{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-by-1981.pdf","jurisdiction":"Bayern","num_pages":177,"pages":["BAYERN 1981","Verfassunosschutzbericht Bayern 1981 Herausgeber: Bayerisches Staatsministerium des Innern, Odeonsplatz 3, 8000 M\u00fcnchen 22 RB Nr. 03A/82/03 Gesamtherstellung: Meindl-Druck GmbH, M\u00fcnchen","","Die Bayerische Verfassung und das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland haben eine wertgebundene, freiheitliche und demokratische Staatsordnung geschaffen, in deren Mittelpunkt Menschenw\u00fcrde und Freiheit des B\u00fcrgers stehen. Damit die Feinde dieser Ordnung keine Chance haben, ihre totalit\u00e4ren und unfreiheitlichen Vorstellungen zu verwirklichen, m\u00fcssen wir alle zur Verteidigung dieser Ordnung bereit sein und beitragen. Der Verfassungsschutz, selbst im Grundgesetz verankert, tr\u00e4gt im Rahmen der wehrhaften Demokratie durch seine Aufkl\u00e4rungst\u00e4tigkeit zur Erhaltung unserer Freiheit bei. Polizeiliche Befugnisse hat er nicht. Die T\u00e4tigkeit des Verfassungsschutzes erm\u00f6glicht es der Staatsregierung, die erforderlichen Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung extremistischer und sicherheitsgef\u00e4hrdender Bestrebungen zu treffen und die B\u00fcrger \u00fcber die Gefahren zu informieren, die von diesen Bestrebungen ausgehen. Hierzu will auch der vorliegende Verfassungsschutzbericht beitragen. Den pflichtbewu\u00dften Mitarbeitern im Bereich des Verfassungsschutzes danken wir f\u00fcr die Erf\u00fcllung ihrer schwierigen und verantwortungsvollen Aufgabe. Ihre T\u00e4tigkeit verdient besondere Anerkennung, zumal sie in den letzten Monaten durch das unverantwortliche Verhalten des Leiters der Staatsschutzabteilung im Staatsministerium des Innern, Dr. Langemann, in besonderer Weise erschwert worden ist. Sofort nach Bekanntwerden dieses Falles haben wir alle Ma\u00dfnahmen eingeleitet, um das Verhalten Dr. Langemanns aufzukl\u00e4ren und die erforderlichen Konsequenzen -- \u00fcber die gleich ausgesprochene vorl\u00e4ufige Dienstenthebung hinaus -- ziehen zu k\u00f6nnen. M\u00fcnchen, im Juli 1982 Lan Smuler Faglhisez Gerold Tandler - Staatsminister Franz Neubauer - Staatssekret\u00e4r 3","","Inhalt 1. Abschnitt Allgemeiner \u00dcberblick 11 2. Abschnitt Linksextremismus 14 1. Allgemeines 14 2. Orthodoxe Kommunisten 17 2.1 \u00dcberblick 17 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 18 2.2.1 Ideologisch-politischer Standort 18 22.2 Anforderungen an das DKP-Mitglied 21 2.2.3 B\u00fcndnispolitik 21 2.2.4 Organisation 25 2.2.5 Publikationen 27 2.26 Schulung 28 2.2.7 Betriebsund Gewerkschaftsarbeit der DKP 30 2.2.8 Sonstige Aktivit\u00e4ten 31 2.2.9 Steuerung der DKP durch die SED 33 23 Nebenorganisationen der DKP 33 2.3.1 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) 34 2.3.2 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) 36 2.3.3 Junge Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP) 37 24 Von der DKP beeinflu\u00dfte Organisationen 38 2.4.1 Allgemeines 38 2.4.2 Deutsche Friedens-Union (DFU) 39 2.4.3 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bundder Antifaschisten (VVN-BdA) 4 24.4 Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) 44 2.4.5 Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) 47 2.46 Vereinigung Demokratische Juristen (VDJ) 48 2.4.7 Demokratische Fraueninitative 48 2.4.8 Komitees undInitiativen gegen \"Berufsverbote\" 49","3 Neue Linke 49 3.1 \u00dcberblick 49 3.2 Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) 50 3.3 Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) 53 34 Kommunistischer Bund 56 3.5 __Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands (KABD) 57 3.6 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) 59 3.7 Kommunistische Partei Deutschlands (Marxsten-Leninisten) (KPD) 61 3.8 _Trotzkistische Gruppen 64 3.9 Sonstige Komitees und Gruppen 65 3.10 Undogmatische Gruppen der Neuen Linken 65 3.10.1 Allgemeines 65 3.10.2 Kollektiv Rote Hilfe M\u00fcnchen (KRH) 66 3.10.3 Gefangenenselbsthilie N\u00fcrnberg (GSH) 66 3.10.4 Anarchistische Liga M\u00fcnchen (ALM) 66 3.10.5 Sozialistisches B\u00fcro Offenbach (SB) 66 3.10.6 \"Freizeit 81\" 67 3.10.7 Schriften, Verlage und\"illegale Sender\" 69 4 Linksextremer Einflu\u00df auf die Ant-Kernkraftbewegung 69 5. Linksextremer Einflu\u00df auf die Hausbesetzerbewegung 70 3. Abschnitt Rechtsextremismus 74 1 Allgemeines 74 2. Natonaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 76 21 Ideologsch-politischer Standort 76 22 Organisation 77 2.3 'Aktivit\u00e4ten 79 2.4 Nebenorganisationen der NPD 80 2.5 _B\u00fcrgerinitative Ausl\u00e4nderstopp 82 3. Deutsche Volksunion (DVU) 83 3.1 Ideologisch-politischer Standort 83 3.2 Organisation 83 3.3 'Aktivit\u00e4ten 84 3.4 Aktionsgemeinschaften der DVU 86 4 Neonazistische Organisationen und Vorf\u00e4lle 87 4.1 Allgemeines 87 4.2 Volkssozialistische Bewegung Deutschlands / Partei der Arbeit (VSBD/PdA) 88 4.2.1 Ideologisch-politischer Standort 88 42.2 Organisation und Verbindungen 88 4.2.3 Aktivit\u00e4ten 90 4.2.4 Verbot 9","4.3 Verbotene Wehrsportgruppe Hoffmann (WSG) 92 44 Neonazistische und antisemitische Vorf\u00e4lle 92 5. Sonstige rechtsextreme Organisationen 94 5.1 Deutscher Block (DB) 94 5.2 Wiking-Jugend (WJ) 94 5.3 Bund Heimattreuer Jugend (BHJ)e.V. 95 5.4 Deutsches Kulturwerk Europ\u00e4ischen Geistes (DKEG) 96 55 Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik (GP) 96 6. Organisationsunabh\u00e4ngige Publizistik 97 2 Verbindungen zum ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus 100 4. Abschnitt Gewalt und Terror 103 1. Allgemeine Lage 103 2. Terroristische Gruppen undihre Ziele 104 2.1 Rote Armee Fraktion (RAF) 104 22 Bewegung2. Juni 105 2.3 Revolution\u00e4re Zellen (RZ) 105 2.4 _Wehrsportgruppe Ausland des Karl Heinz Hoffmann 106 2.5 Gruppe um Nikolaus Uhl, Paris 107 3 Politisch motivierte Gewaltaktionen in Bayern 107 4 Terroristisches Umfeld 110 5. Abschnitt Extremismus im Bildungsbereich 111 1. Allgemeines 111 2. Extremistische Studentengruppen 112 3 Orthodox-kommunistische Hochschulgruppen 112 3.1 DKP-Hochschulgruppen 112 3.2 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) 114 4 Sozialistischer Hochschulbund (SHB) 115 5. Studentengruppen der Neuen Linken 117 6. Marxistische Gruppen (MG) 118 7. Vereinigte Deutsche Studentenschaften e.V. (VDS) 121 8. Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) 122 9. Aktivit\u00e4ten 122 10. Wahlen an den Hochschulen 124 11. Weiterf\u00fchrende Schulen 124","6. Abschnitt Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst 126 % Allgemeines 126 2. Bayerische Praxis 127 2.1 Extremisten im \u00f6ffentlichen Dienst 127 _ 2.2 Einstellungs\u00fcberpr\u00fcfung 128 7. Abschnitt Sicherheitsgef\u00e4hrdende Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 130 1. Allgemeines 130 2. Afghanische Gruppen 132 3. Afrikanische Gruppen 133 4. Arabische Gruppen 134 5. Griechische Gruppen 134 5.1 Orthodoxe Kommunisten 134 5.2 Neue Linke 136 6. Iranische Gruppen 137 6.1 Khomeini-Anh\u00e4nger 137 6.2 Khomeini-Gegner 138 6.2.1 Linksextremisten 138 6.2.2 Islamische Fundamentalisten 139 A Italienische Gruppen 140 7.1 Linksextremisten 140 72 Rechtsextremisten 140 8. Jugoslawische Gruppen 141 81 Kroaten 141 8.1.1. Kroatischer Nationalrat 141 8.1.2 Kroatische staatsbildende Bewegung 142 8.1.3 Kroatische Gruppenin Bayern 142 8.2 Jugoslawen albanischer Volkszugeh\u00f6rigkeit 143 8.3 Mordanschl\u00e4ge gegenExiljugoslawen 143 9. Lateinamerikansche Gruppen 143 _ 10. Pakistanische Gruppen 144 11. Spanische Gruppen 144 12 T\u00fcrkische Gruppen 144 12.1 Linksextremisten 145 12.1.1 Orthodoxe Kommunisten 145 12.1.2 Neue Linke 146 12.1.3 Kurden 148 12.2 _Rechtsextremisten 149","8. Abschnitt Spionageabwehr 151 1. Allgemeine Erfahrungen 151 2. Die Rolle der Nachrichtendienste in kommunistischen Staaten 152 3. Werbungen, Werbungsversuche und allgemeine Werbungsmethodik 152 4. Auftr\u00e4ge 154 5. Nachrichtendienste der DDR 155 6. Nachrichtendienste der \u00fcbrigen kommunistischen Staaten 157 Anhang 1 Gesetz \u00fcber die Errichtung eines Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz in der Fassung der Bekanntmachung vom 8 August 1974 159 Anhang 2 Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 27. M\u00e4rz 1973 \u00fcberdie Pflicht zur Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst 163 Anhang 3 Ausz\u00fcgeaus den Rechenschaftsberichten nach $ 23 Parteiengesetz von DKP, DFU und NPD 167 'Abk\u00fcrzungsverzeichnis 170","","1.Abschnitt Allgemeiner \u00dcberblick Dieser Verfassungsschutzbericht gibt einen \u00dcberblick \u00fcber Ziele, Art und Umfang extremistischer und anderer sicherheitsgef\u00e4hrdender Bestrebungen im Jahre 1981. Er enth\u00e4lt die wesentlichen nicht geheimhaltungsbed\u00fcrftigen Erkenntnisse. Der Bericht befa\u00dft sich mit der Lage in Bayern. Daher k\u00f6nnen im Vergleich zu Verfassungsschutzberichten des Bundes oder anderer L\u00e4nder in Einzelf\u00e4llen Unterschiede auftreten. Bei der Beurteilung der Gefahren, die unserem Staat von extremistischen Kr\u00e4ften drohen, ist zu unterscheiden, in welchem Umfang diese Kr\u00e4fte eine Gefahr f\u00fcr die im Grundgesetz und in der Bayerischen Verfassung verankerte freiheitliche demokratische Grundordnung als solche darstellen, und in welchem Ausma\u00dfsie eine Gefahr f\u00fcr die \u00f6ffentliche Sicherheit und Ordnung bedeuten. Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist die freiheitliche demokratische Grundordnung eine Ordnung, die unter Ausschlu\u00df jeglicher Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft eine rechtsstaatliche Herrschaftsordnung auf der Grundlage der Selbstbestimmung des Volkes nach dem Willen der jeweiligen Mehrheit undder Freiheit und Gleichheit darstellt. Zu den fundamentalen Prinzipien dieser freiheitlichen Grundordnung geh\u00f6ren mindestens die Achtung vor den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, die Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, die Gewaltenteilung, die Verantwortlichkeit der Regierung, die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit der Verwaltung, die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte, das Mehrparteienprinzip, die Chancengleichheit der politischen Parteien und das Recht auf verfassungsm\u00e4\u00dfige Bildung und Aus\u00fcbung einer Opposition. Der politische Extremismus stellte auch 1981 in Bayern keine ernsthafte Gefahr f\u00fcr den Bestand unseres Staates undseine freiheitliche Ordnung dar. Nach wie vor gibt es aber eine Reihe von Gruppenunterschiedlicher Zielsetzung, die zur 'Anwendung von Gewalt und Terror bereit sind und eine akute Gefahr f\u00fcr die Sicherheit darstellen. Die linksextremen Kr\u00e4fte gef\u00e4hrdeten auch 1981 nicht ernsthaft die freiheitliche 'demokratische Grundordnung. Allerdings gelang es ihnen, ihren Einflu\u00df gegen\u00fcber den Vorjahren nicht unerheblich auszudehnen. Dies spiegelt sich weniger in dem geringf\u00fcgigen Mitgliederzuwachs wider: Das Potential der Linksextremi- 1","sten lag 1981 in Bayern bei rund 11000 Personen, wobei die Orthodoxe Linke wieder zu, die Neue Linke weiter abnahm. Vielmehr gelang es der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), ihren Nebenorganisationen und den zahlreichen, von ihr beeinflu\u00dften Organisationen vor allem mit den Kampagnen f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung und gegen den NATO-Doppelbeschlu\u00df, Anh\u00e4nger demokratischer Parteien oder Gruppen und sonstige nicht extremistische Personenkreise in st\u00e4rkerem Umfang als bisher f\u00fcr gemeinsame Aktionen zu gewinnen. Dabei stellten sie sich der allgemeinen \u00d6ffentlichkeit als alleinige Garantenf\u00fcr Frieden, Demokratie und Freiheit dar Mit ihrer Volksfrontpolitik versuchen die DKP und ihre Nebenorganisationen, ihren totalit\u00e4ren marxistisch-leninistischen Zielen n\u00e4her zu kommen. Hierin liegt die besondere Gef\u00e4hrlichkeit der Orthodoxen Kommunisten. Bei den Gruppen der dogmatischen NeuenLinken setzte sich 1981 der Abw\u00e4rtstrendfort. Ideologische Differenzen, Resignation der Mitglieder und finanzielle Probleme waren daf\u00fcr verantwortlich. Weder aus der Hausbesetzernoch aus der Antiatomkraftbewegung erhielten diese Gruppen entscheidende neue Impulse. Bemerkenswert war die Zunahme der Bereitschaft zu Aktionsb\u00fcndnissen untereinander, aber auch vereinzelt mit orthodox-kommunistischen Kr\u00e4ften. Die undogmatische Neue Linke blieb schwer \u00fcberschaubar. Sie war in viele Gruppen und Gr\u00fcppchen zerfallen, zeigte sich aber in Randbereichen militant, insbesondere im Zusammenhang mit der Hausbesetzerbewegung. Die rechtsextremen Gruppen waren auch 1981 nicht in der Lage,die freiheitliche demokratische Grundordnung zu gef\u00e4hrden. Jedoch stellten Gewaltanschl\u00e4ge und die vor allem bei einigen neonazistischen Gruppen vorhandene Bereitschaft, Gewalt anzuwenden, eine akute Gefahr f\u00fcr die Sicherheit dar. 1981 bet\u00e4tigten sich in Bayern 31 rechtsextreme Gruppen mit rund 4000 Mitgliedern. W\u00e4hrend die Mitgliederzahl bei der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) 1981 weiter sank, konnte die Deutsche Volksunion (DVU) mit den in sie integrierten Aktionsgemeinschaften einen leichten Mitgliederzuwachs verzeichnen. Die Zahl der neonazistischen und antisemitischen Vorf\u00e4lle stieg erneut an. Die von Terroristen und ihren Sympathisanten 1981 ver\u00fcbten Gewaltanschl\u00e4ge zeigten, da\u00df die von ihnen ausgehende Bedrohung unvermindert anh\u00e4lt. Die linksterroristischen Gruppen verf\u00fcgen \u00fcber eine ausreichende personelle und logistische Basis, um jederzeit schwere Anschl\u00e4ge zu ver\u00fcben. Die Erkenntnisse aus denAktivit\u00e4ten der Gruppe um den F\u00fchrer der verbotenen Wehrsportgruppe Hoffmann im Libanon sowie die Vorf\u00e4lle am 20. Oktober in M\u00fcnchen machten deutlich, da\u00df auch bei Rechtsextremisten die Bereitschaft zu schwersten Gewaltanschl\u00e4gen besteht. Die Situation im Bereich der rund 4800 extremistischen Ausl\u00e4nder hat sich gegen\u00fcber 1980 ncht wesentlich ver\u00e4ndert. Ausgel\u00f6st durch die innenpolitische Lage in der T\u00fcrkei und im Iran kam es zu Auseinandersetzungen zwischen linksund rechtsextremen T\u00fcrken bzw.zwischen Bef\u00fcrwortern und Gegnern des derzeitigen Regimes im Iran. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen rivalisierender Ausl\u00e4ndergruppen stellen eine Gef\u00e4hrdung der \u00f6ffentlichen Sicherheit in unserem Land dar. 12","\u00dcbersicht \u00fcber die Zahl der Extremisten in Bayern 11000 10900 10900 11000 8700 1978 4700 i hi. j EB Linksextremisten E Orthodoxe Linke Be Rechtsextremisten 1981 E extremistische Ausl\u00e4nder 4800 Die Nachrichtendienste der kommunistischen Staaten betrieben 1981 unvermindert ihre Spionaget\u00e4tigkeit gegen unser Land. Die Dienste der DDR hatten daran wieder den st\u00e4rksten Anteil.","2. Abschnitt Linksextremismus 1. Allgemeines 1981 gab es in Bayern 140 linksextreme Organisationen mit etwa 11.000 Mitgliedern. Die Mitgliederzahl und die Zahl der Organisationen blieb gegen\u00fcber dem Vorjahr fast konstant. Einen R\u00fcckgang verzeichneten vor allem Gruppen der Neuen Linken. Im Bereich der Orthodoxen Linken entstanden im Zusammenhang mit der sog. Friedensbewegung zahlreiche Initiativen. Innerhalb des Bereichs des Linksextremismus gab es bei den Orthodoxen und den Neuen Linken Ver\u00e4nderungen. Die Mitgliederzahl bei den Organisationen der Orthodoxen Linken stieg von etwa 9.300 auf rund 9.800. Der Zuwachs war im wesentlichen bei von der DKP und ihren Nebenorganisationen beeinflu\u00dften Komitees gegen den \"NATO-Nachr\u00fcstungsbeschlu\u00df' festzustellen. Die Gruppen der NeuenLinken nahmen auch 1981 ab und verf\u00fcgten nur noch \u00fcber rund 1.200 gegen\u00fcber 1.600 Mitgliedern 1980. Bei diesen Zahlensind jedoch zahlreiche Doppelmitgliedschaften zu ber\u00fccksichtigen. Durch eine Reihe von Aktionen, insbesondere im Zusammenhang mit Abr\u00fcstungs-, Friedensund Umweltschutzkampagnen sowie durch eine anhaltend starke publizistische T\u00e4tigkeit versuchten die Linksextremisten auch 1981, ihrem Ziel, die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse zu ver\u00e4ndern, n\u00e4herzukommen. In diesem Ziel sind sich die moskauorientierten orthodoxen Kommunisten und die Neuen Linken einig. Auf dem Weg\u00fcber de sozialistische Revolution und die Diktatur des Proletariats wollen sie die bestehende freiheitliche demokratische Grundordnung beseitigen und anihrer Stelle einen kommunistischen Staat errichten. Sie unterscheiden sich nur in der Methode: W\u00e4hrend die orthodoxen Kommunisten nach au\u00dfen denEindruck der formalen \u00dcbereinstimmung mit der Verfassung zu erwecken versuchen, bekennen sich Gruppen der Neuen Linken offen zur revolution\u00e4ren Gewalt. Die Gruppen der Orthodoxen Linkenstellen einen ideologisch festen Block dar. Bei Gruppen der NeuenLinken hielten die ideologischen Auseinandersetzungen an; es kam aber auchzu Versuchen der Neuformierung. Gelegentlich gab es Bem\u00fchungen von Gruppen der dogmatischen Neuen Linken um Aktionsb\u00fcndnisse mit Gruppender Orthodoxen Linken. Die undogmatischen Gruppen der Neuen Linken sind nach wie vor zerstritten. Die Gegens\u00e4tze zwischen gem\u00e4\u00dfigten und militanten Gruppen blieben un\u00fcberbr\u00fcckbar 14","Die bedeutendsten linksextremen Organisationen waren 1981: 1.1 Kommunistische Kernorganisationen Die kommunistischen Kernorganisationen wirken im Sinne des Marxismus-Leninismus und verstehen sich als f\u00fchrende Kraft im Kampff\u00fcr die sozialistische Revolution und die Diktatur des Proletariats. Orthodoxe Linke Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Neue Linke Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) Kommunistischer Bund (KB) Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands (KABD) Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) (KPD, fr\u00fcher KPD/ ML) Gruppe Internationale Marxisten -- Deutsche Sektion der IV. Internationale (GIM) 1.2 Kommunistische Nebenorganisationen Die kommunistischen Nebenorganisationen sind organsatorisch selbst\u00e4ndige Vereinigungen mit eigenen Satzungen und F\u00fchrungsgremien, die sich jedoch der jeweiligen Kernorganisation unterordnen. Sie bekennensich wie diese zum k\u00e4mpferischen Marxismus-Leninismus. Ma\u00dfgebende F\u00fchrungsfunktionen der Vereinigungen sind mit Mitgliedern der Kernorganisation besetzt. Nebenorganisationen der DKP Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) Junge Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP) Nebenorganisationen des KBW Kommunistische Jugendb\u00fcnde (KJB) Kommunistische Hochschulgruppen (KHG) Vereinigung f\u00fcr revolution\u00e4re Volksbildung (VrV) Nebenorganisationen des BWK BWK-Hochschulzellen Nebenorganisationen des KB KB-Studenten","Nebenorganisationen des KABD Revolution\u00e4rer Jugendverband Deutschlands (RJVD) Kommunistische Studentengruppen (KSG) Bund Kommunistischer Intellektueller (BKI) Nebenorganisationen des AB Rote Sch\u00fclerfront (RSF) Kommunistischer Hochschulbund (KHB) Nebenorganisationen der KPD(fr\u00fcher KPD/ML) Rote Garde (RG), 1981 umbekannt in Kommunistische Jugend Deutschlands (KJD) Kommunistische Studenten (KS) Revolution\u00e4re Gewerkschaftsopposition (RGO) Revolution\u00e4re Landvolkbewegung (RLVB) Rote Hilfe Deutschlands (RHD) Nebenorganisationen der GIM GIM-Hochschulgruppen 1.3 Kommunistisch beeinflu\u00dfte Organisationen Ein gro\u00dfer Teil der linksextremen Organisationen sind Vereinigungen, de sich meist \u00fcberparteilich oder unabh\u00e4ngig darstellen, tats\u00e4chlich aber unter einem mehr oder weniger starken Einflu\u00df der kommunistischen Kernund Nebenorganisationen stehen. Der Einflu\u00df dr\u00fcckt sich insbesondere darin aus, da\u00df sie -- vonihnen oder auf ihre Initiative hin gegr\u00fcndet wurden, -- insbesondere wichtige F\u00fchrungsfunktionen von Kommunisten besetzt sind, -- eng mit den Kernoder Nebenorganisationen zusammenarbeiten, -- Ziele verfolgen, die sich in Teilbereichen mit typisch kommunistischen Zielsetzungen decken. Teilweise liegen mehrere oder alle diese Merkmale vor. Entsprechend stark ist dann der kommunistische Einflu\u00df. So gibt es Gruppen, die keine wesentliche Entscheidung gegen den Willen der Kernoder Nebenorganisationen treffen k\u00f6nnen; andere haben trotz erheblichen kommunistischen Einflusses noch Raum f\u00fcr ein politisches Eigenleben. Die wichtigsten kommunistisch beeinflu\u00dften Organisationen waren 1981: Deutsche Friedens-Union (DFU) Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (VVNBaA) Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) Vereinigung Demokratischer Juristen (VDJ) 16","Demokratische Fraueninitiatve (DFI) Einzelne Komitees undInitiativen gegen \"Berufsverbote\" und \"Kernkraftwerke\", f\u00fcr \"Frieden' und \"Abr\u00fcstung\" Sozialistischer Hochschulbund (SHB) Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg -- F\u00fcr Freiheit und Demokratie, Wohlstand und Frieden (VOLKSFRONT) Anti-Strau\u00df-Komitees (ASKo) 1.4 Sonstige linksextreme Gruppen Daneben gbt es noch eine Reihe autonomer Gruppierungen, die anarchistische, spontaneistische oder undogmatische Richtungen vertreten. Sie wollen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung revolution\u00e4r beseitigen, lehnen jedoch das dogmatische Konzept des Marxismus-Leninismus ab. Diese Gruppensind h\u00e4ufig kleine, lose und kurzlebige Zusammenschl\u00fcsse. 2. Orthodoxe Kommunisten 2.1 \u00dcberblick Die orthodoxen Kommunisten n der Bundesrepublik Deutschland leisteten auch 1981 ihren Beitrag zur Festigung der Einheit und Geschlossenheit der kommunistischen Weltbewegung. Sie bekennen sch zum Marxismus-Leninismus sowjetischer Pr\u00e4gung undfolgen bedingungslos der ideologischen undpolitischen Linie der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) und der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) der DDR. Sie sehen in der Sowjetunion und in der DDR den \"realen Sozialismus\" verwirklicht. Sie betonten die feste Verbundenheit mit den kommunistischen Parteien der Sowjetunion, der DDR und anderer sozialistischer L\u00e4nder und verstehen sich als Teil der kommunistischen Weltbewegung Dokumentiert wurde diese Verbundenheit besonders durch die Anwesenheit von Abordnungen der KPdSU, der SED und 47 anderer \"Bruderparteien' beim 6. Parteitag der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) vom 29.--31. Mai in Hannover. Nach dem Marxismus-Leninismus sowjetischer Pr\u00e4gung hat die kommunistische Weltbewegung die F\u00fchrungsrolle bei der revolution\u00e4ren Umgestaltung der kapitalistischen in die sozialistische Gesellschaft. Sie gliedert sich in drei \"Hauptabteilungen''. Diese sind das \"sozialistische Weltsystem\", dh. die Staaten, in denen eine \"siegreiche\" sozalstische Revolution stattgefunden hat, die Arbeiterklasse der kapitalistischen L\u00e4nder unter der F\u00fchrung ihrer marxistischleninistischen Partei und die 'nationale Befreiungsbewegung' der V\u00f6lker n den Gebieten der ehemaligen \"kolonialen und halbkolonialen Welt\". Innerhalb der kommunistischen Weltbewegung kommt dem \"sozialistischen Weltsystem'' und voran der KPdSU de Vorbildund F\u00fchrungsrolle zu. Einigendes Band ist als \"organischer Bestandteil der Ideologie' der \"proletarische Internationalismus''. Er soll die \"Gesamtheit der Interessen und die Solidarit\u00e4t der Arbeiterklasse und der Werkt\u00e4tigen aller L\u00e4nder, ihre Geschlossenheit und Aktionseinheit im Kampf um die revolution\u00e4re Umgestaltung der Gesellschaft\" zum Ausdruck bringen Der weltumspannende F\u00fchrungsanspruch der KPdSU und der Sowjetideologie manifestiert sich ncht zuletzt auch in einigen internationalen prosowjetischen 17","]pr4 [weo:sen Organisations\u00fcbersicht Orthodoxe Linke Deutsche Kommunistische Partei (DKP) mse_ }-1 ste] [oravk HH Kraz_ | Do Hrn] ---Nebenorganisationen --beeinflu\u00dfte Organisationen Abk\u00fcrzungen vgl. Abk\u00fcrzungsverzeichnis. Organisationen wie dem Weltfriedensrat (WFR), dem Weltbund der Demokratischen Jugend (WBD)) und der Fed6ration Internationale des R\u00f6sistants (FIR), In der Bundesrepublik Deutschland und damit auch in Bayern sind die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) und deren Nebenorganisationen Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ), Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) und Junge Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP) sowie -- mit Einschr\u00e4nkungen -- von der DKP und ihren Nebenorganisationen beeinflu\u00dfte Organisationen Sammelbecken f\u00fcr die orthodoxen Kommunisten. Sie stellen einenfestgef\u00fcgten Block dar, sind vorallem im Funktionn\u00e4rsbereich eng verflochten und finanziell sehr gut ausgestattet. Die Kernund Nebenorganisationen werden nach dem marxistisch-leninistischen Organisationsprinzip des \"demokratischen Zentralismus'' gef\u00fchrt. Auch wenn es die orthodoxen Kommunisten in der Bundesrepublik Deutschland zur Verschleierung ihrer wahren Ziele nicht offen aussprechen, bekennen sie sich zur sozialistischen Weltrevolution und zur Diktatur des Proletariats. Das Grundmodell ihrer \"sozialistischen Ordnung\" sehen sie in den sozialistischen L\u00e4ndern, insbesondere in der DDR, verwirklicht. Unterst\u00fctzung finden die orthodoxen Kommunisten vor allem bei Teilen der sog. \"Friedensbewegung\" und der\"Antifaschismus-Bewegung' sowie bei anderen Organisationen unterschiedlicher Zielsetzung, die vielfach von ihnen beeinflu\u00dft sind (vgl. Nr. 2.4). 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 2.2.1 Ideologisch-politischer Standort Die DKP wurde am 26 September 1968 anstelle der im Jahre 1956 vom Bundesverfassungsgericht verbotenen Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) gegr\u00fcndet. Sie ist nach wie vor die mit Abstand st\u00e4rkste extremistische Partei, Sie nimmt f\u00fcr sich die politische F\u00fchrung der orthodoxen Kommunisten in der Bundesrepublik Deutschland in Anspruch. 18","Sie folgt bedingungslos undkritiklos der Linie der KPdSU und der SED. Auch wenn die DKP \u00fcbereinstimmend mit der Sowjetideologie davon ausgeht, in \"sch\u00f6pferischer Anwendung\" der Lehren des Marxismus-Leninismus einen eigenen Weg zur Verwirklichung des Sozialismusin der Bundesrepublik Deutschland zu entwickeln, so ordnet sie ihr taktisches Vorgehen dem Prinzip des proletarischen Internationalismus unter. Sie verurteilt jede Art von \"Rechtsund Linksopportunismus'\". Sie sieht die \"Haltung zur Sowjetunion\" als \"entscheidenden Pr\u00fcfstein f\u00fcr jeden Kommunisten, f\u00fcr seine Treue zur Sache der revolution\u00e4ren Arbeiterbewegung\" und \"erzieht ihre Mitglieder best\u00e4ndig im Geist fester Freundschaft zur Sowjetunion'. Ziel der DKPist es, eine sozialistische und kommunistische Gesellschaftsordnung zu verwirklichen. Dies ergibt sich aus ihrem am 21. Oktober 1978 auf dem Mannheimer Parteitag beschlossenen Programm undaus einer Vielzahl ideologischer Schriften und Ausbildungsmaterialien. Danach sei \"unverr\u00fcckbares Ziel' der Sozialismus \"als erste Phase der kommunistischen Gesellschaftsformation''. Diese 'grundlegend neueGesellschaftsordnung' baue auf der \"revolution\u00e4ren \u00dcberwindungder kapitalistischen Machtund Bestzverh\u00e4ltnisse\"' auf und k\u00f6nnenur \"im harten Klassenkampf' durchgesetzt werden. Sie setze die Erringungder politischen Macht durch die Arbeiterklasse im B\u00fcndnis mit den anderen Werkt\u00e4tigen voraus. Dieser revolution\u00e4re Proze\u00df sei von allgemeinen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten gepr\u00e4gt, wie sie der Marxismus-Leninismus darlege und wie sie durch die \"Praxis der Oktoberrevolution wie auch aller nachfolgenden sozialistischen Umw\u00e4lzungen\" best\u00e4tigt worden seien. Die \"Lehre von Marx, Engels und Lenin\" ist der \"politische Kompa\u00df der DKP und wissenschaftliches Fundament ihrer Politik'. In \"sch\u00f6pferischer Anwendung' dieser Lehre entwickelt die DKP Strategie und Taktik ihres Kampfes um die Errichtung des Sozialsmus in der Bundesrepublik Deutschland. Sie sieht sich als \"die revolution\u00e4re Partei der Arbeiterklasse in der Bundesrepublik Deutschland\". Die DKP geht aufgrund marxistisch-leninistischer Analyse davon aus, da\u00df die Gegenwart \"die Epoche des \u00dcbergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus im Weltma\u00dfstab' sei. Der \"staatsmonopolistische Kapitalismus' habe sich in der Bundesrepublik Deutschland voll entwickelt. Er befinde sich in der Krise. Jene \"besonderen Faktoren\" h\u00e4tten aufgeh\u00f6rt zu wirken, die die langanhaltende, \"viele Gebrechen der kapitalistischen Ordnung \u00fcberdeckende Nachkriegskonjunktur'' erm\u00f6glicht und in breiten Bev\u00f6lkerungskreisen tiefe Illusionen \u00fcber die bestehenden gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse erweckt h\u00e4tten. Daher sei die \"Hauptzielsetzung der DKP in der gegenw\u00e4rtigen Etappe', das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zugunsten der \"Arbeiterklasse'' und der \"anderen demokratischen Kr\u00e4fte\" zu ver\u00e4ndern unddie \"Wende zu demokratischem und sozialem Fortschritt herbeizuf\u00fchren\". Sie erachtet es als m\u00f6glich und im Interesse der Arbeiterklasse erstrebenswert, da\u00df dieser Kampf in eine \"antimonopolistische Demokratie\" einm\u00fcndet Unter der \"antimonopolistischen Demokratie' versteht die DKP eine Periode \"grundlegender Umgestaltungen\", in der eine von der \"Arbeiterklasse und den anderen demokratischen Kr\u00e4ften getragene antimonopolistisch-demo19","kratische Staatsmacht\"' geschaffen werdensoll. Dabei sieht die DKP die antimonopolistische und sozialistische Umw\u00e4lzung als miteinander verbundene Entwicklungsstadieneines \"einheitlichen revolution\u00e4ren Prozesses des \u00dcbergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus\". Die Formulierungen \"sozialistische Umw\u00e4lzung\" und \"politische Macht der Arbeiterklasse'' sind gleichbedeutend mit den unverzichtbaren marxistisch-leninistischen Begriffen \"sozialistische Revolution' und \"Diktatur des Proletariats'' Diese Begriffsmanipulation der DKP dient ebenso der Verschleierung ihrer wahren verfassungsfeindlichen Zielsetzung we ihre Beteuerung, sie \"'wirke auf dem Boden des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland\" und erstrebe die \"grundlegende Umgestaltung auf der Basis der demokratischen Prinzipien und Rechte des Grundgesetzes'. In Wirklichkeit sieht die DKP im Grundgesetz nur eine disponible Basis f\u00fcr ihren Kampf. Die Grundrechte versteht sie ncht als Garantie eines Freiheitsraumes f\u00fcr den B\u00fcrger, sondernals Legitimation und Auftrag f\u00fcr die Arbeiterklasse, die bestehende Ordnungzu beseitigen und den Sozialismus und eine sozialistische Verfassung zu erk\u00e4mpfen. Ihr Eintreten f\u00fcr \"Demokratie\"' ist nur vor dem Hintergrund des marxistisch-leninistischen Demokratieverst\u00e4ndnisses zu sehen. Entsprechendes gilt bez\u00fcglich des Eintretens der DKPgegen \"Faschismus und Rechtsentwicklung\"', f\u00fcr die Einhaltung der Prinzipien der \"friedlichen Koexistenz'' und die Erhaltung und Sicherung desFriedens. Die System\u00fcberwindung will die DKP unter den gegenw\u00e4rtigen Umst\u00e4nden mit systemkonformen Mitteln und grunds\u00e4tzlich auf friedlichem Weg erreichen. Gleichwohl betont se m Programm, da\u00df es von der Kraft der Arbeiterklasse, der Stabilit\u00e4t ihrer B\u00fcndnisse mit anderen \"demokratischen Kr\u00e4ften\", der St\u00e4rke ihrer revolution\u00e4ren Partei, insbesondere aber von den \"Formen des Widerstandes der Reaktion\" abhinge, wie sich dieser Weg konkret gestalten werde Solange die Bedingungen f\u00fcr einen\"direkten, offenen, wirklich revolution\u00e4ren Kampf\" noch nicht vorhanden seien, m\u00fc\u00dften die Kommunisten in allen -- auch den\"reaktion\u00e4ren'' -- Institutionen und Massenorganisationen arbeiten und in ihnen die \"Interessen der Revolution' verfechten. Hatte sich die DKP n der Vergangenheit zur Frage der Gewaltanwendung bei aktuellen Aktionen deutliche Zur\u00fcckhaltung auferlegt, so zeigte sich in j\u00fcngster Zeit eine zunehmende Bereitschaft, auch gewaltt\u00e4tige Aktionen in Kauf zu nehmen. Das dokumentiert die folgende \u00c4u\u00dferung des DKP-Vorsitzenden Mies in seinem Rechenschaftsbericht an den 6. Parteitag 1981: \"Das demokratische Widerstandsrecht, das Grundrecht der arbeitenden Menschen, ihre Interesen zur Geltung zu bringen und die entsprechenden Kampfformen zu w\u00e4hlen, entspricht vollauf den demokratischen Prinzipien des Grundgesetzes .. Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht Wo Macht vor Recht geht, da mu\u00df man sch gegen die Macht . des Unrechts wehren Da fragt man nicht lange: Darf man denn das? Dasollte man in der Tat wahre Demokratie wagen.' Entsprechend diesem \"Freibrief'' von oberster Stelle nahmen orthodoxe Kommunisten 1981 auch in Bayern an Hausbesetzungen teil. Sozialistische Revolution und Diktatur des Proletariats als Weg und sozialistische und kommunistische Gesellschaftsordnung als Ziel sind, wie das Bundes20","verfassungsgericht im Urteil zum Verbot der KPDfestgestellt hat, mit derfreiheitlichen demokratischen Grundordnung unseres Grundgesetzes unvereinbar Die verfassungsfeindliche Zielsetzung der DKP ergibt sich auch daraus, da\u00df die DKP vorbehaltlos das in der DDR herrschende Staatsund Gesellschaftssystem als Muster f\u00fcr die von ihr angestrebte Ordnung in der Bundesrepublik Deutschland ansieht. In der DDR w\u00fcrden unter der F\u00fchrung der SEDdie Arbeiter und Bauern, das ganze Volk der DDR die entwickelte sozialistische Gesellschaft gestalten und auf deutschem Boden den \"realen Sozialismus', \"die grundlegende 'Alternative zur kapitalistischen Ausbeuterordnung\", st\u00e4rken. Dort w\u00fcrden \"die besten revolution\u00e4ren, demokratischen und nationalen Traditionen der deutschen Geschichte\" verk\u00f6rpert. Von einem solchen Staat h\u00e4tten \"Generationen von Kommunisten undSozialisten' getr\u00e4umt. Nur in einem solchen Staat k\u00f6nne es \"wirkliche Volksherrschaft, also Demokratie'' geben. Das Staatsund Gesellschaftssystem der DDR st aber mit den unverzichtbaren Elementen unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung unvereinbar. 2.2.2 Anforderungen an das DKP-Mitglied Die DKP-Mitglieder sind nach dem Parteistatut verpflichtet, die Grunds\u00e4tze und Zele der Partei anzuerkennen, sich f\u00fcr die Verwirklichung der beschlossenen Politik einzusetzen und sie im gesellschaftlichen Lebenaktiv zu vertreten. Die DKP sieht sich als einheitlich und solidarisch handelnde \"Kampfgemeinschaft\", deren innerparteiliches Leben von der \"marxistischen Weltanschauung und der Gemeinschaft der politischen Ziele' gepr\u00e4gt werde. \"Kommunist ist man \u00fcberall: am Arbeitsplatz, im Wohngebiet, in der Familie'. Als richtige Haltung der Kommunisten sieht es die DKP an, offen und konsequent den kommunistischen Standpunkt zu vertreten, initiativreiche, geduldige Verfechter der Politik der Aktionseinheit zu sein, in B\u00fcndnissen \"aktiv, initiativ und partnerschaftlich\" zu wirken und sich als \"die besten, entschiedensten, uneigenn\u00fctzigsten Vertreter des Volksinteresses'' zu erweisen und aktiv bei der Gewinnung neuer Mitglieder und der Verbreitung und Gestaltung der DKP-Presse mitzuwirken. Kommunist sein hei\u00dfe, aus Klassenbewu\u00dftsein ein disziplinierter K\u00e4mpfer der Partei der Arbeiterklasse zu sein, hei\u00dfe qualitativ gut, gewissenhaft, diszipliniert am Arbeitsplatz, in der Schule, in den Hochschulen, in der Elternvertretung, in der parlamentarischen Vertretung, \"im sogenannten normalen Leben\" zu sein. Bereits in der kapitalistischen Gesellschaft erwerbe der Genosse in der Gemeinschaft der Partei eine eigene \"proletarische Klassenmoral\", die im Gegensatz zur \"b\u00fcrgerlichen Moral\" stehe, die \"heuchlerisch\", \"doppelb\u00f6dig'' und \"menschenfeindlich\" sei. Die Erf\u00fcllung dieser hohen Anforderungen an die \"proletarische Moral' wird u.a. im Rahmen vonZeit zu Zeit stattfindenden Mitgliedsbuchumtauschaktionen (zuletzt 1979) \u00fcberwacht. 2.2.3 B\u00fcndnispolitik Die sogenannte B\u00fcndnispolitik st ein wesentlicher Bestandteil der Gesamtpolitik der DKP und ihrer Nebenorganisationen. Sie beruht auf marxistisch-leninistischer Strategie und Taktik. Aufgrundihrer Analyse der Wirtschaftsund Gesell21","schaftsordnung geht die DKP davon aus, da\u00df sich n der Bundesrepublik Deutschland der staatsmonopolistische Kapitalismus voll entwickelt habe. Wegen der dadurch eingetretenen Polarisierung zwischen der \"kleinen Gruppe von Konzernherren und Multimillion\u00e4ren'' und der \"\u00fcberw\u00e4ltigenden Mehrheit des Volkes' sei die Zusammenfassung aller \"antimonopolistischen\" Kr\u00e4fte um die 'Arbeiterklasse objektiv m\u00f6glich, aber auch \"unerl\u00e4\u00dflich\" f\u00fcr die Durchsetzung des \"gesellschaftlichen Fortschritts', also f\u00fcr die Erreichung des sozialistischen Zieles. Nicht zuletzt im Hinblick auf ihre vergleichsweise geringe Mitgliederzahl und ihr schwaches W\u00e4hlerpotential ist die DKP bestrebt, \"B\u00fcndnisse\" mit nichtkommunistischen Kr\u00e4ften in der \"Aktionseinheit der Arbeiterklasse' undin einem \"breiten, antimonopolistischen B\u00fcndnis' zu schaffen. F\u00fcr eine erfolgreiche Politik der \"Aktionseinheit und des demokratischen B\u00fcndnisses' ist es f\u00fcr die DKP \"von erstrangiger Bedeutung\", die \"tiefe Kluft' zwischen der \"objektiven Lage der vom Monopolkapital ausgebeuteten und bedr\u00e4ngten Klassen und Schichten einerseits und ihrer Erkenntnis durch die Betroffenen andererseits\" zu \u00fcberwinden. Die DKP st sich der Wirkungen ihrer B\u00fcndnispolitik bewu\u00dft. So betonte der DKPVorsitzende Mies in seinem Bericht an den 6. Parteitag 1981: \"Nahezu 50.000 in der DKP organisierte Kommunisten sind der Zahl nach nicht allzuviel. Aber ihre Politik, ihre Aktivit\u00e4t, ihre Bereitschaft zur Aktionseinheit und zum demokratischen B\u00fcndnis, ihre freundschaftliche Verbundenheit mit der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend und dem Marxistischen Studentenbund Spartakus, ihre Verankerung in der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung habensie zu einer Kraft gemacht, die Wirkung zeigt. Die T\u00e4tigkeit der DKP hat dazu beigetragen, da\u00df in unserem Land en Mehr an Bewegung entstanden ist, da\u00df die Aktivit\u00e4t der Arbeiterklasse und der demokratischen Kr\u00e4fte zugenommenhat. Und ganz gewi\u00df werden wir Kommunisten auch in Zukunft die politischen und sozialen Auseinandersetzungen in unserem Land mitpr\u00e4gen.\" 2.2.3.1 Aktionseinheit Das\"Kernst\u00fcck\" ihrer Politik sieht die DKP in der Herbeif\u00fchrung der \"Aktionseinheit der Arbeiterklasse\". Damit versucht sie, ein Zusammenwirken von\"Arbeitern, Angestellten und Beamten, deutschen und ausl\u00e4ndischen Kollegen, sozialdemokratischen, kommunistischen, christlichen und parteilosen Arbeitern\" zu erreichen. Mit Nachdruck hat die DKP im Programm ihre Bem\u00fchungen um eine Zusammenarbeit mit Mitgliedern und Anh\u00e4ngern der SPD sowie mit der SPD als Partei herausgestellt Besondere Bedeutung mi\u00dft sie der Arbeit in den Gewerkschaften zu, weil sie dort die \"breiteste und umfassendste Klassenorganiation der Arbeiter, Angestellten und Beamten\" sieht. Sie betont, da\u00df es f\u00fcr jeden Kommunisten \"selbstverst\u00e4ndliche Pflicht\" sei, \"ein aktiver Gewerkschafter zu sein und f\u00fcr de Verwirklichung der denInteressen der Arbeiterklasse dienenden Gewerkschaftsbeschl\u00fcsse zu k\u00e4mpfen'. Sie setzt sich daf\u00fcr ein, \"da\u00df dem Antikommunismus in den Gewerkschaften kein Raum gegeben wird und die Grunds\u00e4tze der Einheitsgewerkschaften strikt beachtet werden''. Mit diesen Forderungen versucht die DKP,Einflu\u00df in den Gewerkschaften zu gewinnen. Nach hrer Auffassung sollen 22","die Einheitsgewerkschaften aber nicht \"St\u00fctze f\u00fcr ein br\u00fcchiger werdendes kapitalistisches System', sondern \"Kraftzentrum zur Durchsetzung der Klasseninteressen der Arbeiter, Angestellten und Beamten\" sein. Sie h\u00e4lt sich dabei an den Satz von Lenin, wonach man zu jedwedem Opfer entschlossen sein m\u00fcsse und sogar, wenn es sein mu\u00df, alle m\u00f6glichen Schliche und Listen undillegalen Methoden anwenden, die Wahrheit verschweigen und verheimlichen m\u00fcsse, nur um in die Gewerkschaften hineinzukommen, in ihnen zu bleiben undin hnen um jeden Preis kommunistische Arbeit zu leisten. Knappdreiviertel der DKP-Mitglieder sind gewerkschaftlich organisiert Etwa 10 % von ihnen nehmen gewerkschaftliche Funktionen wahr. Von den 812 ordentlichen Delegierten und Gastdelegierten auf dem 6. DKP-Parteitag 1981 waren 768 Mitglieder von Gewerkschaften; 492 \u00fcbten gewerkschaftliche Funktionen aus. 2.2.3.2 Volksfrontpolitik Bei ihren Bem\u00fchungen, ein \"breites antimonopolistisches B\u00fcndnis\", eine sog. Volksfront zu bilden, wendet sich die DKP vor allem anIntellektuelle, an b\u00fcrgerliche Kreise bis hin zu mittleren Unternehmern und an Landwirte. Sie will diese Personenkreise in B\u00fcndnisse gegen das \"'Monopolkapital'', und seien sie auch \"sachlich undzeitlich noch so begrenzte'', einbeziehen. Sie bem\u00fcht sich, B\u00fcndnispartner davon zu \u00fcberzeugen, da\u00df es notwendig sei, \"'punktuelle B\u00fcndnisse zu umfassenden demokratischen B\u00fcndnissen zu erweitern\". Daher arbeitet sie \"aktiv in demokratischen Bewegungen, B\u00fcrgerinitiativen und B\u00fcndnissen\" mit. Im Rahmendieser \"Volksfrontpolitik'' inszeniert die DKP Kampagnen und greift Forderungen auf, die auch von demokratischen Gruppenvertreten werden. Dabei bedient sie sich vor allem von ihr beeinflu\u00dfter Organisationen (zu den beeinflu\u00dften Organisationen vgl. Nr. 2.4). 1981 waren dies von orthodoxen Kommunisteninitiierte und gef\u00f6rderte, h\u00e4ufig von DKP-beeinflu\u00dften Organisationen getragene Kampagnen vor allem f\u00fcr \"Frieden und Abr\u00fcstung' und gegen den \"Nachr\u00fcstungsbeschlu\u00df der NATO\", aber auch gegen \"Faschismus und Rechtsentwicklung' sowie gegen die sogenannten \"Berufsverbote\" Die Kampagne f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung war das haupts\u00e4chlicheAgitationsfeld der DKP, hrer Nebenund von ihr beeinflu\u00dften Organisationen. Nach marxistisch-leninistischem Verst\u00e4ndnis geht die Bedrohung des Friedens vom \"Imperialismus\"\" aus. Erst in einer Gesellschaft, die nicht mehr auf dem Privateigentum an Produktionsmitteln und dem Klassengegensatz beruhe, k\u00f6nne der Frieden dauernd gesichert sein. Der Friede sei ein Wesenselement von Sozialsmus und Kommunismus. Der Kampf f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung finde seine Erg\u00e4nzung im Kampf um denSozialismus. In der vom Parteivorstand der DKP 1981 herausgegebenenSchrift \"Kommunisten in der Friedensbewegung\" hei\u00dft es: \"Frieden und Arbeiterbewegung geh\u00f6ren zusammen. Die fortschrittlichen und revolution\u00e4renTeile der Arbeiterklasse waren immer Bestandteil der Friedensbewegung. Andiesen Traditionen orientiert sich heute die DKP''. Der DKP-Vorsitzende Mies erkl\u00e4rte auf dem 6. Parteitag, da\u00df das Wirken der DKP auf \"die St\u00e4rkung der Friedensbewegung in ihrer Vielfalt' gerichtet sei. Das schlie\u00dfe eigene Initiativen genauso ein wie die Unterst\u00fctzungaller politischen und gesellschaftlichen Kr\u00e4fte, die gleichgerichtete Initiativen ergreifen. \"F\u00fcr uns Kommunisten gibt eskeine 23","wichtigere Aufgabe als den Kampff\u00fcr den Frieden'. Erkl\u00e4rtes Ziel der DKPist es, \"eine solche Bewegung zu entwickeln, da\u00df die Stationierung von atomaren Mittelstreckenraketen poltisch undurchf\u00fchrbar wird\" Be der technischen Durchf\u00fchrung von Aktionen m Rahmen der Kampagne f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung sowie gegen de NATO-Nachr\u00fcstung trat die DKPnur selten unmittelbar in Erscheinung. Mest lag die Vorbereitung und Durchf\u00fchrung n den H\u00e4nden der von ihr beeinflu\u00dften Organisationen DFU, KFAZ und DFG-VK Die kommunistische Antifaschismus-Kampagne wird weitgehend von der DKP-beeinflu\u00dften \"Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antfaschisten\"' (VVN-BdA) getragen. Der Kampf gegen den \"Faschismus\" st f\u00fcr de DKP ene taktische Variante ihres Kampfes f\u00fcr den Sozialismus, baserend auf der Annahme, da\u00df die gesellschaftlichen Wurzeln, aus denen der Faschismus hervorgegangen se, ncht beseitigt worden seien, da es dem Monopolkapital gelungense, \"n der heutigen Bundesrepublik\" seine Macht wieder herzustellen Nach wie vor bedeutsam st die Kampagne gegendie \"Berufsverbote\". Der DKP-Vorsitzende Mies erkl\u00e4rte auf dem 6. Partetag 1981, die DKP sehesich veranla\u00dft, \"diesen Kampf mit unverminderter Energie fortzuf\u00fchren\"; sie sehe sch \"durch die unbestreitbaren Erfolge der Bewegung gegen die Berufsverbote\" in ihrer Auffassung best\u00e4tigt, \"da\u00df der Kampf f\u00fcr demokratische Rechte letztendlich seine Fr\u00fcchte tr\u00e4gt'. Die Komitees gegen Berufsverbote k\u00f6nnten auch n Zukunft der aktiven Unterst\u00fctzung durch die DKP sicher sein. Zunehmende Bedeutung gewinnen die Versuche der DKP, hrer Nebenund von ihr beeinflu\u00dften Organisationen, auf die \u00d6kologiebewegungEinflu\u00df zu nehmen, insbesondere durch eine Verbindung der \"Friedensbewegung\" mit der \u00d6kologiebewegung. Die DKPsieht in der Umweltschutzbewegung ein \"betr\u00e4chtliches, objektiv antimperialistisches und antimonopolistisches Potential\", das die \"entscheidende Unterst\u00fctzung der Kommunisten habe'. Die DKP findet wegen hrer grunds\u00e4tzlichen Bef\u00fcrwortung des wissenschaftlichen Fortschritts und derfriedlichen Nutzung der Kernenergie keinen unmittelbaren Zugang zur \u00d6kologebewegung. Daher propagiert sie, \u00d6kologiepolitik se \"in erster Linie Friedensund Abr\u00fcstungspolitik'', und \"der Erhalt des Friedens st de wichtigste Umweltschutzaufgabe''. Nach einer Entschlie\u00dfung des6. Partetags der DKP 1981st \"eine enge Zusammenarbeit von \u00d6kologieund Friedensbewegung unabdingbar. Die DKP wird nach Kr\u00e4ften dazu beitragen, gemeinsame Aktivit\u00e4ten von Umweltund Friedensinitiativen zuinitiieren und aktiv zu unterst\u00fctzen\" Trotz der ideologischen Differenzen waren de DKP,hre Nebenund vonhr beeinflu\u00dften Organisationen 1981 zunehmendbereit, die Teilnahme von Gruppen und Mitgliedern der NeuenLinken an B\u00fcndnisaktionen zu tolerieren, um f\u00fcr ihre Ziele eine m\u00f6glichst gro\u00dfe Massenbasis zu gewinnen. Im Rahmen dieser B\u00fcndhnispolitik gelang es den orthodoxen Kommunisten 1981, vor allem m Rahmen der Friedenskampagnen ihren Einflu\u00df zu vergr\u00f6\u00dfern Sie konnten n erheblichem Umfang auch demokratische Organisationen f\u00fcr eine Beteiligung an Aktionen gewinnen. Sie nutzten aber auch Veranstaltungen demokratischer Organisationen, um vor deren Hntergrund zuagieren, in dem sie 24","z.B hre Mitglieder aufriefen, daran teilzunehmen, am Rande Flugbl\u00e4tter verteilten oder sch bei Demonstrationen mit eigenen Parolen zeigten. Den Erfolg deser B\u00fcndnispolitik zeigte in besonderem Ma\u00dfdie Gro\u00dfdemonstration am 10 Oktober in Bonn, die unter dem Motto \"Gegen die atomare Bedrohung gemeinsam vorgehen -- F\u00fcr Abr\u00fcstung und Entspannung in Europa'' von der \"Aktion S\u00fchnezeichen/Friedensdienste e.V.\" und der \"Aktionsgemeinschaft Dienst f\u00fcr den Frieden\" veranstaltet wurde. Rund 250.000 Personen nahmen daran teil. Unter den rund 800 Organisationen, die den Aufruf zur Teilnahme unterst\u00fctzten, befanden sich fast alle Gruppen des orthodox-kommunistischen B\u00fcndnisbereiches und der NeuenLinken. An der technischen Durchf\u00fchrung des Aufzuges waren auch KFAZ, DFG-VK, SDAJ und VDSbeteiligt Bei den Auftaktkundgebungen sprachen auch f\u00fchrende Funktion\u00e4re von SDAJ, DFG-VK, VVN-BdA und KFAZ. 2.2.4 Organisation Die Mitgliederzahl der DKP lag 1981 auf Bundesebene nach neueren Erkenntnissen bei etwa 40.000 Mitgliedern. Da das am 1. Dezember 1979 verk\u00fcndete Parteiaufgebot \"Tausende Betriebsarbeiter f\u00fcr die Partei gewinnen\" nur einen begrenzten Mitgliederzuwachs brachte, versuchte die DKP seit Juni 1981, die Mitgliederzahl durch einen Wettbewerb zwischen den einzelnen Bezirksund Kreisorganisationen zu erh\u00f6hen. In Bayern gab es Ende 1981 rund 3.000 DKP-Mitglieder. Entwicklung der Mitgliederzahlen der DKP in Bayern Mitglieder 196869 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 3500 3000 2500 2000 1500 1000 500 Die organisatorische Struktur der DKP \u00e4nderte sich 1981 nicht. Die DKP gliedert sich in 12 Bezirksorganisationen. Diese sind in Kreisbzw. Gebietsorganisationen unterteilt, die die Grundeinheiten, n\u00e4mlich die Ortsverb\u00e4nde, Stadtteil-, Wohngebiets-, Betriebsund Hochschulgruppen zusammenfassen (zu den Hochschulgruppen vgl. 5. Abschnitt Nr. 3.1). Bayern ist in die Bezirksorganisationen Nordund S\u00fcdbayern aufgeteilt. Der seit 1973 amtierende Parteivorsitzende Herbert Mies wurde am 30. Mai auf dem6. Parteitag in Hannover wiedergew\u00e4hlt. Auch sein Stellvertreter Hermann Gautier wurde in seinem Amtbest\u00e4tigt. Nach wie vor sind im DKP-Bezirk Nord25","Organisationsstruktur der DKP Parteitag Parteivorstand Pr\u00e4sidium Sekretariat Bezirksorganisationen BezirksdelegiertenI\"-konferenz >] Bezirksvorstand ot Sekretariat I PSE 2 a ' Kreis-/ Gebietsorganisationen Kreisdelegierten*_ I konferenz I Kreisvorstand ot Sekretariat ce 31 T a1 aI Grundorganisationen JahreshauptI\" versammlung 4 I; Vorstand Wahl des Vorsitzenden, ---Stellvertreters und -- Dindende Beschl\u00fcsse weiterer Vorstandsmitglieder ____ Anchenschaftspficht Stand: 31.12. 1981 26","bayern Herbert Stiefvater Vorsitzender und Anka Konh\u00e4user stellvertretende Vorsitzende. Auf der Bezirksdelegiertenkonferenz der DKP-S\u00fcdbayern am 28. M\u00e4rz wurden als neuer Vorsitzender Walter List und als neuer Stellvertreter Heinrich Horrelt gew\u00e4hlt. Die DKP ist in ihrer inneren Struktur nach dem marxistisch-leninistischen Prinzip des \"demokratischen Zentralismus' aufgebaut (vgl. Schema auf $. 26). Die absolute Verbindlichkeit der Beschl\u00fcsse der \u00fcbergeordneten Einheiten f\u00fcr die untergeordneten sowie dasstrikte Verbot der Fraktionsbildung gew\u00e4hrleisten die Geschlossenheit der DKP. In ihrem Ende1981 ver\u00f6ffentlichten Rechenschaftsbericht gem\u00e4\u00df $ 23 Parteiengesetz wies die DKP f\u00fcr 1980 Einnahmen in H\u00f6he von15,7 Mio DM (1979: 14,8 Mio DM) aus, davon 5,3 Mio DM anMitgliedsbeitr\u00e4gen und 5,9 Mio DM an Spenden. In dem Spendenbetrag sind zehn Einzelspenden von 21 000 DM und mehr mit einem Gesamtbetrag von 409.263,95 DMenthalten. Dar\u00fcber hinaus erbrachten die Parteimitglieder Sach-, Werkund Dienstleistungen in H\u00f6he von 4,8 Mio DM. F\u00fcr die DKP-Bezirksorganisation Nordbayern sind f\u00fcr 1980 520.426 DM (1979: 514.375 DM), f\u00fcr die DKP-Bezirksorganisation S\u00fcdbayern f\u00fcr 1980 796.755 DM (1979: 793.430 DM) an Gesamteinnahmen ausgewiesen. Einzelheiten sind im Anhang 3 aufgef\u00fchrt Zwar behauptet die DKP, sie finanziere sich ausschlie\u00dflich aus diesen Einnahmequellen. Tats\u00e4chlich war sie aber auch 1981 nicht in der Lage, die Ausgabenf\u00fcr den aufwendigen Parteiapparat, die zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen sowie die umfangreiche publizistische Agitation aus dem eigenen Parteiaufkommen zubezahlen. Es liegen Anhaltspunkte vor, da\u00df die DKP 1981 f\u00fcr ihre Parteiarbeit, f\u00fcr ihre Nebenorganisationen sowief\u00fcr die vonihr gef\u00f6rderten Verlage, Publikationen usw. Zusch\u00fcsse von weit mehr als 60 Millionen DM aus der DDR erhalten hat. 2.2.5 Publikationen Die wichtigste Publikation der DKP ist ihr t\u00e4glich erscheinendes Zentralorgan \"Unsere Zeit -- Die Zeitung der arbeitenden Menschen -- Zeitung der DKP\" (UZ). Sie erschien 1981 an Werktagen in einer Auflage von etwa 30.000, freitags (Wochenendausgabe) in einer Auflage von etwa 60.000 Exemplaren. F\u00fcr die DKP ist die UZ, getreu der Anweisung Lenins, \"nicht nur ein kollektiver Propagandist und kollektiver Agitator, sondern auchein kollektiver Organisator\". Die \"'Hausdruckerei\" der DKPist die Plambeck & Co Druck und Verlag GmbH in Neu\u00df, die die UZ veriegt und die Mehrzahl aller Publikationen der orthodoxen Linken druckt. Der DKP-Verlag \"Marxistische Bl\u00e4tter\" in Frankfurt a. M. gibt das gleichnamige Organ heraus, das sich haupts\u00e4chlich mit \"Problemen der Gesellschaft, Wirtschaft und Politik\" befa\u00dft. In den mehr als 10 Jahren seines Bestehens publizierte der Verlag dar\u00fcber hinaus \u00fcber 500 B\u00fccher zu Themen der marxistischen Theorie und Praxis. Die Forderungen und Vorschl\u00e4ge der DKP zu aktuellen Themen werden nicht nur in UZ-Artikeln, sondern auch in eigenen Brosch\u00fcren ver\u00f6ffentlicht. 1981 er27","schienen u.a. die Brosch\u00fcren \"F\u00fcr eine demokratische Kommunalpolitik\" und \"Forderungen der DKP f\u00fcr de \u00e4ltere Generation''. Anfang November 1981 gab die DKP-Bezirksorganisation Nordbayern eine Landkarte \"Pulverfa\u00df Nordbayern'' heraus. Sie enth\u00e4lt die Standorte von atomaren Anlagen, Raketenstellungen, Kasernen, R\u00fcstungsunternehmen, Truppen\u00fcbungspl\u00e4tzen und Munitionsdepots. Mit dieser Ver\u00f6ffentlichung setzte de DKP ihre 1978 begonneneAktion \"Pulverfa\u00df\" fort, bei der bereits Karten \u00fcber milit\u00e4rische Anlagen in S\u00fcdbayern, Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-W\u00fcrttemberg und Hamburg ver\u00f6ffentlicht wurden. Gro\u00dfe Bedeutung mi\u00dft die DKP hren Kleinzeitungen bei. 1981 erschienen in Bayern 44 Kreis-, Orts-, Stadtteilund Wohngebietszeitungen der DKP, viele jedoch nur gelegentlich. Neben bundesweiten Themen wie \"NATO-Raketenbeschlu\u00df\"\", \"Neutronenbombe'', \"Berufsverbote\" und \"Krefelder Appell\" wurden in den Ausgabendieser Kleinzeitungen auch \u00f6rtliche Probleme behandelt. An Betriebszeitungen, dem wichtigsten Propagandamittel der DKP-Betriebsgruppen, wurden 1981 24 bekannt. Von ihnenerschien etwaeeinDrittel nur sporadisch. Als Anleitung f\u00fcr das Abfassender Kleinzeitungen verteilte der DKP-Parteivorstand monatlich die Brosch\u00fcre \"Info-Dienst'' Fernergaberdas \"Handbuch f\u00fcr Betriebszeitungen, Wohngebietsund Hochschulzeitungen der DKP\" heraus. 2.2.6 Schulung Die DKP betrachtet es als erstrangige ideologische undpolitische Aufgabe, \"den Arbeitern und anderen Werkt\u00e4tigen Einsichten in die eigene Klassenlage und den unvers\u00f6hnlichen Gegensatz zwischen ihren Klasseninteressen und den Machtund Profitinteressen des Gro\u00dfkapitals zu vermitteln und klassenm\u00e4\u00dfige Erkenntnisse zu vertiefen\". Diesem Ziel sowie der Verwirklichung des Prinzips der kommunistischen Partei als einer \"Gemeinschaft von Gleichgesinnten\" dient die intensive Schulung der DKP-Mitglieder Diese umfa\u00dft Schulungsabende und Studienzirkel in den Parteigruppen, Kurse der \"Marxistischen Abendschulen' (MASCH) und der \"Marxistischen Betriebsarbeiterschulen der DKP' sowie Kurse und Lehrg\u00e4nge ander Karl-Liebknecht-Schule der DKP in Leverkusen. An dieser Schule fanden 1981 39 Wochenlehrg\u00e4nge statt. Die eigens zur Schulung von Angeh\u00f6rigen der DKP eingerichtete SED-Parteischule \"Franz Mehring\" n Ostberlin und das Institut f\u00fcr Gesellschaftswissenschaften beim Zentralkomitee der KPdSU in Moskau boten auch 1981 Schulungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr DKP-Funktion\u00e4re. Die \"Marxistische Arbeiterbildung -- Vereinigung zur Verbreitung des wissenschaftlichen Sozialismus' (MAB) arbeitet mit \u00fcber 100 Bildungsgemeinschaften zusammen, die mit Unterst\u00fctzung insbesondere der DKP-Kreisorganisationen die \"Marxistischen Abendschulen' (MASCH) betreiben. Ihre Kurse, die auch Nichtparteimitgliedern offen stehen, arbeiten auf der Grundlage einer von der MAB herausgegebenen \"Seminarplansammlung'' und umfassen das Studium der marxistischen politischen \u00d6konomie und des \"wissenschaftlichen Sozialismus''. Auf der MAB-Vertreterversammlung am 17. Juni in Wuppertal wurde der fr\u00fchere Vorsitzende der DKP-S\u00fcdbayern und jetziges DKP-Parteivorstandsmitglied Hans Schneider aus M\u00fcnchen zum Bundesvorsitzenden der MAB gew\u00e4hlt. 28","Publikationen von DKP, SDAJ, JP unsere zeit \"Am Wochenenge. ehr WEILHEIM 2 Kleeblutt AKTUELL ZEITUNG DER DKP-GRUPPE WEILHEIM | = nf 5I 29","'Als gesellschaftsund sozialwssenschaftliches Institut der DKP st das\"Institut f\u00fcr Marxstische Studien und Forschungen e.V.\" (IMSF) in Frankfurt a.M. anzusehen, das von 1968 bis 1981 vom Mitglied des DKP-Parteivorstandes Dr. Josef Schleifstein geleitet wurde. Zum Nachfolger Dr. Schleifsteins wurde am 1 Jun der bisherige stellvertretende Leiter desInstituts und Mitglied des DKP-Parteivorstandes Dr Heinz Jung berufen. Das IMSF befa\u00dfte sich n seinen Ver\u00f6ffentlichungen und Veranstaltungen haupts\u00e4chlich mit den Themen \"Der Staat im staatsmonopolistischen Kapitalismus der Bundesrepublik Deutschland\", \"\u00d6konomische Gesellschaftsformationen\"\" und \"Was kostet R\u00fcstung und Bonner Atomprogramm''', MAB und MASCH haben gemeinsam mit dem IMSF de Aufgabe, \"'den origin\u00e4ren Marxismus, de Theorie von Marx, Engels und Lenin zu verbreiten und sch\u00f6pferisch auf die Bedingungen des Klassenkampfesin der Bundesrepublik Deutschland anzuwenden\". W\u00e4hrendbisher n den jeweiligen Bildungsjahren n den DKP-Organisationen verschiedene Themen behandelt wurden, stand im Bildungsjahr 1980/81 erstmals nur ein einziges Thema, n\u00e4mlich \"Die Geschichte der KPin der Periode der Weimarer Republik' m Mittelpunkt der Bildungsabende. Zum Thema des Bildungsjahres 1981/82 wurde \"Die Geschichte der kommunistischen Bewegung vom antifaschistischen Widerstandskampf bis zur Konstituierung der DKP\"' gew\u00e4hlt Nach Auffassung der DKP snd Geschichtskenntnisse von entscheidender Bedeutung, auch wegen der \"b\u00fcrgerlichen und rechtssozialdemokratischen Geschichtspropaganda und Geschichtsf\u00e4lschung\", die als \"Instrument des ideologischen Kampfes'' gegen die Kommunisten und den \"realen Sozialismus\" engesetzt w\u00fcrden 2.2.7 Betriebsarbeit der DKP Auf dem Gebiet der Betriebsarbet ist die DKP die f\u00fchrende extremistische Kraft. F\u00fcr sie sind die Betriebe das \"Hauptfeld des Klassenkampfes'' Die DKP sieht hier \"die besten M\u00f6glichkeiten, den Arbeitern die Unvers\u00f6hnlichkeit ihrer Klasseninteressen mit denen der Bourgeoisie bewu\u00dft zu machen.\" Se strebt danach, \u00fcber die Herstellung der Aktionseinheit die \"Einheit der Arbeiterklasse\" unter ihrer F\u00fchrung als Endzel durchzusetzen. Die Arbeiter sollen das Gef\u00fchl haben, da\u00df die DKP n den Betrieben in besonderer Weise Belange undAnliegen der Arbeiterschaft vertritt. Deshalb sind nach demParteistatut de Betriebsgruppen die wichtigsten Grundeinheiten der Partei. Die wesentliche Aufgabe der Betriebsgruppen besteht darin, DKP-Mitglieder in den Betriebsr\u00e4ten und gewerkschaftlichen Vertrauensk\u00f6rpern zu unterst\u00fctzen und in Betriebsund Gewerkschaftsversammlungen \"den Standpunkt der Arbeiterklasse \u00fcberzeugend zu vertreten\" Die St\u00e4rkung Ihrer Betriebsgruppen, de Bildung neuer Betriebsgruppen, die regelm\u00e4\u00dfige Herausgabe der Betriebszeitungen unddie Steigerung h- rer Qualt\u00e4t und die Verbesserung der deologischen Arbeit in den Betriebsgruppensind f\u00fcr die DKP unabdingbare Voraussetzung f\u00fcr die Erweiterung ihres Einflusses in der \"Arbeiterklasse\". Mitglieder, die in Betrieben und Gewerkschaften wichtige Funktionen aus\u00fcben oder erlangen sollen, werden in den \"Marxistischen Betriebsarbeiterschulen der 30","DKP\"' intensiv geschult Diese Lehrg\u00e4nge haben das Ziel, Betriebsarbeitern eine gr\u00fcndliche und systematische Einf\u00fchrungin die wichtigsten Bereich des Marxismus-Leninismus zu geben. Nebender allgemeinen theoretischen Schulung wurden die Betriebsarbeiter \u00fcber aktuelle Themen wie \"Lage in Polen\", \"Friedensarbeit im Betrieb'' oder \"Krefelder Appell' in Betriebsarbeiteraussprachen, -beratungen und -seminaren informiert. Zu solchen Veranstaltungen luden die DKPBezirksvorst\u00e4nde Nordund S\u00fcdbayern 1981 nach N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen ein. Die Zahl der in Bayern bekannten Betriebsgruppen erh\u00f6hte sich 1981 um 5 auf 35. Die Mitgliederzahlen der Gruppen schwankten zwischen 3 und 35 Personen. Die Zahl der bekanntgewordenen Betriebszeitungen verringerte sich von 27 auf 25. 1981 wurden verst\u00e4rkte Bem\u00fchungen der DKP erkennbar, im \u00f6ffentlichen Dienstt\u00e4tige DKP-Mitglieder zu \"Betriebsgruppen\u00d6ffentlicher Dienst' lokal zusammenzufassen. Schwerpunktm\u00e4\u00dfig bestehen Betriebsgruppen in der Metallindustrie. Die DKP konzentriert sich vor allem auf Gro\u00dfbetriebe. Sie sieht die Organisiertheit und Kampfkraft der Arbeiter in den Gro\u00dfbetrieben als wichtigsten \"vereinigenden Faktor, in der Bundesrepublik Deutschland eine Wende zu demokratischem und sozialem Fortschritt herbeizuf\u00fchren\". Die industriellen Gro\u00dfbetriebe seien \"die Zentren der \u00f6konomischen Macht des Industrie-, Bankund Finanzkapitals, zugleich aber auch Konzentrationspunkte derArbeiterklasse und des Klassenkampfes.' Dadie Betriebsr\u00e4te die M\u00f6glichkeit haben, nachhaltig auf das betriebliche Geschehen und die Arbeitnehmer ihrer Betriebe einzuwirken, ist die DKP seit jeher bestrebt, Einflu\u00df in den Betriebsr\u00e4ten zu gewinnen. Das DKP-Zentralorgan \"Unsere Zeit'' wies daher auf die \"besondere Bedeutung' der Betriebsratswahlen vom 1. M\u00e4rz--31. Mai hin. Bereits auf einer Tagung des Parteivorstandes am 25.126. Oktober 1980 hatte der DKP-Vorsitzende Mies die Funktion\u00e4re aufgefordert, den Betriebsratswahlen \"die allergr\u00f6\u00dfte Aufmerksamkeit' zu widmen. Ein Mitglied des DKP-Pr\u00e4sidiums f\u00fchrte aus, \"k\u00e4mpferische, an Klasseninteressen orientierte Betriebsr\u00e4te' seien unverzichtbar. Nur \"die Besten, die Konsequentesten\" sollten als Kandidaten aufgestellt werden. 2.2.8 Sonstige Aktivit\u00e4ten 'Agitationsschwerpunkte der DKP waren 1981 die Kampagnen f\u00fcr den \"Krefelder Appell'' und gegen den \"Nachr\u00fcstungsbeschlu\u00df der NATO' sowie gegen den Bau der Neutronenbombe, Aktionen gegendie \"Rotstiftpolitik der Bundesregierung' unddie \"Berufsverbote\", die Lage in Polen sowie die Teilnahme an Hausbesetzungen. Hauptereignis f\u00fcr die DKP war hr 6. Parteitag vom 29.--31. Mai in Hannover. 'Auf diesem Parteitag pr\u00e4sentierte sich die DKP als disziplinierte und geschlossene Partei. Im Mittelpunkt stand die massive Unterst\u00fctzung der \"Friedenskampagne\"' und der Kampf gegen den \"NATO-Nachr\u00fcstungsbeschlu\u00df'\" Die DKP will auch k\u00fcnftig die \"Friedensbewegung\" in der Bundesrepublik Deutschland unter Einsatz aller Kr\u00e4fte mobilisieren und verbreitern Der 6. Parteitag rief einen \"Wettbewerb zur Gewinnung neuer Mitglieder und zur St\u00e4rkung der Partei\" ins Leben. 31","Breiten Raum nahmen n den DKP-Publikationen de Stellungnahmen der DKP zum \"Krefelder Appell' sowe de Agtation gegen den \"Nachr\u00fcstungsbeschlu\u00df der NATO\" en Bei fast allen von der DKP initiierten Versammlungen, Informationsst\u00e4nden und Demonstrationen wurden Unterschriften f\u00fcr den \"Krefelder Appell\" gesammelt Die Entscheidung des US-Pr\u00e4sidenten Reagan zum Bau der Neutronenwaffe wurde in den DKP-Flugbl\u00e4ttern und verschiedenen Artikeln des DKP-Zentralorgans UZals en \"Akt der Kriegsvorbereitung\" bezeichnet, die Bundesregierung wurde wegen ihrer zustimmenden Haltung angegriffen Hatte sich im Jahre 1980 de DKP in ihrer Berichterstattung \u00fcber de innenpolitische Stuation in Polen auf eine nahezu kommentarlose Erw\u00e4hnung einzelner Ereignisse beschr\u00e4nkt, so versch\u00e4rfte sch Anfang 1981 der Ton der Berichterstattung wesentlich. Teilweise wurde en milit\u00e4rsches Einschreiten der anderen Warschauer-Pakt-Staaten gefordert. Auf dieser Linie lag auch de Stellungnahme der DKP zur Verh\u00e4ngung desKriegszustandes n Polen am 13. Dezember 1981, die dese Ma\u00dfnahme als notwendig zur Rettung des Landes vor Chaos und Anarchie deklarierte. Zum 20 Jahrestag des Mauerbaues in Berlin betonte das Pr\u00e4sidium der DKP, die Ma\u00dfnahmen der DDR am 13. August 1961 seien zum Schutz ihrer Staatsgrenze notwendig gewesen. Sie seien eine \"wirkungsvolle Antwort\" auf die Versuche der Bundesrepublik Deutschland und der NATO gewesen, den sozalstischen Aufbau n der DDR zu st\u00f6ren, die DDR wirtschaftlich auszubluten und den Sozialismus hnter Oder und Nei\u00dfe \"zur\u00fcckzurollen\"\" Die Hausbesetzungen und damit in Zusammenhang gestandene Polzeiaktionen nahmen Anfang 1981 n den Publikationen der DKP einen mmer breiter werdenden Raum ein Die Verhaftungen n N\u00fcrnberg wurden von der DKP als ein \"grundgesetzwidriger Akt der polzeilichen Willk\u00fcr\" bezeichnet Der DKP-Vorsitzende Herbert Mies erkl\u00e4rte n einem Soldarit\u00e4tstelegramm an n N\u00fcrnberg Inhafterte: \"Es Ist besser, die Jugend unseres Landes besetzt leerstehende H\u00e4user als fremde L\u00e4nder\" W\u00e4hrend sich die DKP in den Vorjahren mit den Hausbesetzern zwar solidarisch erkl\u00e4rt, aber nicht selbst an den Aktionen beteiligt hatte, nahm sie 1981 an Hausbesetzungen in M\u00fcnchen, Ingolstadt, N\u00fcrnberg undF\u00fcrth teil In einem gemeinsamen Flugblatt riefen DKP, SDAJ und MSB Spartakus zu einer Solidarit\u00e4tsveranstaltung mit dem Volk von EI Salvador am 28 M\u00e4rz in M\u00fcnchen auf. Vor rund 800 Teilnehmern f\u00fchrte der DKP-Vorsitzende Herbert Mies aus, da\u00df zwischen El Salvador und der Bundesrepublik Deutschland Parallelen sichtbar seien, de sich haupts\u00e4chlich an der \"Herrschaft der USA\" orientierten In Flugbl\u00e4ttern sowe Kleinzeitungen lehnte de DKP Regensburg den Bau einer geplanten Wederaufarbeitungsanlage f\u00fcr Kernbrennstoffe bei Wackersdorf ab. Se behauptet, durch den Bau dieser Anlage wolle man diese Region zum \"atomaren Pulverfa\u00df'' und zur \"strahlenden M\u00fcllkippe'' machen. Die DKP begr\u00fc\u00dfte die Gr\u00fcndung von B\u00fcrgerinitiativen und will die Aktivit\u00e4ten dieser Gruppen unterst\u00fctzen. 32","Zur Wahl des Oberb\u00fcrgermeisters in N\u00fcrnberg kandidierte der Vorsitzende der DKP-Bezirksorganisation Nordbayern und Stadtrat von N\u00fcrnberg HerbertStiefvater. Auf ihn entfielen 2 % (1975: 2,4 %) der abgegebeneng\u00fcltigen Stimmen. 2.2.9 Steuerung der DKP durch die SED In ihrem Programm undihren Publikationenstellt die DKP ihre besondere Verbundenheit mit der SED der DDR heraus. Die besondere Einsch\u00e4tzung der DKP durch die SED zeigte sich deutlich in der Entsendung ranghoher undstarker Delegationen zu den Parteitagen der DKP sowie darin, da\u00df in den vergangenen Jahren der \"Karl-Marx-Orden\" der DDR f\u00fchrenden DKP-Funktion\u00e4ren verliehen wurde. Die DKP wird von der SED angeleitet und umfassend unterst\u00fctzt (zur finanziellen Unterst\u00fctzung vgl. Nr. 2.2.4). Daf\u00fcr ist die sogenannte \"Westabteilung' beim Zentralkomitee (ZK) der SED verantwortlich, deren Leiter das SED-ZK-Mitglied Prof. Herbert H\u00e4ber ist. Dar\u00fcber hinaus sind den Bezirksorganisationen der SED jeweils Bezirksorganisationen der DKPals \"Patenbezirke'' zugewiesen. In Bayern sind dies f\u00fcr de DKP-Bezirksorganisation Nordbayern der SED-Bezirk Suhl und f\u00fcr die DKP-Bezirksorganisation S\u00fcdbayern der SED-Bezirk Gera. Die intensiven Kontakte zeigten sich auch 1981 in h\u00e4ufigen Reisen von DKPFunktion\u00e4ren und-Mitgliedern zur Schulung undInformation in de DDR. Es wurde festgestellt, da\u00df DKP-Funktion\u00e4re Propagandamaterial aus der DDR mitbrachten. Gemeinsame Reisen von DKP-Mitgliedern und Nichtmitgliedern in die DDRdienen dem Ziel, Vorurteile gegen\u00fcber dem \"realen Sozialismus' abzubauen. Der Leiter der Abteilung Organisationsund Personalpolitik beim Parteivorstand der DKP erkl\u00e4rte: \"Bei nicht wenigen gibt erst eine Reise in die DDR oder in ein anderes sozialistisches Land den ersten Impuls f\u00fcr den Eintritt in unsere Parte ... Wr sind bem\u00fcht, diesen Proze\u00df mt allen Mitteln zu f\u00f6rdern\" Anfang 1981 veranstalteten verschiedene DKP-Kreisorganisationen im Bezirk Nordbayern Diskussionsveranstaltungen mit \"G\u00e4sten aus der DDR\". Die SEDFunktion\u00e4re referierten \u00fcber die Themen \"Wie lebt der Bauer im Sozialismus?\" und \"Entspannung im Schatten der US-Raketen? -- Die DDR nach dem X. Parteitag der SED\" Zum X. Parteitag der SED vom 11.--16. April reiste eine DKP-Delegation unter Leitung des Parteivorsitzenden Herbert Mies nach Ostberlin. Mies erkl\u00e4rte auf dem Parteitag, da\u00df die DKP im Rahmen der \"freundschaftlichen und solidarischen Verbundenheit' der beiden kommunistischen Parteien keine Abgrenzung zur SED kenne. 2.3 Nebenorganisationen der DKP Die DKP wurde auch 1981 bei ihren politischen Aktivit\u00e4ten in weiten Bereichen durch ihre Nebenorganisationen unterst\u00fctzt. Diese sind zwar organisatorisch selbst\u00e4ndige Vereinigungen mit eigenen Satzungen und F\u00fchrungsgremien. Sie ordnen sich aber politisch der DKP unter und bekennen sich wie diese zum Marxismus-Leninismus sowjetischer Pr\u00e4gung. Ma\u00dfgebende Funktionen nehmen DKP-Mitglieder wahr. Solche Nebenorganisationen sind wie bisher die Sozialisti33","sche Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ), der Marxistische Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) und die Jungen Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP). Der DKP-Vorsitzende Mies forderte die DKP-Mitglieder auf dem 6. Parteitag 1981 auf, \"der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit der SDAJ und dem MSB Spartakus gr\u00f6\u00dfte Aufmerksamkeit zu schenken' 2.3.1 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Die SDAJ wurde am 4./5. Mai 1968 in Essen gegr\u00fcndet. Sie ist nach we vor die mitgliederst\u00e4rkste Nebenorganisation und bedeutendste Kaderreserve der DKP. Mit dieser k\u00e4mpft sie gemeinsam f\u00fcr eine \"sozialistische Ordnung' in der Bundesrepublik Deutschland nach dem Vorbild der DDR. Nach ihrem \"Aktionsprogramm f\u00fcr die f\u00fcnf Grundrechte der Jugend\" will die SDAJ die \"sozialistische Bundesrepublik' im \"entschiedenen Klassenkampf\" erreichen. Sie bekennt sich zu einem Sozalsmus nach denIdeen von Marx, Engels und Lenin und will die revolution\u00e4ren Traditionen der Arbeiterjugendbewegung fortsetzen Die SDAJ ist eine der aktivsten Mitgliedsorganisationen des prosowjetischen \"Weltbundes der Demokratischen Jugend\" (WBDJ). Se pflegt vor allem mit der \"Freien Deutschen Jugend\" (FDJ) der DDRund der sowjetischen Jugendorganisation \"Komsomol\" \"freundschaftliche Verbundenheit\", die u.a. durch gegenseitige Entsendung von Delegationen zum Ausdruck kommt. So stattete eine SDAJ-Delegation unter der Leitung ihres stellvertretenden Bundesvorsitzenden der FDJ einen Freundschaftsbesuch ab. Umgekehrt reisten FDJ-Funktion\u00e4re auf Einladung der SDAJ zu einem Meinungsaustausch nach M\u00fcnchen An dem \"Freundschaftstreffen\" einer SDAJ-Delegation und einer \"Komsomol-Gruppe\"' in Tynda (UdSSR) nahmen auch der DKP-Vorsitzende Herbert Mies sowie das Mitglied des DKP-Sekretariats und bis Juni 1981 stellvertretende Bundesvorsitzende der SDAJ, Vera Achenbach, tel. Die SDAJ hatte Ende 1981 bundesweit rund 15.000 Mitglieder, in Bayern mit 950 etwas weniger als im vergangenen Jahr Entwicklung der Mitgliederzahlen der SDAJ in Bayern Mitglieder 196869 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 1400 34","Die organisatorische Struktur der SDAJ blieb 1981 unver\u00e4ndert. Es bestehen Landesverb\u00e4nde, die ihrerseits in Kreisverb\u00e4nde und Ortsgruppen unterteilt sind. In Bayerngibt es in Anlehnungan die Organisation der DKP die Landesverb\u00e4nde Franken/Oberpfalz und S\u00fcdbayern. Bundesvorsitzender der SDAJ ist das Mitglied des DKP-Parteivorstandes Werner St\u00fcrmann. Sprachrohr der SDAJ ist \"elan -- das Jugendmagazin', das monatlich in einer Auflage von etwa 40.000 Exemplaren erscheint. Daneben wurden 1981 in Bayern noch 11 Kleinzeitungen der SDAJ bekannt. Auf der Wahrburg -- Gut Wahrberg in Aurach, Landkreis Ansbach, befindet sich die zentrale Ausbildungsst\u00e4tte f\u00fcr SDAJ-Mitglieder, die auch von der DKP genutzt wird. 1981 fanden dort zahlreiche, meist einw\u00f6chige Lehrg\u00e4ngef\u00fcr Sch\u00fclergruppenleiter und Gruppenleiter der SDAJ statt. Themen wie z.B. \"Was ist Stamokap?\", \"Wie kann man die Bundesrepublik Deutschland ver\u00e4ndern?\" und \"Wie arbeitet man im Sozialismus?\" wurden in den Lehrg\u00e4ngen abgehandelt. In dieser SDAJ-Schulungsst\u00e4tte wurde auch vom 26. Juli bis 1 August das 5. \"Victor-Jara-Treffen'' abgehalten, das nach einem chilenischen Universit\u00e4tsprofessor benannt ist, der bei den Unruhen 1973 in Chile ums Leben kam. Die etwa 250 Teilnehmer, darunter G\u00e4ste aus der DDR, diskutierten \u00fcber den \"Kampffortschrittlicher K\u00fcnstler gegen die Nato-Nachr\u00fcstung\". Die SDAJ ist in Bayern weiterhin in keinem Jugendring auf Stadt-, Kreisoder Landesebene vertreten. Der Deutsche Bundesjugendring lehnte den Aufnahmeantrag der SDAJ wiederum ab. Die Kampflosungen der SDAJ richteten sich -- wie schon 1980 -- vor allem gegen \"Lehrstellenabbau', \"Jugendarbeitslosigkeit'', \"Ausbeutung der Jugendlichen durch die Gro\u00dfkonzerne\", \"Berufsverbote\" und \"Neonazismus''. Schwerpunkt der Aktivit\u00e4ten der SDAJ waren die st\u00e4ndigen Aufrufe zur Sammlung von Unterschriften f\u00fcr den \"Krefelder Appell\", die vermehrte Agitation gegen den \"Nachr\u00fcstungsbeschlu\u00df der NATO\" und die unabl\u00e4ssige Werbung f\u00fcr de \"'Friedensbewegung''. Sie bem\u00fchte sich um Mandate in Jugendvertretungen von Betrieben und Schulen. 'Anfang 1981 engagierte sich die SDAJ zusammen mit der DKP aktiv in der Hausbesetzerszene Sie beteiligte sich zusammen mit der DKP am 15. M\u00e4rz an der Besetzung des Anwesens Albrechtstr. 31 in M\u00fcnchen. An einer Demonstration der SDAJ zum Thema\"Protest gegen die Verhaftung der N\u00fcrnberger Hausbesetzer'' am 10. M\u00e4rz in der M\u00fcnchner Innenstadt nahmen 100 Personen teil. Unter dem Motto \"F\u00fcr mehr Wohnungen -- Gegen Kriminalisierung der Hausbesetzer\"' fand am 18. M\u00e4rz in M\u00fcnchen eine weitere Demonstration statt, an der sich rund 2.500 Personen beteiligten, darunter zahlreiche Anh\u00e4nger der orthodoxen Kommunisten, insbesondere der SDAJ. Es wurden Flugbl\u00e4tter der DKP, der SDAJ und des ABverteilt. Die SDAJ und der MSB Spartakus veranstalteten vom 19. bis 21. Juni n Dortmund das bundesweite \"Festival der Jugend '81''. Eigenen Angaben zufolge haben an diesem \"Friedenstreffen'' 210.000 Besucher teilgenommen. Auch1981 hielten die SDAJ-Landesverb\u00e4nde Franken/Oberpfalz und S\u00fcdbayern gemeinsam mit den \"Jungen Pionieren'' sogenannte Pfingstcampsab. Sie fan35","den vom 6. bis 8. Juni bei Erlangen bzw. Schwangau statt. Die Veranstaltungen fanden regen Zuspruch. Die SDAJrief bundesweit die \"demokratischen Jugendverb\u00e4nde, Gruppen und Initiativen auf, den Dezember zum Monatder \"Aktionen gegen Rotstift und Raketen' in \"Schulen, Lehrwerkst\u00e4tten, Jugendzentren, Hochschulen und auf der Stra\u00dfe'' zu machen. Im Rahmen dieses \"Aktionsmonats\" ketteten sich am 8. Dezemberdrei Angeh\u00f6rige der SDAJ-M\u00fcnchen an ein Fabriktor. Sie zeigten ein Transparent mit der Aufschrift \"Gegen Rotstift und Raketen -- f\u00fcr Arbeit und Bildung\". 2.3.2 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) Der MSB Spartakus wurde im Oktober 1971 gegr\u00fcndet. Als st\u00e4rkster orthodoxkommunistischer Studentenverband in der Bundesrepublik Deutschland bekennt er sich zum Marxismus-Leninismus und k\u00e4mpft mit der DKP und der SDAJ f\u00fcr die sozialistische Revolution. Er propagiert den \"realen Sozialismus' der DDR als grunds\u00e4tzliche Alternative zum \"kapitalistischen System'. Der MSB Spartakus hat rund 6.000 Mitglieder. In Bayern geh\u00f6rten dem MSB Spartakus Ende 1981 rund 170 (1980: 150) Mitglieder an. Er verf\u00fcgte 1981 an den Hochschulen in Bamberg, Coburg, Erlangen/N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen, Regensburg und W\u00fcrzburg \u00fcber Gruppen. Organ des MSB Spartakus sind die \"roten bl\u00e4tter\"'. Sie erschienen in einer monatlichen Auflage von 30.000 Exemplaren. 'Am 7. Bundeskongre\u00df des MSB Spartakus am 3./4. Oktober in Bremen nahmen 644 Delegierteteil. Schwerpunkte waren die Themen \"Kampf um den Frieden\", \"Friedensdemonstration am 10.10.1981 in Bonn\" und \"Widerstand gegen die Rotestiftpolitik\"\". Der wiedergew\u00e4hlte Bundesvorsitzende des MSB Spartakus Uwe Knickrehm erkl\u00e4rte, der MSB Spartakus halte strikt an der Forderung \"BAF\u00f6G -- statt PershingII\" fest. Er forderte, \"soziale K\u00e4mpfe' mit der \"Friedensbewegung'\" zu verbinden; in dieser \"Volksbewegung neuer Dimension\" m\u00fc\u00dften die Hochschulen \"Zentren des Friedenskampfes'' werden. In einem Thesenpapier des Sekretariats des Bundesvorstands zu diesem Kongre\u00df war ausgef\u00fchrt, in der Diskussion um \"Kampfformen\" d\u00fcrfe die Frage, ob \"militant oder nicht militant\"\", nicht zum Ma\u00dfstab werden: \"Wir fragen also nicht zuerst: Darf man das?, sondern: Nutzt es der Bewegung?\". Der MSB Spartakus setzte 1981 seine bisherige B\u00fcndnispolitik im Hochschulbereichfort, um die Studentenbewegung zu einer \"antimonopolistischen Kraft\" gegen die \"Herrschenden\" zu entwickeln. Dabei will er sein Ziel insbesondere durch die Politik der \"Gewerkschaftlichen Orientierung\" erreichen, indem er seine Forderungen mit gewerkschaftlichen Kampfmitteln wie \"Urabstimmung' und \"Streiks'' durchzusetzen versucht Der MSB Spartakus baute 1981 die Zusammenarbeit mit kommunistischen Jugendund Studentenorganisationen der DDR weiter aus. Im Sommer organisierte er ein Jugendferienlager in der DDR. 36","Bei seinen Aktivit\u00e4ten wurde der MSB Spartakus wiederum von anderen Organisationen unterst\u00fctzt. Sein zuverl\u00e4ssigster B\u00fcndnispartner ist der Sozialistische Hochschulbund (SHB) -- vgl. im einzelnen zum SHB 5. Abschnitt Nr. 4. Ferner gelang es ihm erneut, f\u00fcr B\u00fcndnisse und einzelne Aktionen demokratische Organisationen und Unorganisierte zu gewinnen. Der MSB Spartakus entfaltete auch 1981 seine Aktivit\u00e4ten im wesentlichen im Bildungsbereich -- vgl. im einzelnen 5. Abschnitt Nr. 3.2. 2.3.3 Junge Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP) Die JP wurden 1974auf Initiative der DKP nach dem Vorbild der Staatsjugendorganisationen der sozialistischen L\u00e4nder gegr\u00fcndet. Sie erfassen Kinder von 6 bis 14 Jahren. Nach ihrer Satzung k\u00e4mpfen die JP f\u00fcr den Sozialismus und betrachten sich als Teil der weltweiten kommunistischen Pionierbewegung. Sie dienen der DKP und der SDAJ als Basis f\u00fcr ihren Nachwuchs. DKP, SDAJ und MSB Spartakus unterst\u00fctzen die JP in der Erwartung, da\u00df sie die Kinder kommunistisch erziehen. Nach einer Entschlie\u00dfung des 6. DKP-Parteitags 1981 unterst\u00fctzt die DKP die JP \"in ihrem Bem\u00fchen, ihren Einflu\u00df unter m\u00f6glichst gro\u00dfen Teilen der Arbeiterkinder zu erweitern\". Sie sieht \"darin gute M\u00f6glichkeiten, \u00fcber die organisierte sozialistische Kinderarbeit .erste klassenm\u00e4\u00dfige Erkenntnisse undEinsichten in die politischen und \u00f6konomischen Zusammenh\u00e4nge unserer Gesellschaft bei Kindern zu erwecken\". Die JP gliedern sich nach ihrer Satzung in Gruppen-, Kreisund Landesverb\u00e4nde sowie den Bundesverband. Bundesvorsitzender ist Achim Kroo\u00df (DKP-Mitglied und Mitglied des SDAJ-Bundesvorstandes). In Bayern bestehen die Landesverb\u00e4nde Franken/Oberpfalz und S\u00fcdbayern. Die Zahl der Mitglieder der JP betrug 1981 bundesweit etwa 3.500, in Bayern wie 1980 rund 350 Der Bundesvorstand der JP ver\u00f6ffentlicht die zentrale Kinderzeitung \"Willibald und die \"Pionierleiterinformation\"\" Die JP protestierten im August 1981 gegen die \"Hochr\u00fcstungspolitik\" und de Sparpl\u00e4ne der Bundesregierung, die zutiefst kinderfeindlich seien. Gleichzeitig forderten sie das Verbot von \"Killerautomaten', die der \"psychologischen Kriegsvorbereitung\"' dienten und k\u00fcndigten Aktionen gegen solche Automaten an. Der Bundesvorstand der JP forderte im Oktober 1981 alle Pionierleiter auf, die \"Friedensaktionen\" zu unterst\u00fctzen und verst\u00e4rkt auf\u00f6rtlicher Ebenefortzusetzen, u.a. durch Teilnahme an Friedenswochen und Umwandlung von Spielpl\u00e4tzen in \"Friedensspielpl\u00e4tze''. Die Pioniergruppen veranstalteten Spielund Singnachmittage, Ausfl\u00fcge, Gruppenabende und Kinderfeste. H\u00f6hepunkte der Pionierarbeit waren 1981 neben den \"Pfingstcamps'' wiederum die von der DKP und den JP organisierten Kinderferienaktionen, bei denen JP-Mitglieder und -Anh\u00e4ngerin die DDRreisten. Unter dem Motto \"Kinderferien in der DDR' fuhren aus Bayern 370 Kinder (Vorjahr: 280) und rund 40 Betreuer in Ferienlager bei Friedrichroda und Tannenbergsthal in der DDR. 37","2.4 Von der DKP beeinflu\u00dfte Organisationen 2.4.1 Allgemeines Die DKP ist realistisch genugzu erkennen, da\u00df sie allein bei der Bev\u00f6lkerung mit einer unverhohlenen Propagierung ihrer verfassungsfeindlichen Ziele auf keine gro\u00dfe Resonanz trifft. Daher bem\u00fcht sich die DKP nach den Grunds\u00e4tzen ihrer B\u00fcndnispolitik (vgl oben Nr. 2.2.3.2), bei zahlreichen Organsationen Einflu\u00df zu gewinnen, zu erhalten und zu st\u00e4rken. Zu diesem Zweck werden von der DKP undihren Nebenorganisationen oder auf ihre Initiative hin Organisationen, Initiativen oder Komitees gegr\u00fcndet. Der Einflu\u00df der DKP und ihrer Nebenorganisationen kann sich auch darin zeigen, da\u00df solche Organisationen eng mit ihnen zusammenarbeiten, da\u00df in ihren F\u00fchrungsgremien wichtige Positionen mit Kommunisten besetzt sind, da\u00df sie von der DKP undihren Nebenorganisationen materiell unterst\u00fctzt werden und da\u00df unter hren Mitgliedern zahlreiche Kommunisten sind. Solche beeinflu\u00dften Organisationen verfolgen Ziele, die in Teilberei'chen mit typisch kommunistischen Zielsetzungen \u00fcbereinstimmen und unterst\u00fctzen damit die Bestrebung der DKP,die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beseitigen H\u00e4ufig liegen mehrere, gelegentlich auch alle diese Merkmale vor; entsprechend stark ist dann der kommunistische Einflu\u00df. In einigen dieser beeinflu\u00dften Organisationen sind wesentliche Entscheidungen gegen den Willen der DKP oderihrer Nebenorganisationen nicht m\u00f6glich. Bei anderen hingegen besteht trotz des DKP-Einflusses noch Raum f\u00fcr politisches Eigenleben; die kommunistische Beeinflussung ist dann f\u00fcr das einfache Mitglied und f\u00fcr AuBenstehende nicht immer leicht erkennbar. Zu den von der DKP beeinflu\u00dften Organisationen z\u00e4hlen insbesondere -- die Deutsche Friedens-Union (DFU) -- die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (VVN-BdA), -- die Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG.VK), -- das Komitee f\u00fcr Frieden Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ), -- die Vereinigung Demokratischer Juristen (VDJ), -- die Demokratische Fraueninitiative (DFI), -- Komitees undInitiativen, die die Protestbewegung gegen \"Berufsverbote'\" tragen. Die DKP verf\u00fcgt \u00fcber eine so umfangreiche Palette von beeinflu\u00dften Organisationen, da\u00df f\u00fcr jedes Alter und jeden Beruf, jede soziale Schicht, Frauen und M\u00e4nner, jeden Bildungsstand zumindest eine sich nach au\u00dfen als unabh\u00e4ngig anbietende Gruppierung besteht, die sie in ihrer Politik unterst\u00fctzt. Die DKP-beeinflu\u00dften Organisationen nahmen auch 1981 aktivan den Kampagnen der DKP gegende Bundesrepublik Deutschland teil. Der Schwerpunkt ihrer 'Aktivit\u00e4ten lag auf dem Gebiete der \"'Friedensbewegung'. Sie unterst\u00fctzten den aufInitiative der DFU entstandenen \"Krefelder Appell' und die damit verbundene Unterschriftenaktion. Sie beteiligten sich, zum Teil gemeinsam mit der DKP und ihren Nebenorganisationen, in unterschiedlicher Zusammensetzung am ersten und zweiten \"N\u00fcrnberger Forum' zum \"Krefelder Appell' am 10. April und 38","12. Dezember, an der Kundgebung der \"M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung\" am 23. Mai, am \"N\u00fcrnberger Friedensfest'' am 11. Juli, an den bundesweiten \"Friedenswochen\" im 2. Halbjahr und am \"1. M\u00fcnchner Fredensforum\" am 4. Dezember. 2.4.2 Deutsche Friedens-Union (DFU) Die Deutsche Friedens-Union (DFU) wurde 1960 auf kommunistisches Betreibenals \"Volksfrontpartei'' gegr\u00fcndet. Ihr Ziel ist eine \"reale Demokratie, n der der antifaschistische, antimonopolistische und antimilitaristische Auftrag des Grundgesetzes und der L\u00e4nderverfassungen verwirklicht st''. Als unerl\u00e4\u00dflich erachtet sie es, den \"Ungeist des Antikommunismus in der Bundesrepublik\" zu \u00fcberwinden. Ihre T\u00e4tigkeit besteht fast ausschlie\u00dflich in der F\u00f6rderung kommunstischer Vorstellungen. Die DFU ist Mitglied des sowjetisch gelenkten Weltfriedensrates (WFR), 'Auf Bundesebene wird die DFU vom Bundesvorstand geleitet, dessen Vorsitz ein \"Direktorium'' aus sieben Personen innehat. Ein nicht unerheblicher Teil der Mitglieder des Direktorums und des Bundesvorstandes geh\u00f6rte der 1956 vom Bundesverfassungsgericht verbotenen KPD an. Die DFU verf\u00fcgt \u00fcber neun Landesverb\u00e4nde, die weiter untergliedert sind. Vorsitzender des Landesverbandes Bayern ist seit 1977 Gerhard Bitterwolf. In Bayern bestanden 1981 Bezirksverb\u00e4nde in Augsburg, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, Regensburg und W\u00fcrzburg, die jedoch sehr unterschiedliche Aktivit\u00e4ten aufwiesen. Die Zahl der Mitglieder in Bayern blieb mit rund 400 gleich Der Rechenschaftsbericht nach $ 23 Parteiengesetz wies f\u00fcr 1980 Gesamteinnahmen in H\u00f6he von 2,8 Mio DM (1979: 2,5 Mio DM), f\u00fcr den Landesverband Bayern Gesamteinnahmen von 96.110 DM (1979: 78.976 DM) aus. Einzelheiten sind aus dem Anhang 3 ersichtlich. Als Sprachrohr der DFU dient die w\u00f6chentlich erscheinende \"Deutsche Volkszeitung'' (DVZ), von der Ende 1980/Anfang 1981 und m Herbst 1981 Sonderdrucke zum \"Krefelder Appell' bzw. zum \"2. Krefelder Forum\" erschienen. Eine wichtige Publikation der DFU stellt der unregelm\u00e4\u00dfig erscheinende \"pressedienst\" dar, in dem \u00fcberwiegend Stellungnahmen des Direktoriums und von Direktoriumsmitgliedern zu aktuellen Ereignissen ver\u00f6ffentlicht werden. Die auf Bundesund Landesebene bestehenden Kommissionen f\u00fcr Abr\u00fcstung und Sicherheit gaben zum Komplex Abr\u00fcstung Brosch\u00fcren heraus, so die Bundesko mission das \"Abr\u00fcstungsinfo'', die bayerische Landeskommission das \"InfoDie Aktvit\u00e4ten der DFU konzentrierten sich 1981 auf die Agitaton gegen den \"Nachr\u00fcstungsbeschlu\u00df der NATO\" und die Unterst\u00fctzung des \"Krefelder Appells''. Andere Programmpunkte der DFU, wie der \"Abbau des Antikommunismus' und der \"'Kampf gegen die Berufsverbote'' wurden in die Abr\u00fcstungskampagneintegriert oder ihr untergeordnet. Die DFU stellte dabei heraus, da\u00df der Antikommunismus bzw. der Antisowjetismus als Instrument zur Diffamierung der DFU und der \"Friedensbewegung\" diene \"Antikommunismus, der Abbau demokratischer Grundrechte,die Nichterf\u00fcllung des antifaschistisch-d emokratiesetzes und fehlend e soziale Sicherh eit haben geschen Auftrags des Grundg 39","meinsame Wurzeln in der \u00f6konomischen undpolitischen Herrschaft des Gro\u00dfkapitals. Deshalb strebt die Deutsche Friedens-Union als gesellschaftliche Alternative eine fortschrittliche Demokratie an, in der die Monopolmacht zur\u00fcckgedr\u00e4ngt wird zugunsten einer die kontrollierende Mitbestimmung aus\u00fcbenden Gesellschaft\" Die DFUf\u00fchrte 1981 ihre internationalen Kontakte fort. So hielt sich Anfang November eine Delegation des Friedensrates der CSSR auf Einladung des DFULandesverbandes Bayern in N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen auf. Die DFU trat 1981 nicht nur mit eigenen Veranstaltungen in Erscheinung, sondernbeteiligte sich in erheblichem Umfang auch im B\u00fcndnisbereich. Sie unternahm dabei breit angelegte Werbungsund Unterst\u00fctzungsaktionen f\u00fcr die Demonstration am 10. Oktober in Bonn unddas 2. Forum der \"Krefelder Initiative\" Sie trat ferner als Unterst\u00fctzerin verschiedener Aktionen der \"M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung\" (MBFA), der\u00f6rtlichen Gruppe des DKP-beeinflu\u00dften KFAZ, auf, der sie als Organisation angeh\u00f6rt. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die Verlegung des B\u00fcros der MBFA in die R\u00e4ume des DFU-Bezirksverbandes M\u00fcnchen. Im N\u00fcrnberger Raum stellte sich die DFU 1981 als zentrale Organisation im Konzept der B\u00fcndnspolitik der DKP dar. Eine der gro\u00dfen b\u00fcndnispolitischen Aktionen der DKP, ihrer Nebenund beeinflu\u00dften Organisationen war 1981 der von der DFUinitiierte \"Krefelder Appell\" und die damit verbundene Sammlung von Unterschriften. Bereits am 13. September 1980 hatte der Bundesvorstand der DFU beschlossen, am 15.116. November 1980 in Krefeld ein Forum zu veranstalten. Hierzu hatte er die Erkl\u00e4rung \"Der Atomtod bedroht uns alle -- ein Aufruf zum Gespr\u00e4ch\" verabschiedet. Das Forum, an dem rund 800 Personen teilnahmen, verabschiedete dann den \"Krefelder Appell\", in dem die Bundesregierung aufgefordert wird, \"die Zustimmung zur Stationierung von Pershing Il-Raketen und Marschflugk\u00f6rpern in Mitteleuropa zur\u00fcckzunehmen, im B\u00fcndnis k\u00fcnftig eine Haltung einzunehmen, die unser Land nicht l\u00e4nger dem Verdacht aussetzt, Wegbereiter eines neuen, vor allem die Europ\u00e4er gef\u00e4hrdenden nuklearen Wettr\u00fcstens sein zu wollen'. Eine wesentliche organisatorische Rolle am Zustandekommen dieses Appells kommt dem Mitglied des Direktoriums der DFU Josef Weber zu. Der Aufruf wurde von DKP, SDAJ, MSB Spartakus sowie von DFU, DFG-VK, VVN-BdA, DFI und KFAZ lebhaft begr\u00fc\u00dft und unterst\u00fctzt. Das KFAZ beschlo\u00df am 9 Dezember 1980, seine ganze Kraft daf\u00fcr einzusetzen, mindestens eine Million Unterschriften f\u00fcr den \"Krefelder Appell\" aufzubringen. Das Pr\u00e4sidium der DKP rief am 6. Januar 1981 alle Parteimitglieder auf, im B\u00fcndnis mit anderen Kr\u00e4ften vielf\u00e4ltige Aktionen zur Unterst\u00fctzung des\"Krefelder Appells\" zu organisieren und unverz\u00fcglich mit dem Sammeln von Unterschriften zu beginnen. Der IKP-Vorsitzende Mies erkl\u00e4rte im Januar 1981: \"Wir Kommunisten unterst\u00fctzen ider Appe l a all unse rer Kraft die Unterschrif unterden Krefe tenkampagneParte g el alon e. Dasistdie entsc heide nde Aufga bef\u00fcr de ganze i. Anfan stellte das KFAZ anl\u00e4\u00dflich einer \"Aktionskon ferenz Frieden 81 ann ons leitfaden \"1 Millio n Unter schrif ten gege n die Statio nierung derneuen om rak ihre bunde ten in Europa\" vor. Die DFG-VK nutzte ng. Die VVN-B sweite \"Friedensta' fette\" im Fr\u00fchjahr 1981 zur Unterschriftensammlu dAverbreitete einen ei40","genen Aufruf zur Unterst\u00fctzung des Appells. Sammelpunkt f\u00fcr die Unterschriften war wiederum das DFU-Direktoriumsmitglied Josef Weber. Die Kontaktadresse waridentisch mit der Adresse der Bundesgesch\u00e4ftsstelle der DFU. Der Appell und die laufende Unterschriftensammlung wurden \u00fcber das ganze Jahr 1981 von den Publikationen der DKP, ihrer Nebenund vonihr beeinflu\u00dfter Organisationen begleitet. Fortlaufend erschienen darin zum Teil euphorische Berichte, Kommentare und Meldungen \u00fcber Erfolgszahlen. Bis Ende 1981 d\u00fcrften \u00fcber eine Million, nach eigenen Angaben \u00fcber 2 Millionen Unterschriften gesammelt worden sein. Am 21. November fand in Dortmund das Zweite Forum der \"Krefeler Initiative\" statt. An ihm nahmen15.000 Personen aus dem ganzen Bundesgebiet teil, unter ihnen der DKP-Vorsitzende Mies, dessen Stellvertreter und weitere Mitglieder der Parteif\u00fchrung. Das DFU-Direktorumsmitglied Josef Weber er\u00f6ffnete die Veranstaltung. 19 Redner traten auf, unter ihnen das Mitglied des DKP-Pr\u00e4sidiums und des sowjetisch gelenkten \"Weltfriedensrates'' (WFR) Martha Buschmann, der Bundesvorsitzende der SDAJ Werner St\u00fcrmann, der Bundesvorsitzende der DFG-VK Klaus Mannhardt und der Vorsitzende der DKP-beeinflu\u00dften \"DeutschPolnischen Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland e.V.\" (DPG) Prof. Helmut Ridder, zugleich einer der Mitinitiatoren des \"Krefeler Appells\". Der \"Krefelder Appell' und die um ihn herum entfachten Aktivit\u00e4ten z\u00e4hlen mit zu den bisher gr\u00f6\u00dften undbreitesten B\u00fcndnisaktionen der orthodoxen und orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Organisationen in der Bundesrepublik Deutschland 2.4.3 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bundder Antifaschisten (VVN-BdA) Die VVN-BdA, eine der gr\u00f6\u00dften orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Organisationen, wurde 1946als \"Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes\"' gegr\u00fcndet und 1971 in \"VVN-Bund der Antifaschisten'' umbenannt. Dies diente vor allem dazu, den durch \u00dcberalterung bedingten Mitgliederschwund zu \u00fcberwinden. Nach dem 1979 verabschiedeten \"Orientierungsund Aktionsprogramm' der WVN-BdA bedeutet \"antifaschistische Politik' das Eintreten f\u00fcr die \"wirksame und vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Demokraten im gemeinsamen Handeln gegen Reaktion und Neofaschismus'' und heute, in einer \"Zeit der massiven Einschr\u00e4nkung demokratischer Freiheiten, die Verteidigung dieser in den L\u00e4nderverfassungen und im Grundgesetz enthaltenen antifaschistischen Forderungen und Auftr\u00e4ge''. Die VVN-BdAist der prosowjetischen Federation Internationale des Resistants (FIR) und dem sowijetisch gelenkten Weitfriedensrat (WFR) angeschlossen. Pr\u00e4sident der VVN-BdA ist Dr Joseph C. Rossaint; er ist Tr\u00e4ger der vom Pr\u00e4sidium des Obersten Sowjet der UdSSRverliehenen Leninmedaille. Generalsekret\u00e4r ist seit M\u00e4rz 1981 das DKP-Vorstandsmitglied Kurt Erlebach. Der ehemalige Generalsekret\u00e4r Hans Jennes ist nunmehr Vizepr\u00e4sident. Diese Umbesetzung 41","Publikationen DKP-beeinflu\u00dfter Organisationen ZEITUNG. Tauben-Offensive! =, 42","spricht f\u00fcr eine noch st\u00e4rkere Anbindungder VVN-BaA an die DKP. Vorsitzender des Landesverbandes Bayern der VVN-BdA ist seit der Neuwahl im April 1981 der DKP-Funktion\u00e4r Oskar Neumann. Landessekret\u00e4rin blieb das Vorstandsmitglied der DKP-Bezirksorganisation S\u00fcdbayern und Mitglied des Sprecherkreises der MBFA Marion Lehmicke. Durch eine im September 1979 begonnene und im Februar 1981 vorl\u00e4ufig beendete Werbekampagne der VVN-BdA konnten nach eigenen Angabenin den zehn Landesverb\u00e4nden rund 3.000, in Bayern etwa 250 neue Mitglieder gewonnen werden. Der Gesamtmitgliederstand auf Bundesebene von rund 12.000 und in Bayern von rund 1.000 d\u00fcrfte sich dadurch erh\u00f6ht haben. Die mitgliederst\u00e4rksten der 13 Kreisvereinigungen in Bayernsind die in M\u00fcnchen mit rund 450 und in N\u00fcrnberg mit rund 250 Mitgliedern Organ der VVN-BdAist \"effektiv\", das in einer Auflage von 1.000 Exemplaren mindestens viermal j\u00e4hrlich vom Pr\u00e4sidium der VVN-BdA herausgegeben wird Sprachrohr der VVN-BdA ist auch\"die tat -- antifaschistische Wochenzeitung\", die in einer gesch\u00e4tzten Auflage von 14.000 Exemplaren gedruckt wird. Durch denMitgliederwettbewerb konnten nach eigenen Angaben2.000 neue Abonnenten geworben werden. Chefredakteurin ist das Mitglied des Parteivorstands der DKP Ingrid Schuster. Seit Ende 1981 gibt das Pr\u00e4sidium der VVN-BdA auch die Brosch\u00fcre \"AID -- Argumentation, Information, Dokumentation\" heraus. Agitationsschwerpunkte der VVN-BdA waren 1981 der Kampf gegen den \"NATO-Beschlu\u00df'', damit verbunden der \"Kampf gegen den Antikommunismus\" und die \"Bedrohungsl\u00fcge von der Gefahr aus dem Osten' sowie die Unterschriftensammlung unter den \"Krefelder Appell\", ferner der Kampf gegen den \"Neonazismus' und die \"verfassungswidrigen Berufsverbote\". 'Am 2./3. Mai fand in Frankfurt a.M. eine Bundeskonferenz der VVN-BdA unter 'dem Motto \"F\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Demokratie, gegen Atomraketen und gegen Neonazismus' statt. Vor 400 Funktion\u00e4ren sagte Kurt Erlebach, \"als Teil der Friedensbewegungunterst\u00fctze die VVN-BdA aktiv die Unterschriftenkampagne unter den Krefelder Appell'. Das Gremium wandte sich in einem Appell zum \"Tag der Befreiung' an die Bev\u00f6lkerung der Bundesrepublik Deutschland, n dem es hie\u00df, da\u00df alles getan werden m\u00fcsse, um die Stationierung von atomaren Mittelstreckenraketen in Europa zu verhindern Die VVN-BdA hatte mit zur Teilnahme an der Bonner Gro\u00dfdemonstration am 10. 'Oktober in Bonn aufgerufen und sich aktiv an deren Vorbereitung beteiligt. Das Pr\u00e4sidiumsmitglied der VVN-BdA Emil Carlebach sprach bei einer der Auftaktkundgebungen. Zur Unterst\u00fctzung des \"Krefelder Appells'' brachte die VVN-BdA eine eigene Brosch\u00fcre zur Unterschriftenleistung mit dem Titel \"Kampf dem 'Atomtod' heraus. 1981 reisten verschiedene Delegationen der VVN-BdAn die DDR, u.a. eine Delegation von Pr\u00e4sidiumsmitgliedern im Juni 1981 zu einem Informationsaustausch mit Vertretern der Zentralleitung des Komitees der antifaschistischen Widerstandsk\u00e4mpfer der DDR. 43","Der Landesverband Bayern der VVN-BdA f\u00fchrte am 11./12. April seine 17. ordentlche Delegiertenkonferenz durch, an der sich 112 Delegierte beteiligten. Der neugew\u00e4hlte Landesvorstand wurde beauftragt, die erforderlichen Satzungs\u00e4nderungen zur Umwandlung der VVN-BdA voneiner Arbeitsgemeinschaft in enen Bundesverband mit gest\u00e4rkten Kompetenzen vorzubereiten. 'Aus Protest gegen den Landeskongre\u00df der rechtsextremen Jungen Nationaldemokraten (JN) am 11. April in Landshut veranstaltete die Kreisvereinigung Landshut der VVN-BdA vom 6.--11. April eine \"Antifaschistische Woche' mit Vortr\u00e4gen und Filmvorf\u00fchrungen. H\u00f6hepunkte der \"Antifaschistischen Woche' war die Beteiligung an der Kundgebung der Gewerkschaftsjugend am 11. April gegen den Landeskongre\u00df der JN. Die VVN-BdA Kreisvereinigung Regensburg f\u00fchrte unter dem Motto \"Wir brauchen Frieden -- Keine Stationierung von US-Mittelstreckenraketen\" am 23. 'April eine Gedenkkundgebung f\u00fcr drei kurz vor Kriegsende hingerichtete Regensburger B\u00fcrger durch, an der sich etwa 200 Personenbeteiligten. Den Aufruf zur Kundgebung unterst\u00fctzten auch die DFU, die DFG-VK und das KFAZ. 'Am 17. Mai veranstaltete die neugegr\u00fcndete \"B\u00fcrgerinitiative zur Verhinderung des Landesparteitages der NPD in Kaufbeuren-Neugablonz' eine Demonstration mt Kundgebung. Unter den rund 250 Teilnehmern befanden sich zahlreiche 'Anh\u00e4nger der VVN-BdA, der DKP und der VOLKSFRONT. Kundgebungsredner waren u.a. der Landesvorsitzende der VVN-BdA in Bayern Oskar Neumann und der Landesvorsitzende der DFU in Bayern Gerhard Bitterwolf. Am Jahrestag des Attentats auf dem M\u00fcnchner Oktoberfest (26. September 1980) veranstaltete de \u00f6rtliche Gruppe der bundesweiten Initiative \"Dem NaziTerror Einhalt gebieten\" n M\u00fcncheneine Kundgebung und eine Demonstration, an der sich etwa 1.100 Personen, darunter Anh\u00e4nger von DKP, SDAJ und VVNBdA, sowie des AB, des ASKo und der VOLKSFRONT beteiligten. Die Veranstaltungsleitung hatte die Landessekret\u00e4rin der VVN-BdA Marion Lehmicke, ihr Vertreter war der Landesvorsitzende Oskar Neumann. Am 9. November f\u00fchrte der VVN-BdA Landesverband Bayern in M\u00fcnchen eine Veranstaltung zum Jahrestag der Reichskristallnacht mit dem Thema \"Den NazTerror endlich stoppen\" durch. An der Veranstaltung nahmen rund 150 Personen teil 2.4.4 Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) Die DFG-VK entstand 1974 durch Fusion der Deutschen Friedensgesellschaft -- Internationale der Kriegsdienstgegner (DFG-IdK) mit dem Verband der Kriegsdienstverweigerer (VK). Diesich als \"antimilitarischer Kampfverband' verstehende Organisation k\u00e4mpft f\u00fcr Abr\u00fcstung unddie \"Verwirklichung des Menschenrechts auf Kriegsdienstverweigerung\", aber auch gegen \"Antikommunismus'' und die \"Militarisierung der Bundesrepublik\". Sie erachtet die Verweigerung jeglichen Kriegsdienstes als ei44","Atomtod droht! ehrt Euch! N\u00dcRNBERG 15.6.81 ERLANGEN 16.6.81 UTTENREUTH 19.6.81 Mt Friedensstafette Z jgegen . 4 Atomraketen a April-Juni 1981 45","ne \"demonstrative, individuelle Handlung gegen Krieg und Kriegsvorbereitung\". Den Kriegsdienstverweigerern gew\u00e4hrt sie \"Schutz und Hilfe\". Die DFG-VK sieht nach ihrem Programm neuerdings \"Schwerpunkte ihrer b\u00fcndnispolitischen Zusammenarbeit vor allem dort, wo die Forderung nach Beseitigung der Atomwaffen, nach dem Verbot der Weitergabe von Plutonium und nach dem Schutz der Landschaft vor milit\u00e4rischer Zerst\u00f6rung aufgestellt wird\" F\u00fchrende Funktionen im Bundesvorstand nahmen auch 1981 orthodoxe Kommunisten wahr. Das DKP-Mitglied Rolf Breuch ist Referent f\u00fcr Abr\u00fcstung. Das DKP-Mitglied Gregor Witt st zust\u00e4ndig f\u00fcr das Referat Dokumentation und Information. Der Bundesvorsitzende Klaus Mannhardt ist Mitglied des B\u00fcros des DKP-beeinflu\u00dften KFAZ und geh\u00f6rt dem sowjetisch gelenkten Weltfriedensrat (WFR) an. Die DFG-VK st nach wie vor die mitgliederst\u00e4rkste kommunistisch beeinflu\u00dfte Organisation. Die Mitgliederzahl d\u00fcrfte 1981 bei 15.000 gelegen haben. Der Mitgliederstand des DFG-VK-Landesverbandes Bayern wies leicht steigende Tendenz auf und \u00fcberschritt die Zahl 2.000; allerdings arbeitet nur ein geringer Teil der Mitglieder aktiv mit. Auch die Anzahl der DFG-VK-Gruppen in Bayern hat 1981 zugenommen. Jetzt bestehen 21 Ortsgruppen, nach eigenen Angabenferner in \u00fcber 20 OrtenArbeitskreise, Friedenskreise und Initiativen und in 10 Orten KDV-Beratungsstellen, so da\u00df die DFG-VK jetzt in \u00fcber 50 Orten Bayerns pr\u00e4sent ist. Mit rund 800 Mitgliedern ist die M\u00fcnchner Gruppe die gr\u00f6\u00dfte, mit rund 300 Mitgliedern die N\u00fcrnberger Gruppedie zweitgr\u00f6\u00dfte und aktivste Gruppe in Bayern. Das Publikationsorgan der DFG-VK\"Zivilcourage' erscheint alle zwei Monate. Vertreter des Redaktionskollegiums weilten auf Einladung des Friedensrates der DDR zu einem einw\u00f6chigen Studienaufenthalt in der DDR. Die DFG-VK unterst\u00fctzte die ihr nahestehende \"Selbstorganisation der Zivildienstleistenden'' (SOdZDL) und beteiligte sich an Aktionen des ebenfalls von der DKP beenflu\u00dften KFAZ. Zusammen mit diesem und der DFU z\u00e4hlte die DFG-VK 1981 zu den f\u00fchrenden Organisationen bei den Kampagnen gegen den \"NATO-Nachr\u00fcstungsbeschlu\u00df\" und f\u00fcr den \"Krefelder Appell\". Am 20. April startete die DFG-VK in Flensburg eine \"Friedensstafette gegen Atomraketen\", die sich 70 Tage durch die gesamte Bundesrepublik bewegte -- davon vom 14 bis 27. Juni durch Bayern. Die Stafette war mit Demonstrationen, Friedensfesten, Mahnwachen undInfost\u00e4nden in 12 Orten Bayerns verbunden. Ziel der Stafette war es, den \"Widerstand'' der Bev\u00f6lkerung gegende geplante Stationierung von neuen Atomraketen aufgrund des \"NATO-Nachr\u00fcstungsbeschlusses\" sichtbar zu machen. Daneben wurden f\u00fcr den \"Krefelder Appell\" nach eigenen Angaben 40.000 Unterschriften gesammelt, davonallein 3.000 in Bayern. Unter dem Motto \"Frieden schaffen ohne Waffen -- Weg mit dem NATO-Raketenbeschlu\u00df\" hielt der Landesverband Bayern der DFG-VK am 7.18. November in Schweinfurt seinen Landeskongre\u00df ab. Der wiedergew\u00e4hlte Landesvorsitzende Heinrich H\u00e4berlein erkl\u00e4rte, Hauptaufgabe der DFG-VK als der \"gr\u00f6\u00dften Friedensorgansation'' in Bayernsei es, die Stationierung weiterer Mittelstreckenra46","keten zu verhindern und den Abbaubereits errichteter Anlagen zu erwirken. F\u00fcr die Zukunft habe sich die DFG-VK vorgenommen, durch verst\u00e4rkte Aktivit\u00e4ten das Wettr\u00fcsten in Ost und West zu bek\u00e4mpfen. Hierbei seien 1982 spektakul\u00e4re Blockadeaktionen nicht auszuschlie\u00dfen. 'AufInitiative der DFG-VK Ortsgruppe Rosenheim fandenvom 1.bis28. November die Ill. Rosenheimer Friedenswochen statt, die von zehn \u00f6rtlichen Vereinigungen getragen wurden. Als Mitveranstalter traten auch die DKP sowie die vonihr beeinflu\u00dfte Demokratische Fraueninitiative (DFI) auf. An der Schlu\u00dfkundgebung nahmen rund 350 Personen teil; die Gesamtbesucherzahl lag bei etwa 2.000. 2.4.5 Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) Das KFAZ entstand 1974 unter ma\u00dfgeblicher Beteiligung orthodox-kommunistischer Organisationen. Es verf\u00fcgt \u00fcber keine feste Organisation. Leitungsgremiumist das aus neun Mitgliedern bestehende \"B\u00fcro des KFAZ', eine der Schaltzentralen der \"Friedensbewegung'. Seine Mitglieder geh\u00f6ren dem sowjetisch gelenkten Weltfriedenrat (WFR) direkt oder \u00fcber DKP-beeinflu\u00dfte deutsche Organisationen, die ihrerseits Mitglieder des WFRsind, an Bundesweit bestehen \u00f6rtliche Komitees undInitiativen des KFAZ, in Bayern z.B. in M\u00fcnchen, Regensburg und Weilheim. Das KFAZ gibt seit November 1981 die \"'Friedenszeitung' heraus. Damit will es die \u00f6rtlichen Friedensinitiativen st\u00e4rken. Das KFAZ war auch 1981 einer der Tr\u00e4ger der kommunistischen Friedensund Abr\u00fcstungskampagne. Esrief zur Unterst\u00fctzung des \"Krefelder Appells'' auf und gab hierzu anl\u00e4\u00dflich einer \"'Aktionskonferenz'' im Februar 1981 einen \"Aktionsleitfaden -- 1 Million Unterschriften gegendie Stationierung der neuen Atomraketen in Europa' heraus. Es war auch ma\u00dfgeblich an der Vorbereitung und Durchf\u00fchrung der \"Friedensdemonstration\" am 10. Oktober n Bonn beteiligt. Von den in Bayern existierenden \u00f6rtlichen Gruppierungen des KFAZ war die \"M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung' (MBFA) die aktivste. In dieser Gruppe arbeiten u.a. folgende Organisationen zusammen: Demokratische Fraueninitiative (DFI), Deutsche Friedensgesellschaft/Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK), Deutsche Friedens-Union (DFU), Deutsche Kommunistische Partei (DKP), Marxstischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus), Sozalistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ), Sozialistischer Hochschulbund (SHB), Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (VVN-BdA). Die besondere Verbindung zwischen MBFA und DFUzeigt die Tatsache, da\u00df die MBFAihr B\u00fcro n die R\u00e4ume der DFU in M\u00fcnchen verlegte Die MBFAveranstaltete am 23. Mai einen Aufzug mit Auftaktkundgebung und anschlie\u00dfendem \"Friedensfest''. Am Aufzug beteiligten sich rund 3.000, an der Schlu\u00dfkundgebung rund 5.000 Personen. Die Aktionen standen unter dem Motto \"Der Atomtod bedroht uns alle -- Keine Atomraketen in Europa\". Zur Teilnahme hatten neben Einzelpersonen 30 Organisationen, darunter die DKP, SDAJ, MSB Spartakus, JP, DFU, VVN-BdA und DFG-VK, aufgerufen. Auch demokratische Organisationen unterst\u00fctzten den Aufruf 47","An denVeranstaltungen der MBFA am 17. August und 5. September in M\u00fcnchen unter den Leitmotiven \"Weg mit der Neutronenbombe -- Keine neuen Atomraketen in Europa\" bzw. \"Keine Atomraketen in Europa -- K\u00fcnstler f\u00fcr den Frieden\"' nahmen je rund 500 bis 600 Personen teil. 2.4.6 Vereinigung Demokratischer Juristen (VDJ) Die auf Initiative der DKP gegr\u00fcndete VDJ, in der Kommunisten ma\u00dfgeblich t\u00e4tig sind, versuchte auch 1981, Einflu\u00df auf de Rechtspolitik in der Bundesrepublik Deutschland im Sinne der Ziele der DKP zu nehmen. Die VDJ arbeitet als nationale Sektion in der kommunistisch gesteuerten \"Internationalen Vereinigung Demokratischer Juristen' (IVDJ) mit Sitz in Br\u00fcssel mit. Ende 1981 z\u00e4hlte die VDJ, wie die Jahre vorher, rund 600 Mitglieder. Organisatorisch gliederte sie sich in 23 Regionalgruppen, davon 2 in Bayern. Nacheiner Pressemitteilung im SED-Zentralorgan \"Neues Deutschland' vom 2. November beurteilte die VDJ das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts gegen ein DKP-Mitglied bei der Post, das wegen seiner DKP-Mitgliedschaft aus dem Beamtenverh\u00e4ltnis entlassen wurde, als \"Tiefpunkt politischer Justiz n der BRD' und \u00e4u\u00dferte die Ansicht, da\u00df sich das Gericht auf das \"offene Feld der politischen Gesinnungsverfolgung\"' begeben habe. Zum Thema\"Wohnungsnot' veranstaltete die VDJ eine wissenschaftliche Konferenz am 29. November in Frankfurt aM. Die VDJ-Regionalgruppe M\u00fcnchen f\u00fchrte am 26. November eine Veranstaltung zu folgenden Themen durch: \"Aktuelle Information: Der N\u00fcrnberger KOMM-Proze\u00df\" und \"Sind die Mieter selber schuld?\". 2.4.7 Demokratische Fraueninitiative (DFI) Die DFI wurde 1975 mit Unterst\u00fctzung der DKP als \"Initiative Internationales Jahr der Frau '75'' gegr\u00fcndet und 1976 in DFI umbenannt. Sie versucht, die Aktivit\u00e4ten \"fortschrittlicher\" Frauengruppen zu koordinieren und im Sinne der DKP zu lenken. Die DKP h\u00e4lt es f\u00fcr gut, da\u00df sich mit der DFI \"erfolgreich ein Anziehungspunkt und Aktivposten fortschrittlicher Frauenpolitik entwickelt und da\u00df viele Genossen hier in einem demokratischen B\u00fcndnis ihren Platz einnehmen\". Zum \"Internationalen Frauentag\", derallj\u00e4hrlich am 8. M\u00e4rz begangen wird, organiserten die DKP und die DFI unter dem Motto \"Gegen Wettr\u00fcsten und Frau'enwehrdienst\"' mehrere Veranstaltungen, Diskussionsabende und Informatonsst\u00e4nde, u.a. in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Bayreuth Anfang des Jahres erkl\u00e4rte das F\u00fchrungsgremium der DFI, der \"Zentrale Arbeitskreis'', da\u00df sich die DFI dem \"Krefelder Appell\" anschlie\u00dfe. Unter dem Motto \"Gleichberechtigung, nationale Unabh\u00e4ngigkeit, Frieden\" fand auf Initiative der kommunistisch beeinflu\u00dften \"Internationalen Demokratischen Frauenf\u00f6deration\" (IDFF) vom 8.--13. Oktober in Prag der \"Weltkongre\u00df der Frauen\" statt. Die Bundesrepublik Deutschland war durch eine 15k\u00f6pfige Delegation vertreten, die u.a. auf Initiative der DFI zustande kam. 48","2.4.8 Komitees und Initiativen gegen \"Berufsverbote\" Auch 1981 setzten die Komitees undInitiativen \"gegen die Berufsverbote'' und f\u00fcr die \"Verteidigung der Grundrechte\" die Kampagne gegen die Pr\u00fcfung der Verfassungstreue der Bewerber f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst, insbesondere gegen den Beschlu\u00df der Regierungschefs des Bundes undder L\u00e4nder vom 28. Januar 1972 \u00fcber die Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst (in Bayern: Bekanntmachungder Bayerischen Staatsregierung vom 27. M\u00e4rz 1973)fort. Bundesweit sollen nach eigenen, offensichtlich \u00fcbertriebenen Angaben 370 Komitees und Initiativen bestehen. Die Koordination ihrer T\u00e4tigkeit liegt \u00fcberwiegend beim \"Arbeitsausschu\u00df\" der DKP-beeinflu\u00dften \u00fcberregionalen \"Initiative Weg mit den Berufsverboten\" mit Sitz in Hamburg In Bayern bestanden 1981 zehn B\u00fcrgerinitiativen und B\u00fcrgerkomitees \"Gegen die Berufsverbote\" und f\u00fcr die \"Verteidigung der Grundrechte'. Orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dft sind das N\u00fcrnberger B\u00fcrgerkomitee \"Verteidigung der Grundrechte -- Aufhebung der Berufsverbote\" und die \"M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative gegen Berufsverbote\". Bei allen Komitees gingen die Aktivit\u00e4ten gegen\u00fcber den vergangenen Jahren zur\u00fcck. Am 15. Februar f\u00fchrte der \"Arbeitsausschu\u00df' der \u00fcberregionalen DKP-beeinflu\u00dften \"Initiative Weg mit den Berufsverboten\" n Frankfurt a M. die 11. Aktionskonferenz unter Beteiligung von Vertretern ausl\u00e4ndischer Komitees durch. Unter den Rednern war auch das Mitglied des DKP-Pr\u00e4sidiums Kurt Erlebach. Auf der 12. Aktionskonferenz am 11. Oktober in Bonn diskutierten Vertreter von Landesund Koordinierungsaussch\u00fcssen die Bilanz der letzten 10 Jahre und die Vorbereitungen f\u00fcr eine internationale Konferenz am 23./24. Januar 1982 in Hannover Die Sprecherin des\"Arbeitsausschusses\" der Initiative und Mitglied des Direktoriums der DKP-beeinflu\u00dften DFU Ingrid Kurz nannte die \"'Berufsverbote' \"die Speerspitze zur Diskriminierung demokratischer Kr\u00e4fte\" Um die Aktionen und Publikationen aufeinander abzustimmen, fand am 7. M\u00e4rz und am 19. September unter der Leitung des N\u00fcrnberger Komiteesein Erfahrungsaustausch bayerischer Komitees und Intiativen statt. 3. Neue Linke 3.1 \u00dcberblick Bei der NeuenLinken handelt es sich um linksextreme Organisationen und Gruppen, die in ihrer Mehrzahl aus der sozialrevolution\u00e4ren Studentenbewegung der sechziger Jahre hervorgegangen sind. Ihr Ziel ist die kommunistische Gesellschaft. Sie lehnen den Kommunismus sowjetischer Pr\u00e4gung als \"revisionistisch\", \"b\u00fcrokratisch'\" und \"sozialimperialistisch\"' entartet ab. Die dogmatischen Organisationen orientieren sich \u00fcberwiegend an der Ideologie des Marxismus-Leninismus in der Weiterentwicklung durch Mao Zedong oder die gegenw\u00e4rtige F\u00fchrung der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh). Einige Gruppierungen richten sich nach dem Kurs der Partei der Arbeit Albaniens (PAA) oder folgen den Lehren Trotzkis. Bei den undogmatischen Gruppen reicht das Spektrum von revolution\u00e4r-marxistischen bis zu anarchistischen Einstellungen. Einige 49","ayasuewad\u00dfonpgun } [ovHssgd aIyISyJenquso]anesjue\u00dflg toae sV1OB\u00dflunI1S-psoBTaIuzwPIopOu3jgLaZHL[d.emuasnweai4l, SJNaWySoIUsJLaETlm-SNoWsSyIXuIEWy [_ u\"yoIBeIZuanBszunzyuanya.y mB%lH 50","Gruppen der Neuen Linken bekennen sich offen zur Anwendung revolution\u00e4rer Gewalt, die im Wege des Umsturzes den Wegzur Diktatur des Proletariats \u00f6ffnen soll Die Krise innerhalb der organisierten Neuen Linken setzte sich 1981 fort. Urs\u00e4chlich f\u00fcr diese Entwicklung waren die Schw\u00e4chen, die sich bei ihren einstigen revolution\u00e4ren Leitbildern in der Dritten Welt (Kuba, Vietnam und Kampuchea) zeigten und der Kurswechsel der KPCh nach dem Tode Mao Zedongs Hinzu kam die jahrelange pers\u00f6nliche undfinanzielle \u00dcberforderung der Mitglieder und die Entt\u00e4uschung \u00fcber ausbleibende Erfolge. Diese Umst\u00e4nde f\u00fchrten im Bundesgebiet und in Bayern bei den meisten Gruppen der dogmatischen Neuen Linken zu einer Stagnation der Mitgliederzahlen; einige Gruppen hatten wiederum deutliche Mitgliederverluste zu verzeichnen. Die Neue Linke versuchte deshalb, mit einer kritischen \u00dcberpr\u00fcfung ihrer Positionen den bundesweit anhaltenden Proze\u00dfder Zersplitterung und drohenden Aufl\u00f6sung der bestehenden Organisationen aufzuhalten. Kennzeichnend daf\u00fcr waren die Bestrebungen der dogmatischen Neuen Linken um eine innerparteiliche Konsolidierung und um eine verst\u00e4rkte Zusammenarbeit innerhalb der gegenw\u00e4rtigen Organisationsstrukturen. Auch zeigte sich eine vermehrte Bereitschaft zu gemeinsamen Aktionen mit orthodox-kommunistischen Gruppierungen sowie das generelle Bem\u00fchen um breitere B\u00fcndnisse. Die in Bayern vertretenen dogmatischen Gruppen der Neuen Linken engagierten sich 1981 vorwiegend im Bereich der Betriebs-, Bildungs-, Antifaschismusund Umweltschutzarbeit. Nach anf\u00e4nglichem Z\u00f6gern nutzten auch sie die bundesweite \"Friedenskampagne\" als Aktionsfeld, um ihre revolution\u00e4ren Ziele zu propagieren. Die der dogmatischen NeuenLinken zuzurechnenden \"Marxistischen Gruppen\" (MG) traten im Vergleich zu den vergangenen Jahren 1981 nicht nur im Hochschulbereich, sondern mit Aussagen allgemeinpolitischer Natur zunehmend auch au\u00dferhalb der Hochschulen in Erscheinung. Einzelne Gruppen der undogmatischen Neuen Linken, die in ihren Randbereichen noch un\u00fcbersichtlicher und militanter wurden, begannen 1981 mit einer Welle vielf\u00e4ltiger, zum Teil gewaltt\u00e4tiger Protestaktionen. Mit dem Ruf nach \"alternativen Lebensformen\" und \"Autonomie'' k\u00e4mpften ihre Anh\u00e4nger um \"Freir\u00e4ume\" in Staat und Gesellschaft. Sie nahmen an Hausbesetzungen teil und widersetzten sich zum Teil mit Gewalt der R\u00e4umung. Aus ihren Reihen kam es zu Angriffen auf Sicherheitskr\u00e4fte bei Demonstrationen. InBayern z\u00e4hlten hierzu die Gruppe\"Freizeit 81\", der \"Schwarze Block' und einige \"Hausbesetzer\"'-Gruppen. 3.2 Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) Der im Jahre 1973 entstandene KBW bekennt sich zur \"proletarischen Revolution\" im marxistisch-leninistischen Sinne. Er propagiert offen die \"Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparates'' und strebt die \"Machtergreifung durch die Volksmassen\" an Sein Vorbild ist nach wie vor die Kommunistische Partei Chinas (KPCh). 51","Die vom 14. bis 18. November in Frankfurt a.M. \u00f6ffentlich durchgef\u00fchrte VI. Delegiertenkonferenz des KBW stand ganz im Zeichen einer Umorientierung der Partei. Die Konferenz hob alle bisherigen programmatischen Dokumente, wie das \"Programm'' und die \"Leits\u00e4tze zur Milit\u00e4rfrage\" auf, bezeichnete die alte \"Parteikonzeption' als falsch, beschlo\u00df en neues Statut und verabschiedete drei Resolutionen, in denen die bisherige Linie des KBW kritisiert und der neue politische Kurs umrissen wurde. Zentrale Themen, wie die kontrovers diskutierte Frage nach der Notwendigkeit der \"Diktatur des Proletariats\"\", wurden ausgeklammert, um eine weitere Spaltung zu vermeiden. Auf der Konferenz sprachen sich die Delegierten ferner daf\u00fcr aus, ein \"Kampfprogramm gegen den Kapitalismus\" zu entwickeln, das Ans\u00e4tze f\u00fcr den Aufbau einer \"klassenlosen Gesellschaft\" beinhaltet. Im Rahmen der anstehenden Programmdebatte will der KBW alle Bestrebungen unterst\u00fctzen, die einen \"neuen Zusammenschlu\u00df der gegenw\u00e4rtig zersplitterten kommunistischen Kr\u00e4fte zustande bringen\" Nach dem neuen Statut ist das h\u00f6chste Organ des KBW die zentrale Delegiertenkonferenz, die j\u00e4hrlich von der Bundesleitung einberufen wrd. Die Bundesleitung besteht nunmehr aus drei Sekret\u00e4ren, die einen st\u00e4ndigen Ausschu\u00df bilden, und weiteren 42 Mitgliedern. Die \"Bundesleitung'' l\u00f6ste das ehemalige Zentralkomitee (ZK) ab. Der Bundesleitung unterstehen regional gebildete Bezirke oder Ortsgruppen, die sich in \"Grundeinheiten\" untergliedern. Die Leitungsgremien snd rechenschaftspflichtig und abw\u00e4hlbar. Als oberster Grundsatz gilt: \"Freiheit der Debatte, Einheit der Aktion\". In Bayern verf\u00fcgt der KBW -- wie bisher -- \u00fcber zwei Bezirke mit Sitz n M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Dersich seit 1980 abzeichnende R\u00fcckgangder Mitgliederzahl setzte sich 1981 fort. Ma\u00dfgebend hierf\u00fcr waren die politisch-ideologischen Differenzen in der Parteif\u00fchrung. Zum Jahresende z\u00e4hlte der KBW m Bundesgebiet noch rund 1.250 Mitglieder (1980: 1.500). In Bayern lag die Mitgliederzahl Ende 1981 erheblich unter dem Vorjahresstand von 80 Personen Als Zentralorgan gibt der KBW die \"Kommunistische Volkszeitung\" (KVZ)heraus, die seit Juni 1981 als Wochenzeitung in einer bundesweit einheitlichen Form ohne Regionalteile erscheint. Die Gesamtauflage betrug etwa 7.000 (1980: 13.000) Exemplare. Die Theorie-Zeitschrift \"Kommunismus und Klassenkampf\" (KuK) erschien monatlich mit einer Auflage von rund 4.000 Exemplaren (1980: 6.000). In der Agitationsund Propagandat\u00e4tigkeit befa\u00dfte sich der KBW 1981 insbesondere mit dem \"US-Imperialismus'' und der Sowjetunion als dem \"gef\u00e4hrlichsten Feind'. Er trat f\u00fcr eine von den \"Superm\u00e4chten' unabh\u00e4ngige Politik ein und forderte die \"R\u00fccknahme der Zustimmung zum Nachr\u00fcstungsbeschlu\u00df durch die Bundesregierung\", die \"Aufl\u00f6sung von NATO und Warschauer Pakt'' sowie das \"Verbot und die Vernichtung aller Kernwaffen'. Im Rahmen seiner Aktvit\u00e4ten versuchte er, \u00fcber Aktionsb\u00fcndnisse in der \"Friedensbewegung\" an Einflu\u00df zu gewinnen. Anh\u00e4nger des KBW beteiligten sich an den vonlinksextremen Gruppierungen inszenierten \u00f6rtlichen \"Friedensaktionen''. 52","Der KBW nahm den Besuch des Staatsund Parteichefs Breschnew vom 22. bis 25. November in Bonn zum Anla\u00df f\u00fcr heftige Propagandaattacken gegendie Sowijetunon undbeteiligte sich an der von einer Aktionsgemeinschaft am 22. November in Bonn durchgef\u00fchrten Demonstration \"F\u00fcr Abr\u00fcstung in Ost und West' mit eigenen Parolen gegen die beiden \"Superm\u00e4chte'\". Als weiteres Aktionsfeld nutzte der KBW 1981 wiederum die Kampagne gegen die Kernkraftwerke Er rief zur Beteiligung an der verbotenen Demonstration am 28. Februar in Brokdorf auf, bei der es zu schweren gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen von militanten Kernkraftgegnern mit der Polizei kam, und beteiligte sich am gleichen Tagean \u00f6rtlichen \"Soldarit\u00e4tsveranstaltungen' in Bayern(vgl. Nr. 4 dieses Abschnitts). Sein Einflu\u00df auf die bestehenden B\u00fcrgerinitiativen ge'gen Kernkraftwerke in Bayern ging 1981 allerdings merklich zur\u00fcck. Beiden Aktivit\u00e4ten wurde der KBW 1981 von seinen Nebenorganisationen, den \"Kommunistischen Jugendb\u00fcnden\" (KJB), die in Bayern inaktiv blieben, den \"Kommunistischen Hochschulgruppen\" (KHG) und der \"Vereinigung f\u00fcr revolution\u00e4re Volksbildung\" (VrV) unterst\u00fctzt. Die internen Differenzen im F\u00fchrungskader des KBW wirkten sich auch aufdie Nebenorganisationen aus. Die erst 1979 in Bayern auf Bezirksebene gegr\u00fcndete \"Vereinigung f\u00fcr revolution\u00e4re Volksbildung' (VrV) beschlo\u00df auf ihrem Kongre\u00df am 31. Januar/1. Februar in Frankfurt a.M. die Gr\u00fcndung einer \"politisch selbst\u00e4ndigen Vereinigung mit eigenem Programm undStatut'. Die 110 Delegierten stimmten mit gro\u00dfer Mehrheit den vorgelegten Programmund Statutenvorschl\u00e4gen als vorl\u00e4ufigen Arbeitsgrundlagen der VrV zu. In weiteren Beschl\u00fcssen legte de Konferenz u.a. die Herausgabe eines eigenen Mitteilungsblattes, die Zusarnmenarbeit mit dem KBW und de Nutzung der KVZals Publikationsorgan der VrV fest. Auf der 1. Delegiertenkonferenz am 24.25. Oktober in Frankfurt a.M. wurden das auf dem Gr\u00fcndungskongre\u00df beschlossene Statut und Programm, das die \"wesentlichen Grundanschauungen des Marxismus\" enthielt, bereits wieder au\u00dfer Kraft gesetzt. Die Vereinigung arbeitet seitdem auf der Grundlage eines \"Plattformvorschlages'', den ein Arbeitsausschu\u00df einbrachte. In Bayern beschr\u00e4nkten sich die Aktivit\u00e4ten der VrV auf Mitgledertreffen und auf die Verbreitung der monatlich erscheinenden Zeitschrift \"revolution\u00e4re volksbildung\". 3.3 Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) 'Anh\u00e4nger des KBW, die sich wegen ideologischer Differenzen vom KBW abgespalten hatten, gr\u00fcndeten ar 20./21. September 1980 in Hannover den BWK. Grundlage des BWK ist das auf der Gr\u00fcndungskonferenz best\u00e4tigte Programm des KBW von 1973 in der ge\u00e4nderten Fassung vom Oktober 1976. Nach diesem Programm bekenntsich der BWKzur \"proletarischen Revolution' und zur \"Diktatur des Proletariats'' im marxistisch-leninistischen Sinne und propagiert offen die \"Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparates\". 53","Publikationen der Neuen Linken REN a = ADN-B\u00fcro besetzt Er du PCC RG GM -Gruppe Internationale Marxisten Vierte Internationale 54","Nach dem Statut des BWK, das fast w\u00f6rtlich mit dem KBW-Statut \u00fcbereinstimmt, ist oberstes Organdie Zentrale Delegiertenkonferenz, de vom Zentralen Kor tee (ZK) einberufen wird. Die neu gebildeten acht Landesverb\u00e4ndesind in Bezirkeunterteilt. Die Grundeinheiten sind die Zellen. Die Zentrale des BWK hat ihren Sitz in K\u00f6ln. Der Landesverband Bayern wird von M\u00fcnchenaus geleitet. Bezirke mit Bezirksleitungen wurden 1981 in Augsburg (Schwaben), Bayreuth (Oberfranken), M\u00fcnchen (Oberbayern), Regensburg (Niederbayern), Rosenheim (Bayerisches Oberland) und W\u00fcrzburg (Unterfranken) errichtet. Auf Bundesebene verf\u00fcgte der BWK zum Jahresende unver\u00e4ndert \u00fcber 600 Mitglieder wie bei der Gr\u00fcndung. In Bayern lag die Mitgliederzahl bei etwa 100 (1980: 110). Organ des BWKist die Zeitschrift \"Politische Berichte\". Sie erscheint vierzehnt\u00e4tig im Verlag \"Gesellschaft f\u00fcr Nachrichtenerfassung und Nachrichtenverbreitung -- Verlagsgesellschaft Politische Berichte mbH' (GNN) in K\u00f6ln. Die Auflage betrug Ende 1981 rund 2.000 Exemplare. Im gleichnamigen Verlag erschienen 1981 f\u00fcnf Sondernummern, die sich mit au\u00dfenund innenpolitischen Themen wie \"BRD-Imperialismus\", \"Bildungsreform\" und \"Gewerkschaftsbewegung\" befa\u00dften. Neben der Verlagsgesellschaft in K\u00f6ln bestehen auf der Ebene der Landesverb\u00e4nde unter der Bezeichnung \"Gesellschaft f\u00fcr Nachrichtenerfassung und Nachrichtenverbreitung mbH\" (GNN) weitere Verlage. Der GNNVerlag f\u00fcr Bayern, der seinen Sitz in M\u00fcnchen hat, brachte 1981 Betriebszeitungen, Kasernenzeitungen, Hochschulzeitungen sowie Flugbl\u00e4tter und interne Schriften des BWK zu regionalen Themen heraus. Der BWKagitierte 1981 vor allem gegen die NATO, die Stationierung von Mittelstreckenraketen n Europa und den Beschlu\u00df der US-Regierung zur Produktion der Neutronenwaffe. In seinen Publikationen kritisierte er mehrfach die von der Bundeswehr veranstalteten \u00f6ffentlichen Rekrutengel\u00f6bnisse. Mehrere Diskussionsveranstaltungen und Informationsst\u00e4nde befa\u00dften sich schwerpunktm\u00e4\u00dfig mit der Milit\u00e4rpolitik der Bundesregierung. Im Rahmen seiner \"Friedenskampagne\" bem\u00fchte sich der BWK mit anderen linksextremen Gruppierungen um \"Aktionsb\u00fcndnisse''. Er beteiligte sich an Demonstrationen gegen den \"NATO-Nachr\u00fcstungsbeschlu\u00df\"\". Der BWK strebt eine engere Zusammenarbeit mit der KPD-beeinflu\u00dften VOLKSFRONT an. In einem hierzu vom ZK am 28. November 1981 gefa\u00dften Beschlu\u00df wurdefestgestellt, da\u00df ein \"Mitwirken von Mitgliedern des BWKin der VOLKSFRONT nicht nur statuarisch m\u00f6glich, sondern auch politisch sinnvoll\" sei. Die Mitglieder des BWK wurden aufgefordert, in der VOLKSFRONT mitzuarbeiten. BWK, KBW und VOLKSFRONT verteilten gemeinsam f\u00fcr einen Aufzug am 12. Dezember in W\u00fcrzburg zum Thema \"NATO-Nachr\u00fcstungsbeschlu\u00df\" Enladungsflugbl\u00e4tter. Bei der vom BWK am 31. Dezember 1981 in M\u00fcnchen durchgef\u00fchrten \"Silvesterveranstaltung gegendie Kriegsvorbereitungen des BRD-Imperialismus\"' nahmen mehrere Angeh\u00f6rige der VOLKSFRONT teil. 'Aneinigen Universit\u00e4ten in Bayern bestehen BWK-Hochschulzellen (BWK-HZ). Ihre Aktivit\u00e4ten beschr\u00e4nkten sich im wesentlichen auf die Verbreitung der vom BWK herausgegebenen Hochschulzeitung. 55","3.4 Kommunistische Bund (KB) Der Ende 1970 entstandene KBist ein Zusammenschlu\u00df kommunistischer Organsationen auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus in seiner Weiterentwicklung durch Mao Zedong. Er strebt die gewaltsame Zerschlagung des Staatsapparates und seine \"Ersetzung durch r\u00e4tedemokratische Strukturen\" an. Im Gegensatz zu KBW und BWKkritisiert der KB den von der Volksrepublik China nach dem Tode Mao Zedongs eingeschlagenen Kurswechsel. Er verurteilt die innenpolitischen Vorg\u00e4nge als \"Rechtsputsch\" und als \"schweren R\u00fcckschlag' f\u00fcr den \"revolution\u00e4ren Proze\u00df'. Der KB hatkein schriftliches Programm. Nach dem 1980 verabschiedeten neuen Statut beruht der Organisationsaufbau des KB auf dem Grundsatz des \"demokratischen Zentralismus''. Die Grundeinheiten sind die \"Zellen\" in Betrieben, B\u00fcros, Ausbildungsst\u00e4tten, Institutionen und Wohngebieten Das h\u00f6chste Organ des KBist der \"Nationale Kongre\u00df\". Endedes Jahres 1981 verf\u00fcgte der KB im Bundesgebiet noch \u00fcber 600 Anh\u00e4nger (1980: 700), wobei die Mehrzahl seiner Aktivisten m norddeutschen Raum, vor allem in Hamburg, organisiert ist. In Bayern blieb die Mitgliederzahl mit rund 30 konstant. Der Schwerpunkt befindet sich in N\u00fcrnberg Zentralorgan des KBist die Zeitung \"'Arbeiterkampf'' mit einer Auflage von rund 5.000 St\u00fcck (1980: 6.500), die im KB-eigenen Verlag \"Hamburger Satzund Verlagskooperative GmbH\" erscheint. Als theoretisches Organgibt der KB die gelegentlich erscheinende Schrift \"Unser Weg\" heraus. In unregelm\u00e4\u00dfigen Zeitabst\u00e4nden erscheint seit Februar 1981 ein \"Schulungs-Info''. Das Heft Nr. 1 nannte u.a. als \"hei\u00dfen Tip\" f\u00fcr \"Krawallanten und die, die es werden wollen\" eine beim KB erh\u00e4ltliche Materialsammlung \u00fcber \"Die Anf\u00e4nge der Schweizer Jugendrevolte (Mai--August 1980)\", die \"interessante Einblicke\" in die \"\u00dcberlegungen der Bourgeoisie zur Bew\u00e4ltigung der Krawalle'' biete und \"Schwachpunkte\"' der b\u00fcrgerlichen Strategie offenlege. Die Agitation des KB richtete sich 1981 wiederum schwerpunktm\u00e4\u00dfig gegen die \"Faschisierung von Staat und Gesellschaft\", die er im nnenpolitischen Bereich Insbesondere bei der \"Datenerfassung auf Massenebene\" und den \"staatlichen Repressionen\" gegen \"Massenaktionen (Startbahn West, Brokdorf)\" sieht Als Aktionsfeld nutzte der KB ferner die Bewegung gegen Kernkraftwerke. Anhh\u00e4nger des KB aus Bayernbeteiligten sich an der Anti-KKW-Demonstration am 28. Februar in Brokdorf, bei der etwa 3.000 militante Kernkraftgegner versuchten, bis zum Bauplatz vorzudringen. Hierbei kam es zu schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei, bei denenzahlreiche Polizeibeamte und Demonstranten verletzt wurden. Der KBsolidarisierte sich 1981 mit der Hausbesetzerbewegung In Bayernbeteiligten sich Anh\u00e4nger des KBaktiv an Hausbesetzungen und an den R\u00e4umungen vielfach folgenden Anschlu\u00dfdemonstrationen. Im Zusammenhang mit dem bundesweiten Hungerstreik von H\u00e4ftlingen der RAF ver\u00f6ffentlichte der KB im \"Arbeiterkampf\"' vom 16. Februar die \"Hungerstreikerkl\u00e4rung der Gefangenen aus der RAF\". 56","Bei seinen Aktivit\u00e4ten st\u00fctzt sich der KB auf KB-Studentengruppen, die 1981 nur geringe Aktivit\u00e4ten entwickelten. 3.5 Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands (KABD) Der 1972 gegr\u00fcndete KABD l\u00e4\u00dft sich vom Marxismus-Leninismus in der Weiterentwicklung durch Mao Zedongleiten und bezeichnet sich als \"politische Vorhutorganisation der deutschen Arbeiterklasse\", deren grundlegendes Ziel der \"Sturz des kapitalistischen Ausbeuterund Unterdr\u00fcckersystems\" und de \"Errichtung der Diktatur des Proletariats'' sei. Der KABDhat nach dem Tode Mao Zedongs die politische Linie der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) nicht nachvollzogen. In seinen Publikationen verteidigte er die Ideen Mao Zedongs und verurteilte die gegenw\u00e4rtige politische F\u00fchrung als \"Revisionisten\"\" Der KABD arbeitet auf der 1972 beschlossenen Grundsatzerkl\u00e4rung \"Vorw\u00e4rts zum Sozialismus''. Diese Erkl\u00e4rung soll auf dem n\u00e4chsten Delegiertentag durch ein \"revolution\u00e4res Parteiprogramm' ersetzt werden. Der Entwurf dieses Programms enth\u00e4lt das Bekenntnis zu den Lehren von Marx, Engels, Lenin und Mao Zedong. Mit der Verabschiedung dieses Programms soll die Gr\u00fcndung einer \"Revolution\u00e4ren Partei der Arbeiterklasse'' beschlossen werden. Der KABD h\u00e4lt sein innerparteiliches Leben weitgehend geheim. Seine Mitglieder sind in Betriebszellen, Ortsgruppen, Bezirken und Landesverb\u00e4nde organisiert, die einer Zentralen Leitung unterstehen. Der Schwerpunkt des KABD liegt im Bundesgebiet vor allem im westund s\u00fcdwestdeutschen Raum. Die Zahl der Mitglieder im Bundesgebiet betrug zum Jahresende rund 900 (1980: 700). Die Zunahme ist auf die seit Januar 1981 intensiv betriebene Mitgliederwerbung zur\u00fcckzuf\u00fchren. Der Schwerpunkt des Landesverbandes Bayern, dessen Mitgliederzahl sich gegen\u00fcber 1980 mit etwa 30 Anh\u00e4ngern nur geringf\u00fcgig erh\u00f6ht hat, liegt im nordbayerischen Raum. Zu den Nebenorganisationen des KABD geh\u00f6ren der \"Revolution\u00e4re Jugendverband Deutschlands\" (RJVD) mit seinem Organ \"Rebell\", die \"Kommunistische Studentengruppe\" (KSG) mit dem Organ \"Roter Pfeil'' und der \"Bund Kommunistischer Intellektueller\" (BKI). DieAktivit\u00e4ten des KABD undseiner Nebenorganisationen beschr\u00e4nkten sich m wesentlichen auf die Herausgabe undVerbreitung des Zentralorgans \"Rote Fahne\" und destheoretischen Organs \"Revolution\u00e4rer Weg\" Dar\u00fcber hinaus f\u00fchrte der KABD mehrere Versammlungen durch. Auf einer \u00fcberregionalen Veranstaltung mit \u00fcber 100 Teilnehmern am 30. August in M\u00fcnchen wurde die anl\u00e4\u00dflich des \"Antikriegstages' herausgegebene KABD-Brosch\u00fcre \"Keine Stationierung von Mittelstreckenraketen in Europa -- f\u00fcr Verbot und Vernichtung aller ABC-Waffen\" verteilt. Anh\u00e4nger des KABD aus Bayernbeteiligten sich an der von einer Aktionsgemeinschaft am 22. November in Bonn durchgef\u00fchrten Demonstration gegen den Besuch des sowjetischen Staatsund Parteichefs Leonid Breschnew. Der RJVD wandte sich 1981 in seinem Publikationsorgan \"Rebell'\" vorrangig gegen die Militarisierung. Er rief zur Gr\u00fcndung von Komitees gegen die Wehr57","EL td al 1 HALLEN","dienstzeitverl\u00e4ngerung \"'W 18\" auf und organisierte gemeinsam mit der KSG wieder en Pfingstzeltlager vom 5. bis 8. Jun in Unterfranken. 3.6 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) Der 1973 aus dem Zusammenschlu\u00df mehrerer \u00f6rtlich t\u00e4tiger maoistisch orientierter Zirkel in Bayern entstandene AB beruft sich auf den Marxismus-Leninismus und Mao Zedongs Ideen. Er strebt die Beseitigung der \"herrschenden Ausbeuterklasse\" und die \"Errichtung einer Diktatur des Proletariats'' an. Endziel ist die Verwirklichung des Kommunismus n einer \"klassenlosen Gesellschaft\". Der AB bekennt offen, da\u00dfer seine Ziele nur mit Gewalt erreichen k\u00f6nne. Er rechtfertigt die \"revolution\u00e4re Gewalt', weil die \"herrschende Klasse\" nicht freiwillig auf ihre Macht verzichte. Der AB hat die politische Entwicklung n der Volksrepublik China nach dem Tode von Mao Zedongncht nachvollzogen. Er kritisiert diegegenw\u00e4rtige politische F\u00fchrung Chinas undverurteilt die \u00d6ffnung nach dem Westenals \"Revisionismus\", Der ABist vorwiegend in Bayernt\u00e4tig. Hier bestehen Gruppenin Augsburg, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, Regensburg und im Raum Alt\u00f6tting-Burghausen-Waldkraiburg Neben diesen AB-Gruppen gibt es in M\u00fcnchen und Regensburg \"Freundeskreise\", die den ABfinanziell unterst\u00fctzen sollen. Au\u00dferhalb Bayerns verf\u00fcgt der AB in 14 St\u00e4dten (1980: 9) des Bundesgebietes \u00fcber Ortsgruppen oder St\u00fctzpunkte. Die Gesamtmitgliederzahl blieb unver\u00e4ndert bei rund 300 Personen Zentralorgan des ABist die vom Zentralkomitee (ZK) herausgegebene \"Kommunistische Arbeiterzeitung\" (KAZ). Sie erschien ab M\u00e4rz 1981 n technisch verbesserter Aufmachung und mit dem Ziel eine \"zentrale kommunistische Zeitung\" zu schaffen. Der angek\u00fcndigte monatliche Erscheinungsrhythmus wurde jedoch nicht eingehalten. Stattdessen erschienen je nach Bedarf einbl\u00e4ttrige 'Ausgaben oder Doppelnummern. Die Auflage 1981 entsprach mit rund 1200 Exemplaren dem Vorjahresstand. Druck undVertrieb der KAZ liegen bei der ABeigenen Verlagsgesellschaft \"Verlag Freies Volk GmbH\" in M\u00fcnchen, die sich ab August 1981 in \"Verlag Das Freie Buch, Buchund Zeitungsverlag' umbenannte. Im Bildungsbereich wird der AB von seinen Nebenorganisationen, der \"Roten Sch\u00fclerfront\" (RSF) und dem \"Kommunistischen Hochschulbund\" (KHB) unterst\u00fctzt. Beide Organisationen geh\u00f6ren zu den einflu\u00dfreichsten und aktivsten linksextremen Gruppen an bayerischen Schulen und Hochschulen. Anfang 1981 f\u00fchrte der AB in verschiedenen bayerischen und au\u00dferbayerischen St\u00e4dten eine Veranstaltungsreihe zum Thema \"Mao Tsetung -- verantwortlich f\u00fcr die Kulturrevolution -- verantwortlich f\u00fcr Chinas Fortschritt'' durch. Die Vortr\u00e4ge ver\u00f6ffentlichte der AB im April 1981 in einer KAZ-Sondernummer. In der Betriebsarbeit gingen die Aktivit\u00e4ten des AB 1981 zur\u00fcck. Er beschr\u00e4nkte sch im wesentlichen auf die Verbreitung vonBetriebszeitungen und Flugbl\u00e4ttern zur Lohnund Tarifpolitik sowie zu den Betriebsratswahlen Im Rahmen der \"Antifaschismus''-Kampagne setzte der AB seine bisherigen Bem\u00fchungen um \"Aktionsb\u00fcndnisse' fort. Er wirkte ferner bei Aktionen mit, die Ei","Gruppierungen der Neuen Linken oder DKP-beeinflu\u00dfte Organisationen durchf\u00fchrten. So unterst\u00fctzte der AB mehrfach Protestaktionen der VVN-BdA gegen die \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD). Anh\u00e4nger des AB beteiligten sich auch an einem Aufzug, den die Intiative \"Dem Naziterror Einhalt gebieten\" anl\u00e4\u00dflich des Jahrestages des Attentats auf dem M\u00fcnchner Oktoberfest am 26. September in M\u00fcnchen durchf\u00fchrte (vgl. Ziffer 2.4.3 dieses Abschnitts). Als Beitrag zum \"Friedenskampf\" brachte der AB im September 1981 eine Brosch\u00fcre heraus, in der er die ersatzlose Einstellung des \"'Tornado-Projektes' verlangte. Bei der \"Friedensdemonstration'\" am 10. Oktober in Bonn f\u00fchrten AB-Anh\u00e4nger ein gro\u00dfes Spruchband mit der Aufschrift mit \"Der Hauptfeind steht im eigenen Land -- undder hei\u00dft: Deutscher Imperialismus\". Im Zusammenhang mit der Festnahme von141 Personen am 5./6. M\u00e4rz im Kommunikationszentrum (KOMM) der Stadt N\u00fcrnberg(vgl. Ziffer 5 dieses Abschnitts) ver\u00f6ffentlichten der AB, seine Nebenorganisationen und die von ihm beeinflu\u00dften ASKo's mehrere Flugbl\u00e4tter, Plakate und Brosch\u00fcren. In ihnen wurden die Vorg\u00e4nge in N\u00fcrnbergals \"Staatsstreich gegen die Verfassung\" bezeichnet und der R\u00fccktritt des Innenministers und des Justizministers gefordert. H\u00f6hepunkt dieser Kampagne war eine vom AB am 5. Juni in M\u00fcnchenveranstaltete Podiumsdiskussion mit dem Thema \"Quo vadis Bavaria'' oder \"Die Konsequenzen von N\u00fcrnberg', an der rund 1.200 Personenteilnahmen. Im Jahre 1972 gr\u00fcndeten Sch\u00fcler-, Betriebsund Arbeiterbasisgruppen in Passau, Regensburg und M\u00fcnchen jeweils en \"Anti-Strau\u00df-Komitee\" (ASKo). Nach dem Zusammenschlu\u00df der in Bayern bestehenden Arbeiterbasisund Betriebsgruppen 1973 zum Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) \u00fcbernahmen AB-Aktivisten die F\u00fchrung der Anti-Strau\u00df-Komitees. Nach der 1972 ausgearbeiteten \"Plattform'', die auch heute noch gilt, haben die Komitees die Aufgabe, den \"Sturz des rechten F\u00fchrungskaders und dessen ideologischen F\u00fchrers' vorzubereiten und \"alle faschistischen Organisationen\" zu bek\u00e4mpfen. Das ASKoin Passau wurde 1976 aufgel\u00f6st Heute bestehen ASKo's noch in Regensburg und M\u00fcnchen, die vom AB stark beeinflu\u00dft sind. Der Mitgliederstand liegt in M\u00fcnchen unver\u00e4ndert bei etwa 40, in Regensburg bei rund 55. Sprachrohr der Komitees ist der \"Demokratische Informationsdienst\"' (DID), der im Eigendruck und Selbstverlag hergestellt wird. Die Auflage betr\u00e4gt rund 4.000 St\u00fcck. Die ASKo's unterst\u00fctzten 1981 den AB insbesondere bei der \"AntifaschismusKampagne''. Sie errichteten zahlreiche Informationsst\u00e4nde. Anh\u00e4nger der Komitees inszenierten mehrfach St\u00f6raktionen, die sich gegen den Besuch des bayerischen Ministerpr\u00e4sidenten am 30. Juni in Regensburg und gegen\u00f6ffentliche Veranstaltungen der CSU in Regensburg richteten. Bei seinen Propagandaaktionen konnte sich der AB auch auf das 1977 gegr\u00fcndete \"Regensburger B\u00fcrgerkomitee', das die Zeitschrift \"Zur Sache'' herausgibt, und das Komitee \"Brecht statt Strau\u00df\" in M\u00fcnchenst\u00fctzen. Beide Komitees sind vom AB beeinflu\u00dft. Sie traten 1981 mit Aktionen in Erscheinung. 60","3.7 Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) (KPD) Die im Dezember 1968 in Hamburg gegr\u00fcndete KPD/ML, die seit Mai 1980 die Abk\u00fcrzung \"ML' ncht mehr verwendet, bekennt sich zu den \"unverg\u00e4nglichen Lehren von Marx, Lenin und Stalin'. Sie tritt offen f\u00fcr die \"'gewaltsame sozialistische Revolution\", die \"Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparates'\"' und die \"Errichtung der Diktatur des Proletariats'' ein Die KPD lehnt den Kommunismus sowjetischer Pr\u00e4gung ab. Ihr ideologisches Vorbild ist die Volksrepublik Albanien. Zur Vertiefung ihrer \"br\u00fcderlichen Beziehungen\" zur Partei der Arbeit Albaniens (PAA) nahm eine Delegation der KPD am Parteitag der PAA vom1. bis 8. November in Tirana teil. Auf ihm bekr\u00e4ftigte der Parteivorsitzende Aust, die KPD k\u00e4mpfe \"fest und unersch\u00fctterlich\" an der Seite der PAA f\u00fcr den Sieg der \"proletarischen Weltrevolution''. F\u00fchrungsgremium der KPD ist das Zentralkomitee (ZK). Die laufende Arbeit verrichtet das Politb\u00fcro in Dortmund. Die Partei gliedert sich in die Sektionen \"Deutsche Bundesrepublik\" (DBR), Berlin (West) und DDR. In der Bundesrepublik Deutschland unterh\u00e4lt sie 3 Landesverb\u00e4nde (Nord, Mitte und S\u00fcd) und mehrere Landesbezirksverb\u00e4nde, davon 1 in Bayern mitSitz in M\u00fcnchen. Daneben bestehen KPD-Gruppen oder-Initiativen in Augsburg, Coburg, Kempten, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und W\u00fcrzburg. Die KPD z\u00e4hlte Ende 1981 im Bundesgebiet rund 500 Mitglieder (1980. 600). Der bundesweite R\u00fcckgang wirkte sich auch auf den Mitgliederstand in Bayern aus. Die Mitgliederzahl der KPD 1981 f\u00fcr Bayernlag erheblich unter dem Vorjahresstand von 100. Zentralorgan der KPD ist der \"'Rote Morgen', der w\u00f6chentlich in einer Auflage von unver\u00e4ndert etwa 6.000 Exemplaren erscheint. Seit 19. Dezember 1980 wird das Zentralorgan zweisprachig herausgegeben, und zwar mit 13 deutschen und 3 t\u00fcrkischen Seiten. Theoretisches Organ der KPDist der \"Weg der Partei''. Daneben verbreitet die KPD das Funktion\u00e4rsorgan \"Der Kommunist\". 'Agitationsschwerpunkte der KPD waren 1981 der Kampf gegen \"Reaktion und Faschismus', gegen \"Teuerung undArbeitslosigkeit\" und f\u00fcr den \"Frieden\" In einem Aufruf des ZK vom 12. Juni an alle Bundesb\u00fcrger und Bundesb\u00fcrgerinnen warb die KPD um Unterst\u00fctzung ihrer \"Friedenspolitik\", die sich vor allen gegen den \"NATO-Nachr\u00fcstungsbeschlu\u00df\" und gegen den \"Kriegsund Aufr\u00fcstungskurs der Bundesregierung\" richte. In den vom ZK Anfang Oktober verabschiedeten \"Thesen zum Friedenskampf'' betonte die KPD die \"agressive Rolle des USA-Imperialismus und des sowjetischen Sozialimperialismus\" undforderte den \"Abzugaller fremden Truppen\", den\"Austritt aus der NATO\" undde \"Neutralisierung der Bundesrepublik\". Unter dieser Zielsetzung rief die KPD zur Teilnahmean der \"Friedensdemonstration\" am 10. Oktober in Bonn auf. Se beteiligte sich ferner mit eigenen Parolen gegen die \"Superm\u00e4chte\" an der Demonstration \"F\u00fcr Abr\u00fcstung in Ost und West'' am 22. Oktober in Bonn, die eine Aktonseinheit anl\u00e4\u00dflich des Besuchesdes sowjetischen Staatsund Parteichefs Breschnewin der Bundesrepublik Deutschland organisiert hatte. In ihren Publikationsorganen wandtesich die KPD mehrfach gegen das \"Bonner 'Atomprogramm''. Sie rief zur Beteiligung an der Anti-KKW-Demonstration am 61","28. Februar in Brokdorf auf. Be dieser Demonstration, die die KPD als Erfolg wertete, kam es zwischen der Polizei und einem militanten Kern von rund 3.000 Demonstrationsteilnehmern zu t\u00e4tlichen Auseinandersetzungen. Nach Auffassung der KPD se trotz einer \"Generalstabs\u00fcbung f\u00fcr den B\u00fcrgerkrieg' das Demonstrationsverbot massenhaft durchbrochen und der Protest an den Bauplatz getragen worden. Die anf\u00e4nglichen regen Aktivit\u00e4ten der KPD in Bayern nahmen gegen Jahresende merklich ab. Sie beschr\u00e4nkten sich im wesentlichen auf die Verbreitung von Publikationen. In hrer Arbeit wird die KPD von f\u00fcnf Nebenorganisationen unterst\u00fctzt. Dazu geh\u00f6rt der Jugendverband der Partei, de \"Rote Garde\" (RG), die auf dem Kongre\u00df vom 8 bis 10. Mai in Essen ihren Namen in \"Kommunistische Jugend Deutschlands\" (KJD) \u00e4nderte. Der Jugendverband versteht sich als aktiver Helfer und Reserve der KPD, der die Jugend im Geiste des Marxismus-Leninismus erziehen will. Seit der Umbenennung wird die fr\u00fchere RG-Monatszeitschrift \"Roter Rebell\" als Jugendmagazin der KJD herausgegeben. Als weitere Publikationen gibt der KJD seit Januar 1981 viertelj\u00e4hrlich die Soldatenzeitung \"Roter Marder' und in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden ein \"KJD-Info\" heraus. Vom 4. bis 8. Juni f\u00fchrte die KJDin Pottenstein, Kreis Bayreuth, ein Pfingstzeltlager durch, das nur schwach besucht war. Die \"Revolution\u00e4re Gewerkschaftsopposition\" (RGO)tritt nach ihrem Pro'gramm in allen Auseinandersetzungen f\u00fcr die selbst\u00e4ndige F\u00fchrung des Kampfes durch die Arbeiter ein. Sie bezeichnet den \"DGB-Apparat\"\" als \"reaktion\u00e4r\" und als \"Verr\u00e4ter an der Arbeiterklasse\". Die RGOwill die vollst\u00e4ndige Isolierung dieses \"arbeiterfeindlichen Apparats''. Verbandsorgan der RGO sind die \"RGO-Nachrichten''. Bei den Betriebsratswahlen 1981 beteiligte sich die RGO bundesweit in mehr als 120 Betrieben mit eigenen oder RGO-nahestehenden Listen. Nach eigenen Angaben stellen die KPD und RGO-Kandidaten in 19 dieser Betriebe den Betriebsratsvorsitzenden und in 9 weiteren Betrieben den stellvertretenden Vorsitzenden. Auch in Bayern versuchte die RGO, mit Flugbl\u00e4ttern und den RGO-Nachrichten auf die Betriebsratswahlen einzuwirken, hatte dabei aber nur m\u00e4\u00dfigen Erfolg. H\u00f6hepunkte der RGO-Aktvit\u00e4ten 1981 waren der RGO-Kongre\u00df am 11./12. Januar in Frankfurt a.M. mit rund 170 Delegierten und die \u00f6ffentliche Abschlu\u00dfkundgebung des Kongresses am 18. Januar in Dortmund mit 1.500 Teilnehmern, darunter auch Anh\u00e4ngern aus Bayern. Die Aktivit\u00e4ten der \"Revolution\u00e4ren Landvolksbewegung\"(RLVB) beschr\u00e4nkten sich auf den Vertrieb der Zeitung \"Freies Landvolk\". Die \"Rote Hilfe Deutschlands\" (RHD) hat sich die Unterst\u00fctzung aller vom \"Klassenfeind\" Verfolgten zum Ziel gesetzt. Ihr Mitteilun gsblatt \"Die RoteHilfe' erschien nur sporadisch. Anfang Mai 1981 gr\u00fcndete die KPD bundesweit den Studenten verband \"Kommunistische Studenten\"(KS), der die Arbeit der Parte im Hochschulbereich unterst\u00fctzen soll. Seit Dezember 1981 gebendie KS die Zeitung \"zwischenruf links\" heraus,die viertelj\u00e4hrlich im KPD-Verlag \"Roter Morgen\" erscheint. In Bayern entwickelten die KS 1981 noch keine Aktivit\u00e4ten 62","Publikationen der Neuen Linken Kommunistische Volkszeitung Politische Berichte Aa er Zeitschrift des Bundes Westdeutscher Kommunisten (BWK) Die Iiason ame Friedensplans Sana 9 Spendet PRDLETARERALLER L\u00c4NDER UND UNTEROR\u00dcCKTE V\u00d6UEN, VEREIIGT EUCH | fir die Rote(r)&Fahne '::: 63","Die \"Volksfront gegen Reaktion, Faschismus undKrieg, f\u00fcr Freiheit und Demokratie, Wohlstand und Frieden\" (VOLKSFRONT) wurde am 6. Oktober 1979 in Dortmund gegr\u00fcndet. In einem hierzu ergangenen Aufruf wurde ausgef\u00fchrt, die Gr\u00fcndung sei erforderlich gewesen, um den wachsenden \"Widerstand in unserem Volke' gegen \"Aussperrungsterror\", \"brutale Polizeieins\u00e4tze\" und \"Naziprovokation'' bundesweit zu organisieren Auf dem 2. Bundeskongre\u00df am 30./31. Januar 1982 in Frankfurt a M. beschlossen die Delegierten, den Namender Partei zu k\u00fcrzen. Sie nennt sich k\u00fcnftig nur noch \"Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg\". Zielsetzung, personelle Verflechtungen und Unterst\u00fctzung beweisen de Steuerung der VOLKSFRONT durch die KPD. Die VOLKSFRONT verf\u00fcgt in allen Bundesl\u00e4ndern \u00fcber Landesverb\u00e4nde, die sich in Kreisverb\u00e4nde und Ortsgruppen gliedern. Der Landesverband Bayern wurde am 3. November 1979 in N\u00fcrnberg unter Beteiligung der KPD gegr\u00fcndet und z\u00e4hlte zum Jahresende 1981 unver\u00e4ndert etwa 100 Mitglieder. Organ der VOLKSFRONT ist das Mitteilungsblatt \"Volksecho'', das monatlich erscheint, Im Rahmen ihrer Agitation begr\u00fc\u00dfte die VOLKSFRONTden \"Krefelder Appell\" undrief zur Sammlung von Unterschriften auf. Sie unterst\u00fctzte ferner die \"Friedenspolitik\"' der KPD und sprach sich f\u00fcr eine Friedenssicherung durch \"Neutralit\u00e4t und NATO-Austritt'\" aus. Am 14. Februar f\u00fchrte der Landesverband Bayern in N\u00fcrnberg seine Delegiertenkonferenz durch und w\u00e4hlte einen neuen Landesvorstand Die sonstigen Aktivit\u00e4ten beschr\u00e4nkten sich m wesentlichen auf die Verbreitung des Mitteilungsblattes, die Herausgabe von Flugbl\u00e4ttern bei aktuellen Anl\u00e4ssen und die Beteiligung an Demonstrationen anderer linksextremer Organsationen. 3.8 Trotzkistische Gruppen Mehrere Gruppen im Bundesgebiet berufen sich auf die Lehren Trotzkis. Die bedeutendste ist die im Mai 1969 gegr\u00fcndete \"Gruppe Internationale Marxisten -- Deutsche Sektion der IV. Internationale\" (GIM). Ihr ge\u00f6ren etwa 300 der insgesamt rund 500 (1980: 600) organisierten deutschen Trotzkisten an. Neben der GIM bestehen noch zwei weitere nennenswerte Zusammenschl\u00fcsse deutscher Trotzkisten: der Spartacusbund und der Bund Sozialistischer Arbeiter (BSA), dem der Sozialistische Jugendbund (SJB) angegliedert ist. Die Programmatik der Trotzkisten fu\u00dft auf der Lehre von der \"permanenten Revolution\"\", um den \"b\u00fcrgerlichen Staat\" zerschlagen unddie \"Diktatur des Proletariats'\" in der Staatsform einer R\u00e4teherrschaft errichten zu k\u00f6nnen. Das Bekenntnis zum Trotzkismus schlie\u00dft die Bejahung der Gewalt als Mittel derpolitischen Auseinandersetzung ein In Bayern bestehen Ortsgruppen der GIM n M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Auch in Erlangen und Regensburg sind GIM-Anh\u00e4nger aufgetreten. Insgesamt verf\u00fcgt die GIM in Bayern\u00fcber eine geringe Mitgliederzahl (1980: 20). Das Zentralorgan der GIMist die 14t\u00e4gig erscheinende Zeitschrift \"Was tun\". Ihre Auflage liegt unver\u00e4ndert bei 2.500 Exemplaren. 64","In ihren Publikationen r\u00e4umte die GIM den Vorg\u00e4ngenin Polen und der \"Friedensbewegung\" breiten Raum ein. Aktivit\u00e4ten in Bayern wurdenlediglich im Hochschulbereich bekannt. 3.9 Sonstige Komitees und Gruppen Ehemalige Mitglieder des KBW, der 1980 aufgel\u00f6sten KPD und des KB schlossen sich im Fr\u00fchjahr 1979 zu \"Komitees f\u00fcr Demokratie und Sozialismus\" (KDS) zusammen. Sie wollen Sammelbecken f\u00fcr alle \"revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte\" auBerhalb der bestehenden kommunistischen und sozialistischen Organisationen sein mit dem Ziel, den \"Staatsapparat'' der \"herrschenden Klasse\" zu zerst\u00f6ren. Im Bundesgebiet bestehenin zahlreichen St\u00e4dten \u00f6rtliche Komitees, Initiativen und Redaktionsgruppen, denen zum Jahresende etwa 300 Personen angeh\u00f6rten. In Bayern besteht eine aktive Gruppein N\u00fcrnberg. Organ der KDS waren die \"Hefte f\u00fcr Demokratie und Sozialismus', die seit Mitte 1981 nicht mehr erscheinen. Den Schwerpunkt ihrer politischen Arbeit sehen die KDS in der Mobilisierung der Arbeiterschaft in den Betrieben, der Mitarbeit in den Gewerkschaften und der Antikernkraftbewegung. Die vom KB Ende 1979 abgespaltene \"Zentrumsfraktion\" unterh\u00e4lt in Landshut einen St\u00fctzpunkt. Sie gibt in unregelm\u00e4\u00dfigen Zeitabst\u00e4nden die Zeitung \"Z\" heraus. Die \"Gruppe Z\" bekenntsich zum \"Marxismus-Leninismus\", dessen Krise jedoch zur R\u00fcckbesinnung auf die \"'Klassiker'' Lenin und Mao und zur Mitarbeit in den neuenalternativen Protestbewegungen zwinge. Sie agitierte 1981 vorrangg gegen denKB und beteiligte sich am 11. April an einer Demonstration gegen den Landeskongre\u00df der \"Jungen Nationaldemokraten'' (JN) in Landshut. Ehemalige Mitglieder der 1980 aufgel\u00f6sten KPD, die sich bereits vor der Aufl\u00f6sung als \"Gruppe der 99\" f\u00fcr die Beibehaltung eines \"organisierten Diskussionsund Arbeitszusammenhangs'\"' ausgesprochen hatten, trafen sich 1981 wiederum mehrfach zu internen Diskussionsveranstaltungen. Die Teilnehmer kamen \u00fcberein, die Herausgabe des bisher unregelm\u00e4\u00dfigerschienenen Mitteilungsblatts \"Kommunistische Briefe\" einzustellen. \u00dcber einen \"Koordinierungsstab\" soll der Zusammenhang unter den Genossen weiterhin aufrecht erhalten werden. 3.10 Undogmatische Gruppen der Neuen Linken 3.10.1 Allgemeines Zum Bereich der Neuen Linken geh\u00f6ren auch die sogenannten undogmatischen Gruppen. Sie sind schwer \u00fcberschaubar und bestehen auszahlreichen, meist kleinen Gruppen oder lockeren kurzlebigen Zusammenschl\u00fcssen ohne feste Mitgliedschaft und Programm. Diese Gruppen wollen die bestehende Staatsund Gesellschaftsordnung revolution\u00e4r beseitigen. Dabei lehnen sie die marxistischleninistische Konzeption ab, bef\u00fcrworten Spontanit\u00e4t, Autonomie und Selbstorganisation der \"'Unterdr\u00fcckten\"' und fordern vor allem die Arbeit an der \"Bass'' (Wohngebiete, Betriebe und Hochschulen), um alle Ans\u00e4tze von Widerstand revolution\u00e4r zu nutzen. Das politische Spektrum dieser undogmatischen Linksextremisten reicht von Anh\u00e4ngern eines undogmatischen \"wissenschaftlichen Sozialismus\" \u00fcber Sozialrevolution\u00e4re bs hin zu Anarchisten. 65","Neben den undogmatischen Linksextremisten gibt es auch Gruppen, die auf den gleichen Aktonsfeldern, h\u00e4ufig mit \u00e4hnlichen Namen und Organisationsformen t\u00e4tig werden, ohne jedoch extremistische Ziele zu verfolgen. Zu diesem Bereich z\u00e4hlt der gr\u00f6\u00dfte Teil der sogenannten Alternativen. 3.10.2 Kollektiv Rote Hilfe M\u00fcnchen (KRH) Das Kollektiv Rote Hilfe M\u00fcnchen bezeichnete sich in ener Selbstdarstellung aus dem Jahre 1978 als autonome, unabh\u00e4ngige Vereinigung undogmatischer Linker ohne organisatorische oder personelle Verbindung zu irgendeiner Partei oder Organsation. Seine politischen Ziele sieht das KRH in einer Ver\u00e4nderung des Systems, die gleichzeitig eine Ver\u00e4nderung des Bewu\u00dftseins mit sch bringensoll. Es such deshalb nach neuen Formen der \"Basisdemokratie\" und einer Gesellschaft ohne Herrschaft, Ausbeutung und autorit\u00e4re Struktur. In seiner praktischen Arbeit will das KRHdie \"Isolation'' der Gefangenen durchbrechen und \"Aufkl\u00e4rungsarbeit \u00fcber de Mi\u00dfst\u00e4nde in den Kn\u00e4sten\" leisten. Das KRH, das sich 1981 auf eine wesentlich geringere Anh\u00e4ngerschaft als im Vorjahr (1980: 40 Personen) st\u00fctzte, veranstaltete am 12. Dezember in M\u00fcnchen ein \"Knastfest'' mit rund 1.200 Besuchern, beteiligte sch an Demonstrationen linksextremer Gruppierungen und verbreitete Flugbl\u00e4tter, die \"Tips'' f\u00fcr das Verhalten bei einer polzeilichen Festnahme enthielten. 3.10.3 Gefangenenselbsthilfe N\u00fcrnberg (GSH) Die Gefangenenselbsthilfe N\u00fcrnberg, die Mitte des Jahres 1980 die Nachfolge der aufgel\u00f6sten Knastgruppe N\u00fcrnberg (KN) antrat, bezeichnete sich in einer Selbstdarstellung als eine \"Gruppe von Leuten, die an einer gesellschaftlichen Ver\u00e4nderung interessiert ist'' und die die \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr die \"Problematik aller Eingeschlossenen\" gewinnen will. Ihre Aktivit\u00e4ten erstreckten sich auf die \"Erk\u00e4mpfung der Rechte' gegen\u00fcber Staat und Justiz. Aktivit\u00e4ten der GSH wurden 1981 nicht mehr bekannt. Interne Streitigkeiten und die Abwanderung mehrerer 'Anh\u00e4nger f\u00fchrten im Sommer 1981 zur Aufl\u00f6sung der Restgruppe 3.10.4 Anarchistische Liga M\u00fcnchen (ALM) Die Anarchistische Liga M\u00fcnchen, die erstmals Anfang Mai 1979 bekannt wurde, lehnte die bestehende Gesellschaftsordnung als eine \"Gesellschaft der Gewalt\" ab und forderte eine Gesellschaftsform, die auf den Prinzipien der \"Freiheit'\", der gegenseitigen Hilfe und Gleichheit aufgebaut sei. In der Errichtung eines R\u00e4tesystems sah sie eine Vorstufeihrer Zielsetzung. Angeh\u00f6rige der ALM beteiligten sich 1981 an Hausbesetzungen und Anschlu\u00dfaktionen. Die Zersplitterung in kleinere H\u00e4usergruppen sowie der Wegzug der bisherigen F\u00fchrungsperson f\u00fchrten 1981 zur Aufl\u00f6sung der Gruppe. 3.10.5 Sozialistisches B\u00fcro Offenbach (SB) Das 1969 gegr\u00fcndeteSozialistische B\u00fcro in Offenbachhatte sich zum Ziel gesetzt, die aus der au\u00dfenparlamentarischen Opposition hervorgegangenen linken Gruppierungen in ener \"Sozialistischen Bewegung\" aufzufangen. Es erhebt 66","heute noch den Anspruch, ein Sammelbecken f\u00fcr Linkssozialisten und ein Forum der Diskussion und der Propagandasozialrevolution\u00e4rer Theorien und Praktiken zu sein. Gleichzeitig fordert das SB die \"revolution\u00e4re Umw\u00e4lzung\", die es auf parlamentarschem Wege und unter Ausnutzung des \"b\u00fcrgerlichen Staatsapparates' nicht f\u00fcr erreichbar h\u00e4lt. Das SB kennzeichnet eine besonders lockere Organisationsform, die zahlreiche undogmatische Gruppen und rund 1.000 Einzelmitglieder umfa\u00dft. Als Publikationsorgane des SB erscheinen die \"Links-Sozialstische Zeitung' und die \"Express-Zeitung f\u00fcr sozialistische Betriebsund Gewerkschaftsarbeit\"\" Nach Angaben des SB bestehen in Bayern Gruppierungen in Augsburg, Bamberg, Erlangen, Kempten, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, Schweinfurt und W\u00fcrzburg mit insgesamt 40 Anh\u00e4ngern, die sich zum Teil als Sozialistische Zentren bezeichnen Die durch das Scheitern von Aktionskonzepten und den Zerfall lokaler Gruppen ausgel\u00f6ste \"Krisendiskussion\"' im SB hielt 1981 weiter an. 3.10.6 Freizeit '81 Erstmals im Fr\u00fchjahr 1981 wurde in M\u00fcnchen de Gruppe \"Freizeit '81' bekannt. In einer Selbstdarstellung bezeichnet sich die Gruppe als einelose Verbindung mehrerer Personen, die Aktionen durchf\u00fchren, und zwar \"jeder auf seine Art'. Hierzu geh\u00f6ren: \"Flugbl\u00e4tter, Plakate, Zeitungen, Konzerte, Spr\u00fchaktionen, Steine, Bankenschl\u00f6sser zukleben, Mollies\"'. \"Freizeit \"81\" trete \"gewaltlos oder militant, legal oder illegal, \u00e4ngstlich oder stark, auf jeden Fall (mit) Gef\u00fchl und H\u00e4rte' auf Wichtigster Faktor bei den Aktionen sei der \"Widerstand aus dem Bauch\", der \"unkontrollierte Reflexbewegungen' ausl\u00f6se. Eine weitere Publikation von\"Freizeit '81\" enthielt die Aufforderung, \"den Staat mit allen Mitteln zu bek\u00e4mpfen und zu vernichten'. F\u00fcr \"Freizeit '81' sei die \"Zerst\u00f6rung der Zivilisation\"\" der \"Ausgangspunkt der Anarchie\". Bei ihren Aktionen konnte sich die Gruppe \"Freizeit '81' auf eine Anh\u00e4ngerschaft von etwa 100 Personen st\u00fctzen Anh\u00e4nger der Gruppe \"Freizeit '81'' ver\u00fcbten in den Monaten August bis Oktober 1981 neun Brandanschl\u00e4ge auf Banken oder B\u00fcros im Stadtgebiet von M\u00fcnchen. Bei mehreren Anschl\u00e4gen hinterlie\u00dfen die T\u00e4ter \"Bekennerbriefe\" Dar\u00fcber hinaus snd der Gruppe zahlreiche Sachbesch\u00e4digungen und Schmieraktionen zuzurechnen (vgl. auch 4. Abschnitt Nr. 3). Im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen wurden Mitte Oktober mehrere Anh\u00e4nger der Gruppe \"Freizeit '81' festgenommen Aus Anla\u00df dieser Festnahmen fanden am 22. Oktober in M\u00fcnchen zwei Kundgebungen vor den Justizvollzugsanstalten statt, an denen sch jeweils 65 Personenbeteiligten. Die Teilnehmer forderten in Sprechch\u00f6ren die \"Freilassung der Gefangenen\". Eine weitere Kundgebung wurde am 31. Oktober mit 23 Teilnehmern vor der Justizvollzugsanstalt Weilheim durchgef\u00fchrt 67","Dem o 4 ze verasantunsF\u00dcR Freizeit 81 Oam k ;ympathie - Mittwoch 21 to ,271.Oktober .b 22 e UHR r TREFF LEOPOLDSTR/ScheLtive 70 Polizisten durchsuchen 17 Wo Justizaktion gegen die Grupp hnungen e \"Freizeit 81 \" / Sieben verd\u00e4 chtige Junge Leute festgenomm en FREIZEIT'81 ist gewaltlos oder mil\u00e4tant, legak oder illegal, \u00e4ngstlich oder stark, auf jeden Fall: GEF\u00dcHL & H\u00c4RTE! Jeder der sich unter dem Begriff Freizeit 81 was vorstellen konn (egal was), kann und sollte unter desem Namen neue Aktonen veranstalten. FREIZEIT'81 verbreitet sck wie ein Lauffeuer durch M\u00fcnchen, und ist somit nemals auf einen einheitlichen Standpunkt zu bringen. FREIZEIT'81 st Widerstand aus den Bauch, eine unkontrollierte Reflexbewegung. Nur Mut, aber pa\u00dfb blo\u00df auf! Freizeit 81 ist keine Bewegung. Bewegungen sind Massen und vereinnahmen den Binzelnen. FREIZEIT'81 Ast eine Festveranstaltung gegen die BRDI 'Freizeit 81\":","3.10.7 Schriften, Verlage und \"illegale Sender\" Eine besondere Bedeutungf\u00fcr den Informationsaustausch innerhalb der undogmatischen Bewegung habenVerlage, Buchl\u00e4den sowie Publikationen, die \u00fcber terroristische Aktioneninformieren undErkl\u00e4rungen terrorstischer Gruppen und deren Umfelds abdrucken, ferner einige \"Alternativzeitungen\", die immer wieder Raum f\u00fcr Ver\u00f6ffentlichungen extremistischer Positionen bieten. Im regionalen Bereich geh\u00f6renhierzu der Trikont-Verlag, M\u00fcnchen, die Basis-Buchhandlung M\u00fcnchen, der \"Trampelpfad'' M\u00fcnchen, die \"B\u00fccherkiste'' N\u00fcrnberg und das\"Blatt-Stadtzeitung f\u00fcr M\u00fcnchen\", das unver\u00e4ndert in einer Auflage vonetwa 10.000 Exemplaren erscheint. \u00dcberregionale Bedeutung hat die n West-Berlin herausgegebene Publikation \"die Tageszeitung\" (taz), die bundesweit t\u00e4glich erscheint und von Gruppierungen der undogmatischen NeuenLinken undder \"Alternativbewegung'\" getragen wird. In der taz Nr. 488 wurde ein Aufruf zu bundesweiten Aktionen der Hausbesetzer am \"SchwarzenFreitag\" (13. M\u00e4rz 1981) abgedruckt. Da darin zur Begehung vonStraftaten aufgefordert wurde, ordnete das Amtsgericht Berlin die Beschlagnahme dieser Ausgabe an. Ebenfalls in West-Berlin erscheint monatlich die von Kreisen der undogmatischen Neuen Linken herausgegebene Zeitschrift \"radikal -- Zeitung gegen den freiwilligen R\u00fcckzugin die Reservate''. Zum Thema\"Autonomie\" erkl\u00e4rte \"radikal' 1981: \"Autonomer Widerstand bedeutet also, in unseren eigenen Lebensbereichen die Widerspr\u00fcche und Herrschaftsstrukturen zu begreifen und dagegen mit gerade geeigneten Mitteln vorzugehen (sei es durch Verweigerung, Sabotage, Aneignung, Anschl\u00e4ge und Ans\u00e4tzen von Selbstverwaltung)\". Als neues Medium zur aktuellen Information und Steuerung k\u00e4mpferischer Aktionen fand innerhalb der undogmatischen Neuen Linken der Betrieb vonillegalen Sendern zunehmendes Interesse. In Bayern sendete 1981 \"Radio Rumpelstilz\"\" an drei verschiedenen TagenBeitr\u00e4ge \u00fcber Prozesse gegen Hausbesetzer und RAF-Anh\u00e4nger. Die letzte Sendung enthielt die Aufforderung \"kaputt zumachen, was uns alle kaputt macht\". 4. Linksextremer Einflu\u00df auf die Anti-Kernkraftbewegung Diefriedliche Nutzung der Kernenergie und die damit verbundenen Probleme der Entsorgung und Endlagerung waren 1981 erneut herausragende Themen in der Agitation und Propaganda linksextremer Gruppen. Entsprechend ihrer Strategie versuchten sie, die Besorgnis weiter Teile der Bev\u00f6lkerung \u00fcber denkbare, von Kernkraftwerken ausgehende Gefahren zum Kampf gegen diefreiheitliche demokratische Grundordnung zu nutzen. Dabei ging es ihnen nur vordergr\u00fcndig um die Verhinderung m\u00f6glicher Gefahren. Wirkliches Ziel war die Schw\u00e4chung 'der Demokratie und des Rechtsstaates und die Schaffung einer vorrevolution\u00e4ren Situation. Die Kampagnen gegen Kernkraftwerke f\u00fchrten die Gruppierungen der Neuen Linken 1981 unter der Losung \"'Kampf dem Atomstaat\"'. Orthodox-kommunistische Gruppierungen, insbesondere die DKP, agitierten gegen das \"Bonner 69","Atomprogramm\". Einem Beschlu\u00df des 6. DKP-Parteitages zufolge tritt die DKP daf\u00fcr ein, \"den Kampf gegen das Bonner Atomprogramm mit dem Kampfgegen die Stationierung neuer Atomraketenzu verbinden\" Die Verkn\u00fcpfung dieser beiden Agitationsfelder f\u00fchrte zu einer verst\u00e4rkten Ann\u00e4herung zwischen einigen in der \"Friedensbewegung\" aktiv t\u00e4tigen orthodox-kommunistischen Gruppierungen und Anti-Kernkraftgegnern der NeuenLinken. An der Kampagne gegen Kernkraftwerke beteiligten sich 1981 bundesweit folgende kommunistischen Organisationen ma\u00dfgebend: Deutsche Kommunistische Parte (DKP) Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) Kommunistische Partei Deutschlands (Marxsten-Leninisten) -- (KPD) Kommunistischer Bund (KB) Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands (KABD). Auch Gruppen der undogmatischen NeuenLinken unterst\u00fctzten die Kampagne. DerEinflu\u00df linksextremer Gruppierungen auf in Bayern vorhandene B\u00fcrgerinitiativen und Aktionsgruppen gegen den Bau von Kernkraftwerken ist zur\u00fcckgegangen. Ende 1981 standlediglich noch eine B\u00fcrgerinitiative (1980: 8) unter starkem Einflu\u00df, w\u00e4hrend 7 weitere B\u00fcrgerinitiativen Einflu\u00dfversuchen ausgesetzt waren. 'OhneErfolg blieben bisher auch die Ende 1981 versuchten Einflu\u00dfnahmen orthodox-kommunistischer Gruppierungen auf neu entstandene B\u00fcrgerinitiativen im nordbayerischen Raum, die mit der geplanten Errichtung einer Atomm\u00fcllsammelstelle in Mitterteich, Kreis Tirschenreuth, und einer Wiederaufarbeitungsanlage im Raum Schwandorf im Zusammenhang stehen. H\u00f6hepunkt der Protestvewegung war die Demonstration am 28. Februar in Brokdorf, an der sich trotz eines gerichtlich best\u00e4tigten Demonstrationsverbotes f\u00fcr die gesamte Wilster-Marsch rund 50.000 Personenbeteiligten. Dabei versuchten rund 3.000 militante Kernkraftgegner, bis zum Baugel\u00e4nde vorzudringen. Hierbei kam es zu schweren Auseinandersetzungen mit derPolizei, bei der zahlreiche Polizeibeamte und Demonstranten verletzt wurden. Die Demonstranten waren aus dem gesamten Bundesgebiet angereist. Aus Bayern beteiligten sich rund 1.500 Personen, darunter Anh\u00e4nger des AB, des KB, der ehemaligen KPD und undogmatischer Gruppierungen. 'Am gleichen Tag fandenferner in sechs bayerischen St\u00e4dten \"Solidarit\u00e4tsveranstaltungen\" der Kernkraftgegner statt, die bei geringer Beteiligung friedlich verliefen Bei der Veranstaltung in Regensburg verteilten Angeh\u00f6rige des AB Flugbl\u00e4tter. An der Demonstration in Kempten nahmen Anh\u00e4nger des KBW und der VOLKSFRONT teil. 5. Linksextremer Einflu\u00df auf die Hausbesetzerbewegung Denteilweise bestehenden Mangel an geeignetem Wohnraum benutzten \"progressive\" und \"alternative, aber auch linksextreme Kr\u00e4fte als Aktionsfeld zur Propagierung ihrer Ziele. Ausgangspunkt war der Wohnraumbedarf der Alternativbewegung, die sich abseits der allgemeinenKultur ein Reservat, eine Gegen70","kultur in allen Lebensbereichen, schaffen wollte. Da sie die zur Entfaltung eines kollektiven Zusammenlebens entsprechenden billigen Wohnr\u00e4umenicht mehr fand,griffen Alternativzeitschriften dieses Themaauf, wiesen auf sog. \"Machenschaften\" der Hausbesitzer und Spekulanten hin und propagierten Selbsthilfeaktionen nachArt der \"Kraaker'' in Amsterdam und der \"Autonomen\" in Z\u00fcrich. In dieser Stuation gr\u00fcndeten vorallem Anh\u00e4nger der undogmatischen NeuenLinken und anderer linksextremer Gruppierungen \"H\u00e4usergruppen\", initierten Hausbesetzungen und versuchten, auch nichtextreme Alternativanh\u00e4nger f\u00fcr diese Ziele zu gewinnen. Neue Begriffspr\u00e4gungen wie \"Hausinstand(be)setzer\" sollten die Hemmschwelle f\u00fcr Rechtsbr\u00fcche bei den Beteiligten herabsetzen. Innerhalb der Bewegung entstanden vier Interessenrichtungen, die sich in Motivation und Zielsetzung erheblich voneinander unterschieden Dementsprechend fanden Hausbesetzungen statt, -- weil tats\u00e4chlich fehlender Wohnraum gesucht wurde, -- umin alternativen Wohnund Arbeitsgemeinschaften zusammenleben zu k\u00f6nnen, -- als Protest gegen akuten Wohnungsmangel, Bodenspekulation und verfehlte Stadtsanierung, wobei die Besetzungen als Mittel der Demonstration benutzt wurden, um auf Mi\u00dfst\u00e4nde des\"kapitalistischen Systems' hinzuweisen, -- als Teil des Kampfes gegendas bestehende politische \"System''. Im Rahmen des \"H\u00e4userkampfes\" wollten die Besetzer neue Kampfformen erproben und dem Staatzeigen, da\u00df sie zur Gegenwehr bereit und dann auch in der Lage seien. Diese Motive \u00fcberlagerten sich vielfach. \"H\u00e4userk\u00e4mpfer\" auf dem Wege zur Anarehie suchten wie die alternativen Wohngemeinschaften \"Freir\u00e4ume\" f\u00fcr die Entwicklungihrer \".autonomen' Strukturen. Konzepteder alternativen Wohngemeinschaften lie\u00dfen regelm\u00e4\u00dfig auch Raum f\u00fcr Proteste gegen Bodenspekulanten, nicht jedoch den offenen Kampf gegen Staat und Cesellechaft \"'Antikapitalisten'\" und \"Sanierungsgegner\" teilten h\u00e4ufig mit anarchistisch motivierten \"H\u00e4userk\u00e4mpfern\" die Ablehnung der bestehenden Staatsund Gesellschaftsordnung. Gruppierungen der orthodoxen Kommunisten und der dogmatischen NeuenLinken griffen die Proteste der Hausbesetzer auf und rechtfertigten die Besetzungenals legitimes Mittel gegen Wohnungsnot und Bodenspekulation. So erkl\u00e4rte der DKP-Vorsitzende Herbert Mies, die Hausbesetzungen seien ein neuer Impuls f\u00fcr den Kampf um \"sozialgerechte Wohnungspolitik\", um Erhaltung und Erweiterung \"demokratischer Rechte und Freiheiten\". \"Instandbesetzer\" handeiten \"nicht gesetzwidrig\"'; ihnen \"gesetzwidriges Verhalten\" vorzuwerfen, sei \"Verleumdung\". Auch Anh\u00e4nger der terroristischen Vereinigungen \"Rote Armee Fraktion' (RAF) und \"Revolution\u00e4re Zellen'' (RZ) sahen in den Hausbesetzern ein mobilisierbares Gewaltpotential. Unter den Hausbesetzern und Demonstranten befanden sich auch Personen, die Kontakte zum terroristischen Umfeld unterhalten hatten. In besetzten H\u00e4usern wurden Flugbl\u00e4tter der RAF vorgefunden. Unter den 7","Hausbesetzern wurde das aus der Terrorszene stammende Strategiepapier \"Handbuch f\u00fcr Hausbesetzer\" verbreitet. Die bundesweiten Hausbesetzertreffen am 28./29. M\u00e4rz in M\u00fcnster und am 16.117. Mai in Gie\u00dfen erbrachten keine nennenswerten Ergebnisse. Der Versuch einer zentralen Steuerung scheiterte an dem von DKP, KB und \"taz jeweils erhobenen F\u00fchrungsanspruch. In Bayern fanden 1981 40 Hausbesetzungen (1980: 13)statt. Davon entfielen auf die gro\u00dfst\u00e4dtischen Verdichtungsr\u00e4ume M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg 33. An den Besetzungsaktionen beteiligten sch mehrfach Mitglieder der DKP undihrer Nebenorganisationen. Anh\u00e4nger der dogmatischen Neuen Linken nahmen nur vereinzelt an Besetzungen teil. Im Vordergrund standen die Anh\u00e4nger der undogmatischen NeuenLinken, die den gr\u00f6\u00dften Teil des extremistischen Potentials bildeten und auch Aktionen lenkten. Bei der R\u00e4umung besetzter Objekte kam es vereinzelt zu Widerstandshandlungen gegendie Polizei. Zu gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen kam esu.a. bei der R\u00e4umungdes Anwesens Roritzerstra\u00dfe 5 am 6. April in N\u00fcrnberg. Die Besetzer warfen auf die Polizeibeamten schwere Steine, Dachziegel, Flaschen, Eisenschrauben und Bettgestelle. Ferner beschmierten sie die Treppen mit Schmierseife, um das Vordringen der Beamten zu erschweren. Das Landgericht N\u00fcrnberg-F\u00fcrth verurteilte am 2. bzw. 27. November 15 an der Besetzung und den gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen Beteiligte zu Freiheitsstrafen zwischen 4 und 21 Monaten, zu Jugendstrafen von 4 bis 12 Monaten und zu mehrw\u00f6chigen Freizeitarresten. In 10 F\u00e4llen wurden die Strafen zur Bew\u00e4hrung ausgesetzt Neben Hausbesetzungen wurden n Bayern zahlreiche Demonstrationen gegen \"Wohnungsnot, Spekulantentum und Polizeiwillk\u00fcr'' durchgef\u00fchrt. Dabei kam es mehrfach zu Ausschreitungen wie Einwerfen von Fensterscheiben, Schmierschriften und sonstigen Sachbesch\u00e4digungen. Bei mehreren Aufz\u00fcgen in M\u00fcnchenbildete sich ein durch schwarze Fahnen kenntlicher \"Schwarzer Block\", dessen Aufgabe es war, Personen gegen den Zugriff der Polizei abzuschirmen. Besonders militant verliefen meist unangemeldete Demonstrationen, deneneine stimulierende Veranstaltung oder die Festnahme von Besetzern vorausgegangen waren. Zu den herausragenden Aktionen geh\u00f6rt die Demonstration am 5. M\u00e4rz in N\u00fcrnberg, die vom Kommunikationszentrum (KOMM) der Stadt N\u00fcrnberg ihren Ausgang nahm. Nach der Vorf\u00fchrung eines Filmes \u00fcber niederl\u00e4ndische Hausbesetzer, der gewaltt\u00e4tige Auseinandersetzungen und Ausschreitungen der Amsterdamer Hausbesetzerszene besch\u00f6nigte, versammelten sich rund 200 Personen, die durch die N\u00fcrnberger Innenstadt zogen Dabei wurdenein Polizeifahrzeug besch\u00e4digt, M\u00fclltonnen auf die Stra\u00dfe entleert, Fahrzeuge und Geb\u00e4udemit Farbe bespr\u00fcht und mehrere Scheiben eingeworfen. Anschlie\u00dfendkehrten die Teilnehmer wieder ins KOMM zur\u00fcck. Die Polze nahm 141 Personen wegen Verdachts der Beteiligung am Landfriedensbruch fest. 'Am 4. April fand in M\u00fcnchen eine Demonstration zum Thema \"Wohnungsnotin M\u00fcnchen\" statt, die von einem \"Antispekulationskomitee\" initiiert wurde. An der Veranstaltung nahmen rund 1.200 Personenteil, darunter zahlreiche Angeh\u00f6rige 72","des KBW, BWK, ASKo, KRH, verschiedener \"Knastgruppen\" und der M\u00fcnchner Punkerszene. Im Verlauf des Aufzuges kam es zu Ausschreitungen. Die Polizei nahm 22 Personen wegen Landfriedensbruch, Widerstandes gegen die Staatsgewalt und versuchter Gefangenenbefreiung fest. Am 6 April demonstrierten etwa 300 Personen in der M\u00fcnchner Innenstadt und forderten die Freilassung der am 4. Aprl Festgenommenen. Am 9. April fanden erneut Demonstrationen vor den M\u00fcnchner Justizvollzugsanstalten statt, in denende Freilassung der Inhaftierten gefordert wurde. Unter den ann\u00e4hernd 300 Demonstrationsteilnehmern befanden sich Anh\u00e4nger der undogmatischen Neuen Linken und der orthodoxen Kommunisten. Auf Grund des Beschlusses auf dem 1. Treffen der \"Instandbesetzer'' am 28.129. M\u00e4rz in M\u00fcnster, am 26. Mai enen bundesweiten Aktionstag mit dezentralen Aktionen durchzuf\u00fchren, fanden in mehreren St\u00e4dten Bayerns Demonstrationen statt, an denen sich insgesamt 300 Personen beteiligten. Die Anmeldungen dieser Veranstaltungen erfolgten \u00fcberwiegend von DKP-Nebenorganisationen und DKP-beeinflu\u00dften Komitees. Vom 26. bis 28. Juni fand in N\u00fcrnberg das \"1 Internationale Hausbesetzerfestival'' statt, das von der \"Vollversammlung der Hausbesetzer N\u00fcrnberg' veranstaltet wurde. Das Veranstaltungsprogramm bot Musik und Theater sowie Arbeitsgruppen zu den Themen \"Polizeistaat\", \"Paragraph 129a\" (Bildung einer terrorstischen Vereinigung) und \"Knastarbeit\" an. Im Anschlu\u00df an eine Veranstaltung am 27. Juni wurden die Besucher zu einem \"Spaziergang\" aufgefordert. Etwa 600 bis 700 Personen folgten dem Aufruf und bildeten einen Demonstrationszug, der sich gegen Mitternacht durch die N\u00fcrnberger Innenstadt bewegte. Dabei beschmierten Demonstrationsteilnehmer zahlreiche Geb\u00e4ude sowie U-Bahnstationen mit Parolen wie \"RAF-Kampf dem Polizeistaat'' und \"Schade, da\u00df Beton nicht brennt'' und bewarfen begleitende Polizeifahrzeuge und Fensterscheiben von Geldinstituten mit Steinen. Die Polizei nahm neun Personenfest. Im Anschlu\u00df an die R\u00e4umung von acht besetzten H\u00e4usern in Berlin am 22 September kam esin den Mittagsstunden zu schweren Ausschreitungen und Angriffen auf die Polizei Dabei geriet der 18j\u00e4hrige berufsiose Klaus J\u00fcrgen Rattay unter einen Omnibus und wurde t\u00f6dlich verletzt. In Zusammenhang mit diesen Vorg\u00e4ngen in Berlin fanden in Bayernn der Zeit vom 23. bis 30. September n 12 St\u00e4dten Protestund Solidarit\u00e4tsveranstaltungen statt, bei denen in mehreren F\u00e4llen Sachen besch\u00e4digt und Polizeibeamte verletzt wurden. Bei einigen Aufz\u00fcgen waren Sprechch\u00f6re zu h\u00f6ren wie \"Mitmarschieren -- solidarisieren -- Anarchie'', \"Deutsche Polizisten, M\u00f6rder und Faschisten\" und \"Wehrt euch, leistet Widerstand gegen den Polizeiterror im Land'. Insgesamt beteiligten sich an den Demonstrationen \u00fcber 4.000 Personen, darunter Anh\u00e4nger der orthodoxen Kommunisten, Neuen Linken, Hausbesetzergruppen und Punker. Mitte Dezember wurden im Stadtgebiet von N\u00fcrnberg Flugbl\u00e4tter verbreitet, die kein oder ein fingiertes Impressum enthielten und in denen zu einer \"Weihnachtsdemo\" am 25 Dezember vor dem KOMM aufgefordert wurde. In den Flugbl\u00e4ttern bekannten sich die anonymen Herausgeber zum \"H\u00e4userkampf'' und \"Anarchismus''. Dem Aufruf zur Demonstration folgten etwa 70 Personen. 73","Rechtsextremismus 1. Allgemeines Die Bestrebungen rechtsextremer Organisationen sind im wesentlichen dadurch gekennzeichnet, da\u00df sie die Grundlagen der Demokratie ablehnen und -- aus taktischen Gr\u00fcndenmeist nicht offen erkl\u00e4rt -- einetotalit\u00e4re Regierungform unter Einschlu\u00df des F\u00fchrerprinzips anstreben. Bestimmende Merkmale des Rechtsextremismus sind vor allem -- die pauschale \u00dcberbewertung der Interessen einer rassistisch verstandenen \"Volksgemeinschaft'' zu Lasten der Interessen und Rechte des einzelnen (v\u00f6lkischer Kollektivismus), -- ein den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung mi\u00dfachtender, vielfach mit rassistischen und antisemitischen Thesen verbundener Nationalismus, -- die immer wiederkehrenden Versuche, das NS-Regimezu rechtfertigen, seine Verbrechen zu verharmlosen oder sogar zu leugnen, -- die planm\u00e4\u00dfige Bek\u00e4mpfung und Diffamierung der bestehenden Staatsform und ihrer Repr\u00e4sentanten. Diese Merkmale sind nicht gleichm\u00e4\u00dfig bei allen rechtsextremen Organisationen zu beobachten. Manchmal sind nur Teilaspekte bestimmend; auchdie Intensit\u00e4t und die Mittel des Kampfes gegende freiheitliche demokratische Grundordnung sind unterschiedlich. Wie im Vorjahr verfolgten die rechtsextremen Organisationen und Gruppen keine einheitliche Strategie. Organisatorische Zersplitterung, das Fehlen ausreichender finanzieller Mittel, der Mangel einer geschlossenen Ideologie sowie entschiedene Ablehnung durch die \u00fcberwiegende Mehrheit der Bev\u00f6lkerung lie\u00dfen den Rechtsextremismus in Bayern keinen gr\u00f6\u00dferen Einflu\u00df gewinnen. Im Jahre 1981 bet\u00e4tigten sich in Bayern 31 rechtsextreme Organisationen und Gruppen mit rund 4.000 Mitgliedern und Anh\u00e4ngern. Ende 1980 waren es 29 Organisationen mit etwa 4.300 Mitgliedern. Die gegen\u00fcber dem Vorjahr gestiegene Zahl der Organisationen beruht im wesentlichen auf den Aktivit\u00e4ten von bisher nicht beobachteten Gruppierungen. Im Bereich des Neonazismus vollzog sich mit dem Zusammenschlu\u00df von drei Vereinigungen ein Konzentrationsproze\u00df. 74","Innerhalb des organisierten Rechtsextremismus zeigten de \"Deutsche Volksunion' (DVU) undhre Aktionsgemeinschaften bundesweit eine leicht ansteigende Tendenz undstellten auch n Bayern mit rund 2.000Mitgliedern den gr\u00f6\u00dften Anteil Die \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD), die n Bayern mit ihren Nebenorgansationen noch etwa 1 400 Mitglieder z\u00e4hlt, hatte weitere Substanzverluste hnzunehmen Schwerpunkte rechtsextremer Agtation waren neben den \u00fcblichen Themen we Kriegsschuldfrage, Judenverfolgung m Dritten Reich und Amnestie von Kregsverbrechen vor allem das Ausl\u00e4nderund Asylantenproblem, das inzwischen Rechtsextremisten aller Schattierungen aufgegriffen haben. Sie hoffen, mit Warnungen vor einer \"Ausl\u00e4nder\u00fcberflutung\" breite Bev\u00f6lkerungskreise emotional ansprechen und so den Boden f\u00fcr k\u00fcnftige Erfolge bereiten zuk\u00f6nnen Dabe bedienen sie sch auch der Hilfe eigens gegr\u00fcndeter \"B\u00fcrgerinitiativen\", deren Argumentation die rechtsextreme Urheberschaft und Zielsetzung oft nur schwer erkennen l\u00e4\u00dft Die Zahl der neonazistischen und antsemitischen Vorf\u00e4lle ist gegen\u00fcber dem Vorjahr wiederum gestiegen. Bemerkenswert waren auch der Anteil des aus dem Ausland stammenden und n Bayern verbreiteten neonazistischen Propagandamaterials sowie de verst\u00e4rkten Kontakte bayerischer Neonazs zu Gleichgesinnten im Ausland Eine Reihe von Exekutivma\u00dfnahmen, Ermittlungsverfahren und gerichtlichen Verurteilungen f\u00fchrte in Bayern zu einer Verunsicherung des rechtsextremen Aktivistenkreises Terroristische Ans\u00e4tze konnten durch rechtzeitiges Eingreifen der Polizei unterbunden werden Eine nicht zu untersch\u00e4tzende Bedeutung f\u00fcr die Verbreitung rechtsextremen Gedankengutes kam wederum der einschl\u00e4gigen Publizistik der in Bayern ans\u00e4ssigen organisationsunabh\u00e4ngigen Verlage und Vertriebsdienste zu In Bayern traten 1981 im wesentlichen folgende Organisationen und Gruppen n Erscheinung 11 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) mit den Nebenorganisationen Junge Nationaldemokraten (JN) Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) und der von ihr gesteuerten B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp 1.2 Deutsche Volksunion (DVU) mit den Aktionsgemeinschaften Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie (VOGA) Aktion Deutsche Einheit (AKON) Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (I.f.A) 75","1.3 Neonazistische Gruppen Volkssozialistische Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit (VSBD/PdA) einschlie\u00dflich der ihr eingegliederten Gruppierungen Junge Front (JF) und Nationale Deutsche Arbeiterpartei (NDAP) Verbotene Wehrsportgruppe Hoffmann (WSG) 1.4 Sonstige rechtsextreme Organisationen Deutscher Block (DB) Wiking-Jugend (Wy) Bund Heimattreuer Jugend (BHJ) Deutsches Kulturwerk Europ\u00e4ischen Geistes (DKEG) Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik (GP) 2. Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 2.1 Ideologisch-politischer Standort Obwohl die NPD in ihrem Programm betont, sie trete f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung ein, steht sie wesentlichen Verfassungsgrunds\u00e4tzen ablehnend gegen\u00fcber. Erkl\u00e4rtes Ziel der NPDist die Verwirklichung der \"Einheit von Volk und Nation' durch Errichtung einer \"Nationaldemokratie\"', in der die Interessen der Gemeinschaft vor den Interessen des einzelnen stehen und das Wohl des eigenen Volkes f\u00fcr jedermann oberstes Gesetzist. Die Partei vertritt die These, da\u00df nur die \"Lebensgemeinschaft Volk\" als Grundlage eines stabilen Staates die Zukunft sichern k\u00f6nne. Se will daher die \"\u00fcberlebten Systeme des Kaptalismus und des kommunistischen Staatskapitalismus' durch eine vom Gedanken der \"solidarischen Volksgemeinschaft' gepr\u00e4gte \"neue sittliche Gemeinschaftsordnung\" \u00fcberwinden, in der \"der ausbeuterische Einzelund Gruppeneigennutz dem br\u00fcderlichen Gemeinnutz unterzuordnen ist\". Diese pauschale \u00dcberbewertung der \"Volksgemeinschaft'\" (v\u00f6lkischer Kollektivismus) kn\u00fcpft an ein Leitbild an, das wesentlicher Bestandteil der nationalsozialistischen Ideologie war, undzielt letztlich auf eine totale Unterordnung des einzelnen unter die nicht n\u00e4her definierten Gemeinschaftsinteressen Hinter dieser \"Gemeinschaftsordnung' verbirgt sich -- langfristig gesehen und aus taktischen Erw\u00e4gungen nicht offen ausgesprochen -- eine nationalistische Diktatur Daneben klingen in den Ver\u00f6ffentlichungen der Partei, die sich bis heute nicht von rassebiologischen Thesen ihrer Gr\u00fcnderjahre distanziert hat, weiterhin rassistische Zielsetzungen und Denkweisen an. Den Schwerpunkt ihrer Agitation bildeten auch 1981 Warnungen vor einer wegen Geburtenr\u00fcckgangs und der Integration von Ausl\u00e4ndern bevorstehenden \"Selbstausrottung\" und \"Zerst\u00f6rung unserer Volkssubstanz''. Die NPDsieht ihre Zukunftsaufgabe vordringlich darin, die Bev\u00f6lkerung \u00fcber den\"drohenden Volkstod der Deutschendurch \u00dcberfremdung\" aufzukl\u00e4ren und sich f\u00fcr die \"Errettung des deutschen Volkes vor dem biologischen Untergang\" einzusetzen. 76","Ferner versucht die NPD, das NS-Regime zu rechtfertigen, indem sie als wesentliches Merkmal dieser Zet betont, da\u00df damals ein jahrhundertelang geteiltes Volk \"ein einheitlich geschlossenesReich geschaffen'' habe und, \"'gewissermaBen als Modellfall f\u00fcr die ganze Welt\", auf dem Wege war, eine \"wahre Volksgemeinschaft zu bilden\". Das \"brutale Siegerdiktat von 1945\" habe das ganze deutsche Volk \"'zur Verbrechernation gestempelt''. Die \"Keule angeblicher oder tats\u00e4chlicher deutscher Schuld'' diene nunmehr als \"furchtbare geistig-seelisch-moralische Waffe'', mit der \"unser Volk am Boden gehalten' werde. Die demokratiefeindliche Einstellung der NPDzeigt sich schlie\u00dflich auch in der st\u00e4ndigen pauschalen Diffamierung despolitischen Gegners, die das innere Verh\u00e4ltnis der Partei zum Grundsatz der Chancengleichheit erkennen l\u00e4\u00dft. So sind die \"Kartellpolitiker aller Parteien' nach Ansicht der NPD \"System-Heuchler\", \"Imperialistische Handlanger\" und \"Statthalter der Fremdherrschaft\", die sich zu \"bedingungslosen Erf\u00fcllungsgehilfen der Siegerm\u00e4chte\" gemacht h\u00e4tten. Im Interesse einer zukunftssicheren Politik sei es daher notwendig, sich von den \"Volkssch\u00e4dlingen in den etablierten Parteien' abzuwenden und dem \"Drohnenleben der Oligarchen'' im Bonner \"Selbstbedienungskartell' ein Ende zu setzen. 2.2 Organisation Die am 28. November 1964 in Hannover von Funktion\u00e4ren der \"Deutschen Reichspartei' (DRP) gegr\u00fcndete NPD z\u00e4hlte 1981 im Bundesgebiet rund 6.500 Mitglieder (1980: 7.200). Die Nebenorganisationen sind dabei nicht eingerechnet. Der Beitritt zur NPD ist mit der Verpflichtung verbunden, monatliche Beitr\u00e4ge zu entrichten, Satzung und Programm der NPDals verbindlich zu akzeptieren und sich zu den Zielen der Partei zu bekennen Gegen\u00fcber dem Vorjahr haben sich keine erheblichen organisatorischen \u00c4nderungen ergeben. Parteivorsitzender st der im Oktober 1981 auf dem 15. Bundesparteitag in V\u00f6lklingen/Saar wiedergew\u00e4hlte Rechtsanwalt Martin Mu\u00dfgnug. Seine Stellvertreter sind der Vorsitzende des Landesverbandes Bayern Walter Bachmann, der Generalsekret\u00e4r der Partei Walter Seetzen und der Vorsitzende des Landesverbandes Baden-W\u00fcrttemberg J\u00fcrgen Sch\u00fctzinger. Der Landesverband Bayern mit Sitz in M\u00fcnchen gliedert sich in sieben Bezirksund rund 60 Kreisverb\u00e4nde, von denen aber mehr als die H\u00e4lfte nicht aktiv ist. Der bundesweite Niedergang der NPD setzte sich auch in Bayern fort, wo die Partei gegen\u00fcber 1980 rund 200 Mitglieder verlor und derzeit noch etwa 1.300 Mitglieder (ohne Nebenorganisationen) z\u00e4hlt. Als Organ der NPD erscheint im parteieigenen Verlag in Stuttgart die Zeitung \"Deutsche Stimme' mit einer durchschnittlichen monatlichen Auflage von rund 75.000 Exemplaren (1980' 80.000). Ihre Bezugsgeb\u00fchr ist im Mitgliedsbeitrag eingeschlossen. Zur Erg\u00e4nzung des Verbandsorgans und als Argumentationshilfe f\u00fcr die Mitglieder gibt der Parteivorstanddie Flugschriften \"NPD-PropagandaBlitz' und \"NPD-aktuell\" heraus, die verschiedentlich in den Publikationen nachgeordneter Verb\u00e4nde abgedruckt wurden. 77","Entwicklung der Mitgliederzahlen der NPD in Bayern 1965 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 6000 500 5000 500 4000 500 3000 500 2000 500 1000 500 In Bayern erscheinen unregelm\u00e4\u00dfig dasMitteilungsblatt \"Bayern-Stimme\" und die gleichfalls vom Landesverband Bayern herausgegebene Schrift \"Die Nationaldemokraten informieren\". Der \"\"NPD-Frankenspiegel\" des Bezirksverbandes Mittelfranken hat nur regionale Bedeutung. In hrem Ende 1981 ver\u00f6ffentlichten Rechenschaftsbericht gem\u00e4\u00df $ 23 Parteiengesetz wies die NPD f\u00fcr 1980 Gesamteinnahmen von rund 1,5 Mio DM (1979. 1,2 Mio DM) aus, von denen 38,6 %auf Mitgliedsbeitr\u00e4ge und 55,4 %auf Spenden entfielen F\u00fcr den Landesverband Bayern snd f\u00fcr 1980 Gesamteinnahmen von 326 995 DM (1979: 190 536 DM) ausgewiesen, davon 16,5 %Mitgliedsbeitr\u00e4ge und 78,5 % Spenden (vgl dazu Anhang 3) DieSituation der NPDst weiterhin durch geringe Resonanz in der \u00d6ffentlichkeit, allgemeines Desinteresse der Mitglieder an der Partearbeit und die trotz erheblich gestiegener Spendeneinnahmen anhaltende Finanzmisere gekennzeichnet. Mit verst\u00e4rkten Scherheitsvorkehrungen versucht die Parte, den vor allem bei Gro\u00dfveranstaltungen zu erwartenden Protesten und St\u00f6raktionen politischer Gegner zu begegnen Die durch \u00dcberalterung mancher Verb\u00e4nde bedingten Mitglederverluste konnten aus der Sicht der Partei nicht soweit ausgeglichen werden, als dies f\u00fcr den k\u00fcnftigen Erhalt der Organisation erforderlich w\u00e4re. Ungeachtet aller negativen Erfahrungen der letzten Jahre beabsichtigt der Landesverband Bayern, mit Unterst\u00fctzung der Gesamtparte an der am 10. Oktober 1982 stattfindenden Landtagswahl teilzunehmen. Schwierigkeiten be der Besetzung von Stimmkreisen in den organsatorsch ncht erfa\u00dften Gebieten sollen m Wege der Nachbarschaftshilfe ausger\u00e4umt werden. Vorgesehen st au\u00dferdem 78","die Teilnahme an der Bundestagswahl 1984, zu der die Partei mit einem neuen Wahlprogramm antreten will. 2.3 Aktivit\u00e4ten Der 15. Bundesparteitag der NPD am 24.125 Oktober 1981 wurde kurzfristig nach V\u00f6lklingen/Saarland verlegt, nachdem esder Partei nicht gelungen war, an zun\u00e4chst vorgesehenen Tagungsorten R\u00e4umlichkeiten anzumieten. In seinem Rechenschaftsbericht versuchte der wiedergew\u00e4hlte Parteivorsitzende Martin Mu\u00dfgnugden Eindruck zu erwecken, die NPD k\u00e4mpfe \"jetzt nicht mehr um ihr \u00dcberleben\", sondern um denihr \"geb\u00fchrenden Anteil ander politischen Machtaus\u00fcbung in diesem Land'. Das Ergebnis der im Auftrag des Bundeskanzleramtes erstellten Sinus-Studie rechtfertige die Annahme, da\u00df \"ein 20-Millonen-Anteil der Deutschen\" mit nationaldemokratischen Grundpositionen wie Familie, Volk und Vaterland \u00fcbereinstimme. Im Hinblick auf die beabsichtigte Beteiligung der NPD an der n\u00e4chsten Bundestagswahl k\u00fcndigte der Parteivorsitzende an, die NPD werdeihre k\u00fcnftige Parteiarbeit an die heutige Struktur der \u00f6ffentlichen Meinungsbildung anpassen undihre politische Aussage langfristig und zukunftsbezogen in das Bewu\u00dftsein der W\u00e4hler tragen. Als M\u00f6glichkeit, nationaldemokratsche Vorstellungen in die deutsche Politik einzubringen und ihnenzu politischer Wirksamkeit zu verhelfen, nannte Mu\u00dfgnugdie Arbeit der von der NPD gesteuerten \"B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp'', deren Informationsblatt \"Deutsche Zukunft'' wertvolle Aufkl\u00e4rungsarbeit leiste. Unter dem Motto \"F\u00fcr Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung\" f\u00fchrte der Landesverband Bayern am 17. Mai 1981 in Kaufbeuren-Neugablonz seinen 14. Landesparteitag als Programmparteitag durch. Dabei wandte sich der Landesvorsitzende Walter Bachmann gegen die \"Verleumdung' der NPDdurch 'linke 'Aktionsgemeinschaften unter kommunistischer Regie undihre t\u00f6lpelhaften b\u00fcrgerlichen Nachbeter'' sowie gegen den \"Totalit\u00e4tsanspruch des privilegierten Parteiensystems''. Als weiterer Redner kritisierte das Parteivorstandsmitglied Dr Wolfgang Huber die \"willk\u00fcrliche'' Auslegung des Versammlungsrechts bei Veranstaltungen der NPD, die Darstellung der NPD in den Verfassungsschutzberichten und die Disziplinarma\u00dfnahmen gegen NPD-Mitglieder m \u00f6ffentlichen Dienst. An der Protestkundgebung einer \"B\u00fcrgerinitiative zur Verhinderung des NPD-Landesparteitages\" beteiligten sich rund 250 Personen, darunter zahlrei'che Anh\u00e4nger der DKP, der VVN-BdA und der VOLKSFRONT. Daneben veranstaltete die NPD in Bayern vier Versammlungen aus Anla\u00df des Tages der Reichsgr\u00fcndung (18.01.1871), einen \"Politischen Aschermittwoch\" am 4. M\u00e4rzin Vilshofen, Kreis Passau, drei Kundgebungen zum 1. Mai sowie die allj\u00e4hrlichen Sonnwendfeiern. An den Veranstaltungen beteiligten sich durchschnittlich etwa 80 bis 100 Personen Das allj\u00e4hrliche zentrale \"Deutschlandtreffen\" der NPD fand am 17. Juni in Dortmund statt. Die Redner bezichtigten die Bundesregierung, durch ihre Politik zur Abwertung des 17. Juni als Gedenktag beizutragen. Daneben propagierten sie die Forderung der NPD nach einem \"Ausl\u00e4nderstopp\"'. Wegen der St\u00f6raktionen politischer Gegner in den vergangenen Jahren hatte die NPD die Veranstal79","tung unter weitgehender Geheimhaltung vorbereitet. So wurden die rund 700 Teilnehmer erst w\u00e4hrend der Anreise \u00fcber den Kundgebungsort informiert. Zur Ablenkung etwaiger Gegendemonstranten hatte die Partei andere Tagungsorte publiziert. Das Treffen, das ohne nennenswerte St\u00f6rungen verlief, wurde intern als gelungene Generalprobef\u00fcr \u00e4hnliche Veranstaltungen bezeichnet. IT DER\"RN adfr)dz a ESHEN I) 3 DEUTSCHEN U w. NATIONALTg] Herausgeber: NPD-Parteivorstand, R\u00f6testra\u00dfe 4, 7000 Stutigart 1 DOSE TEE BIER FT Eee 2.4 Nebenorganisationen der NPD Die Jungen Nationaldemokraten (JN) als Jugendorganisation der NPD bekennen sch nachihrem Statut in Ideologie und Zielsetzung zum Programm der Mutterpartei. Sie sind zur aktiven Mitarbeit in den Gremien der NPDverpflichtet, halten aber deren Kurs f\u00fcr zu wenig k\u00e4mpferisch. Ihr Verhalten, das durch aggressiveres Auftreten und eine erheblich sch\u00e4rfere Argumentation gekennzeichnet ist, f\u00fchrte auch 1981 verschiedentlich zu Differenzen mit dem Parteivorstand und zu Richtungsk\u00e4mpfen innerhalb der eigenen Verbandsf\u00fchrung. Bundesvorsitzender der JN ist seit Oktober 1980 Rainer Vogel aus H\u00fcrth/Erftkreis. Den Landesverband Bayernleitet Helmut Pastel aus F\u00fcrth. 80","Nachdem sich die JN im Rahmen einer 1980 eingeleiteten Ausweisumtauschaktion von inaktiven Mitgliedern getrennt haben, z\u00e4hlen sie im Bundesgebiet noch rund 750 Mitglieder (1980: 1000). Dem Landesverband Bayern mitSitz in M\u00fcnchen geh\u00f6ren etwa 70 Mitglieder (1980: 150) an. Mit Ausnahmeder Bezirksverb\u00e4nde M\u00fcnchen-Oberbayern undMittelfranken sind die in Bayern bestehenden Untergliederungen derzeit nicht arbeitsf\u00e4hig. Entwicklung der Mitgliederzahlen der JN in Bayern 1965 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 Im publizistischen Bereich gab es auf Bundesebene keine wesentlichen \u00c4nderungen gegen\u00fcber dem Vorjahr. Der JN-Bundesvorstand gibt das Schulungsblatt \"JN-Report'' und das Mitteilungsblatt \"Junge Stimme' heraus. Daneben erschien 1981 ein \"JN-Pressedienst\", der die nachgeordneten Verb\u00e4nde bei der publizistischen \u00d6ffentlichkeitsarbeit unterst\u00fctzte. Das Informationsblatt \"JN-Global' wurde nicht mehr festgestellt Das Publikationsorgan des Landesverbandes Bayern \"Frontal\" erschien nach etwaeinj\u00e4hriger Unterbrechung mit einigen Sonderausgaben, von denen eine im Stil der \"Comic-Strips'' gestaltete Ausgabe besonders Sch\u00fcler ansprechen sollte. Dasviertelj\u00e4hrlich herausgegebene Nachrichtenblatt \"JN-Bayern-Info\" enth\u00e4lt Mitteilungen des Landesvorstandes, Presseerkl\u00e4rungen sowie Berichte und Termine der bayerischen Verb\u00e4nde. Die Mitteilungsbl\u00e4tter \"JN-Info' des Bezirksverbandes Mittelfranken und \"Oberland'' des Bezirksverbandes M\u00fcnchenOberbayern sind von untergeordneter Bedeutung. Der 1978 auf Initiative \u00f6rtlicher JN-Mitglieder in der Oberpfalz gegr\u00fcndete \"Spielmannszug Hans-Ulrich Rudel e.V \" trat 1981 nicht mehr in Erscheinung. Personelle Schw\u00e4che, finanzielle Schwierigkeiten und anhaltende Protestaktionenpolitischer Gegner beeintr\u00e4chtigten das \u00f6ffentliche Auftreten der JN erheblich. Die Stadt N\u00fcrnberg verbot eine Kurzkundgebung, die anl\u00e4\u00dflich eines Kongressesdes BezirksverbandesMittelfranken am 4.April in N\u00fcrnbergstattfinden sollte, mit der Begr\u00fcndung, aufgrundder aktuellen Lage h\u00e4tten die vorhandenen Sicherheitskr\u00e4fte nicht ausgereicht, um den zu erwartenden gewaltsamen Aus81","einandersetzungen mit Gegendemonstranten wirksam zu begegnen. Beim JNLandeskongre\u00df am 11. April in Landshut kam es an einem Informationsstand der JN zut\u00e4tlichen Angriffen durch Linksextremisten. Eine anschlie\u00dfende Kurzkundgebung wurde durch Teilnehmer einer Gegendemonstration massiv gest\u00f6rt. Auch der Bundeskongre\u00df am 3 Oktober in P\u00fcttlingen/Saarland war von Protestaktionen politischer Gegner begleitet. Der Nationaldemokratische Hochschulbund (NHB) mit Sitz in M\u00fcnchen, der in \"kritischer Solidarit\u00e4t\" zur NPD steht, wurde 1967 als Studentenorganisation der NPDin T\u00fcbingen gegr\u00fcndet. Er vertritt nach seiner Satzung die nationaldemokratische Grundhaltung an den deutschen Universit\u00e4ten und Hochschulen Mit dem Beitritt zum NHB ist die Verpflichtung verbunden, dessen Zielsetzung anzuerkennen undzu unterst\u00fctzen. Der NHB z\u00e4hlt im Bundesgebiet etwa 50 Mitglieder (1980: 40). Bundesvorsitzender ist der Ende November bei der Bundesversammlung in Erlangen wiedergew\u00e4hlte Thor von Waldstein aus M\u00fcnchen Die in der Satzung vorgesehene Gr\u00fcndung von Regionalbzw. Landesverb\u00e4nden und der Aufbau weiterer Hochschulgruppen im Bundesgebiet konnten aus personellen Gr\u00fcnden auch 1981 nicht realisiert werden. Versuche des NHB, an den Universit\u00e4ten Einflu\u00df zu gewinnen und mit seinen Arbeitskreisen \"amnestie national\", \"Kultur alternativ\" und \"Rock f\u00fcr Deutschland\" die Stagnation zu \u00fcberwinden, blieben erfolglos. Au\u00dferhalb der Universit\u00e4ten ersch\u00f6pfte sich die T\u00e4tigkeit des NHB in Bayernin internen Zusammenk\u00fcnften seines \"Arbeitskreises Junges Deutschland\" (AKJD) in M\u00fcnchen Publikationsorgan des NHB ist das Schulungsund Mitteilungsblatt \"NHBReport', dessen Auflage etwa 1.000 Exemplare betr\u00e4gt. Ein \"Arbeitskreis Nationaldemokratischer Akademiker' (ANA) gabdie Zeitschrift \"ANA-aktuell' heraus Die Mitte des Jahres angek\u00fcndigte Hochschulzeitung \"Widerstand\" ist noch nicht erschienen. 'Hinsichtlich der Aktivit\u00e4ten des NHB im Hochschulbereich in Bayern wird auf Abschnitt 5 verwiesen. 2.5 B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp im Februar ie \"B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp\" mit Sitz in Bochum wurde die Integrationder wendetsich gegen ne aufDtiative der NPD gegr\u00fcndet. Sie eis Zuzugsbeschr\u00e4nkungen, Aus Ausl\u00e4nder undfordert f\u00fcr diesen Personenkr wirtschaftliche Hilfen zur F\u00f6rweisungillegaler und krimineller Elemente sowie blatt erscheint die Druckschrift derung des R\u00fcckkehrwillens. Als Inform ations \"Deutsche Zukunft\". Die NPD, deren \"Parteivorstand\" sich der \"B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp\"' im April 1980 \"anschlo\u00df\", unterst\u00fctzt die Aktion personell, publizistisch und organisatorisch. So ist der \"Vertrauensmann\" der \"B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp\" als NPD-Funktion\u00e4r bekannt. \"Kontaktadresse des \"Regionalverbands S\u00fcd\" ist die Anschrift des NPD-Landesverbandes Bayern. 82","Die \"B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp\" trat in Bayern durch Verbreitung von Flugbl\u00e4ttern und mit einigen Veranstaltungen in Erscheinung, die meist ncht die erhoffte Resonanz fanden 3. Deutsche Volksunion (DVU) 3.1 Ideologisch-politischer Standort Die DVUenspricht ideologisch in wesentlichen Punkten der NPD. Sie ist jedoch keinepolitische Partei. In ihren Aussagen, die in vielen F\u00e4llen themengleich mit der NPD, jedoch wesentlich aggressiver und mehr tagespolitisch bezogen sind, verleumdet sie die Politik der Bundesregierung als \"Ausverkauf deutscher Interessen\", \"Verbeugungen gegen\u00fcber den Siegern'' und \"'unertr\u00e4glichen Nationalmasochismus'. In einer auf v\u00f6lkisch-biologische Thesen gest\u00fctzten Kampagne gegen die Integration von Ausl\u00e4ndern fordert sie den Schutz der \"nationalen Identit\u00e4t des deutschen Volkes' vor der \"drohenden Vernichtung\" und betont die durch die \"ethnischen Verschiedenheiten der V\u00f6lker\" bedingten \"\u00dcberfremdungsprobleme'. Vor allem versucht die DVU, die NS-Zeit zu rechtfertigen, die Verbrechen des Nationalsozialismus zu leugnen oder zu verharmlosen undf\u00fcr diese Straftaten eine Generalamnestie durchzusetzen. So vertritt sie die Auffassung, mit dem \"schamlosen Ha\u00dfprodukt von Versailles' h\u00e4tten die Gegner \"einen Mann der Verzweiflungsreaktion wie Hitler \u00fcberhaupt erst m\u00f6glich\" gemacht. In der Nachkriegsliteratur \u00fcber Hitler seien \"Polemik, Verf\u00e4lschungen und zweckdienliche Propaganda' immer noch tonangebend. Der ehemalige Reichsminister f\u00fcr R\u00fcstung und Kriegsproduktion Albert Speer wurde als \"Gesinnungscham\u00e4leon'\" und \"Opportunist'\" bezeichnet, der \"sich der antideutschen Geschichtsklitterung als Kronzeuge\" angebiedert habe, um \"als Vergangenheitsbew\u00e4ltigter akzeptiert zu werden''. Die DVUverbreitet \u00c4u\u00dferungen, wonach die Existenz von Gaskammern zur T\u00f6tung von Menschen eine \"Erfindung zionistischer Kr\u00e4fte' in den USA sei, die schon w\u00e4hrenddes Kriegesins Propagandaarsenal der Alliierten Einzug gefunden habe und nach 1945 von der Geschichtsschreibung unbesehen \u00fcbernommen worden sei. Anl\u00e4\u00dflich der Gr\u00fcndung einer internationalen 'Jugendbegegnungsst\u00e4tte im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz habe man\"das deutsche Volk mit der Verantwortung f\u00fcr vier Millionen in Auschwitz ermordeter Juden belastet'', obwohl sogar die j\u00fcdischeSeite \"eine weit geringere Zahl\" nenne. Dar\u00fcber hinaus wendet sich die DVU in polemischer Weise gegen das Judentum und die Politik Israels, wobei sie einen \u00fcberm\u00e4\u00dfigen politischen Einflu\u00df und eine Privilegierung der Juden zum Nachteil Deutschlands nachzuweisen versucht. 3.2 Organisation Die DVU wurde im Jahre 1971 in M\u00fcnchenals Auffangbecken f\u00fcr ehemalige NPD-Anh\u00e4nger gegr\u00fcndet. Nach ihrer Satzung habendie Mitglieder au\u00dfer der Zahlung monatlicher Beitr\u00e4ge keine weiteren Verpflichtungen. 83","Bundesvorsitzender st der im September 1981 auf der Bundesversammlung in Bonn wedergew\u00e4hlte Verleger Dr. Gerhard Frey aus M\u00fcnchen. Seine Stellvertreter sind Dr Bernhard Steidle und Dr. Fritz von Randow. Der Aufschwung des Vorjahres, in dem die Vereinigung rund 5.000 neue Anh\u00e4nger gewinnen konnte, setzte sich 1981 nicht in vergleichbarem Umfang fort. Die DVUz\u00e4hlt derzeit im Bundesgebiet zusammen mit Ihren Aktionsgemeinschaften knapp \u00fcber 10.000 Mitglieder (1980: 10.000), davon etwa 2.000 (1980: 1.800) in Bayern. Die DVU unterh\u00e4lt in allen Bundesl\u00e4ndern Bezrksverb\u00e4nde, deren Vorsitzende nicht gew\u00e4hlt, sondern von Dr. Frey bestimmt werden. In Bayern bestehen Bezirksverb\u00e4nde in M\u00fcnchen, Niederbayern, Ober-, Mittelund Unterfranken sowie in Schwaben, de aber kaum eigene Initiativen entfalteten. Dasoffizielle Presseorgan der DVUist der \"Deutsche Anzeiger\" (DA) mit einer w\u00f6chentlichen Auflage von \u00fcber 20.000 Exemplaren. Erh\u00f6hte Auflagen zu besonderenAnl\u00e4ssen sind dabe ncht eingerechnet. Dr. Frey st auch Herausgeber der mit dem DA zu H\u00e4lfte inhaltsgleichen \"Deutschen Natonal-Zeitung' (DNZ), die im Regelfall w\u00f6chentlich in einer Auflage von \u00fcber 80 000 Exemplaren erscheint. Die DVUist die bedeutendste der m \"Freiheitlichen Rat'' (FR) vertretenen Organisationen. Der 1972 vom DVU-Vorsitzenden Dr. Frey gegr\u00fcndete und geleitete FR st ein Funktion\u00e4rsgremium, dem mehrere Rechtsextremisten, darunter die Vorsitzenden der \"Aktion Deutsche Einheit\" (vgl. Nr. 3.4), des \"Deutschen Blocks\" (vgl Nr. 5.1) und der \"Wiking-Jugend\" (vgl. Nr. 52) angeh\u00f6ren. 3.3 Aktivit\u00e4ten Nebender publizistischen Propagandat\u00e4tigkeit lag der Schwerpunkt der Aktivit\u00e4ten der DVUin der Durchf\u00fchrung bundesweiter Veranstaltungsreihen. So fanden im M\u00e4rz und April in mehreren Bundesl\u00e4ndern Versammlungen zum Thema \"Haben die Deutschen eine Zukunft?\" statt. Eine im Rahmendieser Vortragsreihe geplante Kundgebung am 4. April in M\u00fcnchen wurde verboten (siehe Nr 3.4). Zur Bundesversammlung der DVU am 20. September n Bonn erschienen \u00fcber 400 Teilnehmer, darunter auch eine Abordnungder \"Wiking-Jugend\" (WJ) Der DVU-Vorsitzende Dr. Frey warf der Bundesregierung vor, sie habe das deutsche Volk mt ihrer Politik an den Rand des Abgrunds gedr\u00e4ngt Der Gipfel systematscher Zersetzung werde mit der von Moskau initiierten \"Friedensbewegung\" erreicht. Unter dem Motto \"Einheit f\u00fcr Deutschland -- Freiheit f\u00fcr Europa\" f\u00fchrte de DVU im Oktober eine weitere Vortragsreihe durch. Zu den Veranstaltungen in 'Augsburg, Bad W\u00f6rishofen, Garmisch-Partenkirchen, Lindau, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Straubing erschienen durchschnittlich 40 Besucher. 84","Rechtsextreme Publikationen = Bonn wird Weimar -- all Kartellpolitike Parteien richten r er ] II \"Westdeutsch land zuGrunde. Wasgeschahin HitlerskZ's? Neue sensationelle Erkenntnisse/s.\" Jetztgesteht BrandtBrandt kommunistische Massenmorde Deutschland bald ohne Deutsche? Ausl\u00e4nderbegrenzung -- Gebot der Stunde 's su\" Deutscher Anzeiger IR aa Wer steuert den \"Neo-Nazismus?\" (Seite 4) DeutfeheWochenZeitung DEUTSCHE NACHRICHTEN = Ost -- West --KuRIER FOR NATIONALE POLITIK=KULTUR UND WIRTSCHARTEEEEE 85","3.4 Aktionsgemeinschaften der DVU Die von der DVU gegr\u00fcndeten Aktionsgemeinschaften sind als integrierte Bestandteile der DVU anzusehen. Der Beitritt zu einer Aktionsgemeinschaft bedeutet gleichzeitig de Mitgliedschaft in der DVU. Die Ver\u00f6ffentlichungen der Aktionsgemeinschaften erscheinen im DVU-Organ \"Deutscher Anzeiger\". Die Ende 1979 von Dr. Frey in M\u00fcnchen gegr\u00fcndete \"Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie\" (VOGA) wll den Gedanken einer Generalamnestie f\u00fcr bisher unges\u00fchnte NS-Verbrechen verbreiten und dadurch ene \"tief gestaffelte Widerstandfront gegen die zur antideutschen Einseitigkeit entartete Vergangenheitsbew\u00e4ltigung\" formieren. 1981 trat die VOGA mit eigenst\u00e4ndigen Initiativen nicht mehr n Erscheinung. Die \"Aktion Deutsche Einheit\" (AKON) wurde 1962 in Darmstadt unter der Bezeichnung \"Aktion Oder-Nei\u00dfe'' (AKON) als selbst\u00e4ndige Organisation gegr\u00fcndet. 1979 w\u00e4hlten die Mitglieder den DVU-Funktion\u00e4r Dr. Bernhard Steidle zum Vorsitzenden Mit der anschlie\u00dfenden Ernennung des DVU-Vorsitzenden zum gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Vorsitzenden der AKON geriet die Organisation v\u00f6llig unter denEinflu\u00df von Dr. Frey. 1980 beschlossen die Mitglieder eine neue Satzung, n der die AKON hre Selbst\u00e4ndigkeit aufgab und sich der DVUals eine Aktionsgemeinschaft anschlo\u00df. Nach ihrem Mitte September 1980 ver\u00f6ffentlichten Aktionsprogramm wll die AKON allen Versuchen, durch de \"Schaffung sogenannter Staatsnationen die volkliche Einheit der deutschen Nation zu zerst\u00f6ren\", entgegentreten. Auch lehnt sie die Ostvertr\u00e4ge, soweit sie \u00fcber eine Gewaltverzichtserkl\u00e4rung hinausgehen, als \"null und nichtig\" ab. In den deutsch-polnischen Schulbuchempfehlungen sieht sie eine \"Geschichtsklitterung zur Rechtfertigung der Annexion unserer Ostgebiete und des Verbrechensder Vertreibung der Deutschen\" Die AKONf\u00fchrte im Januar 1981 anl\u00e4\u00dflich des Jahrestages der Reichsgr\u00fcndung von 1871 n Zusammenarbeit mit der DVU ene bundesweite Veranstaltungsreihe durch. Zu den Versammlungenn Lindau, M\u00fcnchen und N\u00fcrnbergerschienen zwischen 50 und 100 Zuh\u00f6rer. 'Am 4.April sollte in M\u00fcnchen de Mitgliederversammlung der AKON n Verbindung mit ener Vortragsveranstaltung der DVU stattfinden. Die Landeshauptstadt M\u00fcnchen verbot de Versammlung mit der Begr\u00fcndung, auf der geplanten Kundgebung w\u00fcrden \"nach den st\u00e4ndigen Ver\u00f6ffentlichungen in der 'Deutschen National-Zeitung' desals Redner vorgesehenen Dr. Frey das 'Weltjudentum' und damit auch die j\u00fcdsche Bev\u00f6lkerung sowie die ausl\u00e4ndischen Mitb\u00fcrger n der Bundesrepublik\" n volksverhetzender Weise angegriffen werden Rund50 Personen, die eine Teilnahmean der Veranstaltung beabsichtigt hatten, fanden keine Einla\u00df in das verschlossene Versammlungslokal. Mit ener am 28. April erhobenen Klage begehrte die AKON die Feststellung, da\u00df die Verbotsverf\u00fcgung vom 3. Aprl rechtswidrig war Das Verfahren st noch nicht abgeschlossen An ener Kundgebung der AKON, die am 8. August n Passau zum Gedanken an den Bau der Berliner Mauer stattfand, beteiligten sich rund 450 Personen, darun86","ter etwa 150 Besucher aus \u00d6sterreich. Die mit dieser Veranstaltung verbundene Mitgliederversammlung best\u00e4tigte Dr. Steidie und Dr. Frey in ihren bisherigen Funktionen. Die im Dezember 1980 als Aktionsgemeinschaft der DVU gegr\u00fcndete \"Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nder-Begrenzung\" (l.f.A.) kn\u00fcpft mit der Devise \"Deutschland soll deutsch bleiben' an die von der NPDverbreitete Parole \"Ausl\u00e4nder-Stopp -- Deutschland den Deutschen\" an. Das auf unterschwellige Ausl\u00e4nderfeindlichkeit zielende Programm der | f A. fordert die \"Eind\u00e4mmungdes Scheinasylantentums\" und ene \"Beschr\u00e4nkung des Ausl\u00e4nderanteils\", um \"den deutschen Charakter Deutschlands unddie volkliche Einheit der Bundesdeutschen mit den \u00d6sterreichern und den Mitteldeutschen\" zu erhalten. Au\u00dferdem propagiert sie die Fernhaltung vorbestrafter Nichtdeutscher sowie ausl\u00e4ndischer Kommunisten, Terroristen und Revolution\u00e4re, die -- als politisch Verfolgte getarnt -- \"die kriminelle Szene in der Bundesrepublik bereichern' 4. Neonazistische Organisationen und Vorf\u00e4lle 4.1 Allgemeines Der Neonazismus umfa\u00dft alle Aktivit\u00e4ten und Bestrebungen, de ein offenes Bekenntnis zur Ideologie des Nationalsozalismus des Dritten Reiches darstellen und auf die Errichtung eines dem NS-Staat vergleichbaren oder \u00e4hnlichen Systems gerichtet sind. Die Zahl der Neonazis im Bundesgebiet ist gegen\u00fcber dem Vorjahr von etwa 1.800 auf rund 1.850 gestiegen, darunter etwa 200in Bayern. Etwa 1.250 vonihnensind den neonazistischen Organisationen als Mitglieder oder Spender zuzurechnen. Be den \u00fcbrgen handelt es sich um \"Einzelg\u00e4nger\"\", die durch neonazistische Aktivit\u00e4ten in Erscheinung treten, ohne sich an eine bestimmte Gruppe zu binden. Die 16 (1980: 22) erkannten neonazstischen Zusammenschl\u00fcsse im Bundesgebiet sind lose Gesinnungsund Kampfkader, deren Anh\u00e4nger sich zum Teil auch in anderen Gruppen engageren. So bet\u00e4tigt sch der bekannte Neonazi Erwn Sch\u00f6nborn, der 1980 n Frankfurt a.M. die \"National-Sozialistische Demokratische Arbeiter-Partei\"' (NSDAP) gr\u00fcndete, auch als Chefredakteur des Organs der \"Gr\u00fcnen Akton Deutschland' (GAD). Die neonazistischen Gruppenfnanzieren sich im wesentlichen durch Spenden und nur zu einem geringen Teil durch regelm\u00e4\u00dfige Beitr\u00e4ge. Klare organisatorische Strukturen sind vielfach nicht erkennbar; regelm\u00e4\u00dfig dominiert aber ein \"F\u00fchrer\"', von dem auch die Stabilit\u00e4t der Gruppe abh\u00e4ngt. Die Agitation neonazistischer Gruppen ist schwerpunktm\u00e4\u00dfig durch unverhohlenen Rassismus und Antisemitismus, Verniedlichung und Verleugnung der NSVerbrechen sowie durch Verherrlichung vonInstitutionen und Personen der Hitlerdiktatur gekennzeichnet. Eine ideologische Durchdringung der eigenen Ziele und Methoden findet kaum statt. Gewalt wird emotional bejaht und angewendet, wo essich ergibt oder zweckm\u00e4\u00dfig erscheint. 87","4.2 Volkssozialistische Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit (VSBD/ PdA) 4.2.1 Ideologisch-politischer Standort Die VSBD/PdA wurde 1971 in Krefeld als \"Partei der Arbeit' (PdA) gegr\u00fcndet und erhielt 1975 in M\u00fcnchen ihre endg\u00fcltige Bezeichnung. Als \"Vorhut der sozialen und nationalen Revolution in Deutschland' wollte sie den \"Weg einer zentralistisch gef\u00fchrten Eltepartei\"' gehen. Sie entwickelte sich zu einem Kristallisationskern neonazistischer Bestrebungen im Bundesgebiet. Angestrebte Beteiligungen an Landtagsund Bundestagswahlen scheiterten allerdings an der fehlenden Anzahl der f\u00fcr die Zulassung der Wahlvorschl\u00e4ge erforderlichen Unterschriften. Ziel der VSBD/PdA war die \"Umwandlung der bestehenden Gesellschaftsordnung\" durch \"Schaffung des ersten radikal-demokratischen und antiimperialistischen Staates auf deutschem Boden\". Die in ihrem Programm aufgestellte Forderung \"'Gemeinnutz geht vor Eigennutz'' deckte sich mit einem charakteristschen Prinzip der nationalsozialistischen Ideologie. Die VSBD/PdA verherrlichte Hitler als herausragende historische Erscheinung. Sie leugnete die Verbrechen desDritten Reiches und suchte f\u00fchrende Vertreter der NS-Zeit zu rehabilitieren, indem sie die Judenvergasung als L\u00fcge bezeichnete unddie \"Revision des N\u00fcrnberger Kriegsverbrecher-Urteils'' forderte. Daneben verbreitete sie rassistische undantisemtitische Parolen, die deutliche Parallelen zur Judenhetze der NSDAP und zu der im Dritten Reich propagierten \"Rassenhygiene\" aufwiesen. 4.2.2 Organisation und Verbindungen Bundesvorsitzender der VSBD/PdA war Friedhelm Busse aus Neubiberg, Landkreis M\u00fcnchen. Der Bundesverband mit Stz in M\u00fcnchen gliederte sich in die Landesverb\u00e4nde Bayern und Hessen. Ein Landesverband Niedersachsen war im 'Aufbau. Der noch nominell existierende Landesverband Nordrhein-Westfalen hatte seine Aktivit\u00e4ten schon vor l\u00e4ngerer Zeit eingestellt. En Kreisverband bestand in M\u00fcnchen, eine weitere Untergliederung auf Kreisebene wurde im August 1981 in Hannover gegr\u00fcndet. In Berlin, Kelheim, Mannheim, Osnabr\u00fcck und Stuttgart waren organsatorische Ansatzpunkte erkennbar. Im Sommer 1981 bildete sich ein \"Volkssozialistischer Freundeskreis\" (VFK) mit Sitz in Heidelberg. Die Gesamtzahl der Mitglieder im Bundesgebiet betrug rund 120 (1980: 50), davon etwa 40 (1980: 20) n Bayern. Publikationsorgan des Landesverbandes Bayern war \"Der Bayerische L\u00f6we\", von dem 1981 nur eine Ausgabe erschien Der VFK gab die Schrift \"Der Aufbruch\" heraus. Die neonazistische \"Junge Front\" (JF), die sich Mitte 1980 von der VSBD/PdA gel\u00f6st hatte, machte die Trennung Anfang 1981 wieder r\u00fcckg\u00e4ngig. Die 1979 aus einer neonazistischen M\u00fcnchner Gruppierung hervorgegangene JF verstand sich als Jugendorganisation der VSBD/PdA. Ihr Anf\u00fchrer Josef Heggmair war zuletzt Vorsitzender des Kreisverbandes M\u00fcnchen der VSBD/PdA. Die JF identifizierte sich mt den Bestrebungen der VSBD/PdA durchMitwirkung an deren Veranstaltungen und Verbreitung gemeinsamer Flugbl\u00e4tter In einer \"\"'Kampf88","Auswahl der beim Vollzug des Verbots der VSBD/PdA und der JF sichergestellten Gegenst\u00e4nde. FREIHEIT F\u00dcR ALLE NS-K\u00c4MPFER! Volkssozialistische Bewegung Deutschlands | el 89","schrift der JF/Volkssozalisten'' mit dem Titel \"Frontal\" forderte de JF die Wiederherstellung der \"Volksgemeinschaft'' und \u00e4u\u00dferte, sie glaube andie \"'Auferstehung des Volkes' und erwarte de \"Vernichtung seiner Feinde und Verr\u00e4ter\". Die neonazistische \"Nationale Deutsche Arbeiterpartei\" (NDAP) gab Mitte 1981 in ihrem Publikationsorgan \"Nationalblatt'\" ihre Vereinigung mit der VSBD/ PdA bekannt. Dazu erkl\u00e4rte der NDAP-Vorsitzende Sigismund Stucke aus Kaufbeuren, man wolle mit diesem Schritt der \"Zersplitterung des nationalen Lagers' begegnen. Die 1977 gegr\u00fcndete NDAP z\u00e4hlte nur wenige Anh\u00e4nger. Ihre Aktivit\u00e4ten bestanden im wesentlichen in der Verbreitung von Schriften, die dasDritte Reich zu rechtfertigen suchten und rassstische sowie antisemitische '\u00c4u\u00dferungen enthielten. Der VSBD/PdA.Vorsitzende Busse und Aktivisten der JF unterhielten Kontakte zu zahlreichen rechtsextremen, insbesondere neonazistischen Organisationen we \"Aktionsfront Nationaler Sozialisten\" (ANS)in Hamburg, \"NS-Kampfgruppe Curt M\u00fcller\" n Manz-Gonsenheim, \"Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e V '' (HNG) in Frankfurt a.M. und \"Nationalrevolution\u00e4re Arbeiterfront' (NRAF) in Bremen. Ferner bestanden Verbindungen zur \"Nationaldemokratischen Partei \u00d6sterreichs\" (NDP), zur \"NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation' (NSDAP-AO) und zur \"Faisceaux Nationalistes Europ6ens\" (F N.E.) in Paris, de die Ziele der im September 1980 vom franz\u00f6sischen Ministerrat verbotenen \"Federation d'Action Nationale Europ&enne\" (FANE) weterverfolgt. In einem im Juli 1981 verbreiteten Flugblatt forderte die NSDAPAO ihre Anh\u00e4nger auf, der VSBD/PdA oder der JF beizutreten 4.2.3 Aktivit\u00e4ten In Bayern beschr\u00e4nkten sch de Aktvit\u00e4ten der VSBD/PdA im allgemeinen auf den Raum M\u00fcnchen Se bestanden in der Durchf\u00fchrung von internen Schulungsabenden, paramilit\u00e4rischen \u00dcbungen, Stammtischtreffen, Schmierund Klebeaktionen, \u00f6ffentlichen Versammlungen sowie der Verbreitung von Schriften an Informationsst\u00e4nden Intativen gingen durchwegs vom Bundesvorsitzenden Busse und den Anh\u00e4ngern der JF aus Am 11 Aprl reisten Busse und 10 JF-Anh\u00e4nger nach Lustenau be Bregenz, um als G\u00e4ste am Bundesparteitag der \"Nationaldemokratischen Parte \u00d6sterreichs\" (NDP) teilzunehmen. Die \u00f6sterreichischen Beh\u00f6rden nahmen die Gruppe vorl\u00e4ufig fest und schoben se n das Bundesgebiet ab 'Am 24. Aprl sprach Bussebe ener Kundgebung in M\u00fcnchen zum Thema \"Freiheit f\u00fcr Rudolf Hess\". Bei einer Versammlung am 16 Oktober in M\u00fcnchen gedachte Busse der am 16 10.1946 in Nurnberg hingerichteten NS-Verbrecher und ehrte sie mt einer Schweigeminute Mitglieder der VSBD/PdA und ihrer Jugendorganisation verstie\u00dfen durch Ihr \u00f6ffentliches Auftreten und ihr Bekenntnis zum Gedankengut des Natonalsozalismus vielfach gegenStrafgesetze. So st\u00f6rten Busse und mehrere JF-Anh\u00e4nger am 24 M\u00e4rz in M\u00fcnchen eine Diskussionsveranstaltung zum Thema \"Rechtsextreme Organisationen und Propaganda in der Bundesrepublik -- Was l\u00e4\u00dft sich 90","wirksam dagegen tun?''. Als die St\u00f6rer aus dem Saal verwiesen wurden, riefen sie Parolen wie \"Rotfront verrecke\" und entbotenden \"Hitler-Gru\u00df''. Daraufkam es zu t\u00e4tlichen Auseinandersetzungen mit anderen Veranstaltungsbesuchern, von deneneinige leichte Verletzungen erlitten. Das Landgericht M\u00fcnchen| verurteilte zwei an den Ausschreitungen beteiligte JF-Anh\u00e4nger zu Freiheitsstrafen von vier bzw. sieben Monaten mit Bew\u00e4hrung. Angeh\u00f6rige der VSBD/PdA undJF verteilten am 4. Juli in Kelheim Flugbl\u00e4tter mit der Aufschrift \"Mut zur Wahrheit. Rassenmischung ist V\u00f6lkermord'. Zwischen der Gruppe und mehreren Ortsans\u00e4ssigen kam es zu T\u00e4tlichkeiten, wobei vier Personenleicht verletzt wurden. Im April 1982 verh\u00e4ngte das Amtsgericht M\u00fcnchen gegen den VSBD/PdA Vorsitzenden Busse, der f\u00fcr die Flugbl\u00e4tter pressrechtlich verantwortlich gezeichnet hatte, eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten ohne Bew\u00e4hrung. Das Amtsgericht M\u00fcnchen verurteilte am 29. Juli einen JF-Angeh\u00f6rigen zu sechs Monaten Jugendstrafe mit Bew\u00e4hrung. Der Angeklagte hatte ein HitlerGedicht versandt und ein Plakat der NSDAP-AO mit der Aufschrift \"Kampf den Judenparteien KPD SPD CDU CSU FDP\" \u00f6ffentlich verbreitet. Gegen Anh\u00e4nger der JF, die im August und November in M\u00fcnchenAufkleber mit Aufschriften wie \"Ausl\u00e4nder raus! Bevor der Volkszorn erwacht\" und \"Zerschlagt die neue Rotfront SPD, DGB, DKP\" verbreiteten, wurden Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Volksverhetzung eingeleitet. Ein JF-Anh\u00e4nger aus Kelheim zeichnete f\u00fcr ein gemeinsames Flugblatt der VSBD/PdAund der JF mit der \u00dcberschrift \"Volkssozialisten voran!\" verantwortlich, das im Oktober 1981 in M\u00fcnchen verteilt wurde. Auf dem Flugblatt war eine Gruppe von \"Volkssozialisten\"' in Uniformen der ehemaligen SA abgebildet. Die Polizei erstattete gegen den Verantwortlichen Strafanzeige wegen Volksverhetzung und Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Am 20. Oktober stellte die Polizei in M\u00fcnchen eine Gruppe von bewaffneten Neonazis, die sich auf dem Weg zu einem Bank\u00fcberfall befand. Im Anschlu\u00df an die Polizeiaktion wurde auch der VSBD/PdA-Vorsitzende Busse festgenommen, in dessen Wohnung die Tatbeteiligten ihr Vorhaben besprochen und vorbereitet hatten Bei der Durchsuchung der Wohnungfand die Polizei Sprengstoff und Munition. Der Generalbundesanwalt leitete ein Verfahren wegen Verdachts der Bildungeiner terroristischen Vereinigung ein. Gegen die Beteiligten ergingen Haftbefehle (vgl. 4. Abschnitt Nr. 2.5). 4.2.4 Verbot Mit Verf\u00fcgung vom 14.01 1982 stellte der Bundesminister des Innern im Benehmen mit den L\u00e4ndern fest, da\u00df sich die VSBD/PdA einschlie\u00dflich der JF gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnungrichte und deshalb nach $ 3 des Vereinsgesetzes mit sofortiger Wirkung aufgel\u00f6st werde. Zur Begr\u00fcndung f\u00fchrte er aus, da\u00df die VSBD/PdA ihr Ziel in k\u00e4mpferisch-aggressiver Form zu verwirklichen suche. Ihre T\u00e4tigkeit, die auch die \u00f6ffentliche Sicherheit zunehmend gef\u00e4hrde, k\u00f6nne wegender Signalund Sogwirkung auf das gesamte rechtsextreme Lager nicht l\u00e4nger hingenommen werden. 9","Die Verbotsverf\u00fcgung wurde dem VSBD/PdA-Vorsitzenden Busse am 27.01.1982 n der Justizvollzugsanstalt Landsberg zugestellt Anschlie\u00dfend fanden be Busse und mehreren VSBD/PdA-Anh\u00e4ngern im Bundesgebiet Hausdurchsuchungen statt, um das der Einziehung unterliegende Vereinsverm\u00f6gen zu beschlagnahmen. Ein Schwerpunkt des Einsatzes lag in Bayern, wo de Polze insgesamt 15 Objekte durchsuchte. Dabei wurden ein Vervielf\u00e4ltigungsger\u00e4t, Stahlhelme, Schlagst\u00f6cke, Stichwaffen, Blanko-F\u00fchrerscheinvordrucke, gef\u00e4lschte Amtssegel, Druckplatten f\u00fcr Hitlerbilder sowie umfangreiches neonazistisches Propagandamaterial gefunden. Gegen die Verbotsverf\u00fcgung wurde am 27.02.1982 Anfechtungsklage beim Bundesverwaltungsgericht erhoben; dar\u00fcber st noch nicht entschieden 4.3 Verbotene Wehrsportgruppe Hoffmann (WSG) Die vom Bundesminister des Innern mit Verf\u00fcgung vom 16 Januar 1980 aufgel\u00f6ste WSG gab nach dem Verbot, das set dem 2 Dezember 1980rechtskr\u00e4ftig st, Ihren organisatorischen Zusammenhalt im Bundesgebiet auf und trat als Vereinigung nicht mehr in Erscheinung Der fr\u00fchere WSG-Leiter Karl-Heinz Hoffmann verlegte seine Aktivit\u00e4ten in den Nahen Osten. Mit Hlfe ehemaliger WSGAnh\u00e4nger exportierte er ausgemusterte Milit\u00e4rfahrzeuge in den Libanon, wo er Verbindungen zur \"Pal\u00e4stinensischen Befreiungsorganisation\" (PLO) unterhielt und eine \"Wehrsportgruppe Ausland\" aufstellte (vgl Abschnitt 4 Nr. 2.4) Das Amtsgericht Erlangen erlie\u00df am 19 August 1981 gegen Hoffmann undseine Lebensgef\u00e4hrtin, die zu diesem Zeitpunkt bereits wegen Verdachts der Gr\u00fcndung bzw Mitgliedschaft in einer terrorstischen Vereinigung inhaftiert waren (vgl Abschnitt 4 Nr. 2.4), Haftbefehle wegen Verdachts der Beteiligung an der Ermordung des J\u00fcdischen Verlegers Shiomo Levin und seiner Lebensgef\u00e4hrtin Frieda Poeschke am 19. Dezember 1981 in Erlangen. Dazu erkl\u00e4rte die Staatsanwaltschaft be dem Landgericht N\u00fcrnberg-F\u00fcrth, sie gehe davon aus, da\u00df Hoffmann m bewu\u00dften und gewollten Zusammenwirken mt einem seiner Gefolgsleute den Doppelmord begangen habe, wobe die T\u00e4ter von Hoffmanns Lebensgef\u00e4hrtin unterst\u00fctzt worden seien. Gegen ehemalige WSG-Anh\u00e4nger waren 1981 noch Verfahren im Zusammenhang mit ihrer fr\u00fcheren Bet\u00e4tigung f\u00fcr die WSG anh\u00e4ngig. So verh\u00e4ngte das 'Amtsgericht N\u00fcrnberg gegen zwei Personen, die sich am 26. Februar 1977 an e- ner WSG-\u00dcbungbeteiligt hatten, Geldstrafen von 600,-und 900,-DM wegen verbotenen Uniformtragens Das Amtsgericht Forchheim verurteilte einen fr\u00fcheren WSG-Anh\u00e4nger wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu einer Geldstrafe von 600,-DM Gegen zwei ehemalge WSG-Anh\u00e4nger erlie\u00df die Stadt F\u00fcrth Waffenbestzverbote 4.4 Neonazistische und antisemitische Vorf\u00e4lle 1981 war in Bayern wiederum en Anstieg neonazistischer und antisemitischer Vorf\u00e4lle zu verzeichnen. Die Gesamtzahl der bekanntgewordenen Straftaten betrug 355 gegen\u00fcber 271 im Vorjahr. Allein auf M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg entfielen 922","Neonazistische und antisemitische Vorf\u00e4lle 1981 in Bayern Unterfranken =2 Oberfranken = 3 \u00fcbriges N\u00fcrnb\u00e4rg Oberpfalz Mittelfranken e na ws ws a 36 &26 a17 e3 eo os Niederbayern ni 413 e3 Schwaben nz {M\u00fcnchen \u00fcbriges z\" ei (c) Oberbayern =11 = 13 19 a8 o2 1 +2 = Antisemitische Vorf\u00e4lle a Neonazistische Vorf\u00e4lle (r) Allgemeine Verdachtsf\u00e4lle + Sch\u00e4ndung j\u00fcdischer Grabund Gedenkst\u00e4tten 93","mt 75 bzw. 46 F\u00e4llen rund 34 %aller neonazistischen und antsemitischen Ausschreitungen in Bayern. Dabei handelte es sch oft um n\u00e4chtliche Schmierund Klebeaktionen, bei denen Hakenkreuze und SS-Runen gespr\u00fcht oder Parolen wie \"Rotfront verrecke\", \"Juden raus' und \"Sieg Heil\" angebracht wurden. Das Spektrum der sonstigen Vorf\u00e4lle reichte vom gewerblichen Vertrieb von NSLiteratur und -gegenst\u00e4nden, dem Tragen von NS-Abzeichen, der Besch\u00e4digung j\u00fcdischer Grabund Gedenkst\u00e4tten bis zur Ank\u00fcndigung eines Brandanschlages auf ein Asylantenwohnheim und anonymen Morddrohungen aus antisemitischen Motiven. Eine Aufkl\u00e4rung gelang in 141 F\u00e4llen (1980: 99). Unter den ermittelten 188 T\u00e4tern befanden sich 65 Minderj\u00e4hrige (1980: 36). Die Staatsanwaltschaften stellten 30 Verfahren ein. In 20 F\u00e4llen wurden de T\u00e4ter verurteilt. Die Verfahren ge'gen die \u00fcbrigen Beschuldigten dauerten Ende 1981 noch an. Ene Gesamtsteuerung der Aktionen durch eine oder mehrere extremistische Gruppen war nicht erkennbar. Bei rund 32 % der Vorf\u00e4lle war ein politischer Tathintergrund nach dem Ergebnis der Ermittlungen auszuschlie\u00dfen oder nach den Tatumst\u00e4nden, die eher auf pers\u00f6nliche Motive hindeuteten, wenig wahrscheinlich. 5 Sonstige rechtsextreme Organisationen 5.1 Deutscher Block (DB) Der 1947 n M\u00fcnchen gegr\u00fcndete DB bekennt sich zur \"F\u00fchrung des Staates durch ene Elte\"\", h\u00e4lt \"Demokratie mit dem F\u00fchrertum f\u00fcr vereinbar\" und identifiziert sich mit der These, da\u00df \"der Nationalsozialismus das deutsche Volk gegen eine Gefahr gesammelt\" habe, die erst jetzt \"von der westlichen Welt n h- rer ganzen erschreckenden Gr\u00f6\u00dfe verstanden' werde. Wie im Vorjahr z\u00e4hlte der DB im Bundesgebiet rund 50Mitglieder, von denen etwa20 in Bayern wohnen. Der Stz des DB befindet sich n Memmingen. \"Reichvorsitzender\" st Richard Etzel, der den DB im \"Freiheitlichen Rat\" (vgl. Nr 3.2) vertritt und auch die unbedeutende Jugendorganisation des DB \"Jugendbund Adler' (JBA) leitet. Seine Mitteilungen ver\u00f6ffentlicht der DB in gelegentlich Rundschreiben sowie in denZeitschriften \"Unsere Arbeit\" und \"Der Adlerf\u00fchrer\", die n geringer Auflage gedruckt werden. Der DB f\u00fchrte kaum noch eigene Aktionen durch, sonderntrat als Mitveranstalter von Versammlungen anderer rechtsextremer Gruppen auf. So beteiligten sich Mitglieder des DB m Oktober an einer Versammlung der DVU n M\u00fcnchen, bei der Rchard Etzel das Schlu\u00dfwort sprach. 5.2 Wiking-Jugend (WJ) Die 1952 gegr\u00fcndete WJist eine straff nach dem F\u00fchrerprinzip geleitete \"volkstreue\" Jugendorganisaton, die sich als \"heranzubildende Elite\" betrachtet. Sie will den \"Reichsgedanken\" f\u00f6rdern und bekennt sich zu einer \"Lebensgemein94","schaft auf v\u00f6lkscher Grundlage\". Die WJ, die das Gesetz der \"Auslese alles Starken und Gesunden\" als \"entscheidende Kraft im Leben\" betrachtet und Rassenmischung als \"seelische Umweltverschmutzung'' bezeichnet, will \"\u00fcber die Grenzen hinweg mit der Ideologie des Nordlandes die Artgemeinschaft des Blutes'' schaffen, die Europa wieder \"stark und wehrhaft bestimmend an die Spitze der Welt stellt''. Ferner k\u00e4mpft sie gegendie \"Umerziehung\" und sucht die NS-Zeit zu rechtfertigen, indem sie den \"Friedensheld' Rudolf Hess als \"Sinnbild gro\u00dfartigen Opferwillens, unbeugsamer Haltung und nie endender Treue\" w\u00fcrdigte. Die in Gaue und Horste gegliederte WJ z\u00e4hlte 1981 im Bundesgebiet rund 350 Mitglieder (1980: 400), davon etwa 70 (1980: 80) in Bayern. Bundesf\u00fchrer ist Wolfgang Nahrath aus Stolberg/Nordrhein-Westfalen, der die WJ auch im \"Freiheitlichen Rat\" (vgl. Nr. 3.2) vertritt. In Bayern bestehen die Gaue \"Bayern\" in Freising und \"Franken' in Stockstadt, Kreis Aschaffenburg, sowie Horste im Raum M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Landshut. Die Nachrichten undMitteilungen des Bundeserscheinen in der von der Bundesf\u00fchrung viertelj\u00e4hrlich herausgegebenen Zeitschrift \"Wikinger'. Wie im Vorjahr f\u00fchrte die WJ f\u00fcr Kinder und Jugendliche Zeltlager und Fahrten durch, an denensich verschiedentlich auch Angeh\u00f6rige anderer rechtsextremer Gruppen aus dem Inund Ausland beteiligten. Daneben besuchten WJMitglieder auch ein Treffen von Rechtsextremisten im Ausland. In Bayern veranstaltete die WJ Sonnwendfeiern sowie mehrere kleine Wochenendzeltlager. Das Amtsgericht Freising verurteilte am 7. April zwei WJ-Funktion\u00e4re zu Geldstrafen von 450,-und 750,-DM. Die Angeklagten hatten im Sommer 1980 im Landkreis Freising eine \u00f6ffentliche Versammlung unter freiem Himmel (Sonnwendfeier) ohne vorherige Anmeldung durchgef\u00fchrt. Einer der Angeklagten und weitere unbekannte WJ-Mitglieder hatten au\u00dferdem gegen das versammlungsrechtliche Uniformverbot versto\u00dfen. 'Am 16. Mai nahm die Polizei vor\u00fcbergehend drei WJ-Angeh\u00f6rige fest, die in der N\u00e4he von Feucht, Kreis N\u00fcrnberger Land, in uniform\u00e4hnlicher Bekleidung und mit Luftgewehren einen Gel\u00e4ndemarsch durchgef\u00fchrt hatten. In den Wohnungen der Festgenommenen wurden Uniformteile, Stahlhelme, NS-Literatur und NS-Gegenst\u00e4nde gefunden sowie Waffen und Munition sichergestellt. Die Polizei leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts eines Versto\u00dfes gegen das Waffenbzw. Kriegswaffenkontroligesetz ein. 5.3 Bund Heimattreuer Jugend e.V. (BHJ) Der 1962 in N\u00fcrnberg gegr\u00fcndete BHJ ist eine in Leitstellen und Einheiten gegliederte Jugendorganisation mit etwa 300 Mitgliedern (1980: 400) im Bundesgebiet, davon rund 40in Bayern. Der Versuch, sich durch eine Ende 1980 beschlossene Satzungs\u00e4nderung von rechtsextremen Bestrebungen zu distanzieren, scheint zu internen Auseinandersetzungen \u00fcber die k\u00fcnftige Zielsetzung gef\u00fchrt zu haben. Der im September 1980 gew\u00e4hlte 1. Bundesf\u00fchrer Uwe J\u00e4schke aus Hattersheim/Hessen legte 95","sein Amt m September 1981 neder Satzungsgem\u00e4\u00df \u00fcbernahm Ulrich-Bernd Wolff von der Sahl aus Lingen/Niedersachsen als 2 Bundesf\u00fchrer die Leitung des BHJ Verbandsorgan st das viertej\u00e4hrlich erscheinende Informationsblatt \"Der Trommler', das gelegentlich f\u00fcr rechtsextreme Veranstaltungen warb. En Anfang 1980 gegr\u00fcndeter Freundeskreis hat die Aufgabe, den BHJ finanziell zu unterstutzen Wie im Vorjahr beteiligte sich der BHJ m Aprl 1981 an den \"Norddeutschen Kulturtagen\" der rechtsextremen \"Deutschen Kulturgemeinschaft\" (DKG) in L\u00fcneburg Im Rahmen des vom f\u00fchrenden 1. Bundesf\u00fchrer Gernot M\u00f6rig gestalteten \"Tags der Jugend\" trat der Bundesvorsitzende der \"Jungen Nationaldemokraten\" (JN) Rainer Vogel als Redner auf Die Leitstelle S\u00fcd veranstaltete n Bayern 1981 einige Wochenendund Ferienlager sowie Sonnwendfeiern und Heimatabende. 5.4 Deutsches Kulturwerk Europ\u00e4ischen Geistes (DKEG) Das DKEG mit Sitz n M\u00fcnchen wurde 1950 zur Pflege nationalstischen Kulturgutes gegr\u00fcndet Durch \u00dcberalterung des Mitgliederbestandes hat seine Bedeutung weiter abgenommen. Als \u00f6rtliche Untergliederungen bestehen in Bayern noch \"Pflegest\u00e4tten\" in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg, die monatliche Vortragsveranstaltungen durchf\u00fchrten Im Oktober 1981 veranstaltete das DKEG in Planegg, Landkreis M\u00fcnchen, die allj\u00e4hrlichen \"Tage deutscher Kultur', die \"den Weg aus dem Erbe der Vergangenheit in eine sinnvolle Zukunft aufzeigen\" sollen. 5.5 Gesellschaft f\u00fcr freie Pul stik (GP) Die GfP wurde 1960in Frankfurt a.M. von ehemaligen SSund NSDAP-Angeh\u00f6rigen gegr\u00fcndet. Sie stellt vor allem ein Podium f\u00fcr rechtsextreme Schriftsteller, Publizisten, Funktion\u00e4re und Dichter des Inund Auslandes dar. Die Vereinigung, die 13 regionale Arbeitskreise unterh\u00e4lt, z\u00e4hlt im Bundesgebiet \u00fcber 400 Mitglieder Der Stz wurde 1981 von Neustadt an der Weinstra\u00dfe nach M\u00fcnchen verlegt. Das Sekretariat befindet sich n Berg am Starnberger See. Dem Vorstand geh\u00f6ren mehrere Rechtsextremisten an Der Vorsitzende Dr. Gert Sudholt ist auch Leiter des \"Druffel-Verlags'' und Inhaber des \"T\u00fcrmer-Verlags\" (vgl. Nr 6) Die GfP verlieh im Mai 1981 be hrer Hauptversammlung in Heidelberg den \"Ulrich-von-Hutten-Preis 1981\" an das DKEG-Mitglied Gerhard Schumann Die F\u00f6rdergabe in H\u00f6he von 10.000 DM erhielt das fr\u00fchere NPD-Vorstandsmitglied Dr. Rolf Kosek. Mitte November 1981 fand in Ansbach ein Kongre\u00df der GfP statt, an dem sich rund 150 Personen beteiligten. Die Referenten, zu denen auch der ehemalige NPD-Vorsitzende Adolf von Thadden z\u00e4hlte, krtisierten de angebliche Einschr\u00e4nkung der Meinungsfreiheit in der Bundesrepublik Deutschland. 9","Publikationsorgan der GfP ist die viertelj\u00e4hrlich erscheinende Informationsschrift \"Das Freie Forum'. Darin wurde die Bundespr\u00fcfstelle f\u00fcr jugendgef\u00e4hrdendeSchriften als \"'antidemokratische Institution' bezeichnet, deren T\u00e4tigkeit sogar noch die Zensur des NS-Staates \u00fcbertreffe. Ferner bezweifelte die Schrift, da\u00df Hitler Judenmorde befohlen oder \"restlos' davon gewu\u00dft habe. 6. Organisationsunabh\u00e4ngige Publizistik Die auf rechtsextreme Literatur spezialisierten Verlage und Buchdienste, deren Zahl in Bayern auf 14 (1980: 16) sank, entwickelten 1981 wiederum eine beachtliche T\u00e4tigkeit. Die Auflage der periodisch herausgegebenen Schriften ging insgesamt leicht zur\u00fcck. Nebendiesen Schriften mit einer monatlichen Auflage von zusammen 430.000 Exemplaren (1980: 440.000*) ohne den \"Deutschen Anzeiger\"\" und Sonderausgaben wurden -- meist durch verlagseigene Vertriebsdienste -- B\u00fccher rechtsextremen Inhalts n hoher Auflage anboten Wirkungsvollstes Propagandainstrument des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland ist weiterhin die Druckschriftenund ZeitungsverlagsGmbH in M\u00fcnchen unter Leitung von Dr. Frey. Im Verlag erscheint neben dem DVU-Organ \"Deutscher Anzeiger\" (vgl. Nr. 3.2) die \"Deutsche National-Zeitung' (DNZ) mit einer Wochenauflage von \u00fcber 80.000 Exemplaren. Zu besonderen Anl\u00e4ssen wird die Auflage erh\u00f6ht. Dem Verlag ist ein Buchdienst angeschlossen. Dr. Frey ist auch Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der FZ-Freiheitlicher Zeitungsverlags-GmbH in M\u00fcnchen, de n der DNZ Medaillen \"gro\u00dfer Deutscher\" anbietet. Kennzeichnend f\u00fcr die Berichterstattung der DNZ war eine sensationell wirkende Schlagzeilentaktik, wobei die in den \u00dcberschriften aufgestellten Behauptungen im Text meist nicht oder nur unzureichend belegt wurden. Der Schwerpunkt der Agitation lag n Entlastungsund Rechtfertigungsversuchen f\u00fcr die NS-Zeit. Als \"Beweis'' f\u00fcr Hitlers \"Absicht, einen Krieg zu vermeiden'', f\u00fchrte die DNZ die Verhandlungsbereitschaft von He\u00df und G\u00f6ring an, die aber auch gezeigt h\u00e4tte, wie sehr damals \"die englische Entschlossenheit, Deutschland zu vernichten\", verkannt wurde. Mit dem Hinweis auf den \"Mord an Millionen Deutschen\" und die \"Greueltaten der Vertreibung\" versuchte die DNZ, von den NS-Verbrechen abzulenken. Die \"Auschwitzer Ermordetenziffer von vier Millionen' entstamme der Sowjetpropaganda und sei auch durch Sachverst\u00e4ndige \"als Vervielfachung der tats\u00e4chlich beklagenswerten hohen Opferziffer l\u00e4ngst widerlegt\". Beitr\u00e4ge der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung zur Aufkl\u00e4rung \u00fcber den Nationalsozialismus wurden als \"Umerziehungsarbeit\", \"Geisterbeschw\u00f6rung' und \"Bonner Beitr\u00e4ge zu Hitlers Unsterblichkeit\" kritisiert. Ferner griff die DNZ in polemischer Weise ethnische Minderheiten an, wobei sie insbesondere auf die \"schier unglaubliche Privilegierung\"' der Juden in der Bundesrepublik Deutschland verwies, die den Deutschen \"kollektives Schuldund *) In der im Jahresbericht 1980 angegebenen Zahl von 520.000 Exemplaren war noch die Auflage des \"Deutschen Anzeigers\" (DA). des offiziellen Presseorgans der DVU, eingerechnet 97","S\u00fchnebewu\u00dftsein\" predigten und sich in einem schon l\u00e4ngst unertr\u00e4glichen 'Ausma\u00df n de Bonner Poltk einmischten Daneben wandte sie sich mit v\u00f6lkischbiologischen Thesen gegen den Zuzug von \"Millionenmassen von wesensfremden Ausl\u00e4ndern\", der die \"ethnische und kulturelle Absorptionsf\u00e4higkeit auch des ges\u00fcndesten Volkes' \u00fcberfordere. Au\u00dferdem versuchte de DNZ, f\u00fchrende Repr\u00e4sentanten der Bundesrepublik Deutschland als erpre\u00dfbare Opportunisten oder Verr\u00e4ter m Dienste Moskaus hinzustellen, die \"das nationalmasochistische Werk der Nestbeschmutzung im 'Akkord betreiben\" Die Deutsche Verlagsgesellschaft mbH (DVG) in Rosenheim unter der Letung des ehemaligen NPD-Bundesvorstandsmitglieds Waldemar Sch\u00fctzgibt die \"Deutsche Wochen-Zeitung\" (DWZ) mit einer unver\u00e4nderten Auflage von w\u00f6chentlich rund 20.000 Exemplaren heraus Dem Verlagist ein Buchdienst angegliedert, der rechtsextreme Literatur vertreibt. Die DWZbezichtigte die Regierungsparteien der \"Korruption\" und \"Vetternwirtschaft\" Se warf den Repr\u00e4sentanten der Bundesrepublik Deutschland \"Sch\u00e4bigkeit' vor und bezeichnete sie als \"Oberbiederm\u00e4nner\", \"Fl\u00e4chenbrandstifter\", \"Ayatollas'' sowie als Personen mit \"Umerziehungsscheuklappen\". Die Bundesrepublik Deutschland wurde als \"Karikatur\" eines Staates und als \"Regmeder Feigheit'' verunglimpft. Ferner stellte die DWZ das \"Unternehmen Barbarossa\" als \"klassischen Pr\u00e4ventivkrieg'' und die Verurteilung der Kriegsverbrecher als \"Rachejustiz der Siegerm\u00e4chte\"' hin In der Ausl\u00e4nderund Asylantenfrage erblickte sie ene Bedrohung \"unserer Substanz\" und des \"Volkscharakters'' In der Nation-Europa-Verlags-GmbH in Coburg erscheint die Monatsschrift \"Nation Europa\" (NE) in einer Auflage von knapp 10.000 Exemplaren. Der Verlag, dem ein Buchdienst angeschlossen ist, wird von dem 1954 gegr\u00fcndeten Verein \"Nation-Europa-Freunde\" finanziell unterst\u00fctzt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Verlags und Vorsitzender des Vereins ist der NPD-Funktion\u00e4r Peter Dehoust Die Monatsschrift will einen \"Beitrag zur Wahrheit und Zurechtr\u00fcckung des Geschichtsbildes\" leisten. So behauptete sie zur Zahl der sechs Millionen j\u00fcdischer KZ-Opfer, da\u00df \"zeitgeschichtliche Legenden\" als \"unantastbare Wahrheiten gegen jeden Revisionsmus abgesichert werden\" sollen \"Einflu\u00dfreiche Kreise der Poltik bis hnen n die historischen Insttute der Bundesrepublik Deutschland' w\u00fcrden \"krampfhaft\" versuchen, \"das Geschichtsbild der Umerzieher aufrechtzuerhalten' und dabei \"die Ergebnisse der Geschichtsforschung der letzten Jahrzehnte'' zu verdr\u00e4ngen. Ein in der Schrift abgedruckter Beitrag enthielt die These, Aufrechnung von Unrecht zur eigenen Entlastung se \"legtim\"\". Es m\u00fc\u00dfte \"umgehend die Notwendigkeit des Aufrechnens von Verbrechen m geschichtlichen Bereich erkannt werden, um uns schuldneurotischen Deutschen endlich zu zeigen, da\u00df ncht nur Auschwitz Symbol des Verbrechens ist\" Der Druffel-Verlag in Berg am Starnberger See, der von dem ehemaligen NPDMitglied und jetzigen Vorsitzenden der \"Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik\" Dr. Gert Sudholt geleitet wird, gab vielfach rechtsextreme Literatur heraus. In Wer98","beprospekten war von der \"N\u00fcrnberger Justiz als Quelle der Geschichtsf\u00e4lschung' de Rede. Ein vom Verlag angebotenes Buch, dessen Verfasser HJF\u00fchrer waren, wurde im Mai 1981 von der Bundespr\u00fcfstelle f\u00fcr jugendgef\u00e4hrdendeSchriften indiziert. Das Amtsgericht M\u00fcnchen ordnete im November 1981 die allgemeine Beschlagnahme des Buches\"Die Reichsparteitage der NSDAP 1923--1939 -- Zeitgeschichte im Bild\" an, da es nach Inhalt und Aufmachung geeignet und bestimmt sei, Bestrebungen der ehemaligen NSDAPfortzusetzen. Der 1977 von Dr. Gert Sudholt \u00fcbernommene T\u00fcrmer-Verlag in Berg am Starnberger See gibt die Monatsschrift \"'Kl\u00fcter Bl\u00e4tter\" in einer Auflage von \u00fcber 3.000 Exemplaren heraus. Die Schrift verteidigte Adolf Eichmann und bezeichnete den Film \"Holocaust'' als \"F\u00e4lscherfilm\", \"Monsterfilm'', \"Horror-Show\" und \"antideutsches Grusical\". Der Ederer-Verlag in M\u00fcnchen gab Brosch\u00fcren heraus, in denen die NS-Verbrechen verharmlost wurden. In der Brosch\u00fcre \"Gesinnungs-Justiz in der CIA -- MOSSAD -- BRD\" hie\u00df es, da\u00df der $ 130 StGBnur ein \"Zionisten-Schutz-Paragraph\" sei. Damit \"Israel ungest\u00f6rt Reparationen kassieren' k\u00f6nne, d\u00fcrfe kein Zweifel an der Existenz von Gaskammern in den deutschen Konzentrationslagern und an der Ermordung von sechs Millionen Juden aufkommen. Das Buch \"Zionnazi Zensur in der BRD' enthielt die Behauptung, da\u00df \"Gaskammern, 6 Millionen ermordete Juden, NS-Prozesse und Holocaust -- Terrorpropaganda\" zur \"Janusstrategie der zion-nazistischen Shylockreparationskassierer'' geh\u00f6rten. Im Denk-mit-Verlag in N\u00fcrnberg erscheint alle zwei Monate die von Klaus Huscher herausgegebene Zeitschrift \"Denk mit!', die f\u00fcr rechtsextreme Literatur warb und das Ausma\u00df der Verbrechen im Dritten Reich verharmloste. Die vom Verlag Hohe Warte -- Franz von Bebenburg KGin P\u00e4hl, Kreis Weilheim, herausgegebene Schrift \"Mensch und Ma\u00df\", die monatlich zweimal in e- ner Auflage von jeweils 1.500 Exemplaren erscheint, zeigte eine geschickt verkleidete und in Grenzen gehaltene antij\u00fcdische Tendenz. Sie warf der \"h\u00f6chstrichterlichen Rechtsprechung\" vor, da\u00df sie zunehmend dazu neige, das \"politische Tabu der Judenvernichtung bedingungslos ohne R\u00fccksicht auf entgegenstehende Grundrechte abzuschirmen'. Die \"Millionenvergasungen\" wurden als \"Phantasieprodukte aus der Ger\u00fcchtek\u00fcche antideutscher Greuelpropaganda' hingestellt. Der Eigenverlag Ludwig Stenuf in Bad W\u00f6rishofen, Kreis Unterallg\u00e4u, vertrieb unter den Bezeichnungen \"Volksbund Deutsches Reich\", \"Reich Europa -- Sektion Deutschland' und \"Arbeitskreis 'Stabiles Geld'' Flugbl\u00e4tter, die den deutschen Bundeskanzler als \"Marionette\" seines Kolonialherrn, die Soldaten der Bundeswehr als \"S\u00f6ldner\" einer \"feindlichen Besatzungsmacht sowie de Mitglieder der Bundesregierung als \"wiedervereinigungsfeindliche Minus-Regenten'' bezeichneten und die Niederwerfung Deutschlandsals die 'gr\u00f6\u00dfte politische Dummheit\" bzw. als das \"gr\u00f6\u00dfte politische Verbrechen des Jahrhunderts'' betrachteten. 9","7. Verbindungen zum ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus Der Einflu\u00df des ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus auf Bayern zeigte sich insbesonderein der Einfuhr und Verbreitung \u00fcberwiegend neonazistischer und antisemitischer Druckschriften und n Kontakten bayerischer Rechtsextremisten zu gleichgesinnten Gruppen undEinzelpersonen im Ausland. Exekutivma\u00dfnahmen gegen Bezieher rechtsextremen Propagandamaterials erbrachten den Nachweis, da\u00df ausl\u00e4ndische Publikationen durch zahlreiche Spenden aus dem Bundesgebiet mitfinanziert werden. 1981 wurden in Bayern 61 (1980. rund 80) verschiedene, meist deutschund englischsprachige Druckschriften, Flugbl\u00e4tter, Rundbriefe und Klebezettel festgestellt, die \u00fcberwiegend aus Gro\u00dfbritannien, \u00d6sterreich und den USA stammten. Wegen der Miltanz ihrer Aussagen sind vor allem de aus den USA, Gro\u00dfbrtannen und Kanada in das Bundesgebiet versandten Schriften zu erw\u00e4hnen. So drohte die neonazistische \"NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation\" (NSDAP-AO)des Gary Rex Lauck aus Lincoln/Nebraska (USA) n ihrem Organ \"NS Kampfruf'' den Scherheitsbeh\u00f6rden wegen der Exekutivma\u00dfnahmen gegen NS-Aktivisten mit Racheakten. Der VSBD/PdA-Aktivist Frank Schubert, der am 24 12.1980 in der Schweiz zwei Beamte erscho\u00df und anschlie\u00dfend Selbstmord beging, wurde als \"erster Blutzeuge der nationalsozialistischen Widerstandsbewegung\" und als \"einsatzbereiter K\u00e4mpfer f\u00fcr die Sache des Natonalsozialismus\" gefeiert Herkunft ausl\u00e4ndischen rechtsextremen Propagandamaterials SonstigeT England S Kanada Say BAYERN USA Frankreich S\u00fcdamerika vo. \u00d6sterreich Schweiz 100","Ausl\u00e4ndische rechtsextreme Publikation Ss NS KAMPFRUF IFT DER NATIONALSOZIALISTISCHEN DEUTSCHEN -- ANBEITERPARTEIAUSLANDS UND. AUFBAUORGANSATION Wir fordern Gerechtigkeit f\u00fcr Adolf Hitler! VOLKISCHER\u00d6BEOBACHTER KAMPF DEN JUDENPARTEIEN KPD SPD CDU ESUFDP NSDAP-AO F Box 6414, Lincoln,NE 68506 USA E SE I nie'SPower THE REVOLUTIONARY maroma sociausm 101","In einem Artikel \"Juden, wir fragen euch: warum wurdet ihr nicht vergast?\"' war ausgef\u00fchrt, der \"nationalsozialstische Freiheitskampf'' m\u00fcsse vollkommen \"unkonventionell' mit einem \"H\u00f6chstma\u00df an Opferwillen und Einsatzbereitschaft\" gef\u00fchrt werden. In einer mit Hakenkreuz-Aufklebern versehenen Flugschrift propagierte de NSDAP-AO unter Hinweis auf die Anschl\u00e4ge italienischer Terroristen den \"totalen Angriff gegen dieses System\", insbesondere terroristische Aktionen gegen Richter und Staatsanw\u00e4lte Der \"\u00dcbergang von der Theorie zur Aktion und Provokation und zum totalen Angriff mit dem Ziel der Wiederkehr des 3. Reiches\" sei durch die staatliche Verfolgung der \"Systemkritiker'' gerechtfertigt Wegen der Verbreitung von Hakenkreuzaufklebern der NSDAP-AO mit Aufschriften wie \"NS-Verbot aufheben\" und \"Kauft nicht bei Juden\" leitete die Polizei mehrere Ermittlungsverfahren ein. DerVertrieb \"White Power Publications\" des George P. Dietz aus Reedy/West Virginia (USA) druckte in seiner Agitationsschrift \"Der Schulungsbrief\" einen Nachruf auf die deutschen Neonazis Kurt Wolfgram und Klaus-Ludwig Uhl ab, die am 20 Oktober in M\u00fcnchen \"von den Polzei-Schergen der zionistischen Besatzungsregierung meuchlings ermordet\" worden seien. Aus Toronto (Kanada) agitierte der Inhaber des Verlags \"Samisdat Publishers\" Ernst C.F. Z\u00fcndel n einem Rundbrief in scharfer Form gegen den \"Polzeistaat\"\" n Bonn und ref zu Gewalttaten auf \"Die Bonzen und ihre zionistischen Manpulateure hnter den Kulissen\" h\u00e4tten mit den Hausdurchsuchungen \"den Bogen \u00fcberspannt' Daf\u00fcr m\u00fc\u00dftensie \"eines sch\u00f6nen Tages auch geradestehen\". Dann werde Recht \"aus dem Lauf eines Gewehres'\"' gesprochen. Anla\u00df dieses Schreibens war eine bundesweite Durchsuchungsaktion am 24 M\u00e4rz, die sich gegen Bezieher und Verbreiter der von Dietz, Lauck und Z\u00fcndel versandten Schriften richtete. Die Akton f\u00fchrte zur Sicherstellung umfangreichen neonazistischen Propagandamaterals. Zu den besonders militanten Schriften z\u00e4hlte auch der m Verlag \"Historical Review Press\" des Alan Hancock n Brighton (Gro\u00dfbritannien) gedruckte \"V\u00f6lkische Beobachter\", der zu Gewaltma\u00dfnahmen gegen den \"westdeutschen Judenstaat\" und zur \"Vernichtung der Demokratie' und der Vertreter \"dieses Verbrecherstaates in Politik, Wirtschaft, Justiz und Polzei\"' aufref. 102","A.Anschnitt Gewalt und Terror 1. Allgemeines Die Zahl politisch motivierter Mord-, Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge nahm 1981 im Bundesgebiet erheblich zu. So bekanntensich die \"Revolution\u00e4ren Zellen' (RZ) zur Ermordung des hessischen Wirtschaftsministers Karry und die \"Rote Armee Fraktion\" (RAF) zu einem Sprengstoffanschlag in Ramstein, bei dem 14 Menschen schwer verletzt wurden und zu einem Attentatsversuch auf den US-General Kroesen. Politische Motive sind auch hinter den Sprengstoff schl\u00e4gen auf \"Radio Free Europe\", auf einen Verlag bei Starnberg, auf zwei goslawische Lokale in M\u00fcnchen und hinter der Ermordung eines Exilkroaten zu vermuten. Die ver\u00fcbten Anschl\u00e4ge zeigen, da\u00df die Bedrohung unserer Sicherheit durch Terrorund Gewaltanschl\u00e4ge unvermindert anh\u00e4lt. Vom Kreis der linksextremen Terroristen und Gewaltt\u00e4ter einschlie\u00dflich desterroristischen Umfelds konnten bundesweit rund 50 Personenfestgenommen werden oder stellten sich den Sicherheitsbeh\u00f6rden. Unter ihnen waren de seit langem gesuchten Terroristen Peter J\u00fcrgen Boock, Michael Baumann und Peter Hans Knoll. In Bayern wurden vier Personen festgenommen. WegenStraftaten im Zusammenhang mit dem linksextremen Terrorismus wurden 43 Personen, davonvier in Bayern, verurteilt. 'Aus dem rechtsextremen Bereich wurden 21 Personen festgenommen, davon 5 in Bayern. Ferner konnte eine gro\u00dfe Menge Waffen, Munition, Sprengstoff und Giftstoffe sichergestellt werden, insbesondere in versteckten Erdlagern in der L\u00fcneburger Heide. 1981 wurden f\u00fcnf Rechtsextremisten wegen terroristischer Aktivit\u00e4ten verurteilt. Am 28. Juni 1982 verurteilte das Oberlandesgericht Stuttgart vier Mitglieder der neonazistisch-terroristischen \"Deutschen Aktionsgruppen' (DA) zu Freiheitsstrafen, davon zwei wegen Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe; der R\u00e4delsf\u00fchrer Manfred Roeder erhielt 13 Jahre Freiheitsstrafe. Die DA waren 1980 f\u00fcr sieben Sprengstoffund Brandanschl\u00e4ge, darunter auf das Sammellager f\u00fcr Ausl\u00e4nder in Zirndorf, verantwortlich, bei denen zwei Menschen get\u00f6tet wurden. 103","2. Terroristische Gruppen 1981 gab es folgendeterroristische Gruppen: -- Rote ArmeeFraktion (RAF) -- Bewegung 2. Juni -- Revolution\u00e4re Zellen (RZ) -- Wehrsportgruppe Ausland des Karl Heinz Hoffmann -- Gruppe um Nikolaus Uhl Davon sind RAF, \"Bewegung 2. Juni\" und RZ dem Bereich des Linksextremismus,die Wehrsportgruppe Ausland im Libanon und die Gruppe um Nikolaus Uhl dem Rechtsextremismus zuzuordnen. In ihren Fernzielen sind sich diese Gruppen einig: Sie wollen mit den Mitteln des bewaffneten Kampfesdie bestehende staatliche Ordnungbeseitigen. Die ideologisch linksextrem orientierten Gruppen sehen im Terrorismuseine Strategie revolution\u00e4rer \u00c4nderung des Systems. Sie gehen von einem revolutionsreifen Zustand aus, den sie durch die Anwendung von Gewalt und den von dieser Gewaltanwendung ausgehenden Schrecken in eine aktuelle revolution\u00e4re Situation verwandeln wollen. Die rechtsextremen Gruppensetzten nicht so sehr auf die Entfachung einer Revolution, sondern wollen durch Gewalttaten direkt die F\u00fchrungergreifen. F\u00fcr die Zeit nach dem bewaffneten Umsturzlassen die terroristischen Gruppen keine klaren Vorstellungen erkennen Sicher erscheint nur, da\u00df die linksextremen Terrorgruppen solche Vorstellungen auf der Grundlage der kommunistischen Ideologie entwickeln w\u00fcrden. 2.1 Rote Armee Fraktion (RAF) Die RAF entstand Ende der 60er Jahre um Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Horst Mahler und Ulrike Meinhof. Sie erhob den F\u00fchrungsanspruch unter den deutschen terroristischen Gruppen. Ihr Ziel, als Avantgarde des revolution\u00e4ren Kampfesdurch terroristische Aktionen der \"Stadtguerilla' im \"antiimperialistischen Kampf\" und \"im strategischen und taktischen Zusammenwirken mit den Befreiungsk\u00e4mpfender unterdr\u00fcckten Nationen\" eine Solidarisierung der Massen und die Entstehung einer revolution\u00e4ren Bewegung zu entfachen, ist in den letzten Jahren etwas in den Hintergrund getreten. Ihre Aktivit\u00e4ten zielten in erster Linie auf die Befreiung inhaftierter Mitglieder. Um dies zu erreichen, entschlo\u00df sich die RAF, gegen wichtige Organe und f\u00fchrende Repr\u00e4sentanten aus denBereichen der Politik, Polizei, Justiz und Wirtschaft Terror und Gewalt bis hin zum Mord anzuwenden. Als Objekte ihres \"antiimperialistischen Kampfes' sieht die RAF vor allem die USA unddie Bundesrepublik Deutschlandals die beiden bedeutendsten Repr\u00e4sentanten des\"Imperialismus''. M\u00f6gliche Anschl\u00e4ge richten sich daher in erster Linie gegen Pers\u00f6nlichkeiten, die f\u00fcr das westliche B\u00fcndnis verantwortlich sind, gegen hohe Offiziere von Bundeswehr und NATO, gegenmilit\u00e4rische Einrichtungen sowie gegen internationale Konzerne und herausragende Vertreter der westlichen Wirtschaft. Daneben sind nach wie vor Pers\u00f6nlichkeiten aus dem Sicherheitsbereich als gef\u00e4hrdet anzusehen 104","F\u00fcr ihre Aktionen st\u00fctzt sich die RAF auf eine straff gef\u00fchrte illegale Organisation. Diesem illegalen Kern stehen Unterst\u00fctzerund Sympathisantenkreise zur Seite, die aus einem legalen Erscheinungsbild herausHilfsfunktionen wahrnehmen. Die RAF, 1980 durch Festnahmen und den Unfalltod zweier Mitglieder geschw\u00e4cht, d\u00fcrfte sch durch den Anschlu\u00df von Mitgliedern des\"internationalistischen Fl\u00fcgels' der \"Bewegung 2. Juni' und die Rekrutierung neuer Kommandomitglieder von vermutlich 15 Personen im Vorjahr auf etwa 20 Personen 1981 verst\u00e4rkt haben. Die RAF war 1981 f\u00fcr zwei schwere Anschl\u00e4ge verantwortlich. Am 31. August wurde ein Sprengstoffanschlag auf das Hauptquartier der US-Luftstreitkr\u00e4fte in Europa in Ramsten in der Pfalz ver\u00fcbt. Bei dem Anschlag wurden 14 Personen schwer verletzt und betr\u00e4chtlicher Sachschaden verursacht. Am 15. September wurde in Heidelberg der Wagen des Oberkommandierenden der US-Streitkr\u00e4fte in Europa General Kroesen beschossen. Die RAF bekannte sich in mehreren Schreiben zu diesen Anschl\u00e4gen. 2.2 Bewegung 2. Juni Die \"Bewegung 2. Juni\" entstand Anfang 1972in Berlin aus Mitgliedern anarchstischer Gruppen. Sie leitete ihren Namen vom Todestag des Studenten Benno Ohnesorgab, der bei einer Demonstration gegen den Schahbesuch 1967in Berlin ums Leben kam Nachdem de \"Bewegung 2. Juni'' we die RAF durch Fahndungserfolge geschw\u00e4cht worden war, erschienen im Juni 1980 in Frankfurt a. M. Flugbl\u00e4tter, in denen sich die \"Bewegung 2. Juni' f\u00fcr aufgel\u00f6st erkl\u00e4rte und mitteilte, sie werde \"in der RAF -- als RAF -- denantiimperialistischen Kampf\" weiterf\u00fchren. Demgegen\u00fcber proklamierten inhaftierte Terroristen den Fortbestand der \"Bewegung2. Juni''. 1981 wurden jedoch keine Aktivit\u00e4ten oder Erkl\u00e4rungen dieser Gruppe mehr regstriert. 2.3 Revolution\u00e4re Zellen (RZ) Die Revolution\u00e4ren Zellen, etwa seit 1973 aktiv, unterscheiden sich in Strategie und Taktik von der RAF. W\u00e4hrend die RAF ihren Kampf nur aus dem Untergrund heraus f\u00fchrt, f\u00fchren die Mitglieder der RZ solange wie m\u00f6glich en b\u00fcrgerliches Leben. Dies und das Operieren in kleinen, voneinander getrennten Zellen erschweren das Erkennen von Mitgliedern der RZ. Zur deologischen Begr\u00fcndung ihrer Anschl\u00e4ge greifen die RZ aktuelle gesellschaftliche und wirtschaftliche Probleme auf. In ihren Bekennerschreiben nach den Aktionen versuchen die RZ, mit ausf\u00fchrlicher ideologischer Begr\u00fcndung Gruppierungen und Einzelpersonen anzusprechen, deren politisches Engagement sich ebenfalls gegen die von den RZ angegriffenen Ziele richtet. Nach einer Selbstdarstellung im \"Revolution\u00e4ren Zorn\" Nr. 6 von 1981 war undist Ziel der RZ \"die Verbreitung des bewaffneten Widerstands' und \"die Unterst\u00fctzung 105","eines Netzes autonomer Gruppen, de als bewaffnete Tendenz innerhalb der Bewegungin ihren St\u00e4dten und Regionen aus sich heraus aktionsf\u00e4hig snd, die dort mit den Methoden der Subversivit\u00e4t Widerspr\u00fcche forcieren und auf den n- ternen Gliederungen des Machtgef\u00fcges intervenieren, die also das Handlungsarsenal der legalen Linken um ihre M\u00f6glichkeiten der Sabotage, der Bestrafung, der Gegenwehr, der Eroberung von Lebensm\u00f6glichkeiten erweitern\". Die RZ sehen und erwarten \"in der neuen Jugendbewegung eine hoffnungsvolle Verquickung von Massenmilitanz und subversiven Aktionsformen\", eine Tendenz, der sie \"nach Kr\u00e4ften Vorschub leisten' wollen. Zur Rechtfertigung ihres \"bewaffneten Kampfes' berufen sich die RZ darauf, da\u00df wegen des \"Systems der weltweiten mperialistischen Machtstruktur'\" der \"antiimperialistische Kampf\" notwendig bleibe In der unregelm\u00e4\u00dfig auftauchenden Publikation \"Revolution\u00e4rer Zorn\", dem \"Sprachrohr der RZ, wurden auch Anleitungen f\u00fcr Anschl\u00e4ge abgedruckt. Im Bundesgebiet waren die RZ 1981 erstmals f\u00fcr einen Mordanschlag verantwortlich, sie bekannten sich zur Ermordung des hessischen Wirtschaftsministers Karry am 11 Mai In einer umfangreichen Erkl\u00e4rung stellten sie diesen Mordals \"Unfall\" dar; sie h\u00e4tten Karry nicht ermorden, sondernihn durch mehrere Sch\u00fcsse n de Beine hindern wollen, \"seine wderlichen und zerst\u00f6rerschen Projekte\" weterzuverfolgen Insgesamt ver\u00fcbten die RZ 1981 m Bundesgebiet rund 20 Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge, s\u00e4mtliche au\u00dferhalb Bayerns. 2.4 Wehrsportgruppe Ausland des Karl Heinz Hoffmann Schon bald nach dem Verbot der Wehrsportgruppe Hoffmann (WSG) am 30 Januar 1980 entfaltete ihr Gr\u00fcnder und Chef Aktivit\u00e4ten im Nahen Osten Er lie\u00df ausgemusterte Milit\u00e4rfahrzeuge von ehemaligen WSG-Anh\u00e4ngern in den Libanon \u00fcberf\u00fchren. Bs Ma/Juni 1981 hielt er sich zusammen mit rund 20 Personen, zum Teil Anh\u00e4ngern der verbotenen Wehrsportgruppe, im Libanon auf. Dort hatte er eine Vereinigung gebildet, die er als \"Wehrsportgruppe Ausland\" bezeichnete In einem Lager der Al Fatah wurden die Gruppenmitglieder m Guerillakampf ausgebildet. Hoffmann's Ziel war, eine Terrorstengruppe zu bilden, um vom Ausland her Aktionen gegen die Bundesrepublik Deutschland durchzuf\u00fchren. Vorgesehen waren Anschl\u00e4ge gegen Rchter, Staatsanw\u00e4lte, ene Raffinerie undEinrichtungen der US-Streitkr\u00e4fte Im Juni/Juli 1981 setzte sich der \u00fcberwiegende Teil dieser Gruppe wegen der schikan\u00f6sen Behandlung im Lager ab und kehrten die Bundesrepublik Deutschland zur\u00fcck. Hoffmann wurde am 16. Jun auf dem Flughafen Frankfurt a.M festgenommen Be einer Durchsuchung des Schlosses in Ermreuth, dem ehemaligen St\u00fctzpunkt der Wehrsportgruppe, wurden Sprengstoff und Falschgeld gefunden. Die gegen Hoffmann und seine Lebensgef\u00e4hrtin wegen des Verdachts der Bildung bzw Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung erlassenen Haftbefehle wurden vom Bundesgerichtshof am 5. Januar 1982 aufgehoben. Dieser begr\u00fcndete seinen Beschlu\u00df damit, da\u00df auf Hoffmanns Truppe, die er nach dem Verbot der WSG im Libanon aufgestellt hatte, der Straftatbestand des $ 129a StGB nicht anwendbar sei, wel im Bundesgebiet keine Teilorgansation dieser 106","\"Wehrsportgruppe Ausland' bestanden habe. Gleichzeitig hob der Bundesgerichtshof den gegen Hoffmann bestehenden Haftbefehl wegen des Verdachts des Anwerbens f\u00fcr einen fremden Wehrdienst auf. Erstellte dazu fest, es gebe keine ausreichenden Anhaltspunkte daf\u00fcr, da\u00df die Mitgliedschaft in der \"Wehrsportgruppe Ausland' zugleich die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer fremdenmilit\u00e4rischen oder mlit\u00e4r\u00e4hnlichen Organisation zur Folge gehabt h\u00e4tte. 2.5 Gruppe um Nikolaus Uhl Der Rechtsextremist Klaus-Ludwig Uhl aus Weyher in Rheinland-Pfalz, der Aktivit\u00e4ten im Zusammenhang mit der neonazistischen NSDAP-AO entfaltet hatte, hatte sich vermutlich 1979 nach Paris abgesetzt, um sich der Strafverfolgung wegen Volksverhetzung und Verbreitens neonazistischen Propagandamaterials zu entziehen. In der Folgezeit bildete er dort eine Art Anlaufstelle f\u00fcr in der Bundesrepublik Deutschland mit Haftbefehl gesuchte rechtsextreme Straft\u00e4ter. Er hatte Kontakt zu Aktivisten der VSBD/PdA und der JF sowie anderer neonazistischer Gruppen im Bundesgebiet und im Ausland. Am 23. September 1981 \u00fcberfiel Uhl gemeinsam mit den VSBD/PdA-Sympathisanten Kurt Wolfgram, der sich gleichfalls nach Paris abgesetzt hatte, und zwei weiteren Rechtsextremisten eine Bankin Rennerod (Westerwald). Bei dem \u00dcberfall erbeuteten sie 72.000 DM. 'Am 20. Oktober 1981 trafen sich Uhl, Wolfgram, der Rechtsextremist Peter Fabel aus Bremen und der Franzose Pascal Coletta aus Paris, sowie der JF-Anh\u00e4nger Peter Hamberger aus M\u00fcnchenin der Wohnung des VSBD/PdA.Vorsitzenden Friedhelm Bussein Neubiberg, Landkreis M\u00fcnchen. Sie hatten vor, erneut die Bank in Rennerod zu\u00fcberfallen. Kurz nach der Abfahrt der f\u00fcnf Rechtsextremisten von Busses Wohnung stoppte se die Polizei. Als einer der Extremisten bei der Festnahme eine Handgranate z\u00fcndete, scho\u00df die Polizei. Dabei wurden Uhl und Wolfgram get\u00f6tet und Fabel schwer verletzt Die Polizei stellte sieben Handgranaten, drei Maschinenpistolen, zwei Gewehre, einen Revolver, Rauchs\u00e4tze, Tr\u00e4nengasspray und Munition sicher. Unmittelbar danach wurden bei einer Durchsuchung der Wohnung Busseself Stangen Sprengstoff und eine gr\u00f6Bere Menge Munition sichergestellt. Der Generalbundesanwalt leitete ein Verfahren wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung ein. Gegen Busse, Coletta, Fabel und Hamberger erging Haftbefehl 3. Politisch motivierte Gewaltaktionen in Bayern Wenn auch Bayern 1981 von schwersten terroristischen Anschl\u00e4gen verschont geblieben ist, so ereigneten sich dennoch eine Vielzahl politisch motivierter Gewaltanschl\u00e4ge. Im Vergleich zu 1980 nahm ihre Zahl wesentlich zu. Am 21. Februar ver\u00fcbten unbekannte T\u00e4ter auf das Geb\u00e4ude des Senders \"Radio Free Europe\" in M\u00fcnchen einen Sprengstoffanschlag. Dabei wurden acht Personen zum Teil schwer verletzt. Es entstand Sachschaden in Millionenh\u00f6he. 107","In mehreren \"Bekennerschreiben', deren Glaubw\u00fcrdigkeit allerdings zweifelhaft ist, \u00fcbernahm ein \"Kommando der kroatischen Revolution\u00e4re in Europa\" die Verantwortung. Eine unbekannte Gruppe \"Bewegung 5. M\u00e4rz 81\"' bekannte sich zu vier Brandanschl\u00e4gen mit Molotowcocktails, die im M\u00e4rz in N\u00fcrnberg gegen gemeinn\u00fct: ge Wohnungsbaugesellschaften und gegenein Bankinstitut ver\u00fcbt wurden. Sie forderte die Freilassung der am 5. M\u00e4rz in N\u00fcrnberg wegen des Verdachts des schweren Landfriedensbruches Festgenommenen sowie die Erf\u00fcllung der Forderung der inhafterten \"\"Genossen' aus der \"Bewegung 2. Juni' und \"Roten ArmeeFraktion\" (RAF) und erkl\u00e4rte: \"Der Kampf geht weiter, dies wird ein hei\u00dfer Sommer\" und \"Staat und Polizei, das sind die echten Terroristen\". Am 9. August wurde auf ein Verlagsgeb\u00e4ude in Starnberg ein Sprengstoffanschlag ver\u00fcbt, der erheblichen Sachschaden anrichtete. Eine \"Kroatische Revolution\u00e4re Zelle -- Abteilung Bruno Busic'' bekannte sich tags darauf telefonisch zu dem Anschlag und drohte mit einem weiteren Attentat, falls die Tito-Memoiren, die der Verlag herausgegeben wollte, erscheinen sollten. Dasselbe Bekenntnis enthielt en Schreiben in kroatischer Sprache, das wenig sp\u00e4ter bei der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart einging und mit \"Kroatische Revolution\u00e4re der Befreiungsk\u00e4mpfer\" unterzeichnet war. In dem Schreiben wurde au\u00dferdem ein Anschlag auf den Bundesminister des Innern angedroht, falls im Bundesgebiet ein jugoslawischer Emigrant get\u00f6tet werdensollte. Die Polizei nahm am 12. August in Stuttgart einen in Jugoslawien geborenen Staatenlosen fest, der bei seiner Vernehmung angab, zu dem Bekenneranruf und dem Drohbrief von einem Unbekannten aus Paris erpre\u00dft worden zu sein. Die Ermittlungen dauernan. 'Am 24. August hatten n M\u00fcnchen unbekannte T\u00e4ter einen Brandsatz in die R\u00e4ume einer Bank geworfen. Die Bewegung \"Freizeit '81\" (vgl. 2. Abschnitt Nr. 3.10.6) bekannte sich zu dem Brandanschlag underkl\u00e4rte \"allen konsumgerichteten Einrichtungen und \u00fcberhaupt jeder Institution den Krieg\". Die Gruppe bekannte sich auch zu dem Brandanschlag am 24. September auf das Geb\u00e4ude der Gewerkschaft der Polizei in M\u00fcnchen Am 18. September schleuderten unbekannte T\u00e4ter einen Pflasterstein in die Schaufensterscheibe eines Gesch\u00e4fts in M\u00fcnchen. Durch die zerst\u00f6rte Scheibe warfen sie einen Molotowcocktail, der den Fu\u00dfbodenbelag des Ausstellungsraumesin Brand setzte. Die T\u00e4ter hinterlie\u00dfen einen Zettel mit der Aufschrift \"Der neueTrend, es brennt -- Herbstoffensive 81 -- Gef\u00fchl und H\u00e4rte, die Unzufriedenen\". Ende September wurden in M\u00fcnchensieben Anschl\u00e4ge auf Banken undein Anschlag auf die Stadtb\u00fccherei festgestellt. Die unbekannten T\u00e4ter warfen Schaufensterscheiben ein und z\u00fcndeten in zwei F\u00e4llen Brands\u00e4tze in den Innenr\u00e4umen 'Am Morgen des 9. Oktober wurde in M\u00fcnchen der Exilkroate Ante Kostic beim Verlassen seiner Wohnung von einem Unbekannten erschossen. Der Ermordete hatte sich in der kroatischen Emigration politisch bet\u00e4tigt. 108","Sprengstoffanschlag auf RFE Sprengstoffanschlag auf einen Verlag bei Starnberg 'Am 20. 10. 1981 sichergestellte Waffen 109","In M\u00fcnchen wurden am 11. Oktober auf zwei jugoslawische Restaurants Sprengstoffanschl\u00e4ge ver\u00fcbt. Es entstand erheblicher Sachschaden. Zwei Personen wurden leicht verletzt Obwohl konkrete Hinweise f\u00fcr ein Motiv fehlen, ist ein politischer Tathintergrund nicht auszuschlie\u00dfen (vgl. 7. Abschnitt Nr 8.3) In der Nacht vom 5./6. November ver\u00fcbten Unbekannte einen Sprengstoffanschlag auf en Ingenieurb\u00fcro in Erlangen, der einen Sachschaden von rund 5.000 DMverursachte. In mehreren Telefonanrufen und Schreiben bekannte sich ene \"Organisation zur Verhinderung der Verbreitung von Kernwaffen in S\u00fcdasen' zu dem Anschlag. Die gleiche Organsaton hatte sich auch zu einem Sprengstoffanschlag am 18. Mai auf eine Firmenhalle n Markdorf, Bodenseekreis, bekannt, bei dem ein Sachschaden von 120.000 DM entstand. 4. Terroristisches Umfeld Eine besondereRolle m terroristischen Umfeld kommt dem sog. \"legalen RAFBereich' in verschiedenen St\u00e4dten des Bundesgebiets einschlie\u00dflich Berln (West) zu. Die darin erfa\u00dften Personen setzen den Kampf der RAF auf \"legaler Ebene\" fort, indem sie die politischen Vorstellungen der RAF in propagandistschen Kampagnen undAktionen verbreiten. Einzelne Mitglieder aus diesem Bereich sind in den letzten Jahren untergetaucht und zum harten terroristischen Kern gesto\u00dfen Aus dem Bereich desterroristischen Umfelds kamen mehrere anonyme Bombendrohungen Im Zusammenhang mt dem bundesweiten Hungerstreik inhaftierter Terroristen im Fr\u00fchjahr 1981, an dem sich auch drei in Bayern einsitzende Terroristen beteiligten, und dem Ableben des terrorstischen Gewaltt\u00e4ters Sigurd Debus am16. Aprl wurden n zahlreichen St\u00e4dten Bayerns Schmierschriften wie \"Zusammenlegung der Gefangenen aus dem imperialistischen Widerstand\", \"ES lebe die RAF\", \"Rache f\u00fcr Debus\", \"S. Debus ermordet m BRD-KZ' und \"Der Kampf geht weiter\" festgestellt Weitere Schmierschriften, die \u00fcber das ganze Jahr verteilt n vielen St\u00e4dten angebracht worden waren, lauteten z.B. \"Lieber rot als tot -- RAF\", \"Tod dem Kapitalsmus, es st soweit -- RAF\", \"Freizeit 81 -- RAF\", \"Anarchie st Leben\", \"Der Staat stirbt nur durch de Tat', \"Feuer und Flammen f\u00fcr desen Staat\", \"Es lebe die Revolution' Das Bayerische Oberste Landesgericht verurteilte am 5. Jun eine Person aus dem terroristischen Umfeld wegen Werbensf\u00fcr ene terrorstische Vereinigung zu einer Freiheitsstrafe von enem Jahr ohne Bew\u00e4hrung. Zwe Mitangeklagte wurden zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bzw zueiner Geldstrafe von 1.200 DM verurteilt. Die Verurteilten hatten am 6 M\u00e4rz in N\u00fcrnberg u.a. die Symbole der RAF undde Parole \"Krieg den Pal\u00e4sten' an einen U-Bahn-Wagen gespr\u00fcht. Ebenfalls wegen Werbens f\u00fcr eineterrorstische Vereinigung wurde am 25 Juni ein Mann zu einer Geldstrafe von 3.000 DM verurteilt, er hatte w\u00e4hrend einer Demonstration am 20. M\u00e4rz in N\u00fcrnberg RAF-Parolen an ene Hauswand gespr\u00fcht. 110","Extremismus im Bildungsbereich 1. Allgemeines Der Bildungsbereich war 1981 wiederum ein bevorzugtes Aktionsfeld extremistischer Gruppen, die vor allem die an den Hochschulen speziell vorhandenen M\u00f6glichkeiten f\u00fcr verfassungsfeindliche Aktivit\u00e4ten nutzten. Sie fanden in der Studentenschaft eine breitere Resonanz als in der \u00fcbrigen Bev\u00f6lkerung. Dar\u00fcber hinaus besa\u00dfen diese Gruppen in den Gremien der Hochschulen unver\u00e4ndert einen gr\u00f6\u00dferenEinflu\u00df als das ihrer zahlenm\u00e4\u00dfigen St\u00e4rke entsprach Insgesamt hat sich die Situation im Hochschulbereich gegen\u00fcber dem Vorjahr kaum ver\u00e4ndert. Die orthodox-kommunistischen Gruppierungen und die Marxistischen Gruppen konnten ihren Einflu\u00df behaupten. Die Schw\u00e4che der studentischen Gruppierungen der dogmatischen Neuen Linken hielt unver\u00e4ndert an. Weiterhin bedeutungslos blieb der rechtsextreme Nationaldemokratische Hochschulbund Auch die offiziellen Gremienwahlen brachten keine wesentlichen Kr\u00e4fteverschiebungen. Weiter zugenommen hat dagegen bei fast konstantem Mitgliederpotential die Mobilisierbarkeit der Anh\u00e4ngerschaft linksextremer Gruppen. Besonders deutlich wurde dies bei Aktionen im Zusammenhang mit der sogenannten Friedensbewegung und der Antifaschismuskampagne der orthodoxen Kommunisten. Hauptthemen f\u00fcr die Propaganda und Aktionen der linksextremen Hochschulgruppen bildeten der Kampf gegen das \"studentenfeindliche bayerische Hochschulgesetz'\", die \"Rotstiftund Hochr\u00fcstungspolitik'' der Bundesregierung und die Forderung nach Wiedereinf\u00fchrung der \"Verfa\u00dften Studentenschaft' mit politischem Mandat. Ferner agitieren sie gegen den \"Abbau demokratischer RechBerufsverbote'' und \"repressive'' Studienbedingungen, f\u00fcr h\u00f6here BAF\u00f6GS\u00e4tze, Studentenwohnungen und bessere Berufsaussichten. Mit R\u00fcckmeldeboykotten, Streikaktionen und Gro\u00dfdemonstrationen versuchten sie ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Verschiedentlich kam es zu St\u00f6rungen von Vorlesungen sowie zu St\u00f6rversuchen bei Veranstaltungen demokratischer Organisationen 111","2. Extremistische Studentengruppen Die meisten extremistischen Studentengruppen ordnen sich Kernorganisationen unter; nur einzelne Gruppen geh\u00f6renkeiner solchen Organisation an Von den im bayerischen Hochschulbereich auftretenden extremistischen Studentengruppen sind erw\u00e4hnenswert: Orthodoxe Kommunisten DKP: DKP-Hochschulgruppen (DKP-HG) Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) -- siehe auch 2. Abschnitt Nr 2.3.2 -- Neue Linke KBW: Kommunistische Hochschulgruppen (KHG) BWK: Kommunistische Hochschulzellen KB: KB-Studentengruppen KABD: Kommunistische Studentengruppen (KSG) AB: Kommunistischer Hochschulbund (KHB) KPD: Kommunistische Studenten (KS) -- Neugr\u00fcndung -- GIM' GIM-Hochschulgruppen Rechtsextreme Gruppe NPD: Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) -- siehe 3. Abschnitt Nr. 2.4 -- Sonstige Gruppen (keiner extremistischen Organisation untergeordnet) Sozalistischer Hochschulbund (SHB) -- St\u00e4ndiger B\u00fcndnispartner des MSB Spartakus -- Marxistische Gruppen (MG) Undogmatische Gruppen der Neuen Linken 3. Orthodox-kommunistische Hochschulgruppen Die orthodox-kommunistischen Hochschulgruppen sind die DKP-Hochschulgruppen und der Marxistische Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) 3.1 DKP-Hochschulgruppen (DKP-HG) Die DKP-Hochschulgruppen sind Grundeinheiten der DKP, denen alle an einer Hochschule t\u00e4tigen DKP-Mitglieder (Lehrpersonal, Mitarbeiter der Verwaltung und Studenten) angeh\u00f6ren. Sie sollen im Bildungsbereich die Voraussetzungen f\u00fcr einen etappenweisen \u00dcbergang vonder parlamentarischen Demokratie zum Sozialismus kommunistischer Pr\u00e4gung schaffen. Grundlageihres ideologischen Kampfprogrammes, das sie \"demokratische Alternative' bezeichnen, sind die revolution\u00e4ren Theorien von Marx, Engels undLLenin. Die DKP-Hochschulgruppen 112","\u00dcbersicht \u00fcber extremistische Studentengruppenin Bayern Schweinfurt . Y ; Bam berg Bayreuth... . W\u00fcrzburg: OAmA ooam Erlangene*N\u00fcrnberg O@OaAm O@OAM . j Regerisburg Landshut ' Augsbur: ss, Freisinge M\u00fcnchen O@OAAmX Rosenheim Kempten deg f @ Hochschulorte (c) DKP-HG (c) MSB-Spartakus (c)SHB 4 dogmatische NeueLinke A undogmatische NeueLinke m Marxistische Gruppen x NHB 'Abk\u00fcrzungen vgl Abk\u00fcrzungsverzeichnis 113","steuerten auch 1981 de Aktionen des MSB Spartakus, der de Ziele unter den Studenten durchsetzen soll DKP-Hochschulgruppen bestehen in Bamberg, Erlangen-N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen, Regensburg und W\u00fcrzburg. Die Zahl ihrer Mitglieder lag auch 1981 unver\u00e4ndert be 50 En Tel der Mitglieder geh\u00f6rt gleichzeitig dem MSB Spartakus an Organ der DKP-Hochschulgruppen ist die Zeitung \"Kommunist'\". Unter diesem Titel erschienen auch ihre Flugschriften Dar\u00fcber hnaus wurden n unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden \u00f6rtliche Publikationen mit \u00e4hnlichen Titeln verbreitet. Die DKP-Hochschulgruppen agitierten vorrangig gegen das \"studentenfeindliche bayerische Hochschulgesetz\", das die Organe der \"Verfa\u00dften Studentenschaften\" von jeglicher Mitverantwortung ausgeschlossen habe. Daneben wurden Themen we \"Frieden und Abr\u00fcstung\", \"Faschisierung\" und \"Berufsverbote' sowie die Entwicklung n El Salvador und Nicaragua behandelt Weitere Diskussionsthemen waren de offiziellen Gremienwahlen, wobei die DKP-Hochschulgruppen an den bayerischen Hochschulen nicht mit eigenen Listen kanddierten, sondern die Bewerber des MSB Spartakus auf den Listen \"AStA und Fachschaften ..\" (LAF) unterst\u00fctzten. Die DKP-HG Erlangen-N\u00fcrnberg und der MSB Spartakus verbreiteten Anfang M\u00e4rz im Hochschulbereich en Flugblatt, n dem se gegen die polizeiliche R\u00e4umungeines besetzten Hauses n N\u00fcrnberg protestierten, 3.2 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) Als Nebenorganisation der DKP -- vgl. 2. Abschnitt Nr. 2.3.2 -- obliegt dem MSBSpartakus de Aufgabe, kommunistische Vorstellungen n den Hochschulbereich einzubringen und de Studenten hierf\u00fcr zu mobilisieren. W\u00e4hrend de DKP-Hochschulgruppen die Politik der DKP an den Hochschulen offen vertreten, \u00fcbt der MSB Spartakus aus taktischen Erw\u00e4gungen vielfach eine gr\u00f6\u00dfere Zur\u00fcckhaltung, um sich anderen Studentengruppen als \"B\u00fcndnispartner'' zur Bldungeiner \"Volksfront'' anbieten zu k\u00f6nnen B\u00fcndnispartner des MSB Spartakus waren 1981 vor allem der SHB und Unorganiserte. Aus aktuellem Anla\u00dfbldete er aber auch mit Gruppen der dogmatischen und undogmatischen Neuen Linken m Hochschulbereich sogenannte \"Aktionseinheiten\", an denen sch mitunter auch demokratische Studentenorgansationen beteiligten. Im Rahmen seiner Aufgabenerf\u00fcllung verfolgt der MSB Spartakus eine Politik der \"gewerkschaftlichen Orientierung\" Er versucht hierbei, seine hochschulpolitischen Forderungen mt gewerkschaftlichen Kampfmtteln we \"Urabstimmung\" und \"Streiks\" durchzusetzen Er fordert ferner -- ebenso wie die DKP -- seine Mitglieder auf, in die Gewerkschaften einzutreten unddort f\u00fcr seine Ziele zu arbeiten. Gruppen des MSB Spartakus bestehen an den Hochschulorten Bamberg, Erlangen-N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen, Regensburg und W\u00fcrzburg Se entfalteten 1981 wiederum rege Aktivit\u00e4ten. Sie inszenierten wiederholt Aktionen f\u00fcr die \"materielle Besserstellung der Studenten\", f\u00fcr eine \"demokratische\" Studienreform unter Abschaffung von Regelstudienzeit und Zwangsexmatrikulation, f\u00fcr die Wieder114","einf\u00fchrung der \"Verfa\u00dften Studentenschaft'' mt politischem Mandat und Finanzhoheit in Bayern sowie gegendie staatlichen Ma\u00dfnahmen zur Fernhaltung von Extremisten aus dem \u00f6ffentlichen Dienst. Anh\u00e4nger des MSB Spartakus unterst\u00fctzten Aktionen der Hausbesetzer, sammelten Unterschriften f\u00fcr den \"Krefelder Appell' und nahmenan lokalen \"Friedensdemonstrationen\" teil, die von \"Aktionsb\u00fcndnissen\" veranstaltet wurden. Zum Engagement der MSB-Anh\u00e4nger in der \"Friedensbewegung' erkl\u00e4rte der MSB-Bundesvorsitzende Uwe Knickrehm am 3./4. Oktober in Bremen, da\u00df die Hochschulen \"Zentren des Friedenskampfes\"' werden m\u00fc\u00dften. Der MSB Spartakus beteiligte sich ferner aktiv an der Vorbereitung und Durchf\u00fchrung bundesweiter Streikaktionen gegen die \"Rotstiftpolitik\"\" im Bildungsbereich und organisierte mit anderen lnksextremen Gruppen wiederum sogenannte \"AStA-Wahlen\", mit denendie offiziellen Gremienwahlen an den Hochschulen unterlaufen werden sollen. Aus Anla\u00df seines 10j\u00e4hrigen Bestehens fand am 18. Mai in der Universit\u00e4t M\u00fcnchen eine Festveranstaltung des MSB Spartakus statt. Vor rund 350 Zuh\u00f6rern schilderten die Redner die Entwicklung der studentischen Organisation in den vergangenen Jahren. Nebenkulturellen Darbietungen wurdeauch ein Film \u00fcber enen Polizeieinsatz an der Universit\u00e4t M\u00fcnchen aus dem Jahre 1976 gezeigt. Die DKP-Einrichtung \"Institut f\u00fcr Marxistische Studien und Forschungen e.V.\" (IMSF)in Frankfurt a.M. -- vgl. 2. Abschnitt Nr. 2.2.6 -- veranstaltete in mehreren St\u00e4dten des Bundesgebietes eine Vortragsreihe mit einem Mitglied der Akademie der Wissenschaften der DDR. Aus diesem Anla\u00df fand in Zusammenarbeit mit dem MSB Spartakus am 23. Januar in der Universit\u00e4t M\u00fcncheneine Veranstaltung statt, die etwa 170 Personen besuchten. Das Thema lautete : \"Aktuelle theoretische und praktische Probleme der \u00d6konomie des Sozialismus 4. Sozialistischer Hochschulbund (SHB) Der SHB k\u00e4mpft -- wie die DKP -- auf der Grundlage des \"wissenschaftlichen Sozialismus\" f\u00fcr die Umgestaltung der Bundesrepublik Deutschland. Er strebt die Errichtung einer \"antimonopolistischen Demokratie\" als \"\u00d6ffnung des Weges zum Sozialismus' an. In der Praxis betreibt die SHB -- wie der MSB Spartakus -- eine Politik der \"gewerkschaftlichen Orientierung\", wobei er f\u00fcr ein langfristiges, strategisches B\u00fcndnis mit den orthodoxen Kommunisten eintritt Der SHB erwies sich 1981 wiederum als zuverl\u00e4ssiger B\u00fcndnispartner des MSB Spartakus. Bei der Bundesdelegiertenversammlung am 24./25. Oktober in Bonn vertraten rund 500 Delegierte aus 80 \u00f6rtlichen Gruppen die rund 2000 Mitglieder des Verbandes. Unter den G\u00e4sten befanden sich Vertreter zahlreicher kommunistischer und kommunistisch beeinflu\u00dfter Organisationen des Inund Auslandes. Im Rechenschaftsbericht bekr\u00e4ftigte der wiedergew\u00e4hlte SHB-Bundesvorsitzende Wolfgang Zellner aus Regensburg als Ziel des SHB die \"grundlegende Umgestaltung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse\" in der Bundesrepublik Deutschland und sprach von einer \"Kampfansage' an das \"System'. Er hob die Zusammenarbeit von MSBSpartakus und SHB mit demokratischen Organisationen in den linksextrem beeinflu\u00dften \"Vereinigten Deutschen 115","Publikationen extremistischer Organisationen im Bildungsbereich Tone 1.4177 Im Germany Pe 03 in: 21. Jahrgang, Nr 3 Sun Ri eat! Organ der Kommunistischen Studentengruppen-KSG Ar] Hochschulzeitung Herausgegeben vom Bund Westdeutscher Kommunisten (BWR) 116","Studentenschaften e.V.\" (VDS) als beispielhaft f\u00fcr alle anderen gesellschaftlichen Bereiche hervor und bezeichnete die \"Aktionseinheit von MSB Spartakus und SHB\" als die \"am weitesten entwickelte Zusammenarbeit von Sozialdemokraten und Kommunisten in der BRD''. Der SHB werde auch k\u00fcnftig in der \"antifaschistischen Bewegung\" mitarbeiten, die Initiative \"Weg mit den Berufsverboten' unterst\u00fctzen, die Unterschriftensammlung f\u00fcr den \"Krefelder Appell\" verst\u00e4rkt fortf\u00fchren und sich f\u00fcr die Gr\u00fcndung von \"Friedensinitiativen und \"Friedensforen\" an den Hochschulen einsetzen. Die Versammlung verabschiedete u.a. ein \"Friedensmanifest'', einen Antrag f\u00fcr einen bundesweiten \"Streik gegen Rotstift und Raketen' sowie eine \"Resolution gegen Berufsverbote und Abbau demokratischer Rechte\". Dem SHB-Landesverband Bayern geh\u00f6rten 1981 unver\u00e4ndert etwa 60 Mitglieder an, de sich auf Orts-, FachundInitiativgruppen sowie Arbeitskreise in Bamberg, Erlangen-N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen und Regensburgverteilten. Danebenst\u00fctzte er sich auf eine gr\u00f6\u00dfere Anh\u00e4ngerschaft. Als Publikationsorgane setzte der SHB das \"sozialistische Studentenmagazin\" \"frontal'' und die Zeitschrift \"offensiv\"\" ein. Die SHB-Ortsgruppe M\u00fcnchen veranstaltete am 22. Mai in M\u00fcnchenein \"Friedensfest'', an dem etwa 90 Personen teilnahmen. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion wurde das Thema \"SPD -- gestern Friedenspartei -- heute R\u00fcstungspartei?' behandelt. Als Diskussionsredner traten u.a. ein SHB-Bundesvorstandsmitglied und ein DKP-Funktion\u00e4r auf. 5. Studentengruppen der Neuen Linken Die Studentengruppen der Neuen Linken, die wegen ihrer unrealistischen Forderungen nur schwer B\u00fcndhispartner fanden, verloren 1981 an den Hochschulen in Bayern weiter an Einflu\u00df. Lediglich der KHB konnte seine Stellung behaupten Die im Mai von der KPD neu gegr\u00fcndeten \"Kommunistischen Studenten\" (KS) entwickelten in Bayern noch keine Aktivit\u00e4ten. Die Gruppen der NeuenLinken lehnten die von den orthodox-kommunistischen Gruppierungen praktizierte Strategie der \"gewerkschaftlichen Orientierung' ab und verfolgten mit ihren Aktionen f\u00fcr hochschulpolitische Forderungen eine betont \"revolution\u00e4re Linie' Sie agitierten 1981 vorrangig gegen die \"b\u00fcrgerliche Wissenschaft\", den \"Abbau demokratischer Rechte\" und die \"faschistische Gesinnung\" an den Hochschulen, protestierten gegen unzureichende Studienbedingungen und forderten die R\u00fccknahme des \"ausl\u00e4nderfeindlichen\"' Beschlusses der Konferenz der Kultusminister der L\u00e4nder vom 6. M\u00e4rz \u00fcber Ma\u00dfnahmen zur Verbesserung der Auswahl von ausl\u00e4ndischen Studienbewerbern an Studienkollegien. Dar\u00fcber hinaus unterst\u00fctzten Anh\u00e4nger dieser Studentengruppen die landesweite \"'Streikund Aktionswoche'' vom 7. bis 14. Dezember und beteiligten sich vereinzelt an St\u00f6raktionen. Die \u00fcberwiegend kleinen Gruppen der Neuen Linken st\u00fctzten sich 1981 in Bayern auf eine Mitgliederzahl von etwa 150 Personen Bei einzelnen Aktionen konnten sie jedoch eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl von Sympathisanten mobilisieren. Studenti117","sche Gruppen der Neuen Linken bestanden in Bamberg, Bayreuth, ErlangenN\u00fcrnberg, M\u00fcnchen, Passau, Regensburg und W\u00fcrzburg. Neben den Studentengruppen der dogmatischen Neuen Linkentraten auch Anh\u00e4nger undogmatischer Gruppen der Neuen Linken auf. Hierbei handelt es sich meist um kleinere Zusammenschl\u00fcsse auf \u00f6rtlicher Ebene ohne einheitliches Konzept. Der Bogen ihrer politischen Positionen spannt sich von \"sozialrevolution\u00e4ren'' Vorstellungen bis hin zum undogmatischen \"wissenschaftlichen Sozialismus''. Eine Gemeinsamkeit untereinander bestand nur in der Ablehnung der marxistisch-leninistischen Modelle. Aktivit\u00e4ten dieser Gruppen waren 1981 an den Universit\u00e4ten Bamberg (Basisgruppen), Erlangen-N\u00fcrnberg (Basisgruppen, ehemalige Fachschaftsinitiativen) und M\u00fcnchen (Basisdemokraten undeinige Fachschaftsinitiativen) zu verzeichnen. Die Ergebnisse der offiziellen Gremienwahlen zeigten, da\u00df der Einflu\u00df undogmatischer Gruppen im Bereich der bayerischen Hochschulen erneut zugenommen hat. 6. Marxistische Gruppen (MG) Die Marxistischen Gruppen entwickelten sich aus den Endeder 60er Jahre entstandenen \"Roten Zellen\". Sie sind m Bundesgebiet an rund 40 Hochschulen vertreten. In Bayern bestehen Gruppen in Bamberg, Erlangen-N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen, Regensburg und W\u00fcrzburg Die Zahl ihrer Mitglieder lag zum Jahresende 1981 unver\u00e4ndert bei 300. Sie konnten sich ferner auf einen Sympathisantenkreis von rund 4.500 Personen (1980: 3000) st\u00fctzen. Die bedeutendste Gruppeist nach we vor die MG M\u00fcnchen, die faktisch eine F\u00fchrungsfunktion aus\u00fcbt Kommunikationsund Bildungszentren sind der \"Laden'' des \"Vereins zur F\u00f6rderung des studentischen Pressewesens e.V.\", die \"MHB-Gesellschaft f\u00fcr Druck und Vertrieb wissenschaftlicher Literatur mbH\" und der \"Resultate-Verlag' in M\u00fcnchen sowie die \"MG-L\u00e4den' in Erlangen, N\u00fcrnberg und W\u00fcrzburg. Die MGf\u00fchren die revolution\u00e4re, marxstisch-kommunistisch orientierte Politik der Roten Zellen fort. Sie wollen dazu beitragen, da\u00df die kapitalistische Gesellschaft \u00fcberwunden und aufgehoben wird. Nachihrer Ideologie ist eine grundlegende \u00c4nderungdes Gesellschaftssystems nur durch eine totale Zerschlagung des Kapitalismus herbeizuf\u00fchren. Die Durchsetzung dieses Zieles erfordere zun\u00e4chst als Schwerpunkt die Schulung vonIntellektuellen im sogenannten \"Wissenschaftlichen Sozialismus', damit diese dem Proletariat, das f\u00fcr seinen revoIution\u00e4ren Auftrag noch nicht reif se, die entwickelte revolution\u00e4re Theorie vermitteln k\u00f6nnen. Gliederung undleitende Gremien der MG werden nach wie vor weitgehend geheim gehalten. Ein straffer F\u00fchrungsstil der zentralen Leitung und die stete Bew\u00e4hrung des einzelnen als Mitglied oder Sympathisant bewirken das Funktionieren dieser Organisation. Die Finanzierung der MGerfolgt durch sehr hoheMitgliedsbeitr\u00e4ge und durch den Verkauf von Publikationen. Die von den MG herausgegebene \"Marxistische Studentenzeitung\" (MSZ) wurde auf Bundesebene an zahlreichen Hochschulen angeboten. Seit Mai 1980 118","Publikationen der Marxistischen Gruppen Nr 3/1981 om -- Mav/Juni 1981 Marxistische Gruppe (MG) M\u00fcnchner Hochschulzeitung W\u00fcrzburger Hochschulzeitung 119","kann die MSZ auch als Brosch\u00fcre erworben werden Daneben erschienen f\u00fcr den bayerschen Hochschulbereich die vom \"Verein zur F\u00f6rderung des studentischen Pressewesens e.V.\" herausgegebenen \"M\u00fcnchner\", \"Regensburger\" und \"W\u00fcrzburger Hochschulzeitungen sowie die \"Hochschulzeitung f\u00fcr Erlangen-N\u00fcrnberg''. Die Herausgabe der Hochschulzeitungen wurdefinanziell von F\u00f6rdervereinen unterst\u00fctzt, die die Bezeichnung f\u00fchren \"Verein zur F\u00f6rderung der wissenschaftlichen Diskussion an der Hochschule e.V.\". Vereinzelt wurden auch Ausgaben der \"MSZ f\u00fcr den Schulbereich\" herausgegeben Das theoretische Organ der Marxistischen Gruppen erscheint unter dem Titel \"Resultate\"\" Die MG lehnen aus deologischen Gr\u00fcnden die \u00fcbrgen Inksextremen Hochschulgruppen ab. Dennochhielten sie 1981 zu einigen Gruppierungen lose Kontakte. Bei der offiziellen Gremienwahl an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen kandidierte die MG M\u00fcnchen mt einer eigenen Liste und gng gleichzeitig ein Wahlb\u00fcndnis mit der \"Aktionseinheitsliste unabh\u00e4ngiger Linker/Liste f\u00fcr Fachschaften und Basisgruppen (AEU/LFB)en. Se forderte ihre Anh\u00e4nger auf, auch die Kandidaten der AEL/LFB zu w\u00e4hlen. Diese Listenverbindung gilt als Zweckb\u00fcndnis linksextrem orientierter Fachschaftsinitiativen und dogmatischer Gruppen. Mit der \"Marxistischen Arbeiterzeitung'' (MAZ), die 1981 vor Gro\u00dfbetrieben in 'Augsburg, Erlangen, F\u00fcrth, M\u00fcnchen und N\u00fcrnbergverteilt wurde, versuchten die Marxistischen Gruppen, in den Arbeitnehmerbereich einzudringen. Zu desem Zweck haben die MG einen eigenen Kader f\u00fcr Betriebsarbeit gebildet, der \u00fcber Einzelpersonen oder kleine Aktionsgruppen die Politik der Marxstischen Gruppen in de Betriebe tragen soll. Die Schulungder Arbeiter ist praxisbezogen und weniger wssenschaftlich Bei speziellen Veranstaltungen f\u00fcr Arbeitnehmer undin der \"MAZ' kritisierten die MG den Deutschen Gewerkschaftsbund, der sich als Arbeitnehmervertretung nicht um den \"Klassenkampf'' k\u00fcmmere. Sie bezeichneten die Tarifrunde 1981 als \"Sparprogramm f\u00fcr schlechte Zeiten\" und bezichtigten mehreref\u00fcr die Betriebsratswahlen nominierte Kanddaten der Unf\u00e4higkeitf\u00fcr solche \u00c4mter. Die bisher mehrsprachig herausgegebene \"MAZ\" f\u00fcr Gastarbeiter erschien 1981 nicht mehr. Bei zahlreichen \"teach-ins\", die wiederum erheblichen Zulauf fanden, und in ihren Publikationen befa\u00dften sich die MG 1981 u.a. mit den Themen \"Der Dritte Weltkrieg', \"Kriegsr\u00fcstung in Deutschland -- eine einzige Friedensicherung\", \"Bonner Friedensdemonstration' und \"Wen st\u00f6ren die Russen?\". Se wandten sich gegen den \"NATO-Nachr\u00fcstungsbeschlu\u00df\" und stellten sich selbst als einzige Alternative zur gegenw\u00e4rtigen \"Friedensbewegung\" dar. Anl\u00e4\u00dflich einer Veranstaltung am 19. November in N\u00fcrnberg zu dem Thema \"Der Hauptfeind als Staatsgast -- Kriegsdiplomatie mit Breschnew\" warben de MG mt Plakaten \"Breschnew waswillst Du hier -- die NATOwill den Krieg mit Dir\" Im Zusammenhang mit dem Besuch des sowjetischen Staatsund Parteichefs Breschnewn der Bundesrepublik Deutschland f\u00fchrten de MG am 22. November in Bonn eine Demonstration gegen \"'BRD-Imperialismus und NATO-Weltherrschaft' durch, an der sich ann\u00e4hernd 6.500 Personen aus dem gesamten Bun120","desgebiet beteiligten, darunter rund 2000 MG-Anh\u00e4nger aus Bayern. Be der Schlu\u00dfkundgebung trat als Redner auch ein bayerischer MG-Funktion\u00e4r auf. Die MG Erlangen-N\u00fcrnberg nahm die Verhaftung von 141 Personen im Kommunikationszentrum (KOMM) der Stadt N\u00fcrnberg am 5./6. M\u00e4rz zum Anla\u00df, auf angebliche \"Rechtsbr\u00fcche\" in Bayern hinzuweisen. In einem Artikel in der \"Hochschulzeitung f\u00fcr Erlangen-N\u00fcrnberg'' vom 17. M\u00e4rz wurden die Ma\u00dfnahmen als \"Terrormethoden' der Polizei und \"Willk\u00fcrakte\"' der Justiz bezeichnet. Die Marxistischen Gruppen konnten 1981 ihren Einflu\u00df sowohl im Hochschulbereich als auch bei den Arbeitnehmern behaupten In der Durchsetzung ihrer Ziele traten sie rigoros auf. MG-Anh\u00e4nger st\u00f6rten 1981 wiederholt Vorlesungen und Veranstaltungen demokratischer Organisationen. 7. Vereinigte Deutsche Studentenschaften e.V. (VDS) Die Vereinigten Deutschen Studentenschaften e.V. (VDS) entstanden im Mai 1975 aus dem Zusammenschlu\u00df von zwei Verb\u00e4nden. Sie verstehen sich als studentischer Dachverband mit\"politischem Mandat', dessen Hauptaufgabe darin liege, die \"Wirtschaftsund Gesellschaftsordnung der BRD\" mit ihren \"'grundlegenden Widerspr\u00fcchen\" zu \u00e4ndern. Entsprechend ihrem Arbeitsprogramm kommt der Hochschulpolitik lediglich die Bedeutung eines Ansatzpunktes im Kampf um die Aufhebung der gegenw\u00e4rtigen \"kapitalistischen Verh\u00e4ltnisse\" zu. Die Mitgliederversammlung vom 16. bis 21. M\u00e4rzin Bielefeld best\u00e4tigte die bisherige Zusammensetzung des VDS-Vorstandes, der aus je einem Vertreter des MSBSpartakus, des SHB, der Jungsozialisten-Hochschulgruppen (Juso-HG) und des Liberalen Hochschulverbandes (LHV) besteht. Da die Fraktion der Basisgruppe (BG), einer losen Vereinigung der NeuenLinken, w\u00e4hrend der Vorstandswahlen die Mitgliederversammlung verlie\u00df, blieb ihr Sitz m VDS-Vorstand unbesetzt. Die Mitgliederversammlung verabschiedete gegen die Stimmen der BG-Fraktion das vom VDS-Vorstand vorgelegte Arbeitsprogramm 1981, in dem eine Neufassung des Hochschulrahmengesetzes und das \"politische Mandat\" f\u00fcr die Studentenvertretungen gefordert werden. Die Versammlung sprach sich ferner daf\u00fcr aus, den \"Krefelder Appell\", \"Instandbesetzungen\" sowie den Kampf gegen das \"Atomenergieprogramm\" und gegen \"Berufsverbote\" zu unterst\u00fctzen. Die VDS steuerten 1981 wiederum die bundesweiten studentischen Protestaktionen, die im bayerischen Hochschulbereich in der Regel von einer \"Landesastenkonferenz'' (LAK) und vonden linksextrem beeinflu\u00dften inoffiziellen ASten umgesetzt werden. Unter dem Motto \"Gegen BAF\u00f6G-Skandal und Sparpolitik' f\u00fchrten die VDS am 3 Juni in Bonn eine Demonstration durch, an der sich etwa 25 000 Studenten aus dem gesamten Bundesgebiet beteiligten, darunter rund 500 Personen aus Bayern. Zur Teilnahme an der Demonstration hatten in Bayern der MSB Spartakus und der SHB aufgerufen. 121","Der Zentralrat der VDS rief unter der Losung \"F\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung -- F\u00fcr eine alternative Wirtschaftsund Sozialpoltk -- Gegen Sozialund Bildungsabbau\" f\u00fcr den 7 bis 12 Dezember zu bundesweiten Streikund Protestaktionen an den Hochschulen auf. Dem Aufruf sollen nach Angaben der VDS rund 650.000 Studenten an 169 Hochschulen des Bundesgebiets gefolgt sein. H\u00f6hePunkte der Aktionswoche an den bayerischen Hochschulen waren Demonstrationen gegen die staatliche Sparpolitik am 10. Dezember in Bamberg, Coburg, Erlangen, M\u00fcnchen und Regensburg, an denen sich insgesamt 4.600 Studenten und Sch\u00fcler beteiligten. Als Organisatoren und Redner dieser Demonstrationen traten vielfach Funktion\u00e4re des MSB Spartakus und des SHB auf In M\u00fcnchen sprach ua ein Funktion\u00e4r der DKP-Bezirksorgansation S\u00fcdbayern 8. Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) Der Natonaldemokratische Hochschulbund (NHB)mit Sitz in M\u00fcnchen -- vgl. 3 'Abschnitt Nr 24 -- unterh\u00e4lt in Bayern lediglich an der Ludwig-Maxmilians-Unversit\u00e4t in M\u00fcnchen eine Hochschulgruppe. Die Aktvit\u00e4ten beschr\u00e4nkten sich 1981 im wesentlichen auf die Verteilung von Flugbl\u00e4ttern, die Durchf\u00fchrung einer \"Aktionswoche\" an den Hochschulen n Augsburg, Erlangen-N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen und die Teilnahme an den Gremienwahlen an der Universit\u00e4t M\u00fcnchen Trotz eines beachtlichen Aufwandes von Propagandamaterial erreichte der NHB nur enen Stimmenanteil von unter 1 Prozent. In einer \"Wahldokumentation 81\" erkl\u00e4rte der NHB, er werde nichts unversucht lassen, auch k\u00fcnftig \"f\u00fcr eine lebensrichtige und vor unserem Gewissen verantwortbare Gestaltung der Zukunft, f\u00fcr den Nationalismus an den Hochschulen zu k\u00e4mpfen' 9. Aktivit\u00e4ten Anl\u00e4\u00dflich ener Veranstaltung mit dem damaligen Pr\u00e4sidenten der Ludwig-Maximilans-Universit\u00e4t M\u00fcnchen am 17. Februar m Auditorium Maximum, die etwa 250 Personen besuchten, kam es zu massven St\u00f6rungen, so da\u00df die Veranstaltung n einen anderen H\u00f6rsaal verlegt werden mu\u00dfte. Die unter dem Einflu\u00df des KHB stehende \"Liste St\u00e4rkt den AStA\" (LISA) hatte bereits Tage zuvor in der M\u00fcnchner Innenstadt Flugbl\u00e4tter verbreitet, in denen de St\u00f6rungen angek\u00fcndigt worden waren 'Am 3. April veranstaltete das \"Komitee gegen Wohnungsnot und Polzeiwillk\u00fcr\"\", n dem Angeh\u00f6rige orthodox-kommunstischer Gruppierungen mitarbeiten, n der Mensader Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen f\u00fcr die \"M\u00fcnchner Hausbesetzer\" en Solidarit\u00e4tskonzert. Zur Teilnahme an der Veranstaltung hattenu.a. die DKP, die SDAJ, der MSB Spartakus und der SHB aufgerufen. Auch demokratische Organisationen unterst\u00fctzten desen Aufruf. An der Veranstaltung nahmen etwa 700 Personen tel. Die DKP, die SDAJ und der MSB Spartakus waren mit Informationsst\u00e4nden vertreten. Aus Protest gegen die Studienbedingungen an der Fachhochschule M\u00fcnchen forderte die \"Liste Demokratischer AStA\" (LDA) die Studenten zu einem Vorle122","sungsstreik vom 6 bis 10. April auf, der vom MSB Spartakus und anderen lnksextremen Studentengruppen unterst\u00fctzt wurde. In diesem Zusammenhang fand am 9. Aprl n M\u00fcnchen eine Demonstration mit rund 700 Teilnehmern statt. Auf der Schlu\u00dfkundgebung traten als Redner u.a. ein Funktion\u00e4r der DKP und ein Sprecher der linksextrem beeinflu\u00dften \"Landesastenkonferenz' auf, Im Zusammenhangmit der beabsichtigten \u00c4nderung des BAF\u00f6G fanden in mehreren Hochschulorten Kundgebungen und Demonstrationen statt. An der von deninoffiziellen ASten der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t, der Technischen Universit\u00e4t und der Fachhochschule M\u00fcnchen veranstalteten Demonstration am 21 Mai in M\u00fcnchen nahmen etwa 600 Studenten teil, darunter zahlreiche Anh\u00e4nger der DKP, des MSB Spartakus und des SHB. Der Studentische Sprecherrat der Ludwig-Maxmilians-Universit\u00e4t, der unter dem Einflu\u00df der Aktionseinheitsliste/Liste Unabh\u00e4ngiger Fachschaften (AEL/LUF) stand, f\u00fchrte am 21. Mai in der Universit\u00e4t eine Diskussionsveranstaltung zum Thema \"Berufsverbote' durch. Etwa 1.000 Personen, darunter Anh\u00e4nger der DKP-Hochschulgruppe, des MSB Spartakus, des SHB und der Marxistischen Gruppe (MG) besuchten die Veranstaltung. GegenEnde der Veranstaltung forderte en Aktivist der MG die Versammlungsteilnehmer auf, eine zum selben Zeitpunkt n der Universit\u00e4t stattfindende Festveranstaltung mit dem Staatsminister f\u00fcr Unterricht und Kultus zu st\u00f6ren. Etwa 20 bis 25 Personen folgten der Aufforderung und st\u00f6rten durch Gebr\u00fcll die Schlu\u00dfrede der Festveranstaltung, die wegen der St\u00f6rungen dann vorzeitig beendet wurde. Anl\u00e4\u00dflich einer am 4. Juni in der Friedrich-Alexander-Universit\u00e4t in ErlangenN\u00fcrnberg veranstalteten Diskussion des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) mit dem bayerischen Staatsminister und dem Staatssekret\u00e4r der Justiz kam es zu massiven St\u00f6rungen. Als die Diskussionsredner das Auditorium Maximum betraten, stimmte en Teil der etwa 700 Besucher, darunter Anh\u00e4nger der undogmatischen NeuenLinken und der MG Sprechch\u00f6re an. Im Verlauf der Veranstaltung versuchten die St\u00f6rer mehrfach, durch Schreie, Pfiffe und Getrampel den Staatsminister am Reden zu hindern. Die anschlie\u00dfende Diskussion wurde in einen anderen H\u00f6rsaal verlegt; sie verlief ohne St\u00f6rungen. Ebenfalls erheblich gest\u00f6rt wurde eine vom RCDS am 14. Juli in der Friedrich'Alexander-Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg durchgef\u00fchrte Veranstaltung mit dem bayerischen Innenminister. Unter den rund 1.200 Zuh\u00f6rern befanden sich zahlreiche Linksextremisten. W\u00e4hrend des Vortrages wurde der Minister immer wieder durch Pfiffe, Getrampel und Sprechch\u00f6re unterbrochen. Unmittelbar vor Schlu\u00df der Veranstaltung warfen die St\u00f6rer Farbbeutel, Farbeier und faule Kartoffel sowie einen Beh\u00e4lter mit Butters\u00e4ure auf das Podium. Die Polizei nahm vor\u00fcbergehend sechsPersonen fest. Ein Polizeibeamter wurde leicht verletzt. 'Auch im Wintersemester 1981/82 kam es an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchenimmer wieder zu St\u00f6rungen, die Anh\u00e4nger der MG in Seminaren provozierten. Am 17. November wurden in den Fachbereichen Soziologie, Psychologie und Germanistik drei gro\u00dfe Vorlesungen gesprengt. Bei der Er\u00f6ffnung der universit\u00e4tseigenen Ringvorlesung \"Forschung heute\" am gleichen Tag mu\u00dfte der Dozent seinen Vortrag wegen massiver St\u00f6raktionen von rund 200 bis 300 123","Studenten, die der MG zuzurechnen waren, abbrechen. Mit diesen Propagandaaktionen wollten die MG m\u00f6glichst viele Studenten f\u00fcr die Teilnahme an der Demonstration am 22. November in Bonn (vgl. Nr. 6) mobilisieren. In einem hierzu vom Studentischen Sprecherrat der Universit\u00e4t in Zusammenarbeit mit der AEL/LFB und der MG herausgegebenenFlugblatt mit dem Titel \"Der Krieg an der Uni' versuchte die MG, die St\u00f6raktionen zu rechtfertigen. 10. Wahlen an den Hochschulen Bei den 1981 durchgef\u00fchrten Wahlen f\u00fcr die Kollegialorgane gelanges linksextremen Gruppen, ihre Positionen an einzelnen bayerischen Hochschulen mit Hilfe \"Unabh\u00e4ngiger\" weiter auszubauen; an anderen verloren sie zugunsten demokratischer Studentengruppen an Einflu\u00df. Wie im Vorjahr tarnten sich linksextreme Gruppen hinter Listenverbindungen und unverf\u00e4nglichen Bezeichnungen. Insbesondere bildeten der MSB Spartakus und der SHB unter Listenbezeichnungen wie \"Gewerkschaftlich Orientierte Liste\"' (GOL) oder\"Liste AStA und Fachschaften f\u00fcr die Weiterf\u00fchrung und gesetzliche Wiederverankerung der Verfa\u00dften Studentschaften (LAF) Wahlplattformen mit demokratischen Gruppen und versuchten so, W\u00e4hler zu t\u00e4uschen. Mit dieser Taktik erreichte auch die Neue Linke an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen \u00fcber \"Aktionseinheitslisten unabh\u00e4ngiger Linker\"' (AEL) und \"Liste der Fachschaften und Basisgruppen' (LFB) mehr Einflu\u00df auf den Studentischen Konvent und den Sprecherrat. Der rechtsextreme Nationaldemokratische Hochschulbund kandidierte an dieser Universit\u00e4t erneut ohne Erfolg. An einigen Hochschulen fanden auch 1981 wiederum \"AStA-Wahlen\" statt. Bei diesen nicht im Hochschulgesetz vorgesehenen Wahlen kandidierten vorwiegend linksextreme Studentengruppen. Die Wahlbeteiligung lag im Durchschnitt bei 15 % (Vorjahr: 10 %). Die Marxistischen Gruppen beteiligten sich nicht an diesen Wahlen. 11. Weiterf\u00fchrende Schulen Im Bereich der weiterf\u00fchrenden Schulen, den erfahrungsgem\u00e4\u00df auch schulfremde Organisationen als Agitationsfeld nutzen, traten 1981 folgende extremistische Organisationen auf: Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) -- Jugendorganisation der DKP -- Kommunistische Jugend Deutschlands (KJD), ehemals Rote Garde (RG) -- Jugendorganisation der KPD -- Revolution\u00e4rer Jugendverband Deutschlands (RJVD) -- Jugendorganisation des KABD -- Rote Sch\u00fclerfront (RSF) -- Sch\u00fclerorganisation des AB -- 124","Marxistische Gruppe (MG) Junge Nationaldemokraten (JN) -- Jugendorganisation der NPD -- Die Propaganda konzentrierte sich schwerpunktm\u00e4\u00dfig auf schulische Themen. Weitere Aktivit\u00e4ten bezogen sich auf Themen wie \"Frieden und Abr\u00fcstung\", \"Wehrkundeerla\u00df'' und \"Zensur von Sch\u00fclerzeitungen\". Dar\u00fcber hinaus wurden wiederum vor Schulen zahlreiche Flugschriften verteilt. So verbreiteten die Marxistischen Gruppen (MG)Ausgaben der \"MSZ f\u00fcr den Schulbereich'\"\" Unter der \u00dcberschrift \"Lernziele f\u00fcr eine Friedenserziehung\" kritisierten die MG die Bundeswehr und gabenAnleitungen zur Kriegsdienstverweigerung. Die DFG-VK verbreitete Flugbl\u00e4tter mit dem Titel \"Wehrkunde? Sch\u00fcler/innen la\u00dft Euch nicht zu Schlaffis machen\", n denenf\u00fcr eine Unterschriftensammlung gegen die Bundeswehr geworben wurde. Die Rote Sch\u00fclerfront (RSF)protestierte mit der Publikation \"Rei\u00dft die braunen Seiten aus den Schulb\u00fcchern' gegen den angeblichen \"Militarismus m westdeutschen Schulunterricht\". Im fr\u00e4nkischen Raum wurde mehrfach eine Sch\u00fclerausgabe von \"Frontal\", dem Publikationsorgan des JNLandesverbandes Bayern, verbreitet. Zur Unterst\u00fctzung von\"Friedensaktionen'' gab das SDAJ-Sprachrohr \"elan\" einen \"Artikeldienst f\u00fcr Sch\u00fclerzeitungen\" heraus Verschiedentlich erhielten Redaktionen von Sch\u00fclerzeitungen Druckerzeugnisse des Verlages \"Samisdat Publishers\" aus Toronto/Kanada zugesandt, in denen f\u00fcr NS-Literatur geworben wurde. Von den 1981 bei verschiedenen Anl\u00e4ssenfestgestellten Schmieraktionen waren auch Schulgeb\u00e4ude betroffen. Dabei wurden W\u00e4nde und Fenster mit dem anarchistischen Symbol, dem RAF-Enblem und dem Hakenkreuz verunstaltet. Au\u00dferdem wurden Schmierschriften angebracht wie \"Anarchie ist Ordnung ohne Herrschaft\", \"k\u00e4mpft endlich -- RAF'\", \"Heil Hitler'\" und \"Vergast die Juden\". 125","b. Ahschnitt Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst 1. Allgemeines Ungeachtet der set Jahren geleisteten \u00d6ffentlichkeitsarbeit, die Aufschlu\u00df \u00fcber die Mitwirkung des Verfassungsschutzes bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Bewerbern f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst gbt, h\u00e4lt die Kampagne der Extremisten gegendie angeblichen \"Berufsverbote\" in der Bundesrepublik Deutschland unvermindert an. Se wrd h\u00e4ufig durch von Kommunisten beeinflu\u00dfte Komitees und Initiativen (vgl 2 Abschnitt Nr. 2.4.8) getragen undist international ausgeweitet. Diese Aktivt\u00e4ten dffamieren nicht nur das Ansehen der Bundesrepublik Deutschland im Ausland, sondern versuchen auch im Inland, Unbehagen \u00fcber und Mi\u00dftrauen gegen de T\u00e4tgkeit des Verfassungsschutzes zu s\u00e4en Esist deshalb notwendig, Immer weder Fehlnformationen zu korrigieren, durch die ein falsches Bild vermittelt wird \"Der freiheitliche Rechtsstaat kann und darf sich ncht n die H\u00e4nde seiner Zerst\u00f6rer geben\", erkl\u00e4rte das Bundesverfassungsgericht in seinem Beschlu\u00df vom 22 Mai 1975 Dies st eine Konsequenz aus der vom Grundgesetz gewollten wehrhaften Demokratie. Die Beamtengesetze des Bundes und der L\u00e4nder schreiben deshalb vor, da\u00df in das Beamtenverh\u00e4ltnis nur berufen werden darf, wer die Gew\u00e4hr der Verfassungstreue bietet. Damit soll verhindert werden, da\u00df staatliche \u00c4mter mit ihren erheblichen Gestaltungsm\u00f6glichkeiten n de H\u00e4nde von Gegnern der Freiheit und Demokratie gegeben werden unddie freiheitliche demokratische Grundordnung von innen heraus gef\u00e4hrdet wird. Der Verfassungsschutz hat hierbei die gesetzliche Aufgabe, bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, de sch um Einstellung in den \u00f6ffentlichen Dienst bewerben, mitzuwirken (vgl. Art. 2 Abs. 2 Nr 4 des Gesetzes \u00fcber die Errichtung eines Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz, abgedruckt als Anhang1). Das dabe anzuwendende Verfahren, das sowohl effektiv ist, als auch dem Bewerber alle rechtsstaatlichen Garanten bietet, st n der Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 27. M\u00e4rz 1973 (Anhang 2) geregelt Danach hat die jeweilige Enstellungsbeh\u00f6rde vor der Einstellung eines Bewerbers beim Staatsministerium des Innern mittels eines Formblattes anzufragen (\"Karteanfrage'), das dann die beim Verfassungsschutz bereits vorhandenen gerichtsverwertbaren Erkenntnisse \u00fcber Tatsachen, die Zweifel an der Verfassungstreue des Bewerbers begr\u00fcnden k\u00f6nnen, der Einstellungsbeh\u00f6rde mitteilt. Ermittlungen werden zu diesem Zweck nicht gef\u00fchrt Erkenntnisse, de l\u00e4nger als f\u00fcnf Jahre zur\u00fcckliegen oder de Zeit vor Vollendung des 18. Lebensjahres des Bewerbers betreffen, werden nur mitgeteilt, wenn se entweder Teil einer fortgesetzten Entwicklung sind und ihnen deshalb noch Bedeutung zukommt oder 126","wenn sie nach Art und Schwere nicht als blo\u00dfe \"Jugends\u00fcnden\" angesehen werden k\u00f6nnen. Die Einstellungsbeh\u00f6rde hat nach der Anh\u00f6rung des Bewerbers selbst\u00e4ndig \u00fcber das Einstellungsgesuch zu entscheiden 2 Bayerische Praxis 2.1 Extremisten im \u00f6ffentlichen Dienst Der Verfassungsschutz sieht als Extremisten im \u00f6ffentlichen Dienst Bedienstete an, die in denletzten 5 Jahren als Mitglieder oder aktive Anh\u00e4nger extremistischer Parteien und Organisationen oder sonst mit erheblichen extremistischen 'Aktivit\u00e4ten in Erscheinung getreten sind. Danicht n allen F\u00e4llen gerichtsverwertbare Erkenntnisse vorliegen, gelingt es zum Tel auch Extremisten, in den \u00f6ffentlichen Dienst zu gelangen Dar\u00fcber hinaus mu\u00df damit gerechnet werden, da\u00df es einer Reihe von \u00f6ffentlichen Bediensteten bisher gelungenst, sch unerkannt in extremistischen Organisationen zu bet\u00e4tigen. Es ist daher anzunehmen, da\u00df die Zahl der m \u00f6ffentlichen Dienst besch\u00e4ftigten Extremisten h\u00f6her ist als die in der folgenden Statistik f\u00fcr Ende 1981 angegebene (in Klammern die Vergleichszahlen f\u00fcr 1980): Linksextremisten: Gesamtzahl davon DKP DKP-NebenNeue und beeinflu\u00dfte Linke Organisationen \"Landesdienst 98 (81) 23 (21) 33 (29) 42 (81) Kommunaldienst 84 (85) 46 (48) 6 (5) 32 (32) 1 oe), (N 194 (179) 73 (74) 41 (85) 80 (70) Von den linksextremen Landesbediensteten waren besch\u00e4ftigt: 47 (42) als Lehrer an Grund-, Haupt-, Realschulen und Gymnasien 17 (16) als wissenschaftliches und sonstiges Personal an Hochschulen 17 (13) im Justizdienst 17 (10) in sonstigen Verwaltungszweigen Von den linksextremen Kommunalbediensteten waren besch\u00e4ftigt. 33 (33) als Bedienstete in st\u00e4dtischen Krankenh\u00e4usern 25 (19) in sozialp\u00e4dagogischen Berufen wie Sozialarbeiter, Jugendheimleiter etc 4 (5) als Lehrer an st\u00e4dtischen Schulen n2 (28) n sonstigen Verwaltungszweigen(einschlie\u00dflich der Verkehrsbetriebe) 127","Von den rechtsextremen Landesbediensteten waren besch\u00e4ftigt: 10 (7) als Lehrer an Grund-, Haupt-, Realschulen, Gymnasien und Fachoberschulen 8 (9) im Justizund Polizeidienst 12 (8) in sonstigen Verwaltungszweigen. Von den rechtsextremen Kommunalbediensteten waren besch\u00e4ftigt' 1 (2) als Lehrer an st\u00e4dtischen Schulen 15 (16) in sonstigen Verwaltungszweigen. 2.2 Einstellungs\u00fcberpr\u00fcfung Seit der Einf\u00fchrung des Verfahrens(1. April 1973) bearbeitete das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz 207.210 Anfragen. 1981 wurden an das Amt 21.099 Anfragen gerichtet. In 170 F\u00e4llenteilte es dem Staatsministerium desInnern Erkenntnisse mit. In 81 F\u00e4llen gab das Staatsministerium des Innern diese Erkenntnisse an die Einstellungsbeh\u00f6rden weiter. Hiervon betrafen 79 F\u00e4lle den linksextremen und zwei F\u00e4lle den rechtsextremen Bereich. Die Mitteilungen f\u00fchrtenin sieben F\u00e4llen zur Ablehnung des Bewerbersdurch die Einstellungsbeh\u00f6rden. 128","Die folgende \u00dcbersicht gibt die Entwicklung der Anfragen, Erkenntnismitteilungen und Ablehnungenseit dem 1 April 1973 wieder","1.Anschnitt Sicherheitsgef\u00e4hrdende Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 1. Allgemeines 'Am 30 September 1981 hielten sich in Bayern rund 708.600 Ausl\u00e4nder auf, darunter 215.700 T\u00fcrken 124.900 Jugoslawen 82.000 Italiener 79.500 \u00d6sterreicher 51.300 Griechen und 12.800 Spanier. Im Vergleich zum Jahr 1980 hat die Gesamtzahl der Ausl\u00e4nder um etwa 25.400 Personen zugenommen. Den gr\u00f6\u00dften Anteil stellten wiederum de T\u00fcrken mit rund 13 400 Zug\u00e4ngen. Die weit \u00fcberwiegende Mehrheit der Ausl\u00e4nder verhielt sich trotz der angespannten Besch\u00e4ftigungslage und der durch Integrationsschwierigkeiten bedingten sozialen Probleme nach wie vor loyal zum Gastland. Die Bem\u00fchungen ausl\u00e4ndischer Extremisten, unter ihren Landsleuten weitere Anh\u00e4nger f\u00fcr ihre extremen Ziele zu gewinnen, waren meist erfolglos Nur ein geringer Teil der hier lebenden Ausl\u00e4nder (0,7 %) hat sich auspolitischer Motivation extremistischen Gruppen angeschlossen oder unterliegt hrem Einflu\u00df, weil er bei ihnen Beratung und Betreuung in sozialen und wirtschaftlichen Fragen sucht. Bestimmend f\u00fcr die Aktvit\u00e4ten solcher Gruppen waren in erster Linie die politischen und sozialen Verh\u00e4ltnisse in den Heimatstaaten, die sch insbesondere in den Aktionen afghanischer, iranischer und t\u00fcrkischer Extremisten widerspiegelten Daneben agtierten ausl\u00e4ndische Extremisten in zunehmendem Ma\u00dfe gegen innenpolitische Entwicklungen in der Bundesrepublik Deutschland wie zB die Modifizierung der 'Ausl\u00e4nderpolitik. Ein weiteres Angriffsziel war die ihrer Meinung nach wachsende Ausl\u00e4nderfeindlichkeit der deutschen Bev\u00f6lkerung. Verst\u00e4rkt hat sich auch die Zusammenarbeit linksextremer Ausl\u00e4nderorgansationen mit gleichgesinnten deutschen Gruppen, die im Rahmen von Aktionsb\u00fcndnissen unterst\u00fctzt wurden. 130","Die Zahl der in Bayern in Erscheinung getretenen ausl\u00e4ndischenVereinigungen mit extremenpolitischen Zielen stieg von 91 im Jahre 1980 auf 121 im Jahre 1981. Diese Zunahmest auf die Neugr\u00fcndung \u00f6rtlicher Zweigvereine und auf ideologisch bedingte Spaltungen zur\u00fcckzuf\u00fchren. Fernersind bisher ncht erfa\u00dfte Nebenorganisationen hinzugekommen,die das Gedankengut extremistischer Gruppierungenvertreten. Ein beachtlicher Aufw\u00e4rtstrend ist vor allem bei linksortremen griachiechen und rechtsextremen t\u00fcrkischen Gruppen festzustellen, w\u00e4hrend die Ostemigration bedeutungslos wurde. Nachstehende \u00dcbersichtzeigt die Entwicklung derin Bayern bestehenden extremen Ausl\u00e4nderorganisationen: Diese 121 Ausl\u00e4nderorganisationen verteilten sich im Jahre 1981 wie folgt: Diesen Organisationen geh\u00f6rten nach Sch\u00e4tzung etwa 4.800 (1980: 5 400) Mitglieder an. Die Differenz gegen\u00fcber dem Vorjahr ist zum Teil auf einen verbesserten Erkenntnisstand zur\u00fcckzuf\u00fchren. Detaillierte Zahlen k\u00f6nnen aus Sicher'heitsgr\u00fcnden nicht genannt werden. Au\u00dferdem haben sich mehrere Vereinigungen, insbesondere iranische und t\u00fcrkische Organisationen, nachpolitischen Richtungs\u00e4nderungen noch nicht v\u00f6llig konsolidiert, so da\u00df auch unter den Mitgliedern eine erhebliche Fluktuation besteht. 131","Eine latente Bedrohung der Sicherheit stellen die Organisationen des pal\u00e4stinensschen Widerstandes dar, obwohl Bayern auch 1981 von terroristischen Anschl\u00e4gen dieser Gruppen verschont blieb. Unverminderter Aufmerksamkeit bedarf ferner die Verh\u00e4rtung der Fronten zwischen t\u00fcrkischen Linksund Rechtsextremisten. 'Anschl\u00e4ge m Inund Ausland haben die jugoslawische Emigration verunsichert und emotionalisiert. In einem Fall aus dem Jahre 1980, n dem die T\u00e4ter aus M\u00fcnchen kamen, hat das Schwurgericht Saarbr\u00fccken inzwischen durch Urteil vom 23. Juli 1981 festgestellt, da\u00df der jugoslawische Geheimdienst Urheber des versuchten Mordanschlags war. Ein Sprengstoffund am 9. Dezember 1981 im Landkreis F\u00fcrstenfeldbruck deutet darauf hin, da\u00df de Bereitschaft in der jugoslawischen Emigration andauert, den politischen Kampf auch mit Mitteln der Gewalt zu f\u00fchren(vgl. auch Nr. 8.3 und 4. Abschnitt Nr 3) 1981 gingen n Bayern die \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktionen extremistischer 'Ausl\u00e4nder auffallend zur\u00fcck, w\u00e4hrend im \u00fcbrigen Bundesgebiet zahlreiche spektakul\u00e4re Auftritte wie Gro\u00dfdemonstrationen, Botschaftsbesetzungen und gravierende t\u00e4tliche Auseinandersetzungen zu verzeichnen waren. 2. Afghanische Gruppen Die \"Generalunion Afghanischer Studenten im Ausland\" (GUAfS) wurde im Jahre 1971 gegr\u00fcndet. Sie unterst\u00fctzte die marxistisch ausgerichtete Volksbewegung in Afghanistan. Nach dem Umsturz im April 1978 spaltete sich die GUATS. Eine orthodox-kommunistische Minderheit trat f\u00fcr die wachsende sowjetische Pr\u00e4senz in Afghanstan ein, w\u00e4hrend die der dogmatischen NeuenLinken zuzurechnende Mehrheit eine Einmischung der UdSSR ablehnte. Der Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan am 27. Dezember 1979 wirkte sch bei der Gruppierung der NeuenLinken durch steigende Mitgliederzahlen aus. Anl\u00e4\u00dflich des Besuchs des sowjetischen Staatsund Parteichefs Breschnew vom 22. bis 25. November in der Bundesrepublik Deutschland demonstrierten in Bonn neben anderen Ausl\u00e4ndervereinen und deutschen Organisationen s\u00e4mtliche Ortsvereine der GUAfS (Neue Linke) gegendie Expansionspolitik der Sowjetunion. Nach Sch\u00e4tzungen beteiligten sich daran rund 800 Afghanen, darunter auch GUAfS-Mitglieder aus dem gesamten bayerischen Raum Der \"Verein der Afghanen und afghanischen Studenten M\u00fcnchen\", eine \u00f6rtliche Untergliederung der deologisch der Neuen Linken zuzurechnenden Gruppierung der GUAIS, f\u00fchrte am 16. Juli in M\u00fcnchen einen Informationsabend durch. Bei der Veranstaltung, zu der rund 150 Besucher erschienen, wurden die geschichtliche Entwicklung und die aktuelle Lage in Afghanistan besonders hervorgehoben. Vereinsangeh\u00f6rige verteilten die GUAfS-Publikation \"AfghanistanEcho\" sowie Flugbl\u00e4tter in deutscher Sprache, die \"Solidarit\u00e4t mit den afghani132","schen Patrioten im Ausland' forderten und zum \"Befreiungskampf in Afghanistan' aufriefen. Die orthodox-kommunistische Gruppierung der GUAIS, die in Bayern vom \"Demokratischen Verein Afghanischer Studenten in M\u00fcnchen\" (DVASM)ideologisch unterst\u00fctzt wird, trat 1981 ncht \u00f6ffentlich in Erscheinung. Die milit\u00e4rische Intervention der Sowjetunion in Afghanistan d\u00fcrfte zu einem erheblichen Schwund ihrer Anh\u00e4nger beigetragen haben Die prochinesische \"F\u00f6deration Afghanischer Studenten im Ausland\" (FASA), die sich im April 1979 wegen angeblicher \"reaktion\u00e4rer Einfl\u00fcsse in der F\u00fchrung\" von der GUAfS abgespaltet hatte, zeigte in Bayern 1981 keine Aktivit\u00e4ten mehr. 3. Afrikanische Gruppen Die \"Eritreische Befreiungstront\" (ELF) und die \"Eritreische Volksbefreiungsfront\" (EPLF) wollen mit ihrem Kampf gegendie Milit\u00e4rjunta \u00c4thiopiensdie Unabh\u00e4ngigkeit der \u00e4thiopischen Provinz Eritrea erreichen. 1981 wurdenin Bayern wie im \u00fcbrigen Bundesgebiet Tendenzen festgestellt, die auf eine politische Kurs\u00e4nderung der ELF hinweisen, ohne da\u00df es dadurch zu einer Ann\u00e4herung beider Organisationen gekommen w\u00e4re. Die ELF hatte sich bisher gegen jegliche Einmischung der USA und der UdSSR in den Befreiungskampf in Eritrea gewandt Derzeit neigen sowohl die ELF-F\u00fchrung als auch die Mehrheit der Mitglieder dazu, die Hilfe der Sowjetunion zu suchen. Hingegen wird eine Zusammenarbeit mt den USA oder der Volksrepublik China abgelehnt. Anh\u00e4nger der marxistisch orientierten EPLF wiesen in einem Flugblatt darauf hin, da\u00df die Sowjetunion mit allen Mitteln versuche, die \"Flamme der Revolution in Eritrea zu ersticken', indem sie mit der \"faschistischen \u00e4thiopischen Junta'' eine \"unheilige Allianz\" eingegangen sei. Da die EPLF die moskauorientierte Haltung der ELF verurteilt, kam es auch n Bayern zwischen Anh\u00e4ngern beider Organisationen zu Auseinandersetzungen. Die \"Nationalunion eritreischer Arbeiter in Europa\" (NUEWE) und die \"Nationalunion eritreischer Studenten in Europa\" (NUESE), die bisher unter der Bezeichnung \"Assoziation eritreischer Arbeiter in Europa\" (AEWE) und \"Assoziation eritreischer Studenten in Europa\" (AESE) auftraten, unterst\u00fctzen als Zweigorganisationen der EPLF deren Ziele im Bundesgebiet. Sie veranstalteten am 6. M\u00e4rzin Erlangen einen eritreischen Abend mit Folkloredarbietungen, politischen Referaten und Diskussionen. Dabei wurden die Sowjetunion und Kuba wegen ihres Engagements n \u00c4thiopien als Imperialisten und Unterdr\u00fccker angegriffen und die ELFals reaktion\u00e4r und kapitalistenfreundlich kritisiert. Die \"Nationalunion eritreischer Frauen in Europa\" (NUEWE), eine weitere Zweigorganisation der EPLF, trat durch Verbreitung von Flugbl\u00e4ttern einer in M\u00fcnchen bestehenden Ortsgruppe in Erscheinung. 133","4. Arabische Gruppen Die 1964 gegr\u00fcndete \"Pal\u00e4stinensische Befreiungsorganisation\" (PLO)ist de Dachorganisation der pal\u00e4stinensischen Befreiungsbewegung. Sie fordert die Aufl\u00f6sung des \"zionistischen' Staates Israel, an dessen Stelle ein angeblich demokratischer pal\u00e4stnensischer Staat treten soll. Au\u00dfer der Verbreitung eniger Publikationen we \"Falestin al Thawra'\" (Pal\u00e4stna die Revolution), \"Pal\u00e4stine' und \"Stimme Pal\u00e4stinas', die \u00fcber Geschichte und Ziele der Pal\u00e4stinenser berichteten, waren n Bayern keine besondere Aktivit\u00e4ten feststellbar Bestrebungen der PLO, eine Nachfolgeorganisation der seit 1978 im Bundesgebet rechtskr\u00e4ftig verbotenen \"Generalunion Pal\u00e4stinensischer Arbeiter\" (GUPA) aufzubauen, f\u00fchrten zur Gr\u00fcndung des \"Pal\u00e4stinensischen Arbeiterverbands in der Bundesrepublik Deutschland und n West-Berlin\" (PAV), der von der GUPAZentrale n Damaskus gesteuert wrd. Aufgabe der \u00f6rtlichen Untergliederungen ist es, die pal\u00e4stinensische Guerillaorgansation \"Al Fatah\" materiell und ideell zu unterst\u00fctzen. In Bayern bestehen in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg \"Pal\u00e4stinensische Arbeitervereine\", die bisher nicht \u00f6ffentlich in Erscheinung traten Nach wie vor stehen die marxstisch-leninistische Terrororganisation \"Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" (PFLP) und die orthodox-kommunistische \"Demokratische Front zur Befreiung Pal\u00e4stinas\" (DFLP) wegen ihrer Bestrebungen, den Befreiungskampf mt mehr Nachdruck zu f\u00fchren, der relativ gem\u00e4Bigten Haltung der PLO ablehnend gegen\u00fcber Der 1976 gegr\u00fcndete M\u00fcnchner 'Ausl\u00e4nderverein \"Union derfortschrittlichen Araber\" (UfA), der f\u00fcr de extremen Ziele der PFLP eintritt, zeigte wie im Vorjahr keine \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten 5. Griechische Gruppen 5.1 Orthodoxe Kommunisten Die Aktivit\u00e4ten der extremistischen griechischen Gruppen in Bayern, die sich wiederum auf die Gro\u00dfr\u00e4ume M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg konzentrierten, haben sich gegen\u00fcber dem Vorjahr nicht verst\u00e4rkt Sie waren im wesentlichen auf die Parlementswahlen in Griechenland abgestellt. Dabe traten insbesondere die \"Kommunistische Partei Griechenlands\" (KKE-Ausland), n geringem Ma\u00dfe auch die \"Kommunistische Partei Griechenlands\" (KKE-Inland) in Erscheinung Die KKE-Ausland ist der ortnodox-kommunistische Teil der seit Februar 1968 gespaltenen \"Kommunistischen Partei Griechenlands\" (KKE). Im Gegensatz zur KKE-Inland erkennt sie die Hegemonie Moskaus an Seit September 1974 st de KKE-Ausland in Griechenland als Partei zugelassen. Se beruft sch aufdie Tradtion der griechischen Arbeiterbewegung und nimmt f\u00fcr sich in Anspruch, die \"Kommunistische Partei Griechenlands' zu sein. Organe der KKE-Ausland und ihrer Jugendorgansaton \"Kommunistische Jugend Griechenlands\" (KNE)sind die Schriften \"Risospastis\" (Der Radkale) bzw. \"Odigitis\" (Der F\u00fchrer) 134","Publikationen extremistischer Ausl\u00e4nderorganisationen |= zo Organ der KKE -- Ausland S0AHTHTHZ BAOMAALATIKD OPFANO TOY KL THE KOMMOYNIETIKHE NEONAIAE EANAAAT-KNE. Organ der K.N.E. Organ der FILEF OLTRECONFINE _UIBERA VOCE DEGLI ITALIANI EMIGRATI Organ der CTIM eV UT Organ der HDP 135","Nach we vor unterhalten de KKE-Ausland und de KNE enge Verbindungen zur \"Deutschen Kommunistischen Parte\"' (DKP) undihrer Jugendorgansation \"Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend\"\" (SDAJ), was auch durch gemeinsame \u00f6ffentliche Veranstaltungen zum Ausdruck kommt Auch zu einigen orthodox-kommunistisch ausgerichteten Ausl\u00e4nderorganisationen anderer Nationalit\u00e4ten bestehen mehr oder minder ntensive Kontakte. Bevorzugte Agtationsthemen waren soziale und politische Anliegen griechischer Arbeiter sowie die Forderung nach dem Austritt Griechenlands aus der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft (EG) und der NATO. Durch ihren Einsatz f\u00fcr die Ziele der griechischen Eltern-, Arbeiter-, Gemeindeund Studentenvereine fanden de Anh\u00e4nger der KKE-Ausland und hrer Jugendorgansation auch die Unterst\u00fctzung von Nichtextremisten. \u00dcberregional bedienten sich sowohl die KKEAusland als auch die KNE der Hilfe des \"Verbandes Griechischer Gemeinden in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin\" (OEK) und des \"VerbandesGriechischer Studentenvereine in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin\" (OEFE). Diesen orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Dachverb\u00e4nden geh\u00f6rt der \u00fcberwiegende Teil der n Bayern bestehenden griechischen Gemeinden und Studentenvereine an Die KKE-Inland ist der national-kommunistisch orientierte Teil der fr\u00fcheren \"Kommunistischen Parte Griechenlands\". Im Gegensatz zur KKE-Ausland erkenntsie de f\u00fchrende Rolle der \"Kommunistischen Partei der Sowjetunion\" (KPdSU) ncht an. Obwohl sie de Mitgliedschaft Griechenlands in der EG grunds\u00e4tzlich bef\u00fcrwortet, warf sie in ihren Verlautbarungen der griechischen Regerung vor, das Land in den vergangenen Jahren auf denBeitritt nicht gen\u00fcgend vorbereitet zu haben. Als Organe der KKE-Inland und ihrer Jugendorganisation Griechische Kommunistische Jugend \"Rigas Fereos\" (E.KON Rgas Fereos) erscheinen die Zeitschriften \"I Avgi' (Die Morgenr\u00f6te) bzw. \"Thourios'' (Kriegslied). Kontakte bestehen zu den kommunistischen Parteien Spaniens (PCE)und Italiens (PCI). Die vormals engen Verbindungen zum \"Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD\" (AB) haben sich abgek\u00fchlt. Die KKE-Inland undhre Jugendorganisation konnten die Positionen des Vorjahres etwas ausbauen. Im Vordergrund ihrer Arbeit standen aktuelle Gastarbeiterprobleme Dennoch gelang es ihnen ncht, auf die griechischen Gastarbeitervereinigungen gr\u00f6\u00dferen Einflu\u00df zu gewinnen 5.2 Neue Linke F\u00fcr die Ziele der prochinesisch ausgerichteten Organisationen \"Revolution\u00e4re Kommunistische Bewegung Griechenlands\" (EKKE) und \"MarxistischLeninistische Kommunistische Partei Griechenlands\" (ML-KKE) traten vereinzelte Anh\u00e4nger n M\u00fcnchen ein In ihren Schriften, die in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden verteilt wurden, bekannten sch die EKKE und die ML-KKE auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus zum Gedankengut Mao Zedongs und bezeichneten den US-Imperialsmus und den sowjetischen Sozialimperialismus als die gr\u00f6\u00dften Feinde Griechenlands, de es zu beseitigen gelte. 136","6. Iranische Gruppen Der Machtkampf zwischen dem Schitenf\u00fchrer Khomeini und dem ersten Staatspr\u00e4sidenten der Islamischen Republik Iran Bani Sadr pr\u00e4gte 1981 das politische Geschehen m Iran Ban Sadr's Absetzung und sp\u00e4tere Flucht nach Paris f\u00fchrten auch in der Bundesrepublik Deutschland zu verst\u00e4rkten Aktvit\u00e4ten ranscher Extremisten Dabei kam es wiederholt zu t\u00e4tlichen Auseinandersetzungen zwischen Anh\u00e4ngern und Gegnern Khomein's sowie zur Besetzung iranischer Einrichtungen und sonstigen Aktionen. In Bayern waren gr\u00f6\u00dfere Ausschreitungen nicht zu verzeichnen 6.1 Khomeini-Anh\u00e4nger Die marxstisch-leninistische \"Guerilla-Organisation der Volksfedayin im Iran\" (Kurzbezeichnung: Volksfedayn), die ma\u00dfgeblich am Umsturz im Iran beteiligt war, spaltete sich im Jahr 1980 wegen deologischer Differenzen. W\u00e4hrend der urspr\u00fcngliche Teil, der seit der Abspaltung den Zusatz \"'Minderheit' f\u00fchrt, n Opposition zur ranschen Regierung steht, unterst\u00fctzt die \"Organisation der Volksfedayn m Iran\" (Mehrheit) an der Seite der Tudeh-Parte die Politik Khomeini's. Anh\u00e4nger der \"Volksfedayin'' (Mehrheit) unterhalten n regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden an der Universit\u00e4t M\u00fcnchen enen Informationstisch, an dem ihr Organ \"Kar' (Arbeit) und sonstige Flugschriften verteilt werden F\u00fcr die Vervielf\u00e4ltigung der Flugbl\u00e4tter zeichnet der \"Verein der Sympathisanten der Guerillaorganisation (Mehrheit) in M\u00fcnchen\" bzw. der \"Verein der iranischen Studenten M\u00fcnchen -- Sympathisanten derGuerillaorganisation des Iran (Mehrheit)\" verantwortlich Aktivit\u00e4ten der \"Volksfedayin\" (Minderheit) sind in Bayern bisher nicht bekannt geworden Die orthodox-kommunistische \"Tudeh-Partei\", die von Anfang an nach au\u00dfen hin Khomein's \"klare und konsequente Politik\" bef\u00fcrwortete, tritt im Bundesgebiet unter der Bezeichnung \"Tudeh-Partei-Iran/Sektion BRD\" auf Gegner der derzeitigen ranischen Regierung verd\u00e4chtigen de Anh\u00e4nger der Tudeh-Partei der Spitzelt\u00e4tigkeit f\u00fcr die Organe der Islamischen Republik Iran und bezeichnen se als Konterrevolution\u00e4re und Verr\u00e4ter \u00d6ffentliche Auftritte endeten wiederholt in Auseinandersetzungen So versuchten am 10. November Anh\u00e4nger der \"Organisation der iranschen Studenten n M\u00fcnchen\" (vgl. 6.2.1) den Verkauf des Tudeh-Organs \"Mardom' (Das Volk) an der Universit\u00e4t M\u00fcnchen zu verhindern. Als des ncht gelang, bem\u00e4chtigten se sch der Zeitungen und verbrannten se. Daraufhin kam es unter den Beteiligten zu einer Schl\u00e4gerei, wobei die Tudeh-Leute auch von Anh\u00e4ngern der \"Volksmojahedin' (vgl 6.2.2) angegriffen wurden. Die slamsch-nationalstisch ausgerichtete \"Union der islamischen Studentenvereine in Europa\" (UISA) steht bedingungslos hinter Khomeini und seinen Bestrebungen, im Iran einen \"schiitischen Gottesstaat\" zu errichten In ihren Verlautbarungen verteidigte se die islamische Revolution, beschimpfte die \"Verschw\u00f6rer von West und Ost\" und bezichtigte den Irak der Aggression im Iran, 137","Heftigen Angriffen war auch die gesamte iranische Opposition, allen voran die \"Verr\u00e4ter und Verbrecher\" Bani Sadr und Radjavi, ausgesetzt. In Bayern errichteten Anh\u00e4nger der UISA Informationsst\u00e4nde an den Universit\u00e4ten in Bayreuth, Erlangen und M\u00fcnchen. Sie schr\u00e4nkten ihre sonstigen Aktivit\u00e4ten stark ein und zeigten bei ihrem Auftreten auch nicht die im Vorjahr beobachtete Militanz. Der \"Verein Islamischer Studenten in M\u00fcnchen -- Mitglied der UISA\" trat 1981 nicht n Erscheinung. 6.2 Khomeini-Gegner 6.2.1 Linksextremisten Die international t\u00e4tige \"Conf\u00f6deration Iranischer Studenten -- National Union\" (CISNU), die 1961 als Dachverband iranischer Studentenvereinigungen mit Sitz in Frankfurt a.M gegr\u00fcndet wurde, hat inzwischen weiter an Bedeutung verloren. Ideologische Richtungsk\u00e4mpfe hatten schon Ende 1975 einen Zerfall in mehreren rivalsierende Gruppierungen zur Folge Diese Entwicklung hat sich nach dem Umsturz im Iran noch verst\u00e4rkt Die Anh\u00e4nger der einzelnen CISNUFl\u00fcgel orientieren sich derzeit an verschiedenen politischen Gruppierungen und Parteien im Iran. Ihre Aktivit\u00e4ten blieben jedoch gering Eine Ausnahme bildete lediglich die sozialrevolution\u00e4r ausgerichtete \"CISNUSymphatisanten der Volksfedayin Guerillas Iran\". Ihre Anh\u00e4ngerstehen der im Iran operierenden Untergrundorganisation \"Guerilla des iranischen Volkes' nahe, die sich -- wie de Volksfedayin (Mehrheit) -- 1980 vonder \"Guerillaorganisation der Volksfedayn im Iran' (vgl 6.1) abspaltete und unter ihrer F\u00fchrerin Ashraf Deghani zum \"bewaffneten Kampf' im iranischen Teil Kurdistans gegen das Khomeini-Regime aufruft. Angeh\u00f6rige der \"CISNU-Symphatisanten der Volksfedayin Guerillas Iran'' waren an der Besetzung des Iranischen Generalkonsulats Berlin am 4. August 1981 sowie aneiner zentralen Demonstration am 27. Jun 1981 n Bonn zum Thema \"Protest gegen den Massenmord im Iran (Kurdistan)\" beteiligt, die mit rund 1.000 Teilnehmern die bislang gr\u00f6\u00dfte Kundgebung iranischer Oppositioneller im Bundesgebiet seit dem Umsturz im Iran war. In Bayern bekennen sich die \"Organisation deriranischen Studenten in M\u00fcnchen\" und die \"Organisation deriranischen Studenten in Erlangen\" zu den Zielen der \"CISNU-Symphatisanten der Volksfedayin Guerillas Iran\". Beide Vereinigungen geh\u00f6ren zu denaktvsten iranischen Gruppierungen in Bayern. Themenihrer Agitation waren vor allem der Widerstand der kurdischen Freiheitsk\u00e4mpfer im Iran gegen die Machthaber n Teheran und der Beschlu\u00df der Kultusministerkonferenz vom 6. M\u00e4rz 1981, der Ma\u00dfnahmen zur Verbesserung der 'Auswahl von ausl\u00e4ndischen Studienbewerbern an Studienkollegien vorsah. Zum Gedenken an die Jahrestage der Gr\u00fcndung der \"Volksfedayin\" (8. Februar 1970) und des Volksaufstandes im Iran (10. Dezember 1978) sowie anl\u00e4\u00dflich aktueller Ereignisse im iranischen Teil Kurdistans f\u00fchrten beide Organisationen \u00f6ffentliche Veranstaltungen durch, an denen durchschnittlich 150 bis 200 Iraner teilnahmen Anh\u00e4nger beider Vereinigungen reisten au\u00dferdem zu der Demonstration am 27. Juni in Bonn. 138","Der 1972 gegr\u00fcndete \"Iranische Studentenverein M\u00fcnchen\" (ISVM) vertritt im wesentlichen die Linie der nach einer neuerlichen Spaltung bedeutungslos gewordenen Organisation \"Tufan'' im Iran. Verbindungen zum fr\u00fcheren Dachverband, der prochinesischen Mainzer CISNU, bestehen wegen deren Inaktivit\u00e4t nicht mehr. Verschiedentlich wurde eine Zusammenarbeit mit einer Gruppe der CISNU in Berlin festgestellt, die sich \"CISNU -- Berliner Zentrale\" nennt. Der ISVM spricht sich in seinen Verlautbarungen zwar f\u00fcr eine Unterst\u00fctzung der derzeitigen Regierung im Kampf gegen denIrak aus, ruft aber andererseits die im Ausland lebendenIraner zum gemeinsamen Kampf gegen den Imperialismus unddie ranische Reaktion auf. Der ISVM sucht die Unterst\u00fctzung der \"Organisation der iranischen Studenten in M\u00fcnchen' und des M\u00fcnchner \"Vereins der iranischen Demokraten\", der sich 1979 vom Dachverband, der sozialrevolution\u00e4ren \"CISNU Frankfurt\", trennte. Anl\u00e4\u00dflich der Wahl des iranischen Staatspr\u00e4sidenten betraten am 24 Juli 1981 rund 35 Angeh\u00f6rige des ISVM und des \"Vereins der iranischen Demokraten' das Generalkonsulat der Islamischen Republik Iran in M\u00fcnchen Sie \u00fcbergaben dem Generalkonsul eine Resolution, de er per Fernschreiben nach Teheran weiterleiten sollte. Das Protestschreiben, das mit \"Iranische demokratische Gruppe M\u00fcnchen der nationalen Front\" und \"Studentenvereinigung CISNU\" unterzeichnet war, enthielt scharfe Angrffe gegen das Khomeini-Regime. Von den\u00f6rtlichen Untergliederungen der von der CISNU abgespaltenen prochinesischen \"Conf\u00f6deration Iranischer Studenten\" (CIS) gingen 1981 keine Aktivit\u00e4ten aus. Die CIS unterst\u00fctzte von Beginn an die Revolution im Iran. Seit etwa 1980 nimmt se gegen\u00fcber den neuen Machthabern ene oppositionelle Haltung ein. Au\u00dferhalb Bayernsbeteiligten sich Anh\u00e4nger der CIS wiederholt an Botschaftsbesetzungen. Die Anh\u00e4nger der im Iran bestehenden Organisation \"'Peykar'' haben sich im Bundesgebiet in der marxistisch-leninistischen \"Union Iranischer Studenten in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin\" (UIS) zusammengeschlossen. Die \"'Peykar'' ging aus abgespaltenen Mitgliedern der \"'Volksmojahedin' hervor. Sie lehnt die islamisch-fundamentalistische Ausrichtung der \"Volksmojahedin'' ab und verurteilt sowohl Khomeini als auch Bani Sadr In Frankfurt a.M. verw\u00fcsteten Anh\u00e4nger der \"Peykar'' am 27. Juli das B\u00fcro der \"Iran Air'\". In Bayern verteilten iranische Studenten wiederholt im Bereich der Universit\u00e4ten Bayreuth und M\u00fcnchen gegen Khomeini gerichtete Flugbl\u00e4tter und das Organ der UIS \"Iran-heute\" 6.2.2 Islamische Fundamental Der \"Verein islamischer Studenten in Westdeutschland\" und de \"Moslemische Studentenvereinigung\" (MSV-W. Germany) vertreten im Bundesgebiet das Programm und die Ziele der im Iran t\u00e4tigen \"Volksmojahedin'. Die \"'Volksmojahedn\" sind eine Organisation islamischer Fundamentalisten mit marxistischer Pr\u00e4gung. Sie waren ma\u00dfgeblich an der Revolution m Iran beteiligt. Nach dem Umsturz gerieten sie zunehmend in Opposition zu dem neuen Regime, das 139","sie als \"Mullah-Diktatur\" verurteilen. Am 29. Juli 1981 begabsich ihre Generalsekret\u00e4r Masoud Radjavi mit Bani Sadr nach Frankreich ins Exil. Von den Anh\u00e4ngern der \"Volksmojahedin' gingen im Bundesgebiet die gr\u00f6\u00dften 'Aktivit\u00e4ten aus. So beteiligten sie sich an der Besetzungdes iranschen Generalkonsulats in Hamburg am 23. Juni, des islamischen Zentrums Hamburg am 20. Juli, der ranischen Botschaft in Bonn am 3. August unddes iranischen Generalkonsulats in Berlin am 4. August. Dabei kam es zu t\u00e4tlichen Auseinandersetzungen, Sachbesch\u00e4digungen und vorl\u00e4ufigen Festnahmen. In Bayern beschr\u00e4nkten sich die Aktivit\u00e4ten der Anh\u00e4nger der \"Volksmojahedin\" auf die Errichtung vonInformationsst\u00e4nden undVerbreitung von Flugbl\u00e4ttern an den Universit\u00e4ten M\u00fcnchenund Erlangen. Am 30. November 1981 kam es vor der Universit\u00e4t Erlangenzu T\u00e4tlichkeiten zwischen Anh\u00e4ngern der MSV undder \"Union der Islamischen Studentenvereine in Europa\" (UISA). 7. Italienische Gruppen 7.1 Linksextremisten Die \"Kommunistische Partei Italiens\" (PCI), deren Parteiorgan die in Italien gedruckte Zeitschrift \"L'Unita\" ist, gliedert sich in der Bundesrepublik Deutschland in de Gebietsf\u00f6derationen K\u00f6ln (Nord), Stuttgart (S\u00fcd) und Frankfurt a. M. (Mitte). In Bayern bestehen Bezirkskomitees in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg sowieeine Ortsgruppe in Augsburg. Die PCI-Mitglieder in Augsburg und N\u00fcrnberg zeigten 1981 nur geringes Interesse an der Parteiarbeit, w\u00e4hrend n M\u00fcnchen ene leichte Zunahme der Aktivit\u00e4ten feststellbar war. Am allj\u00e4hrlichen \"Festa dell'Unita'' am 21./22. November 1981 in M\u00fcnchen beteiligten sich rund 200 Personen, darunter auch etwa 100 PCI-Mitglieder aus Italien. Der im Jahre 1970 in Frankfurt a. M. gegr\u00fcndete \"Italienische Verband der Gastarbeiter und ihrer Familien\" (FILEF) ist eine von der PCI gesteuerte Betreuungsorganisation, deren Mitglieder in aller Regel auch Anh\u00e4nger der PCI sind. Als Publikationsorgane der FILEF erscheinen die Zeitschriften \"Emigrazione\" und \"Emigrazione Oggi' (Emigration heute) Der Verbandist im Bundesgebiet der Organisationsstruktur der PCI entsprechend in drei Zonen (Nord, Mitte, S\u00fcd) gegliedert. In Bayern bestehen Ortsgruppen in Landshut, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg, die auch 1981 nur geringe Aktivit\u00e4ten entwickelten. Am 27. September 1981 fand in N\u00fcrnbergein Fest der FILEF statt, zu dem sich rund 40 Personen einfanden. Dabei wandte man sich vorwiegend gegen die Stationierung von Neutronenwaffen in Europa. 7.2 Rechtsextremisten Die seit dem Jahre 1948 demitalienischen Parlament angeh\u00f6rende rechtsextreme \"Movimento Sociale Italiano -- Destra Nazionale\" -- MSI-DN -- (Soziale Italenische Bewegung -- Nationale Rechte) hatte fr\u00fcher auf eine eigene Pr\u00e4senz n den europ\u00e4ischen L\u00e4ndern verzichtet, um Konflikten mit den Gastl\u00e4ndern aus dem Wegezu gehen. 1980 begannsie mit dem Aufbau eines Parteiap140","parates im Bundesgebiet. In Bayern entstanden Ortsgruppen in Augsburg, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Die MSI-DN will ihre Arbeit im Bundesgebiet vor allem auf soziale Probleme konzentrieren. Sie st nach wie vor bestrebt, sich von deutschen rechtsextremen Organsationen abzugrenzen. Dasseit 1978 n Stuttgart als Verein eingetragene \"Tricolore-Komitee der Italiener in der Welt\" (CTIM), das in Bayern mehrere Ortsgruppenunterh\u00e4lt, versucht, die italienischen Arbeitnehmer im Sinne der MSI-DN zu betreuen. Obwohl sich das CTIM als eigenst\u00e4ndige, politisch und konfessionell unabh\u00e4ngige Organisation verstanden wissen will, weist es ideologische Gemeinsamkeiten mit der MSI-DN auf und st mit dieser n den F\u00fchrungspositionen personell verzahnt Nach wie vor steuert die MSI-DN \u00fcber das CTIM ihrer Propagandaaktionen. Die von ihr gelieferten Brosch\u00fcren, Zeitschriften und Flugbl\u00e4tter legen in den R\u00e4umlichkeiten des CTIM auf und werden auf Wunsch auch an Interessenten versandt Als Organ des CTIM erscheint die Zeitschrift \"Oltreconfine\" (\u00dcber die Grenzen). Die Aktivit\u00e4ten der Ortsgruppen des CTIM in Bayern waren auch 1981 unbedeutend. 8. Jugoslawische Gruppen 8.1 Kroaten 8.1.1 Kroatischer Nationalrat (HNV) Der im Februar 1974 in Toronto/Kanada gegr\u00fcndete \"Kroatische Nationalrat\" (HNV) versteht sich als Dachorganisation der kroatischen Widerstandsbewegungen auf internationaler Ebene. Ziele des HNV sind -- die Befreiung des kroatischen Volkes von der \"Fremdherrschaft\", -- die Losl\u00f6sung aus dem \"unnat\u00fcrlichen gro\u00dfserbischen'' Jugoslawien und -- die Bildung eines selbst\u00e4ndigen nichtkommunistischen Staates Kroatien, in dem die freigew\u00e4hlten Vertreter in einem Mehrparteiensystem \u00fcber zwischenstaatliche Beziehungen und die innerpolitische und gesellschaftliche Struktur entscheiden. Oberstes Organ des HNVist das im Turnus von zwei Jahren gew\u00e4hlte Parlament (SABOR). Weitere Organe sind der Exekutivausschu\u00df, der die Ziele des HNV in die Tat umsetzen soll, sowie der Kontrollrat und das Ehrengericht. Als Basisinstitutionen des HNV bestehen im Bundesgebiet rund 40 Ortsaussch\u00fcsse. Der Koordinierung ihrer Arbeit dient der 'Kroatische Koordinationsausschu\u00df der Gemeinschaft der Ortsaussch\u00fcsse des Kroatischen Nationalrats in der Bundesrepublik Deutschland' (HKO) mit Sitz in Stuttgart. Die Wahlen zum 4. SABORam 5. September 1981 fanden im Gegensatz zu den fr\u00fcheren in der kroatischen Emigration keine besondere Resonanz. Aus der Bundesrepublik Deutschland kandidierten 21 Exilkroaten, von denen aber nur zwei die erforderliche Stimmenzahl erhielten. Von den insgesamt gew\u00e4hlten 30 Mit141","gliedern haben 17 schon dem 3. SABOR angeh\u00f6rt. Die konservativen Altemigranten sind aus den Wahlen gest\u00e4rkt hervorgegangen. 8.1.2 Kroatische Staatsbildende Bewegung (HDP) Innerhalb des HNVhatte sich im Fr\u00fchjahr 1980eine lose oppositionelle Gruppierung gebildet. Sie bestand vorwiegend aus j\u00fcngeren, sozialistisch bis kommunistisch orientierten Anh\u00e4ngern des sogenannten \"Kroatischen Fr\u00fchlings', einer oppositionellen kommunistischen Bewegung von Kroaten in Jugoslawien, deren Repr\u00e4sentanten im Dezember 1971 entmachtet worden waren. Die Gruppierung, die vor\u00fcbergehend als \"'Koordinationszentrum im Auslandlebender Kroaten' (KCAK) auftrat, konstituierte sich schlie\u00dflich am 6 /7. Juni 1981 in Lund/ Schwedenals \"Kroatische Staatsbildende Bewegung\" (HDP). Publikationsorganist die Zeitschrift \"Hrvatsk List\" (Kroatisches Blatt). Die HDP versteht sich als eine mit dem HNV konkurr'erende Dachorganisaton der kroatischen Emigration. Nach \u00c4u\u00dferungenihrer Anh\u00e4nger und nach Pressever\u00f6ffentlichungen will die HDP den\"Vielv\u00f6lkerstaat\"' Jugoslawien mit allen Mitteln zerschlagen und mit sojwetischer Hilfe einen eigenst\u00e4ndigen Staat \"Vereinigtes Kroatien\" errichten, wobei eine zeitweilige Unterordnung unter die F\u00fchrung der Sowjetunion in Kauf genommen werden soll Die \u00fcbrigen kroatischen Emigranten lehnen solche Konzessionen entschieden ab. 8.1.3 Kroatische Gruppen in Bayern Das \"Kroatische Nationalkomitee in Europa\" (HNO) wurde 1950 in M\u00fcnchen gegr\u00fcndet, um durch den Zusammenschlu\u00df kroatischer Nationalisten und der kroatischen Intelligenz eine Sammelbewegung f\u00fcr alle parteilosen Kroaten zu schaffen. Ziel des HNO ist die Errichtung eines vom Kommunismus befreiten unabh\u00e4ngigen Staates Kroatien, der auch de Belange ethnischer Minderheiten wahren soll Das HNO, das wie in den Vorjahren kaum selbst\u00e4ndig in Erscheinungtrat, veranstaltete am 18. April in M\u00fcnchen eine Gedenkfeier anl\u00e4\u00dflich des Gr\u00fcndungstages des unabh\u00e4ngigen Staates Kroatien (10. April 1941). Daran betelgten sich rund 300 Personen, darunter auch Jugoslawen albanscher Volkszugeh\u00f6rigkeit. Die gleichzeitig beabsichtigte Demonstration kam wegen zu geringen Interesses ncht zustande Sonstige Aktionen des HNO waren mit dem HNV abgestimmt. Wie das HNOstrebt auch die \"Kroatische Republikanischen Partei\" (HRS) mit Sitz in Argentinien die Wiederherstellung eines selbst\u00e4ndigen und unabh\u00e4ngigen kroatischen Staates an. Die konservativen Kr\u00e4fte innerhalb der HRS sind bem\u00fcht, die Partei auf legalem und demokratischem Kurs zu halten Die HRS war 1981 in Bayern nur noch \u00fcber die aus HRS-Anh\u00e4ngern bestehenden HNVOrtsaussch\u00fcsse anpolitischen Aktionen der kroatischen Emigration beteiligt Der \"Bund der vereinigten Kroaten in Deutschland e.V.\" (UHNj)ist ein seit 1967 n M\u00fcnchen angemeldeter Ausl\u00e4nderverein. Er verfolgt laut Satzung neben kulturell-karitativen Zielen die F\u00f6rderungder kroatischen nationalen Interessen Der UHNj hatsich wiederholt eindeutig von densozialistisch bis kommunistisch orientierten Anh\u00e4ngern des \"Kroatischen Fr\u00fchlings\" distanziert Da die Vor142","standsmitglieder in Nordrhein-Westfalen wohnen, hat sich der Aktionsbereich der Organisation dorthin verlagert. In Bayern zeigte der UHNj nur geringe Aktivit\u00e4ten, die sich im wesentlichen auf die gelegentliche Verbreitung von Flugbl\u00e4ttern beschr\u00e4nkten. 82 Jugoslawen albanischer Volkszugeh\u00f6rigkeit Die politischen Auseinandersetzungen in der an Albanien grenzenden Provinz Kosovo wrkten sich auch innerhalb der jugoslawischen Emigration aus. Bei Zusammenk\u00fcnften kroatischer Emigranten traten wiederholt Jugoslawen albanischer Abstammung als Redner auf, die eine Losl\u00f6sung der Provinz Kosovo von Jugoslawien bef\u00fcrworteten und die Unterst\u00fctzung dieser Bestrebungen forderten 'Am 16. Ma fand in M\u00fcnchen ein Aufzug mit Schlu\u00dfkundgebung zum Thema \"Politische Unterdr\u00fcckung im Kosovo\" statt, an dem sich rund 400 Jugoslawen beteiligten. Eine Gruppe von etwa 75 bis 100 Demonstranten albanischer Volkszugeh\u00f6rigkeit trug einheitliche rote Halst\u00fccher. 8.3 Mordanschl\u00e4ge gegen Exiljugoslawen Erhebliches Aufsehen erregten die anhaltenden Bestrebungen, Vertreter der jugoslawischen Emigration im Bundesgebiet und im angrenzenden Ausland auszuschalten. Soerlitt der Funktion\u00e4r der \"Liga der albanischen Treue\" (N D.SH.) Rasim Zenelaj am 14. Mai bei einem Anschlag in Frankfurt a M. lebensgef\u00e4hrliche Schu\u00dfverletzungen. Ein unbekannter T\u00e4ter erscho\u00df am 9. Oktober in M\u00fcnchen den Exilkroaten Ante Kostic. Weitere drei Jugoslawen kamen m August und Oktober bei Anschl\u00e4gen in Z\u00fcrich, Br\u00fcssel und Pars ums Leben Das Schwurgericht beim Landgericht Saarbr\u00fccken stellte n einem Urteil vom Juli 1981 fest, die aus M\u00fcnchen angereisten T\u00e4ter eines am 13. Dezember 1980 versuchten Mordanschlags auf den Exilkroaten Franjo Goreta h\u00e4tten m Auftrag des jugoslawischen Geheimdienstes gehandelt. 9. Lateinamerikanische Gruppen Die sozialrevolution\u00e4re \"Unidad Popular\" (UP)ist ein Zusammenschlu\u00df der an der damaligen Volksfrontregierung Allendes in Chile beteiligten Parteien. In Bayern bet\u00e4tigen sich f\u00fcr die UP Anh\u00e4nger der \"Kommunistischen Partei Chiles\" (PC) und der \"Radikalen Partei Chiles\" (PR), die jedoch 1981 keine nennenswerten Aktivit\u00e4ten entwickelten. Chilenen aus Bayern beteiligten sich lediglich an einer Gro\u00dfdemonstration \"gegen den V\u00f6lkermord in EI Salvador\" am 31. Januar in Frankfurt a.M. Dersozialrevolution\u00e4re \"Lateinamerikanische Studentenverein\" (AELA), der den Umsturz in ganz Lateinamerika anstrebt, ist auch 1981 in Bayern nicht \u00f6ffentlich in Erscheinung getreten 143","10. Pakistanische Gruppen Seit der Hinrichtung des ehemaligen Ministerpr\u00e4sidenten Bhutto am 4. April 1979 und der Umwandlung Pakistans in eine islamische Republik erh\u00e4lt die vom derzeitigen Milit\u00e4rregime verbotene sozialrevolution\u00e4re \"Pakistan Peoples Party\" (PPP)im Bundesgebiet verst\u00e4rkt Zulauf Ihr Ziel ist die Abschaffung der Milit\u00e4rdiktatur in Pakistan zugunsten einer islamischen sozialistischen Volksmacht. Der \"Pakistanische Wohlfahrtsverein in der Bundesrepublik Deutschland\" in F\u00fcrth, der die PPP-Anh\u00e4nger betreute, wurde inzwischen aufgel\u00f6st. Anh\u00e4nger der PPP und zus\u00e4tzlich gewonnene Interessenten haben sich n Bayern und im \u00fcbrigen Bundesgebiet in neuen Ortsgruppen formiert 'Am 5. Juli 1981 fand in Bonn eine Demonstration der PPP mit etwa 3 000 Personen statt, an der sich eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl von Sympathisanten aus Bayern beteiligte. Die Redner forderten den sofortigen R\u00fccktritt der Regierung von General Zia Ul-Haq und die Schaffung demokratischer Verh\u00e4ltnisse n Pakistan. Gleichzeitig f\u00fchrte die PPP n D\u00fcsseldorf eine weitere Demonstration durch Die hohe Beteiligung an beiden Veranstaltungen deutet auf eine gro\u00dfe Mitgliederzahl und eine straffe Organisation der PPP im gesamten Bundesgebiet hin. 11. Spanische Gruppen Von den n Bayern bestehenden spanischen extremistischen Organisationen war wiederum nur de \"Kommunistische Partei Spaniens\" (PCE) aktiv. Die im 'Jahre 1921 gegr\u00fcndete PCEst orthodox-kommunistisch. In Spanien wurde die PCE nach dem Regierungsantritt Francos im Jahre 1939 verboten und erst 1977 wieder zugelassen. In der Bundesrepublik Deutschland wird die Parte durch ein \"Comit& Federal\" (Bundeskomitee) geleitet. Das Bundesgebiet ist in die Zonen Nord, Rhein-Ruhr, Hessen, Baden-W\u00fcrttemberg und Bayern gegliedert, denen etwa 50 \u00f6rtliche 'Zweiggruppen angeh\u00f6ren. In Bayern bestehen die Zweiggruppen M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg, deren Mitgliederzahlen r\u00fcckl\u00e4ufig sind Publikationen der PCEsnd die Zeitschrift \"Mundo Obrero\" (Welt der Arbeit) und dasparteitheoretische Organ \"Nuestra Bandera' (Unsere Fahne). Verbindungen bestehen zur \"'KommunistischenPartei Italiens\" (PCI), zur \"Kommunistischen Partei Griechenlands\" (KKEInland) und zur \"Deutschen Kommunistischen Partei' (DKP) Die Aktivit\u00e4ten der PCE richteten sich haupts\u00e4chlich gegen den beabsichtigten Beitritt Spaniens zur NATO. Im Juni 1981 fand in Frankfurt a.M. die 6. Bundeskonferenz der PCEstatt, an der wie im Vorjahr rund 90 Personen, darunter auch Mitglieder aus Bayern, teilnahmen. Die Parteileitung hob die bemerkenswerte Pr\u00e4senz und das steigendepolitische Engagement der Jugendhervor. 12. T\u00fcrkische Gruppen Die Lage in der T\u00fcrkei bestimmte weiterhin ma\u00dfgebenddie Aktivit\u00e4ten der t\u00fcrkischen Extremisten im Bundesgebiet. DerenAgitaton richtete sich in erster Linie gegen den jeweiligen politischen Gegner. Daneben traten jedoch -- beginnend 144","bei den Linksextremisten -- zunehmendeAngriffe gegen die t\u00fcrkischeMilit\u00e4rregierung in den Vordergrund. Weitere Protestaktionen, die vor allem vonlinksextremen Gruppierungen ausgingen, galten der Einf\u00fchrung des Visumszwangs f\u00fcr T\u00fcrken, der Handhabung des Asylrechts durch die deutschen Beh\u00f6rden, der Mitgliedschaft der T\u00fcrkei in der NATO undder von der Bundesregierung an die T\u00fcrkei geleisteten Finanz-, Wirtschaftsund Milit\u00e4rhilfe 12.1 Linksextremisten 12.1.1 Orthodoxe Kommunisten Die orthodox-kommunistische \"T\u00fcrkische Kommunistische Partei\" (TKP), die in der T\u00fcrkei seit dem Jahre 1923 verboten ist, verf\u00fcgt im Bundesgebiet \u00fcberkeinen eigenen Organisationsaufbau. Ihr Exilsitz ist Ost-Berlin. Bestrebungen der TKP,die Aufsplitterung der t\u00fcrkischen kommunistischen Vereinigungen im Bundesgebiet zu \u00fcberwindenund dabei ihren Einflu\u00df zu st\u00e4rken, f\u00fchrten Ende Februar 1977 in D\u00fcsseldorf zum Zusammenschlu\u00df der nationalkommunistischen \"F\u00f6deration Demokratischer Arbeitervereine der T\u00fcrkei in Europa\" (TDF) und der orthodox-kommunistischen \"F\u00f6deration t\u00fcrkischer Sozialisten in Europa\" (ATTF) unter der Bezeichnung \"F\u00f6deration der Arbeitervereine der T\u00fcrkei in der Bundesrepublik Deutschland e.V.\" (FIDEF). Diesem Dachverband geh\u00f6ren im Bundesgebiet etwa 80 Mitgliedsorganisationen mit insgesamt rund 18.000 Mitgliedern an, darunter auch t\u00fcrkischen Arbeitervereinigungen in Ingolstadt, Mainburg und M\u00fcnchen. Verbindungen bestehen u.a. zur \"Deutschen Kommunistischen Partei'' (DKP) und ihrer Nebenorganisation \"Marxistischer Studentenbund Spartakus'' (MSB Spartakus) sowie zum \"Sozialistischen Hochschulbund' (SHB). Als Organder FIDEF erscheint die Monatsschrift \"T\u00fcrkei-Informationen\"' in deutscher Sprache. Am 18./19. April 1981 veranstaltete die FIDEF ihren 5. Bundeskongre\u00df, der mit einer politischen Tagung in Dortmund begann. Die rund 500 Delegierten beschlossen, die k\u00fcnftige Agitation auf soziale Anliegen, wie Verbesserung des Mietrechts, zu konzentrieren und sich vordringlich f\u00fcr die Solidarit\u00e4t der deutschen und ausl\u00e4ndischen Arbeiter einzusetzen. Der Kongre\u00df endete mit einer Folkloreveranstaltung in Essen, an der rund 1.500 Personen teilnahmen Der \"T\u00fcrkische Arbeiterverein in M\u00fcnchen\" (M.I.DER), ein Mitgliedsverband der FIDEF, beteiligte sich am 25. Juli in M\u00fcnchen an einer Kundgebung der \"Deutschen Kommunistischen Partei' (DKP), die unter dem Motto \"K\u00fcnstler f\u00fcr den Frieden' stand. Am 26. Juli veranstaltete er eine Gedenkfeier f\u00fcr den am 22. Juli 1980 ermordeten Vorsitzenden der t\u00fcrkischen \"Konf\u00f6deration revolution\u00e4rer 'Arbeitergewerkschaften\" (DISK) Kemal T\u00fcrkler Unter den rund 200 Besuchern befanden sich auch Mitglieder orthodox-kommunistischer deutscher Organisationen. Ferner nahmen die Mitglieder des M.I.DER und rund 50 TKP-Anh\u00e4nger aus Bayern am 17. Oktober in Duisburg an einer Veranstaltung zum 61. Gr\u00fcndungstag der TKP teil. 145","In Dortmund fand am 12. September anl\u00e4\u00dflch des Jahrestages der Macht\u00fcbernahme durch das Milit\u00e4r in der T\u00fcrkei eine Demonstration statt, an der rund 3.500 Personen teilnahmen. Haupttr\u00e4ger der Veranstaltung waren orthodoxkommunistisch beeinflu\u00dfte Gruppierungen. Zu der Kundgebung reisten auch etwa 150 Anh\u00e4nger der FIDEF aus den R\u00e4umen M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. 12.1.2 Neue Linke Die proalbanische \"T\u00fcrkische Kommunistische Partei/lMarxisten-Leninisten\" (TKP/ML) wurde im Jahre 1972illegal in der T\u00fcrkei gegr\u00fcndet. Im Jahre 1974 fand die Gr\u00fcndungsversammlung f\u00fcr den Bereich der Bundesrepublik Deutschland statt Ziel der TKP/ML ist die Beseitigung des poltischen Systems in der T\u00fcrkei zugunsten einer kommunistischen Ordnung im Sinne des Marxismus-Leninismus. Ihre \"Frontorganisation\"\" ist die \"T\u00fcrkische Arbeiterund Bauernbefreiungsarmee\" (TIKKO). Die konspirativ arbeitende TKP/ML unterh\u00e4lt in Bayern St\u00fctzpunkte in Augsburg, B\u00e4umenheim, Coburg, Lauf a.d. Pegnitz, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg/F\u00fcrth. Sie tritt vorwiegend mit Schmieraktionen sowie durch Verbreitung von Schriften in Erscheinung. Als Organe der TKP/ML erscheinen die Publikationen \"Partizan' und \"Isci K\u00f6yl\u00fc Kurtulusu' (Arbeiter - Bauern - Befreiung). Der von der TKP/ML erheblich beeinflu\u00dfte proalbansche Dachverband \"F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V.\" (ATIF) hat sich nach monatelangen ideologischen Auseinandersetzungen im Sommer 1981 gespalten. Anh\u00e4nger der abgespaltenen Gruppe nennen sch jetzt \"'Partizan Bolsevik'' (PB), w\u00e4hrenddie in der urspr\u00fcnglichen Organisation verbliebenen Mitglieder intern die Zusatzbezeichnung \"Partizan' (P) f\u00fchren. Vonletzterer Gruppierung unterscheidet sich der abgespaltene Verband insofern, als er eine gewaltsame Durchsetzung seiner politischen Ziele in der T\u00fcrkei zum gegenw\u00e4rtigen Zeitpunkt noch als verfr\u00fcht ansieht. Er verbreitet die weiterhin erscheinenden Publikationen der TKP/ML und das Organ der ATIF \"'M\u00fccadele'' (Kampf) jeweils mit dem Zusatz \"Bolsevik\" (B). Dieselben ideologischen Auseinandersetzungen f\u00fchrten auch zur Spaltung des TKP/ML-beeinflu\u00dften proalbanischen Dachverbandes \"Studentenf\u00f6deration der T\u00fcrkei in Deutschland e.V.\" (AT\u00d6F), der kaum nocheigenst\u00e4ndigin Erscheinung tritt. Seine ehemalige Zeitschrift \"Birlik' (Einheit) ist jetzt Organ der im Dezember 1978 gegr\u00fcndeten proalbanschen \"Konf\u00f6deration der Studenten aus der T\u00fcrkei\" (T\u00d6K). Die Gruppierung \"Partizan Bolsevik'' der ATIF er\u00f6ffnete am 18. Juni 1981 in Heilbronn ihren ersten Jahreskongre\u00df, der bis 20. Juni dauern sollte. Daran beteiligten sich rund 150 T\u00fcrken, darunter auch etwa 60 Angeh\u00f6rige vonf\u00fcnf Ortsvereinen aus Bayern. Bei der Einla\u00dfkontrolle kam eszu t\u00e4tlichen Auseinandersetzungen, als rund 200 Anh\u00e4nger der Gruppierung \"Partizan\"', die ebenfalls zu der Veranstaltung angereist waren, in das Versammlungslokal zu gelangen versuchten. Dabei erlitten 30 T\u00fcrken zum Teil schwere Verletzungen. Nach Aufl\u00f6sung der Versammlung durch die Polizei wurde der Kongre\u00df abgebrochen. Die Gruppierung \"Partizan' der ATIF hielt vom 26.bis 28. Juni 1981 in Frankfurt a.M. ihren Jahreskongre\u00df ab, an dem sich etwa 800 Anh\u00e4nger aus dem gesam146","Publikationen extremistischer t\u00fcrkischer Organisationen .. enperptzme sasya-enperaizme (r) arHr ger arg EIN JAHR NILIT\u00c4RDIKTATUR! Organ des Devrimci Yol elSer Kurraus 3 [T\u00dcRKIvE Kom\u00fcnist PARTISi/MARKSIST-LENINIST(TIKP-ML) YAYIN ORGANI Organ der TKP/ML Vatana HASRET Organ der AD\u00dcTDF 147","ten Bundesgebiet beteiligten. Die rund 80 Delegierten w\u00e4hlten einen neuen Vorstand und beschlossen, engere Kontakte zu ideologisch nahestehenden ausl\u00e4ndischen und deutschen Gruppen zu suchen unddie \"faschistische Milit\u00e4rjunta\" in der T\u00fcrkei sowie t\u00fcrkische und deutsche \"Faschisten konsequent zu bek\u00e4mpfen. 'Am 14. November 1981 verteilten Anh\u00e4nger der Gruppierung \"Partizan\" der ATIF in Augsburg Propagandamaterial und Einladungsflugbl\u00e4tter zu einer Folkloreveranstaltung. Als sie in einem Lokal den anwesenden t\u00fcrkischen G\u00e4sten die Flugbl\u00e4tter aufdr\u00e4ngen wollten, kam es zu Meinungsverschiedenheiten und T\u00e4tlichkeiten. Schlie\u00dflich fl\u00fcchteten die Flugblattverteiler ins Freie. Einer von ihnen gab aus einer Pistole mehrere Sch\u00fcsse in das Lokal ab. Die Projektile durchschlugen f\u00fcnf Fensterscheiben und drangen in die Decke der Gastst\u00e4tte ein, ohne jemand zu verletzen. Gegen den Sch\u00fctzen, einen bekannten TKP/ML-Aktivisten aus Augsburg, erging Haftbefehl wegen Verdachts des versuchten Totschlags. Im Januar 1981 f\u00fchrten t\u00fcrkische Linksextremisten in mehreren St\u00e4dten des Bundesgebiets Hungerstreiks durch, um auf die \"unmenschlichen Haftmethoden' und die \"Verfolgung von Demokraten\" in der T\u00fcrkei durch die Milt\u00e4rregierung aufmerksam zu machen. In M\u00fcnchen organisierte die sozialrevolution\u00e4re Gruppierung \"Devrimci Yol\" (Revolution\u00e4rer Weg) einen Hungerstreik von 16 T\u00fcrken, der u.a. vom \"Kommunistischen Bund' (KB), vom \"Iranischen Studentenverein M\u00fcnchen\" (ISVM) und vom \"T\u00fcrkischen Arbeiterverein n M\u00fcnchen\" (M.I.DER) unterst\u00fctzt wurde. Bereits am 30. Dezember 1980 hatten acht Anh\u00e4nger von \"Devrimci Yol'' aus denselben Gr\u00fcnden in N\u00fcrnberg einen Hungerstreik begonnen. Dieser Aktion schlossen sich Anfang Januar 1981 drei Anh\u00e4nger der t\u00fcrkischen Gruppe \"Halkin Kurtulusu'\" (Befreiung des Volkes) an, die von der albanienorientierten \"Kommunistischen Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten)\" offiziell als Bruderorganisation bezeichnet wird. Am 12.113. Ma 1981 f\u00fchrten 18 Anh\u00e4nger von \"Devrimci Yol\" in einer Kirche n M\u00fcnchen einen Sitzstreik durch, der sich gegen Folterungen in der T\u00fcrkei durch die dortige Milit\u00e4rregierungrichtete. Parallel zu den orthodox-kommunistischen t\u00fcrkischen Organisationen hatten auch Gruppierungen der t\u00fcrkischen \"Neuen Linken' zu einer Demonstration anl\u00e4\u00dflich des Jahrestages der Macht\u00fcbernahme des Milit\u00e4rs in der T\u00fcrkei aufgerufen. An der Kundgebung, die am 12. September 1981 in Duisburg stattfand, beteiligten sich rund 15.000 bis 20.000 t\u00fcrkische Linksextremisten, darunter auch etwa 800 bis 1.000 Personen aus Bayern. 12.1.3 Kurden In denletzten beiden Jahren haben im Bundesgebiet die extremistischen Kurden zunehmende Bedeutung erlangt. Besonders aktiv waren T\u00fcrken kurdischer Abstammung, die einen autonomen Kurdenstaat anstreben. Die orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dfte \"F\u00f6deration der Arbeitervereine aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland\" (KOMKAR) mit Sitz in Frank148","furt a.M unterh\u00e4lt enge Kontakte zur \"F\u00f6deration der Arbeitervereine der T\u00fcrkei n der Bundesrepublik Deutschland\" (FIDEF) und zur \"Deutschen Kommunistischen Partei\" (DKP). Sie f\u00fchrte am 21. M\u00e4rz 1981 in M\u00fcnchen eine bundesweite Veranstaltung zum kurdischen Neujahrsfest durch Darbietungen mit politschem Charakter machten den rund 1.300 Besuchern die Forderung der t\u00fcrkischen Kurden nach Losl\u00f6sung aus dem t\u00fcrkischen Staatsverband deutlich. Der \"Arbeiterverein Kurdistan K\u00f6ln\", en Mitgliedsverein der KOMKAR, veranstaltete am 12 September n K\u00f6ln eine Demonstration zum Thema\"Gegen V\u00f6lkermord und de faschistische Milt\u00e4rjunta\". An der Kundgebung beteiligten sch etwa 1.300 meist t\u00fcrkische Kurden, darunter auch rund 250 Personen aus Bayern. Au\u00dfer Transparenten trugen einige Demonstranten Galgen, andere hatten sich angekettet. Rund 50 Kurden und T\u00fcrken aus dem Raum N\u00fcrnberg besuchten am 14. November in Duisburg eine Veranstaltung der orthodox-kommunistischen \"Kurdischen Volksh\u00e4user in der Bundesrepublik Deutschland\". Vor rund 500 Teilnehmern sprachen auch Vertreter der FIDEF und der DKP \u00fcber die Unterdr\u00fcckung des kurdischen Volkes und der \"Arbeiterklasse'' in der T\u00fcrke. Die Redner betonten das Recht des kurdischen Volkes auf Unabh\u00e4ngigkeit und forderten de Einheit aller \"demokratischen\"' Kr\u00e4fte gegen die \"Milit\u00e4rjunta\" n der T\u00fcrke. Beieiner Veranstaltung des \"Kurdischen Arbeiter-Solidarit\u00e4tsvereins'' zum Thema\"Unterdr\u00fcckung der Kurden durch die Junta', die am 22. November n M\u00fcnchen stattfand, forderte ein Redner den Sturz der \"faschistischen\" Junta in der T\u00fcrkei In N\u00fcrnberg traten vom 27 bis 29. November Angeh\u00f6rige der \"Kurdistan 'Arbeitervereinigung in N\u00fcrnberg e.V.\" in einen Hungerstreik, den 23 Organisationen, darunter griechische unditalienische Gruppierungen, unterst\u00fctzten. Die an der Akton Beteiligten bekundeten ihre Solidart\u00e4t mt rund 20 Anh\u00e4ngern der KOMKAR, die am 2. November in Frankfurt a. M. enen Hungerstreik begonnen hatten, um auf die Stuation in der T\u00fcrkei hinzuweisen. Die beiden genannten Vereine in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg sind Mitgliedsorganisationen der KOMKAR 12.2 Rechtsextremisten Die t\u00fcrkische \"Nationale Helsparte' (MSP) ist eine islamsch-nationalstische Gruppierung, die mit dem arabischen Sozialismus sympathisiert Se z\u00e4hlt im Bundesgebiet etwa 3.000 Mitglieder. Ihre Anh\u00e4nger schlossen sich teilweise in Organisationen mit der Bezeichnung \"Nationaler Standpunkt\" (Milli G\u00f6r\u00fcs) zusammen, auch andere Vereinigungen sind vom Gedankengut der MSP beeinflu\u00dft Am 7. Juni feierte die \"Organisation Nationaler Standpunkt' in M\u00fcnchen den 528. Jahrestag der Eroberung Istanbuls durch die T\u00fcrken Von rund 1.000 Zuh\u00f6rern krtisierte der Pr\u00e4sident der Vereinigung die t\u00fcrkische Milit\u00e4rregierung und die Inhaftierung des MSP-Vorsitzenden Necmettin Erbakan. Die rechtsextreme t\u00fcrkische \"Partei der Nationalen Bewegung\" (MHP)hatte im 'Jahre 1976 aufgrund enes Beschlusses dest\u00fcrkischen Verfassungsgerichtes ihre Zweigorganisationen m Bundesgebiet aufgel\u00f6st Die Mitglieder und Sympha149","tisanten sammelten sich danach vielfach in t\u00fcrkischen \"ldealistenvereinigungen\" und \"Kulturvereinen\". Als Gegengewicht zu denlinksextremen t\u00fcrkschen Dachverb\u00e4nden wurde am 18. Juni 1978 die \"F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa\" (AD\u00dcTDF) mit Sitz in Frankfurt a.M. gegr\u00fcndet. Im Bundesgebiet schlossen sich der AD\u00dcTDF bisher etwa 100t\u00fcrksche Organsationen mit insgesamt rund 23 000 Mitgliedern an, darunter Ausl\u00e4ndervereine n F\u00fcrth, Ingolstadt, Kempten, Lauingen, M\u00fcnchen, Nersingen, NeuUlm, N\u00fcrnberg, R\u00f6thenbach und W\u00fcrzburg. Organ der AD\u00dcTDF st die Zetschrift \"Vatana Hasret'' (Sehnsucht nach dem Vaterland) Am dritten Jahreskongre\u00df der AD\u00dcTDF am 19. April in Iserlohn beteiligten sch rund 2.000 Personen. Der \"Beistandsverein t\u00fcrkischer Arbeitnehmer n Neu-Ulm, Ulm und Umgebung e.V\" f\u00fchrte in Neu-Ulm am 28 Februar einen Folkloreabend und am 20. Juni eine Feier anl\u00e4\u00dflich der Er\u00f6ffnung seines n Ulm erworbenen Vereinsgeb\u00e4udes durch. Bei beiden Veranstaltungen trat der Vorsitzende der AD\u00dcTDF Serdar Celebi vor jeweils rund 500 Besuchern als Redner auf Wegen der Inhaftierung des MHP-Vorsitzenden Alparslan T\u00fcrkes und ener Vielzahl seiner Anh\u00e4nger n der T\u00fcrkei versandte die AD\u00dcTDF-Zentrale Ende Jul 1981 an hre Mitgliedsvereine einen Aufruf, der \"Befremden und Entsetzen\" \u00fcber die Strafverfolgung t\u00fcrkischer Nationalisten durch die Milit\u00e4rregierung bekundete und dazu aufforderte, die Unterst\u00fctzung der derzeitigen F\u00fchrungin der T\u00fcrkei einzustellen. Aus Protest gegen den Proze\u00df gegen T\u00fcrkes und einige hundert Mitglieder der MHP, der am 19. August 1981 in Ankara begann, legten Anh\u00e4nger der MHP am selben Tage n mehreren St\u00e4dten des Bundesgebietes, so auch in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg, vor den t\u00fcrkischen Generalkonsulaten schwarze Kr\u00e4nze nieder oder \u00fcbergaben sie den Botschaftsangeh\u00f6rigen Mehreren t\u00fcrkschen Konsulaten gingen Flugbl\u00e4tter zu, de sch gegen den Proze\u00df richteten. \u00c4hnliche Aktionen von MHP-Anh\u00e4ngern waren auch in Frankreich, \u00d6sterreich und den Niederlanden festzustellen. Am 17 Oktober veranstaltete die AD\u00dcTDF in Bonn einen Aufzug zum Thema \"Protestmarsch f\u00fcr die Demokratie und nationale Einheit n der T\u00fcrkei\". Rund 8.000 Teilnehmer, darunter \u00fcber 800 Anh\u00e4nger aus Bayern, riefen in t\u00fcrkscher und deutscher Sprache Parolen wie \"Nieder mt Kommunisten und Imperialisten', \"Auch wenn unser Blut flie\u00dft, geh\u00f6rt der Sieg dem Islam'' und \"'Nationalismus darf nicht vor Gericht gestellt werden\". Der Vorsitzende der AD\u00dcTDF Serdar Celebi erkl\u00e4rte bei der Schlu\u00dfkundgebung, da\u00df die Zeit des Schweigens vorbei sei Die Aktvt\u00e4ten t\u00fcrkischer Rechtsextremisten veranla\u00dften politische Gegner verschiedentlich, en Verbot der \"faschistischen Grauen W\u00f6lfe\" zu fordern. Dazu ist nach wie vor festzustellen, da\u00df es keine Anhaltspunkte f\u00fcr das Bestehen einer Organisation von \"Grauen W\u00f6lfen\" m Bundesgebiet gibt, obwohl bei einigen t\u00fcrkschen Vereinen die Verwendung des Wolfssymbols zu beobachten ist 150","Spionageabwehr 1. Allgemeine Erfahrungen Die Bundesrepublik Deutschland war auch 1981 ein bevorzugtes Ziel der Spionage von Nachrichtendiensten kommunistischer Staaten, insbesondere der DDR. Die Zahl der im Jahre 1981 erkannten Personen, die zur Spionaget\u00e4tigkeit aufgefordert worden waren, hat zwar den sehr hohen Stand des Vorjahres nicht erreicht. Die Zahl der Werbungen und Werbungsversuche \u00fcberstieg aber auch 1981 den Durchschnitt der letzten Jahre Von einem Nachlassen der Spionagebbedrohung kann daher nicht ausgegangen werden. Die gegnerischen Nachrichtendienste, insbesondere die der DDR, bleiben bem\u00fcht, die durch die Abwehrerfolge der vergangenen Jahre entstandenen L\u00fcckenin der Front der \"sozialistischen Kundschafter\" nicht nur zu schlie\u00dfen, sondern ihr Spionagenetz durch 'Anwerbung neuer Agenten weiter auszubauen. Das Schwergewicht der gegnerischen Auftr\u00e4ge lag auch 1981 bei der politischen Spionage. Sie richtete sich, wie in den Vorjahren, insbesondere gegen Regierungsund Verwaltungsstellen des Bundes und der L\u00e4nder, gegen Sicherheitsbeh\u00f6rden, die Ostemigration sowe politische Organisationen und Gruppen. Nebender politischen Spionage stand die Wirtschaftsspionage m Mittelpunkt des gegnerischen Interesses. Die Auftr\u00e4ge hatten vor allem die Elektrotechnik, die Elektronik und den Ger\u00e4tebau zum Ziel. In diesen Bereichen haben die Staaten des Ostblocks gro\u00dfe technologische L\u00fccken Die milit\u00e4rische Spionage richtete sich vorrangig gegen die Bundeswehr sowie die in der Bundesrepublik Deutschland stationierten NATO-Truppen und bezog sich vor allem auf die Aufkl\u00e4rung von Truppenst\u00e4rken, Bewaffnung und Ausr\u00fcstungder Streitkr\u00e4fte. Weitere Ziele waren, wie im Vorjahr, strategische Objekte, wie Stra\u00dfen und Br\u00fccken. Schwerpunkte bei Auftr\u00e4gen vorbereitender und unterst\u00fctzender Art waren Personenund Objektkl\u00e4rungen sowie die Beschaffung von Publikationen und ortsbezogenen Informationen. Das Bayerische Oberste Landesgericht verurteilte 1981 vier Personen wegen geheimdienstlicher Agentent\u00e4tigkeit zu Freiheitsstrafen zwischen 1 Jahr und 6 Monaten und 2 Jahren und 6 Monaten. Auftraggeber waren in allen F\u00e4llen die Nachrichtendienste der DDR. 151","Die Bek\u00e4mpfung der Spionage wurde zunehmend schwieriger. Zum einenverfeinerten die \u00f6stlichen Nachrichtendienste ihre Methoden; zum anderen war die 'Aussagebereitschaft gefa\u00dfter Agenten gering, weil diese auch bei einer Aussageverweigerung nur selten mit hohen Freiheitsstrafen rechnen mu\u00dften und auBerdem mit einem Austausch rechneten. 2. Die Rolle der Nachrichtendienste in kommunistischen Staaten Die Nachrichtendienste der kommunistischen Staaten entsprechen in Aufgabe undGliederung dem sowjetischen Schema. Sie sind \u00dcberwachungsund Unterdr\u00fcckungsinstrumente nach innen sowie Organe offensiver Kampff\u00fchrung nach au\u00dfen. Armeegeneral Erich Mielke, Minister f\u00fcr Staatssicherheit der DDR, sagte bezeichnenderweise dazu. \"Die Arbeit sozialistischer Kundschafter entspricht zutiefst dem humanistischen Wesen sozialistischer Politik. Sie ist ein Bestandteil unseres Kampfes f\u00fcr die Interessen der V\u00f6lker, gegen Krieg und Kriegsgefahr, f\u00fcr dasfriedliche Leben der Menschen und hat nichts gemein mit den friedensbedrohenden und menschheitsfeindlichen Aktivit\u00e4ten imperialistischer Geheimdienste, die kompromi\u00dflos bek\u00e4mpft werden\" In Erf\u00fcllung dieser Aufgabe betreiben die Nachrichtendienste ihre Spionaget\u00e4tigkeit mit hohem Einsatz. Die Mitarbeiter des Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit (MfS) der DDR sind \"zu h\u00f6chster Wachsamkeit, gr\u00f6\u00dfter pers\u00f6nlicher Einsatzbereitschaft und gewissenhafter Pflichterf\u00fcllung\"\" aufgerufen. Die \"bedeutend'\"\" versch\u00e4rfte internationale Lage verlange die \"weitere konsequente Aufkl\u00e4rung und Vereitelung friedensgef\u00e4hrdender und menschenfeindlicher Pl\u00e4ne und Machenschaften des Gegners\". 3. Werbungen, Werbungsversuche und allgemeine Werbungsmethodik Die st\u00e4rksten Spionageaktivit\u00e4ten gegen den Freistaat Bayern gingen auch 1981 wiederum von den Nachrichtendiensten der DDR aus. Ihr Anteil an den erkannten Werbungen und Werbungsversuchen betrug 65 %. Es folgten die Nachrichtendienste der CSSR mit 23 %. Die \u00fcbrigen Werbungen und Werbungsversuche entfielen auf die Nachrichtendienste Ungarns mit 5 %, der UdSSR mit 3 % sowie Polens und Rum\u00e4niens mit jeweils 2 %. 90 % (1980: 85 %) der nachrichtendienstlich Angesprochenen lehnten eine Mitarbeit von vornherein ab. 5 % erkl\u00e4rten sich \u00fcberwiegend aufgrund einer wirklichen oder vermeintlichen Zwangslage zu einer Mitarbeit bereit, wurden dann aber nachrichtendienstlich nicht t\u00e4tig. Die \u00fcbrigen wurdenf\u00fcr ihre Auftraggeber aktiv und f\u00fchrten die Auftr\u00e4ge zumindest teilweise aus. Im Vergleich zum Vorjahr ist diese Zahl um die H\u00e4lfte zur\u00fcckgegangen Fastdie H\u00e4lfte der erkannten Ansprachen erfolgte bei Reisen in den kommunistischen Machtbereich. Die von den dortigen Sicherheitsdiensten ausge\u00fcbtetotale \u00dcberwachung der Einreisenden beg\u00fcnstigt diese Werbemethode und f\u00fchrt systematisch zu gezielten und relativ risikolosen Ansprachen. Einen anderen Schwerpunkt der Werbungen gegnerischer Nachrichtendienste bildeten, wie im Vorjahr, Briefansprachen (15 %) und Ansprachen auf Zeitungsinserate hin 152","Erkannte Werbung und Werbungsversuche 1980 8 z &|lE \u00fc (c) |zu & (c) x 218 & 5 A a deg 5 28 1981 8 . 8oa 5 1*| z 8 z c EUR; <a 5 8 2 da: o deg EIEEE (15 %) Beachtenswert ist, da\u00df die Zahl von Ansprachen beim Aufenthalt in OstBerlin sprunghaft anstieg. Kontrollen, Zollvergehen, insbesondere unerlaubter Geldwechsel, u.a. bieten den Diensten der DDR hervorragende Gelegenheiten zu nachrichtendienstlichen Werbungsversuchen. Personen mit Wohnsitz im kommunistischen Machtbereich wurden, wie im Vorjahr, \u00fcberwiegend m Zusammenhang mit Ausreisebem\u00fchungen, privaten Westreisen und Westkontakten auf ein nachrichtendienstliches T\u00e4tigwerden angesprochen. Die Werbungsmittel gegnerischer Nachrichtendienste blieben dieselben. T\u00e4uschung, Versprechen und Gew\u00e4hren vonVorteilen, wie Befreiung vom Zwangsumtausch, Absehenvon Strafen, finanzielle Zuwendungen, sowie N\u00f6tigung und Drohung geh\u00f6ren nach wie vor dazu. Kontaktaufnahmen durch Briefe und auf Inserate hin erfolgten vorwiegend unter einer Legende. Ein erheblicher Teil nachrichtendienstlicher Aktvit\u00e4ten ging wiederum von den sog. legalen Resdenturen der gegnerischen Nachrichtendienste in amtlichen und halbamtlichen Vertretungen kommunistischer Staaten aus. Unver\u00e4ndert aktiv zeigte sich die Sowjetische Milit\u00e4rmission (SSM), die insbesondere bei Man\u00f6vern operative Erkundungsfahrten unternahm. Spionage wurde auch von Agenturen staatlicher Wirtschaftsorganisationen, B\u00fcros von Fluggesellschaften und Reiseunternehmen sowie Vertretungen von Presse, Funk und Fernsehen aus betrieben 153","Eine g\u00fcnstige Gelegenheit f\u00fcr Spionage boten ferner die sog. gemischten Gesellschaften, an denen Deutsche und Partner aus kommunistischen Staaten beteligt sind. Diese Firmen versuchten, neben ihrer wirtschaftlichen T\u00e4tigkeit milit\u00e4risch-strategische Informationen zu erlangen oder Embargowaren zu beschaffen. 4. Auftr\u00e4ge 37 %der erkannten Auftr\u00e4ge gegen Ziele in Bayernentfielen 1981 auf die Nachrichtendienste der DDR. Mit 33 % folgten die Auftr\u00e4ge der CSSR-Nachrichtendienste. 14 % der Auftr\u00e4ge wurden von den sowjetischen Nachrichtendiensten erteilt. 6 % der Auftr\u00e4ge gingen von den ungarischen Nachrichtendiensten aus. 5 % der Auftr\u00e4ge entfielen auf die Nachrichtendienste Polens, 3 % auf die rum\u00e4nischen Nachrchtendienste und 2 %auf die Nachrichtendienste Bulgariens. Erkannte Auftr\u00e4ge 1980 g 53 8 eg 8 g = . (c) - 5 &|r E r o |= |=|> 2 2 283 = 5 |9 |% 188 a oO a oO 819123 > a |5 1981 8 < 2 z > E x o|s|* [ol < 9 8 x zo 2E 5 x o >26 <|\u00fcwlz< x 5 5 8 @ EA FI: o deg > 5 je zB Das Schwergewicht der gegnerischenAuftr\u00e4ge lag 1981 in Bayern mit 51 %bei derpolitischen Spionage (Bundesergebnis: 37 %), gefolgt von der Wirtschaftsspionage, den Auftr\u00e4gen vorbereitender und unterst\u00fctzender Art sowie der milit\u00e4rischen Spionage. 52 %der erteilten Auftr\u00e4ge wurde ausgef\u00fchrt. Diese Zahl entspricht dem Durchschnitt der fr\u00fcheren Jahre. \u00c4hnlich wie in den Vorjahren waren auch Art und Umfang der Auftr\u00e4ge. Sie reichten von der Beschaffung offen zug\u00e4nglicher Publikationen bis zu streng gehhemen Vorg\u00e4ngen. 154","Zielrichtung der erkannten Spionageauftr\u00e4ge sn 2% 28% 2% 21% 1% 1\" . 1980 1981 1980 1981 1980 1981 1980 1981 Politisch Wirtschaft Vorbereitung Milit\u00e4risch Unterst\u00fctzung 5. Die Nachrichtendienste der DDR Die Nachrichtendienste der DDR waren 1981 mit einem Anteil von 65 % der erkannten Werbungen und Werbungsversuchen und 37 % der erfa\u00dften Auftr\u00e4ge wieder Haupttr\u00e4ger der Spionaget\u00e4tigkeit kommunistischer Staaten in Bayern. Die Spionage der DDR geht von der Hauptverwaltung Aufkl\u00e4rung (HVA)im Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit (MfS) und Diensteinheiten des milit\u00e4rischen Nachrichtendienstes der \"Verwaltung Aufkl\u00e4rung\" im Ministerium f\u00fcr Nationale Verteidigung aus. Das Hauptgewicht liegt bei der HVA. Die Aufgabe der \"Verwaltung Aufkl\u00e4rung\" besteht in der Beschaffung milit\u00e4risch-taktischer Informatonen und milit\u00e4rtechnischer Daten; ihre Haupterkundungsziele sind die Bundeswehr sowie die in der Bundesrepublik stationierten NATO-Streitkr\u00e4fte. Die HVAhat ihren Sitz bei der Zentrale des MfS in Berlin-Lichtenberg, Normannenstra\u00dfe 22. Ihr Personalbestand wird auf etwa 1.500 hauptamtliche Mitarbeiter gesch\u00e4tzt. Leiter der HVAist von Anbeginn der Generaloberst Markus Wolf. Die HVA umfa\u00dft 16 Abteilungen und verschiedene Diensteinheiten, die sich funktionell nach Beschaffung, Auswertung und Verwaltung gliedern. Die Abteilung | ist f\u00fcr die Abkl\u00e4rung von Bundesministerien und Obersten Bundesbeh\u00f6rden zust\u00e4ndig. Aufkl\u00e4rungsziel der Abteilung Il sind Parteien, Verb\u00e4nde, Gewerkschaften und Kirchen in der Bundesrepublik Deutschland. Die Abteilung Ill beschafft politische Informationen in den Staaten Westeuropas. Die Beschaffungsabteilung f\u00fcr die USA und Kanadaist die Abteilung XI, f\u00fcr L\u00e4nder der Dritten Welt die 'Abteilung XII Die Abteilung IV befa\u00dft sich mit der Milit\u00e4rspionage, insbesondere mit der Erfassung milit\u00e4rstrategischer Planungen. Die Abteilung VII ist die Auswertungsabteilung der HVA. 155","Eine Sonderstellung nmmt die Beschaffung und Auswertung vonInformationen aus dem Sektor Wissenschaft und Technik ein. Zust\u00e4ndig f\u00fcr de Beschaffung in diesem Bereich sind die Abteilungen XIll (Grundlagenforschung und Kerntechnik), XIV (Elektronik) und XV (Maschinen, Fahrzeugbau); die Auswertung nimmt f\u00fcr diesen Sektor die Abteilung V wahr. Nicht minder wichtige Aufgaben haben die unterst\u00fctzenden Abteilungen. Die Abteilung VI ist f\u00fcr die Ausbildung und Einschleusung von Agenten zust\u00e4ndig. Die 'Abteilung VIII befa\u00dft sich mit der Herstellung und dem Einsatz technischer Hilfsmittel, z.B. der Fertigung falscher P\u00e4sse oder der Herstellung sog. Container, d.h. von Beh\u00e4ltnissen zum versteckten Transport von Spionagematerial, Spezialkameras und anderen nachrichtendienstlichen Zubeh\u00f6rs. F\u00fcr die Bek\u00e4mpfung gegnerischer Nachrichtendienste ist die Abteilung IX verantwortlich. Eine politisch besonders wichtige Aufgabe wird vonder Abteilung X wahrgenommen. Sie ist mit der Vorbereitung und Durchf\u00fchrung von \"aktiven Ma\u00dfnahmen\" befa\u00dft. Sie soll planm\u00e4\u00dfig Einflu\u00df auf die \u00f6ffentliche Meinungin der Bundesrepublik durch Agitation, Desinformation, Subversion und durch den Einsatz sog. Einflu\u00dfagenten nehmen. Die Struktur der HVA umfa\u00dft dar\u00fcber hinaus verschiedene administrative Diensteinheiten f\u00fcr Verwaltung, Personal, Chiffrierwesen, das \"Grenzreferat' sowie die Schule der HVA. Die Aufkl\u00e4rungsarbet der HVA wird jedoch nicht nur durch de Zentrale geleistet, sondern auch durch die bei den Bezirksverwaltungen eingerichteten sog 'Abteilungen XV. Die wichtigsten Abteilungen der HVA haben dort ihre Entsprechung. Die Bezirksverwaltungen arbeiten nach bestimmten geographischen Zuordnungen. F\u00fcr Bayern snd die Bezirksverwaltungen Gera und Suhl zust\u00e4ndig. Die Nachrichtendienste der DDR sprachen auch 1981 Bundesb\u00fcrger bevorzugt bei Reisen in die DDR an Sie waren bem\u00fcht, die in den Vorjahren durch die zahlreichen Festnahmen und den Abzug von weiteren Agenten nach dem \u00dcbertritt des MfS-Offiziers Stiller entstandenen L\u00fccken zu schlie\u00dfen. Als Kontaktanla\u00df dienten den Nachrichtendiensten der DDR aktuelle Themen, wie z.B. der NATO-Doppelbeschlu\u00df, die Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik Deutschland und insbesondere der Wunsch nach Erhaltung des Friedens. So wurdeein Student, der mit einer Jugendgruppe im Herbst 1981 zu einem Besuch in Leipzig weilte, in der Wohnungseiner Gastgeber von zwei M\u00e4nnernzu einem Gespr\u00e4ch aufgesucht. Seine Gespr\u00e4chspartner gaben vor, an einem wissenschaftlichen Institut t\u00e4tig zu sein und derzeit an einem Buch \u00fcber die \"Friedensbewegung in der Bundesrepublik'' zu arbeiten. Sie seien deshalb interessiert, zu erfahren, wie die Jugend in der Bundesrepublik, insbesondere an der Universit\u00e4t seines Heimatortes, zum Frieden stehe. Dar\u00fcber hinaus wollten sie wissen, wie er die USA und die UdSSR sehe und vor welcher Gro\u00dfmacht er Angst habe. Er erwiderte, politisch nicht sonderlich interessiert zu sein. Wenn sie sich jedoch informieren wollten, so sollten sie zu einem Besuch in de Bundesrepublik reisen. Seine Gespr\u00e4chspartner erkl\u00e4rten daraufhin, da\u00df sie erst vor kurzem zu Besuch in der Bundesrepublik gewesen w\u00e4ren und eszu einer umfassenden Abhandlung 156","und Bewertung ihrer Arbeit unerl\u00e4\u00dflich sei, da\u00df sie mit der bundesdeutschen Jugend viele Gespr\u00e4che f\u00fchrten Bei den nachrichtendienstlich angesprochenen Personen mit Wohnsitz in der DDRdienten vor allem geplante \u00dcbersiediungen als Kontaktanla\u00df So gab ein aus der DDRin die Bundesrepublik eingereister \u00dcbersiedler an, er sei an seinem Arbeitsplatz von MfS-Angeh\u00f6rigen angesprochen und zur nachrichtendienstlichenMitarbeit aufgefordert worden. Er habe sich zur Zusammenarbeit bereit erkl\u00e4rt und eine entsprechende Verpflichtungserkl\u00e4rung unterschrieben, weil er sich dadurch eine schnellere und problemlosere Genehmigungseiner \u00dcbersiedlung versprochen habe. Erster Auftrag sollte en Bericht \u00fcber den Ablauf seiner \u00dcbersiedlung und sein Einleben in der Bundesrepublik sein. Weitere Aufgaben sollte er bei einem sp\u00e4teren Treff in der DDR erhalten 'Am 24. September wurde n M\u00fcnchen ein Rentner aus der DDR unter dem Vorwurf festgenommen, in der Bundesrepublik Deutschland als Kurier f\u00fcr den milit\u00e4rischen Nachrichtendienst der DDR t\u00e4tig geworden zusein. Der Ermittlungsrichter beim Bayerischen Obersten Landesgericht erlie\u00df Haftbefehl. Die Festnahmeerfolgte, nachdem der Rentner zuvor aufgrund seiner h\u00e4ufigen Reisen in die Bundesrepublik Deutschland aufgefallen war under bei den daraufhin veranla\u00dften Observationen als \u00dcberbringer von Briefen an verschiedene Bundesb\u00fcrger beobachtet werden konnte. 6. Nachrichtendienste der \u00fcbrigen kommunistischen St: Die erkannten Operationen der Nachrichtendienste anderer kommunistischer Staaten richteten sich gegen die Ostemigration, zielten vor allem aber auf den technisch-wissenschaftlichen Bereich und hatten insbesondere die Beschaffung von Waren, die Embargobestimmungen unterliegen, und vonmilit\u00e4risch-technischen Ger\u00e4ten zum Ziel. Die st\u00e4rksten Aktivit\u00e4ten entfalteten hierbei die Nachrichtendienste der UdSSR. Die Bem\u00fchungen, solche Ger\u00e4te zu beschaffen und damit Anschlu\u00df an die weiterentwickelte westliche Technologie zu gewinnen, zeigen die nachfolgenden F\u00e4lle: Wegen versuchter landesverr\u00e4terischer Aussp\u00e4hung mu\u00df sich ein Kaufmann verantworten. Ihm wird vorgeworfen, von etwa 1975 bis zu seiner Verhaftung f\u00fcr einen sowjetischen Nachrichtendienst, vermutlich das KGB, gearbeitet zu haben. Nach dem Ermittiungsergebnis soll er von dem sowjetischen Nachrichtendienst u.a. den Auftrag erhalten haben, ein Feuerleitsystem der amerikanischen Luftwaffe sowie die dazugeh\u00f6renden Radarerfassungsger\u00e4te und Radarst\u00f6rsender, die in der NATO geheime Verschlu\u00dfsachen sind, zu beschaffen. Der Verrat auch nur eines dieser Teile h\u00e4tte die Gefahr enes schweren Nachteils f\u00fcr die \u00e4uBere Sicherheit der Bundesrepublik und der NATO-Vertragsstaaten bedeutet. Zu einer Ausf\u00fchrung des Auftrages ist es trotz ernsthaften Bem\u00fchens nicht mehr gekommen. Der Kaufmann konnte enttarnt werden. Ein ihm zugespieltes \u00e4lteres elektronisches System hatte erals alt erkannt und nicht abgenommen und mit dem Lieferanten einen neuen \u00dcbergabetermin vereinbart. Er wurde verhaftet. Nach umfangreichen Vorermittlungen des Verfassungsschutzes wurde am 24. Juni in M\u00fcnchen ein 41j\u00e4hriger Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer einer Elektronikfirma wegen 157","Verdachts geheimdienstlicher T\u00e4tigkeit f\u00fcr einen sowjetischen Nachrichtendienst vorl\u00e4ufig festgenommen. Er konnte seit August 1979 bei mehreren konspirativen Treffs mit dem stellvertretenden Leiter der sowjetischen Handelsvertretung in K\u00f6ln beobachtet werden Der sowjetische Treffpartner war zu diesem Zeitpunkt den Sicherheitsbeh\u00f6rden bereits als Offizier des sowjetischen milit\u00e4rischen Nachrichtendienstes GRU bekannt; er kehrte zwischenzeitlich auf Intervention des Ausw\u00e4rtigen Amtesin die UdSSR zur\u00fcck Bei seiner Vernehmung best\u00e4tigte der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer die Treffs und gaban, seinen sowjetischen Partner 1978 bei einer Fachmesse in Moskau kennengelernt zu haben. Der Russe habe sich als Angeh\u00f6riger der sowjetischen Handelsvertretung in K\u00f6ln vorgestellt und sich angeboten, beim Absatz der von seiner Firma gef\u00fchrten Produkte in der UASSR behilflich zu sein. Der Kontakt habein der Folgezeit zu regelm\u00e4\u00dfigen Begegnungen gef\u00fchrt und sich gesch\u00e4ftlich als sehr n\u00fctzlich erwiesen. Bei diesen Begegnungen habeihn sein Partner wiederholt aufgefordert, den Embargobestimmungen unterliegende elektronische Ger\u00e4te, u.a. einen Laser-Entfernungsmesser, der im milit\u00e4rischen Bereich Verwendung findet, zu beschaffen. Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer will die Lieferung dieser Ger\u00e4te abgelehnt haben. 158","159","Gesetz \u00fcber de Errichtung eines Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz in der Fassung der Bekanntmachung vom 8. August 1974 (GVBI S. 467) Art. 1 Zust\u00e4ndigkeit (1) In Bayern wird ein Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz errichtet. Es ist eine dem Staatsministerium des Innern unmittelbar nachgeordnete Beh\u00f6rde undist ausschlie\u00dflich f\u00fcr die Wahrnehmung der Aufgaben nach Art. 2 zust\u00e4ndig Nach Bedarf k\u00f6nnen Au\u00dfenstellen des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz eingerichtet werden. (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf einer polizeilichen Dienststelle nicht angegliedert werden (3) Verfassungsschutzbeh\u00f6rden anderer L\u00e4nder d\u00fcrfen im Geltungsbereich dieses Gesetzes nur im Einvernehmen mit dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz t\u00e4tig werden. Art. 2 Aufgaben (1) Aufgabe des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz ist die Sammlung und Auswertung von Ausk\u00fcnften, Nachrichten und sonstigen Unterlagen \u00fcber 1. Bestrebungen, die gegendie freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand und die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung von Mitgliedern verfassungsm\u00e4\u00dfiger Organe des Bundes oder eines Landes zum Ziele haben; 2. sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten im Geltungsbereich des Gesetzes \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder n Angelegenheiten des Verfassungsschutzes f\u00fcr eine fremde Macht, 3. Bestrebungen m Geltungsbereich des Gesetzes \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes, de durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden. 160","(2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wirkt mit 1. bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, denen im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftige Tatsachen, Gegenst\u00e4nde oder Erkenntnisse anvertraut werden, die Zugang dazuerhalten sollen oder ihn sich verschaffen k\u00f6nnen; 2. bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, die an sicherheitsempfindlichen Stellen von lebens-oder verteidigungswichtigen Einrichtungen besch\u00e4ftigt sind oder besch\u00e4ftigt werden sollen; 3. bei technischen Sicherheitsma\u00dfnahmen zum Schutz von im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftigen Tatsachen, Gegenst\u00e4nden oder Erkenntnissen gegen die Kenntnisnahme durch Unbefugte; 4. bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, die sich um Einstellung in den \u00f6ffentlichen Dienst bewerben. (3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz unterrichtet die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder \u00fcber alle Angelegenheiten des Verfassungsschutzes, von denenes Kenntnis erh\u00e4lt und die f\u00fcr den Bund oder das betreffende Land von Wichtigkeit sind. Art. 3 Befugnisse Polizeiliche Befugnisse oder ein Weisungsrecht gegen\u00fcber Polizeidenststellen stehen dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nicht zu. Zur Wahrnehmung seiner Aufgaben nach Art. 2 Abs. 1 und 2 ist das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz befugt, nachrichtendienstliche Mittel anzuwenden. Art.4 'Amtshilfe und Auskunftserteilung (1) Die Beh\u00f6rden undEinrichtungen des Staates, die Gemeinden, die Gemeindeverb\u00e4nde, die sonstigen der Aufsicht des Staates unterstehenden juristischen Personen des \u00f6ffentlichen Rechts, die Gerichte und das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz leisten einander Rechtsund Amtshilfe. (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz kann \u00fcber alle Angelegenheiten, deren Aufkl\u00e4rung zur Wahrnehmung seiner Aufgaben erforderlich ist, von den in Absatz 1 genannten Stellen Ausk\u00fcnfte und die \u00dcbermittlung von Unterlagen verlangen, soweit nicht gesetzliche Vorschriften entgegenstehen. (3) Dar\u00fcber hinaus habendie in Absatz 1 genannten Stellen dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz alle Tatsachen und Unterlagen \u00fcber Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten m Sinne des Art. 2 Abs. 1 unaufgefordert zu \u00fcbermitteln. 161","Art.5 Durchf\u00fchrungsbestimmungen Die zur Durchf\u00fchrung dieses Gesetzeserforderlichen Bestimmungen erl\u00e4\u00dft das Staatsministerium des Innern. Art.6 Inkrafttreten DasGesetz ist dringlich. Estritt am 1. November 1950 in Kraft.*) *) Diese Vorschrift betrifft das Inkrafttreten des Gesetzes in der urspr\u00fcnglichen Fassung vom 22 November 1950 (BayBS | S. 434) Der Zeitpunkt des Inkrafttretens der sp\u00e4teren \u00c4nderungenergibt sich aus den jeweiligen \u00c4nderungsgesetzen 162","Anhan 2","Bayerischer Staatsanzeiger Nr 16/28. Jahrgang Amtliche Ver\u00f6ffentlichung 19. April 1973 Staatskanzlei Pflicht zur Verfassungstreue m \u00f6ffentlichen Dienst Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 27. M\u00e4rz 1973 NR A | 3 -- 180-6-84 Die Bayerische Staatsregierung hat in ihrer Sitzung vom 27 M\u00e4rz 1973in \u00dcbereinstimmung mit dem Beschlu\u00df der Regierungschefs des Bundes und der L\u00e4nder vom 28. Januar 1972 ihren Beschlu\u00df vom 25. April 1961 \u00fcber verfassungsfeindliche Bet\u00e4tigung von Angeh\u00f6rigen des \u00f6ffentlichen Dienstes (Bekanntmachungder Bayerischen Staatsregierung vom 25. April 1961, StAnz Nr 19) durch die folgende Bekanntmachung \u00fcber die Pflicht zur Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst neu gefa\u00dft: 1. Die Regierungschefs des Bundes und der L\u00e4nder haben am 28. Januar 1972 folgenden Beschlu\u00df gefa\u00dft: 1. Nach den Beamtengesetzen in Bund und L\u00e4ndern -- darf in das Beamtenverh\u00e4ltnis nur berufen werden, wer de Gew\u00e4hr daf\u00fcr bietet, da\u00df er jederzeit f\u00fcr de freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes eintritt; -- snd Beamte verpflichtet, sich aktv innerhalb und au\u00dferhalb des Dienstes f\u00fcr die Erhaltung dieser Grundordnung einzusetzen. Es handelt sich hierbei um zwingende Vorschriften. Jeder Einzelfall mu\u00df f\u00fcr sch gepr\u00fcft und entschieden werden. Von folgenden Grunds\u00e4tzen ist dabei auszugehen: B Bewerber Ein Bewerber, der verfassungsfeindliche Aktivit\u00e4ten entwickelt, wird nicht in den \u00f6ffentlichen Dienst eingestellt. Geh\u00f6rt ein Bewerber einer Organisation an, die verfassungsfeindliche Ziele verfolgt, so begr\u00fcndet diese Mitgliedschaft Zweifel daran, ob er jederzeit f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung eintreten wird. Diese Zweifel rechtfertigen in der Regel eine Ablehnung desEinstellungsantrages. 164","2.2 Beamte Erf\u00fcllt ein Beamter durch Handlungen oder wegen seiner Mitgliedschaft in einer Organisation verfassungsfeindlicher Zielsetzung die Anforderungen des $ 35 Beamtenrechtsranmengesetz nicht, aufgrund derer er verpflichtetist, sch durch sen gesamtes Verhalten zu der freiheitlichen demokratischen Grundordnung m Snne des Grundgesetzes zu bekennen und f\u00fcr deren Erhaltung einzutreten, so hat der Dienstherr aufgrund des jeweils ermittelten Sachverhalts die gebotenen Konsequenzen zu ziehen und nsbesondere zu pr\u00fcfen, ob de Entfernung des Beamten aus dem Dienst anzustreben st. F\u00fcr Arbeiter und Angestellte im \u00f6ffentlichen Dienst gelten entsprechend den jeweiligen tarifvertraglichen Bestimmungen deselben Grunds\u00e4tze. Il. Die Bayerische Staatsregierung hat die Verbindlichkeit dieser Grunds\u00e4tze f\u00fcr alle \u00f6ffentlich-rechtlichen Dienstherren und Arbeitgeber in Bayern mit Beschlu\u00df vom 18 Aprl 1972 best\u00e4tigt. Zu ihrer Durchf\u00fchrung wird folgendes bestimmt: 1 Vor der Einstellung eines Bewerbers n den \u00f6ffentlichen Dienst haben de Einstellungsbeh\u00f6rden zun\u00e4chst beim Staatsministerium des Innern anzufragen, ob Tatsachen bekannt snd, de Bedenken gegen die Einstellung begr\u00fcnden. Das Staatsministerium des Innern ist verpflichtet, Anfragen dieser Art unverz\u00fcglich zu beantworten. Die Ausk\u00fcnfte snd auf Tatsachen zu beschr\u00e4nken, die gerichtsverwertbar snd. Die Anfrage nach Satz 1 entf\u00e4llt, wenn bereits aufgrund anderer Vorschriften eine \u00dcberpr\u00fcfung vor der Einstellung vorgesehen st Beabsichtigt die Einstellungsbeh\u00f6rde nach Eingang der Auskunft des Staatsmnisteriums des Innern, den Bewerber einzustellen, so st der Bewerber vor der Entscheidung \u00fcber de Einstellung zun\u00e4chst gem\u00e4\u00df Anlage 1* schriftlich zu belehren und zur Unterzeichnung der Erkl\u00e4rung gem\u00e4\u00df Anlage 2* aufzufordern. Bestehen auf Grund der vom Staatsministerium des Innern mitgeteilten oder anderweitig bekannt gewordenen Tatsachen oder wegen der Weigerung, die vorbezeichnete Erkl\u00e4rung zu unterschreiben, Zweifel daran, da\u00df der Bewerber jederzeit f\u00fcr de freiheitliche demokratische Grundordnung m Snne des Grundgesetzes entritt, so st hm Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben K\u00f6nnen die Zweifel ncht ausger\u00e4umt werden, so darf er ncht n den \u00f6ffentlichen Dienst eingestellt werden Wrd die Einstellung n den \u00f6ffentlichen Dienst deshalb abgelehnt, weil der Bewerber ncht die Gew\u00e4hr daf\u00fcr bietet, da\u00df erJederzeit f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung im Snne des Grundgesetzes eintritt, so ist die Entscheidung dem Bewerber schriftlich unter Darlegung der Gr\u00fcnde mitzuteilen, betrifft sie die \u00dcbernahme n ein Beamtenoder Richterverh\u00e4ltnis, so mu\u00df sie au\u00dferdem eine Rechtsmittelbelehrung enthalten. 165","5. Nummern1 bis 4 gelten auch f\u00fcr Bewerbungen um die \u00dcbernahmein das Beamtenverh\u00e4ltnis auf Widerruf. Dabei sind Ausbildungszweck und Ausbildungsweise zu ber\u00fccksichtigen. . Besteht der Verdacht, da\u00df ein Angeh\u00f6riger des \u00f6ffentlichen Dienstes gegen die Pflicht zur Verfassungstreue verst\u00f6\u00dft, so pr\u00fcft seine Dienststelle, ob die gesetzlich vorgesehenen Ma\u00dfnahmen zu ergreifen sind, um ihn zur Erf\u00fcllung seiner Dienstpflichten anzuhalten oder ihn aus dem Dienst zu entfernen. Art. 70 des Bayerischen Personalvertretungsgesetzes ist zu beachten. In den F\u00e4llen der Nummern 4 und 6 sind die zust\u00e4ndige oberste Dienstbeh\u00f6rde und die Staatsministerien des Innern und der Finanzen vor der Entscheidung zu unterrichten und \u00fcber den Fortgang der Sache auf dem laufenden zu halten Il. Den Gemeinden, Gemeindeverb\u00e4nden und sonstigen der Aufsicht des Freistaates Bayern unterliegenden juristischen Personen des \u00f6ffentlichen Rechts wird empfohlen, nach den vorstehenden Bestimmungen zu verfahren. IV. Diese Bekanntmachung tritt am 1. April 1973 n Kraft. Gleichzeitig tritt die Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 25. Aprl 1961 (StAnz Nr 19) au\u00dfer Kraft. M\u00fcnchen, den 27. M\u00e4rz 1973 DerBayerische Ministerpr\u00e4sident Dr. h.c. Goppel * nicht abgedruckt 166","Anhang d","Ausz\u00fcge aus den Rechenschaftsberichten nach $ 23 Parteiengesetz von DKP, DFU und NPD Quelle: Bundesanzeiger Nr. 227 vom 4. Dezember 1981 Erl\u00e4uterung der Spalten 1 Mitgliedsbeitr\u00e4ge 2 Beitr\u00e4ge der Fraktionsmitglieder und \u00e4hnliche regelm\u00e4\u00dfige Beitr\u00e4ge 3 Einnahmen aus Verm\u00f6gen 4 Einnahmen aus Veranstaltungen, Vertrieb von Druckschriften und Ver\u00f6ffentlichtungen und sonstiger mit Einnahmen verbundener T\u00e4tigkeit der Partei Spenden Kredite oeonouErstattungsbetr\u00e4ge nach dem Vierten Abschnitt des Parteiengesetzes Sonstige Einnahmen Gesamteinnahmen 168","169 68$(c)2}L9v PWjv0s|oea--reuri5\"=gosBI-vrswnay'zsireL9ao]i|suconez5AR--znasupr|z\u00df86ei2ghosra's0npregEURz}68Ldegsv9u-oena$rg|e","Abk\u00fcrzungsverzeichnis","AB. Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD 59 AD\u00dcTDF F\u00f6deration Demorkatischer T\u00fcrkischer Idealistenvereinigungen in Europa 150 AELA Lateinamerikanscher Studentenverein 143 AEL 'Aktionseinheitsliste 124 AELILFB 'Aktionseinheitsliste unabh\u00e4ngiger Linker/Liste f\u00fcr Fachschaften und Basisgruppen 120, 124 AELILUF 'Aktionseinheitsliste/Liste unabh\u00e4ngiger Fachschaften 123 AESE Assoziation eritreischer Studenten n Europa 133 AEWE 'Assoziation eritreischer Arbeiter in Europa 133 AKJD 'Arbeitskreis Junges Deutschland 82 AKON Aktion Deutsche Einheit 86 ALM Anarchistische Liga M\u00fcnchen 66 ANA Arbeitskreis Nationaldemokratischer Akademiker 82 ANS 'Aktionsfront Nationaler Sozialisten 90 ASKo Anti-Strau\u00df-Komitee 60 AStA Allgemeiner Studentenausschu\u00df 124 ATIF F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland 146 AT\u00d6F F\u00f6deration der Studenten aus der T\u00fcrkei in Deutschland 146 ATTF F\u00f6deration t\u00fcrkischer Sozialisten in Europa 145 BG Basisgruppen 121 BHJ Bund Heimattreuer Jugend % BKI Bund Kommunistischer Intellektueller 57 BSA Bund Sozialistischer Arbeiter 64 BWK Bund Westdeutscher Kommunisten 53 BWK-HZ BWK-Hochschulzellen 55, 112 cs Conf\u00f6deration Iranischer Studenten 139 CISNU Conf\u00f6deration Iranischer Studenten -- National Union 138 CTIM Trikolore-Komitee der Italener in der Welt 141 DA Deutscher Anzeiger 84, 97 DA Deutsche Aktionsgruppen 103 DB Deutscher Block 84, 94 DFI Demokratische Fraueninitiative 48 DFG-IdK Deutsche Friedensgesellschaft -- Internationale der Kriegsdienstgegner 44 DFG-VK Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner 44 DFLP Demokratische Front zur Befreiung Pal\u00e4stinas 134 DFU Deutsche Friedens-Union 39 DID Demokratischer Informationsdienst 60 DISK Konf\u00f6deration revolution\u00e4rer Arbeitergewerkschaften 145 DKEG Deutsches Kulturwerk Europ\u00e4ischen Geistes 96 DKG Deutsche Kulturgemeinschaft 6 DKP Deutsche Kommunistische Partei 18 DKPIHG DKP-Hochschulgruppe 25, 112","DNZ Deutsche National-Zeitung 97 DPG Deutsch-Polnische Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland 4 DRP Deutsche Reichspartei 77 DVASM Demokratischer Verein afghanischer Studenten in M\u00fcnchen 133 DVG Deutsche Verlagsgesellschaft mbH 98 DVU Deutsche Volksunion 83 Deutsche Volkszeitung 39 Dwz Deutsche Wochen-Zeitung 98 EKKE Revolution\u00e4re Kommunistische Bewegung Griechenlands 136 ELF Eritreische Befreiungsfront 133 EPLF Eritreische Volksbefreiungsfront 133 F.A.N.E. Federation d'Action Nationale Europ&enne 90 FASA F\u00f6deration Afghanischer Studenten im Ausland 133 FIDEF F\u00f6deration der t\u00fcrkischen Arbeitervereine in der Bundesrepublik Deutschland 145 FILEF Italienischer Verband der Gastarbeiter und ihrer Familien 140 FIR Federation Internationale des Resistants 18, 41 FNE Faisceaux Nationalistes Europ&ens 9 FR Freiheitlicher Rat 84 GAD Gr\u00fcne Aktion Deutschland 87 GP Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik 96 GIM Gruppe Internationale Marxisten -- Deutsche Sektion der IV. Internationale 64 GNN Gesellschaft f\u00fcr Nachrichtenerfassung und Nachrichtenverbreitung mbH 55 GoL Gewerkschaftlich orientierte Liste 124 GSH Gefangenenselbsthilfe N\u00fcrnberg 66 GUAIS Generalunon Afghanischer Studenten im Ausland 132 GUPA Generalunion pal\u00e4stinensischer Arbeiter 134 HDP Kroatische Staatsbildende Bewegung 142 HKO Kroatischer Koordinationsausschu\u00df der Gemeinschaft der Ortsaussch\u00fcsse des Kroatischen Nationalrates n der Bundesrepublik Deutschland 141 HNG Hilfsorganisation f\u00fcr nationale undpolitische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige eV. 90 HNO Kroatisches Nationalkomitee in Europa 142 HNV Kroatischer Nationalrat 141 HRS Kroatische Republikanische Partei 142 HVA Hauptverwaltung Aufkl\u00e4rung 155 172","IDFF Internationale Demokratische Frauenf\u00f6deration 48 LA. Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung 87 IMSF Institut f\u00fcr Marxistische Studien und Forschung 30 ISVM Iranischer Studentenverein M\u00fcnchen 139 IVDJ Internationale Vereinigung Demokratischer Juristen 48 JBA Jugendbund Adler 94 JF Junge Front 88 JN Junge Nationaldemokraten 80, 125 JP Junge Pioniere -- Sozialistische Knderorganisation 37 KABD Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands 57 KAZ Kommunistische Arbeiterzeitung 59 KB Kommunistischer Bund 56 KBW Kommunistischer Bund Westdeutschland 51 KCAK Koordinationszentrum im Ausland lebender Kroaten 142 KDS Komitee f\u00fcr Demokratie und Sozialismus 65 KFAZ Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit 47 KHB Kommunistischer Hochschulbund 59 KHG Kommunistische Hochschulgruppen 53, 112 KJB Kommunistische Jugendb\u00fcnde 53 KJD Kommunistische Jugend Deutschlands 62, 124 KKE-AuslandKommunistische Partei Griechenlands 134 KKE-Inland Kommunistische Partei Griechenlands 134 KN Knastgruppe N\u00fcrnberg 66 K.N.E. Kommunistische Jugend Griechenlands 134 KOMKAR F\u00f6deration der Arbeitervereine aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland 148 KPCh Kommunistische Partei Chinas 49, 51 KPD Kommunistische Partei Deutschlands 18, 61,65 KPDI/ML Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten 61 KPdSU Kommunistische Partei der Sowjetunion 17 KRH Kollektiv Rote Hilfe M\u00fcnchen 66 KS Kommunistische Studenten 62, 117 KSG Kommunistische Studentengruppen 57, 112 KUK Kommunismus und Klassenkampf 52 Kvz Kommunistische Volkszeitung 52 LAF Liste AStA und Fachschaften f\u00fcr die Weiterf\u00fchrung und gesetzliche Wiederverankerung der Verfa\u00dften Studentenschaften 114, 124 LDA Liste Demokratischer AStA 122 LFB Liste der Fachschaften und Basisgruppen 124 LISA Liste st\u00e4rkt den AStA 122 173","MAB Marxistische Arbeiterbildung MASCH Marxistische Abendschulen MAZ Marxistische Arbeiterzeitung MS Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit der DDR MG Marxistische Gruppe 51, 118, 125 MHP Partei der Nationalen Bewegung M.I.DER T\u00fcrkischer Arbeiterverein in M\u00fcnchen ML-KKE Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei Griechenlands MSB Marxistischer Studentenbund Spartakus 36, 114 MSI-DN Soziale italienische Bewegung -- Nationale Rechte MSP Nationale Heilspartei MSZ Marxistische Studenten-Zeitung N.D.SH. Liga der albanischen Treue NDAP Nationale Deutsche Arbeiterpartei NDP Nationaldemokratische Partei \u00d6sterreichs NE Nation Europa (Monatszeitschrift) NHB Nationaldemokratischer Hochschulbund 82, 122 NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands NRAF Nationalrevolution\u00e4re Arbeiterfront NSDAP National-Sozialistische Demokratische Arbeiter-Partei NSDAP Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei NSDAP-AO NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation 90, 100, 107 NUESE Nationalunion eritreischer Studenten in Europa NUEWE Nationalunion eritreischer Arbeiter in Europa NUEWE Nationalunion eritreischer Frauen n Europa 133 OEFE Verband Griechischer Studentenvereine in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin 136 OEK Verband Griechischer Gemeinden in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin 136 PAA Partei der Arbeit Albaniens 49, 61 PAV Pal\u00e4stinensischer Arbeiterverein 134 Partizan 146 PB Partizan Bolsevk 146 Kommunistische Partei Chiles 143 PCE Kommunistische Partei Spaniens 144 pc Kommunistische Partei Italiens 140 PdA Partei der Arbeit 88 PFLP Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas 134 PLO Pal\u00e4stinensische Befreiungsorganisation 134 PPP Pakistan Peoples Party 144 PR Radikale Partei Chiles 143 RAF Rote Armee Fraktion 104 RLVB Revolution\u00e4re Landvolkbewegung 62 174","RG Rote Garde 124 RGO Revolution\u00e4re Gewerkschaftsopposition 62 RHD Rote Hilfe Deutschlands 62 RJVD Revolution\u00e4rer Jugendverband Deutschlands 57, 124 RSF Rote Sch\u00fcler-Front 59, 124 RZ Revolution\u00e4re Zellen 105 SB Sozalstisches B\u00fcro Offenbach 66 SDAJ Sozialistische Deutsche Arbeterjugend 34, 124 SED Sozialistische Einheitspartei Deutschlands 17 SHB Sozialistischer Hochschulbund 37, 114, 115 SJB Sozalstischer Jugendbund 64 SOdZDL Selbstorgansation der Zivildienstleistenden 46 TAZ \" Tageszeitung\" 69 TDF F\u00f6deration Demokratischer Arbeitervereine der T\u00fcrke n Europa 145 TIKKO T\u00fcrkische Arbeterund Bauernbefreiungsarmee 146 TKP T\u00fcrkische Kommunistische Partei 145 TKPIML T\u00fcrksche Kommunistische Partei/Marxsten-Leninisten 146 T\u00d6K Konf\u00f6deration der Studenten aus der T\u00fcrke 146 Uta Union der fortschrittlichen Araber 134 UHNj Bund der vereinigten Kroaten in Deutschland 142 up Undad Popular 143 us Union Iranischer Studenten n der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin 139 LUISA Union der islamischen Studentenvereine in Europa 137 uz Unsere Zet (Zentralorgan der DKP) 27 VDJ Vereinigung Demokratischer Juristen 48 VDS Vereinigte Deutsche Studentenschaften 121 VFK Volkssozialstischer Freundeskreis 88 VK Verband der Kriegsdienstverweigerer 44 VOGA Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie 86 VrV Vereinigung f\u00fcr revolution\u00e4re Volksbildung 53 VSBD/PdA Volkssozialistische Bewegung Deutschlands/Parte der Arbeit 88, 107 VVN-BdA Vereinigung der Verfolgten des Nazregimes -- Bund der Antifaschisten 4 WBDJ Weltbund der Demokratischen Jugend 18,34 WFR Weltfriedensrat 18, 39, 41,47 wJ Wiking-Jugend 94 WSG Wehrsportgruppe Hoffmann 92, 106 zZ Zentrumsfraktion 65 175",""],"title":"Verfassungsschutzbericht 1981","year":1981}
