" Jugendorganisation, die sich als \"heranzubildende Elite\" versteht und ihre \"k\u00e4mpferische\" Weltanschauung betont. Sie bekennt sich zu einer \"Lebensgemeinschaft auf v\u00f6lkischer Grundlage\" und betrachtet 134","das Gesetz der \"Auslese alles Starken und Gesunden\" in sozialdarwinistischer Weise als \"entscheidende Kraft im Leben\". Die in Gaue und Horste gegliederte WJ mit Sitz in Stolberg/Nordrhein-Westfalen z\u00e4hlt im Bundesgebiet wie im Vorjahr rund 380 Mitglieder, davon etwa 60 (1985: 65) in Bayern. Bundesf\u00fchrer ist Wolfgang Nahrath aus Stolberg. In Bayern bestehen die Gaue \"Bayern\" in Freising und \"Franken\" in Stockstadt, Landkreis Aschaffenburg, sowie u.a. Horste im Raum Landshut, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Die WJ unterh\u00e4lt Kontakte zu Jugendgruppen gleichen Namens und gleicher Zielsetzung in Belgien, Frankreich, Gro\u00dfbritannien, Norwegen, Spanien und in den Niederlanden. Publikationsorgan des Bundes ist die viertelj\u00e4hrlich erscheinende Schrift \"Wikinger\", die zum Anschlag auf Prof. Dr. Karl Heinz Beckurts und Eckhard Groppler unter Anspielung auf den 20. Juli 1944 erkl\u00e4rte, wer Mord durch Bombenattentate \"gewisserma\u00dfen zur Staatsr\u00e4son\" erhebe und dies auch \"allj\u00e4hrlich zu feiern\" wisse, brauche sich nicht zu wundern, wenn \"auch andere -- dem Staat nicht genehme Personen -- Gefallen daran finden\". Zahlreiche WJ-Mitglieder und Neonazis versuchten am 31. Dezember, unter Versto\u00df gegen ein versammlungsrechtliches Verbot in Fulda zu demonstrieren. Die Polizei unterband dieses Vorhaben. Am anschlie\u00dfenden \"Silvestertref135","fen\" der WJ nahmen rund 150 Personen teil, darunter zahlreiche ehemalige Anh\u00e4nger der verbotenen ANS/NA. Diese gemeinsame Veranstaltung, die mit einem \"Mahnfeuer\" in der N\u00e4he der DDR-Grenze endete, belegt die anhaltenden engen Kontakte der WJ zu Neonazis. In Bayern beschr\u00e4nkten sich die \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten der WJ im wesentlichen auf die Verbreitung von Propagandamaterial. Die im Januar 1985 von Aktivisten der WJ und FAP als gemeinsame Aktionsplattform gegr\u00fcndete Volkstreue au\u00dferparlamentarische Opposition (VAPO) trat 1986 nach au\u00dfen nicht in Erscheinung. 5.3 Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik (GFP) Die 1960 in Frankfurt a.M. von ehemaligen SSund NSDAP-Angeh\u00f6rigen gegr\u00fcndete GFP stellt vor allem ein Podium f\u00fcr Publizisten dar, die rechtsextremes Gedankengut vertreten. Sie will angeblich in einer \"durch Siegerrechte und Besiegtenpflichten beschr\u00e4nkten \u00d6ffentlichkeit\" eine \"Freistatt f\u00fcr den deutschen Gedanken und das deutsche Wort\" schaffen und erhalten. So wendet sie sich gegen die \"Entstellungen in der deutschen Geschichtsbetrachtung\" und die \"unwahren Darstellungen der Ursachen und Hintergr\u00fcnde beider Weltkriege\" sowie \"gegen jede Unterdr\u00fcckung der Meinungsvielfalt\". In Wirklichkeit scheint sich ihr \"geistiger Kampf\" in erster Linie gegen die Indizierung rechtsextremer Ver\u00f6ffentlichungen durch die Bundespr\u00fcfstelle f\u00fcr jugendgef\u00e4hrdende Schriften zu richten. Die Vereinigung, die ihren Sitz in M\u00fcnchen hat, z\u00e4hlt im Bundesgebiet wie im Vorjahr etwa 375 Mitglieder. Vorsitzender ist seit Mai 1985 Dr. Gert Sudholt. Als Publikationsorgan erscheint viertelj\u00e4hrlich die Schrift \"Das Freie Forum\". Unter dem Motto \"Das Ende aller Freiheit? -- Der Kampf um Unabh\u00e4ngigkeit und Selbstbehauptung\" hielt die GFP vom 10. bis 12. Oktober in Kassel ihren Jahreskongre\u00df ab. An der Veranstaltung nahmen bis zu 280 Zuh\u00f6rer teil. Der Vorsitzende Dr. Sudholt erkl\u00e4rte unter Hinweis auf \"das die Freiheit der Forschung und Lehre massiv einschr\u00e4nkende sogenannte Auschwitz-Gesetz\", das \"Bonner Parteienkartell\" habe sich \"auf die Seite der Sieger und nicht die Seite des eigenen Volkes gestellt\". In der Bundesrepublik Deutschland blase \"der Wind der Unfreiheit den kritisch Denkenden sch\u00e4rfer denn je ins Gesicht\". 5.4 Freundeskreis Ulrich von H\u00fctten Der im Februar 1982 von Rechtsextremisten gegr\u00fcndete Freundeskreis Ulrich von H\u00fctten mit Sitz in Starnberg vertritt rechtsextreme, insbesondere rassistische Thesen. So identifizierte sich die Vereinigung mit der Behauptung, die Deutschen w\u00fcrden \"einer volkszerst\u00f6rerischen Politik ausgeliefert\", wobei sie zugleich gegen die \"Preisgabe unseres Landes an fremde Einwanderer\" , protestierte. Des weiteren verbreitete sie die Auffassung, der Verlauf der Geschichte sei durch \"Raum und Rasse\" bedingt; \"Rassenmischung\" f\u00fchre zur Vernichtung von V\u00f6lkern und Kulturen. Das Schicksal des deutschen Volkes als \"genetisch einheitlichstes in Europa\" sei \"f\u00fcr den Bestand aller wei\u00dfen V\u00f6lker entscheidend\". Schutz und F\u00f6rderung der Familie als Voraussetzung der 136","4. Jahrgang April 1986 Folge 2 \"Unsterblichkeit des Volkes\" m\u00fc\u00dften \"oberste Leitlinie\" sein. Der \"politische F\u00fchrer\" habe das Ma\u00df zwischen pers\u00f6nlichem Freiraum und \"volksbezogener Gesellschaftsordnung\" zu setzen. Die Organisation z\u00e4hlt wie im Vorjahr bundesweit etwa 300 Mitglieder. Vorsitzende ist die Pr\u00e4sidentin der Deutschen Kulturgemeinschaft (DKG) in \u00d6sterreich Lisbeth Grolitsch. Die Aktivit\u00e4ten des Freundeskreises bestanden 1986 vorwiegend in der Herausgabe und Verbreitung des Publikationsorgans \"Huttenbriefe -- f\u00fcr Volkstum, Kultur, Wahrheit und Recht\" und der Durchf\u00fchrung einiger \u00f6ffentlicher Veranstaltungen. 5.5 Die Deutsche Freiheitsbewegung (DDF) Die DDF wurde am I.April 1983 auf Initiative ihres derzeitigen Vorsitzenden, des fr\u00fcheren Generalmajors der Wehrmacht Otto Ernst Remer, nach dessen Trennung vom Freundeskreis Ulrich von H\u00fctten gegr\u00fcndet. Der Sitz der etwa 70 Mitglieder z\u00e4hlenden Gruppierung befindet sich in Kaufbeuren. Die DDF verfolgt vor allem rassistische und nationalistisch-neutralistische Bestrebungen. So forderte sie als Voraussetzung einer \"souver\u00e4nen nationalen Politik\" die \"Wiedervereinigung Deutschlands in den v\u00f6lkerrechtlich verbindlichen Grenzen des Deutschen Reiches\" und erteilte der gegen die \"deutschen Interessen\" versto\u00dfenden \"Atlantikund Europa-Politik\" eine \"eindeutige Absage\". Stattdessen propagierte sie den Austritt der Bundesrepublik Deutschland aus der NATO, eine Politik \"bewaffneter Neutralit\u00e4t\" nach dem Vorbild Schwedens und eine \"Allianz mit Moskau\", da sich die \"Existenz des deutschen Volkes\" nur in einer \"deutsch-russischen Schicksalsgemeinschaft\" sichern lasse. Daneben betonte sie, da\u00df insbesondere \"zionistische GenocidPlaner schon w\u00e4hrend des 2. Weltkriegs dem deutschen Volk das biologische Ende zugedacht\" h\u00e4tten. Die inzwischen \"von den Lizenzparteien erreichte Aufhebung des Schutzes f\u00fcr das ungeborene Leben\" habe sich \"f\u00fcr unser Volk verheerend ausgewirkt\", zumal unsere Parlamentarier auch der \"\u00dcberfremdung\" nicht begegneten, sondern die Bundesrepublik Deutschland \"l\u00e4ngst zum Einwanderungsland und zur Sozialstation f\u00fcr die ganze Welt gemacht\" h\u00e4tten. Dabei scheine hierzulande vollkommen vergessen zu sein, da\u00df 137","bereits die \"ethnische Substanz\" der antiken Hochkulturen u.a. \"infolge unbegrenzter Rassenmischung\" zugrunde gegangen sei. In ihrem Organ \"Der Bismarck-Deutsche\" erkl\u00e4rte die DDF unter der \u00dcberschrift \"US-Gangsterpolitik\", die USA seien \"durch ihre einseitig auf die Ziele des Zionismus festgelegte Politik\" f\u00fcr den internationalen Terror \"hauptverantwortlich\" und h\u00e4tten uns mit \"Reagans brutalem \u00dcberfall auf Libyen\" in der Nacht zum 15. April \"in leichtfertiger Weise an den Rand des 3. Weltkrieges herangef\u00fchrt\". Welcher \"Umerzieher und Umerzogene\" d\u00fcrfe es jetzt noch wagen, \"Adolf Hitler als den Schuldigen am 2. Weltkrieg zu bezeichnen?\". F\u00fcr alle in der NATO befindlichen Europ\u00e4er sei \"nunmehr der Augenblick gekommen, Washington die Gefolgschaft aufzuk\u00fcndigen\". Gerade die Bundesrepublik Deutschland habe keinen Grund, die \"US-Aggressionspolitik weiterhin solidarisch zu begleiten\". Es gelte daher, die \"selbstm\u00f6rderische Allianz mit den USA schleunigst ihrem Ende zuzuf\u00fchren\". Der Buchdienst der DDF bot das von der Bundespr\u00fcfstelle f\u00fcr jugendgef\u00e4hrdende Schriften indizierte Buch \"Aus deutscher Sicht\" an. Bei der Durchsuchung von Remers Wohnung stellte die Polizei acht Exemplare sicher. Anh\u00e4nger der DDF beteiligten sich anl\u00e4\u00dflich einer \"Antifaschistischen Arbeitskonferenz\" der DKP-beeinflu\u00dften Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (WN-BdA) am 7. Juni an einer Protestaktion vor dem Tagungslokal in Kaufbeuren-Neugablonz. Sie zeigten ein Transparent mit der Aufschrift \"Schlu\u00df mit dem roten Spuk -- Nesselwang gen\u00fcgt -- VVN raus\", verbreiteten Aufkleber mit der Parole \"Rotfront verrecke\" und verteilten Flugbl\u00e4tter, in denen sie ein \"Verbot f\u00fcr den WN-Auftritt\" forderten. Das Landgericht Kempten verurteilte den DDF-Vorsitzenden in einer Berufungsverhandlung am 26. November wegen Beleidigung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten mit Bew\u00e4hrung und einer Geldbu\u00dfe von 1.000 DM. Das Gericht sah es als erwiesen an, da\u00df Remer eine Videokassette verbreitet hatte, in der die Judenvernichtuhg im Dritten Reich geleugnet wird. Vom Vorwurf der Verunglimpfung der Bundesrepublik Deutschland wurde er freigesprochen. 6. Organisationsunabh\u00e4ngige Publizistik Die 11 (1985: 11) Verlage, Vertriebsund Buchdienste in Bayern, die Publikationen mit rechtsextremem Inhalt herausgeben bzw. verbreiten, entwickelten 1986 wiederum eine beachtliche T\u00e4tigkeit. Die Auflage der periodisch herausgegebenen einschl\u00e4gigen Druckschriften betrug monatlich etwa 375.000 (1985: 420.000) Exemplare, wobei erh\u00f6hte Auflagen zu besonderen Anl\u00e4ssen nicht eingerechnet sind. Dar\u00fcber hinaus wurden B\u00fccher mit rechtsextremem Inhalt angeboten. Wirkungsvollstes Propagandainstrument des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland ist weiterhin die Druckschriftenund Zeitungsverlags GmbH in M\u00fcnchen unter der Leitung von Dr. Gerhard Frey. Im Verlag erscheinen neben dem \"Deutschen Anzeiger\" (vgl. Nr. 3.2) die \"Deutsche National-Zeitung\" (DNZ) mit einer Wochenauflage von etwa 65.000 (1985: 75.000) Exemplaren, sowie seit Anfang 1986 die bis dahin von der Deutschen Verlags138","Kann Kohl ASYL-BETRUG stoppen? Die neuen Bonner Beschl\u00fcsse/s. 3 Deutsche R 2295 C National+Zeitung J ' \u00dc f f l \" 0i\"p\"/\"-os freiheitlich * unabh\u00e4ngig * \u00dcberparteilich ^sST\"iSfS\u00dcSt ^ - ^ \"OTpL .,70 I Q PS / AIB. ISW Pia. / *uste. 1,-I A / \"\"Sfl. SS Wi ; Din. *,. o*f .'FIJSBl. 5,Fmk ' Grtich. 75 Dr. / Holl 2,!5 M / IUI. TOD U t / Kan. 1,N t / P o r t 50 E K . / S p H . 1W PlH/KeiiarHI 1M PI\" 7 3Editr. 1,. R / TQt*. 70 TL / USA 1,S0 S War Hitler allein schuld? gesellschaft mbH (DVG) in Rosenheim herausgegebene \"Deutsche WochenZeitung\" (DWZ) mit einer w\u00f6chentlichen Auflage von rund 24.000 (1985:16.000) Exemplaren. Bei Werbeaktionen werden die Auflagen betr\u00e4chtlich erh\u00f6ht. Dr. Frey ist auch Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Freiheitlichen Buchund Zeitschriftenverlags GmbH (FZ-Verlag) in M\u00fcnchen, deren Buchdienst Werke gegen die \"Umerziehung\" und \"Volksverdummung\" anbot. Wie im Vorjahr war die DNZ bestrebt, die NS-Zeit zu verharmlosen. So verwies sie auf die Garantie Englands und Frankreichs f\u00fcr den Bestand Polens, die \"nur gegen\u00fcber Deutschland\" gegolten habe. Da\u00df die beiden Westm\u00e4chte \"dem deutschen Reich den Krieg erkl\u00e4rten, als dieses am 1. September 1939 in Polen einmarschierte, nicht aber der Sowjetunion, deren Truppen am 17. September die polnisch-russische Grenze \u00fcberschritten\" h\u00e4tten, sei \"bezeichnender als viele sch\u00f6ne Worte\". \"Kriegsverbrecher aus den Reihen der Sieger\" seien \"keineswegs aufgeh\u00e4ngt, sondern vielmehr mit Orden beh\u00e4ngt\" worden. Dem Bundespr\u00e4sidenten warf die DNZ vor, seine \"skandal\u00f6se\" Weihnachtsansprache habe \"extrem nationalmasochistische Formulierungen\" enthalten, die \"an die Kollektivanklagen des Staatsoberhaupts vom 8. Mai 1985 gegen das deutsche Volk erinnern\". Weitere Angriffe galten den Medien in der Bundesrepublik Deutschland, die als Tr\u00e4ger der \"Umerziehung\" ein \"\u00dcberma\u00df an Selbstdem\u00fctigung und Nationalmasochismus\" gezeigt h\u00e4tten. Dar\u00fcber hinaus behauptete die DNZ, der deutsche Linksterrorismus sei das Produkt einer einseitigen Vergangenheitsbew\u00e4ltigung zu Lasten der deutschen Seite, wie sie namhafte Politiker der Union zum System gemacht h\u00e4tten. Viele junge Leute w\u00fcrden als \"Opfer der Umerziehung\" ihre eigenen Eltern, ihre Heimat, ihr Volk, ihre Geschichte und letztlich alles, was deutsch sei, verabscheuen. Au\u00dferdem setzte die DNZ mit Hinweisen auf die \"\u00dcberfremdung\" und den \"Asyl-Betrug\" ihre Versuche fort, Asylanten als \"gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr Deutschland\" hinzustellen und auf diese Weise fremdenfeindliche Vorurteile zu f\u00f6rdern. Auch die DWZ wandte sich gegen die \"Vergangenheitsbew\u00e4ltigung allein zu Lasten des deutschen Volkes\" und erkl\u00e4rte, die Wurzeln des Terrorismus 139","Siegeszug f\u00fcr Deutschlandlied / Nationalgef\u00fchl setzt sich durch Deutfrf)eI\u00f6ot\u00d6tn3ttons 28. Jahrgang Nr. 34 15. August 1986 DEUTSCHE NACHRICHTEN Preis 2.DM; \u00d6sterreich 15,OS .i\"\" R 2343 C JR NATIONALE POLITIK * KULTUR UND WIRTSCHAFT seien exakt auf diese \"Verteufelung des deutschen Volkes\" zur\u00fcckzuf\u00fchren, nachdem \"ein Teil der jungen Generation die Umerziehungspropaganda f\u00fcr bare M\u00fcnze nimmt und an das absolut Schlechte in der deutschen Geschichte und in der deutschen Nation glaubt\". Ferner polemisierte die DWZ gegen die Verleihung des Friedensnobelpreises an den amerikanischen Juden Elie Wiesel, der das Wort \"Holocaust\" erfunden habe und Deutschland und die Deutschen \"abgrundtief\" hasse. Daher stelle sich die Frage, womit es \"ein Regisseur und Organisator des Hasses gegen Deutsche und Araber\" verdient habe, als \"Friedensstifter\" geehrt zu werden. Durch die Verleihung an ihn sei der Friedensnobelpreis \"endg\u00fcltig entlarvt und entwertet\" worden. Dies sei \"eine Beleidigung f\u00fcr das ganze deutsche Volk\". In einem Beitrag zur bayerischen Landtagswahl hie\u00df es, wer \"seinen un\u00fcberh\u00f6rbaren Protest gegen die nationalmasochistische Politik st\u00e4ndiger Kollektivverantwortungsanklagen gegen das deutsche Volk\" zum Ausdruck bringen wolle, habe dazu \"am deutlichsten durch Wahl der NPD Gelegenheit\". Dr. Gerhard Frey vertrat schlie\u00dflich in der Ausgabe vom 28. November die Auffassung, nach \"all den nationalmasochistischen Exzessen, den Kollektivanklagen gegen das deutsche Volk, der permanenten Selbstentw\u00fcrdigung\" empfehle sich die NPD bei der Bundestagswahl 1987 als \"einzige rechte Alternative\". \"Proteststimmen zugunsten der NPD\" seien \"notwendig und sinnvoll, um gegen eine Politik der nationalen Entw\u00fcrdigung zu demonstrieren\". In derselben Ausgabe ver\u00f6ffentlichte die DWZ ein Interview mit dem Parteivorsitzenden der NPD Martin Mu\u00dfgnug, der darin betonte, die Entwicklung des Verh\u00e4ltnisses zwischen der NPD, dem \"nationalfreiheitlichen Lager\" und der \"nationalen Wochenpresse\" sei \"sehr positiv\". Bei \"allem gebotenen Realismus\" scheine hier eine Bewegung in Gang zu kommen, die \"zu einer sichtbaren St\u00e4rkung des nationalen Lagers f\u00fchren\" werde. In der 1953 gegr\u00fcndeten Nation Europa Verlags GmbH in Coburg erscheint die Monatsschrift \"Nation Europa\" (NE) in einer Auflage von etwa 10.000 Exemplaren. Der Verlag wird von dem 1954 gegr\u00fcndeten Verein \"Nation Europa-Freunde\" finanziell unterst\u00fctzt. Gesellschafter des Verlags und Herausgeber der NE sowie Vorsitzender des Unterst\u00fctzungsvereins ist der NPDFunktion\u00e4r Peter Dehoust. In der Schrift hie\u00df es, je weiter die \"historische Forschung\" fortschreite, desto mehr stelle sich heraus, da\u00df \"die englische Politik unter allen Gr\u00fcnden der Kriegsverursachung an erster Stelle\" gestanden habe. Der \"Verursacher des Weltkrieges 1939--1945\" sei England gewesen; Deutschland trage \"allein die 140","Last, ins offene Messer gelaufen zu sein und ihn ausgel\u00f6st zu haben\". Der Verfasser eines Beitrags zur \"Schein-Asylanten-Schwemme\" erkl\u00e4rte, vorzugsweise \"Neger und Asiaten unterschiedlicher rassischer und kultureller Herkunft\" h\u00e4tten sich auf den Weg in das \"gelobte Land\" aufgemacht und schickten sich an, \"hier in Stadt und Land eigene Kolonien zu gr\u00fcnden, mit denen Deutschland auf den Weg in eine multirassische Gesellschaft gef\u00fchrt werden soll\". In diesem Zusammenhang versuchte die Schrift, Vorurteile gegen Ausl\u00e4nder und Asylanten propagandistisch zu f\u00f6rdern, indem sie unter der Rubrik \"Nachrichten von der \u00dcberfremdungsfront\" zahlreiche negative Meldungen \u00fcber diesen Personenkreis ver\u00f6ffentlichte. Der Druffel-Verlag in Berg am Starnberger See, der vom Vorsitzenden der Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik (GFP) Dr. Gert Sudholt geleitet wird, ist bem\u00fcht, \"unbeirrt den deutschen Standpunkt\" zu vertreten. Er gibt Literatur heraus mit dem Ziel, sowohl \"zeitgeschichtliche Quellen f\u00fcr eine sp\u00e4tere Geschichtsforschung zu sichern\" als auch \"gegen Umerziehung und Gehirnw\u00e4sche mit geistig-literarischen Waffen zu k\u00e4mpfen\". In der Verlagswerbung hie\u00df es, das Deutsche Reich sei \"ab 1940 unentrinnbar der gro\u00dfen Auseinandersetzung mit dem Osten\" entgegengegangen. Mit neuen Dokumenten zur \"Kriegsursachenfrage\" w\u00fcrden \"F\u00e4lschungen\" widerlegt und die \"etablierte Geschichtsschreibung\" in ihre Schranken gewiesen. Nach dem Willen der Sieger sollte \"die Zukunft f\u00fcr ganz Deutschland zu Ende sein\". \"Sensationelles Material\" dokumentiere, da\u00df es bei den \"alliierten Siegertribunalen\" nicht um Recht, sondern um \"Rache\" gegangen sei. Der 1977 von Dr. Gert Sudholt \u00fcbernommene T\u00fcrmer-Verlag in Berg am Starnberger See will einen \"Beitrag zum Geistesleben des .nicht umerzogenen' Teiles unseres Volkes\" leisten. Er gibt seit 1982 die \"Deutschen Monatshefte\" in einer Auflage von \u00fcber 5.000 Exemplaren heraus, die sich als \"wesentliches Organ deutscher Selbstbesinnung\" verstehen. Die Schrift wandte sich gegen die steigende \"\u00dcberfremdung\", den \"ungehemmten Zustrom von Ausl\u00e4ndern\" in das Bundesgebiet und den \"heute in erschreckendem Ma\u00dfe ge\u00fcbten und mit politischer Zielrichtung gegen die Bundesrepublik Deutschland forcierten Mi\u00dfbrauch\" des Asylrechts. Ferner erkl\u00e4rte sie, unter dem Stichwort \"Auschwitz-L\u00fcge\" bem\u00fche sich der Gesetzgeber in der Bundesrepublik Deutschland \"seit langer Zeit darum, jene Stimmen zum Schweigen zu bringen, welche die Behauptung bestreiten, es seien in Auschwitz und anderswo fabrikm\u00e4\u00dfig unz\u00e4hlbare Menschenmengen in entsprechenden Vorrichtungen (Gaskammern) mittels Gas (regelm\u00e4\u00dfig Blaus\u00e4uregas) zu Tode gebracht und anschlie\u00dfend verbrannt worden\". In einem Beitrag \"Ein Briefwechsel \u00fcber Dachau\" hie\u00df es, wenn ein Gesetz dazu verpflichte, die \"Zahl von 6 Millionen get\u00f6teter Juden nicht zu bezweifeln\", dann verpflichte dieses Gesetz dazu, \"an diese Zahl zu glauben und zwar ohne Darstellung und Akzeptanz von historischen Fakten\". Der Verlag Hohe Warte -- Franz von Bebenburg KG in Pahl, Landkreis Weilheim, gibt die Schrift \"Mensch und Ma\u00df\" heraus, die monatlich zweimal in einer Auflage von etwa 1.500 Exemplaren erscheint. Die Schrift kritisierte den \"Erw\u00e4hltheitsglauben\" des Judentums als religi\u00f6sen \"Imperialismus\", der einer Normalisierung des Verh\u00e4ltnisses zwischen Deutschen und Juden im Wege 141","stehe. Die aus dieser Einstellung resultierenden Lehren seien \"Zumutungen, die die anderen V\u00f6lker ablehnen m\u00fcssen\". Ein \"echtes j\u00fcdisches Nationalgef\u00fchl\" w\u00fcrde das Nationalgef\u00fchl eines jeden Volkes achten und sch\u00fctzen; die Haltung der j\u00fcdischen Mitb\u00fcrger gegen\u00fcber dem deutschen Volk sei aber dadurch gekennzeichnet, da\u00df man den Deutschen die Vergangenheit \"immer wieder mahnend vor Augen f\u00fchren\" wolle. Seit 1945 habe sich \"eine heue Erbs\u00fcndelehre ausgebildet\", die nur das deutsche Volk erfasse. Im Gefolge dieser Lehre sei auch eine \"neue Martyrologie\" entstanden, die \"in den ma\u00dflosen \u00dcbertreibungen der Berichte, sowohl was die Zahl der Opfer wie die Grausamkeit der Marter\" betreffe, den M\u00e4rtyrergeschichten des Urchristentums \u00e4hnlich sei. Entsprechendes gelte auch hinsichtlich der pauschalen \"gro\u00dfz\u00fcgigen Bestimmung der M\u00e4rtyrerzahlen\", wobei in der \"neuen Martyrologie\" immer \"auf die Millionen aufgerundet\" werde. Der Ederer-Verlag in M\u00fcnchen bot auch 1986 Publikationen an, in denen die NS-Verbrechen verharmlost werden. In den Prospekten hie\u00df es, da\u00df die \"Holocaust-Giftspritzen ein Teil einer gro\u00dfangelegten Reparationszahlungsstrategie\" seien, und \"das schmutzige Gesch\u00e4ft mit den j\u00fcdischen Leiden\" zwischen \"Zionisten und servilen Bonner Politikern auf Kosten des in der Bundesrepublik Deutschland lebenden deutschen Volksteiles abgewickelt\" werde. Die fr\u00fcher im Denk-mit-Verlag in N\u00fcrnberg erschienene Schrift \"Denk mit!\" wurde 1986 nicht mehr festgestellt. Ihr Herausgeber verb\u00fc\u00dfte bis November 1986 eine Freiheitsstrafe wegen Volksverhetzung und Aufstachelung zum Rassenha\u00df. Der Eigenverlag des Robert Dollinger in Bubenreuth, Landkreis ErlangenH\u00f6chstadt, trat 1986 ebenfalls nicht in Erscheinung. 7. Einflu\u00df des ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus Der Einflu\u00df des ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus auf Bayern zeigte sich insbesondere in der Einfuhr und Verbreitung vorwiegend neonazistischer und antisemitischer Druckschriften. 1986 wurden in Bayern 40 (1985: 55) verschiedene meist deutschoder englischsprachige Druckschriften, Flugbl\u00e4tter, Rundbriefe und Klebezettel festgestellt, die \u00fcberwiegend aus \u00d6sterreich, Kanada, Frankreich und aus den USA stammten. Die neonazistische NSDAP-Auslandsund Aufbauorganistion (NSDAP-AO) des Gary Rex Lauck aus Lincoln/Nebraska (USA) fordert die \"Ausschaltung des j\u00fcdischen Einflusses\", die \u00dcberwindung des \"Materialismus\" durch den Nationalsozialismus und die \"Neugr\u00fcndung der NSDAP als legale Partei\". Endziel sei die \"Schaffung eines nationalsozialistischen Staates in einem freien, souver\u00e4nen und neuvereinigten Gro\u00dfdeutschen Reich und die Errichtung einer Neuen Ordnung auf einer rassischen Grundlage in der gesamten arischen Welt\". In ihrem Publikationsorgan \"NS Kampfruf\" rief die NSDAP-AO zur Zellenbildung, zum \"Widerstand\" im Untergrund und zum Kampf \"mit allen illegalen Mitteln\" auf. Die Demokratie sei am Ende; sie versage auf allen Gebieten. Den \"aufgeblasenen Unrechtsstaat\" m\u00fcsse man \"aufstechen wie einen Absze\u00df\", denn er f\u00fchre zu \"totaler Vergiftung\". Ferner lie\u00df die NSDAP-AO seit 142","Rechtsextreme Publikationen des Auslands ^A0EU|r (r) NS KAMPFRUF KAMPFSCHRIFT DER NATIONALSOZULISTISCHEN DEUTSCHEN ARBEITERPARTEI AUSLANDS - UND AUFBAUORGANISATION SOMjElj 1985 (97) Mein Verh\u00e4ltnis zur NSDAP/AO gemeinsam Kameraden gezeigt, d i e w i e wir nicht Im propaituim H a m - gasid I st 1 sehen Untergrund sondern In aller \u00e4 t - sch Jahrefojit I Ichkel t und im Rahmen d e s bestehenden Syind Opfer unsere heutige stems f\u00fcr eine Neue Ordnung arbeiten. Gesinnungsgemeinschaft Um aber diese fortdauernde Bedeutuni] der d i e sich seit dem Verbot d e r A N S / NSDAP/AO f\u00fcr d i e B e f r e i u n g Deutschlands richtig * FRONT schart. Mit hundert en V o n hjegriiren und wUrOl gen z u k\u00f6nnen, mu\u00df m a n die Anhangern, einer Klaren Geschichte der nationalsozialistischen Bewegung durchdachten organisatorischen, stratejnd taktischen\" Konzeption und \u00dcberall Fortsetzung auf Saite 2 * Kiel b i s M\u00fcnchen und v o n Aachen nach : unsere Gemeinschaft heute Im Grunde Das Verbot der ANS/NA erneute Verurteilung - Jiese v o n m i r pers\u00f6nlich nie g e - tellte Auffassung a l s Irrtum erwiesen und e r - heut d i e bleibende Wichtigkeit des Kampfes der NSDAP/AO In Gegenwart und Zukunft auch f\u00fcr die 143","ROTFRONT WIR SIND VERRECKE! WIEDER DA! NSDAP-AO Box 6414, NSDAP-AO Box 6414. Lincoln. NE 68506 USA Lincoln, NE 68506 USA JETZT NSDAP! NSDAP-AO Box 6414, Lincoln, NE 68506 USA Mitte M\u00e4rz bundesweit W\u00fcrfelspiele mit dem Titel \"Jude \u00e4rgere Dich nicht\" versenden. Darauf waren sechs Davidsterne mit den Namen von Konzentrationslagern aufgezeichnet..Die Zielfelder trugen die Bezeichnung \"Gaskammer\". Jede Spielfigur sollte eine Million Juden symbolisieren. Auf der R\u00fcckseite des Spielplans war ein antisemitisches Pamphlet mit volksverhetzendem Inhalt abgedruckt. Die jeweils mit fingiertem Absender aufgegebenen Spiele gingen auch Adressaten in Bayern, vor allem Redaktionen von Sch\u00fclerzeitungen, zu. Au\u00dferdem wurden in Bayern Hakenkreuzaufkleber der NSDAP-AO mit Aufschriften wie \"NS-Verbot aufheben\", \"Wir sind wieder da\" und \"Ausl\u00e4nder raus\" verbreitet. Der Inhaber des in Toronto/Kanada ans\u00e4ssigen Verlags Samisdat Publishers Ltd. Ernst CF. Z\u00fcndel, der seit Jahren gegen den \"6-Millionen-Schwindel\" und die \"antideutsche Ha\u00dfpropaganda\" agitiert, rief in seinem auch in Bayern verbreiteten Rundbrief Nr. 71 dazu auf, ein gegen den Rechtsextremisten Thies Christophersen in Flensburg anh\u00e4ngiges Gerichtsverfahren zu besuchen und den Proze\u00df zu einem \"gro\u00dfartigen Volksaufkl\u00e4rungsfall\" umzuorganisieren. Man wolle besonders dem Ausland zeigen, \"durch welche Methoden und wieweit in Deutschland die einst stolze Justiz von den politischen Machthabern manipuliert und teilweise bereits korrumpiert wurde\". Die von dem \u00f6sterreichischen Rechtsextremisten Walter Ochensberger herausgegebene Zeitschrift \"Sieg\" ver\u00f6ffentlichte in der Ausgabe Juni/Juli 1986 Teile einer \"wissenschaftlichen\" Arbeit zur \"Vergasungstheorie\", wonach es \"legitime Gr\u00fcnde\" gebe, die Existenz von Gaskammern in den Konzentrationslagern des Dritten Reiches zu verneinen. Beim Versuch, diese Schrift in das Bundesgebiet zu verbringen, konnte die Bayerische Grenzpolizei zahlreiche Exemplare beschlagnahmen. Die Ausgabe vom August 1986 warf dem \"System\" vor, es wolle \"durch eine konsequente Ausl\u00e4nderintegrationsbzw. Gastarbeiterpolitik die rassische Zusammensetzung unseres Volkes ver\u00e4ndern und damit unsere v\u00f6lkische Eigenart zerst\u00f6ren\". Integration sei \"V\u00f6lkermord an allen beteiligten Rassen\". Ein Staat, der sich nicht f\u00fcr das \"\u00dcberleben des einheimischen Volkes\" einsetze, habe keine politische Daseinsberechtigung. 144","3. Abschnitt Extremistische Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 1. Allgemeines Am 31. Dezember 1986 hielten sich in Bayern 691.000 Ausl\u00e4nder auf, darunter rund 192.500 T\u00fcrken 120.100 Jugoslawen 78.000 \u00d6sterreicher 71.900 Italiener 47.900 Griechen und 11.000 Spanier. Die Anzahl der Ausl\u00e4nder hat sich somit gegen\u00fcber dem Jahre 1985 um etwa 23.200 Personen erh\u00f6ht. Wie in den vergangenen Jahren verhielt sich der weitaus gr\u00f6\u00dfte Teil der Ausl\u00e4nder im Gastland gesetzestreu und f\u00fchrte ein eher unpolitisches, auf die Privatsph\u00e4re beschr\u00e4nktes Leben. Die Bem\u00fchungen ausl\u00e4ndischer Extremisten, unter ihren Landsleuten weitere Anh\u00e4nger f\u00fcr ihre extremistischen Ziele zu gewinnen und dadurch die eigene Basis zu st\u00e4rken, blieben weitgehend erfolglos. Nur eine geringe Minderheit (1,2 %) der in Bayern lebenden Ausl\u00e4nder ist in extremistischen oder extremistisch beeinflu\u00dften Vereinigungen organisiert. Den letzteren Gruppen, die sich nach au\u00dfen oft als \"Betreuungsorganisationen\" darstellen, geh\u00f6ren auch Mitglieder an, die nicht aus politischer Motivation beigetreten sind, sondern dort lediglich gesellige Kontakte oder Unterst\u00fctzung bei der Bew\u00e4ltigung von Alltagsproblemen suchen. Dies schlie\u00dft indes nicht aus, da\u00df sie sp\u00e4ter unter dem Einflu\u00df von dort auftretenden Agitatoren deren extremistische Auffassungen \u00fcbernehmen und vertreten. Die Aktivit\u00e4ten der extremistischen und extremistisch beeinflu\u00dften Ausl\u00e4ndergruppen waren weiterhin von den Konflikten und Krisen in den Heimatl\u00e4ndern der Mitglieder, aber auch von der Situation der Ausl\u00e4nder im Bundesgebiet bestimmt. So agitierten ausl\u00e4ndische Extremisten gegen die behauptete Ausl\u00e4nderfeindlichkeit der deutschen Bev\u00f6lkerung sowie gegen die Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung und forderten die Einf\u00fchrung des Wahlrechts f\u00fcr Ausl\u00e4nder. Propagandistische Angriffe galten ferner der ausl\u00e4ndischen Staaten gew\u00e4hrten deutschen Wirtschaftshilfe und der Lieferung von R\u00fcstungsg\u00fctern an Regierungen der Heimatl\u00e4nder. Mit Versuchen, politische Bestrebungen in den 145","Heimatl\u00e4ndern durch gewaltorientierte Aktionen vom Gastland her zu initiieren oder zu f\u00f6rdern, beeintr\u00e4chtigten ausl\u00e4ndische Extremisten auch ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland. Die angespannte Lage am Arbeitsmarkt und die Besorgnis, eine extremistische Bet\u00e4tigung k\u00f6nne auch ausl\u00e4nderrechtliche Nachteile zur Folge haben, d\u00fcrften sich indes wie schon in den Vorjahren d\u00e4mpfend auf das Engagement ausl\u00e4ndischer Extremisten ausgewirkt und zum R\u00fcckgang der \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktivit\u00e4ten beigetragen haben. Linksextreme Ausl\u00e4ndergruppen fanden nach wie vor die Unterst\u00fctzung ideologisch gleichgesinnter deutscher Organisationen. Umgekehrt beteiligten sie sich auch an Aktionen deutscher Linksextremisten. Die Zahl der in Bayern erfa\u00dften extremistischen oder extremistisch beeinflu\u00dften Ausl\u00e4nderorganisationen verringerte sich auf 168 (1985: 169). In der folgenden \u00dcbersicht sind die in Bayern bestehenden extremistischen und extremistisch beeinflu\u00dften Vereinigungen nach ihren ideologischen Standpunkten und politischen Zielsetzungen aufgeschl\u00fcsselt. \u00d6rtlich selbst\u00e4ndige Gruppen sind dabei gesondert gez\u00e4hlt. OrthodoxNeue Linke Extrem IslamischGesamt kommunieinschlie\u00dflich nationaextremistische sozialrelistische stische Gruppen volution\u00e4re Gruppen Gruppen Gruppen \u00c4thiopier 2 2 -- -- 4 Afghanen -- 1 -- -- 1 Araber 3 6 -- -- 9 Griechen 32 1 1 -- 34 Iraner 2 4 1 1 8 Italiener 5 _ 3 -- 8 Jugoslawen 1 1 11 -- 13 Kurden 12 -- -- -- 12 Pakistaner -- 5 -- -- 5 Spanier 2 -- -- -- 2 T\u00fcrken 9 25 12 22 68 Sonstige 1 -- 1 2 4 Gesamt 69 45 29 25 168 Die Mitgliederzahl der extremistischen und extremistisch beeinflu\u00dften Ausl\u00e4ndergruppen in Bayern ist von etwa 9.000 im Jahre 1985 auf rund 8.500 zur\u00fcckgegangen. Bei den kurdischen Gruppierungen zeigte insbesondere die orthodox-kommunistische Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) eine zunehmende Bereitschaft zur Gewaltanwendung. Vereinigungen der t\u00fcrkischen Neuen Linken streben nach 146","wie vor den gewaltsamen Sturz der t\u00fcrkischen Regierung an. Diese militanten Organisationen stellen weiterhin eine Gef\u00e4hrdung der \u00f6ffentlichen Sicherheit dar. Die von pal\u00e4stinensischen Gruppen ausgehenden Sicherheitsrisiken haben sich auch durch die Krise innerhalb der Pal\u00e4stinensischen Befreiungsorganisation (PLO) nicht verringert. Abgesplitterte Terrorgruppen, die von Gegnern der USA und Israels unterst\u00fctzt werden, bedeuten eine erh\u00f6hte Gefahr insbesondere f\u00fcr amerikanische und israelische Einrichtungen im Bundesgebiet. 2. \u00c4thiopische Gruppen Die Eritreische Befreiungsfront (ELF) und die Eritreische Volksbefreiungsfront (EPLF) wollen mit ihrem bewaffneten Kampf gegen die sozialistische \u00e4thiopische Regierung die Befreiung und Unabh\u00e4ngigkeit der \u00e4thiopischen Provinz Eritrea erreichen. Beide Gruppierungen konnten sich auch 1986 trotz \u00fcbereinstimmender Zielsetzung nicht auf einen gemeinsamen Kurs einigen. Die EPLF lehnt eine Ann\u00e4herung an Moskau ab, w\u00e4hrend die ELF bereit w\u00e4re, sich im eritreischen Befreiungskampf auch von der UdSSR unterst\u00fctzen zu lassen. In Bayern traten Anh\u00e4nger beider Gruppen vorwiegend im Raum N\u00fcrnberg-Erlangen mit Filmvorf\u00fchrungen, Vortr\u00e4gen und Diskussionen an die \u00d6ffentlichkeit. Die EPLF f\u00fchrte am 8. M\u00e4rz in N\u00fcrnberg eine Veranstaltung zum Internationalen Frauentag sowie am 15. November in M\u00fcnchen ein \"Eritreisches Fest\" mit rund 140 bzw. 200 Teilnehmern durch. 3. Afghanische Gruppen Die Sektion M\u00fcnchen der AWARAGAN-Demokratische Organisation der Afghanen im Ausland wurde Mitte 1985 von ehemaligen Mitgliedern des zuvor aufgel\u00f6sten Vereins der Afghanen und afghanischen Studenten M\u00fcnchen -- Mitglied der GUAfS* e.V. gegr\u00fcndet. Weitere Sektionen der AWARAGAN bestehen in Essen, Hamburg, Hannover und Karlsruhe. Die AWARAGAN will den \"nationalen Befreiungskampf\" des afghanischen Volkes gegen die milit\u00e4rische Intervention der UdSSR in Afghanistan materiell und ideell unterst\u00fctzen und betrachtet diesen \"Widerstand gegen die sowjetischen Aggressoren und ihre Lakaien\" als \"Teil des internationalen Befreiungskampfes der V\u00f6lker gegen Imperialismus, Sozialimperialismus und Reaktion\". So wendet sie sich vor allem gegen den \"sowjetischen Sozialimperialismus\", aber auch gegen die USA und \"andere westliche Imperialisten\" sowie gegen die \"reaktion\u00e4ren Regime\" in China, Pakistan und dem Iran. Am 22. M\u00e4rz feierte die Sektion M\u00fcnchen der AWARAGAN ihr Neujahrsfest. Daran beteiligten sich rund 240 Personen, darunter etwa 50 Deutsche. Ein Redner behandelte die politische Lage in Afghanistan und die Situation afghanischer Fl\u00fcchtlinge in Pakistan. * Die seitdem in Bayern organisatorisch nicht mehr vertretene Generalunion der Afghanen und afghanischen Studenten e.V. (GUAfS) ist eine Gruppierung der dogmatischen Neuen Linken. 147","4. Arabische Gruppen Die 1964 gegr\u00fcndete Pal\u00e4stinensische Befreiungsorganisation (PLO) ist die Dachorganisation der pal\u00e4stinensischen Befreiungsbewegung. Vorsitzender des Exekutivkomitees der PLO ist Yassir Arafat, der zugleich die zahlenm\u00e4\u00dfig st\u00e4rkste PLO-Organisation Al Fatah leitet. Bei den in der PLO lose zusammengef\u00fcgten Guerillagruppen bestehen erhebliche Meinungsverschiedenheiten \u00fcber die politische und milit\u00e4rische Strategie zur L\u00f6sung des Pal\u00e4stinenserproblems. So war die Lage des pal\u00e4stinensischen Widerstandes auch 1986 von Streitigkeiten und Richtungsk\u00e4mpfen gekennzeichnet. W\u00e4hrend die Al Fatah trotz ihrer grunds\u00e4tzlichen Bereitschaft zur Anwendung von Gewalt weiterhin Verhandlungsbereitschaft erkennen lie\u00df, riefen die orthodox-kommunistisch orientierte Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (PFLP) und weitere PLOGruppierungen, die sich mit Fatah-Dissidenten in der 1985 gebildeten, von Syrien abh\u00e4ngigen Pal\u00e4stinensischen Nationalen Rettungsfront mit Hauptsitz in Damaskus zusammengeschlossen haben, zum gemeinsamen Kampf gegen Israel und zum Sturz von Arafat auf. Die orthodox-kommunistische Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (DFLP), die der Pal\u00e4stinensischen Nationalen Rettungsfront nicht angeh\u00f6rt, arbeitete teilweise mit der Al Fatah zusammen, womit sie offenbar zur Wiederherstellung der \"Einheit der PLO\" beitragen wollte. Der auf Initiative der PLO gegr\u00fcndete Pal\u00e4stinensische Arbeiterverband in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin (PAV) ist ma\u00dfgeblich von der Al Fatah beeinflu\u00dft. Er hat die Aufgabe, die Al Fatah in ihrem Kampf f\u00fcr einen Pal\u00e4stinenserstaat materiell und ideell zu unterst\u00fctzen und f\u00fcr die Ziele der Pal\u00e4stinenser im Gastland zu werben. \u00d6rtliche Untergliederungen sind der Verein Pal\u00e4stinensischer Arbeiter M\u00fcnchen (VPA) und der Pal\u00e4stinensische Arbeiterverband (PAV) in N\u00fcrnberg, die loyal zu Arafat stehen. Der VPA und eine \u00f6rtliche Gruppierung der DFLP f\u00fchrten am 22. M\u00e4rz in M\u00fcnchen eine gemeinsame Veranstaltung zum Gedenken an die Schlacht von Al Karameh (21. M\u00e4rz 1968) durch. Im Mittelpunkt der Feier stand ein Referat des aus Bonn angereisten PLO-Vertreters Di\\ Abdallah Frangi. Arafats Gegnern ist das linksextrem beeinflu\u00dfte, im Fr\u00fchjahr 1985 in N\u00fcrnberg entstandene Pal\u00e4stina-Libanon-Komitee (PLK) zuzurechnen, das Mitte Januar mit Versammlungen aus Anla\u00df der Gr\u00fcndung der PLO und Ende November mit einer Feier zum \"Internationalen Solidarit\u00e4tstag mit dem pal\u00e4stinensischen Volk\" in Erscheinung trat. Daneben fand am 12. April in N\u00fcrnberg eine gemeinsame Veranstaltung des PLK und des PAV N\u00fcrnberg zum \"Tag des Bodens\" (30. M\u00e4rz 1976) statt, bei der die zwischen beiden Gruppen bestehenden ideologischen Gegens\u00e4tze offenbar zur\u00fcckgestellt wurden. 5. Griechische Gruppen Die auch im Bundesgebiet aktive Kommunistische Partei Griechenlands (KKE-Ausland) mit Sitz in Athen ist der orthodox-kommunistische Teil der seit Februar 1968 gespaltenen Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE). Sie erkennt -- im Gegensatz zur national-kommunistisch orientierten Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE-Inland) -- die f\u00fchrende Rolle der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) an und nimmt f\u00fcr sich in An148","PALASTINA-LIBANON KOMITEE L\u00c4DT EIN ZU VERANSTALTUNGEN ANL\u00c4SSLICH DES 2 1 GR\u00dcNDUNGSTAGES DER P L O 1SSSSEI1986 . I|S| [^ degER D E S I BR\u00dcCKENSTR 23 j --_ ab18Uhr FR-10.01.1986: FILM U. VORTRAG \u00dcBER LIBANON, UND DIE LAGE DER PLOSO.12.01.1986 SOLIDARIT\u00c4TSFEST mit * Q j i I jllQ - lateinamerikanischer, griechischer, libanesischer und pal\u00e4stinensischer Musik. 149","spruch, die Kommunistische Partei Griechenlands zu sein. Organe der KKEAusland und ihrer Jugendorganisation Kommunistische Jugend Griechenlands (KNE) sind die auch im Bundesgebiet verbreiteten Schriften \"Risospastis\" (Der Radikale), \"Kommounistiki Epitheorisi\" (Kommunistische Revue) und \"Prowlimata tis Irinis ke tou Sosialismou\" (Probleme des Friedens und des Sozialismus) bzw. \"Odigitis\" (Der F\u00fchrer). Seit Jahren bestehen enge Verbindungen der KKE-Ausland zur Deutschen Kommunistischen Partei (DKP). So beteiligten sich Mitglieder der KKE-Ausland im Juni 1986 mit Informationsst\u00e4nden am allj\u00e4hrlichen Zelt-Fest der DKP in N\u00fcrnberg. Die KKE-Ausland und ihre Jugendorganisation, deren Aktivit\u00e4ten sich im allgemeinen auf interne Veranstaltungen beschr\u00e4nkten, waren auch 1986 bestrebt, ihre Funktion\u00e4re und Mitglieder in die Vorstandschaften der griechischen Ausl\u00e4ndervereine w\u00e4hlen zu lassen, um ihren Einflu\u00df zu erweitern. Politische Schwerpunkte ihrer Forderungen waren wie im Vorjahr der Austritt Griechenlands aus der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft und der NATO sowie die Aufl\u00f6sung der US-Milit\u00e4rbasen in Griechenland. \u00dcberregional bem\u00fchten sich sowohl die KKE-Ausland als auch die KNE um St\u00e4rkung ihrer Positionen im Verband Griechischer Gemeinden in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin (OEK) und im Verband Griechischer Studentenvereine in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin (OEFE). Diesen orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Dachverb\u00e4nden geh\u00f6rt der \u00fcberwiegende Teil der in Bayern bestehenden Griechischen Gemeinden und Studentenvereine an. 6. Iranische Gruppen 6.1 Orthodoxe Kommunisten Die orthodox-kommunistische Tudeh-Partei, die am 4. Mai 1983 im Iran verboten und aufgel\u00f6st wurde, ist im Bundesgebiet \u00fcberwiegend konspirativ t\u00e4tig. Neben Verbindungen zur Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) unterh\u00e4lt sie auch Kontakte zu kommunistischen Organisationen im Nahen Osten. In ihrer Wochenzeitschrift \"Nameh Mardom\" (Botschaft des Volkes) bekannte sie sich zum bewaffneten Kampf und forderte den Sturz der iranischen Regierung durch Anwendung revolution\u00e4rer Gewalt. Die Herausgabe der deutschsprachigen Monatszeitschrift \"Iran aktuell\" und der Publikation \"Rahe Tudeh\" (Weg der Tudeh) wurde 1986 eingestellt. Die von Anh\u00e4ngern der Tudeh-Partei in Bayern verteilten Flugbl\u00e4tter befa\u00dften sich vorwiegend mit Hinrichtungen im Iran, der unzufriedenen Stimmung der dortigen Bev\u00f6lkerung, dem irakisch-iranischen Krieg, innerparteilichen Vorg\u00e4ngen sowie dem Asylantenproblem in der Bundesrepublik Deutschland. In der von der Tudeh-Partei beeinflu\u00dften Organisation Iranischer Studenten (O.I.S.) -- Sympathisanten der Organisation der Volksfedayin des Iran (Mehrheit) haben sich im Bundesgebiet die Anh\u00e4nger der Organisation der Volksfedayin des Iran (Mehrheit) gesammelt. Diese Gruppierung hatte sich 1980 wegen ideologischer Differenzen von der im Jahre 1971 im Iran gegr\u00fcndeten marxistisch-leninistischen Guerilla-Organisation der Volksfedayin im Iran, die ma\u00dfgeblich am Umsturz im Iran beteiligt war, abgespalten. Die O.I.S. trat in Bayern vorwiegend im Raum N\u00fcrnberg mit Mahnwachen, Informationsst\u00e4nden und Verbreitung ihres \"Iran-Informationsblatts\" in Erscheinung, in 150","dem sie u.a. \u00fcber den 8. Parteitag der DKP (2. bis 4. Mai 1986) in Hamburg sowie \u00fcber die Reise einer Delegation der O.I.S. zum 27. Parteitag der KPdSU berichtete. An die Agitationsthemen der Tudeh-Partei ankn\u00fcpfend warf sie ferner den \"Rechtskr\u00e4ften\" in der Bundesrepublik Deutschland eine \"Kampagne gegen die Fl\u00fcchtlinge und das Asylrecht\" vor und erkl\u00e4rte, die \"provokatorische Berichterstattung\" der b\u00fcrgerlichen Massenmedien solle \"\u00dcberlastung der Fl\u00fcchtlingsaufnahmelager\" vorspiegeln; bei genauer Betrachtung der Fakten und Zahlen stelle sich indes der \"Wirbel um die Asylantenflut als L\u00fcgenkampagne der Bundesregierung\" heraus. 6.2 Neue Linke Die Anh\u00e4nger der im Iran als Guerillak\u00e4mpfer t\u00e4tigen Volksmojahedin haben sich im Bundesgebiet in der Iranischen Moslemischen Studenten-Vereinigung Bundesrepublik Deutschland (IMSV) zusammengeschlossen, die bis Anfang Februar 1986 die Bezeichnung Moslemische Studentenvereinigungen -- Sympathisanten der Organisation der Volksmojahedin Iran (MSV-W.Germany) -- MSV -- f\u00fchrte. Die Volksmojahedin, eine Organisation islamischer Fundamentalisten mit marxistischer Pr\u00e4gung, waren ma\u00dfgeblich an der Revolution im Iran beteiligt, gerieten aber nach dem Unisturz zunehmend in Opposition zu dem neuen Regime. Ihr bewaffneter Widerstand gegen die derzeitige iranische Regierung begann am 20. Juni 1981. Damals hatten w\u00e4hrend einer Gro\u00dfdemonstration der Volksmojahedin in Teheran regierungstreue Sicherheitskr\u00e4fte auf die Menge gefeuert und dabei nach Angaben der Volksmojahedin 80 Demonstranten get\u00f6tet. Der Generalsekret\u00e4r der Volksmojahedin Massoud Radjavi, der sich seit Sommer 1981 in Frankreich im Exil aufgehalten hatte, verlie\u00df am 7. Juni mit seinen engsten Mitarbeitern das Land und begab sich nach Bagdad. In M\u00fcnchen trafen sich am 25. Januar rund 80 Sympathisanten der Volksmojahedin aus dem gesamten Bundesgebiet. Ein Videofilm zeigte Szenen vom Guerillakampf der Volksmojahedin gegen iranische Regierungstruppen in der Kurdenregion. Eine weitere Videoaufzeichnung w\u00fcrdigte die Person und die Politik Radjavi's. Am 7. Februar fand in Bonn ein Aufzug der IMSV statt, an dem sich rund 1.200 Personen, darunter auch Demonstranten aus Bayern, beteiligten. Anla\u00df der Kundgebung war der 4. Todestag von 20 Volksmojahedin, die am 8. Februar 1982 bei einer Razzia der iranischen Beh\u00f6rden in ihrem St\u00fctzpunkt erschossen wurden. Unter den damaligen Opfern befanden sich auch der f\u00fchrende Widerstandsk\u00e4mpfer Mussa Khiabani und die Ehefrau des Generalsekret\u00e4rs der Volksmojahedin Aschraf Radjavi. Anh\u00e4nger der IMSV aus Bayern reisten ferner zu einer Demonstration am 20. Juni in Bonn, die unter dem Motto \"Protest gegen Massaker am 20. Juni 1981 durch das Khomeini-Regime im Iran und Verehrung des Tages der M\u00e4rtyrer und politischen Gefangenen\" stand. In der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone in M\u00fcnchen wurde 1986 regelm\u00e4\u00dfig das Publikationsorgan der IMSV \"Freiheit f\u00fcr Iran\" verteilt. Am 11. Dezember durchsuchte die Polizei ein B\u00fcro der IMSV in M\u00fcnchen. Anla\u00df dieser Ma\u00dfnahme war ein Hinweis, da\u00df die IMSV bei der Schulung ihrer Mitglieder Filme mit Anleitungen zu Sabotageakten vorf\u00fchre, wobei ausw\u00e4rtige 151","Besucher durch ihre Teilnahme vielfach gegen aufenthaltsbeschr\u00e4nkende beh\u00f6rdliche Verf\u00fcgungen verstie\u00dfen. Bei der Durchsuchungsaktion stellte die Polizei Beweismaterial sicher und nahm 21 im B\u00fcro anwesende Iraner vor\u00fcbergehend fest. In Protestschreiben betonte die IMSV, da\u00df sich ihre Aktivit\u00e4ten im Bundesgebiet gegen die iranische Regierung stets im Rahmen der geltenden Gesetze bewegt h\u00e4tten. Das Vorgehen der Polizei erwecke den Eindruck, da\u00df ihm \"ein Komplott des menschenfeindlichen Khomeini-Regimes\" zugrunde liege. Die 1984 gegr\u00fcndete Organisation Iranischer Demokraten im Ausland (OIDA), die ein Sammelbecken linksoppositioneller Iraner darstellt, wird vorwiegend von Anh\u00e4ngern der iranischen Neuen Linken beeinflu\u00dft. Sie will durch Unterst\u00fctzung revolution\u00e4rer Kr\u00e4fte im Iran zum Sturz des \"reaktion\u00e4ren Regimes\" beitragen. Ferner bek\u00e4mpft sie den Einflu\u00df des \"Imperialismus\" und ruft dazu auf, dessen Praktiken nicht nur im Iran, sondern in der ganzen Welt zu entlarven. Die Ortsgruppe M\u00fcnchen der OIDA forderte in ihren Publikationen und bei Veranstaltungen, mit denen sie sich auch an Asylbewerber wandte, die Beendigung des Golfkrieges sowie die Einstellung der Waffenlieferungen an den Irak und den Iran. Die Organisation der Iranischen Studenten in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin, Sympathisanten der Volksfedayin Guerilla Iran (Ashraf-Deghani-Anh\u00e4nger) -- O.I.P.F.G. -- , die den gewaltsamen Sturz der iranischen Regierung erstrebt, trat in Bayern seit April 1986 insbesondere durch Verbreitung von Flugbl\u00e4ttern in Erscheinung. Darin wandte sie sich gegen Imperialismus, Reformismus, Revisionismus und Demagogie und rief mit Parolen wie \"Es lebe die Revolution\" zur Verwirklichung des \"Sozialismus\" auf. Ferner bezichtigte sie die Bundesregierung, eine \"Panikund Angstkampagne gegen Asylbewerber\" zu sch\u00fcren, um dadurch Geld zu sparen, das dann direkt den \"menschenfeindlichen\" Projekten der \"Kapitalisten und ihrer Regierung\" wie z.B. der R\u00fcstungsindustrie und Atomwirtschaft zuflie\u00dfen k\u00f6nne. 7. Italienische Gruppen Die orthodoxe Kommunistische Partei Italiens (PCI), deren Parteiorgan die in Italien gedruckte Zeitschrift \"L'Unita\" ist, bet\u00e4tigt sich auch in der Bundesrepublik Deutschland. Sie gliedert sich hier in die Gebietsf\u00f6derationen K\u00f6ln (Nord), Frankfurt a.M. (Mitte) und Stuttgart (S\u00fcd). In Bayern bestehen Bezirkskomitees in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg sowie eine Ortsgruppe in Augsburg. Die Mitgliederzahlen und Aktivit\u00e4ten waren weiterhin r\u00fcckl\u00e4ufig. Beim allj\u00e4hrlichen \"Festa dell'Unita\" der PCI am 7. Dezember in M\u00fcnchen sprach ein Mitglied des Zentralkomitees der PCI vor rund 130 Teilnehmern \u00fcber die politische Lage in Italien. Der im Jahre 1970 in Frankfurt a.M. gegr\u00fcndete Italienische Verband der Gastarbeiter und ihrer Familien (FILEF) ist eine von der orthodox-kommunistischen PCI beeinflu\u00dfte Betreuungsorganisation, deren Mitglieder h\u00e4ufig auch Anh\u00e4nger der PCI sind. Als Publikationsorgane der FILEF erscheinen die Zeitschriften \"Emigrazione\" und \"Emigrazione Oggi\" (Emigration heute). Der Verband ist im Bundesgebiet der Organisationsstruktur der PCI entsprechend in 152","drei Zonen (Nord, Mitte, S\u00fcd) gegliedert. In Bayern bestehen Ortsgruppen in Landshut und M\u00fcnchen, die auch 1986 nicht \u00f6ffentlich in Erscheinung traten. Die extrem nationalistische Movimento Sociale Ita\u00fcano -- Destra Nazionale -- MSI-DN -- (Soziale Italienische Bewegung -- Nationale Rechte), die 1980 mit dem Aufbau eines Parteiapparates im Bundesgebiet begonnen hatte, entwickelte wie im Vorjahr in Bayern keine nennenswerten Aktivit\u00e4ten. 8. Jugoslawische Gruppen 8.1 Kroatischer Nationalrat (HNV) Der im Februar 1974 in Toronto/Kanada gegr\u00fcndete nationalistisch ausgerichtete HNV versteht sich als Dachorganisation der kroatischen Widerstandsbewegungen auf internationaler Ebene. Sein Ziel ist die Wiederherstellung des \"unabh\u00e4ngigen Staates Kroatien\" in seinen ethnischen Grenzen, wobei er f\u00fcr das kroatische Volk das Recht beansprucht, auf eigenem Boden durch Revolution und bewaffneten Kampf seine nationale Freiheit und staatliche Unabh\u00e4ngigkeit zu verwirklichen. Oberstes Organ des HNV ist das im Turnus von zwei Jahren gew\u00e4hlte Parlament (SABOR). Als Basisinstitutionen des HNV bestehen im Bundesgebiet rund 20 Ortsaussch\u00fcsse, deren Arbeit von einem Koordinationsausschu\u00df mit Sitz in Stuttgart gesteuert wird. Publikationsorgan des HNV ist die unregelm\u00e4\u00dfig erscheinende Zeitschrift \"Vjesnik\" (Bote). Mit einer Festveranstaltung am 5. April in M\u00fcnchen gedachten nationalistisch orientierte kroatische und albanische Emigrantenorganisationen, darunter der HNV und dessen Mitgliedsorganisation Kroatisches Nationalkomitee in Europa (HNO) sowie die Nationaldemokratische Liga der Albanischen Treue (N.D.SH.) der Gr\u00fcndung des \"Unabh\u00e4ngigen Staates Kroatien\" (10. April 1941). Die Feierlichkeiten, an denen etwa 200 Emigranten teilnahmen, waren von sachlichen und pers\u00f6nlichen Auseinandersetzungen gekennzeichnet. Den Ansto\u00df hierzu hatte ein Artikel im HNO-Organ \"Hrvatska Drzava\" gegeben, der sich mit der Staatsgr\u00fcndung von 1941 befa\u00dfte. In einer Flugblattaktion kritisierte der HNV die wirtschaftliche Situation in Jugoslawien, wobei er vor allem auf den von Funktion\u00e4ren betriebenen hohen finanziellen Aufwand f\u00fcr pers\u00f6nliche Bed\u00fcrfnisse verwies. Besonders massive Kritik erfuhr die \u00fcberh\u00f6hte Pr\u00e4senz von Milit\u00e4rund Sicherheitskr\u00e4ften, die den Haushalt des jugoslawischen Staates belaste. 8:2 Kroatische Staatsbildende Bewegung (HDP) Die HDP, die im Juni 1981 von Exponenten des \"Kroatischen Fr\u00fchlings\" als Gegenpol zum HNV gegr\u00fcndet wurde, versteht sich als Sammelbecken linksorientierter kroatischer Emigranten. Sie will den \"Vielv\u00f6lkerstaat\" Jugoslawien mit allen Mitteln zerschlagen und propagiert Gewalt innerhalb und au\u00dferhalb Jugoslawiens als \"legitimes Mittel\" zur Durchsetzung ihrer Ziele. Publikationsorgan der HDP ist die Zeitschrift \"Hrvatski Tjednik\" (Kroatisches Wochenblatt). Die HDP versuchte auch 1986, ihren Einflu\u00df auf die kroatische Emigration durch intensive Mitgliederwerbung zu erweitern. 153","9. Kurdische Gruppen Die im Bundesgebiet aktiven Organisationen kurdischer Linksextremisten erstreben die Errichtung eines autonomen Kurdenstaates, der die von Kurden bewohnten Gebiete im Irak, im Iran, in Syrien und in der T\u00fcrkei umfassen soll. In Bayern bet\u00e4tigen sich durchwegs orthodox-kommunistische kurdische Gruppen, die in Teilbereichen eine zunehmende Bereitschaft zur Gewaltanwendung erkennen lie\u00dfen. 9.1 Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Die orthodox-kommunistische PKK mit Sitz in K\u00f6ln bekennt sich zum Marxismus-Leninismus und f\u00fchlt sich allen sozialistischen L\u00e4ndern, insbesondere der Sowjetunion, nach den \"Prinzipien des proletarischen Internationalismus\" verbunden. Sie bef\u00fcrwortet den bewaffneten Kampf in der T\u00fcrkei und versteht die von ihr propagierte \"Revolution Kurdistans\" als \"Teil der mit der Oktoberrevolution begonnenen und mit den nationalen Befreiungsbewegungen st\u00e4ndig verst\u00e4rkten Revolution des Weltproletariats\". In den vergangenen Jahren hat sie sich zu einer besonders militanten Organisation entwickelt. So geht sie gegen \"Verr\u00e4ter\" und Dissidenten in den eigenen Reihen mit \"Bestrafungsaktionen\" vor, die von Erpressung \u00fcber K\u00f6rperverletzung bis hin zum Mord reichen. Als Organe der PKK erscheinen die Schriften \"Kurdistan Report\", \"Serxwebun\" (Unabh\u00e4ngigkeit) und \"Berxwedan\" (Widerstand). Ortsgruppen der PKK f\u00fchrten in Bayern mehrere Veranstaltungen durch, in deren Verlauf die Redner zum bewaffneten Widerstand in der Heimat und zu vermehrten Spenden f\u00fcr den kurdischen \"Freiheitskampf\" aufriefen. Etwa 100 Anh\u00e4nger der PKK aus ganz Bayern, darunter auch einige irakische Kurden aus Asylantenlagern, protestierten am 19. August im B\u00fcro des SPD-Unterbezirks N\u00fcrnberg gegen einen vier Tage zuvor erfolgten Angriff der t\u00fcrkischen Luftwaffe auf Stellungen kurdischer Rebellen im Irak. Am 9. August fand in Hannover eine Solidarit\u00e4tsveranstaltung anl\u00e4\u00dflich des 2. Jahrestages der Gr\u00fcndung der PKK-Frontorganisation Befreiungseinheiten Kurdistans (HRK) in der T\u00fcrkei statt. Daran nahmen rund 4.000 Anh\u00e4nger der PKK aus dem gesamten Bundesgebiet und dem angrenzenden westlichen Ausland teil. Spruchb\u00e4nder und Plakate enthielten Parolen wie \"Es lebe die PKK\" und \"Es lebe die HRK\". Eine Spendensammlung zugunsten der k\u00e4mpfenden Genossen in der Heimat erbrachte rund 45.000 DM. \u00dcber 5.000 Kurden aus dem Inund Ausland beteiligten sich am 20. Dezember in Hannover an einer Gro\u00dfveranstaltung der PKK anl\u00e4\u00dflich des 8. Jahrestages ihrer Gr\u00fcndung. In der Er\u00f6ffnungsrede w\u00fcrdigte ein Teilnehmer die Arbeit der PKK in den vergangenen Jahren und erkl\u00e4rte, im Jahre 1986 seien nur 30 kurdische Partisanen, aber etwa 500 t\u00fcrkische Soldaten get\u00f6tet worden. Der PKKVorsitzende Abdullah \u00d6calan verurteilte in einer als Videoaufzeichnung vorgef\u00fchrten Rede jedes Abweichlertum innerhalb der Partei. Au\u00dferdem wurde bekanntgegeben, da\u00df eine Spendenaktion der PKK rund zwei Millionen DM erbracht habe. Die im M\u00e4rz 1984 von Mitgliedsvereinen der PKK gegr\u00fcndete F\u00f6deration der patriotischen Arbeiter: und Kulturvereinigungen aus Kurdistan in der Bun154","urdisches Neujahrsfest \"EF\u00d6ffetHiig ftber ah s\u00e4tfoe\u00dfe .-xappefi Veranstalter: FEYKA-KU RDI STAN (Patriotische Arbeiterund Kulturvereine aus Kurdistan in der BRD) 155","desrepublik Deutschland (FEYKA-Kurdistan) mit Sitz in K\u00f6ln vertritt die Interessen der PKK. Sie trat am 2. M\u00e4rz in N\u00fcrnberg mit einer Feier zum kurdischen Neujahrsfest in Erscheinung, an der sich rund 500 Personen beteiligten. Einem Aufruf der FEYKA-Kurdistan, aus Solidarit\u00e4t mit der kurdischen Widerstandsbewegung am 31. Mai in Bonn gegen die t\u00fcrkische Regierung zu demonstrieren, folgten \u00fcber 3.000 Personen, darunter auch rund 250 Teilnehmer aus Bayern. Im Aufzug mitgef\u00fchrte Transparente in deutscher, t\u00fcrkischer und kurdischer Sprache enthielten Aufschriften wie \"Es lebe Kurdistan\" und \"Es lebe unser Kampf um die nationale Befreiung\". Sprecher der Kurden verurteilten die \"brutalen Unterdr\u00fcckungsmethoden\" der t\u00fcrkischen Regierung. Anl\u00e4\u00dflich des 6. Jahrestages der Macht\u00fcbernahme durch das Milit\u00e4r in der T\u00fcrkei (12. September 1980) fand am 6. September in K\u00f6ln eine von der FEYKAKurdistan organisierte Protestdemonstration statt. An der Kundgebung beteiligten sich rund 3.000 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet, darunter auch Anh\u00e4nger der PKK aus Bayern. Die FEYKA-Kurdistan hatte in einem Aufruf zur Demonstration an alle \"fortschrittlichen, demokratischen und antifaschistischen Menschen\" appelliert, die \"elenden, menschenverachtenden Praktiken des faschistischen t\u00fcrkischen Kolonialismus\" und der \"tollw\u00fctigen t\u00fcrkischen Armee\" zu \"entlarven\". Die im M\u00e4rz 1985 auf Initiative von F\u00fchrungsfunktion\u00e4ren der PKK gegr\u00fcndete Nationale Befreiungsfront Kurdistans (ERNK) tritt f\u00fcr eine \"revolution\u00e4re Politik der nationalen Befreiung\" ein und will den \"t\u00fcrkischen Kolonialismus\" in einem langfristigen Volkskampf zerschlagen. Anh\u00e4nger der ERNK besetzten am 11. und 24. Februar den 4. Stock des Gewerkschaftshauses in N\u00fcrnberg. Mit diesen Aktionen wollten sie insbesondere gegen die Behandlung inhaftierter Kurden in t\u00fcrkischen Gef\u00e4ngnissen protestieren. Am 26. August blockierten rund 60 Anh\u00e4nger der ERNK die Eingangshalle einer Zeitungsredaktion in N\u00fcrnberg. Auf Plakaten, Transparenten und Flugbl\u00e4ttern wandten sie sich insbesondere gegen die Bombardierung kurdischer Stellungen durch die t\u00fcrkische Luftwaffe am 15. August. \u00c4hnliche Protestaktionen waren seit Mitte August auch im \u00fcbrigen Bundesgebiet zu verzeichnen. 9.2 F\u00f6deration der Arbeitervereine aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (KOMKAR) Der orthodox-kommunistischen KOMKAR mit Sitz in K\u00f6ln geh\u00f6ren in Bayern Mitgliedsvereine in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg an. Als neues Organ des Dachverbands erscheint seit Sommer 1986 alle zwei Monate das deutschsprachige \"Informationsbulletin Kurdistan\". Verbindungen bestehen zur Deutschen Kommunistischen Partei (DKP); so erschien eine Delegation der KOMKAR zum 8. Parteitag der DKP in Hamburg. Unter dem Motto \"Gleiche Rechte f\u00fcr die kurdischen Emigranten in der Bundesrepublik, Kommunales Wahlrecht f\u00fcr Ausl\u00e4nder, Menschenrechte und Demokratie in der T\u00fcrkei und in T\u00fcrkisch-Kurdistan\" hielt die KOMKAR am 7.IQ. Juni in K\u00f6ln ihren 8. Bundeskongre\u00df ab. An der Veranstaltung nahmen rund 500 Delegierte, Mitglieder und G\u00e4ste teil. Eine Vertreterin der DKP \u00fcbte heftige Kritik an der T\u00fcrkeireise des Bundespr\u00e4sidenten. Die Delegierten best\u00e4tigten den bisherigen KOMKAR-Vorsitzenden Nuh Ates in seiner Funktion. 156","Sie verabschiedeten ferner sechs Beschlu\u00dfvorlagen, die Forderungen wie \"Solidarit\u00e4t mit den nationalen Befreiungsk\u00e4mpfen\", \"Anerkennung der nationalen Existenz des kurdischen Volkes\" und \"Generalamnestie f\u00fcr die politischen Gefangenen in der T\u00fcrkei\" enthielten. ' Der Kurdische Arbeiter-Solidarit\u00e4tsverein, ein Mitgliedsverein der KOMKAR, errichtete am 19. April in M\u00fcnchen einen Informationsstand zum Thema \"T\u00fcrkei -- Kurdistan\". Die Kurdistan Arbeitervereinigung in N\u00fcrnberg e.V., ein weiterer Mitgliedsverein der KOMKAR, war 1986 nicht erkennbar aktiv. 9.3 Vereinigung der Studenten Kurdistans im Ausland (AKSA) Die Ortsgruppe M\u00fcnchen der orthodox-kommunistischen AKSA war Mitveranstalterin einer Feier anl\u00e4\u00dflich des kurdischen Neujahrstages am 5. April in M\u00fcnchen. Vor rund 400 Teilnehmern sprachen die Redner insbesondere \u00fcber das Kurdenproblem. Die N\u00fcrnberger Ortsgruppe der AKSA trat 1986 nicht in Erscheinung. 10. Pakistanische Gruppen / Die Ende 1967 gegr\u00fcndete Sozialrevolution\u00e4re Pakistanische Volkspartei (PPP) erstrebt die Abschaffung der Milit\u00e4rdiktatur und die Bildung einer islamisch-sozialistischen Volksmacht in Pakistan. Unterschiedliche Auffassungen, ob die politischen Ziele der PPP mit gewaltsamen oder gewaltfreien Mitteln verwirklicht werden sollen, haben inzwischen zur Entstehung mehrerer rivalisierender Gruppen gef\u00fchrt. Seit 14. August 1984 ist die im Bundesgebiet bestehende nationale Unterorganisation der PPP unter der Bezeichnung Pakistan Peoples Party der Bundesrepublik Deutschland, Zentralverband e.V. (PPP, BRD) im Vereinsregister des Amtsgerichts K\u00f6ln eingetragen. In Bayern sind in Augsburg, Gem\u00fcnden a.Main, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg \u00f6rtliche Untergliederungen vereinsrechtlich angemeldet. Als Organ der PPP erscheint seit 1986 die Monatsschrift \"Nusrat\". Am 13. April fand in K\u00f6ln eine Mitgliederversammlung der PPP auf Bundesebene statt, an der auch PPP-Angeh\u00f6rige aus Bayern teilnahmen. Die Versammlung w\u00e4hlte einen neuen Vorstand und sicherte der Parteivorsitzenden Benazeer Bhutto die volle Unterst\u00fctzung im Kampf um die Regierungs\u00fcbernahme in Pakistan zu. Etwa 80 Mitglieder der PPP veranstalteten am 15. Juli vor dem Flughafen M\u00fcnchen-Riem eine Kundgebung. Anla\u00df war der Besuch des Premierministers der Islamischen Republik Pakistan. Die Demonstranten wandten sich auf Plakaten gegen den \"Imperialismus\" und seine \"Verb\u00fcndeten in Pakistan\"; au\u00dferdem forderten sie \"Wahlen im Sinne der Verfassung von 1973\" und die Freilassung aller politischen Gefangenen. Nach der Mitte August 1986 erfolgten Verhaftung der PPP-Vorsitzenden in Pakistan f\u00fchrten Anh\u00e4nger der PPP vom 23. bis 27. August in der N\u00e4he des pakistanischen Konsulats in M\u00fcnchen einige Protestaktionen durch. Aus demselben Anla\u00df veranstaltete die PPP am 13. September in M\u00fcnchen einen Aufzug, an dem rund 50 Personen teilnahmen. 157","11. Spanische Gruppen Die Kommunistische Partei Spaniens (PCE), die in Spanien von 1939 bis 1977 verboten war, wird in der Bundesrepublik Deutschland durch ein \"Comite Federal\" (Bundeskomitee) geleitet. Sie ist im Bundesgebiet in die Zonen Nord, Rhein-Ruhr, Hessen, Baden-W\u00fcrttemberg und Bayern gegliedert, denen etwa 35 \u00f6rtliche Zweiggruppen angeh\u00f6ren; in Bayern bestehen Ortsgruppen in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Publikationen der PCE sind die Zeitschrift \"Mundo Obrero\" (Welt der Arbeit) und das parteitheoretische Organ \"Nuestra Bandera\" (Unsere Fahne). Verbindungen bestehen zur Kommunistischen Partei Italiens (PCI), zur Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE-Inland) und zur Deutschen Kommunistischen Partei (DKP). Infolge r\u00fcckl\u00e4ufiger Mitgliederzahlen hat die PCE auch 1986 bundesweit an Bedeutung verloren. Ihre Agitation richtete sich bei internen Versammlungen \u00fcberwiegend gegen die Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung. 12. T\u00fcrkische Gruppen Die propagandistischen Angriffe t\u00fcrkischer Linksextremisten aller ideologischen Richtungen zielten nach wie vor auf die Lage in der Heimat und das dortige \"faschistische Regime\". Ein weiteres Agitationsthema war die Situation der Ausl\u00e4nder im Bundesgebiet; in diesem Zusammenhang war wiederholt die Forderung nach Einf\u00fchrung des kommunalen Wahlrechts f\u00fcr Ausl\u00e4nder zu verzeichnen. Daneben setzten t\u00fcrkische Linksextremisten ihre \"Antifaschismus\"Kampagne fort, mit der sie eine Diffamierung und ein Verbot von Gruppierungen politischer Gegner bezwecken. Auch Aspekte der deutschen Politik wie Gesetzesvorhaben und au\u00dfenpolitische Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland wurden in die Agitation einbezogen, wobei sich Gruppen der t\u00fcrkischen Neuen Linken mit anhaltender Polemik gegen den \"westdeutschen Imperialismus\" wandten. Dem linksextremen Spektrum stehen auf der entgegengesetzten Seite t\u00fcrkische Gruppen gegen\u00fcber, deren Ideologie teils durch einen extremen Nationalismus, teils durch einen religi\u00f6s begr\u00fcndeten politischen Fanatismus bestimmt ist. Diese Vereinigungen waren meist bestrebt, sich der \u00d6ffentlichkeit als \"gem\u00e4\u00dfigte\" Organisationen darzustellen. Das aus sechs orthodox-kommunistischen Parteien bestehende Aktionsb\u00fcndnis Sol Birlik (Linke Einheit) und das Antifaschistische Komitee N\u00fcrnberg und Umgebung, ein Zusammenschlu\u00df von Anh\u00e4ngern linksextremer t\u00fcrkischer und kurdischer Organisationen, zeigten 1986 keine besonderen Aktivit\u00e4ten. 12.1 Orthodoxe Kommunisten Die Kommunistische Partei der T\u00fcrkei (TKP), die in der T\u00fcrkei seit dem Jahre 1923 verboten ist, steuert ihre konspirative Arbeit im Bundesgebiet von ihrem Exilsitz in Berlin (Ost) aus. Sie propagiert eine \"demokratische Volksrevolution\" in der T\u00fcrkei durch die \"Reorganisation einer massiven Volksbewegung\". Bestrebungen der TKP, die Aufsplitterung der t\u00fcrkischen kommunistischen Vereinigungen im Bundesgebiet zu \u00fcberwinden und dabei ihren eigenen Einflu\u00df zu st\u00e4rken, f\u00fchrten Ende Februar 1977 in D\u00fcsseldorf zum Zusammenschlu\u00df der national-kommunistischen F\u00f6deration Demokratischer Arbeiterver158","eine der T\u00fcrkei in Europa (TDF) und der orthodox-kommunistischen F\u00f6deration t\u00fcrkischer Sozialisten in Europa (ATTF) unter der Bezeichnung F\u00f6deration der Arbeitervereine der T\u00fcrkei in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (FIDEF). Diesem Dachverband geh\u00f6ren im Bundesgebiet etwa 70 Mitgliedsorganisationen mit insgesamt rund 6.000 Mitgliedern an. Die orthodoxkommunistisch beeinflu\u00dfte FIDEF unterh\u00e4lt Verbindungen zur Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) und deren Nebenorganisationen sowie zum Sozialistischen Hochschulbund (SHB). Als Organ der FIDEF erscheint die Monatszeitschrift \"T\u00fcrkei-Informationen\" in deutscher Sprache. Unter dem Motto \"Frieden in der Welt -- gleiche Rechte in der Bundesrepublik -- Demokratie in der T\u00fcrkei\" f\u00fchrte die FIDEF am 26V27. April in Essen ihren Jahreskongre\u00df durch. Daran beteiligten sich rund 800 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet, darunter Vertreter des DKP-Parteivorstandes, der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) und der DKP-beeinflu\u00dften Deutschen Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFQ-VK). Ihre Verbundenheit mit der FIDEF bekundete auch die moskautreue Kommunistische Partei der T\u00fcrkei (TKP). Die Delegierten best\u00e4tigten den bisherigen Vorsitzenden der FIDEF Hasan \u00d6zcan in seiner Funktion und beschlossen, in diesem Jahr die \"Friedensbewegung\" zu unterst\u00fctzen. In Diskussionsbeitr\u00e4gen wurde die Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung verurteilt und das aktive und passive Kommunalwahlrecht f\u00fcr Ausl\u00e4nder gefordert. In einer Gru\u00dfad/esse an den 8. Parteitag der DKP in Hamburg dankte die FIDEF der DKP f\u00fcr ihre Solidarit\u00e4t mit den \"Demokraten\" in der T\u00fcrkei und bekr\u00e4ftigte ihre Absicht, die DKP zu f\u00f6rdern, da eine starke DKP ein \"starker Freund in guten, aber auch in schlechten Zeiten\" sei. Mitte November 1986 er\u00f6ffnete die FIDEF eine bundesweite Kampagne \"Kommunales Wahlrecht f\u00fcr Ausl\u00e4nder\". In einer Presseinformation warf sie die Frage auf, ob in einem Land, in dem \"auf Dauer ca. sieben Prozent der Bev\u00f6lkerung von den Wahlen ausgeschlossen\" seien, von einer \"funktionierenden Demokratie\" gesprochen werden k\u00f6nne. Im Rahmen dieser Kampagne f\u00fchrte der T\u00fcrkische Arbeiterverein in M\u00fcnchen (M.I.DER), ein Mitgliedsverband der FIDEF, am 6. Dezember in M\u00fcnchen eine Flugblattaktion durch. Ferner organisierte der M.I.DER im Rahmen der \"Woche der Freundschaft -- Gegen die Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" am 26. Januar in M\u00fcnchen einen Informationsabend mit anschlie\u00dfender Diskussion, an dem sich rund 150 Personen beteiligten. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen Probleme ausl\u00e4ndischer Jugendlicher wie die Arbeitslosigkeit, die Ausl\u00e4nderfeindlichkeit, die Familienzusammenf\u00fchrung und die Befreiung vom Milit\u00e4rdienst in der T\u00fcrkei. Rund 15 Angeh\u00f6rige des M.I.DER folgten am 21. Juni einem zuvor in Flugbl\u00e4ttern publizierten Aufruf der TKP, vor t\u00fcrkischen Generalkonsulaten im Bundesgebiet -- so auch in M\u00fcnchen -- f\u00fcr die Herabsetzung der Geb\u00fchr f\u00fcr die Befreiung vom Wehrdienst in der T\u00fcrkei zu demonstrieren. 12.2 Neue Linke einschlie\u00dflich Sozialrevolution\u00e4re Gruppen Die in Bayern aktiven Vereinigungen der t\u00fcrkischen Neuen Linken orientieren sich vorwiegend am Gedankengut der T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei/ 159","Marxisten-Leninisten (TKP/ML) und der T\u00fcrkischen Volksbefreiungspartei/ -front (THKP/-C), Trotz ideologischer Differenzen besteht in den Zielen dahingehend \u00dcbereinstimmung, da\u00df beide einen Umsturz in der T\u00fcrkei mit revolution\u00e4ren Mitteln anstreben. 12.2.1 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten (TKP/ML) Die proalbanische TKP/ML wurde im Jahre 1972 illegal in der T\u00fcrkei gegr\u00fcndet. Im Jahre 1974 fand die Gr\u00fcndungsversammlung f\u00fcr den Bereich der Bundesrepublik Deutschland statt. Ziel der TKP/ML ist die Beseitigung des politischen Systems in der T\u00fcrkei zugunsten einer kommunistischen Gesellschaftsordnung im Sinne des Marxismus-Leninismus. Ihre \"Frontorganisation\" ist die T\u00fcrkische Arbeiterund Bauernbefreiungsarmee (TIKKO). Von der konspirativ arbeitenden TKP/ML hat sich infolge ideologischer Differenzen schon vor Jahren die Gruppe \"Bolsevik Partizan\" abgespalten. Die TKP/ML unterh\u00e4lt in Bayern einige St\u00fctzpunkte, so z.B. in Augsburg, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg/Furth. Ideologisches Sprachrohr der Partei ist das Blatt \"Isci K\u00f6yl\u00fc Kurtulusu\" (ArbeiterBauem-Befreiung). Die TKP/ML trat in Bayern vorwiegend mit Schmieraktionen sowie durch Verbreitung von Schriften in Erscheinung. In Flugbl\u00e4ttern verurteilte sie die Milit\u00e4raktion der USA gegen Libyen und erkl\u00e4rte, die USA h\u00e4tten gemeinsam mit den \"westlichen Imperialisten\" unter dem Deckmantel der Terrorismusbek\u00e4mpfung \"Unterdr\u00fcckung und Terror gegen die revolution\u00e4ren Bewegungen\" verst\u00e4rkt. Der Vorgang mache deutlich, da\u00df die Zeit zur \"Zerschlagung des imperialistischen Systems\" reif sei und ein \"imperialistischer Krieg nur durch Revolution\" verhindert werden k\u00f6nne. In der Nacht zum 9. August versuchte ein t\u00fcrkischer Staatsangeh\u00f6riger, in der N\u00e4he des t\u00fcrkischen Generalkonsulats in M\u00fcnchen ein Transparent anzubringen, das sich gegen die \"Ermordung\" von neun Menschen durch die \"faschistische\" t\u00fcrkische Regierung wandte. Transparente der TKP/ML mit \u00e4hnlichem Inhalt wurden in derselben Nacht auch in Essen, Hamburg und Stuttgart gefunden. Anla\u00df der offenbar zentral gesteuerten Protestaktionen d\u00fcrfte der Tod von mehreren TKP/ML-Mitgliedern gewesen sein, die Anfang August in der T\u00fcrkei bei einem Feuergefecht mit Sicherheitskr\u00e4ften ums Leben kamen. Unter dem Motto \"Unterst\u00fctzt die Revolution, st\u00e4rkt die Partei und die Armee\" f\u00fchrte die TKP/ML seit Oktober 1986 bei ihren Anh\u00e4ngern im Bundesgebiet eine Spendenaktion durch. In Aufrufen wies sie darauf hin, da\u00df die Revolution die \"konsequenteste Alternative gegen die imperialistische Kriegsgefahr\" sei. Die in den letzten Jahren gesammelten Gelder h\u00e4tten zur \"St\u00e4rkung der proletarischen Weltrevolution\" beigetragen und seien u.a. zur Beschaffung von \"Munition f\u00fcr die Gewehre der Partisanen\" verwendet worden. Auch jetzt gelte es wieder, durch Sachund Geldspenden den bewaffneten Kampf, gegen die \"Ausrottungsangriffe des Imperialismus\" zu unterst\u00fctzen. Eine \u00f6rtliche Gruppierung von TKP/ML-Anh\u00e4ngem, die im Herbst 1986 unter der Bezeichnung \"Internationales Kulturzentrum\" in Augsburg ihr Vereinslokal er\u00f6ffnete, f\u00fchrte dort Vortragsveranstaltungen durch. 160","Die Spaltergruppe \"Bolsevik Partizan\" der TKP/ML trat in einem Flugblatt f\u00fcr die gewaltsame Zerschlagung des t\u00fcrkischen Staates durch eine \"Volksrevolution unter F\u00fchrung des Proletariats\" ein und erkl\u00e4rte, sie unterst\u00fctze den \"demokratischen Inhalt\" des Kampfes der gewaltorientierten Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Dar\u00fcber hinaus propagierte sie den Sturz des \"imperialistischen Weltsystems\" und erhob die Forderung \"Tod dem westdeutschen Imperialismus\". Die proalbanische F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (ATIF) ist ein von der TKP/ML erheblich beeinflu\u00dfter Dachverband. Meinungsverschiedenheiten \u00fcber den richtigen Zeitpunkt f\u00fcr einen gewaltsamen Umsturz in der T\u00fcrkei f\u00fchrten -- entsprechend der Entwicklung bei der TKP/ ML -- im Jahre 1981 zur Spaltung der ATIF in die Gruppen \"Partizan\" und \"Bolsevik Partizan\". \u00d6rtliche Untergliederungen beider Gruppen bestehen auch in Bayern. Die ATIF behauptete, der \"westdeutsche Imperialismus\" bereite sich intensiv auf einen \"III. Weltverteilungskrieg\" vor. Um von diesem Ziel abzulenken, beschneide er die Rechte der Werkt\u00e4tigen und hetze Ausl\u00e4nder gegeneinander auf; er benutze die \"Massen f\u00fcr seine verbrecherischen Absichten\" und greife \"das Thema der \u00dcberlegenheit der deutschen Rasse in vielf\u00e4ltiger Weise auf\". An einer von der ATIF organisierten Protestkundgebung am 13. September in Frankfurt a.M. anl\u00e4\u00dflich des 6. Jahrestages der Macht\u00fcbernahme durch das Milit\u00e4r in der T\u00fcrkei beteiligten sich rund 1.200 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet, darunter auch Demonstranten aus Bayern. Die ATIF hatte alle \"Werkt\u00e4tigen\", \"Fortschrittlichen\" und \"revolution\u00e4r gesinnten Menschen\" aufgerufen, bei der Demonstration zur \"Verurteilung des faschistischen Milit\u00e4rputsches\" gemeinsam als \"revolution\u00e4re Alternative zu marschieren und zu protestieren\". Die Gruppe Bolsevik Partizan der ATIF f\u00fchrte am 8. M\u00e4rz in Coburg eine Veranstaltung zum Internationalen Frauentag durch. Zu Beginn gedachten die rund 40 Teilnehmer in einer Schweigeminute der gefallenen Revolution\u00e4re. In der Diskussion erkl\u00e4rte ein Funktion\u00e4r, nur die proletarische Revolution werde die v\u00f6llige Befreiung der Frau mit sich bringen. Im Rahmen eines von der ATIF organisierten Kongresses vom 19. bis 21. Dezember in Frankfurt a.M. schlossen sich die ATIF und mehrere europ\u00e4ische Schwesterorganisationen zur Konf\u00f6deration t\u00fcrkischer Arbeitervereine in Europa (ATIK) zusammen. Neben mehr als 1.000 G\u00e4sten waren 136 Delegierte aus der Bundesrepublik Deutschland, \u00d6sterreich, Frankreich, Australien, Belgien, D\u00e4nemark, Schweden, den USA und den Niederlanden erschienen. Die Delegierten w\u00e4hlten einen aus 22 Personen bestehenden Gesamtvorstand; erster Vorsitzender der ATIK wurde ein ATIF-Spitzenfunktion\u00e4r aus Stuttgart. W\u00e4hrend der Veranstaltung kam es innerhalb der ATIF zu heftigen Auseinandersetzungen um die Taktik des bewaffneten Kampfes in der T\u00fcrkei. 12.2.2 T\u00fcrkische VolksbefreiungsparteiAfront (THKP/-C) Die Ziele der in der T\u00fcrkei verbotenen THKP/-C werden im Bundesgebiet von mehreren Gruppen vertreten, die vielfach auch konspirativ arbeiten. Zahlenm\u00e4161","SAYI28 1 MAY1S 1986 Big st\u00e4rkste der vom Gedankengut der THKP/-C gepr\u00e4gten Vereinigungen im Bundesgebiet ist die Sozialrevolution\u00e4re Gruppierung Devrimci Yol (Revolution\u00e4rer Weg), auch Devrimci Isci (Revolution\u00e4re Arbeiter) genannt. Als Publikationsorgan erscheint die Schrift \"T\u00fcrkei Information\". Von der Devrimci Yol hat sich Anfang 1986 eine gem\u00e4\u00dfigte Oppositionsgruppe abgespalten, die auch unter der Bezeichnung \"G\u00f6cmen\" (Emigrant) in Erscheinung trat. In ihrem gleichnamigen Organ \"G\u00f6cmen\" warf diese Spaltergruppe der Bundesregierung vor, eine \"Kriegsgewinnund Hungerpolitik\" zu betreiben, \"Kriege\" zu sch\u00fcren und f\u00fcr die 12 Millionen Fl\u00fcchtlinge in der Welt \"weitgehend mitverantwortlich\" zu sein. Am 8. M\u00e4rz fand in Hamburg ein Trauermarsch f\u00fcr einen Funktion\u00e4r der Devrimci Yol statt, der Ende Februar einem Mordanschlag zum Opfer gefallen war. An dem Aufzug beteiligten sich rund 2.500 Personen, darunter auch etwa 20 Anh\u00e4nger der Devrimci Yol aus Bayern. Bei einer Veranstaltung der Devrimci Yol am 12. April in Plattling, Landkreis Deggendorf, betonte ein Redner vor rund 50 Zuh\u00f6rern, da\u00df die THKP/-C die entscheidende Rolle des bewaffneten Kampfes f\u00fcr die T\u00fcrkei erkannt habe. Anl\u00e4\u00dflich des 6. Jahrestages des Machtwechsels in der T\u00fcrkei fand am 13. September in Duisburg eine Kundgebung statt, zu der u.a. die Gruppierungen Avrupa 'da Dev Gene (Revolution\u00e4re Jugend in Europa) und Devrimci Yol aufgerufen hatten. An der Veranstaltung nahmen rund 4.000 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet teil, darunter auch Demonstranten aus Bayern. Am 4. Oktober f\u00fchrte die Devrimci Yol in Landshut einen Solidarit\u00e4tsabend zum Thema \"Kampf gegen die Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" durch', zu dem rund 130 Besucher erschienen. Die Sozialrevolution\u00e4re Gruppierung Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke), die aus einer Aufsplitterung von Devrimci Yol hervorging, wurde am 9. Februar 1983 vom Bundesminister des Innern verboten. Anh\u00e4nger dieser Gruppierung, die seitdem auch unter der Tarnbezeichnung \"Avrupa 'da Dev Gene\" (Revolution\u00e4re Jugend in Europa) auftreten, errichteten am 6. September in Ingolstadt einen Informationsstand. Sie verteilten deutschsprachige Flugbl\u00e4tter 162","mit einem \"Aufruf zum 6. Jahrestag der faschistischen Diktatur\" in der T\u00fcrkei, der sich gegen Folterungen und Hinrichtungen sowie gegen die Behandlung der Kurden in der T\u00fcrkei wandte. 12.3 Extreme Nationalisten Die 1978 gegr\u00fcndete F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa (AD\u00dcTDF) mit Sitz in Frankfurt a.M. vertritt das Gedankengut der in der T\u00fcrkei verbotenen und aufgel\u00f6sten, extrem nationalistischen Partei der Nationalen Bewegung (MHP), ist aber bestrebt, sich der \u00d6ffentlichkeit als gem\u00e4\u00dfigte Organisation zu pr\u00e4sentieren. Dem Dachverband sind im Bundesgebiet \u00fcber 80 t\u00fcrkische Organisationen angeschlossen, darunter auch rund zehn Ausl\u00e4ndervereine in Bayern. Seit Mitte Januar bis etwa Sommer 1986 vertrieb die AD\u00dcTDF anstelle ihrer bisherigen Monatszeitschrift \"Anayurt\" (Heimat) unter ihren Anh\u00e4ngern die in der T\u00fcrkei erscheinende Wochenzeitung \"Yeni D\u00fcs\u00fcnce\" (\"Das neue Denken\"). Das f\u00fcr t\u00fcrkische Nationalisten in Europa bestimmte Blatt gilt als \"Sprachrohr\" der MHP. Die Zeitung enthielt Nachrichten aus den Mitgliedsverb\u00e4nden der AD\u00dcTDF. In der Ausgabe vom 17. Januar waren u.a. Beitr\u00e4ge des ehemaligen MHP-Vorsitzenden Alparslan T\u00fcrkes abgedruckt; andere Autoren polemisierten gegen \"sowjetische Str\u00f6mungen\" in der T\u00fcrkei, In einem Gedicht, das einen \"M\u00e4rtyrer der MHP\" als Opfer der t\u00fcrkischen und kurdischen Kommunisten verherrlichte, hie\u00df es: \"Wir sind gl\u00e4ubig, stark, entschlossen; selbst wenn wir zu Tausenden sterben, wird nur die Fackel des T\u00fcrkentums noch einmal mit Blut entz\u00fcndet worden sein\". Am 14. Juni hielt die AD\u00dcTDF in N\u00fcrnberg ihren Jahreskongre\u00df ab. Unter den \u00fcber 800 Delegierten befanden sich auch Teilnehmer aus Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz. Der Kongre\u00df best\u00e4tigte den 1. Vorsitzenden Feridun Tuncay, der die AD\u00dcTDF seit August 1985 leitet, in seiner Funktion. In seinem Rechenschaftsbericht kritisierte der Vorsitzende die t\u00fcrkische Regierung, die sich zu sehr dem Westen zuwende und die Kinderund Jugenderziehung in nationaler und religi\u00f6ser Hinsicht total vernachl\u00e4ssige. Rund 100 Anh\u00e4nger der AD\u00dcTDF aus dem Inund Ausland, darunter auch Mitglieder des der AD\u00dcTDF angeschlossenen Vereins T\u00fcrkischer Idealisten e.V. (M\u00dcO), M\u00fcnchen, reisten am 14. Februar mit Bussen nach Rom, um dort den ehemaligen AD\u00dcTDF-Vorsitzenden Musa Serdar Celebi zu besuchen, der Mitte Januar 1983 wegen Verdachts der Beteiligung an Vorbereitungen zum Attentat auf Papst Johannes Paul II. an Italien ausgeliefert worden war. Zu einer Folkloreveranstaltung des M\u00dcO am 29. M\u00e4rz in M\u00fcnchen erschienen rund 750 Besucher, darunter auch G\u00e4ste aus Augsburg, N\u00fcrnberg, Stuttgart und Ulm. Die Teilnehmer erfuhren, da\u00df am selben Tag ein r\u00f6misches Schwurgericht den ehemaligen AD\u00dcTDF-Vorsitzenden Celebi von dem Vorwurf der Beteiligung am Attentat auf den Papst mangels Beweises freigesprochen hatte. Im Verlauf einer Reise durch das Bundesgebiet besuchte Celebi am 7. Juni in M\u00fcnchen eine Veranstaltung des M\u00dcO. Dabei schilderte er vor rund 100 Zuh\u00f6rern seine Hafterlebnisse in Italien; au\u00dferdem kritisierte er die Berichterstattung der internationalen Presse \u00fcber das Attentat auf den Papst. 163","Der Unterfranken T\u00fcrk Islam Kultur-Verein e.V., ein weiterer Mitgliedsverband der AD\u00dcTDF, f\u00fchrte zum Thema \"Unterdr\u00fcckung der t\u00fcrkischen Minderheit in Bulgarien\" am 27. April in seinen Vereinsr\u00e4umen eine Versammlung und am 19. Mai in W\u00fcrzburg eine Demonstration mit Schlu\u00dfkundgebung durch, an der rund 600 Personen teilnahmen. In den R\u00e4umen der T\u00fcrkischen Gemeinschaft e.V. N\u00fcrnberg, die gleichfalls der AD\u00dcTDF angeschlossen ist, fand am 8. November eine Veranstaltung mit dem I.Vorsitzenden der AD\u00dcTDF statt, der in seiner Rede betonte, die UdSSR und die \"imperialistische\" USA seien die Feinde der t\u00fcrkischen Nationalisten. W\u00e4hrend die USA die subtilere Form der Unterwerfung durch die Vermittlung westlicher Lebensart w\u00e4hle, unterdr\u00fccke die UdSSR andere L\u00e4nder mit Waffengewalt. Unter den rund 80 Teilnehmern befanden sich auch Mitglieder der T\u00fcrkischen Gemeinschaft in F\u00fcrth und des T\u00fcrkischIslamischen Vereins Erlangen und Umgebung. 12.4 Islamische Extremisten Die islamisch-extremistischen Organisationen in der Bundesrepublik Deutschland, die in der T\u00fcrkei einen islamischen Staat nach dem Vorbild der Islamischen Republik Iran errichten wollen, haben sich nach internen Auseinandersetzungen und Abspaltungen neu formiert. Das Islamische Zentrum K\u00f6ln e.V. (IZ) und die Islamische Union Europa e.V. sind Mitte 1985 in der Vereinigung der neuen Weltsicht in Europa e.V. (AMGT) mit Sitz in K\u00f6ln aufgegangen. Die AMGT vertritt die politischen und gesellschaftlichen Ziele der in der T\u00fcrkei verbotenen und aufgel\u00f6sten Nationalen Heilspartei (MSP); insbesondere erstrebt sie die Reislamisierung der T\u00fcrkei. Sie will nach ihrer Satzung die Menschen in Europa mit den \"g\u00f6ttlichen Werten des Islam\" vertraut machen. Daher sollen in ganz Europa Begegnungsst\u00e4tten und Erziehungsanstalten errichtet werden. Besonderer Wert wird auf die Erziehung der Jugend gelegt. Der von einem ehemaligen Funktion\u00e4r der Islamischen Union Europa e.V. Ende 1984 gegr\u00fcndete Verband der Islamischen Vereine und Gemeinden e.V. K\u00f6ln will die T\u00fcrkei nach dem Vorbild des Iran durch eine Revolution islamisieren. Er hielt am 879. M\u00e4rz in K\u00f6ln eine Versammlung ab, an der rund 800 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet sowie aus Belgien, D\u00e4nemark, Frankreich, \u00d6sterreich, der Schweiz und den Niederlanden teilnahmen. Der Verbandsvorsitzende Cemalettin Kaplan verwies auf die Glaubensgrunds\u00e4tze des Islam und hob mit Nachdruck hervor, es sei Aufgabe aller gl\u00e4ubigen Muslims, dem Islam wieder zur fr\u00fcheren Gr\u00f6\u00dfe zu verhelfen. Ein \u00f6rtlicher Mitgliedsverein des Verbandes trat am 22. November in Augsburg durch Errichtung eines Informationsstands in Erscheinung. Das Verbandsorgan \"Teblig\" (Die Verk\u00fcndigung) vom 1. Juli enthielt einen Beitrag, in dem das demokratische Regierungssystem als \"Ordnung des Unglaubens\" bezeichnet wurde. Der Verfasser nahm insbesondere zum \"westlich-laizistischen\" t\u00fcrkischen Staat Stellung, der sich \"wie eine Kobra auf dem Feld der M\u00e4rtyrer, dem islamischen Boden Anatoliens breitgemacht\" habe. Die \"widerw\u00e4rtige Demokratie\" in der T\u00fcrkei sei eine \"Kriegserkl\u00e4rung an Gott\". Es gelte, diesem \"Willk\u00fcrstaat\" den \"Gehorsam aufzuk\u00fcndigen\" und den \"Willk\u00fcr164","herrschern\" so schnell wie m\u00f6glich ihre geb\u00fchrende Strafe zu geben. Der Artikel endete mit einem Aufruf zu Vorbereitungen f\u00fcr einen Sturz der \"Willk\u00fcrherrschaft\". Der F\u00f6deration Islamischer Vereine und Gemeinden im Land Bayern e.V. geh\u00f6ren \u00fcber 20 islamisch-extremistische Vereinigungen an, die das Gedankengut der MSP vertreten und teilweise zum Verband der Islamischen Vereine und Gemeinden e.V. K\u00f6ln tendieren. Die anhaltende Fluktuation in diesem Bereich erschwert im einzelnen eine exakte Zuordnung. 165","4. Abschnitt Terror* und sonstige politisch motivierte Gewalt 1. Allgemeines Die Bedrohung der inneren Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland durch politisch motivierte Gewaltt\u00e4ter hat sich im Jahr 1986 weiter versch\u00e4rft. Dies kam insbesondere zum Ausdruck durch die Mordanschl\u00e4ge des Kommandobereichs der Roten Armee Fraktion (RAF), die drei Todesopfer forderten, sowie durch die bundesweite Zunahme teilweise schwerster Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge, die zum einen der \"militanten\" Ebene der RAF bzw. den Revolution\u00e4ren Zellen, \u00fcberwiegend aber dem Umfeld der RAF und dem sonstigen linksterroristischen Spektrum zuzurechnen waren. Bevorzugte Ziele der Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge mit linksterroristischem Bezug waren vor allem Einrichtungen der US-Armee, der NATO und der Bundeswehr, mit der Entwicklung bzw. Produktion von R\u00fcstungsg\u00fctern befa\u00dfte Unternehmen, Firmen mit Beteiligung an umstrittenen Bauvorhaben (haupts\u00e4chlich in den Bereichen Kernenergie und Stadtsanierung) sowie Kaufh\u00e4user und Geldinstitute, die aus der Sicht der Taturheber das \"kapitalistische System\" repr\u00e4sentieren. Weitere Angriffsobjekte waren Sicherheitsbeh\u00f6rden als Symbole des \"Repressionsapparates\", aber auch Betriebe der Hochtechnologie, Unternehmen der Mikroelektronik-Branche und Forschungsinstitute der Biound Gentechnologie. Die Rote Armee Fraktion (RAF) bewies mit einem Sprengstoffanschlag am 9. Juli, dem das Vorstandsmitglied der Firma Siemens Prof. Dr. Karl Heinz Bekkurts und dessen Fahrer Eckhard Groppler zum Opfer fielen, sowie mit der Ermordung des Ministerialdirektors im Ausw\u00e4rtigen Amt Dr. Gerold von Braunm\u00fchl am 10. Oktober ihre unverminderte Gef\u00e4hrlichkeit. Diese Gewalttaten standen in Zusammenhang mit der durch den Hungerstreik inhaftierter terrori*) Terrorismus ist der nachhaltig gef\u00fchrte Kampf f\u00fcr politische Ziele, die mit Hilfe von Anschl\u00e4gen auf Leib, Leben und Eigentum Dritter durchgesetzt werden sollen, insbesondere durch schwere Straftaten, wie sie in SS 129a Abs. 1 des Strafgesetzbuchs genannt sind (vor allem: Mord, Totschlag, erpresserischer Menschenraub, Brandstiftung, Herbeif\u00fchrung einer Explosion durch Sprengstoff) oder durch andere Gewalttaten, die der Vorbereitung solcher Straftaten dienen. 166","stischer Gewaltt\u00e4ter Ende 1984 eingeleiteten \"Offensive\", die schon 1985 vier Todesopfer gefordert hatte. Durch verst\u00e4rkte Aktivit\u00e4ten ihrer \"militanten\" Ebene, der 1986 neun Sprengstoffanschl\u00e4ge zuzurechnen waren, und durch deren enge Kooperation mit dem Kommandobereich hat die RAF inzwischen an Schlagkraft gewonnen. Auch ihre Bem\u00fchungen um Zusammenarbeit mit Terrororganisationen in benachbarten europ\u00e4ischen L\u00e4ndern verdeutlichen die von ihr ausgehende Bedrohung; allerdings haben diese Anstrengungen im Jahre 1986 insgesamt gesehen keine erkennbaren Fortschritte erbracht. Nachgelassen haben die terroristischen Aktivit\u00e4ten der Revolution\u00e4ren Zellen (RZ) und ihrer Frauengruppe \"Rote Zora\", die -- wie schon im Vorjahr -- in Bayern nicht in Erscheinung traten. Hingegen waren im Bundesgebiet zunehmend Anschl\u00e4ge durch regionale Gruppierungen von RAF-Anh\u00e4ngern und sonstige Gruppen des gewaltbereiten linksextremen Spektrums zu verzeichnen. Einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung hatten militante \"autonome\" Kreise, die aus ihrer grunds\u00e4tzlich staatsfeindlichen Einstellung heraus u.a. Projekte wie den Betrieb oder den Bau kerntechnischer Anlagen, insbesondere der Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAW), verhindern wollen und sich dabei terroristischer Mittel bedienen. Wegen Aktivit\u00e4ten f\u00fcr die RAF wurden sieben Personen zu Freiheitsstrafen verurteilt. Gegen 27 mutma\u00dfliche linksterroristische Gewaltt\u00e4ter bestehen Haftbefehle. F\u00fcr die Existenz einer rechtsterroristischen Vereinigung im Bundesgebiet gibt es nach wie vor keine Hinweise. Den N\u00e4hrboden f\u00fcr Rechtsterrorismus bilden haupts\u00e4chlich neonazistische Gruppierungen. Insbesondere die NSDAP-AO \u00fcbt mit Gewaltund Terroraufrufen in ihrer Hetzschrift \"NS Kampfruf\" Einflu\u00df auf die Gewaltbereitschaft militanter Neonazis aus. Dem rechtsterroristischen Bereich k\u00f6nnen ferner die Urheber von rechtsextrem bzw. vermutlich rechtsextrem motivierten anonymen Drohungen sowie von rassistisch gepr\u00e4gten Schmierereien zugerechnet werden, in denen die Anwendung von Gewalt bef\u00fcrwortet wird. Auf die zunehmende Gef\u00e4hrdung der inneren Sicherheit durch ausl\u00e4ndische Terroristen verweisen insbesondere die Sprengstoffanschl\u00e4ge auf das B\u00fcro der Deutsch-Arabischen Gesellschaft am 29. M\u00e4rz und auf die Diskothek \"La Belle\" am 5. April in Berlin; bei letzterem wurden drei Personen get\u00f6tet und \u00fcber 200 zum Teil schwer verletzt. In beiden F\u00e4llen ergaben sich Hinweise f\u00fcr eine Verwicklung ausl\u00e4ndischer Stellen in die Anschl\u00e4ge. 2. Rote Armee Fraktion (RAF) Die RAF entstand Ende der 60er Jahre um Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Horst Mahler und Ulrike Meinhof. Sie verfolgte zun\u00e4chst das Ziel, als Avantgarde des revolution\u00e4ren Kampfes durch terroristische'Aktionen der \"Stadtguerilla\" im \"antiimperialistischen Kampf\" und im \"strategischen und taktischen Zusammenwirken mit den Befreiungsk\u00e4mpfen der unterdr\u00fcckten Nationen\" eine Solidarisierung der Massen und eine revolution\u00e4re Situation herbeizuf\u00fchren. Inzwischen versteht sich die RAF nicht mehr nur als verl\u00e4ngerter Arm der Be167","freiungsbewegungen in der Dritten Welt, sondern als eigenst\u00e4ndige Guerilla im \"imperialistischen Zentrum Westeuropa\". Als \"Gegner\" in ihrem \"antiimperialistischen Kampf\" sieht die RAF die \"imperialistische Staatenkette\" unter der F\u00fchrung der USA als Sammelbegriff f\u00fcr alle \"reaktion\u00e4ren Kr\u00e4fte\". Ihr Kampf richtet sich deshalb vor allem gegen die sichtbare Erscheinungsform dieses Blocks, das westliche Verteidigungsb\u00fcndnis NATO und, bezogen auf Westeuropa, gegen die Westeurop\u00e4ische Union (WEU), der die RAF ihr Konzept einer \"antiimperialistischen Front in Westeuropa\" entgegensetzt. Als ma\u00dfgebende St\u00fctzen der bestehenden Machtstrukturen betrachtet die RAF neben den Sicherheitsorganen die Bereiche Kapital, Milit\u00e4r, Industrie und Politik; sie umschreibt deren vielf\u00e4ltige Verflechtung mit dem Begriff \"milit\u00e4risch-industrieller Komplex\" (MIK). Diese Bereiche tragen nach Auffassung der RAF ein von einer machtgierigen Clique beherrschtes System, das unter F\u00fchrung der USA eine weltweite Ausbeutungspolitik mit dem Ziel der fortschreitenden milit\u00e4rischen, technologischen und damit wirtschaftlichen \u00dcberlegenheit gegen\u00fcber der Dritten Welt betreibt. M\u00f6gliche Anschlagsziele sind dementsprechend alle Institutionen und Funktionstr\u00e4ger, die zur Formierung der \"imperialistischen S\u00e4ule Westeuropa\" beitragen k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6ren insbesondere Einrichtungen der Bundeswehr und der verb\u00fcndeten Streitkr\u00e4fte, Polizeiund Justizbeh\u00f6rden, Konzerne im Bereich der Computerund Elektroniktechnologie sowie der Verteidigungswirtschaft. Durch die Konzentration derartiger Unternehmen ist Bayern einer erh\u00f6hten Gef\u00e4hrdung ausgesetzt. Die in verschiedenen Erkl\u00e4rungen der RAF deutlich gewordene zus\u00e4tzliche Aufnahme der \"proletarischen Komponente\" (Arbeiterklasse als revolution\u00e4res Subjekt) in ihre ideologische Aussage kann dazu f\u00fchren, da\u00df dar\u00fcber hinaus weitere Anschlagsziele in Betracht gezogen werden, wobei es immer schwieriger wird, die Bandbreite solcher Ziele der RAF einzugrenzen. 2.1 Kommandobereich der RAF Der Kommandobereich der RAF, der wie im Vorjahr auf etwa 20 Mitglieder gesch\u00e4tzt wird, hat trotz der Fahndungserfolge der Sicherheitsbeh\u00f6rden wieder die personelle St\u00e4rke der 70er Jahre erreicht. Nach wie vor setzt dieser im Untergrund lebende Teil der RAF mit seinen \"milit\u00e4rischen\" Anschl\u00e4gen auf Menschenleben die richtungweisenden Akzente f\u00fcr die Aktionen der \u00fcbrigen RAF-Ebenen. So markierte ein vom Kommandobereich der RAF am 9. Juli in Stra\u00dflach, Landkreis M\u00fcnchen, ver\u00fcbter Sprengstoffanschlag eine neue Phase der Ende 1984 von der RAF eingeleiteten \"Offensive\"; deren Sto\u00dfkraft hatte nach der Ermordung des US-Soldaten Edward Pimentai am 7. August 1985 -- wohl unter dem Eindruck der daran im Unterst\u00fctzerbereich der RAF ge\u00e4u\u00dferten Kritik -- vor\u00fcbergehend nachgelassen. Dem Attentat fielen das Vorstandsmitglied der Firma Siemens Prof. Dr. Karl Heinz Beckurts und sein Fahrer Eckhard Groppler zum Opfer. Der Anschlag galt -- wie zuvor schon der Mord an dem Vorsitzenden der MTU-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung Dr. Ernst Zimmermann am 1. Februar 1985 in Gauting -- einem Repr\u00e4sentanten des von der RAF so bezeichneten und als eines ihrer Hauptangriffsziele bekannten \"milit\u00e4risch-industriellen Komplexes\" (MIK). 168","Dazu hie\u00df es in einem am Tatort hinterlassenen Selbstbezichtigungsschreiben eines \"Kommando Mara Cagol\" der RAF, Dr. Beckurts habe bei der Firma Siemens als \"Vorstand f\u00fcr Forschung und Technik\" eine zentrale Position eingenommen. Die Firma Siemens als der \"gr\u00f6\u00dfte High-tech-Konzern in Westeuropa\" und als \"drittgr\u00f6\u00dfter Atomkonzem\" in der Welt verk\u00f6rpere die \"geballte Macht und Aggression der in den MIK's organisierten reaktion\u00e4rsten Fraktionen der Bourgeoisie\" und sei verantwortlich f\u00fcr die \"Ausbeutung, Vernichtung und Verelendung von Millionen Menschen\" in der Dritten Welt. Ziel der \"Bourgeoisie in Westeuropa\" sei die Beherrschung und Ausrichtung aller gesellschaftlichen Bereiche f\u00fcr die \"Interessen des Profits und des imperialistischen Kriegs\". Diesen Interessen dienten neben den Projekten SDI und Eureka auch die \"Aufr\u00fcstung der Bundeswehr zur technologisch hochgez\u00fcchteten Angriffsarmee\", die \"WAA in Wackersdorf, die die BRD f\u00fcr ihren Sprung zur Atommacht will\", die \"Angriffe auf das Streikrecht\" und die \"kalkulierte Massenarbeitslosigkeit\". Solchen Pl\u00e4nen k\u00f6nne nur mit einer Strategie des \"revolution\u00e4ren bewaffneten Kampfs und des Aufbaus der politisch-milit\u00e4rischen Front in Westeuropa\" begegnet werden. Jetzt gelte es, diese Strategie im \"praktischen Proze\u00df\" weiterzuentwickeln und sie in der \"revolution\u00e4ren Bewegung und der Gesamtheit der antagonistischen Kr\u00e4fte in Westeuropa\" zu verankern. Diese Aufrufe zur Internationalisierung des Terrors zeigen, da\u00df die RAF ihr Ziel der Realisierung einer \"revolution\u00e4ren Front in Westeuropa\" weiterverfolgt. Dar\u00fcber hinaus l\u00e4\u00dft die Wahl der Kommandobezeichnung \"Mara Cagol\" erkennen, da\u00df die RAF neben der bereits festgestellten Ann\u00e4herung an die franz\u00f6sische \"Action Directe\" auch eine Einbeziehung der italienischen Terrororganisation \"Brigate Rosse\" in ihr Konzept erstrebt. Mara Cagol war die Ehefrau eines f\u00fchrenden Mitglieds der \"Brigate Rosse\"; sie kam im Juni 1975 bei einem Schu\u00dfwechsel mit der italienischen Polizei ums Leben. Der Umstand, da\u00df die RAF in ihrer Erkl\u00e4rung auch Themen wie die Arbeitslosigkeit und die angeblich milit\u00e4rische Nutzung der WAW ansprach, deutet auf einen Versuch hin, mit dieser Erweiterung ihres bisherigen Argumentationsfeldes einen Solidarisierungseffekt zu erzielen und Teile der dagegen gerichteten Protestbewegung in den \"Widerstand\" gegen die \"imperialistische Strategie\" einzubeziehen. Einen neuen H\u00f6hepunkt erreichte die Welle terroristischer Aktionen im Bundesgebiet, als der Kommandobereich der RAF erstmals seit dem Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback im Jahre 1977 wieder einen gezielten Anschlag auf einen hohen Repr\u00e4sentanten des Staates ver\u00fcbte. Zwei vermummte T\u00e4ter erschossen am Abend des 10. Oktober in Bonn-Ippendorf den Leiter der Politischen Abteilung 2 des Ausw\u00e4rtigen Amtes Dr. Gerold von Braunm\u00fchl, als er vor seiner Wohnung aus einem Taxi stieg. Nach den polizeilichen Ermittlungen benutzten die M\u00f6rder einen Revolver, mit dem im Jahre 1977 Dr. Hanns Martin Schleyer ermordet wurde; die zweite Tatwaffe stammte aus dem \u00dcberfall der RAF auf ein Waffengesch\u00e4ft in Maxdorf im November 1984. In einem am Tatort aufgefundenen Schreiben erkl\u00e4rte ein \"Kommando Ingrid Schubert\" der RAF, der Anschlag habe dem \"aggressiven BRD-Staatsapparat\" in seiner Funktion als \"Kernstaat der politischen Formierung Westeuropas in der imperialistischen Kriegsstrategie\" gegolten. Das Opfer sei \"eine der zentralen Figuren in der Formierung westeurop\u00e4ischer Politik im imperialistischen 169","Gesamtsystem\" gewesen. Ausdr\u00fccklich betonten die Verfasser die Einbindung des Anschlags in die laufende \"Offensive\" der RAF mit dem Ziel, die \"revolution\u00e4re Front in Westeuropa\" als Abschnitt im \"internationalen Befreiungskrieg\" zu organisieren. Die Selbstbezichtigung war auf derselben Schreibmaschine geschrieben worden wie die nach dem Mord an Dr. Ernst Zimmermann am 1. Februar 1985 und an Prof. Dr. Karl Heinz Beckurts und dessen Fahrer am 9. Juli 1986 aufgefundenen Erkl\u00e4rungen der RAF. Eine Kopie dieser Selbstbezichtigung wurde am 14. Oktober bei der Durchsuchung eines der militanten autonomen Szene zuzurechnenden Info-B\u00fcros in M\u00fcnchen sichergestellt. 2.2 Militante der RAF Die \"Militanten der RAF\" sind nach dem Kommandobereich als zweite \"k\u00e4mpfende Ebene\" in die RAF eingebunden und damit als integrierter Bestandteil der RAF anzusehen. Ihre \"militanten\" Anschl\u00e4ge richten sich -- anders als die Morde des Kommandobereichs-gegen Sachen; dabei wird allerdings zunehmend eine Verletzung von Personen in Kauf genommen. Die T\u00e4tergruppen sind unterschiedlich organisiert; in Teilbereichen operierten sie aus dem Untergrund heraus und bekannten sich als \"Illegale Militante\" zu einigen Anschl\u00e4gen. Inzwischen verwenden sie \u00fcberwiegend die Bezeichnung \"K\u00e4mpfende Einheit\", meist unter Hinzuf\u00fcgung des Namens eines verstorbenen Mitglieds einer ausl\u00e4ndischen Terrorgruppe. Tr\u00e4ger dieses \"militanten\" Konzepts sind vermutlich Personen des engeren RAF-Umfelds, die sich seit Jahren f\u00fchrend in der politisch-ideologischen Unterst\u00fctzerarbeit bet\u00e4tigt haben. Auf die enge Zusammenarbeit mit der Kommandoebene der RAF verweisen die Auswahl der Anschlagsobjekte, die von den \"Militanten der RAF\" benutzten Tatmittel und die mit Erkl\u00e4rungen der RAF inhaltlich und formal h\u00e4ufig \u00fcbereinstimmende Diktion der Selbstbezichtigungen. Die Abstimmung mit dem Kernbereich der RAF war 1986 auch daran erkennbar, da\u00df den \"milit\u00e4rischen\" Anschl\u00e4gen der Kommandoebene in Stra\u00dflach und Bonn in unmittelbarem zeitlichem Zusammenhang \"militante\" Anschl\u00e4ge folgten, die der \"Offensive\" der RAF nachhaltige Wirkung verleihen und einen mobilisierenden Faktor f\u00fcr das sonstige gewaltbereite linksextreme Spektrum bilden sollten. Dabei handelte es sich um neun Sprengstoffexplosionen, zu denen Selbstbezichtigungen jeweils unterschiedlich bezeichneter \"K\u00e4mpfender Einheiten\" bekanntgeworden sind. Angegriffen wurden im Rahmen dieser \"Offensive\" am -- 24. Juli das Fraunhofer-Institut f\u00fcr Lasertechnik in Aachen durch eine \"K\u00e4mpfende Einheit Sheban Atlouf\" -- 25. Juli die Firma Dornrer in Immenstaad/Bodensee durch eine \"K\u00e4mpfende Einheit -- wir nennen uns nach der Genossin, die nach dem Raketenangriff eines Kommandos der Guerilla auf die Tagung der Sozialistischen Internationale in Lima ums Leben kam\" -- 11. August das Einsatzund Ausbildungszentrum des Bundesgrenzschutzes in Swisttal-Heimerzheim durch eine \"K\u00e4mpfende Einheit Crespo ,Cepa' Gallende\" -- 13. August der Elektrokonzern Westinghouse in Wuppertal durch eine \"K\u00e4mpfende Einheit 13.8.86\" 170","-- 8. September das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz in K\u00f6ln durch eine \"K\u00e4mpfende Einheit Christos Tsoutsouvis\" -- 15. September die Firma Panavia in M\u00fcnchen durch eine \"K\u00e4mpfende Einheit Anna Maria Ludmann\" -- 16. November das Rechenzentrum der Firma IBM in Heidelberg durch eine \"K\u00e4mpfende Einheit Hind Alameh\" -- 19. Dezember die Deutsche Finanzierungsgesellschaft f\u00fcr Beteiligungen in Entwicklungsl\u00e4ndern GmbH in K\u00f6ln-M\u00fcngersdorf durch eine \"K\u00e4mpfende Einheit Rolando Olalia\" -- 21. Dezember ein Geb\u00e4ude des Kurt-Schumacher-Bildungszentrums in Bad M\u00fcnstereifel durch eine \"K\u00e4mpfende Einheit Mustafa Aktas (Celal)\". Der Argumentationslinie der RAF entsprechend begr\u00fcndeten die T\u00e4ter die Anschl\u00e4ge meist damit, da\u00df die angegriffenen Firmen und Institutionen wichtige Teile des \"milit\u00e4risch-industriellen Komplexes\" (MIK) bzw. des \"Repressionsapparats\" seien; zugleich nannten sie als wichtigstes politisches Nahziel der \"Offensive\" die \"Zusammenlegung der Gefangenen aus RAF und Widerstand\". Dar\u00fcber hinaus forderten sie die Bildung einer \"antiimperialistischen Front in Westeuropa\". Diese Internationalisierung des Terrors ist auch ein besonderes Anliegen der Untergrundzeitschrift \"Zusammen k\u00e4mpfen -- Zeitung f\u00fcr die antiimperialistische Front in Westeuropa\", die mit hoher Wahrscheinlichkeit von \"Militanten der RAF\" herausgegeben wird. Sie enth\u00e4lt vor allem Selbstbezichtigungen der \"k\u00e4mpfenden Ebenen\" der RAF sowie kommentarlos wiedergegebene Erkl\u00e4rungen ausl\u00e4ndischer Terrorgruppen und ist als Instrument der Kommunikation, Instruktion und Indoktrination anzusehen. 2.3 Umfeld der RAF Die das Gewaltkonzept der RAF bejahenden Gruppen werden aufgrund ihrer jeweils unterschiedlichen N\u00e4he zum Kommandobereich als engeres bzw. weiteres Umfeld bezeichnet und bilden weiterhin ein f\u00fcr die RAF verl\u00e4\u00dfliches Unterst\u00fctzerpotential. Sie sehen ihre Aufgabe darin, Ideologie und Ziele der RAF \u00f6ffentlich zu vertreten und f\u00fcr sie zu werben. Die Angeh\u00f6rigen dieser Gruppen betreuen inhaftierte terroristische Gewaltt\u00e4ter und Unterst\u00fctzer der RAF und setzen sich f\u00fcr deren Forderungen ein. Au\u00dferdem geh\u00f6rt es zu ihren Aufgaben, den Informationsflu\u00df zwischen den verschiedenen Ebenen der RAF aufrechtzuerhalten. Dar\u00fcber hinaus leisten sie logistische Unterst\u00fctzungsarbeit (z.B. durch Beschaffen von Personalpapieren, Anmieten konspirativer Wohnungen) und werden so in die Vorbereitung und Durchf\u00fchrung terroristischer Aktionen eingebunden. Letztlich stellt dieser Personenkreis auch das Rekrutierungspotential f\u00fcr die im Untergrund lebenden \"illegalen\" RAF-Mitglieder dar. In Bayern sind seit 1983 Gruppierungen des RAF-Umfeldes mit N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen als Schwerpunkten bekannt. Ihnen geh\u00f6ren etwa 20 Personen an, davon einige aus dem engeren RAF-Umfeld. Die Gruppierungen unterhielten untereinander, aber auch zu \u00e4hnlichen Gruppen im Bundesgebiet, enge Kontakte. 171","Bedeutsamstes Ereignis f\u00fcr den Unterst\u00fctzerbereich der RAF war ein vom engeren RAF-Umfeld getragener internationaler Kongre\u00df \"Antiimperialistischer und antikapitalistischer Widerstand in Westeuropa\", der vom 31. Januar bis 4. Februar in Frankfurt a.M. stattfand. Ziel der Veranstaltung war nach einem in Erlangen verbreiteten Flugblatt der Austausch von \"Erfahrungen des Widerstands gegen die imperialistische Politik\" und die Diskussion \u00fcber \"Gemeinsamkeiten und M\u00f6glichkeiten aus der Vielfalt des Widerstands in der westeurop\u00e4ischen Metropole\". Dadurch sollten \"gemeinsame Prozesse\" erm\u00f6glicht und der \"Zusammenhang der antiimperialistischen und antikapitalistischen Bewegung hier und in Westeuropa\" vor dem Hintergrund des vorj\u00e4hrigen \"Hungerstreiks der Gefangenen aus der RAF und dem Widerstand\" politisch vertieft und weiterentwickelt werden. Der Kongre\u00df sollte die politische Komponente des gemeinsamen Kampfes der \"revolution\u00e4ren Bewegung\" st\u00e4rker zur Geltung bringen und dazu beitragen, national und international alle \"antiimperialistischen\" Kr\u00e4fte zusammenzufassen. An dem Kongre\u00df beteiligten sich zeitweise bis zu 1.000 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet sowie Besucher aus Belgien, Italien, Nordirland, Portugal, Spanien, der T\u00fcrkei, den Niederlanden und den USA. Anh\u00e4nger der RAF propagierten deren Ziele, so z.B. die Bildung einer \"antiimperialistischen Front in Westeuropa\", und stellten das B\u00fcndnis der RAF mit der franz\u00f6sischen Terrororganisation \"Action Directe\" als Vorbild heraus. Gleichwohl gelang es ihnen nicht, die Distanz zu gewaltorientierten \"autonomen\" Gruppen zu \u00fcberbr\u00fccken und dadurch die eigene personelle Basis zu verbreitern. Insbesondere kritisierten die \"Autonomen\" die Ermordung des US-Soldaten Pimentai im Zusammenhang mit dem Sprengstoffanschlag der RAF auf die Rhein-Main-Air-Base in Frankfurt am 8. August 1985. Durch diese Aktion seien Gemeinsamkeiten im Ansatz erstickt worden, die nach dem Hungerstreik 1985 noch vorhanden gewesen seien. Auch auf internationaler Ebene konnte das Ziel des Kongresses, n\u00e4mlich die Erarbeitung von gemeinsamen Strukturen, nicht verwirklicht werden. Hier waren ebenfalls tiefgreifende ideologische Gegens\u00e4tze erkennbar. In einer anl\u00e4\u00dflich des Kongresses verbreiteten Brosch\u00fcre waren unter der \u00dcberschrift \"Die Front entsteht als k\u00e4mpfende Bewegung -- Krieg dem Krieg\" Grundsatzerkl\u00e4rungen zur Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAW) und ihrer Einbindung in den als Angriffsziel der RAF bekannten \"milit\u00e4risch-industriellen Komplex\" (MIK) abgedruckt. Ein \"Redebeitrag N\u00fcrnberg zur WAA\", der auf die am Bau der WAW beteiligten Firmen verwies, endete mit den Worten: \"Das Interesse besteht darin, aufzuzeigen wo die Schweine sitzen, sie zu benennen und angreifbar zu machen. Kampf dem Kriegsprojekt WAA, gegen Staat und Kapital, der Kampf um Befreiung ist international\". Am 4. November sollte in M\u00fcnchen eine Veranstaltung zum Thema \"Situation der politischen Gefangenen in der Bundesrepublik Deutschland\" stattfinden. Zu diesem Treffen wurden \"Angeh\u00f6rige und Rechtsanw\u00e4lte\" inhaftierter terroristischer Gewaltt\u00e4ter mit Plakaten und Flugbl\u00e4ttern ohne Impressum eingeladen. Darin hie\u00df es, die Zusammenkunft diene u.a. der Diskussion, wie man die Forderung der \"Gefangenen aus RAF und Widerstand\" nach \"Zusammenlegung in gro\u00dfe Gruppen\" durchsetzen k\u00f6nne, um \"dem Vernichtungskalk\u00fcl der Herrschenden eine Grenze zu setzen\". Der Generalbundesanwalt leitete ein 172","Ermittlungsverfahren wegen Verdachts des Werbens f\u00fcr eine terroristische Vereinigung ein; au\u00dferdem wurde die angek\u00fcndigte Veranstaltung von der Landeshauptstadt M\u00fcnchen verboten. An einer Kontrollstelle vor dem Versammlungslokal nahmen die Beamten acht Personen vorl\u00e4ufig fest, davon vier wegen Verdachts eines Versto\u00dfes gegen das Versammlungsgesetz. Unter den \u00fcberpr\u00fcften Besuchern befanden sich mehrere Sympathisanten der RAF, darunter auch die Mieterin des Saales, deren Wohnung durchsucht wurde. Dabei stellte die Polizei zwei Ausgaben der Publikation \"Zusammen k\u00e4mpfen -- Zeitung f\u00fcr die antiimperialistische Front in Westeuropa\" sowie ein Exemplar der von \"autonomen\" Kreisen herausgegebenen Zeitschrift \"Radikal\" sicher. Im Zusammenhang mit den Ermittlungen, die aufgrund dieser beh\u00f6rdlich unterbundenen Veranstaltung eingeleitet wurden, durchsuchte die Polizei am 10. Dezember in M\u00fcnchen einige Objekte des RAF-Umfeldes. Dabei konnte sie u.a. zwei Thermoprinter mit Thermopapier, mehrere Schreibmaschinen und Bolzenschneider, eine Liste mit Kfz-Kennzeichen, Flugbl\u00e4tter zur \"Situation politischer Gefangener in der BRD\", Briefe von RAF-H\u00e4ftlingen und weiteres umfangreiches Schriftgut sicherstellen. 2.4 Festnahmen und Urteile Ein Hinweis aus der Bev\u00f6lkerung f\u00fchrte am 2. August in R\u00fcsselsheim zur Festnahme der mit Haftbefehl gesuchten RAF-Angeh\u00f6rigen Eva Sibylle Haule-Frimpong. Sie ist dringend verd\u00e4chtig, u.a. an den Vorbereitungen f\u00fcr den versuchten Sprengstoffanschlag auf die NATO-Schule in Oberammergau am 18. Dezember 1984 beteiligt gewesen zu sein. In ihrer Begleitung befanden sich zwei vermutlich dem engeren RAF-Umfeld zuzurechnende Personen; gegen beide erging Haftbefehl wegen Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Bei Frau Haule-Frimpong fand die Polizei gef\u00e4lschte inund ausl\u00e4ndische Personaldokumente, 80 Schu\u00df Munition und eine geladene Pistole, die aus dem \u00dcberfall der RAF auf ein Waffengesch\u00e4ft in Maxdorf am 5. November 1984 stammte. Au\u00dferdem stellten die Beamten eine Skizze sicher, die auf einen beabsichtigten Anschlag auf das Bundesministerium f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit in Bonn hindeutete. Auch dies zeigt, da\u00df der Kommandobereich und die \"militante\" Ebene der RAF offenbar Kontakte unterhalten, die auch der Absprache von geplanten Aktionen dienen. Das Bayerische Oberste Landesgericht in M\u00fcnchen verurteilte am 5. Februar dieRAF-Mitglieder Barbara Ernst und Ernst-Volker Staub wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Urkundenf\u00e4lschung und Versto\u00dfes gegen das Waffengesetz zu je vier Jahren Freiheitsstrafe. Das Gericht erkannte beiden f\u00fcr die Dauer von drei Jahren die F\u00e4higkeit zur Bekleidung \u00f6ffentlicher \u00c4mter ab und ordnete nach Haftverb\u00fc\u00dfung F\u00fchrungsaufsicht an. Die Angeklagten waren am 2. Juli 1984 in einer konspirativen Wohnung in Frankfurt a.M. festgenommen worden. Im Verfahren gegen drei weitere RAF-Angeh\u00f6rige verk\u00fcndete das Oberlandesgericht Stuttgart am 20. M\u00e4rz die Urteile. Gegen Manuela Happe, die am 2. Juni 1984 bei Deizisau, Kreis Esslingen, nach einem Schu\u00dfwechsel mit Polizeibeamten festgenommen worden war, verh\u00e4ngte das Gericht eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren wegen zweifachen Mordversuches, Mitgliedschaft in einer terro173","ristischen Vereinigung und Versto\u00dfes gegen das Waffengesetz. Die am 2. Juli, 1984 in Frankfurt a.M. festgenommenen Mitangeklagten Ingrid Jakobsmeier und Christa Eckes wurden wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Versto\u00dfes gegen das Waffenund Kriegswaffenkontrollgesetz und Urkundenf\u00e4lschung zu neun bzw. acht Jahren Haft verurteilt. Das Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf verurteilte am 23. Dezember den RAF-Angeh\u00f6rigen Helmut Pohl wegen 17fachen versuchten Mordes, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Urkundenf\u00e4lschung und Versto\u00dfes gegen das Waffenund Sprengstoffgesetz zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Das Gericht befand ihn f\u00fcr schuldig, am 31. August 1981 an dem Sprengstoffanschlag auf den amerikanischen Luftwaffenst\u00fctzpunkt Ramstein beteiligt gewesen zu sein, bei dem 17 Personen zum Teil schwere Verletzungen erlitten hatten. Der Mitangeklagte Stefan Frey erhielt wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Urkundenf\u00e4lschung, Diebstahls und Versto\u00dfes gegen das Waffengesetz eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten. Im Schlu\u00dfwort verdeutlichten die Angeklagten noch einmal ihre Zugeh\u00f6rigkeit zur RAF. Sie billigten die Ziele dieser terroristischen Vereinigung und verlangten, als \"politische Gefangene\" behandelt zu werden. Auch Frey und Pohl waren am 2. Juli 1984 in einer konspirativen Wohnung der RAF in Frankfurt a.M. festgenommen worden. 3. Revolution\u00e4re Zellen Die RZ einschlie\u00dflich einer autonomen Frauengruppe in der RZ, der \"Roten Zora\", sind nach der RAF die gef\u00e4hrlichste terroristische Vereinigung in der Bundesrepublik Deutschland. Sie unterscheiden sich vom Kernbereich der RAF in Taktik und Strategie nach wie vor dadurch, da\u00df ihre Mitglieder aus einem b\u00fcrgerlichen Leben heraus operieren. Dieser Umstand und der Z.usam- . menschlu\u00df in kleine, unabh\u00e4ngige Zellen erschweren das Erkennen und Bek\u00e4mpfen. Langfristig verfolgen die RZ das Konzept des permanenten Guerillakampfes. Ihr Ziel ist, eine m\u00f6glichst breite personelle und materielle Basis f\u00fcr ihren \"antiimperialistischen Kampf\" zu schaffen und damit die Voraussetzung f\u00fcr eine revolution\u00e4re Situation in der Bundesrepublik Deutschland herbeizuf\u00fchren; deshalb achten sie darauf, da\u00df ihre Aktionen der \"Masse\" vermittelbar erscheinen. Die terroristischen Anschl\u00e4ge orientieren sich an aktuellen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Protestthemen. Durch diese Ankn\u00fcpfungsstrategie sollen Unentschlossene aus der \"legalen\" Protestbewegung zum Kampf gegen behauptete Mi\u00dfst\u00e4nde motiviert und ihre Mitwirkung oder zumindest Sympathie f\u00fcr \"Widerstandsaktionen\" gewonnen werden. Bislang wurden im wesentlichen folgende Schwerpunkte dieser breitgef\u00e4cherten Ankn\u00fcpfungsstrategie der RZ erkannt und durch Positionspapiere der RZ best\u00e4tigt: Bau von Gro\u00dfprojekten (Gro\u00dfflugh\u00e4fen, insbesondere Startbahn West in Frankfurt a.M., Rhein-MainDonau-Kanal, Kernkraftwerke), Einrichtungen der Bundeswehr, der US-Streitkr\u00e4fte sowie Unternehmen der Verteidigungswirtschaft, ferner seit 1985 Einrichtungen der Bio-, Genund Computertechnologie und seit 1986 die \"Asylantenpolitik\" der Bundesregierung. Weitere Problemfelder waren Fahrpreiser174","h\u00f6hungen, \"Bodenspekulation\" im Zusammenhang mit Stadtsanierungen sowie Jugendarbeitslosigkeit. Die Aktionen der RZ umfassen eine Palette verschiedener Straftaten. Dazu geh\u00f6ren insbesondere Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge, Sachbesch\u00e4digungen, Verkleisterungen, S\u00e4ureanschl\u00e4ge und das Verbreiten von Schriften mit strafbarem Inhalt, gelegentlich auch vors\u00e4tzliche schwere K\u00f6rperverletzung. Durch diese Anschl\u00e4ge und zahlreiche \u00f6ffentliche Erkl\u00e4rungen im Zusammenhang damit ist es den RZ gelungen, ein erhebliches latent vorhandenes Potential von Militanz freizusetzen. 1986 ver\u00fcbten die RZ und die \"Rote Zora\" im Bundesgebiet 13 (1985:18) Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge, davon keinen in Bayern. Dabei griffen sie insbesondere die Asylantenbzw. Fl\u00fcchtlingsproblematik als ein aus ihrer Sicht zentrales Thema auf. In diesem Zusammenhang sind zu nennen -- der Sprengstoff-/Brandanschlag auf ein Dienstgeb\u00e4ude der Polizei (Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde) in Hamburg am 17. August, -- der versuchte Sprengstoffanschlag auf das Oberverwaltungsgericht in L\u00fcneburg am 31. August, -- der Sprengstoffanschlag auf das Bundesverwaltungsamt in K\u00f6ln am 31. August, -- die Brandanschl\u00e4ge auf einen Pkw bzw. eine Garage von Funktion\u00e4ren des Deutschen Roten Kreuzes in Berlin am 15. September, -- die Sprengstoffanschl\u00e4ge auf die Ausl\u00e4nder\u00e4mter in Hagen und Hamm am 25. September, -- der Sprengstoffanschlag auf das Verwaltungsgeb\u00e4ude der Lufthansa in K\u00f6ln am 28. Oktober. In den Begr\u00fcndungen zu den Anschl\u00e4gen warfen die RZ den angegriffenen Institutionen die Beteiligung an Abschiebungen von Ausl\u00e4ndern vor. Aufsehen erregte auch ein am 28. Oktober auf den Leiter der Berliner Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde ver\u00fcbtes Attentat, bei dem der Beamte durch gezielte Sch\u00fcsse in beide Beine verletzt wurde. In einem Selbstbezichtigungsschreiben bezeichneten die RZ das Opfer als \"Schreibtischt\u00e4ter und Menschenj\u00e4ger\", der f\u00fcr den \"t\u00e4glichen Terror\" gegen\u00fcber Ausl\u00e4ndern, Asylanten und Fl\u00fcchtlingen verantwortlich sei. Mit diesem Attentat haben die RZ, deren Gewaltakte sich prim\u00e4r gegen Sachobjekte richten, nach Anschl\u00e4gen auf einen Rechtsanwalt in Berlin im Mai 1978 und auf den fr\u00fcheren hessischen Wirtschaftsminister im Mai 1981 zum dritten Mal einen gezielten Anschlag auf einen Menschen begangen. In einer auch in Bayern verbreiteten Schrift \"Revolution\u00e4rer Zorn -- Extra Oktober 86\" kn\u00fcpften \"Revolution\u00e4re Zellen\" erstmals seit April 1981 an die fr\u00fcher j\u00e4hrlich einoder mehrmals herausgegebene Zeitung gleichen Namens an. Die Druckschrift enthielt Texte von Selbstbezichtigungsschreiben zu den Anschl\u00e4gen der RZ in der letzten Zeit, mit denen die RZ auf die Asylanten^ bzw. Fl\u00fcchtlingsproblematik aufmerksam machen wollten. In einer gewissen Abgrenzung zur RAF betonten die Verfasser, durch die Aktionen in bezug auf die Fl\u00fcchtlingsproblematik zur \"R\u00fcckgewinnung eines konkreten Antiimperialismus in der BRD beitragen\" zu wollen. Antiimperialismus bedeute nicht allein \"Angriff auf milit\u00e4risch-industrielle Apparate\" und sei mehr als \"Solidarit\u00e4t mit 175","fernen Befreiungsbewegungen\". Aufgabe der RZ sei es, eine \"antiimperialistische Politik auf die Klassenfront hier und auf die R\u00fcckwirkungen in diesem' Land zu beziehen\". Die Fl\u00fcchtlingsfrage sei dabei von besonderer Bedeutung, da der Staat an ihrer Behandlung sein \"eigentliches Gesicht\" zeige. Im Hinblick auf die Auswahl ihrer Angriffsziele erkl\u00e4rten die RZ, sie verzichteten bei der Durchf\u00fchrung von Anschl\u00e4gen bewu\u00dft auf Objekte, bei denen \"Menschen, die wir nicht treffen wollen\", zu Schaden kommen k\u00f6nnten. Die RZ-Frauengruppe \"Rote Zora\" bekannte sich zu dem Brandanschlag gegen das Institut f\u00fcr Humangenetik am 5. August in M\u00fcnster, zum Sprengstoffanschlag gegen die Gesellschaft f\u00fcr biotechnologische Forschung am 20. September in Braunschweig und zum versuchten Sprengstoffanschlag gegen das Gentechnische Institut am 18. Oktober in Berlin. In ihren Taterkl\u00e4rungen versuchte sie zu vermitteln, da\u00df die Biound Gentechnologie eine entscheidende Schl\u00fcsseltechnologie im \"imperialistischen\" Umstrukturierungsproze\u00df sei und sich \"diese Politik vor allem gegen Ausl\u00e4nderinnen, Frauen der unteren Schichten und Behinderte\" richte. \"S\u00e4mtliche lebendigen Prozesse von Tieren, Pflanzen und Menschen\" w\u00fcrden \"vom Kapital einverleibt und verwertet\". Die Biotechnologie habe \"f\u00fcr das Kapital strategischen Wert, um auf technologisch erh\u00f6hter, profittr\u00e4chtiger Stufe die Akkumulationskrise zu \u00fcberwinden\". Ein Umfeld der RZ, das \u00e4hnlich strukturiert w\u00e4re wie das der RAF, war bisher nicht festzustellen, wenngleich Schmierschriften wie \"Schafft viele Revolution\u00e4re Zellen\" auf die Existenz von RZ-Sympathisanten hindeuten. \u00dcberdies wird eine ideologische Zuordnung der sonstigen Gruppierungen des linksterroristischen Umfeldes zur RAF oder zu den RZ zunehmend problematischer, da weitgehend eine ideologische \u00dcbereinstimmung hinsichtlich des \"antiimperialistischen Kampfes\" besteht. 4. Politische motivierte Gewaltaktionen in Bayern Die Zahl der Gewaltakte, bei denen das angegriffene Ziel, die Tatausf\u00fchrung oder eine Selbstbezichtigung auf politische Motive hindeuteten, stieg 1986 in Bayern erheblich an. Insgesamt wurden vier Sprengstoffanschl\u00e4ge (1985:2) und 74 Brandanschl\u00e4ge (1985: 8) ver\u00fcbt oder versucht. Der weitaus \u00fcberwiegende Teil dieser Straftaten war linksextremen T\u00e4terkreisen zuzuordnen, darunter auch das vom Kernbereich der RAF begangene Bombenattentat am 9. Juli in Stra\u00dflach. Unter den Motiven \u00fcberwog der Protest gegen die zivile Nutzung der Kernenergie, vor allem der \"Widerstand\" gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAW). So war den jeweiligen Tatumst\u00e4nden nach bei rund 50 (1985: 3) Brandanschl\u00e4gen ein Bezug zur Errichtung der WAW erkennbar; gesch\u00e4digt wurden insbesondere am Bau der WAW beteiligte Firmen. Dar\u00fcber hinaus zeigte auch der Anstieg von Anschl\u00e4gen auf Strommasten (1985: 1; 1986: 42) und die H\u00e4ufung gef\u00e4hrlicher Eingriffe in den Bahnverkehr (1985: 3; 1986:48), da\u00df die in linksextremen Publikationen verbreiteten Anleitungen zu derartigen Aktionen bei militanten Kernkraftgegnern zunehmend Resonanz finden. Im wesentlichen sind folgende Gewaltaktionen zu nennen: 4.1 Sprengstoff anschlage Am Morgen des 9. Juli ver\u00fcbten terroristische Gewaltt\u00e4ter einen Bombenanschlag auf das Vorstandsmitglied der-Firma Siemens Prof. Dr. Karl Heinz Bek176","kurts. Der Sprengsatz war am Ortsausgang von Stra\u00dflach, Landkreis M\u00fcnchen, an der Fahrtstrecke von Dr. Beckurts' Wohnung zu seinem B\u00fcro deponiert und wurde beim Passieren seines Dienstfahrzeugs \u00fcber Draht ferngez\u00fcndet. Durch die Explosion kamen Dr. Beckurts und sein Fahrer Eckhard Gruppier ums Leben. In einem am Tatort hinterlassenen, als authentisch einzustufenden Schreiben begr\u00fcndete ein \"Kommando Mara Cagol\" der RAF den Mordanschlag u.a. mit der Position des Opfers in der Firma Siemens und der Bedeutung des Unternehmens im \"milit\u00e4risch-industriellen Komplex\" (MIK). Ein in Rosenheim entwendetes und mit einer Kennzeichendoublette versehenes Tatfahrzeug wurde am 15. Juli in Oberhaching, Landkreis M\u00fcnchen, aufgefunden. Ein Sprengstoffanschlag auf ein Verwaltungsgeb\u00e4ude in M\u00fcnchen verursachte in der Nacht zum 15. September einen Sachschaden von \u00fcber 250.000 DM. Unmittelbar vor der Explosion war bei einem Einwohner in der Nachbarschaft eine anonyme telefonische Warnung eingegangen. Am n\u00e4chsten Tag erhielt eine \u00f6rtliche Zeitungsredaktion ein Schreiben, in dem eine \"K\u00e4mpfende Einheit Anna Maria Ludmann\" erkl\u00e4rte, der Anschlag habe einem Verbindungsb\u00fcro der NATO sowie den ebenfalls in dem Geb\u00e4ude untergebrachten B\u00fcror\u00e4umen der Firma Panavia Aircraft GmbH gegolten, die ma\u00dfgeblich an der Entwickkjng des Kampfflugzeuges Tornado beteiligt war. Damit sollten \"zwei zentrale Projekte der westeurop\u00e4ischen R\u00fcstungskooperation\", die als \"Motor f\u00fcr die Machtzusammenballung in einem europ\u00e4ischen milit\u00e4risch-industriellen Komplex\" fungierten, getroffen werden. Es gelte nun, den \"Frontproze\u00df in Westeuropa\" auf allen Ebenen weiterzuentwickeln und ihn mit dem \"vielf\u00e4ltigen Widerstand\" gegen die \"Projekte der konterrevolution\u00e4ren Formierung nach innen\", die \"Kriegspolitik\" und die \"Atompolitik des BRD-Staates, die WAA\" zu verbinden. Abschlie\u00dfend wurden Forderungen wie \"Zusammenlegung der Gefange177","nen aus RAF und Widerstand\", Freilassung von G\u00fcnther Sonnenberg\" und \"Einheit im Kampf f\u00fcr die Weltrevolution\" erhoben. Diese Selbstbezichtigung, die sich an die bereits bekannten Argumentationslinien der RAF anlehnt, l\u00e4\u00dft auf Urheber aus dem Kreis der \"Militanten der RAF\" schlie\u00dfen. Anna Maria Ludmann, die der italienischen Terrorgruppe \"Brigate Rosse\" angeh\u00f6rte, wurde am 28. M\u00e4rz 1980 bei einem Feuergefecht mit Sicherheitskr\u00e4ften erschossen. Unbekannte T\u00e4ter versuchten am 28. Juni, in der N\u00e4he des Kernkraftwerks Gundremmingen zwei Masten einer Hochspannungsleitung zu sprengen. Bei der Entsch\u00e4rfung der rechtzeitig entdeckten Sprengladungen erlitt ein Beamter leichte Verletzungen. In zwei am Tatort hinterlassenen Schreiben forderte eine Gruppierung mit der Bezeichnung \"Edelwei\u00df-Piraten\" die umgehende Abschaltung der Kernkraftwerke und den \"Aufbau einer bayer. Guerilla\". 4.2 Brandanschl\u00e4ge Unbekannte T\u00e4ter setzten am 27. April in Erding einen Kran einer an der Errichtung der WAW beteiligten Baufirma in Brand und versuchten, zwei weitere Fahrzeuge mit selbstgefertigten Brands\u00e4tzen zu zerst\u00f6ren. Der Sachschaden betr\u00e4gt rund 100.000 DM. In einem bei einer M\u00fcnchner Zeitungsredaktion eingegangenen Schreiben erkl\u00e4rte ein \"Kommando Karl-Heinz Hiersemann\", nach \"Massenverhaftungen und CS-Gas\" m\u00fcsse \"der Widerstand gegen die WAA auf einer f\u00fcr uns ungef\u00e4hrlicheren Ebene weitergehen\". Ein Brandanschlag auf Baufahrzeuge, die bei Dimismaning, Landkreis M\u00fcnchen, auf der Gro\u00dfbaustelle des Dietersheimer Kanals abgestellt waren, verursachte am 3. Mai einen Sachschaden von rund 300.000 DM. Bei einem weiteren Brandanschlag auf Einrichtungen und Baumaschinen derselben Firma am 6. Mai in M\u00fcnchen entstand ein Schaden von etwa 100.000 DM. In der Nacht zum 10. Mai schlugen unbekannte T\u00e4ter ein Fenster eines Rechenzentrums in M\u00fcnchen ein und entz\u00fcndeten im Druckerraum einen gef\u00fcllten Benzinkanister. Der dadurch entstandene Sachschaden wird auf rund 1 Million DM gesch\u00e4tzt. Den polizeilichen Ermittlungen zufolge d\u00fcrfte der Anschlag einer im selben Geb\u00e4ude untergebrachten Zweigstelle eines Geldinstituts gegolten haben. Der illegale Sender \"Radio Dreyeckland\" hatte am 25. April auf die Gesch\u00e4ftsverbindungen dieser Bank zur Republik S\u00fcdafrika hingewiesen und zu einem \"Bankenaktionstag\" aufgerufen. In Altenerding, Landkreis Regensburg, wurde in der Nacht zum 18. Mai ein Brandanschlag auf Signaleinrichtungen der Deutschen Bundesbahn ver\u00fcbt. Der Sachschaden betr\u00e4gt rund 100.000 DM. Am Tatort wurde die Schmierschrift \"WAA nie\" festgestellt. Ein Brandanschlag auf ein Schaltpulthaus der Deutschen Bundesbahn bei Atting, Landkreis Straubing-Bogen, verursachte am 19. Mai einen Schaden von etwa 1 Million DM. An die T\u00fcr des Geb\u00e4udes wurde die Parole \"Keine Atomm\u00fclltransporte -- WAA nie\" gespr\u00fcht. In der Nacht zum 23. Mai legten unbekannte T\u00e4ter in Burghausen, Landkreis Alt\u00f6tting, in der Lagerhalle einer Baufirma mit mehreren Benzinkanistern Feu178","er. In einem am Tatort hinterlassenen Flugblatt mit der \u00dcberschrift \"Feuer und Flamme f\u00fcr diesen SS-Staat\" erkl\u00e4rten \"Anarchistische Zellen\", der \"Widerstand in Wackersdorf\" habe \"seit Pfingsten neue Qualit\u00e4t erreicht\". Sie seien entschlossen, nicht nur im WAW-Gel\u00e4nde \"der Vernichtung Widerstand entgegenzusetzen\", sondern \"die Verantwortlichen an jedem Ort zur Rechenschaft zu ziehen\". Dementsprechend habe der Anschlag einem \"Gro\u00dfverdiener der WAA\" gegolten, der sich \"schon l\u00e4ngst f\u00fcr den Krieg nach innen und au\u00dfen entschieden\" habe. Der Generalbundesanwalt leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung ein. Zwischen dem 28. und 30. Mai wurden auf einem Baugel\u00e4nde in Poing, Landkreis Ebersberg, Baufahrzeuge in Brand gesetzt und an einen Bauwagen ein f\u00fcnfzackiger Stern sowie die Parolen \"Tod den Faschisten\" und \"Siemens + WAA nie\" gespr\u00fcht. Der Sachschaden betr\u00e4gt rund 25.000 DM. Ein Brandanschlag auf eine Schulungshalle der US-Armee in Reichersbeuren, Landkreis Bad T\u00f6lz-Wolfratshausen, verursachte Ende Mai einen Schaden von rund 30.000 DM. In einem am 2. Juni bei einer M\u00fcnchner Zeitungsredaktion eingegangenen Schreiben hie\u00df es, die USA seien der \"weltweite Hauptkriegstreiber\"; die Bundesrepublik Deutschland sei \"strategische Einsatzbasis\" f\u00fcr deren Politik. Mit der Errichtung der WAW wolle sich \"die BRD die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr den Bau eigener Atomwaffen sichern\". Das Schreiben endete mit Parolen wie \"Kampf der NATO\", \"Kampf allen Kriegsprojekten, d.h. insbesondere keine WAA und weder alte noch neue C-Waffen\" und \"Solidarit\u00e4t mit allen k\u00e4mpfenden Gefangenen\". Inhalt und Diktion der Selbstbezichtigung lassen auf Urheber aus dem Umfeld der RAF schlie\u00dfen. Am 1. Juni wurden an einer Br\u00fcckenbaustelle zwischen Tax\u00f6ldern und Bodenw\u00f6hr, Landkreis Schwandorf, eine Baubude und ein Bagger in Brand gesetzt. Der Sachschaden betr\u00e4gt etwa 200.000 DM. Bei einem weiteren Brandanschlag auf einen Radlader derselben Baufirma entstand am 26. Juni ein Schaden von rund 20.000 DM. Die gesch\u00e4digte Firma war in einer irr der Publikation \"freiraum\" (Nr. 12) ver\u00f6ffentlichten \"Schwarzen Liste\" als ein am Bau der WAW beteiligtes Unternehmen angef\u00fchrt. Sie war in Bayern seit November 1985 bereits mehrmals das Ziel von Brandanschl\u00e4gen. Bei einem Brandanschlag auf Baufahrzeuge, die auf der Gro\u00dfbaustelle des Dietersheimer Kanals bei Dirnismaning, Landkreis M\u00fcnchen, abgestellt waren, entstand am 25. Juni ein Sachschaden von einigen hunderttausend DM. Die gesch\u00e4digte Firma, die auch am Bau der WAW beteiligt ist, war zuvor bereits Ziel der Anschl\u00e4ge vom 3. und 6. Mai 1986 gewesen. Unbekannte T\u00e4ter setzten in der Nacht zum 6. Juli auf einer Baustelle in Teublitz, Landkreis Schwandorf, einen Bagger, ein Ladeger\u00e4t und einen Holzbauwagen in Brand; au\u00dferdem besch\u00e4digten sie eine Baggerschaufel und einen Heckbagger. Der Sachschaden wird auf rund 300.000 DM gesch\u00e4tzt. Die betroffene Baufirma ist an der Errichtung der WAW beteiligt. Ein Brandanschlag auf ein Transportbeton-Unternehmen in Schwandorf, bei dem in der Nacht zum 21. Juli mehrere Fahrzeuge erheblich besch\u00e4digt und 179","die Schaltzentrale der Betonmischanlage zerst\u00f6rt wurden, verursachte einen Gesamtschaden von rund 2,5 Millionen DM. Das gesch\u00e4digte Unternehmen liefert Beton f\u00fcr den Bau der WAW. Unbekannte T\u00e4ter schlugen in der Nacht zum 22. Juli in M\u00fcnchen zwei Fenster eines Geldinstituts ein und warfen drei Brands\u00e4tze ins Innere. Der an der Inneneinrichtung entstandene Sachschaden wird auf etwa 100.000 DM gesch\u00e4tzt. In einem am 23. Juli bei einer Presseagentur und einer Zeitungsredaktion in M\u00fcnchen eingegangenen Selbstbezichtigungsschreiben bezeichnete eine \"Guerilla-Front Oberbayern, Kommando M\u00fcnchen-Bogenhausen\" den Anschlag als nachtr\u00e4glichen \"Beitrag zum Bankenaktionstag\". In diesem Zusammenhang kritisierten die Verfasser die Gesch\u00e4ftsverbindungen deutscher Banken und Gro\u00dfkonzerne zur Republik S\u00fcdafrika; au\u00dferdem verwiesen sie auf die Beteiligung des gesch\u00e4digten Geldinstituts an \"Atombaufirmen\". Abschlie\u00dfend propagierten sie die \"Abschaltung der herrschenden Klasse\" und erhoben Forderungen wie \"Solidarit\u00e4t mit dem s\u00fcdafrikanischen Volk\", \"Stillegung aller Atomanlagen\" und \"WAA nie\". Auf einem \u00dcbungsgel\u00e4nde der Bundeswehr in M\u00fcnchen wurden in der Nacht zum 31. Juli mehrere Br\u00e4nde gelegt, die eine Lagerhalle f\u00fcr Schlauchboote vernichteten und zwei weitere Geb\u00e4ude erheblich besch\u00e4digten. Au\u00dferdem versuchten die T\u00e4ter, zwei Heiz\u00f6ltanks in Brand zu setzen. Der Sachschaden betr\u00e4gt rund 400.000 DM. In derselben Nacht entstand ferner bei einem Brandanschlag auf einen in M\u00fcnchen abgestellten Bagger ein Schaden von rund 250.000 DM. Zu beiden Anschl\u00e4gen ging am folgenden Tag bei einer Presseagentur und einer Zeitungsredaktion in M\u00fcnchen eine Tatbekennung ein. Darin erkl\u00e4rten die Verfasser, die gesch\u00e4digte Baufirma sei u.a. an der Errichtung der WAW beteiligt. In demselben Schreiben hie\u00df es zum Anschlag auf Einrichtungen der Bundeswehr, der \"Anti-WAAKampf\" erfordere \"neue Initiativen\", da die \"neue Aufr\u00fcstung der Bullen\" militante Aktionen am Bauzaun der WAW erschwere. In der Nacht zum 2. August wurde in einem Asylantenwohnheim in Heiligenstadt, Landkreis Bamberg, ein Feuer gelegt. Ein Heimbewohner konnte den Brand rechtzeitig l\u00f6schen. Bereits zwei Wochen zuvor war ein Brandanschlag auf dasselbe Geb\u00e4ude versucht worden. Wegen der Art des angegriffenen Objekts ist ein rechtsextremer Tathintergrund nicht auszuschlie\u00dfen. Unbekannte T\u00e4ter setzten am 16. August auf einer Baustelle in Buchenhain, Landkreis M\u00fcnchen, Baufahrzeuge und -gerate in Brand. An einen Bauwagen spr\u00fchten sie die Worte \"WAA nie Kommando F.J.S.\". Der Gesamtschaden wird auf \u00fcber 250.000 DM gesch\u00e4tzt. Die betroffene Baufirma, die ma\u00dfgeblich an der Errichtung von Anlagen der Atomwirtschaft beteiligt ist, war zuvor schon Ziel der Brandstiftung vom 25. Juni bei Dirnismaning. Au\u00dferdem war sie in der von anarchistischen Kreisen herausgegebenen Druckschrift \"freiraum\" (Nr. 13) und in der dem engeren RAF-Umfeld zuzurechnenden Brosch\u00fcre \"Die Front entsteht als k\u00e4mpfende Bewegung -- Krieg dem Krieg\" als ein an der Errichtung der WAW beteiligtes Unternehmen angef\u00fchrt. In letzterer Publikation wurde zu Angriffen auf solche Firmen aufgerufen und behauptet, die WAW werde 180","ausschlie\u00dflich mit dem Ziel errichtet, das bei der Wiederaufarbeitung anfallende Plutonium f\u00fcr die Herstellung von Atomwaffen zu verwenden. Bei einem Brandanschlag auf ein Geldinstitut in Garching, Landkreis M\u00fcnchen, entstand am 21. August ein Schaden von rund 50.000 DM. Vor dem Geb\u00e4ude fand die Polizei einen Zettel mit der Aufschrift \"WAA nie --keine Macht f\u00fcr niemand\". Unbekannte T\u00e4ter zertr\u00fcmmerten in der Nacht zum 28. September in Rosenheim ein Fenster eines Geldinstituts und warfen einen Brandsatz in den Innenraum. Neben dem Personaleingang wurde die Schmierschrift \"G. Sare, das war Mord\" festgestellt. G\u00fcnter Sare war ein Jahr zuvor bei einer von massiven Ausschreitungen begleiteten Demonstration gegen eine NPD-Veranstaltung in Frankfurt a.M. von einem Einsatzfahrzeug der Polizei \u00fcberrollt und t\u00f6dlich verletzt worden. Am 2. Oktober wurden auf dem Parkplatz der Bundeswehrhochschule in Neubiberg, Landkreis M\u00fcnchen, zwei Pkw in Brand gesetzt. In der N\u00e4he des Tatorts lagen Flugbl\u00e4tter mit dem Text: \"Dies war erst der Anfang -- NDRF -- Wir brauchen kein deutsches West Point\". In der Nacht zum 8. Oktober setzten unbekannte T\u00e4ter auf einer Baustelle bei H\u00f6chberg, Landkreis W\u00fcrzburg, zwei Bagger und einen Schaufellader in Brand. Der Sachschaden wird auf 1 Million DM gesch\u00e4tzt. Am 14. Oktober ging einer W\u00fcrzburger Zeitungsredaktion ein Schreiben zu, in dem ein \"Kommando Franz Josef Strau\u00df\" die Verantwortung f\u00fcr den Anschlag \u00fcbernahm. Ein Brandanschlag auf die Schieberstation einer Erd\u00f6lleitung bei Hinterleiten, Landkreis Rosenheim, verursachte in der Nacht zum 15. Oktober einen Sachschaden von \u00fcber 1 Million DM. In einem am 20. und 21. Oktober bei Zeitungsredaktionen in Rosenheim und M\u00fcnchen eingegangenen Selbstbezichtigungsschreiben erkl\u00e4rte eine Gruppierung \"Anarchistische Zellen\", sie habe sich mit ihrem \"Angriff\" auf die Pipeline, die \"Bestandteil der strategischen Planungen der NATO\" sei, \"in die aktuelle militante und bewaffnete Offensive gestellt\". Inhalt und Diktion des Schreibens, so z.B. die Forderung, die \"revolution\u00e4re Front in Westeuropa\" weiterzuentwickeln, deuten auf Verfasser aus dem Umfeld der RAF hin. Am 10. November ver\u00fcbten unbekannte T\u00e4ter an der U-Bahn-Baustelle in N\u00fcrnberg einen Brandanschlag auf einen Bagger. Dabei entstand ein Sachschaden von rund 100.000 DM. Am Bauabschnitt im Tatortbereich sind zwei Firmen t\u00e4tig, die an der Errichtung der WAW beteiligt sind. Ein Brandanschlag auf einen Seilzugbagger, der an der Kanalbaustelle der WAW in der N\u00e4he des Bauzauns abgestellt war, verursachte am 19. November einen Sachschaden von rund 50.000 DM. In der Nacht zum 25. November setzten unbekannte T\u00e4ter auf der Baustelle der Abwasserversorgung der Landeshauptstadt M\u00fcnchen einen Raupenkran in Brand. Der Sachschaden betr\u00e4gt \u00fcber 1 Million DM. Am Tatort wurden Flugbl\u00e4tter mit der Aufschrift \"WAA nie -- M\u00fcnchner B\u00fcrger\" gefunden. Die Brosch\u00fcre \"Die Front entsteht als k\u00e4mpfende Bewegung -- Krieg dem Krieg\" hatte die gesch\u00e4digte Firma als ein ma\u00dfgeblich am Bau des \"Kriegsobjekts WAA\" 181","beteiligtes Unternehmen herausgestellt. Das Unternehmen war zuvor bereits Ziel der Brandanschl\u00e4ge vom 27. April, 23. Mai und 10. November gewesen. Bei einem Brandanschlag auf einen Me\u00df-Lkw, der auf einer Baustelle in der N\u00e4he von Bad T\u00f6lz abgestellt war, entstand in der Nacht zum 7. Dezember ein Sachschaden von rund 300.000 DM. Die betroffene Firma ist auch am Bau der WAW beteiligt. Unbekannte T\u00e4ter warfen in der Nacht zum 25. Dezember in Pegnitz, Landkreis Bayreuth, einen Brandsatz in einen Schulungsraum der Bayer. Justizschule. Das Feuer, das einen Schaden von rund 30.000 DM verursachte, erlosch von selbst. An einem Fenster des Geb\u00e4udes wurden ein aufgespr\u00fchter f\u00fcnfzackiger Stern und die Schmierschrift \"Revolution\u00e4re Christkinder\" festgestellt. 4.3 Sonstige Gewaltaktionen In einer offensichtlich koordinierten Aktion versuchten unbekannte T\u00e4ter, in der Nacht zum 7. April den Zugverkehr auf sechs Bundesbahnstrecken lahmzulegen, indem sie etwa 80 cm gro\u00dfe Metallb\u00fcgel mit Widerhaken, die durch Seile miteinander verbunden waren, \u00fcber die Tragseile der Oberleitungen h\u00e4ngten. Zum Teil verfingen sich die Stromabnehmer der E-Loks in den Hindernissen, wodurch es zu Sachsch\u00e4den kam. Betroffen waren Streckenabschnitte in den Landkreisen Donau-Ries, F\u00fcrstenfeldbruck, Kitzingen, MainSpessart, Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim und Pfaffenhofen a.d.llm. An den Tatorten fand die Polizei Flugbl\u00e4tter mit der Parole \"WAA nie\" bzw. eine gleichlautende Schmierschrift. Am 12. April ging bei einer Tageszeitung in Weiden ein Anruf mit folgendem Wortlaut ein: \"Letzte Warnung, WAA wird nicht gebaut, Strommast 64 ist durchges\u00e4gt\". Die daraufhin eingeleiteten Ermittlungen ergaben, da\u00df bei dem fraglichen Strommast einer Hochspannungsleitung s\u00fcd\u00f6stlich von Neunburg vorm Wald, Landkreis Schwandorf, vier St\u00fctzpfeiler durchtrennt waren. Der Sachschaden wird auf etwa 30.000 DM gesch\u00e4tzt. In der Nacht zum 21. April besch\u00e4digten unbekannte T\u00e4ter auf einer Baustelle der Bundesautobahn im Landkreis Straubing-Bogen mehrere Bauwagen, Bagger, Kompressoren und Schneideger\u00e4te, indem sie Maschinen mit S\u00e4ure \u00dcbergossen, Glasscheiben und Lichteinrichtungen der Fahrzeuge zerst\u00f6rten, Reifen zerstachen und in den aufgebrochenen Bauwagen Ger\u00e4te und Werkzeuge unbrauchbar machten. Der Gesamtschaden betr\u00e4gt rund 100.000 DM. In einem Bauwagen wurde ein Schild mit der Aufschrift \"WAA nie\" gefunden. Die gesch\u00e4digte Firma ist am Bau der WAW beteiligt. Am 7. Juli wurde bei Rottendorf, Landkreis W\u00fcrzburg, ein Hochspannungsmast anges\u00e4gt und umgest\u00fcrzt. Der Sachschaden betr\u00e4gt rund 250.000 DM. In Anbetracht der sich im Jahre 1986 h\u00e4ufenden Aktionen militanter Kernkraftgegner gegen Einrichtungen der Energieversorgung ist ein politischer Tathintergrund nicht auszuschlie\u00dfen. Unbekannte T\u00e4ter s\u00e4gten in der Nacht zum 10. August bei Wittislingen, Landkreis Dillingen a.d. Donau, einen Hochspannungsmast um. An zwei Sockel wurde die Parole \"WAA nie\" gespr\u00fcht. Der Sachschaden betr\u00e4gt \u00fcber 70.000 DM. In einem am Tatort hinterlassenen Schreiben hie\u00df es, weder Politiker noch 182","Atomindustrie lie\u00dfen sich durch Argumente von dem \"t\u00f6dlichen Wahnsinn\" der Atomenergie \u00fcberzeugen. In dieser Situation sei \"Widerstand durch Sabotage legitim und notwendig\". Gewalt gegen Sachen werde immer mehr die einzige M\u00f6glichkeit, politisches Geh\u00f6r zu finden. Bei Marktbreit, Landkreis Kitzingen, wurden in der Nacht zum 3. September zwei F\u00fc\u00dfe eines Starkstrommasten anges\u00e4gt und die beiden anderen v\u00f6llig durchtrennt. Der Mast neigte sich 45 Grad zur Seite. Dadurch entstand ein Sachschaden von rund 100.000 DM. Desgleichen wurden in der Nacht zum 7. September bei P\u00f6cking, Landkreis Starnberg, zwei St\u00fctzpfosten und ein Quertr\u00e4ger eines Hochspannungsmasten mit einer Metalls\u00e4ge durchtrennt, so da\u00df der Mast umkippte. Der Sachschaden betr\u00e4gt rund 40.000 DM. Als Urheber der Anschl\u00e4ge kommen militante Kernkraftgegner in Betracht, da das in beiden F\u00e4llen gesch\u00e4digte Energieversorgungsunternehmen auch das Kernkraftwerk Ohu betreibt. In der Nacht zum 5. Oktober s\u00e4gten unbekannte T\u00e4ter einen Oberleitungsmast der Bahnstrecke M\u00fcnchen-Tutzing an. Der Mast neigte sich in den Gleisbereich. Eine in Richtung Starnberg fahrende S-Bahn ber\u00fchrte den schr\u00e4g h\u00e4ngenden Mast und wurde besch\u00e4digt. Dabei entstand ein Gesamtschaden von rund 50.000 DM. Am 8. Oktober wurden bei Loisnitz, Landkreis Schwandorf, keilf\u00f6rmige St\u00fccke aus zwei Hauptstreben eines Hochspannungsmastes ges\u00e4gt und am Sockel die Schmierschrift \"wg. Brokdorf\" angebracht. Der Sachschaden betr\u00e4gt rund 150.000 DM. Am 14. Oktober st\u00fcrzte bei Tutzing, Landkreis Starnberg, ein Starkstrommast um, nachdem unbekannte T\u00e4ter zwei Eckst\u00fctzen durchtrennt hatten. Dadurch entstand ein Sachschaden von \u00fcber 500.000 DM. Das betroffene Energieversorgungsunternehmen war bereits am 3. und 7. September 1986 Ziel \u00e4hnlicher Sabotageakte. Unbekannte T\u00e4ter s\u00e4gten am 16. Oktober in der N\u00e4he von Amberg einen Hochspannungsmast um, der auf eine parallel verlaufende Stromleitung fiel. Der Gesamtschaden betr\u00e4gt rund 160.000 DM. Am Mastsockel wurden die Parolen \"Uns geh\u00f6rt das Land\" und \"WAA nie\" festgestellt. Am 19. Oktober durchtrennten unbekannte T\u00e4ter bei Vierkirchen, Landkreis Dachau, die beiden \u00e4u\u00dferen Tr\u00e4ger eines Oberleitungsmastes der Bundesbahnstrecke M\u00fcnchen-Ingolstadt. Bei der Durchfahrt eines D-Zuges kippte der Mast um; eine nachfolgende S-Bahn fuhr in die herunterh\u00e4ngenden Stromkabel. Insgesamt entstand ein Schaden von etwa 30.000 DM. In der Nacht zum 29. November wurden bei F\u00fcnfstetten, Landkreis DonauRies, und Kissing, Landkreis Aichach-Friedberg, jeweils von einer Br\u00fccke aus Eisenteile auf die Fahrleitung einer Bundesbahnstrecke geworfen. An durchfahrenden Lokomotiven und an einer Leitung entstanden Sachsch\u00e4den. Bei Kissing fand sich am Tatort die Schmierschrift \"WAA nie\". Am selben Tag wurde auf die Bundesbahnstrecke M\u00fcnchen-Ingolstadt zwischen Karlsfeld und Dachau ein \u00e4hnlicher Anschlag ver\u00fcbt, der einen Sachschaden von rund 50.000 DM verursachte. 183","5. Abschnitt Spionageabwehr 1. Allgemeines Wie in den Vorjahren war auch 1986 die Bundesrepublik Deutschland ein bevorzugtes Angriffsziel der Nachrichtendienste des Ostblocks. Dabei richten sich intensive Aussp\u00e4hungsbem\u00fchungen der Nachrichtendienste kommunistisch regierter Staaten im besonderen auf den Freistaat Bayern wegen seiner geographischen Lage sowie seiner Bedeutung in politischer, wirtschaftlicher und milit\u00e4rischer Sicht. Die gegnerischen Dienste beobachten nahezu alle Bereiche des \u00f6ffentlichen Lebens. Haupttr\u00e4ger der erkannten Spionageaktivit\u00e4ten sind die Nachrichtendienste der DDR. Die H\u00e4lfte aller erkannten geheimdienstlichen T\u00e4tigkeiten gegen Bayern geht vom Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit (MfS) der DDR in Berlin (Ost) aus. An zweiter Stelle rangieren mit einem Viertel der erkannten Auftr\u00e4ge gegen Bayern die Nachrichtendienste der CSSR, gefolgt von den Nachrichtendiensten Polens, Rum\u00e4niens, der UdSSR, Ungarns und Bulgariens. Die Schwerpunkte der \u00f6stlichen Aussp\u00e4hung lagen 1986 in Bayern bei der politischen und milit\u00e4rischen Spionage. In \u00fcber 60 % der bekanntgewordenen F\u00e4lle waren diese Bereiche das Ziel der gegnerischen Bem\u00fchungen. Die Spionage gegen Wissenschaft und Wirtschaft sowie die Erteilung von Auftr\u00e4gen vorbereitender und unterst\u00fctzender Art nahm gegen\u00fcber dem Vorjahr leicht zu. Die auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse sind geeignet, den Staaten des Warschauer Paktes allgemeinpolitische, milit\u00e4rische und wirtschaftliche Vorteile -- zum Schaden der Bundesrepublik Deutschland -- zu verschaffen. Dies zu verhindern ist gesetzlicher Auftrag der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden. Der Spionageabwehr des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz gelang es 1986 acht verd\u00e4chtige Agenten \u00f6stlicher Nachrichtendienste zu enttarnen und durch die Sicherheitsbeh\u00f6rden festnehmen zu lassen. In mehreren F\u00e4llen konnten auch Versuche gegnerischer Nachrichtendienste aufgedeckt und abgewehrt werden, Agenten in Sicherheitsbeh\u00f6rden zu gewinnen. Das Bayerische Oberste Landesgericht verurteilte 1986 eine Person (1985: drei) wegen geheimdienstlicher Agentent\u00e4tigkeit zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr. Auftraggeber war ein Nachrichtendienst der DDR. 184","2. Struktur und Aufbau des MfS und KGB Die Aussp\u00e4hung der Bundesrepublik Deutschland geh\u00f6rte zu den Aufgabenschwerpunkten der DDR-Nachrichtendienste. Die Sowjetunion und die anderen Warschauer-Pakt-Staaten deckten vorrangig die \u00fcbrigen Operationsgebiete ab. Auf dem Gebiet der Technologiespionage sind in den letzten Jahren offensichtlich neben den Nachrichtendiensten der DDR mehr als zuvor die sowjetischen Dienste und die Dienste der Satelliten im Bundesgebiet aktiv. Gleichzeitig hat die DDR ihre internationale Aufkl\u00e4rung verst\u00e4rkt. 2.1 Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit (MfS) der ODR Das f\u00fcr die Spionageaktivit\u00e4ten der DDR zust\u00e4ndige Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit (MfS) in Berlin (Ost) ist in Hauptabteilungen und Abteilungen gegliedert. Bei der Leitung besteht ein Verbindungsstab zum KGB. F\u00fcr die gesamte Spionage durch Aufkl\u00e4rung im Ausland ist die Hauptverwaltung Aufkl\u00e4rung (HVA) zust\u00e4ndig. In den Bezirksverwaltungen verf\u00fcgt sie \u00fcber eigene Au\u00dfenstellen. Die HVA gliedert sich in Abteilungen, denen bestimmte Schwerpunktbereiche zugewiesen sind. So besch\u00e4ftigen sich eigene Abteilungen allein mit der Aussp\u00e4hung der Bundesregierung, der Parteien, der sonstigen gesellStruktur des MfS Politb\u00fcro Gen sralZentralsektret\u00e4r der SED komitee der SED ZK-Sekretariat ZK-Abteilung f\u00fcr Sicherheitsfragen Minister f\u00fcr Ministerrat Staatssicherheit Kreisleitung der SED im MfS Verbindungsstab des <GB 185","schaftlichen Gruppen, der Sicherheitsbeh\u00f6rden, der Bundeswehr usw. Einer eigenen Abteilung obliegt jetzt allein die Auswertung. Den operativen Abteilungen des Sektors Wissenschaft und Technik ist der Bereich Grundlagenforschung und Kernphysik, Elektronik und Mikroelektronik, Maschinenund Fahrzeugbau sowie Milit\u00e4rund sonstige Technik \u00fcbertragen. Die organisatorische Entwicklung in der Hauptverwaltung Aufkl\u00e4rung (HVA) des MfS zeigt, wie sehr sich der Aktionsradius der DDR-Nachrichtendienste erweitert hat. Eine eigene Abteilung war zun\u00e4chst f\u00fcr die politische Aufkl\u00e4rung der gesamten westlichen Welt (au\u00dfer der Bundesrepublik Deutschland) zust\u00e4ndig. Etwa im Jahre 1968 beschr\u00e4nkte man ihr Operationsgebiet auf Westeuropa und gr\u00fcndete zwei neue Abteilungen f\u00fcr die politische Spionage in Nordamerika und der Dritten Welt. 2.2 Komitee f\u00fcr Staatssicherheit (KGB) der UdSSR Das Komitee f\u00fcr Staatssicherheit (Komitet Gosudarstwennoj Bezopasnosti -- KGB) untersteht in vergleichbarer Weise wie das MfS der DDR direkt dem Politb\u00fcro des Zentralkomitees der KPdSU und dem Ministerrat der UdSSR. Die Erste Hauptverwaltung mit den Direktoraten S (Agentenausbildung und -f\u00fchrung), T (Technik und Wissenschaft) und I (Auswertung und Analyse) betreibt die Auslandsspionage. 10 Abteilungen von 16 haben Zust\u00e4ndigkeiten nach geographischer Aufteilung; die vierte ist mit der Bundesrepublik Deutschland und \u00d6sterreich befa\u00dft. Das KGB verf\u00fcgt \u00fcber eine Au\u00dfenstelle in der DDR, die direki der Zentrale in Moskau untersteht. Die Au\u00dfenstelle des KGB in BerlinKarlshorst ist der Haupttr\u00e4ger der sowjetischen Spionage gegen die Bundesrepublik Deutschland. Daneben spielen die sowjetischen Vertretungen im Bundesgebiet (z.B. Botschaften, Konsulate, Staatsfirmen) eine nicht unbedeutende Rolle. 3. Zielrichtung/Zielobjekte Das Aussp\u00e4hungsinteresse der \u00f6stlichen Nachrichtendienste erstreckte sich auch 1986 auf alle wesentlichen Entwicklungen und bedeutsamen Ver\u00e4nderungen in den Bereichen Politik, Milit\u00e4r sowie Wirtschaft und Wissenschaft. 3.1 Politische Spionage Im Bereich der politischen Spionage war vorrangig die Ostemigration Hauptziel der Aussp\u00e4hungsbem\u00fchungen. Von besonderem Interesse waren dabei Umfeld und Arbeitsplatz der Emigranten. Auftr\u00e4ge, Emigranten zur R\u00fcckkehr in ihre Heimat zu bewegen, waren nicht selten. Au\u00dfer der Kontaktaufnahme zu diesem Personenkreis stand auf der Liste gegnerischer Nachrichtendienste die Informationsbeschaffung und Ausforschung von Trefflokalen und Aufenthaltsorten. Als Beispiel sei hier das Ehepaar L genannt: Vor ihrer offiziell genehmigten Ausreise wurde das Ehepaar am Arbeitsplatz von einem \"Sicherheitsbeauftragten\" angesprochen. Dieser dr\u00e4ngte sie, \u00fcber die politische T\u00e4tigkeit der polnischen Emigration im Westen an die Heimatbeh\u00f6rden zu berichten. Nach der \u00dcbersiedlung in die Bundesrepublik Deutschland teilten sie -- wie die ganz \u00fcberwiegende Mehrzahl der angesprochenen \u00dcbersiedler -- den Werbungsversuch den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden mit. 186","DDR Parteileitung Hauptverwaltung Aufkl\u00e4rung (HVA) Verbindungsstab ^ im MfS KGB Abteilung 1 Sektor Abteilung Referat C/D Ministerien, Oberste Abteilung VIII Operative Technik Wissenschaft und Technik R\u00fcckw\u00e4rtige Dienste Chiffrierwesen Bundesbeh\u00f6rden (SWT) (RD) C-Verfahren Abteilung II Abteilung II Parteien Organisationen Gegnerische Dienste Abteilung V Referat Auswertung B\u00fcro der HVA Kirchen Gegenspionage Kader Abteilung III Abteilung X Abteilung XIII Referat R Referat Westeuropa Aktive Ma\u00dfnahmen Physik Biologie Finanzwesen Chemie Kartei Archiv Abteilung IV Abteilung XI Abteilung XIV Referat Milit\u00e4rische Aufkl\u00e4rung Nordamerika Elektronik Grenzreferat \" Kraftfahrzeugwesen Wissenschaftl. Ger\u00e4te Abteilung VI Abteilung XII Abteilung XV \u00dcbersiedlungen Maschinen Anlagen Bauwesen Schule der HVA Dritte Welt Dokumente Fahrzeugbau Abteilung VII Auswertung","Ein weiteres nicht unbedeutendes Ziel waren auch 1986 die Sicherheitsbeh\u00f6rden. Die Auftr\u00e4ge reichten hier von der Abkl\u00e4rung von Bediensteten \u00fcber das Fotografieren von Geb\u00e4uden sicherheitsempfindlicher Institutionen bis zum Auftrag, sich bei einer bestimmten Beh\u00f6rde um Anstellung zu bewerben. In Anstalten des \u00f6ffentlichen Rechts, bei der Polizei und bei den Nachrichtendiensten sollten Besch\u00e4ftigte zur Mitarbeit bewegt werden. Dazu der Fall der Polin B. Als Touristin machte Frau B. einen Besuch bei in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Bekannten aus ihrer Heimat. Sie offenbarte, nachrichtendienstliche Auftr\u00e4ge erhalten zu haben, ohne deren \u00dcbernahme sie keine Ausreisegenehmigung bzw. keinen Reisepa\u00df bekommen h\u00e4tte. Im Auftrag eines polnischen Nachrichtendienstes sollte sie nicht nur Exilpolen und andere Asylanten ausforschen, sondern auch \"Erinnerungsfotos\" wichtiger Geb\u00e4ude wie Rath\u00e4user, Polizeidienststellen und Kasernen anfertigen. Frau B. erhielt dazu einen Decknamen und eine Adresse, an die sie Ansichtskarten mit getarnten Texten senden sollte. Ihre schriftliche Bereitschaftserkl\u00e4rung hatte sie nur abgegeben, um sicher zu sein, einen Reisepa\u00df zu erhalten, der ihr als Gegenleistung versprochen worden war. Schon bei \u00dcbernahme der nachrichtendienstlichen Auftr\u00e4ge hatte sie den Entschlu\u00df gefa\u00dft, nicht mehr nach Polen zur\u00fcckzukehren. Auch die DDR versucht immer wieder, in Sicherheitsbeh\u00f6rden einzudringen. Dies zeigt die Festnahme von drei Kaufleuten Anfang November 1986. Sie hatten den Auftrag, Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes, des Milit\u00e4rischen Abschirmdienstes und des Bundesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz auszusp\u00e4hen und \"umzudrehen\". Sie sollten als Doppelagenten f\u00fcr das Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit (MfS) der DDR gewonnen werden. 3.2 Miiit\u00e4rspionage Die Aktivit\u00e4ten der gegnerischen Nachrichtendienste bei der Milit\u00e4rspionage zielten auf die Bundeswehr und die in der Bundesrepublik Deutschland stationierten verb\u00fcndeten Streitkr\u00e4fte. Milit\u00e4rische Objekte sollten abgekl\u00e4rt, Bedienstete ausgeforscht und \u00fcber Kasernen, Radarstellungen, Milit\u00e4rfahrzeuge sowie Truppenbewegungen berichtet werden. Beispiel: Von einer Besuchsreise zu seiner Mutter im Bundesgebiet kehrte Herr H. nicht mehr in die DDR zur\u00fcck. Die Reise hatten die DDR-Beh\u00f6rden H. nur genehmigt, nachdem er ihnen versprochen hatte, Einrichtungen der USArmee zu fotografieren und Lagepl\u00e4ne der Kasernen zu fertigen. Zwei aktuelle F\u00e4lle zeigen, da\u00df auch im milit\u00e4rischen Bereich von \u00f6stlichen Geheimdiensten versucht wird, Agenten anzuwerben: Gegen einen 48j\u00e4hrigen Bauingenieur erging im August 1986 Haftbefehl wegen des Verdachts geheimdienstlicher T\u00e4tigkeit, weil er eine bei der Luftaufkl\u00e4rung der Bundeswehr besch\u00e4ftigte Frau zur Mitarbeit f\u00fcr einen \u00f6stlichen Geheimdienst bewegen wollte. Die Frau meldete jedoch den Anwerbungsversuch. Eine 33 Jahre alte Gastwirtin aus Oberfranken steht im Verdacht, versucht zu haben, einen Angeh\u00f6rigen der Bundeswehr schriftlich zur nachrichtendienstlichen Mitarbeit f\u00fcr das Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit der DDR zu gewinnen. Die Frau siedelte Mit188","te 1985 aus der DDR in die Bundesrepublik Deutschland \u00fcber. Im Oktober 1986 wurde sie festgenommen. Unter ungew\u00f6hnlichen Umst\u00e4nden wurde 1986 ein Agentenehepaar enttarnt, das der DDR milit\u00e4risch relevante Erkenntnisse aus einem US-Depot \u00fcbermittelt hatte. Der 51j\u00e4hrige Franz R. arbeitete als Materialpr\u00fcfer in einem Depot der amerikanischen Streitkr\u00e4fte in Kaiserslautern. Nach eigenen Angaben hatte er seit 1979 Kontakt zu einem Nachrichtendienst der DDR. Seine 32 Jahre alte Ehefrau war seit 1985 nachrichtendienstlich f\u00fcr die DDR t\u00e4tig. Durch einen Zufall erhielt das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz den Ansto\u00df zur Aufdeckung dieses schwerwiegenden Verratsfalles: Das Ehepaar hatte unter einer fingierter^ Absenderangabe ein Paket im Bundesgebiet aufgegeben und in die DDR versandt. Die Zollbeh\u00f6rden der DDR hielten das Paket an, weil Teile des Inhalts, darunter unbelichtete Filme und amerikanische Zeitungen, gegen die Einfuhrbestimmungen der DDR verstie\u00dfen. Die DDR-Post sandte das Paket daraufhin zur\u00fcck. Die Bundespost konnte den fingierten Absender nicht ermitteln und nach Ablauf der vorgeschriebenen Aufbewahrungsfrist versteigerte sie das Paket. Der neue Besitzer, der vor allem an einer darin befindlichen Damenjacke interessiert war, fand -- versteckt in einer Staubsaugerkopfverpackung -- fast 100 Mikrofilme und eine Vielzahl von Batterien aus USHeeresbest\u00e4nden. Die Mikrofilme enthielten in verschl\u00fcsselter Form vollst\u00e4ndige Angaben \u00fcber Hersteller, Lagerart, Zustand und Verwendungszweck des bei den US-Streitkr\u00e4ften eingesetzten Materials. Die intensiven Ermittlungen f\u00fchrten dann im Juli 1986 zur Verhaftung des Ehepaares. Franz R. wurde zwischenzeitlich zu drei Jahren, seine Ehefrau zu einem Jahr und sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. 3.3 Wirtschaftsspionage Um die Leistungsund Wettbewerbsf\u00e4higkeit ihrer eigenen Volkswirtschaft zu erh\u00f6hen, ist die Wirtschaftsund Wissenschaftsspionage von erheblicher Bedeutung f\u00fcr kommunistisch regierte Staaten. Zielobjekte \u00f6stlicher Nachrichtendienste sind nach wie vor in erster Linie die Unternehmen der Elektround Elektronikindustrie. Interesse besteht auch an Betrieben der R\u00fcstung, der Luftfahrttechnik, des Maschinenbaus, der Eisenund Stahlverarbeitung sowie der Kernenergiegewinnung. Die Informationsbeschaffung \u00fcber die Entwicklung neuer Techniken, \u00fcber Planungsdaten, R\u00fcstungsauftr\u00e4ge und Bauvorhaben nimmt dabei einen breiten Raum ein. Auftr\u00e4ge zur Feststellung vorhandener Sicherheitsbestimmungen, personeller Ver\u00e4nderungen sowie die Ausforschung von Mitarbeitern und ihres Arbeitsbereichs einschlie\u00dflich der Fertigung von Ablichtungen von Gesch\u00e4ftsunterlagen und der Berichterstattung \u00fcber Firmeninterna runden die Wirtschaftsspionage der gegnerischen Dienste ab. Die Wirtschaftsspionage erm\u00f6glicht es den Ostblockstaaten, die technische Entwicklung des Westens zu verfolgen und deren Ergebnisse zu \u00fcbernehmen. Kosten f\u00fcr eigene Forschung und Entwicklung werden dadurch in erheblicher H\u00f6he eingespart. 189","Wirtschaftsspionage geschieht \u00fcberwiegend auf konspirative Weise. Unter Umgehung gesetzlicher Bestimmungen und mit Hilfe von Agenten werden Gesch\u00e4ftsgeheimnisse rechtswidrig beschafft und weitergegeben. Die Offenheit, mit der im Westen die wissenschaftlichen Grundprobleme und technischen Entwicklungen diskutiert und publiziert werden, erleichtert die Informationsbeschaffung. Wirtschaftliche und wissenschaftliche Kontakte zwischen Ost und West dienen in nicht unerheblichem Umfang auch der nachrichtendienstlichen Informationsgewinnung. Ein sorgsame Beurteilung der jeweiligen Handelsund Wissenschaftskontakte auch unter diesem Gesichtspunkt ist deshalb im eigenen Interesse angebracht. Zwei F\u00e4lle aus den Erfahrungen der Spionageabwehr: Eine Gesch\u00e4ftsreise des Kaufmannes G. nach Moskau nahmen Offiziere des KGB zum Anla\u00df, ihn unter einem Vorwand zu vernehmen und zur nachrichtendienstlichen Mitarbeit aufzufordern. Sie unterstellten dem Kaufmann, Verkaufserl\u00f6se nicht an seine Firma abgeliefert, sondern in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben. Au\u00dferdem behaupteten sie, er habe gegen sowjetische Gesetze versto\u00dfen, weil er russische Antiquit\u00e4ten ausgef\u00fchrt habe. Er habe nun die Alternative, f\u00fcr das KGB zu arbeiten und Firmengeheimnisse zu verraten oder er m\u00fcsse mit Repressalien rechnen. Der Erpressungsversuch f\u00fchrte jedoch nicht zum Erfolg, da sich der Angestellte keiner Schuld bewu\u00dft war und nach R\u00fcckkehr in die Bundesrepublik Deutschland seine Firma dar\u00fcber in Kenntnis setzte. Eine bei einem geheimschutzbetreuten Unternehmen der Elektronikbranche besch\u00e4ftigte Mitarbeiterin unternahm eine mehrt\u00e4gige Reise in die DDR. W\u00e4hrend der obligatorischen Anmeldung beim zust\u00e4ndigen Volkspolizeiamt wurde sie von Herren in Zivil in einen Nebenraum gebeten. Dort er\u00f6ffnete man ihr, da\u00df sie wegen \u00dcberschreitung der Meldefrist um einen Tag 100 DM Strafe bezahlen m\u00fcsse. Es k\u00f6nne aber von der Strafe abgesehen werden, wenn sie einige Ausk\u00fcnfte \u00fcber ihren T\u00e4tigkeitsbereich bei der Firma gebe. Man wollte Angaben \u00fcber die Gr\u00f6\u00dfe des Betriebes und die H\u00f6he ihres Verdienstes sowie die Namen von Mitarbeitern wissen. Sollte sie bei ihrer n\u00e4chsten Reise in die DDR weitere Ausk\u00fcnfte geben, w\u00fcrden ihre Unkosten erstattet und Hilfe bei der Erteilung der Ausreisegenehmigung f\u00fcr einen Verwandten zuteil. 4. Kontaktanl\u00e4sse/Werbungsmethoden Die Nachrichtendienste der Ostblock-Staaten sind bestrebt, Personen anzuwerben, um sie als geheime Mitarbeiter in der Bundesrepublik Deutschland in interessante Objekte einzuschleusen, oder bereits dort t\u00e4tige Personen f\u00fcr eine Zusammenarbeit zu gewinnen. Die Agenten werden sowohl unter Personen mit Wohnsitz im Bundesgebiet als auch unter Bewohnern des kommunistischen Machtbereiches gewonnen. 4.1 Nachrichtendienstliche Ansprachen gegen\u00fcber Bewohnern der Bundesrepublik Deutschland Der Schwerpunkt der Werbungsbem\u00fchungen der Nachrichtendienste lag 1986 bei privaten Ostreisen von Bewohnern der Bundesrepublik Deutschland. Anl\u00e4sse f\u00fcr Kontaktaufnahmen waren oftmals geringf\u00fcgige Verst\u00f6\u00dfe gegen gesetzliche Bestimmungen. 190","Nach intensiver Abkl\u00e4rung von interessanten Zielpersonen sind die gegnerischen Nachrichtendienste meist sehr detailliert \u00fcber das berufliche und soziale Umfeld sowie Problemsituationen der Zielperson informiert. Dadurch k\u00f6nnen sie ihre Anbahnungspraktiken gezielt auf individuelle St\u00e4rken und Schw\u00e4chen einer Zielperson abstellen und die nachrichtendienstliche Werbung vorbereiten. Die erste, zumeist noch unverf\u00e4ngliche Kontaktaufnahme erfolgt \u00fcberwiegend anl\u00e4\u00dflich privater oder beruflicher Aufenthalte in einem Ostblockland, etwa dann, wenn Gesch\u00e4ftsleute Messen oder sonstige Ausstellungen besuchen. Der erste Kontakt zu Mitarbeitern eines Nachrichtendienstes wird vielfach unter einem Vorwand hergestellt. Die Gastgeber -- nicht selten auch die eigenen Verwandten -- vermitteln diese Gespr\u00e4che und bereiten ein Treffen mit dem Anbahner vor. Sie t\u00e4uschen dabei gleichgelagerte berufliche oder private Interessen vor. Anbahnungsgespr\u00e4che werden aber auch ohne Einbeziehung des Gastgebers \u00fcber beh\u00f6rdliche Vorladungen arrangiert. Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr das Werbungsgespr\u00e4ch k\u00f6nnen z.B. die berufliche T\u00e4tigkeit in der Bundesrepublik Deutschland, verwandtschaftliche oder freundschaftliche Verbindungen in den Ostblock sowie m\u00f6gliche Kontakte zu Emigranten in der Bundesrepublik Deutschland sein. In der Regel beginnen die Anbahner erst beim zweiten oder dritten Treffen vorsichtig mit ihrer Werbungst\u00e4tigkeit. Der Zielperson werden dabei Vorteile wie die Befreiung vom Zwangsumtausch oder die M\u00f6glichkeit, bestimmte Waren auszuf\u00fchren, versprochen. In anderen F\u00e4llen werden wirkliche oder vermeintliche Zwangssituationen von Besuchern geschickt ausgenutzt. Druckmittel sind z.B. Verst\u00f6\u00dfe gegen Zollund Devisenbestimmungen oder auch angebliche Gesetzes\u00fcbertretungen aller Art. Insbesondere dienen Unf\u00e4lle oder Verkehrsverst\u00f6\u00dfe -- insbesondere auf Transitautobahnen -- immer wieder als Anla\u00df, nachrichtendienstliche Verpflichtungen zu erpressen. Gegnerische Nachrichtendienste stellen auch ein Entgegenkommen bei der Familienzusammenf\u00fchrung in Aussicht, etwa dann, wenn Bewohner der Bundesrepublik Deutschland einen Angeh\u00f6rigen eines osteurop\u00e4ischen Staates heiraten wollen. Um nicht jahrelang auf eine Ausreisegenehmigung des Ehepartners warten zu m\u00fcssen, erkl\u00e4ren sich in diesen F\u00e4llen ein oder beide Ehepartner h\u00e4ufig zu einer verh\u00e4ngnisvollen Mitarbeit bereit. Auch eine Inhaftierung im Ostblock kann zum Anla\u00df einer nachrichtendienstlichen Anwerbung genommen werden. Unter Ausnutzung der besonderen Zwangslage der H\u00e4ftlinge wird f\u00fcr den Fall der Mitarbeit eine vorzeitige Haftentlassung versprochen. Auch in der Bundesrepublik Deutschland und im westlichen Ausland nutzen gegnerische Nachrichtendienste g\u00fcnstige Gelegenheiten zu Werbeversuchen. Im Bundesgebiet richtet sich ihr Interesse vor allem auf Personen in besonders qualifizierten Funktionen. Der Kontakt zu einer Ostblockvertretung kann Anla\u00df f\u00fcr solche Werbungsbem\u00fchungen sein, selbst dann, wenn die Person keine Reise in den Ostblock unternimmt oder einem Reiseverbot f\u00fcr diese L\u00e4nder unterliegt. Dabei treten auch sog. inoffizielle Mitarbeiter, die insbesondere das Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit der DDR in den Westen entsendet, als Anbahner und Werber auf. Ihre Werbungsbem\u00fchungen kn\u00fcpfen sowohl an die berufliche T\u00e4tigkeit der Zielperson als auch an deren private Umst\u00e4nde an. 191","Der Anbahner bedient sich daher in nahezu allen F\u00e4llen einer sogenannten \"Legende\". Solche individuell abgestimmten Legenden werden auch bei Werbungsgespr\u00e4chen im Ausland benutzt, wenn das Risiko einer Werbung in der Bundesrepublik Deutschland zu hoch ist. Dabei wird die Person, die f\u00fcr eine nachrichtendienstliche Verwendung vorgesehen ist, \u00fcber den \u00f6stlichen Nachrichtendienst als Auftraggeber get\u00e4uscht. 4.2 Nachrichtendienstliche Ansprachen gegen\u00fcber Bewohnern des kommunistischen Machtbereichs Die Staaten des Ostblocks nutzen seit Jahren auch private Westreisen, Westkontakte sowie Aussiedlungsbem\u00fchungen ihrer Bewohner zur Anwerbung und Einschleusung von Agenten in den Westen. Die h\u00e4ufigsten Ansatzpunkte f\u00fcr Werbungsbem\u00fchungen waren neben der pers\u00f6nlichen Eignung des Betreffenden private Westkontakte und Auslandsreisen, die speziellen Zugangsm\u00f6glichkeiten zu westlichen Kontaktpersonen sowie Abwanderungen in den Westen. Die zur Genehmigung einer Westreise oder Aussiedlung vorgelegten Unterlagen geben den gegnerischen Nachrichtendiensten erste Hinweise zur Pr\u00fcfung einer nachrichtendienstlichen Eignung der Antragsteller. Oft werden diese Personen unter Ausnutzung ihrer Notsituation angeworben und die Reiseoder Aussiedlungsgenehmigung von der Bereitschaft zur nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit abh\u00e4ngig gemacht. So wird das Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit der DDR in jedem Einzelfall am Genehmigungsverfahren beteiligt, wenn Bewohner der DDR in die Bundesrepublik Deutschland \u00fcbersiedeln wollen. Auch nach ihrer Aussiedlung in die Bundesrepublik Deutschland bleiben Personen mit ehemaligem Wohnsitz im Ostblock noch im Blickfeld gegnerischer Nachrichtendienste. Gelegentlich werden Aussiedler und \u00dcbersiedler auch erst nach ihrer Ausreise von einem gegnerischen Nachrichtendienst angesprochen. 5. Nachrichtendienstliche Ausr\u00fcstung Die konspirative Steuerung des. Agenten setzt voraus, da\u00df geeignete Kommunikationsm\u00f6glichkeiten zur Verf\u00fcgung stehen. Weitgehend technische Hilfsmittel sollen die schnelle und st\u00f6rungsfreie \u00dcbermittlung der Meldungen von dem im Westen arbeitenden Agenten an seine F\u00fchrungsstelle oder Zentrale im Osten sicherstellen. Dazu sind nach wie vor die klassischen Hilfsmittel in Gebrauch: Geheimbl\u00e4tter, unsichtbare Schriften, Tote Briefk\u00e4sten, Agentenfunke. Dar\u00fcber hinaus werden jedoch auch moderne elektronische Ger\u00e4te als Informationsmittler genutzt. 5.1 Container Handels\u00fcbliche Gebrauchsgegenst\u00e4nde mit versteckten Hohlr\u00e4umen, sog. Container, werden in vielfacher Weise eingesetzt. Versierte Techniker haben die Gegenst\u00e4nde (z.B. Aktenkoffer, Handtaschen, Feuerl\u00f6scher, Aschenbecher, Feuerzeuge, Batterien oder Schraubenzieher) so bearbeitet, da\u00df im Inneren ein Hohlraum zur Aufnahme von Materialien entsteht. Auf diese Weise k\u00f6nnen je nach Gr\u00f6\u00dfe z.B. Chiffrierunterlagen, Geldscheine, Kameras oder 192","Zjp arwTftm. *HMS|^~ \"u\"\"*\"*Sap,, T \"jtfcjf** Falschausweise versteckt transportiert werden. Bei Containern, die zum st\u00e4ndigen Gebrauch bestimmt sind, wird viel Sorgfalt auf den Verschlu\u00dfmechanismus verwendet. Der Gebrauchswert darf dabei durch den eingearbeiteten Hohlraum, der als Versteck genutzt wird, nicht beeintr\u00e4chtigt werden. Au\u00dferdem darf der Container, sollte er in \"unbefugte\" H\u00e4nde gelangen, nicht ohne weiteres zu erkennen und zu \u00f6ffnen sein. Daf\u00fcr werden z.B. versteckte Zuhaltungen angebracht, die nur auf un\u00fcbliche Art entriegelt werden k\u00f6nnen, wie etwa Schrauben mit Linksgewinde, die auch als Nieten oder Beschl\u00e4ge getarnt sind. Besondere Sicherungen werden eingebaut, wenn bei unbefugter \u00d6ffnung des Containers das eingelegte Geheimmaterial zerst\u00f6rt werden soll (z.B. Ausl\u00f6sen eines Blitzlichtes, um Filmmaterial zu belichten). Nach der Einf\u00fchrung von R\u00f6ntgenkontrollen auf den westdeutschen Flugh\u00e4fen wurden die Agenten mit Gep\u00e4ckst\u00fccken ausgestattet, die anstelle der bisherigen Metallverschl\u00fcsse nunmehr r\u00f6ntgensichere Klettoder Kunststoffverschl\u00fcsse aufwiesen. F\u00fcr den einmaligen Transport von nachrichtendienstlichen Materialien gibt es neben den Containern, die st\u00e4ndig im Gebrauch sind, auch sog. Einweg-Container. Dies sind z.B. B\u00fccher, Spraydosen, Bierdosen, Cremetuben, Spielzeug, Zigarettenschachteln. Diese Gebrauchsgegenst\u00e4nde m\u00fcssen, wenn sie geleert worden sind, anschlie\u00dfend vernichtet werden. 193","Container 194","5.2 Geheimschrift Die klassiche Methode der Verwendung von \"unsichtbarer Tinte\" wurde durch weiterentwickelte Techniken nahezu vollst\u00e4ndig ersetzt. Die Nachrichtendienste statten ihre Agenten f\u00fcr Mitteilungen heute mit einem chemisch pr\u00e4parierten Kontaktpapier aus. Als Kontaktpapier, das \u00e4u\u00dferlich nicht als solches zu erkennen ist, eignen sich bedruckte und unbedruckte Papiersorten, z.B. Prospekte, normales Schreibpapier und Linienbl\u00e4tter. Es wird wie Kohlepapier zwischen zwei B\u00f6gen gelegt und paust die vom Agenten auf das obere Blatt geschriebene Mitteilung -- f\u00fcr das menschliche Auge unsichtbar -- auf das untere Blatt durch. \u00dcber diese geheime Mitteilung auf dem unteren Blatt schreibt der Agent dann noch mit normalem Schreibmaterial einen unverf\u00e4nglichen Text, um den nachrichtendienstlichen Hintergrund zu verdecken. Der Brief wird zumeist unter einem fingierten Absender von einer benachbarten gr\u00f6\u00dferen Stadt aus versandt. Nur der Empf\u00e4nger kennt die chemische Reagenz, mit der die Geheimschrift lesbar gemacht werden kann. 5.3 Mikrate Mit Hilfe einer Spezialkamera und eines besonders feink\u00f6rnigen Films werden sog. Mikrate gefertigt. Das sind d\u00fcnne, durchsichtige Filmpl\u00e4ttchen von weniger als 1 mm Durchmesser. Die F\u00fchrungsstelle des Agenten benutzt u.a. Mikrate, um ihm geheime Nachrichten, Weisungen oder Auftr\u00e4ge zukommen zu lassen. Der f\u00fcr den Agenten bestimmte Geheimtext wird zun\u00e4chst von einer Vorlage abfotografiert. Anschlie\u00dfend wird der Film chemisch so pr\u00e4pariert, da\u00df er lichtempfindlich wird und ein klares Aussehen erh\u00e4lt. Das so behandelte Filmpl\u00e4ttchen ist mit blo\u00dfem Auge nicht zu erkennen. Auf dem Postwege.gelangt das Mikrat zu dem Agenten, nachdem es vorher an vereinbarter Stelle versteckt angebracht wurde. Es kann z.B. unter der Briefmarke, in der Verklebung des Briefumschlages, in einem bestimmten Buchstaben des Textes, oder in den zun\u00e4chst gespaltenen, dann aber wieder verklebten Schichten einer Ansichtskarte verborgen sein. Der Agent erkennt an bestimmten, vorher vereinbarten Signalen im Brief (z.B. Monatsname ist nicht ausgeschrieben oder der Ortsname in der Anschrift ist unterstrichen), da\u00df ein Mikrat eingelegt ist. Mit konzentrierter Papierentwicklerfl\u00fcssigkeit betupft er sodann die vereinbarte Stelle des Briefes und sp\u00fclt das Mikrat heraus. Nach wenigen.Minuten ist es entwickelt und die geheime Mitteilung wird in dunkler Schrift sichtbar. Mit Hilfe eines einfachen Mikroskops mit etwa lOOfacher Vergr\u00f6\u00dferung oder einer Speziallupe kann er die Nachricht lesen. Anschlie\u00dfend werden Brief und Mikrat verbrannt, um alle Spuren zu verwischen. 5.4 Funk \u00dcber ein handels\u00fcbliches Rundfunkger\u00e4t erh\u00e4lt der Agent von seiner F\u00fchrungsstelle Anweisungen wie z.B. Auftr\u00e4ge, Treffabsprachen oder Best\u00e4tigungen. Dieser einseitige Funkverkehr ist ein sicherer und schneller Verbindungsweg. Gesprochene und gemorste verschl\u00fcsselte Funkspr\u00fcche werden in F\u00fcnfer-Gruppen von den Funkzentralen zu den vorher festgelegten Programmzei195","ten abgesetzt. F\u00fcr die Entschl\u00fcsselung ist der Agent im Besitz einer Schl\u00fcsseltabelle, die zur Verk\u00fcrzung des Klartextes bestimmt ist, sowie von Schl\u00fcsselstreifen oder Schl\u00fcsselblocks mit F\u00fcnfergruppen, dem sogenannten \"individuellen Zahlenwurm\" (\"I-Wurm\"). Bei der Entschl\u00fcsselung werden die F\u00fcnferGruppen des I-Wurms von den F\u00fcnfer-Gruppen des Funkspruchs subtrahiert. Das Ergebnis ist der Zahlenzwischentext, der mit der Schl\u00fcsseltabelle (in Verbindung mit einer Code-Tabelle) in den Klartext umgesetzt wird. Die f\u00fcr die Entschl\u00fcsselung verbrauchten F\u00fcnfer-Gruppen des Entschl\u00fcsselungsstreifens sind zu vernichten. 196","6. Abschnitt Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst Das \u00f6ffentliche Dienstrecht fordert nach dem Grundgesetz, den Beamtengesetzen und den tarifvertraglichen Regelungen von den Angeh\u00f6rigen des \u00f6ffentlichen Dienstes Treue zur Verfassung. Das Verfahren zur Pr\u00fcfung dieser Einstellungsvoraussetzung sowie zur Feststellung von Verletzungen der Treuepflicht regelt die Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 27. M\u00e4rz 1973 (vgl. Anhang 2). 1. Einstellungs\u00fcberpr\u00fcfung Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wirkt bei der \u00dcberpr\u00fcfung der Verfassungstreue von Bewerbern f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst mit. Ungeachtet der seit Jahren geleisteten \u00d6ffentlichkeitsarbeit, die auch hier\u00fcber Aufschlu\u00df gibt, h\u00e4lt die Kampagne der Extremisten gegen angebliche \"Berufsverbote\" in der Bundesrepublik Deutschland an. Sie wird h\u00e4ufig durch von orthodoxen Kommunisten beeinflu\u00dfte Komitees und Initiativen (vgl. dazu 2. Abschnitt Nr. 2.4.1) getragen und ist international ausgeweitet. Durch eine derartige Kampagne wird auch versucht, Mi\u00dftrauen gegen die T\u00e4tigkeit des Verfassungsschutzes zu s\u00e4en, dessen Aufgaben einer gesetzlichen Regelung unterliegen (vgl. Anhang 1). Aufgrund der Zahlen f\u00fcr 1986 ergibt sich dabei folgendes Bild: Zu 19.851 Anfragen \u00fcber Bewerber f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst in Bayern teilte das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz dem Bayerischen Staatsministerium des Innern in 66 F\u00e4llen (61 aus dem linksextremen und 5 aus dem rechtsextremen Bereich) Erkenntnisse mit. In 25 F\u00e4llen (22 aus dem linksextremen, 3 aus dem rechtsextremen Bereich) gab das Staatsministerium des Innern Erkenntnisse an die Einstellungsbeh\u00f6rden weiter. Diese f\u00fchrten in 2 F\u00e4llen zur Ablehnung durch die Einstellungsbeh\u00f6rde. 4 Bewerber f\u00fcr den juristischen Vorbereitungsdienst und 1 Bewerber f\u00fcr den h\u00f6heren vermessungstechnischen Verwaltungsdienst und den h\u00f6heren Flurbereinigungsdienst in Bayern, die nicht in das Beamtenverh\u00e4ltnis auf Widerruf \u00fcbernommen wurden, k\u00f6nnen den Vorbereitungsdienst in einem \u00f6ffentlichrechtlichen Ausbildungsverh\u00e4ltnis ableisten. Die geringe Zahl von Ablehnungen geht darauf zur\u00fcck, da\u00df die meisten Bewerber, bei denen aufgrund ihres Verhaltens in der Vergangenheit Zweifel an der Verfassungstreue bestanden, diese Zweifel durch ein \"eindeutiges Abr\u00fccken 197","vom Extremismus einr\u00e4umen konnten. Weiter kann angenommen werden, da\u00df manche Extremisten -- nicht zuletzt wegen des inzwischen weithin \u00fcbereinstimmenden Rechtsprechung-von einer Bewerbung f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst Abstand nehmen, weil sie sich einer \u00dcberpr\u00fcfung ihrer Verfassungstreue nicht stellen wollen. Jedenfalls zeigen die Zahlen, da\u00df das ebenso h\u00e4ufig wie grundlos kritisierte bayerische Verfahren der \"Regelanfrage\" f\u00fcr junge, am \u00f6ffentlichen Dienst interessierte Menschen kein Anla\u00df sein kann, w\u00e4hrend der Ausbildung ein unkritisch angepa\u00dftes Verhalten an den Tag zu legen. Zur \"Einsch\u00fcchterung\" ist der Beschlu\u00df der Bayer. Staatsregierung vom 27. M\u00e4rz 1973 weder bestimmt noch geeignet. 2. Extremisten im \u00f6ffentlichen Dienst Als Extremisten im \u00f6ffentlichen Dienst sind hier Bedienstete erfa\u00dft, die in den letzten f\u00fcnf Jahren als Mitglieder oder aktive Angeh\u00f6rige extremistischer Parteien und Organisationen oder sonst mit erheblichen extremistischen Aktivit\u00e4ten in Erscheinung getreten sind. Da nicht in allen F\u00e4llen gerichtsverwertbare Erkenntnisse vorliegen, die die Ablehnung einer Bewerbung bzw. eine Entlassung aus dem Dienst rechtfertigen, gelingt es auch Extremisten, in den \u00f6ffentlichen Dienst zu gelangen bzw. dort zu verbleiben. Ende 1986 waren dies (in Klammern die Vergleichszahlen f\u00fcr 1985): Linksextremisten Gesamtzahl davon in DKP DKP-NebenGruppen und beeinder flu\u00dften OrNeuen ganisationen Linken Landesdienst 189 (175) 22 (26) 26(31) 141 (118) Kommunaldienst 129 (126) 82 (78) 16(19) 31 (29) sonst, \u00f6ffentl. Einrichtungen 19 (14) 8 (6) - (2) 11 (6) Zusammen: 337 (315) 112(110) 42 (52) 183(153) Bei den im \u00f6ffentlichen Dienst besch\u00e4ftigten Extremisten, die den Gruppen der Neuen Linken zuzurechnen sind, handelt es sich im wesentlichen um Angeh\u00f6rige der Marxistischen Gruppe (MG), (vgl. 2. Abschnitt Nr. 3.7) Von den linksextremen Landesbediensteten waren besch\u00e4ftigt: 108 (93) als Lehrpersonal an Grund-, Haupt-, Sonder-, Realschulen und Gymnasien 36 (31) als wissenschaftliches und sonstiges Personal an Hochschulen 13 (14) im Justizdienst 32 (37) in sonstigen Verwaltungszweigen. 198","Von den linksextremen Kommunalbediensteten waren besch\u00e4ftigt: 24 (25) als Bedienstete an st\u00e4dtischen Krankenanstalten 34 (37) in soziap\u00e4dagogischen Berufen wie Sozialarbeiter, Jugendheimleiter 16 (14) als Lehrer an st\u00e4dtischen Schulen 55 (50) in sonstigen Verwaltungszweigen. Au\u00dfer den in der vorstehenden Statistik aufgef\u00fchrten Personen sind bei Bundesbeh\u00f6rden noch weitere 50 Linksextremisten mit Wohnsitz in Bayern besch\u00e4ftigt. Rechtsextremisten Gesamtzahl davon in NPD DVU Landesdienst 11 (12) 2 (3) 9 (9) Kommunaldienst 13(12) 7 (7) 2 (3) sonst, \u00f6ffentliche Einrichtungen 2 (1) 1 (-) Zusammen 26 (25) 10(10) 11 (12) Von den rechtsextremen Landesbediensteten waren besch\u00e4ftigt: 4 (4) als Lehrer an Grund-, Haupt-, Realschulen, Gymnasien und Fachoberschulen 5 (4) im Justizund Polizeidienst 2 (4) in sonstigen Verwaltungszweigen 199","Anhang 1 Gesetz \u00fcber die Errichtung eines Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz in der Fassung der Bekanntmachung vom 8. August 1974 (BayRS 12-1-1) Art. 1 Zust\u00e4ndigkeit (1) In Bayern wird ein Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz errichtet. Es ist eine dem Staatsministerium des Innern unmittelbar nachgeordnete Beh\u00f6rde und ist ausschlie\u00dflich f\u00fcr die Wahrnehmung der Aufgaben nach Art. 2 zust\u00e4ndig. Nach Bedarf k\u00f6nnen Au\u00dfenstellen des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz eingerichtet werden. (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf einer polizeilichen Dienststelle nicht angegliedert werden. (3) Verfassungsschutzbeh\u00f6rden anderer L\u00e4nder d\u00fcrfen im Geltungsbereich dieses Gesetzes nur im Einvernehmen mit dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz t\u00e4tig werden. Art. 2 Aufgaben (1) Aufgabe des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz ist die Sammlung und Auswertung von Ausk\u00fcnften, Nachrichten und sonstigen Unterlagen \u00fcber 1. Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand und die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung von Mitgliedern verfassungsm\u00e4\u00dfiger Organe des Bundes oder eines Landes zum Ziel haben; 200","2. sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten im Geltungsbereich des Gesetzes \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes f\u00fcr eine fremde Macht; 3. Bestrebungen im Geltungsbereich des Gesetzes \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden. (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wirkt mit 1. bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, denen im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftige Tatsachen, Gegenst\u00e4nde oder Erkenntnisse anvertraut werden, die Zugang dazu erhalten sollen oder ihn sich verschaffen k\u00f6nnen; 2. bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, die an sicherheitsempfindlichen Stellen von lebensoder verteidigungswichtigen Einrichtungen besch\u00e4ftigt sind oder besch\u00e4ftigt werden sollen; 3. bei technischen Sicherheitsma\u00dfnahmen zum Schutz von im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftigen Tatsachen, Gegenst\u00e4nden oder Erkenntnissen gegen die Kenntnisnahme durch Unbefugte; 4. bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, die sich um Einstellung in den \u00f6ffentlichen Dienst bewerben. (3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz unterrichtet die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder \u00fcber alle Angelegenheiten des Verfassungsschutzes, von denen es Kenntnis erh\u00e4lt und die f\u00fcr den Bund oder das betreffende Land von Wichtigkeit sind. Art. 3 Befugnisse Polizeiliche Befugnisse oder ein Weisungsrecht gegen\u00fcber Polizeidienststellen stehen dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nicht zu. Zur Wahrnehmung seiner Aufgaben nach Art. 2 Abs. 1 und 2 ist das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz befugt, nachrichtendienstliche Mittel anzuwenden. Art. 4 Amtshilfe und Auskunftserteilung (1) Die Beh\u00f6rden und Einrichtungen des Staates, die Gemeinden, die Gemeindeverb\u00e4nde, die sonstigen der Aufsicht des Staates unterstehenden juristischen Personen des \u00f6ffentlichen Rechts, die Gerichte und das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz leisten einander Rechtsund Amtshilfe. 201","(2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz kann \u00fcber alle Angelegenheiten, deren Aufkl\u00e4rung zur Wahrnehmung seiner Aufgaben erforderlich ist, von den in Absatz 1 genannten Stellen Ausk\u00fcnfte und die \u00dcbermittlung von Unterlagen verlangen, soweit nicht gesetzliche Vorschriften entgegenstehen. (3) Dar\u00fcber hinaus haben die in Absatz 1 genannten Stellen dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz alle Tatsachen und Unterlagen \u00fcber Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten im Sinn des Art. 2 Abs. 1 unaufgefordert zu \u00fcbermitteln. Art. 5 Durchf\u00fchrungsbestimmungen Die zur Durchf\u00fchrung dieses Gesetzes erforderlichen Bestimmungen erl\u00e4\u00dft das Staatsministerium des Innern. Art. 6 Inkrafttreten Das Gesetz ist dringlich. Es tritt am 1. November 1950 in Kraft.*) *) Diese Vorschrift betrifft das Inkrafttreten des Gesetzes in der urspr\u00fcnglichen Fassung vom 22. November 1950 (BayBS I S. 434). Der Zeitpunkt des Inkrafttretens der sp\u00e4teren \u00c4nderungen ergibt sich aus den jeweiligen \u00c4nderungsgesetzen. 202","Anhang 2 Bayerischer Staatsanzeiger Nr. 16 vom 19. April 1973 Staatskanzlei Pflicht zur Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 27. M\u00e4rz 1973 Nr. A I 3 -- 180-6-84 Die Bayerische Staatsregierung hat in ihrer Sitzung vbm 27. M\u00e4rz 1973 in \u00dcbereinstimmung mit dem Beschlu\u00df der Regierungschefs des Bundes und der L\u00e4nder vom 28. Januar 1972 ihren Beschlu\u00df vom 25. April 1961 \u00fcber verfassungsfeindliche Bet\u00e4tigung von Angeh\u00f6rigen des \u00f6ffentlichen Dienstes (Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 25. April 1961, StAnz Nr. 19) durch die folgende Bekanntmachung \u00fcber die Pflicht zur Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst neu gefa\u00dft: I. Die Regierungschefs des Bundes und der L\u00e4nder haben am 28. Januar 1972 folgenden Beschlu\u00df gefa\u00dft \"1. Nach den Beamtengesetzen in Bund und L\u00e4ndern -- darf in das Beamtenverh\u00e4ltnis nur berufen werden, wer die Gew\u00e4hr daf\u00fcr bietet, da\u00df er jederzeit f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes eintritt; -- sind Beamte verpflichtet, sich aktiv innerhalb und au\u00dferhalb des Dienstes f\u00fcr die Erhaltung dieser Grundordnung einzusetzen. Es handelt sich hierbei um zwingende Vorschriften. 203","2. Jeder Einzelfall mu\u00df f\u00fcr sich gepr\u00fcft und entschieden werden. Von folgenden Grunds\u00e4tzen ist dabei auszugehen: 2.1 Bewerber 2.1.1 Ein Bewerber, der verfassungsfeindliche Aktivit\u00e4ten entwickelt, wird nicht in den \u00f6ffentlichen Dienst eingestellt. 2.1.2 Geh\u00f6rt ein Bewerber einer Organisation an, die verfassungsfeindliche Ziele verfolgt, so begr\u00fcndet diese Mitgliedschaft Zweifel daran, ob er jederzeit f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung eintreten wird. Diese Zweifel rechtfertigen in der Regel eine Ablehnung des Einstellungs antrages. 2.2 Beamte Erf\u00fcllt ein Beamter durch Handlungen oder wegen seiner Mitgliedschaft in einer Organisation verfassungsfeindlicher Zielsetzung die Anforderungen des SS 35 Beamtenrechtsrahmengesetz nicht, aufgrund derer er verpflichtet ist, sich durch sein gesamtes Verhalten zu der freiheitlichen demokratischen Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes zu bekennen und f\u00fcr deren Erhaltung einzutreten, so hat der Dienstherr aufgrund des jeweils ermittelten Sachverhalts die gebotenen Konsequenzen zu ziehen und insbesondere zu pr\u00fcfen, ob die Entfernung des Beamten aus dem Dienst anzustreben ist. 3. ' F\u00fcr Arbeiter und Angestellte im \u00f6ffentlichen Dienst gelten entsprechend den jeweiligen tarifvertraglichen Bestimmungen dieselben Grunds\u00e4tze.\" II. Die Bayerische Staatsregierung hat die Verbindlichkeit dieser Grunds\u00e4tze f\u00fcr alle \u00f6ffentlich-rechtlichen Dienstherren und Arbeitgeber in Bayern mit Beschlu\u00df vom 18. April 1972 best\u00e4tigt. Zu ihrer Durchf\u00fchrung wird folgendes bestimmt: 1. Vor der Einstellung eines Bewerbers in den \u00f6ffentlichen Dienst haben die Einstellungsbeh\u00f6rden zun\u00e4chst beim Staatsministerium des Innern anzufragen, ob Tatsachen bekannt sind, die Bedenken gegen die Einstellung begr\u00fcnden. Das Staatsministerium des Innern ist verpflichtet, Anfragen dieser Art unverz\u00fcglich zu beantworten. Die Ausk\u00fcnfte sind auf Tatsachen zu beschr\u00e4nken, die gerichtsverwertbar sind. Die Anfrage nach Satz 1 entf\u00e4llt, wenn bereits aufgrund anderer Vorschriften eine \u00dcberpr\u00fcfung vor der Einstellung vorgesehen ist. 2. Beabsichtigt die Einstellungsbeh\u00f6rde nach Eingang der Auskunft des Staatsministeriums des Innern, den Bewerber einzustellen, so ist der Bewerber vor der Entscheidung \u00fcber die Einstellung zun\u00e4chst gem\u00e4\u00df Anlage 1 * schriftlich zu belehren und zur Unterzeichnung der Erkl\u00e4rung gem\u00e4\u00df Anlage 2* aufzufordern. nicht abgedruckt 204","3. Bestehen aufgrund der vom Staatsministerium des Innern mitgeteilten oder anderweit bekannt gewordener Tatsachen oder wegen der Weigerung, die vorbezeichnete Erkl\u00e4rung zu unterschreiben, Zweifel daran, da\u00df der Bewerber jederzeit f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes eintritt, so ist ihm Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. K\u00f6nnen die Zweifel nicht ausger\u00e4umt werden, so darf er nicht in den \u00f6ffentlichen Dienst eingestellt werden. 4. Wird die Einstellung in den \u00f6ffentlichen Dienst deshalb abgelehnt, weil der Bewerber nicht die Gew\u00e4hr daf\u00fcr bietet, da\u00df er jederzeit f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes eintritt, so ist die Entscheidung dem Bewerber schriftlich unter Darlegung der Gr\u00fcnde mitzuteilen; betrifft sie die \u00dcbernahme in ein Beamtenoder Richterverh\u00e4ltnis, so mu\u00df sie au\u00dferdem eine Rechtsmittelbelehrung enthalten. 5. Nummern 1 bis 4 gelten auch f\u00fcr Bewerbungen um die \u00dcbernahme in das Beamtenverh\u00e4ltnis auf Widerruf. Dabei sind Ausbildungszweck und Ausbildungsweise zu ber\u00fccksichtigen. 6. Besteht der Verdacht, da\u00df ein Angeh\u00f6riger des \u00f6ffentlichen Dienstes gegen die Pflicht zur Verfassungstreue verst\u00f6\u00dft, so pr\u00fcft seine Dienststelle, ob die gesetzlich vorgesehenen Ma\u00dfnahmen zu ergreifen sind, um ihn zur Erf\u00fcllung seiner Dienstpflichten anzuhalten oder ihn aus dem Dienst zu entfernen. Art. 70 des Bayerischen Personalvertretungsgesetzes ist zu beachten. 7. In den F\u00e4llen der Nummern 4 und 6 sind die zust\u00e4ndige oberste Dienstbeh\u00f6rde und die Staatsministerien des Innern und der Finanzen vor der Entscheidung zu unterrichten und \u00fcber den Fortgang der Sache auf dem laufenden zu halten. III. Den Gemeinden, Gemeindeverb\u00e4nden und sonstigen der Aufsicht des Freistaates Bayern unterliegenden juristischen Personen des \u00f6ffentlichen Rechts wird empfohlen, nach den vorstehenden Bestimmungen zu verfahren. IV. Diese Bekanntmachung tritt am I.April 1973 in Kraft. Gleichzeitig tritt die Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 25. April 1961 (StAnz Nr. 19) au\u00dfer Kraft. M\u00fcnchen, den 27. M\u00e4rz 1973 Der Bayerische Ministerpr\u00e4sident Dr. h.c. Goppel 205","Anhang 3 Verzeichnis von Publikationen deutscher extremistischer und extremistisch beeinflu\u00dfter Organisationen Titel zuzuordnen Abr\u00fcstungsinfo DFU antifaschistischer jugenddienst WN-BdA Antifaschistische Nachrichten WN-BdA Antifaschistische Nachrichten VOLKSFRONT antifaschistische rundschau WN-BdA Arbeiterkampf (AK) KB Argumentation, Information, Dokumentation (AID) WN-BdA Augsburger Hochschulzeitung MG Bl\u00e4tter f\u00fcr deutsche und internationale Politik DKP-nahe Publikation Das Freie Forum GFP Demokratie und Recht DKP-nahe Zeitschrift Demokratische Erziehung DKP-nahe Bildungszeitschrift Demokratischer Informationsdienst (DID) ASKo Demokratisches Gesundheitswesen DKP-nahe Zeitschrift Der Adlerf\u00fchrer JBA Der Bismarck-Deutsche DDF Deutsche Monatshefte T\u00fcrmer-Verlag Deutsche National-Zeitung (DNZ) DSZ-Verlag Deutsche Stimme NPD Deutsche Volkszeitung/die tat DFU/WN-BdA Deutsche Wochen-Zeitung (DWZ) DSZ-Verlag 206","jitel zuzuordnen Deutsche Zukunft BIA Deutscher Anzeiger (DA) DVU-nahe Publikation Die Kreiss\u00e4ge JN Die Neue Front (NF) ANS/NA die tageszeitung (taz) undogmatische Neue Linke Durchblick JN elan, das Jugendmagazin SDAJ Erlanger Hochschulzeitung MG FAP-Nachrichten FAP freiraum AAU friedenspolitischer Informationsdienst (fid) DFG-VK frontal SHB Huttenbriefe Freundeskreis Ulrich von H\u00fctten Informationsdienst M\u00fcnchen Autonome M\u00fcnchen JN-Bayern-Info JN -- Info -- Org-Blitz -- Pressedienst Junge Stimme JN K\u00e4mpfende Jugend K\u00e4mpfende Jugend Klartext Sprachrohr der Nationalistischen Front (NF) Kommunale Friedensarbeit DFG-VK KOMMUNIST DKP-HG Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) AB K\u00fcrbiskern DKP-nahe Zeitschrift Linke Seite -- f\u00fcr Kulturfreunde, Bildungszeitung der -- Schaffende & Politiker DKP-S\u00fcdbayern Marxistische Arbeiterzeitung (MAZ) MG Marxistische Schulzeitung MG Marxistische Bl\u00e4tter DKP Marxistische Studentenzeitung -- MG Gegen die Kosten der Freiheit (MSZ) 207","Titel zuzuordnen Mensch und Ma\u00df Verlag Hohe Warte M\u00fcnchner Hochschulzeitung MG NACHRICHTEN zur Wirtschaftsund Sozialpolitik/ DKP-nahe Zeitschrift Gewerkschaftsspiegel Nachrichten der HNG HNG Nation Europa (NE) NE-Verlag Neuer politischer Dienst NPD NHB-Report NHB NPD-Frankenspiegel NPD NS Kampfruf NSDAP-AO N\u00fcrnberger Hochschulzeitung MG Oberland JN offensiv SHB Pionier JP Pionierleiterinformation JP Politische Berichte BWK praxis DKP Pressedienst DFU radikal Autonome Berlin (West) radikarl ASJG Rebell AJV Regensburger Hochschulzeitung MG Resultate MG Revolution\u00e4rer Weg MLPD rote blatter MSB Spartakus Rote Fahne MLPD roter Maulwurf RSJ Roter Morgen KPD Roter Pfeil MLSV R\u00fchrt Euch SDAJ Rundbrief KFAZ Rundbriefe der Europ\u00e4ischen Freiheitsbewegung DBI Sozialistische Zeitung (SoZ) VSP taz (die tageszeitung) undogmatische Neue Linke 208","Titel zuzuordnen tendenzen -- Zeitschrift f\u00fcr engagierte Kunst DKP-nahe Zeitschrift Unsere Arbeit JBA Unsere Zeit (UZ) DKP-Zentralorgan Unterfranken T\u00fcrkisch-Islamischer Kulturverein e.V. W\u00fcrzburg Verband der Islamischen Vereine und Gemeinden e.V. K\u00f6ln Verband der Kriegsdienstverweigerer VK Verein Pal\u00e4stinensischer Arbeiter VPA Vereinigung der neuen Weltsicht in Europa e.V. AMGT Vereinigung der Studenten Kurdistans im Ausland AKSA Vereinigte Deutsche Studentenschaft e.V. VDS Vereinigte Sozialistische Partei VSP Vereinigung Demokratischer Juristinnen und VDJ Juristen in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin e.V. Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- WN-BdA Bund der Antifaschisten Vereinigte M\u00fcnchner Friedensinitiativen VMF Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie VOGA Volksecho VOLKSFRONT Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas PFLP Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg VOLKSFRONT Volkssozialistische Bewegung Deutschlands/ VSBD/PdA Partei der Arbeit Volkstreue Au\u00dferparlamentarische Opposition VAPO was tun GIM Wehrsportgruppe Hoffmann WSG Weltbund der Demokratischen Jugend WBDJ Weltfriedensrat WFR Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf WAW Wiking-Jugend WJ Wikinger WJ Wille und Weg JN Wir Frauen DFI W\u00fcrzburger Friedensinitiative W\u00dcFried W\u00fcrzburger Hochschulzeitung MG Zivilcourage DFG-VK Zusammen K\u00e4mpfen -- Zeitung f\u00fcr die Militante der RAF antiimperialistische Front in Westeuropa RAF-Umfeld Sprachrohr der RAF 209","Anhang 4 Action Directe (AD) 169 Aktion Ausl\u00e4nderr\u00fcckf\u00fchrung -- Volksbewegung gegen (AAR) 127 \u00dcberfremdung und Umweltzerst\u00f6rung Aktion Deutsche Einheit (AKON) 123 Aktion Deutsches Radio und Fernsehen (ARF) 123 Aktionsausschu\u00df gegen Zwangsarbeit und 74 Abschiebung in Sammellager Al Fatah 148 Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) 126,131 Anarchistische Arbeiter Union (AAU) 86 Anarchistische F\u00f6deration Nordbayern (AFN) 86 Anarchistische F\u00f6deration S\u00fcdbayern (AFS) 86 Antifaschistisches Komitee N\u00fcrnberg und Umgebung 158 Antiimperialistisches Solidarit\u00e4tskomitee (ASK) 38 Anti-AKW-Bewegung 87 Anti-NATO-Gruppen 82 Anti-Strau\u00df-Komitee (ASKo) 74 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) 74 Arbeiterjugendverband (Marxisten/Leninisten) (AJV) 70 Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) 154 Arbeitskreis Demokratischer Soldaten (ADS) 48 Arbeitskreis Friedensforum Zentralamerika 51 Autonome 82, 89, 90 Autonome Sozialistische Jugendgruppen (ASJG) 73 Avrupa'da Dev Gene 162 210","AWARAGAN -- Demokratische Organisation der 147 Afghanen im Ausland Befreiungseinheiten Kurdistans (HRK) 154 Brigate Rosse (BR) 169 B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp (BIA) 119 Bund Deutscher Pfadfinder im (BDP/BDJ 75 Bund Demokratischer Jugend Landesverband Bayern LFBayern) Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) 78 Bundeskongre\u00df unabh\u00e4ngiger Friedensgruppen (BUF) 98 Comite Objectiv entraide et solidarite avec les victimes (COBRA) 131 de la Repression Antinationaliste Demokratische Fraueninitiative (DFI) 62 Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (DFLP) 148 Deutsche Aktionsgruppen (DA) 133 Deutsche B\u00fcrgerinitiative . (DBI) 133 Deutsche Friedensgesellschaft -- (DFG-ldK) 56 Internationale der Kriegsdienstgegner Deutsche Friedensgesellschaft -- (DFG-VK) 56, 97 Vereinigte Kriegsdienstgegner Deutsche Friedens-Union (DFU) 52,97 DKP-Hochschulgruppe (DKP-HG) 42 Deutsche Kulturgemeinschaft (DKG) 137 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 15 Deutsche Liste 124 Deutsche Reichspartei (DRP) 111 Deutsche Volksliste 125 Deutsche Volksunion (DVU) 111,120 Deutsche Volksunion -- Liste D 125 Deutscher Block (DB) 134 Deutscher Schutzbund f\u00fcr Volk und Kultur 124 Devrimici Isci (Revolution\u00e4re Arbeiter) 162 Devrimici Sol (Revolution\u00e4re Linke) 162 Devrimici Yol (Revolution\u00e4rer Weg) 162 Die Deutsche Freiheitsbewegung (DDF) 137 Die Friedensliste 63 Ehrenbund Rudel -- Gemeinschaft zum Schutz der 124 Frontsoldaten 211","Eritreische Befreiungsfront (ELF) 147 Eritreische Volksbefreiungsfront (EPLF) 147 Federation Internationale des Resistants (FIR) 16 F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (ATIF) 161 F\u00f6deration der Arbeitervereine aus Kurdistan in der (KOMKAR) 156 Bundesrepublik Deutschland e.V. F\u00f6deration der Arbeitervereine der T\u00fcrkei in der (FIDEF) 159 Bundesrepublik Deutschland e.V. F\u00f6deration der patriotischen Arbeiter-und Kulturvereini(FEYKA154 gungen aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland Kurdistan) F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen (AD\u00dcTDF) 163 Idealistenvereine in Europa F\u00f6deration Islamischer Vereine und Gemeinden 165 im Land Bayern e.V. Freie Deutsche Jugend (FDJ) 45 Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP) 127,131 Freundeskreis Ulrich von H\u00fctten 136 Freundschaftsgesellschaft Bundesrepublik Deutschland -- (FGBRD-51 Kuba e.V. Kuba e.V.) Freundeskreis Deutsche Politik (FK) 127 Generalunion der Afghanen und afghanisehen (GUAfS) 147 Studenten e.V. Gesellschaft f\u00fcr die Freundschaft zwischen den V\u00f6lkern (FG BRD51 in der Bundesrepublik Deutschland und der Vietn.e.V.) sozialistischen Republik Vietnam e.V. Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik (GFP) 136 Gesellschaft f\u00fcr Nachrichtenerfassung und (GNN) 78 Nachrichtenverbreitung mbH G\u00f6cmen 162 Gruppe Internationale Marxisten -- (GIM) 71 Deutsche Sektion der IV. Internationale Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene (HNG) 131 und deren Angeh\u00f6rige Illegale Militante 170 Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (l.f.A.) 123 Initiative \"Kein Frieden mit der NATO -- 98 Raus aus der NATO\" Initiative \"Weg mit den Berufsverboten\" 51 212","Initiative zur Vereinigung der Revolution\u00e4ren Jugend (IVRJ) 75 Institut f\u00fcr Marxistische Studien und Forschungen (IMSF) 36 Institut f\u00fcr Internationale Politik und Wissenschaft (IPW) 38 Internationale Vereinigung Demokratischer Juristen (IVDJ) 61 Iranische Moslemische Studenten-Vereinigung (IMSV) 151 Bundesrepublik Deutschland Italienischer Verband der Gastarbeiter und ihren Familien (FILEF) 152 Jobbergruppe 82 Jugendbund Adler (JBA) 134 Jugendclub Courage (JCC) 57 Junge Nationaldemokraten (JN) 117 Junge Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP) 49, 97 K\u00e4mpfende Einheit 170 K\u00e4mpfende Jugend (KJ) 76 Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) 60, 97 Kommunistische Jugend Griechenlands (KNE) 150 Kommunistische Partei der T\u00fcrkei (TKP) 158 Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU) 17, 21 Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) 71 Kommunistische Partei Griechenlands (KKE148 Ausland) Kommunistische Partei Griechenlands (KKE148 Inland) Kommunistische Partei Italiens (PCI) 152 Kommunistische Partei Spaniens (PCE) 158 Kommunistischer Bund (KB) 76 Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) 78 Kommunistischer Hochschulbund (KHB) 73 Konf\u00f6deration t\u00fcrkischer Arbeitervereine in Europa (ATIK) 161 Koordinierungsausschu\u00df der Friedensbewegung (KA) 102 Koordinierungsausschu\u00df zur Vorbereitung der 99 Ostermarsch-Abschlu\u00dfkundgebung in Wackersdorf Krefelder Initiative 53,100 Kroatisches Nationalkomitee in Europa (HNO) 153 Kroatischer Nationalrat (HNV) 153 213","Kroatische Staatsbildende Bewegung (HDP) 153 Kurdischer Arbeiter-Solidarit\u00e4tsverein 157 Kurdistan Arbeitervereinigung in N\u00fcrnberg e.V. 157 Liste Demokratischer AStA (LDA) 73 Liste St\u00e4rkt den AStA (LISA) 73 Marxistische Arbeiterbildung (MAB) 38 Marxistische Arbeiterschulen (MASCH) 37 Marxistische Gruppe (MG) 79 Marxistisch-Leninistischer Bund Intellektueller (MLBl) 71 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) 68 Marxistisch-Leninistische Parteien und B\u00fcnde (K-Gruppen) 66 Marxistisch-Leninistischer Sch\u00fclerund Studentenverband (MLSV) 70 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB48,97 Spartakus) Militante der RAF 170,178 Moslemische Studentenvereinigungen -- Sympathisanten (MSV) 151 der Organisation der Volksmojahedin Iran Movimento Sociale Italiano -- Destra Nazionale (MSI-DN) 153 M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung (BIFA) 60, 97 M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative gegen Berufsverbote 51 M\u00fcnchner Friedensforum 99 Nationaldemokratische Liga der Albanischen Treue (N.D.SH.) 153 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 108 Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) 118 Nationale Befreiungsfront Kurdistans (ERNK) 156 Nationale Front -- Bund Sozialrevolution\u00e4rer (NF-BSN) 131 Nationalisten Nationale Heilspartei (MSP) 164,165 Nationalistische Front (NF) 131 Nationalrevolution\u00e4re 132 Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) 125, 126,142 NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation (NSDAP-AO) 142,167 N\u00fcrnberger \"B\u00fcrgerkomitee Verteidigung der 51 Grundrechte -- Aufhebung der Berufsverbote\" 214","N\u00fcrnberger Friedensforum 99 Organisation Iranischer Demokraten im Ausland (OIDA) 152 Organisation der Iranischen Studenten in der (O.I.P.F.G.) 152 Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin, Sympathisanten der Volksfedayin Guerilla Iran (Ashraf-Deghani-Anh\u00e4nger) Organisation Iranischer Studenten(O.I.S.) 150 Sympathisanten der Organisation der Volksfedayin des Iran (Mehrheit) Osterm\u00e4rsche 91,99 Pakistan Peoples Party der Bundesrepublik Deutschland, (PPP, BRD) 157 Zentralverband e.V. Pakistanische Volkspartei (PPP) 157 Pal\u00e4stina-Libanon-Komitee (PLK) 148 Pal\u00e4stinensische Befreiungsorganisation (PLO) 148 Pal\u00e4stinensischer Arbeiterverband (PAV) 148 Partei der Arbeit Albaniens (PAA) 66 Partei der Nationalen Bewegung (MHP) 163 Polnische Vereinigte Arbeiterpartei (PVAP) 21 Prolos 82 Rechte Armee Fraktion (RAF) 128 Revolution\u00e4r-Sozialistische Jugend -- (RSJ) 73 Roter Maulwurf Revolution\u00e4re Zellen (RZ) 174 Rote Armee Fraktion (RAF) 167 Rote Zellen 79 Rote Zora 174 Schutzbund f\u00fcr Leben und Umwelt (SLU) 124 Sol Birlik 158 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) 44,97 Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) 17,20 Sozialistische Einheitspartei Westberlins (SEW) 21 Sozialistischer Hochschulbund (SHB) 27 Tr\u00e4gerinnenkreis \"Aktion Muttertag\" 62 Tudeh-Partei 150 T\u00fcrkische Arbeiterund Bauernbefreiungsarmee (TIKKO) 160 215","T\u00fcrkische Gemeinschaft in F\u00fcrth 164 T\u00fcrkische Gemeinschaft e.V. N\u00fcrnberg 164 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/ (TKP-ML) 160 Marxisten-Leninisten T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei/-front (THKP/-C) 160,161 T\u00fcrkischer Arbeiterverein in M\u00fcnchen (M.I.DER) 159 T\u00fcrkisch-Islamischer Verein Erlangen und Umgebung 164 Unterfranken T\u00fcrk Islam Kultur-Verein e.V. 164 Verband der Islamischen Vereine und Gemeinden e.V. K\u00f6ln 164 Verband der Kriegsdienstverweigerer (VK) 57 Verband Griechischer Gemeinden in der Bundesrepublik (OEK) 150 Deutschland und West-Berlin Verband Griechischer Studentenvereine in der (OEFE) 150 Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin Verein Pal\u00e4stinensischer Arbeiter (VPA) 148 Verein T\u00fcrkischer Idealisten e.V. (M\u00dcO) 163 Vereinigung der neuen Weltsicht in Europa e.V. (AMGT) 164 Vereinigung der Studenten Kurdistans im Ausland (AKSA) 157 Vereinigte Sozialistische Partei (VSP) 71 Vereinigung Demokratischer Juristinnen und Juristen in der (VDJ) 61 Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin e.V. Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der (WN-BdA) Antifaschisten 53,97 Vereinigte M\u00fcnchner Friedensinitiativen (VMF) 99,102 Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie (VOGA) 123 Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (PFLP) 148 Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg (VOLKS78 FRONT) Volkssozialistische Bewegung Deutschlands/Partei (VSBD/PdA) der Arbeit 126, 130 Volkstreue Au\u00dferparlamentarische Opposition (VAPO) 136 Wehrsportgruppe Hoffmann (WSG) 126 Weltbund der Demokratischen Jugend (WBDJ) 16 Weltfriedensrat ' (WFR) 16,52,97 Wiking-Jugend (WJ) 134 W\u00fcrzburger Friedensinitiative (W\u00dcFried) 55 216"],"title":"Verfassungsschutzbericht 1986","year":1986}
