{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-by-1985.pdf","jurisdiction":"Bayern","num_pages":214,"pages":["Verfassungsschutzbericht Bayern 1985 Bayerisches Staatsministerium des Innern","Verfassungsschutzbericht Bayern 1985 Herausgeber: Bayerisches Staatsministerium des Innern Odeonsplatz 3, 8000 M\u00fcnchen 22 RB Nr.03A/86/9 Herstellung: Lorenz Ellwanger, Maximilianstra\u00dfe 58-60, 8580 Bayreuth","Das Bekenntnis zu einer freiheitlichen demokratischen Grundordnung ist die zentrale Aussage unserer Verfassung. Diese grundlegende Verfassungsentscheidung steht f\u00fcr Demokraten nicht zur Disposition. Es ist au\u00dferordentlich erfreulich, da\u00df sie von einem breiten Konsens getragen wird. Gleichwohl ist st\u00e4ndige Wachsamkeit geboten. Wie die j\u00fcngsten Auseinandersetzungen gerade auch in Bayern gezeigt haben, schrecken politisch motivierte, militante Extremisten nicht davor zur\u00fcck, staatliche Einrichtungen und Organe mit brutaler Gewalt anzugreifen. Daraus resultiert gegenw\u00e4rtig noch keine ernstliche Gefahr f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung. Aber diese Konfrontationen machen doch die Notwendigkeit deutlich, zur Abwehr von solchen Gefahren f\u00fcr unser Gemeinwesen schon in deren Vorfeld verfassungsfeindliche Bestrebungen zu beobachten und f\u00fcr die interessierte \u00d6ffentlichkeit zu dokumentieren. Diesem Ziel dient auch der Verfassungsschutzbericht Bayern 1985. Mit seiner Vorlage verbinden wir unseren Dank f\u00fcr die sorgf\u00e4ltige und pflichtbewu\u00dfte Arbeit, die die Angeh\u00f6rigen des Bayer. Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz auch im vergangenen Jahr geleistet haben. M\u00fcnchen, im Mai 1986 Dr. Karl Hillermeier, Staatsminister Dr. Heinz Rosenbauer, Staatssekret\u00e4r","Inhaltsverzeichnis 1. Abschnitt Allgemeiner \u00dcberblick 10 2. Abschnitt Linksextremismus 12 1. Allgemeines 12 2. Orthodoxer Kommunismus 15 2.1 \u00dcberblick 15 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 16 2.2.1 Ideologisch-politischer Standort 16 2.2.2 Steuerung der DKP durch die SED und KPdSU 20 2.2.3 Kontakte zu Bruderparteien 23 2.2.4 Anforderungen an das DKP-Mitglied 23 2.2.5 Organisation 26 2.2.6 B\u00fcndnispolitik 27 2.2.6.1 Aktionseinheit 30 2.2.6.2 Volksfrontpolitik 33 2.2.7 Publikationen, Verlage und sonstige Propagandatr\u00e4ger 38 2.2.8 Schulung 42 2.2.9 Betriebsarbeit der DKP 44 2.2.10 Sonstige Aktivit\u00e4ten 48 2.3 Nebenorganisationen der DKP 50 2.3.1 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) 50 2.3.2 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) . . . . 55 2.3.3 Junge Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP) 56 2.4 Von der DKP beeinflu\u00dfte Organisationen 58 2.4.1 Allgemeines 58 2.4.2 Deutsche Friedens-Union (DFU) 60 2.4.3 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) 63 2.4.4 Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) 66 2.4.5 Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ). . 70 2.4.6 Vereinigung Demokratischer Juristen (VDJ) 71 4","2.4.7 Demokratische Fraueninitiative (DFI) 71 3. Neue Linke 72 3.1 \u00dcberblick 72 3.2 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) 75 3.3 Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) (KPD) 76 3.4 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) 78 3.5 Kommunistischer Bund (KB) 82 3.6 Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) 82 3.7 Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) 82 3.8 Gruppe Internationale Marxisten -- Deutsche Sektion der IV. Internationale (GIM) 83 3.9 Marxistische Gruppe (MG) 83 3.10 Undogmatische Gruppen der Neuen Linken 86 3.10.1 Allgemeines 86 3.10.2 \"Autonome\" Gruppen 86 3.10.3 Anarchistische Arbeiter Union (AAU) 88 3.10.4 Linksextreme Schriften 89 4. Linksextremer Einflu\u00df auf die \"Friedensbewegung\" 89 4.1 Allgemeines 89 4.2 Agitationsund Aktionsschwerpunkte 92 4.3 \"Die Friedensliste\" 96 3. Abschnitt Rechtsextremismus 97 1. Allgemeines 97 2. Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 100 2.1 Ideologisch-politischer Standort 100 2.2 Organisation 102 2.3 Aktivit\u00e4ten 104 2.4 Junge Nationaldemokraten (JN) 106 2.5 Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) 108 2.6 B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp (BIA) 108 3. Deutsche Volksunion (DVU) 110 3.1 Ideologisch-politischer Standort 110 5","3.2 Organisation 111 3.3 Aktivit\u00e4ten 112 3.4 Aktionsgemeinschaften der DVU 113 4. Neonazistische Organisationen und Vorf\u00e4lle 114 4.1 Allgemeines 114 4.2 Verbotene Aktionsfront Nationaler Sozialisten/ Nationale Aktivisten (ANS/NA) 115 4.3 Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP) 117 4.4 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) 120 4.5 Nationalistische Front (NF) 121 4.6 Deutsche B\u00fcrgerinitiative (DBI) 122 4.7 Neonazistische, antisemitische und sonstige rassistische Vorf\u00e4lle 123 5. Sonstige rechtsextreme Organisationen 124 5.1 Deutscher Block (DB) 124 5.2 Wiking-Jugend (WJ) 124 5.3 Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik (GfP) 126 5.4 Freundeskreis Ulrich von H\u00fctten 127 5.5 Die Deutsche Freiheitsbewegung (DDF) 128 5.6 Gesellschaft f\u00fcr biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung (GfbAEV) 129 5.7 Wehrsportgruppen 130 6. Organisationsunabh\u00e4ngige Publizistik 130 7. Einflu\u00df des ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus 136 4. Abschnitt Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt 139 1. Allgemeines 139 2. Terroristische Gruppen und ihre Ziele 141 2.1 Rote Armee Fraktion (RAF) 141 2.2 Revolution\u00e4re Zellen (RZ) 147 3. Terroristisches Umfeld 148 4. Politisch motivierte Gewaltaktionen in Bayern 151 6","5. Abschnitt Extremismus im Bildungsbereich 153 1. Allgemeines 153 2. Orthodox-kommunistische Hochschulgruppen 155 2.1 DKP-Hochschulgruppen (DKP-HG) 155 2.2 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) . . . . 156 3. Sozialistischer Hochschulbund (SHB) 157 4. Studentengruppen der Neuen Linken 158 4.1 Marxistische Gruppe (MG) 158 4.2 Sonstige Studentengruppen der Neuen Linken 159 5. Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) 159 6. Aktivit\u00e4ten 159 7. Wahlen an den Hochschulen 162 8. Weiterf\u00fchrende Schulen 162 6. Abschnitt Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst 164 1. Einstellungs\u00fcberpr\u00fcfung 164 2. Extremisten im \u00f6ffentlichen Dienst 165 7. Abschnitt Extremistische Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 167 1. Allgemeines 167 2. \u00c4thiopische Gruppen 169 3. Afghanische Gruppen 169 4. Arabische Gruppen 170 5. Griechische Gruppen 170 6. Iranische Gruppen 171 6.1 Orthodoxe Kommunisten 171 6.2 Neue Linke 173 7. Italienische Gruppen 173 7","8. Jugoslawische Gruppen 174 8.1 Kroatischer Nationalrat (HNV) 174 8.2 Kroatische Staatsbildende Bewegung (HDP) 175 9. Kurdische Gruppen 175 9.1 Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) 175 9.2 F\u00f6deration der Arbeitervereine aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (KOMKAR) 176 9.3 Vereinigung der Studenten Kurdistans im Ausland (AKSA) . . . . 177 10. Pakistanische Gruppen 177 11. Spanische Gruppen 178 12. T\u00fcrkische Gruppen 178 12.1 Orthodoxe Kommunisten 180 12.2 Neue Linke einschlie\u00dflich sozialrevolution\u00e4rer Gruppen 180 12.2.1 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten (TKP/ML) 180 12.2.2 T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei/-front (THKP/-C) 182 12.3 Aktionsb\u00fcndnisse t\u00fcrkischer und kurdischer Linksextremisten . 184 12.4 Extreme Nationalisten 184 12.5 Islamische Extremisten 185 8. Abschnitt Spionageabwehr 187 1. Allgemeines 187 2. Zielrichtung/Zielobjekte 187 2.1 Milit\u00e4rspionage 188 2.2 Politische Spionage 188 2.3 Wirtschaftsspionage 189 2.4 Auftr\u00e4ge sonstiger Art 193 3. Versuche nachrichtendienstlicher Aussp\u00e4hung mit Hilfe von Bewohnern der Bundesrepublik Deutschland 193 4. Versuche nachrichtendienstlicher Aussp\u00e4hung mit Hilfe von Bewohnern des kommunistischen Machtbereichs 195 5. Offizielle DDR-Reisekader 196 6. Die Spionageabwehr nach dem \u00dcbertritt von Hans Joachim Tiedge in die DDR 197 8","Anhang 1 Gesetz \u00fcber die Errichtung eines Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz in der Fassung der Bekanntmachung vom 8. August 1974 198 Anhang 2 Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 27. M\u00e4rz 1973 \u00fcber die Pflicht zur Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst 201 Anhang 3 Verzeichnis von Publikationen extremistischer und extremistisch beeinflu\u00dfter Organisationen 204 Abk\u00fcrzungsverzeichnis 208 9","1. Abschnitt Allgemeiner \u00dcberblick Dieser Verfassungsschutzbericht enth\u00e4lt Feststellungen zur inneren Sicherheit des Freistaats Bayern im Jahr 1985. Er gibt zu diesem Zweck einen \u00dcberblick \u00fcber extremistische und extremistisch beeinflu\u00dfte Bestrebungen. Zu den extremistischen Bestrebungen z\u00e4hlen alle, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand und die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung von Mitgliedern verfassungsm\u00e4\u00dfiger Organe des Bundes oder eines Landes zum Ziel haben, sowie Bestrebungen, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden. Der Verfassungsschutzbericht enth\u00e4lt auch Informationen \u00fcber sicherheitsgef\u00e4hrdende und geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten f\u00fcr fremde M\u00e4chte. Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist unter der freiheitlichen demokratischen Grundordnung eine Ordnung zu verstehen, die unter Ausschlu\u00df jeglicher Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft eine rechtsstaatliche Herrschaftsordnung auf der Grundlage der Selbstbestimmung des Volkes nach dem Willen der jeweiligen Mehrheit und der Freiheit und Gleichheit darstellt. Zu den fundamentalen Prinzipien dieser freiheitlichen Grundordnung geh\u00f6ren die Achtung vor den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, die Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, die Gewaltenteilung, die Verantwortlichkeit der Regierung, die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit der Verwaltung, die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte, das Mehrparteienprinzip, die Chancengleichheit der politischen Parteien und das Recht auf verfassungsm\u00e4\u00dfige Bildung und Aus\u00fcbung einer Opposition. Die linksextremen Kr\u00e4fte gef\u00e4hrdeten auch 1985 nicht ernsthaft die freiheitliche demokratische Grundordnung. Die Gesamtzahl der Mitgliedschaften in linksextremen Kernund Nebenorganisationen sowie linksextrem beeinflu\u00dften Organisationen lag 1985 in Bayern bei rund 13.300 Personen. Die Zahl der Mitgliedschaften ist damit gegen\u00fcber dem Vorjahr gestiegen. Neben einer Steigerung der Mitgliederzahl im Bereich der orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Gruppen war auch eine Zunahme speziell im Bereich der Marxistischen Gruppe, die der Neuen Linken zuzurechnen ist, zu verzeichnen. Die Gesamtzahl der Organisationen betrug wie im Vorjahr 120. Das Ziel sowohl der moskauorientierten orthodoxen Kommunisten als auch der meisten Gruppen der Neuen Linken ist nach wie vor eine kommunistische Gesellschaftsordnung. Die orthodox-kommunistische Deutsche Kommunistische Partei (DKP), ihre Nebenorganisationen und die zahlreichen von ihr beeinflu\u00dften Organisationen 10","konnten auch 1985, insbesondere im Zusammenhang mit Abr\u00fcstungsund Friedenskampagnen, Teile des demokratischen Spektrums f\u00fcr gemeinsame Aktionen gewinnen. Die Entwicklung der Dogmatischen Neuen Linken war auch 1985 von Stagnation gekennzeichnet; nur die Marxistische Gruppe konnte ihre Position ausbauen. Gelegentlich kam es wieder zu Aktionsb\u00fcndnissen von Gruppen der Dogmatischen Neuen Linken mit Gruppen der Orthodoxen Linken. Innerhalb der Undogmatischen Neuen Linken konnte 1985 der anarchistisch orientierte \"autonome\" Fl\u00fcgel seine Bedeutung weiter festigen. Die Gegens\u00e4tze zwischen gem\u00e4\u00dfigten und militanten Gruppen wurden auch 1985 nicht \u00fcberbr\u00fcckt. Die Bestrebungen rechtsextremer Vereinigungen und Personen stellten auch 1985 keine Gef\u00e4hrdung des freiheitlichen demokratischen Rechtsstaates dar. 1985 bet\u00e4tigten sich in Bayern wie im Vorjahr 30 rechtsextreme Organisationen und Gruppen mit unver\u00e4ndert rund 3.800 Mitgliedern. Die Deutsche Volksunion (DVU) mit ihren Aktionsgemeinschaften und die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) einschlie\u00dflich ihrer Jugendund Studentenorganisation stellten innerhalb des organisierten Rechtsextremismus in Bayern den gr\u00f6\u00dften Anteil an Mitgliedern. Im Bereich des organisierten Neonazismus war eine Zunahme der Aktivit\u00e4ten und der Mitgliederzahlen festzustellen. Die 1984 begonnenen Versuche ehemaliger Anh\u00e4nger der verbotenen Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA), die Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP) zu unterwandern, wurden 1985 mit Erfolg fortgesetzt. Die von Terroristen und ihren Sympathisanten 1985 ver\u00fcbten Gewaltanschl\u00e4ge zeigten, da\u00df die von ihnen ausgehende Bedrohung zugenommen hat. Die Rote Armee Fraktion (RAF) setzte 1985 trotz der Fahndungserfolge der Sicherheitsbeh\u00f6rden und der dadurch bedingten Schw\u00e4chung der personellen und materiellen Basis mit der Ermordung des Vorsitzenden der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der Motorenund Turbinen-Union (MTU) Dr. Ernst Zimmermann in Gauting bei M\u00fcnchen, der Ermordung des US-Soldaten Edward Pimentai in Wiesbaden und dem Sprengstoffanschlag auf die US-Air-Base in Frankfurt a.M., der zwei Todesopfer forderte, ihre \"Offensive\" fort. Die Anzahl ausl\u00e4ndischer Extremisten und ihrer Organisationen ist 1985 angestiegen. Die Zahl der Mitgliedschaften erh\u00f6hte sich von rund 7.400 auf ca. 9.000, die Zahl der Vereinigungen von 155 auf 169. Diese Steigerung ist in erster Linie auf die Neugr\u00fcndung islamisch-extremistischer Gruppierungen zur\u00fcckzuf\u00fchren. Vor allem militante Organisationen innerhalb der orthodox-kommunistischen kurdischen Gruppierungen sowie gewaltbereite Vereinigungen der t\u00fcrkischen Neuen Linken stellen eine latente Gef\u00e4hrdung der \u00f6ffentlichen Sicherheit dar. Die Spionageaktivit\u00e4ten der Geheimdienste des Ostblocks hielten unvermindert an. Sie richteten sich gegen alle wichtigen Bereiche von Staat und Verwaltung, Wissenschaft und Forschung sowie Wirtschaft und Industrie. Dar\u00fcber hinaus sind nahezu alle gesellschaftlichen Entwicklungen und besonderen Ereignisse f\u00fcr die Geheimdienste des Ostblocks interessant. 11","2. Abschnitt Linksextremismus 1. Allgemeines 1985 gab es in Bayern 120 linksextreme und linksextrem beeinflu\u00dfte Gruppen mit rund 13.300 Mitgliedschaften. Die Zahl der Mitgliedschaften ist damit gegen\u00fcber dem Vorjahr gestiegen. Neben einer Steigerung im Bereich der orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Gruppen war auch eine Zunahme im Bereich der Neuen Linken, speziell der Marxistischen Gruppe (MG), zu verzeichnen. Zahl und St\u00e4rke von linksextremen und linksextrem beeinflu\u00dften Organisationen in Bayern: 1981 1982 1983 1984 1985 Zahl der Organisationen 140 140 130 120 120 Mitgliedschaften Orthodoxe Linke 9.800 10.000 10.200 11.000 11.600 Neue Linke 1.200 1.000 1.100 1.400 1.800 insgesamt 11.000 11.000 11.300 12.400 13.400 Die Gesamtzahl von 13.300 Mitgliedschaften f\u00fcr das Jahr 1985 l\u00e4\u00dft sich wie folgt weiter aufgliedern: Mitgliedschaften in orthodox-kommunistischen Kernund Nebenorganisationen 5.100 abz\u00fcglich Mehrfachmitgliedschaften in Kernund Nebenorganisationen - 200 4.900 Mitgliedschaften in orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Organisationen 6.500 11.400 Mitgliedschaften in Kernund Nebenorganisationen der Neuen Linken 1.600 abz\u00fcglich Mehrfachmitgliedschaften in Organisationen der Neuen Linken - 100 1.500 Mitgliedschaften in beeinflu\u00dften Organisationen der Neuen Linken 200 1.700 Gesamtzahl (bekannte Mehrfachmitgliedschaften abgezogen) 13.100 12","Wie sich aus vorstehender Tabelle ergibt, sind Mehrfachmitgliedschaften nur jeweils innerhalb des Bereichs der Kernund Nebenorganisationen der Orthodoxen Linken und der Neuen Linken ber\u00fccksichtigt. \u00dcber Mehrfachmitgliedschaften in beeinflu\u00dften Organisationen sowie Mehrfachmitgliedschaften in beeinflu\u00dften Organisationen einerseits und Kernund Nebenorganisation andererseits liegen keine zuverl\u00e4ssigen Zahlen vor. In der Zahl der Mitgliedschaften in beeinflu\u00dften Organisationen sind auch Nichtextremisten enthalten; eine zahlenm\u00e4\u00dfige Aufgliederung ist nicht m\u00f6glich. Durch eine Vielzahl von Aktionen, insbesondere im Zusammenhang mit Abr\u00fcstungsund Friedenskampagnen, sowie durch eine anhaltend starke publizistische T\u00e4tigkeit versuchten die Linksextremisten auch 1985 ihrem Ziel n\u00e4herzukommen. Dieses Ziel besteht unver\u00e4ndert -- insoweit sind sich die moskauorientierten orthodoxen Kommunisten und die Anh\u00e4nger und Gruppen der Neuen Linken einig -- in der Einf\u00fchrung einer kommunistischen Gesellschaftsordnung. Zur Erreichung dieses Ziels bekennen sich die Gruppen der Neuen Linken, letztlich aber auch die der orthodoxen Kommunisten zur Gewalt. Dieses Ziel aber -- und der Weg dorthin -- ist, wie das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil zum Verbot der KPD festgestellt hat, unvereinbar mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung des Grundgesetzes und damit verfassungsfeindlich. Die Gruppen der Orthodoxen Linken stellten auch 1985 einen ideologisch festgef\u00fcgten Block dar. Bei den Gruppen der Neuen Linken hielten die ideologischen Auseinandersetzungen an. Die bedeutendsten linksextremen Organisationen waren 1985: 1.1 Kommunistische Kernorganisationen Die kommunistischen Kernorganisationen verstehen sich als f\u00fchrende Kraft im Kampf f\u00fcr die sozialistische Revolution und die Diktatur des Proletariats. Orthodoxe Linke Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Neue Linke Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) Kommunistischer Bund (KB) Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) (KPD) Gruppe Internationale Marxisten -- Deutsche Sektion der IV. Internationale (GIM) Marxistische Gruppe (MG) 13","1.2 Kommunistische Nebenorganisationen Die kommunistischen Nebenorganisationen sind organisatorisch selbst\u00e4ndige Vereinigungen mit eigenen Satzungen und F\u00fchrungsgremien, die sich jedoch der jeweiligen Kernorganisation unterordnen. Sie bekennen sich wie diese zum Kampf f\u00fcr die sozialistische Revolution und die Diktatur des Proletariats. Ma\u00dfgebende F\u00fchrungsfunktionen dieser Vereinigungen sind mit Mitgliedern der Kernorganisationen besetzt. Die wesentlichen Nebenorganisationen waren 1985: Nebenorganisationen der DKP Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) Junge Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP) Nebenorganisationen der MLPD Revolution\u00e4rer Jugendverband Deutschlands (RJVD) Marxistisch-leninistischer Sch\u00fclerund Studentenverband (MLSV) Marxistisch-Leninistischer Bund Intellektueller (MLBI) Nebenorganisation des AB Kommunistischer Hochschulbund (KHB) 1.3 Kommunistisch beeinflu\u00dfte Organisationen Ein erheblicher Teil der Organisationen im linksextremen Bereich besteht aus Vereinigungen, die sich \u00fcberparteilich oder unabh\u00e4ngig darstellen, tats\u00e4chlich aber unter einem mehr oder weniger starken Einflu\u00df der kommunistischen Kernund/oder Nebenorganisationen stehen. Der Einflu\u00df dr\u00fcckt sich insbesondere darin aus, da\u00df sie -- von diesen oder auf deren Initiative hin gegr\u00fcndet wurden, -- wichtige F\u00fchrungsfunktionen mit Kommunisten besetzen, -- eng mit Kernund/oder Nebenorganisationen zusammenarbeiten, -- Ziele verfolgen, die sich in Teilbereichen mit typisch kommunistischen Zielsetzungen decken. Teilweise liegen mehrere dieser Merkmale vor, teilweise alle. Entsprechend stark ist dann der kommunistische Einflu\u00df. So gibt es Gruppen, die keine wesentliche Entscheidung gegen den Willen der Kernund/oder Nebenorganisationen treffen k\u00f6nnen; andere haben trotz erheblichen kommunistischen Einfl\u00fcssen noch Raum f\u00fcr ein politisches Eigenleben. Die wichtigsten Organisationen, die unter ma\u00dfgebendem kommunistischem Einflu\u00df standen, waren 1985: Von der DKP beeinflu\u00dfte Organisationen: Deutsche Friedens-Union (DFU) Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (WNBdA) 14","Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) Vereinigung Demokratischer Juristen (VDJ) Demokratische Fraueninitiative (DFI) Sozialistischer Hochschulbund (SHB) als st\u00e4ndiger B\u00fcndnispartner des MSB Spartakus. Vom AB beeinflu\u00dfte Organisationen: Anti-Strau\u00df-Komitee (ASKo) Initiative f\u00fcr die Vereinigung der revolution\u00e4ren Jugend -- vorm. als Bund Deutscher Pfadfinder im Bund Demokratischer Jugend/Landesverband Bayern -- Regensburger B\u00fcrgerkomitee (RBK) Von der KPD beeinflu\u00dfte Organisation: Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg (VOLKSFRONT) 1.4 Sonstige linksextreme Gruppen: Eine Reihe autonomer Gruppierungen, die anarchistische, spontaneistische oder undogmatische Richtungen vertreten, wollen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung revolution\u00e4r beseitigen, ohne zu sagen, was an ihre Stelle treten soll. Das dogmatische Konzept des Marxismus-Leninismus lehnen sie ab. Diese Gruppen sind h\u00e4ufig kleine, lose und kurzlebige Zusammenschl\u00fcsse. 2. Orthodoxer Kommunismus 2.1 \u00dcberblick In der Bundesrepublik Deutschland und damit auch in Bayern sind die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) und ihre Nebenorganisationen sowie -- mit Einschr\u00e4nkungen -- die von der DKP und/oder ihren Nebenorganisationen beeinflu\u00dften Organisationen Sammelbecken f\u00fcr die orthodoxen Kommunisten. Sie stellen einen festgef\u00fcgten Block dar, sind vor allem im Funktion\u00e4rsbereich eng verflochten und finanziell sehr gut ausgestattet. Die orthodoxen Kommunisten bekennen sich zum Marxismus-Leninismus sowjetischer Pr\u00e4gung und damit, auch wenn sie es zur Verschleierung ihrer wahren Ziele nicht offen aussprechen, zur sozialistischen Weltrevolution und zur Diktatur des Proletariats; dabei werden diese Begriffe vielfach mit \"revolution\u00e4rer Weltproze\u00df\" bzw. \"Herrschaft der Arbeiterklasse\" umschrieben. Das Grundmodell dieser \"sozialistischen Ordnung\" sehen die orthodoxen Kommunisten in der Sowjetunion und der DDR verwirklicht. Deshalb betonen sie die feste Verbundenheit mit den kommunistischen Parteien der Sowjetunion, der DDR und anderer sozialistischer L\u00e4nder. In ideologischer und politischer Hinsicht folgen sie bedingungslos der Linie der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) und der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) der DDR. Sie verstehen sich als Teil der kommunistischen Weltbewegung, der die F\u00fchrungsrolle bei der revolution\u00e4ren Umgestaltung der kapitali15","stischen in die sozialistische Gesellschaftsordnung zukomme. Innerhalb der kommunistischen Weltbewegung hat nach ihrer \u00dcberzeugung das \"sozialistische Weltsystem\" mit der KPdSU an der Spitze die Vorbildund F\u00fchrungsrolle. Einigendes Band ist der \"proletarische Internationalismus\", der die \"Gesamtheit der Interessen und die Solidarit\u00e4t der Arbeiterklasse und der Werkt\u00e4tigen aller L\u00e4nder, ihre Geschlossenheit und Aktionseinheit im Kampf um die revolution\u00e4re Umgestaltung der Gesellschaft\" zum Ausdruck bringen soll. Der weltumspannende F\u00fchrungsanspruch der KPdSU und der Sowjetideologie, der sich auch in einigen internationalen prosowjetischen Organisationen wie dem Weltfriedensrat (WFR), dem Weltbund der Demokratischen Jugend (WBDJ) und der Federation Internationale des Resistants (FIR) manifestiert, wird uneingeschr\u00e4nkt anerkannt. Organisations\u00fcbersicht Orthodoxe Linke Deutsche Kommunistische Partei (DKP) |-- ( 1 I -I SDAJ DFU ~~1- + - p W N - B d A i 1 i 1 i i 1 i MSB SHB | DFG-VK KFAZ i JP VDJ DFI Nebenorganisationen Komitees, beeinflu\u00dfte Organisationen Initiativen Abk\u00fcrzungen vgl. Abk\u00fcrzungsverzeichnis 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 2.2.1 Ideologisch-politischer Standort Die DKP wurde am 26. September 1968 anstelle der im Jahre 1956 vom Bundesverfassungsgericht verbotenen Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) gegr\u00fcndet. Sie ist nach wie vor die mit Abstand st\u00e4rkste extremistische Partei in der Bundesrepublik Deutschland und nimmt die politische F\u00fchrung der orthodoxen Kommunisten in Anspruch. Ideologisch vertritt die DKP die Lehren des Marxismus-Leninismus. Nach dieser Ideologie des \"wissenschaftlichen Sozialismus\" ist der erste Schritt zum Kommunismus eine Revolution mit dem Ziel der Errichtung der politischen Herrschaft des Proletariats. Die Kommunistische Partei hat dabei im Klassenkampf durch Agitation und \u00c4nderung des Bewu\u00dftseins der Arbeiterklasse auf eine Revolution hinzuarbeiten und diese zu f\u00fchren. Der Revolution folgt die Diktatur des Proletariats, d.h. die Macht wird diktatorisch durch die \"Elite\" der 16","Arbeiterklasse, die Kommunistische Partei, ausge\u00fcbt; die Gewaltenteilung ist beseitigt. In der Phase der Diktatur des Proletariats gibt es allerdings noch gegens\u00e4tzliche Klassen, die jedoch in der n\u00e4chsten Stufe der Entwicklung, dem Sozialismus, aufh\u00f6ren zu existieren. Dann f\u00fchrt allein die Kommunistische Partei den sozialistischen Staat und die sozialistische Gesellschaft. Auf dem H\u00f6hepunkt des Sozialismus stirbt nach dieser Ideologie der Staat ab. In dem sich daran anschlie\u00dfenden Stadium des Kommunismus gibt es keine Klassen und keinen Staat mehr. An seine Stelle tritt die Gesellschaft. Politisch folgt die DKP bedingungsund kritiklos der Linie der KPdSU und der SED. Sie betont ihre \"tiefe Verbundenheit\" zur Sowjetunion, \"dem ersten Arbeiterund Bauernstaat\", und verurteilt jede davon abweichende Meinung als \"Rechtsoder Linksopportunismus\", sieht die \"Haltung zur Sowjetunion\" als \"entscheidenden Pr\u00fcfstein f\u00fcr jeden Kommunisten, f\u00fcr seine Treue zur Sache der revolution\u00e4ren Arbeiterbewegung\" und \"erzieht ihre Mitglieder best\u00e4ndig im Geist fester Freundschaft zur Sowjetunion\". Folgerichtig betrachtet sie auch das in der DDR herrschende Staatsund Gesellschaftssystem vorbehaltlos als Muster f\u00fcr die von ihr angestrebte Ordnung in der Bundesrepublik Deutschland. Die Gr\u00fcndung der DDR markiere einen \"Wendepunkt in der Geschichte unseres Volkes\". Mit der \"sozialistischen Revolution\" in der DDR habe die deutsche Arbeiterbewegung ihren \"gr\u00f6\u00dften Sieg\" errungen. In der DDR w\u00fcrden die \"besten revolution\u00e4ren, demokratischen und nationalen Traditionen der deutschen Geschichte\" verk\u00f6rpert. Von einem solchen Staat h\u00e4tten \"Generationen von Kommunisten und Sozialisten\" getr\u00e4umt. Nur in einem solchen Staat k\u00f6nne es \"wirkliche Volksherrschaft als Demokratie\" geben. Ziel der DKP ist eine sozialistische und kommunistische Gesellschaftsordnung. Dies ergibt sich aus ihrem am 21. Oktober 1978 auf dem Mannheimer Parteitag beschlossenen Programm und aus einer Vielzahl ideologischer Schriften und Ausbildungsmaterialien. Die DKP sieht sich deshalb als \"Partei des Sozialismus\", die stets f\u00fcr grundlegende gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen k\u00e4mpfe, f\u00fcr eine neue, bessere, sozialistische Gesellschaft. Sie trete nicht nur allein f\u00fcr die Interessen der arbeitenden Klasse in der Bundesrepublik Deutschland ein, sondern denke und handle immer im Geiste der internationalen Solidarit\u00e4t, des proletarischen Internationalismus. Die Partei h\u00e4lt am \"unverr\u00fcckbaren Ziel\" des Sozialismus, \"als erster Phase der kommunistischen Gesellschaftsformation\", fest. Diese \"grundlegend neue Gesellschaftsordnung\" baue auf der \"revolution\u00e4ren \u00dcberwindung der kapitalistischen Machtund Besitzverh\u00e4ltnisse\" auf und k\u00f6nne nur \"im harten Klassenkampf\" durchgesetzt werden. Sie setze die Erringung der politischen Macht durch die Arbeiterklasse im B\u00fcndnis mit den anderen Werkt\u00e4tigen voraus. Die Lehre von Marx, Engels und Lenin sei der \"politische Kompa\u00df der DKP und wissenschaftliches Fundament ihrer Politik\". In \"sch\u00f6pferischer Anwendung\" dieser Lehre entwickle die DKP Strategie und Taktik ihres Kampfes um die Errichtung des Sozialismus in der Bundesrepublik Deutschland. Als die Partei des \"Klassenkampfes\" und des \"Sozialismus\" bekennt sie sich zu den Grunds\u00e4tzen einer \"bolschewistischen Partei neuen Typus\", die gekennzeichnet sei durch die Anerkennung der Leninschen Normen der Parteimitgliedschaft und des Parteiaufbaues sowie der Diktatur des Proletariats. 17","Die DKP geht aufgrund marxistisch-leninistischer Analyse davon aus, da\u00df die Gegenwart \"die Epoche des \u00dcbergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus im Weltma\u00dfstab\" sei. Der \"staatsmonopolistische Kapitalismus\" habe sich in der Bundesrepublik Deutschland voll entwickelt und befinde sich jetzt in der Krise. Jene \"besonderen Faktoren\" h\u00e4tten aufgeh\u00f6rt zu wirken, die die langanhaltende, \"viele Gebrechen der kapitalistischen Ordnung \u00fcberdeckende Nachkriegskonjunktur\" erm\u00f6glicht und in breiten Bev\u00f6lkerungskreisen tiefe Illusionen \u00fcber die bestehenden gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse erweckt h\u00e4tten. Daher sei die \"Hauptzielsetzung der DKP in der gegenw\u00e4rtigen Etappe\", das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zugunsten der Arbeiterklasse und der \"anderen demokratischen Kr\u00e4fte\" zu ver\u00e4ndern und die \"Wende zu demokratischem und sozialem Fortschritt herbeizuf\u00fchren\". Sie erachtet es als m\u00f6glich und im Interesse der Arbeiterklasse f\u00fcr erstrebenswert, da\u00df dieser Kampf in eine \"antimonopolistische Demokratie\" einm\u00fcndet. Darunter versteht die DKP eine Periode \"grundlegender Umgestaltungen\", in der eine von der \"Arbeiterklasse und den anderen demokratischen Kr\u00e4ften getragene antimonopolistisch-demokratische Staatsmacht\" geschaffen werden soll. Dabei sieht die DKP die antimonopolistische und sozialistische Umw\u00e4lzung als miteinander verbundene Entwicklungsstadien eines \"einheitlichen revolution\u00e4ren Prozesses des \u00dcbergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus\". Diese Aussagen der DKP belegen trotz der aus taktischen Gr\u00fcnden variierten Begriffsbildung, da\u00df die DKP einen dogmatischen Marxismus-Leninismus vertritt. Die Formulierungen \"sozialistische Umw\u00e4lzung\" und \"politische Macht der Arbeiterklasse\" sind gleichbedeutend mit den marxistisch-leninistischen Kernbegriffen \"sozialistische Revolution\" und \"Diktatur des Proletariats\". Im Programm der DKP findet sich der \"wissenschaftliche Terminus\" \"Diktatur des Proletariats\" zwar nicht, denn er sei heute f\u00fcr gro\u00dfe Teile des arbeitenden Volkes mi\u00dfverst\u00e4ndlich. Die DKP bekennt sich in ihrem Programm jedoch \"unmi\u00dfverst\u00e4ndlich\" zur politischen Macht der Arbeiterklasse. Dieser Sprachgebrauch dient der DKP ebenso zur Verschleierung ihrer in Wahrheit verfassungsfeindlichen Zielsetzung wie ihre Beteuerung, sie \"wirke auf dem Boden des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland\" und erstrebe die \"grundlegende Umgestaltung auf der Basis der demokratischen Prinzipien und Rechte des Grundgesetzes\". In Wirklichkeit sieht die DKP im Grundgesetz nur eine disponible Basis f\u00fcr ihren Kampf. Die Grundrechte versteht sie nicht als Garantie eines Freiheitsraumes f\u00fcr jeden B\u00fcrger, sondern als Legitimation und Auftrag f\u00fcr die Arbeiterklasse, die bestehende Ordnung zu beseitigen und den Sozialismus und eine sozialistische Verfassung zu erk\u00e4mpfen. Ihr Bekenntnis, auf dem Boden des Grundgesetzes zu stehen, ist nur vor dem Hintergrund des marxistisch-leninistischen Demokratieverst\u00e4ndnisses zu sehen. Entsprechendes gilt bez\u00fcglich des Eintretens der DKP f\u00fcr die Erhaltung und Sicherung des Friedens, f\u00fcr die Einhaltung der Prinzipien der \"friedlichen Koexistenz\" und ihren Kampf gegen \"Faschismus und Rechtsentwicklung\". Die System\u00fcberwindung will die DKP unter den gegenw\u00e4rtigen Umst\u00e4nden grunds\u00e4tzlich mit systemkonformen Mitteln erreichen. Gleichwohl betont sie im Programm, da\u00df es von der Kraft der Arbeiterklasse, der Stabilit\u00e4t ihrer B\u00fcndnisse mit anderen \"demokratischen Kr\u00e4ften\", der St\u00e4rke ihrer revolution\u00e4ren Partei, insbesondere aber von den \"Formen des Widerstandes der Reak18","tion\" abh\u00e4nge, wie sich dieser Weg konkret gestalten werde. Diese \u00c4u\u00dferungen der DKP lassen erkennen, da\u00df auch weiterhin von einer prinzipiellen Gewaltbereitschaft der Partei auszugehen ist. Der DKP-Vorsitzende Mies hatte bereits 1981 erkl\u00e4rt: \"Das demokratische Widerstandsrecht, das Grundrecht der arbeitenden Menschen, ihre Interessen zur Geltung zu bringen und die entsprechenden Kampfformen zu w\u00e4hlen, entspricht vollauf den demokratischen Prinzipien des Grundgesetzes... Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht. Wo Macht vor Recht geht, da mu\u00df man sich gegen die Macht des Unrechts wehren... Da fragt man nicht lange: Darf man denn das? Da sollte man in der Tat wahre Demokratie wagen\". Zur Diskussion um Aktionsformen der Friedensbewegung meinte Mies, gegen\u00fcber \"Kriegsvorbereitungen\" d\u00fcrfe es keinen Gehorsam geben. Vielmehr m\u00fcsse der demokratische und friedliche Widerstand intensiviert werden. Damit in \u00dcbereinstimmung steht die \u00c4u\u00dferung von Mies, die Unterst\u00fctzung des Kampfes gegen die Raketenstationierung fange bei \"der Unterschriftensammlung an\" und gehe \"bis hin zur Unterst\u00fctzung von direkten Aktionen gegen die Stationierung, auch gegen die Raketenbasen. Da klammern wir nichts aus\". F\u00fcr die DKP ist die Gewaltanwendung somit eine Frage politischer Opportunit\u00e4t. Ihre Zur\u00fcckhaltung bei gewaltt\u00e4tigen Aktionen beruht lediglich auf dem Bestreben, sich im Rahmen der von ihr verfolgten B\u00fcndnispolitik \"koalitionsf\u00e4hig\" zu machen. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch eine Stellungnahme zu linksextremistisch motivierten terroristischen Aktionen. Die Partei erkl\u00e4rte, diese seien aus einem \"verst\u00e4ndlichen Ha\u00df\" entstanden. Wenn beim Hungerstreik inhaftierter RAF-Mitglieder \"Gefangene\" sterben, dann s\u00e4\u00dfen die M\u00f6rder in \"Justizsesseln\" und \"Regierungsb\u00e4nken\". Sie unterschieden sich nicht von \"jenen, die auf Schleyer und andere geschossen haben\". Diese \u00c4u\u00dferung wirft ein bezeichnendes Licht auf die Einstellung der DKP zur verfassungsm\u00e4\u00dfigen Ordnung, deren ma\u00dfgebliche Repr\u00e4sentanten sie als potentielle \"M\u00f6rder\" bezeichnet. Ankn\u00fcpfend an das Parteiprogramm 1978 wurde Ende Juni 1985 der vom Parteivorstand gebilligte Entwurf der programmatischen \"Thesen zum 8. Parteitag der DKP -- Neue Fragen des Kampfes f\u00fcr Frieden und Arbeit -- f\u00fcr eine demokratische Wende\" ver\u00f6ffentlicht. Danach ist die \"wichtigste Aufgabe\" heute der \"Kampf um Frieden und Arbeit\". \"N\u00e4chste strategische Orientierung\" bleibe der \"Kampf um eine Wende zu demokratischem und sozialem Fortschritt\" auf dem Weg zu dem \"Zukunftsziel\" einer \"sozialistischen Bundesrepublik\". Im Thesenentwurf bezeichnet sich die DKP unver\u00e4ndert als \"die revolution\u00e4re, marxistische Partei der Arbeiterklasse\", die sich durch \"ihre marxistisch-leninistische Weltanschauung, ihre sozialistische Zielsetzung, ihre Zugeh\u00f6rigkeit zur kommunistischen Weltbewegung\" grunds\u00e4tzlich von allen anderen Parteien unterscheide. Sie bekr\u00e4ftigt ihre bedingungslose Loyalit\u00e4t zur KPdSU als der \"st\u00e4rksten und erfahrensten Partei der kommunistischen Weltbewegung\". Erneut bekundet sie ihre Verbundenheit mit der SED, unter deren F\u00fchrung in der DDR die \"entwickelte sozialistische Gesellschaft\", die \"grundlegende Alternative zur kapitalistischen Ausbeuterordnung\" geschaffen werde. Der Sozialismus sei eine dem Kapitalismus \u00fcberlegene Stufe des Menschheitsfortschritts. 19","2.2.2 Steuerung der DKP durch die SED und KPdSU Die DKP wird von der SED angeleitet und umfassend unterst\u00fctzt. Die im Entwurf der \"Thesen zum 8. Parteitag -- Neue Fragen des Kampfes f\u00fcr Frieden und Arbeit -- f\u00fcr eine demokratische Wende\" angesprochene Verbundenheit zwischen SED und DKP sicherten auch 1985 zahlreiche Arbeitsgespr\u00e4che zwischen SEDund DKP-Funktion\u00e4ren. Sie dienen einer umfassenden Kontrolle der DKP durch die SED. Zust\u00e4ndig ist daf\u00fcr die sogenannte \"Westabteilung\" beim Zentralkomitee (ZK) der SED. Den Bezirksorganisationen der DKP sind jeweils Bezirksorganisationen der SED als \"Patenbezirke\" zugewiesen. In Bayern sind dies f\u00fcr die DKP-Bezirksorganisation Nordbayern der SED-Bezirk Suhl und f\u00fcr die DKP-Bezirksorganisation S\u00fcdbayern der SED-Bezirk Gera. Zur Festlegung des Kurses der DKP und zur Abstimmung aktueller \"Kampfaufgaben\" wird j\u00e4hrlich zwischen den F\u00fchrungen von SED und DKP ein Rahmenplan festgelegt, innerhalb dessen die SEDund DKP-Bezirksorganisationen ihre j\u00e4hrlichen schriftlichen Vereinbarungen \u00fcber die Zusammenarbeit treffen. Die intensiven Kontakte zeigten sich auch 1985 in zahlreichen Reisen von DKP-Funktion\u00e4ren und -Mitgliedern in die DDR. So reiste zum 41. Todestag von Ernst Th\u00e4lmann am 18. August eine DKPDelegation mit rund 270 Personen, darunter auch Pr\u00e4sidiumsmitglieder, nach Buchenwald. Im Anschlu\u00df an die Ehrung Th\u00e4lmanns trafen sich Abordnungen der DKP und der SED zu einem politischen Meinungsaustausch in Weimar. Ein DKP-Pr\u00e4sidiumsmitglied w\u00fcrdigte in seiner Ansprache die im \"Geiste Th\u00e4lmanns erzogene Arbeiterklasse der DDR, die einen stabilen, sich dynamisch entwickelnden sozialistischen Staat auf deutschem Boden geschaffen hat, von dem sich niemand bedroht f\u00fchlt und von dem Frieden ausgeht\". Weitere Unterst\u00fctzung gew\u00e4hrt die SED der DKP dadurch, da\u00df sie Einrichtungen in der DDR f\u00fcr die Schulung, F\u00f6rderung und Betreuung westdeutscher Kommunisten zur Verf\u00fcgung stellt. Hierzu z\u00e4hlen auch die Ferienaktionen der DKP-Nebenorganisation Junge Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP) \"Wir fahren in ein kinderfreundliches Land\". F\u00fcr verdiente Kader der DKP organisiert und finanziert die SED Urlaubs-, Krankenhausund Kuraufenthalte in der DDR. Zahlreiche Unterlagen der DKP werden in die DDR verbracht und dort in SED-Archiven aufbewahrt, insbesondere Unterlagen \u00fcber DKP-Mitglieder. Umgekehrt wurde eine gro\u00dfe Zahl einreisender \"DDR-Reisekader\" -- allein nach Bayern etwa 300 -- festgestellt, die im Rahmen der \"Westarbeit\" der SED einen Auftrag im Bundesgebiet zu erf\u00fcllen haben. Zu den Reisekadern z\u00e4hlen neben Funktion\u00e4ren der SED und sogenannter DDR-Massenorganisationen, die Kontakte zur DKP und den ihr nahestehenden Organisationen durch Gespr\u00e4che und Vortr\u00e4ge pflegen, auch Wissenschaftler, die neben ihrem eigentlichen beruflichen Auftrag politisch agitieren und Informationen gewinnen sollen. Die DDR-Reisekader haben \u00fcber Reiseverlauf und Gespr\u00e4che ausf\u00fchrliche Berichte anzufertigen, die von der SED und dem Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit (MfS) der DDR ausgewertet werden. 20","21","Auch die kulturelle \"Westarbeit\" der SED dient der politischen Unterst\u00fctzung der DKP und der Selbstdarstellung der DDR. Sie besteht vor allem in der Entsendung zahlreicher, teilweise namhafter Theater-, Musikund Kleinkunstensembles zu Veranstaltungen der DKP und ihrer Nebenorganisationen, aber auch in engen Beziehungen zwischen Verlagen in der DDR und kommunistischen Verlagen in der Bundesrepublik Deutschland. Die strikte Anbindung der DKP an die SED macht auch die Ver\u00f6ffentlichung der DKP in ihrem Zentralorgan \"Unsere Zeit\" (UZ) zum Jahrestag der Errichtung der Berliner Mauer deutlich, die Ausz\u00fcge aus einer Stellungnahme des SED-Zentralorgans \"Neues Deutschland\" enth\u00e4lt. Darin hei\u00dft es, der 13. August 1961 habe V\u00f6lkerrecht durchgesetzt. Die \"Sicherung der DDR-Grenzen zur Bundesrepublik Deutschland und zu West-Berlin\" habe \"den Prinzipien der Souver\u00e4nit\u00e4t, der Nichteinmischung, der Unverletzlichkeit der Grenzen\" Geltung verschafft. Die Mauer habe auch \"elementare Voraussetzungen f\u00fcr Fortschritte in der friedlichen Koexistenz\" geschaffen. Die unkritische \u00dcbernahme dieser zynischen Argumentation durch die DKP macht deutlich, in welchem Ma\u00df die Partei an die Politik der SED gebunden ist. Auch die Steuerung der DKP durch die KPdSU kommt in zahlreichen Kontakten zum Ausdruck. Gemeinsam mit f\u00fchrenden Funktion\u00e4ren der KPdSU er\u00f6ffneten der DKP-Vorsitzende, der Vorsitzende der Sozialistischen Einheitspartei Westberlins (SEW) und der SED-Generalsekret\u00e4r am 5. Mai in Krasnogorsk bei Moskau ein \"Museum deutscher Antifaschisten\". Anschlie\u00dfend fand in Moskau die Einweihung eines \"Th\u00e4lmannplatzes\" und die Grundsteinlegung f\u00fcr ein \"Ernst-Th\u00e4lmann-Denkmal\" statt. Mies w\u00fcrdigte dabei die \"hervorragende Rolle der Sowjetunion bei der Zerschlagung des Hitler-Faschismus\" und betonte die Entschlossenheit, den \"Friedenskampf\" mit ganzer Kraft fortzusetzen. Am selben Tag wurde Mies vom Generalsekret\u00e4r der KPdSU Michail Gorbatschow im Kreml zu einem Gespr\u00e4ch empfangen. Gorbatschow betonte dabei die \"unverbr\u00fcchliche Solidarit\u00e4t\" der KPdSU mit der DKP. In einer Gedenkrede zum Tode des sowjetischen Parteiund Staatschefs Konstantin Tschernenko erkl\u00e4rte Mies, die DKP werde ihre \"freundschaftlichen Beziehungen\" zur KPdSU \"stets in Ehren halten\" und \"festigen\". Unter dem Motto \"Aus der Neuen Welt -- Die Sowjetunion heute\" veranstaltete die DKP vom 4. bis 10. November ihre j\u00e4hrliche \"Woche des Sozialismus\". Auf den Veranstaltungen \"informierten\" Funktion\u00e4re der KPdSU sowie Wissenschaftler und K\u00fcnstler aus der DDR \u00fcber politische, kulturelle und wirtschaftliche Gegenwartsund Zukunftsvorstellungen. Es ist daher folgerichtig, da\u00df die DKP die \"konstruktive und beharrliche Friedenspolitik\" der Sowjetunion preist, w\u00e4hrend sie den USA eine \"Hochr\u00fcstungsund Konfrontationspolitik\" und Pl\u00e4ne zur \"Militarisierung des Weltraums\" vorwirft. Aus der Sicht der DKP geh\u00f6re es zu den \"wichtigsten Kampfaufgaben\", einen \"gewaltigen Druck der \u00f6ffentlichen Meinung\" zur \"Verhinderung der Weltraumr\u00fcstung\" zu entwickeln. Diese einseitige Stellungnahme der DKP zu Abr\u00fcstungsund Friedensbem\u00fchungen macht deutlich, wie sehr es ihr darum geht, die Politik der Sowjetunion im Westen propagandistisch zu unterst\u00fctzen. 22","2.2.3 Kontakte zu Bruderparteien \u00dcber die traditionellen Verbindungen zur Mutterpartei KPdSU und zur Bruderpartei SED hinaus pflegte die DKP auch 1985 getreu den Prinzipien des proletarischen Internationalismus ihre freundschaftlichen Beziehungen zu anderen kommunistischen Parteien durch gegenseitige Besuche, Treffen und Teilnahme an internationalen Gro\u00dfveranstaltungen kommunistischer Parteien. Die DKP-Pressemeldungen stellten derartige Begegnungen besonders heraus. Auf Einladung der DKP berieten am 31. Mai und 1. Juni im MarxEngels-Zentrum in Wuppertal Vertreterinnen von 16 kommunistischen Parteien aus Westeuropa \u00fcber die Lage der Frauen in den kapitalistischen L\u00e4ndern. Ein Mitglied des Pr\u00e4sidiums der DKP bezeichnete den Meinungsaustausch als \"Anklage an das kapitalistische System\". Am 12. und 13. Juni trafen sich in Paris Vertreter von 18 westeurop\u00e4ischen kommunistischen Parteien, darunter auch der DKP und der SEW. Bei dem Treffen sollte die \"kapitalistische Krise\" in den westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern analysiert und \u00fcber \"Aktionen kommunistischer Parteien\" beraten werden. Am 15. Juni trafen sich die Vorsitzenden der DKP, der Kommunistischen Partei \u00d6sterreichs (KP\u00d6) und der Kommunistischen Partei Luxemburgs (KPL) in Trier zu einem \"freundschaftlichen Meinungsaustausch\" \u00fcber Fragen der \"internationalen Entwicklung\" und des \"demokratischenund Friedenskampfes\". Es sei notwendig, eine breite Bewegung gegen die \"Sternenkriegspl\u00e4ne der USA\" zu entwickeln. Anl\u00e4\u00dflich des 40. Jahrestages der Atombombenabw\u00fcrfe auf Hiroshima und Nagasaki richtete der DKP-Vorsitzende einen \"Solidarit\u00e4tsbrief\" an den Vorsitzenden des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Japans. Darin hie\u00df es: \"In unserem Land verst\u00e4rken demokratische und Friedenskr\u00e4fte die Forderung an die USA, im Interesse des Lebens und \u00dcberlebens die Kernwaffenversuche einzustellen. Gerade 40 Jahre nach der Trag\u00f6die von Hiroshima und Nagasaki sieht die DKP in dem einseitigen Moratorium der UdSSR f\u00fcr nukleare Explosionen ein ermutigendes Beispiel. Die Wiederholung der Trag\u00f6dien von 1945 mu\u00df in jedem Fall verhindert werden.\" Der Parteivorsitzende der DKP f\u00fchrte am 16. September im Bonner B\u00fcro der DKP politische Gespr\u00e4che mit dem Pr\u00e4sidenten der South-West-African-Peoples Organisation (SWAPO). 2.2.4 Anforderungen an das DKP-Mitglied Die DKP-Mitglieder sind nach dem Parteistatut verpflichtet, die Grunds\u00e4tze der Partei anzuerkennen, sich f\u00fcr die Verwirklichung der beschlossenen Politik einzusetzen und sie im gesellschaftlichen Leben aktiv zu vertreten. In der Brosch\u00fcre mit dem Titel \"Die DKP -- Eine demokratische Partei\", die anl\u00e4\u00dflich des DKP-Bildungsjahres 1984/85 herausgegeben wurde, beschreibt die DKP die Anforderungen, die an ihre Mitglieder gestellt werden. \"Da die kommunistische Partei ein freiwilliger Kampfbund von Gleichgesinnten ist, erh\u00e4lt derjenige, der Mitglied wird, neue Rechte, aber er nimmt auch gleichzeitig neue Verpflichtungen auf sich. Wer sich freiwillig diesem Kampfbund an23","24","schlie\u00dft, erh\u00e4lt Freiheiten, die er fr\u00fcher nicht hatte, und die im DKP-Statut unter dem Abschnitt Rechte der Mitglieder genannt sind, beispielsweise die neue Freiheit, an der Formulierung und Gestaltung kommunistischer Politik mitzuarbeiten...\". Die DKP sieht sich als einheitlich und solidarisch handelnde \"Kampfgemeinschaft\", deren innerparteiliches Leben von der \"marxistischen Weltanschauung und der Gemeinschaft der politischen Ziele\" gepr\u00e4gt werde. \"Kommunist ist man \u00fcberall: am Arbeitsplatz, im Wohngebiet, in der Familie\". Als richtige Haltung der Kommunisten sieht es die DKP an, offen und konsequent den kommunistischen Standpunkt zu vertreten, initiativreich und geduldig die Politik der Aktionseinheit zu verfechten, in B\u00fcndnissen \"aktiv und partnerschaftlich\" zu wirken, sich als \"die besten, entschiedensten, uneigenn\u00fctzigsten Vertreter des Volksinteresses\" zu erweisen und \"aktiv bei der Gewinnung neuer Mitglieder und der Verbreitung und Gestaltung der DKP-Presse mitzuwirken\". Kommunist sein hei\u00dfe, aus Klassenbewu\u00dftsein ein disziplinierter K\u00e4mpfer der Partei der Arbeiterklasse zu sein, hei\u00dfe qualitativ gut, gewissenhaft, diszipliniert am Arbeitsplatz, in der Schule, in den Hochschulen, in der Elternvertretung, in der parlamentarischen Vertretung, \"im sogenannten normalen Leben\" zu sein. Bereits in der kapitalistischen Gesellschaft erwerbe der Genosse in der Gemeinschaft der Partei eine eigene \"proletarische Klassenmoral\", die im Gegensatz zur \"b\u00fcrgerlichen Moral\" stehe, welche \"heuchlerisch\", \"doppelb\u00f6dig\" und \"menschenfeindlich\" sei. Die Erf\u00fcllung dieser Anforderungen an die \"proletarische Moral\" wird u.a. im Rahmen einer von Zeit zu Zeit stattfindenden Umtauschaktion der Mitgliedsb\u00fccher \u00fcberwacht. Vor der letzten Ausgabe neuer Mitgliedsb\u00fccher 1983 wurden mit jedem \"Genossen\" intensive und individuelle Gespr\u00e4che gef\u00fchrt, um das Mitglied voll auf die Linie der Partei einzuschw\u00f6ren. Entsprechend den Leninschen Gedanken zum Parteiaufbau sieht sich die DKP nicht als Massenorganisation, sondern als Elite. Diese f\u00fchrende Elite von Revolution\u00e4ren denkt f\u00fcr das Proletariat und soll das Proletariat zur \"Freiheit\" f\u00fchren. Dadurch kommt zum Ausdruck, da\u00df die gro\u00dfe Mehrheit der Anleitung durch Mitglieder des F\u00fchrungskaders, der Kommunistischen Partei, bedarf, die aus der \"Masse\" herausragen und zur F\u00fchrung bef\u00e4higt sind. Das Parteimitglied hat als Berufsrevolution\u00e4r die Aufgabe, politische Unzufriedenheit durch Propaganda und Agitation zu wecken und so eine revolution\u00e4re Situation vorzubereiten. Da\u00df diese Sicht mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung nicht vereinbar ist, liegt klar auf den Hand. Auf dem 7. Parteitag im Januar 1984 hatte die DKP das Emst-Th\u00e4lmann-Aufgebot beschlossen und am 17. August 1985 vor dem fr\u00fcheren Wohnhaus des in einem Konzentrationslager umgekommenen KPD-Vorsitzenden Ernst Th\u00e4lmann eingeleitet. Die DKP lie\u00df sich dabei von dessen \"Verm\u00e4chtnis\" leiten: -- \"Kommunisten wirken unerm\u00fcdlich f\u00fcr die Aktionseinheit der Arbeiterklasse, ohne die sie keine durchgreifenden Erfolge erringen k\u00f6nnen; -- Kommunisten wirken unerm\u00fcdlich f\u00fcr das Zustandekommen und Erstarken eines breiten B\u00fcndnisses all jener Kr\u00e4fte, die ihre gemeinsamen Interessen nur im gemeinsamen Handeln gegen das Monopolkapital durchsetzen k\u00f6nnen; 25","-- Kommunisten bringen stets ihre ganze Kraft im Kampf f\u00fcr die nationalen Interessen ihres Volkes, gegen die reaktion\u00e4rsten und aggressivsten Kreise des Gro\u00dfund R\u00fcstungskapitals und seiner politischen Statthalter ein; -- Kommunisten wirken leidenschaftlich daf\u00fcr, die Arbeiterklasse, alle arbeitenden Menschen, f\u00fcr ein freundschaftliches, klassenm\u00e4\u00dfiges Verh\u00e4ltnis zu jenem Land zu gewinnen, in dem die Arbeiterklasse sich als erste die Macht erk\u00e4mpfte: zur Sowjetunion; -- Kommunisten verlieren niemals aus den Augen, da\u00df die St\u00e4rkung ihrer Partei ein unverzichtbares Erfordernis f\u00fcr den Erfolg der K\u00e4mpfe der Arbeiterklasse, der Friedensbewegung, aller demokratischen Kr\u00e4fte ist\". 2.2.5 Organisation Die DKP hatte 1985 rund 40.000 Mitglieder. In Bayern gab es Ende 1985 unver\u00e4ndert 3.100 DKP-Mitglieder. Auf dem 7. Parteitag im Januar 1984 bezifferte die DKP die Zahl ihrer Mitglieder auf 50.482 (6. Parteitag 1981: 48.856). Die DKP-Mitgliederwerbeaktion im Rahmen des \"Ernst-Th\u00e4lmann-Aufgebots\", von der die Partei bis zum 30. M\u00e4rz 1986 einen Mitgliederzuwachs in H\u00f6he von 20 Prozent erwartete, wirkte sich nur geringf\u00fcgig aus. Im Mitgliederwettbewerb der DKP lag die DKP-Bezirksorganisation Nordbayern im Oktober 1985 an erster Stelle im Bundesgebiet. Das von der Partei gestiftete \"Kampfbanner\" ging daher nach N\u00fcrnberg. Entwicklung der Mitgliederzahlen der DKP in Bayern Mitglieder 1969 1971 1973 1975 1977 1979 1981 1983 1985 3500 3000 2500 2000 1500 1000 500 Die organisatorische Struktur der DKP hat sich 1985 nicht ge\u00e4ndert. Die DKP gliedert sich im Bundesgebiet nach wie vor in 12 Bezirksorganisationen. Diese sind in Kreisbzw. Gebietsorganisationen unterteilt, die die Grundorganisationen, n\u00e4mlich die Orts-, Stadtteil-, Wohngebiets-, Betriebsund Hochschulgruppen zusammenfassen. Bayern ist in die Bezirksorganisationen Nordund S\u00fcdbayern aufgeteilt. Auf dem 7. Parteitag der DKP im Januar 1984 waren Herbert Mies und Hermann Gautier als DKP-Vorsitzender bzw. stellvertretender Vorsitzender best\u00e426","tigt worden. In den Parteivorstand wurden 98 weitere Personen gew\u00e4hlt, darunter 10 Mitglieder aus Bayern. In Bayern sind Vorsitzender bzw. stellvertretende Vorsitzende im DKP-Bezirk Nordbayern Herbert Stiefvater und Anka Konh\u00e4user, im DKP-Bezirk S\u00fcdbayern Walter Listl und Heinrich Horrelt. Die DKP ist in ihrer inneren Struktur nach dem marxistisch-leninistischen Prinzip des \"demokratischen Zentralismus\" aufgebaut. Nach diesem Prinzip des hierarchischen Parteiaufbaus werden die Organe und Funktion\u00e4re jeder Ebene durch die n\u00e4chst-untergeordnete Ebene gew\u00e4hlt, wobei eine Abwahl praktisch ausgeschlossen ist. Die Willensbildung findet dann von oben nach unten statt, d.h. Beschl\u00fcsse sind f\u00fcr nachgeordnete Parteigliederungen absolut verbindlich. Das strikte Verbot der Fraktionsbildung ist damit gew\u00e4hrleistet. Die Einhaltung dieser Grunds\u00e4tze des demokratischen Zentralismus ist f\u00fcr die DKP keineswegs blo\u00dfes historisches Lippenbekenntnis. Ein DKP-Parteivorstandsmitarbeiter schrieb in der UZ, nur eine \"im Wollen einheitliche Partei\" k\u00f6nne auch im Handeln geschlossen auftreten. Jegliche \"Fraktionsbildung\" sei nach Lenin unvereinbar mit der Mitgliedschaft in der kommunistischen Partei. Nach einem weiteren UZ-Artikel hatten die Teilnehmer eines Meinungsund Erfahrungsaustausches der \"Zentralen Schiedskommission\" festgestellt, da\u00df die DKP sich f\u00fcr die \"Leninschen Prinzipien der Einheit und Geschlossenheit\" entschieden habe; Empfehlungen \"kritischer Kommunisten\", in der DKP auch \"Fraktionen\" zuzulassen, habe die Partei zur\u00fcckgewiesen. In ihrem Anfang 1986 nach dem Parteiengesetz ver\u00f6ffentlichten Rechenschaftsbericht wies die DKP f\u00fcr 1984 Einnahmen in H\u00f6he von 19,2 Mio. DM (1983: 17,8 Mio. DM) aus, davon 8,6 Mio. DM an Mitgliedsbeitr\u00e4gen und 7,9 Mio. DM an Spenden. In dem Spendenbetrag sind elf Einzelspenden von 20.000 DM und mehr mit einem Gesamtbetrag von 505.094 DM enthalten. 1984 sind f\u00fcr die DKP-Bezirksorganisation Nordbayern 853.274 DM (1983: 934.923 DM), f\u00fcr die DKPBezirksorganisation S\u00fcdbayern 822.640 DM (1983: 848.256 DM) an Gesamteinnahmen ausgewiesen. Zwar behauptet die DKP, sie finanziere sich ausschlie\u00dflich aus diesen Einnahmequellen. Tats\u00e4chlich war sie aber auch 1985 nicht in der Lage, die Ausgaben f\u00fcr den aufwendigen Parteiapparat, die zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen sowie die umfangreiche publizistische Agitation aus dem eigenen Parteiaufkommen zu bezahlen. Es liegen Anhaltspunkte daf\u00fcr vor, da\u00df die DKP 1985 f\u00fcr ihre Parteiarbeit, ihre Nebenorganisationen und die von ihr gef\u00f6rderten Verlage, Publikationen usw. wieder Zusch\u00fcsse von mehr als 60 Millionen DM aus der DDR erhalten hat. 2.2.6 B\u00fcndnispolitik Die sogenannte B\u00fcndnispolitik ist zentraler Bestandteil der Gesamtpolitik der DKP und ihrer Nebenorganisationen. Sie beruht auf marxistisch-leninistischer Strategie und Taktik. Die DKP geht aufgrund ihrer Analyse der Wirtschaftsund Gesellschaftsordnung davon aus, da\u00df sich der \"staatsmonopolistische Kapitalismus\" in der Bundesrepublik Deutschland voll entwickelt habe. Wegen der dadurch eingetretenen Polarisierung zwischen der \"kleinen Gruppe von Konzernherren und Multimillion\u00e4ren\" und der \"\u00fcberw\u00e4ltigenden Mehrheit des Volkes\" sei die Zusammenfassung aller \"antimonopolistischen\" Kr\u00e4fte um die 27","Arbeiterklasse objektiv m\u00f6glich, aber auch \"unerl\u00e4\u00dflich\" f\u00fcr die Durchsetzung des \"gesellschaftlichen Fortschritts\", also f\u00fcr die Erreichung des sozialistischen Zieles. Nicht zuletzt im Hinblick auf ihr schwaches W\u00e4hlerpotential ist die DKP bestrebt, B\u00fcndnisse mit nicht-kommunistischen Kr\u00e4ften in der \"Aktionseinheit der Arbeiterklasse\" und in einem \"breiten, antimonopolistischen B\u00fcndnis\" zu schaffen, und damit eine Massenwirkung zu erreichen. Au\u00dferdem versucht sie, mit der B\u00fcndnispolitik demokratische Kr\u00e4fte an die Partei heranzuf\u00fchren. F\u00fcr eine erfolgreiche Politik der \"Aktionseinheit und des demokratischen B\u00fcndnisses\" ist es f\u00fcr die DKP \"von erstrangiger Bedeutung\", die \"tiefe Kluft\" zwischen der \"objektiven Lage der vom Monopolkapital ausgebeuteten und bedr\u00e4ngten Klassen und Schichten einerseits und ihrer Erkenntnis durch die Betroffenen andererseits\" zu \u00fcberwinden. Besonders deutlich wurde die Absicht, die die DKP mit der B\u00fcndnispolitik verfolgt, aus einer \u00c4u\u00dferung des DKP-Pr\u00e4sidiumsmitglieds Willi Gems. Er betonte das \"Wechselverh\u00e4ltnis von Abl\u00f6sung der Rechtskoalition und Einleitung einer demokratischen Wende\". Entsprechend dem Grundsatz, \"im Kampf der Klassen\" beginne \"alles mit dem N\u00e4chstliegenden\", geh\u00f6re die \"Abl\u00f6sung\" zu diesem \"N\u00e4chstliegenden\" und sei eine Voraussetzung f\u00fcr die Einleitung der \"Wende\", dem \"Etappenziel\" der DKP. Diese Klassenkampfideologie entspricht genau den Lehren des Marxismus-Leninismus, \u00fcber dessen Endziel kein Zweifel bestehen kann: die Errichtung einer kommunistischen Gesellschaft. Der Parteivorstand ver\u00f6ffentlichte im M\u00e4rz 1983 im \"Bildungsheft\" \"Grunds\u00e4tze kommunistischer B\u00fcndnispolitik\", das \"Herzst\u00fcck Leninscher Strategie und Taktik\". Darin hei\u00dft es, -- die DKP m\u00fcsse \"aktiv und initiativ\" in den Bewegungen mitarbeiten, um Einflu\u00df nehmen zu k\u00f6nnen; -- die DKP trete f\u00fcr \"gleichberechtigte\" Zusammenarbeit ein, bei der alle B\u00fcndnispartner sich auf gemeinsame Forderungen (Minimalkonsens) einigen sollten; -- die DKP wirke in B\u00fcndnissen f\u00fcr die \"Arbeiterinteressen\", denn die Arbeiterklasse sei die entscheidende Kraft; -- die \"Herstellung der Aktionseinheit\", vorrangig von Kommunisten und Sozialdemokraten, bleibe Kernst\u00fcck der Politik der DKP; -- die DKP sei unver\u00e4ndert bem\u00fcht, punktuelle B\u00fcndnisse zu umfassenderen antimonopolistischen B\u00fcndnissen zu erweitern; -- die DKP lehne die Zusammenarbeit mit \"maoistischen Organisationen\" ab; sie werde sich wegen der Beteiligung maoistischer \"Restgruppen\" jedoch nicht aus \"breiten demokratischen B\u00fcndnissen\" zur\u00fcckziehen; -- die DKP m\u00fcsse auch in B\u00fcndnissen ihre \"Selbst\u00e4ndigkeit\" bewahren; ihre Mitglieder d\u00fcrften nicht \"im B\u00fcndnis aufgehen\", denn ein Verzicht auf Selbst\u00e4ndigkeit bedeute das \"Ende einer kommunistischen Partei\"; -- Kommunisten sollten -- durch Schulung bef\u00e4higt -- in den Bewegungen mit \"offenem Visier\" mitwirken, denn ein Verbergen der kommunistischen Identit\u00e4t gebe nur antikommunistischen Verleumdungen Nahrung. M\u00f6gliche B\u00fcndnispartner in ihrem Kampf f\u00fcr \"Frieden und Abr\u00fcstung\", f\u00fcr \"soziale Sicherheit\", gegen \"Polizeiund \u00dcberwachungsstaat mit Berufsverboten\" 28","sieht die DKP in \"Sozialdemokraten, Gewerkschaftern, Gr\u00fcnen und Alternativen, Umweltsch\u00fctzern, Frauenbewegungen, Christen, sozialen Liberalen, Sozialisten, Ausl\u00e4ndergruppen und Linkskr\u00e4ften\". Nach Ansicht der DKP hat der \"au\u00dferparlamentarische Kampf\" eine \"neue Qualit\u00e4t\" erhalten. Auf diesem \"entscheidenden Feld der politischen Auseinandersetzung\" habe die DKP schon jetzt \"betr\u00e4chtliche Kraft\" entwickelt. Der \"Aufschwung der Friedensbewegung und der Arbeiterk\u00e4mpfe, die positiven Ver\u00e4nderungen in den Gewerkschaften und in der SPD, die Entwicklung der gr\u00fcn-alternativen Str\u00f6mung sowie das christlich motivierte politische Engagement\" h\u00e4tten neue M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die \"Aktionseinheit der Arbeiterklasse\" und f\u00fcr \"demokratische B\u00fcndnisse\" geschaffen; diese wolle die DKP aussch\u00f6pfen. Auf der 6. Tagung des Parteivorstands der DKP am 8./9. Juni in D\u00fcsseldorf erkl\u00e4rte ein Referent zum Thema \"Die Kr\u00e4fte f\u00fcr den Frieden sind weiter vorangekommen\", der Partei sei es gelungen, in der \"Zeit seit der Rechtswende\" in ihrer \"Wahlb\u00fcndnispolitik\" Fortschritte zu erzielen: \"Gemeinsam mit anderen demokratischen Kr\u00e4ften konnten wir mit dem Personenb\u00fcndnis 'Friedensliste' erste Achtungserfolge erreichen\". Das Angebot zur \"Zusammenarbeit\" an die \"Gr\u00fcnen\" wurde erneuert. Mehr als die H\u00e4lfte des neugew\u00e4hlten Bundesvorstandes der \"Friedensliste\" geh\u00f6rt der DKP bzw. von ihr beeinflu\u00dften Organisationen an. Mit der Beteiligung an der \"Friedensliste\" verfolgt die DKP den Zweck, die Wahlaussichten ihrer Kandidaten dadurch zu verbessern, da\u00df sie unter einer anderen Bezeichnung kandidieren k\u00f6nnen. Das Auftreten der \"Friedensliste\" hat auch einen finanziellen Aspekt. 1984 erhielt sie 2.847.834 DM an Wahlkampfkostenerstattung f\u00fcr die Europawahl. Aus dem Rechenschaftsbericht ergibt sich, da\u00df die \"Friedensliste\" 1984 ein Reinverm\u00f6gen von 1.167.817 DM hatte. Als Erfolg ihrer Politik sieht es die DKP, da\u00df sie den \"aktivsten Kern der Kr\u00e4fte\" in der \"Friedensbewegung\" und in den \"sozialen K\u00e4mpfen\" als neue Mitglieder gewonnen habe. Die \"Zuversicht\" der DKP in die \"anhaltende St\u00e4rke der Friedensbewegung\" sei best\u00e4tigt worden. Bemerkenswert sei aber auch das viel \"gr\u00f6\u00dfere Engagement der Gewerkschaften\" gewesen. In einer Rede forderte der DKP-Vorsitzende Mies, die \"Kr\u00e4fte des Friedens und der Demokratie links von der Spitze von CDU/CSU und FDP\" zu einer \"Koalition des Volkes gegen die Wende nach Rechts\" zusammenzuf\u00fchren. Die DKP werde sich f\u00fcr eine \"Weiterentwicklung des politischen Zusammengehens von Sozialdemokraten, Kommunisten, Christen und Gr\u00fcnen in allen Bereichen des Friedenskampfes\" einsetzen. Es komme darauf an, da\u00df sich die Arbeiterschaft zu Millionen in die \"Friedensbewegung\" einreihe. Aus dieser \u00c4u\u00dferung der DKP ergibt sich ihr Bem\u00fchen, ihre einzelnen b\u00fcndnispolitischen Aktivit\u00e4ten zu integrieren und dadurch eine gr\u00f6\u00dfere Wirksamkeit zu erreichen. In einem Flugblatt, das an die Teilnehmer des 21. Deutschen Evangelischen Kirchentages vom 5. bis 9. Juni in D\u00fcsseldorf verteilt wurde, bekr\u00e4ftigte der DKP-Vorsitzende Mies das Angebot seiner Partei zum \"Dialog von Christen und Marxisten\". Angesichts der Bedrohung durch einen \"Krieg der Sterne\" 29","m\u00fcsse \"alles Trennende zur\u00fcckgestellt\" werden. Trotz \"weltanschaulicher Differenzen\" suche die DKP den \"Dialog\" und die \"Zusammenarbeit\" mit den Christen. Im Rahmen der B\u00fcndnispolitik tritt die DKP h\u00e4ufig nicht unmittelbar als Initiator in Erscheinung, sondern bedient sich der von ihr beeinflu\u00dften Organisationen. 2.2.6.1 Aktionseinheit Als \"Kernst\u00fcck\" ihrer B\u00fcndnispolitik sieht die DKP die Herbeif\u00fchrung der \"Aktionseinheit der Arbeiterklasse\". Damit versucht sie, ein Zusammenwirken von \"Arbeitern, Angestellten und Beamten, deutschen und ausl\u00e4ndischen Kollegen, sozialdemokratischen und kommunistischen, christlichen und parteilosen Arbeitern\" zu erreichen. Auf dem 7. Parteitag der DKP vom 6. bis 8. Januar 1984 wurde darauf hingewiesen, da\u00df die Aktionseinheit der Arbeiterklasse, insbesondere die Zusammenarbeit mit Sozialdemokraten f\u00fcr die DKP vorrangig sei. Der DKP-Vorsitzende Mies hatte bereits 1982 an die \"SPD-F\u00fchrung\" appelliert, angesichts der \"Rechtskoalition\" und des \"Generalangriffs\" auf die Rechte der Arbeiter und ihrer Gewerkschaften ihr Verh\u00e4ltnis zur DKP zu \u00fcberdenken und den \"Unvereinbarkeitsbeschlu\u00df\" aufzuheben; dieser Beschlu\u00df sei in den \"Betrieben ohnehin nicht beachtet\" worden. Nach Auffassung eines Pr\u00e4sidiumsmitglieds der DKP sei trotz der \"sogenannten Unvereinbarkeitsbeschl\u00fcsse\" der SPD-F\u00fchrung gegen die DKP die \"Mauer\" zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten \"an vielen Teilen durchbrochen\"; die Zusammenarbeit vollziehe sich \"innerhalb der Friedensbewegung, der antifaschistischen Bewegung, in Betrieben und Gewerkschaften\". Die politischen Bedingungen in der Bundesrepublik Deutschland produzierten auch \"mehr und mehr neue Ansatzpunkte f\u00fcr die Aktionseinheit\". Auf der 3. DKP-Parteivorstandstagung beschwor Mies erneut die Notwendigkeit der \"Aktionseinheit der Arbeiterklasse\"; je intensiver Sozialdemokraten und Kommunisten zusammenarbeiteten, desto eher w\u00fcrden auch parteilose und christliche Arbeiter zum Mitk\u00e4mpfen bewegt. \"Aktionseinheit\" von Sozialdemokraten und Kommunisten f\u00f6rdere das \"Zusammenwirken aller demokratischen Kr\u00e4fte im Rahmen von B\u00fcndnissen\". Auch auf der 5. Tagung des Parteivorstands der DKP hat Mies auf die \"wachsenden M\u00f6glichkeiten der Aktionseinheit\" hingewiesen. \"In vielen Fragen der konkreten Politik\", so Mies, stimmten Positionen von Kommunisten und Sozialdemokraten \u00fcberein. Nach wie vor best\u00fcnden gro\u00dfe Unterschiede in den politisch-weltanschaulichen Positionen von Sozialdemokraten und Kommunisten. \"Der schwankende und ungewisse Kurs der SPD-F\u00fchrung\" unterstreiche jedoch, wie unverzichtbar die St\u00e4rkung durch die DKP sei. Die DKP trete zielklar den Kampf gegen die Rechtswende, f\u00fcr sozialen Fortschritt, f\u00fcr die Aktionseinheit der Arbeiterklasse und das B\u00fcndnis aller demokratischen Kr\u00e4fte an. Im \"Kampf gegen Rechtskr\u00e4fte\" m\u00fcsse in \"tausendfachen Gespr\u00e4chen mit Sozialdemokraten \u00dcbereinstimmung deutlich gemacht werden: Solidarisches Handeln der Arbeiterbewegung statt Solidarpakt zwischen Kapital und Arbeit\". Gerade diese letzte Parole macht deutlich, worum es der DKP mit der Politik der Aktionseinheit wirklich geht. Sie 30","will nicht den sozialen Frieden, sondern im Gegenteil den Klassenkampf, der den Weg zu einer sozialistischen Revolution ebnet. Besondere Bedeutung mi\u00dft die DKP der Arbeit in Gewerkschaftsgremien auf allen Ebenen bei, weil sie in den Gewerkschaften die \"breiteste und umfassendste Klassenorganisation der Arbeiter, Angestellten und Beamten\" sieht. Sie betont, f\u00fcr jeden Kommunisten sei es \"selbstverst\u00e4ndliche Pflicht\", \"ein aktiver Gewerkschafter zu sein und f\u00fcr die Verwirklichung der den Interessen der Arbeiterklasse dienenden Gewerkschaftsbeschl\u00fcsse zu k\u00e4mpfen\". Sie beh\u00e4lt sich damit allerdings vor, selbst zu entscheiden, welche Beschl\u00fcsse dies sind. Ihr Ziel ist, in Gewerkschaften Einflu\u00df zu gewinnen und sie zu treuen \"B\u00fcndnisorganisationen\" zu machen. Sie setzt sich daf\u00fcr ein, dem Antikommunismus in den Gewerkschaften keinen Raum zu geben und die \"Grunds\u00e4tze der Einheitsgewerkschaften strikt zu beachten\". Nach ihrer Auffassung sollen die Einheitsgewerkschaften nicht \"St\u00fctze f\u00fcr ein br\u00fcchiger werdendes kapitalistisches System\", sondern \"Kraftzentrum zur Durchsetzung der Klasseninteressen der Arbeiter, Angestellten und Beamten\" sein. Die DKP befolgt getreu die Anweisung Lenins an die Kommunisten, in die Gewerkschaften einzutreten, in ihnen zu bleiben und in ihnen um jeden Preis kommunistische Arbeit zu leisten. Etwa 75 v.H. der DKP-Mitglieder sind gewerkschaftlich organisiert. Rund 10 v.H. nehmen gewerkschaftliche Funktionen und Aufgaben der betrieblichen Mitbestimmung wahr. Der Intensivierung der Gewerkschaftsarbeit der DKP dienen die in allen DKPBezirken t\u00e4tigen \"Marxistischen Betriebsarbeiterschulen\", das \"Institut f\u00fcr Marxistische Studien und Forschungen e.V.\" (IMSF) sowie die \"NachrichtenVerlags-GmbH\" mit Sitz in Frankfurt a.M. Diese verlegt fast ausschlie\u00dflich Publikationen zu gewerkschaftlichen, betrieblichen sowie sozialund wirtschaftspolitischen Themen, u.a. die monatlich erscheinenden \"Nachrichten zur Wirtschaftsund Sozialpolitik/Gewerkschaftsspiegel\", die von drei Mitgliedern des DKP-Parteivorstandes und einem langj\u00e4hrigen DFU-Funktion\u00e4r herausgegeben werden. Der DKP-Vorsitzende versicherte dem Vorsitzenden des DGB in einem Schreiben \"aus Anla\u00df des 1. Mai\" die \"feste Solidarit\u00e4t der DKP\". Angesichts der \"tiefgreifenden Umgestaltung\" des \"politischen, wirtschaftlichen und sozialen Lebens\" zugunsten des Kapitals und einer \"abenteuerlichen Hochr\u00fcstungspolitik\" sei es dringend erforderlich, \"die Kr\u00e4fte zusammenzuf\u00fchren\", um \"wirksamen Widerstand zu leisten\". Jetzt z\u00e4hle die \"gemeinsame Gegenwehr\". Ermutigend sei, da\u00df zwischen der \"gewerkschaftlichen\" und der \"politischen Arbeiterbewegung\" sowohl in der \"Bereitschaft zum Widerstand\" als auch in den wesentlichen Forderungen \u00dcbereinstimmung bestehe. Durch ihre Beteiligung an der Aktionswoche des DGB (14. bis 20. Oktober) gegen die Wirtschaftsund Sozialpolitik der Bundesregierung erhoffte sich die DKP, das \"Klassenbewu\u00dftsein\" der Arbeitnehmer zu st\u00e4rken und so -- als langfristige Perspektive -- die \"subjektiven Faktoren\", d.h. das Klassenkampfbewu\u00dftsein, f\u00fcr eine \"revolution\u00e4re Situation\" zu f\u00f6rdern. Der DKP-Vorsitzende erkl\u00e4rte, die Kommunisten w\u00fcrden bei den Herbstaktionen der \"Friedensbewegung\" und der Gewerkschaften zu den \"aktivsten Kr\u00e4ften dieser Kampfaktionen\" geh\u00f6ren. Der DKP-Vorsitzende erkl\u00e4rte, Kommunisten sollten die \"Unver31","s\u00f6hnlichkeit des Gegensatzes zwischen Kapital und Arbeit, die Notwendigkeit einer antisozialpartnerschaftlichen, klassenk\u00e4mpferischen Politik\" bewu\u00dft machen. Dabei d\u00fcrfe \"zwischen unseren wirtschaftspolitischen Tagesforderungen einerseits und unserer sozialistischen Zielsetzung andererseits keine chinesische Mauer aufgerichtet sein\". In dieser Stellungnahme wird erneut deutlich, da\u00df f\u00fcr die DKP ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen ihren b\u00fcndnisf\u00e4higen, tagespolitischen Zielsetzungen und ihrem Endziel, der Schaffung einer kommunistischen Gesellschaft, besteht. Ihre Beteiligung an der Aktionswoche des DGB diente der DKP auch dazu, ihre Kampagne gegen das SDI-Programm der USA voranzutreiben. Die DGB-Parolen \"Arbeit f\u00fcr alle\", \"Stopp dem Sozialabbau\" und \"Verteidigung von Arbeitnehmerrechten\" -- so argumentierte die DKP -- seien nur die \"generellen Themen\". Dagegen h\u00e4tten \"namhafte Gewerkschaftsvertreter bemerkenswerte weiterreichende \u00dcberlegungen\" angestellt. Ein Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) habe betont, \"da\u00df es wichtig sei, in die Herbstaktivit\u00e4ten den Kampf f\u00fcr Abr\u00fcstung und gegen die Militarisierung des Weltraums mit einzubeziehen\". Nach Ansicht eines DKP-Pr\u00e4sidiumsmitglieds erfordere die Verhinderung der \"Militarisierung des Weltraums\" \"objektiv eine st\u00e4rkere, ideologisch klare, auf Aktionseinheit und demokratische B\u00fcndnisse orientierte DKP\". Aus diesen Worten wird erkennbar, da\u00df die DKP versucht, ihre \"gewerkschaftlichen\" B\u00fcndnisbem\u00fchungen mit ihren anderen Kampagnen zu verbinden und dadurch die von ihr umworbenen B\u00fcndnispartner auch f\u00fcr ihre anderen B\u00fcndnisthemen zu gewinnen. Sie erhofft sich mit dieser Integration offensichtlich, getreu ihrem b\u00fcndnispolitischen Konzept, eine insgesamt gr\u00f6\u00dfere \u00d6ffentlichkeitswirksamkeit zu erreichen. Mit mehrseitigen Berichten und Kommentaren in der UZ kommentierte die DKP den Verlauf der DGB-Aktionswoche. Zum \"Erfolg\" h\u00e4tten das Zusammenwirken von Gewerkschaftern, Verb\u00e4nden, Organisationen und Initiativen, die Appelle seitens der SPD ebenso \"wie das aktive Wirken der DKP\" beigetragen. Die Aktionswoche habe gezeigt, da\u00df es \"keine Sozialpartnerschaft zwischen Kapital und Arbeit\" geben k\u00f6nne. Mit Parolen wie \"Bei den Herbstaktionen auch gegen Hochr\u00fcstung\", \"Den Kampf gegen 'SDI' und Hochr\u00fcstung einbeziehen\", \"In jede Betriebsversammlung geh\u00f6ren Zusammenh\u00e4nge von Hochr\u00fcstung und Sozialabbau\" lenkte auch die UZ im Rahmen der Aktionswoche den Blick auf den \"Zusammenhang\" von R\u00fcstungskosten und \"Sozialabbau\". \"Neue M\u00f6glichkeiten\" f\u00fcr die \"Aktionseinheit\" mit demokratischen Parteien sieht Mies bei der Abr\u00fcstungs-, Sozialund Bildungspolitik sowie beim Kampf gegen den \"Antifaschismus\". Die DKP werde nicht das Trennende aus fr\u00fcheren Jahren in den Vordergrund stellen, sondern das Verbindende und die \"gemeinsame Verantwortung\". Die DKP wolle die \"Kr\u00e4fte links von der CDU/CSU\" f\u00fcr die Schaffung einer entsprechenden parlamentarischen Mehrheit sammeln. Im Hinblick auf die Bundestagswahl 1987 m\u00fcsse das \"radikal-demokratische und linke Spektrum\" um \"neue Formen des politischen und wahlpolitischen Zusammengehens ringen\". Aus dieser Erkl\u00e4rung geht hervor, da\u00df die DKP neben Sozialdemokraten und Gewerkschaften auch die Gr\u00fcnen als potentielle Partner ihrer B\u00fcndnispolitik ansieht. 32","2.2.6.2 Volksfrontpolitik Bei ihren Bem\u00fchungen, ein \"breites antimonopolistisches B\u00fcndnis\", eine sogenannte Volksfront zu bilden, wendet sich die DKP vor allem an Intellektuelle, an b\u00fcrgerliche Kreise bis hin zu mittleren Unternehmen. Sie will diese Personenkreise in B\u00fcndnisse gegen das \"Monopolkapital\", und seien sie auch \"sachlich und zeitlich noch so begrenzt\", einbeziehen. Daher arbeite sie \"aktiv in demokratischen Bewegungen, B\u00fcrgerinitiativen und B\u00fcndnissen mit\". Im Rahmen ihrer Volksfrontpolitik f\u00fchrt die DKP Kampagnen vor allem mit Hilfe der von ihr beeinflu\u00dften Organisationen durch und greift Forderungen auf, die auch von demokratischen Gruppen vertreten werden. Dabei versucht die Partei jedoch, propagandistisch einen Bezug dieser tagespolitisch bestimmten, aktuellen Forderungen zu ihrer langfristigen kommunistischen Zielsetzung herzustellen. In erster Linie handelt es sich dabei um die Kampagnen f\u00fcr \"Frieden und Abr\u00fcstung\", \"Frieden und Arbeit\", \"Stopp der Kriegsvorbereitungen und Militarisierung\", aber auch gegen \"Faschismus und Rechtsentwicklung\", gegen \"Berufsverbote\" sowie gegen \"Arbeitslosigkeit und Sozialabbau\". Als \"Schl\u00fcsselproblem der internationalen Sicherheit\" bezeichnete die DKP die \"Militarisierung des Weltraums\", die \"Raketenstationierung\" und die \"Hochr\u00fcstung\". Die Kampagne gegen die NATO-Nachr\u00fcstung wurde im Jahr 1985 im Anschlu\u00df an Tagungen der Au\u00dfenund Verteidigungsminister der Warschauer-PaktStaaten erweitert um die Kampagne gegen die \"Militarisierung des Weltraums\". Diese beiden Themen bildeten das zentrale Agitationsfeld der DKP im Rahmen ihrer Volksfrontpolitik. So begr\u00fc\u00dfte das DKP-Pr\u00e4sidium das vom Generalsekret\u00e4r der KPdSU Michail Gorbatschow angek\u00fcndigte Moratorium f\u00fcr die Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen. Es werde den \"Kampf der Friedenskr\u00e4fte\" gegen die Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen und gegen die \"Militarisierung des Weltraums\" f\u00f6rdern. Aufgabe \"aller friedliebenden und demokratischen Kr\u00e4fte, der Arbeiterund Friedensbewegung\" sei es jetzt, den \"Druck auf die Reagan-Administration\" zu verst\u00e4rken und die Bundesregierung mit Nachdruck aufzufordern, sich gegen die amerikanischen Pl\u00e4ne auszusprechen. Auch aus dieser Erkl\u00e4rung geht hervor, da\u00df die DKP mit Hilfe der Kampagne gegen die \"Weltraummilitarisierung\" ihre verschiedenen B\u00fcndnispartner zu integrieren versucht. Orthodoxe Kommunisten versuchen seit jeher, mit \"Massenaktionen\" ihre politischen Vorstellungen zu \"popularisieren\" und ihre \"B\u00fcndnisf\u00e4higkeit\" zu demonstrieren. Ein geeignetes Mittel dazu sehen sie nach wie vor in den \"Osterm\u00e4rschen\". Auch f\u00fcr die Beteiligung der DKP an den \"Osterm\u00e4rschen\" gut ihr b\u00fcndnispolitisches Konzept \"Gemeinsames betonen -- Trennendes zu \u00fcckstellen\". Mit diesem \"Minimalkonsens-Konzept\" kann die DKP zwar ihrerseits bei Aktionen der \"Friedensbewegung\" nur einen Teil ihrer Forderungen propagieren. Andererseits kann sie damit verhindern, da\u00df nicht-kommunistische Gruppen der \"Friedensbewegung\" Positionen artikulieren, die mit den Zielen der DKP nicht \u00fcbereinstimmen. Wie im Vorjahr ging der Einflu\u00df der orthodoxen Kommunisten bei der Organisation und Durchf\u00fchrung der \"Osterm\u00e4rsche\" 33","weit \u00fcber ihre zahlenm\u00e4\u00dfige Beteiligung an der \"Friedensbewegung\" hinaus. Aufgrund ihres organisatorischen Einflusses gelang es der DKP, ihre neue Kampagne gegen die \"Weltraummilitarisierung\" sofort in die \"OstermarschAufrufe\" f\u00fcr Nordund S\u00fcdbayern einzubeziehen. In Bayern beteiligten sich an den \"Osterm\u00e4rschen\" rund 26.000 Personen. Nach Ansicht eines Mitglieds des Sekretariats des DKP-Parteivorstandes h\u00e4tten die \"Ostermarschinitiativen\" zugleich ein \"B\u00fcndniskonzept\" zur verst\u00e4rkten Einbeziehung von \"Organisationen der Arbeiterklasse\" entwickelt. Damit seien die wesentlichen Voraussetzungen f\u00fcr eine \"alle Friedenskr\u00e4fte umfassende, bundesweite Kampagne gegen die Militarisierung des Weltraums und die Stationierung atomarer Mittelstreckenraketen\" vorhanden. Auch aus dieser Erkl\u00e4rung werden die bereits genannten Integrationsbem\u00fchungen der DKP im Rahmen ihrer B\u00fcndnispolitik deutlich. Es ist auch ein Erfolg der B\u00fcndnispolitik der DKP, da\u00df der \"Gro\u00dfe Ratschlag\" der \"Friedensbewegung\" am 16./17. Juni in K\u00f6ln den Kampf gegen die \"US-Weltraummilitarisierung\" an erster Stelle seiner Protestthemen gesetzt hat. Auf der nordund s\u00fcdbayerischen Aktionskonferenz in N\u00fcrnberg bzw. in M\u00fcnchen, an der die DKP und von ihr beeinflu\u00dfte Organisationen ma\u00dfgeblich beteiligt waren, wandten sich die Teilnehmer im Anschlu\u00df an den \"Gro\u00dfen Friedensratschlag\" ebenfalls gegen das Konzept der strategischen Verteidigungsinitiative der USA. Der DKP-Vorsitzende Mies erkl\u00e4rte, der 8. Parteitag vom 2. bis 4. Mai 1986 in Hamburg werde einen \"neuen Abschnitt im Kampf und in der Entwicklung\" der Partei markieren. Dazu geh\u00f6re die \"Konzentration aller Kr\u00e4fte\" auf die Entwicklung einer \"Volksbewegung zur Verhinderung der R\u00fcstung im Weltraum\". Mies erkl\u00e4rte weiter, in der Bundesrepublik entwickle sich gegen die Weltraumr\u00fcstung eine Bewegung \"von au\u00dferordentlicher Tiefe und Breite\", die \"bis in das Lager konservativer Kr\u00e4fte hineinwirke\". Au\u00dferdem empfahl er eine Unterschriftensammlung f\u00fcr den Aufruf \"Wir warnen vor der Strategischen Verteidigungsinitiative\" der \"Naturwissenschaftler-Initiative: Verantwortung f\u00fcr den Frieden\". Zum \"Antikriegstag\" des DGB am I.September rief der DKP-Parteivorstand die Mitglieder auf, die Aktionen des DGB zu unterst\u00fctzen und hierbei f\u00fcr das \"Verbot jeglicher Militarisierung des Weltraums\", f\u00fcr den \"Stopp der Raketenstationierung\" und f\u00fcr die Senkung des R\u00fcstungshaushalts zu demonstrieren. F\u00fcr die DKP d\u00fcrfte ihre Beteiligung an diesem \"Antikriegstag\" des DGB deshalb besonders interessant gewesen sein, weil hier ein umworbener Partner ihrer Aktionspolitik zu einem Hauptthema ihrer Volksfrontpolitik inhaltlich \u00e4hnliche Positionen vertrat. Die Veranstaltungen zum 30j\u00e4hrigen Bestehen der Bundeswehr bezeichnete die DKP als ein \"s\u00e4belrasselndes Milit\u00e4rspektakel zur psychologischen Aufr\u00fcstung\". Die Bundesregierung n\u00e4here sich der \"amerikanischen Angriffskonzeption\". Es m\u00fcsse deutlich gemacht werden, da\u00df die Stationierung von \"Erstschlagswaffen\" und eine \"Militarisierung des Weltraums\" den deutschen Sicherheitsinteressen widersprechen w\u00fcrde. Ein DKP-Parteivorstandsmitglied forderte die \"Friedensbewegung\" auf, sich im kommenden Jahr \"zu neuen gemeinsamen und einheitlichen Massenaktionen\" gegen die \"Weltherrschaftspl\u00e4ne des US-Imperialismus\" zusammenzufinden. Jetzt sei es notwendig, \"von 34","der Information zu Protest und Widerstand \u00fcberzugehen, zur Entwicklung einer breiten Massenkampagne gegen SDI und Weltraummilitarisierung\". Das Bestreben der DKP, ihre einzelnen b\u00fcndnispolitischen Themen zu verkn\u00fcpfen, zeigte sich auch in ihrem Versuch, einen Zusammenhang herzustellen zwischen der Antimilitarisierungskampagne und der Kampagne gegen die Arbeitslosigkeit. Unter dem Motto \"Statt Weltraumwaffen Arbeitspl\u00e4tze schaffen\" veranstaltete die DKP am 5. Oktober in K\u00f6ln-M\u00fclheim ihren \"Arbeiterkongre\u00df '85 gegen Sozialabbau und Armut\". Nach Angaben der kommunistischen Presse beteiligten sich etwa 700 \"Betriebsr\u00e4te, Gewerkschafter, Arbeitslose, Sozialhilfeempf\u00e4nger und Mitarbeiter verschiedener B\u00fcrgerinitiativen, darunter auch Sozialdemokraten, Gr\u00fcne und Parteilose\". Ein DKP-Pr\u00e4sidiumsmitglied stellte \"Zusammenh\u00e4nge\" zwischen \"Weltraummilitarisierung\", Arbeitslosigkeit und \"neuer Armut\" her. Die behauptete Armut und die gegenw\u00e4rtige Arbeitslosigkeit seien \"Merkmale des kapitalistischen Systems\", das sich als unf\u00e4hig erwiesen habe, Vollbesch\u00e4ftigung zu garantieren. In einem \"Appell\" nannten die Kongre\u00dfteilnehmer den Kampf gegen die \"Pl\u00e4ne der USA zur Militarisierung des Weltraums\" und f\u00fcr Abr\u00fcstung als \"oberstes Gebot\" und zugleich als \"Grundlage jeden aktiven Widerstands gegen Sozialabbau\" und f\u00fcr Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen. Zur Bek\u00e4mpfung der Arbeitslosigkeit forderte die DKP als \"Sofortma\u00dfnahme\" ein \"staatliches Besch\u00e4ftigungsprogramm mit einem Gesamtvolumen von 100 Milliarden DM\". Nach Ansicht des DKP-Vorsitzenden nimmt auch der \"Kampf gegen Massenarbeitslosigkeit und f\u00fcr Besch\u00e4ftigungsprogramme\" \"zunehmend den Charakter einer umfassenden Bewegung\" an. Im Rahmen der Kampagne gegen die Jugendarbeitslosigkeit forderte die DKP-Ortsgruppe Erlangen im Juni 1985 die \"Errichtung einer kommunalen Lehrwerkstatt\" bei einem dort ans\u00e4ssigen Elektrokonzem und die Einf\u00fchrung eines \"Nulltarifs\" f\u00fcr arbeitslose Jugendliche bei allen st\u00e4dtischen Einrichtungen. Auf einer Veranstaltung der M\u00fcnchner DKP-Ortsgruppen am 20. Februar forderte ein gewerkschaftlich orientierter DKP-Funktion\u00e4r den Oberb\u00fcrgermeister der Landeshauptstadt M\u00fcnchen auf, Ma\u00dfnahmen gegen die zunehmende Arbeitslosigkeit in M\u00fcnchen zu ergreifen und endlich das Besch\u00e4ftigungsprogramm des DGB zu verwirklichen. Da\u00df es der DKP nur vordergr\u00fcndig um die Bek\u00e4mpfung der Arbeitslosigkeit geht, macht eine \u00c4u\u00dferung des Sprechers des DKP-Parteivorstandes klar. Er stellte fest, da\u00df zur Durchsetzung des Rechts auf Arbeit \"dieses kapitalistische System \u00fcberwunden\" und damit der \"Weg f\u00fcr eine sozialistische Gesellschaftsordnung freigemacht werden mu\u00df\". Soziale Sicherheit k\u00f6nne erst mit dem Aufbau einer sozialistischen Gesellschaftsordnung durchgesetzt werden. Insbesondere den 40. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs nahm die DKP zum Anla\u00df, ihre \"Antifaschismuskampagne\" zu betreiben. Der Kampf gegen den \"Faschismus\" ist f\u00fcr die DKP eine taktische Variante ihres Kampfes f\u00fcr den Sozialismus. Er basiert auf der Annahme, da\u00df die gesellschaftlichen Wurzeln, aus denen der Faschismus hervorgegangen ist, nicht beseitigt seien, da es dem Monopolkapital gelungen sei, \"in der heutigen Bundesrepublik\" seine Macht wiederherzustellen. Der \"antifaschistische Kampf\" lehre, da\u00df \"Kampf gegen Faschismus und Krieg\" zugleich \"Kampf gegen Antikommunismus und Antisowjetismus\" bedeute. Das Schlagwort \"Antifaschistischer Kampf\" wird 35","von der DKP vorgeschoben, um damit B\u00fcndnispartner zu gewinnen, die mit ihrer Ideologie im \u00fcbrigen nicht \u00fcbereinstimmen. Das DKP-Pr\u00e4sidium hob in einer Stellungnahme zum 8. Mai (40. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkriegs) hervor, die Partei habe einen \"beachtlichen Beitrag zu den Manifestationen, Demonstrationen und Kundgebungen\" geleistet. Sie appelliere an \"Sozialdemokraten und Christen, an Gr\u00fcne und Alternative, an parteilose und christliche Kolleginnen und Kollegen\", gemeinsam die \"gro\u00dfen historischen Lehren\" zu beherzigen und in \"solidarischer Partnerschaft\" daf\u00fcr einzutreten, da\u00df nie wieder Krieg von deutschem Boden ausgehe. Der DKP-Vorsitzende Mies erkl\u00e4rte dazu, die \"vielf\u00e4ltigen Aktivit\u00e4ten\" zum 8. Mai seien Ausdruck einer \"k\u00e4mpferischen, antifaschistischen-demokratischen Gesinnung\" und Manifestation der \"Aktionseinheit der Arbeiterklasse und des B\u00fcndnisses aller Friedenskr\u00e4fte\". Ein Pr\u00e4sidiumsmitglied der W N - BdA bezeichnete es als Verdienst der Sowjetunion, wenn \"wir in diesem kapitalistischen Rechtsstaat Bundesrepublik\" nur \"Berufsverbote und Diffamierungen aller Art erleben, aber nicht Massenmorde\". Zum Tod eines Demonstranten, der bei gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen am 28. September in Frankfurt a.M. von einem Einsatzfahrzeug der Polizei t\u00f6dlich verletzt wurde, erkl\u00e4rte der stellvertretende DKP-Vorsitzende, solange \"Neonazis ungehindert und von der Polizei und den staatlichen Beh\u00f6rden gesch\u00fctzt ihr Unwesen treiben\", bestehe das Recht und die Pflicht zum \"antifaschistischen Widerstand\". Die DKP wolle sich dieser Pflicht \u00fcberall stellen. Die DKP nutzte den 40. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkrieges (8. Mai) f\u00fcr vielf\u00e4ltige Aktionen. Sie verbreitete Publikationen, die sich mit der \"Zerschlagung des Hitler-Faschismus\" befa\u00dften. Daneben fanden in zahlreichen St\u00e4dten sogenannte \"Befreiungsfeiern\" statt, auf denen u.a. sowjetische K\u00fcnstler auftraten. Nach wie vor wurde auch die Kampagne gegen die \"Berufsverbote\" betrieben. Der DKP-beeinflu\u00dfte \"Arbeitsausschu\u00df\" der \u00fcberregionalen Initiative \"Weg mit den Berufsverboten\" k\u00fcndigte in einer Erkl\u00e4rung an, seine Beschwerde gegen \"Berufsverbote\" in der Bundesrepublik Deutschland werde noch in der laufenden Sitzungsperiode beim Verwaltungsrat der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Genf behandelt. Damit komme die \"Berufsverbotspraxis\" erstmals vor einem \"so hohen internationalen Gremium\" zur Sprache. Ein Mitglied des Sekretariats des DKP-Parteivorstandes schlug eine Kampagne f\u00fcr eine \"berufsverbotsfreie Bundesrepublik\" vor. Er wertete das Volksz\u00e4hlungsgesetz, das geplante Zivilschutzgesetz und die \"Berufsverbote\" als Ma\u00dfnahmen zur inneren Militarisierung, die in die Globalstrategie von Reagans \"Konfrontationskurs und Sternenkriegspl\u00e4nen\" einzuordnen seien. In \u00dcbereinstimmung mit der rechtsextremen NPD wertete die DKP den Beschlu\u00df der Regierung des Saarlandes, die im Januar 1972 von den Regierungschefs des Bundes und der L\u00e4nder beschlossenen Richtlinien zur \u00dcberpr\u00fcfung der Verfassungstreue von Bewerbern und Angeh\u00f6rigen des \u00f6ffentlichen Dienstes nicht mehr anzuwenden, als \"wichtigen Erfolg des jahrelangen Kampfes\". Der stellvertretende Chefredakteur der UZ sprach von einer \"Wiederherstellung des Grundgesetzes und der verfassungsm\u00e4\u00dfigen Rechte\", die jetzt auch von 36","den anderen Landesregierungen und der Bundesregierung nachvollzogen werden m\u00fcsse. Auch in die Proteste gegen die geplante Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) in Wackersdorf, Landkreis Schwandorf, schaltete sich die DKP ein. Nach Ansicht der DKP erfordere die \"Atommafia das gemeinsame Handeln aller Gegner der Atomwaffenfabrik\". Mit dem geplanten Bau h\u00e4tten sich \"die Kr\u00e4fte durchgesetzt, die die Bundesrepublik zur milit\u00e4rischen Atommacht machen wollen\". 37","Das \"WAAWahnsinnsprojekt\" m\u00fcsse verhindert werden. Das sei insbesondere dann m\u00f6glich, wenn der \"Widerstand\" verbreitert, alle \"Aktionsformen\" genutzt und der \"Schulterschlu\u00df\" mit den demokratischen \"Massenbewegungen\" wie der \"Friedensbewegung\", der \"Arbeiterbewegung\" und der \"Umweltbewegung\" hergestellt werden k\u00f6nne. Anl\u00e4\u00dflich einer Demonstration gegen die Wiederaufarbeitungsanlage am 12. Oktober in M\u00fcnchen wandte sich die DKP mit folgendem Aufruf an die WAA-Gegner: -- Wenn das \"WAA-Wahnsinnsprojekt\" verhindert werden soll, m\u00fcssen alle WAA-Gegner zusammenhalten. -- Die WAA ist zu verhindern, wenn wir den Widerstand verbreitern, uns nicht gegeneinander ausspielen lassen, alle Aktionsformen anwenden und sie zusammenf\u00fchren. -- Den Schulterschlu\u00df mit den demokratischen Massenbewegungen herstellen, der Friedensbewegung, der Arbeiterbewegung, der Umweltbewegung und der Bewegung f\u00fcr die Verteidigung der demokratischen Rechte. -- Bei unserem Widerstand nicht nur die Oberpfalz und den Bauplatz im Auge haben, sondern ihn auf das ganze Land ausdehnen. unsere zeit Die Zeitung der arbeitenden Menschen -- Zeitung der DKP 17. Jahrgang Nr. 243 Dienstag, den 17, Dezember 1985 Preis 50 Pfennig 2.2.7 Publikationen, Verlage und sonstige Propagandatr\u00e4ger Die wichtigste Publikation der DKP ist ihr Zentralorgan \"Unsere Zeit -- Die Zeitung der arbeitenden Menschen -- Zeitung der DKP\" (UZ). Sie erschien an Werktagen in einer Auflage von etwa 25.000, die Wochenendausgabe am Freitag in einer Auflage von rund 48.000 Exemplaren. Die Forderungen und Vorschl\u00e4ge der DKP zu aktuellen Themen werden jedoch nicht nur in UZ-Artikeln, sondern auch in zahlreichen Brosch\u00fcren ver\u00f6ffentlicht. 1985 erschienen u.a. die Brosch\u00fcren \"Thesen zum 8. Parteitag der DKP -- Neue Fragen des Kampfes f\u00fcr Frieden und Arbeit -- f\u00fcr eine demokratische Wende\", \"Keine Frau zur Bundeswehr! Wir wollen in Frieden leben!\", \"Ernst Th\u00e4lmann 1886 -- 1944 -- Heran an die Massen!\", \"Das Neue in der Lage und die Vorbereitung des 8. Parteitages der DKP\", \"Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert. Es kommt darauf an, sie zu ver\u00e4ndern -- Mitglied werden -- DKP -- die Roten\", \"DKP-Ratgeber f\u00fcr Arbeitslose -- Tips & Argumente\", \"1945 -- 40. Jahrestag der Befreiung -- 8. Mai\", \"Die DKP -- eine demokratische Partei\", \"Mehr Kommunisten braucht das Land!\". Aufsehen erregte die Ver\u00f6ffentlichung der Taschenb\u00fccher \"Im Schatten des gro\u00dfen Geldes\" und \"Die Stamokap-Republik der Flicks\" im August 1985, die vom Pahl-Rugenstein-Verlag in K\u00f6ln und vom Verlag \"Marxistische Bl\u00e4tter\" in Frankfurt herausgegeben wurden. 38","DKP-Kleinzeitungen 39","Gro\u00dfe Bedeutung mi\u00dft die DKP auch ihren Kleinzeitungen bei. 1985 erschienen in Bayern \u00fcber 60 (1984: \u00fcber 50) Kreis-, Orts-, Stadtteilund Wohngebietszeitungen der DKP, viele allerdings nur gelegentlich. Neben bundesweiten Themen wie \"Friedensherbst 1985 -- Die Weltraumkrieger zum Frieden zwingen!\", \"Wir alle wollen weiterleben! Weg mit Weltraumwaffen und Raketen!\", \"Vorschlag SPD und SED -- Chemiewaffenfreie Zone\", \"K\u00e4mpfer werden gebraucht -- DKP -- Anpasser gibt es genug!\", \"Aufruf zur Teilnahme an der Aktionswoche des DGB vom 14. bis 20. Oktober 1985\" wurden in den Ausgaben auch \u00f6rtliche Probleme behandelt. 1985 wurden 42 (1984: 39) Betriebszeitungen bekannt. Etwa ein Drittel von ihnen erschien nur sporadisch. Als Anleitung f\u00fcr das Abfassen der Kleinzeitungen verteilte der DKP-Parteivorstand monatlich die Brosch\u00fcre \"infodienst\". Ferner gab der DKP-Parteivorstand das \"Handbuch f\u00fcr Betriebszeitungen, Wohngebietsund Hochschulzeitungen der DKP\" sowie viertelj\u00e4hrlich die Zeitschrift \"Praxis -- Erfahrungen aus dem Leben und der Arbeit der Partei\" heraus. Der DKP-Verlag Marxistische Bl\u00e4tter in Frankfurt a.M. gibt das gleichnamige Organ heraus, das alle zwei Monate erscheint. Seit seinem Bestehen publiziert der Verlag dar\u00fcber hinaus B\u00fccher zu Themen der marxistischen Theorie und Praxis. Neuerscheinungen im Jahr 1985 waren z.B. B\u00fccher mit Titeln wie \"Gro\u00dfe Krisen des Kapitalismus -- Lange Wellen der Konjunktur -- Beitr\u00e4ge zur aktuellen Krisenanalyse und Monopoltheorie\", \"Gemeindeleute -- Handbuch f\u00fcr eine alternative kommunalpolitische Praxis\" und \"Emanzipation in der Krise -- Materialien zur Lebenslage der Frauen\". Die DKP-beeinflu\u00dfte Arbeitsgemeinschaft sozialistischer und demokratischer Verleger und Buchh\u00e4ndler hat das Ziel, mit \"Literatur\" als \"Waffe im Klassenkampf\" den Weg zum Sozialismus zu weisen. Der \"Arbeitsgemeinschaft\" geh\u00f6rten 1985 elf Verlage und etwa drei\u00dfig \"collektiv\"-Buchhandlungen an. In Bayern gibt es \"collektiv\"Buchhandlungen, die unter \"Libresso\"Zentren firmieren, in N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen. Die Verlage decken mit ihren periodischen Schriften und der sonstigen Literatur thematisch die \"Kampffelder\" der DKP, ihrer Nebenorganisationen und von ihr beeinflu\u00dfter Organisationen ab. Die Plambeck & Co. Druck und Verlag GmbH in Neuss verlegt und druckt die UZ und die Mehrzahl aller Publikationen der Orthodoxen Linken. Seit der \u00dcbernahme des Damnitz-Verlags in M\u00fcnchen druckt sie auch die \"Literarische Vierteljahresschrift K\u00fcrbiskern -- Literatur, Kritik, Klassenkampf\" sowie \"tendenzen -- Zeitschrift f\u00fcr engagierte Kunst\". DKP-Funktion\u00e4re geh\u00f6ren zu den Herausgebern des \"K\u00fcrbiskern\". Dem Redaktionskollektiv der Zeitschrift \"tendenzen\" geh\u00f6rt ein Mitglied des DKP-Parteivorstands an. Die Publikationen des Pahl-Rugenstein-Verlags dienen vor allem der B\u00fcndnispolitik. Ein weiterer Propagandatr\u00e4ger ist die UNIDOC-Film GmbH. Nach Angaben ihres Leiters, eines DKP-Funktion\u00e4rs, sieht sie es als \"wichtigste Zielsetzung\" an, \"die DKP in ihrem Kampf zu unterst\u00fctzen\". Das Verleihprogramm umfa\u00dft u.a. Filme zum \"politischen und sozialen Kampf in Westdeutschland\", zum \"Aufbau des Sozialismus\", zur \"internationalen Solidarit\u00e4t\" und \"gegen Faschismus und Krieg\". 40","Solidarit\u00e4tsZeitung \"'he, Kapital und Kabinett wollen Kapitulation - Solidarit\u00e4t mit den Gewerkschaften ! Streikrecht verteidigen Friedens ^Jy Zeitung * * (DKP), B c i i r k S\u00fcdbayern -<X Beschlu\u00df des Bezirksvorstands S\u00fcdbayern zum Ernst Th\u00e4lmann Aufgebot - I N DER H D GELESEN - WAS ANDERE VERSCHWEIGEN -SONDERDRUCKunsere zeit UZ-EXTRA HIT EINIGEN BERICHTEN ZUR K\u00d6LNER KONFERENZ \"GROBER FRIEOENSRATSCHUG\"","Eine propagandistische Steuerungsfunktion kommt auch der im November 1979 gegr\u00fcndeten Marx-Engels-Stiftung e.V. in Wuppertal zu. Sie will der \u00d6ffentlichkeit durch Veranstaltungen, Publikationen und eine st\u00e4ndige Ausstellung \"Kenntnisse \u00fcber die heutige Wirksamkeit der Ideen von Karl Marx und Friedrich Engels\" vermitteln. Stiftungsvorsitzender ist der DKP-Vorsitzende Mies. 2.2.8 Schulung Die DKP betrachtet es als erstrangige ideologische und politische Aufgabe, \"den Arbeitern und anderen Werkt\u00e4tigen Einsichten in die eigene Klassenlage und den unvers\u00f6hnlichen Gegensatz zwischen ihren Klasseninteressen und den Machtund Profitinteressen des Gro\u00dfkapitals zu vermitteln und klassenm\u00e4\u00dfige Erkenntnisse zu vertiefen\". \"Unter den heutigen Bedingungen\" werde von einem aktiven Kommunisten ein \"hohes Ma\u00df an politischer Beweglichkeit und Aufgeschlossenheit gegen\u00fcber allem Neuen, zugleich aber auch st\u00e4ndiges Bem\u00fchen um einen festen politisch-ideologischen und weltanschaulichen Standpunkt\" gefordert. Die DKP versteht sich als \"einzige Partei der Bundesrepublik, die \u00fcber eine einheitliche, wissenschaftliche Weltanschauung\" verf\u00fcge, \"die Theorie von Marx, Engels und Lenin\". Das \"erfolgreiche Wirken der Partei\" sei davon abh\u00e4ngig, \"wie die einzelnen Kommunisten und die Partei als Ganzes es verstehen, sich mit dieser Theorie vertraut zu machen, sie sch\u00f6pferisch auf die konkreten Bedingungen des Klassenkampfes anzuwenden und an m\u00f6glichst breite Bev\u00f6lkerungskreise, vor allem an die Arbeiterklasse, heranzutragen\". Die \"Bedeutung der weltanschaulichen und ideologischen Arbeit\" wachse. Die Lehre von Marx, Engels und Lenin vermittle die F\u00e4higkeit, auch in \"schwierigsten Situationen den kommunistischen \u00dcberzeugungen treu zu bleiben\". Jedes Mitglied der DKP m\u00fcsse sich bem\u00fchen, die \"Theorie von Marx, Engels und Lenin zu studieren\". Die \"ideologische Arbeit\" soll das DKPMitglied bef\u00e4higen, \"offensiv und \u00fcberzeugend\" die \"Weltanschauung und Politik\" der Partei zu verbreiten. Ein wichtiger Bestandteil dieser \"Arbeit\" sei die \"Arbeit mit den grundlegenden Dokumenten der Partei\", vor allem mit dem Parteiprogramm, sowie mit den Dokumenten von Parteitagen und Parteivorstandstagungen. Diesen Zielen sowie der Verwirklichung des Prinzips der kommunistischen Partei als einer \"Gemeinschaft von Gleichgesinnten\" dient die Intensivschulung der DKP-Mitglieder. Diese umfa\u00dft Schulungsabende und Studienzirkel in den Parteigruppen, Kurse der Marxistischen Abendschulen (MASCH) und der Marxistischen Betriebsarbeiterschulen der DKP sowie Kurse und Lehrg\u00e4nge an der Karl-Liebknecht-Schule der DKP in Leverkusen. An dieser Schule fanden 1985 zahlreiche einund zweiw\u00f6chige Grundund Speziallehrg\u00e4nge statt. Die eigens zur Schulung von Mitgliedern der DKP eingerichtete SED-Parteischule \"Franz Mehring\" in Berlin (Ost) und das Institut f\u00fcr Gesellschaftswissenschaften beim Zentralkomitee der KPdSU in Moskau boten auch 1985 Schulungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr DKP-Funktion\u00e4re. Die Marxistische Arbeiterbildung --Vereinigung zur Verbreitung des wissenschaftlichen Sozialismus (MAB) arbeitet mit Bildungsgemeinschaften zusammen, die mit Unterst\u00fctzung insbesondere der DKP-Kreisorganisationen die Marxistischen Abendschulen (MASCH) betreiben. Ihre Kurse, die auch 42","Nichtparteimitgliedern offenstehen, arbeiten auf der Grundlage einer von der MAB herausgegebenen Seminarplansammlung und umfassen das Studium der marxistischen politischen \u00d6konomie und des \"wissenschaftlichen Sozialismus\", der Grundlage der gesamten marxistisch-leninistischen Doktrin. Bundesvorsitzender der MAB ist das DKP-Vorstandsmitglied Hans Schneider. Mitglieder, die in Betrieben und Gewerkschaften wichtige Funktionen aus\u00fcben oder erlangen sollen, werden in den Marxistischen Betriebsarbeiterschulen der DKP intensiv geschult. Diese Lehrg\u00e4nge haben das Ziel, Betriebsarbeitern eine gr\u00fcndliche und systematische Einf\u00fchrung in die wichtigsten Bereiche des Marxismus-Leninismus zu geben. Neben der allgemein theoretischen Schulung wurde Betriebsarbeitern auch 1985 vor allem anhand aktueller Themen wie \"Friedensarbeit im Betrieb\", \"Soziale Sicherung\" oder \"Sozialistische Zukunft\" in Betriebsarbeiteraussprachen, -beratungen und -Seminaren die Anwendung der kommunistischen Ideologie erkl\u00e4rt. Die Seminare dienen zugleich dazu, in Fortbildungsveranstaltungen zu \"Imperialismustheorie\", \"Stamokap\" und \"kapitalistische Krise\" theoretische Kenntnisse zu vertiefen und zu aktualisieren. Als gesellschaftsund sozialwissenschaftliches Institut der DKP ist das 1968 gegr\u00fcndete Institut f\u00fcr Marxistische Studien und Forschungen e.V. (IMSF) in Frankfurt a.M. anzusehen. MASCH und MAB haben gemeinsam mit dem IMSF die Aufgabe, die Theorie und Methode des \"wissenschaftlichen Sozialismus auf \u00f6konomische und soziale Prozesse des heutigen Kapitalismus\" anzuwenden. Im Mittelpunkt der \"Arbeitsplanung des IMSF f\u00fcr das Jahr 1985\" standen \"Diskussionen und Untersuchungen zur Zukunft der Bundesrepublik, zu Alternativen ihrer Entwicklung, zu Ansatzpunkten der Linkskr\u00e4fte und zur Neubestimmung strategischer und programmatischer Konzeptionen\". Diese Diskussionen besch\u00e4ftigten sich auch mit der \"Bestimmung der Rolle der Intellektuellen und der Intelligenz in den sozialen und demokratischen Bewegungen und im Kampf um eine Wende nach links\". Mitglieder des \"Instituts f\u00fcr Internationale Politik und Wirtschaft der DDR\" (IPW), Berlin (Ost), leiteten in bayerischen St\u00e4dten zahlreiche Diskussionsrunden zum Thema \"Zu neuen Problemen der Theorie des staatsmonopolistischen Kapitalismus\". Die Marx-Engels-Stiftung e.V. der DKP nimmt f\u00fcr sich in Anspruch, wissenschaftlich \"Beachtliches\" geleistet zu haben, wie Symposien, Kolloquien und Seminare. So veranstaltete sie am 19. Januar in dem von ihr getragenen Wuppertaler \"Marx-Engels-Zentrum\" ein \"internationales Symposium\" zum Thema \"100 Jahre Berliner Kongo-Konferenz, Rolle und Erbschaft des deutschen Kolonialismus und Neokolonialismus in Afrika\". Zu den Teilnehmern geh\u00f6rten auch Vertreter der South-West-African-Peoples Organisation (SWAPO) und des African National Congress (ANC). Neuer Vorstandsvorsitzender wurde Dr. Richard Kumpf, Mitglied des DKP-Bezirksvorstandes Rheinland-Westfalen und Leiter des Wuppertaler \"Marx-Engels-Zentrums\". Der DKP-Parteivorstand setzte seine Ver\u00f6ffentlichungen zum Parteibildungsjahr 1984/85 fort. Im \"Bildungsheft\" f\u00fcr das 3. Thema des laufenden DKP-Bildungsjahres 1984/85 \"Der Weg in eine sozialistische Bundesrepublik\" erl\u00e4utert 43","der DKP-Parteivorstand die \"\u00dcbergangsetappen\" zum Sozialismus. Das Nahziel der DKP, die \"Wende zu demokratischem und sozialem Fortschritt\", solle zu \"sp\u00fcrbaren Ver\u00e4nderungen des inneren Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisses zugunsten der Arbeiterklasse und der anderen demokratischen Kr\u00e4fte\" bei gleichzeitiger \"Schw\u00e4chung des Monopolkapitals\" f\u00fchren. Damit werde die Voraussetzung f\u00fcr den n\u00e4chsten \"Kampfabschnitt\", die Errichtung einer \"antimonopolistischen Demokratie\" geschaffen; diese soll den Weg zum Sozialismus \u00f6ffnen, zu dessen Errichtung das \"Bewu\u00dftsein der Arbeiterklasse\" aber noch nicht ausreiche. Das Bildungsheft zum 4. Bildungsthema \"Die DKP -- eine demokratische Partei\" erl\u00e4utert die Organisationsprinzipien der Partei (u.a. \"demokratischer Zentralismus\", Parteidisziplin, Fraktionsverbot). Es hebt unter Berufung auf Lenin hervor, eine \"revolution\u00e4re Partei\" k\u00f6nne ihre Aufgabe nur als ein \"festorganisierter Kampfbund von Gleichgesinnten\" erf\u00fcllen. Erforderlich seien daher \"entsprechende Normen des Parteilebens, die die innerparteiliche Demokratie mit dem Grundsatz der vereinigten, zentralisierten Aktion verbinden\". Zum Abschlu\u00df des laufenden Parteibildungsjahres ver\u00f6ffentlichte der DKPParteivorstand f\u00fcr die Schulung im Mai/Juni ein Bildungsheft \"8. Mai -- 1945 -- 1985 -- 40. Jahrestag der Befreiung\", das sich mit Themen wie \"Wer brachte den Faschismus an die Macht\" befa\u00dfte. Ihr neues Parteibildungsjahr er\u00f6ffnete die DKP im September 1985 mit einer zentralen Veranstaltung bei der Bezirksorganisation Schleswig-Holstein. Das Bildungsjahr soll, wie das gleichfalls im September begonnene \"Ernst-Th\u00e4lmann-Aufgebot\", die Partei \"politisch, organisatorisch und ideologisch st\u00e4rken\" und der Vorbereitung ihres 8. Parteitages dienen. Das DKP-Pr\u00e4sidiumsmitglied Willi Gerns sprach sich f\u00fcr eine \"lebendige Diskussion\" der vom Parteivorstand vorgelegten \"Thesen\" aus. Dazu geh\u00f6re auch, da\u00df die DKP grundlegende Aussagen von \"Bruderparteien\", insbesondere aus dem \u00fcberarbeiteten Programm der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) in die Thesendiskussion einbeziehe. Die neuen Bildungsthemen, so erkl\u00e4rte der Parteivorstand, behandelten Fragestellungen, die sich aus den \"neuen Kampfbedingungen in der zweiten H\u00e4lfte der 80er Jahre\" erg\u00e4ben. 2.2.9 Betriebsarbeit der DKP Die DKP ist auf dem Gebiet der Betriebsarbeit nach wie vor die f\u00fchrende extremistische Kraft. Der Betrieb ist f\u00fcr sie als \"Ort des allt\u00e4glichen Klassenkampfes\", des -- wie Marx sagte -- elementaren \"Guerillakrieges zwischen Kapital und Arbeit\" das \"wichtigste Kampffeld\". Hier sieht die DKP \"die besten M\u00f6glichkeiten, den Arbeitern die Unvers\u00f6hnlichkeit ihrer Klasseninteressen mit denen der Bourgeoisie bewu\u00dft zu machen\". Die DKP handelt dabei getreu der Devise Lenins: \"Die Agitation unter den Arbeitern besteht darin, an allen spontanen Kampfaktionen der Arbeiterklasse, an allen Zusammenst\u00f6\u00dfen zwischen Arbeitern und Kapitalisten wegen Arbeitszeit, Arbeitslohn, Arbeitsbedingungen teilzunehmen\". Dementsprechend versucht die DKP intensiv, in den Betrieben in besonderer Weise die Belange der Arbeitnehmerschaft zu \"vertreten\". Die DKP konzentriert sich dabei vor allem auf Gro\u00dfbetriebe. Sie sieht die Organisierung und Kampfkraft der Arbeiter in den Gro\u00dfbetrieben als wichtigsten 44","\"vereinigenden Faktor\". Die industriellen Gro\u00dfbetriebe seien \"die Zentren der \u00f6konomischen Macht des Industrie-, Bankund Finanzkapitals, zugleich aber auch Konzentrationspunkt der Arbeiterklasse und des Klassenkampfes\". Nach Auffassung des DKP-Vorsitzenden Mies ist \"die Verankerung unserer Partei, die St\u00e4rkung und Aktivit\u00e4t unserer Betriebsgruppen in den Gro\u00dfund Konzernbetrieben das Kernst\u00fcck unserer Orientierung auf die Arbeiterklasse... Es ist ein anspruchsvolles, aber lohnendes Kampfziel, in einem \u00fcberschaubaren Zeitraum, auch schon mit Blick auf den n\u00e4chsten Parteitag, zu erreichen, da\u00df in den meisten dieser Konzernund Gro\u00dfbetriebe wirkungsvolle kommunistische Arbeit geleistet wird\". Zur Koordinierung und Aktivierung der Betriebsarbeit veranstaltete die DKP \u00fcber\u00f6rtliche Beratungen mit Betriebsarbeitern und Funktion\u00e4ren einzelner Wirtschaftszweige, wobei 1985 der Schwerpunkt bei der Elektroindustrie sowie bei einzelnen Automobilkonzernen lag. Tr\u00e4ger dieser Betriebsarbeit sind vorrangig die Betriebsgruppen, die nach dem Parteistatut wichtigsten Grundorganisationen der Partei. Die wesentliche Aufgabe dieser Betriebsgruppen besteht darin, DKP-Mitglieder in Betriebsr\u00e4ten und gewerkschaftlichen Vertrauensk\u00f6rpern zu unterst\u00fctzen und in Betriebsund Gewerkschaftsversammlungen \"den Standpunkt der Arbeiterklasse \u00fcberzeugend zu vertreten\". Die Bedeutung der Betriebsgruppen f\u00fcr die DKP unterstreicht die Forderung des DKP-Vorsitzenden Mies auf der 5. Tagung des Parteivorstands: \"F\u00fcr die zuk\u00fcnftige Entwicklung der Bundesrepublik, f\u00fcr den Ausgang der Auseinandersetzungen um die Grundfragen unserer Zeit, f\u00fcr die Durchsetzung der Klasseninteressen der Arbeiterklasse und der Grundinteressen anderer Bev\u00f6lkerungsschichten kann es nur gut und n\u00fctzlich sein, wenn es mehr und st\u00e4rkere Gruppen der DKP in den Betrieben gibt\". Mies sprach sich ferner daf\u00fcr aus, vor allem in Gro\u00dfbetrieben die Betriebsgruppen zu st\u00e4rken und neue Betriebsgruppen zu schaffen. In Betrieben, in denen die DKP noch keine \"praktische kommunistische Arbeit\" leisten konnte, sollen Betriebsaktivs geschaffen werden, deren erkl\u00e4rtes \"Kampfziel\" es ist, in dem betreffenden Betrieb die Voraussetzung f\u00fcr die Bildung einer Betriebsgruppe zu schaffen. In sie sollen Mitglieder aus Wohngebietsund Hochschulgruppen zeitweilig delegiert werden, die den \"Genossen des Betriebs alle Hilfe und Unterst\u00fctzung zu geben\" haben. In einem UZ-Artikel berichtete ein Mitglied des DKP-Parteivorstandes u.a. \u00fcber seine Arbeit mit \"Betriebsaktivs\". Obwohl sein \"eigenes Betriebsaktiv\" f\u00fcr die Bildung einer Betriebsgruppe noch nicht ausreiche, sei zwischenzeitlich dennoch viel geschehen: so sei eine Betriebszeitung geschaffen, eine \"betriebliche Friedensinitiative\" aufgebaut und eine \"Arbeitsgemeinschaft aus Kommunisten und Sozialdemokraten\" gebildet worden. Auch das \"Klima im Betriebsrat und Vertrauensleutek\u00f6rper\" sei \"k\u00e4mpferischer\" geworden. Trotz dieser Bem\u00fchungen hat die DKP ihr Ziel, in allen Gro\u00dfbetrieben mit mehr als 1.000 Besch\u00e4ftigten eine Betriebsgruppe oder ein Betriebsaktiv zu schaffen, nicht erreicht. Derzeit bestehen im Bundesgebiet \u00fcber 300 Betriebsgruppen. Die Zahl der in Bayern bekannten Betriebsgruppen stieg von 30 auf etwa 35 an. In erster Linie bestehen Betriebsgruppen in Unternehmen der Metallindustrie. Ferner bem\u00fchte sich die DKP verst\u00e4rkt, im \u00f6ffentlichen Dienst t\u00e4tige 45","DKP-Mitarbeiter lokal zu \"Betriebsgruppen \u00f6ffentlicher Dienst\" zusammenzufassen, was in einigen St\u00e4dten gelungen ist. Die Zahl der \"Betriebsaktivs\" d\u00fcrfte inzwischen wegen Umwandlungen in Betriebsgruppen von 25 (im Jahr 1984) auf weniger als 20 gesunken sein. Um ihre Arbeit im Betrieb effektiver zu gestalten, gibt die DKP Betriebszeitungen heraus. Die Zahl der in Bayern bekanntgewordenen Betriebszeitungen erh\u00f6hte sich von 39 auf 42. Die DKP betrachtet die Betriebszeitungen als eine der \"sch\u00e4rfsten Waffen der politischen, ideologischen und \u00f6konomischen Aufkl\u00e4rungsarbeit\", als eine \"besondere Form der Betriebsagitation\". Da \"der Betrieb das wichtigste Feld des Klassenkampfes\" bleibe, komme diesen Zeitungen eine \"zentrale Bedeutung\" zu. Am 2. Februar f\u00fchrten die DKP-Betriebsgruppen zweier gro\u00dfer Elektrounternehmen in N\u00fcrnberg eine gemeinsame \"Konzernberatung\" durch. Im Mittelpunkt der \"Beratung\" stand der Entwurf eines \"Arbeitsplatzsicherungsund Besch\u00e4ftigungsprogrammes\", in dem die DKP eine sofortige Arbeitszeitverk\u00fcrzung, einen \"\u00dcberstundenstopp\" und eine \"zukunftsorientierte\" Produktion forderte. Es handelt sich hier um ein typisches Beispiel der \"Betriebsarbeit\" der DKP. Sie hat den damaligen um die Belegschaftsreduzierung entstandenen sozialen Konflikt sofort aufgegriffen und f\u00fcr die Verfolgung ihrer Ziele eingesetzt. Die besondere Form der \"Betriebsagitation\" soll n\u00e4mlich nicht nur der konkreten Interessenvertretung der gesamten Belegschaft dienen, sondern vor allem \"politisches und sozialistisches Bewu\u00dftsein\" in die Arbeiterklasse tragen. Darunter versteht die DKP \"Klassenkampfbewu\u00dftsein\". Der F\u00f6rderung dieses Klassenkampfbewu\u00dftseins dient auch das am 28. M\u00e4rz 1985 vorgestellte \"Mitbestimmungsprogramm\". Nach Auffassung der DKP m\u00fcsse gegen das \"Diktat der Profitinteressen\" in den Betrieben und Unternehmungen \"Widerstand entwickelt werden\". Nur eine \"Ver\u00e4nderung der Gesellschaftsordnung\" beseitige \"das \u00dcbel mit der Wurzel\". Deshalb sei \"auch f\u00fcr unser Land der Sozialismus\" notwendig. Da f\u00fcr Kommunisten Mitbestimmung \"kein Instrument der Partnerschaft zwischen Kapital und Arbeit\" sei, forderte die DKP in ihrem neuen \"Mitbestimmungsprogramm\" unter anderem die Streichung der \"Friedenspflicht\" aus dem Betriebsverfassungsgesetz und den Personalvertretungsgesetzen sowie die Abschaffung der Bestimmungen, da\u00df der Personalrat/Betriebsrat \"vertrauensvoll\" mit dem Arbeitgeber zusammenarbeiten sollen. Auch diese Aussage der DKP macht deutlich, da\u00df es ihr getreu der Ideologie des Marxismus-Leninismus darum geht, den sozialen Frieden zu st\u00f6ren, um die nach ihrer Meinung notwendigen Grundbedingungen f\u00fcr eine sozialistische Revolution zu schaffen. Auf die gro\u00dfe Bedeutung der Betrieblichen Friedensinitiativen wird im Abschnitt \"Neue Fragen der Aktionseinheitsund B\u00fcndnispolitik\" des Entwurfs der \"Thesen zum 8. Parteitag der DKP\" hingewiesen: \"Die betrieblichen Friedensinitiativen sind ein wichtiges Bindeglied zwischen Friedensbewegung und Arbeiterbewegung. In ihnen verwirklicht sich die Aktionseinheit der Arbeiterklasse in den Betrieben\". Am 26. Januar kamen in Dortmund etwa 500 Vertreter \"betrieblicher Friedensinitiativen\" zu ihrem zweiten bundesweiten Treffen zusammen. Eingeladen hierzu hatte der \"Dortmunder Kreis betrieblicher Friedensinitiativen\", in dem DKP-Funktion\u00e4re wichtige Positionen besetzt haben. 46","DKP-Betriebszeitungen 47","Auf der Tagesordnung standen Themen wie \"Strategie der Friedensbewegung\", \"Hochr\u00fcstung und Wirtschaftspolitik\" und \"Friedensarbeit im R\u00fcstungsbetrieb\". Die Teilnehmer kamen \u00fcberein, ihre Arbeit st\u00e4rker regional zu koordinieren. Da die DKP mit ihrem betrieblichen \"Friedenskampf\" Resonanz gefunden hat, wurden die Betriebsgruppen angewiesen, weiterhin \"betriebliche Friedensinitiativen\" zu gr\u00fcnden. 2.2.10 Sonstige Aktivit\u00e4ten Bislang nicht genannte Aktivit\u00e4ten der DKP bezogen sich insbesondere auf die Agitationsschwerpunkte \"Kulturpolitik\", \"Ausl\u00e4nderpolitik\", \"auslandspolitische Themen\" und \"Volksz\u00e4hlung\". Entsprechend einer Forderung der 4. Parteivorstandstagung am 24./ 25. November 1984 in D\u00fcsseldorf will die DKP die Einrichtung von Kulturaktivs in allen Bezirken und Schwerpunktkreisen forcieren. In einem Bericht der UZ mit dem Titel \"Beispiel Hamburg -- wie arbeitet ein DKP-Kulturarbeitskreis?\" hei\u00dft es dazu, der Kulturarbeitskreis sei ein \"organisatorischer Hebel\", um die \"wissenschaftliche Analyse\" des politischen und sozialen Geschehens in \"revolution\u00e4re Politik\" umzusetzen und den kulturpolitischen Standpunkt der Partei nach au\u00dfen zu vertreten. Dar\u00fcber hinaus habe er Kontakte zu entsprechenden Gremien anderer Parteien und der Gewerkschaften zu kn\u00fcpfen. Aus dieser \u00c4u\u00dferung geht klar hervor, da\u00df die DKP auch ihre \"Kulturpolitik\" in ihre Gesamtstrategie eingebunden hat, die auf die revolution\u00e4re Umgestaltung des bestehenden Systems gerichtet ist. Unter dem Motto \"F\u00fcr eine Kultur des Friedens, der Arbeit und der Solidarit\u00e4t\" fand am 15. Juni in Bochum ein kulturpolitisches Forum der DKP statt. In einer gemeinsamen Abschlu\u00dferkl\u00e4rung \"Der Himmel darf nicht zum Vorhof der H\u00f6lle auf Erden werden!\" forderten die Teilnehmer des Forums von der Bundesregierung ein \"klares Nein\" zum \"Weltraum-Militarisierungs-Projekt\" der USA, den Stopp der Stationierung von Pershing II sowie den Abbau der bereits stationierten \"atomaren Erstschlagswaffen\". Die Mobilisierung gegen Reagan's \"Sternenkrieg\" sei \"vorrangigste Kulturaufgabe\". Mit diesen begrifflichen Umdeutungen bindet die DKP auch ihre \"kulturellen\" Aktivit\u00e4ten in ihre von der KPdSU gesteuerte SDI-Kampagne ein. Am 24. November veranstaltete die DKP in Hannover eine \"Bildungspolitische Konferenz\", an der nach Angaben der kommunistischen Presse \"Lehrer, P\u00e4dagogen und Elternvertreter\" teilnahmen. Auf dem Kongre\u00df forderte der Referent f\u00fcr Schulund Bildungspolitik beim DKP-Parteivorstand eine \"bildungspolitische Offensive gegen die rechte Wende im Schulund Bildungswesen\". Die \"materiellen Grundlagen f\u00fcr mehr Chancengleichheit\" seien bereits zerst\u00f6rt; noch sei es aber nicht gelungen, die \"Wende ideologisch und moralisch in den K\u00f6pfen, insbesondere der Lehrer und Erzieher, durchzusetzen\". Aktionen zur Ausl\u00e4nderpolitik und au\u00dfenpolitische Themen wurden punktuell entwickelt. Ein wichtiges \"au\u00dfenpolitisches\" Thema war weiterhin die Situation in Nicaragua. Im M\u00e4rz 1985 war in Nicaragua eine von der \"Solidarit\u00e4tsbrigade Carlos Fonseca\" mit Unterst\u00fctzung des MSB Spartakus, der SDAJ und der 48","DKP errichtete Druckerei er\u00f6ffnet worden. Nach Angaben der \"roten bl\u00e4tter\" waren daf\u00fcr \u00fcber eine Million DM gesammelt worden. Das linksextrem beeinflu\u00dfte \"M\u00fcnchner Aktionsforum Mittelamerika\" (MAMA), in dem u.a. die DKP, SDAJ und die WN-BdA mitarbeiten, veranstaltete vom 19. bis 27. Juli eine \"Solidarit\u00e4tswoche f\u00fcr Mittelamerika\". Im politischen Teil des Programms fanden Informationsabende zu Themen wie \"Imperialismus in Lateinamerika\", \"El Salvador -- Noch ein Vietnam\" und \"Nicaragua am 6. Jahrestag der Sandinistischen Revolution\" statt. Der DKP-Vorsitzende Mies hatte bereits in seinem Kommentar zum Jahreswechsel gefordert, da\u00df die \"internationale Solidarit\u00e4t\" vor allem an Nicaragua weiterentwickelt werden solle. Am 20. August veranstaltete der DKP-Kreisverband M\u00fcnchen vor dem s\u00fcdafrikanischen Generalkonsulat eine Protestversammlung. Auf Transparenten, Plakaten und Flugbl\u00e4ttern forderten die Teilnehmer den Abbruch aller Beziehungen zu S\u00fcdafrika. Vom 23. bis 27. September f\u00fchrte die DKP in N\u00fcrnberg sogenannte \"Afrikatage\" durch. H\u00f6hepunkte der Aktivit\u00e4ten waren eine Diskussionsveranstaltung am 25. September mit Vertretern des \"African National Congress\" (ANC), der \"South-West-African Peoples Organisation\" (SWAPO) und der internationalen Abteilung des Parteivorstandes der DKP. Der DKP geht es mit ihrem \"S\u00fcdafrika-Engagement\" nicht nur um die Anprangerung von Menschenrechtsverletzungen, da sie derartige Verst\u00f6\u00dfe nur zu r\u00fcgen pflegt, wenn sie au\u00dferhalb des kommunistischen Machtbereichs stattfinden. Vielmehr f\u00fcgt sie sich auch mit dieser Kampagne in die Gesamtstrategie der Sowjetunion ein. Der f\u00fcr Fragen ausl\u00e4ndischer Arbeiter in der Bundesrepublik zust\u00e4ndige Referent beim DKP-Parteivorstand kritisierte im M\u00e4rz 1985 in einem Bericht unter dem Titel \"Totale Aush\u00f6hlung des Asylrechts verhindern\" die \"unmenschliche Asylpraxis\". Die DKP verlange die sofortige Aufhebung aller \"diskriminierenden und menschenverachtenden\" Bedingungen der heutigen Asylpraxis. Ein Referent beim DKP-Parteivorstand forderte in einem UZ-Artikel dazu auf, die Ausf\u00fchrung des vom Bundestag beschlossenen Volksz\u00e4hlungsgesetzes zu vereiteln. Die demokratischen Initiativen und Organisationen sollten sofort damit beginnen, die \"Volksaushorchung\" zu verhindern. Nach Ansicht der DKP best\u00fcnden \"reelle Chancen\", das au\u00dferparlamentarische Ablehnungspotential in Sachen Volksz\u00e4hlung zu erh\u00f6hen und die Zahl der potentiellen Verweigerer in der Bev\u00f6lkerung zu vergr\u00f6\u00dfern. Mit dieser \u00c4u\u00dferung ruft die DKP offen zum Rechtsbruch auf. Vor allem aber ist auch hier wieder die grunds\u00e4tzliche DKPStrategie erkennbar, Kampagnen aufzugreifen, um nach dem Konzept des Minimalkonsenses B\u00fcndnispartner zu gewinnen. Au\u00dferdem wird auch diese Einzelaktion sofort in einen \"Zusammenhang\" mit den ideologischen Grundpositionen der DKP gebracht. Ein Beispiel daf\u00fcr bietet ein Artikel in der UZ, in dem die DKP unter der \u00dcberschrift \"Mikrozensus -- Die kleine Volksaushorchung l\u00e4uft\" zu der Durchf\u00fchrung einer Bundesstatistik auf repr\u00e4sentativer Grundlage \u00fcber die Bev\u00f6lkerung und den Arbeitsmarkt Stellung nahm. Nach Ansicht der DKP gehe es bei der Mikrozensuserhebung um dasselbe wie bei der Volksbefragung: \"Gro\u00dfkapital\" und Staat brauchten die B\u00fcrgerdaten, um den \"Sozialabbau\" noch \"wissenschaftlicher und rigoroser\" durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen. 49","2.3 Nebenorganisationen der DKP Die DKP wurde auch 1985 in ihren politischen Aktivit\u00e4ten in weiten Bereichen durch ihre Nebenorganisationen unterst\u00fctzt. Diese sind zwar organisatorisch selbst\u00e4ndige Vereinigungen mit eigenen Satzungen und F\u00fchrungsgremien, ordnen sich aber politisch der DKP unter und bekennen sich wie diese zum Marxismus-Leninismus sowjetischer Pr\u00e4gung. Ma\u00dfgebende Funktionen nehmen DKP-Mitglieder wahr. Solche Nebenorganisationen sind wie bisher die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ), der Marxistische Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) und die Jungen Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP). 2.3.1 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Die SDAJ wurde 1968 in Essen gegr\u00fcndet. Sie hat bundesweit ann\u00e4hernd 15.000 Mitglieder. In Bayern blieb die Mitgliederzahl mit 1.150 in etwa auf dem Stand von 1984; die Mitgliederwerbung der DKP (Emst-Th\u00e4lmann-Aufgebot) hat sich bei der SDAJ in Bayern noch nicht nennenswert ausgewirkt. Eine neue Festivalstafette zur Werbung von Mitgliedern begann am 14. Oktober 1985, dem 50. Jahrestag der \"Br\u00fcsseler Konferenz\" der KPD und soll mit dem \"Festival der Jugend 1986\" in Dortmund enden. Die SDAJ, deren Mitglieder zum Teil gleichzeitig der DKP oder von der DKP beeinflu\u00dften Organisationen angeh\u00f6ren, ist nach wie vor die mitgliederst\u00e4rkste Nebenorganisation und zugleich die bedeutendste Kaderreserve der DKP. Mit dieser k\u00e4mpft sie gemeinsam f\u00fcr eine \"sozialistische Ordnung\" in der Bundesrepublik Deutschland nach dem Vorbild der DDR. Nach ihrem \"Aktionsprogramm f\u00fcr die Grundrechte der Jugend\" will die SDAJ die \"sozialistische Bundesrepublik\" im \"entschiedenen Klassenkampf\" erreichen. Sie bekennt sich zu einem Sozialismus nach den Ideen von Marx, Engels und Lenin und will die revolution\u00e4ren Traditionen der Arbeiterjugendbewegung fortsetzen. Auch heute gebe es nicht nur die Notwendigkeit, sondern auch die M\u00f6glichkeit, Massen von Jugendlichen zu jungen Revolution\u00e4ren zu erziehen. Die organisatorische Struktur der SDAJ blieb 1985 unver\u00e4ndert. Es bestehen Landesverb\u00e4nde, die ihrerseits in Kreisverb\u00e4nde und Ortsgruppen unterteilt sind. In Bayern gibt es in Anlehnung an die Organisation der DKP die Landesverb\u00e4nde Franken/Oberpfalz und S\u00fcdbayern. Sprachrohr der SDAJ ist \"elan -- das Jugendmagazin\". Es erscheint monatlich in einer Auflage von rund 23.000 (1984: 30.000) Exemplaren. In Bayern wurden 1985 25 Kleinzeitungen der SDAJ bekannt, davon 8 Betriebszeitungen (1984: 20 Kleinzeitungen, davon 9 Betriebszeitungen). Bundesvorsitzende der SDAJ ist Birgit Radow, ihr Stellvertreter Hans Georg Eberhard. Die SDAJ ist in Bayern in keinem Jugendring auf Stadt-, Kreisoder Landesebene vertreten. Die Vollversammlung des Deutschen Bundesjugendringes lehnte 1985 erneut die Aufnahme der SDAJ ab. Die SDAJ ist jedoch eine der aktivsten Mitgliedsorganisationen des prosowjetischen Weltbundes der Demokratischen Jugend (WBDJ) und pflegt vor allem mit der SED-Jugendorganisation Freie Deutsche Jugend (FDJ) und der sowjetischen Jugendorganisation Komsomol \"freundschaftliche Verbundenheit\". 50","f Entwicklung der Mitgliederzahlen der SDAJ in Bayern Mitglieder 1969 1971 1973 1975 1977 1979 1981 1983 1985 1400 1200 1000 800 600 400 200 Eine Delegation des gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden SDAJ-Bundesvorstandes unter Leitung der Bundesvorsitzenden Birgit Radow hielt sich im M\u00e4rz 1985 bei der FDJ zu einem Freundschaftsbesuch auf. An der Begegnung nahm der 1. FDJ-Sekret\u00e4r Eberhard Aurich teil. Birgit Radow berichtete dabei vom \"Kampf\" der SDAJ f\u00fcr die \"Grundrechte der jungen Generation\" in der Bundesrepublik Deutschland. Beide erkl\u00e4rten ihre unverbr\u00fcchliche antiimperialistische Solidarit\u00e4t mit dem Kampf der Jugend und des Volkes von Nicaragua. An internationalen \"Freundschaftsund Jugend-Lagern\", die die FDJ vom 18. bis 30. Juli am Scharm\u00fctzelsee (DDR) sowie vom 9. bis 13. November in Werder/Hurel (DDR) veranstaltete, nahmen auch Angeh\u00f6rige der SDAJ teil. Bei der Er\u00f6ffnung des Lagers am Scharm\u00fctzelsee dankte die SDAJ-Vorsitzende im Namen der G\u00e4ste aus der Bundesrepublik und vier weiteren westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern f\u00fcr die Einladung. Sie erkl\u00e4rte dabei, die Friedenspolitik der UdSSR und der anderen L\u00e4nder der sozialistischen Gemeinschaft sei f\u00fcr die fortschrittliche Jugendbewegung in den L\u00e4ndern des Kapitals ein wichtiger Kraftquell. Die SDAJ beteiligte sich auch an den 12. Weltfestspielen der Jugend und Studenten vom 27. Juli bis 3. August 1985 in Moskau. Die SDAJ-Bundesvorsitzende erkl\u00e4rte dabei, das herausragendste Ereignis der \"Weltfestspiele\" sei die Zusammenf\u00fchrung \"unterschiedlicher Kr\u00e4fte und politischer Richtungen zu einem gro\u00dfen Treffen des Friedens und der Solidarit\u00e4t\" gewesen. Die SDAJ, die zu den \"traditionellen Festivalkr\u00e4ften\" geh\u00f6re, habe einen \"erfolgreichen Beitrag\" zu den \"Weltfestspielen\" geleistet. Von den 200 Diskussionsbeitr\u00e4gen der Delegierten aus der Bundesrepublik Deutschland seien allein 40 von Mitgliedern der SDAJ gekommen. W\u00e4hrend des Festivals sei auch das internationale Ansehen und die \"gewachsene Kraft\" der SDAJ als \"revolution\u00e4rer Jugendverband\" deutlich geworden. Die zentrale Ausbildungsst\u00e4tte der SDAJ, die auch von der DKP und den Jungen Pionieren genutzt wird, befindet sich auf Gut Wahrberg in Aurach, Land51","kreis Ansbach. 1985 fanden dort zahlreiche Lehrg\u00e4nge f\u00fcr Gruppenleiter und Aufbaukurse mit Themen wie \"Einf\u00fchrung in die Marxistische Politische \u00d6konomie\", \"Strategie und Taktik der Arbeiterbewegung\" und \"Manifest der kommunistischen Partei\" statt. Vom 11. bis 18. August veranstaltete die SDAJ dort unter dem Motto: \"Ein St\u00fcck Kultur gegen Rechts\" ihr 9. VictorJara-Treffen. Daran beteiligten sich nach Berichten der kommunistischen Presse rund 200 Laienund Berufsk\u00fcnstler, Liedermacher, Schauspieler, Musiker und Kulturinteressierte aus Jugendverb\u00e4nden und Initiativen. Das Treffen hat laut kommunistischer Presse f\u00fcr die \"kulturelle Bereicherung\" der bevorstehenden Aktionen der Arbeiterbewegung und insbesondere der \"K\u00e4mpfe der Gewerkschaften gegen Sozialabbau\" viel Material und Ideen gebracht. Vom 24. bis 27. Mai f\u00fchrten die SDAJ-Landesverb\u00e4nde S\u00fcdbayern und Franken/Oberpfalz ihre traditionellen Pfingstcamps durch, an denen sich rund 1.000 G\u00e4ste beteiligten. Der Landesverband S\u00fcdbayern hatte nach Zellsee bei Weilheim, der Landesverband Franken/Oberpfalz auf Gut Wahrberg eingeladen. Unter den zahlreichen inund ausl\u00e4ndischen G\u00e4sten befanden sich auch eine Delegation der Freien Deutschen Jugend der DDR (FDJ), eine Gruppe aus Halle/DDR sowie Jugendliche aus Nicaragua. Die SDAJ-S\u00fcdbayern veranstaltete zusammen mit der DKP am 14./ 15. September in Schafshill, Landkreis Eichst\u00e4tt, ihr allj\u00e4hrliches Sommercamp. Unter dem Motto \"Zusammen und drau\u00dfen\" verbrachten rund 50 DKP/SDAJ-Angeh\u00f6rige die Tage bei Diskussionen, Sport, Film und Musik. Die Teilnehmer an den 12. Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Moskau berichteten vom Festival. Die SDAJ-Kreisorganisation M\u00fcnchen f\u00fchrt wie die DKP sogenannte Marxistische Abendschulungen (kurz: Jugend-MASCH) durch. Die Schulungen wurden vom Januar bis Juli mit insgesamt 24 Veranstaltungen im Hans-BeimlerZentrum in M\u00fcnchen durchgef\u00fchrt. Themen waren u.a. \"Philosophischer Materialismus\", \"Politische \u00d6konomie\", \"Probleme der Strategie und Taktik\" und \"Geschichte\". Zur Unterst\u00fctzung der Bildungsabende in den SDAJ-Gruppen erschien Anfang Februar 1985 eine \"SDAJ-Bildungszeitung\" mit Ausz\u00fcgen aus dem \"Aktionsprogramm f\u00fcr die Grundrechte der Jugend\" und einer \u00dcbersicht \u00fcber SDAJ-Lehrg\u00e4nge auf Gut Wahrberg. Die propagandistischen Aktionen der SDAJ befa\u00dften sich 1985 schwerpunktm\u00e4\u00dfig mit der Jugendarbeitslosigkeit, der Apartheid-Politik S\u00fcdafrikas und mit der Verl\u00e4ngerung der Wehrdienstzeit von 15 auf 18 Monate. Auf Weisung des SDAJ-Bundesvorstandes f\u00fchrten SDAJ-Betriebsgruppen am 18. Januar bundesweit einen \"Aktionstag f\u00fcr die \u00dcbernahme aller Lehrlinge nach Ende der Berufsausbildung\" durch. Meldungen der kommunistischen Presse zufolge demonstrierten sie dabei vor Lehrwerkst\u00e4tten, Betrieben und Verwaltungen. Der M\u00e4rz 1985 wurde von der SDAJ in M\u00fcnchen zum \"Monat der Arbeiterjugend\" erkl\u00e4rt. Dabei wurden Forderungen nach einem Lehrstellengesetz, Verpflichtung zur \u00dcbernahme aller in einem Betrieb ausgebildeten Lehrlinge und besserer beruflicher Bildung vertreten. In N\u00fcrnberg wurden in mehreren Stadtteilen Spr\u00fchund Plakataktionen festgestellt. Mit Texten wie \"Arbeit f\u00fcr alle, 52","53",": ARGUMENTE ] Lehrstellen her, nach der Schule auf den M\u00fcll\" versuchte die SDAJ auf die Lehrstellenlage hinzuweisen. Bei einem Demonstrationszug, den die SDAJ w\u00e4hrend einer Pressekonferenz der Bundesanstalt f\u00fcr Arbeit 1985 durch die Innenstadt von N\u00fcrnberg durchf\u00fchrte, hielt ein SDAJ-Funktion\u00e4r eine Ansprache \u00fcber die Jugendarbeitslosigkeit und die Lehrstellensituation. SDAJund MSB-Angeh\u00f6rige versammelten sich am 26. August unangemeldet vor dem B\u00fcro der s\u00fcdafrikanischen Fluggesellschaft SOUTH AFRICAN AIRWAYS (SAA) in M\u00fcnchen und demonstrierten gegen die Apartheid-Politik der s\u00fcdafrikanischen Regierung. Vier Personen besetzten kurzfristig das B\u00fcro der Fluggesellschaft. Am 18. Oktober hielt die SDAJ-S\u00fcdbayern vor dem Generalkonsulat der Republik S\u00fcdafrika in M\u00fcnchen eine unangemeldete Versammlung ab, bei der die Teilnehmer gegen die Hinrichtung von Benjamin Moloise protestierten. Zur Verl\u00e4ngerung der Wehrdienstzeit verbreitete die SDAJ mehrere Publikationen, die Schlagzeilen enthielten wie \"Wehrdienst verl\u00e4ngern -- ohne uns -- Kanzler\" und \"Den Angriff der Gener\u00e4le zur\u00fcckschlagen\". Daneben wurden Unterschriften gegen die Verl\u00e4ngerung des Wehrdienstes gesammelt. 54","In einer Presseerkl\u00e4rung vom 25. September bezeichnete der SDAJ-Bundesvorstand die Wehrdienstverl\u00e4ngerung auf 18 Monate als Teil des \"gr\u00f6\u00dften Aufr\u00fcstungsprogramms\" in der Geschichte der Bundeswehr. Die SDAJ werde die Veranstaltungen zum \"sogenannten drei\u00dfigj\u00e4hrigen Jubil\u00e4um\" der Bundeswehr zum Anla\u00df nehmen, ihren Protest gegen die \"Militarisierungspl\u00e4ne\" zum Ausdruck zu bringen. Im Zusammenhang mit den \"antifaschistischen\" Aktionen zum 8. Mai und der Demonstration gegen das Treffen des \"Kameradschaftsverbandes der Soldaten des 1. Panzer-Korps der ehemaligen Waffen-SS im Verband deutscher Soldaten\" in Nesselwang (11. Mai) rief die SDAJ ihre Anh\u00e4nger in Bayern zu verst\u00e4rkten Aktivit\u00e4ten auf. Mit zahlreichen Flugblattund Plakataktionen warb die SDAJ f\u00fcr eine Teilnahme an diesen Veranstaltungen. An der \"antifaschistischen\" Demonstration am 4. Mai in Frankfurt a.M. beteiligten sich rund 200 SDAJ-Angeh\u00f6rige und -Anh\u00e4nger aus Bayern, die mit vier Bussen von N\u00fcrnberg aus anreisten. Die SDAJ betont die Bedeutung \"demokratischer Soldaten\" im Klassenkampf. Sie k\u00f6nnten \"im Verlaufe demokratischer und antimonopolistischer Ver\u00e4nderungen\" daf\u00fcr sorgen, da\u00df das Milit\u00e4r \"in den Kasernen bleibt\"; so sei eine \"sozialistische Umw\u00e4lzung ohne B\u00fcrgerkrieg und Blutvergie\u00dfen m\u00f6glich\". In ihrem \"antimilitaristischen Kampf\" unterst\u00fctzte die SDAJ auch 1985 die von ihr beeinflu\u00dften Arbeitskreise Demokratischer Soldaten (ADS). So marschierten bei einer Friedensdemonstration in M\u00fcnchen im Rahmen der \"Osterm\u00e4rsche\" Soldaten in Uniform mit, die als DKP/SDAJ-Angeh\u00f6rige bekannt sind. Bei einem Treffen der SDAJ Landshut im M\u00e4rz 1985, bei dem die Teilnehmer u.a. das Thema \"Wehrdienstverl\u00e4ngerung\" behandelten, wurde die M\u00fcnchner Zeitung \"Neue Lage\" des ADS M\u00fcnchen verteilt. Der ADS Amberg ist Herausgeber der Zeitung \"Bundeswehr konkret\", f\u00fcr die zwei SDAJ-Angeh\u00f6rige verantwortlich zeichnen. Der erstmals bekanntgewordene ADS Franken/Oberpfalz lud mit einem Flugblatt zu einem Treffen im M\u00e4rz 1985 nach N\u00fcrnberg ein. Die Gesamtzahl der Anh\u00e4nger des ADS in Bayern ist r\u00fcckl\u00e4ufig; sie d\u00fcrfte 30 Personen nicht \u00fcbersteigen. 2.3.2 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) Der MSB Spartakus, der st\u00e4rkste orthodox-kommunistische Studentenverband in der Bundesrepublik Deutschland, wurde im Oktober 1971 gegr\u00fcndet. Er bekennt sich zum Marxismus-Leninismus, k\u00e4mpft zusammen mit der DKP und der SDAJ f\u00fcr die \"sozialistische Revolution\" und propagiert den \"realen Sozialismus\" der DDR als grunds\u00e4tzliche Alternative zum \"kapitalistischen System\". Bundesweit verf\u00fcgt der MSB Spartakus nach eigenen Angaben \u00fcber mehr als 6.500 Mitglieder. An den bayerischen Hochschulen in Augsburg, Bamberg, Coburg, Erlangen-N\u00fcrnberg, Landshut, M\u00fcnchen, Regensburg und W\u00fcrzburg bestehen Gruppen mit insgesamt rund 250 Mitgliedern. Am 576. Oktober wurde Thomas Harms zum Vorsitzenden des MSB Spartakus gew\u00e4hlt. Organ des MSB Spartakus sind die \"roten bl\u00e4tter\", die in einer monatlichen Auflage von 15.000 Exemplaren erscheinen. 55","Der MSB Spartakus setzte auch 1985 seine bisherige B\u00fcndnispolitik im Hochschulbereich fort, um die Studentenbewegung zu einer \"antimonopolistischen Kraft\" gegen die \"Herrschenden\" zu entwickeln. Dies will er durch seine nach au\u00dfen demonstrierte \"gesellschaftliche Orientierung\" erreichen, indem er versucht, mit gewerkschaftlichen Kampfmitteln wie \"Urabstimmung\" und \"Streiks\" seine Forderungen durchzusetzen. Der MSB Spartakus sieht in der \"Politik der Aktionseinheit\" seine zentrale Aufgabe. In einer gemeinsamen Erkl\u00e4rung mit seinem st\u00e4ndigen B\u00fcndnispartner, dem Sozialistischen Hochschulbund (SHB) zum \"40. Jahrestag der Befreiung vom Hitlerfaschismus\" bekr\u00e4ftigte er seine Absicht, an den Hochschulen f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung, gegen \"Antikommunismus\" und \"Neofaschismus\", gegen \"Kriegshetze\" und \"Revanchismus\" sowie \"f\u00fcr breite demokratische B\u00fcndnisse und Aktionen\" zu k\u00e4mpfen. Dabei habe die \"Aktionseinheit\" zwischen SHB und MSB Spartakus \"beispielgebende Bedeutung\"; sie sei das \"strategische Zentrum studentischer Aktionseinheitspolitik\", die auch f\u00fcr andere gesellschaftliche Bereiche beispielhaft sei. Die \"Aktionseinheit\" von Sozialdemokraten und Kommunisten sei \"generelle strategische Orientierung f\u00fcr den Kampf um den Fortschritt\". Am 9./10. Februar fand in Marburg die \"Theoretische Konferenz\" des MSB Spartakus statt, an der das Institut f\u00fcr Marxistische Studien und Forschungen (IMSF) mit \"einer ganzen Mannschaft von Referenten\" teilnahm und \"wesentlich zum Gelingen der Konferenz\" beitrug. Der Sekret\u00e4r des MSB-Bundesvorstandes bezeichnete in seinem Referat die \"Intelligenz\" als den \"bedeutendsten B\u00fcndnispartner der Arbeiterklasse\". Die \"gewerkschaftlich orientierte Politik\" des MSB Spartakus m\u00fcsse daher im ideologischen Kampf mit anderen Str\u00f6mungen in der Studentenbewegung immer wieder durchgesetzt werden. Bei der 9. Bundeskonferenz des MSB Spartakus am 5./6. Oktober in Bochum wurde neben dem Kampf gegen die Novellierung des Hochschulrahmengesetzes (HRG) als Hauptthema die \"Mobilisierung der Studenten zum Kampf gegen SDI\" behandelt. Dies fand auch im offiziellen Organ der SED \"Neues Deutschland\" unter dem Titel \"MSB Spartakus ruft zum Kampf gegen SDI auf\" Beachtung. Der MSB Spartakus hatte auch 1985 zahlreiche Kontakte zu kommunistischen Jugendund Studentenorganisationen. Mehrfach reisten Delegationen des MSB Spartakus -- z.T. unter F\u00fchrung von Bundesvorstandsmitgliedern -- zu offiziellen Treffen mit der FDJ in die DDR. Auch zu den 12. Weltfestspielen der Jugend und Studenten vom 27. Juli bis 3. August 1985 in Moskau wurde eine Delegation entsandt. Der MSB Spartakus entfaltete 1985 seine Aktivit\u00e4ten haupts\u00e4chlich im Bildungsbereich (vgl. im einzelnen 5. Abschnitt Nr. 2.2). 2.3.3 Junge Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP) Die JP wurden 1974 auf Initiative der DKP nach dem Vorbild der Staatsjugendorganisationen der sozialistischen L\u00e4nder gegr\u00fcndet. Sie erfassen Kinder von 6 bis 14 Jahren. Nach ihrer Satzung k\u00e4mpfen die JP f\u00fcr den Sozialismus und 56","betrachten sich als Teil der weltweiten kommunistischen Pionierbewegung. Sie dienen der DKP und der SDAJ als Basis f\u00fcr die Mitgliedergewinnung. Die DKP, die SDAJ und der MSB Spartakus unterst\u00fctzen die JP in der Erwartung, da\u00df sie die Kinder kommunistisch erziehen. Die JP gliedern sich nach ihrer Satzung in Gruppen, Kreisund Landesverb\u00e4nde. In Bayern bestehen in Anlehnung an die Organisation der DKP die Landesverb\u00e4nde Franken/Oberpfalz und S\u00fcdbayern. Die Zahl der Mitglieder der JP betrug 1985 bundesweit rund 4.000. Nach Angaben der kommunistischen Presse bestanden zu Beginn des Jahres 1985 im Bundesgebiet 372 JP-Gruppen. Um diese Zahl zu erh\u00f6hen, f\u00fchrten die JP unter dem Motto \"alpha 13.85\" eine Mitgliederwerbung durch, die jedoch nicht den erhofften Erfolg brachte. Die Mitgliederzahl der JP in Bayern ist mit rund 500 gegen\u00fcber dem Vorjahr gleichgeblieben. F\u00fchrungspositionen werden durchwegs von Jugendlichen und Erwachsenen eingenommen, die der SDAJ bzw. der DKP angeh\u00f6ren. Der Bundesvorstand der JP ver\u00f6ffentlicht die Kinderzeitung \"Pionier\" und die \"Pionierleiterinformation\". Am 2. und 3. M\u00e4rz fand in Dortmund-Scharnhorst die 5. JP-Bundeskonferenz statt. Etwa 480 Delegierte und Gastdelegierte vertraten die rund 4.000 JP-Mitglieder. Zu den G\u00e4sten z\u00e4hlten der DKP-Parteivorsitzende Mies, die Bundesvorsitzende der SDAJ Birgit Radow, Vertreter von 15 anderen Kinderbzw. Jugendorganisationen u.a. aus der UdSSR und aus der DDR, Vertreter der internationalen Kinderorganisation CIMEA -- einer Zweigorganisation des sowjetisch gesteuerten Weltbundes der Demokratischen Jugend (WBDJ) -- und Abgesandte von Botschaften sozialistischer L\u00e4nder. In seiner Gru\u00dfansprache bezeichnete Herbert Mies die JP als \"Teil der revolution\u00e4ren Arbeiterbewegung\". Birgit Radow unterstrich die enge Zusammenarbeit von SDAJ und JP und sprach von der Notwendigkeit zum \"Widerstand gegen die geistig-moralische Wende, gegen die Rechtswende in unserem Land\". Die JP bekannten sich zum Sozialismus sowjetischer Pr\u00e4gung und nannten ihre Verbundenheit mit der DKP \"fest und unersch\u00fctterlich\"; ohne sie sei ihre eigene \"erfolgreiche und stabile Entwicklung\" nicht m\u00f6glich. Sie forderten, die Kinder nicht den \"Kinderfeinden\" zu \u00fcberlassen; der \"reaktion\u00e4ren Erziehungskonzeption der Rechten\" m\u00fc\u00dften \"sozialistische Erziehungsziele\" entgegengesetzt werden. Die Bundeskonferenz fa\u00dfte u.a. Beschl\u00fcsse zur \"Einbeziehung der Kinder in den Friedenskampf\", zur \"Solidarit\u00e4t mit Nicaragua\" und zur Weiterentwicklung der \"antifaschistischen Erziehungsarbeit\". Die Delegierten w\u00e4hlten 49 Personen in die neue Bundesleitung. Diesem F\u00fchrungsgremium geh\u00f6ren auch 5 JPFunktion\u00e4re aus Bayern an. Neuer Bundesvorsitzender wurde Gerd Hertel, stellvertretende Bundesvorsitzende blieb Edeltraud Sch\u00f6nfeld. Beide sind Mitglieder des SDAJ-Bundesvorstandes. Auch die \u00fcbrigen 5 Mitglieder des Bundessekretariats sind orthodoxe Kommunisten. Am 13. Januar fand in M\u00fcnchen die Landeskonferenz der JP S\u00fcdbayern statt, an der insgesamt 50 Personen teilnahmen. Die Delegierten w\u00e4hlten eine neue Landesleitung S\u00fcdbayern und Teilnehmer f\u00fcr die JP-Bundeskonferenz in Dortmund. Der JP-Landesverband Franken/Oberpfalz f\u00fchrte seine Landeskonferenz am 26. Januar in N\u00fcrnberg durch. 57","Vom 24. bis 27. Mai veranstalteten die JP und die SDAJ ihre traditionellen Pfingstcamps, an denen sich nach Angaben der UZ im Bundesgebiet \"Tausende\" von Jugendlichen und Kindern beteiligten. Zu den JP-Camps sollen 4.000 Kinder und Pionierleiter gekommen sein. Zu einem Meinungsaustausch mit Sekret\u00e4ren des FDJ-Zentralrates reiste eine Delegation der JP unter Leitung ihres Bundesvorsitzenden Gerd Hertel am 15. Juli nach Berlin (Ost). Hertel berichtete vom \"Kampf seiner Organisation f\u00fcr die Sicherung des Friedens und zur Verteidigung der sozialen und politischen Rechte der Kinder\". An den diesj\u00e4hrigen Kinderferienreisen in das \"Kinderland DDR\" vom 11. bis 26. August, die von der DKP und der JP organisiert wurden, beteiligten sich aus Bayern rund 200 Kinder mit 30 Begleitpersonen. Die Ferienaktion sei, so wurde erkl\u00e4rt, ein \"hochpolitischer Beitrag zur St\u00e4rkung unserer Partei\"; es gehe dabei auch um die Eltern, \"die wir im weiteren Verlauf f\u00fcr die DKP-W\u00e4hlerinitiative gewinnen wollen\". Auf einem Seminar zur Vorbereitung der Kinderferien erkl\u00e4rte die stellvertretende JP-Vorsitzende, \"sch\u00f6ne Ferien in der DDR\" bedeuteten nicht, die Kinder im \"b\u00fcrgerlichen Sinne\" zu betreuen. Den Kindern solle vielmehr verdeutlicht werden, da\u00df die \"Bosse\", die auch heute noch in der Bundesrepublik Deutschland die Macht aus\u00fcbten, an \"Faschismus und Krieg\" schuld seien. Aus Anla\u00df des \"Internationalen Kindertages\" am I.Juni hatte Gerd Hertel an alle \"demokratischen und friedliebenden Kr\u00e4fte\" appelliert: \"La\u00dft uns Hand in Hand mit den Kindern f\u00fcr eine bessere Zukunft der Kinder, gegen den Krieg der Sterne, f\u00fcr internationale Freundschaft und Solidarit\u00e4t eintreten\". Die JP hatten bis zum I.Juni 1985 \u00fcber 3.000 Unterschriften \"gegen den Krieg der Sterne\" gesammelt. Die Bundesjugendzeitung der JP hatte bereits zuvor zu einer \"Kampagne gegen die US-Pl\u00e4ne zur Militarisierung des Weltraums\" aufgerufen. Sie verlangte von der Bundesregierung, sich nicht an den \"US-Weltraumr\u00fcstungspl\u00e4nen\" zu beteiligen. Aus Anla\u00df des \"UNO-Tages f\u00fcr die Rechte der Kinder\" hatten die JP den September zu einem Werbeund Aktionsmonat, kurz \"Pionier WAM '85\" erkl\u00e4rt. Im Mittelpunkt der Aktion stand die Kampagne \"Keinen Krieg der Sterne -- den Frieden haben wir gerne\". Mit Schlagworten wie \"Jedes Kind braucht unser rotes Tuch und unser Mitgliedsbuch\" versuchten die JP, neue Mitglieder zu gewinnen. Nach Ansicht des JP-Bundesvorsitzenden Hertel sei der wichtigste Beitrag der \"Pioniere\" f\u00fcr die Erhaltung des Friedens und der Rechte der Kjnder die Gr\u00fcndung neuer Pioniergruppen, um \"massenhaft neue Kinder zu organisieren\". 2.4 Von der DKP beeinflu\u00dfte Organisationen 2.4.1 Allgemeines Die DKP ist realistisch genug zu erkennen, da\u00df sie mit einer unverhohlenen Propagierung ihrer verfassungsfeindlichen Ziele bei der Bev\u00f6lkerung keine nennenswerte Resonanz findet. Deshalb wirkt sie, oft mit Unterst\u00fctzung ihrer Nebenorganisationen, darauf hin, da\u00df Organisationen, \"Initiativen\" oder \"Komi58","tees\" gegr\u00fcndet werden, die nicht Teil der Partei oder ihrer Nebenorganisationen sind, aber gleichwohl dazu dienen, kommunistische Zielsetzungen zu f\u00f6rdern. Au\u00dferdem bem\u00fcht sich die DKP nach den Grunds\u00e4tzen ihrer B\u00fcndnispolitik, bei zahlreichen nicht-kommunistischen Organisationen Einflu\u00df zu gewinnen, zu erhalten oder ihn zu verst\u00e4rken. Der Einflu\u00df der DKP bzw. ihrer Nebenorganisationen auf solche \"beeinflu\u00dfte Organisationen\" zeigt sich u.a. darin, da\u00df diese Organisationen eng mit der DKP oder ihren Nebenorganisationen zusammenarbeiten, da\u00df sie in ihren F\u00fchrungsgremien wichtige Positionen mit Kommunisten besetzen, da\u00df sie von der DKP oder ihren Nebenorganisationen materiell unterst\u00fctzt werden oder da\u00df unter ihren Mitgliedern zahlreiche Kommunisten sind. Diese beeinflu\u00dften Organisationen propagieren vielfach Forderungen, die f\u00fcr sich gesehen nicht verfassungsfeindlich sind, aber in Teilbereichen mit Zielsetzungen der orthodoxen Kommunisten \u00fcbereinstimmen. Damit leisten sie den Bestrebungen der DKP Vorschub, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beseitigen, denn dieser zentralen verfassungsfeindlichen Zielsetzung dienen alle Aktivit\u00e4ten der DKP, auch die vermeintlich unverf\u00e4nglichen. Bei den beeinflu\u00dften Organisationen liegen h\u00e4ufig mehrere, gelegentlich auch alle genannten Merkmale vor. Je st\u00e4rker der kommunistische Einflu\u00df ist, desto geringer sind die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die nicht-extremistischen Mitglieder solcher Organisationen, Einflu\u00df auf die interne Willensbildung, die politischen \u00c4u\u00dferungen und die Aktivit\u00e4ten der Organisation, insbesondere die Beteiligung an Volksfrontaktionen, zu nehmen. Zu den wichtigsten DKP-beeinflu\u00dften Organisationen, bei denen wesentliche Entscheidungen gegen den Willen der DKP oder ihrer Nebenorganisationen kaum oder nicht m\u00f6glich sind, geh\u00f6ren: -- die Deutsche Friedens-Union (DFU), -- die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (WN-BdA), -- das Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ), -- die Vereinigung Demokratischer Juristen (VDJ), -- die Demokratische Fraueninitiative (DFI). Bei anderen beeinflu\u00dften Organisationen hingegen besteht trotz des DKP-Einflusses Raum f\u00fcr politisches Eigenleben; die kommunistische Beeinflussung ist hier f\u00fcr das einfache Mitglied und f\u00fcr Au\u00dfenstehende nicht immer leicht erkennbar. Hierzu z\u00e4hlen auch einige \"Friedensinitiativen\", die in unterschiedlichem Ausma\u00df von der Orthodoxen Linken, aber auch von Gruppierungen der Neuen Linken beeinflu\u00dft werden. Bei den meisten \"Friedensinitiativen\" ist jedoch eine extremistische Beeinflussung nicht feststellbar. In diesem Zusammenhang sind auch die Initiativen gegen die \"Berufsverbote\" zu erw\u00e4hnen. Die Koordination der Aktivit\u00e4ten der Komitees und Initiativen \"gegen die Berufsverbote\", die sich gegen die Pr\u00fcfung der Verfassungstreue von Bewerbern und Angeh\u00f6rigen des \u00f6ffentlichen Dienstes wenden, liegt \u00fcberwiegend beim DKPbeeinflu\u00dften \"Arbeitsausschu\u00df\" der \u00fcberregionalen Initiative \"Weg mit den Berufsverboten\" in Hamburg. Im Zusammenhang mit mehreren Verfahren zur \u00dcberpr\u00fcfung der Verfassungstreue von Bewerbern f\u00fcr 59","den \u00f6ffentlichen Dienst wurden die Aktivit\u00e4ten des orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften N\u00fcrnberger \"B\u00fcrgerkomitees Verteidigung der Grundrechte -- Aufhebung der Berufsverbote\" und der ebenfalls orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften \"M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative gegen Berufsverbote\" neu belebt. Die B\u00fcrgerinitiativen wandten sich mit Protestschreiben, Flugbl\u00e4ttern und Informationsveranstaltungen, die gegen die \"Berufsverbotepraxis\" in Bayern gerichtet waren, an die \u00d6ffentlichkeit. Zu den DKP-beeinflu\u00dften Organisationen geh\u00f6ren auch sogenannte \"Freundschaftsgesellschaften\", die beim Kampf der DKP gegen \"Imperialismus und Neokolonialismus\" eine initiierende und koordinierende Rolle spielen. In Bayern traten die \"Freundschaftsgesellschaft Bundesrepublik Deutschland -- Kuba e.V.\" (FG BRD-Kuba e.V.) und die \"Gesellschaft f\u00fcr die Freundschaft zwischen den V\u00f6lkern in der Bundesrepublik Deutschland und der Sozialistischen Republik Vietnam e.V.\" (FG BRD-Vietnam e.V.) mit Veranstaltungen aktiv in Erscheinung. Die FG BRD-Vietnam e.V. veranstaltete am 16. Mai in M\u00fcnchen anl\u00e4\u00dflich des 95. Geburtstages von Ho Chi Minh einen \"Bunten Nachmittag f\u00fcr Onkel Ho\". Rund 150 Vietnamesen demonstrierten gegen diese Veranstaltung. Als einige Demonstranten versuchten, in den Veranstaltungsraum einzudringen, kam es zu t\u00e4tlichen Auseinandersetzungen mit Mitgliedern der Freundschaftsgesellschaft. Die orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Organisationen beteiligten sich auch 1985 aktiv an den Kampagnen und Aktionen der DKP. Der Schwerpunkt der Aktivit\u00e4ten lag 1985 zun\u00e4chst bei der Vorbereitung und Durchf\u00fchrung des seit Mitte 1984 propagierten \"40. Jahrestags der Befreiung von Faschismus und Krieg\" am 8. Mai 1985 und konzentrierte sich in der Folgezeit immer mehr auf Kampagnen gegen das US-Programm der \"Strategischen Verteidigungsinitiative\" (SDI), das auch im \"Friedensherbst\" 1985 ein Hauptangriffspunkt war. 2.4.2 Deutsche Friedens-Union (DFU) Die DFU wurde 1960 auf kommunistisches Betreiben als \"Volksfrontpartei\" gegr\u00fcndet und ist Mitglied des sowjetisch gelenkten Weltfriedensrates (WFR). Sie wei\u00df sich dem \"antifaschistischen und antimonopolistischen Auftrag des Grundgesetzes und der meisten L\u00e4nderverfassungen verpflichtet\" und wendet sich insbesondere gegen \"Antikommunismus\". Die DFU fordert, \"Schlu\u00df zu machen mit dem Abbau demokratischer und sozialer Rechte sowie mit der Militarisierung aller gesellschaftlichen Bereiche\". Sie vertritt die Auffassung, da\u00df die Erreichung der Ziele der \"Friedensbewegung und anderer demokratischer und sozialer Bewegungen nur im B\u00fcndnis mit der Arbeiterbewegung, mit ihren Gewerkschaften und Parteien m\u00f6glich ist\". Verfassungskonforme Forderungen, die auch von demokratischen Kr\u00e4ften vertreten werden, wie etwa das Eintreten f\u00fcr \"friedliche Koexistenz, Entspannung und Abr\u00fcstung, sozialen und demokratischen Fortschritt\", werden entsprechend der Strategie orthodoxkommunistisch beeinflu\u00dfter Organisationen in verschleierter Form mit Zielsetzungen der orthodoxen Kommunisten verbunden. Die politische Bet\u00e4tigung der DFU dient in erheblichem Umfang der F\u00f6rderung kommunistischer Vorstellungen. Seit der \u00c4nderung des Organisationsstatuts am 31. Mai 1984 in Es60","sen versteht sich die DFU nicht mehr als Partei, sondern als \"politische Vereinigung\". Auf Bundesebene wird die DFU vom Bundesvorstand geleitet, dessen Vorsitz ein Direktorium innehat, in das beim 11. Ordentlichen Unionstag am 207 21. April 1985 in Bremen nur noch sechs der bisher sieben Mitglieder gew\u00e4hlt wurden. Zwischenzeitlich ist ein Direktoriumsmitglied verstorben; ein weiteres Mitglied ist aus dem Gremium ausgeschieden. Von den nunmehr noch vier Direktoriumsund 58 Bundesvorstandsmitgliedern geh\u00f6rten zahlreiche Personen der 1956 verbotenen KPD an oder sind Mitglieder einer kommunistisch beeinflu\u00dften Organisation. Die DFU verf\u00fcgt \u00fcber neun Landesverb\u00e4nde, die weiter untergliedert sind. Einer davon besteht in Bayern. In Bayern bestanden 1985 au\u00dferdem Bezirksverb\u00e4nde in Augsburg, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, Regensburg und W\u00fcrzburg, die jedoch unterschiedlich aktiv waren. Die Zahl der Mitglieder in Bayern sank auf weniger als 400 (Bund: rund 1.000). Bei der im M\u00e4rz 1985 durchgef\u00fchrten Landesmitgliederversammlung wurde Gerhard Bitterwolf als Vorsitzender des Landesverbands Bayern wiedergew\u00e4hlt. Als Sprachrohr sowohl der DFU als auch der WN-BdA dient die w\u00f6chentlich erscheinende \"Deutsche Volkszeitung/die tat -- Wochenzeitung f\u00fcr Demokratie und Frieden\", deren Chefredakteur der langj\u00e4hrige Chefredakteur des Organs des MSB Spartakus \"rote bl\u00e4tter\" ist. Die DFU gibt in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden den \"Pressedienst\" heraus, in dem vom Direktorium bzw. von Direktoriumsmitgliedern zu aktuellen Problemen Stellung genommen wird. Weiterhin sind 1985 zwei Brosch\u00fcren mit den Titeln \"40 Jahre nach der Niederlage des deutschen Faschismus und der Befreiung Europas -- Die politischen Grundlagen f\u00fcr einen dauerhaften Frieden auf dem alten Kontinent\" und \"10 Thesen zur Weltraumr\u00fcstung\" erschienen. Von der \"Kommission Abr\u00fcstung und Sicherheit\" der DFU wird das monatlich erscheinende \"Abr\u00fcstungsinfo\" herausgegeben. Unter dem Motto \"Nach 40 Jahren: Nie wieder Krieg! Unsere Zukunft: Abr\u00fcstung, Friedliche Koexistenz und Demokratie\" f\u00fchrte die DFU am 20./21. April in Bremen ihren 11. Ordentlichen Unionstag durch. Der Bundesvorstand hob in seinem Rechenschaftsbericht hervor, die Organisation sei vor allem bestrebt, \"Massenbewegungen voranzutreiben\" und die \"richtigen Erkenntnisse \u00fcber Krieg und Krisenursachen\" zu vermitteln. Sie arbeite unver\u00e4ndert \"aktiv\" in fast allen regionalen \"Friedensb\u00fcndnissen\" und \"Komitees gegen Berufsverbote\" mit. Die Beziehungen zur \"demokratischen Friedensbewegung\" im westlichen Ausland und die Kontakte zu \"Vertretern der sozialistischen Staaten\" seien fortgef\u00fchrt worden. Die DFU habe \"zahlreiche Studiendelegationen in die DDR\" entsandt. Die Delegierten verabschiedeten neue \"Politische Leits\u00e4tze der DFU\", die ein Eintreten f\u00fcr eine \"antifaschistische, antimilitaristische und antimonopolistische Demokratie\" fordern. Zur Begr\u00fcndung der \"Leits\u00e4tze\" erkl\u00e4rte ein DFU-Direktoriumsmitglied, das Demokratieverst\u00e4ndnis der DFU kollidiere mit jener \"Perversion von Demokratie\", zu der die \"Bonner Rechtskoalition\" die Weichen stelle. Die DFU trat auch 1985 kaum mit eigenen Veranstaltungen in Erscheinung. Ihr Arbeitsschwerpunkt lag wiederum im B\u00fcndnisbereich. Besonders ausgepr\u00e4gt 61","war die Mitwirkung bei der Organisation der von der \"Friedensbewegung veranstalteten \"Osterm\u00e4rsche\". Die Kontaktadressen f\u00fcr die Ostermarschvorbereitung waren in vielen Bundesl\u00e4ndern identisch mit den Anschriften der jeweiligen DFULandesgesch\u00e4ftsstelle. Auch in Bayern beteiligte sich die DFL) an den Vorbereitungen der \"Osterm\u00e4rsche\"; im M\u00fcnchner Raum arbeitete sie bei der M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung (BIFA) mit. Flugbl\u00e4tter und Plakate f\u00fcr den \"Ostermarsch\" in M\u00fcnchen konnten \u00fcber das sog. \"Friedensb\u00fcro\" bezogen werden, das sich in den R\u00e4umen der B\u00fcros der BIFA und der DFU befand. In Nordbayern konnten Materialien f\u00fcr den Ostermarsch beim DFU-Landesvorsitzenden Bitterwolf unter der Adresse der DFU-Landesgesch\u00e4ftsstelle Bayern angefordert werden. Au\u00dferdem war Bitterwolf neben einem DKP-Mitglied Hauptverantwortlicher der Abschlu\u00dfkundgebung des \"Ostermarsches\" in N\u00fcrnberg und trat bei der Abschlu\u00dfaktion der \"Informationswoche der Friedensbewegung\" am 16. November in N\u00fcrnberg als stellvertretender Versammlungsleiter auf. Weiterhin war die DFU ma\u00dfgeblich an der Arbeit des Personenb\u00fcndnisses Die Friedensliste beteiligt, an deren Gr\u00fcndung im Jahr 1984 sie mitgewirkt hatte. In dem im Juni 1985 neugew\u00e4hlten Bundesvorstand der \"Friedensliste\" befinden sich ein Direktoriumsund vier Bundesvorstandsmitglieder der DFU; auch dem Sprecherkreis geh\u00f6rt nach wie vor ein Bundesvorstandsmitglied der DFU an. Die DFU bet\u00e4tigte sich 1985 nach wie vor im Rahmen der Krefelder Initiative. Auch nach dem Tod des Direktoriumsmitglieds Josef Weber, eines der Initiatoren des 1980 ins Leben gerufenen \"Krefelder Appells\", blieb ihre Bundesgesch\u00e4ftsstelle in K\u00f6ln Kontaktadresse der \"Krefelder Initiative\". Sie unterst\u00fctzte die Unterschriftensammlung f\u00fcr den Aufruf \"Hiroshima mahnt\", den die \"Krefelder Initiative\" auf ihrem 4. Forum im September 1984 zum 40. Jahrestag des ersten Atombombenabwurfs verabschiedet hatte. Das Festival \"Hiroshima mahnt -- Stoppt den R\u00fcstungswahnsinn -- K\u00fcnstler werben f\u00fcr den Frieden\", das die \"Krefelder Initiative\" am 14. und 15. September in Hannover durchf\u00fchrte, wurde im wesentlichen von der DFU organisiert. Parallel dazu fand eine \"Tagung \u00fcber die bewaffnete milit\u00e4rische Nutzung des Weltraums\" statt, an der sich etwa 30 in-und ausl\u00e4ndische \"Experten\" beteiligten. Aus taktischen Gr\u00fcnden traten bei der Podiumsdiskussion orthodoxe Kommunisten nicht als Redner auf. In den acht \"Gespr\u00e4chskreisen\" waren jedoch mehr als die H\u00e4lfte der deutschen \"Experten\" Angeh\u00f6rige der DKP oder der von ihr beeinflu\u00dften Organisationen. Nachdem sich die DFU in den letzten Jahren im wesentlichen darauf konzentriert hatte, die Stationierung von Pershing Il-Raketen und Marschflugk\u00f6rpern zu verhindern bzw. r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen, sieht sie nun in den Kampagnen gegen das amerikanische SDI-Programm ein ideales Thema f\u00fcr ihre B\u00fcndnispolitik. Der Chefredakteur der DVZ/die tat rief in einem Artikel zu einem \"nationalen Kompromi\u00df gegen Weltraumwaffen\" auf. Die \"Linke\" in der Bundesrepublik Deutschland sei bereit, ihre \"gesellschaftspolitischen Zielvorstellungen\" zur\u00fcckzustellen, sie brauche die Zusammenarbeit mit der \"anderen Seite\" nicht zu f\u00fcrchten. Wenn es um den \"Erhalt der Zivilisation\" gehe, sei der \"nationale Kompromi\u00df m\u00f6glich und gefordert\". Diese Vorstellungen decken sich 62","im Ergebnis mit der b\u00fcndnispolitischen Strategie des orthodoxen Kommunismus. 2.4.3 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) Die WN-BdA ist eine orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dfte Organisation, die regelm\u00e4\u00dfig entsprechend den Positionen der DKP beschlie\u00dft und handelt. Sie ist der prosowjetischen Federation Internationale des Resistants (FIR) und dem sowjetisch gelenkten Weltfriedensrat (WFR) angeschlossen. Die W N - BdA geh\u00f6rt zu den gr\u00f6\u00dften DKP-beeinflu\u00dften Gruppierungen und tritt nach eigener Aussage ein f\u00fcr \"Frieden, Abr\u00fcstung und V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung\", f\u00fcr die Verteidigung und Wiederherstellung \"demokratischer\" Rechte, f\u00fcr die Verteidigung sozialer Rechte, f\u00fcr internationale Solidarit\u00e4t, f\u00fcr eine \"antifaschistische\" Erziehung der Jugend zu \"Frieden, Demokratie und V\u00f6lkerfreundschaft\" sowie f\u00fcr die Anerkennung des Widerstandes gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft und die Entsch\u00e4digung aller Opfer des Faschismus. Ferner wendet sie sich gegen jede \"faschistische Aktivit\u00e4t und Propaganda\" und den \"Mi\u00dfbrauch wirtschaftlicher Macht zu politischen Zwecken\". F\u00fcr den erfolgreichen Kampf f\u00fcr \"Frieden\", gegen \"Faschismus\" und \"Militarismus\" k\u00f6nnten und m\u00fc\u00dften sich \"Sozialdemokraten, Kommunisten, Christen und Anh\u00e4nger anderer Religionen, Liberale, Gr\u00fcne und Parteilose zusammenfinden\". Durch eine breit angelegte Werbekampagne, die am 8. Mai 1985 zu Ende ging, konnte die WN-BdA die Zahl ihrer Mitglieder bundesweit auf rund 13.500 (1984: 13.000) erh\u00f6hen. Im Landesverband Bayern stieg die Zahl der Mitglieder von 1.100 auf 1.200. Die mitgliederst\u00e4rksten der insgesamt 19 Kreisverb\u00e4nde sind M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. 1985 wurden die Kreisverb\u00e4nde Freising und Ingolstadt neu gegr\u00fcndet. Der \u00fcberwiegende Teil der Mitglieder verhielt sich passiv. Pr\u00e4sident der WN-BdA ist Dr. Joseph C. Rossaint, Tr\u00e4ger der vom Pr\u00e4sidium des Obersten Sowjets der UdSSR verliehenen Leninmedaille, Tr\u00e4ger der Friedensmedaille des WFR und B\u00fcromitglied des DKPbeeinflu\u00dften KFAZ. Generalsekret\u00e4r ist das DKP-Parteivorstandsmitglied Kurt Erlebach. Vorsitzender des Landesverbandes Bayern der WN-BdA ist der DKP-Funktion\u00e4r Oskar Neumann, Landessekret\u00e4rin das Vorstandsmitglied der DKP-Bezirksorgaanisation S\u00fcdbayern und Mitglied des Sprecherkreises der M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung (BIFA) Marion Lehmicke. Auch nach dem Bundeskongre\u00df im Mai 1983 blieb der dominierende Einflu\u00df der DKP im F\u00fchrungsgremium der WN-BdA gewahrt; in der Mehrzahl sind die 86 Mitglieder des Pr\u00e4sidiums Kommunisten. Sprachrohr der WN-BdA ist die Wochenzeitung \"Deutsche Volkszeitung/die tat -- Wochenzeitung f\u00fcr Demokratie und Frieden\", die gleichzeitig Sprachrohr der DFU ist. Seit April 1985 erscheint zusammen mit ihr jeweils zum Quartalsende die \"Illustrierte Volkszeitung\". Die erste Ausgabe war dem Thema \"8. Mai 1945 - 8. Mai 1985\" gewidmet. Das Pr\u00e4sidium der WN-BdA gibt au\u00dferdem die monatlich erscheinende Mitgliederzeitschrift \"antifaschistische rundschau\" heraus, erg\u00e4nzend hierzu den \"antifaschistischen jugenddienst\" und die unregelm\u00e4\u00dfig erscheinende Schriftenreihe \"AID\" (Argumentation, Informa63","antifaschistische rundschau Nr. 4 / April 1985 Mitgliederzeitschrift der W N - Bund der Antifaschisten tion, Dokumentation). Das gelegentlich vom Landesverband Bayern herausgegebene Heft \"Antifaschistische Nachrichten\" und regionale Informationsbl\u00e4tter vervollst\u00e4ndigen die Reihe der Publikationen. Die WN-BdA legte 1985 den Schwerpunkt ihrer Aktivit\u00e4ten auf die \"antifaschistische Friedensarbeit\". Im internen \"Arbeitsplan des Pr\u00e4sidiums der VVN -- Bund der Antifaschisten vom I.Juli 1984 bis 8. Mai 1985\" wurde dabei vor allem dem \"Kampf f\u00fcr die Sicherung des Friedens, f\u00fcr Abr\u00fcstung, gegen Atomraketen\", den \"Veranstaltungen zum 8. Mai 1985 -- 40. Jahrestag der Befreiung vom deutschen Faschismus und der Beendigung des Zweiten Weltkriegs\" und dem \"Kampf gegen alte und neue Nazis\" ein besonderer Stellenwert einger\u00e4umt. \"Die Zusammenarbeit aller Antifaschisten f\u00fcr die Sicherung des Friedens, f\u00fcr die Verteidigung sozialer und demokratischer Rechte, gegen Umtriebe alter und neuer Nazis\" sei das \"Gebot der Stunde\". Im \"Friedenskampf\" trat der von der DKP favorisierte Protest gegen die \"Militarisierungspl\u00e4ne des Weltraums\" an die erste Stelle des Aktionsprogramms. Mit dem Aufruf \"NEIN zum Stemenkriegsprojekt 'SDI' -- Die Bundesrepublik darf sich nicht beteiligen!\" und der Aufforderung zur Unterst\u00fctzung der \"Naturwissenschaftler-Initiative: Verantwortung f\u00fcr den Frieden\" wandte sich die W N - BdA an die \u00d6ffentlichkeit. An der Vorbereitung und Durchf\u00fchrung der \"Osterm\u00e4rsche\" der orthodoxkommunistisch beeinflu\u00dften \"Friedensbewegung\" beteiligte sich bundesweit auch die WN-BdA. In Bayern nahm sie als Mitglied des \"Ostermarschvorbereitungskreises\" an Treffen und Konferenzen teil, die f\u00fcr die \"Osterm\u00e4rsche\" in S\u00fcdund Nordbayern die Weichen stellten. Sie trat ferner als Mitveranstalterin der zentralen \"OstermarscIV'-Veranstaltung am 8. April in M\u00fcnchen auf. Als Mitglied des im Bundesgebiet operierenden \"Koordinierungsausschusses der Friedensbewegung\" wirkte die WN-BdA bei der Vorbereitung der bundesweiten \"Informationswoche der Friedensbewegung\" vom 10. bis 16. November 1985 mit, die der \"Koordinierungsausschu\u00df\" bei der Konferenz \"Gro\u00dfer Friedensratschlag\" am 16.IM. Juni beschlossen hatte. Unter dem Slogan \"Informationswoche zu SDI: W N ist dabei!\" beteiligte sie sich an der Durchf\u00fchrung der \"Informationswoche\" und agitierte in eigenen Veranstaltungen vor allem gegen das Konzept der \"Strategischen Verteidigungsinitiative\" der USA. 64","Die Protestaktionen gegen die Jubil\u00e4umsfeiern der Bundeswehr am 12. November boten weitere M\u00f6glichkeiten zur Mitwirkung am \"Friedenskampf\". In Bayern nahm die WN-BdA an den Veranstaltungen zum \"Hiroshima-Tag\" im August 1985 teil. Hauptthemen der Delegiertenkonferenz vom 273. M\u00e4rz, an der auch Angeh\u00f6rige der DKP und der DFG-VK teilnahmen, waren die bereits seit Mitte des Vorjahres geplanten Aktivit\u00e4ten zum \"40. Jahrestag der Befreiung vom Hitler-Faschismus\", die bundesweit unter der Federf\u00fchrung der VVN-BdA stattfanden und in den \"Antifaschistischen Manifestationen\" am 4. Mai in Frankfurt, Hamburg und K\u00f6ln ihren H\u00f6hepunkt hatten. An den Gro\u00dfkundgebungen, f\u00fcr die eine auf Bundesebene gegr\u00fcndete DKP-gesteuerte \"Initiative 40. Jahrestag der Befreiung und des Friedens\" mobilisiert hatte, beteiligten sich rund 26.000 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet. Mit den \"Antifaschistischen Manifestationen\" und den sie begleitenden kleineren Aktionen verfolgte die genannte Initiative das Ziel, die Rolle der Sowjetunion bei der \"Befreiung vom Faschismus\" herauszustellen und die \"Aktionseinheit\" von Kommunisten und Demokraten voranzutreiben. In Bayern begannen die Aktionen zum \"40. Jahrestag der Befreiung und des Friedens\", f\u00fcr die eine gleichnamige bayerische Unterst\u00fctzungsinitiative unter der Leitung von Marion Lehmicke verantwortlich zeichnete, bereits im April 1985 mit einer Gedenkkundgebung im ehemaligen Konzentrationslager Flossenb\u00fcrg, Landkreis Neustadt a.d.Waldnaab. Zur Teilnahme hierzu hatten neben der VVN-BdA auch Mitglieder und Anh\u00e4nger der DKP, der SDAJ, der DFG-VK und des MSB Spartakus aufgerufen. Auf Initiative der VVN-BdA trafen sich am 28. April in Penzberg, Landkreis Weilheim-Schongau, etwa 400 Personen zu einer Gedenkveranstaltung f\u00fcr die Opfer der \"Penzberger Mordnacht\". Unter dem Motto \"Gegen Faschismus und Krieg -- f\u00fcr Abr\u00fcstung und V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung\" f\u00fchrte die \"Initiative 40. Jahrestag der Befreiung\" am 28. April eine \"Friedensstafette\" von M\u00fcnchen \u00fcber Dachau nach Hebertshausen, Landkreis Dachau, durch. Als Veranstalter der \"Friedensstafette\" trat ein aus 21 Organisationen bestehendes Aktionsb\u00fcndnis auf, in dem die DKP, ihre Nebenorganisation SDAJ und mehrere DKP-beeinflu\u00dfte Vereinigungen mitarbeiteten. An der Schlu\u00dfkundgebung auf dem ehemaligen Schie\u00dfgel\u00e4nde in Hebertshausen nahmen etwa 1.000 Personen teil, darunter zahlreiche Mitglieder und Angeh\u00f6rige der DKP, SDAJ und VVN-BdA. Weitere \"antifaschistische\" Gedenkveranstaltungen, Mahnwachen und Diskussionsrunden mit linksextremer Beteiligung zum Thema \"40. Jahrestag der Befreiung und des Friedens\" fanden am 8. Mai in mehreren Orten Bayerns statt. Ankn\u00fcpfend an die Ergebnisse dieser Gedenkfeiern sieht die WN-BdA in der Aufrechterhaltung und Erweiterung der dadurch entstandenen \"vielen Verbindungen\" zu \"demokratischen Organisationen\" ein vorrangiges Ziel f\u00fcr die Zukunft. Am 11. Mai fand in Nesselwang, Landkreis Ostallg\u00e4u, ein Treffen des \"Kameradschaftsverbandes der Soldaten des 1. Panzer-Korps der ehemaligen Waffen-SS im Verband deutscher Soldaten e.V.\" statt, gegen das versammlungsrechtlich nicht eingeschritten werden konnte. U.a. hatte ein Unterst\u00fctzerkreis, dem auch die DKP, die SDAJ und die WN-BdA angeh\u00f6rten, zu einer Protestdemonstration gegen dieses Treffen aufgerufen. Anmelder und Versamm65","lungsleiter der Protestkundgebung war ein Mitglied der WN-BdA. W\u00e4hrend die Auftaktkundgebung zu der Protestdemonstration im Sportstadion stattfand, kam es vor dem Veranstaltungslokal des Kameradschaftstreffens zu gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen durch militante, teilweise vermummte St\u00f6rer. Mit Demonstrationen gegen die \"Reichsgr\u00fcndungsfeier\" der NPD in Landshut am 19. Januar, gegen die NPD-Parteitage am 13. April in Dietramszell, Landkreis Bad T\u00f6lz-Wolfratshausen, und am 28. April in Germaringen, Landkreis Ostallg\u00e4u, sowie der Teilnahme an Protestveranstaltungen gegen die DVU-Versammlungen am 2. Juni in W\u00fcrzburg und am 10. August in Passau f\u00fchrte die VVN-BdA weitere \"antifaschistische Aktionen\" in Bayern durch. Zusammen mit dem \"T\u00fcrkischen Arbeiterverein\" in M\u00fcnchen (M.I.DER) veranstaltete die WN-BdA vom 12. bis 20. Januar in M\u00fcnchen eine \"Woche der Freundschaft -- Gegen Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" mit Ausstellungen, Kinderfesten, Informationsabenden, Mahnwachen und einem \"Internationalen Freundschaftsfest\", an dem u.a. auch die DKP teilnahm. Der Landesvorsitzende der WN-BdA wandte sich in seiner Ansprache gegen die \"zunehmende Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" und verglich die derzeitige Situation in der Bundesrepublik Deutschland mit der w\u00e4hrend des Dritten Reiches. Ebenso wie damals werde heute der \"Ausl\u00e4nderha\u00df\" gesch\u00fcrt. Eine Verbesserung des Klimas zwischen Ausl\u00e4ndern und Deutschen w\u00e4re bereits dann erreichbar, wenn die f\u00fcr die \"Militarisierung der BRD\" ausgegebenen Mittel in Milliardenh\u00f6he f\u00fcr die Beseitigung der Arbeitslosigkeit eingesetzt w\u00fcrden. Diese Argumentationslinie zeigt, da\u00df auch die WN-BdA entsprechend orthodox-kommunistischer Taktik jedes Thema zum Anla\u00df nimmt, einen \"Zusammenhang\" mit ihren Kampagnen herzustellen. Weitere Aktivit\u00e4ten waren den Themen \"Internationale Solidarit\u00e4t\" mit den L\u00e4ndern Mittelamerikas, der T\u00fcrkei und der \"Anti-Apartheid-Bewegung\" in S\u00fcdafrika gewidmet. Seit Dezember 1984 engagiert sich die WN-BdA in Bayern bei dem durch zahlreiche linksextreme Gruppierungen beeinflu\u00dften \"M\u00fcnchner Aktionsforum Mittelamerika\" (MAMA), an dem sich auch DKP, SDAJ, DFG-VK, BIFA, VMF, GIM, VOLKSFRONT, MSB Spartakus, AB und ASKo beteiligten. Das \"Forum\" veranstaltete am 26. Januar in M\u00fcnchen eine Gro\u00dfdemonstration unter dem Motto \"Frieden f\u00fcr Nicaragua\", bei der etwa 1.500 Personen gegen die \"Aggressionspolitik\" der USA protestierten, sowie an der vom 19. bis 27. Juli in M\u00fcnchen veranstalteten \"Aktionswoche f\u00fcr Mittelamerika\", zu der das MAMA auch Referenten aus den betroffenen L\u00e4ndern eingeladen hatte. 2.4.4 Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) Die DFG-VK entstand 1974 durch Fusion der Deutschen Friedensgesellschaft -- Internationale der Kriegsdienstgegner (DFG-ldK) mit dem Verband der Kriegsdienstverweigerer (VK). Die sich als \"antimilitaristischer Kampfverband\" verstehende Organisation k\u00e4mpft f\u00fcr Abr\u00fcstung, \"friedliche Koexistenz\" unterschiedlicher Gesellschaftssysteme, Aufhebung der \"Berufsverbote\" und gegen die \"Militarisierung der Bundesrepublik\". Sie erachtet die Verweigerung jeglichen Kriegsdienstes als eine \"demonstrative, individuelle Handlung gegen 66","DFG-VK und des Jugendclub Courage Schweinfurt - 7. Jahrgang - Nr.l/85 Sprengkammern Von Kanaldeckeln unterscheiden sie sich nur durch ein auff\u00e4lliges Eisenkreuz und einen speziellen Schlie\u00dfmeohanismus in der Mitte. Wenn solche Deckel sich an Br\u00fccken, nat\u00fcrlichen Stra\u00dfenengp\u00e4ssen oder auf an Abh\u00e4ngen gef\u00fchrten Stra\u00dfen befinden, ist davon auszugehen, da\u00df sich darunter Sprengkaramern befinden. In Priedenszeiten sind sie leer. Im Spannungsfall werden sie kurzfristig mit konventionellem, aber zum Teil auch Krieg und Kriegsvorbereitung\". Den Kriegsdienstverweigerern gew\u00e4hrt sie \"Schutz und Hilfe\". Die DFG-VK fordert in ihrem Programm die Aufl\u00f6sung aller Milit\u00e4rpakte. Als \"vertrauensbildende Abr\u00fcstungsvorausleistung\" verlangt sie die \"quantitative und qualitative Verminderung der Kampfst\u00e4rke der Bundeswehr\"; die Bundeswehr habe unter anderem die Aufgabe, innerhalb der Bundesrepublik Deutschland die \"bestehenden Herrschaftsverh\u00e4ltnisse zu stabilisieren\" und erweise sich gleichzeitig als \"gef\u00e4hrlicher N\u00e4hrboden rechtsradikaler und faschistischer Bestrebungen\". Gem\u00e4\u00df ihrem Programm tritt die DFG-VK auch \"dem von allen Bundesregierungen als ideologisches Fundament der R\u00fcstung und als wirksames Instrument zur Verketzerung demokratischer Opposition gesch\u00fcrten Antikommunismus\" entgegen. Die DFG-VK wird auf Bundesebene vom Bundesvorstand geleitet, in dem orthodoxe Kommunisten bzw. Mitglieder orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dfter Organisationen als f\u00fchrende Funktionstr\u00e4ger mitarbeiten. Infolge einer Satzungs\u00e4nderung hat die DFG-VK nur noch einen Bundesvorsitzenden, n\u00e4mlich Gerd Greune. Der bisher gleichberechtigte weitere Bundesvorsitzende Klaus Mannhardt, Mitglied des KFAZ und des prosowjetischen WFR, \u00fcbernahm den Vorsitz eines neu eingerichteten \"Kuratoriums\" und blieb damit Bundesvorstandsmitglied. Die neugeschaffene Funktion eines Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrers wurde einem DKP-Mitglied \u00fcbertragen. Auch f\u00fcr das Referat Abr\u00fcstung ist ein DKP-Mitglied zust\u00e4ndig. Vier Mitglieder des Landesverbandes Bayern der DFG-VK geh\u00f6ren dem Bundesvorstand an. Heinrich H\u00e4berlein, bayerischer Landesvorsitzender der DFG-VK und WN-BdA-Mitglied, wurde zu einem der drei Stellvertreter des Bundesvorsitzenden gew\u00e4hlt. 67","Nach wie vor ist die DFG-VK eine der mitgliederst\u00e4rksten orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Organisation, aber auch die mit dem h\u00f6chsten Anteil an nicht-kommunistischen Mitgliedern. Gleichwohl hat sie seit etwa drei Jahren Mitgliederverluste zu verzeichnen. Waren nach Angaben des Verbandes im M\u00e4rz 1985 noch etwa 18.500 Personen in der DFG-VK organisiert, so berichtigte der Bundesvorstand im November die Zahl der Mitglieder auf rund 13.000. Die Mitgliederzahl des in rund 20 Ortsgruppen gegliederten bayerischen Landesverbandes, des drittgr\u00f6\u00dften im Bundesgebiet, liegt bei etwa 1.900, von denen nur ein geringer Teil aktiv mitarbeitete. Neben den Ortsgruppen bestanden in rund 10 Orten \"Arbeitskreise\", \"Initiativen\" und Beratungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Kriegsdienstverweigerer. Daneben gab es mehrere DFG-VK-Jugendgruppen mit der Bezeichnung \"Jugendclub Courage\" (JCC). Die Gruppen M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg sind mit etwa 700 bzw. 300 Mitgliedern die gr\u00f6\u00dften und aktivsten Ortsgruppen in Bayern. Das Publikationsorgan der DFG-VK \"Zivilcourage -- Das antimilitaristische Magazin\" erschien mit einer Ausnahme alle zwei Monate. Daneben befa\u00dfte sich der vom Bundesvorstand der DFG-VK herausgegebene \"Friedenspolitische Informationsdienst\" mit Themen wie \"R\u00fcstung im Weltall\", \"Zivilschutz\" und der \"Verweigerungskampagne\". Im November 1985 gab die DFG-VK die erste Ausgabe ihrer neuen Jugendzeitschrift \"Panzerknacker\" heraus. Die DFG-VK und die Aktion S\u00fchnezeichen/Friedensdienste (ASF) ver\u00f6ffentlichten im Juni die erste Ausgabe der Vierteljahreszeitschrift \"Kommunale Friedensarbeit\". Die Herausgeber beabsichtigen, mit dieser Zeitschrift ein \"Sprachrohr\" f\u00fcr lokale Aktionen und Veranstaltungen der \"Friedensbewegung\" zu schaffen, das auch verst\u00e4rkt \u00fcber die \"Militarisierung\" vor Ort berichtet. Aktionsschwerpunkte der DFG-VK blieben auch 1985 die Kampagne zur Wehrdienstverweigerung und die Teilnahme am \"Friedenskampf\". Unter dem Motto \"Kriegsdienste verweigern -- Abr\u00fcstung erzwingen -- mehr Pazifisten braucht das Land\" veranstaltete die DFG-VK vom 1. bis 3. M\u00e4rz in Hiltrup den 5. Bundeskongre\u00df. 265 Delegierte, die insgesamt 108 Ortsgruppen vertraten, w\u00e4hlten einen neuen Bundesvorstand und beschlossen \u00c4nderungen der Satzung. Der Parteivorstand der DKP \u00fcbersandte ein Gru\u00dfschreiben und war durch einen Mitarbeiter auf dem Kongre\u00df vertreten; ein DDR-Kamerateam war zu Filmaufnahmen angereist. Diskutiert wurden vor allem finanzielle Schwierigkeiten des Verbandes, resultierend aus dem anhaltenden Mitgliederschwund und dem Einnahmer\u00fcckgang des \"antimilitaristischen Buchbasars\". Gravierende Auseinandersetzungen zwischen den sogenannten \"Radikalen Pazifisten\" und den \u00fcbrigen Delegierten, wie auf dem Bundeskongre\u00df 1982/83, fanden nicht statt. Die \"Radikalen Pazifisten\", die dem Bundesvorstand den \"heimlichen Friedensschlu\u00df mit dem real existierenden Militarismus sowjetischer Machart\" vorwarfen, sahen aufgrund der Verbandspolitik keine M\u00f6glichkeit zu inhaltlicher Auseinandersetzung mehr und hatten bereits auf ihrem letzten Bundestreffen am 23. Februar beschlossen, sich aufzul\u00f6sen. In ihrer Zeitschrift \"intim\" Nr. 1/85 riefen sie dazu auf, massenhaft aus der DFG-VK auszutreten. Mit einer \"Aktion 85/86\" setzte die DFG-VK ihre \"Kampagne zur massenhaften Kriegsdienstverweigerung\" fort. Die vom Herbst 1985 bis zum Sommer 1986 vorgesehene Aktion sollte diesmal ausschlie\u00dflich Jugendliche ansprechen, so 68","da\u00df \"regierungsamtliche Bem\u00fchungen\", \"die Jugend sicherheitspolitisch zu wenden\", verhindert w\u00fcrden. Obwohl sich die DFG-VK ma\u00dfgeblich an der Organisation und Durchf\u00fchrung aller Gro\u00dfveranstaltungen der \"Friedensbewegung\" beteiligte, fand ihre \"Verweigerungsaktion\", wie bereits 1984, seitens der \"Friedensbewegung\" keine Unterst\u00fctzung und blieb deshalb insgesamt weitgehend wirkungslos. Die Delegierten des 5. Bundeskongresses verwiesen die Erarbeitung des k\u00fcnftigen Konzeptes der DFG-VK zur \"politischen Friedenssicherung\" und alle politischen Antr\u00e4ge \"wegen Zeitmangels\" zur Entscheidung an den Bundeshauptausschu\u00df. Im Juni einigte sich der Bundesvorstand auf das k\u00fcnftige \"Arbeitsprogramm\" der DFG-VK mit folgenden f\u00fcnf Schwerpunktforderungen: 1. Stopp der Stationierung von Pershing II und Cruise Missiles und Abbau der schon bestehenden Systeme. 2. Stopp der Weltraumr\u00fcstung. Keinerlei Beteiligung am \"SDI\"-Projekt der USA und keinem anderen Projekt zur milit\u00e4rischen Erforschung und Nutzung des Weltraumes. 3. Stopp dem R\u00fcstungsbeschaffungsprogramm der Bundeswehr. F\u00fcr ein Einfrieren und schrittweisen Abbau des R\u00fcstungsetats. 4. Stopp der inneren Militarisierung (wie z.B. durch das geplante Zivilschutzgesetz). 5. F\u00fcr eine Politik des Gewaltverzichts, der friedlichen Koexistenz und der Sicherheitspartnerschaft. Die DFG-VK geh\u00f6rte auch 1985 dem Bonner \"Koordinierungsausschu\u00df der Friedensbewegung\" an. Sie war ma\u00dfgeblich beteiligt an der Vorbereitung der bundesweiten \"Informationswoche der Friedensbewegung\" vom 10. bis 16. November. Zur \"St\u00e4rkung der bayerischen Friedensbewegung\" gab der Landesverband Bayern der DFG-VK die 3. \u00fcberarbeitete und erg\u00e4nzte Auflage des \"Friedensadre\u00dfbuches Bayern\" heraus. Das Adre\u00dfbuch enth\u00e4lt die Anschriften von 640 \"Friedensinitiativen\" und 130 Beratungsstellen f\u00fcr Kriegsdienstverweigerer. Die Auflage liegt bei rund 1.500 Exemplaren. Ein Agitationsschwerpunkt der bayerischen DFG-VK war 1985 der Kampf gegen ein neues Zivilschutzgesetz. Da Zivilschutz \"Kriegsvorbereitung\" sei, rief die DFG-VK alle \"Friedensinitiativen\" zur Organisation von \"Widerstandsaktionen\" und die Gemeinden und St\u00e4dte zur Verweigerung dieser \"Kriegsvorbereitungen\" auf. Die DFG-VK, Ortsgruppe N\u00fcrnberg, begann im August 1985 mit einer Unterschriftensammlung gegen das geplante Zivilschutzgesetz. Zur Vorbereitung der \"Weltjugendfestspiele\" in Moskau (27. Juli bis 3. August 1985) war der \"Arbeitskreis Festival\" (AKF) u.a. von SDAJ, MSB Spartakus, JP, SHB und der DFG-VK gegr\u00fcndet worden. Sprecher dieses Arbeitskreises war Klaus Mannhardt. Eine Delegation des AKF \u00fcberbrachte der sowjetischen Botschaft in Bonn am 22. Juni mit \"solidarischen Gr\u00fc\u00dfen\" eine \"Freundschaftserkl\u00e4rung\" zum 44. Jahrestag des \"\u00dcberfalls Hitler-Deutschlands auf die Sowjetunion\". Darin bezeichnete es der AKF als vorrangige Aufgabe, w\u00e4hrend der Vorbereitungsphase der 12. \"Weltjugendfestspiele\" gegen \"Antisowjetismus\" vorzugehen, damit der \"verbrecherische Charakter des 69","Krieges gegen die Sowjetunion entlarvt und verstanden\" werde. Im Rahmen der \"Weltjugendfestspiele\" besuchte eine Delegation der DFG-VK den Friedensrat der UdSSR. \"Ohne Ausnahme\" forderten die Gespr\u00e4chsteilnehmer die USA-Regierung auf, sich dem Moratorium der UdSSR zum Stopp von Atomwaffentests anzuschlie\u00dfen sowie alle Pl\u00e4ne f\u00fcr die \"Militarisierung des Weltraums\" aufzugeben. Solidarit\u00e4t bekundete die DFG-VK den Opfern von \"Berufsverboten\". Der neuerliche \"Angriff der staatlichen bayerischen Landesregierung auf das Grundgesetz\" im Fall des DFU-Landesvorsitzenden d\u00fcrfe nach Auffassung des bayerischen Landesausschusses der DFG-VK nicht hingenommen werden. Der Bundesvorstand beauftragte den bayerischen Landesvorstand, Kontakte zum Friedenskomitee der CSSR aufzubauen und zu pflegen. Seit dem Bundeskongre\u00df haben in der CSSR bereits mehrere Zusammenk\u00fcnfte von Vertretern dieses Komitees mit DFG-VK-Vertretern stattgefunden. 2.4.5 Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) Das KFAZ entstand 1974 unter ma\u00dfgeblicher Beteiligung orthodoxkommunistischer Organisationen. Es verf\u00fcgt weder rechtlich noch tats\u00e4chlich \u00fcber eine feste Organisation. Das \"B\u00fcro des KFAZ\", das Leitungsgremium dieser Organisation, ist eine der Schaltzentralen der \"Friedensbewegung\". Ihm geh\u00f6ren f\u00fchrende Funktion\u00e4re der DKP, der DFU und der WN-BdA an. Seit 1982 ist in ihm die Angeh\u00f6rige des DKP-Pr\u00e4sidiums Martha Buschmann t\u00e4tig, die f\u00fcr die \"Friedensarbeit\" der DKP zust\u00e4ndig ist und 1983 zur Vizepr\u00e4sidentin des sowjetisch gelenkten Weltfriedensrates (WFR) gew\u00e4hlt wurde. Insgesamt geh\u00f6ren 9 der 16 Mitglieder des \"B\u00fcros\" dem WFR direkt oder indirekt \u00fcber ihre Organisationen DFU bzw. WN-BdA an. Bundesweit bestehen \u00f6rtliche Komitees und Initiativen des KFAZ, in Bayern in M\u00fcnchen, Regensburg und Weilheim. Von den bayerischen Gruppierungen war die M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung (BIFA) die aktivste. In ihr arbeiten u.a. DKP, SDAJ, MSB Spartakus, SHB, DFU, DFG-VK, WN-BdA und DFI zusammen. Ihrem Sprecherkreis geh\u00f6rte u.a. die DKP-Funktion\u00e4rin Marion Lehmicke an, die auch Landessekret\u00e4rin der WN-BdA in Bayern ist. Die BIFA unterh\u00e4lt ihr B\u00fcro in der DFU-Gesch\u00e4ftsstelle in M\u00fcnchen. Das KFAZ war auch 1985 einer der Tr\u00e4ger der \"Friedensund Abr\u00fcstungskampagne\". Es arbeitete -- wie auch in den Jahren vorher -- im \"Koordinierungsausschu\u00df der Friedensbewegung\" in Bonn mit. Im Jahr 1985 gab das Komitee zwei Zeitungsflugbl\u00e4tter zum Thema \"Weltraumr\u00fcstung\" und f\u00fcnf Ausgaben seiner Informationsschrift \"Rundbrief\" heraus. In diesem \"Rundbrief\" wurden Positionen und Aussagen aus dem Bereich der \"Friedensbewegung\" dargestellt. Das KFAZ Weilheim f\u00fchrte am 9./10. M\u00e4rz in Bad T\u00f6lz ein \"Friedensseminar\" durch. Als Referent trat Oskar Neumann, Mitglied des DKP-Bezirksvorstandes S\u00fcdbayern und Landesvorsitzender der W N - BdA, auf. Die BIFA war zusammen mit den orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Organisationen DFG-VK, M\u00fcnchner Friedensforum und WN-BdA im Veranstalterkreis f\u00fcr den \"M\u00fcnchner Ostermarsch\" im April 1985 und im Aufruferkreis zu VO","den \"M\u00fcnchner Fnedenswochen im November 1985 vertreten. Im August 1985 gab die BIFA die Brosch\u00fcre \"Materialien zur Unterschriftensammlung/ Landeshauptstadt M\u00fcnchen -- Atomwaffenfreie Zone\" heraus, an der auch Mitglieder der DKP und der DFG-VK mitarbeiteten. 2.4.6 Vereinigung Demokratischer Juristen (VDJ) Die auf Initiative der DKP gegr\u00fcndete VDJ versuchte auch 1985, Einflu\u00df auf die Rechtspolitik in der Bundesrepublik Deutschland im Sinne der Ziele der DKP zu nehmen. Die VDJ arbeitet als nationale Sektion der kommunistisch gesteuerten Internationalen Vereinigung Demokratischer Juristen (IVDJ) mit Sitz in Br\u00fcssel. Die VDJ konnte ihre Mitgliederzahl 1985 auf rund 1.000 Mitglieder (1984: 800) erh\u00f6hen, die in 25 zum Teil inaktiven Regionalgruppen organisiert sind. In Bayern existieren Regionalgruppen in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Regensburg, die 1985 nicht aktiv in Erscheinung traten. Das Programm der VDJ setzt Arbeitsschwerpunkte u.a. in der \"Aufarbeitung des Faschismus in Recht und Justiz\", im Kampf gegen \"Berufsverbote und Neofaschismus\", in der Solidarit\u00e4t mit Ausl\u00e4ndern und auch im Kampf f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung. Zum Tag des Grundgesetzes am 23. Mai organisierte die VDJ gemeinsam mit dem SHB, dem Bund demokratischer Wissenschaftler (BdWi) und der Initiative \"Weg mit den Berufsverboten\" eine Veranstaltung in Bonn unter dem Motto \"Grundrechte bewahren -- soziale und politische Rechte erhalten -- Berufsverbote aufheben -- Frieden sichern\". Zusammen mit der prosowjetischen Federation Internationale des Resistants (FIR) und der VVN-BdA sowie demokratischen Organisationen veranstaltete die VDJ am 23724. November einen Internationalen Kongre\u00df \"40 Jahre N\u00fcrnberger Prozesse\", in dem Juristen aus mehreren L\u00e4ndern mit ehemaligen Mitarbeitern des N\u00fcrnberger Gerichtshofes \u00fcber die Auswirkungen der N\u00fcrnberger Kriegsverbrecherprozesse auf das internationale und nationale Recht diskutierten. Die Prozesse seien ein \"Meilenstein in der Rechtsgeschichte der V\u00f6lker\" gewesen; die Konsequenzen daraus seien aber weder in Deutschland noch sonstwo in der Welt gezogen worden. 2.4.7 Demokratische Fraueninitiative (DFI) Die DFI wurde 1975/76 mit Unterst\u00fctzung der DKP gegr\u00fcndet. Sie versucht, die Aktivit\u00e4ten \"fortschrittlicher\" Frauengruppen zu koordinieren und im Sinne der DKP zu lenken. Die DKP h\u00e4lt es f\u00fcr gut, da\u00df sich mit der DFI \"erfolgreich ein Anziehungspunkt und Aktivposten fortschrittlicher Frauenpolitik entwickelt und da\u00df viele Genossinnen hier in einem demokratischen B\u00fcndnis ihren Platz einnehmen\". So arbeiten im \"Zentralen Arbeitskreis\", der die DFI-Arbeit auf Bundesebene beschlie\u00dft, seit Jahren Kommunistinnen und Funktion\u00e4rinnen DKP-beeinflu\u00dfter Vereinigungen ma\u00dfgeblich mit. I.Vorsitzende der DFI ist Mechthild Jansen, ehemalige Vorsitzende des SHB, Mitglied des \"KFAZ-B\u00fcros\" und des WFR. Bundesweit gliedert sich die DFI in rund 130 Ortsgruppen; davon sind 12 zum Teil inaktive Gruppen in Bayern ans\u00e4ssig. Das Publikationsorgan \"Wir Frauen\" 71","erscheint zweimonatlich in einer Auflage von 3.500 Exemplaren, gedruckt bei Plambeck & Co. Druck und Verlag GmbH in Neuss. Eine der verantwortlichen Redakteurinnen ist Funktion\u00e4rin der DKP. Die DFI stellte entsprechend ihrem Arbeitsund Aktionsprogramm auch 1985 die Forderung nach R\u00fccknahme der Stationierung neuer US-Mittelstreckenraketen und den Kampf gegen die Einberufung von Frauen in die Bundeswehr in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Sie gr\u00fcndete und f\u00fchrt die Initiative \"Frauen in die Bundeswehr -- Wir sagen NEIN!\". Mechthild Jansen betonte, wegen der Bedrohung des Friedens durch die \"Kriegsf\u00fchrungsstrategien und -plane der USF\u00fchrung und NATO\" sei zur Ver\u00e4nderung der politischen Verh\u00e4ltnisse in der Bundesrepublik Deutschland \"die Fortf\u00fchrung und Vertiefung eines breiten B\u00fcndnisses ohne Abgrenzungen und Ber\u00fchrungs\u00e4ngste innerhalb der Friedensbewegung\" notwendig. In diesem Sinne versuchte die DFI im Rahmen frauenspezifischer Veranstaltungen, vor allem die \"Frauenbewegung\" in der Bundesrepublik Deutschland zu beeinflussen. Zum 75. \"Internationalen Frauentag\" am 8. M\u00e4rz f\u00fchrten die DFI und die DKP, vielfach auch zusammen mit demokratischen Gruppen, bundesweit mehr als 150 Aktionen durch. Die Hauptforderungen der DFI waren \"Stopp und Zur\u00fccknahme der Stationierung neuer Atomraketen in Europa\" und \"Einfrieren der R\u00fcstungen\". Am 18. Mai folgten etwa 2.500 Frauen, darunter zahlreiche Mitglieder der DKP und der DFI, dem Aufruf einer \"Aktion Muttertag 85\" zu einem \"gro\u00dfen Frauenprotest\" in Bonn. Unter der zentralen Losung \"Wir machen Putz! Nicht Blumen, Rechte fordern wir!\" demonstrierten sie gegen R\u00fcstung und \"Weltraummilitarisierung\". 3. Neue Linke 3.1 \u00dcberblick Die Neue Linke besteht aus linksextremen und linksextrem beeinflu\u00dften Organisationen und Gruppen, die in ihrer Mehrzahl aus der Sozialrevolution\u00e4ren Studentenbewegung der Sechziger Jahre hervorgegangen sind. Ihr Ziel ist die kommunistische Gesellschaft. Sie lehnen jedoch -- anders als die DKP mit ihren Nebenorganisationen -- den Kommunismus sowjetischer Pr\u00e4gung als \"revisionistisch\", \"b\u00fcrokratisch\" und \"sozialimperialistisch\" entartet ab. Von den dogmatischen Organisationen legen die marxistisch-leninistischen Parteien und B\u00fcnde (K-Gruppen), die sich urspr\u00fcnglich in weit st\u00e4rkerem Ma\u00dfe nach der maoistischen Ideologie ausgerichtet oder sich an den Kurs der Partei der Arbeit Albaniens (PAA) angelehnt hatten, neuerdings ihrer Organisationsstruktur sowie ihrem Erkl\u00e4rungsund Handlungskonzept im wesentlichen die Lehre von Marx in ihrer leninistischen Auspr\u00e4gung zugrunde. Einige Gruppierungen orientieren sich an den Lehren Trotzkis. Die Marxistische Gruppe (MG) dagegen entspricht ihrem Aufbau nach einer marxistisch-leninistischen Kaderorganisation, obwohl sie ideologisch wesentliche Positionen des Leninismus ablehnt. Bei den undogmatischen Gruppen reicht das Spektrum von revolution\u00e4r-marxistischen bis zu anarchistischen Einstellungen. Einige Gruppen der Neuen Linken bekennen sich offen zur Anwendung revolution\u00e4rer Gewalt, die den Weg zur Diktatur des Proletariats \u00f6ffnen soll. 72","Die seit l\u00e4ngerer Zeit anhaltende Krise innerhalb gro\u00dfer Teile der Neuen Linken setzte sich 1985 fort. Die Abkehr der Politik der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) vom starren Dogmatismus, der Tod des Staatsund Parteichefs von Albanien Enver Hoxha und das Verblassen der einstigen revolution\u00e4ren Leitbilder in der Dritten Welt, Kuba und Vietnam haben mit zu ideologischen Unsicherheiten und Differenzen innerhalb der Gruppen und Parteien der dogmatischen Neuen Linken beigetragen. Dar\u00fcber hinaus f\u00fchrte bei vielen Gruppen nachlassendes Interesse an aktiver Mitarbeit in den vielfach straff gef\u00fchrten Kaderorganisationen zu einer Stagnation der Mitgliederzahl, zu beachtlichen Mitgliederverlusten oder sogar zur Aufl\u00f6sung. So konnte der Kommunistische Bund Westdeutschland (KBW) den seit Jahren drohenden Verfall trotz einschneidender organisatorischer und personeller Ma\u00dfnahmen nicht mehr verhindern und l\u00f6ste sich als \"politische Organisation\" auf. Von dieser r\u00fcckl\u00e4ufigen Entwicklung waren die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD), die Marxistische Gruppe (MG) und der Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) nicht betroffen. MLPD und MG konnten bundesweit sogar Mitgliedergewinne verbuchen; die MG wurde zur mitgliederst\u00e4rksten Organisation innerhalb der Neuen Linken. Die anhaltende theoretische Diskussion \u00fcber die \"Krise des Marxismus\" f\u00fchrte bei zahlreichen Gruppierungen der dogmatischen Neuen Linken dazu, da\u00df sie vielfach mit sich selbst und dem Verh\u00e4ltnis zu konkurrierenden Nachbargruppen besch\u00e4ftigt waren; auf das politische Geschehen \u00fcbten sie deshalb keinen wesentlichen Einflu\u00df aus. Mit dem Abklingen der Diskussion stellten die meisten Gruppen das Bem\u00fchen um praktische Politik wieder mehr in den Mittelpunkt ihrer Aktivit\u00e4ten. Sie sahen ihr zentrales Anliegen in der Zusammenf\u00fchrung der zersplitterten kommunistischen Kr\u00e4fte. Kennzeichnend f\u00fcr diese Bem\u00fchungen um eine verst\u00e4rkte Einheitsfront waren 1985 die Fusionsgespr\u00e4che zwischen der Kommunistischen Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) -- KPD -- und der Gruppe Internationale Marxisten -- Deutsche Sektion der IV. Internationale (GIM), die gemeinsamen ZK-Sitzungen der KPD und des Bundes Westdeutscher Kommunisten (BWK) sowie die Herausgabe einer gemeinsamen Publikation, die als Beilage zu ihren Zentralorganen verbreitet wurde. Dem zwischenzeitlich erweiterten Herausgeberkreis dieser Publikation geh\u00f6ren neben KPD, BWK und GIM auch mehrere anarcho-syndikalistische Gruppierungen an. Die in Bayern vertretenen dogmatischen Gruppen der Neuen Linken blieben auch 1985 im politischen Tagesgeschehen ohne Bedeutung. Sie engagierten sich vorwiegend im Betriebs-, Bildungs-, \"Antifaschismus\"-, \"Antiimperialismus\"und Ausl\u00e4nderbereich. Anl\u00e4sse f\u00fcr Aktionen dieser Gruppen waren neben weltpolitischen Themen wie \"Weltwirtschaftsgipfel\" und \"Strategische Verteidigungs-Initiative\" (SDI) auch der bundesweite Hungerstreik inhaftierter terroristischer Gewaltt\u00e4ter, der 40. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkrieges, die Feierlichkeiten zum 30j\u00e4hrigen Bestehen der Bundeswehr und die Entwicklung in Mittelamerika. Die undogmatische Neue Linke blieb weiterhin un\u00fcbersichtlich und unver\u00e4ndert militant. Ihre Forderungen nach \"alternativen Lebensformen\", \"Autonomie\" und \"Freir\u00e4umen\" in Staat und Gesellschaft hielten an. Seit etwa vier Jah73","Organisations\u00fcbersicht Neue Linke 74 Dogmatische Gruppen Undogmat. Gruppen Marxistisch-Leninistische Organisationen Trotzkisten MLPD KPD AB KB BWK GIM MG Autonome i I [ H RJVD 1 \\ i^T 1 H KHB | H RSJ 1 AAU H MLSV | H ASKO H MLBI H KJ L -|RBK Nebenorganisationen beeinflu\u00dfte Organisationen","ren rucken die \"autonomen\" Gruppen st\u00e4rker in den Vordergrund. Sie bejahen und praktizieren Gewalt gegen Sachen. Unter \"gewaltfreien\" Aktionsformen verstehen sie nur den Ausschlu\u00df \"verletzender\" Gewalt gegen Menschen. Hierbei werden bestimmte Gesetzesverst\u00f6\u00dfe wie Stra\u00dfenblockaden oder Eindringen in umz\u00e4unte milit\u00e4rische Anlagen als gerechtfertigte \"Regelverletzungen\" angesehen. Die meist kleinen Gruppen der undogmatischen Neuen Linken konzentrierten ihre Aktivit\u00e4ten 1985 auf den \"Weltwirtschaftsgipfel\", den sie als \"Instrument der Sicherung der imperialistischen Ordnung\" bewerteten, und auf die Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) in Wackersdorf, Landkreis Schwandorf, die als \"milit\u00e4risches Kriegsprojekt\" einen \"entschlossenen und kraftvollen\" Widerstand erfordere. Auch der Tod des Demonstranten G\u00fcnter Sare am 28. September in Frankfurt a.M. war f\u00fcr diese Gruppen ein willkommener Anla\u00df f\u00fcr gewaltt\u00e4tige Aktionen im gesamten Bundesgebiet. 3.2 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) Die aus dem ehemaligen Kommunistischen Arbeiterbund Deutschlands (KABD) hervorgegangene, 1982 in Bochum gegr\u00fcndete MLPD bezeichnet sich als \"politische Vorhutorganisation der Arbeiterklasse in der BRD und in WestBerlin\". Ihr grundlegendes Ziel ist der \"revolution\u00e4re Sturz\" der \"Diktatur der Monopolkapitalisten\" und die Errichtung der \"Diktatur des Proletariats\". In ihrem \"Grundsatzprogramm\" bekennt sich die MLPD zu den \"Lehren von Marx, Engels, Lenin, Stalin und MaoTsetung\", dessen Idee der \"Gro\u00dfen Proletarischen Kulturrevolution\" sie verteidigt. Sie kritisiert die \"revisionistische Entartung\" in allen \"realsozialistischen\" L\u00e4ndern, einschlie\u00dflich der Volksrepublik China. Nach Auffassung der MLPD dient die gegenw\u00e4rtige Etappe des Klassenkampfes der Vorbereitung der Revolution. Nur unter F\u00fchrung einer \"revolution\u00e4ren Partei\" k\u00f6nne die Arbeiterklasse erfolgreich zum Sturm gegen den \"staatsmonopolistischen Kapitalismus\" \u00fcbergehen. Die MLPD habe die Aufgabe, die Arbeiterklasse \"\u00fcber die Aktionseinheit in kleinen Fragen zur Einheitsfront in allen wesentlichen Fragen\" zusammenzuschlie\u00dfen. Der Schwerpunkt der Partei liegt im westund s\u00fcdwestdeutschen Raum. Ihre Mitglieder sind in Betriebszellen, Ortsgruppen und Bezirken organisiert, die einer \"Zentralen Leitung\" mit Sitz in Essen unterstehen. Die MLPD verf\u00fcgt bundesweit mit steigender Tendenz \u00fcber nahezu 1.300 Mitglieder (1984: 1.100). In Bayern liegen die Schwerpunkte der MLPD im fr\u00e4nkischen und s\u00fcdbayerischen Raum. Der Mitgliederstand erh\u00f6hte sich gegen\u00fcber dem Vorjahr geringf\u00fcgig auf etwa 80 Aktivisten (1984: 70). Das Zentralorgan \"Rote Fahne\" erscheint w\u00f6chentlich in einer unver\u00e4nderten Auflagenzahl von rund 10.000 Exemplaren. Theoretisches Organ der Partei ist der \"Revolution\u00e4re Weg\". Dar\u00fcber hinaus verbreitete die MLPD in Bayern 12 verschiedene Betriebsund Stadtzeitungen, die gr\u00f6\u00dftenteils regelm\u00e4\u00dfig erscheinen. Die Zeitungen enthielten vielfach Artikel \u00fcber aktuelle betriebliche Probleme wie Schichtarbeit, Entlassungen und \"Arbeitsplatzvernichtung\", in denen die MLPD vor allem gegen \"Ausbeutung\", \"politische Disziplinierung\" und \"Sozialabbau\" agitierte. Auf dem II. Parteitag der MLPD vom 20. bis 22. September in K\u00f6ln befa\u00dften sich die Delegierten mit dem Aufbau der Partei, der Entwicklung der MLPD zur 75","\"Massenpartei\" und der Schaffung \"geeigneter Instrumente des Klassenkampfes zur systematischen Einflu\u00dfnahme auf das Denken und Handeln der werkt\u00e4tigen Masse\". Lobend erw\u00e4hnt wurde hierbei die Arbeit des Marxistisch-Leninistischen Bundes Intellektueller (MLBI), der die \"Umerziehung der Genossen mit kleinb\u00fcrgerlicher Klassenlage zu proletarisch denkenden Revolution\u00e4ren\" entscheidend verbessert habe. Aus Anla\u00df des \"erfolgreichen Abschlusses\" dieses Parteitages f\u00fchrte die MLPD am 2. November in D\u00fcsseldorf eine Gro\u00dfveranstaltung durch, an der \u00fcber 2.000 Personen teilnahmen. Unter dem Motto \"F\u00fcr Arbeit, Frieden und Schutz der nat\u00fcrlichen Umwelt -- Vorw\u00e4rts zum Sozialismus\" veranstaltete die MLPD zum 1. Mai in mehreren St\u00e4dten Bayerns eigene Mai-Feiern, an denen sich insgesamt 130 Personen beteiligten. Angeh\u00f6rige der MLPD nahmen ferner an den gewerkschaftlichen Mai-Kundgebungen teil. Ein weiteres, nutzbares Bet\u00e4tigungsfeld sah die MLPD wiederum im \"Kampf gegen die Zerst\u00f6rung der nat\u00fcrlichen Umwelt\". Sie agitierte 1985 in verst\u00e4rktem Ma\u00dfe gegen die von Kohlekraftwerken ausgehenden Umweltverschmutzungen. Dies hinderte sie indessen nicht daran, auch im Zusammenhang mit der geplanten Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) in Wackersdorf zum \"aktiven Widerstand\" aufzufordern, weil diese Anlage nur dem \"alten Traum des westdeutschen Monopolkapitals von der eigenen Atombombe\" diene. Im Rahmen des \"Friedenskampfes\" wandte sich die MLPD gegen die \"Atomkriegspl\u00e4ne\" der USA und rief zum \"Kampf gegen die Kriegsvorbereitungen\" auf. Zum \"Antikriegstag\" am 1. September und w\u00e4hrend der \"Informationswoche der Friedensbewegung\" vom 11. bis 16. November f\u00fchrte die MLPD in einigen St\u00e4dten eigene Veranstaltungen durch. Angeh\u00f6rige der MLPD beteiligten sich ferner an den \"Osterm\u00e4rschen\". Weitere Agitationsschwerpunkte der MLPD waren der \"Weltwirtschaftsgipfel\", der 40. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkrieges und die Feierlichkeiten zum 30j\u00e4hrigen Bestehen der Bundeswehr. Nebenorganisationen der MLPD sind der Revolution\u00e4re Jugendverband Deutschlands (RJVD), der sich Ende 1985 in Arbeiterjugendverband (Marxisten-Leninisten) umbenannte, mit seinem Organ \"Rebell\", der MarxistischLeninistische Sch\u00fclerund Studentenverband (MLSV) mit dem Organ \"Roter Pfeil\" und der Marxistisch-Leninistische Bund Intellektueller (MLBI). Den Nebenorganisationen geh\u00f6rten zum Jahresende bundesweit unver\u00e4ndert 350 Mitglieder an. Urs\u00e4chlich f\u00fcr die stagnierenden Mitgliederzahlen bei den Jugendverb\u00e4nden waren nach den Feststellungen des II. Parteitages \"gravierende Vers\u00e4umnisse\" in der Jugendarbeit, die k\u00fcnftig abgebaut werden sollen. 3.3 Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) (KPD) Die Ende 1968 in Hamburg gegr\u00fcndete KPD bekennt sich zu den \"unverg\u00e4nglichen Lehren\" von Marx, Engels, Lenin und Stalin. Sie tritt offen f\u00fcr die \"gewaltsame sozialistische Revolution\", die Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparates\" und die \"Errichtung der Diktatur des Proletariats\" ein. Der Sonderparteitag vom 1. bis 3. November in Dortmund best\u00e4tigte die \"revolution\u00e4re Linie\" der Partei. Er setzte mit gro\u00dfer Mehrheit das bisherige Parteiprogramm au\u00dfer 76","Kraft und billigte den vorgelegten Entwurf eines neuen Programms. Er beschlo\u00df ferner ein neues Parteistatut sowie eine Resolution \u00fcber das \"Selbstverst\u00e4ndnis und die Rolle\" der KPD. Nach dem neuen Statut gliedert sich die KPD in Grundorganisationen (Zellen), Ortsgruppen und Landesverb\u00e4nde. F\u00fchrungsgremium der Partei ist nach wie vor das Zentralkomitee (ZK). Die laufende Arbeit verrichtet das Politb\u00fcro in Dortmund. Zentralorgan der KPD ist der \"Rote Morgen\", der w\u00f6chentlich in einer Auflage von 1.150 Exemplaren (1984: 1.500) und seit November ohne die bisherige Kopfleiste mit den Portraits von Marx, Engels, Lenin und Stalin erscheint. Als theoretisches Organ gibt die KPD viertelj\u00e4hrlich die Schrift \"Kommunistische Hefte\" heraus; daneben verbreitet sie das Funktion\u00e4rsorgan \"Der Kommunist\". Nach eigenen Angaben geh\u00f6rten der KPD Anfang 1985 im Bundesgebiet rund 500 Mitglieder an. Im Laufe des Jahres bildeten etwa 40 bis 50 oppositionelle Anh\u00e4nger eine eigene \"Fraktion\". Urs\u00e4chlich daf\u00fcr waren die fortgeschrittenen Fusionsverhandlungen mit der trotzkistischen Gruppe Internationale Marxisten -- Deutsche Sektion der IV. Internationale (GIM) sowie die geplanten \u00c4nderungen des Statuts und des Programms. Ende September erkl\u00e4rten die Anh\u00e4nger dieser \"Splittergruppe\" ihren Austritt aus der KPD, so da\u00df zum Jahresende die Mitgliederzahl der KPD bei etwas mehr als 400 Personen lag. In Bayern hatte die KPD Ende 1985 weniger als 40 Mitglieder (1984: unter 50). Im Mittelpunkt der Aktivit\u00e4ten standen 1985 bei der KPD wiederum die Bem\u00fchungen, die zersplitterten Kr\u00e4fte der Neuen Linken zusammenzuf\u00fchren. Die KPD setzte deshalb die im Vorjahr begonnenen Gespr\u00e4che \u00fcber eine Vereinigung mit der GIM fort. Als Zwischenergebnis stellte das ZK auf seiner Sitzung am 17. August fest, die noch bestehenden Differenzen zwischen den beiden Organisationen st\u00fcnden der \"Einheit in einer Partei\" nicht entgegen. Das erreichte Ma\u00df an \u00dcbereinstimmung erfordere es geradezu, diese Einheit zu verwirklichen. Diese Vereinigungsbestrebungen fanden auch in der praktischen Arbeit ihren Niederschlag. So verbreiteten KPD und GIM 1985 wiederholt gemeinsame Flugbl\u00e4tter. Am 11. Oktober fand erstmals in M\u00fcnchen eine gemeinsame Veranstaltung beider Organisationen statt. Die KPD beteiligte sich ferner an der Herausgabe der viertelj\u00e4hrlich erscheinenden gemeinsamen Publikation, die als Beilage zu den Zentralorganen der mitwirkenden Gruppen verbreitet wurde. Agitationsschwerpunkte der KPD waren 1985 die Sozialund Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung, der \"Weltwirtschaftsgipfel\", das SDI-Projekt und die Apartheid-Politik in S\u00fcdafrika. Die von der KPD beeinfu\u00dfte Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg (VOLKSFRONT) wurde 1979 in Dortmund gegr\u00fcndet. In einem damals ergangenen Aufruf war ausgef\u00fchrt, die Gr\u00fcndung sei erforderlich gewesen, um den wachsenden \"Widerstand in unserem Volke\" gegen \"Aussperrungsterror\", \"brutale Polizeieins\u00e4tze\" und \"Naziprovokation\" bundesweit zu organisieren. Auf einem Sonderkongre\u00df am 12. Mai 1984 in K\u00f6ln betonten die Delegierten, die VOLKSFRONT sei keine Partei im herk\u00f6mmlichen Sinne, sondern eine \"\u00fcberparteiliche Massenorganisation\", die sich um ein einheitliches Vorgehen 77","der \"antifaschistischen Kr\u00e4fte\" bem\u00fche. Dieser \"Einheitsfrontcharakter\" der VOLKSFRONT m\u00fcsse gewahrt bleiben. Die VOLKSFRONT verf\u00fcgt in allen Bundesl\u00e4ndern \u00fcber Landesverb\u00e4nde, die sich in Kreisverb\u00e4nde und Ortsgruppen gliedern. Der Landesverband Bayern wurde 1979 in N\u00fcrnberg unter Beteiligung der KPD gegr\u00fcndet und z\u00e4hlte zum Jahresende 1985 wie im Vorjahr etwa 50 Mitglieder. Organ der VOLKSFRONT ist das Mitteilungsblatt \"Volksecho\", das im zweimonatlichen Rhythmus erscheint. Daneben gibt die VOLKSFRONT die Publikation \"Antifaschistische Nachrichten\" heraus. Die Aktivit\u00e4ten der VOLKSFRONT gingen 1985 merklich zur\u00fcck. Die Agitation umfa\u00dfte schwerpunktm\u00e4\u00dfig \"antifaschistische Themen\"; dabei wurde das Verbot aller \"faschistischen Organisationen\" gefordert. 3.4 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) Der AB, 1973 aus dem Zusammenschlu\u00df mehrerer \u00f6rtlich t\u00e4tiger maoistisch orientierter Zirkel in Bayern entstanden, beruft sich auf den Marxismus-Leninismus und Mao Zedongs Ideen. Er strebt die Beseitigung der \"herrschenden Ausbeuterklasse\" und die \"Errichtung einer Diktatur des Proletariats\" an. Endziel ist die Verwirklichung des Kommunismus in einer \"klassenlosen Gesellschaft\". Der AB bekennt offen, da\u00df er seine Ziele nur mit Gewalt erreichen k\u00f6nne. Er rechtfertigt die \"revolution\u00e4re Gewalt\" damit, da\u00df die \"herrschende Klasse\" nicht freiwillig auf ihre Macht verzichte. Der AB ist vorwiegend in Bayern t\u00e4tig. Hier bestehen Gruppen in Augsburg, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, Regensburg und im Raum Alt\u00f6tting-Burghausen-Waldkraiburg. Neben diesen AB-Gruppen gibt es in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Regensburg \"Freundeskreise\", die den AB finanziell unterst\u00fctzen sollen. Au\u00dferhalb Bayerns verf\u00fcgt der AB unver\u00e4ndert in 14 St\u00e4dten des Bundesgebietes \u00fcber Ortsgruppen oder St\u00fctzpunkte. Die Gesamtmitgliederzahl blieb mit rund 300 Personen gleich. Zentralorgan des AB ist die \"Kommunistische Arbeiterzeitung\" (KAZ). Sie wird in einer Auflage von unver\u00e4ndert 1.200 Exemplaren im Auftrag des Zentralkomitees vom AB-eigenen \"Verlag Das Freie Buch GmbH, Buchund Zeitungsverlag\" in M\u00fcnchen herausgegeben. Der im Impressum der KAZ angek\u00fcndigte zweimonatliche Erscheinungsrhythmus wurde nicht eingehalten. 1985 erschien lediglich eine Sonderausgabe. Im Bildungsbereich wird der AB von seiner Nebenorganisation Kommunistischer Hochschulbund (KHB) unterst\u00fctzt. Der KHB geh\u00f6rt nach wie vor zu den aktivsten linksextremen Gruppen an den bayerischen Hochschulen. Innerhalb der Organisationen der dogmatischen Neuen Linken nimmt der AB in Bayern eine herausragende Position ein. Er trat 1985 mit Unterst\u00fctzung der von ihm beeinflu\u00dften Gruppierungen verst\u00e4rkt mit Aktionen in der \u00d6ffentlichkeit auf. Anl\u00e4sse hierf\u00fcr waren insbesondere der 40. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkrieges, die Apartheid-Politik in S\u00fcdafrika, die \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" und die Feierlichkeiten zum 30j\u00e4hrigen Bestehen der Bundeswehr. 78","Bet\u00e4tigungsfeld des AB war 1985 wiederum die Antifaschismuskampagne. Hierbei setzte der AB seine Bem\u00fchungen um Aktionsb\u00fcndnisse fort. Er beteiligte sich ferner an \"antifaschistischen\" Aktionen, die DKP-beeinflu\u00dfte Vereinigungen oder extremistische Ausl\u00e4nderorganisationen veranstalteten. Aus Anla\u00df des 5. Jahrestages des Anschlags auf dem M\u00fcnchner Oktoberfest am 26. September 1980 f\u00fchrten Anh\u00e4nger des AB und seines Umfeldes Ende September einen Aufzug mit anschlie\u00dfender Mahnwache vor dem Mahnmal durch. Anl\u00e4\u00dflich des Todes von G\u00fcnter Sare, der bei einer gewaltt\u00e4tigen Protestdemonstration gegen eine NPD-Veranstaltung am 28. September in Frankfurt a.M. von einem Einsatzfahrzeug der Polizei t\u00f6dlich verletzt wurde, f\u00fchrten Angeh\u00f6rige des AB Anfang Oktober in M\u00fcnchen und Regensburg Aufz\u00fcge durch, an denen sich insgesamt 300 Personen beteiligten. Im Verlauf der Demonstrationen stimmten die Teilnehmer wiederholt Sprechch\u00f6re an und riefen Parolen wie \"F\u00fcr die Faschisten und die Reichen geht der Staat \u00fcber Leichen\" und \"Deutsche Polizisten -- M\u00f6rder und Faschisten\". In einem hierzu verteilten Flugblatt mit dem Titel \"Tod f\u00fcr die Demokratie\" bezeichnete der AB die Frankfurter Polizei als M\u00f6rder des Demonstranten Sare. Im Zusammenhang mit dem Besuch eines s\u00fcdafrikanischen Ministers in Bayern verbreitete der AB Ende September ein Flugblatt, dessen Inhalt sich gegen die Apartheid-Politik in S\u00fcdafrika richtete. Da das Flugblatt auch beleidigende \u00c4u\u00dferungen gegen\u00fcber dem Bayerischen Ministerpr\u00e4sidenten enthielt, erlie\u00df das Amtsgericht N\u00fcrnberg am 27. September einen Beschlagnahmebeschlu\u00df. Trotz dieses richterlichen Beschlusses verteilten Angeh\u00f6rige des AB bei einer Demonstration am 4. Oktober in M\u00fcnchen wiederum dieses Flugblatt. In Flugbl\u00e4ttern und anderen Publikationen wandte sich der AB gegen den \"Abbau des Asylrechts\" und gegen die seiner Meinung nach unbefriedigende Unterbringung von Asylanten in Sammellagern. Bei entsprechenden Aktionen bediente sich der AB des von ihm beeinflu\u00dften und unterst\u00fctzten Aktionsausschusses gegen Zwangsarbeit und Abschiebung in Sammellager, der wiederholt die Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung kritisierte und eine Spendenkampagne f\u00fcr Asylbewerber durchf\u00fchrte. Im Rahmen seiner Betriebsarbeit verbreitete der AB zahlreiche Betriebszeitungen und Flugbl\u00e4tter, in denen er sich mit Themen wie \"Akkordlohn\", \"Arbeitslosigkeit\" und \"Betriebsbesetzungen\" befa\u00dfte. Der AB agitierte in diesem Zusammenhang wiederholt auch gegen die Bundesregierung, die den Arbeiter in den \"W\u00fcrgegriff\" nehme und seine \"systematische Verelendung\" betreibe. Zum 1. Mai f\u00fchrte der AB in mehreren bayerischen St\u00e4dten eigene Mai-Veranstaltungen durch. An einem Aufzug in M\u00fcnchen beteiligten sich rund 300 Personen, darunter auch T\u00fcrken und Iraner. Die mitgef\u00fchrten Transparente trugen Aufschriften wie \"Schlu\u00df mit der Kriegsvorbereitung\", \"BRD raus aus der NATO\" und \"40 Jahre Befreiung vom Faschismus\". Dar\u00fcber hinaus veranstaltete der AB mehrere \"Arbeiterbildungsabende\". Im Jahre 1972 gr\u00fcndeten Sch\u00fcler-, Betriebsund Arbeiterbasisgruppen in Passau, Regensburg und M\u00fcnchen jeweils ein Anti-Strau\u00df-Komitee (ASKo). Nach dem Zusammenschlu\u00df der in Bayern bestehenden Arbeiterbasisund Betriebsgruppen 1973 zum Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) 79","\u00fcbernahmen AB-Aktivisten die F\u00fchrung der Anti-Strau\u00df-Komitees. Nach der 1972 ausgearbeiteten \"Plattform\", die auch heute noch gilt, haben die Komitees die Aufgaben, den \"Sturz des rechten F\u00fchrungskaders und dessen ideologischen F\u00fchrers\" vorzubereiten und \"alle faschistischen Organisationen\" zu bek\u00e4mpfen. Heute bestehen noch Anti-Strau\u00df-Komitees in Regensburg und M\u00fcnchen, die vom AB stark beeinflu\u00dft sind. Der Mitgliederstand liegt in M\u00fcnchen unver\u00e4ndert bei etwa 40, in Regensburg bei \u00fcber 50 Personen. Sprachrohr der Komitees ist der \"Demokratische Informationsdienst\" (DID), der im Eigendruck und Selbstverlag hergestellt wird; die Auflage betr\u00e4gt rund 4.000 Exemplare. Die ASKo's unterst\u00fctzten 1985 den AB insbesondere bei den Aktionen gegen den Faschismus, die Bundeswehr und die \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" sowie in der Agitation gegen den Bayerischen Ministerpr\u00e4sidenten. So protestierten am 13. Juli in M\u00fcnchen Anh\u00e4nger des ASKo gegen die Verleihung der Ehrendoktorw\u00fcrde an den Bayerischen Ministerpr\u00e4sidenten durch die Sozialwissenschaftliche Fakult\u00e4t der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen. Der 1971/72 vom Bund der Pfadfinder (BdP) abgespaltene Bund Deutscher Pfadfinder im Bund Demokratischer Jugend (BDP/BDJ) -- Landesverband Bayern betrachtet nach einer von ihm erarbeiteten Grundsatzerkl\u00e4rung das \"kapitalistische System\" als Haupthindernis f\u00fcr die vielf\u00e4ltigen Interessen der arbeitenden und lernenden Jugend und h\u00e4lt deshalb eine \"grundlegende Umw\u00e4lzung dieser gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse\" f\u00fcr notwendig. Dar\u00fcber hinaus tritt er f\u00fcr den Wiederaufbau der 1951 wegen verfassungsfeindlicher Bet\u00e4tigung verbotenen Freien Deutschen Jugend (FDJ) ein. Dem BDP/BDJ-LV Bayern wurde 1984 gerichtlich untersagt, weiterhin die Bezeichnung BDP zu verwenden. Die Anh\u00e4nger des BDP/BDJLV Bayern traten deshalb im Jahr 1985 wiederholt unter der Aktionsbezeichnung \"K\u00e4mpfende Jugend\" auf. Seit Ende 1985 f\u00fchren die in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg bestehenden ehemaligen Ortsgruppen des BDP/BDJ-LV Bayern die neue Bezeichnung \"Initiative f\u00fcr die Vereinigung der revolution\u00e4ren Jugend\". Die dritte in Bayern bestehende Ortsgruppe nennt sich weiterhin Demokratischer Jugendzirkel Regensburg. Sowohl die Initiativen als auch der Jugendzirkel werden vom AB beeinflu\u00dft. Insgesamt geh\u00f6ren diesen drei Gruppen \u00fcber 50 Personen an. Ihr Organ ist die Zeitschrift \"K\u00e4mpfende Jugend\", die auch dem AB als Werbetr\u00e4ger dient. Die \"K\u00e4mpfende Jugend\" unterst\u00fctzte 1985 den AB in der Antifaschismusund Antimilitarismusarbeit. Hierbei f\u00fchrte sie mehrere Einzelaktionen durch und verbreitete zahlreiche Flugbl\u00e4tter. Aktionsh\u00f6hepunkt war jedoch die Veranstaltung zum \"40. Jahrestag der Befreiung vom Hitlerfaschismus\". Aus diesem Anla\u00df fand am 11. Mai in M\u00fcnchen unter dem Motto \"Dank Euch Ihr Sowjetsoldaten\" eine \"Manifestation\" statt, an der sich etwa 1.000 Personen beteiligten. Als Tr\u00e4ger der \"Manifestation\" trat die Redaktion der Zeitschrift \"K\u00e4mpfende Jugend\" auf. Bei seinen Propagandaaktionen konnte sich der AB auch auf das von ihm beeinflu\u00dfte Regensburger B\u00fcrgerkomitee (RBK) st\u00fctzen, das die Zeitschrift \"Zur Sache\" herausgibt. 00","Zum 40. Jahrestag unserer Befreiung vom Hitlerismus: Dank Euch Ihr Sowjet1 Soldaten! Es spixtil: Erwin Geschonneck, Slaatsschausp eler der DDR. W:derslandsk ampler, Nazi-Ankl\u00e4ger und einer der 350 \u00dcberlebenden von 4.000 des KZ-Schilfes Cap Ancona * Hanne Wob, \"rabiaie Anlilucfllslin\" - SO ihre Gegner und Gegnei Sertoli Brechts - mil Saliren ihres Vfllorsluirii'iif,' :* \"ir-r Fioil-.edisender Ferdi H\u00fclser,/um Kampf lur die Niederlage Hillerdeuischfarids im Nalionaikomilee Freies Deutschland {VJii'.v! Standsgruppe K\u00f6ln) heule Ehrenmitglied der DFG/VK Albert Lehmann, Arbeit\" und Mitglied einer Widerstandsgruppe in 1) u: hlnriil K7.0 .,, : ,i r;ir.ilt.'j-iillon. f.'.:*[** LH' und ) V i ' r- Bul * Hermann Reineck, anlilaschlsttedier Widerstand bei den Partisanen der Tschechoslowakei und \u00d6sterreich, die. sich mil den Sowtelsoldaten vereinigt haben; heule Generalsekret\u00e4r der JLagBrgeawInschafl Auschwitz - Freundeskreis der Auschwitzer e.V.\" (BRD) Karl R\u00f6der, Albeiter, i l 1/2 Jahre in Konzen Ira lions lagern und Gef\u00e4ngnissen Otlo Weber, der in der Holte von Stalingrad lernte; \"Wird mu Alarm die Marschbereitschaft fur den Krieg befohlen, marschiere ich mil Euch nach Bonn' Ein Opfer der Hitlerbarbarei, Augenzeuge gegen den KZ-Morder Mengele Trager der Manifestation ist die Redaktion der .. K\u00e4mplenden Jugend \" Manifestation M\u00fcnchen 11.Mai Schwabinger Br\u00e4u 19 Uhr U-Bahn M\u00fcnchner Freiheit 81","3.5 Kommunistischer Bund (KB) Der Ende 1971 entstandene KB ist ein Zusammenschlu\u00df kommunistischer Organisationen auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus in seiner Weiterentwicklung durch Mao Zedong. Er strebt die \"gewaltsame Zerschlagung des Staatsapparates\" und seine \"Ersetzung durch r\u00e4tedemokratische Strukturen\" an. Sein Einflu\u00df innerhalb der Gruppen der Neuen Linken und die Einsatzbereitschaft seiner Mitglieder lie\u00dfen weiter nach. Ende des Jahres 1985 geh\u00f6rten dem KB im Bundesgebiet unver\u00e4ndert etwa 400 Mitglieder an. Die Mehrzahl seiner Aktivisten ist in Hamburg organisiert. In Bayern verf\u00fcgt der KB \u00fcber Kontaktstellen in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und W\u00fcrzburg mit insgesamt weniger als 30 Anh\u00e4ngern. Die Monatszeitung \"Arbeiterkampf\", deren Auflagenh\u00f6he auf 4.500 Exemplare (1984: 5.000) zur\u00fcckging, erscheint noch regelm\u00e4\u00dfig. Im \u00fcbrigen beschr\u00e4nkten sich die Aktivit\u00e4ten des KB in Bayern im wesentlichen auf die Mitarbeit in verschiedenen Aktionsb\u00fcndnissen. Eigene Aktionen f\u00fchrte der KB lediglich noch in N\u00fcrnberg durch. 3.6 Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) Der 1980 von ehemaligen Angeh\u00f6rigen des Kommunistischen Bundes Westdeutschland (KBW) in Hannover gegr\u00fcndete BWK bekennt sich in seinem Programm zur \"proletarischen Revolution\" und zur \"Diktatur des Proletariats\" im marxistisch-leninistischen Sinne. Er propagiert offen die \"Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparates\". Die Zentrale des BWK hat ihren Sitz in K\u00f6ln. Organ des BWK ist die Zeitschrift \"Politische Berichte\". Sie erscheint vierzehnt\u00e4gig im Verlag \"Gesellschaft f\u00fcr Nachrichtenerfassung und Nachrichtenverbreitung -- Verlagsgesellschaft Politische Berichte mbH\" (GNN) in K\u00f6ln. Die Auflage betrug Ende 1985 unver\u00e4ndert 1.500 St\u00fcck. Die Mitgliederzahl des BWK auf Bundesebene blieb 1985 bei etwa 400 Personen konstant. In Bayern dagegen sank die Mitgliederzahl zum Jahresende auf weit unter 100 Personen (1984: rund 100). Die Aktionsschwerpunkte des BWK waren 1985 die Wirtschaftsund Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung, der \"Sozialabbau\", das SDI-Projekt und die Apartheid-Politik in S\u00fcdafrika. Der BWK erkl\u00e4rte sich zusammen mit anderen Gruppen der Neuen Linken solidarisch mit dem Hungerstreik der inhaftierten terroristischen Gewaltt\u00e4ter und unterst\u00fctzte ihre Forderung nach einer \"Zusammenlegung der Gefangenen aus RAF und Widerstand\". 3.7 Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) Der 1973 entstandene KBW bekannte sich bis zur VII. Delegiertenkonferenz am 21722. Mai 1983 zur \"proletarischen Revolution\" im marxistisch-leninistischen Sinne. Er propagierte offen die \"Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparates\" und strebte die \"Machtergreifung durch die Volksmassen\" an. Um den seit Jahren andauernden Mitgliederschwund aufzufangen, \u00e4nderte der KBW 1983 sein Parteikonzept und verabschiedete eine neue Satzung, die das Mitglied lediglich verpflichtete, f\u00fcr das \"Ziel des Kommunismus\" einzutreten. Da auch diese einschneidende \u00c4nderung den weiteren Niedergang des KBW nicht verhindern konnte, beschlo\u00df die Mitgliederversammlung am 16. Februar in Frankfurt a.M. die Aufl\u00f6sung des KBW als \"politische Organisation\". Die vor82","handenen Verm\u00f6genswerte des KBW \u00fcbernahm der neugegr\u00fcndete Verein \"Assoziation\", der sich nach Aussage eines ehemaligen KBW-Funktion\u00e4rs als \"Teil der links-gr\u00fcn-alternativen Bewegung\" versteht. 3.8 Gruppe Internationale Marxisten -- Deutsche Sektion der IV. Internationale (GIM) Bis zum Jahresende wurden 12 (1984: 13) teils bundesweit, teils nur regional aktive Gruppen bekannt, die sich auf die Lehren Trotzkis berufen. Ihr Mitgliederstand lag unver\u00e4ndert bei 700 Personen. Gemeinsam k\u00e4mpfen diese Gruppen, die oft miteinander konkurrierenden Richtungen des internationalen Trotzkismus angeh\u00f6ren, f\u00fcr die \"permanente Revolution\", um den \"b\u00fcrgerlichen Staat\" zerschlagen und die \"Diktatur des Proletariats\" in der Staatsform einer R\u00e4teherrschaft errichten zu k\u00f6nnen. Das Bekenntnis zum Trotzkismus schlie\u00dft die Bejahung der Gewalt als Mittel politischer Auseinandersetzung ein. Die bedeutendste dieser trotzkistischen Gruppen ist die im Mai 1969 gegr\u00fcndete Gruppe Internationale Marxisten -- Deutsche Sektion der IV. Internationale (GIM). Ihr geh\u00f6ren bundesweit mehr als 250 Mitglieder (1984: etwa 250) an. In Bayern kann sich die GIM nur auf ein Mitgliederpotential von etwa 30 Personen st\u00fctzen. Das Zentralorgan der GIM ist die vierzehnt\u00e4gig erscheinende Zeitschrift \"was tun\". Ihre Auflage liegt unver\u00e4ndert bei 2.300 Exemplaren. Die GIM agitierte 1985 insbesondere gegen die Apartheid-Politik in S\u00fcdafrika, den \"Weltwirtschaftsgipfel\" und die \"US-Intervention\" in Nicaragua. Das zentrale Thema bildeten 1985 jedoch die Fusionsverhandlungen mit der KPD. Die Delegiertenkonferenz vom 30. November/1. Dezember in Frankfurt a.M. stellte hierzu in einer Resolution ein \"hohes Ma\u00df an \u00dcbereinstimmung in wichtigen programmatischen Fragen\" fest und beauftragte das Zentralkomitee, die Verhandlungen fortzuf\u00fchren. Die von der GIM unterst\u00fctzten Jugendgruppen \"Rote Maulw\u00fcrfe\" schlossen sich am 13./14. Oktober 1984 in K\u00f6ln zur Revolution\u00e4r-Sozialistischen Jugend -- Roter Maulwurf (RSJ) zusammen. Die RSJ erkl\u00e4rte sich als Organisation \"in politischer Sympathie zur IV. Internationale\". Sie will als unabh\u00e4ngige Organisation, die ihre eigenen politischen und taktischen Entscheidungen trifft, bevorzugt mit der \"IV. Internationale\" und ihrer deutschen Sektion zusammenarbeiten und dadurch einen Beitrag zum Aufbau einer revolution\u00e4ren \"Masseninternationale\" leisten. Die RSJ verf\u00fcgte zum Jahresende \u00fcber 19 \u00f6rtliche Gruppen im Bundesgebiet mit zusammen etwa 90 Mitgliedern und Anh\u00e4ngern (1984: 150). In Bayern besteht eine \u00f6rtliche Gruppe in M\u00fcnchen und eine Kontaktstelle in Rosenheim. Ver\u00f6ffentlichungsorgan der RSJ ist die Zeitung \"roter Maulwurf\". 3.9 Marxistische Gruppe (MG) Die MG, die Ende der 60er Jahre aus den \"Roten Zellen\" hervorgegangen ist, nimmt innerhalb der Gruppen der Neuen Linken eine Sonderstellung ein. Sie ist gekennzeichnet durch hierarchischen Aufbau, straffe Disziplin, intensive 83","Schulung der Mitglieder und strenge Abschirmung des Verbandslebens und entspricht insoweit einer marxistisch-leninistischen Kaderorganisation. Programmatisch lehnt sie jedoch den \"Leninismus\" in seiner dogmatischen Form ab. Die MG bek\u00e4mpft die \"Demokratie\" als \"Staatsform der b\u00fcrgerlichen Ausbeutung\" und tritt daf\u00fcr ein, den Staat auf dem Weg \u00fcber die sozialistische Revolution abzuschaffen. Voraussetzung dazu sei der \"Klassenkampf des Proletariats\", zu dessen \"Bewu\u00dftseinsorientierung\" sie beitragen wolle. Das Bekenntnis der MG zur sozialistischen Revolution schlie\u00dft auch die Anwendung von revolution\u00e4rer Gewalt als Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele ein. Die MG verf\u00fcgt bundesweit \u00fcber rund 1.700 Mitglieder (1984: 1.500), \u00fcberwiegend Studenten und Angeh\u00f6rige akademischer Berufe, sowie mehrere tausend in \"Sympathisantenplenen\" fest eingebundene Anh\u00e4nger. Der organisatorische Schwerpunkt der MG, die sich in den letzten Jahren zur mitgliederst\u00e4rksten Organisation innerhalb der Neuen Linken entwickelte, liegt in Bayern. Hier bestehen Gruppen in Augsburg, Bamberg, Erlangen-N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen, Regensburg und W\u00fcrzburg. Aktivit\u00e4ten, die auf St\u00fctzpunkte schlie\u00dfen lassen, wurden auch aus Bayreuth, Coburg, F\u00fcrth, Ingolstadt und Schweinfurt bekannt. Die Zahl ihrer Mitglieder betrug zum Jahresende 1985 etwa 600 Personen (1984: 500). Dar\u00fcber hinaus konnte sich die MG in Bayern auf einen Sympathisantenkreis von rund 4.500 Personen st\u00fctzen. Die bedeutendste Gruppe ist nach wie vor die MG M\u00fcnchen, die faktisch eine F\u00fchrungsfunktion aus\u00fcbt. Kommunikationsund Bildungszentren sind der \"Laden\" des \"Vereins zur F\u00f6rderung des studentischen Pressewesens e.V.\", die \"MHBund NEW-Gesellschaften f\u00fcr Druck und Vertrieb wissenschaftlicher Literatur mbH\" und der \"Resultate-Verlag\" in M\u00fcnchen sowie die \"MG-L\u00e4den\" in Erlangen, N\u00fcrnberg und W\u00fcrzburg. Gliederung und leitende Gremien der MG werden nach wie vor weitgehend geheimgehalten. Organisatorisch praktiziert die MG einen straffen F\u00fchrungsstil und verlangt die stete Bew\u00e4hrung des einzelnen als Mitglied oder Sympathisant. Die Finanzierung der MG erfolgt durch sehr hohe Mitgliedsbeitr\u00e4ge und durch den Verkauf von Publikationen. Zentrale Publikationsorgane der MG sind die \"MSZ -- Marxistische Zeitung gegen die Kosten der Freiheit\" und die \"Marxistische Arbeiterzeitung\" (MAZ). Zus\u00e4tzlich erscheinen \u00f6rtliche \"Hochschulzeitungen\" mit Einzelauflagen bis zu 14.000 Exemplaren sowie Betriebs-, Branchenund Regionalausgaben der MAZ. Das theoretische Organ der MG f\u00fchrt den Titel \"Resultate\". Agitationsschwerpunkte der MG waren 1985 der 40. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkrieges und das 30j\u00e4hrige Bestehen der Bundeswehr. In zahlreichen \"teach-ins\" und \u00f6ffentlichen Versammlungen befa\u00dfte sich die MG auch mit Themen wie \"Die Gr\u00fcnen -- eine Alternative -- wovon und wozu?\", \"Die NATO macht den Atomkrieg sicher\", \"S\u00fcdafrika -- Freiheit mit Sonderregelungen!\", \"Die Armut --nichts Neues-keiner will sie abschaffen, denn ohne Armut w\u00e4re die Demokratie \u00e4rmer\" und \"Ein Toter in Frankfurt -- der Staat macht das Demonstrieren noch gef\u00e4hrlicher -- die Szene k\u00e4mpft um die Ehre\". Hauptbet\u00e4tigungsfelder waren wiederum die Hochschulen (vgl. Abschnitt 5 Nr. 4.1) und die Betriebsarbeit. 84","Argumente gegen den Deutschen Mai Mai 1985 MARXISTISCHE GRUPPE Die Nation pr\u00e4sentiert EINLADUNG ZUM TEACH-IN eine offene Rechnung Zum Teufel mit dem DEUTSCHEN MAI - gegen die patriotischen Gedenkwochen zum Kriegsende - gegen die Feiertage des Bonner Gipfels * gegen das nationale Gel\u00f6bnis: \"Wir sind wieder wer und lassen uns das Kriegsergebnis nicht mehr gefallen I\" Donnerstag 9.5. 20.00 Uhr STADTMENSA Mit der \"Marxistischen Arbeiterzeitung\" (MAZ), die 1985 in zahlreichen St\u00e4dten vor Gro\u00dfbetrieben verteilt wurde, versuchte die MG in den Arbeitnehmerbereich einzudringen. Zu diesem Zweck hat die MG einen eigenen Kader f\u00fcr Betriebsarbeit gebildet, der \u00fcber Einzelpersonen oder kleine Agitationsgruppen ihre Politik in die Betriebe tragen soll. Die Schulung der Arbeiter ist praxisbezogen und weniger \"wissenschaftlich\". In der MAZ und bei speziellen Veranstaltungen f\u00fcr Arbeitnehmer behandelte die MG Themen wie \"Der Tagel\u00f6hner kommt wieder!\", \"Die Lohnfrage ist tot -- es lebe die Gewerkschaft!\", \"Ist der Lohn zu hoch?\", \"Vom Nutzen der Arbeitslosen -- die industrielle Reservearmee\" und \"Der 'hei\u00dfe Herbst' des DGB\". Die MAZ ver\u00f6ffentlichte am 18. Juli einen Artikel \u00fcber \"Computersysteme f\u00fcr Produktion und Verwaltung\". Danach komme der wirtschaftliche Nutzen aus dem Einsatz von Computern nur dem Kapital zugute. Die mit dem Computer erzielbare Beschleunigung der Durchlaufzeit von Auftr\u00e4gen erbringe f\u00fcr den Arbeiter jedoch einen neuen Gesichtspunkt im Ablauf der \"gewohnten Ausbeutung\", der in dem \"beschleunigten R\u00fcckflu\u00df des vorgeschossenen Kapitals\" liege. Ob sich dadurch etwas \u00e4ndere, sei fraglich. \"Es reicht auch so f\u00fcr eine Revolution -- dem Grunde nach\". Aus Anla\u00df des 40. Jahrestages der Beendigung des Zweiten Weltkrieges f\u00fchrte die MG M\u00fcnchen am 8. Mai eine \u00f6ffentliche Diskussionsveranstaltung durch, an der sich rund 1.200 Personen beteiligten. Der Redner kritisierte hierbei den \"Trubel\", der um den 8. Mai und den \"Weltwirtschaftsgipfel\" gemacht werde. Er wandte sich gegen die \"patriotischen Gedenkwochen zum Kriegsende\", die \"Feiertage des Bonner Gipfels\" und das \"nationale Gel\u00f6bnis\", das nach Auffassung der MG lautet: \"Wir sind wieder wer und lassen uns das Kriegsergebnis nicht mehr gefallen!\". 85","Zum 30j\u00e4hrigen Bestehen der Bundeswehr erkl\u00e4rte die MG, die Bundesrepublik Deutschland betreibe eine gezielte Aufr\u00fcstung, um den begrenzten NATOAuftrag, die \"Westfront der Sowjetunion aufzurollen\", zu erf\u00fcllen. Damit wolle die Bundeswehr erreichen, da\u00df sich \"der Krieg auf dem Schlachtfeld Europa\" f\u00fcr Deutschland auch lohne. Im Zusammenhang mit den von der \"Friedensbewegung\" initiierten Protestaktionen gegen die Feierlichkeiten zum 30j\u00e4hrigen Bestehen der Bundeswehr riefen auch die MG in Bamberg, Erlangen, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Regensburg zu \u00f6ffentlichen Diskussionsveranstaltungen auf. Hierbei war die Veranstaltung der MG M\u00fcnchen am 13. November in der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t mit rund 500 Zuh\u00f6rern die meistbesuchte Protestveranstaltung in ganz Bayern. 3.10 Undogmatische Gruppen der Neuen Linken 3.10.1 Allgemeines Zum Bereich der Neuen Linken geh\u00f6ren auch die sogenannten undogmatischen Gruppen. Sie sind schwer \u00fcberschaubar und bestehen h\u00e4ufig aus kleinen, \u00f6rtlichen Zirkeln oder lockeren kurzlebigen Zusammenschl\u00fcssen. Sie lehnen starre Organisationsformen und feste Bindungen an ideologische Dogmen ab, bef\u00fcrworten im politischen Kampf Spontanit\u00e4t, Autonomie und \"Selbstorganisation der Unterdr\u00fcckten\". Sie fordern vor allem die Arbeit an der \"Basis\" und \"Selbstbestimmung\" in Bezugsgruppen oder pers\u00f6nlichen \"Arbeitsfeldern\" zur \"eigenen Befreiung\". Das politische Spektrum dieser undogmatischen Linksextremisten reicht von Anh\u00e4ngern eines \"undogmatischen wissenschaftlichen Sozialismus\" \u00fcber Sozialrevolution\u00e4re bis hin zu Anarchisten. Sie alle verfolgen als Endziel die Beseitigung der bestehenden Staatsund Gesellschaftsordnung. Innerhalb der undogmatischen Neuen Linken konnte 1985 der anarchistisch orientierte \"autonome\" Fl\u00fcgel seine Bedeutung weiter festigen. Andere Gruppen dagegen verloren an Einflu\u00df. Neben den undogmatischen Linksextremisten gibt es auch Gruppen, die auf den gleichen Aktionsfeldern, h\u00e4ufig mit \u00e4hnlichen Namen und Organisationsformen t\u00e4tig werden, ohne jedoch extremistische Ziele zu verfolgen. Zu diesem Bereich z\u00e4hlt der gr\u00f6\u00dfte Teil der sogenannten Alternativen. 3.10.2 \"Autonome\" Gruppen Mit Aktionen traten 1985 im Bundesgebiet und in Bayern Gruppen auf, die sich selbst als \"Autonome\" bezeichnen. Dabei handelt es sich vielfach um spontane und lose, nach au\u00dfen jedoch abgeschottete Zusammenschl\u00fcsse ohne einheitliches Konzept. Ihr Ziel ist, den Staat mit seinen Institutionen zu beseitigen und eine \"Autonomie\" in einer \"herrschaftsfreien Gesellschaft\" zu errichten. Hierzu wollen sie zun\u00e4chst \"Freir\u00e4ume\" und \"Widerstandsnester\" erk\u00e4mpfen und den \"Kampf gegen das System\" unberechenbar und flexibel f\u00fchren. Ihre vielfach militanten Aktionen richten sich nicht nur gegen \"Spekulanten, Startbahn und Kernkraft\", sondern auch gegen den \"allt\u00e4glichen Faschismus\", ge86","gen Mittelstreckenraketen, \"Ausl\u00e4nderhetze, Knast und Repressionen\" sowie gegen den \"\u00dcberwachungsstaat\". In Bayern bestehen \"autonome\" Zusammenschl\u00fcsse in Augsburg, Erlangen, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und W\u00fcrzburg, die unter Bezeichnungen wie \"Anti-NATOGruppe\", \"Basisgruppe\", \"Anti-WAA-Gruppe\", \"Prolos\" und \"Jobbergruppe\", teilweise aber auch ohne Namen auftraten. Die personelle St\u00e4rke der Gruppen ist unterschiedlich; sie liegt zwischen f\u00fcnf und 20 Personen. Als Publikationen verbreiteten die \"Autonomen\" in Bayern die Zeitschriften \"Mauerbruch\" und den \"Informationsdienst M\u00fcnchen\". Im Zusammenhang mit dem bundesweiten Hungerstreik inhaftierter terroristischer Gewaltt\u00e4ter (vgl. 4. Abschnitt, Nr. 2.1) ver\u00f6ffentlichten Anfang 1985 auch die \"Autonomen\" in ihren Publikationen und auf Flugbl\u00e4ttern die Forderung der Roten Armee Fraktion (RAF) nach \"Zusammenlegung der Gefangenen aus RAF und Widerstand\". Die Anti-NATO-Gruppe Erlangen veranstaltete hierzu am 1. Februar in Erlangen einen Informationsund Diskussionsabend, an dem rund 200 Personen teilnahmen. An einer Demonstration zu dem Thema \"Mehr Selbstbestimmung f\u00fcr Gefangene\", die am 2. Februar vor der Justizvollzugsanstalt in M\u00fcnchen stattfand, beteiligten sich etwa 60 Personen. Dabei wurden -- einen Tag nach der Er mordung von Dr. Ernst Zimmermann durch ein RAFKommando -- Transparente gezeigt, in denen die \"Zusammenlegung der Gefangenen aus RAF und Widerstand\" gefordert wurde. Ein weiteres Aktionsfeld der \"Autonomen\" war der \"Weltwirtschaftsgipfel\" vom 2. bis 4. Mai in Bonn. \"Autonome\" Gruppen verbreiteten hierzu zahlreiche Flugbl\u00e4tter und Flugschriften. Sie wirkten ferner in dem bundesweiten \"Aktionsb\u00fcndnis gegen den Weltwirtschaftsgipfel\" mit, dessen \"Tr\u00e4gerkreis\" die Protestaktionen steuerte. Bei der Demonstration am 4. Mai in Bonn, an der mehr als 8.000 Personen teilnahmen, bildeten mehrere hundert mit Lederbekleidung und Gesichtsschutz ausger\u00fcstete Anh\u00e4nger \"autonomer\" und \"antiimperialistischer\" Gruppierungen einen eigenen Block. Ein Teil von ihnen warf Feuerwerksk\u00f6rper und Farbbeutel, zerschlug Schaufensterscheiben und griff die Polizei t\u00e4tlich an. Der Tod des Demonstranten G\u00fcnter Sare am 28. September in Frankfurt a.M. l\u00f6ste bundesweit zahlreiche Protestdemonstrationen aus. Dabei kam es vielfach zu gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen und zu Anschl\u00e4gen, insbesondere gegen Einrichtungen der Polizei und der Wirtschaft. In N\u00fcrnberg zogen am 29. September unangemeldet etwa 200 Personen, darunter Anh\u00e4nger der \"Autonomen\", durch die Innenstadt. Die Demonstrationsteilnehmer f\u00fchrten Transparente mit, die Aufschriften trugen wie \"Deutsche Polizisten -- M\u00f6rder und Faschisten\" und \"Polizei, dein Feind und M\u00f6rder\". Am selben Tag versammelten sich in der M\u00fcnchner Innenstadt rund 50 zum Teil vermummte Personen. Aus dieser Menge heraus sowie bei anschlie\u00dfenden Aktionen von Einzelpersonen wurden mehrere geparkte Kraftfahrzeuge und Schaufenster besch\u00e4digt. Die Polizei nahm insgesamt 13 Personen fest, von denen f\u00fcnf Personen der undogmatischen Neuen Linken zuzurechnen waren. Die Standortentscheidung und der Beginn der Rodungsarbeiten f\u00fcr die Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) in Wackersdorf, Landkreis Schwandorf, diente den \"autonomen\" Gruppen als willkommener Anla\u00df f\u00fcr vielf\u00e4ltige militante Ak87","tionen. So beteiligten sich ihre Anh\u00e4nger am 15. August an der Besetzung des WAA-Gel\u00e4ndes. Bei der R\u00e4umung des Gel\u00e4ndes und der Beseitigung des von Demonstrationsteilnehmern errichteten \"Freundschaftshauses\" kam es zu Ausschreitungen, in deren Verlauf 20 Demonstranten vorl\u00e4ufig festgenommen wurden, darunter mehrere Linksextremisten. An einem \"Widerstandswochenende der autonomen WAA-Gegner\" vom 6. bis 8. September in Schwandorf nahmen Gruppen aus mehreren St\u00e4dten Bayerns, vor allem aus M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Erlangen teil. In einem dort verbreiteten Flugblatt eines \"Autonomen WAA Plenums Bayern\" hei\u00dft es: \"Wir halten es f\u00fcr richtig, den Widerstand dort zu leisten, wo die Herrschenden ihr m\u00f6rderisches Projekt verwirklichen wollen, genauso wie es richtig ist, sie in ihren Rattenl\u00f6chern, ihren Fabriken, ihren Luxusvillen etc. zu bek\u00e4mpfen\". An der Gro\u00dfdemonstration am 12. Oktober in M\u00fcnchen mit rund 26.000 Personen beteiligten sich auch etwa 500 \"Autonome\" und Punker, die einen sogenannten \"Schwarzen Block\" bildeten. Demonstranten aus diesem Block bewarfen Polizeibeamte mit Steinen, beschmierten H\u00e4user, zertr\u00fcmmerten Scheiben von Banken und besch\u00e4digten Fahrzeuge. Nach Kundgebungsschlu\u00df nahm die Polizei 43 mutma\u00dfliche T\u00e4ter vorl\u00e4ufig fest. Zu schweren Ausschreitungen kam es dann anschlie\u00dfend im Verlauf eines abendlichen \"Stra\u00dfenfestes\" im M\u00fcnchner Stadtteil Haidhausen, an dem sich rund 500 Personen, darunter \"Autonome\" und Punker beteiligten. Nach Angriffen gegen einen patroullierenden Streifenwagen nahm die Polizei 112 Personen vorl\u00e4ufig fest. Als Reaktion auf die Polizeieins\u00e4tze anl\u00e4\u00dflich der WAA-Demonstration und des anschlie\u00dfenden \"Stra\u00dfenfestes\" meldete eine Anh\u00e4ngerin der undogmatischen Neuen Linken f\u00fcr den 19. Oktober einen Aufzug mit Auftaktund Schlu\u00dfkundgebung an. Wegen Gef\u00e4hrdung der \u00f6ffentlichen Sicherheit und Ordnung verbot die Landeshauptstadt M\u00fcnchen die Versammlung; das Verbot wurde verwaltungsgerichtlich best\u00e4tigt. Trotz dieses Verbotes versammelten sich am 19. Oktober in M\u00fcnchen \"Autonome\" und Punker und marschierten mit Sprechch\u00f6ren wie \"Eins, zwei, drei, la\u00dft sie frei -- Aufruhr, Widerstand, Stadelheim wird abgebrannt!\" in Richtung Justizvollzugsanstalt. Die Polizei l\u00f6ste den Aufzug auf und nahm 53 Personen fest, darunter 24 Anh\u00e4nger der undogmatischen Neuen Linken. An einer weiteren Demonstration am 14. Dezember auf dem Baugel\u00e4nde der WAA im Tax\u00f6lderner Forst beteiligten sich ann\u00e4hernd 1.000 \"Autonome\" aus dem gesamten Bundesgebiet. Im Anschlu\u00df an diese Demonstration errichteten einige hundert Teilnehmer ein durch Barrikaden gesichertes \"H\u00fcttendorf\", das die Polizei am 16. Dezember r\u00e4umte. Zum R\u00e4umungszeitpunkt hielten sich im \"H\u00fcttendorf\" rund 1.000 \"Besetzer\", darunter 200 \"Autonome\" auf. Im Verlauf der R\u00e4umung nahm die Polizei insgesamt 869 Personen fest. 3.10.3 Anarchistische Arbeiter Union (AAU) Anh\u00e4nger der ehemaligen \"Anarchistischen F\u00f6deration S\u00fcdbayern\" (AFS) gr\u00fcndeten im Fr\u00fchjahr 1985 die Anarchistische Arbeiter Union (AAU), der sich sp\u00e4ter auch Angeh\u00f6rige der \"Freien Arbeiter Union\" (FAU) anschlossen. Die 88","rund 20 Mitglieder der AAU orientierten sich weitgehend an der autonomen Szene in M\u00fcnchen und nahmen auch an den Aktionen dieser Kreise teil. Die AAU \u00fcbernahm von der ehemaligen AFS die Herausgabe und Verbreitung der Zeitschrift \"freiraum\". 3.10.4 Linksextreme Schriften Eine besondere Bedeutung f\u00fcr den Informationsaustausch innerhalb der undogmatischen Bewegung haben Publikationen, die auch \u00fcber terroristische Aktionen informieren und Erkl\u00e4rungen terroristischer Gruppen und ihres Umfeldes abdrucken, ferner einige \"Alternativzeitungen\", die immer wieder Raum f\u00fcr Ver\u00f6ffentlichungen extremistischer Positionen bieten. Im regionalen Bereich geh\u00f6ren hierzu das Publikationsorgan der AAU \"freiraum\", die in N\u00fcrnberg sporadisch erscheinende Zeitschrift \"Mauerbruch\" sowie der ebenfalls in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden erscheinende \"Informationsdienst M\u00fcnchen\". Die Zeitschrift \"freiraum\" ver\u00f6ffentlichte 1985 mehrfach Artikel, in denen zur Begehung von Straftaten (SS111 StGB) aufgefordert wurde. So enthielt die Ausgabe Nr. 9 einen Artikel \u00fcber Sabotageakte auf dem Baugel\u00e4nde der WAA mit der Aufforderung zu weiteren Gewalthandlungen. In der Ausgabe Nr. 11 nahmen die Verfasser zu den Ausschreitungen am 12. Oktober im M\u00fcnchner Stadtteil Haidhausen Stellung und forderten zu weiteren Sachbesch\u00e4digungen und anderen Straftaten auf. F\u00fcr beide Ausgaben erlie\u00df das Amtsgericht M\u00fcnchen einen Beschlagnahmebeschlu\u00df. \u00dcberregionale Bedeutung hat die in Berlin (West) herausgegebene Publikation \"die Tageszeitung\" (taz), die bundesweit t\u00e4glich erscheint und von Gruppierungen der undogmatischen Neuen Linken und der \"Alternativbewegung\" getragen wird. Sie berichtete mehrfach \u00fcber Vorg\u00e4nge innerhalb des undogmatischen Lagers und ver\u00f6ffentlichte Erkl\u00e4rungen und Aufrufe extremistischer Gruppierungen. Ebenfalls in Berlin (West) erschien bis April 1984 die von \"autonomen\" Kreisen herausgegebene Zeitschrift \"radikal\", in der wiederholt zum \"bewaffneten Kampf\" aufgerufen wurde. Ende 1984 erkl\u00e4rte das Redaktionskollektiv, die Zeitschrift \"radikal\" k\u00f6nne wegen \"Repressionen\" der Berliner Justizbeh\u00f6rden nur noch \"verdeckt geschrieben und produziert werden\". Die 1985 im Bundesgebiet aufgetauchten Fortsetzungsnummern enthielten ausl\u00e4ndische Kontaktund Bezugsadressen. Inhaltlich befa\u00dften sich beide Ausgaben mit dem Hungerstreik der inhaftierten terroristischen Gewaltt\u00e4ter der Roten Armee Fraktion (RAF). Daneben enthielten sie auch detaillierte Anleitungen zur Herstellung von Sprengund Brands\u00e4tzen sowie die Aufforderung zur Durchf\u00fchrung von Anschl\u00e4gen. 4. Linksextremer Einflu\u00df auf die \"Friedensbewegung\" 4.1 Aligemeines Seit Jahren versuchen Linksextremisten, mit Kampagnen \"f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung\" eine Massenbasis f\u00fcr ihre weitergehenden verfassungsfeindlichen Ziele zu gewinnen. Zu diesem Zweck rufen kommunistische und kommunistisch beeinflu\u00dfte Organisationen Initiativen, Komitees und sonstige Vereini89","gungen ins Leben und beteiligen sich aktiv an bereits bestehenden nichtextremistischen Gruppierungen und Initiativen, die die Sehnsucht der Menschen nach Frieden in den verschiedensten Lebensbereichen zum Ausdruck bringen wollen. Nach wie vor bilden die Linksextremisten innerhalb der \"Friedensbewegung\" zahlenm\u00e4\u00dfig eine Minderheit. Der kommunistische Einflu\u00df geht andererseits aber weit \u00fcber seinen zahlenm\u00e4\u00dfigen Anteil hinaus, weil er wesentlich von der Intensit\u00e4t der Propaganda und dem Engagement innerhalb der unterschiedlichen Gruppen abh\u00e4ngt. Gleichwohl gelang es den kommunistischen Gruppierungen nicht, ihren Einflu\u00df auf die \"Friedensbewegung\" gegen\u00fcber dem Vorjahr noch weiter zu verst\u00e4rken. Der im November 1984 vom bundesweiten \"Koordinierungsausschu\u00df der Friedensbewegung\" gefa\u00dfte Beschlu\u00df, 1985 in eine \"Beratungsphase\" einzutreten und keine Gro\u00dfaktionen zu beschlie\u00dfen, signalisierte auch ein Nachlassen der Aktivit\u00e4ten. Die \"Friedensbewegung\" ist keine homogene \"Bewegung\". Sie besteht vielmehr aus einer Vielzahl von Gruppierungen, die sich in ihrer ideologischen Einstellung, in ihrer Organisation, in Taktik und Zielsetzung und vor allem in der Haltung zur Frage der Gewaltanwendung nicht nur unterscheiden, sondern sich teilweise sogar kontr\u00e4r gegen\u00fcberstehen. Nach diesen Merkmalen k\u00f6nnen die Gruppierungen der \"Friedensbewegung\" unter Ber\u00fccksichtigung der linksextremen Beteiligung in zwei gro\u00dfe Lager zusammengefa\u00dft werden, die sich 1985 wegen ihrer unterschiedlichen Aktionskonzepte gegenseitig nur noch partiell unterst\u00fctzten und weiter voneinander entfernten. Koordinierte Aktionen des gesamten Friedensspektrums waren nur noch bei den Protestveranstaltungen gegen die Feierlichkeiten zum 30j\u00e4hrigen Bestehen der Bundeswehr festzustellen. Der traditionelle Fl\u00fcgel, dessen Organisatoren vielfach orthodoxkommunistische Positionen vertreten, war mit etwa 100.000 st\u00e4ndigen Anh\u00e4ngern im Bundesgebiet wie in den Vorjahren der zahlenm\u00e4\u00dfig st\u00e4rkste Block. Er besteht im wesentlichen aus der DKP, ihren Nebenund beeinflu\u00dften Organisationen und dem gr\u00f6\u00dften Teil der linksextrem beeinflu\u00dften \"Friedensinitiativen\". Haupttr\u00e4ger der linksextremen Aktivit\u00e4ten innerhalb der \"Friedensbewegung\" insgesamt waren nach wie vor die DKP, ihre Nebenorganisationen SDAJ, MSB Spartakus und JP sowie die von ihr beeinflu\u00dften Organisationen, insbesondere KFAZ, DFL), DFG-VK und WN-BdA. Die Aktionen der orthodoxen Kommunisten waren Teil einer von der KPdSU weltweit betriebenen Kampagne, bei der der sowjetisch gelenkte Weltfriedensrat (WFR) eine zentrale Rolle einnimmt. Dem WFR geh\u00f6ren Personen und Organisationen aus mehr als 130 L\u00e4ndern an. Aus der Bundesrepublik Deutschland sind dies die DFU und die WN-BdA als kollektive Mitglieder sowie verschiedene Einzelpersonen wie z.B. das DKPPr\u00e4sidiumsmitglied und Mitglied des KFAZ-B\u00fcros Martha Buschmann, die 1983 in den Kreis der Vizepr\u00e4sidenten des WFR gew\u00e4hlt wurde, und der ehemalige Bundesvorsitzende der DFG-VK und Mitglied des KFAZ-B\u00fcros Klaus Mannhardt. Im \"Aktionsprogramm\" f\u00fcr 1985 hob der WFR die enge Verbindung seiner Aktivit\u00e4ten mit dem \"40. Jahrestag des Sieges \u00fcber den Hitlerfaschismus und der Niederlage des japanischen Militarismus sowie dem Ende des Zweiten Weltkrieges\" hervor. Er wandte sich erneut gegen die Raketen90","Stationierung in Europa und anderen Teilen der Welt und forderte f\u00fcr 1985 \"eine ungeheuere Ausdehnung der Demonstrationen und anderen Aktionen in Europa, Nordamerika und auf allen Kontinenten\". Eine \"lebenswichtige Frage in dieser Stunde\" sei die \"Verhinderung der unheilvollen Pl\u00e4ne zur Militarisierung des Weltalls\". Aufgrund straffer Organisation und Parteidisziplin, ausreichender finanzieller Mittel und einer jahrelangen Erfahrung im Organisieren auch von Gro\u00dfveranstaltungen ist die DKP mit ihrem Umfeld jederzeit in der Lage, gem\u00e4\u00df den von Moskau vorgegebenen Leitlinien Gro\u00dfaktionen zu planen und durchzuf\u00fchren sowie Teilnehmer an Aktionen zu mobilisieren. Auch 1985 sah das DKP-Spektrum in der Mobilisierung von Massenaktionen wie Aufm\u00e4rschen, Kundgebungen und Demonstrationen die wirksamste Waffe im \"Friedenskampf\" und setzte dabei auf eine qualitative Verbreiterung der \"Friedensbewegung\" durch verst\u00e4rkte Einbeziehung demokratischer und kirchlicher Gruppen. Gewaltsame Ausschreitungen wurden tunlichst vermieden. In Einzelf\u00e4llen distanzierte sich der traditionelle Fl\u00fcgel sogar von Gewaltaktionen, die zuweilen bei Demonstrationen und Kundgebungen von kleineren auch nichtpolitischen Gruppen ausgingen. Anh\u00e4nger des traditionellen Fl\u00fcgels beteiligten sich 1985 kaum noch an sogenannten \"gewaltfreien Einzelaktionen\" wie Blockaden und \"Umzingelungen\". Der Protest des orthodox-kommunistisch orientierten traditionellen Fl\u00fcgels der \"Friedensbewegung\" richtete sich 1985 im wesentlichen gegen die NATO-Nachr\u00fcstung und die \"Militarisierung des Weltraums\". Schwerpunkte der \"Herbstaktionen\" waren vor allem die Informationsveranstaltungen \u00fcber das Konzept der \"Strategischen Verteidigungs-Initiative\" (Strategie Defense Initiative = SDI). Deutlich abgesetzt von diesem Spektrum agitierte der autonome/unabh\u00e4ngige Fl\u00fcgel, der sich aus anarchistischen \"Gewaltfreien Aktionsgruppen\", \"AntiNATO\"und \"Anti-Kriegs\"-Gruppen der undogmatischen Neuen Linken, radikal-pazifistischen Initiativen, Gruppen der Umweltschutzbewegung, DritteWelt-Komitees, den Gr\u00fcnen, christlich orientierten und nicht-extremistischen \"Friedensinitiativen\" zusammensetzt. Dieser Fl\u00fcgel ist zum Teil im \"Bundeskongre\u00df unabh\u00e4ngiger Friedensgruppen\" (BUF) organisiert. Er umfa\u00dft im Bundesgebiet etwa 10.000 st\u00e4ndige Anh\u00e4nger. Das Mobilisierungspotential bleibt merklich hinter dem des traditionellen Fl\u00fcgels zur\u00fcck und \u00fcbersteigt derzeit die Zahl der st\u00e4ndigen Anh\u00e4nger nicht wesentlich. Ideologische Gemeinsamkeiten innerhalb des autonomen/unabh\u00e4ngigen Fl\u00fcgels waren kaum erkennbar. Ebenso fehlte eine einheitliche organisatorische F\u00fchrung. Die \"Autonomen/Unabh\u00e4ngigen\" waren weder gewillt noch in der Lage, Massenaktionen selbst durchzuf\u00fchren. Sie setzten auf \"direkte\" Aktionen mit Behinderungscharakter wie Blockaden und Mahnwachen. Sie weigerten sich au\u00dferdem, die Massenaktionen des traditionellen Fl\u00fcgels zu unterst\u00fctzen sowie programmatische Schwerpunkte des DKP-Friedensspektrums, wie beispielsweise die Kampagne gegen SDI, mitzutragen. Die \"Autonomen/Unabh\u00e4ngigen\" bauten das 1984 entwickelte \"Anti-NATO\"-Konzept weiter aus. Sie forderten erneut den Austritt der Bundesrepublik Deutschland aus der NATO. Die am 15. April 1984 in Frankfurt a.M. gegr\u00fcndete bundesweite Initiative \"Kein Frieden mit der NATO -- Raus aus der NATO\", in der vor allem Mitglieder und Anh\u00e4nger der Neuen Linken mitarbeiten, ist neben den in der BUF organisierten 91","Friedensgruppen ma\u00dfgeblich an den \"Anti-NATO-Aktivit\u00e4ten\" beteiligt, die nach eigenen Angaben mit den im Herbst 1985 durchgef\u00fchrten Aktionen gegen die Bundeswehr und die NATO langfristig eingeleitet wurden. In unmittelbarem Zusammenhang damit steht auch das auf Initiative der BUF gebildete Aktionsb\u00fcndnis, das f\u00fcr 1986 einen \"Anti-NATO-Kongre\u00df\" vorbereitet. Bei einem ersten Vorbereitungstreffen am 6. Oktober in Frankfurt a.M. erzielten die teilnehmenden Organisationen \u00dcbereinstimmung in der Beurteilung der NATO als \"aggressives Milit\u00e4rb\u00fcndnis\" und in der Aussage, da\u00df sich die Bundesrepublik Deutschland an den \"NATO-Kriegsvorbereitungen\" aus eigenem politischem Interesse beteilige. 4.2 Agitationsund Aktionsschwerpunkte Einen ersten Aktionsh\u00f6hepunkt in der \"Friedenskampagne\" 1985 bildeten die Aktivit\u00e4ten um die bundesweiten \"Osterm\u00e4rsche\" vom 5. bis 8. April. Wie in den Vorjahren konnten die orthodoxen Kommunisten und ihr Umfeld wichtige Positionen in den Organisationsgremien besetzen und durch fr\u00fchzeitige Mobilisierung ihrer Anh\u00e4nger zum Teil entscheidenden Einflu\u00df auf die Formulierung der \"Ostermarsch-Aufrufe\" und die weiteren Vorbereitungen nehmen. F\u00fcr das Bundesgebiet bestand eine zentrale \"Informationsstelle f\u00fcr Osterm\u00e4rsche\" in Frankfurt a.M., deren Adresse mit der Anschrift der DFU-Landesgesch\u00e4ftsstelle von Hessen \u00fcbereinstimmte. F\u00fcr die Vorbereitungen in Nordbayern zeichnete das N\u00fcrnberger Forum \"Es gibt nichts Wichtigeres als den Frieden -- Keine Atomraketen in Europa\" verantwortlich, in dessen Tr\u00e4gerkreis f\u00fchrende Funktion\u00e4re der DKP und der DFU mitarbeiten. F\u00fcr S\u00fcdbayern lagen die Vorbereitungen zun\u00e4chst bei einem aus neun Organisationen bestehenden \"M\u00fcnchner Ostermarschkreis\", dem u.a. die DKP-beeinflu\u00dften Vereinigungen DFG-VK, VVN-BdA, BIFA und das M\u00fcnchner Friedensforum angeh\u00f6rten. Sp\u00e4ter wurden in diesen Kreis auch die Vereinigten M\u00fcnchner Friedensinitiativen (VMF) aufgenommen, in denen neben der DFG-VK auch mehrere Organisationen der dogmatischen Neuen Linken mitarbeiten. Aktionsmaterialien zum \"Ostermarsch\" konnten bei der DFU-Landesgesch\u00e4ftsstelle in N\u00fcrnberg oder beim \"Friedensb\u00fcro\" in M\u00fcnchen angefordert werden. Vom 5. bis 8. April demonstrierten bundesweit rund 130.000 Personen (1984: 200.000) mit \"Friedensm\u00e4rschen\", Kundgebungen und \"Umzingelungen\" von Milit\u00e4ranlagen gegen NATO-Nachr\u00fcstung und \"Militarisierung des Weltraums\" sowie f\u00fcr Abr\u00fcstung in Ost und West. In Bayern fanden 34 Aufz\u00fcge und Kundgebungen statt, an denen sich insgesamt 26.000 Personen (1984: 33.000) beteiligten. Hauptzentren der \"Osterm\u00e4rsche\" waren N\u00fcrnberg mit 10.000 Teilnehmern und M\u00fcnchen mit 5.000 Teilnehmern. Gr\u00f6\u00dfere Aktionen mit rund 500 und mehr Teilnehmern fanden in Aschaffenburg, Augsburg, Erlangen, Kempten, Landshut, Schweinfurt und Traunstein statt. Tr\u00e4ger der Veranstaltungen waren \u00f6rtliche oder regionale \"Friedensinitiativen\", die vielfach Bez\u00fcge zur DKP oder ihrem Umfeld aufwiesen oder von linksextremen Gruppierungen aktiv unterst\u00fctzt wurden. Bei mehreren Veranstaltungen traten als Anmelder, Versammlungsleiter und Redner DKP-Funktion\u00e4re oder Funktion\u00e4re DKP-beeinflu\u00dfter Organisationen auf. 92","Am 16/17. Juni fand in K\u00f6ln ein \"Gro\u00dfer Ratschlag der Friedensbewegung'' statt. An dem Treffen beteiligten sich etwa 700 Personen des gesamten Friedensspektrums. Mehr als die H\u00e4lfte aller Teilnehmer davon waren orthodoxkommunistischen Gruppierungen zuzurechnen. Das als \"Strategiekonferenz\" angek\u00fcndigte Treffen diente vor allem der Entwicklung von \"Handlungsperspektiven\" und Grundlagen f\u00fcr \"gemeinsame Aktionen\". Die Diskussionen in den zw\u00f6lf Arbeitsgruppen lie\u00dfen eine weitgehende Einigkeit \u00fcber die Schwerpunkte k\u00fcnftiger Protestthemen und Forderungen der \"Friedensbewegung\" erkennen. Dieser Konsens in den Grundforderungen f\u00fchrte zur Verabschiedung eines Aufrufes an die Bundesregierung, der folgende Forderungen enth\u00e4lt: -- Absage an alle Pl\u00e4ne der Weltraummilitarisierung, -- Stopp der Stationierung und Abbau von Pershing Il-Raketen sowie Verzicht auf Cruise Missiles und Beseitigung aller in der Bundesrepublik Deutschland gelagerten Massenvernichtungsmittel, -- Senkung der R\u00fcstungsausgaben, -- Beendigung der inneren Militarisierung und -- Einsatz der f\u00fcr R\u00fcstung vorgesehenen Mittel zur \u00dcberwindung von Hunger und Elend in der Dritten Welt, von Umweltzerst\u00f6rung und Arbeitslosigkeit. Zu Fragen der Abr\u00fcstung im kommunistischen Machtbereich \u00e4u\u00dferte sich der Aufruf nicht. Diese Handlungsweise verdeutlicht den auf der F\u00fchrungsebene der \"Friedensbewegung\" bestehenden Einflu\u00df des orthodox-kommunistischen Spektrums. In Anlehnung an den \"Gro\u00dfen Ratschlag\" in K\u00f6ln fanden am 22. Juni in N\u00fcrnberg und am 13. Juli in M\u00fcnchen regionale Konferenzen der \"Friedensbewegung\" statt, an denen sich Vertreter der \u00f6rtlichen \"Friedensgruppen\" aus dem nordbzw. s\u00fcdbayerischen Raum beteiligten. Zu der Konferenz in N\u00fcrnberg hatte das \"N\u00fcrnberger Forum\" eingeladen. Die Einladungen zur Konferenz in M\u00fcnchen gingen von einem aus 16 Organisationen bestehenden \"S\u00fcdbayerischen Koordinierungskreis\" aus. Zu diesem Koordinierungskreis geh\u00f6rten auch die DKP-beeinflu\u00dften Vereinigungen DFG-VK, VVN-BdA, BIFA und M\u00fcnchner Friedensforum sowie die Vereinigten M\u00fcnchner Friedensinitiativen (VMF). Beide Aktionskonferenzen schlossen sich im wesentlichen den in K\u00f6ln gefa\u00dften Beschl\u00fcssen an und legten die Aktionsschwerpunkte f\u00fcr Bayern fest. Danach beabsichtigte die \"Friedensbewegung\" zur Beteiligung an der f\u00fcr den 12. Oktober in M\u00fcnchen geplanten Demonstration gegen die Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) in Wackersdorf aufzurufen, die gewerkschaftliche Aktionswoche vom 12. bis 19. Oktober zu unterst\u00fctzen und die zentralen Veranstaltungen f\u00fcr die \"Informationswoche\" vom 10. bis 16. November vorzubereiten. Inhaltlich wandten sich die Aufrufe der Aktionskonferenzen gegen das SDIKonzept und die \"regionale Militarisierung\". Aus Anla\u00df des 40. Jahrestages der Atombomben-Abw\u00fcrfe auf die japanischen St\u00e4dte Hiroshima und Nagasaki (679. August 1945) fanden Anfang August in mehreren bayerischen St\u00e4dten Aktionen zum sogenannten \"Hiroshima-Tag\" statt, an denen sich insgesamt 1.000 Personen beteiligten. Als Veranstalter traten vielfach orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dfte \"Friedensinitiativen\" und 93","die DKP-beeinflu\u00dfte DFG-VK auf. Linksextreme Organisationen wie DKP und SDAJ benutzten aber auch den traditionellen \"Antikriegstag\" der Gewerkschaften am 1. September zur Darstellung ihrer \"friedenspolitischen\" Positionen. Am 6. August ver\u00f6ffentlichte die berufsspezifische \"Naturwissenschaftler-Initiative: Verantwortung f\u00fcr den Frieden \" ihren Aufruf \"Wir warnen vor der Strategischen Verteidigungsinitiative\". Zu den Erstunterzeichnern dieses Aufrufes, der sich gegen die \"Militarisierung des Weltraumes\" wendet, geh\u00f6ren u.a. f\u00fchrende Funktion\u00e4re und Mitglieder der DKP, der DFU und der DFG-VK. Nach dem Willen der orthodoxen Kommunisten soll dieser Aufruf \"massenpolitisch\" den \"Krefelder Appell\", mit dem die \"NaturwissenschaftlerInitiative\" organisatorisch, personell und inhaltlich verbunden ist, fortsetzen und zu einer \"Verbreiterung\" der Protestbewegung beitragen. Deshalb mobilisierte die DKP die ihr nahestehenden Friedensb\u00fcndnisse. So beschlo\u00df beispielsweise das \"Hamburger Forum\" am 8. September, \"den Appell der Naturwissenschaftler mit einer massenhaften Unterschriftensammlung zu unterst\u00fctzen\". Am 14./15. September schlo\u00df sich die von der DFU gesteuerte \"Krefelder Initiative\" offiziell der neuen Kampagne an. Sie richtete in Hannover als Auftakt zu den \"Herbstaktionen der Friedensbewegung\" das Festival \"Hiroshima mahnt -- Stoppt den R\u00fcstungswahnsinn -- K\u00fcnstler werben f\u00fcr den Frieden\" und eine internationale \"Tagung \u00fcber die bewaffnete milit\u00e4rische Nutzung des Weltraums\" aus. Von der \"Expertentagung\" aus erging die Aufforderung der \"Krefelder Initiative\", Unterschriften f\u00fcr den Aufruf der Naturwissenschaftler zu sammeln und in vielfacher Weise gegen SDI t\u00e4tig zu werden. Seit dieser Zeit sammeln mehrere Gruppen des orthodox-kommunistischen Bereichs Unterschriften f\u00fcr den Aufruf der Naturwissenschaftler-Initiative. Unter dem Motto \"F\u00fcr das \u00dcberleben neu mobilisieren -- Frieden schaffen durch Abr\u00fcstung -- Den R\u00fcstungswahnsinn beenden!\" veranstaltete die \"Friedensbewegung\" vom 10. bis 16. November ihre seit Monaten vorbereitete \"Informationswoche\". Zur gleichen Zeit fand an den Hochschulen eine \"Friedenswoche\" statt, zu der die \"Naturwissenschaftler-Initiative: Verantwortung f\u00fcr den Frieden\" aufgerufen hatte. Auf die bundesweiten Vorbereitungen der \"Informationswoche\" \u00fcbten die orthodoxen Kommunisten einen erheblichen Einflu\u00df aus. Von den f\u00fcnf Mitarbeitern, die in der Vorbereitungsphase im B\u00fcro des \"Koordinierungsausschusses\" besch\u00e4ftigt waren, geh\u00f6rten vier der DKP oder ihrem Umfeld an. In dem Redaktionsstab f\u00fcr die \"Massenzeitung\" und dem \"Leitfaden\" sa\u00dfen zahlreiche Angeh\u00f6rige von Organisationen des orthodox-kommunistischen Bereichs, darunter auch zwei Mitglieder der DKP. Nach Angaben des \"Koordinierungsausschusses der Friedensbewegung\" sollen im Verlauf der \"Informationswoche\" bundesweit in mehr als 450 Orten \u00fcber 5.000 Veranstaltungen durchgef\u00fchrt worden sein, wobei die Bewegung mit ihren Informationen \u00fcber eine Million Menschen erreicht habe. In Bayern fanden hierzu in mehreren St\u00e4dten \"Friedenswochen\" statt. Als Veranstalter traten vielfach \u00f6rtliche \"Friedensinitiativen\" oder \"Aktionsb\u00fcndnisse\" auf, bei denen Gruppen des orthodox-kommunistischen Spektrums mitarbeiteten. Die der dogmatischen Neuen Linken zuzurechnende MLPD f\u00fchrte lediglich in Aschaffenburg eine eigene Veranstaltung durch. Die h\u00f6chste Teilnehmerzahl mit 94","1.500 Personen erreichte die gemeinsame s\u00fcdbayerische Abschlu\u00dfaktion am 16. November in M\u00fcnchen, zu der 13 Organisationen und Gruppen aufgerufen hatten, darunter die DKP-beeinflu\u00dften Vereinigungen DFG-VK, WN-BdA, BIFA und M\u00fcnchner Friedensforum sowie die Vereinigten M\u00fcnchner Friedensinitiativen (VMF). Trotz des erheblichen publizistischen Aufwandes und zahlreicher \u00f6rtlicher Aktionsb\u00fcndnisse sowie der Aufrufe des Bonner \"Koordinierungsausschusses der Friedensbewegung\" und der \"Bundeskonferenz Unabh\u00e4ngiger Friedensgruppen\" (BUF) beteiligten sich an den Protestaktionen gegen die Feierlichkeiten zum 30j\u00e4hrigen Bestehen der Bundeswehr bundesweit nur knapp 5.000 Personen. Zu der als \u00fcberregionale Protestaktion angek\u00fcndigten Demonstration am 12. November vor der Ermekeil-Kaserne in Bonn fanden sich lediglich 200 Personen ein. An der Auff\u00fchrung des Bert-Brecht-Gedichtes \"Legende vom toten Soldaten\" am 13. November in Ostenholz/Niedersachsen nahmen nur 150 Personen teil. In Bayern richteten sich vom 25. Oktober bis 19. November in 12 St\u00e4dten Demonstrationen und sogenannte Informationsabende gegen die Feierlichkeiten der Bundeswehr. Dabei traten fast ausschlie\u00dflich linksextreme oder linksextrem beeinflu\u00dfte Organisationen als Veranstalter auf. In N\u00fcrnberg geh\u00f6rten die DFG-VK, die GIM und der KB einem \"Aktionsb\u00fcndnis gegen die Bundeswehr-Feiern im Rathaus\" an. In M\u00fcnchen f\u00fchrte das Komitee \"Kein Grund zum Feiern -- 30 Jahre Bundeswehr\", in dem nach internen Kontroversen ausschlie\u00dflich Gruppen der Neuen Linken vertreten waren, am 12. November eine Demonstration mit rund 250 Teilnehmern durch. Die mitgef\u00fchrten Transparente und Plakate trugen Aufschriften wie \"Kein Friede mit der NATO\", \"Bundeswehr -- Angriff ist die beste Verteidigung\" und \"Diesem System keinen Mann und keinen Groschen\". Im Anschlu\u00df an die Demonstration versuchte eine Gruppe militanter Teilnehmer, die gleichzeitig stattfindende Bundeswehr-Feier auf dem Odeonsplatz durch Pfiffe und Zwischenrufe zu st\u00f6ren. Die Polizei nahm 24 St\u00f6rer in Gewahrsam. Die urspr\u00fcnglich f\u00fcr den 14./15. Dezember geplante \"Aktionskonferenz\", auf der \u00fcber weitere gemeinsame Aktionen entschieden werden sollte, wurde auf Anfang Februar 1986 verschoben. Die im \"Koordinierungsausschu\u00df der Friedensbewegung\" vertretenen 28 Organisationen, darunter mehrere linksextreme und linksextrem beeinflu\u00dfte Gruppierungen, konnten sich nicht auf ein gemeinsames Konzept f\u00fcr eine \"bundesweite Gro\u00dfaktion\" und die k\u00fcnftigen Protestschwerpunkte einigen. In einem Rundbrief des \"Koordinierungsausschusses\" legten Vertreter des traditionellen und des autonomen/ unabh\u00e4ngigen Fl\u00fcgels der \"Friedensbewegung\" ihre unterschiedlichen Positionen dar. W\u00e4hrend der Sprecher des traditionellen Fl\u00fcgels in einer Demonstration in Bonn mit Schwerpunkt \"Protest gegen Weltraummilitarisierung\" die \"st\u00e4rkste und direkteste Konfrontation mit der Bundesregierung\" sah, pl\u00e4dierte der Vertreter der BUF f\u00fcr eine \"zentrale Massenaktion und f\u00fcr Aktionen zivilen Ungehorsams an einem Stationierungsort\". Die \"Friedensbewegung\" m\u00fcsse die Bereitschaft der Parteien, f\u00fcr die \"bedingungslose Beseitigung\" der Pershing II zu sorgen sowie die Aufstellung der Cruise Missiles zu verhindern, zum Pr\u00fcfstein machen. Eine \"einfache Umorientierung\" auf die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) w\u00fcrde die \"Identit\u00e4t der Friedensbewegung\" gef\u00e4hrden. Die bun95","desweite \"Aktionskonferenz '86\" \u00fcbernahm den Aktionsvorschlag des \"Koordinierungsausschusses\", der f\u00fcr den 11. Oktober 1986 eine gemeinsame Gro\u00dfaktion am Stationierungsort der Cruise Missiles in Hasselbach, RheinHunsr\u00fcck-Kreis, vorsieht. 4.3 \"Die Friedensliste\" Das Wahlb\u00fcndnis \"Die Friedensliste\", das 1984 auf Betreiben der DKP und der von ihr beeinflu\u00dften DFL) sowie der Demokratischen Sozialisten (DS) entstand, war auch 1985 regional und bundesweit aktiv. Am 172. Juni wurde in Bonn ein neuer Bundesvorstand der \"Friedensliste\" gew\u00e4hlt. Von den 37 gew\u00e4hlten Personen geh\u00f6ren mehr als die H\u00e4lfte der DKP oder DKP-beeinflu\u00dften Organisationen an. In dem f\u00fcnfk\u00f6pfigen Sprecherrat des Bundesvorstandes befinden sich u.a. ein DKPund ein DFU-Funktion\u00e4r. 1985 beteiligte sich die \"Friedensliste\" an den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen. Die Kandidaten der \"Friedensliste NRW\", die sich im Dezember 1984 als politische Partei konstituierte, waren in ihrer Mehrheit Mitglieder der DKP oder DKP-beeinflu\u00dfter Organisationen. Bei den Wahlen erhielt die \"Friedensliste NRW\" 61.818 g\u00fcltige Stimmen t - 0,7 %). Sie blieb damit deutlich unter dem Ergebnis der Europawahl im Jahre 1984 mit 95.405 Stimmen (= 1,3%), \u00fcbertraf jedoch erheblich das von der DKP bei der Landtagswahl 1980 erzielte Ergebnis von 0,3 %. Nach den bisher gefa\u00dften Beschl\u00fcssen tritt die \"Friedensliste\" bei der Bundestagswahl 1987 mit eigenen Kandidaten an. 96","3. Abschnitt Rechtsextremismus 1. Allgemeines Der Rechtsextremismus verf\u00fcgt im Gegensatz zum Linksextremismus orthodoxer Pr\u00e4gung nicht \u00fcber ein geschlossenes theoretisches System, das \u00fcber L\u00e4nderund Kulturgrenzen hinweg Anspruch auf Allgemeing\u00fcltigkeit erhebt. In der Bundesrepublik Deutschland sind die Bestrebungen rechtsextremer Organisationen im wesentlichen dadurch gekennzeichnet, da\u00df sie die Grundlagen der Demokratie ablehnen und -- aus taktischen Gr\u00fcnden meist nicht offen erkl\u00e4rt - eine totalit\u00e4re Regierungsform unter Einschlu\u00df des F\u00fchrerprinzips anstreben. Bestimmende Merkmale des Rechtsextremismus sind vor allem -- die pauschale \u00dcberbewertung der Interessen einer rassistisch verstandenen \"Volksgemeinschaft\" zu Lasten der Interessen und Rechte des einzelnen, die auf eine Aush\u00f6hlung der Grundrechte abzielt (v\u00f6lkischer Kollektivismus), -- ein den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung mi\u00dfachtender Nationalismus, -- die offene oder verdeckte Wiederbelebung des Antisemitismus und anderer rassistischer Thesen, die mit dem Schutz der Menschenw\u00fcrde und dem Gleichheitsprinzip nicht vereinbar sind, -- immer wiederkehrende Versuche, das NS-Regime unter Herausstellung angeblich positiver Leistungen des Dritten Reiches zu rechtfertigen, seine Verbrechen zu verharmlosen oder sogar zu leugnen. Hinzu kommt die allen Extremisten gemeinsame planm\u00e4\u00dfige Bek\u00e4mpfung und Diffamierung der bestehenden Staatsform und ihrer Repr\u00e4sentanten in der Absicht, den \u00fcberragenden Wert der freiheitlichen demokratischen Grundordnung in den Augen der Bev\u00f6lkerung zu ersch\u00fcttern. Diese Merkmale sind nicht gleichm\u00e4\u00dfig bei allen rechtsextremen Organisationen zu beobachten. Manchmal sind nur Teilaspekte bestimmend; auch d e Intensit\u00e4t und die Mittel des Kampfes gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung sind unterschiedlich. Wie im Vorjahr verfolgten die rechtsextremen Organisationen und Gruppen keine einheitliche Strategie. Organisatorische Zersplitterung, der Mangel einer geschlossenen Ideologie sowie das Fehlen ausreichender finanzieller Mittel lie\u00dfen den Rechtsextremismus in Bayern keinen gr\u00f6\u00dferen Einflu\u00df gewinnen. 97","Im Jahre 1985 bet\u00e4tigten sich in Bayern wie im Vorjahr 30 rechtsextreme Organisationen und Gruppen mit knapp 3.900 Mitgliedern bzw. Anh\u00e4ngern (1984: 3.800). Innerhalb des organisierten Rechtsextremismus stellten die Deutsche Volksunion (DVU) mit ihren Aktionsgemeinschaften und die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) einschlie\u00dflich ihrer Jugendund Studentenorganisation mit zusammen rund 3.400 Mitgliedern in Bayern den gr\u00f6\u00dften Anteil. Im Bereich des organisierten Neonazismus war insgesamt eine Zunahme der Aktivit\u00e4ten und der Mitgliederzahlen festzustellen. Mit dem bundesweiten Zusammenschlu\u00df \u00f6rtlicher Gruppierungen der Nationalistischen Front (NF) vollzog sich ein Konzentrationsproze\u00df. Ehemalige Anh\u00e4nger der verbotenen Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) waren weiterhin bestrebt, sich unter dem Dach bestehender Gruppierungen organisatorisch neu zu formieren und insbesondere in der von ihnen unterwanderten Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) Vorstellungen der ANS/NA durchzusetzen. Rechtsextreme Bestrebungen bzw. Kontakte zu rechtsextremen Gruppen waren auch bei einigen Vereinigungen mit wehrsportlicher Ausrichtung festzustellen. \u00dcbersicht \u00fcber Zahl und Mitgliederst\u00e4rke rechtsextremer Organisationen in Bayern (Mehrfachmitgliedschaften sind durch Abzug bereits ber\u00fccksichtigt) 1984 1985 Anzahl der Organisationen 30 30 Mitgliederst\u00e4rke NPD mit JN und NHB 1.350 1.400 DVU einschl. Aktionsgemeinschaften 2.000 2.000 Neonazistische Organisationen und Einzelaktivisten 150 170 Sonstige Organisationen 320 320 Insgesamt 3.820 3.890 Aktuelles Thema rechtsextremer Agitation war insbesondere der 40. Jahrestag der deutschen Kapitulation vom Mai 1945, den vor allem die NPD und die DVU, aber auch Teile der organisationsunabh\u00e4ngigen rechtsextremen Publizistik propagandistisch zu nutzen versuchten, indem sie den \"Leidensweg\" der Deutschen und die \"absurde Lage unseres Landes\" nach dem \"Zusammenbruch des Reiches\" hervorhoben. Dabei wurde insbesondere der Bundespr\u00e4sident wegen seiner Rede zum 8. Mai heftig angegriffen. Weitere Agitationsschwerpunkte bildeten wie im Vorjahr die Kriegsschuldfrage, die Judenverfolgung im Dritten Reich und das Ausl\u00e4nderund Asylantenproblem, das inzwischen Rechtsextremisten aller Schattierungen aufgegriffen haben. Ihr ma\u00dfgebliches Motiv ist dabei ihre rassistische und nationalistische Einstellung, die sich mit vorgeblich gesicherten Erfahrungen und weltanschaulichen \"Erkenntnissen\" gegen alles Andersgeartete und Fremde richtet. Sie versuchen, unter Ausnutzung wirtschaftlicher Existenz\u00e4ngste mit Warnungen vor einer \"Ausl\u00e4n98","der\u00fcberflutung\" fremdenfeindliche Vorurteile propagandistisch zu f\u00f6rdern, um dadurch breite Unterst\u00fctzung f\u00fcr ihre weitergehenden politischen Ziele zu erreichen. Dabei bedienen sie sich auch der Hilfe eigens zu diesem Zweck gegr\u00fcndeter \"B\u00fcrgerinitiativen\", deren Argumentation die rechtsextreme Urheberschaft und Zielsetzung oft nur schwer erkennen l\u00e4\u00dft. Mit nationalistischen Neutralismusparolen, die oft antiamerikanische Z\u00fcge trugen, versuchten Rechtsextremisten au\u00dferdem, den Gedanken eines der \"Friedenssicherung\" dienenden wiedervereinigten \"Gro\u00dfdeutschlands\" zu propagieren. Die Zahl der neonazistischen und antisemitischen Vorf\u00e4lle, die vielfach keinen Bezug zu einer bestimmten rechtsextremen Organisation erkennen lassen, ist gegen\u00fcber dem Vorjahr zur\u00fcckgegangen. Verringert haben sich auch die Kontakte bayerischer Neonazis zu Gleichgesinnten im Ausland, w\u00e4hrend sich der Anteil des aus dem Ausland stammenden und in Bayern verbreiteten rechtsextremen Propagandamaterials erh\u00f6hte. Militante Neonazis, die Gewalt nicht nur bef\u00fcrworten, sondern auch anwenden, stellen nach wie vor eine Bedrohung der \u00f6ffentlichen Sicherheit dar. Von erheblicher Bedeutung war wiederum die T\u00e4tigkeit der in Bayern ans\u00e4ssigen organisationsunabh\u00e4ngigen Verlage und Vertriebsdienste, die Druckerzeugnisse mit rechtsextremem Inhalt in hoher Auflage herstellten und verbreiteten. Das Angebot erfa\u00dfte aufgrund seiner Quantit\u00e4t nicht nur organisierte Rechtsextremisten, sondern zielte auch auf sonstige Personen ab, die f\u00fcr rechtsextreme Vorstellungen ansprechbar sind. In Bayern traten 1985 im wesentlichen folgende Organisationen und Gruppen in Erscheinung: 1.1 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) mit ihrer Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN), der Nebenorganisation Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) und der von der NPD gesteuerten B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp (BIA) 1.2 Deutsche Volksunion (DVU) mit den Aktionsgemeinschaften Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie (VOGA) Aktion Deutsche Einheit (AKON) Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (l.f.A.) Aktion deutsches Radio und Fernsehen (ARF) Ehrenbund Rudel -- Gemeinschaft zum Schutz der Frontsoldaten Schutzbund f\u00fcr Leben und Umwelt 1.3 Neonazistische Gruppen Verbotene Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP) Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) Nationalistische Front (NF) Deutsche B\u00fcrgerinitiative (DBI) 99","1.4 Sonstige rechtsextreme Organisationen Deutscher Block (DB) Wiking-Jugend (WJ) Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik (GfP) Freundeskreis Ulrich von H\u00fctten Die Deutsche Freiheitsbewegung (DDF) Gesellschaft f\u00fcr biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung (GfbAEV) Wehrsportgruppen 2. Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 2.1 Ideologisch-politischer Standort Obwohl die NPD in ihrem Programm betont, sie trete f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung ein, steht sie wesentlichen Prinzipien dieser Grundordnung ablehnend gegen\u00fcber. Ihr erkl\u00e4rtes Ziel ist die \"Wiedergeburt Deutschlands\" durch die \"Wiederherstellung des souver\u00e4nen deutschen Nationalstaates\" und Errichtung einer \"Nationaldemokratie\", in der das Wohl des eigenen Volkes f\u00fcr jedermann oberstes Gebot ist. \"Einziger Ma\u00dfstab\" ihres politischen Handelns ist der \"Gemeinnutz f\u00fcr Volk und Vaterland\". So betrachtet die NPD den Staat als \"die Organisationsform des Volkes, welche nicht ein B\u00fcttel von Gruppeninteressen oder der Selbstbedienungsladen von Parteien ist, sondern der Wahrer des Ganzen\". Sie propagiert eine Wirtschaftsund Gesellschaftsordnung, die einem \"dem Gemeinsinn verpflichteten Menschen dient\" und eine \"freie Entfaltung unter v\u00f6lkischer Verantwortung\" erm\u00f6glicht. Die Partei will \"das Gegeneinander des Privatund des Staatskapitalismus auf deutschem Boden\", insbesondere die \"Gemeinschaftsfeindlichkeit des unsolidarischen Privatkapitalismus\", durch die \"neue Sittlichkeit einer sozial gerechten Gemeinschaftsordnung\" \u00fcberwinden und nach dem Motto \"kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander\" die \"Gemeinschaft des Volkes\" wiederherstellen. Dabei versteht sie unter Gemeinschaft \"nicht die Summe von Interessen, sondern die Summe an Hingabe\". Diese pauschale \u00dcberbewertung der \"Volksgemeinschaft\" im Sinne eines v\u00f6lkischen Kollektivismus kn\u00fcpft an ein Leitbild an, das wesentlicher Bestandteil der nationalsozialistischen Ideologie war. Die Absicht, Interessengegens\u00e4tze innerhalb der Gesellschaft durch die uneingeschr\u00e4nkte Unterordnung des einzelnen unter nicht n\u00e4her definierte Gemeinschaftsinteressen aufzuheben, ist mit den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten nicht vereinbar und l\u00e4uft -- langfristig gesehen und aus taktischen Erw\u00e4gungen nicht offen ausgesprochen -- auf eine totalit\u00e4re Staatsform mit F\u00fchrerund Gefolgschaftsprinzip hinaus. Ferner klingen in den Ver\u00f6ffentlichungen der Partei nach wie vor rassistische und nationalistische Zielsetzungen und Denkweisen an. Ihre f\u00fcr Rechtsextremisten charakteristische Ablehnung alles Andersartigen, hinter der sich die \u00dcberzeugung von der H\u00f6herwertigkeit der eigenen Rasse und Nation verbirgt, versuchte die NPD unter Berufung auf die \"Vielfalt des Lebens und seiner Erscheinungen\" zu rechtfertigen, wobei sie ihre \"Achtung vor der nat\u00fcrlichen 100","Ungleichheit der Menschen\" hervorhob. Entsprechend dieser auf ihrem \"lebensrichtigen Bild der V\u00f6lker und Menschen\" beruhenden Grundeinstellung lehnte sie eine \"multirassische\" und \"multikulturelle\" Gesellschaft ab und betonte stattdessen das \"Recht der Deutschen auf nationale und kulturelle Identit\u00e4t\". Mit der Parole \"Ausl\u00e4nderstopp -- Gebot der Vernunft!\" warnte sie vor einer \"\u00dcberschwemmung unseres Landes mit Ausl\u00e4ndern\", die gegen die \"Interessen des deutschen Volkes\" versto\u00dfe. Insbesondere kritisierte sie das Assoziierungsabkommen mit der T\u00fcrkei, das ab 1. Dezember 1986 eine \"uneingeschr\u00e4nkte Millionen-Zuwanderung\" erm\u00f6gliche, und verwies auf die durch \"\u00dcberfremdung unseres Landes\" auftretenden \"erheblichen sozialen Spannungen\", die \"f\u00fcr die Zukunft nicht kalkulierbare politische Unruhen ausl\u00f6sen\" w\u00fcrden. Dar\u00fcber hinaus \u00e4u\u00dferte die NPD, das Eintreten f\u00fcr den \"ungehemmten Zustrom von Ausl\u00e4ndern\" gef\u00e4hrde langfristig das \"biologische \u00dcberleben unseres Volkes\" und erkl\u00e4rte, eine \"verantwortliche Politik f\u00fcr die Zukunft unseres Volkes\" bedeute \"vor allem die Sicherung der v\u00f6lkischen Existenz\". Aus angeblicher Sorge um die Ausl\u00e4nder wandte sie sich schlie\u00dflich auch gegen eine Fortsetzung der \"menschenund v\u00f6lkerverachtenden Integration\" und forderte einen grundlegenden politischen Wandel, der die \"getarnte Zwangsgermanisierung\" beenden m\u00fcsse. Wie im Vorjahr verzichtete die Partei weitgehend auf Versuche, das NS-Regime zu rechtfertigen und behauptete, die Zeit von 1933 bis 1945 sei \"f\u00fcr uns kein Vorbild\". Gleichwohl erkl\u00e4rte die Partei, sie lasse \"unsere Geschichte zum Mi\u00dfbrauch f\u00fcr politische und wirtschaftliche Ziele nicht kriminalisieren, mit der Zielsetzung, Deutschland auf ewig der Siegerwillk\u00fcr und dem Willen ihrer deutschen Helfershelfer zu unterwerfen\". Es sei \"f\u00fcr die deutsche Selbstachtung h\u00f6chste Zeit\", die \"\u00fcberhebliche Moral\" insbesondere der Westalliierten zu Fall zu bringen. Diese h\u00e4tten \"aufgrund ihrer Mitkriegsschuld und ihrer Kriegsverbrechen nicht das geringste Recht, auf uns einen Stein zu werfen\". Entsprechend dem Wunsch der Mehrheit der Bev\u00f6lkerung, \"objektivere und exaktere Informationen\" \u00fcber die NS-Zeit zu erhalten, m\u00fcsse den \"unertr\u00e4glichen kollektiven Beschuldigungen unseres Volkes sowie den unertr\u00e4glichen Geschichtsverf\u00e4lschungen, die von bestimmten Bonner Hof-Historikern, Politologen und anderen Kreisen seit 40 Jahren formuliert\" w\u00fcrden, die \"historisch ermittelbare Wahrheit\" entgegengesetzt werden. Die \"Schuldzuweisungen und Schuldbekenntnisse\" anl\u00e4\u00dflich des 40. Jahrestages der deutschen Kapitulation k\u00f6nne man nur als \"Verh\u00f6hnung unseres Volkes\" betrachten. Mit einem derartigen \"Flagellantentum\" lasse sich \"keine Zukunft gestalten\". Zu den Hauptangriffszielen der Partei geh\u00f6rten auch 1985 die demokratischen Institutionen und ihre Repr\u00e4sentanten. So erkl\u00e4rte die NPD, das \"etablierte Parteiensystem\" mit seinen \"verkommenen\" Vertretern habe \"politisch und moralisch abgewirtschaftet\" und der Bundesrepublik Deutschland \"den Stempel einer s\u00fcdamerikanischen Bananenrepublik aufgedr\u00fcckt\". Die Demokratie als \"Staatsform der angeblichen Volkssouver\u00e4nit\u00e4t\" habe sich \"zur Oligarchie gewandelt\". Die Parlamente in Bund und L\u00e4ndern seien keine Volksvertretungen, sondern eine \"Repr\u00e4sentation der unser politisches Leben beherrschenden Schichten der B\u00fcrokratie, der Interessengruppen und der Funktion\u00e4re\". In Bonn regierten \"nicht das Gemeinwohl, sondern Eigennutz, K\u00e4uflichkeit und Machterhaltungswahn\". Die \"Bonner \u00dcbel-Parteien\" wurden teils als \"\u00fcberfl\u00fcs101","sig , teils als \"Versager ohne Ruckgrat bzw. als \"Verfechter eines perversen Nationalmasochismus\" bezeichnet. Diese diffamierende Polemik l\u00e4\u00dft darauf schlie\u00dfen, da\u00df die NPD die Prinzipien des Mehrparteiensystems und der Chancengleichheit der Parteien trotz ihres formalen Bekenntnisses zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung ablehnt. Der 1982 beschlossene neutralistische Kurs der Partei sieht einen Zusammenschlu\u00df der beiden deutschen Staaten zu einer \"Konf\u00f6deration Deutschland\" als Vorstufe zur Wiedervereinigung vor und enth\u00e4lt die Forderung nach dem Austritt der Bundesrepublik Deutschland und der DDR aus der NATO bzw. dem Warschauer Pakt. Dazu vertritt die NPD die Auffassung, Deutschland werde friedlich nur dann wiedervereinigt, wenn dies der Interessenlage der Sowjetunion entspreche. Deutsche Politik habe daher zu pr\u00fcfen, ob es eine Parallelit\u00e4t der staatspolitischen Interessen zwischen einem vereinigten Deutschland und der Sowjetunion gebe. Es w\u00e4re verfehlt, sich immer st\u00e4rker in die Rolle eines \"amerikanischen Hilfssheriffs in Europa\" einbinden zu lassen; vielmehr m\u00fcsse der Sowjetunion klar gemacht werden, welch hohen Gewinn ein wiedervereinigtes blockfreies Deutschland im Rahmen normalisierter bilateraler Beziehungen zu bieten h\u00e4tte. Endziel der staatlichen Neuordnung sei \"das ganze Deutschland in seinen historischen Grenzen bis zur Memel\". Der Parteivorstand der NPD erkl\u00e4rte am 26. Juni, er begr\u00fc\u00dfe die \"Aufhebung des sogenannten Radikalenerlasses\" durch das Kabinett des Saarlands. Die NPD sehe in der \"nunmehr 13j\u00e4hrigen Praxis der Berufsverbote\" Verst\u00f6\u00dfe gegen das Grundgesetz. Es sei zu hoffen, da\u00df \"der saarl\u00e4ndische Beschlu\u00df Wirkungen auch auf andere, namentlich CDU/CSU-regierte Bundesl\u00e4nder und auf die Rechtsauslegung haben\" werde, um die \"derzeitige unhaltbare Diskriminierungs-Praxis endlich zu beenden\". Der vom diesj\u00e4hrigen Bundesparteitag gebilligte Entwurf eines neuen Parteiprogramms mit dem Titel \"Nationaldemokratische Gedanken f\u00fcr eine lebenswerte Zukunft\" soll das bisherige \"D\u00fcsseldorfer Programm\" von 1973 abl\u00f6sen, der ver\u00e4nderten au\u00dfen-, verteidigungsund deutschlandpolitischen Zielsetzung der Partei, insbesondere der Wende zum Nationalneutralismus, Rechnung tragen und offenbar rechtzeitig vor der Bundestagswahl 1987 den Eindruck erwecken, die NPD verfolge verfassungskonforme Ziele. 2.2 Organisation Die am 28. November 1964 in Hannover von Funktion\u00e4ren der ehemaligen Deutschen Reichspartei (DRP) gegr\u00fcndete NPD z\u00e4hlte 1985 wie im Vorjahr bundesweit rund 6.100 Mitglieder. JN und NHB sind dabei nicht eingerechnet. Der Beitritt zur NPD ist mit der Verpflichtung verbunden, monatliche Beitr\u00e4ge zu entrichten, Satzung und Programm der NPD als verbindlich zu akzeptieren und sich zu den Zielen der Partei zu bekennen. Gegen\u00fcber dem Vorjahr haben sich keine wesentlichen organisatorischen \u00c4nderungen ergeben. Parteivorsitzender ist Martin Mu\u00dfgnug, der diese Funktion seit 1971 innehat. Seine Stellvertreter sind der Vorsitzende des Landesverbandes Bayern Walter Bachmann, der Generalsekret\u00e4r der Partei Walter Seetzen und der Vorsitzende des Landesverbandes Baden-W\u00fcrttemberg J\u00fcrgen Sch\u00fct102","Entwicklung der Mitgliederzahlen der NPD in Bayern 1967 1969 1971 1973 1975 1977 1979 1981 1983 1985 6000 5500 5000 4500 4000 3500 3000 2500 2000 1500 1000 500 zinger. Der Landesverband Bayern mit Sitz in M\u00fcnchen z\u00e4hlt knapp 1.300 Mitglieder (ohne JN und NHB). Er gliedert sich in sieben Bezirksund rund 60 Kreisverb\u00e4nde, von denen aber mehr als die H\u00e4lfte nicht aktiv ist. Als Organ der NPD erscheint im parteieigenen Verlag in Stuttgart die Zeitung \"Deutsche Stimme\" mit einer durchschnittlichen monatlichen Auflage von rund 100.000 Exemplaren (1984: 100.000). Die Bezugsgeb\u00fchr ist im Mitgliedsbeitrag eingeschlossen. Zur Erg\u00e4nzung des Verbandsorgans und als Argumentationshilfe f\u00fcr die Mitglieder gibt der Parteivorstand die Flugschrift \"NPD-aktuell\" heraus. Der \"NPD-Info-Blitz\" wurde 1985 nicht mehr festgestellt. Die \u00d6ffentlichkeitsarbeit in Bayern wird dar\u00fcber hinaus durch die vom Landesverband aus aktuellem Anla\u00df jeweils in Flugblattform herausgegebene Schrift \"Die deutschen Nationaldemokraten informieren\" sowie mit dem ebenfalls unregelm\u00e4\u00dfig erscheinenden Mitteilungsblatt \"Bayern-Stimme\" unterst\u00fctzt. Der \"NPDFrankenspiegel\" des Bezirksverbandes Mittelfranken hat nur regionale Bedeutung. Eine im Herbst 1985 in Oberitalien er\u00f6ffnete Schulungsst\u00e4tte, die von einem Parteivorstandsmitglied aus Moosburg a.d. Isar, Landkreis Freising, geleitet wird, soll der Heranbildung von F\u00fchrungskr\u00e4ften dienen. In ihrem im Januar 1986 ver\u00f6ffentlichten Rechenschaftsbericht nach dem Parteiengesetz wies die NPD f\u00fcr 1984 Gesamteinnahmen von rund 3,7 Millionen DM (1983: 1,5 Mio. DM) aus, von denen 14,7% (1983:36,3%) auf Mitgliedsbeitr\u00e4ge, 26,9% (1983:57,9%) auf Spenden und 48,3% auf die Erstattung von Wahlkampfkosten aus der Europawahl 1984 (1,8 Millionen DM) entfielen. Beim Landesverband Bayern sind f\u00fcr 1984 Gesamteinnahmen von 367.866 DM (1983: 265.732 DM) ausgewiesen, davon 17,5% (1983:22,7%) Mitgliedsbeitr\u00e4ge und 67,3 % (1983: 71 %) Spenden. 103","Rand- I Pulverfa\u00df Etablierte bemerkung Deutschland Betr\u00fcger I Deutschlands Einheit kommt bestimmt S^^TEHff^sm1 Lesen und weitergeben DEUTSCHEMELSTIMME 10.JahiganaKr.il/Kovembetl9B9 Einzelpreis 2,-DM Nationaldemokratlsche Zeltung Die Lage der NPD ist nach wie vor durch anhaltende personelle und organisatorische Schw\u00e4chen gekennzeichnet. Hingegen hat sich ihre finanzielle Situation durch die Wahlkampf Kostenerstattung aus der Europawahl 1984 in H\u00f6he von rund 1,8 Millionen DM zumindest auf Bundesebene stabilisiert. Nach Jahren stetigen Niedergangs sieht sich die Partei daher \"wieder auf dem Weg nach oben\" und hofft, sich zu einem Faktor entwickeln zu k\u00f6nnen, der entscheidenden Einflu\u00df auf die Politik in der Bundesrepublik Deutschland nimmt. Seit der Europawahl 1984 ist ihre Arbeit insbesondere auf einen Erfolg bei der Bundestagswahl 1987 ausgerichtet. Daneben begannen die Vorbereitungen f\u00fcr die Landtagswahl 1986 in Bayern, an der die NPD gleichfalls teilnehmen will. 2.3 Aktivit\u00e4ten Unter dem Motto \"Deutschlands Wiedergeburt -- Hoffnung f\u00fcr Europa\" hielt die NPD am 14./15. September in Neustadt an der Weinstra\u00dfe ihren 19. Ordentlichen Bundesparteitag ab. Daran beteiligten sich rund 600 Personen, darunter etwa 250 Delegierte, die bei der Neuwahl des Parteivorstands den Bundesvorsitzenden und seine drei Stellvertreter in ihren Funktionen best\u00e4tigten. Ferner billigten sie den Entwurf eines neuen Parteiprogramms, das dem n\u00e4chsten Bundesparteitag zur Beschlu\u00dffassung vorgelegt werden soll. Der Parteivorsitzende Martin Mu\u00dfgnug erkl\u00e4rte in seinem Rechenschaftsbericht, da\u00df sich die NPD zum \"Vorrang der nationalen Interessen\" bekenne und damit der \"nationalen Orientierungslosigkeit\", deren geistiger Hintergrund die ..r\u00fcckgratlose \u00dcbernahme des Denkens und der Interessen der Siegerm\u00e4chte von 1945\" sei, eine Absage erteile. Unver\u00e4nderbares Ziel ihrer Politik sei die \"Wiederherstellung des deutschen Nationalstaates\" in seinen historischen Grenzen \"bis zur Memel\". Die Lage der Nation sei dadurch gekennzeichnet, da\u00df die Deutschen \"in ihrer Gesamtheit politisch die Besiegten von 1945 geblieben\" seien. Die \"etablierten Politiker in unserer Republik\" f\u00e4nden sich \"in einer allen gemeinsamen Unterw\u00fcrfigkeitshaltung\" zusammen und seien \u00fcberzeugt, da\u00df Deutschland \"nie wieder eine bedeutende europ\u00e4ische Macht werden\" d\u00fcrfe. Es sei jedoch verfehlt zu glauben, der Friede lasse sich durch \"Bejahung der deutschen Schw\u00e4che\" und Anerkennung der deutschen Teilung sichern. Die NPD lehne daher eine \"Politik der Unterwerfung\" unter die Interessen des Ostens oder des Westens ab und trete stattdessen f\u00fcr einen \"deutschen Sonderweg\" ein, der unserer Geschichte, unserer Bedeutung, unserem Leistungsverm\u00f6gen und vor allem unserer unver\u00e4nderbaren geographischen 104","P A S G A N Z E D E U T S C H L A N D S O L L E S S E I N BAYERN STIMME M I T T E I L U N O S BLATT DES N P D ^ L A N D E S V E R B A N D E S BAYERN Lage in der Mitte Europas entspreche und \"aus den Bl\u00f6cken heraus\" zu einem wiedervereinigten, souver\u00e4nen und neutral mit Ost und West zusammenarbeitenden Deutschland f\u00fchre. Das diesj\u00e4hrige \"Deutschlandtreffen\" der NPD fand am 15. Juni in Stadthagen, Kreis Schaumburg, statt. Da die Partei in den Heimatvertriebenen ein neues W\u00e4hlerpotential entdeckt zu haben glaubt, hatte sie die Veranstaltung bewu\u00dft in die zeitliche und r\u00e4umliche N\u00e4he des Schlesiertreffens in Hannover gelegt. Dort verteilten NPD-Mitglieder am Vormittag des 15. Juni Flugbl\u00e4tter und Ansteckplaketten mit dem Aufdruck \"Ein Herz f\u00fcr Deutschland\" sowie eine eigens gedruckte Sondernummer des Parteiorgans \"Deutsche Stimme\". Bei der anschlie\u00dfenden Kundgebung in Stadthagen trat vor rund 600 Teilnehmern auch der Landesvorsitzende der Jungen Nationaldemokraten (JN) Ralf Ollert aus N\u00fcrnberg als Redner auf. Der NPD-Landesverband Bayern f\u00fchrte am 2. Juni in Kelheim unter dem Leitspruch \"20 Jahre Arbeit f\u00fcr ganz Deutschland -- Bayerische Nationaldemokraten!\" seinen 19. Ordentlichen Landesparteitag durch. Der Landesvorsitzende Walter Bachmann k\u00fcndigte an, da\u00df die NPD zur Landtagswahl 1986 und zur Bundestagswahl 1987 in allen bayerischen Stimmkreisen bzw. Bundeswahlkreisen eigene Kandidaten aufstellen werde. Er kritisierte die \"Pharis\u00e4erhaftigkeit\" der CSU und warf ihr vor, mit \"Ostdeutschland\" eine \"b\u00f6se Verzichtspolitik\" zu treiben. Im Zeichen der n\u00e4chsten Wahlk\u00e4mpfe stand auch die Rede des Parteivorsitzenden Martin Mu\u00dfgnug, der die Themen \"Friedenspolitik, deutsche Einheit, Souver\u00e4nit\u00e4t, Abbau der Arbeitslosigkeit, Ausl\u00e4nderpolitik\" und \"EG-Unsinn\" als Schwerpunkte der k\u00fcnftigen Wahlwerbung herausstellte und erkl\u00e4rte, nach der mit dem 8. Mai 1985 verbundenen \"Welle deutscher Dem\u00fctigung und Selbstgei\u00dfelung\" sei es nun Aufgabe der NPD, eine \"Welle deutscher Selbstbehauptung und Selbstachtung\" in Gang zu setzen. Ferner hielt die bayerische NPD in Amberg, Landshut und M\u00fcnchen Versammlungen aus Anla\u00df des Tages der Reichsgr\u00fcndung (18. Januar 1871) ab. Bei den Veranstaltungen in Landshut und M\u00fcnchen erl\u00e4uterte der NPD-Generalsekret\u00e4r Walter Seetzen aus Bremen den neutralistischen Kurs der Partei mit der Begr\u00fcndung, Europa d\u00fcrfe nicht st\u00e4ndig \"so zerrissen bleiben und schutzlos den imperialistischen Superm\u00e4chten ausgeliefert sein\". Des weiteren f\u00fchrte die NPD einen \"Politischen Aschermittwoch\" am 20. Februar in Vilshofen, eine \"Bayerwaldaktion\" am 30. M\u00e4rz in Zwiesel, einige Kundgebungen am 1. Mai, 105","eine Sonnwendfeier am 22. Juni, drei Aktionen zum Jahrestag des Baues der Berliner Mauer (13. August 1961), einen \"Ostbayerntag\" am 21. September in Straubing sowie zahlreiche \u00f6ffentliche Veranstaltungen durch, bei denen sich die Redner \u00fcberwiegend mit dem Asylantenund Ausl\u00e4nderproblem sowie Fragen der Wiedervereinigung und der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft befa\u00dften. 2.4 Junge Nationaldemokraten (JN) Die JN als Jugendorganisation der NPD bekennen sich nach ihrem Statut in Ideologie und Zielsetzung zum Programm der Mutterpartei. Sie sind zur aktiven Mitarbeit in den Gremien der NPD verpflichtet, kritisieren aber deren Kurs als zu wenig k\u00e4mpferisch. Ihr Verhalten ist durch eine erheblich aggressivere Argumentation gekennzeichnet. Dieses \u00e4u\u00dfere Erscheinungsbild wird von der Mutterpartei nur bedingt toleriert. Aus vorwiegend taktischen Gr\u00fcnden versucht die NPD, die Jugendorganisation zu disziplinieren, ihren Konfrontationskurs zu entsch\u00e4rfen und den in Teilbereichen erkennbaren neonazistischen Ans\u00e4tzen entgegenzutreten. Bundesvorsitzender der JN ist seit Oktober 1983 Hermann Lehmann aus Uehrde/Niedersachsen. Den Landesverband Bayern leitet Ralf Ollert aus N\u00fcrnberg. Entwicklung der Mitgliederzahlen der JN in Bayern Mitglieder 1969 1971 1973 1975 1977 1979 1981 1983 1985 350 300 250 200 150 100 50 1985 z\u00e4hlten die JN im Bundesgebiet wie im Vorjahr rund 550 Mitglieder. In Bayern, wo sie einen geringen Zuwachs auf rund 135 (1984: 120) Mitglieder verzeichneten, entwickelten nur die Bezirksverb\u00e4nde Mittelund Unterfranken sowie die Kreisverb\u00e4nde M\u00fcnchen und Alt\u00f6tting/Traunstein Aktivit\u00e4ten. Ende 1985 wurde die organisatorische Basis durch die Gr\u00fcndung von Kreisverb\u00e4nden in Regensburg, Coburg und im Landkreis N\u00fcrnberger Land erweitert. Der JN-Bundesvorstand gibt in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden das Mitteilungsblatt \"Junge Stimme\" heraus. Weitere Publikationen des Bundesvorstandes sind der \"JN-Org-Blitz\" und der \"JN-Pressedienst\". Die Zeitschrift \"JN-Konkret\" wurde 1985 nicht mehr festgestellt. Das unregelm\u00e4\u00dfig herausgegebene 106","Publikationen der Jungen Nationaldemokraten Nachrichtenblatt des Landesverbandes Bayern \"JN-Bayern-Info\" enth\u00e4lt Mitteilungen des Landesvorstandes, Presseerkl\u00e4rungen sowie Berichte und Termine der bayerischen Verb\u00e4nde. Dem Mitteilungsblatt \"JN-Info\" des Bezirksverbandes Mittelfranken kommt nur regionale Bedeutung zu. Die neu erschienene Schrift \"Die Kreiss\u00e4ge\" ist das Organ des Kreisverbandes M\u00fcnchen. Auf dem 14. Ordentlichen Bundeskongre\u00df der JN, der am 26727. Oktober unter dem Motto \"JN -- Hammer statt Ambo\u00df\" in M\u00fcnchen stattfand, best\u00e4tigten die Delegierten den bisherigen Bundesvorsitzenden in seiner Funktion. Als Stellvertreter w\u00e4hlten sie Stephan Meise aus Bergisch-Gladbach/NordrheinWestfalen, Max Arndt vom Brocke aus He\u00dfdorf, Landkreis Erlangen-H\u00f6chstadt, und Karl-Heinz Sendb\u00fchler aus M\u00fcnchen. Ein Antrag auf Feststellung der Unvereinbarkeit einer Mitgliedschaft von JN-Angeh\u00f6rigen in der Wiking-Jugend, deren \"neonazistische Tendenzen f\u00fcr die JN unertr\u00e4glich\" seien, wurde mit klarer Mehrheit angenommen. 107","Die F\u00fchrungsschw\u00e4che der JN-Spitze spiegelt sich nach wie vor in der geringen Motivation der Mitglieder wider. So beschr\u00e4nkten sich die \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten in Bayern im wesentlichen auf die Errichtung von Informationsst\u00e4nden und die Unterst\u00fctzung von Aktionen der NPD. 2.5 Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) Der NHB mit Sitz in M\u00fcnchen wurde 1967 als Studentenorganisation der NPD in T\u00fcbingen gegr\u00fcndet. Er steht in \"kritischer Solidarit\u00e4t\" zur NPD und vertritt nach seiner Satzung die nationaldemokratische Grundhaltung an den deutschen Universit\u00e4ten und Hochschulen. Mit dem Beitritt zum NHB ist die Verpflichtung verbunden, dessen Zielsetzung anzuerkennen und zu unterst\u00fctzen. Der in Hochschulgruppen gegliederte NHB z\u00e4hlt im Bundesgebiet wie im Vorjahr etwa 30 Mitglieder. Bundesvorsitzender ist Karl-Heinz Sendb\u00fchler aus M\u00fcnchen, der bei der 21. Ordentlichen Bundesversammlung am 14. Dezember in M\u00fcnchen wiedergew\u00e4hlt wurde. In Bayern besteht eine Hochschulgruppe in M\u00fcnchen, die sich an den Gremienwahlen im Sommersemester 1985 nicht beteiligte. Die Erlanger Hochschulgruppe zeigte 1985 keine Aktivit\u00e4ten. Publikationsorgan des NHB ist der \"NHB-Report\". Die Zeitschrift erschien 1985 einmal mit einer Auflage von etwa 10.000 Exemplaren. Au\u00dferhalb der Universit\u00e4ten trat der NHB nicht in Erscheinung. Hinsichtlich des Hochschulbereichs wird auf Abschnitt 5 verwiesen. 2.6 B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp (BIA) Die von der NPD gesteuerte BIA wurde Anfang 1980 von NPD-Funktion\u00e4ren in Bochum gegr\u00fcndet. Mit ihren gegen die Integration der Ausl\u00e4nder gerichteten Forderungen verfolgt sie das Ziel, die fremdenfeindliche Agitation der NPD zu unterst\u00fctzen und dadurch neue Mitglieder und W\u00e4hler f\u00fcr die Partei zu gewinnen. Die BIA wird von der NPD personell, publizistisch und organisatorisch unterst\u00fctzt. \"Vertrauensmann\" der BIA ist der Vorsitzende des NPD-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen. \"Kontaktadresse\" des \"Regionalverbandes S\u00fcd\" ist die Anschrift des NPD-Landesverbandes Bayern. In Bayern trat die BIA durch die Verbreitung von Plakaten und Aufklebern in Erscheinung. In ihrer zweimonatlich herausgegebenen Druckschrift \"Deutsche Zukunft\" verwies sie auf die \"immer bedrohlichere Ausma\u00dfe\" annehmende \"Asylantenschwemme\", f\u00fcr die unsere \"\u00fcppigen Sozialleistungen\" mitverantwortlich seien. Ferner warnte sie vor einer \"neuen V\u00f6lkerwanderung\" und den dadurch bedingten sozialen und ethnischen Konflikten, zumal der \"Wille zur Erhaltung der eigenen Art\" in der Bundesrepublik Deutschland bereits \"verk\u00fcmmert\" sei. Die mit der \"\u00dcberfremdung\" auf uns zukommenden Probleme zw\u00e4ngen dazu, das \"Heer der Gastarbeiter\" deutlich zu reduzieren, um \"unseren Lebensraum und unsere Lebensformen im eigenen Land\" behaupten zu k\u00f6nnen. 108","109","3. Deutsche Volksunion (DVU) 3.1 Ideologisch-politischer Standort Die DVU, die keine politische Partei ist, weist hinsichtlich ihrer ideologischen Ausrichtung weitgehend \u00dcbereinstimmung mit der NPD auf. Sie befa\u00dft sich mit \u00e4hnlichen Themen wie die NPD, ist jedoch in ihren Aussagen aggressiver und mehr tagespolitisch bezogen. Im Gegensatz zur NPD und einigen anderen rechtsextremen Organisationen steht sie nationalistisch-neutralistischen Bestrebungen, die auf eine Losl\u00f6sung der Bundesrepublik Deutschland aus dem westlichen Verteidigungsb\u00fcndnis hinauslaufen, ablehnend gegen\u00fcber. Zu den Schwerpunkten ihrer Agitation geh\u00f6rten 1985 vor allem Versuche, die NS-Zeit zu rechtfertigen und in diesem Zusammenhang Rudolf He\u00df als M\u00e4rtyrer und verhinderten Friedensstifter darzustellen. So \u00e4u\u00dferte die DVU, mit der \"einseitigen Garantieerkl\u00e4rung f\u00fcr Polen, Rum\u00e4nien und Griechenland\" sei die \"grundlegende Wendung\" der englisch-franz\u00f6sischen Au\u00dfenpolitik \"endg\u00fcltig besiegelt\" worden und der Kriegsausbruch f\u00fcr Churchill absehbar gewesen. Die \"Propaganda der Sieger einschlie\u00dflich deutscher Spitzenpolitiker\" wolle jedoch \"alle Schuld am Zweiten Weltkrieg allein der deutschen Seite zuteilen\" und die Welt glauben machen, da\u00df England, das damals \"ein Viertel der Welt im Kolonialjoch hielt und 250 V\u00f6lker in diesen Kolonien versklavte\", \"ausgerechnet f\u00fcr die Freiheit des polnischen Volkes in den Krieg gezogen\" sei. Rudolf He\u00df sei am 10. Mai 1941 nach England geflogen, um \"der britischen Regierung den eindringlichen Wunsch und Plan eines Kompromi\u00dffriedens vorzutragen\". Er habe alles gewagt, um den \"europ\u00e4ischen B\u00fcrgerkrieg zu verhindern, ehe er noch zum Weltkrieg ausgeartet war\". Mit der fortschreitenden \u00d6ffnung der kriegsgeschichtlichen Archive beginne die \"These von Deutschlands Alleinschuld am Zweiten Weltkrieg\" einzust\u00fcrzen, da \"wissenschaftliche Forschungen\" eine Mitschuld von Roosevelt, Churchill und Stalin aufzeigten. Auch wenn es um \"Verbrechen im Zweiten Weltkrieg\" gehe, werde in. den Medien nur die deutsche Seite belastet, obwohl \"alliierte und sowjetische Verbrechen\" wie Katyn, Dresden und Hiroshima weltbekannt seien. Statt \"von der SowjetPropaganda erfundene deutsche Greuel\" nachzubeten, solle sich ein Politiker besser Gedanken \u00fcber die \"unerme\u00dflichen und allesamt unges\u00fchnten Untaten am deutschen Volk und seinen Soldaten\" machen. Die \"von wahnwitziger Rachsucht getragenen\" N\u00fcrnberger Kriegsverbrecherprozesse wurden als \"Inquisitionsgericht der Sieger\" und \"moderne Hexenprozesse\" bezeichnet, in denen \"die zum Himmel schreienden Untaten\" der alliierten Kriegsgegner \"tabu\" gewesen seien. Ferner kritisierte die DVU die Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung, wobei sie eine \"Umschichtung der Geldmittel von Integration zur R\u00fcckkehrf\u00f6rderung\", die \"Durchsetzung unserer nationalen Interessen in Sachen EG-Freiz\u00fcgigkeit\" sowie eine Gesetzesinitiative gegen den \"Asylbetrug\" forderte. Sie behauptete, das deutsche Volk habe sich gegen die seit Jahren betriebene \"Einwanderungsund Integrationspropaganda\" erstaunlich immun gezeigt. Da nach dem Ergebnis von Meinungsumfragen \"80 % der Bundesb\u00fcrger\" vern\u00fcnftige und schrittweise vollzogene Ausl\u00e4nderbegrenzungsma\u00dfnahmen begr\u00fc\u00dfen w\u00fcrden, brauchten sich die Politiker von etwaigen Protesten einer winzigen Schicht 110","\"volksferner Phantasten in den Schaltzentren der Meinungsmache\" nicht beeindrucken zu lassen. Auch 1985 diffamierte die DVU demokratische Institutionen und ihre Repr\u00e4sentanten, wobei sich ihre Agitation zunehmend gegen Vertreter der CDU richtete. So bezichtigte sie die \"politischen F\u00fchrer dieses Landes\", sie bet\u00e4tigten sich st\u00e4ndig als \"Chirurgen zur Entfernung des deutschen R\u00fcckgrats\". Dem Bundespr\u00e4sidenten unterstellte sie nach seiner Rede zum 8. Mai \"Unmoral und Pharis\u00e4ertum\" und erkl\u00e4rte, er drehe \"seine alte tibetanische UmerziehungsGebetsm\u00fchle\", so als ob er sich \"in der Geschichte nur mit Kriechspuren zu verewigen\" gedenke. Seine \"ewigen Schuldund S\u00fchnetiraden\" wirkten sich \"verheerend\" auf die deutsche Politik aus. Schon jetzt k\u00f6nne \"von uns jeder fast alles verlangen, und sei er auch der gr\u00f6\u00dfte Lump\". Bereits der \"zarteste Hinweis auf die b\u00f6se Vergangenheit\" l\u00f6se \"beim deutschen Teilstaat West den bedingten Dukatenkack-Reflex aus\". Der \"wahrhaft antideutschen\" Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung warf die DVU vor, sie diene fast ausschlie\u00dflich der \"einseitigen und exzessiven Belastung des deutschen Volkes\". Weitere Angriffe galten dem Verfassungsschutz, der sich wegen seiner den \"Interessen des Sowjetimperialismus\" dienenden \"Phantasiegebilde\" \u00fcber eine \"Gefahr von rechts\" die Frage gefallen lassen m\u00fcsse, inwieweit er \"l\u00e4ngst vom Osten durchsetzt und beeinflu\u00dft\" sei. 3.2 Organisation Die DVU wurde im Jahre 1971 in M\u00fcnchen als Auffangbecken f\u00fcr ehemalige NPD-Anh\u00e4nger gegr\u00fcndet. Nach ihrer Satzung haben die Mitglieder au\u00dfer der Zahlung monatlicher Beitr\u00e4ge keine weiteren Verpflichtungen. Die DVU z\u00e4hlt derzeit im Bundesgebiet zusammen mit ihren Aktionsgemeinschaften wie im Vorjahr rund 12.000 Mitglieder, davon etwa 2.000 in Bayern. Bundesvorsitzender ist der Verleger Dr. Gerhard Frey aus M\u00fcnchen. Seine Stellvertreter sind Dr. Bernhard Steidle und Dr. Fritz von Randow. Die DVU unterh\u00e4lt in allen Bundesl\u00e4ndern formell Bezirksverb\u00e4nde, deren Vorsitzende nicht gew\u00e4hlt, sondern von Dr. Frey bestimmt werden. Die in Bayern bestehenden Untergliederungen entwickelten nach wie vor kaum eigene Initiativen. Das offizielle Presseorgan der DVU ist der \"Deutsche Anzeiger\" (DA) mit einer w\u00f6chentlichen Auflage von etwa 25.000 Exemplaren. Erh\u00f6hte Auflagen zu beGenicksch\u00fcsse f\u00fcr Deutsche Polnische Verbrechen entdeckt /Seite5 Deutscher Anzeiger Freiheitliehe W o c h e n z e i t u n g &xsr*afsPSis% R 2357 c 111","sonderen Anl\u00e4ssen sind dabei nicht eingerechnet. Dr. Frey ist auch Herausgeber der mit dem DA teilweise inhaltsgleichen \"Deutschen National-Zeitung\" (DNZ), die im Regelfall w\u00f6chentlich in einer Auflage von etwa 75.000 Exemplaren erscheint. 3.3 Aktivit\u00e4ten Neben der publizistischen Propagandat\u00e4tigkeit lag der Schwerpunkt der Aktivit\u00e4ten der DVU in der Durchf\u00fchrung \u00f6ffentlicher Veranstaltungen, bei denen die DVU insbesondere die Diskussion um den 40. Jahrestag der deutschen Kapitulation aufgriff. So sprach der britische Schriftsteller David Irving im Rahmen einer bundesweiten DVU-Vortragsreihe am 9. M\u00e4rz in Bad Kissingen und am 11. M\u00e4rz in Lindau (Bodensee) vor jeweils rund 60 Teilnehmern zum Thema \"Sollen die Deutschen die Kapitulation feiern?\". Er betonte, da\u00df die Deutschen keinen Grund h\u00e4tten, den 8. Mai 1945, der doch der Zeitpunkt ihrer tiefsten Dem\u00fctigung gewesen sei, als Tag der \"Befreiung\" zu begehen. An einer Protestkundgebung gegen die Veranstaltung in Lindau (Bodensee) beteiligten sich rund 300 Personen. Dabei kam es zu Pfeifkonzerten und massiven verbalen Auseinandersetzungen. Versuche einiger Gegendemonstranten, den Zugang zum Versammlungslokal zu blockieren, wurden von der Polizei unterbunden. Zum Thema \"8. Mai: Sollen die Deutschen ewig b\u00fc\u00dfen?\" f\u00fchrte die DVU Mitte Mai 1985 im s\u00fcddeutschen Raum eine weitere Vortragsreihe mit David Irving durch. Der Redner bezweifelte das Ausma\u00df der Judenvernichtung und wies darauf hin, da\u00df die Siegerm\u00e4chte des Zweiten Weltkriegs grundlos unz\u00e4hlige Greuelmorde an Deutschen ver\u00fcbt h\u00e4tten. Zu den Veranstaltungen in Bayreuth, Garmisch-Partenkirchen, Ingolstadt und W\u00fcrzburg erschienen insgesamt rund 430 Zuh\u00f6rer. Bei der Bundesversammlung der DVU am 2. Juni in W\u00fcrzburg erhielt David Irving vor rund 350 Besuchern den 1983 gestifteten \"Hans-Ulrich-Rudel-Preis\". In den Einladungsschreiben hatte der DVU-Vorsitzende Dr. Gerhard Frey die Mitglieder aufgerufen, durch Teilnahme an der Veranstaltung jenen Politikern, die \"unser Volk mit der unsittlichen These einer Kollektivverantwortung f\u00fcr immer im Schuldturm halten m\u00f6chten\", die \"rechte Antwort\" auf die \"Exzesse des Nationalmasochismus in diesem Mai\" zu geben. Gegen die Durchf\u00fchrung der DVU-Versammlung protestierten in der N\u00e4he des Tagungslokals rund 300 politische Gegner, darunter auch Mitglieder der DKP, der SDAJ, des MSB Spartakus und der DKP-beeinflu\u00dften VVN-BdA. Am 10. August hielt die DVU in Passau unter dem Motto \"Einheit f\u00fcr Deutschland -- Freiheit f\u00fcr Europa\" ihre allj\u00e4hrliche Gro\u00dfkundgebung ab. Vor rund 1.200 Teilnehmern, darunter etwa 350 \u00d6sterreichern und S\u00fcdtirolern, verlieh Dr. Frey dem S\u00fcdtiroler Sch\u00fctzenhauptmann Oswald Astf\u00e4ller den erstmals mit 20.000 DM dotierten \"Andreas-Hofer-Preis\" des DVU-Organs \"Deutscher Anzeiger\". Die Laudatio auf den Preistr\u00e4ger hielt der Schriftsteller Dr. Nikolaus von Preradovich, der Astf\u00e4llers Einsatz f\u00fcr den \"Freiheitskampf\" S\u00fcdtirols w\u00fcrdigte. Anschlie\u00dfend wandte sich Dr. Frey in seiner Rede insbesondere gegen die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden, die Gewerkschaften und die \"Verzichtspolitiker\". Einem Gastwirt aus Nesselwang, dessen Hotel am 11. Mai 1985 bei ge112","waltsamen Ausschreitungen gegen das Treffen eines Kameradschaftsverbandes der ehemaligen Waffen-SS besch\u00e4digt worden war, \u00fcbergab er einen Scheck \u00fcber 40.000 DM, die aufgrund eines in Dr. Freys Zeitungen ver\u00f6ffentlichten Spendenaufrufs eingegangen waren. An einer Protestkundgebung gegen die DVU-Versammlung beteiligten sich rund 500 Personen, darunter zahlreiche Angeh\u00f6rige der DKP, VVN-BdA, DFU und des BWK. Im Rahmen einer weiteren Vortragsreihe der DVU sprach David Irving im November 1985 in Augsburg, M\u00fcnchen und Nesselwang, Landkreis Ostallg\u00e4u, zum Thema \"Die Geheimnisse des N\u00fcrnberger Prozesses\". Er bezeichnete den N\u00fcrnberger Kriegsverbrecherproze\u00df als einen \"Schauproze\u00df\", bei dem Beweise gef\u00e4lscht und manipuliert, Zeugenaussagen erkauft und Gest\u00e4ndnisse durch Folterungen erpre\u00dft worden seien. Zu der Veranstaltung in M\u00fcnchen fanden sich etwa 200 Zuh\u00f6rer ein. Unter den rund 90 Teilnehmern der Versammlung in Nesselwang befanden sich auch G\u00e4ste aus der Schweiz und \u00d6sterreich. 3.4 Aktionsgemeinschaften der DVU Die von der DVU geschaffenen Aktionsgemeinschaften, deren Mitgliedsbeitr\u00e4ge vom DVU-Vorstand festgelegt werden, sind integrierte Bestandteile der DVU. Ihre Ver\u00f6ffentlichungen erscheinen im DVU-Organ \"Deutscher Anzeiger\". Der Beitritt zu einer Aktionsgemeinschaft begr\u00fcndet kraft Satzung gleichzeitig die Mitgliedschaft in der DVU. Durch die Gr\u00fcndung solcher Aktionsgemeinschaften mit attraktiv niedrigen Beitr\u00e4gen hat sich die DVU zur mitgliederst\u00e4rksten rechtsextremen Organisation im Bundesgebiet entwickelt. Die Wirksamkeit und Gef\u00e4hrlichkeit dieser Propagandainstrumente der DVU beruht insbesondere darauf, da\u00df sich ihre Aussagen nur auf Teilbereiche rechtsextremer Agitation beziehen und bei isolierter Betrachtungsweise vielfach nicht erkennen lassen, welche Grundhaltung hinter anscheinend unverf\u00e4nglichen, auch Nichtextremisten vermittelbaren Forderungen wie \"Ausl\u00e4nderbegrenzung\" oder \"Erhalt des Lebens und der Heimat\" steht. Die Ende 1979 von Dr. Frey in M\u00fcnchen gegr\u00fcndete Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie (VOGA) will den Gedanken einer Generalamnestie f\u00fcr bisher unges\u00fchnte NS-Verbrechen verbreiten. Sie wendet sich gegen die \"pharis\u00e4erhaft einseitige Vergangenheitsbew\u00e4ltigung\", die in \"Schauprozessen gegen die Besiegten des Zweiten Weltkriegs\" zum Ausdruck komme, w\u00e4hrend die Sieger ihre \"millionenfachen Morde am deutschen Volk\" l\u00e4ngst amnestiert h\u00e4tten. Die Aktion Deutsche Einheit (AKON) entstand 1962 in Darmstadt unter der Bezeichnung \"Aktion Oder-Nei\u00dfe\" (AKON) als selbst\u00e4ndige Organisation. 1979 w\u00e4hlten die Mitglieder den DVU-Funktion\u00e4r Dr. Bernhard Steidle zum Vorsitzenden. Mit der anschlie\u00dfenden Ernennung des DVU-Vorsitzenden zum gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Vorsitzenden der AKON geriet die Organisation v\u00f6llig unter den Einflu\u00df von Dr. Frey. 1980 beschlossen die Mitglieder eine neue Satzung, in der die AKON ihre Selbst\u00e4ndigkeit aufgab und sich der DVU als Aktionsgemeinschaft anschlo\u00df. Die AKON, die nach ihrer Satzung die \"Wiedervereinigung in Frieden und Freiheit innerhalb gerechter Grenzen\" f\u00f6rdern m\u00f6chte, 113","agitiert vor allem in ostpolitischen Fragen. So behauptete sie, statt \"aktiver Nationalpolitik\" predigten \"ma\u00dfgebliche Kr\u00e4fte den Verzicht\". Sie lehnt die Ostvertr\u00e4ge, soweit sie \u00fcber eine Gewaltverzichtserkl\u00e4rung hinausgehen, als \"null und nichtig\" ab und wendet sich gegen Versuche, durch die \"Schaffung sogenannter Staatsnationen die volkliche Einheit der deutschen Nation zu zerst\u00f6ren\". Die im Dezember 1980 gegr\u00fcndete Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (l.f.A.) tritt daf\u00fcr ein, da\u00df \"der Mi\u00dfbrauch des Asylrechts in der Bundesrepublik verhindert und der deutsche Charakter unseres Landes bewahrt wird\". Die seit Januar 1982 bestehende Aktion deutsches Radio und Fernsehen (ARF) k\u00e4mpft gegen \"linke Medienhetze und antideutsche Umerziehung\" und will dem \"Mi\u00dfstand\" abhelfen, da\u00df Rundfunk und Fernsehen \"in zunehmendem Ma\u00dfe gegen die Lebensinteressen des deutschen Volkes agitieren\". So wendet sie sich gegen die \"systematische Verteufelung\" der deutschen Geschichte, die \"Herabw\u00fcrdigung des deutschen Soldaten\" und die \"Minimalisierung der Verbrechen am deutschen Volk\" in Rundfunk und Fernsehen, \"in denen Randgruppen Abwegigkeiten ohne jede R\u00fccksicht auf den Mehrheitswillen verbreiten\". Der im Januar 1983 gegr\u00fcndete Ehrenbund Rudel -- Gemeinschaft zum Schutz der Frontsoldaten wendet sich \"gegen die Diffamierung untadeliger Soldaten\" und will \"\u00fcber Taten und Leiden auch der Besiegten der Wahrheit die Ehre geben\". Der im November 1984 geschaffene Schutzbund f\u00fcr Leben und Umwelt versteht sich als \"\u00fcberparteiliche Vereinigung verantwortungsbewu\u00dfter Deutscher\". Er fordert den Schutz des ungeborenen Lebens, den Ausbau des Zivilschutzes, ein h\u00e4rteres Durchgreifen gegen Kriminelle, eine Einschr\u00e4nkung der Tierversuche und Ma\u00dfnahmen zum Schutz des deutschen Waldes. Wie im Vorjahr agitierten diese Aktionsgemeinschaften, die mit eigenst\u00e4ndigen Initiativen kaum an die \u00d6ffentlichkeit traten, fast ausschlie\u00dflich im DA und in der DNZ. In ihren dort abgedruckten \"Meinungsumfragen\" suchten sie Zustimmung f\u00fcr Forderungen wie \"Nach dem Vorbild der anderen Staaten sollte es auch bei uns eine Generalamnestie f\u00fcr Kriegstaten geben\", \"Verzicht auf die Ostgebiete darf es nicht geben\", \"Schlu\u00df mit der antideutschen Propaganda\", \"Wirksame Ma\u00dfnahmen gegen die Verunglimpfung des Andenkens unserer Gefallenen\" und \"Schaffung eines freiwilligen Arbeitsdienstes zum Umweltschutz\". Die Leserumfragen enthielten gleichzeitig Beitrittserkl\u00e4rungen zu den Aktionsgemeinschaften und Bestellscheine f\u00fcr den DA und die DNZ. Die Ver\u00f6ffentlichung solcher als \"Meinungsumfragen\" getarnter Anzeigen kennzeichnet die Taktik, mit der Dr. Frey rechtsextreme Agitation und Werbung f\u00fcr seine Organisationen und Verlagserzeugnisse miteinander verbindet. 4. Neonazistische Organisationen und Vorf\u00e4lle 4.1 Allgemeines Der Neonazismus (neuer Nationalsozialismus) umfa\u00dft alle Aktivit\u00e4ten und Bestrebungen, die ein offenes Bekenntnis zur Ideologie des Nationalsozialismus 114","darstellen und auf die Errichtung eines dem NS-Staat vergleichbaren oder \u00e4hnlichen Systems gerichtet sind. Die Zahl der Neonazis im Bundesgebiet ist gegen\u00fcber dem Vorjahr von rund 1.350 auf 1.320 zur\u00fcckgegangen, in Bayern allerdings von 150 im Jahr 1984 auf rund 170 angestiegen. Etwa 1.170 (1984: 1.150) von ihnen sind den neonazistischen Organisationen als Mitglieder zuzurechnen, davon rund 90 (1984: 50) in Bayern. Die Zahl der \"Einzelg\u00e4nger\", die durch neonazistische Aktivit\u00e4ten in Erscheinung traten, ohne sich an eine bestimmte Gruppe zu binden, ist im Bundesgebiet gegen\u00fcber dem Vorjahr um rund 50 auf 150 gesunken; davon entfallen 80 auf Bayern. Die 29 (1984: 34) erkannten neonazistischen Zusammenschl\u00fcsse im Bundesgebiet sind zum Teil lose Gesinnungsund Kampfkader, deren Anh\u00e4nger sich auch in anderen Gruppen engagieren. Klare organisatorische Strukturen sind meist nicht erkennbar; regelm\u00e4\u00dfig dominiert jedoch ein \"F\u00fchrer\", von dem auch der Bestand der Gruppe abh\u00e4ngt. In der Gesamtzahl sind f\u00fcnf (1984: 12) fr\u00fchere Aktivistenkreise der 1983 verbotenen ANS/NA enthalten, die jetzt unter anderem Namen auftreten. Neonazistische Gruppen legen Wert darauf, in der \u00d6ffentlichkeit Aufsehen zu erregen und dadurch eine Bedeutung vorzuspiegeln, die ihnen angesichts ihrer geringen St\u00e4rke und der Ablehnung durch die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit der Bev\u00f6lkerung nicht zukommt. Ihre Agitation ist vor allem durch unverhohlenen Antisemitismus und sonstigen Rassismus, Verharmlosung und Leugnung der NS-Verbrechen sowie durch Verherrlichung von Institutionen und Personen der Hitler-Diktatur gekennzeichnet. Teilweise ist auch eine Orientierung an der nationalrevolution\u00e4ren Fr\u00fchform des Nationalsozialismus zu beobachten. Eine geistige Durchdringung der eigenen Ziele und Methoden findet kaum statt. Die Auseinandersetzung mit den bestehenden politischen und gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen beschr\u00e4nkt sich auf die meist kritiklose \u00dcbernahme von Parolen der ehemaligen NSDAP. Gewalt wird emotional bejaht und angewendet, wo es sich ergibt und zweckm\u00e4\u00dfig erscheint. Der im September 1984 vor dem Landgericht N\u00fcrnberg-F\u00fcrth begonnene Proze\u00df gegen den ehemaligen Leiter der 1980 verbotenen Wehrsportgruppe Hoffmann (WSG) Karl-Heinz Hoffmann und seine Lebensgef\u00e4hrtin Franziska Birkmann wegen Mordes bzw. Beihilfe zum Mord an dem j\u00fcdischen Verleger Shlomo Lewin und dessen Lebensgef\u00e4hrtin Frida Poeschke sowie das damit verbundene Verfahren wegen anderer Straftaten dauern noch an. 4.2 Verbotene Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) Nachdem Ende 1983 vom Bundesminister des Innern verf\u00fcgten Verbot der neonazistischen ANS/NA hatte der bisherige Organisationsleiter Michael K\u00fchnen seine Anh\u00e4nger aufgerufen, die \"Bewegung\" als eine der \"nationalsozialistischen Idee\" verpflichtete \"Gesinnungsgemeinschaft\" weiterzuf\u00fchren. Dem inneren Zusammenhalt sollte insbesondere die zur Information ehemaliger Aktivisten bestimmte Schrift \"Die Neue Front\" (NF) dienen. Aufgrund des konsequenten beh\u00f6rdlichen Einschreitens gegen Versuche, die neonazistischen Be115","strebungen der verbotenen Gruppierung in \"NF-Leserkreisen\" mit Bezeichnungen wie \"Nationale Basisgruppen\" fortzusetzen, gingen die \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten von K\u00fchnens Gesinnungsgenossen jedoch zur\u00fcck. Auch die gegen ehemalige f\u00fchrende Mitglieder anh\u00e4ngigen Strafverfahren trugen dazu bei, da\u00df die Bereitschaft zu Verst\u00f6\u00dfen gegen das vollziehbare Vereinsverbot nachlie\u00df. Schlie\u00dflich begannen die verbliebenen Aktivisten, sich in bereits bestehenden Organisationen neu zu sammeln. Michael K\u00fchnen, der sich im M\u00e4rz 1984 der Strafverfolgung durch Flucht ins westliche Ausland entzogen hatte, wurde im Oktober 1984 aus Frankreich in die Bundesrepublik Deutschland abgeschoben und befindet sich seitdem in Haft. Das Landgericht Frankfurt a.M. verurteilte ihn am 25. Januar 1985 wegen Verbreitung von Propagandamitteln und Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten ohne Bew\u00e4hrung. Die b\u00fcrgerlichen Ehrenrechte wurden dem Angeklagten f\u00fcr f\u00fcnf Jahre aberkannt. Das Gericht begr\u00fcndete das Strafma\u00df mit K\u00fchnens Bedeutung als Symbolfigur des Neonazismus. Mit dem unter seiner Verantwortung verbreiteten Propagandamaterial habe er f\u00fcr die Wiedererrichtung der NSDAP geworben. K\u00fchnen bezeichnete den Proze\u00df als \"Staatsschutztheater\", in dem gegen einen Nationalsozialisten ein \"Sonderrecht\" angewendet worden sei. Das \"System\" wolle keine \"legale NS-Bewegung\", gleichg\u00fcltig wie diese sich definiere. Das Landgericht Bamberg verh\u00e4ngte am 9. Januar gegen einen ehemaligen Aktivisten der ANS/NA aus W\u00fcrzburg eine Freiheitsstrafe von drei Monaten und zwei Wochen mit Bew\u00e4hrung wegen Verbreitung von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen. Der Angeklagte hatte Flugbl\u00e4tter drucken lassen, in denen die Wiederzulassung der NSDAP gefordert wurde. In das Strafma\u00df wurde eine fr\u00fchere Verurteilung wegen verbotenen Uniformtragens einbezogen. In der April-Ausgabe des in Frankreich hergestellten Informationsbriefes \"Die Neue Front\" (NF) erinnerte Michael K\u00fchnen in seinem \"5. Brief aus der Haft\" an die 1970 entstandene \"Aktion Widerstand\", die damals als \"Volksbewegung\" gegen den \"Verzicht auf Ostdeutschland\" f\u00fcr viele der \"Beginn der nationalen Revolution\" gewesen sei. Nach dem Scheitern des \"nationalen Widerstandes\" gegen die \"Verratsund Verzichtspolitik\" einer \"Ansammlung nationalpolitischer Nullen\" h\u00e4tten einige wenige Entt\u00e4uschte, darunter auch er selber, in der Folgezeit zum \"Nationalsozialismus\" gefunden. Das Versagen der \"vom System gekauften\" Vertriebenenverb\u00e4nde und der Verrat der \"nationalen\" Reaktion an der Widerstandsfront sei jedoch nicht vergessen. Der neue \"Widerstand\" wolle und werde daher \"nicht f\u00fcr den Westen marschieren, nicht f\u00fcr die Reaktion\". In der Juni-Ausgabe der NF r\u00e4umte K\u00fchnen ein, da\u00df die -- von seinen Gesinnungsgenossen zunehmend unterwanderte -- Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP) bei Landtagsund Kommunalwahlen bisher keine bedeutsamen Erfolge erzielen konnte. Die Wahlteilnahme der FAP diene jedoch in erster Linie nicht dazu, in Parlamente einzuziehen, sondern das ansprechbare \"Protestund Sympathiepotential\" festzustellen, um sp\u00e4ter Schwerpunkte f\u00fcr propagandistische Ma\u00dfnahmen zu bilden. Auch die NSDAP habe erst in \"har116","ter, m\u00fchevoller Kleinarbeit\" die Voraussetzungen f\u00fcr die sp\u00e4teren Erfolge schaffen m\u00fcssen. Jetzt sei es notwendig, \"eine k\u00e4mpferische Elite heranzuziehen, die in unersch\u00fctterlicher Disziplin, Einsatzund Opferbereitschaft ausharrt, die ihren eisernen Willen gegen die alte Ordnung der Dinge setzt, bis aus diesem Willen die neue Ordnung entsteht und sich durchsetzt!\". K\u00fchnens \"11. Brief aus der Haft\", der in der November/Dezember-Ausgabe der NF abgedruckt war, enthielt Ratschl\u00e4ge f\u00fcr die \"Kameraden unserer Gemeinschaft\", wie man \"das richtige Verh\u00e4ltnis zur Gefahr der Inhaftierung gewinnen\" und lernen k\u00f6nne, die Haft in den \"politischen Kampf\" richtig einzuordnen und ungebrochen zu \u00fcberstehen. Dazu \u00e4u\u00dferte K\u00fchnen, er sei ein \"Feind dieses Systems\", halte aber den \"bewaffneten Widerstand\" angesichts der F\u00e4higkeit und Schlagkraft der deutschen Sicherheitsorgane f\u00fcr \"sinnlos\", zumal Gewaltanwendung bei der Bev\u00f6lkerung auf Ablehnung sto\u00dfe und politisch nichts bewirke. Ziel sei es vielmehr, unter Ausnutzung der \"juristischen und politischen Freir\u00e4ume\" und der \"L\u00fccken der Verbotsgesetze\" f\u00fcr \"unsere Idee\" zu werben, um schlie\u00dflich \"einmal wieder die Macht zu \u00fcbernehmen\". Allerdings lasse sich eine \"erfolgreiche Revolution\" nicht durch Selbstverleugnung und \u00e4ngstlichen Verzicht auf alle Risiken vorbereiten. In einer \"Welt von Feinden\" sei es nicht wichtig, um jeden Preis eine Inhaftierung zu vermeiden, sondern \"glaubw\u00fcrdig zu bleiben und Vorbild zu werden\". Die \"Gesinnungshaft\" sei kein Zeichen politischer Niederlagen, sondern ein propagandistischer \"Sieg\", ein \"Ausleseproze\u00df\" und eine \"Zeit der Bew\u00e4hrung\", die zwar nicht anzustreben, aber auch nicht zu f\u00fcrchten sei. Derartige \"Opfer\" als Konsequenz der politischen Arbeit begr\u00fcndeten au\u00dferdem einen \"F\u00fchrungsanspruch innerhalb der nationalen Opposition\". 4.3 Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP) Die im M\u00e4rz 1979 von ihrem derzeitigen Bundesvorsitzenden Martin Pape gegr\u00fcndete FAP, deren Satzung und Aktionsprogramm keine eindeutig rechtsextreme Zielsetzung erkennen lassen, war bis Ende 1983 eine politisch unbedeutende, auf den Raum Stuttgart beschr\u00e4nkte regionale Organisation. Nach dem Verbot der ANS/NA im Dezember 1983 hatte deren bisheriger Organisationsleiter Michael K\u00fchnen zu verstehen gegeben, da\u00df die ANS/NA ihre eigenen neonazistischen Bestrebungen unter dem Deckmantel der FAP fortzusetzen gedenke. Derartige Bestrebungen lie\u00df auch ein im Juli 1985 in W\u00fcrzburg verbreitetes Flugblatt der FAP erkennen, das mit der darin propagierten \"Ausl\u00e4nderr\u00fcckf\u00fchrung\" eine den Zielen der ehemaligen NSDAP entsprechende Forderung der ANS/NA aufgriff und auch in der Begriffswahl Parallelen zur NSTerminologie zeigte. So war darin die Rede von der Schaffung einer \"Gemeinschaft innerhalb des Volkes\" und der M\u00f6glichkeit einer Dienstverpflichtung \"notorischer Arbeitsloser\" f\u00fcr einen \"Arbeitsund Sozialdienst\". Seit 1984 schlossen sich ehemalige ANS/NA-Anh\u00e4nger der FAP an in der Absicht, sie entsprechend den Vorstellungen der ANS/NA umzufunktionieren. Die Organisation, die derzeit bundesweit rund 300 Mitglieder z\u00e4hlt, konnte inzwischen unter Mitwirkung ehemaliger Mitglieder und Funktion\u00e4re der ANS/ NA in mehreren Bundesl\u00e4ndern Gebietsverb\u00e4nde gr\u00fcnden. In Bayern ging im Herbst 1984 aus den von ehemaligen Anh\u00e4ngern der ANS/NA gebildeten \"Na117","tionalen Basisgruppen\" der FAP-Kreisverband M\u00fcnchen hervor. Weitere Kreisverb\u00e4nde wurden im Dezember 1984 in Bad Neustadt a.d.Saale und im Juli 1985 in W\u00fcrzburg gegr\u00fcndet. Seit September 1985 besteht auch ein Kreisverband der FAP im Landkreis Berchtesgadener Land. Bem\u00fchungen des Bundesvorsitzenden, den Einflu\u00df von Neonazis auf die FAP zu begrenzen, blieben demgegen\u00fcber vielfach wirkungslos. Die in Bayern bekanntgewordenen Aktivit\u00e4ten der FAP sind im wesentlichen dadurch gekennzeichnet, da\u00df die handelnden Personen aus dem Bereich der ANS/NA kommen und/oder deren neonazistisches Gedankengut unter dem Deckmantel der FAP verbreiten. So sollte in einer \u00f6ffentlichen Versammlung des FAP-Kreisverbandes M\u00fcnchen am 2. Februar, zu der Anh\u00e4nger der FAP am 26. Januar in M\u00fcnchen durch Verteilung von Flugbl\u00e4ttern aufgerufen hatten, ein ehemaliger Spitzenfunktion\u00e4r der ANS/NA zum Thema \"Friedenssicherung durch Volksgemeinschaft\" sprechen. Die geplante Versammlung wurde jedoch von der Landeshauptstadt M\u00fcnchen verboten. Unter mehreren Personen, die am 18. Mai in Bischofsheim a.d. Rh\u00f6n den f\u00fcr ehemalige Aktivisten der ANS/NA bestimmten Informationsbrief Nr. 22 \"Die Neue Front\" verteilten, befand sich auch der f\u00fcr die Versammlung am 2. Februar als Redner angek\u00fcndigte f\u00fchrende Aktivist der FAP; bei ihm stellte die Polizei eine Schreckschu\u00dfwaffe sicher. In einem am 13. Juli in M\u00fcnchen verteilten Flugblatt mit der \u00dcberschrift \"Deutschland ruft!\" erkl\u00e4rte die FAP, Deutschland sei \"durch die Erf\u00fcllungspolitik der Helfer der Sieger des Krieges unterdr\u00fcckt und geknechtet\". Es gelte nun, gegen die \"Phrasen von deutscher Schuld und berechtigter Bu\u00dfe\" Front zu machen. Da die FAP ein \"starkes, freies und einiges Deutschland\" wolle und sich daf\u00fcr einsetze, da\u00df \"aus der Sklavennation von heute eine Nation freier Menschen wird\", seien ihre Anh\u00e4nger \"radikal\" und \"unvers\u00f6hnlich\". Am 5. Oktober trafen sich in M\u00fcnchen rund 50 Anh\u00e4nger der FAP aus dem Bundesgebiet und auch aus \u00d6sterreich. Vormittags verteilten FAP-Aktivisten in der Innenstadt rund 2.000 Flugbl\u00e4tter mit der \u00dcberschrift \"Deutschland ruft\". Bei einer anschlie\u00dfenden Zusammenkunft gingen die Redner u.a. auf ein Ende August 1985 in Paris abgehaltenes internationales \"F\u00fchrerthing\" ein und \u00e4u\u00dferten, da\u00df die dort gebildete \"schlagkr\u00e4ftige internationale Vereinigung\" eine Wende zum Nationalismus bewirken werde, zumal die \"Linken\" mit ihren \"roten Schl\u00e4gertrupps\" selbst den N\u00e4hrboden f\u00fcr ein \"nationales Deutschland\" vorbereiteten. Mitglieder und Sympathisanten der FAP f\u00fchrten in der Nacht zum 27. Oktober auf einem bundeswehreigenen \u00dcbungsgel\u00e4nde in der N\u00e4he von M\u00fcnchen mit geschw\u00e4rzten Gesichtern und in uniform\u00e4hnlicher Bekleidung eine Wehrsport\u00fcbung durch. Die Polizei nahm acht Teilnehmer fest und stellte eine Gaspistole sicher. Au\u00dferdem fanden die Beamten ein Fahrtenmesser, einen sogenannten Morgenstern, einen Tornister mit aufgemalter Siegrune und eine Brosch\u00fcre mit Hitlerbild. Am Abend des 23. November versammelten sich in N\u00fcrnberg rund 30 FAP-Anh\u00e4nger aus dem gesamten Bundesgebiet vor dem Tagungslokal der \"Interna118","tionalen Konferenz\" anl\u00e4\u00dflich des 40. Jahrestages des Beginns des N\u00fcrnberger Kriegsverbrecherprozesses. Sie zeigten ein Transparent mit der Aufschrift \"La\u00dft He\u00df frei\", verteilten Flugbl\u00e4tter und riefen Parolen wie \"Rotfront verrekke\". Die Polizei leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts eines Versto\u00dfes gegen das Versammlungsgesetz ein. F\u00fcr den 31. Dezember 1985 meldete die FAP eine \u00f6ffentliche Versammlung in Tann/Hessen an, nachdem die Versammlungsbeh\u00f6rde zuvor ein am selben Tag beabsichtigtes Treffen der Wiking-Jugend (WJ) in der Rh\u00f6n wegen Gef\u00e4hrdung der \u00f6ffentlichen Sicherheit und Ordnung untersagt hatte. Auch die geplante Kundgebung der FAP wurde vom Landrat des Kreises Fulda verboten. Angereiste Kundgebungsteilnehmer, darunter auch Anh\u00e4nger der FAP aus Bayern, versuchten daraufhin, die Demonstration eines Aktionskomitees \"Nie wieder Faschismus\" am 31. Dezember in Fulda zu st\u00f6ren. Die Polizei nahm sieben St\u00f6rer vor\u00fcbergehend fest und stellte mehrere Schreckschu\u00dfwaffen, Schlagst\u00f6cke, Schlagringe und Holzstangen sicher. Eine FAP-Anh\u00e4ngerin aus M\u00fcnchen wurde am 4. September vom Amtsgericht Memmingen wegen gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung zu einer Einheitsjugendstrafe von einem Jahr und vier Monaten ohne Bew\u00e4hrung verurteilt. Die Angeklagte hatte sich am 11. Mai 1985 im Anschlu\u00df an die Demonstration gegen ein Kameradschaftstreffen ehemaliger Soldaten der Waffen-SS in Nesselwang an gewaltsamen Ausschreitungen gegen G\u00e4ste eines Lokals in Memmingen beteiligt. In das Strafma\u00df einbezogen wurde eine am 5. Februar 1985 vom Amtsgericht M\u00fcnchen zur Bew\u00e4hrung ausgesetzte Jugendstrafe von acht Monaten wegen gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung, Verbreitens von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung. Das Landgericht M\u00fcnchen verh\u00e4ngte am 7. November gegen einen FAPAnh\u00e4nger aus M\u00fcnchen wegen Verbreitens von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen, Volksverhetzung und Aufstachelung zum Rassenha\u00df eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten, die gegen Zahlung einer Geldbu\u00dfe 119","von 2.000 DM zur Bew\u00e4hrung ausgesetzt wurde. Der Angeklagte hatte im November 1984 in einer Weilheimer Gastst\u00e4tte an mehrere Interessenten Hakenkreuzaufkleber mit Aufschriften wie \"Jetzt NSDAP\" und \"Kauft nicht bei Juden\" verteilt. 4.4 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) Die 1979 von Neonazis gegr\u00fcndete HNG mit Sitz in Frankfurt a.M. z\u00e4hlt rund 200 (1984: 250) Mitglieder. Sie betreut inhaftierte Gesinnungsgenossen finanziell und ideell, um deren \"Kampfmoral\" zu erhalten. Daneben sollte es von Anfang an Aufgabe der HNG sein, den von Exekutivma\u00dfnahmen betroffenen Gesinnungsgenossen ein ihrer neonazistischen Anschauung entsprechendes politisches Kontaktund Aktionsfeld zu bieten. Ihren Zulauf erh\u00e4lt sie nach wie vor aus Kreisen verbotener neonazistischer Organisationen, deren ehemalige Anh\u00e4nger die Ausrichtung der HNG zunehmend beeinflussen. So ist seit Februar 1984 die fr\u00fchere ANS/NA-Aktivistin Christa Goerth aus Bielefeld Vorsitzende der HNG. Nach der Inhaftierung des ehemaligen ANS/NA-Funktion\u00e4rs Christian Worch im M\u00e4rz 1985 wurde das Amt des Schriftleiters der HNG-Publikation \"Nachrichten der HNG\" dem f\u00fchrenden FAP-Aktivisten Volker Heidel aus Hannover \u00fcbertragen, der einst der 1982 verbotenen Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit (VSBD/PdA) angeh\u00f6rt hatte. NACHRICHTEN DER Nr. 60 April 1985 H e r a u s g e b e r : Hilfsorganisation fur n a t i o n a l e p o l i t i s c h e Gefangene u n d (leren Angeh\u00f6rige e.V.(HNG). - Schriftleiter und v e r a n t w o r t l i c h im Sinne des P r e s s e g e s e t z e s : Volker Heidel, Postfach 5J0372, 3000 Hannover 51, - Erste Vorsitzende d e r HNG: C h r i s t a Goerth, Postfach 140412, 4E00 Bielefeld 14. Postsgirokonto Frankfurt/M Kr. 142908 - 607 120","Wegen ihrer gruppen\u00fcbergreifenden Bet\u00e4tigung hat sich die HNG zu einem Sammelbecken neonazistischer Bestrebungen und zugleich zu einer Schaltstelle f\u00fcr Kontakte zu ausl\u00e4ndischen Gesinnungsgenossen entwickelt. Insbesondere war eine rege Zusammenarbeit mit der von franz\u00f6sischen Neonazis gegr\u00fcndeten Schwesterorganisation \"Comite Objectif entraide et solidarite avec les victimes de la Repression Antinationaliste\" (COBRA) festzustellen. Die HNG ver\u00f6ffentlichte in ihrem monatlich erscheinenden Mitteilungsblatt regelm\u00e4\u00dfig Listen, Anschriften und Briefe von \"nationalen politischen Gefangenen\", darunter auch von rechtsterroristischen Gewaltt\u00e4tern. In den \"Nachrichten der HNG\" vom April 1985 erinnerte sie an den 91. Geburtstag von Rudolf He\u00df, der trotz seines \"Friedensfluges nach England\" seit 44 Jahren in \"Isolationshaft\" gehalten werde. An diesem Schicksal erkenne man \"die moralische Verkommenheit der sogenannten Sieger und die Erb\u00e4rmlichkeit vieler der Besiegten\". In der August-Ausgabe hie\u00df es, da\u00df die von der HNG unterst\u00fctzten inhaftierten Neonazis aufgrund eines gegen sie angewendeten politischen Sonderrechts eins\u00e4\u00dfen und als \"politische Gefangene\" im Strafvollzug benachteiligt w\u00fcrden. Der Kampf gegen die \"Auschwitzl\u00fcge\" und das Bekenntnis zum Nationalsozialismus seien nach Auffassung der HNG politische Meinungs\u00e4u\u00dferungen. 4.5 Nationalistische Front (NF) Die im September 1983 in M\u00fcnchen als Nationale Front -- Bund Sozialrevolution\u00e4rer Nationalisten (NF-BSN) gegr\u00fcndete und sp\u00e4ter in Nationalistische Front (NF) umbenannte Organisation versteht sich inzwischen als bundesweite Partei. Sie setzt sich u.a. aus Anh\u00e4ngern der 1982 verbotenen neonazistischen Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit (VSBD/ PdA) zusammen. In ihrem von einem aggressiven Nationalismus gepr\u00e4gten Grundsatzprogramm fordert sie die \"antiimperialistische Nationale Befreiung von fremder Macht und ihren deutschen Handlangern\", die \"Schaffung eines gesicherten und geeinten Lebensraumes der deutschen Menschen in Europa\", die \"Herausl\u00f6sung der fremden Waffensysteme\" und eine \"gesamtdeutsche Neutralit\u00e4t\". Ferner tritt sie f\u00fcr die \"Zerschlagung der Meinungskartelle des gelenkten antideutschen Selbsthasses\" ein. Au\u00dferdem wendet sie sich gegen \"weitere fremdv\u00f6lkische Einwanderung\" und propagiert eine \"lebensrichtige Neue Ordnung\" in einer dem \"Volksinteresse\" dienenden \"Volksgemeinschaft der Zukunft\". Am 18. Februar randalierten f\u00fcnf Aktivisten der NF in einer Gastst\u00e4tte in M\u00fcnchen. Sie bel\u00e4stigten G\u00e4ste, entboten den Hitlergru\u00df und leisteten den einschreitenden Polizeibeamten erheblichen Widerstand. Das Amtsgericht M\u00fcnchen verurteilte sie wegen gemeinschaftlicher K\u00f6rperverletzung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Hausfriedensbruchs und Beleidigung zu Haftbzw. Geldstrafen. Mitglieder der NF verteilten im M\u00e4rz, April und Mai 1985 in M\u00fcnchen die rechtsextreme Publikation \"Klartext\", die Parolen wie \"Schlagt die Linken, wo ihr sie trefft!\" enthielt. Die Polizei leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der \u00f6ffentlichen Aufforderung zu Straftaten ein. Ein Beteiligter wurde 121","inzwischen zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten mit Bew\u00e4hrung verurteilt; gegen sieben weitere Angeklagte verh\u00e4ngte das Amtsgericht M\u00fcnchen Geldstrafen zwischen 325 und 4.000 DM. Ende April/Anfang Mai 1985 wurde in mehreren St\u00e4dten des Bundesgebietes, darunter auch in M\u00fcnchen, eine \"Pressesondermeldung\" der NF verbreitet. In dem Flugblatt hie\u00df es, \"autonome nationalistische Kader\" seien entschlossen, sich am 4. Mai bundesweit zu einer \"Nationalistischen Front (NF)\" zusammenzuschlie\u00dfen, um der \"primitiven bundesrepublikanischen Variante der Kollaboration mit den Besatzungsm\u00e4chten Einhalt zu gebieten\". Die NF sei \"die neue vereinigte Kraft aller revolution\u00e4ren Nationalisten in der BRD\". Sie k\u00e4mpfe gegen den \"USund Sowjetimperialismus in Ost und West\" und trete f\u00fcr die Heimf\u00fchrung aller Ausl\u00e4nder und den \"Schutz des Lebens statt des Kapitals\" ein. In einem im Juni und August 1985 in M\u00fcnchen verteilten Flugblatt mit der \u00dcberschrift \"Den Geist von Jalta \u00fcberwinden\" verlangte die NF als Voraussetzung eines \"vereinten und souver\u00e4nen deutschen Nationalstaates\" den \"Abzug aller fremden Truppen samt ihren Waffensystemen aus ganz Deutschland\" und propagierte den \"Aufbau eines freien und volksbezogenen Sozialismus in einer gesamtdeutschen Volksrepublik\". In einem auf den Flugschriften abgedruckten \"Aktionsprogramm\" hie\u00df es, die NF sei \"nicht l\u00e4nger bereit, die Vergewaltigung unseres Volkes unter den Willen der Siegerm\u00e4chte hinzunehmen\". Sie fordere die \"gerechte Verteilung des Besitzes und der Einkommen entsprechend der Leistung, die jeder f\u00fcr das Volk erbringt\", die \"Brechung der Zinsknechtschaft\", die Beendigung der \"einseitigen Vergangenheitsbew\u00e4ltigung\" und der \"Kriminalisierung nationaler Organisationen\" sowie die R\u00fccksiedlung der \"Fremdarbeiter\". Die Polizei erstattete gegen die Leiter der nicht angemeldeten Flugblattaktionen Anzeige wegen Verdachts eines Versto\u00dfes gegen das Versammlungsgesetz. Am 16. November nahmen in Steinhagen/Nordrhein-Westfalen etwa 60 Anh\u00e4nger und Sympathisanten an dem \"Gr\u00fcndungsparteitag\" der NF auf Bundesebene teil. Dabei wurde der ehemalige VSBD/PdA-Funktion\u00e4r Bernhard Pauli aus Freiburg zum Vorsitzenden, Meinolf Sch\u00f6nborn aus Steinhagen zum 1. stellvertretenden Vorsitzenden und Generalsekret\u00e4r sowie der fr\u00fchere Aktivist der zusammen mit der VSBD/PdA verbotenen \"Jungen Front\" (JF) Josef Heggmair aus M\u00fcnchen zum 2. stellvertretenden Vorsitzenden gew\u00e4hlt. Ziel der Veranstaltung war der Zusammenschlu\u00df der in mehreren Bundesl\u00e4ndern existenten mehr oder weniger selbst\u00e4ndigen NF-Gruppen zu einer Partei. 4.6 Deutsche B\u00fcrgerinitiative (DBI) Der 1982 als R\u00e4delsf\u00fchrer der rechtsterroristischen Deutschen Aktionsgruppen (DA) zu 13 Jahren Freiheitsstrafe verurteilte ehemalige DBI-Leiter Manfred Roeder verfa\u00dfte in der Haft weiterhin Beitr\u00e4ge f\u00fcr die auch in Bayern verbreiteten Publikationen der DBI. Im 53. Rundbrief der \"Europ\u00e4ischen Freiheitsbewegung\" vom August 1985 erkl\u00e4rte er, da\u00df er vor seiner Inhaftierung \"nur die Wahl zwischen Untergang oder gewaltsamer \u00c4nderung gesehen\" habe. So habe er eskalierende politische Auseinandersetzungen begr\u00fc\u00dft, der Anwen122","dung von Gewalt \"volles Verst\u00e4ndnis\" entgegengebracht und \"an die M\u00f6glichkeit eines B\u00fcrgerkrieges geglaubt\". Da diese Haltung indes \"in eine totale Sackgasse gef\u00fchrt\" habe, sei er nunmehr der Auffassung, da\u00df sich die \"nationale Opposition\" nach dem Vorbild der \"Gr\u00fcnen\" als Partei etablieren m\u00fcsse, um in den \"Schaltstellen der Macht\" die dem \"Deutschtum\" verlorengegangenen Positionen zur\u00fcckzuerobern. Wir brauchten \"endlich wieder eine Deutsche Partei\", die \"die Ehre unseres Volkes wiederherstellt und sich weder durch Verfassungsschutz noch sonstige Verfolgung oder Drohung einsch\u00fcchtern l\u00e4\u00dft, sondern die Reste von Rechtsstaat verteidigt gegen die immer bedrohlichere antideutsche Meinungsdiktatur\". Die \"Kollektivschuld\" der Deutschen bestehe darin, da\u00df sie nach dem Zweiten Weltkrieg das \"W\u00fcten gegen das eigene Volk\" hingenommen und \"jedes Jahr mehr Rechte und mehr deutsche Gesinnung\" verloren h\u00e4tten. Im 54. Rundbrief an seine Anh\u00e4nger vom September/Oktober 1985 f\u00fchrte Roeder zur Rede des Bundespr\u00e4sidenten zum 8. Mai u.a. aus, wer f\u00fcr seine Rede \"bei Juden, Zigeunern, Kommunisten, in Ru\u00dfland, Polen, Israel oder New York und von notorischen Deutschenhassern bejubelt\" werde, d\u00fcrfte \"wohl kaum ausgedr\u00fcckt haben, was die Mehrheit unseres Volkes an diesem Tag empfunden\" habe und m\u00fcsse sich bei diesem \"einseitigen und mehr als anr\u00fcchigen Beifall\" fragen lassen, ob er \u00fcberhaupt \"f\u00fcr das deutsche Volk und in seinem Namen sprechen\" wollte. 4.7 Neonazistische, antisemitische und sonstige rassistische Vorf\u00e4lle Die Gesamtzahl der bekanntgewordenen neonazistischen, antisemitischen und sonstigen rassistischen Vorf\u00e4lle ging 1985 mit insgesamt 418 gegen\u00fcber 513 im Vorjahr zur\u00fcck, wobei in 123 F\u00e4llen (1984: 114) ein entsprechendes Motiv fehlte oder nicht erkennbar war. Zu diesen allgemeinen Verdachtsf\u00e4llen (rund 30 %) geh\u00f6rte z.B. das Verwenden von NS-Symbolen als Mittel des Protestes gegen anderweitige politische Bestrebungen. Allein in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg ereigneten sich mit 121 (1984: 169) bzw. 16 (1984: 15) rund 46% (1984: 30 %) aller Vorf\u00e4lle (ohne allgemeine Verdachtsf\u00e4lle). Meist handelte es sich um Schmierund Klebeaktionen, bei denen Hakenkreuze und SS-Runen gespr\u00fcht oder Parolen wie \"Heil Hitler\", \"Judaverrecke\", \"ANS lebt\" und \"T\u00fcrken raus\" angebracht wurden. Anl\u00e4sse f\u00fcr Ermittlungsverfahren waren auch das Tragen von NS-Abzeichen, die Besch\u00e4digung j\u00fcdischer Gedenkst\u00e4tten sowie anonyme Beleidigungen und Bedrohungen aus rassistischen, insbesondere antisemitischen Motiven. Eine Aufkl\u00e4rung gelang in 177 F\u00e4llen (1984: 186). Unter den ermittelten 242 T\u00e4tern (1984:254) befanden sich 47 (1984:52) Minderj\u00e4hrige. Die Staatsanwaltschaften stellten 51 Verfahren ein. In 15 F\u00e4llen wurden die T\u00e4ter verurteilt. Die Verfahren gegen die \u00fcbrigen Beschuldigten dauerten Ende 1985 noch an. Eine Gesamtsteuerung der Aktionen durch eine oder mehrere extremistische Gruppen war nicht erkennbar. Die polizeilichen Ermittlungen wegen des neonazistisch gepr\u00e4gten Verhaltens von Skinheads und Fu\u00dfballfans, die \"Sieg Heil\" riefen, den Hitlergru\u00df zeigten oder SS-Runen an der Kleidung trugen, erbrachten in Einzelf\u00e4llen auch Hinweise auf eine diesem \u00e4u\u00dferen Erscheinungsbild 123","entsprechende politische Motivation der T\u00e4ter. Ein gruppenbezogenes Zusammenwirken von Skinheads und Fu\u00dfballfans einerseits und Neonazis andererseits war hingegen in Bayern nicht feststellbar. 5. Sonstige rechtsextreme Organisationen 5.1 Deutscher Block (DB) Der 1947 in M\u00fcnchen gegr\u00fcndete DB bekennt sich zur \"F\u00fchrung des Staates durch eine Elite\", h\u00e4lt \"Demokratie mit dem F\u00fchrertum f\u00fcr vereinbar\" und lehnt \"rassischen Mischmasch\" ab. Er vertritt die Auffassung, da\u00df \"wertvolle Einrichtungen und Erkenntnisse unserer Vergangenheit nicht einfach aus parteipolitischen und weltanschaulichen Erw\u00e4gungen heraus grunds\u00e4tzlich abzulehnen sind\". So propagierte er einen \"Volksstaat\", dessen Aufbau und Form \"nicht der Abklatsch irgendeiner ausl\u00e4ndischen Vorlage sein kann\", und setzte sich f\u00fcr die \"Wiederherstellung des Reiches in seinen gerechten Grenzen\" ein. Au\u00dferdem forderte er die \"Wiedereinf\u00fchrung des Arbeitsdienstes\" und die \"Herstellung einer einzigen gro\u00dfen Arbeitskameradschaft quer durch alle Berufe unseres Volkes\". Der DB mit Sitz in Memmingen z\u00e4hlt im Bundesgebiet nach wie vor nur etwa 30 Mitglieder, davon etwa die H\u00e4lfte in Bayern. \"Reichsvorsitzender\" ist Richard Etzel, der zugleich die unbedeutende Jugendorganisation des DB \"Jugendbund Adler\" (JBA) leitet. Als Publikationen des DB erscheinen die Zeitschriften \"Unsere Arbeit\" und \"Der Adlerf\u00fchrer\" in geringer Auflage. 1985 bestanden Kontakte zur neonazistischen Nationalistischen Front (NF) in M\u00fcnchen. Der DB trat 1985 daf\u00fcr ein, die Integration von Fremden in der Bundesrepublik Deutschland unverz\u00fcglich zu beenden und illegale Einwanderer sowie abgelehnte Asylbewerber sofort abzuschieben. Ferner erhob er die Forderung, die Verunglimpfung des deutschen Volkes in den Medien unter Strafe zu stellen und Rudolf He\u00df sowie die letzten deutschen Kriegsgefangenen unverz\u00fcglich freizulassen. Bei einem Informationsstand des DB am 8. Juni in Wolfratshausen wurden neben Schriften neonazistischer Gruppen auch Flugbl\u00e4tter mit der \u00dcberschrift \"Massenmorde in deutschen Konzentrationslagern?\" verteilt, in denen sich der \"Weltbund gegen Geschichtsf\u00e4lschung\" gegen die \"6-Millionen-Legende\" wandte. 5.2 Wiking-Jugend (WJ) Die 1952 gegr\u00fcndete WJ ist eine straff nach dem F\u00fchrerprinzip geleitete \"volkstreue nordl\u00e4ndische\" Jugendorganisation, die sich als \"heranzubildende Elite\" versteht und ihre \"k\u00e4mpferische\" Weltanschauung betont. Sie bekennt sich zu einer \"Lebensgemeinschaft auf v\u00f6lkischer Grundlage\" und betrachtet das Gesetz der \"Auslese alles Starken und Gesunden\" als \"entscheidende Kraft im Leben\". Die in Gaue und Horste gegliederte WJ mit Sitz in Stolberg/Nordrhein-Westfalen z\u00e4hlt im Bundesgebiet rund 380 (1984: 400) Mitglieder, davon etwa 65 (1984: 60) in Bayern. Bundesf\u00fchrer ist Wolfgang Nahrath aus Stolberg. In Bay124","ern bestehen die Gaue \"Bayern\" in Freising und \"Franken\" in Stockstadt, Landkreis Aschaffenburg, sowie Horste im Raum Landshut, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. In Altund Neu\u00f6tting sowie im Landkreis Berchtesgadener Land sind weitere Horste im Aufbau begriffen. Publikationsorgan des Bundes ist die viertelj\u00e4hrlich erscheinende Schrift \"Wikinger\". Die vom Gau Bayern herausgegebenen Schriften \"Odalbrief\" und \"Der M\u00fcnchener Spie\u00dferschreck\" wurden 1985 nicht mehr festgestellt. Die WJ unterh\u00e4lt Kontakte zu Jugendgruppen gleichen Namens und gleicher Zielsetzung in Belgien, Frankreich, Gro\u00dfbritannien, Norwegen, Spanien und den Niederlanden. Vom 27. Dezember 1984 bis 1. Januar 1985 f\u00fchrte die WJ ein Winterlager in der Rh\u00f6n durch. Am 31. Dezember 1984 veranstaltete sie in Hilders, Kreis Fulda, einen Aufzug mit rund 150 Teilnehmern. Die Demonstranten zogen mit schwarzen Fahnen durch die Innenstadt und machten mit Transparenten auf die innerdeutsche \"Mordgrenze\" aufmerksam. Danach trafen sich die Lagerteilnehmer mit Anh\u00e4ngern der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP), die am selben Tag in Fulda versucht hatten, eine Protestkundgebung gegen das Auftreten der WJ zu st\u00f6ren, und entz\u00fcndeten gegen Mitternacht an der Grenze zur DDR zwei Mahnfeuer. Unter dem Eindruck dieser als erfolgreich empfundenen Zusammenarbeit gr\u00fcndeten Aktivisten der WJ und der FAP im Januar 1985 als gemeinsame Aktionsplattform die Volkstreue au\u00dferparlamentarische Opposition (VAPO). Die 125","allen \"nationalen Verbanden offenstehende VAPO rief \"volkstreue Kr\u00e4fte, Nationalliberale, Nationalkonservative, nationale Sozialisten und Nationalrevolution\u00e4re\" zur \"Einigkeit im Kampf gegen den gemeinsamen Feind\" auf und erhob die Forderung, \"endlich auf breiter Front dem roten Alleinherrschaftsanspruch auf die Stra\u00dfe\" zu begegnen. Ein Zusammenwirken von Anh\u00e4ngern der VAPO war u.a. bei einer Veranstaltung der FAP am 23. Februar in Frankfurt a.M. sowie bei einer von einem Angeh\u00f6rigen der WJ organisierten Gel\u00e4nde\u00fcbung am 22. M\u00e4rz in der N\u00e4he von Aschaffenburg festzustellen. Unter dem Motto \"Nie, Kameraden, werden wir uns beugen!\" f\u00fchrte die WJ vom 24. bis 27. Mai in Iphofen, Landkreis Kitzingen, ihr diesj\u00e4hriges Pfingstlager durch. An dem bundesweiten Treffen, das auf dem Privatgrundst\u00fcck eines \u00f6rtlichen NPD-Funktion\u00e4rs stattfand, beteiligten sich rund 200 Personen aller Altersstufen, darunter auch G\u00e4ste aus Belgien, \u00d6sterreich und Spanien. Vom 20. Juli bis 11. August fand in Iphofen ein Sommerlager statt, an dem bis zu 80 Personen teilnahmen. Im Publikationsorgan \"Wikinger\" griff die WJ das Deutsche Kulturwerk Europ\u00e4ischen Geistes (DKEG) scharf an. In einem Beitrag mit der \u00dcberschrift \"Deutsches Kulturwerk -- Erf\u00fcllungsgehilfe des Verfassungsschutzes\" hie\u00df es, das DKEG habe die Wiking-Jugend und den Bund Heimattreuer Jugend (BHJ) \"schon lange vor die T\u00fcr gesetzt\" und die zun\u00e4chst noch m\u00f6gliche \u00f6rtliche Zusammenarbeit \"abgew\u00fcrgt\". Dar\u00fcber hinaus habe nunmehr der DKEG-Pr\u00e4sident die \u00f6rtlichen Untergliederungen angewiesen, Rechtsextremisten bei Vortragsveranstaltungen des DKEG nicht mehr als Redner auftreten zu lassen. Mit dieser Ma\u00dfnahme trage das DKEG \"im Auftrag des Verfassungsschutzes\" dazu bei, \"mutige K\u00e4mpfer f\u00fcr Wahrheit und Recht\" mundtot zu machen. Sein Pr\u00e4sident sei damit \"Handlanger der Feinde unseres Volkes\" geworden. 5.3 Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik (GfP) Die 1960 in Frankfurt a.M. von ehemaligen SSund NSDAP-Angeh\u00f6rigen gegr\u00fcndete GfP stellt vor allem ein Podium f\u00fcr Publizisten dar, die rechtsextremes Gedankengut verbreiten. Sie will in einer \"durch Siegerrechte und Besiegtenpflichten beschr\u00e4nkten \u00d6ffentlichkeit\" eine \"Freistatt f\u00fcr den deutschen Gedanken und das deutsche Wort\" schaffen und erhalten. Ihr \"geistiger Kampf\" gilt \"den Entstellungen in der deutschen Geschichtsbetrachtung\" und \"den unwahren Darstellungen der Ursachen und Hintergr\u00fcnde beider Weltkriege\". Dar\u00fcber hinaus wendet sie sich \"gegen jede Unterdr\u00fcckung der Meinungsvielfalt\" und tritt \"f\u00fcr die Selbstbesinnung der Deutschen und die Wiederherstellung Deutschlands in seinen nat\u00fcrlichen und historischen Grenzen\" ein. Die Vereinigung, die ihren Sitz in M\u00fcnchen hat, z\u00e4hlt im Bundesgebiet etwa 375 (1984: 390) Mitglieder. Vorsitzender ist seit Mai 1985 Dr. Gert Sudholt. Seine Stellvertreter sind die bisherige Vorsitzende Dr. Holle Grimm und der Chefredakteur der \"Deutschen Monatshefte\" Dr. Hans-Dietrich Sander. Als Publikationsorgan erscheint viertelj\u00e4hrlich die Schrift \"Das Freie Forum\". Darin k\u00fcndigte die GfP eine Pr\u00fcfung an, inwieweit \"jene Bonner Gesetze, die sich mit der Geschichtsschreibung zur j\u00fcngsten Vergangenheit befassen, mit dem 126","Grundrecht von freier Forschung und Lehre zu vereinbaren sind\", und griff in diesem Zusammenhang die Koalitionsparteien an, die dem \"massiven Druck des Inund Auslandes im Vorfeld des 8. Mai mit seiner erneuten Schuldzuweisungswelle an die Deutschen\" nicht standgehalten h\u00e4tten. Unter dem Motto \"Jalta und Potsdam \u00fcberwinden\" hielt die GfP vom 3. bis 5. Mai in Kassel ihren Jahreskongre\u00df ab. Dabei kritisierten die Redner die \"w\u00fcrdelosen und unw\u00fcrdigen Begleiterscheinungen des 8. Mai 1985\" und erkl\u00e4rten, der Zweite Weltkrieg sei \"von der amerikanischen Regierung und ihren j\u00fcdischen Hinterm\u00e4nnern\" entfesselt worden. Das \"Bew\u00e4ltigungspalaver\" bezwecke ausschlie\u00dflich, die Deutschen \"in dauerhafter Zerknirschung\" von der Aus\u00fcbung ihrer Rechte abzuhalten. Die zuerst in den USA aufgestellte \"ber\u00fcchtigte These von der Alleinkriegsschuld Hitlers\" sei \"die Rechtfertigung fremder Ketten, die dazu dienen, die Pr\u00e4ambel des Grundgesetzes nie Wirklichkeit werden zu lassen\". Der Verfassungsschutz, der diese These aufrechterhalte, stelle dabei \"die Interessen der Sieger\" \u00fcber die Wahrung der Verfassung. 5.4 Freundeskreis Ulrich von H\u00fctten Der im Februar 1982 von Rechtsextremisten gegr\u00fcndete Freundeskreis Ulrich von H\u00fctten mit Sitz in Starnberg vertritt vor allem nationalistische und rassistische Forderungen, die auf der \u00dcberzeugung von der \"Notwendigkeit einer neuen gesunden Lebensordnung auf der Grundlage gewachsener V\u00f6lker\" beruhen. So behauptete die Vereinigung, es gebe \"keine gr\u00f6\u00dfere S\u00fcnde wider das Gesetz des Lebens\" als die \"Vermischung der Gro\u00dfrassen\". Um die \"genetische Substanz der wei\u00dfen Rasse\" zu erhalten, m\u00fcsse eine \"Einwanderung fremdrassiger Gruppen\" und die dadurch drohende \"Einmischung von andersartigen Anlagen\" verhindert werden. Von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung sei daher das \"Bewu\u00dftwerden und \u00dcbertragen wissenschaftlicher Erkenntnisse auf die Plattform einer biologisch bedingten Politik\". Ferner w\u00fcrdigte die Vereinigung Adolf Hitler als einen Politiker, der das \"zerrissene und notleidende deutsche Volk\" geeint und die \"Knechtschaft von Versailles\" beendet habe, und machte die Alliierten und das \"j\u00fcdisch gelenkte internationale Geldmachtsystem\" f\u00fcr beide Weltkriege verantwortlich. Zum 40. Jahrestag der deutschen Kapitulation er3. Jahrgang Oktober-November 1985 Folge 5 127","kl\u00e4rte sie, die \"Schm\u00e4hungen und Verleumdungen der Sieger und ihrer Hilfswilligen gegen das deutsche Volk und Reich\" k\u00f6nnten der \"Macht der geschichtlichen Wahrheit\" nicht auf Dauer standhalten. Die Organisation z\u00e4hlt wie im Vorjahr bundesweit rund 300 Mitglieder. Vorsitzende ist die Pr\u00e4sidentin der Deutschen Kulturgemeinschaft (DKG) in \u00d6sterreich Lisbeth Grolitsch. Die Aktivit\u00e4ten des Freundeskreises bestanden 1985 haupts\u00e4chlich in der Herausgabe und Verbreitung des Publikationsorgans \"Huttenbriefe -- F\u00fcr Volkstum, Kultur, Wahrheit und Recht\" und der Durchf\u00fchrung einiger \u00f6ffentlicher Veranstaltungen. 5.5 Die Deutsche Freiheitsbewegung (DDF) Die DDF wurde am I.April 1983 auf Initiative ihres derzeitigen Vorsitzenden, des fr\u00fcheren Generalmajors der Wehrmacht Otto Ernst Remer nach dessen Trennung vom Freundeskreis Ulrich von H\u00fctten gegr\u00fcndet. Der Sitz der etwa 70 Mitglieder z\u00e4hlenden Gruppierung befindet sich in Kaufbeuren. Die DDF verfolgt vor allem rassistische und nationalistisch-neutralistische Bestrebungen. So lehnte sie die \"in Unkenntnis oder bewu\u00dfter Ignorierung der wissenschaftlichen Erkenntnisse \u00fcber die Ungleichheit der Menschen\" betriebene Integration von Ausl\u00e4ndern ab und erhob die Forderung, durch \"brauchbare Gesetze zum Schutz vor \u00dcberfremdung\" dem \"V\u00f6lkermord am deutschen Volk\" zu begegnen. Entsprechend ihrem Bekenntnis \"zu unserem Volk\" setzte sie sich f\u00fcr dessen \"Existenzund Lebenssicherung\" sowie f\u00fcr die \"Erhaltung seines Lebensraumes\" ein. Unter Hinweis auf die \"gegen unser Volk gerichteten Pamphlete und Genocidpl\u00e4ne haupts\u00e4chlich zionistischer Schreibtischt\u00e4ter\" und die \"immer noch anhaltende Diffamierung des deutschen Volkes\", die letztlich auf seine \"physische Vernichtung\" abziele, verlangte sie au\u00dferdem, die \"Verbreitung von L\u00fcgen und Verleumdungen gegen unser Volk und die b\u00f6sartige Entstellung seiner Geschichte als Verbrechen des geplanten V\u00f6lkermordes\" unter Strafe zu stellen. Daneben forderte die DDF als Voraussetzung einer \"souver\u00e4nen nationalen Politik\" die \"Wiedervereinigung Deutschlands in den v\u00f6lkerrechtlich verbindlichen Grenzen des Deutschen Reiches\" und erteilte der gegen die \"deutschen Interessen\" versto\u00dfenden \"Atlantikund EuropaPolitik\" eine \"eindeutige Absage\". Stattdessen propagierte sie den Austritt aus der NATO, eine Politik \"bewaffneter Neutralit\u00e4t\" nach dem Vorbild Schwedens und eine \"Allianz mit Moskau\", da sich die \"Existenz des deutschen Volkes\" nur in einer \"deutsch-russischen Schicksalsgemeinschaft\" sichern lasse. In dem seit April 1985 erscheinenden Organ der DDF \"Der Bismarck-Deutsche\" erkl\u00e4rte der DDF-Vorsitzende zum 40. Jahrestag der deutschen Kapitulation, nur \"der Umerziehung zum Opfer gefallene\" Deutsche k\u00f6nnten \"diese Niederlage als einen Tag der Befreiung begehen\". Niemand spreche heute \u00fcber die \"V\u00f6lkerrechtsverbrechen\" der Sieger. Um eine \"objektive Wahrheitsfindung zu verhindern\", w\u00fcrden sogar Gesetze erlassen, die eine \"verantwortungsbewu\u00dfte Geschichtsschreibung\" unm\u00f6glich machten. Das Desinteresse unserer Politiker an der \"geschichtlichen Wahrheit\" kennzeichne ihre \"Unterwerfungspolitik\". Daher sollten sich die Deutschen vor allem gegen die \"Aner128","Ziehung von Schuldgef\u00fchlen\" wehren, durch die sie \"manipuliert und zu politischen Eunuchen gemacht\" werden sollten. Vom 11. bis 13. Oktober f\u00fchrte die DDF in Nesselwang, Landkreis Ostallg\u00e4u, eine ordentliche Mitgliederversammlung und eine Arbeitstagung mit rund 70 Teilnehmern durch. Im Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener durchsuchte die Polizei am 5. August die Wohnung des DDF-Vorsitzenden. Remer steht im Verdacht, Filmkassetten vertrieben zu haben, in denen die Existenz und der Betrieb von Gaskammern f\u00fcr Menschen in den Konzentrationslagern des Dritten Reiches geleugnet werden. Bei der Durchsuchung stellte die Polizei Videound Tonbandkassetten sowie umfangreiche schriftliche Unterlagen sicher. Das Amtsgericht Kaufbeuren verurteilte den DDF-Vorsitzenden am 5. September wegen Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener zu einer Geldstrafe von 1.500 DM. Remer, der als Kommandeur der Wacheinheiten in Berlin ma\u00dfgeblich an der Niederschlagung des Aufstandes gegen Hitler am 20. Juli 1944 beteiligt war, hatte 1984 in einer an die Soldaten der Bundeswehr gerichteten Flugschrift den \"Typen vom 20. Juli 44\" vorgeworfen, bei dem Anschlag auf Hitler den Tod einfacher Soldaten \"mit einer beispiellosen Arroganz und Menschenverachtung\" in Kauf genommen zu haben. 5.6 Gesellschaft f\u00fcr biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung (GfbAEV) Die 1962 gegr\u00fcndete Vereinigung, die 1972 ihre heutige Bezeichnung erhielt, lie\u00df rassistische Ans\u00e4tze erkennen. So erkl\u00e4rte sie, die Bundesrepublik Deutschland entwickle sich zunehmend zum \"Raum ohne Volk\". Der R\u00fcckgang der deutschen Bev\u00f6lkerung und der Zuzug von Ausl\u00e4ndern f\u00fchrten zur \"Aufl\u00f6sung des Volksk\u00f6rpers\", da eine Integration der \"Fremdlinge\" weder m\u00f6glich noch w\u00fcnschenswert sei. Neben einem konsequenten Einwanderungsstopp seien daher auch Ma\u00dfnahmen zur Steigerung der Geburtenrate der Deutschen erforderlich; andernfalls w\u00fcrden in das Bundesgebiet die in S\u00fcdeuropa und den L\u00e4ndern der Dritten Welt \"nach wie vor ungehemmt produzierten Menschenmassen hereinstr\u00f6men, um hier die Arbeitspl\u00e4tze auszuf\u00fcllen\". Es sei \"ein reines Rechenexempel, wenn die hier lebenden T\u00fcrken und deren Nachkommen die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung stellen\". Vorsitzender der Gesellschaft ist der Hamburger Rechtsextremist J\u00fcrgen Rieger. Als Publikationsorgan erscheint die viertelj\u00e4hrlich herausgegebene Zeitschrift \"Neue Anthropologie\". Darin hie\u00df es, da\u00df von den Deutschen nicht verlangt werden k\u00f6nne, der Entwicklung zu einem \"Vielv\u00f6lkergebilde europ\u00e4ischorientalischer Pr\u00e4gung\" tatenlos zuzusehen. Ausl\u00e4nderintegration bedeute Verlust der deutschen Kultur, gef\u00e4hrde das \u00dcberleben des deutschen Volkes und sei Politik gegen dessen Willen. In Bayern ist nur in M\u00fcnchen ein \"Anthropologischer Arbeitskreis\" der GfbAEV t\u00e4tig, der mit einigen Vortragsveranstaltungen an die \u00d6ffentlichkeit trat. 129","5.7 Wehrsportgruppen Seit dem Verbot der Wehrsportgruppe Hoffmann (WSG) im Jahre 1980 wurden in Bayern zahlreiche Gruppen bekannt, die sich mit Wehrsport oder \u00e4hnlichen \u00dcbungen befa\u00dften. In den meisten F\u00e4llen handelte es sich um Kleinstgruppen, die sich inzwischen selbst aufgel\u00f6st oder ihre T\u00e4tigkeit nach polizeilichem Zugriff eingestellt haben. Bei einigen dieser Vereinigungen waren bzw. sind rechtsextreme Bestrebungen bzw. Kontakte zu rechtsextremen Organisationen festzustellen, so z.B. bei dem 1985 entstandenen \"Wandersportclub Eiche\" (WSE) in Neustadt b. Coburg, dessen Leiter in einem Flugblatt die Freilassung von Michael K\u00fchnen und die \"Aufhebung des Verbotes der ANS\" forderte. Die von ehemaligen Angeh\u00f6rigen der verbotenen ANS/NA Ende 1984 gegr\u00fcndete \"Technische Wehrkampfund Sportgruppe Theodor Eicke\"*) mit Stammabteilungen in Sulzbach-Rosenberg und W\u00fcrzburg orientiert sich am Geist der ehemaligen Waffen-SS und weist nach eigenen Angaben eine dem regul\u00e4ren Milit\u00e4r entsprechende hierarchische F\u00fchrungsstruktur auf. Sie steht ideologisch einer neonazistischen Gruppierung im Rhein-Main-Gebiet nahe, die bis Ende 1984 unter der Bezeichnung \"Nationale Volksfront\" (NVF) in Erscheinung trat. 6. Organisationsunabh\u00e4ngige Publizistik Die 11 (1984: 11) Verlage, Vertriebsund Buchdienste in Bayern, die Publikationen mit rechtsextremem Inhalt herausgeben bzw. verbreiten, entwickelten 1985 wiederum eine beachtliche T\u00e4tigkeit. Die Auflage der periodisch herausgegebenen einschl\u00e4gigen Druckschriften betrug monatlich unver\u00e4ndert etwa 420.000 Exemplare, wobei erh\u00f6hte Auflagen zu besonderen Anl\u00e4ssen nicht eingerechnet sind. Dar\u00fcber hinaus wurden B\u00fccher mit rechtsextremem Inhalt angeboten. Wirkungsvollstes Propagandainstrument des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland ist weiterhin die Druckschriftenund Zeitungsverlags GmbH in M\u00fcnchen unter der Leitung von Dr. Gerhard Frey. Im Verlag erscheint neben dem DVU-Organ \"Deutscher Anzeiger\" (vgl. Nr. 3.2) die \"Deutsche National-Zeitung\" (DNZ) mit einer Wochenauflage von etwa 75.000 (1984:85.000) Exemplaren. Bei Werbeaktionen wird die Auflage betr\u00e4chtlich erh\u00f6ht. Dem Verlag ist ein Buchdienst angeschlossen. Dr. Frey ist auch Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Freiheitlichen Zeitungsverlags GmbH (FZ-Verlag) in M\u00fcnchen, die in der DNZ Gold-und Silbermedaillen \"gro\u00dfer Deutscher\" anbietet. Breiten Raum nahmen in der Berichterstattung der DNZ wiederum die Entlastungsund Rechtfertigungsversuche f\u00fcr die NS-Zeit ein. So identifizierte sich die DNZ mit der Auffassung, England und Frankreich h\u00e4tten 1939 Deutschland den Krieg erkl\u00e4rt, um ihre sich aus dem Versailler Vertrag ergebende \"Vor*) Theodor Eicke war w\u00e4hrend des Dritten Reiches \"F\u00fchrer der SS-Totenkopfverb\u00e4nde und Konzentrationslager\". 130","Wie beim N\u00fcrnberger Proze\u00df gefoltert wurde s 3 und 4 Deutsche ^ ^ ^ ^ R 229S C National+Zeitung %'Zi.'X;(tm)?deg * IM DM zu-os *B\"\"I. ;T)tC LI Arq. I M F \" . Ami.. freiheitlich * unabh\u00e4ngig *\u00fcberparteilich 1,- | A I B t l j . H bit / Dfln. 6.dkr / Finnl. S,Fmk / OihKn. 50 Er, I Hod. 3.3$ hl MW. TM LH. / Km. 1JO t ; POM. H E M . / Sp.n. srC^VSStt,\" ^\"-^ 1M P I \" / Kanoran 171 H l /5\u00e4dol'. 1,It / Tfii\", 70TL / USA 1.30 t Deutschland den T\u00fcrken? machtstellung in Europa\" aufrechtzuerhalten. Zuvor habe Polen mit England einen Pakt geschlossen, dessen Ziel \"nicht nur die Verteidigung Polens, sondern auch die Totalvernichtung des Deutschen Reiches\" gewesen sei. Rudolf He\u00df habe versucht, einen Kompromi\u00dffrieden mit England zustande zu bringen und dabei sein Leben aufs Spiel gesetzt. Beim N\u00fcrnberger Kriegsverbrecherproze\u00df h\u00e4tten in einem \"Inquisitionsverfahren\" jene M\u00e4chte \u00fcber Deutschland zu Gericht gesessen, die sich im Laufe der Geschichte \"Imperien in einer Gesamtgr\u00f6\u00dfe von 80 Millionen Quadratkilometer zusammengeraubt hatten\". Anl\u00e4\u00dflich des 40. Jahrestages der deutschen Kapitulation seien die Ursachen des Zweiten Weltkrieges \"einseitig aus Sieger-Sicht\" interpretiert worden. \"Horrorbilder\" und \"L\u00fcgengespinste\" eines \"antideutschen Massenwahns\" vernebelten bis heute das Bewu\u00dftsein der V\u00f6lker einschlie\u00dflich der Deutschen. Im Gegensatz zu den NS-Untaten harrten die \"massenhaften Siegerverbrechen am deutschen Volk\" alle noch der Wiedergutmachung, w\u00e4hrend der Nationalsozialismus l\u00e4ngst der Geschichte angeh\u00f6re. Der \"nationale Selbstbehauptungswille\" leide unter einem \"Schuldkomplex\", der den Deutschen seit 1945 von \"Umerziehern und Vergangenheitsbew\u00e4ltigern laufend angez\u00fcchtet\" werde. Eine Politik des \"Nationalmasochismus\", der alle Schuld der deutschen Seite aufzub\u00fcrden trachte, f\u00fchre aber zur \"nationalen Selbstaufgabe\". Die antisemitische Haltung der DNZ \u00e4u\u00dferte sich verdeckt als Kritik am Staate Israel. So verwies die DNZ auf die \"Entsetzenstaten der israelischen Politik im Libanon oder sonstwo im arabischen Raum\". Auch versuchte sie den Eindruck zu erwecken, da\u00df die Juden entscheidenden Einflu\u00df auf -- aus Sicht der DNZ unerw\u00fcnschte -- politische Entscheidungen aus\u00fcbten. Der \"Nazi-J\u00e4ger Simon Wiesenthal\" sei \"ma\u00dfgeblich an dem ungeheueren Druck beteiligt\" gewesen, unter dem \"der Bundestag dreimal eine Verj\u00e4hrungsmanipulation\" zwecks Weiterverfolgung von Kriegsverbrechen vorgenommen habe. Eine \"Israel-Lobby\" habe ferner die Einf\u00fchrung eines \"neuen Gesinnungsstrafrechts\" betrieben, wonach \"Zweifel an Darstellungen deutscher Untaten von der politischen 131","Strafjustiz geahndet werden sollen\". Nunmehr w\u00fcrden die \"Repr\u00e4sentanten der Israel-Lobby in den USA\", die auch die \"Meinungsindustrie\" gegen den Besuch des amerikanischen Pr\u00e4sidenten auf einem deutschen Soldatenfriedhof mobilisiert h\u00e4tten, \"mit Sicherheit an die Bundesrepublik neue Forderungen stellen\". Au\u00dferdem versuchte die DNZ, Vorurteile gegen Minderheiten zu f\u00f6rdern. So verwies sie auf Bem\u00fchungen der \"\u00e4u\u00dferst r\u00fchrigen Zigeunerlobby\", die seit Jahren bestrebt sei, das \"NS-Trauma der Deutschen zu vertiefen\", um \"zus\u00e4tzliche Wiedergutmachungsleistungen\" zu erlangen. Die fremdenfeindliche Einstellung der DNZ \u00e4u\u00dferte sich auch in der Warnung vor einem \"Massenansturm\" von Ausl\u00e4ndern, insbesondere \"Millionen\" von T\u00fcrken, da es die Bundesregierung vers\u00e4umt habe, eine Modifizierung der Freiz\u00fcgigkeitsregelung innerhalb der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft durchzusetzen. Dar\u00fcber hinaus w\u00fcrde nach Auffassung der DNZ die Verwirklichung eines Plans, die Grenzen zum westlichen Ausland zu beseitigen, nicht nur die \"Gauner aller L\u00e4nder\" ungehindert einreisen lassen, sondern auch eine \"erneute V\u00f6lkerwanderung Fremder in die Bundesrepublik\" erleichtern. Die DNZ setzte auch 1985 die Diffamierung demokratischer Institutionen und ihrer Repr\u00e4sentanten fort, wobei sich ihre Agitation vor allem gegen Vertreter der CDU richtete. So warf sie der Bundesregierung vor, ein \"neues Maulkorbgesetz zur Knebelung der Meinungsfreiheit\" vorzubereiten. Unter der \u00dcberschrift \"Kohl verbreitet Geschichtsl\u00fcgen\" erkl\u00e4rte sie, der Bundeskanzler setze sich an die Spitze der \"Bew\u00e4ltiger\", indem er \"selbst die absurdesten \u00dcbertreibungen der kommunistischen Propaganda\" \u00fcbernehme und dem deutschen Volk ein \"bleibendes Kainsmal aufzudr\u00fccken\" trachte. Auch der Bundespr\u00e4sident wurde nach seiner Rede zum 8. Mai heftig angegriffen. Die DNZ warf ihm vor, er vers\u00e4ume keine Gelegenheit, \"bedingungslos auf Kosten des deutschen Volkes zu bew\u00e4ltigen\". Voraussichtlich werde er sich sogar \"noch tiefer b\u00fccken\", die \"Warschauer Kniefall-Schau Brandts noch bei weitem \u00fcbertreffen\" und \"den Eindruck erwecken, er wolle sich in der Geschichte nur durch Kriechspuren verewigen\". \"Kohls und Weizs\u00e4ckers nationalmasochistische Bu\u00df\u00fcbungen\" sollten \"offenkundig ein Ritual h\u00e4ufig wiederkehrender S\u00fchnehandlungen\" begr\u00fcnden. Dem Verfassungsschutz unterstellte die DNZ, \"vom Osten gelenkt\" zu sein. Die Deutsche Verlagsgesellschaft mbH (DVG) in Rosenheim unter der Leitung des ehemaligen NPD-Bundesvorstandsmitglieds Waldemar Sch\u00fctz gab bis Ende 1985 die \"Deutsche Wochen-Zeitung\" (DWZ) heraus. Die w\u00f6chentliche Auflage betrug rund 16.000 Exemplare. Anfang 1986 wurde die DWZ von der Druckschriftenund Zeitungsverlags GmbH in M\u00fcnchen \u00fcbernommen. Die DWZ erkl\u00e4rte 1985, nur \"jene sch\u00e4bige Minderheit in unserem Volk, die zum Nutznie\u00dfer seiner Niederlage wurde\", wage frech zu behaupten, die deutsche Kapitulation sei als Tag der Befreiung von Adolf Hitler und dem Nationalsozialismus zu feiern. Die \"Verbrechen der anderen, insgesamt qualitativ und quantitativ wohl schlimmer als die unseren\", seien \"bisher im wesentlichen unterschlagen\" worden, w\u00e4hrend die \"Beschuldigungen gegen das deutsche Volk\" erfahrungsgem\u00e4\u00df \"von einem regelrechten Zahlenrausch begleitet\" w\u00fcrden. Unter der Schlagzeile \"Mengele darf nicht einfach tot sein\" hie\u00df es, falls 132","Organisationsunabh\u00e4ngige rechtsextreme Publizistik 133","der ehemalige KZ-Arzt schon vor Jahren verstorben sein sollte, m\u00fcsse \"ganz schnell ein neuer Mengele herbeigeschafft\" werden, um \"weiterhin auf die Bundesrepublik Druck aus\u00fcben zu k\u00f6nnen\". Im \u00fcbrigen habe die \"Jagd\" nach dem Toten gezeigt, da\u00df \"auch eine Leiche hervorragend geeignet ist, die Funktion der Zitronenpresse gegen\u00fcber der Zitrone Bundesrepublik zu erf\u00fcllen\". In der 1953 gegr\u00fcndeten Nation Europa Verlags GmbH in Coburg erscheint die Monatszeitschrift \"Nation Europa\" (NE) in einer Auflage von etwa 10.000 Exemplaren. Der Verlag wird von dem 1954 gegr\u00fcndeten Verein \"Nation Europa-Freunde\" finanziell unterst\u00fctzt. Gesellschafter des Verlags und Herausgeber der NE sowie Vorsitzender des Unterst\u00fctzungsvereins ist der NPDFunktion\u00e4r Peter Dehoust. Die Schrift behauptete, noch nie sei bei uns aus Anla\u00df des Jahrestages der deutschen Niederlage von 1945 \"die Flut des Antigermanismus, der kollektiven Selbstanklage des eigenen Volkes, der Geschichtsf\u00e4lschung und der Verzichtsbereitschaft\" in unseren Medien gr\u00f6\u00dfer gewesen. Der Bundespr\u00e4sident habe sich bei seiner Rede am 8. Mai 1985 \"s\u00e4mtliche Umerzieherthesen\" zu eigen gemacht und die Vergangenheit \"ausschlie\u00dflich auf Kosten des deutschen Volkes\" bew\u00e4ltigt. Die \"alte Koalition der Verzichtspolitiker aller Parteien\" habe dies \"zu Recht als Startschu\u00df betrachtet, die Nachkriegsordnung endg\u00fcltig zu sanktionieren\". Jedoch zeige allein die Tatsache, da\u00df \"eine so gro\u00dfangelegte neue Umerziehungskampagne f\u00fcr die nachwachsende Generation in Gang gesetzt werden\" m\u00fcsse, da\u00df \"die Nutznie\u00dfer von Jalta und Potsdam um den Bestand der Siegerordnung f\u00fcrchten\". Femer wandte sich die Schrift gegen die \"\u00dcberfremdung Deutschlands\" und bot Sonderdrucke der Nation Europa Verlags GmbH mit dem Titel \"Ausl\u00e4nderstopp -- F\u00fcr eine deutsche Zukunft\" zur Verbreitung an. Auch versuchte sie, Vorurteile gegen Ausl\u00e4nder und Asylanten propagandistisch zu f\u00f6rdern, indem sie unter der Rubrik \"Nachrichten von der \u00dcberfremdungsfront\" zahlreiche negative Meldungen \u00fcber diesen Personenkreis ver\u00f6ffentlichte. Der Druffel-Verlag in Berg am Starnberger See, der von dem derzeitigen Vorsitzenden der Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik Dr. Gert Sudholt geleitet wird, ist bem\u00fcht, \"unbeirrt den deutschen Standpunkt\" zu vertreten. Er gibt Literatur heraus mit dem Ziel, sowohl \"zeitgeschichtliche Quellen f\u00fcr eine sp\u00e4tere Geschichtsforschung zu sichern\" als auch \"gegen Umerziehung und Gehirnw\u00e4sche mit geistig-literarischen Waffen zu k\u00e4mpfen\". In der Verlagswerbung hie\u00df es, die Ausf\u00fchrungen zur Problematik der Judenfrage und zur \"Sechs-Millionen-These\" im Buch \"Ich, Adolf Eichmann\" seien und blieben \"sensationell\". In seinem Buch \"Was ist Wahrheit?\" widerlege Paul Rassinier die These, w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges seien von deutscher Seite \"sechs Millionen Juden vergast\" worden. Der 1977 von Dr. Gert Sudholt \u00fcbernommene T\u00fcrmer-Verlag in Berg am Starnberger See will einen \"Beitrag zum Geistesleben des 'nicht umerzogenen' Teiles unseres Volkes\" leisten. Er gibt seit 1982 die \"Deutschen Monatshefte\" in einer Auflage von rund 6.000 Exemplaren heraus, die sich als \"wesentliches Organ deutscher Selbstbesinnung\" verstehen. Darin hie\u00df es, die parlamentarische Demokratie sei \"Resultat einer von au\u00dfen beg\u00fcnstigten Fehlentwick134","lung\". Es sei abzulehnen, da\u00df die \"Alleinschuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg, die These von sechs Millionen ermordeten Juden und das Bild des Dritten Reiches als eines totalit\u00e4ren Regimes kritiklos hingenommen\" w\u00fcrden. Der damit vollzogene Kontinuit\u00e4tsbruch sei nicht dadurch \u00fcberbr\u00fcckbar, da\u00df man \"mittels einiger Querulanten wie den Geschwistern Scholl\" und \"Hochverr\u00e4tern wie Stauffenberg\" eine Traditionslinie des \"anst\u00e4ndigen Deutschlands\" zu konstruieren versuche. Ferner griff die Schrift den Bundespr\u00e4sidenten an, der in seiner Rede vom 8. Mai 1985 versucht habe, \"arrogant wie ein Sieger mit seinem Volk zu Gericht zu gehen\". Das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wurde beschuldigt, es bet\u00e4tige sich als \"Zensurbeh\u00f6rde\", f\u00f6rdere die \"Gesinnungsschn\u00fcffelei\" und ebne den Weg zur \"Gesinnungsdiktatur\". Ein Beitrag \"Wenn die T\u00fcrken kommen\" bezeichnete die \"Bonner Hoffnung\" auf ein Nachgeben der T\u00fcrkei in der Frage der Freiz\u00fcgigkeit innerhalb der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft als \"freche Bem\u00e4ntelung eines fundamentalen Versagens und einer abgrundtiefen Verantwortungslosigkeit\". Bonn habe \"sogar Vorkehrungen f\u00fcr ein Hin\u00fcberwachsen in eine ethnopluralistische Gesellschaft\" getroffen. Die \"ansteigende Renaissance deutschen Denkens\" werde jedoch den \"t\u00fcrkischen Ansturm\" als einen \"unzumutbaren nationalen Affront erscheinen lassen\". Der Verlag Hohe Warte -- Franz von Bebenburg KG in Pahl, Landkreis Weilheim, gibt die Schrift \"Mensch und Ma\u00df\" heraus, die monatlich zweimal in einer Auflage von etwas \u00fcber 1.500 Exemplaren erscheint. Die Schrift ver\u00f6ffentlichte die \u00dcbersetzung eines Artikels aus einer amerikanischen Wochenzeitung, in dem die Judenmorde w\u00e4hrend des Dritten Reiches bestritten werden. Sie erinnerte an den \"inneren Widerstand\" gegen die \"Verjudung der deutschen Kultur\" und behauptete, nach 1945 seien die Schriftsteller und K\u00fcnstler \"allesamt Mitl\u00e4ufer der Umerziehung bzw. sogar deren Vorreiter\" gewesen. Ferner wandte sie sich gegen die \"\u00dcberfremdung\", da es inhuman sei, \"die rassisch bedingten Verschiedenartigkeiten der V\u00f6lker zerst\u00f6ren zu wollen\". Der Ederer-Verlag in M\u00fcnchen bot auch 1985 Publikationen an, in denen die NS-Verbrechen verharmlost werden. In den Prospekten hie\u00df es, da\u00df die \"Holocaust-Giftspritzen ein Teil einer gro\u00dfangelegten Reparationszahlungsstrategie\" seien, und \"das schmutzige Gesch\u00e4ft mit den j\u00fcdischen Leiden\" zwischen \"Zionisten und servilen Bonner Politikern auf Kosten des in der BRD lebenden deutschen Volksteiles abgewickelt\" werde. Im Denk mit-Verlag in N\u00fcrnberg erscheint in einer Auflage von etwa 1.000 Exemplaren alle zwei Monate die von Klaus Huscher herausgegebene Schrift \"Denk mit!\", die mit dem Hinweis, da\u00df f\u00fcr \"den heute behaupteten 6-Millionen-Vergasungs-V\u00f6lkermord\" ein entsprechendes Gesetz erforderlich gewesen w\u00e4re, das Ausma\u00df der Judenverfolgung im Dritten Reich zu verharmlosen versuchte. In einem in der Schrift ver\u00f6ffentlichten Brief wandte sich Huscher gegen die zu Lasten des \"Gro\u00dfdeutschen Reiches\" verbreiteten \"Greuell\u00fcgen\" und erkl\u00e4rte, die \"sogenannte bundesrepublikanische Justiz\" habe \"die Demokratie abgeschafft\". Der \"immer mehr um sich greifende Justizterror\" kenne nur noch das Ziel, Zweifel am \"Vergasungs-V\u00f6lkermord an den Juden\" zu unterdr\u00fccken. 135","Der Eigenverlag des Robert Dollinger in Bubenreuth, Landkreis ErlangenH\u00f6chstadt, verbreitete unter der Bezeichnung \"B\u00fcrgerinitiative zur Rettung des deutschen Volkes\" eine Brosch\u00fcre mit dem Titel \"Die Wahrheit ist unt\u00f6dlich\". Darin war eine \"Beweisf\u00fchrung\" gegen die \"Vergasungen\" von Juden im Dritten Reich wiedergegeben, in der es hie\u00df, Zweifel an der \"Existenz von Gaskammern in deutschen KZ und der Ermordung von sechs Millionen Juden\" w\u00fcrden unterdr\u00fcckt, damit \"Israel weiterhin ungest\u00f6rt 'Wiedergutmachung' kassieren\" k\u00f6nne. Ferner wurde behauptet, die deutsche Justiz bestrafe denjenigen, der die \"Propaganda der Feinde Deutschlands f\u00fcr falsch\" erkl\u00e4re. Es sei gesetzlich verboten, eine historische Frage anders zu l\u00f6sen als die Politik es erlaube. 7. Einflu\u00df des ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus Der Einflu\u00df des ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus auf Bayern zeigte sich insbesondere in der Einfuhr und Verbreitung vorwiegend neonazistischer und antisemitischer Druckschriften. 1985 wurden in Bayern 55 (1984: 40) verschiedene meist deutschoder englischsprachige Druckschriften, Flugbl\u00e4tter, Rundbriefe und Klebezettel festgestellt, die \u00fcberwiegend aus \u00d6sterreich, Kanada, Frankreich und den USA stammten. Die neonazistische NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation (NSDAPAO) des Gary Rex Lauck aus Lincoln/Nebraska (USA) fordert die \"Ausschaltung des j\u00fcdischen Einflusses\", die \u00dcberwindung des \"Materialismus\" durch den Nationalsozialismus und die \"Neugr\u00fcndung der NSDAP als legale Partei\". Endziel sei die \"Schaffung eines nationalsozialistischen Staates in einem freien, souver\u00e4nen und neuvereinigten Gro\u00dfdeutschen Reich und die Errichtung einer Neuen Ordnung auf einer rassischen Grundlage in der gesamten arischen Welt\". In ihrem Publikationsorgan \"NS Kampfruf\" diffamierte die NSDAP-AO die demokratischen Institutionen in der Bundesrepublik Deutschland. So bezeichnete sie die Abschiebung des fr\u00fcheren ANS/NA-Organisationsleiters Michael K\u00fchnen aus Frankreich und seine anschlie\u00dfende Verhaftung als \"\u00fcbles Gangsterst\u00fcck des westdeutschen Marionettensystems\", an dem auch der \"Verfassungsschmutz\" beteiligt gewesen sei. In \"westdeutschen Umerziehungsanstalten\" habe man K\u00fchnen schon vor Jahren einer \"Gehirnw\u00e4sche\" unterziehen wollen. Die \"westdeutschen Steigb\u00fcgelhalter von Amerikas und Jud\u00e4as Gnaden\" h\u00e4tten sich jedoch verrechnet, da sich K\u00fchnen den \"Schei\u00dfDemokraten\" und dem \"j\u00fcdischen Untermenschentum\" nicht unterworfen habe. Au\u00dferdem wurden in Bayern Hakenkreuzaufkleber der NSDAP-AO mit Aufschriften wie \"NS-Verbot aufheben\", \"Rotfront verrecke\" und \"Ausl\u00e4nder raus\" verbreitet. Der Inhaber des in Toronto/Kanada ans\u00e4ssigen Verlags Samisdat Publishers Ltd. Ernst CF. Z\u00fcndel, der seit Jahren gegen den \"6-Millionen-Schwindel\" und \"antideutsche Ha\u00dfpropaganda\" agitiert, rief in seinem auch in Bayern verbreiteten Rundbrief Nr. 59 zur Teilnahme an dem gegen ihn anh\u00e4ngigen \"gro\u00dfen Holocaust-Proze\u00df\" am 7. Januar 1985 in Toronto auf. Dazu \u00e4u\u00dferte er, nun werde \"privat der Kampf ausgetragen werden, den die Feiglinge und Schufte, 136","Rechtsextreme Publikationen des Auslands die Opportunisten und Verr\u00e4ter, welche sich 'deutsche Regierungen' nannten und immer noch nennen\", schon vor 30 Jahren h\u00e4tten f\u00fchren m\u00fcssen. W\u00e4hrend zahlreiche Personen und Organisationen seiner Bitte, ihn bei der Beschaffung entlastenden Beweismaterials zu unterst\u00fctzen, bereits nachgekommen seien, h\u00e4tten \"die zwei prominenten Zeitungen des nationalen Lagers in Deutschland\" seinem Anliegen nicht entsprochen. Es sei \"f\u00fcr unser Volk eine Schande\", wie sich die \"selbsterkorenen Sprecher des nationalen Lagers\" in diesem Fall benommen h\u00e4tten. In einem weiteren Rundbrief erkl\u00e4rte Z\u00fcndel, die Berichterstattung der kanadischen Medien \u00fcber den Strafproze\u00df sei schon jetzt \"ein enormer Aufkl\u00e4rungssieg f\u00fcr unsere Sache\". Er danke auch seinen Helfern, die durch Spenden und freiwillige Dienstleistungen dazu beigetragen h\u00e4tten, den \"L\u00fcgnern und Verdrehern der Geschichte die Maske vom Gesicht\" zu rei\u00dfen. Wegen der Ver\u00f6ffentlichung des Pamphlets \"Starben wirklich sechs Millionen?\", das die Judenvernichtung im Dritten Reich leugnet, wurde Z\u00fcndel am 25. M\u00e4rz von einem kanadischen Gericht zu 15 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, wogegen er Berufung eingelegt hat. In dem Proze\u00df waren auch deutsche Rechtsextremisten als Zeugen aufgetreten. Die von dem \u00f6sterreichischen Rechtsextremisten Walter Ochensberger herausgegebene Zeitschrift \"Sieg\" vertrat die Auffassung, die \"forcierte Rassenmischung durch Import von Asylanten und dergleichen\" werde zum \"V\u00f6lker137","mord' f\u00fchren. Ferner wandte sie sich gegen die \"Umerziehung' der Deutschen durch die Siegerm\u00e4chte und verwies auf die \"meist l\u00e4ngst widerlegten Schauerm\u00e4rchen und Propagandal\u00fcgen aus der antideutschen Hexenk\u00fcche\". Den \"Verzichtsextremisten\" warf sie vor, sie bestritten die \"Hauptkriegsschuld der Alliierten\", deren Ziel \"nicht die Befreiung, sondern die Vernichtung Deutschlands\" gewesen sei. Mit \"Propagandathesen\" wie \"Alleinschuld\" und \"Kollektivscham\" solle unserem Volk das \"moralische Genick\" gebrochen werden. In der in Bayern verbreiteten neonazistischen Hetzschrift \u00d6sterreichischer Beobachter -- Kampfblatt der NSDAP (Hitlerbewegung) in \u00d6sterreich hie\u00df es zum Besuch des USPr\u00e4sidenten Reagan in der Bundesrepublik Deutschland, dieser \"abgetakelte Schauspieler in j\u00fcdischen Diensten\" solle \"ruhig zu den KZ's wallfahrten, in die er und seinesgleichen im Grunde geh\u00f6ren\". Die \"armseligen Marionetten\" Reagan und Kohl h\u00e4tten sich \"dem Juden bereits zu sehr verkauft\", als da\u00df sie sich der \"dikatorischen Aufdringlichkeit des Judentums\", die ihnen jetzt vorschreibe, \"wohin sie zu gehen oder nicht zu gehen\" h\u00e4tten, noch widersetzen k\u00f6nnten. Mit \"verlogenen Monstererz\u00e4hlungen\" erpre\u00dften die Juden st\u00e4ndig Anteilnahme an ihren \"6 Millionen Vergasten\" und forderten \"immer wieder Geld\" sowie \"totale Macht \u00fcber uns\". Als Voraussetzung f\u00fcr den \"entscheidenden Schlag gegen die machtgierigste Minderheit des Erdballs\" m\u00fc\u00dften auch wir einmal lernen, unser Blut \"mit jenem gesunden Ha\u00df\" anzureichern, der allein noch \"unser Leben als deutsches Volk retten\" k\u00f6nne. Im \"neuen guten Kampf gegen das Minderwertige\" m\u00f6ge dieser Ha\u00df dann \"Antriebskraft zu unserer tiefsten Befreiung\" werden. Die in Frankreich gedruckte Monatszeitschrift Nouvelle Voix (Neue Stimme) warf den Juden in aller Welt vor, sie wollten den ewigen Krieg gegen Hitler und seine Anh\u00e4nger und arbeiteten dabei mit der \"unbewiesenen und bestrittenen Vergasung von 6 Millionen Juden\". 138","4. Abschnitt Terror* und sonstige politisch motivierte Gewalt 1. Allgemeines Die Bedrohung der inneren Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland durch politisch motivierte Gewaltt\u00e4ter hat sich im Jahr 1985 versch\u00e4rft. Dies kam insbesondere zum Ausdruck durch den Mordanschlag auf den Vorsitzenden der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der Motorenund Turbinen-Union (MTU) Dr. Ernst Zimmermann in Gauting bei M\u00fcnchen und die Ermordung des US-Soldaten Edward Pimentai in Wiesbaden in Zusammenhang mit dem Sprengstoffanschlag auf die US-Air-Base in Frankfurt a.M., der zwei Todesopfer forderte. Die Zahl der ver\u00fcbten oder versuchten Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge ist gegen\u00fcber dem Vorjahr von 251 auf 331 gestiegen. Dies bedeutet bei den Brandanschl\u00e4gen eine Zunahme um 28% (1985: 256, 1984: 200) und bei den Sprengstoffanschl\u00e4gen um 47 % (1985: 75, 1984: 51). Der deutliche Anstieg der Anschlagsaktivit\u00e4ten geht in erster Linie auf die Rote Armee Fraktion (RAF) zur\u00fcck, der es gelungen ist, ihr Anh\u00e4ngerpotential zu mobilisieren; auch scheint das gewaltbereite weitere Umfeld die in der Vergangenheit gezeigte Zur\u00fcckhaltung aufgegeben zu haben. Schwerpunkte der Gewalttaten mit linksterroristischem Bezug waren Mord-, Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge. Bevorzugte Ziele der Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge waren vor allem Einrichtungen der US-Armee, der NATO und der Bundeswehr sowie Kaufh\u00e4user und Geldinstitute, die aus Sicht der Taturheber das \"kapitalistische System\" repr\u00e4sentieren. Weitere Angriffsobjekte waren Sicherheitsbeh\u00f6rden als Symbole des \"Repressionsapparates\" und Firmen mit Beteiligung an umstrittenen Bauvorhaben (haupts\u00e4chlich in den Bereichen Kerntechnik und Stadtsanierung), aber auch Unternehmen mit R\u00fcstungsproduktion, Betriebe der Mikroelektronik-Branche und Forschungsinstitute der Biound Gentechnologie. * Terrorismus ist der nachhaltig gef\u00fchrte Kampf f\u00fcr politische Ziele, die mit Hilfe von Anschl\u00e4gen auf Leib, Leben und Eigentum anderer Menschen durchgesetzt werden sollen, insbesondere durch schwere Straftaten, wie sie in SS 129a Abs. 1 des Strafgesetzbuchs genannt sind (vor allem: Mord, Totschlag, erpresserischer Menschenraub, Brandstiftung, Herbeif\u00fchrung einer Explosion durch Sprengstoff) oder durch andere Gewalttaten, die der Vorbereitung solcher Straftaten dienen. 139","Die Rote Armee Fraktion (RAF), die bereits im Vorjahr mit zwei Beschaffungsstraftaten und einem versuchten Sprengstoffanschlag am 18. Dezember 1984 auf die NATO-Schule in Oberammergau ihre Gef\u00e4hrlichkeit bewiesen hatte, setzte 1985 ihre \"Offensive\" mit der Ermordung des Vorsitzenden der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der Motorenund Turbinen-Union (MTU) Dr. Ernst Zimmermann in seiner Wohnung in Gauting am 1. Februar fort. Der Kernbereich der RAF ver\u00fcbte im Rahmen dieser \"Offensive\" auch den Sprengstoffanschlag auf die US-Air-Base in Frankfurt a.M. am 8. August, bei dem zwei amerikanische Staatsangeh\u00f6rige get\u00f6tet und elf Personen zum Teil schwer verletzt wurden, sowie den vorangegangenen Mord an dem US-Soldaten Edward Pimentai in Wiesbaden. Da die bisherigen personellen und logistischen Verluste des Kernbereichs inzwischen offenbar ausgeglichen sind, ist auch im Hinblick auf die zunehmende Einbindung regionaler militanter RAF-Anh\u00e4nger einschlie\u00dflich der \"Illegalen Militanten\" in die Gesamtplanung von einer anhaltend versch\u00e4rften Gef\u00e4hrdungslage auszugehen. Die erkennbaren Bem\u00fchungen der RAF um Zusammenarbeit mit Terrororganisationen in benachbarten europ\u00e4ischen L\u00e4ndern verst\u00e4rken die von ihr ausgehende Bedrohung. Zugenommen haben auch die terroristischen Aktivit\u00e4ten der Revolution\u00e4ren Zellen (RZ) und ihrer Frauengruppe \"Rote Zora\", denen bundesweit 18 (1984: 11) vollendete oder versuchte Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge zuzurechnen waren. Au\u00dferdem waren im Bundesgebiet zahlreiche Anschl\u00e4ge durch regionale Gruppierungen militanter RAF-Anh\u00e4nger einschlie\u00dflich der neu aufgetretenen \"Illegalen Militanten\" und sonstige Gruppierungen des linksterroristischen Bereichs bzw. des gewaltbereiten linksextremen Spektrums zu verzeichnen. Dabei hatten aktuelle Schl\u00fcsselereignisse eine schlagartige Zunahme der Anschl\u00e4ge zur Folge. So wurden zwischen dem 4. Dezember 1984 und 5. Februar 1985 w\u00e4hrend des Hungerstreiks inhaftierter terroristischer Gewaltt\u00e4ter 76 Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge ver\u00fcbt. Ein weiterer Agitationsund Aktionsschwerpunkt mit 101 Anschl\u00e4gen war im September/Oktober 1985 nach dem Tod des Demonstranten G\u00fcnter Sare am 28. September in Frankfurt a.M. festzustellen. G\u00fcnter Sare war als Teilnehmer einer Kundgebung gegen eine NPD-Veranstaltung von einem Einsatzfahrzeug der Polizei t\u00f6dlich verletzt worden. In Zusammenhang damit kam es im gesamten Bundesgebiet zu teilweise schweren Ausschreitungen, bei denen Einrichtungen und Fahrzeuge der Polizei, aber auch Gesch\u00e4ftsh\u00e4user und Bankinstitute Ziel von Brandanschl\u00e4gen, Farbschmierereien und sonstigen Sachbesch\u00e4digungen waren. Wegen Straftaten im Zusammenhang mit dem Linksterrorismus wurden sechs Personen zu Freiheitsstrafen verurteilt, davon keine in Bayern. Gegen 30 mutma\u00dfliche linksterroristische Gewaltt\u00e4ter bestehen Haftbefehle. F\u00fcr die Existenz einer rechtsterroristischen Vereinigung im Bundesgebiet gibt es nach wie vor keine Hinweise. Bemerkenswert ist, da\u00df mit der Festnahme der f\u00fchrenden Mitglieder rechtsterroristischer Vereinigungen bisher jeweils auch die Existenz der Gruppe endete. Die Zahl der Brandanschl\u00e4ge mit rechtsextremem Hintergrund (1984:11, 1985: 3) war im Bundesgebiet r\u00fcckl\u00e4ufig. In Bayern wurden 1985 neun (1984: 140","zwei) versuchte bzw. begangene Gewalttaten gegen Personen oder Sachen, 28 (1984:24) Gewaltandrohungen und 18 \u00f6ffentliche Aufrufe zur Gewaltanwendung aus rechtsextremen bzw. vermutlich rechtsextremen Motiven bekannt, die zum Teil mit Beleidigungen und Verunglimpfungen verbunden waren. Meist handelte es sich um \u00f6ffentliche Schmierereien mit Gewaltaufrufen, Mord-, Bombenund Brandanschlagsdrohungen. 22 Aktionen richteten sich gegen Ausl\u00e4nder, \u00fcberwiegend Gastarbeiter und Asylanten, 16 gegen Juden. Die Drohungen und Aufrufe enthielten Forderungen wie \"Tod dem roten Dreck\", \"Tod den T\u00fcrken\", \"Tod den Kanaken\", \"Juden ins KZ\", \"Jude verrecke\", \"La\u00dft die Juden bluten\", \"Deutsche kauft Juden -- der Winter wird kalt\", und \"Asylantenschweine raus aus Deutschland, sonst werdet ihr abgestochen\". Das Oberlandesgericht Frankfurt a.M. verurteilte am 15. M\u00e4rz f\u00fcnf Personen, die der rechtsterroristischen Vereinigung um Walter Kexel und Odfried Hepp angeh\u00f6rt hatten und im Jahre 1982 an Mordanschl\u00e4gen auf US-Soldaten und bewaffneten Bank\u00fcberf\u00e4llen beteiligt gewesen waren, zu mehrj\u00e4hrigen Freiheitsstrafen. Kexel erh\u00e4ngte sich in der Nacht zum 17. M\u00e4rz in seiner Zelle. Am 8. April wurde in Paris mit Odfried Hepp das letzte noch auf freiem Fu\u00df befindliche Gruppenmitglied festgenommen. Der Generalbundesanwalt hat ein Auslieferungsersuchen gestellt. Ausl\u00e4ndische Terrorgruppen kommen als Urheber der Sprengstoffanschl\u00e4ge auf den Rhein-Main-Flughafen am 19. Juni und auf ein amerikanisches Einkaufszentrum in Frankfurt a.M. am 24. November in Betracht. Die sonstigen durch extremistische Ausl\u00e4nder begangenen schweren Gewaltakte waren bundesweit r\u00fcckl\u00e4ufig. 2. Terroristische Gruppen und ihre Ziele Die Rote Armee Fraktion (RAF), die sich auch als \"revolution\u00e4re Avantgarde\" versteht, und die Revolution\u00e4ren Zellen (RZ) verfolgen als Endziel ihres \"bewaffneten Kampfes\" die gewaltsame Beseitigung der bestehenden staatlichen Ordnung und den Aufbau einer neuen, nicht n\u00e4her definierten sozialistischen Gesellschaft. Diese linksterroristischen Gruppierungen halten Gewalt und Terror als Mittel des subversiven Kampfes f\u00fcr erlaubt und geeignet, um das staatliche Machtmonopol zu ersch\u00fcttern, die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen zu versch\u00e4rfen und eine revolution\u00e4re Situation zu schaffen. 2.1 Rote Armee Fraktion (RAF) Die RAF entstand Ende der 60er Jahre um Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Horst Mahler und Ulrike Meinhof. Sie verfolgte zun\u00e4chst das Ziel, als Avantgarde des revolution\u00e4ren Kampfes durch terroristische Aktionen der \"Stadtguerilla\" im \"antiimperialistischen Kampf\" und im \"strategischen und taktischen Zusammenwirken mit den Befreiungsk\u00e4mpfen der unterdr\u00fcckten Nationen\" eine Solidarisierung der Massen und eine revolution\u00e4re Situation herbeizuf\u00fchren. Inzwischen versteht sich die RAF nicht mehr nur als verl\u00e4ngerter Arm der Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt, sondern als eigenst\u00e4ndige Guerilla im \"imperialistischen Zentrum Westeuropa\". Als \"Gegner\" in ihrem \"antiimperiali141","stischen Kampf\" sieht die RAF die \"imperialistische Staatenkette\" unter der F\u00fchrung der USA als Sammelbegriff f\u00fcr alle \"reaktion\u00e4ren Kr\u00e4fte\". Ihr Kampf richtet sich deshalb vor allem gegen die sichtbare Erscheinungsform dieses Blocks, das westliche Verteidigungsb\u00fcndnis NATO und, bezogen auf Westeuropa, gegen die Westeurop\u00e4ische Union (WEU), der die RAF ihr Konzept einer \"antiimperialistischen Front in Westeuropa\" entgegensetzt. In diesem Rahmen hat die RAF verst\u00e4rkt den \"politisch-milit\u00e4risch-\u00f6konomischen Komplex\" und den \"milit\u00e4risch-industriellen Komplex\" (MIK) in ihre Zielsetzung aufgenommen. M\u00f6gliche Anschlagsziele sind deshalb insbesondere Einrichtungen der Bundeswehr und der verb\u00fcndeten Streitkr\u00e4fte, Polizeiund Justizbeh\u00f6rden, Konzerne im Bereich der Computerund Elektroniktechnologie sowie der Verteidigungswirtschaft. Durch die Konzentration derartiger Unternehmen ist Bayern einer erh\u00f6hten Gef\u00e4hrdung ausgesetzt. Die in verschiedenen politischen Erkl\u00e4rungen der RAF deutlich gewordene zus\u00e4tzliche Aufnahme der \"proletarischen Komponente\" (Arbeiterklasse als revolution\u00e4res Subjekt) in ihre ideologische Aussage kann dazu f\u00fchren, da\u00df dar\u00fcber hinaus weitere Anschlagsziele in Betracht gezogen werden. Der Kernbereich der RAF, der sich nach den Festnahmen von RAF-Angeh\u00f6rigen im Sommer 1984 um mindestens 10 Personen verst\u00e4rkt hat, wird derzeit auf etwa 20 Kommandomitglieder gesch\u00e4tzt. Damit ist es der RAF gelungen, ihre personellen Einbu\u00dfen nach den Erfolgen der Sicherheitsbeh\u00f6rden in den vergangenen Jahren auszugleichen. Mit einem am 4. Dezember 1984 begonnenen bundesweiten Hungerstreik, an dem sich rund 30 inhaftierte Mitglieder und Unterst\u00fctzer der RAF sowie einige Angeh\u00f6rige des \"antiimperialistischen Widerstands\" beteiligten, leitete die RAF entsprechend den in ihrem \"Planungspapier\" vom April 1984 formulierten Vorstellungen eine neue \"Offensive\" ein. Der Streik hatte vordergr\u00fcndig das Ziel, eine \"Verbesserung der Haftbedingungen\" zu erreichen; tats\u00e4chlich ging es der RAF aber um die Mobilisierung des gesamten linksterroristischen Gewaltpotentials. Die RAF erhoffte eine Wechselwirkung in dem Sinne, da\u00df der Hungerstreik und die ihn begleitenden Terrorakte zur Realisierung der seit 1982 diskutierten \"Front\" der \"revolution\u00e4ren Linken\" f\u00fchren und den Staat zum Nachgeben in der Frage der Haftbedingungen zwingen k\u00f6nnten. Diesen Vorstellungen entsprechend sind alle zur Unterst\u00fctzung des Hungerstreiks durchgef\u00fchrten terroristischen und propagandistischen Aktionen als Bestandteil einer einheitlichen, von der RAF entwickelten Gesamtstrategie zu sehen. Die w\u00e4hrend des Hungerstreiks ver\u00fcbten Gewalttaten, so z.B. ein Brandanschlag am 17. Dezember 1984 in Augsburg, sind weitgehend dem terroristischen Umfeld der RAF zuzurechnen. Sie richteten sich insbesondere gegen milit\u00e4rische Einrichtungen von Bundeswehr und NATO, diplomatische Vertretungen ausl\u00e4ndischer Staaten in der Bundesrepublik Deutschland, mit der Entwicklung von R\u00fcstungsg\u00fctern befa\u00dfte Wirtschaftsunternehmen und gegen Rechenzentren von Verwaltung und Wirtschaft. Teil des von der RAF vorgegebenen Gesamtkonzepts waren auch alle \u00fcbrigen den Hungerstreik begleitenden Aktivit\u00e4ten, so z.B. Besetzungsaktionen und zahlreiche von Anh\u00e4ngern und Angeh\u00f6rigen der RAF-H\u00e4ftlinge organisierte \u00f6ffentliche Solidarit\u00e4tsund Diskussionsveranstaltungen. 142","Eine internationale Dimension erreichte die \"Offensive\" der RAF, als Mitte Januar 1985 die franz\u00f6sische Terrororganisation \"Action Directe\" und die RAF ein gemeinsames Kommunique \"F\u00fcr die Einheit der Revolution\u00e4re in Westeuropa\" herausgaben, in dem sie behaupteten, als Teil der \"westeurop\u00e4ischen Guerilla\" ihren Kampf gegen die imperialistischen Staaten in \"politischer\" wie in \"milit\u00e4rischer\" Hinsicht gemeinsam f\u00fchren zu wollen. Ihr Ziel sei es, die \"imperialistische Strategie in den Zentren selbst\" -- mithin in Europa -- durch \"Angriffe gegen die zentralen imperialistischen Projekte\" zu brechen. Gegen \"ideologische Debatten und abstrakte Programme\" solle eine \"politische Einheit der Kommunisten in Westeuropa\" und eine \"Organisierung des Angriffs gegen die Totalit\u00e4t des imperialistischen Systems\" erreicht werden. Angesichts der \"imperialistischen Offensive\" in Westeuropa verlange die heutige Situation die \"materielle Umsetzung des proletarischen Internationalismus\" zu einer \"westeurop\u00e4ischen Guerilla\", die \"das imperialistische Zentrum ersch\u00fcttern\" werde. Das nach Diktion und Inhalt zumindest sehr stark von der RAF gepr\u00e4gte Kommunique konkretisierte die bereits in zahlreichen Erkl\u00e4rungen der RAF und ihres Umfeldes -- insbesondere w\u00e4hrend des Hungerstreiks -- erkennbaren Bem\u00fchungen um eine Internationalisierung und Koordinierung des Terrors innerhalb Westeuropas. \u00c4hnliche \"internationalistische\" Tendenzen lie\u00dfen auch Erkl\u00e4rungen der \"Action Directe\" und der belgischen Terrorgruppe \"Cellules Communistes Combattantes\" (K\u00e4mpfende Kommunistische Zellen) -- CCC -- erkennen, die Ans\u00e4tze einer Einordnung dieser Organisationen in die von der RAF propagierte \"antiimperialistische und revolution\u00e4re Front in Westeuropa\" belegen. Auch wenn das Kommunique nicht von einer Vereinigung von RAF und \"Action Directe\" spricht, deutet es doch auf eine Koordinierung im konzeptionellen und logistischen Bereich hin. F\u00fcr eine solche bereits praktizierte gemeinsame Teillogistik spricht, da\u00df die \"Action Directe\" und die RAF bei Aktionen im Jahr 1984 Sprengstoff gleichen Ursprungs verwendet haben. Dar\u00fcber hinaus liegen jedoch bis jetzt keine hinreichenden Erkenntnisse \u00fcber den tats\u00e4chlichen Bestand einer stabilen, koordiniert vorgehenden \"westeurop\u00e4ischen Guerilla\" vor. Der Kommandobereich der RAF, der seine Planungstreue zuvor schon mit dem versuchten Sprengstoffanschlag am 18. Dezember 1984 auf die NATOSchule in Oberammergau bewiesen hatte, setzte mit dem Mord am Vorsitzenden der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der Motorenund Turbinen-Union (MTU) Dr. Ernst Zimmermann am I.Februar in Gauting bei M\u00fcnchen die Serie der Gewaltakte fort. Noch am selben Tag \u00fcbernahm ein \"Kommando Patsy O'Hara\" der RAF telefonisch die Verantwortung f\u00fcr den Mordanschlag. Dieses Tatbekenntnis wurde in einem am 3. Februar in Stuttgart aufgefundenen und als authentisch zu bewertenden Schreiben pr\u00e4zisiert. Danach richtete sich der Anschlag gegen die internationale milit\u00e4rische Zusammenarbeit, insbesondere gegen die deutsch-franz\u00f6sische R\u00fcstungskooperation. In der Bekennung wird dazu ausgef\u00fchrt, da\u00df dem \"milit\u00e4risch-industriellen Komplex\" (MIK) zur Erforschung und Produktion \"neuer Technologien, Elektronik, Waffen-/Kriegs\u00f6konomie\" entscheidende Bedeutung zukomme. Der Anschlag setzte jedoch insoweit neue Akzente, als das Opfer bislang nach au\u00dfen nicht als \"Symbolfigur 143","imperialistischer Politik\" und als herausragender Repr\u00e4sentant der \"Milit\u00e4rmaschine\" in Erscheinung getreten war. Die gleiche Zielrichtung hatte zuvor schon die Ermordung des franz\u00f6sischen Generals Audran am 25. Januar 1985 in Paris durch ein \"Kommando Elisabeth van Dyck\" der \"Action Directe\". Die Tatbekennungen zu beiden Anschl\u00e4gen stimmten zum Teil w\u00f6rtlich \u00fcberein und dokumentierten durch ihre Kommandobezeichnungen, f\u00fcr die Namen jeweils ausl\u00e4ndischer toter Terroristen verwendet wurden, den Willen zum Aufbau einer \"westeurop\u00e4ischen Guerilla\", wie dies schon in dem unmittelbar vorangegangenen gemeinsamen Kommunique der RAF und der \"Action Directe\" zum Ausdruck kam. Dies deutet darauf hin, da\u00df die Anschl\u00e4ge koordinierte Aktionen zur Verwirklichung der von beiden Terrorgruppen geforderten \"Einheit der Revolution\u00e4re in Westeuropa\" waren. Nach dem Mord an Dr. Zimmermann brachen in den folgenden Tagen s\u00e4mtliche inhaftierten terroristischen Gewaltt\u00e4ter ihren kollektiven Hungerstreik ab, ohne das vorgebliche Ziel einer Verbesserung der Haftbedingungen erreicht zu haben. Gleichzeitig beendeten auch f\u00fcnf in Frankreich inhaftierte Angeh\u00f6rige der \"Action Directe\" einen aus Solidarit\u00e4t mit den RAF-H\u00e4ftlingen begonnenen Hungerstreik. In einem Schreiben an die \"gefangenen Revolution\u00e4re\" vom 2. Februar 1985 erkl\u00e4rte die RAF zur Beendigung des Hungerstreiks, dieser habe das m\u00f6gliche Ma\u00df an \"Mobilisierung\" erreicht. Dabei gab sie zu verstehen, da\u00df sie nunmehr den \"Sprung zur Einheit der westeurop\u00e4ischen Guerilla und die Realisierung einer neuen Qualit\u00e4t von Angriffsstrukturen\" f\u00fcr m\u00f6glich halte. Auf dieses \"politische und praktische Ziel\" m\u00fcsse \"die ganze Anstrengung jetzt gerichtet werden\", weil eine radikale Wende \"nur mit unseren und den Mitteln der Militanten\" zu erreichen sei. Bestandteil dieser von der RAF geplanten \"Offensive\" war auch der Sprengstoffanschlag auf den US-Luftwaffenst\u00fctzpunkt in Frankfurt a.M. am 8. August, der zwei Tote und elf zum Teil schwer Verletzte forderte. Bei den Opfern handelte es sich ausnahmslos um US-Staatsangeh\u00f6rige. Der Sprengsatz war in einem am 28. Juli gekauften Pkw deponiert, den die T\u00e4ter kurz vor der Explosion in einer Parkbucht vor dem Hauptquartier der US-Air-Base abgestellt hatten. In gleichlautenden Bekennerschreiben, die am 9. August bei einer Frankfurter Zeitungsredaktion und zwei Nachrichtenagenturen eingingen, \u00fcbernahm ein \"Kommando George Jackson\" der RAF und der \"Action Directe\" die Verantwortung f\u00fcr das Attentat. Die Wahl des Angriffsziels wurde mit der Bedeutung des US-Luftwaffenst\u00fctzpunkts innerhalb des \"imperialistischen\" Konzepts begr\u00fcndet; er sei ein \"Geheimdienstnest\", eine \"Drehscheibe f\u00fcr Kriege in der Dritten Welt\" und ein \"Einfallstor nach Europa f\u00fcr den Krieg gegen die sozialistischen Staaten im Osten\". Die Verfasser bezeichneten den Anschlag als eine bedeutsame \"strategische antiimperialistische Aktion\", die geeignet sei, den \"Zerr\u00fcttungsproze\u00df\" des imperialistischen Staatensystems weiterzutreiben. Sie riefen zu versch\u00e4rften Angriffen gegen die Machtstrukturen der \"Bourgeoisie\" auf und erkl\u00e4rten, die \"revolution\u00e4re Bewegung in Westeuropa\" m\u00fcsse ihren Kampf \"auf eine neue Stufe bringen, indem sie die Diskussion und Organisierung der Offensive gegen den imperialistischen Apparat in allen seinen politischen, \u00f6konomischen und militaristischen Verzweigungen und auf allen Ebenen vorantreibt\". Das Schreiben endete mit der Aufforderung \"Niemals 144","vor der ungeheuren Dimension der eigenen Ziele zur\u00fcckschrecken\", die w\u00f6rtlich der Bekennung der \"Action Directe\" zu einem versuchten Mordanschlag auf den Generalkontrolleur der franz\u00f6sischen Streitkr\u00e4fte Blandin am 26. Juni 1985 entnommen ist, sowie der Parole \"Einheit im Kampf f\u00fcr die Weltrevolution\". Damit haben RAF und \"Action Directe\" erstmals gemeinsam die Verantwortung f\u00fcr einen terroristischen Anschlag \u00fcbernommen. Art und Ausma\u00df einer etwaigen Beteiligung der franz\u00f6sischen Terrorgruppe an der Durchf\u00fchrung des Anschlags sind jedoch nach wie vor ungekl\u00e4rt. In direktem Zusammenhang mit dem Sprengstoffanschlag auf die US-Air-Base in Frankfurt a.M. steht die Ermordung des US-Soldaten Edward Pimentai, der am 8. August in einem Waldgel\u00e4nde in Wiesbaden erschossen aufgefunden wurde. F\u00fcnf Tage sp\u00e4ter ging bei einer Nachrichtenagentur in Frankfurt a.M. die Original-US-ldentit\u00e4tskarte des Ermordeten mit einer Durchschrift des Bekennerschreibens zum Anschlag auf den US-Luftwaffenst\u00fctzpunkt ein. Zun\u00e4chst wurden im terroristischen Umfeld Zweifel an der T\u00e4terschaft der RAF ge\u00e4u\u00dfert und eine \"Geheimdienstaktion\" zum Zweck der Diskreditierung der RAF vermutet. Die im eigenen Unterst\u00fctzerbereich entstandene Verunsicherung veranla\u00dfte schlie\u00dflich die RAF, sich in einer Erkl\u00e4rung vom 25. August 1985 ausdr\u00fccklich zur Ermordung des US-Soldaten Pimentai zu bekennen. Sie begr\u00fcndete die Tat insbesondere mit der Notwendigkeit, in den Besitz der Identit\u00e4tskarte des Opfers zu gelangen und sich damit Zugang zum USLuftwaffenst\u00fctzpunkt zu verschaffen. Dar\u00fcber hinaus versuchte die RAF, den Mord ideologisch zu rechtfertigen, indem sie darauf verwies, da\u00df die Einrichtungen der US-Streitkr\u00e4fte und der NATO \"Kriegsgebiet\" seien und jeder USSoldat gleich welchen Ranges daf\u00fcr bezahlt werde, \"Krieg zu f\u00fchren\". Dieser Mord macht deutlich, da\u00df die Aktionen der RAF in letzter Zeit an Brutalit\u00e4t zugenommen haben. Auch die gezielte T\u00f6tung von Menschen bei Beschaffungsaktionen wird heute von der RAF offensichtlich nicht mehr von vornherein ausgeschlossen. Das belegen auch zwei der RAF zuzurechnende Raub\u00fcberf\u00e4lle am 3. Juni in Kirchentellinsfurt, Kreis T\u00fcbingen, und am 27. September in Ludwigsburg, bei denen insgesamt drei Geldboten bzw. -botinnen niedergeschossen bzw. niedergeschlagen und schwer verletzt wurden. Damit ist die RAF von ihrem bisherigen Grundsatz abger\u00fcckt, da\u00df sich ihre Anschl\u00e4ge niemals unmittelbar gegen Menschen richten d\u00fcrften, die mit den \"Verbrechen des Imperialismus\" nichts zu tun haben. Die Gewalttaten weisen aber auch darauf hin, da\u00df die RAF bei ihren terroristischen Aktionen auf deren politische Vermittelbarkeit weniger Wert legt als in den vergangenen Jahren. Allerdings sah sich die RAF -- wohl unter dem Eindruck der im eigenen Unterst\u00fctzerbereich ge\u00e4u\u00dferten Kritik -- mittlerweile zu dem Eingest\u00e4ndnis gezwungen, da\u00df die Ermordung des US-Soldaten Pimentai ein \"Fehler\" gewesen sei, wobei sie entgegen ihrem urspr\u00fcnglichen Bekenntnis versuchte, diese Beschaffungsstraftat in einen \"Schritt zur Eskalation\", der \"strategische Qualit\u00e4t\" habe, umzudeuten. Ein Hinweis aus der Bev\u00f6lkerung f\u00fchrte am 24. Juni zur Entdeckung einer konspirativen Wohnung der RAF in Offenbach, in der die Polizei zahlreiche zum Teil verf\u00e4lschte Ausweispapiere sowie f\u00fcnf Faustfeuerwaffen mit Munition sicherstellte. Drei dieser Waffen stammten aus dem Raub\u00fcberfall der RAF auf 145","ein Waffengesch\u00e4ft in Maxdorf bei Ludwigshafen am 5. November 1984. Im Zuge der Ermittlungen konnten am 3. Juli die mutma\u00dflichen terroristischen Gewaltt\u00e4terinnen Ingrid Baraba\u00df und Mareile Schmegner aus dem engeren RAFUmfeld festgenommen werden. Gegen beide erging Haftbefehl wegen Verdachts der Mitgliedschaft in der RAF. Das mit Haftbefehl gesuchte mutma\u00dfliche RAF-Mitglied Karl-Friedrich Grosser wurde nach einem Raub\u00fcberfall am 27. September in Ludwigsburg festgenommen; er f\u00fchrte einen gef\u00e4lschten Pa\u00df mit sich. Am 13. M\u00e4rz verurteilte das Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf die RAFMitglieder Adelheid Schulz und Rolf Clemens Wagner wegen mehrfachen gemeinschaftlichen Mordes, erpresserischen Menschenraubes und Geiselnahme sowie versuchter N\u00f6tigung von Verfassungsorganen zu lebenslangen Freiheitsstrafen. Nach Feststellung des Gerichts waren die beiden Angeklagten an der Entf\u00fchrung und Ermordung des Arbeitgeberpr\u00e4sidenten Hanns-Martin Schleyer und seiner vier Begleiter im September 1977 beteiligt. Das Oberlandesgericht Stuttgart verh\u00e4ngte am 2. April gegen Brigitte Mohnhaupt als R\u00e4delsf\u00fchrerin und Christian Klar als Mitglied der RAF jeweils f\u00fcnf lebenslange Freiheitsstrafen und zus\u00e4tzlich 15 Jahre Haft. Das Gericht sah es als erwiesen an, da\u00df die Angeklagten an der Ermordung des Generalbundesanwalts Siegfried Buback und seiner beiden Begleiter im April 1977 und des Bankiers J\u00fcrgen Ponto im Juli 1977 sowie an der Ermordung des Arbeitgeberpr\u00e4sidenten Hanns-Martin Schleyer und seiner vier Begleiter im September 1977 beteiligt waren. Ferner wurde ihnen der mittels einer Fl\u00e4chenschu\u00dfvorrichtung versuchte Anschlag auf die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe im August 1977 sowie das Attentat auf den US-General Kroesen im September 1981 zur Last gelegt. Klar wurde au\u00dferdem des Mordversuchs an zwei Schweizer Grenzbeamten bei einem illegalen Grenz\u00fcbertritt im Januar 1977 f\u00fcr schuldig befunden. Das Oberlandesgericht Frankfurt a.M. verurteilte am 18. Juni die RAF-Angeh\u00f6rige Gisela Dutzi u.a. wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Urkundenf\u00e4lschung und Versto\u00dfes gegen das Waffenund Kriegswaffenkontrollgesetz zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren und sechs Monaten. Die Angeklagte hatte nach Feststellung des Gerichts die Kontrolle \u00fcber mehrere Erddepots im ganzen Bundesgebiet, in denen die RAF Waffen und gef\u00e4lschte Papiere gelagert hatte. Am 1. Oktober begann vor dem Oberlandesgericht Stuttgart der Proze\u00df gegen die terroristischen Gewaltt\u00e4terinnen Christa Eckes, Manuela Happe und Ingrid Jakobsmeier. Eckes und Jakobsmeier waren am 2. Juli 1984 in einer konspirativen Wohnung der RAF in Frankfurt a.M., Happe am 22. Juni 1984 nach einem Schu\u00dfwechsel mit Polizeibeamten bei Deizisau, Kreis Esslingen, festgenommen worden. Das Verfahren endete im M\u00e4rz 1986 mit der Verurteilung aller Angeklagten zu langj\u00e4hrigen Freiheitsstrafen. Das Bayerische Oberste Landesgericht in M\u00fcnchen verhandelte seit 29. Oktober gegen die ebenfalls am 2. Juli 1984 in Frankfurt a.M. festgenommenen terroristischen Gewaltt\u00e4ter Ernst-Volker Staub und Barbara Ernst. Beide wurden im Februar 1986 zu jeweils vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. 146","2.2 Revolution\u00e4re Zellen (RZ) Die RZ einschlie\u00dflich einer autonomen Frauengruppe in der RZ, der \"Roten Zora\", sind nach der RAF die gef\u00e4hrlichste terroristische Vereinigung in der Bundesrepublik Deutschland. Sie unterscheiden sich vom Kernbereich der RAF in Taktik und Strategie nach wie vor dadurch, da\u00df ihre Mitglieder aus einem b\u00fcrgerlichen Leben heraus operieren. Dieser Umstand und der Zusammenschlu\u00df in kleine, unabh\u00e4ngige Zellen erschweren das Erkennen und Bek\u00e4mpfen. Langfristig verfolgen die RZ das Konzept des permanenten Guerillakampfes. Ihr Ziel ist, eine m\u00f6glichst breite personelle und materielle Basis f\u00fcr ihren \"antiimperialistischen Kampf\" zu schaffen und damit die Voraussetzung f\u00fcr eine revolution\u00e4re Situation in der Bundesrepublik Deutschland herbeizuf\u00fchren; deshalb achten sie darauf, da\u00df ihre Aktionen der \"Masse\" vermittelbar erscheinen. Die terroristischen Anschl\u00e4ge orientieren sich an aktuellen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Protestthemen. Durch diese Ankn\u00fcpfungsstrategie sollen Unentschlossene aus der \"legalen\" Protestbewegung zum Kampf gegen behauptete Mi\u00dfst\u00e4nde motiviert und ihre Mitwirkung an oder zumindest Sympathie f\u00fcr \"Widerstandsaktionen\" gewonnen werden. Bislang wurden im wesentlichen folgende Schwerpunkte dieser breitgef\u00e4cherten Ankn\u00fcpfungsstrategie der RZ erkannt und durch ein im August 1983 im Raum Frankfurt a.M. verbreitetes Positionspapier der RZ best\u00e4tigt: Bau von Gro\u00dfprojekten (Gro\u00dfflugh\u00e4fen, insbesondere Startbahn West in Frankfurt a.M., Rhein-Main-Donau-Kanal, Kernkraftwerke), Einrichtungen der Bundeswehr, der US-Streitkr\u00e4fte sowie Unternehmen der Verteidigungswirtschaft, ferner seit 1985 Einrichtungen der Bio-, Genund Computertechnologie. Weitere Problemfelder waren Fahrpreiserh\u00f6hungen, \"Bodenspekulation\" im Zusammenhang mit Stadtsanierungen sowie Jugendarbeitslosigkeit. Die Aktionen der RZ umfassen eine Palette verschiedenster Straftaten. Dazu geh\u00f6ren insbesondere Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge, Sachbesch\u00e4digungen, Verkleisterungen, S\u00e4ureanschl\u00e4ge und das Verbreiten von Schriften mit strafbarem Inhalt. Durch diese Anschl\u00e4ge und zahlreiche \u00f6ffentliche Erkl\u00e4rungen im Zusammenhang damit ist es den RZ gelungen, ein erhebliches latent vorhandenes Potential von Militanz freizusetzen. 1985 ver\u00fcbten die RZ und die \"Rote Zora\" im Bundesgebiet 18 (1984: 11) Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge, davon keinen in Bayern. Aktuelle Ankn\u00fcpfungsschwerpunkte waren Ereignisse wie der Abbruch des britischen Bergarbeiterstreiks und der \"Weltwirtschaftsgipfel\" in Bonn, die von den RZ zum Anla\u00df genommen wurden, mit Anschl\u00e4gen auf die \"Ausbeutung\" der Arbeiter und die \"Unterdr\u00fcckung\" der Bev\u00f6lkerung der Dritten Welt aufmerksam zu machen. In zunehmendem Ma\u00dfe zielten die Aktionen der RZ aber auch auf Bereiche der Zukunftstechnologie und der \"Biowissenschaften\". So verwies die \"Rote Zora\" in einer Bekennung zu dem Sprengstoffanschlag auf die im Bau befindliche Abteilung Biochemie des Max-Planck-Instituts am 19. August in K\u00f6ln auf die Forschungsarbeit in der \"Pflanzengenetik\", die den \"Metropolen\" eine M\u00f6glichkeit biete, \"die Macht \u00fcber Nahrungsmittel und ihre Produktion zu erlangen\". 147","Anschl\u00e4ge der RZ im Zusammenhang mit dem Hungerstreik inhaftierter terroristischer Gewaltt\u00e4ter waren nicht festzustellen. In einer Mitte Februar 1985 ver\u00f6ffentlichten Stellungnahme \"Die Bilanz ist schlimm\" \u00e4u\u00dferten sich \"Revolution\u00e4re Zellen\" vielmehr kritisch sowohl zum Hungerstreik als auch zu den im Rahmen der \"Offensive\" der RAF durchgef\u00fchrten terroristischen Aktionen und erkl\u00e4rten: \"Der Krieg spielt sich anders ab, als die Genossen der RAF sagen. Wir haben nicht die Absicht, den radikalisierten Fl\u00fcgel der Friedensbewegung zu spielen und auf ihre Ablenkungsman\u00f6ver hereinzufallen. Der Klassenkampf und die Weltrevolution haben andere Fronten als die Milit\u00e4rbl\u00f6cke. Die Befreiung der V\u00f6lker vom Yankee-Imperialismus verl\u00e4uft nicht \u00fcber Moskau und den Bolschewismus. Der wirkliche soziale Krieg gegen die V\u00f6lker der drei Kontinente und Teile der Klassen in Westeuropa wird nicht von der NATO gef\u00fchrt. Imperialismus ist immer noch Klassenkampf oben gegen unten, Ausbeutung, Armut, soziale Verelendung und t\u00e4glicher V\u00f6lkermord gegen den Kampf um ein besseres Leben. F\u00fcr den Aufbau der Sozialrevolution\u00e4ren Guerilla! Revolution\u00e4re Zellen\". Diese Stellungnahme stie\u00df zum Teil in den Reihen der eigenen Anh\u00e4nger und Sympathisanten auf Widerspruch. Offensichtlich haben die RZ hinsichtlich ihrer Abgrenzung zur Ideologie und Strategie der RAF nach wie vor keine einheitliche Linie gefunden. 3. Terroristisches Umfeld Zum terroristischen Umfeld z\u00e4hlen Einzelpersonen und Gruppierungen, die terroristische Gruppen vorwiegend propagandistisch, aber auch mit Hungerstreik und sonstigen Aktionen bis hin zu Anschl\u00e4gen gegen Sachen unterst\u00fctzen oder zu terroristischen Aktionen auffordern. Den bedeutendsten Faktor im linksterroristischen Umfeld stellen der engere und weitere RAF-Bereich dar. Beide unterscheiden sich im wesentlichen durch die jeweilige N\u00e4he zu dem im Untergrund lebenden harten Kern der RAF. Erstmals im Jahr 1985 bezeichneten sich bei einigen Anschl\u00e4gen die Verfasser der Bekennungen als \"Illegale Militante\" und erkl\u00e4rten ihre Zugeh\u00f6rigkeit zu der von der RAF geforderten \"antiimperialistischen revolution\u00e4ren Front in Westeuropa\". Eine abschlie\u00dfende Zuordnung der \"Illegalen Militanten\" ist derzeit nicht m\u00f6glich. F\u00fcr diesen Bereich d\u00fcrften in erster Linie solche Personen in Betracht kommen, die sich \u00fcber Jahre hinweg in der politisch-ideologischen Unterst\u00fctzungsarbeit f\u00fcr die RAF \"qualifiziert\" haben. Es ist auch davon auszugehen, da\u00df zwischen der RAF und den \"Illegalen Militanten\" enge personelle Verbindungen bestehen; im logistischen Bereich ist eine Zusammenarbeit anzunehmen. In der Zielsetzung gleichen sich beide Gruppen. Anzeichen f\u00fcr eine m\u00f6gliche Integration der \"Illegalen Militanten\" in die RAF ergeben sich aus der Auswahl der Anschlagsobjekte, den benutzten Tatmitteln und der mit Erkl\u00e4rungen der RAF inhaltlich und formell h\u00e4ufig \u00fcbereinstimmenden Diktion der Bekennerbriefe. 148","Das Konzept \"Illegale Militante\" soll offenbar auch durch die Herausgabe von Publikationen wie z.B. der erstmals im Januar 1985 bekanntgewordenen Untergrundbrosch\u00fcre \"Zusammen K\u00e4mpfen -- Zeitung f\u00fcr die antiimperialistische Front in Westeuropa\" propagiert werden. Die Schrift tr\u00e4gt kein Impressum und wird allem Anschein nach von Personen des engeren RAF-Umfeldes zusammengestellt. Sie ist als Instrument der Kommunikation, Instruktion und Indoktrination anzusehen. Die Verfasser werben darin f\u00fcr den von der RAF geforderten Aufbau der \"antiimperialistischen Front\" und stellen den internationalen Aspekt dieser \"gemeinsamen Front\" heraus. In einem in der Ausgabe Nr. 2 vom April 1985 abgedruckten \"Interview mit Genossen aus der RAF\" verwiesen die Gespr\u00e4chspartner auf die Existenz einer solchen Aktionsebene, indem sie erkl\u00e4rten: \"Der Kampf der Gefangenen aus der Guerilla, der Kampf der antiimperialistischen Militanten sind die Linie, die als eine Einheit die revolution\u00e4re Front in Westeuropa bilden -- oder bilden werden. Wir haben die politische Wirkung, die Mobilisierung, die mit dem Streik der Gefangenen in Gang gesetzt wurde in unsere Aktionen einbezogen und diese ganze Dynamik weiterentwickelt zum Durchbruch der westeurop\u00e4ischen Guerilla.\" Einen Gro\u00dfteil der Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge im Jahre 1985 ver\u00fcbten militante RAF-Anh\u00e4nger, die sich zu ihren Aktionen entweder anonym oder unter wechselnden Bezeichnungen wie \"Autonome Anarchisten\", \"Kommando Proletarische Aktion\" und \"Wirtschaftswunderkinder\" bekannten. In zwei F\u00e4llen kamen die T\u00e4ter durch die vorzeitige Detonation des Sprengsatzes ums Leben, so z.B. Johannes Thimme am 20. Januar bei einem Sprengstoffanschlag in Stuttgart-Vaihingen, der einen Sachschaden in Millionenh\u00f6he verursachte. Eine Mitt\u00e4terin, die bei diesem Anschlag schwere Verletzungen erlitten hatte, wurde Anfang Dezember 1985 vom Oberlandesgericht Stuttgart zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt. Beide z\u00e4hlten zum terroristischen Umfeld in Baden-W\u00fcrttemberg. Andere Gruppierungen des terroristischen Umfelds nennen sich zuweilen \"Legale Militante\", \"Legale Antiimperialisten\", \"Anti-Imps\" und verstehen sich als \"legaler Arm\" der RAF. Sie sehen ihre Aufgabe darin, Ideologie und Ziele der RAF \u00f6ffentlich zu vertreten und f\u00fcr sie zu werben, inhaftierte Mitglieder der RAF zu betreuen, den Informationsflu\u00df zwischen den verschiedenen Ebenen der RAF aufrechtzuerhalten und deren harten Kern logistisch (z.B. durch Beschaffen von Personalpapieren, Anmieten konspirativer Wohnungen) zu unterst\u00fctzen. Letztlich stellt dieser Personenkreis auch das Rekrutierungspotential f\u00fcr die im Untergrund lebenden \"illegalen\" RAF-Mitglieder dar. In Bayern sind seit 1983 Gruppierungen des RAF-Umfeldes mit N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen als Schwerpunkten bekannt. Zu diesen \"Anti-Imps\" geh\u00f6ren etwa 20 Personen, davon einige aus dem engeren RAF-Umfeld. Die Gruppierungen unterhielten untereinander, aber auch zu \u00e4hnlichen Gruppen im Bundesgebiet, enge Kontakte. Die Verbreitung der Schrift \"Zusammen K\u00e4mpfen -- Zeitung f\u00fcr die antiimperialistische Front in Westeuropa\", die Erkl\u00e4rungen der RAF, aber auch ausl\u00e4ndischer Terrorgruppen wie z.B. der franz\u00f6sischen \"Action Directe\" enth\u00e4lt, ist auf diese Kreise zur\u00fcckzuf\u00fchren. In M\u00fcnchen wurden am 149","1. Februar zwei Personen vor\u00fcbergehend festgenommen, die Plakate mit der Aufschrift \"Wir trauern um unseren Genossen Jonas Thimme\" klebten. Das RAF-Umfeld hat die ihm durch das \"Planungspapier\" der RAF vom April 1984 zugewiesenen Aufgaben w\u00e4hrend des Hungerstreiks inhaftierter terroristischer Gewaltt\u00e4ter voll erf\u00fcllt. Mit Anschl\u00e4gen gegen milit\u00e4rische Einrichtungen, R\u00fcstungsunternehmen, diplomatische Vertretungen und Rechenzentren von Wirtschaft und Verwaltung folgte es sowohl im Ausma\u00df als auch in der Sto\u00dfrichtung den Vorgaben des RAF-Papiers. In mehreren St\u00e4dten des Bundesgebietes fanden au\u00dferdem Demonstrationen statt, deren Teilnehmer auf die Situation der Inhaftierten aufmerksam machten und deren Forderungen nach Zusammenlegung und Behandlung nach den Mindestforderungen der Genfer Konvention f\u00fcr Kriegsgefangene unterst\u00fctzten. An einem von Gruppen des RAF-Umfelds organisierten Aufzug gegen die \"Vernichtungshaft\" am 26. Januar in Karlsruhe beteiligten sich rund 1.700 Personen, darunter auch mehrere der undogmatischen Neuen Linken zuzurechnende Demonstranten aus Bayern. Seit Beginn des Hungerstreiks war ferner eine sprunghafte Zunahme sonstiger propagandistischer Unterst\u00fctzungsaktionen zu verzeichnen. \u00dcberwiegend handelte es sich dabei um Forderungen nach einer \"Zusammenlegung der Gefangenen aus RAF und Widerstand\", die in Form von Schmierschriften, Transparenten oder auf Flugbl\u00e4ttern auch in Bayern \u00f6ffentlich verbreitet wurden. Nach dem Abbruch des Hungerstreiks gingen die dem Umfeld der RAF zurechenbaren Anschl\u00e4ge sowie die sonstigen militanten Aktionen von RAF-Anh\u00e4ngern f\u00fcr einige Zeit deutlich zur\u00fcck. Dies zeigt, da\u00df der Motivationsschub f\u00fcr terroristische Aktionen in erster Linie vom Hungerstreik ausgegangen war. Die Ermordung des US-Soldaten Edward Pimentai durch die RAF am 8. August in Wiesbaden l\u00f6ste nicht nur massive Kritik im weiteren linksextremen Spektrum aus, sondern f\u00fchrte sogar im engeren RAF-Umfeld zu einer politischen Desorientierung. So wurde in vielen Erkl\u00e4rungen und Stellungnahmen immer wieder betont, da\u00df die Ermordung eines \"einfachen\" Soldaten, nur um in den Besitz eines Ausweises zu gelangen, im \"internationalen Klassenkampf keinen Platz\" habe. Ein Umfeld der RZ, das \u00e4hnlich strukturiert w\u00e4re wie das der RAF, war bisher nicht festzustellen, wenngleich Schmierschriften wie \"Schafft viele Revolution\u00e4re Zellen\" auf die Existenz von RZ-Sympathisanten hindeuten. \u00dcberdies wird eine ideologische Zuordnung der jeweiligen Gruppierungen des linksterroristischen Umfelds zur RAF oder zu den RZ zunehmend problematischer, da weitgehend eine ideologische \u00dcbereinstimmung hinsichtlich des \"antiimperialistischen Kampfes\" besteht. Dies gilt insbesondere f\u00fcr manche ohne erkennbaren organisatorischen Zusammenhang agierende \"autonome\" Gruppen, deren Anlehnung an die RZ durch Bezeichnungen wie \"Revolution\u00e4re Autonome\" oder \"Revolution\u00e4re Anarchistische Zellen\" zum Ausdruck kommt. Aktuelles Konzept der \"antiimperialistischen Front\" scheint es zu sein, koordinierte militante Aktionen durchzuf\u00fchren, ohne den elit\u00e4ren Anspruch des RAF-Kerns anzuerkennen. Es ist daher nicht auszuschlie\u00dfen, da\u00df sich neben der RAF und den RZ in Teilen der \"autonomen Bewegung\" eine weitere Variante des Linksterrorismus entwickelt hat. 150","Das Umfeld des Rechtsterrorismus bilden haupts\u00e4chlich neonazistische Gruppierungen. Insbesondere die NSDAP-AO (vgl. 3. Abschnitt Nr. 7) \u00fcbt mit Gewaltund Terroraufrufen in ihrer Hetzschrift \"NS Kampfruf\" Einflu\u00df auf die Gewaltbereitschaft militanter Neonazis aus. Die unter Neonazis verbreitete Zeitschrift \"Klartext\" rief dazu auf, den \"nationalistischen Freiheitskampf\" zu unterst\u00fctzen, die \"Systembonzen zum Teufel\" zu schicken und \"totalen Widerstand\" gegen \"zivilen und milit\u00e4rischen\" Atomtod zu leisten. Insbesondere erging an die Sch\u00fcler die Aufforderung: \"Macht mit in unseren Gruppen und zeigt Eueren Lehrern, da\u00df ihre Angst vor den sog. 'Neo-Nazis' nicht nur Paranoia ist\". Dem rechtsterroristischen Umfeld k\u00f6nnen auch die Urheber antisemitischer und sonstiger rassistischer Schmierschriften zugerechnet werden, die mit Parolen wie \"Tod den Juden\" und \"In Buchenwald machen wir die Juden kalt, es lebe SS\" zur Gewaltanwendung aufrufen. 4. Politisch motivierte Gewaltaktionen in Bayern Die Zahl der Gewaltakte, bei denen das angegriffene Ziel, die Tatausf\u00fchrung oder eine Tatbekennung auf politische Motive hindeuteten, ging 1985 in Bayern zur\u00fcck. Insgesamt wurden zwei Sprengstoffanschl\u00e4ge (1984: 2) und acht Brandanschl\u00e4ge (1984: 13) ver\u00fcbt oder versucht. Der \u00fcberwiegende Teil der Straftaten war linksextremen T\u00e4terkreisen zuzuordnen, darunter auch der vom Kernbereich der RAF begangene Mord an Dr. Ernst Zimmermann. Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge rechtsextremer Gruppen oder extremistischer Ausl\u00e4nder waren 1985 in Bayern nicht zu verzeichnen. Die sonstigen in Bayern bekanntgewordenen Gewalttaten mit rechtsextremem oder vermutlich rechtsextremem Hintergrund richteten sich in erster Linie gegen Asylanten, Ausl\u00e4nder und j\u00fcdische Einrichtungen. Im wesentlichen sind folgende Gewaltaktionen zu nennen: Am 1. Februar wurde der Vorsitzende der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der Motorenund Turbinen-Union (MTU) Dr. Ernst Zimmermann in seiner Privatwohnung in Gauting bei M\u00fcnchen von zwei terroristischen Gewaltt\u00e4tern durch einen Schu\u00df in den Hinterkopf t\u00f6dlich verletzt. Die beiden T\u00e4ter, ein Mann und eine Frau, konnten unerkannt entkommen. Zu dem Mordanschlag bekannte sich ein \"Kommando Patsy O'Hara\" der RAF. Das zuvor in M\u00fcnchen entwendete mutma\u00dfliche Fluchtfahrzeug der T\u00e4ter wurde am 20. Februar in Kaufering, Landkreis Landsberg a.Lech, aufgefunden. In der Nacht zum 9. Mai wurde in den Speisesaal eines Hotels in Augsburg ein Molotow-Cocktail geworfen, der jedoch nicht z\u00fcndete. Am fr\u00fchen Morgen ging bei der Rezeption des Hotels ein Anruf ein, in dem von einem \"antifaschistischen\" Anschlag die Rede war. Unbekannte T\u00e4ter drangen in der Nacht zum 13. Mai gewaltsam in Werkshallen einer Baufirma in Ebersberg ein. Sie durchtrennten an sieben Fahrzeugen die Kraftstoffleitungen und legten unter drei Lastkraftwagen Brands\u00e4tze mit Zeitz\u00fcndern. Zwei Brands\u00e4tze z\u00fcndeten, richteten jedoch nur geringen Sachschaden an. Ein bei einer Ebersberger Zeitungsredaktion eingegangenes Bekennerschreiben verwies auf die Beteiligung der Firma am Bau eines NATO-Munitionsdepots im Landkreis Rosenheim und bezeichnete den Anschlag als An151","griff auf die \"aggressive Kriegsstrategie\" der NATO. Das mit einem f\u00fcnfzackigen Stern versehene Schreiben endete mit Parolen wie \"Nieder mit dem NATO-lmperialismus\" und \"F\u00fcr den Aufbau anarchistischer Zellen\". Ein auf der Baustelle des NATO-Munitionsdepots abgestellter Bagger derselben Firma war am 4. Juni Ziel eines versuchten Brandanschlags, der ebenfalls geringen Sachschaden verursachte. Einen Hinweis auf die durch die Anschl\u00e4ge gesch\u00e4digte Firma enthielt die Zeitschrift \"freiraum\" (Nr. 9, Mai/Juni 1985). Ein Artikel mit der \u00dcberschrift \"Milit\u00e4rische Infrastruktur im Osten von M\u00fcnchen oder eine Fahrt ins Blaue\", der sich mit dem Infrastrukturprogramm der NATO f\u00fcr den Krisenfall befa\u00dfte, zeigte u.a. eine Bautafel mit dem Namen der Ebersberger Firma. Unbekannte T\u00e4ter setzten am 28. Juli im Landkreis Rosenheim einen Ger\u00e4teschuppen der Bundeswehr auf dem Pionier\u00fcbungsplatz Brannenburg in Brand. Dabei entstand ein Sachschaden von \u00fcber 150.000 DM. Als ein Deutscher am 13. September in M\u00fcnchen die Worte \"T\u00fcrken raus\" an eine Hauswand schmierte und von einem t\u00fcrkischen Gastarbeiter deswegen zur Rede gestellt wurde, bespr\u00fchte er ihn mit Tr\u00e4nengas und verletzte ihn mit einem Taschenmesser an der Hand. Am Abend des 25. Oktober wurde vor der Polizeistation N\u00fcrnberg-Langwasser ein neben der Eingangst\u00fcre abgelegter Sprengsatz gefunden, der bei der Entsch\u00e4rfung detonierte. Dadurch entstand am Geb\u00e4ude ein Sachschaden von rund 2.000 DM. Unbekannte T\u00e4ter warfen ferner am 27. Oktober einen Brandsatz in den Innenhof der Polizeiinspektion in Lohr a. Main, Landkreis MainSpessart. In beiden F\u00e4llen kommt als m\u00f6gliches Tatmotiv der Tod des Demonstranten G\u00fcnter Sare am 28. September in Frankfurt a.M. in Betracht. Ein am 10. November ver\u00fcbter Brandanschlag auf einen Bagger, der auf einer Stra\u00dfe im Landkreis Schwandorf abgestellt war, verursachte einen Sachschaden zwischen 20.000 und 30.000 DM. Auf eine Stra\u00dfenwalze spr\u00fchten die T\u00e4ter Parolen wie \"Heimatm\u00f6rder\", \"WAA nein\", \"Das war erst der Anfang\" und \"Wir wollen leben\". Die gesch\u00e4digte Baufirma ist mit den Rodungsarbeiten auf dem Baugel\u00e4nde der Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) in Wackersdorf beauftragt. Am 23. November wurde ein Radlader derselben Firma, der auf einer Baustelle in der N\u00e4he von Bodenw\u00f6hr abgestellt war, in Brand gesetzt. Dadurch entstand ein Sachschaden von rund 20.000 DM. Bereits am 26. Januar hatten unbekannte T\u00e4ter erfolglos versucht, die Wetterstation Mappenberg im Landkreis Schwandorf, die ausschlie\u00dflich f\u00fcr die WAA t\u00e4tig ist, in Brand zu setzen. In diesen F\u00e4llen ist im Hinblick auf die Versuche von Linksextremisten, Einflu\u00df auf die Protestbewegung gegen die WAA zu gewinnen, ein politisches Motiv nicht auszuschlie\u00dfen. Daf\u00fcr sprechen auch die festgestellten Parolen. 152","5. Abschnitt Extremismus im Bildungsbereich 1. Allgemeines Der Bildungsbereich war 1985 wiederum ein bevorzugtes Aktionsfeld extremistischer und extremistisch beeinflu\u00dfter Gruppen, die vor allem an den Hochschulen rege Aktivit\u00e4ten entfalteten. Sie fanden in der Studentenschaft eine breitere Resonanz als in der \u00fcbrigen Bev\u00f6lkerung. Dar\u00fcber hinaus besa\u00dfen diese Gruppen in den Gremien der Hochschulen unver\u00e4ndert einen gr\u00f6\u00dferen Einflu\u00df, als das ihrer zahlenm\u00e4\u00dfigen St\u00e4rke entsprach. Insgesamt hat sich die Situation im Hochschulbereich gegen\u00fcber dem Vorjahr nur wenig ver\u00e4ndert. Weiterhin bedeutungslos blieb der rechtsextreme Nationaldemokratische Hochschulbund. Die Schw\u00e4che der studentischen Gruppierungen der dogmatischen Neuen Linken, die sich auf Kernorganisationen st\u00fctzen, hielt weiter an. Die orthodox-kommunistischen Gruppen konnten ihren Einflu\u00df behaupten. Dagegen gelang es der Marxistischen Gruppe, eine gr\u00f6\u00dfere Zahl von Mitgliedern zu gewinnen und ihren Einflu\u00dfbereich weiter auszubauen. Unver\u00e4ndert hoch blieb auch die Mobilisierbarkeit der Anh\u00e4ngerschaft linksextremer Studentenorganisationen. Hauptthemen f\u00fcr Propaganda und Aktionen der linksextremen und linksextrem beeinflu\u00dften Hochschulgruppen bildeten weiterhin der Kampf gegen das \"studentenfeindliche bayerische Hochschulgesetz\", die \"Novellierung des Hochschulrahmengesetzes\" und die \"Rotstiftund Hochr\u00fcstungspolitik\" der Bundesregierung. Sie agitierten ferner gegen den \"Abbau demokratischer Rechte\", gegen \"Berufsverbote\" und \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\". Weitere Themen waren u.a. der \"Weltwirtschaftsgipfel\", der 40. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkriegs (8. Mai), das 30j\u00e4hrige Bestehen der Bundeswehr (12. November), der Nicaragua-Konflikt, die Apartheid-Politik S\u00fcdafrikas und die \"Militarisierung des Weltraums\". Einige Gruppen benutzten den 5. Jahrestag des Anschlags auf dem M\u00fcnchner Oktoberfest (26. September 1980) und den Tod des Demonstranten G\u00fcnter Sare am 28. September in Frankfurt a.M. f\u00fcr eine \"Antifaschismuskampagne\". Von den 1985 in Bayern aufgetretenen extremistischen und extremistisch beeinflu\u00dften Studentenorganisationen, die sich vielfach Kernorganisationen unterordnen, sind insbesondere erw\u00e4hnenswert: Orthodoxer Kommunismus DKP: DKP-Hochschulgruppen (DKP-HG) DKP: Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) 153","\u00dcbersicht \u00fcber extremistische Studentengruppen in Bayern O DKP-HG MSB Spartakus (r) SHB Neue Linke ' Marxistische Gruppe XNHB Abk\u00fcrzungen vgl. Abk\u00fcrzungsverzeichnis 154","Neue Linke MLPD: Marxistisch-Leninistischer Sch\u00fclerund Studentenverband (MLSV) AB: Kommunistischer Hochschulbund (KHB) -- Marxistische Gruppe (MG) -- Undogmatische Gruppen Rechtsextreme Gruppe NPD: Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) \u00dcbersicht \u00fcber die Mitgliederzahlen in Bayern: 1981 1982 1983 1984 1985 DKP-HG 50 50 60 60 60 MSB Spartakus 170 200 250 250 250 SHB 60 60 70 70 70 MG 300 400 400 500 600 Sonstige Neue Linke 150 150 150 150 100 NHB 15 15 15 15 15 745 875 945 1.045 1.095 2. Orthodox-kommunistische Hochschulgruppen Zu den orthodox-kommunistischen Hochschulgruppen geh\u00f6ren die DKPHochschulgruppen (DKP-HG) und der Marxistische Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus). 2.1 DKP-Hochschulgruppen (DKP-HG) Die DKP-Hochschulgruppen sind Grundeinheiten der DKP, denen alle an einer Hochschule t\u00e4tigen DKP-Mitglieder (Lehrpersonal, Mitarbeiter der Verwaltung und Studenten) angeh\u00f6ren sollen. Ihre Aufgabe ist es, im Bildungsbereich die Voraussetzungen f\u00fcr einen etappenweisen \u00dcbergang von der parlamentarischen Demokratie zum Sozialismus kommunistischer Pr\u00e4gung zu schaffen. Grundlage ihres ideologischen Kampfprogrammes sind die revolution\u00e4ren Theorien von Marx, Engels und Lenin. Die DKP-HG steuerten auch 1985 wieder in den bedeutsamen Bereichen die Aktionen des MSB Spartakus, der die Ziele unter den Studenten durchsetzen soll. Sie arbeiteten ferner mit anderen linksextremen Studentenorganisationen zusammen, die f\u00fcr \"Mitbestimmung und Demokratisierung\" der Hochschulen eintreten. DKP-Hochschulgruppen bestehen in Bamberg, Erlangen-N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen, Regensburg und W\u00fcrzburg. Die Zahl ihrer Mitglieder lag 1985 unver\u00e4ndert bei insgesamt 60, wobei ein Teil der Mitglieder gleichzeitig dem MSB Spartakus angeh\u00f6rt. Organ der DKP-HG ist die Zeitung \"Kommunist\". Unter diesem Titel erschienen auch ihre Flugschriften. Dar\u00fcber hinaus wurden in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden \u00f6rtliche Publikationen mit \u00e4hnlichen Titeln verbreitet. 155","Agitationsschwerpunkte der DKP-Hochschulgruppen bildeten 1985 der \"40. Jahrestag der Befreiung vom Hitlerfaschismus\", der \"Widerstand gegen die Kriegsforschung an den Hochschulen\", \"Weltraumr\u00fcstung und High Technology\" sowie \"Frieden und Abr\u00fcstung\". Weitere Diskussionsthemen waren die offiziellen Gremienwahlen, wobei die DKP-HG an den bayerischen Hochschulen nicht mit eigenen Listen kandidierten, sondern die Bewerber des MSB Spartakus auf den \"Listen AStA und Fachschaften\" (LAF) unterst\u00fctzten. 2.2 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) Als Nebenorganisation der DKP (vgl. 2. Abschnitt Nr. 2.3.2) obliegt dem MSB Spartakus die Aufgabe, kommunistische Vorstellungen in den Hochschulbereich einzubringen und die Studenten hierf\u00fcr zu mobilisieren. W\u00e4hrend die DKP-Hochschulgruppen die Politik der DKP an den Hochschulen offen vertreten, \u00fcbt der MSB Spartakus aus taktischen Gr\u00fcnden vielfach eine gr\u00f6\u00dfere Zur\u00fcckhaltung, um sich anderen Studentengruppen als \"B\u00fcndnispartner\" anbieten zu k\u00f6nnen. Zuverl\u00e4ssigster B\u00fcndnispartner des MSB Spartakus war 1985 wiederum der Sozialistische Hochschulbund (SHB). Im Rahmen seiner Aufgabenerf\u00fcllung verfolgt der MSB Spartakus eine Politik der \"gewerkschaftlichen Orientierung\". Er versucht hierbei, seine hochschulpolitischen Forderungen mit gewerkschaftlichen Kampfmitteln wie \"Urabstimmung\" und \"Streiks\" durchzusetzen. In einem 1984 verbreiteten Bildungsheft erkl\u00e4rte hierzu der MSB Spartakus, \"unsere 'Gewerkschaft' ist quasi die Verfa\u00dfte Studentenschaft, unsere 'Betriebsr\u00e4te' sind Asten und Fachschaften\". Auf dem IX. Bundeskongre\u00df vom 576.Oktober in Bochum bekannte sich der MSB Spartakus erneut zur DKP als der \"Partei der Revolution\u00e4re\", die \"die Gesamtalternative zu diesem System\" verk\u00f6rpere. Die \"Politik der Aktionseinheit\" sei eine zentrale Aufgabe und die Zusammenarbeit mit dem SHB das \"strategische Zentrum studentischer Aktionseinheitspolitik\". Diese Politik sei beispielhaft auch f\u00fcr andere gesellschaftliche Bereiche. Zur Vorbereitung der Mitgliederversammlung der Vereinigten Deutschen Studentenschaften e.V. (VDS) vom 26. bis 31. M\u00e4rz in Bochum gaben der MSB Spartakus und der SHB gemeinsame \"Thesen\" zur Strategiediskussion heraus, in denen beide Verb\u00e4nde als wichtigste Aufgabe dieser Versammlung die Verst\u00e4ndigung auf ein \"Aktions-und Widerstandskonzept\" gegen die Novellierung des Hochschulrahmengesetzes (HRG) ansahen. Mit \"bundesweiten und bundeseinheitlichen Kampfma\u00dfnahmen\" m\u00fcsse eine \"Eskalation des Widerstandes\" erreicht werden. Auf der Mitgliederversammlung der VDS kam es hier\u00fcber zu erheblichen Auseinandersetzungen. Ein Teil der Delegierten, darunter die Vertreter der Jungsozialisten-Hochschulgruppen (JusoHG) und der Basisgruppen, verlie\u00df daraufhin vorzeitig die Versammlung. Die noch verbliebenen Delegierten verabschiedeten einen \"Diskussionsaufruf\" zu den hochschulpolitischen Aktionen im Sommersemester und vertagten die Versammlung. Eine Neuwahl des VDSVorstandes fand 1985 nicht statt. Da die Basisgruppen im Vorstand ohnehin nicht mehr vertreten waren und die Vertreterin der JusoHG sich als nicht mehr zum VDS-Vorstand geh\u00f6rig betrachtete, waren Ende des Jahres im VDS-Vorstand nur noch der MSB Spartakus, der SHB und der Liberale Hochschulverband (LHV) vertreten. 156","Gruppen des MSB Spartakus bestehen an den Hochschulorten Augsburg, Bamberg, Coburg, Erlangen-N\u00fcrnberg, Landshut, M\u00fcnchen, Regensburg und W\u00fcrzburg. Die Gruppen entfalteten wiederum rege Aktivit\u00e4ten. Dauerthema des Jahres 1985 war der Kampf gegen die Novellierung des Hochschulrahmengesetzes (HRG). Mit Schlagworten wie \"Zweiklassenstudium\", \"Sonderstudieng\u00e4nge\" und \"Steilkurse\" k\u00e4mpfte der MSB Spartakus unter Einbeziehung der Vereinigten Deutschen Studentenschaften e.V. (VDS) \"um jeden Studenten und sein Engagement\". Er warb massiv mit Flugbl\u00e4ttern f\u00fcr die bundesweite Demonstration am 15. Juni in Bonn, an der sich rund 15.000 Personen beteiligten. Weitere Themen waren die gemeinsame Erkl\u00e4rung von MSB Spartakus und SHB zum \"40. Jahrestag der Befreiung vom Hitlerfaschismus\", die agitatorische \"Aufdeckung\" von angeblichen Verbindungen zwischen SDI und Hochschulforschung, die Aufrufe zu den \"Hochschulfriedenswochen\" vom 11. bis 16. November sowie die Wiedereinf\u00fchrung der \"Verfa\u00dften Studentenschaft\" mit politischem Mandat und Finanzhoheit in Bayern. Zusammen mit anderen linksextremen Gruppen organisierte der MSB Spartakus wiederum \"AStAWahlen\", mit denen die offiziellen Gremienwahlen an den Hochschulen unterlaufen werden sollten. 3. Sozialistischer Hochschulbund (SHB) Der SHB k\u00e4mpft -- wie die DKP -- auf der Grundlage des \"wissenschaftlichen Sozialismus\" f\u00fcr die Umgestaltung der Bundesrepublik Deutschland. Er strebt die Errichtung einer \"antimonopolistischen Demokratie\" als \"\u00d6ffnung des Weges zum Sozialismus\" an. In der Praxis betreibt der SHB -- wie der MSB Spartakus -- eine Politik der \"gewerkschaftlichen Orientierung\", wobei er f\u00fcr ein langfristiges strategisches B\u00fcndnis mit den orthodoxen Kommunisten eintritt. Die \u00dcbereinstimmung des SHB mit dem MSB Spartakus in Theorie und Praxis hatte auch 1985 wieder eine enge Zusammenarbeit beider Hochschulgruppen zur Folge. Dem SHB-Landesverband Bayern geh\u00f6rten 1985 unver\u00e4ndert rund 70 Mitglieder an, die sich auf Orts-, Fachund Initiativgruppen sowie Arbeitskreise in Augsburg, Erlangen-N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen und Regensburg verteilten. Die bisherigen SHB-Gruppen in Bamberg und W\u00fcrzburg entwickelten 1985 keine Aktivit\u00e4ten mehr. Als Publikationsorgane setzte der SHB das \"sozialistische Studentenmagazin\" \"frontal\" und die Zeitschrift \"offensiv\" ein. Am 5./6. Oktober fand in Bielefeld die 26. Bundesdelegiertenversammlung statt, an der \u00fcber 400 Delegierte und G\u00e4ste teilnahmen, darunter auch eine Abordnung der Freien Deutschen Jugend (FDJ) aus der DDR. Schwerpunkte der Versammlung waren u.a. der Kampf gegen die \"HRG-Novelle\" und die damit zusammenh\u00e4ngenden Protestaktionen an den Hochschulen sowie die deutsche Beteiligung am \"SDI-Projekt\". Die Delegierten w\u00e4hlten einen neuen Bundesvorstand und verabschiedeten eine Resolution, in der sie die \"generelle Abschaffung\" der \"Berufsverbote\" forderten. Anla\u00df hierf\u00fcr waren mehrere Verfahren, in denen die Bewerber wegen ihrer Mitgliedschaft im SHB zun\u00e4chst nicht in das Beamtenverh\u00e4ltnis \u00fcbernommen wurden. Der SHB nahm 1985 wiederholt zur Frage der Zusammenarbeit zwischen SHB und MSB Spartakus Stellung. Er bezeichnete hierbei die \"Aktionseinheit\" zwi157","sehen den beiden Organisationen als \"strategisches Kraftzentrum der Studentenbewegung\". Nach Auffassung des SHB soll dieses \"antimonopolistische B\u00fcndnis\" zu einer \"Koalition der Vernunft und des Realismus\" erweitert werden. Eine solche Strategie m\u00fcsse \"um die ganze SPD\" k\u00e4mpfen. Hierbei wies der SHB darauf hin, da\u00df die Zusammenarbeit mit Kommunisten \"f\u00fcr viele Sozialdemokraten zu einer gr\u00f6\u00dferen Selbstverst\u00e4ndlichkeit\" geworden sei. Neben Aufrufen und Aktionen gegen die \"HRG-Novelle\" und f\u00fcr die \"Hochschulfriedenswoche\" agitierte der SHB u.a. gegen das \"SDI-Projekt\", den \"Weltwirtschaftsgipfel\" und die Apartheid-Politik S\u00fcdafrikas. Der SHB beteiligte sich ferner, zum Teil mit eigenen Listen, an den von linksextremen Gruppierungen organisierten \"AStA-Wahlen\". Bei den offiziellen Gremienwahlen an den Hochschulen bildete der SHB zusammen mit dem MSB Spartakus und anderen Gruppierungen gemeinsame Listen. 4. Studentengruppen der Neuen Linken Zu den Studentengruppen der Neuen Linken geh\u00f6ren die studentischen Nebenorganisationen von Gruppen der dogmatischen Neuen Linken sowie die Gruppierungen der undogmatischen Neuen Linken und die Marxistische Gruppe (MG), die keiner Kernorganisation untergeordnet ist. 4.1 Marxistische Gruppe (MG) Die Marxistische Gruppe (vgl. 2. Abschnitt Nr. 3.9) f\u00fchrt die revolution\u00e4re, marxistisch-kommunistisch orientierte Politik der \"Roten Zellen\" fort. Sie will damit zur \u00dcberwindung und zur Zerschlagung des \"kapitalistischen Gesellschaftssystems\" beitragen. Die Durchsetzung dieses Zieles erfordere zun\u00e4chst als Schwerpunkt die Schulung von Intellektuellen im \"Wissenschaftlichen Sozialismus\", damit diese dem Proletariat die entwickelte revolution\u00e4re Theorie vermitteln k\u00f6nnen. Hauptbet\u00e4tigungsfeld der MG, die im Bundesgebiet an \u00fcber 50 Hochschulorten vertreten ist, war 1985 wiederum der Bildungsbereich. Die \"MSZ -- Marxistische Zeitung gegen die Kosten der Freiheit\" wurde an zahlreichen Hochschulen des Bundesgebietes angeboten. Daneben erschienen f\u00fcr den bayerischen Hochschulbereich die vom \"Verein zur F\u00f6rderung des studentischen Pressewesens e.V.\" herausgegebenen \"Augsburger\", \"Erlanger\", \"M\u00fcnchner\", \"N\u00fcrnberger\", \"Regensburger\" und \"W\u00fcrzburger\" Hochschulzeitungen. Die Herausgabe der Hochschulzeitungen wurde von F\u00f6rdervereinen mit der Bezeichnung \"Verein zur F\u00f6rderung der wissenschaftlichen Diskussion an der Hochschule e.V.\" finanziell unterst\u00fctzt. An einigen Hochschulorten erschienen auch \"Marxistische Schulzeitungen\". In ihren Publikationen und bei zahlreichen \"teach-ins\" befa\u00dfte sich die MG insbesondere mit Themen wie \"Demokratischer Antifaschismus\", \"Das Modell Deutschland macht mobil\", \"Die Nation -- ihre Erfolge, ihre Leiden und ihr Recht auf Krieg\" und \"Der Hungerstreik der RAF-Gefangenen\". Die MG konnte 1985 ihren Einflu\u00dfbereich an den bayerischen Hochschulen weiter ausbauen. Sie lehnt aus ideologischen Gr\u00fcnden die \u00fcbrigen linksextre158","men Hochschulgruppen ab. In der Durchsetzung ihrer Ziele trat sie rigoros auf und beteiligte sich auch an St\u00f6raktionen. 4.2 Sonstige Studentengruppen der Neuen Linken Die Studentengruppen der dogmatischen Neuen Linken, die wegen ihrer unrealistischen Forderungen nur schwer B\u00fcndnispartner fanden, verloren auch 1985 an den Hochschulen in Bayern weiter an Einflu\u00df. Lediglich der KHB konnte seine Stellung behaupten. Die noch aktiven Gruppen der Neuen Linken lehnten die von den orthodoxkommunistischen Gruppen praktizierte Strategie der \"gewerkschaftlichen Orientierung\" ab und verfolgten mit ihren Aktionen f\u00fcr hochschulpolitische Forderungen eine betont \"revolution\u00e4re\" Linie. Sie agitierten 1985 vorrangig gegen die \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\", den \"Abbau demokratischer Rechte\" und die \"HRG-Novellierung\". In ihren Publikationen befa\u00dften sie sich ferner mit dem 40. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkriegs und den Feierlichkeiten zum 30j\u00e4hrigen Bestehen der Bundeswehr. Neben den Studentengruppen der dogmatischen Neuen Linken, die sich auf Kernorganisationen st\u00fctzen, traten 1985 an den bayerischen Hochschulen auch Anh\u00e4nger von Gruppen der undogmatischen Neuen Linken auf. Hierbei handelt es sich meist um kleinere Zusammenschl\u00fcsse auf \u00f6rtlicher Ebene ohne feste Organisationsformen und ohne Bindungen an ideologische Dogmen. Ihre politischen Positionen reichen von \"Sozialrevolution\u00e4ren\" Vorstellungen bis hin zu einem undogmatischen \"wissenschaftlichen Sozialismus\". Alle diese Gruppen lehnen den \"Staat als Ganzes\" ab. Unver\u00e4ndert blieben ihre zentralen Forderungen wie die \"Zerschlagung des Systems\" und der \"Aufbau einer herrschaftslosen Gesellschaft\". Der Einflu\u00dfbereich dieser Gruppen ging gegen\u00fcber dem Vorjahr erneut zur\u00fcck. Die \u00fcberwiegend kleinen Gruppen der Neuen Linken konnten sich 1985 in Bayern nur noch auf eine Mitgliederzahl von knapp 100 Personen (1984: 150) st\u00fctzen. Aktivit\u00e4ten dieser Gruppen wurden in Erlangen-N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen, Regensburg und W\u00fcrzburg bekannt. 5. Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) Der NHB mit Sitz in M\u00fcnchen (vgl. 3. Abschnitt Nr. 2.5) unterh\u00e4lt in Bayern in M\u00fcnchen eine arbeitsf\u00e4hige Hochschulgruppe. Die Aktivit\u00e4ten dieser Gruppe beschr\u00e4nkten sich 1985 vorwiegend auf die Verbreitung des Publikationsorgans \"NHB-Report\". 6. Aktivit\u00e4ten Am 7. Januar wurden an mehreren Anschlagtafeln im Bereich der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t (LMU) M\u00fcnchen Flugbl\u00e4tter ohne Impressum festgestellt, in denen zur Teilnahme an einer am gleichen Tage stattfindenden \"Veranstaltung zum Hungerstreik\" aufgerufen wurde. Die Flugbl\u00e4tter enthielten neben dem Hinweis auf den andauernden \"Hungerstreik der Gefangenen aus RAF und Widerstand\" auch die Forderung auf Anwendung der Genfer Konvention 159","Publikationen extremistischer Studentengruppen im Bildungsbereich M\u00fcnchner Schulzeitung MARXISTISCHE GRUPPE (MG) M\u00fcnchner Hochschulzeitung MARXIsmCHU \u00dcWJPPE(MC.) 160","f\u00fcr die inhaftierten terroristischen Gewaltt\u00e4ter. In einem weiteren Flugblatt mit fingiertem Impressum, das am 29. Januar am \"Schwarzen Brett\" der LMU M\u00fcnchen aushing, wurde wiederum zur Teilnahme an einer Demonstration am 2. Februar vor der Justizvollzugsanstalt in M\u00fcnchen aufgerufen. Am 2. Mai versammelten sich vor dem Haupteingang der Ludwig-MaximiliansUniversit\u00e4t elf Personen. Sie befestigten an der Fassade mehrere Fahnen und verteilten Propagandamaterial. Die Publikationen enthielten u.a. eine Erkl\u00e4rung der Redaktion der \"K\u00e4mpfenden Jugend\" zum 8. Mai und die Aufforderung, die Manifestation \"Dank Euch Ihr Sowjetsoldaten\" mitzutragen. F\u00fcr einen Teil der Druckwerke zeichnete der Kommunistische Hochschulbund (KHB) presserechtlich verantwortlich. Durch Schwenken von F\u00e4hnchen, Zwischenrufe und Absingen der Nationalhymne in verunglimpfender Weise st\u00f6rten am 7. Mai etwa 40 Angeh\u00f6rige der Marxistischen Gruppe (MG) eine Ringvorlesung in der Friedrich-AlexanderUniversit\u00e4t (FAU) Erlangen-N\u00fcrnberg. Erst nach der Ank\u00fcndigung des Versammlungsleiters, die Polizei zu verst\u00e4ndigen, verlie\u00dfen die St\u00f6rer den Saal. Am 11. Juni f\u00fchrte der MSB Spartakus mit Unterst\u00fctzung der DKPHochschulgruppe eine \u00f6ffentliche Diskussionsveranstaltung an der Ludwig-MaximiliansUniversit\u00e4t (LMU) in M\u00fcnchen durch, an der sich rund 50 Personen beteiligten. Als Redner traten der Landesvorsitzende der VVN-BdA und ein Bundesvorstandsmitglied der DFG-VK auf, die zu den Themen \"1945: Nie wieder Forschung f\u00fcr den Krieg\" und \"1985: Wissenschaft f\u00fcr die Front im All?\" sprachen. Anl\u00e4\u00dflich einer Veranstaltung mit dem Bundesminister f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit Dr. Warnke am 21. Juni in Erlangen, zu der die Junge Union (JU) und der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) eingeladen hatten, verbreitete auch die MG ein Flugblatt. Da die Druckschrift beleidigende \u00c4u\u00dferungen gegen\u00fcber dem Bundesminister enthielt, leitete die Staatsanwaltschaft gegen den presserechtlich verantwortlichen MG-Funktion\u00e4r ein Ermittlungsverfahren ein. Aus Anla\u00df des 20j\u00e4hrigen Bestehens der Universit\u00e4t Regensburg gab die vom KHB beeinflu\u00dfte \"Liste st\u00e4rkt den AStA\" (LISA) eine Brosch\u00fcre heraus, die sich in polemischer Weise mit der Entwicklung der Hochschule und den dort t\u00e4tigen Professoren befa\u00dfte. Am 11. Juli f\u00fchrte die LISA in Regensburg eine Veranstaltung zum Thema \"Revanchismus\" durch, an der sich rund 35 Personen beteiligten. Im Zusammenhang mit dem Tod von G\u00fcnter Sare verbreitete der KHB ein Flugblatt mit dem Titel \"Er k\u00f6nnte noch leben\". Das Flugblatt berichtete \u00fcber den Tod des Demonstranten und die Opfer des Attentats auf dem Oktoberfest am 26. September 1980 in M\u00fcnchen. In beiden F\u00e4llen trage die Schuld der \"Bonner Staat\", \"der nichts daf\u00fcr tut, da\u00df der faschistische Terror aufh\u00f6rt und die faschistischen Organisationen verboten und zerschlagen werden\". Vom 11. bis 16. November fanden an mehreren bayerischen Hochschulen sogenannte \"Friedenswochen\" statt, zu denen die Vereinigten Deutschen Studentenschaften (VDS) unter dem Motto \"Abr\u00fcsten -- um zu \u00fcberleben\" aufgerufen hatten. In M\u00fcnchen traten als Aufrufer die linksextrem beeinflu\u00dften 161","ASten der M\u00fcnchner Hochschulen gemeinsam mit der \"NaturwissenschaftlerInitiative: Verantwortung f\u00fcr den Frieden\" auf. Mitveranstalter waren u.a. die DKP-beeinflu\u00dften Vereinigungen DFG-VK und M\u00fcnchner Friedensforum. DKP und DKP-beeinflu\u00dfte Vereinigungen stellten Referenten zur Verf\u00fcgung. 7. Wahlen an den Hochschulen Bei den Wahlen f\u00fcr die Kollegialorgane gelang es linksextremen und linksextrem beeinflu\u00dften Gruppen 1985 wiederum, ihre Positionen mit Hilfe \"Unabh\u00e4ngiger\" weiter auszubauen. Wie im Vorjahr tarnten sich linksextreme und linksextrem beeinflu\u00dfte Gruppen hinter Listenverbindungen und unverf\u00e4nglichen Bezeichnungen. Insbesondere bildeten der MSB Spartakus, der SHB und der KHB unter Bezeichnungen wie \"Linke Liste\" (LiLi), \"Liste AStA und Fachschaften\" (LAF) und \"Fachschaftsinitiative f\u00fcr die Verfa\u00dfte Studentenschaft\" breite Wahlplattformen mit demokratischen Gruppen und versuchten so, W\u00e4hler zu t\u00e4uschen. Diese gemeinsamen Listen erzielten bei den Gremienwahlen im Vergleich zum Vorjahr durchwegs bessere Ergebnisse. Die MG trat bei den Gremienwahlen aus taktischen Gr\u00fcnden nur mit wenigen Wahlvorschl\u00e4gen in Erscheinung. Von elf Personen, die in verschiedenen Fachbereichen an drei Hochschulen f\u00fcr die MG kandidierten, wurden sechs in den jeweiligen Studentischen Konvent gew\u00e4hlt. An der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg konnte bei zwei errungenen Sitzen nur einer vergeben werden, da die MG nur einen Kandidaten aufgestellt hatte. Der rechtsextreme NHB verzichtete auf eine Kandidatur. An einigen Hochschulen fanden auch 1985 \"AStA-Wahlen\" statt. Bei diesen nicht im Bayer. Hochschulgesetz vorgesehenen Wahlen kandidierten vorwiegend linksextreme Studentengruppen. Die Wahlbeteiligung lag im Durchschnitt bei 8 % (Vorjahr 9,5 %). Die MG beteiligte sich nicht an diesen Wahlen. 8. Weiterf\u00fchrende Schulen Im Bereich der weiterf\u00fchrenden Schulen, den erfahrungsgem\u00e4\u00df auch schulfremde Organisationen als Agitationsfeld nutzen, traten 1985 folgende extremistische Organisationen auf: Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Marxistisch-Leninistischer Sch\u00fclerund Studentenverband (MLSV) Marxistische Gruppe (MG) Junge Nationaldemokraten (JN) Die Propaganda konzentrierte sich schwerpunktm\u00e4\u00dfig auf schulische Themen. Die weiteren Aktivit\u00e4ten bezogen sich auf Bereiche wie \"Jugendarbeitslosigkeit\", \"Bundeswehr\", \"Frieden und Abr\u00fcstung\" sowie auf die \"Rotstiftpolitik\" der Bundesregierung. Dar\u00fcber hinaus wurden wiederum vor Schulen zahlreiche Flugschriften verteilt. Die MG verbreitete vorwiegend im fr\u00e4nkischen Raum die \"Marxistische Schulzeitung\". Daneben erschienen in M\u00fcnchen mehrere Ausgaben der MG-Publikation \"M\u00fcnchner Schulzeitung\". Die SDAJ versuchte durch Informationsst\u00e4nde vor weiterf\u00fchrenden Schulen in Bayern, die Sch\u00fcler f\u00fcr ihre Ziele zu interessieren und sie als Mitglieder zu 162","werben. Im Februar ver\u00f6ffentlichte der Bundesvorstand der SDAJ ein \"Positionspapier\" zur weiteren Arbeit der \"Bundessch\u00fclervertretung\". Hierin nannte er als Arbeitsschwerpunkte Aktionen gegen die K\u00fcrzungen im Bildungsbereich, die Beteiligung an den Aktivit\u00e4ten der \"Friedensbewegung\" und die Auseinandersetzung mit dem Lehrstellenmangel und der Jugendarbeitslosigkeit. Unter dem Motto \"Verwandelt Eure Wut in Energie\" rief der SDAJ-Bundesvorstand ferner alle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler auf, sich an den \"Sch\u00fclervertretungswahlen '85\" zu beteiligen; denn \"nur mit einer aktiven Sch\u00fclervertretung kann der Kampf um unsere Interessen am besten gef\u00fchrt werden\". \"W\u00e4hlt die Aktivisten unter Euch, werdet selber aktiv, werdet Klassensprecher. Je mehr Sch\u00fcler mitmachen, je eher bringen die Aktionen Erfolg\". Von den 1985 bei verschiedenen Anl\u00e4ssen festgestellten Schmieraktionen waren auch Schulgeb\u00e4ude betroffen. Dabei wurden wiederholt Au\u00dfenfassaden mit dem Anarchosymbol, dem RAF-Emblem und dem Hakenkreuz verunstaltet. 163","6. Abschnitt Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst Das \u00f6ffentliche Dienstrecht fordert nach dem Grundgesetz, den Beamtengesetzen und den tarifvertraglichen Regelungen von den Angeh\u00f6rigen des \u00f6ffentlichen Dienstes Treue zur Verfassung. Das Verfahren zur Pr\u00fcfung dieser Einstellungsvoraussetzung sowie zur Feststellung von Verletzungen der Treuepflicht regelt die Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 27. M\u00e4rz 1973 (vgl. Anhang 2). 1. Einstellungs\u00fcberpr\u00fcfung Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wirkt bei der \u00dcberpr\u00fcfung der Verfassungstreue von Bewerbern f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst mit. Ungeachtet der seit Jahren geleisteten \u00d6ffentlichkeitsarbeit, die auch hier\u00fcber Aufschlu\u00df gibt, h\u00e4lt die Kampagne der Extremisten gegen angebliche \"Berufsverbote\" in der Bundesrepublik Deutschland an. Sie wird h\u00e4ufig durch von orthodoxen Kommunisten beeinflu\u00dfte Komitees und Initiativen (vgl. dazu 2. Abschnitt Nr. 2.4.1) getragen und ist international ausgeweitet. Beispielhaft hierf\u00fcr war der Versuch, mit einer Flut von Briefen aus dem Inund Ausland die Richter am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof zugunsten des Landesvorsitzenden der Deutschen Friedens-Union (DFU) zu beeinflussen, dessen Klage auf \u00dcbernahme als Lehrer in den Staatsdienst der Verwaltungsgerichtshof in zweiter Instanz abgewiesen hat. Insgesamt ergeben die Zahlen f\u00fcr 1985 folgendes Bild: Zu 17.299 Anfragen \u00fcber Bewerber f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst in Bayern teilte das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz dem Bayerischen Staatsministerium des Innern in 59 F\u00e4llen (54 aus dem linksextremen und 5 aus dem rechtsextremen Bereich) Erkenntnisse mit. In 23 F\u00e4llen (21 aus dem linksextremen, 2 aus dem rechtsextremen Bereich) gab das Staatsministerium des Innern Erkenntnisse an die Einstellungsbeh\u00f6rden weiter. Diese f\u00fchrten in 6 F\u00e4llen zur Ablehnung durch die Einstellungsbeh\u00f6rde. Darunter sind 3 Bewerber f\u00fcr den juristischen Vorbereitungsdienst, die nicht in das Beamtenverh\u00e4ltnis auf Widerruf \u00fcbernommen wurden; sie k\u00f6nnen den Vorbereitungsdienst jedoch in einem \u00f6ffentlich-rechtlichen Ausbildungsverh\u00e4ltnis ableisten. Die geringe Zahl von Ablehnungen geht darauf zur\u00fcck, da\u00df die meisten Bewerber, bei denen aufgrund ihres Verhaltens in der Vergangenheit Zweifel an der Verfassungstreue bestanden, diese Zweifel durch ein eindeutiges Abr\u00fccken vom Extremismus ausr\u00e4umen konnten. Weiter kann angenommen werden, da\u00df manche Extremisten -- nicht zuletzt wegen der inzwischen weithin \u00fcbereinstimmenden Rechtsprechung -- von einer Bewerbung f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst Abstand nehmen, 164","weil sie sich einer \u00dcberpr\u00fcfung ihrer Verfassungstreue nicht stellen wollen. Jedenfalls zeigen die Zahlen, da\u00df das ebenso h\u00e4ufig wie grundlos kritisierte bayerische Verfahren der \"Regelanfrage\" f\u00fcr junge, am \u00f6ffentlichen Dienst interessierte Menschen kein Anla\u00df sein kann, w\u00e4hrend der Ausbildung ein unkritisch angepa\u00dftes Verhalten an den Tag zu legen. Zur \"Einsch\u00fcchterung\" ist der Beschlu\u00df der Bayer. Staatsregierung vom 27. M\u00e4rz 1973 weder bestimmt noch geeignet. 2. Extremisten im \u00f6ffentlichen Dienst Als Extremisten im \u00f6ffentlichen Dienst sind hier Bedienstete erfa\u00dft, die in den letzten f\u00fcnf Jahren als Mitglieder oder aktive Angeh\u00f6rige extremistischer Parteien und Organisationen oder sonst mit erheblichen extremistischen Aktivit\u00e4ten in Erscheinung getreten sind. Da nicht in allen F\u00e4llen gerichtsverwertbare Erkenntnisse vorliegen, die die Ablehnung einer Bewerbung bzw. eine Entlassung aus dem Dienst rechtfertigen, gelingt es auch Extremisten, in den \u00f6ffentlichen Dienst zu gelangen bzw. dort zu verbleiben. Ende 1985 waren dies (in Klammern die Vergleichszahlen f\u00fcr 1984): Linksextremisten Gesamtzahl davon in DKP DKP-NebenGruppen und beeinder flu\u00dften OrNeuen ganisationen Linken Landesdienst 175(132) 26 (26) 31 (31) 118 (75) Kommunaldienst 126(102) 78 (65) 19(13) 29 (24) sonst, \u00f6ffentl. Einrichtungen 14 (10) 6 (7) 2(~) 6 (3) Zusammen: 315(244) 110(98) 52 (44) 153(102) Der Anstieg der Zahlen beruht haupts\u00e4chlich auf einem verbesserten Erkenntnisstand. Von den linksextremen Landesbediensteten waren besch\u00e4ftigt: 93 (75) als Lehrpersonal an Grund-, Haupt-, Sonder-, Realschulen und Gymnasien 31 (21) als wissenschaftliches und sonstiges Personal an Hochschulen 14 (18) im Justizdienst 37 (18) in sonstigen Verwaltungszweigen. Von den linksextremen Kommunalbediensteten waren besch\u00e4ftigt: 25 (22) als Bedienstete an st\u00e4dtischen Krankenanstalten 37 (34) in sozialp\u00e4dagogischen Berufen wie Sozialarbeiter, Jugendheimleiter 14 (8) als Lehrer an st\u00e4dtischen Schulen 50 (38) in sonstigen Verwaltungszweigen. 165","Rechtsextremisten Gesamtzahl davon in NPD DVU Landesdienst 12 (9) 3 (2) 9 Kommunaldienst 12(11) 7 (6) 3 sonst, \u00f6ffentliche Einrichtungen 1 (1) -(-) -- Zusammen 25(21) 10 (8) 12 Von den rechtsextremen Landesbediensteten waren besch\u00e4ftigt: 4 (3) als Lehrer an Grund-, Haupt-, Realschulen, Gymnasien und Fachoberschulen 4 (2) im Justiz-und Polizeidienst 4 (4) in sonstigen Verwaltungszweigen. Die rechtsextremen Kommunalbediensteten waren in sonstigen Verwaltungszweigen t\u00e4tig. Auch hier ist die im Vergleich zu den Vorjahren festzustellende leichte Zunahme das Ergebnis eines verbesserten Erkenntnisstandes. 166","7. Abschnitt Extremistische Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 1. Allgemeines Am 30. September 1985 hielten sich in Bayern 666.500 Ausl\u00e4nder auf, darunter rund 189.300 T\u00fcrken 119.700 Jugoslawen 76.900 \u00d6sterreicher 70.700 Italiener 47.800 Griechen und 11.000 Spanier. Die Anzahl der Ausl\u00e4nder hat sich somit gegen\u00fcber dem Jahre 1984 lediglich um etwa 200 Personen erh\u00f6ht. Wie in den vergangenen Jahren verhielt sich der weitaus gr\u00f6\u00dfte Teil der Ausl\u00e4nder im Gastland gesetzestreu und f\u00fchrte ein eher unpolitisches, auf die Privatsph\u00e4re beschr\u00e4nktes Leben. Die Bem\u00fchungen ausl\u00e4ndischer Extremisten, unter ihren Landsleuten weitere Anh\u00e4nger f\u00fcr ihre extremistischen Ziele zu gewinnen und dadurch die eigene Basis zu st\u00e4rken, blieben weitgehend erfolglos. Nur eine geringe Minderheit (1,3%) der in Bayern lebenden Ausl\u00e4nder ist in extremistischen oder extremistisch beeinflu\u00dften Vereinigungen organisiert. Den letzteren Gruppen, die sich nach au\u00dfen oft als \"Betreuungsorganisationen\" darstellen, geh\u00f6ren auch Mitglieder an, die nicht aus politischer Motivation beigetreten sind, sondern dort lediglich gesellige Kontakte oder Unterst\u00fctzung bei der Bew\u00e4ltigung von Alltagsproblemen suchen. Dies schlie\u00dft indes nicht aus, da\u00df sie sp\u00e4ter als Folge des Einflusses von dort auftretenden Agitatoren deren extremistische Auffassungen \u00fcbernehmen und vertreten. Die Aktivit\u00e4ten der extremistischen und extremistisch beeinflu\u00dften Ausl\u00e4ndergruppen waren weiterhin von den Konflikten und Krisen in den Heimatl\u00e4ndern der Mitglieder, aber auch von der Situation der Ausl\u00e4nder im Bundesgebiet bestimmt. So agitierten ausl\u00e4ndische Extremisten gegen die behauptete Ausl\u00e4nderfeindlichkeit der deutschen Bev\u00f6lkerung sowie gegen die Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung und forderten die Einf\u00fchrung des Wahlrechts f\u00fcr Ausl\u00e4nder. Propagandistische Angriffe galten ferner der ausl\u00e4ndischen Staaten gew\u00e4hrten deutschen Wirtschaftshilfe. Mit Versuchen, politische Bestrebungen in den Heimatl\u00e4ndern durch gewaltorientierte Aktionen vom Gastland her zu 167","initiieren oder zu f\u00f6rdern, beeintr\u00e4chtigten ausl\u00e4ndische Extremisten auch ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland. Die angespannte Lage am Arbeitsmarkt und die Besorgnis, eine extremistische Bet\u00e4tigung k\u00f6nne auch ausl\u00e4nderrechtliche Nachteile zur Folge haben, d\u00fcrften sich indes wie schon in den Vorjahren d\u00e4mpfend auf das Engagement ausl\u00e4ndischer Extremisten ausgewirkt und zum R\u00fcckgang der \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktivit\u00e4ten beigetragen haben. Linksextreme Ausl\u00e4ndergruppen fanden nach wie vor die Unterst\u00fctzung ideologisch gleichgesinnter deutscher Organisationen. Umgekehrt beteiligten sie sich auch an Aktionen deutscher Linksextremisten. Die Zahl der in Bayern erfa\u00dften extremistischen oder extremistisch beeinflu\u00dften Ausl\u00e4nderorganisationen stieg auf 169 (1984: 155). Die Zunahme gegen\u00fcber dem Vorjahr ist vor allem durch die Neugr\u00fcndung einer bemerkenswert gro\u00dfen Anzahl von islamisch-extremistischen Gruppierungen bedingt. In der folgenden \u00dcbersicht sind die in Bayern bestehenden extremistischen und extremistisch beeinflu\u00dften Vereinigungen nach ihren ideologischen Standpunkten und politischen Zielsetzungen aufgeschl\u00fcsselt. \u00d6rtlich selbst\u00e4ndige Gruppen sind dabei gesondert gez\u00e4hlt. Die bisher unter der Bezeichnung \"rechtsextrem\" zusammengefa\u00dften Organisationen sind 1985 erstmals in extrem nationalistische und islamisch-extremistische Gruppen aufgegliedert. Dabei sind extrem nationalistische Gruppen extremistische ausl\u00e4ndische Vereinigungen, die nationalistische Ziele in aktivk\u00e4mpferischer, aggressiver Haltung mit dem Ziel der Ver\u00e4nderung der politischen Verh\u00e4ltnisse im Heimatland vertreten. Unter den islamisch-extremistischen Gruppen sind Vereinigungen erfa\u00dft, die auf revolution\u00e4rem Wege ein islamisch-fundamentalistisches theokratisches Staatswesen erzwingen wollen. OrthodoxNeue Linke Extrem IslamischGesamt kommunieinschl. nationaextremistische Sozialrelistische stische Gruppen volution\u00e4Gruppen Gruppen re Gruppen \u00c4thiopier 2 2 -- -- 4 Afghanen -- 1 -- -- 1 Araber 3 7 -- 2 12 Griechen 32 2 -- -- 34 Iraner 2 3 1 1 7 Italiener 7 -- 3 -- 10 Jugoslawen 1 -- 12 -- 13 Kurden 12 -- -- -- 12 Pakistaner -- 5 -- -- 5 Spanier 2 -- -- -- 2 T\u00fcrken 9 25 11 22 67 Sonstige 1 -- 1 -- 2 Gesamt 71 45 28 25 169 168","Die Mitgliederzahl der extremistischen und extremistisch beeinflu\u00dften Ausl\u00e4ndergruppen in Bayern hat sich von etwa 7.400 im Jahre 1984 auf rund 9.000 erh\u00f6ht. Diese deutliche Zunahme der Mitgliederzahl ist \u00fcberwiegend auf die Erfassung islamisch-extremistischer t\u00fcrkischer Organisationen zur\u00fcckzuf\u00fchren. Bei den kurdischen Gruppierungen zeigte insbesondere die orthodox-kommunistische Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) eine zunehmende Bereitschaft zur Gewaltanwendung. Vereinigungen der t\u00fcrkischen Neuen Linken streben nach wie vor den gewaltsamen Sturz der t\u00fcrkischen Regierung an. Diese militanten Organisationen stellen weiterhin eine Gef\u00e4hrdung der \u00f6ffentlichen Sicherheit dar. Die von pal\u00e4stinensischen Gruppen ausgehenden Sicherheitsrisiken haben sich auch durch die Krise innerhalb der Pal\u00e4stinensischen Befreiungsorganisation (PLO) nicht verringert. Nach wie vor besteht die Gefahr von Anschl\u00e4gen abgesplitterter Terrorgruppen besonders gegen israelische und amerikanische Einrichtungen im Bundesgebiet. 2. \u00c4thiopische Gruppen Die Eritreische Befreiungsfront (ELF) und die Eritreische Volksbefreiungsfront (EPLF) wollen mit ihrem bewaffneten Kampf gegen die sozialistische \u00e4thiopische Regierung die Befreiung und Unabh\u00e4ngigkeit der \u00e4thiopischen Provinz Eritrea erreichen. Beide Gruppierungen konnten sich auch 1985 trotz \u00fcbereinstimmender Zielsetzung nicht auf einen gemeinsamen Kurs einigen. Die EPLF lehnt eine Ann\u00e4herung an Moskau ab, w\u00e4hrend die ELF bereit w\u00e4re, sich im eritreischen Befreiungskampf auch von der UdSSR unterst\u00fctzen zu lassen. In Bayern traten Anh\u00e4nger beider Gruppen vorwiegend im Raum N\u00fcrnberg-Erlangen mit Filmvorf\u00fchrungen, Vortr\u00e4gen und Diskussionen an die \u00d6ffentlichkeit. Eine \u00f6rtliche Untergliederung der EPLF f\u00fchrte au\u00dferdem am 8. M\u00e4rz in N\u00fcrnberg einen \"Eritreischen Kulturabend\" durch. 3. Afghanische Gruppen Die der dogmatischen Neuen Linken zuzurechnende Generalunion der Afghanen und afghanischen Studenten e.V. (GUAfS) lehnt die milit\u00e4rische Intervention der UdSSR in Afghanistan ab. Eine \u00f6rtliche Untergliederung war der Verein der Afghanen und afghanischen Studenten M\u00fcnchen -- Mitglied der GUAfS e.V., der sich Mitte 1985 aufl\u00f6ste. Ehemalige Mitglieder dieses Vereins gr\u00fcndeten danach in M\u00fcnchen die Demokratische Organisation der Afghanen (AWARAGAN), die am 13. Dezember in M\u00fcnchen einen Informationsabend mit rund 130 Teilnehmern veranstaltete. Die GUAfS f\u00fchrte am 28. Dezember in Bonn eine Kundgebung zum Jahrestag der sowjetischen Intervention in Afghanistan (27. Dezember 1979) durch, an der sich auch Demonstranten aus Bayern beteiligten. Aus demselben Anla\u00df fand am 27. Dezember in Frankfurt a.M. eine Demonstration statt, zu der aus M\u00fcnchen etwa 20 Mitglieder der AWARAGAN anreisten. 169","4. Arabische Gruppen Die 1964 gegr\u00fcndete Pal\u00e4stinensische Befreiungsorganisation (PLO) ist die Dachorganisation der pal\u00e4stinensischen Befreiungsbewegung. Bei den in der PLO lose zusammengef\u00fcgten Guerillagruppen bestehen erhebliche Meinungsverschiedenheiten \u00fcber die politische und milit\u00e4rische Strategie zur L\u00f6sung des Pal\u00e4stinenserproblems. W\u00e4hrend der Leiter der zahlenm\u00e4\u00dfig st\u00e4rksten Organisation Al Fatah Yassir Arafat, der zugleich Vorsitzender des Exekutivkomitees der PLO ist, auch Verhandlungsbereitschaft erkennen lie\u00df, stehen die orthodox-kommunistisch orientierten Organisationen Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (PFLP) und Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (DFLP) sowie Fatah-Dissidenten und weitere von Syrien abh\u00e4ngige PLOGruppierungen der relativ gem\u00e4\u00dfigten Haltung Arafats ablehnend gegen\u00fcber. So gingen einige dieser Gruppen im Nahen Osten neue B\u00fcndnisse ein, um Arafats Kurs wirksamer durchkreuzen zu k\u00f6nnen. Arafats Gegner innerhalb der PLO, die den \"bewaffneten Kampf\" als einziges Mittel zur Durchsetzung ihrer Ziele des pal\u00e4stinensischen Widerstandes betrachten, bem\u00fchten sich zunehmend, Einflu\u00df auf Pal\u00e4stinensergruppen im Bundesgebiet zu gewinnen; sie fanden dort jedoch insgesamt nur wenig R\u00fcckhalt. Der auf Initiative der PLO gegr\u00fcndete Pal\u00e4stinensische Arbeiterverband in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin (PAV) ist ma\u00dfgeblich von der Al Fatah beeinflu\u00dft. Er hat die Aufgabe, die Al Fatah in ihrem Kampf f\u00fcr einen Pal\u00e4stinenserstaat materiell und ideell zu unterst\u00fctzen und f\u00fcr die Ziele der Pal\u00e4stinenser im Gastland zu werben. \u00d6rtliche Untergliederungen sind der Verein Pal\u00e4stinensischer Arbeiter M\u00fcnchen (VPA) und der Pal\u00e4stinensische Arbeiterverband (PAV) in N\u00fcrnberg, die loyal zu Arafat stehen, w\u00e4hrend der im April 1985 aufgel\u00f6ste Pal\u00e4stinensische Arbeiterverein in M\u00fcnchen Arafats Kurs ablehnte. Bei Versammlungen des PAV N\u00fcrnberg und des VPA M\u00fcnchen im Januar 1985 sprach der aus Bonn angereiste PLO-Vertreter Dr. Abdallah Frangi \u00fcber die Situation des pal\u00e4stinensischen Widerstandes. Einen Schwerpunkt der Veranstaltungen bildete 1985 die vom PAV N\u00fcrnberg vom 4. bis 6. April durchgef\u00fchrte \"Pal\u00e4stina-Woche\" mit Filmvorf\u00fchrungen, Diskussionen und einem Vortrag \u00fcber die Konflikte innerhalb der PLO. Das auf Initiative des PAV N\u00fcrnberg gegr\u00fcndete Pal\u00e4stina-Komitee N\u00fcrnberg (PKN) hat sich im Fr\u00fchjahr 1985 aufgel\u00f6st. Arafats Gegnern ist das linksextrem beeinflu\u00dfte, im Fr\u00fchjahr 1985 in N\u00fcrnberg entstandene Pal\u00e4stina-Libanon-Komitee (PLK) zuzurechnen, das nach au\u00dfen nicht in Erscheinung trat. Der durch interne Richtungsk\u00e4mpfe geschw\u00e4chte Pal\u00e4stinensische Studentenverband in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin (PSV) zeigte in Bayern keine Aktivit\u00e4ten. 5. Griechische Gruppen Die auch im Bundesgebiet aktive Kommunistische Partei Griechenlands (KKE-Ausland) ist der orthodox-kommunistische Teil der seit Februar 1968 gespaltenen Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) mit Sitz in Athen. Sie erkennt -- im Gegensatz zur national-kommunistisch orientierten Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE-Inland) -- die f\u00fchrende Rolle der 170","Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) an und nimmt f\u00fcr sich in Anspruch, die Kommunistische Partei Griechenlands zu sein. Organe der KKE-Ausland und ihrer Jugendorganisation Kommunistische Jugend Griechenlands (KNE) sind die auch im Bundesgebiet verbreiteten Schriften \"Risospastis\" (Der Radikale), \"Kommounistiki Epitheorisi\" (Kommunistische Revue) und \"Prowlimata tis Irinis ke tou Sosialismou\" (Probleme des Friedens und des Sozialismus) bzw. \"Odigitis\" (Der F\u00fchrer). Seit Jahren bestehen enge Verbindungen der KKE-Ausland zur Deutschen Kommunistischen Partei (DKP). So beteiligten sich Mitglieder der KKE-Ausland im Juli 1985 mit eigenen Informationsst\u00e4nden an einem DKP-Fest in N\u00fcrnberg. Die KKE-Ausland und ihre Jugendorganisation, deren Aktivit\u00e4ten sich im allgemeinen auf interne Veranstaltungen beschr\u00e4nkten, waren auch 1985 bestrebt, ihre Funktion\u00e4re und Mitglieder in die Vorstandschaften der griechischen Ausl\u00e4ndervereine w\u00e4hlen zu lassen, um ihren Einflu\u00df zu erweitern. Politische Schwerpunkte ihrer Forderungen waren der Austritt Griechenlands aus der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft und der NATO sowie die Aufl\u00f6sung der US-Milit\u00e4rbasen in Griechenland. \u00dcberregional bem\u00fchten sich sowohl die KKE-Ausland als auch die KNE um St\u00e4rkung ihrer Positionen im Verband Griechischer Gemeinden in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin (OEK) und im Verband Griechischer Studentenvereine in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin (OEFE). Diesen orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Dachverb\u00e4nden geh\u00f6rt der \u00fcberwiegende Teil der in Bayern bestehenden Griechischen Gemeinden und Studentenvereine an. \u00d6rtliche Mitgliedsvereine des OEK f\u00fchrten im April und November 1985 im Raum M\u00fcnchen anl\u00e4\u00dflich der Parlamentswahl in Griechenland und des griechischen Nationalfeiertages zwei Gro\u00dfveranstaltungen durch, an denen sich auch zahlreiche Mitglieder der KKE-Ausland beteiligten. 6. Iranische Gruppen 6.1 Orthodoxe Kommunisten Die orthodox-kommunistische Tudeh-Partei, die am 4. Mai 1983 im Iran verboten und aufgel\u00f6st wurde, ist im Bundesgebiet \u00fcberwiegend konspirativ t\u00e4tig. Neben Verbindungen zur Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) unterh\u00e4lt sie auch Kontakte zu kommunistischen Organisationen im Nahen Osten. Ihre deutschsprachige Monatszeitschrift \"Iran aktuell\" enthielt vor allem Protesterkl\u00e4rungen gegen das Verbot der Partei und die Inhaftierung ihrer Funktion\u00e4re und Mitglieder im Iran sowie Aufrufe zur Beendigung des irakisch-iranischen Krieges. Mit denselben Themen befa\u00dften sich auch die von Anh\u00e4ngern der Tudeh-Partei in Bayern verteilten Flugbl\u00e4tter. In der von der Tudeh-Partei beeinflu\u00dften Organisation Iranischer Studenten (O.I.S.) -- Sympathisanten der Organisation der Volksfedayin des Iran (Mehrheit) haben sich im Bundesgebiet die Anh\u00e4nger der Organisation der Volksfedayin des Iran (Mehrheit) gesammelt. Diese Gruppierung hatte sich 1980 wegen ideologischer Differenzen von der im Jahre 1971 im Iran gegr\u00fcndeten marxistisch-leninistischen Guerilla-Organisation der Volksfedayin im Iran, die ma\u00dfgeblich am Umsturz im Iran beteiligt war, abgespalten. Die O.I.S. 171","SOLIDARIT\u00c4T mit den politischen Gefangenen im Iran Tu.j.-h.l'uM.i Iran tScklion BRD) Plakat der Tudeh-Partei 172","f\u00fchrte am 20. und 21. Juli in N\u00fcrnberg zwei Veranstaltungen durch, an denen sich insgesamt rund 70 Personen, darunter auch Vertreter der DKP und des MSB Spartakus, beteiligten. Themen der Veranstaltungen waren der irakischiranische Krieg und der Sturz der iranischen Regierung. In einer im November 1985 an einem Informationsstand in M\u00fcnchen verbreiteten Presseerkl\u00e4rung verurteilte die O.I.S. die Hinrichtung von zwei Funktion\u00e4ren der Volksfedayin im Iran. 6.2 Neue Linke Die seit 1983 kaum aktive und deshalb nahezu bedeutungslos gewordene Confederation Iranischer Studenten -- National Union -- Sympathisanten der Volksfedayin Guerilla Iran (CISNU) ist in Bayern 1985 nicht mehr aufgetreten. Eine Neuformierung der iranischen Neuen Linken unter der Bezeichnung CISNU im Jahre 1986 ist zu erwarten. Die Anh\u00e4nger der im Iran als Guerillak\u00e4mpfer t\u00e4tigen Volksmojahedin haben sich im Bundesgebiet in den Moslemischen Studentenvereinigungen -- Sympathisanten der Organisation der Volksmojahedin Iran (MSV-W.Germany) -- MSV -- zusammengeschlossen. Die Volksmojahedin, eine Organisation islamischer Fundamentalisten mit marxistischer Pr\u00e4gung, waren ma\u00dfgeblich an der Revolution im Iran beteiligt, gerieten aber nach dem Umsturz zunehmend in Opposition zu dem neuen Regime. Ihr bewaffneter Widerstand gegen die derzeitige iranische Regierung begann am 20. Juni 1981. Damals hatten w\u00e4hrend einer Gro\u00dfdemonstration der Volksmojahedin in Teheran regierungstreue Sicherheitskr\u00e4fte auf die Menge gefeuert und dabei nach Angaben der Volksmojahedin 80 Demonstranten get\u00f6tet. Anh\u00e4nger der MSV aus Bayern beteiligten sich am 20. Juni in Bonn an einer Kundgebung der MSV zum Thema \"Protest gegen Massaker am 20. Juni 1981 durch das Khomeini-Regime im Iran und Verehrung des Tages der M\u00e4rtyrer und politischen Gefangenen\". Bei einer Veranstaltung am 14. Juli in M\u00fcnchen bekannten sich rund 100 Anh\u00e4nger der MSV zum Generalsekret\u00e4r der Volksmojahedin Masoud Radjavi, der sich im Juli 1981 nach Frankreich ins Exil begeben hatte, um mit Hilfe einer dort gegr\u00fcndeten Widerstandsorganisation den Sturz der iranischen Regierung zu betreiben. Am 6. und 7. August verteilten Angeh\u00f6rige der MSV in M\u00fcnchen ihr Publikationsorgan \"Freiheit f\u00fcr Iran\". 7. Italienische Gruppen Die Kommunistische Partei Italiens (PCI), deren Parteiorgan die in Italien gedruckte Zeitschrift \"L'Unita\" ist, bet\u00e4tigt sich auch in der Bundesrepublik Deutschland. Sie gliedert sich hier in die Gebietsf\u00f6derationen K\u00f6ln (Nord), Frankfurt a.M. (Mitte) und Stuttgart (S\u00fcd). In Bayern bestehen Bezirkskomitees in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg sowie eine Ortsgruppe in Augsburg. Die Mitgliederzahlen und Aktivit\u00e4ten waren weiterhin r\u00fcckl\u00e4ufig. Das \"Festa della Donna\" (Tag der Frau) am 3. M\u00e4rz in M\u00fcnchen besuchten rund 200 Personen. Zum allj\u00e4hrlichen \"Festa dell'Unita\" am 27. Oktober in M\u00fcnchen fanden sich etwa 100 Mitglieder und Sympathisanten ein, darunter auch griechische und spanische Linksextremisten. 173","Der im Jahre 1970 in Frankfurt a.M. gegr\u00fcndete Italienische Verband der Gastarbeiter und ihrer Familien (FILEF) ist eine von der PCI beeinflu\u00dfte Betreuungsorganisation, deren Mitglieder h\u00e4ufig auch Anh\u00e4nger der PCI sind. Als Publikationsorgane der FILEF erscheinen die Zeitschriften \"Emigrazione\" und \"Emigrazione Oggi\" (Emigration heute). Der Verband ist im Bundesgebiet der Organisationsstruktur der PCI entsprechend in drei Zonen (Nord, Mitte, S\u00fcd) gegliedert. In Bayern bestehen Ortsgruppen in Landshut und M\u00fcnchen, die auch 1985 nicht \u00f6ffentlich in Erscheinung traten. Die extrem nationalistische Movimento Sociale Italiano -- Destra Naziona- l e -- MSI-DN (Soziale Italienische Bewegung -- Nationale Rechte), die 1980 mit dem Aufbau eines Parteiapparates im Bundesgebiet begonnen hatte, entwickelte wie im Vorjahr in Bayern keine nennenswerten Aktivit\u00e4ten. 8. Jugoslawische Gruppen 8.1 Kroatischer Nationalrat (HNV) Der im Februar 1974 in Toronto/Kanada gegr\u00fcndete HNV versteht sich als Dachorganisation der kroatischen Widerstandsbewegungen auf internationaler Ebene. Sein Ziel ist die Wiederherstellung des \"unabh\u00e4ngigen Staates Kroatien\" in seinen ethnischen Grenzen, wobei er f\u00fcr das kroatische Volk das Recht beansprucht, auf eigenem Boden durch Revolution und bewaffneten Kampf seine nationale Freiheit und staatliche Unabh\u00e4ngigkeit zu verwirklichen. Oberstes Organ des HNV ist das im Turnus von zwei Jahren gew\u00e4hlte Parlament (SABOR). Weitere Organe sind der Exekutivausschu\u00df, der die Ziele des HNV in die Tat umsetzen soll, sowie der Kontrollrat und das Ehrengericht. Als Basisinstitutionen des HNV bestehen im Bundesgebiet rund 20 Ortsaussch\u00fcsse, deren Arbeit von einem Koordinationsausschu\u00df mit Sitz in Stuttgart gesteuert wird. Publikationsorgan des HNV ist die unregelm\u00e4\u00dfig erscheinende Zeitschrift \"Vjesnik\" (Bote). Bei der Wahl zum 6. SABOR im November 1985 in New York wurden aus der Bundesrepublik Deutschland sieben Kandidaten, darunter zwei Funktion\u00e4re aus Bayern, in das aus 30 Mitgliedern bestehende oberste HNV-Organ gew\u00e4hlt. Aus Anla\u00df der Gr\u00fcndung des \"Unabh\u00e4ngigen Staates Kroatien\" (10. April 1941) fand am 13. April auf Initiative des HNV und weiterer kroatischer Emigrantenorganisationen eine zentrale Gedenkveranstaltung in M\u00fcnchen statt. Vor rund 350 Teilnehmern verwiesen die Redner auf das wachsende kroatische Nationalbewu\u00dftsein, das schlie\u00dflich eines Tages zur Gr\u00fcndung eines eigenst\u00e4ndigen kroatischen Staates f\u00fchren werde. Zur Unterst\u00fctzung seiner seit Jahren laufenden Kampagne gegen den Jugoslawien-Tourismus verbreitete der HNV zu Beginn der Ferienzeit Flugbl\u00e4tter, die auf die \"ungez\u00e4hlten Massenverbrechen\" jugoslawischer Partisanen an deutschen Kriegsgefangenen verwiesen. Mit solchen Aktionen sollen Urlauber von Reisen nach Jugoslawien abgehalten und dadurch der jugoslawische Staat wirtschaftlich gesch\u00e4digt werden. 174","Mitglieder des HNV beteiligten sich am 2. November in M\u00fcnchen an einer gemeinsamen Veranstaltung nationalistischer kroatischer Emigrantenorganisationen zum Gedenken an gefallene oder ermordete Kroaten, zu der insgesamt rund 150 Besucher erschienen. Der kroatische Verein Zrinski e.V., ein Ortsausschu\u00df des HNV in M\u00fcnchen, errichtete am 11. August in M\u00fcnchen einen Informationsstand zum Thema \"Situation der politischen Gefangenen in Jugoslawien\". Mit einer Unterschriftenund Postkartenaktion wurde die Beachtung der Menschenrechte in Jugoslawien, insbesondere in Hinblick auf die Verurteilungen von jugoslawischen Dissidenten, gefordert. Das 1950 gegr\u00fcndete Kroatische Nationalkomitee in Europa (HNO) mit Sitz in M\u00fcnchen, eine Mitgliedsorganisation des HNV, gibt als Organ die Zeitschrift \"Hrvatska Drzava\" (Kroatischer Staat) heraus. Wie im Vorjahr war die Situation des Vereins durch finanzielle Schwierigkeiten und r\u00fcckl\u00e4ufige Mitgliederzahlen gekennzeichnet. Ein wegen dieser bedenklichen Entwicklung angestrebter Zusammenschlu\u00df mit anderen kroatischen Emigrantenorganisationen, in den auch der extrem nationalistische Bund der Vereinigten Kroaten in Deutschland (UHNj) einbezogen werden sollte, scheiterte bisher an \"unverzichtbaren\" Forderungen einzelner Gespr\u00e4chspartner und an Differenzen \u00fcber die Besetzung der F\u00fchrungspositionen. 8.2 Kroatische Staatsbildende Bewegung (HDP) Die im Juni 1981 von Exponenten des \"Kroatischen Fr\u00fchlings\" gegr\u00fcndete HDP versteht sich als eine mit dem HNV konkurrierende Dachorganisation linksorientierter kroatischer Emigranten. Sie will den \"Vielv\u00f6lkerstaat\" Jugoslawien mit allen Mitteln zerschlagen und einen eigenst\u00e4ndigen Staat \"Vereinigtes Kroatien\" errichten. Publikationsorgan der HDP ist die Zeitschrift \"Hrvatski Tjednik\" (Kroatisches Wochenblatt). Die HDP versuchte auch in Bayern, ihren Einflu\u00df auf die kroatische Emigration zu erweitern, indem sie vor allem in Asylantenunterk\u00fcnften um Mitglieder warb. 9. Kurdische Gruppen Die im Bundesgebiet aktiven Organisationen kurdischer Linksextremisten erstreben die Errichtung eines autonomen Kurdenstaates, der die von Kurden bewohnten Gebiete im Irak, im Iran, in Syrien und in der T\u00fcrkei umfassen soll. In Bayern bet\u00e4tigen sich durchwegs orthodox-kommunistische kurdische Gruppen, die in Teilbereichen eine zunehmende Bereitschaft zur Gewaltanwendung erkennen lie\u00dfen. 9.1 Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Die orthodox-kommunistische PKK mit Sitz in K\u00f6ln, die den bewaffneten Kampf in der T\u00fcrkei bef\u00fcrwortet, hat sich in den letzten zwei Jahren zu einer besonders militanten Organisation entwickelt. So geht sie gegen \"Verr\u00e4ter\" und Dissidenten in den eigenen Reihen mit \"Bestrafungsaktionen\" vor, die von Erpressung \u00fcber K\u00f6rperverletzung bis hin zum Mord reichen. Als Organe der 175","PKK erscheinen die Schriften \"Kurdistan Report\", Serxwebun\" (Unabh\u00e4ngigkeit) und \"Berxwedan\" (Widerstand). Ortsgruppen der PKK f\u00fchrten in Bayern mehrere Veranstaltungen durch, in deren Verlauf die Redner zum bewaffneten Widerstand in der Heimat aufriefen. Bei einer Feier anl\u00e4\u00dflich des kurdischen Neujahrstages am 24. M\u00e4rz in N\u00fcrnberg, zu der sich rund 350 Besucher einfanden, \u00fcbermittelten Delegierte t\u00fcrkischer und anderer kurdischer linksextremer Gruppierungen Gru\u00dfbotschaften. Im Veranstaltungslokal angebrachte Plakate mit Aufschriften wie \"Es lebe die HRK\" verwiesen auf die im August 1984 gegr\u00fcndeten Befreiungseinheiten Kurdistans (HRK), die als Frontorganisation der PKK den bewaffneten Kampf gegen den \"Imperialismus\" und den \"faschistischen t\u00fcrkischen Kolonialismus\" propagieren. Am 16. November f\u00fchrte die PKK in K\u00f6ln zum 8. Jahrestag ihrer Gr\u00fcndung eine Gro\u00dfkundgebung durch, an der \u00fcber 6.000 Personen aus dem Inund Ausland, darunter auch etwa 100 Mitglieder und Sympathisanten aus Bayern teilnahmen. Die im M\u00e4rz 1984 von Mitgliedsvereinen der PKK gegr\u00fcndete F\u00f6deration der patriotischen Arbeiter -- Kulturvereine Kurdistans in der Bundesrepublik Deutschland (FEYKA-Kurdistan) mit Sitz in K\u00f6ln vertritt die Interessen der PKK. Sie wandte sich anl\u00e4\u00dflich des kurdischen Neujahrsfestes mit einem Aufruf an die \"demokratische \u00d6ffentlichkeit\" im Bundesgebiet. Darin forderte sie von \"Revolution\u00e4ren und Patrioten\" die Unterst\u00fctzung des bewaffneten Widerstandes unter der F\u00fchrung der PKK und erkl\u00e4rte, \"Aufgabe jedes Patrioten\" sei es, \"auf dem Wege des Volkskrieges den faschistischen t\u00fcrkischen Kolonialismus dem Erdboden gleichzumachen\". Die PKK sei entschlossen, den \"bewaffneten Kampf gegen den Imperialismus\" aufzunehmen. Zu einer Veranstaltung der FEYKA-Kurdistan im August 1985 in Duisburg fanden sich rund 1.800 Besucher ein, darunter auch Teilnehmer aus Bayern. Im M\u00e4rz 1985 wurde in Bayern und im \u00fcbrigen Bundesgebiet mit Plakataktionen auf die Gr\u00fcndung der Nationalen Befreiungsfront Kurdistans (ERNK) hingewiesen. Das auf Initiative von F\u00fchrungsfunktion\u00e4ren der PKK entstandene Aktionsb\u00fcndnis soll die kurdischen Widerstandsorganisationen in einer gemeinsamen Front vereinigen. Die ERNK propagiert eine \"revolution\u00e4re Politik der nationalen Befreiung\" und will durch Organisation und Entwicklung von Miliz, Guerilla und Volksarmee die Voraussetzungen f\u00fcr einen langfristigen Volkskampf schaffen, dessen Ziel die \"Zerst\u00f6rung der Herrschaft des t\u00fcrkischen Kolonialismus auf \u00f6konomischer, sozialer, politischer, milit\u00e4rischer, nationaler und kultureller Ebene in Kurdistan sowie die Errichtung der nationalen Unabh\u00e4ngigkeit\" sei. 9.2 F\u00f6deration der Arbeitervereine aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (KOMKAR) Der orthodox-kommunistischen KOMKAR mit Sitz in K\u00f6ln geh\u00f6ren in Bayern Mitgliedsvereine in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg an. In einem im M\u00e4rz 1985 verbreiteten Aufruf an die \"Bundesund Landesregierungen\" erhob die KOMKAR den Vorwurf, die Angeh\u00f6rigen der \"kurdischen Minderheit\" w\u00fcrden in der Bundesrepublik Deutschland unterdr\u00fcckt und er176","hielten nicht die ihnen zustehenden Rechte. Sie litten nicht nur unter der \"allgemeinen inhumanen Ausl\u00e4nderpolitik\", sondern auch noch unter \"speziellen nationalen Diskriminierungen\". Am 23. M\u00e4rz feierte die KOMKAR unter Beteiligung von rund 1.500 Personen in M\u00fcnchen das kurdische Neujahrsfest. Im Veranstaltungslokal waren Spruchb\u00e4nder mit Parolen wie \"Weg mit dem Kampf gegen das kurdische Volk\" und \"Hoch die internationale Solidarit\u00e4t\" angebracht. Lichtbildervortr\u00e4ge schilderten die Lage der Kurden in der Bundesrepublik Deutschland und in der T\u00fcrkei. Im Rahmen des Unterhaltungsprogramms trugen Volkss\u00e4nger revolution\u00e4re Lieder vor. Die Kurdistan Arbeitervereinigung in N\u00fcrnberg e.V., ein Mitgliedsverein der KOMKAR, protestierte am 23. Februar mit einem Aufzug gegen eine am selben Tag durchgef\u00fchrte Folkloreveranstaltung der T\u00fcrkischen Gemeinschaft in N\u00fcrnberg. Die rund 150 Demonstranten riefen in Sprechch\u00f6ren \"Hoch die internationale Solidarit\u00e4t\" und zeigten Plakate mit Aufschriften wie \"Verbot der faschistischen T\u00fcrk-F\u00f6deration\" und \"Nieder mit dem westdeutschen Imperialismus\". Im Rahmen einer von linksextremen kurdischen und t\u00fcrkischen Organisationen gestalteten bundesweiten Aktionswoche zum 5. Jahrestag des Machtwechsels in der T\u00fcrkei f\u00fchrte der Verein Mitte September 1985 mehrere Informationsund Kulturveranstaltungen sowie zwei Aufz\u00fcge durch, an denen sich jeweils rund 60 Personen beteiligten. 9.3 Vereinigung der Studenten Kurdistans im Ausland (AKSA) Die Ortsgruppen M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg der orthodox-kommunistischen AKSA organisierten am 20. September in M\u00fcnchen eine Protestkundgebung gegen den irakisch-iranischen Krieg. Im November 1985 verbreitete die AKSA in M\u00fcnchen Flugbl\u00e4tter, in denen die demokratische \u00d6ffentlichkeit aufgefordert wurde, das irakische Regime sch\u00e4rfstens zu verurteilen und Druck auf die Bundesregierung auszu\u00fcben, um eine Einstellung der Milit\u00e4rund Finanzhilfe f\u00fcr den Irak, den Iran und die T\u00fcrkei zu erreichen. 10. Pakistanische Gruppen Die Ende 1967 gegr\u00fcndete Sozialrevolution\u00e4re Pakistanische Volkspartei (PPP) erstrebt die Abschaffung der Milit\u00e4rdiktatur und die Bildung einer islamisch-sozialistischen Volksmacht in Pakistan. Unterschiedliche Auffassungen, ob die politischen Ziele der PPP mit gewaltsamen oder gewaltfreien Mitteln verwirklicht werden sollen, haben inzwischen zur Entstehung mehrerer rivalisierender Gruppen gef\u00fchrt. Seit 14. August 1984 ist die im Bundesgebiet bestehende nationale Unterorganisation der PPP unter der Bezeichnung Pakistan Peoples Party der Bundesrepublik Deutschland, Zentralverband e.V. (PPP, BRD) im Vereinsregister des Amtsgerichts K\u00f6ln eingetragen. In Bayern sind in Augsburg, Gem\u00fcnden a. Main, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg \u00f6rtliche Untergliederungen vereinsrechtlich angemeldet. In ihrem Organ \"The Struggle\" (Der Kampf) informiert die PPP \u00fcber politische Ereignisse und Aktivit\u00e4ten der Partei in Europa. 177","Mitglieder der PPP beteiligten sich am 25. Februar an einer Demonstration pakistanischer Asylbewerber in Gem\u00fcnden a. Main, Landkreis Main-Spessart. Sie protestierten auf mitgef\u00fchrten Transparenten gegen die Wahlen zur Nationalversammlung in Pakistan und wandten sich in Flugbl\u00e4ttern gegen die \"siebeneinhalb Jahre Milit\u00e4rdiktatur in Pakistan\". Anl\u00e4\u00dflich des 8. Jahrestages des Milit\u00e4rputsches in Pakistan (5. Juli 1977) f\u00fchrte die PPP am 7. Juli in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg Kundgebungen durch, an denen insgesamt rund 110 Personen teilnahmen. 11. Spanische Gruppen Die Kommunistische Partei Spaniens (PCE), die in Spanien von 1939 bis 1977 verboten war, wird in der Bundesrepublik Deutschland durch ein \"Comite Federal\" (Bundeskomitee) geleitet. Sie ist im Bundesgebiet in die Zonen Nord, Rhein-Ruhr, Hessen, Baden-W\u00fcrttemberg und Bayern gegliedert, denen \u00fcber 50 \u00f6rtliche Zweiggruppen angeh\u00f6ren. In Bayern bestehen Ortsgruppen in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg, deren Mitgliederzahlen weiter zur\u00fcckgingen. Publikationen der PCE sind die Zeitschrift \"Mundo Obrero\" (Welt der Arbeit) und das parteitheoretische Organ \"Nuestra Bandera\" (Unsere Fahne). Verbindungen bestehen zur Kommunistischen Partei Italiens (PCI), zur Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE-Inland) und zur Deutschen Kommunistischen Partei (DKP). Die geringen Aktivit\u00e4ten der PCE richteten sich \u00fcberwiegend gegen die Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung. 12. T\u00fcrkische Gruppen Die propagandistischen Angriffe t\u00fcrkischer Linksextremisten aller ideologischen Richtungen zielten weiterhin auf die Lage in der Heimat. So fand am 7. September in K\u00f6ln anl\u00e4\u00dflich des 5. Jahrestages der Macht\u00fcbernahme durch die t\u00fcrkischen Streitkr\u00e4fte (12. September 1980) ein Aufzug statt, an dem sich rund 5.000 Anh\u00e4nger linksextremer t\u00fcrkischer und kurdischer Gruppierungen, darunter auch etwa 200 Demonstranten aus Bayern, beteiligten. Bei der Schlu\u00dfkundgebung wurden der t\u00fcrkischen Regierung Verst\u00f6\u00dfe gegen die Menschenrechte vorgeworfen. Daneben setzten t\u00fcrkische Linksextremisten ihre \"Antifaschismus\"-Kampagne fort, mit der sie eine Diffamierung und ein Verbot von Gruppierungen politischer Gegner bezwecken. Auch Aspekte der deutschen Politik wie die Ausl\u00e4ndergesetzgebung und die au\u00dfenpolitischen Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland wurden in die Agitation einbezogen, wobei sich Gruppen der t\u00fcrkischen Neuen Linken mit versch\u00e4rfter Polemik gegen den \"westdeutschen Imperialismus\" wandten. Dem linksextremen Spektrum stehen auf der entgegengesetzten Seite t\u00fcrkische Gruppen gegen\u00fcber, deren Ideologie teils durch einen extremen Nationalismus, teils durch einen religi\u00f6s begr\u00fcndeten politischen Fanatismus bestimmt ist. Die \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten dieser Vereinigungen beschr\u00e4nkten sich in Bayern im allgemeinen auf Kundgebungen und politisch gepr\u00e4gte \"Folkloreveranstaltungen\". Eine t\u00e4tliche Auseinandersetzung in M\u00fcnchen verweist auf die anhaltende Bereitschaft t\u00fcrkischer Extremisten, politische Gegens\u00e4tze auch unter Anwendung von Gewalt auszutragen. 178","MENSCHENRECHTE DEMOKRATIE-FRIEDEN 5. Jahrestag des faschistischen Putsches: T\u00dcRKEI UND T. KURDISTAN Bundesweite AKTIONSWOCHE 9. - 1 4 . September 1985 Unsere Forderungen: * Abschaffung von Folter und Hinrichtungen! * Freiheit f\u00fcr die politischen Gefangenen - Generalamnestie! * Schlu\u00df mit dem Krieg und der nationalen Unterdr\u00fcckung des kurdischen Volkes! * Keine Milit\u00e4rund Wirtschaftshilfe an die T\u00fcrkei! * Solidarit\u00e4t mit den Demokraten in der T\u00fcrkei und T\u00fcrkisch-Kurdistan! BIRLIK YOLU DIBAF FIDEF GERCEK ADK KOMKAR KKDK 179","12.1 Orthodoxe Kommunisten Die Kommunistische Partei der T\u00fcrkei (TKP), die in der T\u00fcrkei seit dem Jahre 1923 verboten ist, steuert ihre konspirative Arbeit im Bundesgebiet von ihrem Exilsitz in Berlin (Ost) aus. Bestrebungen der TKP, die Aufsplitterung der t\u00fcrkischen kommunistischen Vereinigungen im Bundesgebiet zu \u00fcberwinden und dabei ihren eigenen Einflu\u00df zu st\u00e4rken, f\u00fchrten Ende Februar 1977 in D\u00fcsseldorf zum Zusammenschlu\u00df der national-kommunistischen F\u00f6deration Demokratischer Arbeitervereine der T\u00fcrkei in Europa (TDF) und der orthodoxkommunistischen F\u00f6deration t\u00fcrkischer Sozialisten in Europa (ATTF) unter der Bezeichnung F\u00f6deration der Arbeitervereine der T\u00fcrkei in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (FIDEF). Diesem Dachverband geh\u00f6ren im Bundesgebiet etwa 70 Mitgliedsorganisationen mit insgesamt rund 6.000 Mitgliedern an, darunter auch einige t\u00fcrkische Arbeitervereinigungen in Bayern. Die orthodoxkommunistisch beeinflu\u00dfte FIDEF unterh\u00e4lt Verbindungen zur Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) und deren Nebenorganisationen sowie zum Sozialistischen Hochschulbund (SHB). Als Organ der FIDEF erscheint die Monatszeitschrift \"T\u00fcrkei-Informationen\" in deutscher Sprache. Am 20./21. April fand in Essen der 9. Bundeskongre\u00df der FIDEF statt. Daran beteiligten sich etwa 200 Delegierte und rund 300 G\u00e4ste, darunter auch Vertreter der DKP und der DKP-beeinflu\u00dften Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (WN-BdA). Die Delegierten beschlossen, die k\u00fcnftige Arbeit auf die Forderung \"Keine Raketen, sondern Arbeitspl\u00e4tze\" und auf Bem\u00fchungen um Solidarit\u00e4t mit allen t\u00fcrkischen \"demokratischen\" Kr\u00e4ften zu konzentrieren. Der T\u00fcrkische Arbeiterverein in M\u00fcnchen (M.I.DER), ein Mitgliedsverband der FIDEF, veranstaltete am 17. Januar in M\u00fcnchen zusammen mit der VVN-BdA einen Informationsabend \u00fcber geplante \u00c4nderungen des Ausl\u00e4nderrechts. Unter der Bezeichnung \"Freunde aus der T\u00fcrkei\" beteiligten sich Mitglieder des M.I.DER sowie Vertreter weiterer orthodox-kommunistischer t\u00fcrkischer und kurdischer Organisationen am Pfingstcamp der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ), das vom 24. bis 27. Mai am Zellsee, Landkreis WeilheimSchongau, stattfand. 12.2 Neue Linke einschlie\u00dflich sozialrevolution\u00e4rer Gruppen Die in Bayern aktiven Vereinigungen der t\u00fcrkischen Neuen Linken orientieren sich vorwiegend am Gedankengut der T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei/ Marxisten-Leninisten (TKP/ML) und der T\u00fcrkischen Volksbefreiungspartei/ -front (THKP/-C). Trotz ideologischer Differenzen besteht in den Zielen dahingehend \u00dcbereinstimmung, da\u00df beide einen Umsturz in der T\u00fcrkei mit revolution\u00e4ren Mitteln anstreben. Die Anh\u00e4nger der Revolution\u00e4ren Kommunistischen Partei der T\u00fcrkei (TDKP) traten 1985 in Bayern nicht \u00f6ffentlich in Erscheinung. 12.2.1 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten (TKP/ML) Die proalbanische TKP/ML wurde im Jahre 1972 illegal in der T\u00fcrkei gegr\u00fcndet. Im Jahre 1974 fand die Gr\u00fcndungsversammlung f\u00fcr den Bereich der Bundesrepublik Deutschland statt. Ziel der TKP/ML ist die Beseitigung des politischen 180","Publikationen extremistischer t\u00fcrkischer Organisationen Systems in der T\u00fcrkei zugunsten einer kommunistischen Gesellschaftsordnung im Sinne des Marxismus-Leninismus. Ihre \"Frontorganisation\" ist die T\u00fcrkische Arbeiterund Bauernbefreiungsarmee (TIKKO). Die konspirativ arbeitende TKP/ML unterh\u00e4lt in Bayern einige St\u00fctzpunkte, so z.B. in Augsburg, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg/Furth. Ideologisches Sprachrohr der Partei ist das Blatt \"Isci K\u00f6yl\u00fc Kurtulusu\" (Arbeiter-Bauem-Befreiung). Die TKP/ML trat vorwiegend mit Schmieraktionen sowie durch Verbreitung von Schriften in Erscheinung. So polemisierte sie im Mai 1985 in einer auch in Bayern verteilten Flugschrift gegen den \"Weltwirtschaftsgipfel\" in Bonn. Darin bezeichnete sie die Teilnehmer des Treffens als \"imperalistische Gangster\", \"Pei181","niger der Arbeiterklasse\" und \"Barbaren\", die daran gehindert werden m\u00fc\u00dften, durch ihre \"Kriegsvorbereitungen\" einen \"in diesem Ausma\u00df in der Geschichte noch nie dagewesenen Massenmord durchzuf\u00fchren\". Das \"imperialistische System\" m\u00fcsse \"auf dem Friedhof der Geschichte\" begraben werden. Es sei \"zwingend notwendig\", da\u00df das Proletariat die \"M\u00f6glichkeiten der Revolution\" zu nutzen verstehe. Die proalbanische F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (ATIF) ist ein von der TKP/ML erheblich beeinflu\u00dfter Dachverband. Meinungsverschiedenheiten \u00fcber den richtigen Zeitpunkt f\u00fcr einen gewaltsamen Umsturz in der T\u00fcrkei f\u00fchrten im Sommer 1981 zur Spaltung der ATIF in die Gruppen \"Partizan\" und \"Bolsevik Partizan\". \u00d6rtliche Untergliederungen beider Gruppen bestehen auch in Bayern. Die Gruppe Partizan der ATIF ver\u00f6ffentlichte in der Januar-Ausgabe ihres Organs \"M\u00fccadele\" (Kampf) eine Stellungnahme zum damaligen Hungerstreik inhaftierter terroristischer Gewaltt\u00e4ter. Unter dem Titel \"In den Kerkern des blutsaugerischen westdeutschen Imperialismus wird auf moderne Weise gefoltert\" bezeichnete sie deutsche Justizvollzugsanstalten als \"psychologische Folterzentren\", in denen \"Massaker als Selbstmord getarnt\" w\u00fcrden; sie seien nichts anderes als auf \"Staatsund Regierungsebene organisierter internationaler Terrorismus\". Am 8. Bundeskongre\u00df der Gruppe Partizan der ATIF, der vom 5. bis 7. April in Wiesbaden stattfand, beteiligten sich rund 500 Mitglieder und Sympathisanten, darunter eine gr\u00f6\u00dfere Gruppe von Aktivisten aus Bayern. Funktion\u00e4re kritisierten die finanzielle Lage der Organisation. Sie forderten die Einbeziehung der Frauen in die politische Arbeit und eine verst\u00e4rkte Zusammenarbeit mit ideologisch gleichgesinnten Gruppen. Die Gruppe Bolsevik Partizan der ATIF solidarisierte sich in einem Flugblatt mit den \"hungerstreikenden revolution\u00e4ren RAF-Gefangenen\". Sie bezeichnete den \"westdeutschen Imperialismus\" als \"Blutsauger der Proletarier\", der durch die \"bewaffnete sozialistische Revolution\" unter F\u00fchrung einer \"wahrhaft marxistisch-leninistischen Partei\" zerschlagen werden m\u00fcsse. Anh\u00e4nger der Gruppe Bolsevik Partizan der ATIF organisierten am 27. April in N\u00fcrnberg-Langwasser eine Folkloreveranstaltung mit rund 400 Teilnehmern. 12.2.2 T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei/-front (THKP/-C) Die Ziele der in der T\u00fcrkei verbotenen THKP/-C werden im Bundesgebiet von mehreren Gruppen vertreten, die vielfach auch konspirativ arbeiten. Im Fr\u00fchjahr 1985 wurden im Landkreis Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim Aufkleber des THKP/-C-Organs \"Proleter Dayanisma\" (Proletarische Solidarit\u00e4t) verbreitet. Zahlenm\u00e4\u00dfig st\u00e4rkste der vom Gedankengut der THKP/-C gepr\u00e4gten Vereinigungen im Bundesgebiet ist die Sozialrevolution\u00e4re Gruppierung Devrimci Yol (Revolution\u00e4rer Weg), auch Devrimci Isci (Revolution\u00e4re Arbeiter) genannt. Am 2./3. M\u00e4rz trafen sich in Bergisch Gladbach rund 200 Anh\u00e4nger von Devrimci Yol, darunter auch etwa 20 Teilnehmer aus Bayern. Im Vordergrund der Diskussionen standen die Meinungsverschiedenheiten \u00fcber den zuk\u00fcnftigen Kurs der in zwei Lager gespaltenen Gruppierung. W\u00e4hrend der gem\u00e4\u00dfigte 182","FAClZMI PROTESTO VE HALKLARIMIZLA DAYANISSMA MITINGINE KATILALIM Demonstration zur Solidarit\u00e4t mit den t\u00fcrkischen und kurdischen V\u00f6lkern' und zum Protest gegen den Faschismus SOZ HALKA YETKI HALKA KARAR HALKA IKTIDAR HALKA Am/Tarih: 07. 09. 1985 Samstag/Cumurtesi 11.00 Uhr Ort/Yer: K\u00f6ln -- Ebertplatz DEVRJMCJ 183","Fl\u00fcgel den \u00dcbergang zum Sozialismus in der T\u00fcrkei mit friedlichen Mitteln und durch Reformen anstrebt, fordert die militante Oppositionsgruppe eine \"Volksrevolution mittels bewaffneten Kampfes\". Die Sozialrevolution\u00e4re Gruppierung Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke), die aus einer Aufsplitterung von Devrimci Yol hervorging, wurde am 9. Februar 1983 vom Bundesminister des Innern verboten. Ihre Anh\u00e4nger treten seitdem auch unter der Tarnbezeichnung \"Avrupa 'da Dev Gene\" (Revolution\u00e4re Jugend in Europa) auf. Am 11. Januar kam es w\u00e4hrend einer von Aktivisten der deutschen Neuen Linken unterst\u00fctzten Flugblattaktion t\u00fcrkischer Linksextremisten in M\u00fcnchen zu einer gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzung mit Anh\u00e4ngern des extrem nationalistischen Vereins t\u00fcrkischer Idealisten e.V. (M\u00dcO). Dabei wurde ein Angeh\u00f6riger des M\u00dcO von einem ehemaligen Mitglied der Devrimci Sol durch f\u00fcnf Messerstiche verletzt. Am 6. Februar nahm die Polizei drei ehemalige Anh\u00e4nger der Devrimci Sol nach einem bewaffneten Raub\u00fcberfall auf eine Tankstelle in M\u00fcnchen fest. Bei einem T\u00e4ter fand sie ein Flugblatt, das Forderungen wie \"Zusammenlegung der Gefangenen aus RAF und Widerstand\" enthielt. 12.3 Aktionsb\u00fcndnisse t\u00fcrkischer und kurdischer Linksextremisten Das Antifaschistische Komitee N\u00fcrnberg und Umgebung, ein Zusammenschlu\u00df von Anh\u00e4ngern t\u00fcrkischer und kurdischer Organisationen der Orthodoxen und Neuen Linken, organisierte am 5. Januar in der F\u00fcrther Stadthalle ein \"Kurdisch-T\u00fcrkisches Folklorekonzert\". Unter den rund 900 Zuh\u00f6rern befanden sich auch Mitglieder der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP). Ein Redner verurteilte die unter der ehemaligen t\u00fcrkischen Milit\u00e4rregierung verh\u00e4ngten Todesurteile und das Verbot aller \"demokratischen\" Organisationen durch die \"faschistische Junta\". Nach einer im Januar 1985 im Bundesgebiet verbreiteten Erkl\u00e4rung in t\u00fcrkischer Sprache schlossen sich im Dezember 1984 folgende sechs orthodoxkommunistische Parteien zu einer Aktionseinheit zusammen, die sich Sol Birlik (Linke Einheit) nennt: -- Avantgardistische Arbeiterpartei Kurdistans (PPKK) -- T\u00fcrkische Arbeiterpartei (TIP) -- Kommunistische Partei der Werkt\u00e4tigen der T\u00fcrkei (TKEP) -- Kommunistische Partei der T\u00fcrkei (TKP) -- Sozialistische Partei T\u00fcrkisch-Kurdistans (TKSP) -- Sozialistische Arbeiterpartei der T\u00fcrkei (TSIP). Auf das neue Aktionsb\u00fcndnis, das der t\u00fcrkischen \"faschistischen F\u00fchrung ein Ende setzen\" und der \"aggressiven Politik des Imperialismus Einhalt gebieten\" will, wurde im Juni 1985 bei einem Folklorefest der TSIP in M\u00fcnchen auf Spruchb\u00e4ndern hingewiesen. 12.4 Extreme Nationalisten Die 1978 gegr\u00fcndete F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa (AD\u00dcTDF) mit Sitz in Frankfurt a.M. vertritt das Gedankengut 184","der in der T\u00fcrkei verbotenen und aufgel\u00f6sten, extrem nationalistischen Partei der Nationalen Bewegung (MHP), ist aber bestrebt, sich der \u00d6ffentlichkeit als gem\u00e4\u00dfigte Organisation zu pr\u00e4sentieren. Als Organ der AD\u00dcTDF erscheint die Monatszeitschrift \"Anayurt\" (Heimat). Dem Dachverband sind im Bundesgebiet \u00fcber 80 t\u00fcrkische Organisationen angeschlossen, darunter auch rund zehn Ausl\u00e4ndervereine in Bayern. Am 16. Februar f\u00fchrte die AD\u00dcTDF unter Beteiligung von rund 400 Personen in M\u00fcnchen einen Schweigemarsch mit anschlie\u00dfender Kundgebung unter dem Motto \"Gegen die Unterdr\u00fcckung von T\u00fcrken in Bulgarien\" durch. Aus demselben Anla\u00df organisierte sie am 13. April eine Gro\u00dfkundgebung in K\u00f6ln, zu der aus Bayern etwa 500 Demonstranten anreisten, sowie am 4. Mai einen Aufzug von Ulm nach Neu-Ulm mit rund 1.000 Teilnehmern. Bei den Kundgebungen kritisierten die Redner die Assimilisationspolitik der bulgarischen Regierung gegen\u00fcber der t\u00fcrkischen Minderheit. Auf einem Jugendkongre\u00df am 10. M\u00e4rz in M\u00fcnchen erkl\u00e4rte ein Referent, in der AD\u00dcTDF seien zur Zeit rund 10.000 Jugendliche organisiert. Es gelte nun, das auf das F\u00fcnffache gesch\u00e4tzte Potential von Sympathisanten zu umwerben. Zum 7. Jahreskongre\u00df der AD\u00dcTDF am 18. Mai in Castrop-Rauxel erschienen aus ganz Europa rund 4.000 Teilnehmer, darunter auch eine gr\u00f6\u00dfere Delegation aus Bayern. Des weiteren veranstaltete die AD\u00dcTDF am 15. Dezember in Ingolstadt ein Kulturund Folklorefest, zu dem sich rund 300 Besucher aus dem gesamten s\u00fcddeutschen Raum einfanden. Der Verein t\u00fcrkischer Idealisten e.V. (M\u00dcO), eine Mitgliedsorganisation der AD\u00dcTDF, f\u00fchrte am 13. Januar in M\u00fcnchen eine \"Folkloreveranstaltung\" durch. Der 2. Vorsitzende der AD\u00dcTDF, der sich in seinem Kurzreferat gegen die \"Milit\u00e4rjunta\" in der T\u00fcrkei und den Kommunismus wandte, forderte die rund 700 Zuh\u00f6rer auf, Ruhe und Besonnenheit gegen\u00fcber linksextremen politischen Gegnern zu bewahren. Gegen die Veranstaltung protestierten rund 300 Personen, \u00fcberwiegend t\u00fcrkische und kurdische Linksextremisten, mit einem Aufzug unter dem Motto \"Gegen faschistische t\u00fcrkische Organisationen\". Der AD\u00dcTDF geh\u00f6ren in Bayern auch die T\u00fcrkische Gemeinschaft in N\u00fcrnberg e.V. sowie der Unterfranken T\u00fcrk Islam Kultur-Verein, W\u00fcrzburg, an, die am 23. Februar in N\u00fcrnberg und am 27. April in Karlstadt-Laudenbach, Landkreis Main-Spessart, \"Folkloreveranstaltungen\" mit rund 600 bzw. 300 Teilnehmern durchf\u00fchrten. 12.5 Islamische Extremisten Das Islamische Zentrum K\u00f6ln e.V. (IZ) vertritt das streng theokratische Gedankengut der in der T\u00fcrkei verbotenen und aufgel\u00f6sten islamisch-extremistischen Nationalen Heilspartei (MSP). Die mit dem IZ organisatorisch und ideologisch eng verbundene Islamische Union Europa e.V. scheint aufgrund von internen Differenzen und Abspaltungen erheblich an Bedeutung verloren zu haben. Ziel beider Organisationen ist die Schaffung eines theokratischen Staatswesens in der T\u00fcrkei. Der von einem ehemaligen Funktion\u00e4r der Islamischen Union Europa e.V. Ende 1984 gegr\u00fcndete Verband der Islamischen Vereine und Gemeinden e.V. 185","K\u00f6ln will die T\u00fcrkei nach dem Vorbild des Iran durch eine Revolution islamisieren. In seinem Organ \"Teblig\" (Die Verk\u00fcndigung) erkl\u00e4rte er, die \"Rettung vom Unglaubenregime\" k\u00f6nne \"nur durch den Umsturz\" erreicht werden, denn der Muslim sei ein \"Revolution\u00e4r\", dem die F\u00e4higkeit gegeben sei, die \"auf dem Unglauben beruhenden Ordnungen mit der Wurzel auszurotten\". Weitere Angriffe galten den Europ\u00e4ern, die \"ihren Terror, ihre Kolonisation und ihre Massaker auf verschlagene, l\u00fcgnerische Weise\" in moderner Form fortsetzten und nur darauf lauerten, \"die Bev\u00f6lkerung muslimischer L\u00e4nder zu \u00fcberfallen\". Die Vereinigung der neuen Weltsicht in Europa e.V. (AMGT) mit Sitz in K\u00f6ln wurde im Sommer 1985 auf Initiative des IZ gegr\u00fcndet. Sie versteht sich als Dachverband aller europ\u00e4ischen t\u00fcrkischen Gruppen, die sich an den Zielen der MSP orientieren, und will nach ihrer Satzung die Menschen in Europa mit den \"g\u00f6ttlichen Werten des Islam\" vertraut machen. Daher sollen in ganz Europa Begegnungsst\u00e4tten und Erziehungsanstalten errichtet werden. Besonderer Wert wird auf die Erziehung der Jugend gelegt. In einer Flugschrift wies der Vorstand der AMGT auf das \"Erstarken der Muslime\" hin, das eine Verleumdungskampagne insbesondere durch die \"hirnlose, verkn\u00f6cherte und verrottete Linke\" ausgel\u00f6st habe, um die \"nationalen und ideellen Werte\" der AMGT anzugreifen. Es gelte nun, denjenigen, die den \"kalten Krieg\" erkl\u00e4rt h\u00e4tten, \"wie eine Faust\" entgegenzutreten. Der F\u00f6deration Islamischer Vereine und Gemeinden im Land Bayern e.V. geh\u00f6ren \u00fcber 20 islamisch-extremistische Vereinigungen an, die das Gedankengut der MSP vertreten und teilweise zum Verband der Islamischen Vereine und Gemeinden e.V. K\u00f6ln tendieren. Die anhaltende Fluktuation in diesem Bereich erschwert im einzelnen eine exakte Zuordnung. 186","8. Abschnitt Spionageabwehr 1. Allgemeines Die Bundesrepublik Deutschland und ihre L\u00e4nder waren 1985 wiederum ein besonderes Ziel der Aktivit\u00e4ten \u00f6stlicher Nachrichtendienste. Das Ausma\u00df der Spionaget\u00e4tigkeit der Nachrichtendienste kommunistischer Staaten, insbesondere der DDR, gegen die Bundesrepublik Deutschland machten die im Berichtsjahr bekanntgewordenen Spionagef\u00e4lle deutlich. Nirgendwo sonst konzentrieren so viele \u00f6stliche Geheimdienste ihre Aktivit\u00e4ten wie an der Nahtstelle zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt. Die weitaus st\u00e4rkste Spionagebedrohung ging auch 1985 wieder von der DDR aus. Deren Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit (MfS) in Berlin (Ost) stand als Auftraggeber hinter drei von f\u00fcnf Spionageauftr\u00e4gen. Der Anteil der erkannten Auftr\u00e4ge der Nachrichtendienste der CSSR gegen Ziele in Bayern blieb im Vergleich zum Vorjahr fast unver\u00e4ndert. Die CSSR steht damit nach wie vor an zweiter Stelle, gefolgt von Rum\u00e4nien, der Sowjetunion und Polen. Im Vordergrund \u00f6stlicher Aussp\u00e4hungsbem\u00fchungen stand 1985 die milit\u00e4rische Spionage. Ihr Anteil erreichte fast die H\u00e4lfte aller bekanntgewordenen Spionageaktivit\u00e4ten der Nachrichtendienste des kommunistischen Machtbereichs. Im \u00fcbrigen hielten sich die politische Spionage und die Wirtschaftsspionage in etwa die Waage. Im Vergleich zum Vorjahr war eine Zunahme der Auftr\u00e4ge in Richtung Milit\u00e4r und Wirtschaft sowie eine Abnahme bei der politischen Spionage zu verzeichnen. Durch das Bayerische Oberste Landesgericht wurden 1985 wegen geheimdienstlicher Agentent\u00e4tigkeit drei Personen (1984: zwei) -- rechtskr\u00e4ftig -- zu Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und sechs Jahren verurteilt. Auftraggeber war in allen F\u00e4llen das MfS der DDR. 2. Zielrichtung/Zielobjekte Die Zielrichtung gegnerischer Nachrichtendienste beschr\u00e4nkte sich nicht nur auf einen oder mehrere bestimmte Bereiche. Von Interesse waren vielmehr Informationen jeder Art, unabh\u00e4ngig davon, ob sie vertraulich waren oder, wie zum gro\u00dfen Teil praktiziert, aus offenen Quellen (Presse, Rundfunk, Fernsehen, Fachzeitschriften, Prospekte) gewonnen wurden. 187","2.1 Milit\u00e4rspionage Schwerpunktm\u00e4\u00dfig richteten die \u00f6stlichen Nachrichtendienste 1985 ihr Augenmerk in der milit\u00e4rischen Spionage auf R\u00fcstungsbetriebe in der Bundesrepublik Deutschland und insbesondere in Bayern. Gefragt waren insbesondere Informationen \u00fcber R\u00fcstungstechnologien. Weitere Auftr\u00e4ge richteten sich im besonderen wieder gegen die Bundeswehr und die anderen Streitkr\u00e4fte der NATO. Au\u00dfer der Erkundung milit\u00e4rischer Anlagen waren Berichte \u00fcber Lage, Ausr\u00fcstung und Bewegungen von Truppen sowie \u00fcber Soldaten und Stationierungsangeh\u00f6rige von Interesse. Folgender Fall wird zur Verdeutlichung der Zielrichtung und Vorgehensweise der gegnerischen Nachrichtendienste dargestellt: Aus Liebe zu einer 17j\u00e4hrigen Sch\u00fclerin aus der DDR ist ein drei Jahre \u00e4lterer Bundeswehrgefreiter zum Spion f\u00fcr das MfS geworden. Seinen ersten Kontakt zum MfS bekam der Soldat einer Bayreuther Einheit im Januar 1985. Bei einer Wochenendfahrt zu seiner Freundin nach Plauen, die er vorschriftswidrig seiner Dienststelle nicht angemeldet hatte, wurde der Soldat in einen Verkehrsunfall verwickelt. Nach Aufnahme des Unfallprotokolls f\u00fchrten ihn zwei Beamte in Zivil in ein Nebenzimmer. Dort unterschrieb er eine Erkl\u00e4rung, die ihn zur Zusammenarbeit mit dem MfS verpflichtete. Insgesamt gab er bei f\u00fcnf Treffen mit Angeh\u00f6rigen des MfS die von ihnen geforderten Informationen weiter. Er berichtete nicht nur \u00fcber den Sch\u00fctzenpanzer \"Marder\" und seine Erfahrungen damit, sondern teilte auch auftragsgem\u00e4\u00df gezielt Informationen \u00fcber pers\u00f6nliche Daten seiner Vorgesetzten und Einzelheiten \u00fcber eine andere in der Kaserne untergebrachte Einheit mit. Schlie\u00dflich verschaffte er sich auch schriftliche Unterlagen, die er allerdings nicht mehr weiterleiten konnte. Der Gefreite wurde im Juli 1985 an der Grenze zur DDR festgenommen. Im Januar 1986 wurde er vom Bayerischen Obersten Landesgericht zu einem Jahr Freiheitsstrafe mit Bew\u00e4hrung verurteilt. 2.2 Politische Spionage Im Mittelpunkt gegnerischer Aussp\u00e4hungsbem\u00fchungen lagen hier Sicherheitsbeh\u00f6rden wie die Polizei, der Bundesgrenzschutz und die Nachrichtendienste. Daneben stand auch die Ausforschung der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden in Notaufnahmelagern im Vordergrund. Auch die Aktivit\u00e4ten zur Beschaffung von Nachrichten \u00fcber \u00dcbersiedler, Aussiedler, Emigranten, Landsmannschaften und Fluchthelfer hielten unvermindert an. Zum besseren Verst\u00e4ndnis wird auf folgendes Beispiel hingewiesen: Im November 1985 wurde gegen einen 62 Jahre alten Angestellten und dessen Sohn, einen 34 Jahre alten Techniker, Haftbefehl wegen Verdachts der geheimdienstlichen Agentent\u00e4tigkeit erlassen. Die Ermittlungen ergaben bisher, da\u00df der Vater seit etwa 1965 f\u00fcr das MfS der DDR als Agent t\u00e4tig war. 1970 warb er seinen damals 19 Jahre alten Sohn f\u00fcr eine Agentent\u00e4tigkeit an und f\u00fchrte ihn in Berlin (Ost) dem Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit zu. Weisungsgem\u00e4\u00df zeichnete der Sohn den Funkverkehr von Sicherheitsbeh\u00f6rden auf und lie\u00df diese Aufzeichnungen in die DDR gelangen. Sein Vater unterst\u00fctzte ihn bei 188","dieser T\u00e4tigkeit. Im Juni 1985 kopierte der Sohn auf Weisung des MfS bei seinem Arbeitgeber ein Computerband mit wertvollen technischen Detailinformationen. Der Vater \u00fcbersandte dann das Band mit einem Postpaket an eine Deckadresse in der DDR. Auch seinen damals 20 Jahre alten j\u00fcngeren Sohn verwickelte der Vater 1980 in seine nachrichtendienstlichen T\u00e4tigkeiten. Die Ermittlungen dauern noch an. 2.3 Wirtschaftsspionage Die Wirtschaftsspionage hatte vorrangig die Aussp\u00e4hung der Elektround Elektronikindustrie zum Ziel. Weitere Auftr\u00e4ge richteten sich vermehrt gegen die Bereiche Maschinenund Fahrzeugbau. Betroffen waren auch der Luftfahrzeugbau, die Chemiebranche, Forschungsst\u00e4tten der Industrie und die Computertechnologie. Hier waren Produktionsund Gesch\u00e4ftsunterlagen, die Beschaffung einzelner Teile oder kompletter technischer Anlagen und Ger\u00e4te gefragt. Ferner waren die \u00f6stlichen Nachrichtendienste bem\u00fcht, pers\u00f6nliche Informationen \u00fcber Angestellte des mittleren Managements -- als potentielle Zielpersonen f\u00fcr Werbungsversuche -- zu gewinnen. Einen besonderen Schwerpunkt der wirtschaftlichen Aussp\u00e4hung bildet der illegale Technologietransfer; denn die Staaten des Warschauer Paktes unternehmen weiterhin gro\u00dfe Anstrengungen, hochwertige Entwicklungen auf technischem Gebiet aus den westlichen Industriel\u00e4ndern zu importieren. Die Beschaffung von Unterlagen oder Ger\u00e4ten von r\u00fcstungstechnischem Wert f\u00fcr die UdSSR ist Schwerpunktaufgabe der sowjetischen Geheimdienste KGB und GRU. Dar\u00fcber hinaus sind in die Beschaffung alle Institutionen einbezogen, die Kontakte zu westlichen Staaten kn\u00fcpfen k\u00f6nnen oder \u00fcber M\u00f6glichkeiten zur Informationsbeschaffung verf\u00fcgen. F\u00fcr die Informationsbeschaffung aus dem Bereich der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung mit unmittelbarer Auswirkung auf die industrielle Produktion ist die Akademie der Wissenschaften der UdSSR verantwortlich. Das sowjetische Au\u00dfenhandelsministerium sorgt mit zwei Abteilungen f\u00fcr die Beschaffung wissenschaftlichen, technologischen und technischen Materials. Zur Unterst\u00fctzung werden die sowjetischen Handelsmissionen, Staatsund gemischte Firmen sowie Einkaufszentralen herangezogen. Die Kontrolle \u00fcber die Einkaufszentralen \u00fcbt das Staatskomitee f\u00fcr au\u00dfenwirtschaftliche Beziehungen (GKES) aus. Um strategisch bedeutsame G\u00fcter nicht in den Ostblock gelangen zu lassen, bestimmt das \"Coordinating Comitee for East-West Trade Policy\" (COCOM) in Paris alle Positionen, die einer Ausfuhrkontrolle unterliegen. Dem COCOMGremium geh\u00f6ren alle NATO-Staaten au\u00dfer Island sowie Japan an. Waffen, Munition, R\u00fcstungsmaterial, Kernenergie-Technik sowie sonstige Waren von strategischer Bedeutung, die zur St\u00e4rkung der Milit\u00e4rmacht des Warschauer Paktes beitragen, sind den Ausfuhrbeschr\u00e4nkungen unterworfen. Eine Befugnis f\u00fcr die Bundesrepublik Deutschland, die Ausfuhr solcher G\u00fcter in fremde Wirtschaftsgebiete zu verbieten, ergibt sich aus dem Au\u00dfenwirtschaftsgesetz vom 28. April 1961 (BGBl I S. 481) mit sp\u00e4teren \u00c4nderungen. Die gegnerischen Nachrichtendienste, insbesondere die der UdSSR, versuchen systematisch, diese Vorschriften zu umgehen. Spitzentechnologie, die den Embargobestimmungen unterliegt, wird deshalb teilweise \u00fcber Zwischen189","Versteck f\u00fcr eine Kamera 190","handler aufgekauft. Dabei werden hohe Gewinnspannen geboten. Mit einer falschen Deklarierung versehen -- statt Computerteilen werden z.B. B\u00fcrom\u00f6bel angegeben -- wird das Frachtgut dann \u00fcber weitere Zwischenh\u00e4ndler und \u00fcber verschiedene L\u00e4nder letztlich in ein europ\u00e4isches Land, das nicht dem COCOM angeh\u00f6rt (z.B. in die Schweiz, \u00d6sterreich oder Schweden) geliefert. Bei den Zwischenh\u00e4ndlern kann es sich auch um Scheinoder Briefkastenfirmen handeln, die nur von einer Person betrieben werden. Der Transport von Embargo-G\u00fctern aus der Bundesrepublik Deutschland geschieht auch durch Deklarierung als diplomatisches Kuriergep\u00e4ck. Um leistungsf\u00e4hige Technologie in den Osten zu transferieren, werden auch die Transitstrecken nach Berlin (West) genutzt. Die auftragsgem\u00e4\u00df beschafften und den Embargobestimmungen unterliegenden Ger\u00e4te werden dabei zum Teil entweder im Pkw des Agenten oder -- bei gr\u00f6\u00dferen G\u00fctern -- auch mit einem Lkw transportiert. Durch den weitgehend kontrollfreien Ausreiseverkehr aus der Bundesrepublik Deutschland k\u00f6nnen die Waren nahezu ungehindert auf DDR-Gebiet verbracht und dort auf Parkpl\u00e4tzen der Transitstrecke an die Auftraggeber \u00fcbergeben oder umgeladen werden. Zur Veranschaulichung sollen folgende Beispiele dienen: 1. Gegen einen 44j\u00e4hrigen Ingenieur aus Bayern wurde im April 1985 Anklage wegen des Verdachts der geheimdienstlichen Agentent\u00e4tigkeit erhoben. Ihm wird zur Last gelegt, seit 1979 f\u00fcr den sowjetischen Geheimdienst KGB t\u00e4tig gewesen zu sein. Bereits 1975 hatte der Angeschuldigte Kontakte zum 191","KGB. Eine nachrichtendienstliche Mitarbeit hatte er jedoch zu diesem Zeitpunkt abgelehnt. Im Jahre 1979 wurde er erneut vom KGB angesprochen und beauftragt, drei Studien \u00fcber die politische, milit\u00e4rische und \u00f6konomische Situation der USA und ihrer Verb\u00fcndeten sowie \u00fcber die Fortentwicklung von Waffensystemen zu beschaffen und zu liefern. Obwohl der Ingenieur den geheimdienstlichen Charakter dieses Auftrags erkannte, besorgte er die gew\u00fcnschten Studien und \u00fcberbrachte sie seinen Auftraggebern nach Berlin (Ost). In der Folgezeit traf er sich unter Beachtung konspirativer Regeln mehrfach mit zwei Angeh\u00f6rigen des KGB in Berlin (Ost) und h\u00e4ndigte ihnen auftragsgem\u00e4\u00df 13 weitere \u00e4hnliche Studien sowie Unterlagen von Tagungen und Messen aus. Daneben lieferte er seinen Auftraggebern drei Jahre lang mehrere elektronische Ger\u00e4te und andere technische Artikel, die \u00fcberwiegend Ausfuhrbeschr\u00e4nkungen unterliegen. So beschaffte er in den USA und in der Bundesrepublik Deutschland unter anderem verschiedene Me\u00dfger\u00e4te, mehrere Sprachverschl\u00fcsseier, eine kugelsichere Weste, zwei Flugzeugreifen und eine Videokamera f\u00fcr W\u00e4rmebildaufnahmen. Diese Gegenst\u00e4nde wurden den Auftraggebern meistens in der DDR auf Parkpl\u00e4tzen an der Transit-Autobahn nach Berlin \u00fcbergeben. 2. Mindestens seit 1980 belieferte ein 66 Jahre alter Ingenieur, der Ende der 70er Jahre Kontakt zum Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit (MfS) der DDR bekommen hatte, das MfS mit Gegenst\u00e4nden, deren Import der DDR unter Beachtung der den innerdeutschen Handel regelnden Vorschriften nicht m\u00f6glich war. So beschaffte er auftragsgem\u00e4\u00df insbesondere Me\u00dfger\u00e4te, Ger\u00e4te zur Entwicklung und Fertigung von integrierten Schaltkreisen, Ger\u00e4te f\u00fcr Fernmelde\u00fcberwachungssysteme und Computer. Ferner lieferte er Minisenderaufsp\u00fcrger\u00e4te, versteckbare Mikrofone und \u00e4hnliche Ger\u00e4te, die f\u00fcr die geheimdienstliche T\u00e4tigkeit des MfS geeignet waren, sowie Zubeh\u00f6r f\u00fcr diese Ger\u00e4te, au\u00dferdem Druckschriften mit milit\u00e4rischem Inhalt. Diese Gegenst\u00e4nde erwarb der Ingenieur in der Bundesrepublik Deutschland und in den USA mit der Behauptung, er wolle sie f\u00fcr eine schwedische Firma nach Schweden verbringen. Unter diesem Vorwand lie\u00df er die Gegenst\u00e4nde entweder an seinen Wohnsitz im Bundesgebiet liefern oder holte sie selber ab. Mit Ausfuhrerkl\u00e4rungen erweckte er sodann den Anschein, diese Gegenst\u00e4nde durch die DDR nach Schweden transferieren zu wollen. Tats\u00e4chlich lieferte er die Waren jedoch seinen Auftraggebern in der DDR, wobei er konspirative Regeln beachtete. Im August 1985 wurde gegen ihn Anklage wegen Verdachts der geheimdienstlichen Agentent\u00e4tigkeit sowie wegen Versto\u00dfes gegen Embargobestimmungen erhoben. Das Verfahren endete im Februar 1986 mit der Verurteilung des Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 4 Monaten. 3. Durch den verbotenen Verkauf von Elektronik an die DDR erzielte ein 40j\u00e4hriger Elektronikh\u00e4ndler aus Bernau am Chiemsee von 1980 bis 1982 einen Umsatz von rund drei Millionen DM. Der Kaufmann wurde bei seinen Verst\u00f6\u00dfen gegen die Embargobestimmungen von einem Spediteur und einem Zollbeamten unterst\u00fctzt, die Beihilfe leisteten sowie entsprechende Unterlagen f\u00e4lschten. Alle drei Angeklagten wurden im November 1985 zu Geldbu\u00dfen bzw. Freiheitsstrafen bis zu 18 Monaten mit Bew\u00e4hrung verurteilt. 192","2.4 Auftr\u00e4ge sonstiger Art Auftr\u00e4ge, die Spionageaktivit\u00e4ten vorbereiten und unterst\u00fctzen sollen, dienen insbesondere der Erprobung angeworbener Agenten. Schwerpunkte sind dabei Personenund Objektabkl\u00e4rungen. Zu diesen Auftr\u00e4gen z\u00e4hlt beispielsweise auch die Feststellung der beruflichen T\u00e4tigkeit einer Zielperson, die Berichterstattung \u00fcber Abfertigungsmodalit\u00e4ten an der Grenze oder die Lage von Polizeidienststellen, die Beschaffung von Publikationen und Stadtpl\u00e4nen sowie Telefonverzeichnissen. Die Agenten werden aber auch \u00fcber ihren Verwandtenund Bekanntenkreis ausgefragt und liefern auf diese Weise den gegnerischen Diensten, zum Teil ungewollt, Hinweise f\u00fcr weitere Werbungen. 3. Versuche nachrichtendienstlicher Aussp\u00e4hung mit Hilfe von Bewohnern der Bundesrepublik Deutschland Der Einsatz von Agenten ist nach wie vor wesentliches Element gegnerischer Nachrichtendienste zur Beschaffung von Informationen aus der Bundesrepublik Deutschland. Geheime Mitarbeiter f\u00fcr diesen Zweck werden sowohl unter Personen mit Wohnsitz im Bundesgebiet als auch unter Bewohnern des kommunistischen Machtbereichs gewonnen. 3.1 Fast 60 Prozent der erkannten nachrichtendienstlichen Ansprachen erfolgten 1985 gegen\u00fcber Personen aus der Bundesrepublik Deutschland w\u00e4hrend privater oder beruflicher Reisen in die europ\u00e4ischen Ostblockl\u00e4nder, insbesondere in die DDR. So hatte ein leitender Angestellter eines R\u00fcstungsbetriebes im Bundesgebiet bereits des \u00f6fteren seine Verwandten in der DDR besucht. W\u00e4hrend eines neuerlichen Aufenthalts bei seiner Mutter baten ihn wenige Tage nach seiner Ankunft Angeh\u00f6rige des MfS um eine Unterredung. Dabei zeigten sie sich gut informiert, auch \u00fcber seine berufliche T\u00e4tigkeit. Sie gaben ihm zu verstehen, da\u00df man vorerst an Firmenunterlagen wie Personallisten und Organisationspl\u00e4nen interessiert sei. Die Aufforderung zur Zusammenarbeit verbanden sie mit einem Geldangebot. Der Angestellte erkl\u00e4rte sich bereit, bei seinem n\u00e4chsten Besuch in der DDR sich wieder mit ihnen in Verbindung zu setzen. Einige Tage sp\u00e4ter trat er die Heimreise an. \u00dcber den nachrichtendienstlichen Anbahnungsversuch unterrichtete er seine Firma. Diese Werbemethode wird durch l\u00fcckenlose \u00dcberwachung einreisender Personen, die dem gegnerischen Nachrichtendienst als interessant erscheinen, beg\u00fcnstigt. Die \u00dcberwachung beginnt z.B. in der DDR bereits mit Stellung des Antrages auf Einreise in die DDR. Sie wird erg\u00e4nzt durch die Grenzkontrolle, den Zwangsumtausch, die Anmeldung bei der Einwohnerbeh\u00f6rde des Aufenthaltsortes sowie die Eintragung in das Hausbuch. Immer wieder notwendig ist in diesem Zusammenhang der Hinweis, die bestehenden Vorschriften des besuchten Landes genau zu beachten (vgl. dazu das Merkblatt \"Reisen in die DDR\", herausgegeben vom Bundesministerium f\u00fcr innerdeutsche Beziehungen, Vertrieb Gesamtdeutsches Institut, Postfach 120607, 5300 Bonn 1, Tel. 0228/2070). Bei Verst\u00f6\u00dfen wird dem Betroffenen n\u00e4mlich h\u00e4ufig erkl\u00e4rt, da\u00df von an sich verwirkten strengen Ma\u00dfnahmen 193","ausnahmsweise abgesehen werden k\u00f6nne, wenn er sich zu einer Mitarbeit im nachrichtendienstlichen Bereich bereit finde. Auf diese Weise k\u00f6nnen auch Verst\u00f6\u00dfe gegen verkehrsrechtliche Vorschriften zu einer nachrichtendienstlichen Ansprache f\u00fchren. 3.2 Dar\u00fcber hinaus wird seit Jahren die Gelegenheit genutzt, Urlauber an Urlaubsorten in L\u00e4ndern des Ostblocks, insbesondere in Bulgarien, f\u00fcr nachrichtendienstliche T\u00e4tigkeiten zu werben. In diesem Fall wird der Urlauber bereits vor Antritt der Reise in seinem Heimatland im Hinblick auf Chancen und Nutzen einer m\u00f6glichen nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit von Mittelsm\u00e4nnern \u00fcberpr\u00fcft. Von nachrichtendienstlichem Interesse sind vor allem Besucher, die aufgrund verwandtschaftlicher, freundschaftlicher oder gesch\u00e4ftlicher Beziehungen wiederholt in den Ostblock einreisen und relevante Informationen liefern k\u00f6nnen. Am Urlaubsort kn\u00fcpfen dann die Anbahner unverf\u00e4nglich scheinende Kontakte bei zuf\u00e4llig sich ergebenden Anl\u00e4ssen. W\u00e4hrend des Aufenthaltes werden die Kontakte weiter vertieft und die Adressen mit den Urlaubern ausgetauscht. Wenn der Angesprochene wieder zu Hause ist, erh\u00e4lt er Post von seinen neuen Bekannten. Sp\u00e4ter folgt eine pers\u00f6nliche Einladung zumeist nach Berlin (Ost). Dort setzen dann die Bem\u00fchungen ein, den Besucher f\u00fcr eine nachrichtendienstliche T\u00e4tigkeit anzuwerben. Um auf die Gefahren hinzuweisen, die Deutschen aus der Bundesrepublik Deutschland von solchen vermeintlich harmlosen Urlaubsbekanntschaften drohen, soll folgendes Beispiel aufgef\u00fchrt werden: Nach R\u00fcckkehr aus dem Urlaub in Bulgarien erhielt ein Bewohner der Bundesrepublik Deutschland eine Einladung f\u00fcr einen mehrt\u00e4gigen Besuch nach Berlin (Ost), die er annahm. Sein Gastgeber lud ihn zu den Mahlzeiten ein und zeigte ihm Sehensw\u00fcrdigkeiten im Ostteil der Stadt. Nach belanglosen Gespr\u00e4chen kamen beide auf den Gastgeber interessierende Fragen zu sprechen. Dieser bat seinen Besucher um n\u00e4here Informationen zu Themen wie Jugendproblemen und Wohnungsnot, fehlenden Ausbildungspl\u00e4tzen und Drogensucht in der Bundesrepublik Deutschland. Bei \"Problemen finanzieller Art\" bot er \"unsere Hilfe\" an. Die entstandenen Auslagen der Reise wurden dem Gast gegen Quittung erstattet. Ein Honorar f\u00fcr Informationen und sonstige in diesem Zusammenhang entstehende Kosten stellte der Gastgeber in Aussicht. Der Betroffene offenbarte sich unmittelbar nach R\u00fcckkehr in das Bundesgebiet den zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden. (Als zust\u00e4ndige Beh\u00f6rden kommen auch Verfassungsschutzbeh\u00f6rden in Betracht, die bei der Offenbarung einer nachrichtendienstlichen Verbindung nicht verpflichtet sind, die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zu unterrichten.) 3.3 Seit Jahren bem\u00fchen sich die gegnerischen Nachrichtendienste intensiv um Personen mit g\u00fcnstigen beruflichen Zugangsm\u00f6glichkeiten. Dies gilt auch f\u00fcr Personen, die aufgrund ihrer beruflichen Ausbildung die Chance haben, einmal in gehobene Positionen in der staatlichen Verwaltung, im Wissenschaftsbereich oder in der Industrie zu kommen. Hier sind Studenten bevorzugte Ziele 194","nachrichtendienstlicher Werbungen. Ihnen werden Studienbeihilfen oder Nebenverdienstm\u00f6glichkeiten geboten, wobei zun\u00e4chst keine oder nur unbedeutende nachrichtendienstliche Auftr\u00e4ge erteilt werden. Die so geworbenen Personen werden als sogenannte \"Perspektivagenten\" gef\u00fchrt, bis sie, oft erst nach Jahren, eine f\u00fcr den gegnerischen Dienst interessante Stellung erreicht haben. Die Verpflichtung erfolgt meist auf \"vertraglicher\" Basis. Wer Mitarbeit zugesagt hat, kann finanzielle und sonstige Unterst\u00fctzung erwarten; er ist gehalten, seine Ausbildung m\u00f6glichst gut abzuschlie\u00dfen, eine Anstellung in einem vom gegnerischen Nachrichtendienst bezeichneten Zielobjekt anzustreben und dann f\u00fcr diesen t\u00e4tig zu werden. Beispielhaft wird auf folgenden Fall hingewiesen: Anl\u00e4\u00dflich eines Verwandtenbesuches in der DDR wurde ein sp\u00e4terer Beamter des h\u00f6heren Dienstes als Student nachrichtendienstlich verpflichtet. Er erhielt den Auftrag, sich nach Abschlu\u00df seines Studiums um Einstellung bei einer Bundesbeh\u00f6rde zu bewerben. Diesem Auftrag entsprechend lie\u00df er sich in den \u00f6ffentlichen Dienst einstellen und war bis zu seiner Festnahme Mitarbeiter einer Sicherheitsbeh\u00f6rde. Aufgrund seiner zuletzt erreichten Stellung hatte er erhebliche Zugangsm\u00f6glichkeiten zu internen Vorg\u00e4ngen im Sicherheitsbereich und konnte daher seine Auftraggeber umfassend unterrichten. Der Beamte war vom MfS in Berlin (Ost) geheimdienstlich ausgebildet worden und verf\u00fcgte \u00fcber Hilfsmittel zur konspirativen \u00dcbermittlung von Informationen. Die Treffen mit dem gegnerischen Nachrichtendienst erfolgten sowohl im Bundesgebiet als auch in der DDR. Zu den Treffen in der DDR wurde er \u00fcber die \"gr\u00fcne Grenze\" geschleust, einmal auch in Bayern. Der im Juli 1984 festgenommene Beamte wurde im September 1985 vom Oberlandesgericht Koblenz zu einer Freiheitsstrafe von f\u00fcnf Jahren und sechs Monaten verurteilt. 4. Versuche nachrichtendienstlicher Aussp\u00e4hung mit Hilfe von Bewohnern des kommunistischen Machtbereichs 4.1 Die Bewohner des kommunistischen Machtbereichs, die von gegnerischen Nachrichtendiensten mit Werbungsbem\u00fchungen angegangen wurden, unterhielten in einem Drittel der F\u00e4lle pers\u00f6nliche Kontakte in den Westen, die zu nachrichtendienstlichen Zwecken genutzt werden sollten. Dies verdeutlicht folgender Fall: Ein Bewohner der DDR, der zum Besuch seines Sohnes um Reisegenehmigung in die Bundesrepublik Deutschland nachsuchte, wurde bei dieser Gelegenheit von MfS-Angeh\u00f6rigen angesprochen. Man bedeutete ihm, da\u00df er \"etwas tun m\u00fcsse\", wenn er die Erlaubnis zur Besuchsreise erhalten wolle. Er wurde aufgefordert, bei seinem Aufenthalt im Bundesgebiet Polizeidienststellen auszukundschaften sowie Transporte und Bewegungen des Milit\u00e4rs zu beobachten. Seine Berichte solle er dann bei R\u00fcckkehr vorlegen. Aus Angst, seinen Sohn sonst nicht mehr sehen zu k\u00f6nnen, stimmte der Angesprochene dem Ansinnen zu. Nachdem er legal aus der DDR ausreisen konnte, teilte er seine Erkenntnisse einer zust\u00e4ndigen Dienststelle in der Bundesrepublik Deutschland mit. 195","4.2 Besonders problematisch sind die Werbungsversuche der gegnerischen Nachrichtendienste, insbesondere des MfS der DDR, bei \u00dcbersiedlungsbem\u00fchungen in den Westen. In der DDR ist das MfS bei allen Antragsverfahren auf \u00dcbersiedlung in den Westen beteiligt. Der Nachrichtendienst hat damit die M\u00f6glichkeit, geeignet erscheinende Personen herauszusuchen und zu werben. Die Werbung geschieht h\u00e4ufig mit der Drohung, da\u00df bei Ablehnung der Mitarbeit der Ausreiseantrag abgelehnt wird oder nach \u00dcbersiedlung Verwandtenbesuche nicht gestattet w\u00fcrden. Wenn auch manche \u00dcbersiedler die Verpflichtung schlie\u00dflich nur zum Schein eingehen und nicht die Absicht haben, im Bundesgebiet nachrichtendienstlich t\u00e4tig zu sein, werden sie mit Sicherheit sp\u00e4testens dann daran erinnert, wenn sie wieder ihre Heimat besuchen. Jedem \u00dcbersiedler, der in diesem Zusammenhang nachrichtendienstlich angesprochen wurde bzw. eine Verpflichtungserkl\u00e4rung abgegeben hat, ist zu empfehlen, sich deswegen mit der zust\u00e4ndigen Verfassungsschutzbeh\u00f6rde in Verbindung zu setzen. 5. Offizielle DDR-Reisekader Es ist davon auszugehen, da\u00df die DDR-Auslandsreisekader, also die Personen, die beruflich zu gesch\u00e4ftlichen oder wissenschaftlichen Besprechungen, zu Tagungen oder \u00e4hnlichen Anl\u00e4ssen in andere Staaten fahren d\u00fcrfen, zu einer Mitarbeit als sogenannte inoffizielle Mitarbeiter des MfS verpflichtet sind. Solche Reisekader werden \u00fcberwiegend zur Tipgewinnung oder Abkl\u00e4rung von Zielpersonen eingesetzt. Vor Aufnahme in den Reisekader-NSW (Nichtsozialistischer Westen) werden das gesamte pers\u00f6nliche und berufliche Umfeld sowie die gesellschaftlichen Aktivit\u00e4ten des Kandidaten eingehend gepr\u00fcft. An der \u00dcberpr\u00fcfung ist das MfS ma\u00dfgeblich beteiligt. Die Best\u00e4tigung zum Reisekader-NSW wird j\u00e4hrlich wiederholt. Jeder Angeh\u00f6rige des Reisekaders mu\u00df nach einer Dienstreise einen Bericht fertigen, in dem neben Angaben zur Grenzkontrolle, zur Unterbringung und zum sonstigen Reiseablauf insbesondere Ausf\u00fchrungen zu den Verhandlungspartnern und sonstigen Kontaktpersonen erwartet werden. Dabei mu\u00df auf berufliche Qualifikation und Stellung, private Situation, politische Einstellung, Hobbies, Verbindungen in die DDR, auff\u00e4lliges Verhalten, gesch\u00e4ftliche oder private Einladungen, \u00dcbergabe von Geschenken eingegangen werden. Von Interesse sind auch die Sicherheitsbestimmungen in den Betrieben. Neben einem Sofortbericht mu\u00df der Reisekader einen ausf\u00fchrlichen Bericht \u00fcber die technische und gesamt\u00f6konomische Situation des besuchten Betriebes sowie \u00fcber in Erfahrung gebrachte wissenschaftlich relevante Informationen erstellen. Eine Ausfertigung der Berichte wird dem MfS zugeleitet und dort entsprechend ausgewertet. Unter anderem aus diesen Berichten erh\u00e4lt das MfS genaue Informationen \u00fcber Personen und Betriebe, die bei Ansprachen den Betroffenen immer wieder \u00fcberraschen. Auch nach der Leipziger Fr\u00fchjahrsund Herbstmesse mu\u00df \u00fcber die von DDR-Betrieben gekn\u00fcpften Kontakte zu Kunden aus dem Westen in schriftlicher Form berichtet werden. 196","6. Die Spionageabwehr nach dem \u00dcbertritt von Hans Joachim Tiedge in die DDR Zwischen den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder besteht insbesondere im Bereich der Spionageabwehr eine enge Zusammenarbeit, die einen weitgehenden Informationsaustausch einschlie\u00dft. Deshalb hat sich der \u00dcbertritt des ehemaligen Gruppenleiters der Spionageabwehr des Bundesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz Hans Joachim Tiedge in die DDR im August negativ auch auf die Spionageabwehr durch das Bayer. Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz ausgewirkt. Es mu\u00df davon ausgegangen werden, da\u00df der Beamte auch sensible Informationen \u00fcber die T\u00e4tigkeit der bayerischen Verfassungsschutzbeh\u00f6rde der Gegenseite preisgegeben hat. Das Landesamt ist bestrebt, den entstandenen Schaden zu begrenzen und eine auch weiterhin erfolgreiche Spionageabwehr zu gew\u00e4hrleisten. 197","Anhang 1 Gesetz \u00fcber die Errichtung eines Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz in der Fassung der Bekanntmachung vom 8. August 1974 (BayRS 12-1-1) Art. 1 Zust\u00e4ndigkeit (1) In Bayern wird ein Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz errichtet. Es ist eine dem Staatsministerium des Innern unmittelbar nachgeordnete Beh\u00f6rde und ist ausschlie\u00dflich f\u00fcr die Wahrnehmung der Aufgaben nach Art. 2 zust\u00e4ndig. Nach Bedarf k\u00f6nnen Au\u00dfenstellen des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz eingerichtet werden. (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf einer polizeilichen Dienststelle nicht angegliedert werden. (3) Verfassungsschutzbeh\u00f6rden anderer L\u00e4nder d\u00fcrfen im Geltungsbereich dieses Gesetzes nur im Einvernehmen mit dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz t\u00e4tig werden. Art. 2 Aufgaben (1) Aufgabe des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz ist die Sammlung und Auswertung von Ausk\u00fcnften, Nachrichten und sonstigen Unterlagen \u00fcber 1. Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand und die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung von Mitgliedern verfassungsm\u00e4\u00dfiger Organe des Bundes oder eines Landes zum Ziel haben; 198","2. sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten im Geltungsbereich des Gesetzes \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes f\u00fcr eine fremde Macht; 3. Bestrebungen im Geltungsbereich des Gesetzes \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden. (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wirkt mit 1. bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, denen im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftige Tatsachen, Gegenst\u00e4nde oder Erkenntnisse anvertraut werden, die Zugang dazu erhalten sollen oder ihn sich verschaffen k\u00f6nnen; 2. bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, die an sicherheitsempfindlichen Stellen von lebensoder verteidigungswichtigen Einrichtungen besch\u00e4ftigt sind oder besch\u00e4ftigt werden sollen; 3. bei technischen Sicherheitsma\u00dfnahmen zum Schutz von im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftigen Tatsachen, Gegenst\u00e4nden oder Erkenntnissen gegen die Kenntnisnahme durch Unbefugte; 4. bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, die sich um Einstellung in den \u00f6ffentlichen Dienst bewerben. (3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz unterrichtet die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder \u00fcber alle Angelegenheiten des Verfassungsschutzes, von denen es Kenntnis erh\u00e4lt und die f\u00fcr den Bund oder das betreffende Land von Wichtigkeit sind. Art. 3 Befugnisse Polizeiliche Befugnisse oder ein Weisungsrecht gegen\u00fcber Polizeidienststellen stehen dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nicht zu. Zur Wahrnehmung seiner Aufgaben nach Art. 2 Abs. 1 und 2 ist das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz befugt, nachrichtendienstliche Mittel anzuwenden. Art. 4 Amtshilfe und Auskunftserteilung (1) Die Beh\u00f6rden und Einrichtungen des Staates, die Gemeinden, die Gemeindeverb\u00e4nde, die sonstigen der Aufsicht des Staates unterstehenden juristischen Personen des \u00f6ffentlichen Rechts, die Gerichte und das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz leisten einander Rechtsund Amtshilfe. 199","(2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz kann \u00fcber alle Angelegenheiten, deren Aufkl\u00e4rung zur Wahrnehmung seiner Aufgaben erforderlich ist, von den in Absatz 1 genannten Stellen Ausk\u00fcnfte und die \u00dcbermittlung von Unterlagen verlangen, soweit nicht gesetzliche Vorschriften entgegenstehen. (3) Dar\u00fcber hinaus haben die in Absatz 1 genannten Stellen dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz alle Tatsachen und Unterlagen \u00fcber Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten im Sinn des Art. 2 Abs. 1 unaufgefordert zu \u00fcbermitteln. Art. 5 Durchf\u00fchrungsbestimmungen Die zur Durchf\u00fchrung dieses Gesetzes erforderlichen Bestimmungen erl\u00e4\u00dft das Staatsministerium des Innern. Art. 6 Inkrafttreten Das Gesetz ist dringlich. Es tritt am 1. November 1950 in Kraft.*) *) Diese Vorschrift betrifft das Inkrafttreten des Gesetzes in der urspr\u00fcnglichen Fassung vom 22. November 1950 (BayBS I S. 434). Der Zeitpunkt des Inkrafttretens der sp\u00e4teren \u00c4nderungen ergibt sich aus den jeweiligen \u00c4nderungsgesetzen. 200","Anhang 2 Bayerischer Staatsanzeiger Nr. 16 vom 19. April 1973 Staatskanzlei Pflicht zur Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 27. M\u00e4rz 1973 Nr. A I 3 - 180-6-84 Die Bayerische Staatsregierung hat in ihrer Sitzung vom 27. M\u00e4rz 1973 in \u00dcbereinstimmung mit dem Beschlu\u00df der Regierungschefs des Bundes und der L\u00e4nder vom 28. Januar 1972 ihren Beschlu\u00df vom 25. April 1961 \u00fcber verfassungsfeindliche Bet\u00e4tigung von Angeh\u00f6rigen des \u00f6ffentlichen Dienstes (Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 25. April 1961, StAnz Nr. 19) durch die folgende Bekanntmachung \u00fcber die Pflicht zur Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst neu gefa\u00dft: I. Die Regierungschefs des Bundes und der L\u00e4nder haben am 28. Januar 1972 folgenden Beschlu\u00df gefa\u00dft: \"1. Nach den Beamtengesetzen in Bund und L\u00e4ndern -- darf in das Beamtenverh\u00e4ltnis nur berufen werden, wer die Gew\u00e4hr daf\u00fcr bietet, da\u00df er jederzeit f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes eintritt; -- sind Beamte verpflichtet, sich aktiv innerhalb und au\u00dferhalb des Dienstes f\u00fcr die Erhaltung dieser Grundordnung einzusetzen. Es handelt sich hierbei um zwingende Vorschriften. 201","2. Jeder Einzelfall mu\u00df f\u00fcr sich gepr\u00fcft und entschieden werden. Von folgenden Grunds\u00e4tzen ist dabei auszugehen: 2.1 Bewerber 2.1.1 Ein Bewerber, der verfassungsfeindliche Aktivit\u00e4ten entwickelt, wird nicht in den \u00f6ffentlichen Dienst eingestellt. 2.1.2 Geh\u00f6rt ein Bewerber einer Organisation an, die verfassungsfeindliche Ziele verfolgt, so begr\u00fcndet diese Mitgliedschaft Zweifel daran, ob er jederzeit f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung eintreten wird. Diese Zweifel rechtfertigen in der Regel eine Ablehnung des Einstellungsantrages. 2.2 Beamte Erf\u00fcllt ein Beamter durch Handlungen oder wegen seiner Mitgliedschaft in einer Organisation verfassungsfeindlicher Zielsetzung die Anforderungen des SS 35 Beamtenrechtsrahmengesetz nicht, aufgrund derer er verpflichtet ist, sich durch sein gesamtes Verhalten zu der freiheitlichen demokratischen Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes zu bekennen und f\u00fcr deren Erhaltung einzutreten, so hat der Dienstherr aufgrund des jeweils ermittelten Sachverhalts die gebotenen Konsequenzen zu ziehen und insbesondere zu pr\u00fcfen, ob die Entfernung des Beamten aus dem Dienst anzustreben ist. 3. F\u00fcr Arbeiter und Angestellte im \u00f6ffentlichen Dienst gelten entsprechend den jeweiligen tarifvertraglichen Bestimmungen dieselben Grunds\u00e4tze.\" II. Die Bayerische Staatsregierung hat die Verbindlichkeit dieser Grunds\u00e4tze f\u00fcr alle \u00f6ffentlich-rechtlichen Dienstherren und Arbeitgeber in Bayern mit Beschlu\u00df vom 18. April 1972 best\u00e4tigt. Zu ihrer Durchf\u00fchrung wird folgendes bestimmt: 1. Vor der Einstellung eines Bewerbers in den \u00f6ffentlichen Dienst haben die Einstellungsbeh\u00f6rden zun\u00e4chst beim Staatsministerium des Innern anzufragen, ob Tatsachen bekannt sind, die Bedenken gegen die Einstellung begr\u00fcnden. Das Staatsministerium des Innern ist verpflichtet, Anfragen dieser Art unverz\u00fcglich zu beantworten. Die Ausk\u00fcnfte sind auf Tatsachen zu beschr\u00e4nken, die gerichtsverwertbar sind. Die Anfrage nach Satz 1 entf\u00e4llt, wenn bereits aufgrund anderer Vorschriften eine \u00dcberpr\u00fcfung vor der Einstellung vorgesehen ist. 2. Beabsichtigt die Einstellungsbeh\u00f6rde nach Eingang der Auskunft des Staatsministeriums des Innern, den Bewerber einzustellen, so ist der Bewerber vor der Entscheidung \u00fcber die Einstellung zun\u00e4chst gem\u00e4\u00df Anlage 1 * schriftlich zu belehren und zur Unterzeichnung der Erkl\u00e4rung gem\u00e4\u00df Anlage 2* aufzufordern. * nicht abgedruckt 202","3. Bestehen auf Grund der vom Staatsministerium des Innern mitgeteilten oder anderweit bekannt gewordenen Tatsachen oder wegen der Weigerung, die vorbezeichnete Erkl\u00e4rung zu unterschreiben, Zweifel daran, da\u00df der Bewerber jederzeit f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes eintritt, so ist ihm Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. K\u00f6nnen die Zweifel nicht ausger\u00e4umt werden, so darf er nicht in den \u00f6ffentlichen Dienst eingestellt werden. 4. Wird die Einstellung in den \u00f6ffentlichen Dienst deshalb abgelehnt, weil der Bewerber nicht die Gew\u00e4hr daf\u00fcr bietet, da\u00df er jederzeit f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes eintritt, so ist die Entscheidung dem Bewerber schriftlich unter Darlegung der Gr\u00fcnde mitzuteilen; betrifft sie die \u00dcbernahme in ein Beamtenoder Richterverh\u00e4ltnis, so mu\u00df sie au\u00dferdem eine Rechtsmittelbelehrung enthalten. 5. Nummern 1 bis 4 gelten auch f\u00fcr Bewerbungen um die \u00dcbernahme in das Beamtenverh\u00e4ltnis auf Widerruf. Dabei sind Ausbildungszweck und Ausbildungsweise zu ber\u00fccksichtigen. 6. Besteht der Verdacht, da\u00df ein Angeh\u00f6riger des \u00f6ffentlichen Dienstes gegen die Pflicht zur Verfassungstreue verst\u00f6\u00dft, so pr\u00fcft seine Dienststelle, ob die gesetzlich vorgesehenen Ma\u00dfnahmen zu ergreifen sind, um ihn zur Erf\u00fcllung seiner Dienstpflichten anzuhalten oder ihn aus dem Dienst zu entfernen. Art. 70 des Bayerischen Personalvertretungsgesetzes ist zu beachten. 7. In den F\u00e4llen der Nummern 4 und 6 sind die zust\u00e4ndige oberste Dienstbeh\u00f6rde und die Staatsministerien des Innern und der Finanzen vor der Entscheidung zu unterrichten und \u00fcber den Fortgang der Sache auf dem laufenden zu halten. III. Den Gemeinden, Gemeindeverb\u00e4nden und sonstigen der Aufsicht des Freistaates Bayern unterliegenden juristischen Personen des \u00f6ffentlichen Rechts wird empfohlen, nach den vorstehenden Bestimmungen zu verfahren. IV. Diese Bekanntmachung tritt am I.April 1973 in Kraft. Gleichzeitig tritt die Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 25. April 1961 (StAnz Nr. 19) au\u00dfer Kraft. M\u00fcnchen, den 27. M\u00e4rz 1973 Der Bayerische Ministerpr\u00e4sident Dr. h.c. Goppel 203","Anhang 3 Verzeichnis von Publikationen deutscher extremistischer und extremistisch beeinflu\u00dfter Organisationen Titel zuzuordnen Abr\u00fcstungsinfo DFU Antifaschistischer Jugenddienst WN-BdA Antifaschistische Nachrichten WN-BdA Antifaschistische Nachrichten VOLKSFRONT antifaschistische rundschau WN-BdA Arbeiterkampf (AK) KB Argumentation, Information, Dokumentation (AID) WN-BdA Augsburger Hochschulzeitung MG Bayern-Stimme NPD Das Freie Forum GfP Demokratischer Informationsdienst (DID) ASKo Denk mit! Denk-mit-Verlag Der Adlerf\u00fchrer JBA Der Bismarck-Deutsche DDF Der Kommunist KPD Deutsche Monatshefte T\u00fcrmer-Verlag Deutsche National-Zeitung (DNZ) DSZ-Verlag Deutsche Stimme NPD 204","Titel zuzuordnen Deutsche Volkszeitung / die tat DFU/WN-BdA Deutsche Wochen-Zeitung (DWZ) Deutsche Verlagsgesellschaft Deutsche Zukunft BIA Deutscher Anzeiger (DA) DVU Die deutschen Nationaldemokraten informieren NPD Die Kreiss\u00e4ge JN Die Neue Front (NF) ANS/NA die tageszeitung (taz) undogmatische Neue Linke elan, das Jugendmagazin SDAJ Erlanger Hochschulzeitung MG freiraum AAU frontal SHB Huttenbriefe Freundeskreis Ulrich von H\u00fctten Illustrierte Volkszeitung DFU Informationsdienst M\u00fcnchen Autonome M\u00fcnchen JN-Bayem-Info JN -- Info -- Org-Blitz -- Pressedienst Junge Stimme JN K\u00e4mpfende Jugend K\u00e4mpfende Jugend Klartext Sprachrohr der Nationalistischen Front (NF) KOMMUNIST DKP-HG Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) AB Kommunistische Hefte KPD K\u00fcrbiskern DKP-nahe Zeitschrift Marxistische Arbeiterzeitung (MAZ) MG Marxistische Schulzeitung MG 205","Titel zuzuordnen Marxistische Bl\u00e4tter DKP Marxistische Studentenzeitung -- Gegen die Kosten der Freiheit (MSZ) MG Mauerbruch Autonome N\u00fcrnberg Mensch und Ma\u00df Verlag Hohe Warte M\u00fcnchner Hochschulzeitung MG NACHRICHTEN zur Wirtschaftsund DKP-nahe Sozialpolitik/Gewerkschaftsspiegel Zeitschrift Nachrichten der HNG HNG Nation Europa (NE) NE-Verlag Neue Anthropologie GfbAEV NHB-Report NHB NPD-aktuell -- Frankenspiegel NPD NS Kampfruf NSDAP-AO N\u00fcrnberger Hochschulzeitung MG offensiv SHB Pionier JP Pionierleiterinformation JP Politische Berichte BWK praxis DKP Pressedienst DFL) radikal Autonome Berlin (West) Rebell RJVD Regensburger Hochschulzeitung MG Resultate MG Revolution\u00e4rer Weg MLPD rote blatter MSB Spartakus Rote Fahne MLPD roter Maulwurf RSJ Roter Morgen KPD Roter Pfeil MLSV 206","Titel zuzuordnen R\u00fchrt Euch SDAJ Rundbrief KFAZ Rundbriefe der Europ\u00e4ischen Freiheitsbewegung DBI taz (die tageszeitung) undogmatische Neue Linke tendenzen -- Zeitschrift f\u00fcr DKP-nahe engagierte Kunst Zeitschrift Unsere Arbeit JBA Unsere Zeit (UZ) DKP-Zentralorgan Volksecho VOLKSFRONT was tun GIM Wir Frauen DFI Wikinger WJ W\u00fcrzburger Hochschulzeitung MG Zivilcourage -- Das antimilitaristische Magazin DFG-VK Zur Sache RBK Zusammen K\u00e4mpfen -- Zeitung f\u00fcr die antiimperialistische Front in Westeuropa RAF-Umfeld 207","Abk\u00fcrzungsverzeichnis AAU Anarchistische Arbeiter Union 88,89 AB Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD 66, 78 AD\u00dcTDF F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa 184 ADS Arbeitskreise Demokratischer Soldaten 55 AFS Anarchistische F\u00f6deration S\u00fcdbayern 88 AID Argumentation, Information, Dokumentation 63 AKON Aktion Deutsche Einheit 113 AKSA Vereinigung der Studenten Kurdistans im Ausland 177 AMGT Vereinigung der neuen Weltsicht in Europa e.V. 186 ANS/NA Aktionsfront Nationaler Sozialisten/ Nationale Aktivisten 115,120, 130,136 ARF Aktion deutsches Radio und Fernsehen 114 ASKo Anti-Strau\u00df-Komitee 66,79 AStA Allgemeiner Studentenausschu\u00df 157 ATIF F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. 182 ATTF F\u00f6deration t\u00fcrkischer Sozialisten in Europa 180 AWARAGAN Demokratische Organisation der Afghanen 169 BDP/BDJ Bund Deutscher Pfadfinder im Bund Demokratischer LV Bayern Jugend -- Landesverband Bayern 80 BHJ Bund Heimattreuer Jugend 126 BIA B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp 108 BIFA . M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung 62, 66, 70, 92 BUF Bundeskongre\u00df unabh\u00e4ngiger Friedensinitiativen 91,95 BWK Bund Westdeutscher Kommunisten 82 CCC Cellules Communistes Combattantes 143 CIMEA Comite International des Mouvements des Enfants et des Adolescents 57 208","CISNU Conf\u00f6deration Iranischer Studenten -- National Union 173 COBRA Comite Objectiv entraide et solidarite avec les victimes de la Repression Antinationaliste 121 DA Deutsche Aktionsgruppen 122 DA Deutscher Anzeiger 111,114 DB Deutscher Block 124 DBI Deutsche B\u00fcrgerinitiative 122 DDF Die Deutsche Freiheitsbewegung 128 DFI Demokratische Fraueninitiative 70,71 DFG-ldK Deutsche Friedensgesellschaft -- Internationale der Kriegsdienstgegner 66 DFG-VK Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner 66, 69, 90, 93,161 DFLP Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas 170 DFU Deutsche Friedens-Union 31, 60, 70, 90, 94, 96, 164 DID Demokratischer Informationsdienst 80 DKEG Deutsches Kulturwerk Europ\u00e4ischen Geistes 126 DKG Deutsche Kulturgemeinschaft 128 DKP Deutsche Kommunistische Partei 15,16 ff., 50, 65, 66, 70, 79, 92, 96 DKP-HG DKP-Hochschulgruppe 155 DNZ Deutsche National-Zeitung 112,114,130,132 DRP Deutsche Reichspartei 102 DSZ-Verlag Druckschriftenund Zeitungsverlag GmbH 130 DVG Deutsche Verlagsgesellschaft mbH 132 DVU Deutsche Volksunion 66,110,130 DVZ/die tat Deutsche Volkszeitung/die tat 62 DWZ Deutsche Wochen-Zeitung 132 ELF Eritreische Befreiungsfront 169 EPLF Eritreische Volksbefreiungsfront 169 ERNK Nationale Befreiungsfront Kurdistans 176 FAP Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei 116,117,120,125 FAU Freie Arbeiter Union 88 FDJ Freie Deutsche Jugend 50,52,56,58,80,157 FEYKAF\u00f6deration der patriotischen Arbeiter-Kulturvereine Kurdistans Kurdistans in der Bundesrepublik Deutschland 176 FG-BRDFreundschaftsgesellschaft Bundesrepublik Kuba e.V. Deutschland -- Kuba e.V. 60 209","FG-BRDGesellschaft f\u00fcr die Freundschaft zwischen den V\u00f6lkern Vietnam in der Bundesrepublik Deutschland und der Sozialistischen Republik Vietnam 60 FIDEF F\u00f6deration der Arbeitervereine der T\u00fcrkei in der Bundesrepublik Deutschland e.V. 180 FILEF Italienischer Verband der Gastarbeiter und ihrer Familien 174 FIR Federation Internationale des Restistants 16,63,71 FZ-Verlag Freiheitlicher Zeitungsverlag GmbH 130 GfbAEV Gesellschaft f\u00fcr biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung 129 GfP Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik 126 GIM Gruppe Internationale Marxisten -- Deutsche Sektion der IV. Internationale 66, 77, 83 GNN Gesellschaft f\u00fcr Nachrichtenerfassung und Nachrichtenverbreitung mbH 82 GRU milit\u00e4rischer Nachrichtendienst der Sowjetunion 189 GUAfS Generalunion der Afghanen und afghanischen Studenten e.V. 169 HDP Kroatische Staatsbildende Bewegung 175 HNG Hilfsorganisation f\u00fcr nationale und politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. 120 HNO Kroatisches Nationalkomitee in Europa 175 HNV Kroatischer Nationalrat 174 HRK Befreiungseinheiten Kurdistans 176 l.f.A. Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung 114 IMSF Institut f\u00fcr Marxistische Studien und Forschung 31,43,56 IVDJ Internationale Vereinigung Demokratischer Juristen 71 IZ Islamisches Zentrum K\u00f6ln e.V. 185 JBA Jugendbund Adler 124 JCC Jugendclub Courage 66 JF Junge Front 122 JN Junge Nationaldemokraten 102, 106 JP Junge Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation 56,69 KABD Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands 75 KAZ Kommunistische Arbeiterzeitung 78 KB Kommunistischer Bund 82 KBW Kommunistischer Bund Westdeutschland 73,82 KFAZ Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit 63, 67, 70, 90 KGB Sowjetischer Nachrichtendienst 189,192 210","K-Gruppen Marxistisch-Leninistische Parteien und Bunde 72 KHB Kommunistischer Hochschulbund 78,161,162 KJ K\u00e4mpfende Jugend 80 KKE-Ausland Kommunistische Partei Griechenlands 170 KKE-Inland Kommunistische Partei Griechenlands 170 KNE Kommunistische Jugend Griechenlands 171 KOMKAR F\u00f6deration der Arbeitervereine aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland e.V. 176 KPD Kommunistische Partei Deutschlands 76,83 KPdSU Kommunistische Partei der Sowjetunion 15,17,22,44 LAF Liste AStA und Fachschaften 156,162 LISA Liste St\u00e4rkt den AStA 161 MAB Marxistische Arbeiterbildung 42 MAMA M\u00fcnchner Aktionsforum Mittelamerika 49,66 MASCH Marxistische Abendschulen 42,52 MAZ Marxistische Arbeiterzeitung 84 MfS Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit der DDR 187,192 MG Marxistische Gruppe 83, 158, 162 MHP Partei der Nationalen Bewegung 185 M.I.DER T\u00fcrkischer Arbeiterverein in M\u00fcnchen e.V. 66,180 MLBI Marxistisch-Leninistischer Bund Intellektueller 76 MLPD Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands 75,94 MLSV Marxistisch-Leninistischer Sch\u00fclerund Studentenverband 76, 162 MSB Spartakus Marxistischer Studentenbund Spartakus 48, 57, 66, 69, 90,156 MSI-DN Movimento Sociale Italiano -- Destra Nazionale 174 MSP Nationale Heilspartei 185 MSV Moslemische Studentenvereinigungen -- Sympathisanten der Organisation der Volksmojahedin Iran 173 MSZ Marxistische Studentenzeitung 84,158 M\u00dcO Verein t\u00fcrkischer Idealisten 185 NE Nation Europa 134 NF Nationalistische Front 121,124 NF Die Neue Front 115 NF-BSN Nationale Front -- Bund Sozialrevolution\u00e4rer Nationalisten 121 NHB Nationaldemokratischer Hochschulbund 102,108,159 NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands 36,66,100 211","NSDAP Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei 115,120 NSDAP-AO NSDAP-Auslands-und Aufbauorganisation 136,151 NVF Nationale Volksfront 130 OEFE Verband Griechischer Studentenvereine in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin 171 OEK Verband Griechischer Gemeinden in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin 171 O.I.S. Organisation Iranischer Studenten (O.I.S.) -- Sympathisanten der Organisation der Volksfedayin des Iran (Mehrheit) 171 PAA Partei der Arbeit Albaniens 72 PAV Pal\u00e4stinensischer Arbeiterverband in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin 170 PCE Kommunistische Partei Spaniens 178 PCI Kommunistische Partei Italiens 173 PFLP Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas 170 PKK Arbeiterpartei Kurdistans 169,175 PKN Pal\u00e4stina-Komitee N\u00fcrnberg 170 PLK Pal\u00e4stina-Libanon-Komitee 170 PLO Pal\u00e4stinensische Befreiungsorganisation 169,170 PPKK Avantgardistische Arbeiterpartei Kurdistans 184 PPP Pakistanische Volkspartei 177 PPP, BRD Pakistan Peoples Party der Bundesrepublik Deutschland, Zentralverband e.V. 177 PSV Pal\u00e4stinensischer Studentenverband in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin 170 RAF Rote Armee Fraktion 82,87,141,150,163 RBK Regensburger B\u00fcrgerkomitee 80 RJVD Revolution\u00e4rer Jugendverband Deutschlands 76 RSJ Revolution\u00e4r-Sozialistische Jugend -- Roter Maulwurf 83 RZ Revolution\u00e4re Zellen 141,147,150 SDAJ Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend 48, 50, 57, 65, 69, 90 SED Sozialistische Einheitspartei Deutschlands 15, 17, 20, 40 SEW Sozialistische Einheitspartei Westberlins 22 SHB Sozialistischer Hochschulbund 56,69,156,157 taz die tageszeitung 89 TDF F\u00f6deration Demokratischer Arbeitervereine der T\u00fcrkei in Europa 180 TDKP Revolution\u00e4re Kommunistische Partei der T\u00fcrkei 180 212","THKP/-C T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei/-front 180,182 TIP T\u00fcrkische Arbeiterpartei 184 TIKKO T\u00fcrkische Arbeiter-und Bauernbefreiungsarmee 181 TKEP Kommunistische Partei der Werkt\u00e4tigen der T\u00fcrkei 184 TKP Kommunistische Partei der T\u00fcrkei 180 TKP/ML T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten 180 TKSP Sozialistische Partei T\u00fcrkisch-Kurdistans 184 TSIP Sozialistische Arbeiterpartei der T\u00fcrkei 184 UHNj Bund der Vereinigten Kroaten in Deutschland 175 UZ Unsere Zeit (Zentralorgan der DKP) 22, 27, 38 VAPO Volkstreue au\u00dferparlamentarische Opposition 125 VDJ Vereinigung Demokratischer Juristen 71 VDS Vereinigte Deutsche Studentenschaften e.V. 156,161 VK Verband der Kriegsdienstverweigerer 66 VMF Vereinigte M\u00fcnchner Friedensinitiativen 66,92 VOGA Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie 113 VOLKSFRONT Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg 66, 77 VPA Verein Pal\u00e4stinensischer Arbeiter 170 VSBD/PdA Volkssozialistische Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit 120,121 WN-BdA Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten 36, 49, 63, 70, 90, 93,161 WBDJ Weltbund der Demokratischen Jugend 16,50,57 WFR Weltfriedensrat 16,60,63,66,70,90 WJ Wiking-Jugend 119,124,126 WSE Wandersportclub Eiche 130 WSG Wehrsportgruppe Hoffmann 115,130 213",""],"title":"Verfassungsschutzbericht 1985","year":1985}
