{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-bw-1980.pdf","jurisdiction":"Baden-W\u00fcrttemberg","num_pages":146,"pages":["Verfassungsschutzbericht 1980 Baden-W\u00fcrttemberg Terrorismus Linksextremismus Rechtsextremismus Ausl\u00e4nderextremismus Spionageabwehr sropp BadenW\u00fcrttemberg REv i^jfersramH of?^ INNENMINISTERIUM ISSN 0720-3381","","Verfassungsschutzbericht Baden-W\u00fcrttemberg 1980 Mit freundlicher Empfehlung \u00fcberreicht SPD-Landtagsfraktion Baden-W\u00fcrttemberg Stuttgart Haus des Landtags","","Vorwort Prof. Dr. Roman Herzog MdL Robert Ruder MdL Innenminister Staatssekret\u00e4r Die vielf\u00e4ltigen Aktivit\u00e4ten terroristischer und extremistischer Gruppen sind, auch wenn sie teilweise nur auf geringe Resonanz bei den B\u00fcrgern sto\u00dfen, eine st\u00e4ndige Herausforderung an unseren freiheitlichen Rechtsstaat und seine demokratische Ordnung. Der Rechtsstaat stellt sich dieser Herausforderung mit den vom Grundgesetz vorgesehenen Mitteln der \"streitbaren Demokratie\", zu denen auch die Aufkl\u00e4rungst\u00e4tigkeit der \u00c4mter f\u00fcr Verfassungsschutz z\u00e4hlt. Diese erm\u00f6glicht es der Regierung, die erforderlichen Ma\u00dfnahmen im Bereich der inneren Sicherheit zu treffen und die B\u00fcrger \u00fcber die Gefahren zu informieren, welche der freiheitlichen demokratischen Grundordnung von innen wie von au\u00dfen drohen. Die Arbeit des Verfassungsschutzes vollzieht sich mit Augenma\u00df: Seine Bediensteten wissen zu unterscheiden zwischen spontanem Protest gegen gesellschaftliche Fehlentwicklungen und gewaltt\u00e4tigen Aktionen, die extremistische Kadergruppen von langer Hand vorbereiten und bei denen sie den Rechtsbruch mit einkalkulieren. Es w\u00e4re f\u00fcr die freiheitliche Demokratie verh\u00e4ngnisvoll, wenn bei einem Teil der jungen B\u00fcrger der Eindruck entstehen sollte, die Sicherungseinrichtungen dieses Staates w\u00fcrden sich nur graduell von denen totalit\u00e4rer Systeme unterscheiden. Diese 3 jungen Leute haben Unfreiheit noch nicht erlebt. Ihnen fehlt die","Erfahrung der V\u00e4ter des Grundgesetzes, da\u00df die freiheitliche demokratische Grundordnung unseres Staates bei uneingeschr\u00e4nkter Toleranz gegen\u00fcber verfassungsfeindlichen Gruppierungen nicht aufrechterhalten werden kann. Den Mitarbeitern des Landesannts f\u00fcr Verfassungsschutz, deren Erfolge nur in begrenztem Umfang in der \u00d6ffentlichkeit dargestellt werden k\u00f6nnen, danken wir f\u00fcr die Erf\u00fcllung ihrer schwierigen und verantwortungsvollen Aufgaben. Ihre Arbeit verdient besondere Anerkennung. Stuttgart, im Mai 1981 Prof. Dr. Roman Herzog, Robert Ruder, Innenminister Staatssekret\u00e4r 4","Inhalt Seite A. Rechtliche Grundlagen 9 1. Grundgesetz 9 2. Gesetz \u00fcber den Verfassungsschutz in Baden- 9 W\u00fcrttemberg 3. Gesetz \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der 12 L\u00e4nder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes B. Verfassungsschutz durch Aufkl\u00e4rung 15 Angebot des Innenministeriums, an Vortragsund Diskussionsveranstaltungen zu Themen des Verfassungsschutzes mitzuwirken 15 C. Bericht I. Linksextremistische Bestrebungen 17 1. Allgemeiner \u00dcberblick 17 2. Deutscher linksextremistischer Terrorismus 20 2.1 \"Rote Armee Fraktion\" (RAF) und 20 Unterst\u00fctzerbereich 2.1.1 \"Rote Armee Fraktion\" (RAF) 20 2.1.2 Unterst\u00fctzerbereich der RAF 22 2.2 \"Revolution\u00e4re Zellen\" (RZ) 31 3. Aktivit\u00e4ten der undogmatischen \"Neuen Linken\" 33 4. Organisationen der dogmatischen \"Neuen Linken\" 38 4.1 \"Kommunistischer Bund Westdeutschland\" (KBW) 38 4.2 \"Bund Westdeutscher Kommunisten\" (BWK) 43 4.3 \"Komitees f\u00fcr Demokratie und Sozialismus\" (KDS) 45 4.4 \"Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten46 Leninisten)\"-KPD - 4.5 \"Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands\" 50 (KABD) 4.6 \"Kommunistischer Bund\" (KB) 52 4.7 Trotzkistische Vereinigungen 53 5. Organisationen der,.Alten Linken\" 54","Seite 5.1 \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) 54 5.1.1 Ideologisch-politischer Standort 54 5.1.2 Organisation, Mitgliederentwicklung und 55 Finanzierung 5.1.3 Schwerpunkte der Agitation 59 5.1.4 Publikationswesen und Schulung 60 5.1.5 Beteiligung an Wahlen 64 5.2 \"Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend\" (SDAJ) 66 5.3 \"Junge Pioniere-Sozialistische Kinderorganisation\" 69 (JP) 5.4 Von der DKP beeinflu\u00dfte Organisationen 70 5.4.1 \"Deutsche Friedens-Union\" (DFU) 72 5.4.2 \"Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund 73 der Antifaschisten\" (VVN-BdA) 5.4.3 \"Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte 73 Kriegsdienstgegner\" (DFG-VK) 6. Linksextremistische Bestrebungen an den 74 Hochschulen des Landes 6.1 \"Marxistischer Studentenbund Spartakus\" (MSB) 74 6.2 \"Sozialistischer Hochschulbund\" (SHB)75 6.3 \"Kommunistische Hochschulgruppe\" (KHG) 75 6.4 \"Kommunistische Studentengruppen\" (KSG) 76 6.5 \"Marxistisch-Reichistische Initiative\" (MRI) 76 6.6 \"Marxistische Gruppen\" (MG) 76 II. Rechtsextremistische Bestrebungen 1. Allgemeiner \u00dcberblick 78 2. Neonazistische Bestrebungen 79 2.1 Allgemeiner \u00dcberblick 79 2.2 Neonazistischer Terrorismus 81 2.3 NS-Gruppen im Bundesgebiet 84 2.4 NS-Gruppen in Baden-W\u00fcrttemberg 86 2.5 Neonazistische Ausschreitungen 2.6 Ma\u00dfnahmengegen rechtsextreme Aktivisten 90 2.7 Internationale Verflechtungen des 90 Rechtsextremismus 3. Nationaldemokratische Organisationen 93 3.1 \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) 93 3.2 \"Junge Nationaldemokraten\" (JN) 96 3.3 \"Nationaldemokratischer Hochschulbund\" (NHB) 99 4. \"National-Freiheitliche Rechte\" 5. Sonstige rechtsextremistische Vereinigungen 102","Seite 5.1 \"Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik\" (GfP) 102 5.2 ,, Bund Heimattreuer Jugend\" (BHJ) 103 5.3 Kreisgemeinschaft Ostalb des \"Bundesverbandes 103 der Soldaten der ehemaligen Waffen-SS e. V.\" (HIAG) 6. Rechtsextremistische Publizistik 105 III. Aktivit\u00e4ten politisch extremer Ausl\u00e4nder 107 1. Allgemeiner \u00dcberblick 107 2. T\u00fcrken 113 2.1 Orthodox-kommunistische t\u00fcrkische Organisationen 114 2.2 T\u00fcrkische Organisationen der \"Neuen Linken\" 115 2.3 Linksextremistische kurdische Gruppierungen 118 2.4 T\u00fcrkische rechtsextremistische und extrem 118 nationalistische Vereinigungen 2.5 Ausschreitungen unter Beteiligung in Baden120 W\u00fcrttemberg ans\u00e4ssiger t\u00fcrkischer Staatsangeh\u00f6riger 3. Iraner 122 4. Pal\u00e4stinenser 124 5. Griechen 125 6. Italiener 127 7. Jugoslawen 127 IV. Zur Situation auf dem Gebiet der 129 Spionagebek\u00e4mpfung 1. Allgemeiner \u00dcberblick 129 2. Der Umfang der erkannten T\u00e4tigkeit kommunistischer 131 Geheimdienste 2.1 Werbungen und Werbungsversuche 1980 132 2.2 Auftr\u00e4ge 132 2.3 Erkenntnisf\u00e4lle 1980 132 3. Werbungen von Agenten 132 3.1 Kontaktanl\u00e4sse 132 3.2 Kontaktaufnahme 133 3.3 Zielpersonen 133 3.4 Werbungsmethoden 133 3.5 Hinweise f\u00fcr das Verhalten 134 3.5.1 vor Antritt einer Reise in den kommunistischen 134 Machtbereich 3.5.2 nach R\u00fcckkehr in die Bundesrepublik Deutschland 134","Seite 4. Die F\u00fchrung von Agenten 134 5. Einzelf\u00e4lle 135 5.1 Nachrichtendienste der DDR 135 5.2 Nachrichtendienst der Sozialistischen Republik 136 Rum\u00e4nien 6. Folgerungen 136 Gruppen-, Organisationsund Publikationsregister 137","A. Rechtliche Grundlagen 1. Grundgesetz Art. 73 Nr. 10 Der Bund hat die ausschlie\u00dfliche Gesetzgebung \u00fcber . . . die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder. . . zum Schutze der freiheitlichen demokratischen Grundordnung, des Bestandes und der Sicherheit des Bundes oder eines Landes (Verfassungsschutz) . . . Art. 87 Abs. 1 Satz 2 Durch Bundesgesetz k\u00f6nnen . . . Zentralstellen . . . zur Sammlung von Unterlagen f\u00fcr Zwecke des Verfassungsschutzes und des Schutzes gegen Bestrebungen im Bundesgebiet, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden, eingerichtet werden. 2. Gesetz \u00fcber den Verfassungsschutz in Baden-W\u00fcrttemberg (Landesverfassungsschutzgesetz - LVSG) vom 17. Oktober 1978 (GBl. S. 553) SS1 Zweck des Verfassungsschutzes Der Verfassungsschutz dient dem Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung, des Bestandes und der Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland und ihrer L\u00e4nder. SS2 Zust\u00e4ndigkeit (1) Die Aufgaben des Verfassungsschutzes werden vom Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wahrgenommen. Das Amt hat seinen Sitz in Stuttgart; es untersteht dem Innenministerium und ist ausschlie\u00dflich f\u00fcr die Wahrnehmung dieser Aufgaben zust\u00e4ndig. (2) Verfassungsschutzbeh\u00f6rden anderer L\u00e4nder d\u00fcrfen im Geltungsbereich dieses Gesetzes nur im Einvernehmen mit dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz t\u00e4tig werden. Die Zust\u00e4ndigkeit des Bundesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz bleibt unber\u00fchrt. (3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf einer polizeili- 9 chen Dienststelle nicht angegliedert werden.","SS3 Aufgaben des Verfassungsschutzes (1) Die Aufgabe des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz ist die Sammlung und Auswertung von Ausk\u00fcnften, Nachrichten und sonstigen Unterlagen \u00fcber 1. Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand und die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung von Mitgliedern verfassungsm\u00e4\u00dfiger Organe des Bundes oder eines Landes zum Ziele haben, 2. sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten f\u00fcr eine fremde Macht im Geltungsbereich des Gesetzes \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes, 3. Bestrebungen im Geltungsbereich des Gesetzes \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden. (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wirkt mit 1. bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, denen im \u00f6ffentlichen Interesse geheimzuhaltende Tatsachen, Gegenst\u00e4nde oder Erkenntnisse anvertraut werden, die Zugang dazu erhalten sollen oder ihn sich verschaffen k\u00f6nnen, 2. bei der Oberpr\u00fcfung von Personen, die an sicherheitsempfindlichen Stellen von lebensoder verteidigungswichtigen Einrichtungen besch\u00e4ftigt sind oder werden sollen, 3. bei technischen Sicherheitsma\u00dfnahmen zum Schutz von im \u00f6ffentlichen Interesse geheimzuhaltenden Tatsachen, Gegenst\u00e4nden oder Erkenntnissen gegen die Kenntnisnahme durch Unbefugte, 4. auf Anforderung der Einstellungsbeh\u00f6rde bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, die sich um Einstellung in den \u00f6ffentlichen Dienst bewerben, sowie auf Anforderung der Besch\u00e4ftigungsbeh\u00f6rde bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Besch\u00e4ftigten im \u00f6ffentlichen Dienst, bei denen der auf Tatsachen beruhende Verdacht besteht, da\u00df sie gegen die Pflicht zur Verfassungstreue versto\u00dfen. SS4 Befugnisse des Verfassungsschutzes (1) Bestehen Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht von Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten im Sinne des SS 3 Abs. 1, ist das Landesamt 10","f\u00fcr Verfassungsschutz innerhalb der durch das Recht gesetzten Schranken berechtigt, bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben die nachrichtendienstlichen Mittel anzuwenden, die nach pflichtgem\u00e4\u00dfem Ermessen erforderlich erscheinen. (2) Dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz und seinen Angeh\u00f6rigen stehen polizeiliche Befugnisse nicht zu, SS5 Amtshilfe und Auskunftserteilung (1) Die Beh\u00f6rden und Einrichtungen des Landes, die Gemeinden, die Gemeindeverb\u00e4nde, die sonstigen der Aufsicht des Landes unterstehenden juristischen Personen des \u00f6ffentlichen Rechts sowie die Gerichte des Landes und das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz leisten sich gegenseitig Rechtsund Amtshilfe. (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz kann \u00fcber alle Angelegenheiten, deren Aufkl\u00e4rung zur Wahrnehmung seiner Aufgaben erforderlich ist, von den in Absatz 1 genannten Stellen Ausk\u00fcnfte und die \u00dcbermittlung von Unterlagen verlangen, soweit nicht gesetzliche Vorschriften entgegenstehen. (3) Die in Absatz 1 genannten Stellen unterrichten von sich aus das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz \u00fcber alle Tatsachen, die sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten f\u00fcr eine fremde Macht oder Bestrebungen erkennen lassen, die durch Anwendung von Gewalt oder dahin gehende Vorbereitungshandlungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind; die Polizeidienststellen und -beh\u00f6rden \u00fcbermitteln dar\u00fcber hinaus auch alle ihnen bekannten Tatsachen und Unterlagen \u00fcber Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten im Sinne des SS 3 Abs. 1 Nr. 1 SS6 Weitergabe von Erkenntnissen an Dritte Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf seine Erkenntnisse nicht an andere als staatliche Stellen weitergeben, es sei denn, da\u00df dies zum Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung, des Bestandes und der Sicherheit des Bundes oder eines Landes erforderlich ist. Die Entscheidung \u00fcber die Weitergabe trifft der Innenminister oder sein st\u00e4ndiger Vertreter. SS7 Parlamentarische Kontrolle (1) Das Innenministerium unterrichtet den St\u00e4ndigen Ausschu\u00df 11 des Landtags \u00fcber die T\u00e4tigkeit des Verfassungsschutzes halb-","j\u00e4hrlich sowie auf Verlangen des Ausschusses und aus besonderem Anla\u00df. (2) Art und Umfang der Unterrichtung des St\u00e4ndigen Ausschusses werden unter Beachtung des notwendigen Schutzes des Nachrichtenzuganges durch die politische Verantwortung der Landesregierung bestimmt. (3) Die Mitglieder des St\u00e4ndigen Ausschusses sind zur Geheimhaltung der Angelegenheiten verpflichtet, die ihnen im Zusammenhang mit der Berichterstattung \u00fcber die T\u00e4tigkeit des Verfassungsschutzes im St\u00e4ndigen Ausschu\u00df bekannt geworden sind. Dies gilt auch f\u00fcr die Zeit nach ihrem Ausscheiden aus dem St\u00e4ndigen Ausschu\u00df oder aus dem Landtag. (4) Die Unterrichtung umfa\u00dft nicht Angelegenheiten, \u00fcber die das Innenministerium das Gremium nach Artikel 10 Grundgesetz zu unterrichten hat. SS8 Inkrafttreten Dieses Gesetz tritt am Tage nach der Verk\u00fcndung in Kraft. Gleichzeitig tritt die Verordnung der vorl\u00e4ufigen Regierung \u00fcber die Errichtung eines Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz vom 10. November 1952 (GBl. S. 49) au\u00dfer Kraft. 3. Gesetz \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes vom 27. September 1950 (BGBl. S. 682), ge\u00e4ndert durch Gesetz vom 7. August 1972 (BGBl. I S. 1380) SS1 (1) Der Bund und die L\u00e4nder sind verpflichtet, in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes zusammenzuarbeiten. (2) Die Zusammenarbeit besteht auch in gegenseitiger Unterst\u00fctzung und Hilfeleistung. SS2 (1) F\u00fcr die Zusammenarbeit des Bundes mit den L\u00e4ndern errichtet der Bund ein Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz als Bundesoberbeh\u00f6rde. Es untersteht dem Bundesminister des Innern. (2) F\u00fcr die Zusammenarbeit der L\u00e4nder mit dem Bund bestimmt jedes Land eine Beh\u00f6rde zur Bearbeitung von Angelegenheiten des Verfassungsschutzes. 12","SS3 (1) Aufgabe des Bundesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz und der nach SS 2 Abs. 2 bestimmten Beh\u00f6rden ist die Sammlung und Auswertung von Ausk\u00fcnften, Nachrichten und sonstigen Unterlagen \u00fcber 1. Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand und die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung von Mitgliedern verfassungsm\u00e4\u00dfiger Organe des Bundes oder eines Landes zum Ziele haben, 2. sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten im Geltungsbereich dieses Gesetzes f\u00fcr eine fremde Macht, 3. Bestrebungen im Geltungsbereich dieses Gesetzes, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden. (2) Ferner wirken das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz und die nach SS 2 Abs. 2 bestimmten Beh\u00f6rden mit 1. bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, denen im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftige Tatsachen, Gegenst\u00e4nde oder Erkenntnisse anvertraut werden, die Zugang dazu erhatten sollen oder ihn sich verschaffen k\u00f6nnen, 2. bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, die an sicherheitsempfindlichen Stellen von lebensund verteidigungswichtigen Einrichtungen besch\u00e4ftigt sind oder werden sollen, 3. bei technischen Sicherheitsma\u00dfnahmen zum Schutz von im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftigen Tatsachen, Gegenst\u00e4nden oder Erkenntnissen gegen die Kenntnisnahme durch Unbefugte. (3) Polizeiliche Befugnisse oder Kontrollbefugnisse stehen dem Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nicht zu. Zur Wahrung seiner Aufgaben nach Absatz 1 und Absatz 2 ist es befugt, nachrichtendienstliche Mittel anzuwenden. Das Amt darf einer polizeilichen Dienststelle nicht angegliedert werden. (4) Die Gerichte und Beh\u00f6rden und das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz leisten sich gegenseitig Rechtsund Amtshilfe (Artikel 35 GG). SS4 (1) Das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz unterrichtet die in jedem Lande gem\u00e4\u00df SS 2 Abs. 2 bestimmte Beh\u00f6rde \u00fcber alle Unterlagen, deren Kenntnis f\u00fcr das Land zum Zwecke des 13 Verfassungsschutzes erforderlich ist.","(2) Die in den L\u00e4ndern bestimmten Beh\u00f6rden unterrichten das Bundesamt \u00fcber alle Angelegenheiten des Verfassungsschutzes, von denen sie Kenntnis erhalten und die f\u00fcr den Bund, die L\u00e4nder oder eines von ihnen von Wichtigkeit sind. (3) Ist gem\u00e4\u00df SS 2 Abs. 2 eine andere als die Oberste Landesbeh\u00f6rde bestimmt, so ist die Oberste Landesbeh\u00f6rde gleichzeitig zu benachrichtigen. SS5 (1) Die Bundesregierung kann, wenn ein Angriff auf die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung des Bundes erfolgt, den Obersten Landesbeh\u00f6rden die f\u00fcr die Zusammenarbeit der L\u00e4nder mit dem Bund auf dem Gebiete des Verfassungsschutzes erforderlichen Weisungen erteilen. (2) Der Bundesminister des Innern kann im Rahmen des SS 3 den nach SS 2 Abs. 2 bestimmten Beh\u00f6rden Weisungen f\u00fcr die Zusammenarbeit in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes erteilen. SS 4 Abs. 3 gilt sinngem\u00e4\u00df. SS6 Das Gesetz tritt am Tage nach der Verk\u00fcndigung in Kraft. 14","B. Verfassungsschutz durch Aufkl\u00e4rung Vortr\u00e4ge und DiskusDer Schutz unserer Verfassungsordnung wird nicht nur dadurch sionen zu Themen des erreicht, da\u00df die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden Aktivit\u00e4ten verfaspolitischen Extremissungsfeindlicher Parteien und Organisationen beobachten, ausmus und des Verfaswerten und Regierung und Parlament davon unterrichten, sonsungsschutzes. dern insbesondere auch dadurch, da\u00df die B\u00fcrger selbst \u00fcber Strategie und Taktiken extremistischer Vereinigungen informiert Kontaktanschrift: werden. Innenministerium Die Auseinandersetzung mit dem politischen Extremismus kann BadenW\u00fcrttemberg - auf lange Sicht wirkungsvoll nicht nur repressiv vom Staat, sie Referat, Verfassungsmu\u00df auch geistig-politisch von den B\u00fcrgern gef\u00fchrt werden. schutz'Postfach 277 Dies setzt qualifizierte Information voraus. 7000 Stuttgart 7 Von dieser \u00dcberlegung ausgehend beschlo\u00df die InnenministerTel.: 07T1/20723768 konferenz am 9. Dezember 1974 die Konzeption \"Verfassungsoder 20723743 schutz durch Aufkl\u00e4rung\". Sie umfa\u00dft Information und Aufkl\u00e4rung \u00fcber - die Verfassung, insbesondere \u00fcber die Rechte, Pflichten und politische Beteiligungsm\u00f6glichkeiten, die sie den B\u00fcrgern einr\u00e4umt, - extremistische Strategien und Aktionen, \u00fcber verfassungsfeindiiche und sicherheitsgef\u00e4hrdende Bestrebungen im Sinne der Verfassungsschutzgesetze und ihre ideologischen Hintergr\u00fcnde, - gesetzliche Grundlagen, Aufgaben, Organisation, Arbeitsweise und Probleme des Verfassungsschutzes. In Baden-W\u00fcrttemberg werden die Aufgaben des Verfassungsschutzes durch Aufkl\u00e4rung vom Referat \"Verfassungsschutz\" im Innenministerium wahrgenommen. Im Rahmen der Konzeption bietet das Innenministerium an, einen Referenten zu Vortr\u00e4gen und Diskussionen \u00fcber Themen des politischen Extremismus und des Verfassungsschutzes zu entsenden. Die entstehenden Kosten tr\u00e4gt das Innenministerium. Das Angebot richtet sich an alle Tr\u00e4ger der politischen Bildungsarbeit, an Lehrer, Studenten und Sch\u00fcler, an Einrichtungen der Erwachsenenund Jugendbildung, an politische Parteien, Gewerkschaften, Berufsund Wirtschaftsverb\u00e4nde sowie an kirchliche Institutionen. Vorschl\u00e4ge f\u00fcr Vortragsbzw. Diskussionsthemen: * Verfassungsschutz und Grundrechte * Rechtsgrundlagen, Aufgaben, Organisation und Arbeitsweise der \u00c4mter f\u00fcr Verfassungsschutz * Das Landesverfassungsschutzgesetz vom 17. Oktober 1978 * Befugnisse und parlamentarische Kontrolle des Verfassungsschutzes 15 * Verfassungsschutz und Datenschutz","* Extremistenbeschlu\u00df: Rechtslage und Durchf\u00fchrung * Spionageabwehr der \u00c4mter f\u00fcr Verfassungsschutz * Terrorismus * K-Gruppen Strategien * Orthodoxer Kommunismus und ideologische * Alte Rechte Hintergr\u00fcnde * Neonazistische Gruppen * Ausl\u00e4nderextremismus. Interessenten f\u00fcr Vortr\u00e4ge oder Diskussionen k\u00f6nnen sich an die oben angegebene Kontaktanschrift wenden. 16","C. Der Bericht I. Linksextremistische Bestrebungen 1. Allgemeiner \u00dcberblick Die bewaffneten Kader Die st\u00e4rkste Gef\u00e4hrdung der inneren Sicherheit geht im Bereich der \"Roten Armee Frakdes Linksextremismus noch immer von den terroristischen tion\" sind logistisch Kommandos der \"Roten Armee Fraktion\" (RAF) und den und personell nach wie \"Revolution\u00e4ren Zellen\" (RZ) aus. Zwar ist es den Sicherheitsvor f\u00e4hig, neue Gewaltorganen unseres Staates gelungen, seit der von der RAF sotaten durchzuf\u00fchren. genannten ,.Offensive 7 7 \" - gemeint sind die Terroranschl\u00e4ge auf Generalbundesanwalt BUBACK und seine Begleiter am 7. April 1977, auf den Vorstandssprecher der Dresdner Bank, J\u00fcrgen PONTO, am 30. Juli 1977 und auf Dr. Hanns-Martin SCHLEYER und seine Begleitpersonen am 5. September 1977neuerliche Gewaltakte zu verhindern, doch kann an der unver\u00e4nderten Entschlossenheit der ,,bewaffneten Kader der RAF\", Gewaltakte vorzubereiten und durchzuf\u00fchren, kein Zweifel bestehen. Die angefallenen Erkenntnisse erbrachten neue Beweise und Anhaltspunkte f\u00fcr die logistische Vorbereitung, die personelle St\u00e4rke und die operativen M\u00f6glichkeiten dieser Terrorgruppe. Die Tatsache, da\u00df Grenzen zwischen dem sogenannten harten Kern, den Unterst\u00fctzern und den Angeh\u00f6rigen des terroristischen Umfelds aus diesen und anderen Gr\u00fcnden flie\u00dfend geworden und mitunter nur schwer erkennbar sind, l\u00e4\u00dft nur die Feststellung zu, da\u00df die Lage auf dem Gebiet des Linksterrorismus sich keinesfalls entspannt hat. \"Revolution\u00e4re Zellen' Auch die \"Revolution\u00e4ren Zellen\" konnten nach einer zeitweiliKonzept der \"Guerilla gen Schw\u00e4chung durch Aufkl\u00e4rungserfolge der Sicherheitsbeals Massenh\u00f6rden ihre Aktivit\u00e4ten wieder steigern. Anschl\u00e4ge \"Revolutioperspektive\". n\u00e4rer Zellen\", die seit Jahren das Konzept der \"Stadtguerilla als Massenperspektive\" propagieren, haben an Zahl und Wirkung erneut zugenommen. Besondere Beachtung mu\u00df dabei dem Umstand geschenkt werden, da\u00df das in seiner Militanz abgestufte taktische Konzept inzwischen von zahlreichen GruppieWachsende Militanz der rungen aus dem undogmatischen Bereich der \"Neuen Linundogmatischen ken\" \u00fcbernommen worden ist. Die von den oft nur lockeren \"Neuen Linken\". Zusammenschl\u00fcssen ohne feste Mitgliedschaft und Programm immer h\u00e4ufiger befolgten Aufrufe zu \"militantem Widerstandsverhalten\" orientieren sich ganz offensichtlich an der seit Mitte der siebziger Jahre erkennbaren Absicht der \"Revolution\u00e4ren Zellen\", \"bestehende Machtverh\u00e4ltnisse auf allen m\u00f6glichen Ebenen anzugreifen\". Unter Parolen wie \"Widerstand ist machbar, Herr Nachbar!\" formiert sich eine neue, teilweise gewaltt\u00e4tig vorgehende Protestbewegung, die mit dem Thema \"H\u00e4user17 kampf\" die Massen zu mobilisieren versucht.","Die Parteien und Organisationen der dogmatischen \"Neuen Organisationen der Linken\" sind im Vergleich zur Situation Mitte der siebziger Jahre dogmatischen \"Neuen zwar generell in ihrer Schlagkraft geschw\u00e4cht; sie stellen aber Linken\" stagnieren. noch immer ein Potential dar, das Gewalt nicht nur propagiert, sondern auch anwendet. Hieran hat auch die Selbstaufl\u00f6sung der \"Kommunistischen Partei Deutschlands\" (KPD) mit ihren Hilfsund Nebenorganisationen nichts ge\u00e4ndert. Mitgliederentwicklung der wichtigsten Gruppierungen der dogmatischen ,,Neuen Linken\"in BadenW\u00fcrttemberg. Der \"Kommunistische Bund Westdeutschlands\" (KBW), seit Jahren die mitgliederst\u00e4rkste und finanzkr\u00e4ftigste linksextremistische Splitterpartei, mu\u00dfte 1980 durch die Abspaltung etwa eines Viertels seiner insgesamt 2 400 Mitglieder, die im September 1980 den \"Bund Westdeutscher Kommunisten\" (BWK) gr\u00fcndeten, einen ernsten R\u00fcckschlag hinnehmen. Der KBW blieb jedoch die aktivste aller dogmatischen Kadergruppen der \"Neuen Linken\". Von der Aufl\u00f6sung der maoistisch ausgerichteten KPD erhoffte sich die \"Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten\" (KPD/ML) - wenn auch vergebens - eine St\u00e4rkung ihrer Position. Da\u00df sie sich umgehend in \"Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten)\" - KPD - umbenannte, d\u00fcrfte mit einiger Wahrscheinlichkeit damit im Zusammenhang stehen. Einzig der \"Kommunistische Bund\" (KB), der 1979 mehr als die H\u00e4lfte seiner Mitglieder an die abgespaltene Gruppe \"Z\" verloren hatte, konnte die Zahl seiner Aktivisten bundesweit wieder leicht steigern. Dagegen gelang es den linksextremisti18","Mitgliederen twicklung der wichtigsten Gruppierungen der dogmatischen ,, Neuen Linken \" im Bundesgebiet. sehen \"Komitees f\u00fcr Demokratie und Sozialismus\" (KDS) sowie mehreren trotzkistischen Gruppierungen nicht, sich weiter zu festigen. Orthodox-kommunistiDer Kommunismus sowjetischer Pr\u00e4gung wird im Bundesgebiet sche DKP mit Abstand nach wie vor von der \"Deutschen Kommunistischen Partei\" st\u00e4rkste extremistische (DKP) sowie deren zahlreichen Hilfsund Nebenorganisationen Gruppierung. vertreten. Die Partei hat jedoch ihre Organisation trotz erheblicher Anstrengungen nicht weiter ausbauen k\u00f6nnen: Die Zahl ihrer Mitglieder betr\u00e4gt unver\u00e4ndert etwa 40 000 Personen. In \"unverbr\u00fcchlicher Treue\" orientiert sich die DKP seit vielen Jahren an den von den kommunistischen Parteien der Sowjetunion und der DDR, der KPdSU und der SED, verk\u00fcndeten \"ideologischen Leitlinien\". Eine auch nur verhaltene Kritik der DKP an Entscheidungen oder Erkl\u00e4rungen der beiden \"BruderParteien\" war nicht zu verzeichnen. Die DKP setzte ihre Bem\u00fchungen fort, aktuelle politische, wirtschaftliche und soziale Probleme in \"klassenk\u00e4mpferischer\" Weise aufzugreifen, um damit ihrem eigentlichen Ziel, der \"sozialistischen Revolution\" n\u00e4herzukommen. Einige Einzeler19 gebnisse der Kommunalwahlen des Jahres 1980 zeigen, da\u00df es","der Partei punktuell auch gelungen ist, aus vorrangig in \u00f6rtlichen Bereichen auftretenden Mi\u00dfhelligkeiten oder Schwierigkeiten f\u00fcr sich Nutzen in Gestalt von Stimmengewinnen zu ziehen. Bei den Landtagswahlen und der Bundestagswahl 1980 mu\u00dfte die DKP allerdings empfindliche Stimmenverluste hinnehmen. 2. Deutscher linksextremistischer Terrorismus Der Verkehrsunfall bei Bietigheim-Bissingen, bei dem am 25. Vorbereitungen terroriJuli 1980 zwei mutma\u00dfliche Terroristen ums Leben kamen, stischer Kader auch in sowie die im Oktober 1980 in Heidelberg entdeckte konspiraBaden-W\u00fcrttemberg. tive Wohnung haben erneut die anhaltende Aktivit\u00e4t terroristischer Kader auch in unserem Land verdeutlicht. Obwohl die \"bewaffneten Kommandos\" der RAF in den letzten Jahren R\u00fcckschl\u00e4ge sowohl im logistischen als auch im personellen Bereich hinnehmen mu\u00dften, ist dieser Personenkreis unver\u00e4ndert zu terroristischen Aktionen willens. 2.1 \"Rote Armee Fraktion\" (RAF) und Unterst\u00fctzerbereich 2.7.7 \"Rote Armee Fraktion\" (RAF) Die Fahndungserfolge der letzten Jahre, die auch 1980 durch eine Reihe von Festnahmen mutma\u00dflicher Terroristen sowie durch das Auffinden mehrerer konspirativer Wohnungen im lnund Ausland zu einer weiteren personellen und logistischen Schw\u00e4chung der illegalen \"Kommandos\" der RAF f\u00fchrten, haben den \"harten Kern\" dieser linksextremistischen Terrorgruppe offensichtlich weiter zusammenschmelzen lassen. Dennoch mu\u00df unver\u00e4ndert davon ausgegangen werden, da\u00df dieses Potential, insbesondere auch aufgrund weitreichender internationaler Verbindungen und Unterst\u00fctzung, ausreicht, um Anschl\u00e4ge durchzuf\u00fchren. Hinzu kommt die Unterst\u00fctzung, die Gruppierungen des terroristischen Umfelds, namentlich auch in Baden-W\u00fcrttemberg, den \"bewaffneten K\u00e4mpfern\" angedeihen lassen. Wenn es auch im Vergleich zu fr\u00fcheren Jahren bei der Rekrutierung neuer Mitglieder zu einem zahlenm\u00e4\u00dfigen R\u00fcckgang gekommen ist, so best\u00e4tigen doch die in j\u00fcngster Zeit gewonnenen Erkenntnisse, da\u00df immer wieder Personen aus der von Angeh\u00f6rigen der RAF sogenannten \"legalen Ebene\" zu im Untergrund operierenden Kadern vorsto\u00dfen: Sowohl der am 25. Juli 1980 zusammen mit Juliane PLAMBECK ums Leben gekommene Wolfgang BEER als auch die am 5. Mai 1980 in einer konspirativen Wohnung in Paris, 4. rue Flatters, zusammen mit Sieglinde HOFMANN und Ingrid BARABASS festgenommenen Personen waren bis dahin nicht dem Kernbereich der \"Roten Armee Fraktion\" zugerechnet worden. 20","Fahndungsplakat des Bundeskriminalamts - Ausgabe November 1980. Zusammengehen eines Eine St\u00e4rkung der RAF ist durch das Zusammengehen mit einem Teiles der \"Bewegung Teil der \"Bewegung 2. Juni\" zustandegekommen. In einem 2. Juni\" mit der RAF Flugblatt, das am 2. Juni 1980 in mehreren St\u00e4dten des f\u00fchrt zu personeller und Bundesgebietes verbreitet worden war, hatte die \"Bewegung 2. finanzieller St\u00e4rkung im Juni\" ihre Aufl\u00f6sung und die gleichzeitige Angliederung an die Kaderbereich. \"Rote Armee Fraktion\" bekanntgegeben: Wir l\u00f6sen die Bewegung 2. Juni als Organisation auf und f\u00fchren in der RAF - als RAF - den antiimperialistischen Kampf weiter\". Wenngleich dieser Anschlu\u00df nicht von allen Angeh\u00f6rigen der seit Anfang der siebziger Jahre vor allem in Berlin operierenden \"Bewegung 2. Juni\" mitgetragen wurde, d\u00fcrfte er doch durch das Einbringen eines Teils der L\u00f6segeldsumme aus der PALMERS-Entf\u00fchrung - f\u00fcr die Freilassung des im November 1977 21 als Geisel genommenen \u00f6sterreichischen Industriellen PAL-","MERS war ein Betrag von etwa 4,5 Millionen Mark gezahlt worden - jedenfalls die finanzielle Lage der RAF verbessert haben. Obwohl der politische Anspruch der Ideologen der fr\u00fchen RAF noch immer als verbindlich gilt, wird aus einer mit \"Rote Armee Fraktion\" unterzeichneten Erkl\u00e4rung zum Tode von Juliane PLAMBECK und Wolfgang BEER eine gewisse Neuorientierung deutlich: ,,. . . Die Offensive 77 hat die Perspektive f\u00fcr einen neuen Versuch der Illegalen, Abschnitt er\u00f6ffnet, konkret die Notwendigkeit einer Umstrukdie selbsterkannte \"Isoturierung f\u00fcr uns und die n\u00e4chsten Schritte der Strategie zu lation der Guerilla im entwickeln, die die bewaffnete illegale und die legale Struktur Volk\" zu durchbrechen. zur politisch-milit\u00e4rischen Einheit des antiimperialistischen Widerstands werden l \u00e4 \u00df t . . . \" In der Praxis bedeutet das - neben der immer offensichtlicheren spezifischen Bedeutung der Unterst\u00fctzergruppen - den Versuch, die bisher \u00fcberwiegend internationalistisch ausgerichteten Aktionen der RAF und ihres Umfeldes um die \"nationale Komponente\" zu erweitern. Die von den Illegalen angek\u00fcndigte \"Offensive auf verschiedenen Ebenen: der milit\u00e4rischen, der politischen und der \u00f6konomischen\", soll die \"Isolation der Guerilla\" durchbrechen und ihr einen breiten R\u00fcckhalt in der \"linken Szene\" verschaffen. Die mit einiger Sicherheit auf Veranlassung der \"bewaffneten K\u00e4mpfer\" erfolgte Beteiligung terroristischer Randgruppen an der sich im Jahr 1980 rasch verbreiternden Kampagne gegen die NATO und die Bundeswehr, die in dem militanten Protest anl\u00e4\u00dflich der NATOHerbstman\u00f6ver einen einstweiligen H\u00f6hepunkt erreichte, ist ein bezeichnendes Beispiel f\u00fcr die sich abzeichnende Taktik\u00e4nderung. 2,1.2 Unterst\u00fctzerbereich der RAF Der seit Jahren aktive Unterst\u00fctzerbereich der \"Rote Armee U nterst\u00fctzerbereich Fraktion\", dem in Baden-W\u00fcrttemberg ein nicht pr\u00e4zise zu stellt sich immer vorumgrenzender Personenkreis vor allem in den St\u00e4dten Heidelbehaltloser hinter den berg, Mannheim, Karlsruhe und Stuttgart zuzurechnen ist, hat Kampf der RAF. 1980 seine Agitation weiter verst\u00e4rkt und geht zusehends zu militanten Aktionen \u00fcber. Im Gegensatz zu den Vorjahren bekennen sich inzwischen die Angeh\u00f6rigen der verschiedenen Gruppen des terroristischen Umfelds in zahlreichen Flugschriften, Aufklebern und Transparenten nahezu vorbehaltlos zum \"Kampf der RAF\". So hie\u00df es in einer im August 1980 im Zusammenhang mit dem t\u00f6dlichen Verkehrsunfall von Juliane PLAMBECK und Wolfgang BEER ver\u00f6ffentlichten Erkl\u00e4rung: \". . , Heute tun sich wieder diejenigen lautstark hervor, die immer da, wo's um Solidarit\u00e4t im Kampf geht, schweigen: Ob der Unfall wirklich ein Unfall war, philosophiert dieser Teil der Linken. Nicht nur, da\u00df damit suggeriert werden soll, die Guerilla lebe hier in einem Meer von Bullen, wird damit genau die Auseinandersetzung umgangen, was Kampf hier eigent22","lieh hei\u00dft: Anstrengung, immer weitermachen, bis an die Grenzen der eigenen M\u00f6glichkeiten gehen, den Punkt, wo du vor den Schwierigkeiten kapitulieren willst, durchbrechen - das ist auch etwas, wo die Genossen der RAF f\u00fcr uns Orientierung sind.\" In einer anl\u00e4\u00dflich der \"Antiimperialistischen Aktionswoche\" im Juli 1980 in Hamburg verbreiteten Schrift wurde ausgef\u00fchrt: Orientierung ist f\u00fcr uns aber auch die kompromi\u00dflosigkeit, die entschlossenheit der genossen, unter allen bedingungen weiterzuk\u00e4mpfen - die subjektive entscheidung jedes einzelnen: sieg oder tod . . .\" In welch starkem Ma\u00dfe sich die auf mehreren Ebenen arbeitenden Unterst\u00fctzergruppen inzwischen zur RAF bekennen, verdeutlicht die Erkl\u00e4rung der Amerikahaus-Besetzer vom 2. Juni 1980 in Frankfurt/Main: \"wir begreifen unseren k\u00e4mpf gegen den imperialistischen krieg zusammen mit der raf, weil das blo\u00dfe friedensgeschrei gegen die imperialistischen kriegstreiber nur hilflos ist. wir lassen uns nicht von den bewaffneten gruppen isolieren, weil ne antiimperialistische bewegung nur ne Perspektive hat, wenn teile von ihr in der l\u00e4ge sind, den apparat milit\u00e4risch zu treffen. SOLIDARIT\u00c4T MIT DER RAF\" Zahlreiche Erkl\u00e4rungen Die Hauptzielrichtung der aggressiv betriebenen Kampagnen und Aktionen signalisiedes terroristischen Umfelds galt - wie bereits seit Jahren - den ren zunehmende Miliangeblich unertr\u00e4glichen Haftbedingungen der \"Gefangenen aus tanz des terroristischen der RAF\". Zugleich wurden die Bem\u00fchungen weiter verst\u00e4rkt, Umfeldes. dem \"antiimperialistischen Widerstand\" in Gestalt von Aktionen mit begrenzter Militanz Wirkung zu verleihen. So kam es 1980 bundesweit zu Besetzungsaktionen, bei denen Angeh\u00f6rige des terroristischen Unterst\u00fctzungsbereiches versuchten, mit militanten Forderungen eine breite \u00d6ffentlichkeit auf sich aufmerksam zu machen: - Am 9. April 1980 st\u00f6rten RAF-Sympathisanten die Er\u00f6ffnungsveranstaltung des 5. Internationalen Kolloquiums \u00fcber die Europ\u00e4ische Menschenrechtskonvention in der Frankfurter Paulskirche. Die St\u00f6rergruppe bekannte sich in einem bei dieser Aktion verteilten Flugblatt erneut und unmi\u00dfverst\u00e4ndlich zur \"Solidarit\u00e4t mit dem bewaffneten Widerstand in Westeuropa\": \"Wir sind heute hier, um diese Absicht (Anm.: \u00fcber Menschenrechte zu diskutieren) zu durchkreuzen und um unsere Solidarit\u00e4t mit den bewaffneten antiimperialistischen Gruppen auszudr\u00fccken, die gegen das Europa der Bullen unter der Hegemonie der USA und der BRD k\u00e4mpfen . . . Die entwickelte Kraft in dem von drinnen und drau\u00dfen gemeinsam begriffenen Kampf um Zusammenlegung der 23","Gefangenen mu\u00df an Kontinuit\u00e4t gewinnen, um zusammen mit den Gefangenen den Druck zu schaffen, der den Staatsschutz dazu zwingt, auch die drei Frauen aus den Trakten von Ossendorf und Preungesheim nach L\u00fcbeck zu verlegen. Widerstand zusammen mit den Gefangenen aus der RAF bedeutet den .Staat' angreifen . .. hier im Zentrum des imperialistischen Molochs mit der Guerilla und ihren Gefangenen eine gemeinsame antiimperialistische Front aufbauen!\" - Eine mit der \u00dcberschrift \"Es herrscht immer Krieg in den St\u00e4dten\" versehene Erkl\u00e4rung anl\u00e4\u00dflich einer Kirchenbesetzung am 879. Mai 1980 in Hamburg besagt: . wir sind hier, da\u00df wir es wieder lernen, anzugreifen und unmittelbarer betroffenheit heraus zu handeln, da\u00df wir zu * ,.jr praxis kommen, die sich im Zusammenhang mit den bewaffnet k\u00e4mpfenden gruppen, den kommandos der raf begreift, weil die grenzen, die legaler politik durch die machtverh\u00e4ltnisse gesetzt sind, nur durch den angriff der guerilla durchbrochen werden k\u00f6nnen . . . \" - I n Karlsruhe besetzten am 4. M\u00e4rz 1980 Sympathisanten terroristischer Gewaltt\u00e4ter das \"Haus des Kunstvereins\", um ihren Forderungen nach Verbesserung der Haftbedingungen der \"Gefangenen aus der RAF\" Nachdruck zu verleihen. - F\u00fcr eine \"Zusammenlegung der Gefangenen aus der Guerilla in Gruppen\" demonstrierten am 17. Mai 1980 in Stuttgart mehrere Hundert zumeist jugendliche Personen. Demonstration am 77. Mai 1980 in Stuttgart (Pressefoto: Kraufmann) 24","In Aufrufen im ganzen Land war bereits Wochen zuvor zur Teilnahme an dieser Demonstration aufgefordert worden, \"um unsere Solidarit\u00e4t mit unseren gefangenen Genossen aus der Guerilla offensiv auf die Stra\u00dfe zu tragen\". Aufruf zur Demonstration am 17. Mai 1980 in Stuttgart. Es kann keine Vers\u00f6hnung mit diesem Staat geben, sondern nur den gemeinsamen Kampf gegen die organisierte Unmenschlichkeit und Vernichtung. DEMONSTRATION am 17.5. in STUTTGART Treffpunkt am Mahnmal, Karlsplatz II.OO Uhr Zusammenlegung der Gefangenen aus der Guerilla in Gruppen Organisieren wir den antiimperialistischen Widerstand! AgitationsschwerBreiten Raum in der T\u00e4tigkeit der terroristischen Randszene punkte der \"legalen nahm im Jahre 1980 die ,,Proze\u00dfarbeit\" ein, das hei\u00dft, die Szene\": Proze\u00dfarbeit agitatorische und die direkte pers\u00f6nliche und materielle Unterund Haftbedingungen. st\u00fctzung von Personen, gegen die Strafoder Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in oder der Unterst\u00fctzung einer terroristischen Vereinigung anh\u00e4ngig waren. Im Mittelpunkt dieser ,,Proze\u00df-Kampagne\" stand dabei das Verfahren gegen f\u00fcnf Angeh\u00f6rige der Stuttgarter \"FANTASIA\"Druckerei, die sich wegen Werbens f\u00fcr eine terroristische Vereinigung zu verantworten hatten. W\u00e4hrend der gesamten 25 Hauptverhandlung, insbesondere aber in den Wochen vor und","nach der Urteilsverk\u00fcndung (21. M\u00e4rz 1980) kam es zu zahlreichen Spr\u00fchund Klebeaktionen im Stadtgebiet von Stuttgart. Daneben wurde auf verschiedenen \"Solidarit\u00e4tsveranstaltungen\" immer wieder versucht, eine breitere \u00d6ffentlichkeit auf das angebliche Ziel des \"Verfahrens gegen die f\u00fcnf Drucker\", n\u00e4mlich die \"Kriminalisierung der Schriften politischer Gefangener\" und die \"Durchsetzung der staatlichen Selbstmordl\u00fcge\", hinzuweisen. Plakataufruf im M\u00e4rz 1980 in Stuttgart. Eine \u00e4hnlich starke Resonanz innerhalb des terroristischen Umfelds wie der Proze\u00df gegen die f\u00fcnf Angeh\u00f6rigen der \"FANTASIA\"-Druckerei fand die Hauptverhandlung gegen Knut FOLKERTS, die am 20. Mai 1980 vor dem Oberlandesgericht Stuttgart begonnen hatte. Bereits w\u00e4hrend der ersten Verhandlungstage kam es im Verhandlungssaal zu Sympathiekundgebungen f\u00fcr den Angeklagten. In Stuttgart wurden zahlreiche Plakate geklebt und Spr\u00fchaktionen durchgef\u00fchrt, mit denen 26","unter der Parole \"Das einzig gerechte Verfahren ist die Revolution\" zur Solidarit\u00e4t mit Knut FOLKERTS und zur Organisierung des \"antiimperialistischen Widerstandes\" aufgerufen wurde. FOLKERTS wurde am 31. Juli 1980 vom 2. Strafsenat des Oberlandesgerichts Stuttgart wegen Mordes in drei F\u00e4llen, des versuchten Mordes in Tateinheit mit schwerem Raub und der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Das Urteil ist inzwischen vom BGH best\u00e4tigt worden. Insbesondere seit dem Verkehrsunfall am 25. Juli 1980 bei Bietigheim-Bissingen, bei dem die mutma\u00dflichen Terroristen Juliane PLAMBECK und Wolfgang BEER den Tod fanden, haben die Angeh\u00f6rigen der terroristischen Randszene ihre betont aggressive Agitation, die die staatlichen Organe offensichtlich provozieren soll, weiter verst\u00e4rkt. Die Zahl der Spr\u00fchund Klebeaktionen mit terroristischem Hintergrund ist seitdem stark angestiegen. Bereits unmittelbar nach dem Tod der beiden RAFMitglieder wurden in zahlreichen St\u00e4dten des Landes Flugschriften und Plakate in gro\u00dfer Zahl verbreitet, in denen sich die unbekannt gebliebenen Verfasser klar zur RAF bekannten. Plakat zum Tod von Juliane Plambeck und Wolfgang Beer. 27","W\u00e4hrend der Beisetzung von Juliane PLAMBECK in Karlsruhe entfalteten einige der Anwesenden am Grab ein Leintuch mit der Aufschrift: \"Wolfgang - RAF - Juliane unsere Trauer wird zu Widerstand\". Ein am 29. Juli 1980 bei der \"Frankfurter Rundschau\" eingegangenes, von Stuttgarter Sympathisanten verfa\u00dftes Schreiben lautete: \"Um unserer Trauer, unserer Wut und unserem Schmerz \u00fcber den Tod von Juliane und Wolfgang einen Ausdruck zu geben, haben wir heute am .Mahnmal gegen den Faschismus' in Stuttgart Kr\u00e4nze und rote Nelken niedergelegt. Die Stelle an der sie starben, ist nach wie vor milit\u00e4risch abgeriegelt, so da\u00df wir uns selbst kein Bild davon verschaffen k\u00f6nnen. F\u00fcr uns ist nicht ausgemacht, ob es sich bei ihrem Tod um einen tragischen Ungl\u00fccksfall handelt oder um einen verdeckten Mord von BKA und Bundesregierung. Unabh\u00e4ngig davon sagen wir: Der Kampf geht weiter-solidarisch mit der RAF! Sabotiert die Fahndung! Wir waren hier f\u00fcr Viele. 28. 7. 80\" Unter diesem Text war ein Foto vom Mahnmal f\u00fcr die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Stuttgart angebracht, das von drei gro\u00dfen Granitbl\u00f6cken gebildet wird. An zwei Bl\u00f6cken waren helle Stofftransparente befestigt mit der Aufschrift: \"Wut, Trauer, Aufbruch\" \"Juliane, Wolfgang, wir werden nichts vergessen\" Am Mahnmal f\u00fcr die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Stuttgart befestigte Stofftransparente zum Tod von Juliane Plambeck und Wolfgang Beer. [Aus: ,,Die Tageszeitung' (TAZ) vom 1. 8. 1980] In den folgenden Wochen wurden - neben zahllosen Spr\u00fchaktionen im ganzen Land - insbesondere im nordbadischen Raum verschiedene Aufkleber festgestellt, in denen unter dem Symbol 28","der RAF dazu aufgefordert wurde, die \"Fahndung (zu)sabotieren\": Im nordbadischen Raum festgestellte Aufkleber. SABOTIERT DIE FAHNDUNG setzt dem ziel der herrschenden - die Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber den ganzen menschen zu erlangen - eure i/ut und eure kraft f\u00fcr unser ziel - kommunismus- - ende der herrschaff des menschen k \u00fcber den menschen - enigegen SOL IDA KI TAT mit der gueril (a f\"M^ -keine hinweise an die bullen Besonders hinzuweisen ist auf das Bestreben der Urheber, mit Aufrufen \u00e4hnlichen Inhalts gezielt Frauen anzusprechen: Weiteres Angriffsziel Angriffe gegen die Bundeswehr und die NATO haben sich im des terroristischen Sp\u00e4tjahr 1980 zu einem neuen Agitationsschwerpunkt auch der Umfeldes: BundesGruppen des terroristischen Umfelds entwickelt. Den einstweiliwehr und NATO. gen H\u00f6hepunkt dieser auf Massenbeteiligung zielenden Kampagne bildete eine bundesweit angek\u00fcndigte \"Nationale Demonstration gegen die NATO-Herbstman\u00f6ver\" am 20. September 1980 in Hildesheim, auf die bereits Wochen zuvor durch zahlreiche Plakataufrufe hingewiesen worden war. Spr\u00fchparolen wie \"Die NATO zerschlagen - selbstbestimmt leben - die Yankees verjagen - solidarisch mit der RAF\" und entsprechende 29 Aussagen auf Plakaten belegen die Mitwirkung von RAF-","Sympathisanten an den Vorbereitungen der im wesentlichen von anderen linksextremistischen Gruppen getragenen Aktion. In den Monaten November und Dezember 1980 fand im gesamten Bundesgebiet eine von deutschen terroristischen Randgruppen mitgetragene Veranstaltungsreihe mit Angeh\u00f6rigen der der,,Irischen Republikanischen Armee\" (IRA) nahestehenden Organisation ,,Sinn Fein\" statt. Anla\u00df der \"Rundreise\" war, bei deutschen Gesinnungsgenossen um Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Forderung nach \"Anerkennung des politischen Status der Plakataufruf im Dezember 1980in Stuttgart, Karlsruhe und Freiburg. gefangenen irischen Freiheitsk\u00e4mpfer\" zu werben. Im Rahmen dieser Aktion wurden auch in mehreren St\u00e4dten Baden-W\u00fcrttembergs Solidarit\u00e4tsveranstaltungen durchgef\u00fchrt. Dabei versuchten die zumeist in gr\u00f6\u00dferer Zahl anwesenden Angeh\u00f6rigen der terroristischen Randszene, auf Parallelen zur Situation der \"Gefangenen aus der RAF\" hinzuweisen. Ein Flugblatt, das im Dezember 1980 in Heidelberg verbreitet wurde, gibt dieser eigenen Zielrichtung deutlich Ausdruck: 30","\"wir wollen auf der Veranstaltung zusammen mit den irischen genossen dar\u00fcber diskutieren, wie wir ihren k\u00e4mpf praktisch unterst\u00fctzen k\u00f6nnen . . . wir wolle'n auch dar\u00fcber diskutieren, was der k\u00e4mpf der gefangenen aus der raf, die die Zusammenlegung in gruppen f\u00fcr sich fordern, f\u00fcr unseren widerstand hier hei\u00dft.\" Auf einem am 16. Dezember 1980 im Stadtgebiet von Stuttgart festgestellten Plakat wurde das Ziel der Kampagne, die Verbindung zwischen der IRA und \"unseren Genossen aus der RAF\" herzustellen, noch sichtbarer akzentuiert. Insgesamt ist im Jahr 1980 die Bedeutung der dem terroristischen Umfeld zuzurechnenden Gruppierungen als politisches Sprachrohr der \"bewaffnet k\u00e4mpfenden Genossen der RAF\" weiter gewachsen. Betr\u00e4chtlich zugenommen hat nicht nur die Zahl der Aktionen, sondern auch der Grad an Militanz, mit der diese betrieben werden. In seiner Eindeutigkeit neu ist dar\u00fcber hinaus das klare \u00f6ffentliche Bekenntnis der \"Szene\" zur \"Solidarit\u00e4t mit der RAF\". Die bereits 1979 ausgegebene Parole \"Drinnen und drau\u00dfen - legalund illegal: ein Kampf!\" hat damit weiter an realem Gehalt gewonnen. Dem von den Illegalen anvisierten Ziel der Basisverbreiterung durch Einbeziehung von Angeh\u00f6rigen militanter linksextremer Randgruppen sind sie allerdings lediglich in Ans\u00e4tzen n\u00e4hergekommen. Zwar gelang mehrfach ein punktuelles Zusammenwirken mit entsprechenden Gruppierungen, unter anderem auch mit ausl\u00e4ndischen Extremisten. Bisher sind jedoch keine dauerhaften Kontakte erkennbar geworden. Selbst einige Zirkel der undogmatischen \"Neuen Linken\", die ihre Publikationsorgane terroristischen Gruppen gelegentlich als Plattform zur Verf\u00fcgung gestellt haben, finden sich inzwischen seltener bereit, Beitr\u00e4ge des Sympathisantenfeldes zu \u00fcbernehmen und abzudrucken. So distanzierte sich etwa das Stuttgarter Alternativorgan \"s'Bl\u00e4ttle - Stadtzeitung f\u00fcr Stuttgart und Umgebung\" von einigen Beitr\u00e4gen aus dem Kreis der Angeh\u00f6rigen der \"FANTASIA\"-Druckerei und \u00fcbte mehrfach offene Kritik an deren \"elit\u00e4rer\" Einstellung: \"Das FANTASIA-Kollektiv macht eine Politik, die wir f\u00fcr elit\u00e4r halten . . . . . . Es ist einfach diffamierend, alle von RAF-Gefangenen abweichenden Verhaltensweisen als Spaltung zu begreifen und als .Resozialisierung' abzuqualifizieren. Das Politikverst\u00e4ndnis von FANTASIA ist unhistorisch und eingleisig, ihr Verst\u00e4ndnis von Antiimperialismus an der RAFPolitik orientiert. . .\" Konzept der terroristi2.2 \"Revolution\u00e4re Zellen\" (RZ) schen \"Revolution\u00e4ren Bei den seit den fr\u00fchen siebziger Jahren neben der \"Roten Zellen\" zielt auf MasArmee Fraktion\" und der inzwischen praktisch aufgel\u00f6sten senwirksamkeit\". \"Bewegung 2. Juni\" weitgehend eigenst\u00e4ndig und unabh\u00e4ngig operierenden \"Revolution\u00e4ren Zellen\" (RZ) handelt es sich um 31 eine terroristische Gruppierung, die bei ihren Aktionen zwar","nicht in derselben Weise wie die RAF vorgeht, deren auf \"Massenwirksamkeit\" angelegtes Konzept freilich l\u00e4ngerfristig ebenfalls eine ernste Gefahr f\u00fcr unseren freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat bedeuten kann. Da\u00df das in der Intensit\u00e4t des Angriffs abgestufte taktische Vorgehen der \"Revolution\u00e4ren Zellen\", das inzwischen in vielfach publizierten \"Anleitungen zu militantem Widerstandsverhalten\" eine gewisse Verbreiterung im Sinne des propagierten Prinzips der \"Guerilla als Massenperspektive\" gefunden hat, zeigen zahlreiche weniger folgenschwere Gewaltakte, bei denen die T\u00e4ter sich an dem Konzept der \"Revolution\u00e4ren Zellen\" orientiert haben. Damit beginnt die seit Jahren immer wieder \u00f6ffentlich artikulierte Aufforderung \"Schafft eine, zwei, drei . . . viele Revolution\u00e4re Zellen\" allm\u00e4hlich vor allem bei den militanten Zirkeln der undogmatischen \"Neuen Linken\", insbesondere bei Teilen der Spontiund Alternativbewegung, soweit sie politisch extremen Einfl\u00fcssen unterliegen, ihre Wirkung zu entfalten. Das taktische Nahziel wurde noch einmal in der im April 1980 konspirativ gedruckten Konspirativ verbreitete Zeitschrift der terroristischen \" Revolution\u00e4ren Zellen\", 7. Ausgabe, April 1980. und verbreiteten Zeitschrift der ,,RZ\", dem ,,Revolution\u00e4ren Zorn\" Nummer 7, pr\u00e4zisiert: Die tats\u00e4chliche Gef\u00e4hrdung besteht f\u00fcr den Staat darin, da\u00df sein Gewaltmonopol nicht mehr heilig ist, da\u00df aus der Handvoll Leute, die gewaltsam subversiv t\u00e4tig sind, zwei, drei, viele H\u00e4ndevoll werden . . .\" 32","Prinzip der \"abgestufAnschl\u00e4ge \"Revolution\u00e4rer Zellen\", die vorgeben, an aktuelle ten Militanz\" findet gesellschaftspolitische Probleme anzukn\u00fcpfen und sich an verNachahmung in den meintlichen Massenbed\u00fcrfnissen zu orientieren, richteten sich Reihen der undogmati1980 bundesweit vor allem gegen staatliche Institutionen wie schen \"Neuen Linken\". die Bundesanstalt f\u00fcr Arbeit in N\u00fcrnberg (6. Januar 1980), das Bundesarbeitsgericht in Kassel (23. M\u00e4rz 1980) sowie gegen Kreiswehrersatz\u00e4mter und andere Dienststellen. In Baden-W\u00fcrttemberg wurden im Jahr 1980 keine Anschl\u00e4ge begangen, die eindeutig ,,Revolution\u00e4ren Zellen\" zuzurechnen sind. Auch in unserem Lande ist un\u00fcbersehbar, da\u00df zunehmend Randgruppen mit oftmals diffusen politischen Zielvorstellungen, die sich oft mit unpolitischen gewaltbereiten Kr\u00e4ften zusammenfinden, die von den \"Revolution\u00e4ren Zellen\" propagierten Widerstandsformen \u00fcbernehmen. Das Spektrum der undogmatischen \"Neuen Linken\" k\u00f6nnte damit mehr und mehr die eigentliche Nahtstelle zu den terroristischen \"Revolution\u00e4ren Zellen\" (RZ) werden. 3. Aktivit\u00e4ten der undogmatischen \"Neuen Linken\" Schl\u00fcsselwort der unIm Jahre 1980 hat der in seiner programmatischen Vielfalt nur dogmatischen Gruppieschwer \u00fcberschaubare, auch zahlenm\u00e4\u00dfig kaum pr\u00e4zise einrungen: Widerstand. grenzbare Bereich der linksextremistischen undogmatischen Bewegung weiter an Bedeutung gewonnen. Ihm sind die zumeist sehr losen Zusammenschl\u00fcsse zuzurechnen, die zwar eine grundlegende Ver\u00e4nderung unserer freiheitlichen demokratischen Staatsund Verfassungsordnung anstreben, dabei aber dogmatische marxistisch-leninistische Positionen als Anleitung zum Handeln ablehnen oder sie sich zumindest nur in mehr oder minder stark modifizierter Form zu eigen machen. Stattdessen propagieren sie eine durch Spontaneit\u00e4t, Autonomie und Selbstorganisation gepr\u00e4gte \"basisdemokratische\" Konzeption mit dem Ziel, staatliche und gesellschaftliche Strukturen revolution\u00e4r umzuw\u00e4lzen. In wachsendem Umfang lassen sich auch anarchistische Einfl\u00fcsse erkennen. Schmieraktion in Freiburg. 33","Hier hat sich in der j\u00fcngsten Zeit aus lockeren Zusammenschl\u00fcssen ohne feste Mitgliedschaft und Programm eine politisch extreme Subkultur entwickelt, die insbesondere wegen ihrer deutlich zur Schau getragenen Militanz wachsende Probleme schafft. Sie umgreift derzeit Spontis und Stadtindianer, Mescaleros, Politrocker, Aussteiger und andere, soweit sie linksextremen Einfl\u00fcssen unterliegen. \"Widerstand\" ist zum Schl\u00fcsselwort dieser sich rasch verbreiternden Bewegung geworden, was 1980 zu einem deutlichen Ansteigen der Zahl militanter Auseinandersetzungen gef\u00fchrt hat. So hei\u00dft es in einer Anfang des Jahres 1980 in Berlin verbreiteten Schrift mit dem Titel \"Ruhe im Lande?\": \"Wie kommt es, da\u00df jemand anf\u00e4ngt, sich Gedanken \u00fcber Bomben, Brands\u00e4tze und Sabotage zu machen und wie kommt es, da\u00df er/sie sich davon noch etwas verspricht? . . . Sabotage kann helfen, kann aufmerksam machen, bestrafen, verz\u00f6gern, verhindern . . . Die Wege sind f\u00fcr uns noch offen, die M\u00f6glichkeiten gro\u00df .. . Aber - mir macht es auch Spa\u00df, ich sehe gerne etwas Unmenschliches in die Luft fliegen, freue mich \u00fcber brennende Baufahrzeuge, \u00fcber L\u00f6cher in Mauern, wo sie offiziell nicht hingeh\u00f6ren, zerklirrte Fensterscheiben, als auch \u00fcber zerst\u00f6rte Bauelemente von AKW's\". In der Praxis bedeutet das, da\u00df die Grenzen zwischen dem immer h\u00e4ufiger propagierten passiven und dem aktiven gewaltPublikationen aus dem Bereich der undogmatischen ,,Neuen Linken\". 34","t\u00e4tigen Widerstand inzwischen zunehmend flie\u00dfend geworden sind. Die von den militanten Teilen der undogmatischen Gruppen verk\u00fcndete \"fr\u00f6hliche Revolte\" hat sich mit der von Fritz TEUFEL, dem ehemaligen Mitglied der terroristischen \"Bewegung 2. Juni\", propagierten \"Spa\u00dfguerilla als aktuelle Form des Klassenkampfes\" verbunden. An dieser Stelle grenzt die neue Protestbewegung an die taktische Konzeption der \"Revolution\u00e4ren Zellen\", die seit Jahren zu \"militantem Widerstandsverhalten\" auffordern. So erscheint es nur folgerichtig, da\u00df eine Anzahl sogenannter Alternativpublikationen terroristischen Gruppierungen mehrfach als Plattform f\u00fcr die Verbreitung von Sympathieerkl\u00e4rungen oder gar von \"Bekennerbriefen\" diente. Die bei Teilen der Jugend vorhandene Tendenz zu grunds\u00e4tzlicher Oppositionshaltung, die sich zun\u00e4chst nicht selten darauf beschr\u00e4nkt hatte, da\u00df das \"Aussehen, der Haarschnitt, die Kleidung und Bemalung von Gesicht und Haaren, Sicherheitsnadeln in Ohr und Backe eine Protesthaltung gegen ALLES in dieser Gesellschaft ausdr\u00fcckt\", (zitiert aus: \"Informationsdienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten\" (ID) vom 9. Januar 1981) verdichtet sich neuerdings bei bestimmten F\u00e4llen zu konkreten Aktionen unter dem Motto \"Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt!\" und schlie\u00dflich zu gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen mit dem Ziel \"SABOTAGE \u00fcberall!\" Schmieraktion in T\u00fcbingen. Die Zahl militanter So waren Angeh\u00f6rige der undogmatischen \"Neuen Linken\" im Auseinandersetzu ngen vergangenen Jahr immer dann beteiligt, wenn es zu massiven nimmt zu. Auseinandersetzungen mit staatlichen Organen kam: dies trifft f\u00fcr die St\u00f6rungen \u00f6ffentlicher Gel\u00f6bnisfeiern der Bundeswehr ebenso zu wie f\u00fcr das gewaltt\u00e4tige Vorgehen bei Protestaktionen gegen den Bau von Kernkraftwerken. Zunehmend trat im Jahre 1980 auch das Thema \"H\u00e4userkampf\" in den Vordergrund. Extreme Randgruppen versuchen damit ein neues Reizklima zur Mobilisierung und Manipulierung von \"Massen\" zu erzeugen. Obwohl die Mehrzahl der an Hausbesetzungen betei35 ligten Personen keinen politisch extremen Gruppen zuzurechnen","ist, hat sich im Laufe des Jahres 1980 an einigen \u00f6rtlichen Kristallisationspunkten - in Baden-W\u00fcrttemberg vor allem in Freiburg und T\u00fcbingen - ein militantes Potential herausgebil det, das von einer gro\u00dfen Zahl von Mitl\u00e4ufern unterst\u00fctzt und ermutigt wird. So kam es am 10. Juni 1980 in Freiburg, angeblich aus Solidarit\u00e4t mit den Besetzern des Abbruchobjek tes \"Dreisameck\", zu der seit Jahren gr\u00f6\u00dften, nicht angemelde ten Demonstration in Baden-W\u00fcrttemberg. Im Juni 1980 in Freiburg aus Anla\u00df der R\u00e4umung ensteki o/e-rh/itto seh fratcb ei^e-rr des,, Dreisamecks \"ver breitetes Flugblatt. am Sonntag mu\u00dften wir der staatlichen Obermacht weichen und das Oreisameck verlassen. WELCHE GEWALT IST ES. DIE SICH DAMIT LEGITIMIERT, UNS ZU \"GEWALTT\u00c4TER\" AB1U - STEMPELN? Gewalt ist es, wenn die sch\u00f6nen alten Viertel der St\u00e4dte unter Polizeischutz, mit Ramme, Eisenkugeln, Baggern abgerissen werden und \u00f6den Bank und Versicherungspal\u00e4sten weichen m\u00fcssen. .WIR TRETEN. GEGEN DIESE GEWALT A N ! --Peil m om s i-ra i iOn heute sf?^factl&rj^r. lasst Euch was einfallen! Titil/ Tina&r J*'h<e(-er? ft'tle Jtt'eoet/ete i/n/e-f-fasset* f2t** f.liH-#h fix* TiS\u00df-e fatderi^drh^t. fiTioLen fesle ScMiude^fa^^attef\u00e4ttne\"f ~72ecte-rnid\u00fcj<r ansegle\" \u00dfe-to al 3es\"t, Jolle \"Tlasclt ** ivr/fbr/noe* All dis, die in der. Nacht von Sonntag/ Hontag von der Polizei verletzt wurden, verhaftet oder \u00e4hnliches,treffen, sich-am DienstagJJ:6.. um 18 Uhr in Jos Fritz Wilhetastr.15 (oder hinterlasst eine Nachricht) Die alternative \"Freiburger Stadtzeitung\" zitierte einen Teilneh mer an der Aktion: \"Die Stadt ist in Aufruhr. . . Zehntausend Menschen - die Stadt geh\u00f6rt uns. Der Zug macht bei jeder Bank halt, um ein paar Scheiben zu demolieren, Wahlplakate zu zerst\u00f6ren oder in aller Ruhe zu spr\u00fchen. 36","Ein einzelnes Polizeiauto, das in die Demo ger\u00e4t, wird enorm demoliert, die Reifen zerstochen, die Insassen sitzen verlegen im Wagen und r\u00fchren sich nicht. . . In den K\u00f6pfen sitzt der alte, unausdiskutierte Widerspruch: Der Ekel vor der Bullenpr\u00e4senz - das klamme Gef\u00fchl im Magen beim Anblick von Wasserwerfern, auf der anderen Seite das Gef\u00fchl der eigenen St\u00e4rke, die sich gerade an dem Polizeiaufgebot zeigt. Die Rechnung: je mehr Putz wir machen, desto l\u00e4nger m\u00fcssen sie bleiben, desto mehr Bullen m\u00fcssen sie haben, desto deutlicher sp\u00fcrt die Stadt, da\u00df sie sich verrechnet haben, desto st\u00e4rker sp\u00fcren wir unsere Kraft.. .\" Die unmittelbar im Anschlu\u00df an die R\u00e4umung des \"Dreisamecks\" erfolgte Besetzung des Geb\u00e4udekomplexes \"Schwarzwaldhof\" in Freiburg wie auch der am 17. Oktober 1980 in dieser Stadt durchgef\u00fchrte \"Zug der Unzufriedenen\", an dem sich etwa 3 000 Personen beteiligten, verdeutlichen, wie gro\u00df inzwischen das Potential geworden ist, das durch solche Aktionen angesprochen werden kann. Die Freiburger Ereignisse sind zugleich symptomatisch daf\u00fcr, in welchem Ausma\u00df bei dem militanten Teil dieser neuen \"Bewegung\" die Unempfindlichkeit gegen\u00fcber Rechtsverletzungen und der Anwendung von Gewalt geworden ist. Gerade die im Zusammenhang mit Hausbesetzungen zahlreich verbreiteten Parolen haben dazu beigetragen, die Hemmschwelle zu gewaltsamem Vorgehen weiter abzubauen. \"H\u00e4userkampf ist Die eigentlichen Aktivisten der \"H\u00e4userkampf-Bewegung\" lasKlassenkampf.\" sen sich dabei l\u00e4ngst nicht mehr in erster Linie von der Sorge um Wohnraum leiten, sondern kn\u00fcpfen an die revolution\u00e4re Zielsetzung der ersten Welle von Hausbesetzungen Anfang der siebziger Jahre an. In dem damals verbreiteten \"Handbuch f\u00fcr Hausbesetzer\" hie\u00df es: \"Genossen! Der Kampf gegen die Zerst\u00f6rung des Wohnraums, gegen Profit und Ausbeutung der grundlegenden Lebensbedingungen kann nicht auf der Ebene der kritischen Theorie gef\u00fchrt werden, sondern nur auf der Ebene einer revolution\u00e4ren Strategie. Die Hausbesetzer sind eine Avantgarde im Wohnkampf. Dieser Kampf wird nicht in den Gerichtss\u00e4len der Klassenjustiz entschieden, sondern auf der Stra\u00dfe . . .\" In einem im Februar 1981 in Heidelberg verbreiteten Flugblatt unter dem Motto \"H\u00c4USERKAMPF ist Klassenkampf\" wurde dieser revolution\u00e4re Aspekt erneut bekr\u00e4ftigt: \" . . . Dem entspricht unsere Erfahrung, da\u00df \u00fcber Verhandlungen mit Politikern und Eigent\u00fcmern f\u00fcr uns keine grunds\u00e4tzliche Ver\u00e4nderung unserer Situation zu erreichen ist. DIESES SYSTEM HAT KEINE FEHLER, die wir reformieren k\u00f6nnten, DIESES SYSTEM IST DER FEHLER . . .\" 37","Die Aufrufe, \"dieses System\" anzugreifen, verbinden sich bei vielen diffusen Zirkel mit der Aufforderung zur grunds\u00e4tzlichen Verweigerung bei gleichzeitiger Ausnutzung der sozialen F\u00fcrsorge des Staates. Die Parole ,,Seid realistisch - fordert das Unm\u00f6gliche!\" wird in vielf\u00e4ltiger Form zum eigentlichen Leitmotiv der undogmatischen Protestbewegung. In einer 1980 im gesamten Bundesgebiet verbreiteten Brosch\u00fcre mit dem Titel \"Wege zu Wissen und Wohlstand oder: Lieber Krankfeiern als gesund schuften!\" werden auf \u00fcber 100 Seiten \"Tips und Tricks\" dargestellt, \"die sich unserer Meinung nach eignen, eine Krankschreibung zu erreichen\". Dabei wir das Ziel der fiktiven \"Autoren\" Dr. A. NARCHO, Dr. Marie HUANA und Privatdozent Dr. KIFFTURNER, mit der Publikation die Zerst\u00f6rung der Arbeitsmoral und der Sozialordnung zu erreichen, am Schlu\u00df nochmals zusammengefa\u00dft: \"Eure Energie, eure Kraft, eure Zeit, gewonnen durch den Gebrauch dieses Heftes, benutzt f\u00fcr euch und zur Ver\u00e4nderung dieser Gesellschaft, auf da\u00df sie keinen mehr krank mache, das ist unser Traum!\" Insgesamt hat die Bewegung der undogmatischen \"Neuen Linken\" das unserer gesellschaftlichen Ordnung feindselig gegen\u00fcberstehende Gewaltpotential erkennbar verst\u00e4rkt. 4. Organisationen der dogmatischen \"Neuen Linken\" 4.1 \"Kommunistischer Bund Westdeutschland\" (KBW) KBW trotz Abspaltung einer Fraktion noch Der prochinesisch orientierte \"Kommunistische Bund Westimmer st\u00e4rkste Gruppe deutschland\" (KBW), der es - im Gegensatz zu den meisten der dogmatischen anderen Parteien und Zusammenschl\u00fcssen der dogmatischen \"Neuen Linken\". \"Neuen Linken\" - \u00fcber l\u00e4ngere Zeit verstanden hatte, sich aus der krisenhaften Entwicklung der sogenannten K-Gruppen weitgehend herauszuhalten, konnte im Jahre 1980 die Abspaltung einer zahlenm\u00e4\u00dfig starken Fraktion nicht mehr verhindern. Die \"Abspalter\", unter ihnen zahlreiche seit langem aktive Funktion\u00e4re, gr\u00fcndeten am 21. September 1980 in Hannover eine neue Organisation, den \"Bund Westdeutscher Kommunisten\" (BWK), der von sich selbst behauptet, auch er sei inhaltlich auf der Grundlage des KBW-Programms t\u00e4tig. Von der Spaltung des KBW waren auch dessen Hilfsund Nebenorganisationen, die \"Kommunistische Hochschul38","gruppe\" (KHG) und die \"Vereinigung f\u00fcr revolution\u00e4re Volksbildung\" (VRV), betroffen. Ein Teil der Mitglieder dieser Vereinigungen fand sich inzwischen zu neuen Organisationen gleichen Namens zusammen, die sich nunmehr dem BWK unterordnen. Schon fr\u00fcher hatte der KBW mehrfach Schw\u00e4chungen durch innerparteiliche oppositionelle Str\u00f6mungen verkraften und dabei zwangsl\u00e4ufig Mitgliederverluste in Kauf nehmen m\u00fcssen; der Parteif\u00fchrung war es jedoch stets gelungen, dieser Probleme - etwa durch die Disziplinierung von Funktion\u00e4ren - Herr zu werden und die Organisation wieder zu stabilisieren. Dem langj\u00e4hrigen Sekret\u00e4r des KBW, Hans-Gerhart SCHMIERER, gelang es nicht mehr, die von Martin FOCHLER, dem Sekret\u00e4r der KBW-Regionalleitung S\u00fcd, angef\u00fchrte parteiinterne Kritik abzuwehren. FOCHLER und seine Anh\u00e4nger erhoben im Kern den Vorwurf, die Leitung des KBW setze sich seit langem leichtfertig \u00fcber das 1973 beschlossene Parteiprogramm hinweg. Darin hatte der KBW die Forderung erhoben, den \"b\u00fcrgerlichen Staat\" im Wege einer \"sozialen Revolution\" zu beseitigen. Voraussetzung f\u00fcr den offen erstrebten Umsturz sei die \"Zerschlagung des Staatsapparates\", die den Weg freimache f\u00fcr die \"Eroberung der politischen Macht\". Die Gegens\u00e4tze zwischen den beiden Fraktionen, die ihre Ursache nicht zuletzt im pers\u00f6nlichen Zerw\u00fcrfnis einiger f\u00fchrender Funktion\u00e4re hatten, traten schlie\u00dflich auch im Streit um die weitere Herausgabe des theoretischen Parteiorgans \"Kommunismus und Klassenkampf\" (KUK) offen zutage. Die Auseinandersetzungen im \"Zentralen Komitee\", die sich auf Bezirksdelegiertenkonferenzen fortsetzten, veranla\u00dften FOCHLER und andere f\u00fchrende Funktion\u00e4re, ihre Partei\u00e4mter niederzulegen und schlie\u00dflich aus der Partei auszutreten. Diesem Schritt schlossen sich zahlreiche KBW-Angeh\u00f6rige vor allem aus den Regionalverb\u00e4nden S\u00fcd und Nord an. Bundesweit verlor der KBW etwa 600 seiner 2 400 Mitglieder an die neue Organisation, so da\u00df in der Partei Ende des Jahres 1980 - nach Ber\u00fccksichtigung sonstiger Abg\u00e4nge - insgesamt noch rund 1 480 Mitglieder organisiert waren. In Baden-W\u00fcrttemberg konnte die als militanter geltende \"FOCHLER-Fraktion\" etwa 150 der 320 Angeh\u00f6rigen des KBW an sich ziehen. Der KBW verlor nicht nur ein Viertel seines bisherigen Mitgliederbestandes, sondern auch einen betr\u00e4chtlichen Teil seines Verm\u00f6gens. Nach einer parteiinternen Aufstellung sicherten sich die \"Abspalter\" aus den KBW-B\u00fcros Bargeld, B\u00fcromaschinen, Druckeinrichtungen und anderes Material im Wert von etwa einer Million DM; gleichwohl verblieb dem KBW der gr\u00f6\u00dfte Teil der Sachwerte des Parteiverm\u00f6gens, dessen H\u00f6he vor der Spaltung auf \u00fcber 10 Millionen DM gesch\u00e4tzt worden war. Zun\u00e4chst konzentrierte die Funktion\u00e4rsgruppe um SCHMIERER sich darauf, der durch die Spaltung der Organisation hervorgerufenen Schw\u00e4chung der Partei durch \"konsolidierende Ma\u00dfnahmen\" zu begegnen. Zwar soll das Programm, das-wie verlautet 39 - \"selbstverst\u00e4ndlich M\u00e4ngel\" enthalte, \u00fcberpr\u00fcft werden;","grundlegende \u00c4nderungen der ideologischen Grundlagen und des bisherigen taktischen Vorgehens sind jedoch offenbar nicht beabsichtigt. In einer Erkl\u00e4rung zur Bundestagswahl unterstrich der KBW auch seine unver\u00e4ndert g\u00fcltige verfassungsfeindliche Zielsetzung noch einmal: Politischer Kampf mit dem Ziel der Eroberung der politischen Macht durch die Arbeiterklasse ist die Vorbedingung der sozialen Revolution des Proletariats. . . . Solange es Waffen gibt, bleibt die Frage entscheidend, in wessen Hand sich die Waffen befinden . . ,\" Auf der 5. ordentlichen Delegiertenkonferenz des KBW am 20./ 21. September 1980, die SCHMIERER als Sekret\u00e4r in seinem Amt best\u00e4tigte, wurden \u00c4nderungen des Organisationsaufbaus der Partei beschlossen: an die Stelle der bisherigen drei Regionalverb\u00e4nde Nord (Sitz Hannover), Mitte (Sitz K\u00f6ln) und S\u00fcd (Sitz M\u00fcnchen) traten 10 kleinere Regionalverb\u00e4nde, die sich r\u00e4umlich weitgehend mit den Bundesl\u00e4ndern decken. Gleichzeitig wurden die 12 Bezirksgruppen aufgel\u00f6st und die insgesamt 37 Bezirksverb\u00e4nde direkt den neu organisierten Regionalverb\u00e4nden unterstellt. Der KBW-Regionalverband Baden-W\u00fcrttemberg umfa\u00dft nunmehr die Bezirksverb\u00e4nde Stuttgart (W\u00fcrttemberg), Mannheim (Rhein - Pfalz), Heidelberg (Neckar - Franken), Karlsruhe (Mittlerer Oberrhein - Nordschwarzwald), Freiburg (S\u00fcdbaden). Sitz der Regionalverbandsleitung ist Stuttgart. Der R\u00fcckgang der Mitgliederzahl um insgesamt 900 gegen\u00fcber dem Jahr 1979 sowie ein erheblich geringeres Spendenaufkommen hatten zur Folge, da\u00df der KBW erstmals seit Jahren mit finanziellen Schwierigkeiten zu k\u00e4mpfen hatte. Diese veranla\u00dften die Partei zu Einschr\u00e4nkungen vor allem im Presseund Publikationswesen: die Auslandskorrespondenten, bisher in London, Br\u00fcssel, Rom und Paris, wurden zur\u00fcckgezogen; die Kandidatur anl\u00e4\u00dflich mehrerer Wahlen des Jahres 1980 konnte nur noch in bescheidenem Umfang durch Propagandamaterial unterst\u00fctzt werden. Mitte 1980 sah sich der KBW sogar gen\u00f6tigt, sein Zentralorgan \"Kommunistische Volkszeitung\" (KVZ), dessen Auflage von fr\u00fcher 32 000 auf nunmehr 13 000 Exemplare zur\u00fcckgenommen wurde, im Umfang zu reduzieren. Bei den Wahlen konnte der KBW nirgends ein Mandat erringen. Er hatte \u00fcberall, so auch in Baden-W\u00fcrttemberg bei den Landtagswahlen am 16. M\u00e4rz 1980 und bei den Kommunalwahlen am 22. Juni 1980, erhebliche Stimmenverluste zu verzeichnen. Die Resonanz dieser linksextremen Splitterpartei ist in der Bev\u00f6lkerung inzwischen auf ein Minimum gesunken. Dies gilt sogar f\u00fcr die Stimmungslage in der einstigen KBW-,,Hochburg\" Heidelberg. Wie stark der R\u00fcckw\u00e4rtstrend sich entwickelt hat, verdeutlichen schwerpunktartig ausgew\u00e4hlte Wahlergebnisse: 40","Wahlplakat des KBW zur Proletarier aller Landei ;inigt euch! Proletarier alier L\u00e4itdei imil unterdr\u00fcckte V\u00f6lker vereinigt euch! Bundestagswahl 1980. Kommunistische Volkszeitung Stimmt revolution\u00e4r! W\u00e4hlt KBW! KBW Kommunistische! Bund Westdeutsche nd Landtagswahlen 3aden-W\u00fcrttemberg (16. M\u00e4rz 1980) Wahlkreis 1976 1980 Stimmen % Stimmen % Karlsruhe II 180 0,3 47 0,1 Karlsruhe IV 101 0,1 17 0,0 Heidelberg 1 052 1,7 131 0,2 Mannheim 1 238 0,5 46 0,1 Freiburg II 433 0,8 83 0,1 Bei den Kommunalwahlen in Baden-W\u00fcrttemberg am 22. Juni 1980, an denen der KBW noch als einzige Gruppierung der \"Neuen Linken\" teilnahm, erreichte er in Freiburg einen Stimmenanteil von nur 0,1 % (1975: 1,8%). In Karlsruhe brachte es die Partei nur noch auf 0,02% der Stimmen. Das 1975 in Heidelberg errungene Mandat (3,6 % der Stimmen) ging wieder 41 verloren (1980: 1,6%).","Trotz dieses Stimmenr\u00fcckgangs hielt der KBW auch 1980 im Rahmen seiner M\u00f6glichkeiten daran fest, durch militantes Auftreten auf sich aufmerksam zu machen. Verst\u00e4rkt wurden insbesondere die Versuche, in der sogenannten Antimilitarismusarbeit Fortschritte zu erzielen. So beteiligte sich der KBW im Jahre 1980 ma\u00dfgeblich an Aktionen gegen die Bundeswehr, wobei vor allem \u00f6ffentliche Gel\u00f6bnisse von Bundeswehr-Rekruten sowie Man\u00f6ver in Norddeutschland im Mittelpunkt seiner Agitation standen. Plakataufruf des KBW aus Proletarier aller L\u00e4nder vereinigt euch! Proletarier aller L\u00e4nder und unterdr\u00fcckte V\u00f6lker vereinigt euch! Anla\u00df der \u00f6ffentlichen Kommunistische Volkszeitung Gel\u00f6bnis feiern der Bundeswehr. Demokratischer Friedensvertrag Demokratische Au\u00dfenpolitik - Blockfreiheit Keine Erh\u00f6hung des Milit\u00e4rhaushalts f\u00fcr Nachr\u00fcstung Recht auf jederzeitige Verweigerung Kein Wehrdienst von Frauen - Volksbewaffnung M KBW Kommunistischer Bund Westdeutschland Im Zusammenhang mit den besonders gewaltt\u00e4tig verlaufenen Auseinandersetzungen bei der Rekruten-Vereidigung am 5. Mai 1980 in Bremen war im Parteiorgan \"Kommunistische Volkszeitung\" Nr. 20/80 vom 12. Mai 1980 zu lesen, die \"b\u00fcrgerlichen Politiker und ihre Presse\" seien \"weniger \u00fcber Steinw\u00fcrfe und angesteckte Fahrzeuge . . . als \u00fcber die Tatsache (ersch\u00fcttert), da\u00df es nicht gelungen ist, diese breite Bewegung unter Kontrolle zu halten\". Auch in Stuttgart nahm der KBW zusammen 42","mit anderen Organisationen an den Protestaktionen gegen das Gel\u00f6bnis von Bundeswehr-Rekruten am 21. November 1980 teil. Dabei beschr\u00e4nkten sich die KBW-Angeh\u00f6rigen - im Gegensatz zu der Art ihrer Beteiligung an den Vorg\u00e4ngen in Bremen - im wesentlichen auf verbale St\u00f6rungen der Veranstaltung. Hilfsund NebenorganiDie wenigen noch aktiven Hilfsund Nebenorganisationen des sationen von starkem KBW waren 1980 aufgrund der parteiinternen Probleme geMitgliederr\u00fcckgang zwungen, ihre T\u00e4tigkeit drastisch einzuschr\u00e4nken. Die im Jahre betroffen. 1979 gehegte Hoffnung, mit der Gr\u00fcndung der \"Vereinigung f\u00fcr revolution\u00e4re Volksbildung - Soldaten und Reservisten\" (VRVSR) werde Mitgliedern und Anh\u00e4ngern des KBW ein ,,gro\u00dfes Feld revolution\u00e4rer T\u00e4tigkeit\" geboten, hat sich nicht erf\u00fcllt. Die Gruppierung, die im wesentlichen \"kulturelle und milit\u00e4rische T\u00e4tigkeit\" leisten sollte, konnte sich das Interesse der Mitglieder nicht lange erhalten. Gegen Ende des Jahres 1980 entschlo\u00df sich der KBW deshalb, die VRV-SR nur noch f\u00fcr \"kulturelle Zwecke\" einzusetzen und die \"Milit\u00e4rarbeit\" selbst zu \u00fcbernehmen. Der \"Kommunistische Jugendbund\" (KJB), die Jugendorganisation des KBW, ist in Baden-W\u00fcrttemberg kaum mehr aufgetreten. Die geschw\u00e4chte Position der Partei bot offenbar wenig Anreiz, sich noch in deren Jugendverband zu bet\u00e4tigen. 4.2 \"Bund Westdeutscher Kommunisten\" (BWK) BWK unterscheidet sich Der am 21. September 1980 in Hannover von ehemaligen kaum vom KBW. Funktion\u00e4ren und Mitgliedern des KBW gegr\u00fcndete \"Bund Westdeutscher Kommunisten\" ist seitdem vor allem mit dem Ausbau seiner Organisation sowie dem Aufbau eines eigenen Publikationssystems besch\u00e4ftigt. Gr\u00f6\u00dfere in die \u00d6ffentlichkeit hineinwirkende Aktivit\u00e4ten vermochte die Gruppe dar\u00fcber hinaus bisher nicht zu entfalten. Die F\u00fchrung des BWK obliegt dem aus 31 Mitgliedern bestehenden \"Zentralen Komitee\" (ZK), das aus seinen Reihen den \"Gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Ausschu\u00df\" w\u00e4hlt. Sekret\u00e4r (Vorsitzender) dieses \"Ausschusses\" ist J\u00f6rg Christian DETJEN, Hannover, ehemals Leiter des KBW-Regionalverbandes Nord. Martin FOCHLER, der die Minderheitsfraktion gegen den KBW-Sekret\u00e4r SCHMIERER formiert hatte, wurde als Verantwortlicher f\u00fcr Publizistik im ZK bestimmt. Einer der ersten Beschl\u00fcsse des ZK regelte denn auch die Herausgabe eines eigenen Zentralorgans f\u00fcr die neue Gruppierung mit dem Titel \"Politische Berichte\". Es erscheint vierzehnt\u00e4gig; die erste Ausgabe wurde bereits am 13. Oktober 1980, wenige Tage nach der Organisationsgr\u00fcndung verbreitet. Der BWK, dem sich bis zum Jahresende 1980 etwa 600 ehemalige KBW-Mitglieder angeschlossen haben, hat bisher auf die Verabschiedung eines eigenen Programms verzichtet. In einem von der Gr\u00fcndungsversammlung gebilligten \"Beschlu\u00df zur Reorganisation der westdeutschen Kommunisten auf der Grundlage des Programms der westdeutschen Kommunisten\" 43 begr\u00fcndet der BWK sein Festhalten am KBW-Programm:","\"Die versammelten Delegierten von Zellen und Mitglieder von Leitungen des KBW legen ihre \u00c4mter im Organisationsrahmen des KBW nieder, weil der KBW nicht nur aufgeh\u00f6rt hat, auf Grundlage des Programms der .Westdeutschen Kommunisten' t\u00e4tig zu sein, sondern sich inzwischen damit besch\u00e4ftigt, gegen dieses Programm in der \u00d6ffentlichkeit t\u00e4tig zu werden . . . Da gegenw\u00e4rtig noch die M\u00f6glichkeit besteht, an die Politik, die der KBW gemacht hat, anzuschlie\u00dfen und auf dieser Politik aufzubauen, kann die erforderliche Reorganisation ohne besonderen Aufwand an neuem Dokumentenmaterial betrieben werden . . .\" Im Oktober 1980 erstmals erschienene Zeitschrift des BWK. Jt O I I U \u00c4 V O C DvFlCficC' ^^ Zeitschrift des Bundes Wes!deyischer Koraraunisten (BWK) Nach dem Statut, das inhaltlich ebenfalls dem des KBW angen\u00e4hert ist, gliedert sich der BWK im Bundesgebiet in 8 Landesverb\u00e4nde, die wiederum in Bezirksverb\u00e4nde unterteilt sind. Grundeinheiten der Organisation sind die Zellen. Der BWK-Landesverband Baden-W\u00fcrttemberg mit Sitz in Mannheim und Gesch\u00e4fts44","stellen in Mannheim und Freiburg umfa\u00dft f\u00fcnf Bezirksverb\u00e4nde, n\u00e4mlich - Mannheim/Rhein - Pfalz - Stuttgart/Mittlerer Neckar - Heilbronn/Neckar - Franken - Freiburg/S\u00fcdbaden - Ulm/S\u00fcdw\u00fcrttemberg. Darin sind inzwischen etwa 150 Mitglieder in 40 Zellen organisiert. Das entspricht immerhin nahezu der H\u00e4lfte des fr\u00fcheren Mitgliederbestandes des KBW in unserem Land. Der Mitgliedsbeitrag wurde auf mindestens DM 20,pro Monat festgesetzt (der KBW fordert nach wie vor DM 30,-). Die vom BWKLandesverband Baden-W\u00fcrttemberg verbreiteten Publikationen wurden bisher ausschlie\u00dflich von der Gesch\u00e4ftsstelle Freiburg gedruckt. Bis zum Jahresende 1980 brachte die neue Organisation mehrere Zeitungen, wenngleich jeweils mit geringer Seitenzahl, heraus: Betriebsausgaben 18 Sch\u00fclerzeitungen 2 Hochschulzeitungen 7 Soldatenzeitungen 1_ Gesamtzahl 28 Der BWK verf\u00fcgt inzwischen - wie andererseits auch der KBW - \u00fcber die Hilfsorganisationen \"Vereinigung f\u00fcr revolution\u00e4re Volksbildung\" (VRV) und \"Kommunistische Hochschulgruppe\" (KHG), w\u00e4hrend eine BWK-Jugendorganisation bisher nicht in Erscheinung getreten ist. Die VRV des BWK ist im Gegensatz zur VRV des KBW gehalten, im Rahmen ihrer - derzeit noch bescheidenen - T\u00e4tigkeit auch \"Milit\u00e4rarbeit\" zu leisten. Immerhin wurde mit ihrer Unterst\u00fctzung in BadenW\u00fcrttemberg die \"Soldatengruppe Immendingen\" aktiv, die sich mit einer \"Revolution\u00e4ren Soldatenzeitung\" an die \u00d6ffentlichkeit gewandt hat. 4.3 \"Komitees f\u00fcr Demokratie und Sozialismus\" (KDS) Den im April 1979 von ehemaligen Mitgliedern des KBW und anderer Gruppen der \"Neuen Linken\" gebildeten \"Komitees f\u00fcr Demokratie und Sozialismus\" (KDS) gelang es trotz anf\u00e4nglicher Erfolge nicht, zu einer organisatorisch verfestigten, bundesweit t\u00e4tigen Vereinigung zusammenzuwachsen. Die KDS sind unver\u00e4ndert eine lose Verbindung \u00f6rtlich selbst\u00e4ndiger Zirkel ohne zentrale Leitungsund F\u00fchrungsgremien. Von den in Baden-W\u00fcrttemberg bestehenden \u00f6rtlichen KDSGruppen in Mannheim und Heidelberg gingen im Jahre 1980 keine nennenswerten Aktivit\u00e4ten aus. Der geplante Aufbau weiterer Zirkel in unserem Lande ist gescheitert. Bundesweit 45 d\u00fcrften den KDS nicht mehr als 200 Personen zuzurechnen sein.","4.4 \"Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten)\" - KPD - Die Ende 1968 gegr\u00fcndete, seit 1978 proalbanisch ausgerichEhemalige KPD/ML tete \"Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninikonnte von Umbenensten\" (KPD/ML) hat sich auf der zentralen Delegiertenkonferenz nung nicht profitieren. Mitte Mai 1980 mit gro\u00dfer Mehrheit in \"Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten)\" - KPD - \"zur\u00fcckbenannt\". Der Parteivorsitzende Ernst AUST begr\u00fcndete diese Ma\u00dfnahme im Zentralorgan \"Roter Morgen\" vom 4. Juli 1980 damit, die Partei habe sich immer als die \"legitime Nachfolgerin der revolution\u00e4ren Partei Karl LIEBKNECHTS, Rosa LUXEMBURGS und Ernst TH\u00c4LMANNs\" verstanden. Nach der Aufl\u00f6sung der \"kleinb\u00fcrgerlich-revisionistischen Organisation der Studentenf\u00fchrer SEMLER und HORLEMANN\", der \"Gruppe Rote Fahne\" (gemeint ist die 1970 gegr\u00fcndete und im M\u00e4rz 1980 durch Parteitagsbeschlu\u00df aufgel\u00f6ste maoistisch orientierte KPD), habe - so der Funktion\u00e4r - keine Notwendigkeit mehr bestanden, sich durch einen Zusatz abzugrenzen. Die,,Zur\u00fcckbenennung\" der KPD/ML in KPD wird auch am Titel des Zentralorgans der Partei sichtbar. Die KPD, die sich nach wie vor an der \"Partei der Arbeit Albaniens\" (PdAA) orientiert, konnte mit rund 500 Angeh\u00f6rigen den Mitgliederbestand des Vorjahres im wesentlichen halten. \u00c4nderungen in der \u00fcberregionalen Organisationsstruktur waren im Jahr 1980 nicht zu verzeichnen. Die KPD gliedert sich nach wie vor in die wohl lediglich formal existente \"Sektion DDR\", die 46","\"Sektion Westberlin\" sowie die \"Sektion Deutsche Bundesrepublik\", die die drei Landesverb\u00e4nde Nord, Mitte und S\u00fcd umfa\u00dft. Dem Landesverband S\u00fcd nachgeordnet ist der Landesbezirksverband Baden-W\u00fcrttemberg (Sitz: Stuttgart) mit ca. 10 Ortsgruppen und St\u00fctzpunkten, in denen insgesamt 80 Mitglieder organisiert sind. Die KPD bediente sich auch 1980 mehrerer bundesweit operierender Nebenund Hilfsorganisationen, deren Aktivit\u00e4t unterschiedlich war: - \"Rote Garde\" - \"Rote Hilfe Deutschlands\" (RHD) - \"Revolution\u00e4re Landvolkbewegung\" (RLB) - \"Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg, f\u00fcr Freiheit und Demokratie, Wohlstand und Frieden\" (VOLKSFRONT). Diesen Vereinigungen d\u00fcrften in Baden-W\u00fcrttemberg etwa 120, im Bundesgebiet insgesamt 1 500-2 000 Anh\u00e4nger zuzurechnen sein, wobei der gr\u00f6\u00dfte Teil in der 1979 gegr\u00fcndeten \"VOLKSFRONT\" organisiert ist. Zu den Agitationsschwerpunkten der KPD geh\u00f6rten 1980 insbesondere die intensive Unterst\u00fctzung des Bundestagswahlkampfes der \"VOLKSFRONT\" - die KPD hatte bereits fr\u00fchzeitig auf eine eigene Kandidatur verzichtet - , die Betriebsund Gewerkschaftsarbeit, die sogenannte Antifaschismusarbeit sowie der Versuch einer st\u00e4rkeren Einflu\u00dfnahme auf in der Bundesrepublik Deutschland wohnhafte und t\u00e4tige Ausl\u00e4nder, insbesondere auf die t\u00fcrkischen Arbeitnehmer. Die von keiner anderen Gruppe der \"Neuen Linken\" in diesem Ausma\u00df betriebene Ankn\u00fcpfung von Kontakten zu T\u00fcrken wurde von der KPD \u00f6ffentlich noch dadurch unterstrichen, da\u00df sie sich zum Jahresende 1980 dazu entschlo\u00df, das in einer Auflage von 6 000 Exemplaren erscheinende Zentralorgan \"Roter Morgen\" fortan in deutscher und t\u00fcrkischer Sprache herauszugeben. Im \"Roten Morgen\" vom 19. Dezember 1980 begr\u00fcndete die Redaktion des KPD-Blattes die \u00c4nderung damit, da\u00df \"ein betr\u00e4chtlicher Teil der Arbeiterklasse in unserem Land aus ausl\u00e4ndischen Kollegen\" besteht, dessen Hauptkontingent wiederum \"Werkt\u00e4tige aus der T\u00fcrkei\" stellen. Die t\u00fcrkischen Arbeiter seien nicht nur zahlenm\u00e4\u00dfig der \"wichtigste Block\" unter den \"ausl\u00e4ndischen Arbeitsemigranten\", sondern sie verk\u00f6rperten auch gleichzeitig deren \"k\u00e4mpferischsten und bewu\u00dftesten Teil\". Die zweisprachige Ausgabe werde - so die Hoffnung der KPD - sicher dazu beitragen, die \"Kampfeinheit zwischen den deutschen Arbeitern und den Arbeitern aus der T\u00fcrkei\" zu f\u00f6rdern. Die Werbung proalbanisch orientierter und insoweit der KPD gleichgesinnter T\u00fcrken hat dieser 1980 tats\u00e4chlich einigen Erfolg gebracht. Eintritte in die Partei und vor allem in die \"VOLKSFRONT\" waren erstmals in nennenswertem Umfang zu verzeichnen. Wiederholt beteiligten sich T\u00fcrken auch an \u00f6ffentlichen Aktionen der KPD und ihrer Hilfsorganisationen. 47 Die Jugendorganisation der KPD, die \"Rote Garde\", war","gezwungen, ihre T\u00e4tigkeit im vergangenen Jahr angesichts erheblicher finanzieller Schwierigkeiten deutlich einzuschr\u00e4nken. Au\u00dferdem mu\u00dfte sie den redaktionellen Umfang ihres bundesweit verbreiteten Jugendmagazins \"Roter Rebell\" reduzieren. Dennoch war sie unver\u00e4ndert bestrebt, die Parteiarbeit der KPD nachdr\u00fccklich zu unterst\u00fctzen. Zentralorgan der KPD erscheint seit Dezember 1980 auch in t\u00fcrkischer Sprache. Die im Jahre 1975 gegr\u00fcndete \"Rote Hilfe Deutschlands\" (RHD) mu\u00dfte 1980 sp\u00fcrbare Mitgliederverluste sowie einen erheblichen R\u00fcckgang des Beitragsund Spendenaufkommens hinnehmen. Der \"Zentralvorstand der RHD\" sah sich deshalb erstmals seit Jahren nicht mehr in der Lage, \"Unterst\u00fctzungsausgaben aus den vorhandenen R\u00fccklagen\" zu bezahlen, da diese \"vollst\u00e4ndig aufgezehrt\" seien. Eine noch im Dezember 1980 eingeleitete erneute Spendenkampagne soll die Finanzlage der Organisation wieder verbessern. Auch ein bereits im M\u00e4rz 1980 verabschiedeter \"Leitfaden zur Arbeit der RHD\", der als \"wichtiges Hilfsmittel\" f\u00fcr die weitere \"praktische Arbeit der Ortsgruppen\" bezeichnet wurde, trug nicht in dem erhofften Ma\u00dfe zu einer Belebung der Aktivit\u00e4ten der \"Roten Hilfe Deutschlands\" bei. Die im November 1978 gebildete \"Revolution\u00e4re Gewerkschaftsopposition\" (RGO) behauptet, im Jahre 1980 \"sich und ihre Politik in jeder Hinsicht\" weiter gefestigt und entwickelt zu haben. Der Vorsitzende, Thomas SCHEFFER, betonte in einem Interview im KPD-Zentralorgan \"Roter Morgen\" vom 19. De48","zember 1980, die RGO habe sich als \"konsequenteste Kraft der Opposition im DGB\" ausgezeichnet, ihr Mitgliederbestand habe sich seit 1978 vervierfacht, und mittlerweile f\u00e4nden sich sowohl Gewerkschaftsfunktion\u00e4re als auch Betriebsr\u00e4te in den eigenen Reihen. Obwohl diese Angaben deutlich \u00fcberzeichnet sind, ist es der RGO in Teilbereichen doch gelungen, gewisse Fortschritte zu erzielen. Die von der damaligen KPD/ML 1978 initiierte \"Revolution\u00e4re Landvolkbewegung\" (RLB) konnte sich auch im Jahr 1980 organisatorisch nicht festigen. Sie trat in Baden-W\u00fcrttemberg nur noch durch die gelegentliche Verbreitung ihres Organs ,,Freies Landvolk\" in Erscheinung. Empfindliche NiederUmfangreiche Aktivit\u00e4ten entfaltete dagegen die erst im Oktolage der \"VOLKSber 1979 in Dortmund auf Betreiben der KPD gegr\u00fcndete FRONT\" bei der Bun\"VOLKSFRONT gegen Reaktion, Faschismus und Krieg, f\u00fcr destagswahl. Freiheit und Demokratie, Wohlstand und Frieden\" (VOLKSFRONT). Die Organisation gibt vor, ein \"Zusammenschlu\u00df von Wahlwerbung der,, Volksfront\" zur Bundestagswahl 1980. Freie Wahlen? Nie wieder Hunderttausende Faschismus! Wahlplakate und Verhindert ein neues^3! Schlu\u00df mit d Berufsverboten! Stelltaf ein der Gegen den Polizeiund \u00dcberwachungsstoat VOLKSFRONT Verbot oller faschistischen Organisationen verboten und beschlagnahmt, zerst\u00f6rt und j3J vernichtet! Polizei im Einsatz gegen Demonstranten. Freie Wahlen oder Polizeistaatsmethoden? iL Iksfront /GEGEN REAKTION, FASCHISMUS UND KRIEG 'F\u00dcR FREIHEIT UND DEMOKRATIE, WOHLSTAND UND FRIEDEN 49","antifaschistisch und demokratisch gesinnten Menschen\" zu sein, die gegen den - angeblich zunehmenden - Faschismus in der Bundesrepublik Deutschland zu k\u00e4mpfen bereit seien. Mit Hilfe dieser irref\u00fchrenden Positionsbestimmung vermochte sie in ihren programmatischen Aussagen - anders als die kommunistische Kadergruppe KPD es gekonnt h\u00e4tte - klare Bekenntnisse zum Marxismus-Leninismus weitgehend zu vermeiden. Die \"VOLKSFRONT\" konzentrierte ihre Aktivit\u00e4ten im Jahre 1980 schwerpunktm\u00e4\u00dfig auf die Bundestagswahl. Sie kandidierte mit 63 Direktkandidaten (davon 9 in Baden-W\u00fcrttemberg) und Landeslisten in allen Bundesl\u00e4ndern (in Baden-W\u00fcrttemberg umfa\u00dfte die Landesliste 10 Personen). Ober die gesamte Vorwahlzeit hinweg betrieb sie mit finanzieller Unterst\u00fctzung durch die KPD einen betont provozierenden Wahlkampf: Mehrere, teilweise in gro\u00dfer Auflage verbreitete Publikationen wiesen Texte mit beleidigendem oder verunglimpfendem Inhalt auf. Sie wurden deshalb beschlagnahmt, was sowohl die \"VOLKSFRONT\" als auch die KPD als \"Terrorma\u00dfnahme\" und \"beispiellose Wahlbehinderung\" kritisierten. Trotz des mit erheblichem Aufwand betriebenen Wahlkampfes entfielen auf die \"VOLKSFRONT\" landesweit lediglich 1 488 g\u00fcltige Zweitstimmen (im Bund 9 344). Schwerpunkte der k\u00fcnftigen Arbeit der \"VOLKSFRONT\" sollen der \"Kampf gegen die faschistischen Organisationen\"und gegen die angeblich wachsende Kriegsgefahr sein. Gleichwohl machte sich in ihren Reihen nach der Bundestagswahl eine gewisse Resignation breit; die feststellbaren Aktivit\u00e4ten zeigten - auch im Landesverband Baden-W\u00fcrttemberg - zum Jahresende allgemein eine sich abschw\u00e4chende Tendenz. 4.5 \"Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands\" (KABD) Der 1972 gegr\u00fcndete \"Kommunistische Arbeiterbund Maoistischer KABD Deutschlands\" (KABD) hielt auch im Jahre 1980 an seiner bleibt ablehnend geideologischen Ausrichtung auf MAO ZEDONG fest. Die neue gen\u00fcber der F\u00fchrung in chinesische F\u00fchrung um HUA GUOFENG und DENG XIAOPING Peking. wurde dagegen beschuldigt, die Macht \"als Vertreter der neuen Bourgeoisie an sich gerissen\" und \"die Diktatur des Proletariats zerschlagen\" zu haben. Den zum Jahresende 1980 angelaufenen Proze\u00df gegen die \"Viererbande\" um die MAO-Witwe JIANG QUING verurteilte die \"Zentrale Leitung\" des KABD als \"Schauproze\u00df der chinesischen Revisionisten gegen die sogenannte .Viererbande' \" auf das sch\u00e4rfste und forderte die \"unverz\u00fcgliche Freilassung der vier Marxisten-Leninisten\". Die Vorg\u00e4nge in der Volksrepublik China bewirkten keinerlei Abstriche an der marxistisch-leninistischen Grundhaltung des KABD. Die Vereinigung setzt sich unver\u00e4ndert f\u00fcr die baldige \"Einleitung der Revolution\" ein, zu deren Gelingen es unabdingbar sei, \"die b\u00fcrgerliche Staatsmaschinerie zu zerschlagen und auf ihren Tr\u00fcmmern die Diktatur des Proletariats zu errichten\". Endziel ist f\u00fcr die Organisation der Kommunismus maoistischer Pr\u00e4gung, denn nur in ihm sei \"die Teilung der Gesellschaft endg\u00fcltig aufgehoben, der Staat abgestorben\". 50","Zum Jahresende 1980 waren im KABD bundesweit rund 700 Mitglieder organisiert, davon in Baden-W\u00fcrttemberg etwa 120-130 (1979: 70-80). Die im Vergleich zum Vorjahr zugrunde zu legende leicht erh\u00f6hte Mitgliederzahl in unserem Lande d\u00fcrfte nur zu einem geringen Teil auf Neueintritte zur\u00fcckzuf\u00fchren sein. Der \"Zuwachs\" ist vielmehr weithin dem Umstand zuzuschreiben, da\u00df KABD-Mitglieder vermehrt bei \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten, haupts\u00e4chlich beim Verteilen von Flugschriften, aufgetreten und dementsprechend auch festgestellt worden sind. Diese Tendenz zu st\u00e4rkerer Agitation \u00e4nderte jedoch nichts daran, da\u00df der KABD im Vergleich zu anderen Gruppen noch immer zu den am konspirativsten operierenden linksextremistischen Vereinigungen geh\u00f6rt. Konsequenterweise beteiligte er sich im Jahre 1980 weder an der Bundestagswahl, noch stellte er bei Landtagswahlen Kandidaten auf. Statt dessen forderte er in seinen Publikationen mit der Parole \"K\u00e4mpfen statt w\u00e4hlen\" dazu auf, die Wahlen zu boykottieren. Boykottaufruf des KABD zur Bundestagswahl 1980. Diese Stimme z\u00e4hlt! Damit die Arbeiter siegen, hab' ich den Kampf gew\u00e4hlt, nicht die uns betr\u00fcgen! statt ] / 1 W\u00e4hlen. KOMMUNISTISCHER 51 ARBEITERBUND DEUTSCHLANDS &KABD","Seine Feindschaft gegen\u00fcber dem Parlamentarismus pr\u00e4zisierte der KABD dar\u00fcber hinaus in einer Flugschrift wie folgt: \"Viele von Euch d\u00fcrfen am 5. Oktober wohl zum ersten Mal zur Wahlurne latschen. Da hat man nat\u00fcrlich meist einen gewissen Stolz, da\u00df man jetzt .mitreden' darf. Wenn man aber die Kiste n\u00e4her betrachtet, so merkt man, wie es daraus hervorstinkt. Diese Trick-Kiste, der Bundestag, ist das entscheidende Betrugsinstrument der Kapitalisten gegen die Arbeiter...\" Weitere Themen, denen die Organisation besondere Aufmerksamkeit widmete, waren unter anderem die Ereignisse in Polen, die Diskussion um die m\u00f6gliche Einf\u00fchrung der 35-StundenWoche und die im Fr\u00fchjahr 1981 anstehenden Lohnverhandlungen, wobei erste Verlautbarungen der Arbeitgeberverb\u00e4nde als \"neue Offensive der Monopole zur Auspl\u00fcnderung der Arbeiterklasse\" bezeichnet wurden. Scharf angegriffen wurde aber auch die Gewerkschaftsf\u00fchrung, deren \"Entlarvung\" immer wieder gefordert wird. Die Organisation geh\u00f6rte ferner zum Kreis der linksextremen Gruppen, die massiv gegen die \u00f6ffentlichen Gel\u00f6bnisfeiern der Bundeswehr agitierten. Der KABD diffamierte diese als \"festen Teil im Programm der Monopole zur ideologischen und politischen Krisenvorbereitung\" und rief zum \"Kampf gegen die Militarisierung von Staat und Gesellschaft\" auf. Zu den herausragenden \u00f6ffentlichen Aktionen des KABD geh\u00f6rten das \"Rote-Fahne-Pressefest\" in D\u00fcsseldorf mit \u00fcber 2 500 Besuchern sowie die Veranstaltung zum \"Antikriegstag\" am 30. August 1980 in Mannheim mit etwa 1 000 Teilnehmern. Ansonsten beschr\u00e4nkte sich der KABD nach au\u00dfen hin im wesentlichen auf publizistische Aktivit\u00e4ten, so auf die Herausgabe des Zentralorgans \"Rote Fahne'-' (Auflage 1980: 7 000) und auf das Herstellen und Verteilen von Betriebszeitungen; von den letzteren erscheinen in Baden-W\u00fcrttemberg 15 verschiedene Ausgaben. Wie schon im Jahre 1979 waren auch 1980 die Hilfsund Nebenorganisationen des KABD, der \"Revolution\u00e4re Jugendverband Deutschlands\" (RJVD), die \"Kommunistischen Studentengruppen\" (KSG) sowie der \"Bund Kommunistischer Intellektueller\" (BKI) gehalten, die Ziele der Kernorganisation zu unterst\u00fctzen. Dem allgemeinen Trend bei den sogenannten \"Massenorganisationen\" aller \"K-Gruppen\" entsprechend war aber auch in diesem Bereich die \u00f6ffentliche Resonanz stark r\u00fcckl\u00e4ufig. 4.6 \"Kommunistischer Bund\" (KB) Der bereits 1971 gegr\u00fcndete \"Kommunistische Bund\" (KB) KB konnte Mitgliederkonzentrierte 1980 einen erheblichen Teil seiner T\u00e4tigkeit darauf, stand leicht erh\u00f6hen. die nach der Abspaltung einer \"Zentrumsfraktion\" im Sp\u00e4therbst 1979 entstandene Verunsicherung unter den verbliebenen Mitgliedern zu \u00fcberwinden. Einen ersten Schritt dazu sah die Gruppe in der Verabschiedung eines neuen Statuts auf der 52","Delegiertenkonferenz am 576. Juli 1980, in dem nunmehr das Recht auf Bildung von \"Fraktionen\" innerhalb der Organisation als \"wichtiges Instrument zur Kl\u00e4rung politischer Kontroversen\" verankert wurde. Gleichfalls neu f\u00fcr den gesamten Bereich der dogmatischen \"Neuen Linken\" war auch die Verabschiedung eines gesonderten \"Frauenstatuts\" auf einer bundesweiten \"Frauenvollversammlung des KB\" im Juli 1980. Diese und weitere organisatorische Ma\u00dfnahmen f\u00fchrten dazu, da\u00df die starken Mitgliederverluste im Zeitraum 1978/79 zwar nicht ausgeglichen, aber doch zumindest auf andere Weise aufgefangen werden konnten. So z\u00e4hlte der KB im vergangenen Jahr bundesweit wieder etwa 750 Anh\u00e4nger (1979: 600, 1978: 1 400), wovon allerdings der \u00fcberwiegende Teil nach wie vor im Hamburger Raum aktiv ist. In Baden-W\u00fcrttemberg verf\u00fcgt der KB unver\u00e4ndert \u00fcber 5 St\u00fctzpunkte in Stuttgart, Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe und Pforzheim, in denen etwa 25-30 Personen organisiert sind. Das Ziel, die Vereinigung in unserem Lande st\u00e4rker zu verankern, ist bisher nicht erreicht worden. Die finanzielle Lage des KB hat sich 1980 weiter verschlechtert. Der Verkauf des Organs \"Arbeiterkampf\" war wiederum r\u00fcckl\u00e4ufig, die Auflage sank von 10 000 Exemplaren im Jahr 1979 auf nunmehr etwa 7 000. 4.7 Trotzkistische Vereinigungen Organisierter TrotzkisDer organisierte Trotzkismus in der Bundesrepublik Deutschland mus bleibt zersplittert. pr\u00e4sentiert sich unver\u00e4ndert in Gestalt mehrerer, ausnahmslos mitgliederschwacher Gruppierungen. St\u00e4rkste Organisation blieb die \"Gruppe Internationale Marxisten\" (GIM) mit etwa 300 Mitgliedern (1979: 500), die bereits 1969 als deutsche Sektion der sogenannten IV. Internationale gegr\u00fcndet worden war. Die GIM unterscheidet sich programmatisch von den \u00fcbrigen trotzkistischen Vereinigungen nur unwesentlich: Sie orientiert sich an der von TROTZKI entwickelten Lehre von der \"permanenten Revolution\", die zur Errichtung der \"Diktatur des Proletariats\" in Form einer \"R\u00e4teherrschaft\" hinf\u00fchren soll. Der starke Mitgliederverlust im Jahr 1980 schw\u00e4chte die GIM erheblich. Ihre \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten waren auch in BadenW\u00fcrttemberg (St\u00e4rke: etwa 70 Mitglieder) r\u00fcckl\u00e4ufig; die Teilnahme an den Wahlen des Jahres 1980 wurde nicht einmal ernsthaft erwogen. Hinzu kamen wiederum finanzielle Schwierigkeiten, die eine weitere Verringerung der Auf l\u00e4ge des Zentralorgans \"Was tun\" auf nunmehr 2 500 (1979: 3 000) Exemplare erzwangen. Die sonstigen trotzkistisch orientierten Zirkel blieben ohne nennenswerte Resonanz: Der 1974 gegr\u00fcndete \"Spartacusbund\" verbreitete 1980 in Baden-W\u00fcrttemberg nur noch gelegentlich sein Zentralorgan \"Spartacus\". Die T\u00e4tigkeit der \"Trotzkistischen Liga Deutschlands\" (TLD) in unserem Lande ersch\u00f6pfte sich in der Heraus53 gabe weniger Flugschriften.","Die \"Kommunistische Liga\" (KL) sowie der \"Bund Sozialistischer Arbeiter\" (BSA) mit seiner Jugendgruppe \"Sozialistischer Jugendbund\" (SJB) entfalten in Baden-W\u00fcrttemberg keine erkennbaren Aktivit\u00e4ten mehr. Die \"Sozialistische Arbeitergruppe\" (SAG) bet\u00e4tigte sich im Raum Mannheim-Ludwigshafen in geringem Umfang publizistisch und organisierte ferner einige \u00f6ffentliche Veranstaltungen. Auf die 1979 gegr\u00fcndete \"Internationale Sozialistische ARbeiterorganisation\" (ISA) wiesen unver\u00e4ndert regelm\u00e4\u00dfig verbreitete Flugschriften in Heidelberg hin. Die Vereinigung bem\u00fchte sich andererseits jedoch vergeblich um den Aufbau einer \"Gruppe Revolution\u00e4rer Studenten\" (GRS) an der Heidelberger Universit\u00e4t. 5. Organisationen der \"Alten Linken\" 5.1 \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) 5.7.7 Ideologisch-politischer Standort Der orthodoxe Kommunismus sowjetischer Pr\u00e4gung wurde Bindung der DKP an auch im Jahre 1980 in der Bundesrepublik Deutschland von der KPdSU und SED \"Deutschen Kommunistischen Partei\" (DKP) und dem um sie \"unersch\u00fctterlich\". herum existenten ,.Satellitensystem\" von Hilfs-, Nebenund Tarnorganisationen getragen. Unver\u00e4ndert geblieben ist auch die starre ideologische Anbindung an die von der \"Kommunistischen Partei der Sowjetunion\" (KPdSU) und der \"Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands\" (SED) ausgegebenen politischen \"Leitlinien\", die von der DKP mit der Genauigkeit eines \"politischen Kompasses\" registriert und befolgt werden. Bekr\u00e4ftigt hat die Partei au\u00dferdem ihr im Programm von 1978 festgelegtes Ziel der \"grundlegenden Umgestaltung der gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse in der Bundesrepublik Deutschland\". In realistischer Einsch\u00e4tzung ihrer derzeitigen M\u00f6glichkeiten r\u00e4umt die DKP freilich ein, da\u00df gegenw\u00e4rtig das Hauptaugenmerk darauf gerichtet werden m\u00fcsse, \"eine sp\u00fcrbare Ver\u00e4nderung des inneren Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisses zugunsten der Arbeiterklasse und der anderen demokratischen Kr\u00e4fte\" zu erreichen, um \"eine Wende zu demokratischem und sozialem Fortschritt\" herbeizuf\u00fchren: \". .. Wie sich dieser Weg konkret gestalten wird - das h\u00e4ngt vor allem von der Kraft der Arbeiterklasse, von der Stabilit\u00e4t ihres B\u00fcndnisses mit den anderen demokratischen Kr\u00e4ften, von der St\u00e4rke ihrer revolution\u00e4ren Partei, aber auch von den Formen des Widerstands der Reaktion ab . . . Im harten Kampf mu\u00df durch die Arbeiterklasse und das ganze werkt\u00e4tige Volk der unvermeidliche Widerstand des Gro\u00dfkapitals \u00fcberwunden (werden).\" Trotz aller offiziellen und im wesentlichen taktisch bedingten Beteuerungen der Partei, sie erstrebe \"diese grundlegenden 54","Umgestaltungen auf der Basis der demokratischen Prinzipien und Rechte des Grundgesetzes\", machen f\u00fchrende Funktion\u00e4re im internen Kreis keinen Hehl daraus, da\u00df die \"sozialistische Umw\u00e4lzung\" nur \"im harten Klassenkampf\" durchgesetzt werden k\u00f6nne. Dieser weise, so wird betont, \u00fcberall \". . . gemeinsame Z\u00fcge auf, die von den allgemeinen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten gepr\u00e4gt sind, wie sie von MARX, ENGELS und LENIN dargelegt und durch die Praxis der Oktoberrevolution wie auch aller nachfolgenden sozialistischen Umw\u00e4lzungen best\u00e4tigt wurden.\" Die \"sozialistische Revolution\" ist weiterhin das \"unverr\u00fcckbare Ziel\" der DKP. Auf diese programmatische Etappenforderung hat sie denn auch ihre Mitglieder verpflichtet: \". . . Die Prinzipien des innerparteilichen Lebens der DKP werden gepr\u00e4gt von der marxistischen Weltanschauung und der Gemeinsamkeit der politischen Ziele. Diese Gemeinsamkeit macht die Mitglieder der DKP zu einer einheitlichen und solidarisch handelnden Kampfgemeinschaft. Kommunisten lassen sich stets von dem Grundsatz leiten, da\u00df nur ein einheitliches, von der ganzen Partei getragenes Handeln das Unterpfand ihrer Aktionsf\u00e4higkeit und St\u00e4rke ist . . .\" Diese Verpflichtung zur Linientreue wurde im DKP-Zentralorgan \"Unsere Zeit\" (UZ) am 30. Oktober 1980 neu bekr\u00e4ftigt: Wirkennen keineverschiedenen Kategorienvon Parteimitgliedern. Bei unsz\u00e4hlt immer nur, wie sich der Genosse in seiner Treue zu unserer gemeinsamen Sache, in seinem Einsatz als K\u00e4mpfer f\u00fcr unsere gemeinsamen Ziele bew\u00e4hrt .. .\" So war es nur folgerichtig, da\u00df auch 1980 weder die Sowjetunion noch die DDR Anla\u00df sahen, an der \"unersch\u00fctterlichen Verbundenheit\" der DKP zum \"sozialistischen Lager\" zu zweifeln. Die Haltung der Partei zum Olympia-Boykott, zur milit\u00e4rischen Intervention der Sowjetunion in Afghanistan wie auch zur Lage in Polen entsprach ohne jede Einschr\u00e4nkung der Interpretation dieser Vorg\u00e4nge durch die KPdSU und die SED. Der Vorsitzende des Staatsrats der DDR, Erich HONECKER, konnte dementsprechend Ende des Jahres 1980 die \"br\u00fcderlichen Beziehungen\" zwischen seiner Partei und der DKP mit der Verleihung des \"Karl-Marx-Ordens\", der h\u00f6chsten Auszeichnung der DDR, an den stellvertretenden DKP-Vorsitzenden Hermann GAUTIER unterstreichen. 5.7.2 Organisation, Mitgliederentwicklung und Finanzierung Der organisatorische und strukturelle Aufund Ausbau der am 26. September 1968 \"neukonstituierten\" kommunistischen Par55 tei hatte sich zun\u00e4chst au\u00dferordentlich rasch vollzogen. Dies lag","Plakat der DKP zum Mr.Carier, Olympia-Boykott. Amoklauf ist keine olympische Disziplin DKP Mit diesem Plakat, das in allen DKP-B\u00fcros erh\u00e4ltlich ist, protestiert die DKP gegen Carters Boykottversuche. vor allem daran, da\u00df sich die DKP in beachtlichem Umfang auf die Mitarbeit zu diesem Zeitpunkt noch existenter illegaler Kader der durch Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 17. August 1956 verbotenen und aufgel\u00f6sten alten \"Kommunistischen Partei Deutschlands\" (KPD) st\u00fctzen konnte. In wenigen Jahren entwickelte sich die DKP zur bei weitem mitgliederund finanzst\u00e4rksten linksextremistischen Organisation in der Bundesrepublik Deutschland. Die im Bundesgebiet (au\u00dfer Westberlin) aktiven 12 DKP-Bezirksorganisationen (vgl. grafische Darstellung) werden ideologisch und politisch vom Parteivorstand und dessen Pr\u00e4sidium (mit Sitz in D\u00fcsseldorf) angeleitet und organisatorisch straff gef\u00fchrt. 56","Organisationsschema der DKP. PARTEITAG SchiedsPARTEIVORSTAND Revisionskommission kommission Sitz: D\u00fcsseldorf Pr\u00e4sidium Prinz-GeorgStra\u00dfe 79 des Parteivorstandes Sekretariat des Parteivorstandes Referate des Parteivorstandes ? Bezirksvorstand Sekretariat Schieds Revisionskommissi on r-J commission Sitz in Baden-W\u00fcrttemberg: Stuttgart, Stotzstra\u00dfe 10 Kreisvorstand Sekretariat Vorstand einer Vorstand einer Vorstand einer BetriebsWohngebietsHochschulgruppe gruppe gruppe Vorstand einer StadtteilVorstand einer gruppe Ortsgruppe DKP ist unver\u00e4ndert Nach eigenen Angaben hat die DKP 1980 etwa 47 000 Mitgliest\u00e4rkste linksder umfa\u00dft und damit ihren bislang gr\u00f6\u00dften personellen Bestand extremistische Partei. erreicht. Etwa 70% ihrer Anh\u00e4nger sollen j\u00fcnger als 30 Jahre alt sein. Verglichen mit der letzten parteioffiziell genannten Mitgliederzahl (auf dem Mannheimer Parteitag im Oktober 1978 wurde die St\u00e4rke der Partei mit 46 480 Angeh\u00f6rigen beziffert), h\u00e4tte die DKP somit innerhalb zweier Jahre nach eigener Darstellung allenfalls 500 Mitglieder neu hinzugewinnen k\u00f6nnen. Nach zuverl\u00e4ssigen Erkenntnissen der Sicherheitsbeh\u00f6rden sind 57 diese offiziellen Angaben freilich \u00fcberh\u00f6ht; der Partei d\u00fcrften","auch 1980 nicht mehr als 40 000 Mitglieder angeh\u00f6rt haben. Die von der DKP 1980 in einer breiteren \u00d6ffentlichkeit angek\u00fcndigte Kampagne \"Gewinnung von Tausenden von Betriebsarbeitern\" hatte ersichtlich nicht den erhofften Erfolg. Entwicklung des Mitgliederstandes der DKP. Zeichenerkl\u00e4rung: von den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden gesch\u00e4tzt: nach eigenen Angaben der Partei Die im wesentlichen f\u00fcr Baden-W\u00fcrttemberg zust\u00e4ndige DKPBezirksorganisation (Sitz: Stuttgart, Stotzstra\u00dfe 10) st\u00fctzt sich unver\u00e4ndert auf 23 Kreisorganisationen, in denen 120 sogenannte Grundeinheiten aktiv sind: Zahl der Grundeinheiten der DKP in Baden-W\u00fcrttemberg (Zahlen in Klammern: Stand 1979) WohngebietsBetriebsgruppen Hochschulgruppen gruppen 89 (90) 17 (18) 14 (13) Die DKP hat damit im Jahre 1980 ihre Organisation in BadenW\u00fcrttemberg trotz erheblicher Anstrengungen nicht weiter ausbauen k\u00f6nnen. Die Zahl ihrer Mitglieder (1979: knapp 2 900) war sogar leicht r\u00fcckl\u00e4ufig und betrug zum Jahresende 1980 58","noch etwa 2 700. Der DKP-Bezirksvorstand in Stuttgart hat deshalb mehrmals einzelne Grundeinheiten ger\u00fcgt, weil sie bei ihren Bem\u00fchungen, neue Mitglieder f\u00fcr die,.revolution\u00e4re Partei der Arbeiterklasse\" zu gewinnen, zu geringe Erfolge nachweisen konnten. Obwohl in einigen Grundeinheiten, etwa in Mannheim, ein Mitgliederzuwachs zu verzeichnen war, scheint insgesamt auch bei der DKP die Periode rascher Fortschritte im weiteren personellen Aufbau der Organisation ihr Ende gefunden zu haben. Der Umstand, da\u00df die Gesamtst\u00e4rke der Partei seit Jahren bei etwa 40 000 Mitgliedern stagniert, legt den Schlu\u00df nahe, da\u00df die DKP das angesichts ihrer starren ideologischen Ausrichtung mobilisierbare Potential weitgehend ausgesch\u00f6pft hat. Der DKP standen auch 1980 zur Finanzierung ihrer teilweise aufwendigen Aktivit\u00e4ten - vor allem im Zusammenhang mit Bundestags-, Landtagsund Kommunalwahlen-wieder erhebliche Geldmittel zur Verf\u00fcgung. Wie die Partei selbst angibt, will sie - \u00e4hnlich wie in den Vorjahren - lediglich knapp 15 Millionen Mark eingenommen und damit ihren gesamten Parteiapparat unterhalten haben. Mit diesem von der DKP genannten Betrag war indes eine auch nur ann\u00e4hernde Deckung der Gesamtkosten f\u00fcr den sehr aufwendigen hauptamtlichen Funktion\u00e4rsk\u00f6rper, die Ausrichtung zahlreicher Gro\u00dfveranstaltungen und Parteitage, die enormen Wahlkampfkosten, die Finanzierung des Schulungswesens sowie der umf\u00e4nglichen Presseagitationsarbeit mit Sicherheit nicht m\u00f6glich. Vielmehr gibt es sichere Anhaltspunkte daf\u00fcr, da\u00df die DKP auch im Jahre 1980 f\u00fcr die Finanzierung ihrer Parteiarbeit direkte und indirekte geldwerte Zuwendungen in H\u00f6he von mehr als 50 Millionen DM aus der DDR erhalten hat. 5.7.5 Schwerpunkte der Agitation Um ihrem an sich selbst gestellten Anspruch, die \"konsequenteste Vertreterin des arbeitenden Volkes\" zu sein, gerecht zu werden, setzte die DKP ihre freilich nur vereinzelt erfolgreichen Bem\u00fchungen fort, aktuelle politische, wirtschaftliche und soziale Probleme in stark verzerrender, \"klassenk\u00e4mpferischer\" Weise \u00f6ffentlich zu er\u00f6rtern. Die von ihr \u00fcberwiegend bundesweit veranstalteten Kampagnen richteten sich mit Schwerpunkt gegen die sogenannten Berufsverbote, gegen die angeblich \"unaufhaltsame Rechtsentwicklung\" in unserem Staat, gegen das \"Atomprogramm der Bundesregierung\" sowie gegen tats\u00e4chliche und behauptete Umweltbelastungen. Dar\u00fcber hinaus erhoffte sich die DKP von \"Aktionseinheiten\" mit demokratischen Organisationen gegen den NATO-Nachr\u00fcstungsbeschlu\u00df vom Dezember 1979 eine gr\u00f6\u00dfere Beachtung f\u00fcr sich und ihre in den Vordergrund ger\u00fcckten Nahziele. Die \u00fcberregional mitunter mit gro\u00dfem materiellem Einsatz gef\u00fchrten Kampagnen der Partei wurden erg\u00e4nzt durch vielf\u00e4ltige Aktionen auf lokaler Ebene, die zumeist von der Absicht getragen waren, sich als \"einziger Sachwalter\" der Interessen 59 und Belange der B\u00fcrger und als alleiniger Wahrer ihrer verfas-","sungsm\u00e4\u00dfigen Rechte darzustellen. So \u00e4u\u00dferten sich die \u00f6rtlichen Grundeinheiten der DKP kritisch zu Problemen der Verkehrsplanung und der Stadtsanierung, bem\u00e4ngelten kommunale Haushaltssatzungen, kritisierten Mietund Heizkostenerh\u00f6hungen und forderten einen Baustopp f\u00fcr Sonderdeponien und M\u00fcllverbrennungsanlagen. DKP-Stadtzeitungen. Wie Einzelergebnisse der Kommunalwahlen des Jahres 1980 zeigen, ist es der DKP punktuell auch gelungen, aus solchen in \u00f6rtlichen Bereichen auftretenden Problemen f\u00fcr sich Nutzen zu ziehen. 5.7.4 Publikationswesen und Schulung Der Gro\u00dfteil der die \u00d6ffentlichkeit erreichenden Agitation der DKP ist untrennbar verbunden mit dem \u00fcber Jahre hinweg aufgebauten breitgef\u00e4cherten Publikationswesen. Das bereits seit 1969 erscheinende Zentralorgan \"Unsere Zeit\" (UZ) wird t\u00e4glich in einer Auflage von 35 000 Exemplaren hergestellt, die Wochenendausgabe umfa\u00dft sogar 65 000 Exemplare. Als \"theoretisches Organ\" gibt der Parteivorstand in D\u00fcsseldorf 60","ferner die Zweimonatsschrift \"Marxistische Bl\u00e4tter\" in einer Auflage von 8 000 St\u00fcck heraus. Daneben werden \u00fcberregional verbreitet: - der ,,DKP-Pressedienst\" - die ,,DKP-Informationen\" - die ,,Landrevue-Informationen f\u00fcr die Landbev\u00f6lkerung\" - die Zeitschrift \"Praxis\". \u00dcberregional verbreitete Publikationen der DKP. Mit gro\u00dfem Nachdruck betrieb die Partei wiederum die Herstellung sogenannter Klein-Zeitungen in den einzelnen Bezirksverb\u00e4nden. In Baden-W\u00fcrttemberg blieb die Gesamtzahl der in recht unterschiedlicher Aufmachung verbreiteten Betriebs-, Stadtund Hochschulzeitungen insgesamt nahezu konstant. Zahl der DKP-Zeitungen in Baden-W\u00fcrttemberg (Zahlen in Klammern: Stand 1979) Ortsund StadtBetriebsHochschulzeitungen zeitungen zeitungen 42 (49) 23 (19) 8 (6) 61","Bemerkenswert ist allerdings der leichte Anstieg der DKPBetriebszeitungen. Er unterstreicht die Tatsache, da\u00df die orthodoxen Kommunisten der Betriebsarbeit unver\u00e4ndert besondere Bedeutung beimessen. DKP-Betriebszeitungen. Parteischulung In ihren Grundeinheiten m\u00fcssen sich die DKP-Mitglieder zun\u00e4chst mit den Zielen und Aufgaben der \"revolution\u00e4ren Arbeiterpartei\" in den Veranstaltungen der \"Marxistischen Arbeiterbildung\" (MAB) und auf den von der DKP unmittelbar durchgef\u00fchrten \"Bildungsabenden\" vertraut machen. Daneben richten die \u00f6rtlichen Gliederungen gesonderte Schulungszirkel ein, um vor allem Neumitglieder mit Theorie und Praxis der Partei bekannt zu machen. In einem \"Leitfaden f\u00fcr die Gruppenarbeit der DKP\" wird hierzu ausgef\u00fchrt: \" . . . Es ist erforderlich, da\u00df der neue Genosse fest in die Arbeit und das Leben der Gruppe einbezogen wird . . . Gesichert mu\u00df sein, da\u00df mit dem neuen Mitglied ein enger pers\u00f6nlicher Kontakt gehalten wird, politisch-ideologische Fragen st\u00e4ndig, auch in pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4chen, diskutiert werden .. . 62","Der Vorstand hat daf\u00fcr Sorge zu tragen, da\u00df den neuen Genossen jede Hilfe zuteil wird, um sie schnell zu aktivem politischem Handeln f\u00fcr die Partei zu bef\u00e4higen . . . \" Dar\u00fcber hinaus dr\u00e4ngt die DKP ihre Angeh\u00f6rigen mit besonderem Nachdruck zum Besuch speziell eingerichteter Schulungskurse. Hierzu stehen f\u00fcr \"fortgeschrittene Mitglieder\" folgende Schulungseinrichtungen zur Verf\u00fcgung: - das \"Institut f\u00fcr Marxistische Studien und Forschungen e. V.\" (IMSF) in Frankfurt/Main - die \"Marxistischen Betriebsarbeiterschulen\" bei den DKPBezirksvorst\u00e4nden - die \"Karl-Liebknecht-Schule\" der DKP in Leverkusen - das \"Friedrich-Engels-Zentrum\" in Wuppertal sowie - Schulungseinrichtungen der SED in Ostberlin und der KPdSU in Moskau. Nicht zuletzt mit Hilfe dieses straff organisierten Schulungssystems ist es der DKP in den vergangenen Jahren gelungen, ernstzunehmende oppositionelle Str\u00f6mungen in der Partei gar nicht erst aufkommen zu lassen und Ans\u00e4tze hierf\u00fcr sofort zu isolieren. Verlage und Druckereien F\u00fcr die Herstellung und Verbreitung der zahlreichen Parteipublikationen bedient sich die DKP einer Reihe von Verlagen und Buchhandlungen, die teilweise bereits seit Jahren eng mit ihr zusammenarbeiten. Die wichtigsten dieser Firmen - 1980 waren es 13 Verlage und 36 \"collectiv\"-Buchhandlungen - geh\u00f6ren der im Jahre 1969 gegr\u00fcndeten \"Arbeitsgemeinschaft Der DKP nahestehende Arbeitsgemeinschaft Verlage und Buchhandsozialistischer und demokratischer lungen. Verleger und Buchh\u00e4ndler sozialistischer und demokratischer Verleger und Buchh\u00e4ndler\" an, deren Vorsitzender ein Mitglied des DKP-Parteivorstands ist. Die \"Arbeitsgemeinschaft\" bietet seit Jahren ein breitgef\u00e4cher63 tes Sortiment an, das neben der eigentlichen Parteipublizistik","auch unpolitische Unterhaltungsliteratur umfa\u00dft. Zu den bedeutendsten, mit der DKP in st\u00e4ndiger gesch\u00e4ftlicher Verbindung stehenden Unternehmen geh\u00f6rt die \"Plambeck & Co. Druck und Verlag GmbH\" in Neu\u00df, die unter anderem das DKP-Zentralorgan \"Unsere Zeit\", aber auch die \"Deutsche Volkszeitung\" - Sprachrohr der \"Deutschen Friedensunion\" (DFU) - und \"die tat\" - Organ der \"Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten\" (VVN-BdA) - herstellt. In diesem Zusammenhang ist au\u00dferdem der \"Pahl-Rugenstein-Verlag\" in K\u00f6ln zu nennen, zu dessen Autoren bekannte Funktion\u00e4re kommunistischer sowie kommunistisch beeinflu\u00dfter Organisationen z\u00e4hlen. 5.1.6 Beteiligung an Wahlen Die DKP fordert seit Jahren, den \"au\u00dferparlamentarischen Punktuelle Wahlerfolge Kampf eng mit dem Streben um die Ver\u00e4nderung des parlamenauf \u00f6rtlicher Ebene. tarischen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisses\" zu verbinden. In dieser Frage st\u00fctzt allerdings das Abschneiden der Partei bei der Bundestagswahl am 5. Oktober 1980 und bei der Landtagswahl in BadenW\u00fcrttemberg am 16. M\u00e4rz 1980 die Lageeinsch\u00e4tzung f\u00fchrender Funktion\u00e4re, man brauche f\u00fcr eine \"grundlegende Verbesserung (der) Stimmenergebnisse einen langen Atem\". Immerhin errang die DKP aber bei der Kommunalwahl in Baden-W\u00fcrttemberg am 22. Juni 1980 einige auch \u00fcberregional beachtete punktuelle Erfolge. Bundestagswahl Auf welch geringe Resonanz in der Bev\u00f6lkerung die DKP in der gegenw\u00e4rtigen politischen Situation bei einer \u00fcberregionalen Wahl st\u00f6\u00dft, verdeutlicht das Ergebnis der Bundestagswahl vom 5. Oktober 1980: Der Umstand, da\u00df sie - im Gegensatz zum KBW und der VOLKSFRONT - in allen Wahlkreisen auch Direktbewerber (mit den Listenkandidaten zusammen immerhin 574 Personen) aufzustellen in der Lage war, konnte den im Vergleich zur Bundestagswahl 1976 drastischen Stimmenr\u00fcckgang nicht verhindern. In Baden-W\u00fcrttemberg verlor sie nahezu 5 000, im gesamten Bundesgebiet fast 47 000 ihrer Zweitstimmen. Die bundesweit verbliebenen 71 600 Zweitstimmen entsprechen ann\u00e4herungsweise noch dem eigenen Mitgliederpotential unter Einschlu\u00df derjenigen Organisationen, die der DKP eng verbunden sind. Bundestags-Wahlergebnisse der DKP (bundesweit) E = Erststimmen Z = Zweitstimmen Bundestagswahl Bundestagswahl Differenz 1980 1976 Stimmen % Stimmen % Stimmen % E 107 158 0,3 E 170 855 0,5 - 6 3 597 -37,2 Z 71 600 0,2 Z 118 581 0,3 - 4 6 981 -39,6 64","Bundestags-Wahlergebnisse der DKP in Baden-W\u00fcrttemberg Bundestagswahl Bundestagswahl Differenz 1980 1976 Stimmen % Stimmen % Stimmen % E 13 062 0,2 E 19 147 0,4 - 6 085 -31,78 Z 7 634 0,1 Z 12 524 0,2 - 4 890 -39,05 Mit Stimmenverlusten in dieser H\u00f6he hatte die DKP offensichtlich nicht gerechnet, zumal der Wahlkampf wiederum mit betr\u00e4chtlichem finanziellem und publizistischem Aufwand gef\u00fchrt worden war: der Parteivorstand hatte im gesamten Bundesgebiet drei in gro\u00dfer Auflage hergestellte Wahlkampfbrosch\u00fcren verbreiten lassen. Daneben wurde eine kaum \u00fcbersehbare Menge von Druckschriften wie Nachbarschaftsbriefe einzelner Kandidaten und Extra-Ausgaben von Betriebsund Stadtzeitungen verteilt. Auch eine gro\u00dfe Zahl von Wahlveranstaltungen, Informationsst\u00e4nden und Hausbesuchen geh\u00f6rte schlie\u00dflich zu dieser aufwendigsten Wahlkampagne der DKP seit Bestehen der Partei. Da\u00df trotz dieses materiellen Aufwandes und der intensiven Inpflichtnahme der Mitglieder im Wahlkampf der Stimmenanteil der DKP deutlich hinter den Erwartungen der F\u00fchrung, aber auch der \"einfachen Mitglieder\" zur\u00fcckblieb, wurde vom Pr\u00e4sidium vor allem mit der \"antidemokratischen 5-Prozent-Klausel\" erkl\u00e4rt. Weiter hie\u00df es in der \"Erkl\u00e4rung des Pr\u00e4sidiums der DKP\" (ver\u00f6ffentlicht in der \"UZ\" vom 7. Oktober 1980): ,,. . . Dar\u00fcber hinaus sah sich unsere Partei einer massiven antikommunistischen Verketzerung ausgesetzt. Gegen die DKP wirkte das Klima der Diskriminierung durch die Berufsverbote . . . Hinzu kam die nahezu totale Ausschaltung aus den Massenmedien und die vor allem von der SPD-F\u00fchrung verbreitete Auffassung, eine Stimme f\u00fcr die DKP sei in Anbetracht der 5-Prozent-Klausel eine verlorene Stimme.\" Landtagswahl in Baden-W\u00fcrttemberg Auch bei der Landtagswahl in Baden-W\u00fcrttemberg am 16. M\u00e4rz 1980, bei der die DKP in 64 der 70 Wahlkreise kandidierte, blieb das Ergebnis hinter den parteiinternen Erwartungen zur\u00fcck: die DKP erhielt insgesamt nur noch 11 738 Stimmen, das entsprach einem Stimmenanteil von 0,3 Prozent. Im Jahre 1976 waren auf sie - obwohl sie damals nur in 56 Wahlkreisen hatte Bewerber aufstellen k\u00f6nnen - noch 18 762 Stimmen ( = 0,4%) entfallen. Das Ergebnis von 1980 bedeutete somit einen Verlust von 7 024 Stimmen. Mehr als ein Drittel der W\u00e4hler von 1976 hatten damit der DKP die weitere Gefolgschaft verweigert. Dieser Stimmenr\u00fcckgang wog um so schwerer, als die Partei ersichtlich nicht einmal von der Pr\u00e4senz ihrer Mandatstr\u00e4ger in den Kreistagen der Landkreise T\u00fcbingen und Esslingen/Neckar sowie in den 65 Kommunalvertretungen von Mannheim, Heidenheim und T\u00fc-","bingen profitieren konnte: Im Wahlkreis T\u00fcbingen ging die Zahl ihrer W\u00e4hler von 1 246 Stimmen (= 1,6%) im Jahr 1976 auf nunmehr 383 ( = 0,5%) zur\u00fcck. Ihre h\u00f6chste Stimmenzahl erreichte die DKP im Wahlkreis Mannheim I mit 433 Stimmen (= 1%); selbst hier mu\u00dfte sie gegen\u00fcber der Landtagswahl 1976 (563 Stimmen) Verluste hinnehmen. Kommunalwahl in Baden-W\u00fcrttemberg Anders als bei der Bundestagswahl und der Landtagswahl in Baden-W\u00fcrttemberg konnte die DKP bei der Gemeinderatswahl am 22. Juni 1980 immerhin eine Reihe von Einzelerfolgen verbuchen. Sie hatte lediglich schwerpunktartig in 25 Gemeinden Kandidaten aufgestellt (insgesamt 594 Bewerber) und war in zwei Gemeinden (Esslingen und Schw\u00e4bisch Hall) Wahlb\u00fcndnisse mit \u00f6rtlichen W\u00e4hlerinitiativen eingegangen. In einer Reihe von Gemeinden gelangen ihr sowohl Stimmenals auch Mandatsgewinne: In T\u00fcbingen erh\u00f6hte sich die Zahl ihrer Sitze im Gemeinderat auf drei; sie zog hiernach erstmals mit einer eigenen Fraktion in ein Stadtparlament ein. In Heidenheim gewann die DKP ein zweites Mandat hinzu, w\u00e4hrend sie in Mannheim ihren Sitz im Stadtrat behaupten konnte. 5.2 \"Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend\" (SDAJ) Die 1968 gegr\u00fcndete SDAJ hielt auch 1980 daran fest, unter SDAJ-T\u00e4tigkeit dient F\u00fchrung der DKP, der,.Partei der Arbeiterklasse\", die Errichtung g\u00e4nzlich der Unterst\u00fctder \"sozialistischen Bundesrepublik Deutschland\" anzustreben. zung der DKP. Auf der Basis der Lehren von MARX, ENGELS und LENIN unternimmt die Organisation deshalb alle Anstrengungen, damit \"sozialistische Auffassungen unter der Jugend Verbreitung finden\". Sowohl die programmatische Anbindung an die DKP, als auch die enge personelle Verflechtung mit dieser Partei - zahlreiche Mitglieder der SDAJ-Bundesvorstandes, darunter der Vorsitzende Werner ST\u00dcRMANN, sowie Angeh\u00f6rige der einzelnen Landesvorst\u00e4nde sind gleichzeitig Mitglieder der DKP - lie\u00dfen keinerlei Raum f\u00fcr von der DKP-Parteilinie abweichende Initiativen der SDAJ. Einer der Schwerpunkte der T\u00e4tigkeit der \"sozialistischen Jugendorganisation\" war 1980 neben der massiven Unterst\u00fctzung der DKP-Kandidaten bei der Bundestagswahl und den Landtagswahlen sowie der Mitwirkung an der Kampagne gegen den CDU/CSU-Kanzlerkandidaten Franz-Josef STRAUSS eine bundesweite Aktion unter dem Motto \"Wir rechnen ab\". Deren Ziel wurde vom SDAJ-Bundesvorsitzenden ST\u00dcRMANN im November 1980 wie folgt skizziert: Mit dieser Aktion prangern wir an, was Unrecht ist . . . den, der Politik gegen die Jugend betreibt, der ausbeutet und schlecht ausbildet . . . Wir rechnen ab mit schikanierenden Ausbildern, mit \u00fcberf\u00fcllten Klassenzimmern und Lehrermangel, mit Mietwucher und Wohnungsspekulation . . .\" 66","Lehrlinge und Sch\u00fcler forderte die SDAJ auf, in \"Meldezetteln\" Mi\u00dfst\u00e4nde zu schildern, die sodann in einem \"S\u00fcndenregister\" zusammengefa\u00dft und im Juni 1981 anl\u00e4\u00dflich des \"Festivals der Jugend\" in Dortmund ver\u00f6ffentlicht werden sollen. Wahlaufruf der SDAJ zugunsten der DKP. Erneut gescheitert sind im Jahre 1980 die Bem\u00fchungen der SDAJ, in den Bundesjugendring aufgenommen zu werden. Auf der 52. Vollversammlung des \"Deutschen Bundesjugendrings\" (DBJR) am 20. November 1980 in Ludwigshafen wurde der Aufnahmeantrag wiederum abgelehnt. Dessen ungeachtet setzte die SDAJ in Baden-W\u00fcrttemberg - allerdings erfolglos - ihre Anstrengungen fort, Eingang in weitere Kreisund Stadtjugendringe zu finden. Sie unterlag erneut in Weil am Rhein bei der Abstimmung \u00fcber die Aufnahme in den dortigen Stadtjugendring. Der Landesverband Baden-W\u00fcrttemberg der SDAJ umfa\u00dfte 1980 11 Kreisverb\u00e4nde, denen etwa 50 \u00f6rtliche Gruppen mit 67 rund 800 - 900 organisierten Mitgliedern (1979: etwa 1000)","zuzurechnen waren. Damit mu\u00dfte auch die Jugendorganisation der DKP in Baden-W\u00fcrttemberg einen leichten Mitgliederschwund hinnehmen, w\u00e4hrend, bezogen auf das gesamte Bundesgebiet, sich der Mitgliederstand gegen\u00fcber dem Vorjahr ,,Elan \" - Jugendmagazin der orthodox-kommunistischen SDAJ. ^ ^ ^ Reportagen ) und Aktionen F\u00fcr bessere Berufsausbildung bei etwa 15 000 Angeh\u00f6rigen stabilisiert hat. In Baden-W\u00fcrttemberg vermochte es die SDAJ nicht, ihr \u00f6rtliches Publikationswesen zu verst\u00e4rken: Die Zahl der lokalen Zeitungen ging weiter zur\u00fcck, einige erschienen nur noch in gr\u00f6\u00dferen zeitlichen Abst\u00e4nden. Lediglich das bundesweit verbreitete \"Sprachrohr\" der Organisation, die Zeitschrift ,,elan\", erreichte regelm\u00e4\u00dfig die SDAJ-Mitglieder in unserem Land. Au\u00dferdem vermochte die Vereinigung nur bei wenigen \u00f6ffentlichen Veranstaltungen, die dann allerdings landesweit beschickt wurden (Beispiel: Pfingstfestival 1980 in Stuttgart) eine gr\u00f6\u00dfere Zahl von Teilnehmern zu mobilisieren. 68","5.3 \"Junge Pioniere - Sozialistische Kinderorganisation\" (JP) Junge Pioniere: Tr\u00e4ger Die 1974 auf Initiative der DKP gegr\u00fcndeten \"Jungen Pioniere\" orthodox-kommunisti(JP) sind seit Jahren der eigentliche Tr\u00e4ger kommunistischer scher \"Kinderarbeit\". ,,Kinderarbeit\" im Bundesgebiet. Die Organisation konzentrierte ihre ganze Aktivit\u00e4t darauf, mit Hilfe eines breit gef\u00e4cherten jugendpflegerischen Programms, bei dem die tats\u00e4chlich verfolgten politischen Absichten meist nicht erkennbar werden, Einflu\u00df auf Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren zu nehmen, um sie auf diese Weise allm\u00e4hlich an die kommunistische Kinderorganisation heranzuf\u00fchren. Ein Mittel hierf\u00fcr ist nach wie vor das Bem\u00fchen, m\u00f6glichst viele Kinder zur Teilnahme an Ferienlagern in der DDR zu bewegen. Diese Reisen, die unter dem Motto \"Wir fahren in ein kinderfreundliches Land\" relativ preisg\u00fcnstig angeboten werden, bieten nahezu immer Ansatzpunkte f\u00fcr die Werbung der, Jungen Pioniere\" und der DKP f\u00fcr eine Teilnahme an Ferienlagern in der DDR. Gewinnung neuer Interessenten. Wegen der angeblich schlechten Lage der Kinder in der Bundesrepublik Deutschland stellte die Gruppe andererseits auf ihrem 3. Bundeskongre\u00df im Februar 1980 ein umfangreiches \"Kinder-Forderungsprogramm\" auf, 69 dessen Ziel nicht zuletzt darauf gerichtet ist, in den Genu\u00df","\u00f6ffentlicher Mittel von Beh\u00f6rden im Bundesgebiet f\u00fcr die eigene Kinderarbeit zu gelangen. Neben einer Reihe von \"Sofortforderungen\" verlangt die kommunistische Nebenorganisation \"kostenlose R\u00e4ume und finanzielle F\u00f6rderung f\u00fcr die Arbeit demokratischer Kinderund Jugendorganisationen ohne politische Vorbedingung\". F\u00fcr die Funktion\u00e4re der \"Jungen Pioniere\" unterliegt es keinem Zweifel, da\u00df sich ihre Aufgabe nicht auf die Veranstaltung \"bunter Nachmittage\" beschr\u00e4nkt. Vielmehr geh\u00f6rt es zum eigentlichen Auftrag der Vereinigung - dies wird durch den Einsatz von DKP-Mitgliedern als Pionierleiter unterstrichen - , die die Kinder nach Erreichen des 14. Lebensjahres f\u00fcr den \u00dcbertritt in die SDAJ und schlie\u00dflich in die DKP vorzubereiten. Der Vorsitzende der JP, Achim KROOSS, der bezeichnenderweise der DKP und der SDAJ angeh\u00f6rt, machte aus diesem Parteiauftrag in einer Rede auf dem 3. Bundeskongre\u00df seiner Organisation auch gar keinen Hehl: \" . . . Auf Kommunisten war und ist immer Verla\u00df, wenn es um die Rechte der Kinder unseres Landes geht, . . . wenn jemand die Frage stellen sollte, ob denn viele Pionierleiter auch Genossen der DKP sind, so antworten wir darauf: ,lst doch logo' . . . Als Jugendlicher geh\u00f6rst du in die SDAJ . . . Begeistern wir immer mehr Pioniere f\u00fcr eine Mitgliedschaft in der SDAJ!\" Da\u00df dieses verdeckte taktische Vorgehen inzwischen gewisse Erfolge bringt, wird durch das kontinuierliche Ansteigen der Mitgliederzahlen unterstrichen: Die JP haben im Jahre 1980 die Zahl ihrer Mitglieder im Bundesgebiet von 2 500 auf etwa 3 000 erh\u00f6hen k\u00f6nnen. In Baden-W\u00fcrttemberg d\u00fcrften in der Organisation derzeit knapp 200 Kinder erfa\u00dft sein. Wichtigstes Publikationsorgan blieb auch in unserem Lande die von der JP-Bundesleitung herausgegebene Zeitschrift \"Willibald\". Die regelm\u00e4\u00dfige Verbreitung lokaler Informationsbl\u00e4tter ist hier bislang nicht gelungen. 5.4 Von der DKP beeinflu\u00dfte Organisationen Die DKP hat in j\u00fcngster Zeit ihre Anstrengungen verst\u00e4rkt, im \"B\u00fcndnispolitik\": WichRahmen der von ihr als \u00e4u\u00dferst wichtig eingestuften \"B\u00fcndnistiger Bestandteil kompolitik\" Kontakte zu anderen - auch demokratischen - Organisamunistischer Strategie. tionen, zu \"Komitees\" und \"Initiativen\" zu kn\u00fcpfen. Unver\u00e4ndertes Ziel ist es dabei, ein breites Aktionsb\u00fcndnis \"aller demokratischen Kr\u00e4fte\" zu erreichen, auf das die Partei allm\u00e4hlich einen bestimmenden Einflu\u00df zu gewinnen hofft. Zugleich versucht sie, solche Gruppierungen durch den verdeckten Beitritt einzelner DKP-Angeh\u00f6riger dauerhafter zu beeinflussen. Andererseits legt die Partei in F\u00e4llen, in denen es ihr taktisch vorteilhaft erscheint, die Zugeh\u00f6rigkeit eigener Mitglieder zu anderen Organisationen - etwa zu einzelnen Gewerkschaften - teilweise geradezu bekennerhaft offen. F\u00fcr ihre \"B\u00fcndnisstrategie\" stehen der DKP dann, wenn sie selbst aus naheliegenden Gr\u00fcnden im Hintergrund bleiben 70","m\u00f6chte, mehrere von ihr seit Jahren in unterschiedlichem Ma\u00dfe beeinflu\u00dfte Organisationen zur Seite, so - die \"Deutsche Friedens-Union\" (DFU) - die \"Vereinigung der Verfolgten des N a z i r e g i m e s - Bund der Antifaschisten\" ( W N - B d A ) - die \"Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegner\" (DFG-VK) - das \"Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit\" (KFAZ). Publikationen der wichtigsten von der DKP beeinflu\u00dften Organisationen. Diese Organisationen waren teilweise vor Jahren auf Betreiben von Kommunisten gegr\u00fcndet worden, andere hatten sich zun\u00e4chst ohne erkennbaren linksextremistischen Einflu\u00df gebildet, wurden aber sp\u00e4ter zum Zielobjekt kommunistischer Unterwanderung. Die Intensit\u00e4t des Einflusses der DKP ist dabei unterschiedlich: w\u00e4hrend in einigen dieser rechtlich selbst\u00e4ndigen Vereinigungen wesentliche Entscheidungen gegen den Willen der DKP kaum denkbar sind, k\u00f6nnen in anderen trotz des sp\u00fcrbaren kommunistischen Einflusses in einer gewissen Bandbreite auch eigene Meinungen und Vorstellungen entwickelt und 71 vertreten werden.","5.4.7 ,,Deutsche Friedens-Union\" Die DFU ist unver\u00e4ndert eine der aktivsten Organisationen im Rahmen kommunistischer B\u00fcndnispolitik. Ihre Agitation erstreckt sich fast ausschlie\u00dflich auf Bereiche, in denen auch die DKP propagandistisch t\u00e4tig wird. So intensivierte die DFU 1980 die Kampagne gegen die \"Stationierung der Neutronenbombe und neuer Atomraketen\" und unterst\u00fctzte in diesem Zusammenhang vorbehaltlos den am 15./16. November 1980 beschlossenen \"Krefelder Appell\", in dem der NATO-Nachr\u00fcstungsbeschlu\u00df als \"verh\u00e4ngnisvolle Fehlentscheidung\" bezeichnet wird. Zu dem Appell bekannten sich inzwischen auch alle anderen von der DKP beeinflu\u00dften Organisationen. Weiterhin beteiligte sich die DFU an der bereits seit Jahren intensiv gef\u00fchrten \"Kampagne gegen die Berufsverbote\" sowie an weiteren Aktionen, deren Ziel es war, gegen den angeblich in der Bundesrepublik Deutschland vorherrschenden \"Antikommunismus\" zu protestieren. Bei ihrer propagandistischen T\u00e4tigkeit legte die DFU bislang stets besonderen Wert darauf, jeglichen Akzent, der als offene Unterst\u00fctzung der DKP gewertet werden k\u00f6nnte, zu vermeiden. Anl\u00e4\u00dflich der Landtagswahl in BadenW\u00fcrttemberg am 16. M\u00e4rz 1980 und der Bundestagswahl am 5. Oktober 1980 bekannte die Organisation freilich unverhohlen ihre Sympathie f\u00fcr die kommunistische Partei. Zur Landtagswahl erkl\u00e4rte sie: \" . . . Es ist eines demokratischen Staates unw\u00fcrdig, Kommunisten nicht in seinen Parlamenten und Institutionen ertragen zu k\u00f6nnen. Die Bundesrepublik jedoch ist eine der wenigen westlichen Demokratien, in denen Kommunisten Berufsverbote erhalten und mit Hilfe der 5-%-Klausel aus den Parlamenten verbannt sind. Eine Stimmabgabe f\u00fcr Kandidaten der DKP vermag zwar diesen Zustand kurzfristig nicht zu ver\u00e4ndern, sie w\u00e4re aber eine gesellschaftspolitisch bedeutsame Antwort auf den Antikommunismus . . .\" Und ein Flugblatt zur Bundestagswahl enthielt schlie\u00dflich den un\u00fcbersehbaren Hinweis: ,, . .. Beziehen Sie in Ihre Pr\u00fcfung nicht nur die etablierten Parteien, sondern auch solche mit ein, die - wie etwa die DKP-Kandidaten - seit Jahren die Initiativen und Bewegungen der Bev\u00f6lkerung unterst\u00fctzen . . . \" Es mu\u00df als demonstrative W\u00fcrdigung der langj\u00e4hrigen prokommunistischen Grundhaltung und T\u00e4tigkeit der DFU in der Bundesrepublik Deutschland gewertet werden, da\u00df am \"Geburtstagsfest\" aus Anla\u00df ihres 20j\u00e4hrigen Bestehens am 17. Dezember 1980 in Stuttgart Vertreter der Botschaften \u00c4thiopiens, Afghanistans, Bulgariens, Kubas, Polens, der CSSR, der UdSSR sowie der St\u00e4ndige Vertreter der DDR in Bonn teilnahmen. Im Rahmen dieses Jubil\u00e4ums unterstrich die DFU erneut ihre N\u00e4he 72","zu kommunistischen Vorstellungen. In der Brosch\u00fcre \"20 Jahre Deutsche Friedens-Union\" bezeichnete sie das 1956 vom Bundesverfassungsgericht ausgesprochene Verbot der (alten) KPD als \"schwarzen Tag in der Geschichte der Bundesrepublik und ihrer demokratischen Entwicklung.\" 5.4.2 \" Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten\" (WN-BdA) Die unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges gegr\u00fcndete WN-BdA ist inzwischen eine der mitgliederst\u00e4rksten prokommunistischen Organisationen, die in besonderer Weise dem Einflu\u00df der DKP unterliegt. Zahlreiche Vorstandsmitglieder auf Bundesund Landesebene sind gleichzeitig Mitglieder der DKP. Mehrere ihrer Funktion\u00e4re, darunter auch Angeh\u00f6rige des Landesverbandes Baden-W\u00fcrttemberg der WN-BdA, bekennen sich \u00f6ffentlich zu ihrer Mitgliedschaft in der DKP. Der \u00fcberwiegende Teil ihrer Veranstaltungen und ihrer publizistischen Aktivit\u00e4ten war auch im Jahre 1980 von einer Kritik an angeblich st\u00e4ndig wachsenden, entspannungsfeindlichen und undemokratischen Tendenzen in der Bundesrepublik Deutschland gepr\u00e4gt. Dabei bewirkten die engen Verbindungen der W N - BdA zu einigen gleichgesinnten Organisationen im Ausland, da\u00df insbesondere tendenzi\u00f6s gef\u00e4rbte Darstellungen vom \"wiedererwachten deutschen Faschismus\" in europ\u00e4ischen Nachbarl\u00e4ndern mitunter bereitwillig aufgenommen und geglaubt wurden. Dem bewu\u00dft geschaffenen Zusammenhang zwischen der Erinnerung an nationalsozialistische Verbrechen und der Warnung, der \"Faschismus\" k\u00f6nne bald wieder einen dominanten Einflu\u00df auf das politische Leben in unserem Staat aus\u00fcben, war es wohl haupts\u00e4chlich zuzuschreiben, da\u00df sich zu dem \"Antifaschistischen Kongre\u00df\" am 10/11. Mai 1980 in Mannheim nahezu 10 000 Personen, darunter auch zahlreiche Ausl\u00e4nder, einfanden. An der Vorbereitung dieses Kongresses war die WN-BdA ma\u00dfgeblich beteiligt. 5.4.3 ,,Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegner\" (DFG-VK) Innerhalb des \"B\u00fcndnisbereichs\" der DKP spielte die DFG-VK auch 1980 eine nicht unbedeutende Rolle. Angeh\u00f6rige der DKP sind noch immer - weitgehend verdeckt - in Funktionen dieser Vereinigung t\u00e4tig, wenngleich der kommunistische Einflu\u00df in den einzelnen Landesverb\u00e4nden unterschiedlich ist. Trotz der sp\u00fcrbaren N\u00e4he zur DKP geh\u00f6rt die Mehrheit der Mitglieder in der DFG-VK weder dieser Partei oder einer sonstigen kommunistischen Organisation an, noch identifizierte sie sich immer kritiklos mit kommunistischen Positionen. Vielmehr zeichnet sich in der Vereinigung behutsam eine gewisse politische Auflockerung ab. So verabschiedete der Bundesvorstand der DFG-VK zu Beginn des Jahres 1980 eine Erkl\u00e4rung, in welcher er den \"Einsatz der sowjetischen Truppen in Afghanistan\" kritisierte - freilich nicht ohne gleichzeitig den USA eine gewisse 73 Mitschuld zuzuweisen. In der \"Erkl\u00e4rung\" hie\u00df es ferner:","\" . .. Daher fordert die DFG-VK den R\u00fcckzug der sowjetischen Truppen und die Beendigung jeglicher milit\u00e4rischer Unterst\u00fctzung der Regierungsgegner von au\u00dfen . . . \" Diese Stellungnahme zu der sowjetischen Invasion in Afghanistan, die den Verlautbarungen und Sprachregelungen der DKP deutlich widersprach, hatte innerhalb der Organisation eine lebhafte Diskussion zur Folge, die in diesem Ausma\u00df bisher in keiner der von der DKP beeinflu\u00dften Gruppierungen gef\u00fchrt worden war. Ob dieser Vorgang schon ein Hinweis daf\u00fcr sein kann, da\u00df die DFG-VK k\u00fcnftig \u00fcber einen gr\u00f6\u00dferen politischen Handlungsspielraum wird verf\u00fcgen k\u00f6nnen, erscheint gleichwohl fraglich. 6. Linksextremistische Bestrebungen an den Hochschulen des Landes Die Hochschulen des Landes waren weiterhin ein bevorzugtes Linksextreme HochAktionsfeld mehrerer politisch extremer Studentengruppen. In schulgruppen sto\u00dfen zahlreichen Demonstrationen und sonstigen Veranstaltungen bei Mehrheit der Stusowie mit Hilfe einer Vielzahl unterschiedlichster Agitationsdenten auf Ablehnung schriften und Flugbl\u00e4tter versuchten diese Gruppen und Zirkel, Einflu\u00df auf die Studierenden zu nehmen. Die \u00fcberwiegende Mehrzahl der Studenten stand jedoch den - im Vergleich zu fr\u00fcheren Jahren schw\u00e4cher und seltener gewordenen - Aktivit\u00e4ten der linksextremen Hochschulorganisationen unver\u00e4ndert ablehnend oder desinteressiert gegen\u00fcber. Dementsprechend gelang es diesen Vereinigungen, die in der Regel als der verl\u00e4ngerte Arm der jeweiligen kommunistischen Partei oder Splittergruppe wirksam werden, kaum mehr, Mitgliedergewinne zu erzielen. Folgende linksextreme Zusammenschl\u00fcsse sind an den baden-w\u00fcrttembergischen Hochschulen besonders aktiv: 6.1 \"Marxistischer Studentenbund Spartakus\" (MSB) Der orthodox-kommunistische MSB Spartakus ist weiterhin der mitgliederst\u00e4rkste \u00fcberregional t\u00e4tige Studentenverband. Auf Bundesebene sind gegenw\u00e4rtig nach den Sch\u00e4tzungen der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder etwa 5 000, in Baden-W\u00fcrttemberg etwa 220 Mitglieder aktiv. Der MSB Spartakus ist zwar formell selbst\u00e4ndig organisiert, arbeitet jedoch seit seiner Gr\u00fcndung im Jahre 1971 \"eng mit den fortschrittlichsten Teilen der Arbeiterbewegung zusammen\" und f\u00fchlt sich - laut \"Grundsatzerkl\u00e4rung\" von 1971 - besonders \"der Deutschen Kommunistischen Partei durch die gemeinsame marxistische Theorie, das sozialistische Ziel und die gemeinsame antimonopolistische Orientierung im Hochschulkampf solidarisch verbunden\". Die \u00fcberaus enge Kooperation zwischen DKP und MSB Spartakus wurde in der Ausgabe Oktober 1980 des Organs der DKPHochschulgruppe an der Universit\u00e4t Konstanz erneut unterstrichen: 74",",,Hauptaufgabe der DKP-Mitglieder an der Hochschule ist die aktive Unterst\u00fctzung des MSB Spartakus, das hei\u00dft die studentischen Mitglieder der DKP-Hochschulgruppe organisieren sich auch im MSB und beteiligen sich dort beispielgebend an der Umsetzung der im MSB beschlossenen Politik . . .\" Im Unterschied zur DKP, die aus taktischen Gr\u00fcnden nur von einer \"sozialistischen Umw\u00e4lzung\" spricht, setzt sich der MSB Spartakus seit Jahren offen f\u00fcr die \"sozialistische Revolution\" ein, deren erste Etappe mit der \"antimonopolistischen Umw\u00e4lzung\" beginne. In der vom Bundesvorstand des MSB Spartakus f\u00fcr das Wintersemester 1980/81 herausgegebenen Brosch\u00fcre \"Zur Strategie der Studentenbewegung\" betont die Organisation noch einmal ihre langfristige Zielsetzung: \" . . . Deshalb verteidigen wir unsere Interessen gegen kapitalistische Hochschulreformierung, ringen um Verbesserungen und Reformen - aber zugleich heben wir in den aktuellen Auseinandersetzungen die Notwendigkeit grundlegender gesellschaftlicher Ver\u00e4nderungen hervor, setzen uns ein f\u00fcr eine sozialistische Gesellschaft. . .\" 6.2 \"Sozialistischer Hochschulbund\" (SHB) Im \"Sozialistischen Hochschulbund\" (SHB) sind nach den Sch\u00e4tzungen der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder etwa 2000 Mitglieder - davon rund 90 in BadenW\u00fcrttemberg - organisiert. Der SHB bezeichnet sich noch immer als \"sozialdemokratische Studentenorganisation\", obwohl die SPD sich bereits 1972 von dieser Hochschulgruppe trennte. Er \"k\u00e4mpft\" gem\u00e4\u00df seiner nach wie vor g\u00fcltigen \"Grundsatzerkl\u00e4rung\" des Jahres 1972 f\u00fcr eine \"sozialistische Umgestaltung\" als \"\u00d6ffnung des Weges zum Sozialismus\" und tritt dabei f\u00fcr eine langfristig angelegte Zusammenarbeit mit Kommunisten ein. Dementsprechend hat der SHB auch 1980 seine Kooperation mit dem MSB Spartakus an einigen Hochschulen des Landes fortgesetzt. Gemeinsam gezeichnete Flugbl\u00e4tter und Wahlaufrufe, die beiderseitige Mitarbeit in verschiedenen \"Komitees\" sowie vereinzelte Wahlb\u00fcndnisse belegen die unver\u00e4ndert enge Zusammenarbeit beider Gruppen. 6.3 \"Kommunistische Hochschulgruppe\" (KHG) Die an nahezu allen Universit\u00e4ten des Landes agierende \"Kommunistische Hochschulgruppe\" (KHG) ist die Studentenorganisation des \"Kommunistischen Bundes Westdeutschland\" (KBW). Nachdem sie Mitte der siebziger Jahre der Haupttr\u00e4ger militanter Aktionen an den Hochschulen (in Baden-W\u00fcrttemberg insbesondere in Heidelberg und Freiburg) gewesen war, mu\u00dfte sie in den letzten Jahren Mitgliedereinbu\u00dfen hinnehmen. 75 Nach Angaben des KBW hatte die Hochschulgruppe 1975 im","Bundesgebiet einen Mitgliederbestand von etwa 2000 Personen, der bis Anfang 1980 allm\u00e4hlich auf etwa 360 Personen zur\u00fcckgegangen war. Mit der Spaltung des \"Kommunistischen Bundes Westdeutschland\" im September 1980 und der Gr\u00fcndung des \"Bundes Westdeutscher Kommunisten\" (BWK) verlie\u00df auch ein Teil der noch verbliebenen KHG-Mitglieder diese Vereinigung und gr\u00fcndete eine neue Studentenorganisation, die sich gleichfalls KHG nennt. Die alte und die neue KHG teilen sich in BadenW\u00fcrttemberg die noch vorhandenen 70 Mitglieder. 6.4 \"Kommunistische Studentengruppen\" (KSG) Die \"Kommunistischen Studentengruppen\" (KSG), Studentenorganisation des \"Kommunistischen Arbeiterbundes Deutschlands\" (KABD), bestehen nur an wenigen Hochschulen im Bundesgebiet. Sie z\u00e4hlen insgesamt etwa 100 Mitglieder, davon allein etwa 50-60 in Baden-W\u00fcrttemberg. Nennenswerte Aktivit\u00e4ten waren nur noch an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen zu beobachten. In einem zur Bundestagswahl 1980 verbreiteten Flugblatt unterstrich die Vereinigung einmal mehr ihre linksextremistische Position. Unter dem Motto \"K\u00e4mpfen statt w\u00e4hlen\" war zu lesen: \" . . . Nur durch den konsequenten Kampf gegen dieses System unter der F\u00fchrung der Arbeiterklasse verhindern wir den Krieg, erk\u00e4mpfen wir den Sozialismus, wo Krise und Krieg der Vergangenheit angeh\u00f6ren. Deshalb hei\u00dft unser Weg mit dem KABD nicht w\u00e4hlen, sondern H\u00f6herentwicklung der K\u00e4mpfe der Arbeiter bis zum Sturz dieses Systems . . .\" 6.5 \"Marxistisch-Reichistische Initiative\" (MRI) In den vergangenen Jahren sind an mehreren Universit\u00e4ten des Landes Gruppen einer \"Marxistisch-Reichistischen Initiative\" (MRI) entstanden, die jedoch durchweg nur wenige Anh\u00e4nger z\u00e4hlen und in der Regel nur durch das Verbreiten von Flugschriften auf sich aufmerksam machen. 6.6 \"Marxistische Gruppen\" (MG) Die seit Oktober 1977 bestehenden \"Marxistischen Gruppen\" (MG), deren Leitung sich in M\u00fcnchen befindet, machen seit einiger Zeit durch vermehrte publizistische Aktivit\u00e4ten auch an den Hochschulen unseres Landes auf sich aufmerksam. Die \"Marxistischen Gruppen\", die im Gegensatz zu nahezu allen anderen linksextremistischen Studentenvereinigungen keiner kommunistischen \"Mutterpartei\" zugeordnet werden k\u00f6nnen, setzen sich f\u00fcr die \"Beseitigung der bestehenden Gesellschaftsordnung\" in der Bundesrepublik Deutschland und f\u00fcr die \"Vorbereitung der Revolution\" ein. Aufgrund der von den jeweiligen \u00f6rtlichen Gruppen herausgegebenen Flugschriften und des zur Verteilung kommenden Organs \"Marxistische Studenten-Zei76","tung\" (MSZ) ist davon auszugehen, da\u00df die Gruppe 1980 \u00fcber St\u00fctzpunkte an den Universit\u00e4ten T\u00fcbingen, Stuttgart, Freiburg und Heidelberg sowie an der P\u00e4dagogischen Hochschule Reutlingen verf\u00fcgte. 77","II. Rechtsextremistische Bestrebungen 1. Allgemeiner \u00dcberblick Die Situation im Bereich des Rechtsextremismus ist seit Jahren Anstieg der durch zwei gegenl\u00e4ufige Entwicklungen gekennzeichnet: Organisationsund MitW\u00e4hrend die Bedeutung der zur \"Alten Rechten\" z\u00e4hlenden gliederzahlen beim Parteien und Organisationen unabl\u00e4ssig zur\u00fcckgegangen ist, organisierten Rechtssind das personelle und logistische Potential, der Fanatismus extremismus - gesteiund die Gewaltbereitschaft neonazistischer \"Kampfgruppen\" gerte Militanz neostetig gewachsen. Auch in Baden-W\u00fcrttemberg wurde nunmehr nazistischer Gruppen. - wie in anderen Bundesl\u00e4ndern - die Schwelle zum Rechtsterrorismus \u00fcberschritten: Mit einem Sprengstoffanschlag am 21. Februar 1980 auf das Landratsamt in Esslingen begann eine Serie von rechtsterroristischen Aktionen, die sich in der Folge auch gegen das Wohnhaus des Landrats von Esslingen und gegen Asylantenwohnheime richteten und die in Hamburg zwei Tote sowie in L\u00f6rrach und Leinfelden-Echterdingen drei Verletzte forderten. Zu dem bisher folgenschwersten Bombenattentat in der Bundesrepublik Deutschland, das nach dem bisherigen Ergebnis der noch laufenden Ermittlungen von einem rechtsextremistischen Einzelt\u00e4ter begangen worden ist, kam es schlie\u00dflich am 26. September 1980 beim M\u00fcnchner Oktoberfest. Bei der innerhalb weniger Jahre deutlich angestiegenen Militanz neonazistischer Gruppen wirkten sich offensichtlich die Praxis des linksextremistischen Terrorismus sowie das Vorbild gleichgesinnter ausl\u00e4ndischer Gruppierungen aus, zu denen deutsche Neonazis seit langem Kontakte unterhalten. Enge internationale Verbindungen haben sich vor allem zu rechtsextremistischen Organisationen in den USA und Kanada, in Frankreich, Belgien, D\u00e4nemark, Gro\u00dfbritannien, Spanien, \u00d6sterreich und der Schweiz herausgebildet. Besondere Aufmerksamkeit mu\u00df ferner dem Umstand gewidmet werden, da\u00df inzwischen mehr als drei Viertel der neonazistischen Aktivisten junge Menschen sind, die bei Kriegsende noch Kinder waren oder sogar erst nach dem Kriege geboren wurden, die somit den Nationalsozialismus nicht mehr aus eigenem Erleben kennen. Beim organisierten Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland zeichnet sich erstmals seit Jahren wieder ein Ansteigen der Organisationsund Mitgliederzahlen ab. Dies ist vor allem auf die politischen Aktivit\u00e4ten des Dr. Gerhard FREY, M\u00fcnchen, zur\u00fcckzuf\u00fchren, der mit den von ihm initiierten Vereinigungen \"Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie\" (VOGA) und \"Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nder-Begrenzung\" (l.f.A.) den Kreis der Gruppierungen, die sich in der sogenannten \"National-Freiheitlichen Rechten\" zusammengefunden haben, weiter vergr\u00f6\u00dfern konnte. 78","Zahl der rechtsextremistischen Organisationen und deren Mitglieder 1977-1980 1977 1978 1979 1980 1. Bundesrepublik Deutschland a) Organisationen (ohne Verlage u. Buchdienste) 83 76 69 75 b) Mitglieder/ Anh\u00e4nger 17 800 17 600 17 300 19 800 2. Baden-W\u00fcrttemberg a) Organisationen (einschl. Verlage u. Buchdienste) 40 36 30 32 b) Mitglieder/ 2 200- 2 100- 2 100- 2 400Anh\u00e4nger 2 500 2 300 2 300 2 500 Die \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) mu\u00dfte dagegen erneut Mitgliederverluste hinnehmen. Die sich ausbreitende Resignation der Anh\u00e4nger, fortdauernde parteiinterne Auseinandersetzungen und der offensichtliche Mangel an Resonanz bei den W\u00e4hlern haben die Partei an den Rand der Existenzf\u00e4higkeit gebracht. 2. Neonazistische Bestrebungen 2.1 Allgemeiner Oberblick Zulauf zu neonazistiDie neonazistischen Gruppen und Kleinstzirkel in der Bundesreschen Zirkeln h\u00e4lt publik Deutschland haben im Jahre 1980 ihre personelle Basis weiter an. deutlich verst\u00e4rken k\u00f6nnen: W\u00e4hrend 1979 die Zahl ihrer Anh\u00e4nger noch bei etwa 1 400 lag, stieg sie bis Ende 1980 auf rund 1 800 Personen an. In Baden-W\u00fcrttemberg sind derzeit etwa 70 Neonazis aktiv, denen ein engerer Anh\u00e4ngerkreis von weiteren 80 Personen zugeordnet werden mu\u00df. Den im Bundesgebiet gegenw\u00e4rtig operierenden 22 neonazistischen Gruppen sind etwa 800 Aktivisten zuzurechnen. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen ca. 600 Neonazis keiner organisatorisch verfestigten Gruppierung zugeordnet werden, da sie zumeist als ,,Einzelk\u00e4mpfer\" agieren oder fr\u00fcher NS-Gruppen angeh\u00f6rten, die durch Ma\u00dfnahmen der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden inzwischen ihren Zusammenhalt verloren haben. Hinzu kommen noch rund 400 Sympathisanten und F\u00f6rderer, die durch teilweise erhebliche finanzielle Zuwendungen an neonazistische Vereinigungen deren Aktivit\u00e4t oft erst erm\u00f6glichen. Zum sogenannten harten Kern der neonazistischen Aktivisten sind nunmehr nahezu 300 Personen zu z\u00e4hlen, von denen wiederum rund 200 entweder bereits an Gewalttaten beteiligt waren oder zumindest Gewalt in irgendeiner Form angedroht 79 haben.","e s dem ,,NS Kampfruf\" (Nr. 36, Jan. - Febr. 1980), einer aus den USA illegal eingeschleusten Schrift der\"NSDAP-AO\". Trotz der zur Besorgnis Anla\u00df gebenden St\u00e4rkung der immer gewaltt\u00e4tiger vorgehenden neonazistischen \"Kampfgruppen\" sind die fortdauernden Bem\u00fchungen, die im Bundesgebiet operierenden NS-Gruppen und Einzelaktivisten in einer straff gegliederten, einheitlich handelnden Dachorganisation zusammenzufassen, ohne erkennbaren Erfolg geblieben. Die Hauptursache f\u00fcr diese seit Jahren zu beobachtende Situation ist die Eigenwilligkeit der verschiedenen \"F\u00fchrer\", die von einer realit\u00e4tsfernen \u00dcbersch\u00e4tzung der eigenen Person erf\u00fcllt sind. Immer aufs neue aufflammende F\u00fchrungsund Richtungsk\u00e4mpfe zwischen den Gruppen beg\u00fcnstigen die fortdauernde organisatorische Zersplitterung innerhalb des neonazistischen Lagers. Dar\u00fcber hinaus haben auch die rasch und konsequent fortgef\u00fchrten Strafverfolgungsma\u00dfnahmen eine st\u00e4rkere Verfestigung neonazistischer Zusammenschl\u00fcsse empfindlich gest\u00f6rt. Dennoch konnte die Bildung neuer, im Untergrund sich formierender NS-Gruppen - wie etwa die vermutlich von dem neonazistischen Fanatiker Manfred ROEDER initiierten rechtsterroristischen \"Deutschen Aktionsgruppen\" - nicht g\u00e4nzlich unter80","bunden werden. Dies d\u00fcrfte vor allem mit den sich zunehmend an den konspirativen Methoden und dem Aufbau linksterroristischer Kadergruppen orientierenden neuen Verhaltensmustern vieler Neonazis zusammenh\u00e4ngen. Erschwerend f\u00fcr die Arbeit der Sicherheitsbeh\u00f6rden wirkt sich ferner die Organisationsstruktur der neonazistischen Zirkel aus: Sie werden in der Regel von einem von seiner \"Sendung\" \u00fcberzeugten ,,F\u00fchrertyp\" ins Leben gerufen und geleitet, der eine Gefolgschaft um sich schart, welche ihm intellektuell zumeist deutlich unterlegen ist. Daraus erw\u00e4chst oftmals ein bedingungsloses Unterwerfungsund Unterordnungsverh\u00e4ltnis, das einerseits die Unberechenbarkeit der neonazistischen \"Kampfgruppen\" verst\u00e4rkt, andererseits einen idealen N\u00e4hrboden f\u00fcr Fanatismus und Militanz bildet. Welch erhebliches Gef\u00e4hrdungspotential die neonazistischen Kleinstgruppen und Einzelk\u00e4mpfer trotz ihrer Zersplitterung inzwischen darstellen, zeigen die seit Februar 1980 in der Bundesrepublik Deutschland ver\u00fcbten Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge. 2.2 Neonazistischer Terrorismus Brandund SprengstoffDie Ende 1977 einsetzenden, zun\u00e4chst jedoch auf den norddeutanschl\u00e4ge rechtsschen Raum sich konzentrierenden Versuche neonazistischer extremistischer Aktivisten, nach dem Vorbild linksextremistischer Terroristen Terroristen fordern konspirative Zellen zu bilden, griffen im Sp\u00e4tjahr 1979 auch auf erste Todesopfer. Baden-W\u00fcrttemberg \u00fcber. W\u00e4hrend im September 1979 zwei im Gro\u00dfraum Stuttgart und im Ortenaukreis im Aufbau begriffene NS-Gruppen noch rechtzeitig vor der geplanten Durchf\u00fchrung gewaltsamer Aktionen zerschlagen werden konnten, formierte sich wenig sp\u00e4ter eine Gruppierung, die Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge vorbereitete. Von den insgesamt sieben im Bundesgebiet begangenen Gewaltakten, f\u00fcr die nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen Angeh\u00f6rige dieser sich als \"Deutsche Aktionsgruppen\" bezeichnenden Organisation als Tatverd\u00e4chtige gelten m\u00fcssen, wurden vier in Baden-W\u00fcrttemberg ver\u00fcbt: 21. Februar 1980: Sprengstoffanschlag auf das Landratsamt Esslingen, in dem zu diesem Zeitpunkt eine Ausstellung \u00fcber das Konzentrationslager Auschwitz gezeigt wurde. Zu dem Attentat bekannten sich den Sicherheitsbeh\u00f6rden bis dahin v\u00f6llig unbekannte \"Deutsche Aktionsgruppen\". 18. April 1980: Sprengstoffanschlag auf das Wohnhaus des Landrats des Kreises Esslingen in Ostfildem. 7. August 1980: Brandanschlag auf ein Asylantenwohnheim in Leinfelden-Echterdingen, bei dem 2 Personen verletzt wurden. 17. August 1980: Sprengstoffanschlag auf ein Asylantenwohnheim in L\u00f6rrach. Eine Frau wurde verletzt; zugleich entstand 81 erheblicher Sachschaden.","Sprengstoffanschlag auf ein Asylantenwohnheim in L\u00f6rrach am 77. August 1980. Weitere Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge au\u00dferhalb BadenW\u00fcrttembergs richteten sich am 27. April 1980 gegen die \"Janusz-Korczak-Schule\" und am 22. August 1980 gegen ein Asylantenwohnheim, beide in Hamburg, wobei im letzteren Fall zwei Vietnamesen ums Leben kamen, sowie am 30. Juli 1980 gegen die Ausl\u00e4nderunterkunft in Zirndorf. Am 1. September 1980 konnte in Hannoversch-M\u00fcnden der Leiter der neonazistischen \"Deutschen B\u00fcrgerinitiative\" (DBI), der 51j\u00e4hrige ehemalige Rechtsanwalt Manfred ROEDER, festgenommen werden, der sich Anfang 1978 der Vollstreckung einer gegen ihn erkannten Freiheitsstrafe durch die Flucht ins Ausland entzogen hatte. Das bei ROEDER und bei den in den nachfolgenden Wochen festgenommenen weiteren 17 Personen (davon 14 aus Baden-W\u00fcrttemberg) sichergestellte Material erbrachte zahlreiche Hinweise, da\u00df es sich bei diesem Personenkreis um Angeh\u00f6rige der \"Deutschen Aktionsgruppen\" handelte. Die Identifizierung der Gruppe war dadurch erschwert, da\u00df die meisten ihrer Mitglieder und Helfer zuvor in politisch extremer Hinsicht nicht in Erscheinung getreten waren. Im Verlauf des noch anh\u00e4ngigen Ermittlungsverfahrens gaben einige der Verd\u00e4chtigen zu, als Angeh\u00f6rige der ,,Deutschen 82","Aktionsgruppen\" an den Brandund Sprengstoffanschl\u00e4gen in Esslingen, Ostfildern, Leinfelden-Echterdingen, L\u00f6rrach, Zirndorf und Hamburg beteiligt gewesen zu sein. Die Aufkl\u00e4rung der Attentatsserie wurde durch eine im August 1980 von den \"Deutschen Aktionsgruppen\" durchgef\u00fchrte Drohbriefaktion gegen zahlreiche Polizeidienststellen im ganzen Bundesgebiet gef\u00f6rdert. In einem \"Aufruf an die Polizei und den Bundesgrenzschutz\" wurde - aus rechtsextremistischer Sicht - an das \"Pflichtbewu\u00dftsein\" der Polizeibeamten appelliert; diese wurden offen zum Widerstand gegen den Staat aufgefordert: Tut der Polizist auch dann noch seine Pflicht, wenn er immer weniger zur Verbrechensbek\u00e4mpfung und immer mehr gegen Unzufriedene und Andersdenkende eingesetzt wird, z. B. gegen: Atomgegner-demonstrierende Studenten - Wehrdienistverweigerer - Pornogegner - politische Versammlungen - Regimekritiker. Wenn die Polizei immer mehr (zweckentfremdet) gegen das eigene deutsche Volk eingesetzt wird, ist es dann ein Wunder, wenn sich bei einem politischen Umsturz der Volkszorn am sch\u00e4rfsten gegen die Polizei wendet? Wer sich gegen sein eigenes Volk einsetzen l\u00e4\u00dft, tut nicht mehr seine Pflicht, sondern hat die Pflicht zum Widerstand!\" Ferner wurde in einem \"Offenen Brief\" an den Bundeskanzler unverhohlen zur gewaltsamen Beseitigung der staatlichen Ordnung aufgefordert: \"Herr Bundeskanzler, jeder Befreiungsversuch des Volkes mit den von Ihnen gepriesenen demokratischen und friedlichen Methoden wurde von uns bis zum Gehtnichtmehr ersch\u00f6pfend betrieben. Das Ergebnis waren h\u00e4rteste Bestrafungen - angefangen von sehr hohen Geldstrafen \u00fcber Berufsverbot bis hin zu Gef\u00e4ngnisstrafen. Da die Bundesregierung jede Ver\u00e4nderung mit friedlichen Mitteln gewaltsam unterdr\u00fcckt, bleibt nur die Ver\u00e4nderung mit Gewalt \u00fcbrig. Glauben Sie ja nicht, endlos und ungestraft am deutschen Volk s\u00fcndigen zu k\u00f6nnen. Die Zeichen sind gesetzt. Der Kampf hat begonnen. Seien Sie versichert, da\u00df wir unseren Forderungen mit bestimmten Ma\u00dfnahmen Nachdruck verleihen werden. Wir kommen sp\u00e4t, doch wir kommen.\" Das bisher folgenschwerste Attentat seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland wurde am 26. September 1980 w\u00e4hrend des M\u00fcnchner Oktoberfestes ver\u00fcbt. Dabei fanden au\u00dfer dem mutma\u00dflichen T\u00e4ter Gundolf K\u00d6HLER, Donaueschingen, 12 weitere Menschen den Tod, w\u00e4hrend 214 Festbesucher verletzt wurden. K\u00d6HLER hatte einige Jahre zuvor mindestens vor\u00fcbergehend Kontakt zu der vom Bundesminister des Innern zwischenzeitlich verbotenen \"Wehrsportgruppe HOFFMANIM\" 83 (WSG).","2.3 NS-Gruppen im Bundesgebiet Seit der Verurteilung f\u00fchrender Neonazis in Norddeutschland zu Schwerpunkt neonazihohen Freiheitsstrafen und dem daraus resultierenden weitgestischer Aktivit\u00e4ten hat henden Zerfall ihrer jeweiligen Gruppen verlagerten sich zuminsich nach S\u00fcddeutschdest Teilbereiche neonazistischer Aktivit\u00e4ten im Jahre 1980 in land verlagert. die s\u00fcddeutschen Bundesl\u00e4nder. Im Raum Frankfurt etwa entfaltete die von NS-Aktivisten 1979 gegr\u00fcndete \"Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e. V.\" (HNG) eine rege T\u00e4tigkeit. INFORMATION Publikation der neonazistischen ,, Hilfsorganisation f\u00fcr nationale poliDER tische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e. V.\". HNG 3.Ausgabe: Juli i960 H i l f s o r g a n i s a t i o n f\u00fcr n a t i o n a l e p o l i t i s c h e G e f a n g e n e und d e r e n A n g e h \u00f6 r i g e / e . V . Ihre Mitglieder rekrutieren sich \u00fcberwiegend aus anderen neonazistischen Gruppen. Die HNG sieht ihre Aufgabe vor allem in der finanziellen Unterst\u00fctzung inhaftierter Gesinnungsgenossen. Spendenaufrufe werden unter gleichzeitiger Mitteilung der Anschriften Inhaftierter in den ,,HNG-lnformationen\" ver\u00f6ffentlicht. Zunehmende Bedeutung gewann au\u00dferdem die von Friedhelm BUSSE, M\u00fcnchen, geleitete \"Volkssozialistische Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit\" (VSBD/PdA), die vor allem in Frankfurt/Main wiederholt mit die \u00d6ffentlichkeit bewu\u00dft provozierenden Aktionen in Erscheinung trat. 84","Publikation der neonazistischen \" VolkssozialistiGegen Marxismus schen Bewegung Deutschlands / Partei der und Ausbeutung Arbeit\" (VSBD/PdA). F\u00fcr Volksgemeinschaft und Leistung VOLKSSOZIALISTISCHE BEWEGUNG DEUTSCHLANDS PARTEI DER ARBEIT Der am 24. Dezember 1980 bei Koblenz/Schweiz - nach bisherigem Ermittlungsergebnis - durch Selbstmord aus dem Leben geschiedene Neonazi Frank SCHUBERT aus Frankfurt/ Main, der in der Schweiz vermutlich Waffen f\u00fcr eine NS-Gruppe beschaffen wollte und im Zusammenhang damit einen schweizerischen Zollund Polizeibeamten erscho\u00df, war bis Sommer 1980 Funktion\u00e4r der VSBD/PdA gewesen. SCHUBERT stand auch mit Angeh\u00f6rigen der militant auftretenden neonazistischen \"Jungen Front\" (JF) in Frankfurt/Main und M\u00fcnchen in Verbindung. Diese ging 1979 aus der \"NS-Gruppe M\u00fcnchen\" hervor und war zun\u00e4chst faktisch die Jugendorganisation der VSBD/ PdA. Interne Auseinandersetzungen f\u00fchrten Mitte 1980 zur Trennung der beiden Gruppen. Einzelkontakte f\u00fchrender Funktion\u00e4re bestehen jedoch unver\u00e4ndert. Der Bundesminister des Innern hat mit Verf\u00fcgung vom 16. Januar 1980 die neonazistische \"Wehrsportgruppe HOFFMANN\" (WSG) mit Wirkung vom 30. Januar 1980 verboten (vgl. Verfassungsschutzbericht Baden-W\u00fcrttemberg 1979, S. 68 ff.). Die von der WSG gegen das Verbot erhobene Klage wurde durch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 2. Dezember 1980 als unbegr\u00fcndet abgewiesen. Die Verbotsverf\u00fcgung hat damit Rechtskraft erlangt. W\u00e4hrend das Verbot einen weitgehenden Zerfall des organisatorischen Gef\u00fcges der WSG im Bundesgebiet zur Folge hatte, nutzte deren Initiator und Leiter, Karl-Heinz HOFFMANN, bestehende Verbindungen in den Nahen Osten, um dort seine Gesinnungsgenossen erneut zu sammeln. Es ist nicht auszuschlie\u00dfen, da\u00df HOFFMANN zu gegebener Zeit versuchen wird, mit seiner im Ausland neu formierten Gruppe wieder im 85 Bundesgebiet aktiv zu werden.","Bis zu seiner Festnahme am 1. September 1980 verbreitete der ehemalige Rechtsanwalt Manfred ROEDER als Leiter der \"Deutschen B\u00fcrgerinitiative e. V.\" {DBI) vom Ausland aus von tiefem Ha\u00df gegen die Bundesrepublik Deutschland, ihre Institutionen und Repr\u00e4sentanten gepr\u00e4gte ,,Briefe\". In seinem 9. Brief vom April 1980 \u00e4u\u00dferte sich ROEDER unter anderem wie folgt: ,, . . . mit Volkszerst\u00f6rern kann man nicht sachlich reden; man kann sie nur entlarven und bek\u00e4mpfen. Nur durch unseren Kampf wurde uns klar, da\u00df es sich bei all diesen Mi\u00dfst\u00e4nden lediglich um Symptome handelte, die wir allein diesem .Staat' verdanken. Dieser .Staat' ist b\u00f6se! Wenn die Probleme gel\u00f6st werden sollen, mu\u00df dieser .Staat' weg! Vor dieser logischen und notwendigen Konsequenz schrecken andere, kl\u00fcgere zur\u00fcck. Sie wollen argumentieren, beweisen, ihr Recht bekommen von einem System, das nur aus Unrecht aufgebaut ist. Das mutet an wie der Versuch, jemanden waschen zu wollen, der in der Jauchegrube sitzt. Zun\u00e4chst mu\u00df die Jauche abgelassen werden.\" Um ein Auseinanderfallen des Anh\u00e4ngerund F\u00f6rderkreises der DBI zu verhindern, organisierte die Ehefrau ROEDERs seit dessen Flucht ins Ausland sogenannte Freundestreffen, die auch nach seiner Inhaftierung im Zusammenhang mit den Anschl\u00e4gen der ,,Deutschen Aktionsgruppen\" fortgesetzt wurden. Frau ROEDER sorgt dar\u00fcber hinaus f\u00fcr die Verbreitung von Rundbriefen und bem\u00fcht sich intensiv um die Beschaffung von Geldmitteln. Im Jahre 1980 hat der Sympathisantenkreis um die Familie ROEDER einen Betrag von \u00fcber DM 150 000,aufgebracht. Um eventuellen Ma\u00dfnahmen deutscher Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zu entgehen, hat der Leiter der neonazistischen \"B\u00fcrgerund Bauerninitiative e.V.\" (BBi), Thies CHRISTOPHERSEN aus Mohrkirch/Schleswig-Holstein, eigenen Angaben zufolge den von ihm betriebenen \"Kritik-Verlag\" von Mohrkirch nach D\u00e4nemark verlagert. Mit den Beziehern der in diesem Verlag erscheinenden rechtsextremen Vierteljahresschrift \"Die Bauernschaft\" hat CHRISTOPHERSEN sich einen politisch-ideologisch beeinflu\u00dfbaren Anh\u00e4ngerkreis geschaffen, von dem ihm auch erhebliche Geldmittel zuflie\u00dfen. Daneben versucht er seit einiger Zeit, durch regionale Treffen mit Anh\u00e4ngern und politisch Nahestehenden sowie mittels mehrt\u00e4giger, meist im benachbarten westlichen Ausland stattfindender Veranstaltungen neue Mitglieder f\u00fcr seine neonazistische Gruppe zu gewinnen. 2.4 NS-Gruppen in Baden-W\u00fcrttemberg Baden-W\u00fcrttemberg Ziel \u00fcberregionaler Die neonazistischen Aktivit\u00e4ten in Baden-W\u00fcrttemberg einNS-Aktivit\u00e4ten. schlie\u00dflich der von rechtsextremistischen Terroristen ver\u00fcbten vier Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge gingen nicht von in ihrer 86","Aktivit\u00e4t auf unser Land sich beschr\u00e4nkenden regionalen NSGruppen aus. Vielmehr waren die T\u00e4ter entweder \"Einzelk\u00e4mpfer\" oder Angeh\u00f6rige bundesweit operierender neonazistischer Zirkel. Dies giltauch f\u00fcr die \u00fcberwiegend in Baden-W\u00fcrttemberg Publikation der neonazistischen ,,B\u00fcrgerund V 7823 FX Bauerninitiative e. V.\" (BBI). E^Die Bauernfrtiaft (tm) f U \" RECHT UNO GERECHTIGKEIT O r g a n d e r \" B \u00fc r g e r - u n d Bs\"ueminilf\"\"l\"e e. V.\" H, 4 .* 80 \" Jahrgang De? 1980 \"MUTTEftGLUCK\" GemM\u00f6(c) von EuSSsn Kuscft wohnhaften Angeh\u00f6rigen der sich \"Deutsche Aktionsgruppen\" nennenden Vereinigung (vgl. Abschnitt 2.2 \"Neonazistischer Terrorismus\"). Dieser Personenkreis ist bis auf wenige Ausnahmen der \"Deutschen B\u00fcrgerinitiative\" (DBI) des Manfred ROEDER zuzurechnen und benutzte die neue Organisationsbezeichnung offenbar lediglich aus Tarnungsgr\u00fcnden. Die NS-Gruppen \"Deutsch-V\u00f6lkische Gemeinschaft\" (DVG), \"NS-Gruppe NEUFELD\" und \"Kampfgruppe PRIEM e. V.\" (KGP), die noch vor wenigen Jahren in unserem Lande mit verschiedenen Aktionen hervorgetreten waren, konnten sich nicht neu formieren. Im September 1980 setzten sich vier 87 neonazistische Aktivisten, darunter der ehemalige Gauf\u00fchrer","Schwaben der rechtsextremen \"Wiking-Jugend\" (WJ) und zwei Angeh\u00f6rige der aufgel\u00f6sten ,,Deutsch-V\u00f6lkischen Gemeinschaft\" (DVG), in den Libanon ab, um sich einer Strafverfolgung zu entziehen. Sie sind seitdem unbekannten Aufenthalts. Die Staatsanwaltschaft bei dem Oberlandesgericht Stuttgart hatte am 26. M\u00e4rz 1980 gegen diese Personen im Zusammenhang mit dem Aufbau einer Gruppe \"NSDAP-Gau W\u00fcrttemberg-Hohenzollern\" Anklage erhoben. Obwohl gegenw\u00e4rtig keine organisatorisch verfestigte oder im. Aufbau befindliche NS-Gruppe in unserem Lande erkennbar ist, mu\u00df mit einer Fortsetzung entsprechender Versuche gerechnet werden. 2.5 Neonazistische Ausschreitungen Die Gesamtzahl rechtsextremistischer, insbesondere neonazistiWeitere Zunahme scher Ausschreitungen (wobei Hakenkreuzschmierereien und rechtsextremistischer NS-Klebeaktionen nach wie vor an erster Stelle stehen) nahm Ausschreitungen und zwar auch 1980 noch immer bundesweit zu, jedoch nicht mehr Gewalttaten. im selben Ma\u00dfe wie in den vorangegangenen Jahren: Rechtsextremistische Ausschreitungen und Gewalttaten im Bundesgebiet 1974 1975 1976 1977 1978 1979 1980 Rechtsextreme Ausschreitungen 136 206 319 616 992 1483 1533 Rechtsextreme Gewalttaten 22 21 16 40 52 97 104 Dies darf jedoch nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, da\u00df die rechtsextremistischen Gewalttaten, deren Zahl von 97 (1979) auf 104 (1980) anstieg, gegen\u00fcber den Vorjahren an krimineller Energie und Brutalit\u00e4t eine erhebliche Steigerung erfahren haben. W\u00e4hrend 1979 3 Sprengstoffanschl\u00e4ge mit neonazistischem Hintergrund registriert werden mu\u00dften, bei denen hoher Sachschaden entstand, waren 1980 bei insgesamt acht von Rechtsextremisten ver\u00fcbten Brandund Sprengstoffanschl\u00e4gen (davon vier in Baden-W\u00fcrttemberg) 15 Todesopfer und 217 Verletzte zu beklagen. In Baden-W\u00fcrttemberg ist zwar die Gesamtzahl der 1980 von Rechtsextremisten begangenen Ausschreitungen auf 51 gegen\u00fcber 65 im Jahre 1979 zur\u00fcckgegangen; die vier von den \"Deutschen Aktionsgruppen\" in unserem Lande begangenen Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge stellen jedoch die Eskalation des Terrors von rechts deutlich unter Beweis (vgl. zahlenm\u00e4\u00dfige \u00dcbersicht). 88","00 CD Neonazistische Aktivit\u00e4ten in Baden-W\u00fcrttemberg Aufschl\u00fcsselung nach Aktionsarten Anzahl der Aktionen Regierungsbezirk Schmierund Aktionen gegen j\u00fcdische Sonstige Aktionen Brandund in den Jahren Klebeaktionen Einrichtungen (Versand v. NS-Schriften, Sprengstoffund Mitb\u00fcrger Drohanrufe u.a.m.) anschl\u00e4ge*) 1978 1979 1980 1978 1979 1980 1978 1979 1980 1978 1979 1980 1980 Freiburg 9 12 10 7 8 3 2 1 2 2 5 1 Karlsruhe 18 27 15 7 15 7 6 5 2 5 7 6 - Stuttgart 11 13 18 3 3 8 7 3 2 1 7 5 3 T\u00fcbingen 3 13 8 1 9 2 1 2 1 1 2 5 - Bad.-W\u00fcrttemberg 41 65 51 18 35 20 14 12 6 9 18 21 4 *) In den Jahren 1978 und 1979 wurden in Baden-W\u00fcrttemberg keine Brandoder Sprengstoffanschl\u00e4ge ver\u00fcbt.","2.6 Ma\u00dfnahmen gegen rechtsextremistische Aktivisten Das etwa 1977 einsetzende Ansteigen der Zahl rechtsextremiAnzahl der Ermittlungsstischer Ausschreitungen f\u00fchrte auch zu einer betr\u00e4chtlichen und Strafverfahren Zunahme der gegen Rechtsextremisten eingeleiteten Verfahgegen Rechtsren: extremisten erneut angestiegen. Verfahren gegen Rechtsextremisten seit 1974 im Bundesgebiet 1974 1975 1976 1977 1978 1979 1980 Ermittlungsverfahren 30 50 80 317 610 836 1128 Urteile 22 24 71 91 150 359 465 Bundesweit stieg 1980 die Zahl der Ermittlungsverfahren auf 1 128 an (1979: 836). Hiervon waren insgesamt 876 Personen betroffen. Von den 1980 ergangenen 465 Urteilen (1979: 359) erlangten 304 Rechtskraft (1979: 207). In Baden-W\u00fcrttemberg leiteten die Ermittlungsbeh\u00f6rden 1980 in mindestens 81 F\u00e4llen Ermittlungsverfahren gegen einen oder mehrere Beschuldigte wegen Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund ein. Davon mu\u00dfte ein Teil wegen Nichtermittlung der T\u00e4ter (z. B. bei Schmierund Klebeaktionen) eingestellt werden. Im Dezember 1980 war in 18 F\u00e4llen (2 aus dem Jahre 1979 und 16 aus dem Jahre 1980) noch keine verfahrensabschlie\u00dfende Entscheidung ergangen. In 35 Verfahren wurde \u00f6ffentliche Klage erhoben. Gegen 6 Personen ergingen 1980 rechtskr\u00e4ftige Urteile. Im September 1980 leitete der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof gegen 18 Angeh\u00f6rige der rechtsterroristischen \"Deutschen Aktionsgruppen\" (davon 14 aus BadenW\u00fcrttemberg) ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung (SS 129a StGB) und anderer Straftaten ein. 2.7 Internationale Verflechtungen des Rechtsextremismus Deutsche Rechtsextremisten, insbesondere neonazistische AkVerst\u00e4rkte Zusammentivisten, unterhalten seit Jahren enge Kontakte zu Gesinnungsarbeit deutscher Neonagenossen im Ausland. Dabei wurden Verbindungen insbesonzis mit ausl\u00e4ndischen dere zu Gruppen in den USA, in KANADA, BELGIEN, D\u00c4NEGesinnungsgenossen. MARK, GROSSBRITANNIEN, FRANKREICH, SPANIEN, \u00d6STERREICH und der SCHWEIZ geschaffen. Diese Beziehungen dienen vornehmlich der gegenseitigen Unterst\u00fctzung, wie etwa dem Austausch rechtsextremistischen Schrifttums und der Durchf\u00fchrung gemeinsamer Veranstaltungen. In zunehmendem Ma\u00dfe wurde in j\u00fcngster Zeit auch die Herstellung neonazistischen Propagandamaterials in L\u00e4nder verlagert, in denen der Druck und die Verbreitung solcher Schriften und Pamphlete nicht unter Strafe gestellt sind. Auf deutsche f\u00fchrende Rechtsextremisten \u00fcbt die franz\u00f6sische ,,Nouvelle Droite\" (ND) eine besondere Anziehungskraft aus. 90","Ihrem Chefideologen, Alain de BENOIST, Paris, schwebt ein von einer naturgegebenen, hierarchisch geordneten Elite gef\u00fchrter Staat vor. Er bek\u00e4mpft die \"Ideologie der Gleichmacherei\" und die \"j\u00fcdisch christliche Tradition\". Auch zu der im September 1980 in Frankreich verbotenen \"F\u00f6deration d'Action Nationale et Europeenne\" (F.A.N.E.) unter hielten vor allem deutsche Neonazis enge Beziehungen. Kontaktpartner deutscher Rechtsextremisten in Spanien sind der faschistische \"Circulo Espanol de Amigos de Europa\" (CEDADE) und die \"FUERZA NUEVA\". Werbung f\u00fcr ausl\u00e4ndi sche rechtsextremisti sche Publikationen in NOTKE T T * V TTBfc^^W^Tf?* CEIMUE Eine Zeitschrift aus Spanien deutscher Sprache. Fordern Sie sich ein Probeexemplar Am 3. Sept. wurde die F.A.N.E verboten bei: CEDADE - Apartado Correos Alle POst nun an NOTRE EUROPE 14 010 BARCELONA (Spanien) B.P. 75462 Paris Cedex 10 Speziell bei den neonazistischen Gruppen werden mangels festerer Organisationsstrukturen die Verbindungen zu Gleichge sinnten im Ausland auch weiterhin in der Regel von Einzelaktivi sten unterhalten. Dabei spielt die von Aktionszellen in der Bundesrepublik Deutschland unterst\u00fctzte \"NSDAP-Auslands und Aufbauorganisation\" (IMSDAP-AO), deren PropagandaVorderund R\u00fcckseite des \"NS Kampfruf\" Nr. 36, Januar-Februar 1980: Illegal aus den USA KAMPFRUF *--iS?-\"l'.: -3i-:-.'-fSCKESi eingeschleuste Schrift HCl] tlSfh SaCitiBfeBF der\"NSDAP-AO\". M\u00fc\u00fcaanken FREIHEIT F\u00dcR Michael K\u00fchnen! NSMMO Bn \"414, tiKolo.\u00c4f 68506 US\" Zentrum seinen Sitz in den USA hat und von Garry Rex LAUCK, Lincoln/Nebraska, geleitet wird, insofern eine besonders sch\u00e4d liche Schl\u00fcsselrolle, als sie am Wiederaufleben des Neonazis mus in der Bundesrepublik Deutschland seit langem ma\u00dfgebli 91 chen publizistischen Anteil hat.","Daneben schleust der Deutsch-Amerikaner George P. DIETZ aus Reedy, West-Virginia/USA, neonazistisches und rassistisches Propagandamaterial aus seinem \"White Power Publications\"Vertrieb sowie seinem \"Liberty Bell Publications\"-Verlag in Aus \"The Liberty Bell\" (Ausgabe Dezember The Book 1980), einer englischspra- T h a i Made T h e J e w s So Had chigen neonazistischen Publikation aus den USA. They Had To I n v e n t The Movie HOLOCAUST! $ 1.50 AN UNBIASED EYEWITNESS REPORT ON THE REAL LIFE IN A CONCENTRATION CAMP THERE WERE NO GAS CHAMBERS! SO THE LIBERTY BELL gr\u00f6\u00dferen Mengen in die Bundesrepublik Deutschland ein. In gleicher Weise bet\u00e4tigt sich der Deutsch-Kanadier Ernst C. F. Z\u00dcNDEL: \u00dcber seinen Verlag \"Samisdat Publishers Ltd.\" verbreitet er von Toronto aus neonazistisches Propagandamaterial und versucht den Eindruck zu erwecken, hinter ihm stehe eine ,.Kampfgruppe Z\u00fcndel\". Am traditionellen Neonazitreffen des ,,Vlaamse Militanten Orde\" (VMO) auf belgischem Boden haben in den letzten Jahren wiederholt deutsche Neonazis teilgenommen, w\u00e4hrend umge92","kehrt VMO-Aktivisten verschiedentlich zu Zusammenk\u00fcnften mit deutschen Gesinnungsgenossen in die Bundesrepublik Deutschland eingereist sind. Seit einiger Zeit hat sich auch die Zusammenarbeit deutscher Neonazis mit dem neonazistischen \"British Movement\" (BM) verst\u00e4rkt. Kontakte bestehen ferner zu der rassistischen \"National Front\" in London und zu der militanten englischen Gruppe \"Column 88\", die sich 1978 zu zahlreichen Briefbombenanschl\u00e4gen bekannte. In D\u00e4nemark dient der \"Dansk Nationalsocialisk Ungdom (DNSU)-Nordland Forlag\" deutschen Neonazis als Kontaktadresse, w\u00e4hrend er seinerseits in deutschen neonazistischen Schriften f\u00fcr sein Verlagsprogramm, unter anderem f\u00fcr B\u00fccher von HITLER, GOEBBELS und ROSENBERG, wirbt. Ebenfalls auf publizistischer Ebene liegen die Kontakte zwischen Thies CHRISTOPHERSEN, dem Vorsitzenden der neonazistischen \"B\u00fcrgerund Bauerninitiative e.V.\" (BBI), und dem Schweizer Verlag \"Courrier du Continent\", der dem Generalsekret\u00e4r der rechtsextremen \"Europ\u00e4ischen Neuordnung\" (ENO), Gaston Armand AMAUDRUZ, Lausanne, geh\u00f6rt und \u00fcber den CHRISTOPHERSEN sein gerichtlich beschlagnahmtes und der Einziehung unterliegendes Buch \"Die Auschwitz-L\u00fcge\" vertreiben lie\u00df. Eine Folge der sich zunehmend intensiver gestaltenden Zusammenarbeit insbesondere zwischen deutschen, franz\u00f6sischen, belgischen und britischen Rechtsextremisten k\u00f6nnte sein, da\u00df dadurch den staatsanwaltschaftlich verfolgten oder gerichtlich verurteilten deutschen Gesinnungsgenossen sich bessere Chancen bieten, im Ausland rechtzeitig und n\u00f6tigenfalls l\u00e4ngerfristig Unterschlupf zu finden. 3. Nationaldemokratische Organisationen 3.1 \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) Die NPD verliert weiter Die politische Bedeutung der \"Nationaldemokratischen Partei an Bedeutung. Deutschlands\" (NPD), der nach wie vor mitgliederst\u00e4rksten rechtsextremistischen Partei im Bundesgebiet, ist weiter gesunken. Die vor allem aufgrund parteiinterner Richtungsk\u00e4mpfe, stetig sinkender Mitgliederzahlen und fortw\u00e4hrender Mi\u00dferfolge anhaltende Erosion der Partei konnte von den Funktion\u00e4ren nicht aufgehalten werden. Der angesichts dieser Situation unter erheblichem Erfolgszwang stehende Parteivorstand hoffte, durch ein erfolgreiches Abschneiden bei der Wahl zum 9. Deutschen Bundestag am 5. Oktober 1980 eine Wende herbeif\u00fchren zu k\u00f6nnen. Wegen dr\u00e4ngender finanzieller - teilweise auch personeller - Schwierigkeiten mu\u00dfte die NPD ihren Wahlkampf im Vergleich zu fr\u00fcheren Jahren allerdings erheblich einschr\u00e4nken. Sie sah sich erstmals gezwungen, unter Verzicht auf Direktkandidaten lediglich mit Landeslisten an einer Bundestagswahl teilzuneh93 men. Gleichwohl versprach sie sich von ihrem Wahlprogramm,","in dem im wesentlichen mit dem Motto \"Ausl\u00e4nderstopp - Deutschland den Deutschen\" operiert wurde, die Unterst\u00fctzung von gewissen Kreisen der Bev\u00f6lkerung. In einer Erkl\u00e4rung des Parteivorstandes zu dem Thema \"Ausgangslage zur Deutschlandund Europapolitik aus der Sicht der NPD\" wurde die Grundhaltung der Partei zur Situation der Ausl\u00e4nder in der Bundesrepublik Deutschland noch einmal verdeutlicht: \" . . . Auch ein Volk ist, wie die Einzelmenschen, eine Eigenpers\u00f6nlichkeit, gepr\u00e4gt durch Landschaft, Klima, biologische Eigenart und \u00dcberlieferung. Kein Volk ist besser oder schlechter als ein anderes, aber jedes Volk ist anders als die anderen und hat ein Recht auf Unversehrtheit seiner biologischen und kulturellen Substanz und darauf, in seiner Eigenart und jeweils Andersartigkeit von den anderen anerkannt und geachtet zu werden. V\u00f6lker sind Bausteine der nat\u00fcrlichen Ordnung. Kein Mensch darf daher wegen seiner Zugeh\u00f6rigkeit zu einem bestimmten Volk verfolgt werden. Andererseits ist ein Fremder lediglich ein Gast und kein Familienmitglied . . .\" Mit diesem Wahlkampfthema glaubte die NPD, eine politische Marktl\u00fccke entdeckt zu haben. Sie setzte dabei insbesondere auf die in j\u00fcngster Zeit in der \u00d6ffentlichkeit kontrovers gef\u00fchrte Diskussion zum Asylantenproblem. Gegen Ende des Wahlkampfes mu\u00dfte sich die Partei freilich zunehmend mit Kritik aus der Bev\u00f6lkerung auseinandersetzen, in der ihr Volksverhetzung und die Ausbeutung rassistischer Emotionen vorgeworfen wurde. Besorgt \u00fcber den fortschreitenden Verlust jeglichen Ansehens und dar\u00fcber, als geistige Urheberin und Weggef\u00e4hrtin des rechtsextremistischen Terrorismus betrachtet zu werden, distanzierte sich die NPD in einer Pressemitteilung wenige Tage vor der Bundestagswahl \"mit Abscheu, Entsetzen und tiefer Trauer\" von dem Sprengstoffanschlag auf das Oktoberfest in M\u00fcnchen am 26. September 1980 und forderte die Wiedereinf\u00fchrung der Todesstrafe f\u00fcr \"gemeinen Mord\". Das nach dem Terroranschlag von M\u00fcnchen selbst von vielen Mitgliedern erwartete schlechte Abschneiden der Partei - die NPD erzielte bundesweit noch 67 798 ( = 0,2 Prozent) der abgegebenen g\u00fcltigen Zweitstimmen (1976: 122 661 = 0,3 Prozent) - lie\u00df die internen Spannungen erneut aufbrechen. Dies wurde auf dem 14. ordentlichen Bundesparteitag der NPD am 22./23. November 1980 in Augsburg erkennbar, als der ehemalige Bundesvorsitzende der \"Jungen Nationaldemokraten\" (JN), G\u00fcnter DECKERT aus Weinheim, der seit seiner Niederlage bei den Vorstandswahlen im vergangenen Jahr heftig gegen die Parteif\u00fchrung opponierte, mit Unterst\u00fctzung einiger Delegierter einen Antrag auf R\u00fccktritt des langj\u00e4hrigen Parteivorsitzenden Martin MUSSGNUG aus Tuttlingen einbrachte. Dieser Vorsto\u00df DECKERTs, der eine gewichtige Minderheit innerhalb der Partei hinter sich wu\u00dfte, wurde jedoch mit klarer Mehrheit abgelehnt. Der als Vorsitzender erneut best\u00e4tigte 94","MUSSGNUG rief statt dessen alle Parteimitglieder auf, trotz des Mi\u00dferfolges der NPD bei der Bundestagswahl 1980 nicht zu resignieren, sondern \"die politische Aussage und Propaganda auf dem Gebiet der Ausl\u00e4nderfrage\" konsequent fortzusetzen, um als \"zukunftsorientierte Partei (die) Trendwende\" einzuleiten. Aufgrund zahlreicher Parteiaustritte, die durch Neuaufnahmen nicht mehr ausgeglichen werden konnten, ging die Mitgliederzahl der NPD im Bundesgebiet 1980 auf 7 300 (1979 = 8 000) zur\u00fcck. Mitgliederst\u00e4rke der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) im Bundesgebiet 1964-1980 Im NPD-Landesverband Baden-W\u00fcrttemberg sind noch etwa 900 Mitglieder gegen\u00fcber 950 im Jahre 1979 organisiert. Die Gliederung des Landesverbandes (er besteht aus 37 Kreisverb\u00e4nden, von denen jedoch mehr als zwei Drittel inzwischen inaktiv sind) ist seit 1979 unver\u00e4ndert. Am 27. April 1980 hielt die NPD in Stuttgart ihren 15. ordentlichen Landesparteitag ab. Im Mittelpunkt standen dabei die Neuwahl des Landesvorstandes und die Besetzung der NPDLandesliste f\u00fcr die bevorstehende Bundestagswahl. Der bisherige Landesvorsitzende J\u00fcrgen SCH\u00dcTZINGER aus VillingenSchwenningen wurde wiedergew\u00e4hlt und gleichzeitig zum Spitzenkandidaten des NPD-Landesverbandes Baden-W\u00fcrttem95 berg f\u00fcr die Bundestagswahl nominiert. Bei der Wahl am 5.","Oktober 1980 kandidierte die NPD in Baden-W\u00fcrttemberg lediglich mit einer 37 Personen umfassenden Landesliste und erhielt 11 410 der abgegebenen g\u00fcltigen Zweitstimmen, was einem Stimmenanteil von 0,2 Prozent entsprach. Im Jahre 1976 waren auf die Partei noch 23 411 Zweitstimmen (= 0,4 Prozent) entfallen. Damit verlor die NPD in Baden-W\u00fcrttemberg mehr als die H\u00e4lfte ihrer W\u00e4hler und mu\u00dfte das schlechteste Ergebnis seit ihrer ersten Kandidatur bei der Bundestagswahl 1965 hinnehmen. Im Trend \u00e4hnlich waren auch die Ergebnisse dieser Anfang der siebziger Jahre beachtliche Stimmenanteile auf sich vereinigenden rechtsextremistischen Partei bei den Landtagsund Kommunalwahlen des Jahres 1980 in Baden-W\u00fcrttemberg: Bei der Landtagswahl am 16. M\u00e4rz 1980 sah sich der NPD-Landesverband nur noch in der Lage, in 6 von 70 Wahlkreisen (1976: in 63 von 70) Bewerber zu nominieren. Insgesamt entfielen lediglich noch 2 341 Stimmen auf die Kandidaten der NPD. Bei der Kommunalwahl am 22. Juni 1980 nominierte die NPD in f\u00fcnf Gemeinden eigene Kandidaten. In Villingen-Schwenningen gelang dem NPD-Landesvorsitzenden SCH\u00dcTZINGER erstmals und in Weinheim dem f\u00fchrenden Funktion\u00e4r G\u00fcnter DECKERT erneut der Einzug in ein Kommunalparlament. Mindestens zwei weitere NPD-Mitglieder (nach eigenen Angaben der NPD vier) zogen \u00fcber unabh\u00e4ngige W\u00e4hlergemeinschaften in Gemeinder\u00e4te in Baden-W\u00fcrttemberg ein. Insgesamt befindet sich die \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) aufgrund ihrer inneren Spannungen, aber auch angesichts der fast einhelligen Ablehnung durch die W\u00e4hler in einer Situation, in der ein Auseinanderbrechen oder ein Aufgehen etwa in einer rechtsextremen Parteineugr\u00fcndung denkbar geworden ist. 3.2 \"Junge Nationaldemokraten\" (JN) Die anhaltende, sich eher noch zuspitzende ausweglose SituaDas Selbstbewu\u00dftsein tion der NPD blieb auf die Jugendorganisation der Partei, die der \"Jungen National\"Jungen Nationaldemokraten\" (JN), nicht ohne Wirkung. Seit demokraten\" ist trotz jeher waren die JN bestrebt, gegen\u00fcber der NPD-F\u00fchrung einen sinkender Mitglieder\"offensiveren Kurs\" durchzusetzen. Dieses Vorgehen lie\u00df sie zahlen ungebrochen. zwar nach au\u00dfen hin entschlossener und wirkungsvoller erscheinen als die Mutterpartei, wurde von dieser indes nur bedingt toleriert. Die NPD versuchte vielmehr als \"Wahrerin von Ruhe und Ordnung\" - nicht zuletzt aus taktischen Gr\u00fcnden - , das \"k\u00e4mpferische Element\" und den Konfrontationskurs ihrer Nachwuchsorganisation weitgehend zu drosseln. Ein von dem ehemaligen JN-Bundesvorsitzenden G\u00fcnter DECKERT unternommener Versuch, die \"Erneuerung der NPD\" im Sinne der JN voranzubringen, scheiterte. Die G\u00e4ngelung sowie die Mi\u00dferfolge der Partei f\u00fchrten bei zahlreichen JN-Mitgliedem zu wachsenden Sympathien f\u00fcr Gruppierungen mit neonazistischer Zielsetzung und - zun\u00e4chst im norddeutschen Raum - zur Abwanderung von Mitgliedern in diese militanten Kleingruppen. 96","Unter dem Eindruck dieser Spannungen zwischen Partei und Jugendorganisation fand am 25. und 26. Oktober 1980 in der nieders\u00e4chsischen Gemeinde Jork, westlich von Hamburg, der 9. ordentliche Bundeskongre\u00df der \"Jungen Nationaldemokraten\" unter dem bezeichnenden Leitsatz \"Befreit die Gedanken von gestrigen Vorstellungen!\" statt. Zum neuen Bundesvorsitzenden wurde dabei mit gro\u00dfer Mehrheit der bisherige stellvertretende Vorsitzende Rainer VOGEL aus K\u00f6ln gew\u00e4hlt. Der seitherige Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der JN, der baden-w\u00fcrttembergische Landesvorsitzende Rudolf ENSSLEN aus Markgr\u00f6ningen, hatte auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Im Gefolge der Wahl wurde auch die Bundesgesch\u00e4ftsstelle, die seit Ende 1977 ihren Sitz in Markgr\u00f6ningen hatte, nach K\u00f6ln verlegt. VOGEL gilt innerhalb der NPD als F\u00fchrungskraft neuen Typs, der, wie es hei\u00dft, klare nationale Wertvorstellungen mit politischer Ausstrahlungskraft verbindet und dadurch neben der JN auch die Partei f\u00fcr die j\u00fcngere Generation attraktiver machen soll. In seiner Vorstellungsrede auf dem NPD-Bundesparteitag am 22V23. November 1980 in Augsburg machte VOGEL unter anderem folgende Ausf\u00fchrungen: ,,. . . ,Wir leben in dem freiesten Staat, den es je auf deutschem Boden gegeben hat'. Krampfhaft wird uns Tag f\u00fcr Tag diese Parole eingeh\u00e4mmert. ,ln den n\u00e4chsten Jahren findet der gro\u00dfe Kampf zwischen Liberalismus ( = gut) und Marxismus ( = b\u00f6se) statt', vernehmen wir aus den vertrockneten Hirnen verbalnationaler Rudimente und naivutopischer Sp\u00e4tmarxisten. In Wahrheit ist es ein gro\u00dfer Krampf, der sich in Westdeutschland abspielt. Zun\u00e4chst leben wir auch heute in einem von Minderheiten dirigierten ,Land'. Nur sind es heute nicht mehr Folterkammern und Scheiterhaufen, sondern Medien, .ver\u00f6ffentlichte Meinung' und pseudohumanistischer Gesinnungsterror, mit denen Andersdenkenden ,das Handwerk gelegt wird'. Zum anderen g\u00e4be es weder die ,BRD' noch die ,DDR', w\u00fcrden wir wirklich im .freiesten Staat auf deutschem Boden' leben . . . \" Die allgemein zu beobachtende Unzufriedenheit innerhalb der JN mit dem zu \"laschen\" Kurs der Parteif\u00fchrung sowie eine mit der Ausgabe neuer Mitgliedsausweise verbundene Karteibereinigung f\u00fchrten 1980 zu einem gegen\u00fcber dem Vorjahr deutlichen R\u00fcckgang des Mitgliederbestandes: Mitgliederst\u00e4rke der \"Jungen Nationaldemokraten\" (JN) 1979 1980 Bundesrepublik Deutschland 1 400 1 000 Baden-W\u00fcrttemberg 220 120 In Baden-W\u00fcrttemberg unterst\u00fctzten die-allerdings nur noch in 97 wenigen Kreisverb\u00e4nden aktiven - JN-Mitglieder die NPD w\u00e4h-","rend der Wahlk\u00e4mpfe zur Landtagsund Bundestagswahl 1980 nachhaltig. Dagegen beschr\u00e4nkte sich ihre eigene politische Arbeit wie in den Vorjahren im wesentlichen auf \u00f6rtliche Veranstaltungen, Flugblattverteilungen und die Betreuung von Informationsst\u00e4nden. Publikationen der NPD und der \"Jungen Nationaldemokraten\" (JN). \u00dcber\u00f6rtliche Bedeutung hatte lediglich der unter dem Motto ,,Nationalismus ist Freiheit f\u00fcr das Volk!\" am 10. und 11. Mai 1980 in Karlsruhe-Durlach abgehaltene 10. ordentliche JNLandeskongre\u00df. Dabei wurde Rudolf ENSSLEN in seinem Amt als Vorsitzender des JN-Landesverbandes Baden-W\u00fcrttemberg best\u00e4tigt. 98","3.3 \"Nationaldemokratischer Hochschulbund\" (NHB) Der \"Nationaldemokratische Hochschulbund\" (NHB), die Studentenvereinigung der NPD, ist seit Jahren, wenngleich ohne sichtbaren Erfolg, bem\u00fcht, durch die Bildung von Hochschulgruppen Einflu\u00df auf die politische Situation an den Universit\u00e4ten des Landes zu nehmen. Der Ende 1980 neugew\u00e4hlte Bundesvorstand des NHB versucht nunmehr, mit sogenannten Aktionswochen an verschiedenen Hochschulen sowie mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm Teile der Studentenschaft auf die Organisation aufmerksam zu machen und deren Ansehen wieder aufzubessern. Auf diese Weise hofft die NHB-F\u00fchrung, neue Mitglieder zu gewinnen und zumindest an einigen Hochschulorten NHBGruppen (wieder) aufbauen zu k\u00f6nnen. In Baden-W\u00fcrttemberg entfaltet derzeit lediglich eine \"Aufbaugruppe\" des NHB im Raum Heidelberg - Mannheim schwache Aktivit\u00e4ten. 4. \"National-Freiheitliche Rechte' Mitgliederzuwachs bei Als \"National-Freiheitliche Rechte\" wird jener lose Zusamden Gruppen der menschlu\u00df rechtsextremistischer Gruppen bezeichnet, der dem \"National-Freiheitlichen Herausgeber der \"Deutschen National-Zeitung\" (DNZ), Dr. GerRechten\". hard FREY, M\u00fcnchen, politisch eng verbunden ist. Mit der \"Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie\" (VOGA) und neuerdings mit der \"Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung\" (l.f.A.) hat dieser den Kreis der den sogenannten \"Freiheitlichen Rat\" bildenden Organisationen weiter vergr\u00f6\u00dfert. Bei dem \"Freiheitlichen Rat\" handelt es sich um ein von Dr. FREY 1972 gegr\u00fcndetes Koordinierungsgremium, dem f\u00fchrende Repr\u00e4sentanten der jeweiligen Gruppen angeh\u00f6ren. Dr. FREY steht diesem Gremium in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der \"Deutschen Volksunion\" (DVU) vor. Darin vertreten sind ferner Repr\u00e4sentanten des \"Bundes f\u00fcr Deutsche Einheit - Aktion OderNei\u00dfe e. V.\" (AKON), der \"Gemeinschaft Ostund Sudetendeutscher Grundeigent\u00fcmer und Gesch\u00e4digter-Bundesverband e.V.\" (GOG-BV), des \"Jugendbunds Adler\" (JBA) sowie der \"Wiking-Jugend\" (WJ). Dr. FREY hat sich durch seine Einwirkungsm\u00f6glichkeiten auf den \"Freiheitlichen Rat\" eine Position geschaffen, die ihm einen nicht zu untersch\u00e4tzenden Einflu\u00df auf jene Bev\u00f6lkerungskreise sichert, die mit seinen politisch extremen Ansichten und Wertvorstellungen \u00fcbereinstimmen. W\u00e4hrend die nationaldemokratischen Organisationen Mitgliederverluste hinnehmen mu\u00dften und dadurch weiter an Bedeutung auch innerhalb des rechtsextremistischen Lagers verloren, konnten die sogenannten National-Freiheitlichen einen wesentli99 chen Mitgliederzuwachs verzeichnen:","Gesamtmitgliederzahl der Gruppen der \"National-Freiheitlichen Rechten\" 1979 1980 Bundesrepublik Deutschland 6 300 10 000 Baden-W\u00fcrttemberg 600 900 Der sich bereits Ende des Jahres 1979 abzeichnende Zulauf an Neumitgliedern ging insbesondere auf die Gr\u00fcndung der \"Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie\" (VOGA) zur\u00fcck. Die VOGA versucht mit der Forderung, ,,den \u00fcberf\u00e4lligen Schlu\u00dfstrich durch Generalamnestie f\u00fcr jedwedes behauptete oder tats\u00e4chliche Unrecht im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg\" zu ziehen, vor allem Teile der \u00e4lteren Generation anzusprechen. Mit der im Sp\u00e4tjahr 1980 von Dr. FREY unter dem Motto \"Deutschland soll deutsch bleiben\" ins Leben gerufenen \"Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung\" (l.f.A.) schlo\u00df er sich bereits angelaufenen Aktionen anderer rechtsextremistischer Organisationen an, die eine in bestimmten Teilen der Bev\u00f6lkerung anklingende Ausl\u00e4nderfeindlichkeit f\u00fcr ihre politischen Zwecke auszunutzen trachten. Mitgliederwerbung der rechtsextremistischen ,, Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung\" (U.A.). In dem Gr\u00fcndungsaufruf der l.f.A., der im November 1980 sowohl in der ,,Deutschen National-Zeitung\" (DNZ) als auch in dem Organ der DVU, dem \"Deutschen Anzeiger\" (DA), ver\u00f6ffentlicht wurde, forderten die Initiatoren die \"konsequente Eind\u00e4mmung\" des \"Scheinasylantentums\" sowie eine generelle Beschr\u00e4nkung des Ausl\u00e4nderanteils; \"Menschen verwandter Kulturkreise\" sollten vorgezogen, \"ausl\u00e4ndische Kommunisten und erheblich vorbestrafte Nichtdeutsche\" sowie \"ausl\u00e4ndische Terroristen und Revolution\u00e4re\" ferngehalten werden. Diese Forderungen wurden damit begr\u00fcndet, da\u00df \"der deutsche Charakter Deutschlands und die volkliche Einheit der Bundesdeutschen mit den \u00d6sterreichern und Mitteldeutschen\" bedroht 100","sei und da\u00df die ,,Rassenauseinandersetzungen\" Deutschland destabilisierten. In Baden-W\u00fcrttemberg organisierten 1980 von den zur \"National-Freiheitlichen Rechten\" z\u00e4hlenden Gruppen die DVU, die AKON und die VOGA mehrere Gro\u00dfveranstaltungen in Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim und Freiburg, an denen bis zu 300 Personen teilnahmen. Die \"Wiking-Jugend\" (WJ), die durch ihren Bundesf\u00fchrer Wolfgang NAHRATH, Stolberg, in dem \"Freiheitlichen Rat\" repr\u00e4sentiert wird, steht mit den meisten namensgleichen Zeitschrift der rechtsextremistischen ,, WikingJugend\" (WJ). $wus5tbtt: t0ati Berlin Organisationen im westlichen Ausland in enger Verbindung. Im Bundesgebiet hielt sie sich 1980 in der \u00d6ffentlichkeit mit ihren Aktionen sp\u00fcrbar zur\u00fcck, nachdem einige ihrer Mitglieder und 101 Funktion\u00e4re wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereini-","gung oder wegen anderer neonazistischer Aktivit\u00e4ten zu empfindlichen Haftstrafen verurteilt worden waren. In den zur\u00fcckliegenden Jahren hatten manche Mitglieder und Funktion\u00e4re der \"Wiking-Jugend\" immer deutlicher Sympathien f\u00fcr neonazistisches Gedankengut gezeigt. Die rechtsextreme Jugendorganisation, die den \"germanischen Rassegedanken\" propagiert und nach der Pr\u00e4ambel ihrer Satzung ,,in einer Zeit der politischen Bedrohung von au\u00dfen und des geistig-seelischen Verfalls von innen nach verbliebenen und neuen Werten sucht\", schult ihre Mitglieder (im Bundesgebiet rund 400, in Baden-W\u00fcrttemberg etwa 50) nicht nur in ideologischer Hinsicht, sondern bildet sie auch vormilit\u00e4risch aus und unterzieht sie bestimmten H\u00e4rtetests: So wurden w\u00e4hrend der \"26. Tage volkstreuer Jugend\" im Mai 1980 in der Eifel Jugendliche \u00fcber 14 Jahren inden Disziplinen25-km-Zielmarsch mit Gep\u00e4ck, Keulenwurf, Kleinkaliberschie\u00dfen und Gel\u00e4ndelauf gepr\u00fcft und bewertet. Ein unter Leitung des Bundesf\u00fchrers Wolfgang NAHRATH vom 13. Juli bis 15. August 1980 in K\u00e4rnten/\u00d6sterreich errichtetes Zeltlager, an dem WJ-Mitglieder aus der Bundesrepublik Deutschland, den Beneluxstaaten, Italien, Frankreich und \u00d6sterreich teilnahmen, wurde zwar am 18. Juli 1980 von den \u00f6sterreichischen Beh\u00f6rden zun\u00e4chst verboten und aufgel\u00f6st, konnte aber schlie\u00dflich nach Auswechselung der Lagerleitung weiterhin stattfinden. Der \"Gau Schwaben\" der WJ bot laut seinem \"Fahrtenplan 1980\" f\u00fcr seine Mitglieder wieder ein umfangreiches Programm an, zu dem neben Schulungsabenden vor allem Sonnwendfeiern und Veranstaltungen mit meist folkloristischem Programm z\u00e4hlten. Militante Aktionen, an denen Mitglieder der WJ beteiligt gewesen w\u00e4ren, wurden 1980 in Baden-W\u00fcrttemberg nicht bekannt. 5. Sonstige rechtsextremistische Vereinigungen Neben den neonazistischen, den nationaldemokratischen und den nationalfreiheitlichen Gruppierungen bestehen in der Bundesrepublik Deutschland noch weitere Organisationen mit rechtsextremistischer Zielsetzung, von denen in unserem Lande jedoch nur die nachstehenden von einer gewissen Bedeutung sind: 5.1 \"Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik\" (GfP) Die \"Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik\" wurde 1960 in Frankfurt/Main von Verlegern, Publizisten und solchen Personen gegr\u00fcndet, die nicht nur in der Mehrzahl bereits anderen rechtsextremistischen Organisationen angeh\u00f6rten, sondern bis zum Jahre 1945 auch eng mit dem Nationalsozialismus verbunden gewesen waren. In Baden-W\u00fcrttemberg erregte die GfP fr\u00fcher Aufsehen, als sie den von ihr gestifteten und mit DM 102","5 000,dotierten \"Ulrich-von-Hutten-Preis\" an den Amerikaner David L. HOGGAN vergab. HOGGAN hatte in seinem Buch \"Der erzwungene Krieg\" das NS-Regime pauschal gerechtfertigt und die Hauptschuld am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges den Westm\u00e4chten angelastet. In den nachfolgenden Jahren beschr\u00e4nkte sich die GfP, die angeblich eine \"objektive Geschichtsbetrachtung\" (in Wahrheit freilich aus nationalsozialistischer Sicht) anstrebt und gegen \"Umerziehung und Meinungsmonopole\" k\u00e4mpft, zumindest in Baden-W\u00fcrttemberg auf von der \u00d6ffentlichkeit kaum beachtete kleinere Veranstaltungen, die \u00fcber den engeren personellen Rahmen der Organisation nicht hinauswirkten. Seitdem die NPD um ihre Existenz ringt und ernsthaft \u00fcber die M\u00f6glichkeiten und Aussichten der Gr\u00fcndung einer neuen \"Rechtspartei\" diskutiert wird, gewann die Organisation allerdings wieder an Bedeutung. Veranstaltungen der GfP werden in j\u00fcngster Zeit immer h\u00e4ufiger als Plattform f\u00fcr derartige Er\u00f6rterungen genutzt, wobei dem ehemaligen Bundesvorsitzenden sowohl der \"Deutschen Reichspartei\" (DRP) als auch der ihr folgenden NPD, Adolf von THADDEN, eine neue, zumindest meinungsbeeinflussende Rolle zugewachsen ist. 5.2 \"Bund Heimattreuer Jugend\" (BHJ) Der \"Bund Heimattreuer Jugend\", dessen Mitgliederentwicklung in Baden-W\u00fcrttemberg (etwa 50 Jugendliche und Funktion\u00e4re) seit einiger Zeit stagniert, pflegt zahlreiche Kontakte zu anderen rechtsextremen Organisationen wie den \"Jungen Nationaldemokraten\" und der \"Gesellschaft f\u00fcr freie Publizisitik\" (GfP). Seit 1965 beteiligt sich der BHJ regelm\u00e4\u00dfig an der allj\u00e4hrlich stattfindenden Gedenkveranstaltung \"Ijzerbedevaart\" in Belgien, an der in den letzten Jahren auch neonazistische Gruppen und Einzelaktivisten aus der Bundesrepublik Deutschland teilnahmen. Die Leitstelle S\u00fcd des BHJ mit Sitz in Stuttgart, der die BHJGruppen in Bayern und Baden-W\u00fcrttemberg unterstehen, veranstaltete 1980 wieder zahlreiche Jugendlager, so vom 29. M\u00e4rz bis 2. April 1980 in Biberach/Ri\u00df ein Osterund vom 3. bis 17. August 1980 in M\u00f6nchsdeggingen/Bayern ein Sommerlager. Beide waren jeweils von etwa 60 Jugendlichen besucht. An dem von der Bundesf\u00fchrung des BHJ vom 27. Dezember 1980 bis 2. Januar 1981 in Alpirsbach durchgef\u00fchrten Winterlager nahmen etwa 150 Jugendliche aus dem gesamten Bundesgebiet teil. 5.3 Kreisgemeinschaft Ostalb des \"Bundesverbandes der Soldaten der ehemaligen Waffen-SS e. V.\" (HIAG) Die in j\u00fcngster Zeit eindeutig rechtsextremistische Tendenzen verfolgende HIAG-Kreisgemeinschaft Ostalb ist eine regionale Untergliederung des \"Bundesverbandes der Soldaten der ehemaligen Waffen-SS e. V.\" (HIAG). Diese Vereinigung, der etwa 100 Mitglieder angeh\u00f6ren, wird seit 1979 von Hans MEZGER, 103 Leinzeil, geleitet. Dieser hatte 1977 bereits die rechtsextremi-","stische \"Europ\u00e4ische Kameradschaft ehemaliger Soldaten\" (EKS) gegr\u00fcndet, deren Angeh\u00f6rige heute weitgehend der HIAG-Kreisgemeinschaft Ostalb als ordentliche oder f\u00f6rdernde Mitglieder angeh\u00f6ren. Der als zweiter Landessprecher auch dem Vorstand des HIAG-Landesverbandes Baden-W\u00fcrttemberg angeh\u00f6rende MEZGER bekennt sich in seinen Publikationen immer offener zu rechtsextremem Gedankengut. In den von ihm herausgegebenen \"Informations-Briefen\" und \"Rundschreiben\" der HIAG-Kreisgemeinschaft Ostalb leugnet oder verharmlost er die NS-Verbrechen: So bezeichnet er die T\u00f6tung von 6 Millionen Juden durch das NS-Regime als \"Massenvernichtungsl\u00fcge\" oder \"von Zionisten ausgeheckten Millionenschwindel\". Bei seinen diesbez\u00fcglichen \u00c4u\u00dferungen beruft er sich im wesentlichen auf Behauptungen in rechtsextremistischen Publikationen, wie sie etwa \"Der Jahrhundertbetrug\" und \"Die Auschwitz-L\u00fcge\" darstellen. Im \"Informations-Brief\", Ausgabe: Juli 1980, wird in einem Beitrag mit der \u00dcberschrift \"Der Zionsadler symbolisiert die Publikation der Kreisgemeinschaft Ostalb des \"Bundesverbandes der Jnformotions-\u00d6rfef Soldaten der ehemaligen Waffen-SSe. V.\"(HIAG). Ausgabe: , J J1 \u00dfreiagcmcinfdjnft Oftal\u00fc Der Zionsadler symbolisiert die totale Unterwerfung der Bundesrepublik unter die zionistische Diktatur! 104","totale Unterwerfung der Bundesrepublik unter die zionistische Diktatur\" in besonders \u00fcbler Weise Hetze gegen unser Staatswesen betrieben. In dem Pamphlet, dem die Darstellung des von einem Davidstern symbolhaft umschlossenen Bundesadlers vorangestellt ist, hei\u00dft es unter anderem: Das Symbol des Deutschen Reiches, seiner Einheit, Kraft und Gr\u00f6\u00dfe war der Reichsadler. Die alte Vorlage dieses Symbols findet man noch auf dem geltenden EIN-MARK-St\u00fcck. Sehen wir uns aber das ZWEI-MARK-St\u00fcck an, dann stellen wir fest, da\u00df es sich etwas ge\u00e4ndert hat, und wer h\u00e4tte das geahnt? Das sechsgeeckte BRD-Symbol, der Zionsadler, ist unsichtbar im ,Magen Davids' gefangen wie eine Fliege im Spinnennetz. Das (j\u00fcdisch-)zionistische Symbol von Macht und Herrschaft, der Sechsstern, Davidstern, Zionstern oder .Magen Davids' bleibt unsichtbar...\" Die bildliche Darstellung, die \u00dcberschrift des Artikels sowie Textteile entnahm MEZGER einer Schrift, die der als Verfasser rechtsextremistischer B\u00fccher wie \"Die Endl\u00f6sung der Judenfrage\" bekannte Journalist Wolf Dieter ROTHE, Frankfurt/Main, unter dem Titel \"Volksbewegung gegen antideutsche Greuell\u00fcgen\" verfa\u00dft und verbreitet hat. 6. Rechtsextremistische Publizistik Die Bedeutung der rechtsextremistischen Publizistik wird mitbestimmt durch ihren Einflu\u00df auf solche Kr\u00e4fte, die sich - ohne Rechtsextremisten zu sein - durch die Tendenz dieser Art von Schrifttum best\u00e4tigt sehen und dadurch f\u00fcr rechtsextremistisches Gedankengut mehr und mehr anf\u00e4llig werden. Eine nicht zu untersch\u00e4tzende Rolle spielen dabei die parteiund organisationsunabh\u00e4ngigen Druckerzeugnisse, die von sogenannten freien Verlagen herausgegeben, teilweise auch von entsprechenden Buchdiensten verbreitet werden. Eine der in diesem Sinne einflu\u00dfreichsten Zeitungen ist die \"Deutsche National-Zeitung\" (DNZ), die zusammen mit dem Organ der DVU, dem \"Deutschen Anzeiger\" (DA), in der \"DSZDruckschriftenund Zeitungsverlag GmbH\", M\u00fcnchen, erscheint. F\u00fcr die beiden Zeitungen, die zusammen eine Wochenauflage von \u00fcber 100 000 Exemplaren erreichen, zeichnet Dr. Gerhard FREY, M\u00fcnchen, als Herausgeber und Chefredakteur verantwortlich. Dagegen hat die \"Deutsche Wochenzeitung\" (DWZ), die in der \"Deutschen Verlagsgesellschaft mbH\" in Rosenheim erscheint, an Resonanz verloren. Die der NPD nahestehende Zeitung hat nur noch eine Auflage von etwa 20 000 Exemplaren. Unter den rechtsextremistischen Monatsschriften sind die von 105 Bernhard C. WINTZEK, Asendorf, herausgegebene Publikation","\"MUT\" (Auflage 10 000) sowie die Zeitschrift \"NATION EUROPA\" (Auflage 9 500), verantwortlich Peter DEHOUST, Coburg, von \u00fcberregionaler Bedeutung. Das Organ der NPD, die monatlich erscheinende \"Deutsche Stimme\", hat trotz der noch immer hohen Auflage von nahezu 100 000 Exemplaren erheblich an Einflu\u00df verloren. Es wird deshalb verst\u00e4rkt an Informationsst\u00e4nden der Partei zu Werbezwecken eingesetzt und kostenlos verteilt. In Baden-W\u00fcrttemberg macht der in T\u00fcbingen ans\u00e4ssige, 1952 zun\u00e4chst als \"Verlag der Deutschen Hochschullehrer-Zeitung\" gegr\u00fcndete \"Grabert Verlag\" in j\u00fcngster Zeit wieder verst\u00e4rkt auf sich aufmerksam. Die von ihm viertelj\u00e4hrlich herausgegebene Zeitschrift \"Deutschland in Geschichte und Gegenwart\" zeigt seit der Bestellung von Wilfried von OVEN, dem ehemaligen Adjutanten und Pressereferenten des NS-Reichsministers f\u00fcr Volksaufkl\u00e4rung und Propaganda Dr. Joseph GOEBBELS, zum Chefredakteur eine aggressiver werdende rechtsextremistische Tendenz. Dies \u00e4u\u00dfert sich insbesondere in Beitr\u00e4gen zum Thema \"NS-Vergangenheit\" und in der mit wissenschaftlichem Anstrich gef\u00fchrten Diskussion \u00fcber die \"Endl\u00f6sung der Judenfrage\". Au\u00dferdem publiziert der Verlag immer h\u00e4ufiger B\u00fccher rechtsextremistischer Autoren und spricht in seinen Werbetexten von der \"L\u00fcge der Alleinschuld Deutschlands am zweiten Weltkrieg\". Mit Beschlu\u00df vom 31. Juli 1980(AzXVI KLS 115/80) hat das Landgericht Stuttgart die Beschlagnahme s\u00e4mtlicher Exemplare des im \"Grabert Verlag\" erschienenen Buches \"Der Auschwitz-Mythos - Legende oder Wirklichkeit?\" (Verfasser: Dr. jur. Wilhelm ST\u00c4GLICH, Seedorf-Kembs/Schleswig-Holstein) sowie der zur Herstellung der Schriften gebrauchten oder bestimmten Vorrichtungen, wie Platten, Formen, Drucks\u00e4tze, Druckst\u00f6cke, Negative oder Matrizen, angeordnet. Durch gezielte Ma\u00dfnahmen der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden konnte die Einfuhr im Ausland in gro\u00dfer Zahl hergestellter neonazistischer Schriften und Pamphlete zwar sp\u00fcrbar gedrosselt, jedoch bisher nicht vollst\u00e4ndig unterbunden werden. Immerhin ist es gelungen, den Empf\u00e4ngerkreis betr\u00e4chtlich einzuengen. 106","III. Aktivit\u00e4ten politisch extremer Ausl\u00e4nder 1. Allgemeiner Oberblick Die weit \u00fcberwiegende Der Anteil der ausl\u00e4ndischen Wohnbev\u00f6lkerung ist in BadenMehrzahl der in BadenW\u00fcrttemberg von 852 000 im Jahre 1979 auf 912 000 (Stand: W\u00fcrttemberg lebenden 30. September 1980) gestiegen. Auch die Zahl extremistischer Ausl\u00e4nder verh\u00e4lt sich Ausl\u00e4ndergruppen hat sich gegen\u00fcber 1979 erh\u00f6ht; diesen ist gesetzestreu. es zugleich gelungen, ihr Mitgliederpotential zu vergr\u00f6\u00dfern. Die Feststellung, da\u00df die weit \u00fcberwiegende Mehrzahl der im Bundesgebiet lebenden Ausl\u00e4nder sich gesetzestreu verh\u00e4lt, bleibt dennoch uneingeschr\u00e4nkt weiterhin g\u00fcltig. Insgesamt sind etwa 1,9% (1979: 1,7%) der in Baden-W\u00fcrttemberg lebenden Ausl\u00e4nder in Vereinigungen mit extremistischer oder terroristischer Zielsetzung organisiert. Mitgliederst\u00e4rke ausl\u00e4ndischer Extremistengruppen in Baden-W\u00fcrttemberg orthodoxNeue Linke/ rechtsMitglieder kommusozialrevoextrem insgesamt nistisch lution\u00e4r 1979 1980 T\u00fcrken 2 700 800 3 500 6 300 7 000 Araber/ Pal\u00e4stinenser 190 460 650 650 Iraner 30 50 120 200 200 Italiener 2 500 1 000 3 700 3 500 Jugoslawen 450 500 450 Griechen 4 750 50 50 2 200 4 850 Spanier 250 250 250 Portugiesen 150 150 150 Sonstige 550 550 14 500 17 600 Von der Zunahme profitierten vor allem die extrem nationalistischen und orthodox-islamischen t\u00fcrkischen Vereinigungen sowie die orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften griechischen Betreuungsorganisationen. Einen - wenn auch geringen - Mitgliederverlust erlitten dagegen die italienischen Rechtsextremisten. Die politisch extremen oder in Ans\u00e4tzen terroristisch gepr\u00e4gten Ausl\u00e4nderorganisationen werden - dies ist seit Jahren erkennbar - sowohl ideologisch als auch in ihrem taktischen Vorgehen von den politischen Verh\u00e4ltnissen in ihren jeweiligen Heimatl\u00e4ndern motiviert. Es f\u00e4llt auf und gibt zur Besorgnis Anla\u00df, da\u00df in neuerer Zeit bei vielen von ihnen eine wachsende Neigung zu 107 aggressivem Aktionismus sichtbar wird. Dies trifft insbesondere","In Baden-W\u00fcrttemberg Zahlenangaben in 1000 lebende Ausl\u00e4nder. Stand: 30. September 1980 Quelle: Ausl\u00e4nderzentralregister f\u00fcr Sozialrevolution\u00e4re und der,.Neuen Linken\" zuzurechnende Gruppierungen zu, findet sich inzwischen aber auch bei einigen extrem nationalistischen und religi\u00f6s-fanatischen Vereinigungen. Hinzu kommt, da\u00df bei vielen Ausl\u00e4nderorganisationen die fr\u00fcher noch weitgehend wirksam gewesene Hemmschwelle vor Verunglimpfungen und Bedrohungen der Bundesrepublik Deutschland sowie vor unsachlicher Kritik an innenund au\u00dfenpolitischen Entscheidungen des Gastlandes heute zunehmend \u00fcberschritten wird. Neben dem zusehends militanteren Auftreten einiger ausl\u00e4ndischer Extremistengruppen bleibt auch k\u00fcnftig zu ber\u00fccksichtigen, da\u00df Gewaltakte von kurzfristig einreisenden \"Komman- d o s \" oder Einzelt\u00e4tern begangen werden k\u00f6nnen. Baden-W\u00fcrttemberg ist zwar 1980 von Anschl\u00e4gen ausl\u00e4ndischer Terroristen verschont geblieben; dennoch ist nicht zu \u00fcbersehen, da\u00df sowohl pal\u00e4stinensische Widerstandsgruppen als auch kurdische und armenische Befreiungsorganisationen, die in letzter Zeit vermehrt durch Terrorakte im Ausland in Erscheinung getreten sind, ernstzunehmende Risiken f\u00fcr die Sicherheit unseres Landes darstellen. Unver\u00e4nderter Schwerpunkt bei der Beobachtung politisch extremer Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern sind die t\u00fcrkischen 108","Aufgliederung der extreSpanier mistischen Ausl\u00e4ndervereinigungen in BadenW\u00fcrttemberg nach Nationalit\u00e4ten und nach politisch-ideologischer Zielsetzung. T\u00fcrken Griechen Jugoslawen Portugiesen orthodoxItaliener Araber/ kommunistisch Pal\u00e4stinenser Iraner Sonstige Neue Linke/ Sozialrevolution\u00e4r rechtsextrem sonstige T\u00fcrkische ExtremistenExtremistengruppen, die sich mit anhaltender Heftigkeit untergruppen weiterhin einander bek\u00e4mpfen. Anla\u00df dieser Auseinandersetzung ist noch Beobachtungsimmer die wenig stabile innenpolitische Situation in der T\u00fcrkei, schwerpunkt. die zu einer starken Polarisierung der beiden extremistischen Fl\u00fcgel am Rande des politischen Spektrums gef\u00fchrt hat. Nahezu spiegelbildlich hat sich diese innert\u00fcrkische Auseinandersetzung auf die im Bundesgebiet lebenden T\u00fcrken (1980 nahezu 1,5 Millionen) \u00fcbertragen. Dabei ist die von linksextremistischen Gruppen seit Jahren unter dem Motto ,,Tod den Grauen W\u00f6lfen\" gef\u00fchrte ,,Antifaschismus-Kampagne\" von wachsender H\u00e4rte gekennzeichnet, was wiederum bei den extremnationalistischen und orthodox-islamischen T\u00fcrken die Bereitschaft zur Anwendung von Gewalt weiter verst\u00e4rkt hat. Die Macht\u00fcbernahme durch die t\u00fcrkische Armee am 12. September 1980 hat die Auseinandersetzung zwischen den rivalisierenden Extremistengruppen zun\u00e4chst etwas in den Hintergrund gedr\u00e4ngt und bei ihnen sehr unterschiedliche Reaktionen ausge109 l\u00f6st. W\u00e4hrend die t\u00fcrkischen Linksextremisten bundesweit mit","Protesten und Demonstrationen an die \u00d6ffentlichkeit traten, hatte selbst die Verhaftung des Vorsitzenden der \"Partei der Nationalen Bewegung\" (MHP), Alparslan T\u00dcRKES, durch die t\u00fcrkischen Milit\u00e4rs bei den rechtsextremistischen Gruppen in der Bundesrepublik Deutschland zun\u00e4chst keine hiergegen gerichteten Aktionen zur Folge. Ihren vorgeblichen Kampf gegen den Faschismus in der T\u00fcrkei und im Gastland f\u00fchren die t\u00fcrkischen Kommunisten aller ideologischen Schattierungen bisher nicht gemeinsam; vielmehr kommt es immer h\u00e4ufiger zu Gewalt zwischen rivalisierenden Organisationen. Die t\u00fcrkischen Linksextremisten werden allerdings in zunehmendem Ma\u00dfe von gleichgesinnten deutschen Gruppierungen unterst\u00fctzt, die hierin eine Chance sehen, ihr schw\u00e4cher gewordenes Potential zumindest f\u00fcr bestimmte Zwecke und Anl\u00e4sse zu vergr\u00f6\u00dfern. Eines von mehreren ErgebMitgliederen twicklung 17600 bei den ausl\u00e4ndischen Extremistengruppen 17000 - 1975-1980. 16000 - 15000 - 14000 -- 13000 - 110","nissen dieser \"Kampfeinheit mit den deutschen Genossen\" d\u00fcrfte sein, da\u00df in letzter Zeit deutsche Beh\u00f6rden, Politiker und demokratische Parteien massiv der Unt\u00e4tigkeit gegen\u00fcber \"faschistischen Organisationen\" beschuldigt werden. Zunehmende Bedeutung erlangen seit einiger Zeit die Aktivit\u00e4ten kurdischer Extremisten. Als Staatsangeh\u00f6rige der verschiedensten L\u00e4nder, so der T\u00fcrkei, des Iran, des Irak, Syriens und der UdSSR, verfolgen die kurdischen Extremisten ein gemeinsames Ziel: die Errichtung eines autonomen Kurdenstaates. Infolgedessen sind auf den jeweiligen Heimatstaat bezogene sonstige Forderungen und Anliegen in der Regel von untergeordneter Bedeutung. Indessen erkl\u00e4rt die Tatsache, da\u00df die Mehrzahl der extremistischen Kurden die t\u00fcrkische Staatsangeh\u00f6rigkeit besitzt und \u00fcberwiegend orthodox-kommunistischen oder marxistisch-leninistischen Organisationen angeh\u00f6rt, ihr h\u00e4ufiges Auftreten bei Protestaktionen t\u00fcrkischer Vereinigungen. Durch Attentate auf Diplomaten sowie durch Sprengstoffanschl\u00e4ge auf t\u00fcrkische Einrichtungen im Inund Ausland versuchen armenische Terroristengruppen in wachsendem Umfang, die t\u00fcrkische Regierung zu zwingen, den in der T\u00fcrkei lebenden Armeniern Unabh\u00e4ngigkeit zu gew\u00e4hren. Insbesondere die junge Generation der in Europa und Amerika im Exil lebenden Armenier glaubt, ihr Recht nur noch durch Gewalt erlangen zu k\u00f6nnen. Ihre besondere Gef\u00e4hrlichkeit liegt in der Brutalit\u00e4t und H\u00e4ufigkeit der Terrorakte, wobei Menschenleben nicht geschont werden. Obwohl die Bundesrepublik Deutschland einer der wichtigsten B\u00fcndnispartner der T\u00fcrkei ist, waren deutsche Einrichtungen im Inund Ausland bisher nicht vorrangiges Ziel armenischer Terroristen. Der einzige armenischen Kommandos zuzuordnende Anschlag im Bundesgebiet, bei dem ein Passant leicht verletzt wurde und Sachschaden in H\u00f6he von DM 50 000,entstand, richtete sich am 27. August 1979 gegen das B\u00fcro der \"Turkish-Airlines\" in Frankfurt/Main. Bei Sprengstoffanschl\u00e4gen am 17. November 1979 in Paris und am 18. Februar 1980 in Rom waren Niederlassungen der \"Lufthansa\" betroffen. Die arabisch-pal\u00e4stinensischen Gruppen konnten ihren ideologischen Einflu\u00df und ihre organisatorische Basis bei ihren Landsleuten im Bundesgebiet nicht weiter festigen. Die zu einem gewissen Stillstand gekommenen Friedensverhandlungen zwischen \u00c4gypten und Israel, die Uneinigkeit der arabischen Staaten, der \"Bruderkrieg\" im Libanon sowie das Ausbleiben finanzieller und sonstiger materieller Hilfe aus den kriegf\u00fchrenden L\u00e4ndern Iran und Irak minderten zunehmend die Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit in den verschiedenen arabischen Vereinen. Hinzu kamen anhaltende interne Auseinandersetzungen um die Person des offiziellen Vertreters der PLO in der Bundesrepublik Deutschland, Dr. AL FRANGI, die im Grunde nur 111 die Richtungsund Machtk\u00e4mpfe im Nahen Osten widerspie-","Publikationen extremistischer pal\u00e4stinensischer Gruppen. geln. Anschl\u00e4ge und erkannte Vorbereitungen hierzu in Westeuropa, von denen unter anderem auch die Bundesrepublik Deutschland ber\u00fchrt war, zeigen allerdings, da\u00df Risiken f\u00fcr die innere Sicherheit, ausgehend von pal\u00e4stinensischen Terroristen, weiterhin nicht ausgeschlossen werden k\u00f6nnen. Im Bereich der vor allem von Studenten getragenen iranischen Vereinigungen begannen sich Anh\u00e4nger und Gegner des KHOMEINI-Regimes zu formieren. W\u00e4hrend die Bef\u00fcrworter einer demokratischen, westlich gepr\u00e4gten Regierungsform im Iran sich offenbar um den ehemaligen Ministerpr\u00e4sidenten Dr. Shapur BAKHTIAR sammeln, vertritt die islamisch-nationalistische \"Union der Islamischen Studentenvereine in Europa\" (UISA) die Politik der derzeitigen iranischen Regierung und ist deren Sprachrohr in der Bundesrepublik Deutschland. Sie konnte freilich ihr Ziel, die politisch in unterschiedlichste Richtungen laufende Entwicklung bei den im Bundesgebiet lebenden Iranern zu verhindern, nicht erreichen. Die zur Zeit des Schah-Regimes auch in unserem Lande sehr aktiven und militanten Gruppierungen der \"Conf\u00f6deration Iranischer Studenten-NationalUnion\" (CISNU) haben seit der ,,Islamischen Revolution\" sichtbar an Bedeutung verloren. 112","Die kroatische Emigration ist derzeit durch die Existenz zweier sowohl in ideologischer als auch in taktischer Hinsicht sich kontr\u00e4r gegen\u00fcberstehender Lager gekennzeichnet. Die national-konservative Gruppe der sogenannten \"Altemigranten\", die als extrem nationalistisch einzuordnen ist, lehnt angeblich jede Gewaltanwendung ab und will ihrem Ziel, der Errichtung eines freien und unabh\u00e4ngigen Staates Kroatien, auf dem Verhandlungswege n\u00e4herkommen. Die zweite Gruppe, in der sich vor allem jene Kroaten zusammenfinden, die einen national-kommunistischen Kurs verfolgen und dem sogenannten \"Kroatischen Fr\u00fchling\" zuzurechnen sind, will das gleiche Ziel mit Gewalt, notfalls auch mit Unterst\u00fctzung der Sowjetunion, zu deren F\u00fchrung sie eigenen Behauptungen zufolge gute Verbindungen unterh\u00e4lt, erreichen. Im Mittelpunkt des Interesses stand 1980 die Frage, wie sich die exilkroatischen Extremisten nach dem Ableben des jugoslawischen Staatspr\u00e4sidenten TITO am 4. Mai 1980 verhalten werden. Die f\u00fcr diesen Zeitpunkt seit langem angek\u00fcndigten Aktionen gegen Staat und Partei Jugoslawiens sind indes ausgeblieben. 2. T\u00fcrken Der seit Jahren anhaltende Zustrom t\u00fcrkischer Staatsangeh\u00f6riger in unser Land hat sich fortgesetzt; in Baden-W\u00fcrttemberg lebten am 30. September 1980 254 000 T\u00fcrken, 1979 waren es noch 216 000. W\u00e4hrend sich auch bei dieser Ausl\u00e4ndergruppe die weit \u00fcberwiegende Mehrzahl an Recht und Gesetz des Gastlandes h\u00e4lt, sind jedoch immerhin knapp drei Prozent in extremistischen Gruppierungen organisiert. Die seit langem anhaltenden ernsten innerpolitischen Konflikte und Schwierigkeiten der T\u00fcrkei, die auch von den seit dem 12. September 1980 die Macht aus\u00fcbenden Milit\u00e4rs nicht beseitigt werden konnten, lassen in Verbindung mit fanatischem, religi\u00f6sem und ideologischem Sendungsbewu\u00dftsein die Aggressivit\u00e4t in der Auseinandersetzung zwischen den verfeindeten politischen Lagern weiter wachsen. Dies wird belegt durch eindeutige und unmi\u00dfverst\u00e4ndliche \u00f6ffentliche Aufrufe in den Publikationen extremistischer Gruppen. So formuliert etwa eine linksextremistische t\u00fcrkische Zeitung: \"Unsere Partei ruft alle Revolution\u00e4re auf, die nachfolgend namentlich aufgef\u00fchrten Faschisten aus L\u00f6chern, in denen sie sich befinden, herauszuholen. Wir rufen alle Revolution\u00e4re auf, die diese Volksfeinde kennen, sehen oder wissen, wo sie sich befinden: T\u00f6tet diese Volksfeinde, wo ihr sie seht. Wir rufen das ganze werkt\u00e4tige Volk auf, mobilisiert euch, damit die Todesstrafe, die diese Volksfeinde verdienen, durchgef\u00fchrt werden kann!\" Im Flugblatt einer rechtsextremistischen Gruppe gegen die 113 \"roten Knechte Moskaus\" ist andererseits zu lesen:","\"Der Tag wird kommen, an dem unsere F\u00e4uste mit Groll und Ha\u00df wie ein Schmiedehammer auf ihre K\u00f6pfe einschlagen werden. Der Tag der Rache wird kommen, dann werden wir ihnen zeigen, wie Blut gegen Blut, Zahn gegen Zahn und Auge gegen Auge gek\u00e4mpft wird. Unser Kampf wird bis zum letzten Atemzug weitergehen und zum Sieg f\u00fchren.\" Solche \u00c4u\u00dferungen verst\u00e4rken die Polarisierung zwischen den sich unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcberstehenden Lagern t\u00fcrkischer Extremisten. Die nachstehende Zusammenstellung von Ausschreitungen (vgl. unten Ziff. 2.5) zeigt deutlich die Zunahme und Versch\u00e4rfung der gewaltt\u00e4tig ausgetragenen Konflikte allein im Jahre 1980. Die Bundesrepublik Deutschland, ihre Institutionen und die demokratischen Parteien sind vor allem seitens der Organisationen der t\u00fcrkischen \"Neuen Linken\", die zumeist proalbanisch orientiert sind, ein Schwerpunkt der Agitation. So wird behauptet, \"der westdeutsche Imperialismus\" sei \"Quelle der Vorbereitung und Aus\u00fcbung des Faschismus\", w\u00e4hrend Ma\u00dfnahmen insbesondere der Sicherheitsbeh\u00f6rden \u00f6ffentlich als \"faschistischer Terror\" gebrandmarkt werden. Sich selbst bezeichnen die t\u00fcrkischen Linksextremisten als \"Vollstrecker legitimer Volksinteressen\". Zur Verbreitung ihrer politisch extremen Ziele bedienen sich die t\u00fcrkischen Linksund Rechtsextremisten vielf\u00e4ltiger Mittel der Propaganda und der Indoktrination. Mit als Folkloreund Kulturveranstaltungen getarnten Versammlungen, mit Demonstrationen, Hungerstreiks, Flugblattaktionen und Farbschmierereien versuchen sie, Landsleute f\u00fcr ihre Absichten zu gewinnen. 2.1 Orthodox-kommunistische t\u00fcrkische Organisationen Die von der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei\" (TKP) (seit FIDEF - von der \"T\u00fcrki1922 in der T\u00fcrkei verboten, Exilsitz: Ost-Berlin) im Jahr 1977 schen Kommunistigegr\u00fcndete \"F\u00f6deration der T\u00fcrkischen Arbeitervereine in schen Partei\" mit Sitz in der Bundesrepublik Deutschland e. V.\" (FIDEF) ist unter den Ost-Berlin gegr\u00fcndete orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften BetreuungsorganisatioBetreuungsnen mit etwa 18 400 Mitgliedern die bei weitem st\u00e4rkste organisation. Gruppierung. Mit gro\u00dfem Nachdruck verlangt die FIDEF in zahlreichen Flugbl\u00e4ttern und Zeitungsartikeln von der Bundesregierung ein \"Verbot der faschistischen T\u00fcrkf\u00f6deration\" und der \"Grauen W\u00f6lfe\". Weiter fordert sie ultimativ, die umfangreiche deutsche \"T\u00fcrkeihilfe zu stoppen\" und umgehend den Visumzwang f\u00fcr t\u00fcrkische Staatsangeh\u00f6rige, der eine \"kollektive Diskriminierung der T\u00fcrken darstellt\", aufzuheben. Unverbl\u00fcmt tritt die FIDEF f\u00fcr die \"Solidarit\u00e4t mit der TKP\" ein, weil die Kommunisten die Grundlage geschaffen h\u00e4tten, auf der sich die \"gleichberechtigte und freiwillige Zusammenarbeit der t\u00fcrkischen und der kurdischen Werkt\u00e4tigen in den Gewerkschaften, in den anderen Organisationen und nicht zuletzt auch in der FIDEF entwickelt\". Als eine ihrer wichtigsten Aufgaben bezeich114","net die FIDEF die Sammlung von Geldspenden zur Finanzierung ihrer \"vielf\u00e4ltigen Aktivit\u00e4ten in sozialen und kulturellen Bereichen sowie f\u00fcr den st\u00e4ndigen Einsatz gegen die faschistische Gefahr\". 2.2 T\u00fcrkische Organisationen der \"Neuen Linken\" T\u00fcrkische Gruppen der Ungeachtet der tiefgreifenden ideologischen Differenzen inner\"Neuen Linken\" suchen halb der t\u00fcrkischen \"Neuen Linken\" besteht weitgehende gewaltsame Auseinan\u00dcbereinstimmung in dem Hauptziel der gewaltsamen Beseitidersetzung mit dem gung der bestehenden Staatsform in der T\u00fcrkei und der Errichpolitischen Gegner. tung der \"Diktatur des Proletariats\". Zu den mitgliederst\u00e4rksten Organisationen z\u00e4hlen die von der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/ML) beeinflu\u00dften Vereinigungen \"F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e. V.\" (ATIF), die \"Studentenf\u00f6deration der T\u00fcrkei in Deutschland e. V.\" (AT\u00d6F) und die \"Konf\u00f6deration der Studenten aus der T\u00fcrkei/Ausland\" (T\u00d6K-YD). Plakat von Gruppen der t\u00fcrkischen,,Neuen Linken\". DAS ISTT\u00dcRKEI HILFE : WESTDEUTSCHE IMPERIALISTEN UNTERSTUTZEN DEN FASCHISMUS IN DER T\u00dcRKEI und VERFOLGEN ANTIFASCHISTEN AUS DER T\u00dcRKEI IN WESTDEUTSCHLAND KAMPF GEGEN JEGLICHE \"T\u00dcRKEI-HILFE\". SOLIDARIT\u00c4T MIT DEN VERFOLGTEN ANTIFASCHISTEN AUS DER T\u00dcRKEI IN WESTDEUTSCHLAND. 115 i r n / J t t f l f (MITGLIED DER T\u00d6K-YD)","In der \u00d6ffentlichkeit traten Angeh\u00f6rige der TKP/ML und ihrer \"Frontorganisation\", der \"T\u00fcrkischen Arbeiterund Bauern befreiungsarmee\" (TIKKO), 1980 vor allem durch Schmierak tionen wie \"Wir werden die herrschende Klasse abschaffen und die Volksregierung gr\u00fcnden\" \"Der Sieg ist nur mit dem Gewehrlauf zu erreichen\" \"Linke sterben, Linke leiten das Volk zum Krieg, hoch lebe das Volk\" \"Heute sind wir eine Bande, morgen sind wir eine rote Armee, den faschistischen Henkern sind wir eine Drohung\" in Erscheinung. Betroffen waren vor allem Stuttgart, Saulgau, Mannheim, Nagold, Balingen, B\u00f6blingen, Sindelfingen, Her renberg und G\u00f6ppingen. ATIF, AT\u00d6F und T\u00d6K-YD konzentrier ten dagegen ihre Aktivit\u00e4ten vorrangig auf Demonstrationen sowie Plakatund Flugblattaktionen. Dabei prangerten sie vor allem \"die enge Zusammenarbeit des westdeutschen Imperia lismus mit t\u00fcrkischen Faschistenbanden\", die \"reaktion\u00e4ren Ausl\u00e4ndergesetze\" und den \"faschistischen westdeutschen Unterdr\u00fcckungsapparat\" an. Gleichzeitig forderten sie zum \"Kampf gegen jegliche T\u00fcrkei hilfe\" und zur \"Unterst\u00fctzung des Kampfes gegen die Besch\u00fct zer und Ziehv\u00e4ter der Faschisten, die (deutschen) Polizei-, Justizund Verwaltungsorgane\" auf. Diesen Parolen wurde in verschiedenen St\u00e4dten des Bundesge biets durch Hungerstreiks Nachdruck verliehen, wobei t\u00fcrkische Extremisten mehrfach von Angeh\u00f6rigen deutscher linksextre mer Gruppen durch Solidarit\u00e4tsaktionen unterst\u00fctzt wurden. In erh\u00f6htem Ma\u00dfe besorgniserregend war aber das \u00fcber derartige Aktivit\u00e4ten hinausreichende erkennbare Bestreben, die gewalt same Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner, insbe sondere mit den Angeh\u00f6rigen und Sympathisanten der pauschal als \"Graue W\u00f6lfe\" bezeichneten MHP zu suchen. Gemeinsam gegen Publizistischer Kampf die Grauen U)aire linksextremistischer t\u00fcr Toplu olarak Bozkurtlnra karsi kischer Gruppen gegen Mitglieder und Sympathi santen der rechtsextre mistischen ,,Partei der Nationalen Bewegung\" (MHP). W\u00e4hrend die ATIF ihre Aktionen haupts\u00e4chlich in den St\u00e4dten Mannheim, Heilbronn, Stuttgart, Pforzheim, B\u00f6blingen, 116","Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd, Aalen, Ulm und Albstadt durchf\u00fchrte, beschr\u00e4nkten sich AT\u00d6F und T\u00d6K-YD im wesentlichen auf die Agitation an den Universit\u00e4ten Stuttgart und Konstanz. Eine Vielzahl weiterer Gruppen und Zirkel der t\u00fcrkischen \"Neuen Linken\" trat vor allem durch h\u00e4ufige Flugblattverteilung, durch Beteiligung an Demonstrationen mit unterschiedlichen Begr\u00fcn dungen und unter wechselnden Vorw\u00e4nden sowie durch verein zelte Schmieraktionen in Erscheinung. Zu nennen sind hier die \"F\u00f6deration T\u00fcrkischer Volksvereinigungen in Europa\" (HBF), die Auslandsorganisation der \"Arbeiterund Bauernpar tei der T\u00fcrkei\" (TIKP), die im Februar 1980 gegr\u00fcndete \"Revolution\u00e4re Kommunistische Partei der T\u00fcrkei\" (TDKP) mit ihrer Unterorganisation \"HALKIN KURTULUSU\" sowie die neuerdings auftretende \"DEVRIMCI YOL\" - eine Unterorga nisation der \"T\u00fcrkischen Volksbefreiungspartei-Front\" (THKP-C). Publikation der orthodox kommunistischen ,, F\u00f6de ration der Arbeitervereine T\u00dcRKEIHILFE -WOF\u00dcR? aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutsch land\" (KOMKAR). DIE MILLIARDEN DES WESTENS GEGEN DIE V\u00d6LKER DER T\u00dcRKEI ? Berichte und Dokumente 117 KOMKAR-Publikation 5 Juli 19801","2.3 Linksextremistische kurdische Gruppierungen Die orthodox-kommunistische \"F\u00f6deration der Arbeitervereine aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland\" (KOMKAR) mit ihren Mitgliedsvereinen in Mannheim, Stuttgart und Konstanz sowie die ebenfalls moskauorientierten Studentenorganisationen \"Vereinigung der Kurdischen Studenten in Europa\" (KSSE) und \"Vereinigung der Studenten Kurdistans im Ausland\" (AKSA) an den Universit\u00e4ten Mannheim, Heidelberg, Stuttgart, Karlsruhe und Konstanz, machten vor allem mit Spendenaufrufen, Publikationen, Flugbl\u00e4ttern und durch die Teilnahme an Demonstrationen auf sich aufmerksam. Dabei richteten sich ihre Proteste vorrangig gegen die \"Unterdr\u00fcckung der kurdischen Bev\u00f6lkerung\" durch die t\u00fcrkische Regierung; immer h\u00e4ufiger wird aber auch gegen das Gastland, die Bundesrepublik Deutschland, polemisiert. So hei\u00dft es in einem Aufruf der KOMKAR anl\u00e4\u00dflich einer Demonstration in Mannheim: \"Die Bundesrepublik ist zum Tummelplatz t\u00fcrkischer und deutscher Faschisten geworden. Wo rechte Kr\u00e4fte ihre Aktivit\u00e4ten verst\u00e4rken und Berufsverbote an der Tagesordnung sind, ist der Frieden in Gefahr. Wo Strau\u00df die Arbeiterorganisationen und alle fortschrittlichen Organisationen und Personen angreift, wo die ausl\u00e4ndischen Arbeiter nicht gleichberechtigt sind, sind faschistische Angriffspunkte.\" Zu ideologisch gleichgesinnten t\u00fcrkischen Gruppierungen bestehen enge Verbindungen, die sich unter anderem auch darin manifestieren, da\u00df deren Agitationsparolen \u00fcbernommen werden. 2.4 T\u00fcrkische rechtsextremistische und extrem nationalistische Vereinigungen Die in weiten Teilen der \u00d6ffentlichkeit pauschal als \"Graue Zunehmende GewaltW\u00f6lfe\" bezeichneten t\u00fcrkischen Rechtsextremisten, die in ihrer bereitschaft bei extrem Mehrzahl den Mitgliedsverb\u00e4nden der von der extrem nationalinationalistischen stischen \"Partei der Nationalen Bewegung\" (MHP) gesteuerGruppen erkennbar. ten \"F\u00f6deration Demokratischer T\u00fcrkischer Idealistenvereine in Europa\" (AD\u00dcTDF) angeh\u00f6ren, haben ihr Mitgliederpotential weiter verst\u00e4rken k\u00f6nnen. Den drei\u00dfig in der AD\u00dcTDF zusammengeschlossenen sogenannten Idealistenoder Kulturvereinen in Baden-W\u00fcrttemberg geh\u00f6ren inzwischen etwa 3 200 Mitglieder an; daneben sind in unserem Lande etwa 300 T\u00fcrken in f\u00fcnf bislang erkannten, von der fanatischen orthodoxislamischen \"Nationalen Heilspartei\" (MSP) gelenkten Vereinigungen organisiert. W\u00e4hrend bis vor einigen Jahren die Auseinandersetzung mit t\u00fcrkischen Linksextremisten noch meist verbal gef\u00fchrt wurde, nahmen seit dem Jahr 1979 die Gewaltakte zu. Dabei wurden die ausgepr\u00e4gten politischen Gegens\u00e4tze von einem durch die \"Islamische Revolution\" im Iran beeinflu\u00dften, rasch um sich 118","greifenden religi\u00f6s-fanatischen Sendungsbewu\u00dftsein weiter ge steigert, das in Verbindung mit einem kompromi\u00dflosen Antikommunismus die Militanz der nationalistischen Gruppen noch erheblich verst\u00e4rkte. Obwohl die F\u00fchrung der AD\u00dcTDF offenbar aus taktischen Gr\u00fcnden darauf bedacht war, die Vereinsmitglieder zur M\u00e4\u00dfi gung anzuhalten und die direkte gewaltsame Konfrontation mit Anh\u00e4ngern linksextremistischer Organisationen zu vermeiden, kam es dennoch vermehrt - etwa bei Flugblattverteilungen, Demonstrationen und Veranstaltungen, zuweilen aber auch aus offenkundig nichtigem Anla\u00df - zu gewaltt\u00e4tigen Auseinander setzungen mit politischen Gegnern. Die Mitgliederbasis der t\u00fcrkischen rechtsextremen Gruppen ist, wie immer deutlicher erkennbar wird, nicht mehr bereit, Zusammenst\u00f6\u00dfen mit den verha\u00dften \"Kommunisten\" jeglicher Schattierung auszuwei chen. Die betont panislamisch, theokratisch-nationalistisch ausgerichPublikation der rechts extremistischen \" F\u00f6dera tion Demokratischer T\u00fcr kischer Idealistenvereine Vctt\u00e4ilci IIASK1ST in Europa\" (AD\u00dcTDF). BIZ KAVGA ICIN DEGIL, SEVGI ICIN GELDIK L. teten Organisationen, also im wesentlichen die der \"Nationalen Heilspartei \" (MSP) nahestehenden Vereinigungen, nahmen die l\u00e4nder\u00fcbergreifende Tendenz der Reislamisierung und die revo 119 lution\u00e4re Entwicklung im Iran zum Anla\u00df, auch die im Bundesge-","biet bereits bestehenden Gebetsst\u00e4tten und Koranschulen wei ter auszubauen und unter ihren Einflu\u00df zu bringen. Ferner wurden zahlreiche ,,Islamische Vereinigungen\" neu gegr\u00fcndet, deren Mitglieder zumeist strenggl\u00e4ubige Mohammedaner sind, die versuchen, neben der Pflege der religi\u00f6sen Tradition die Zahl der Anh\u00e4nger des Islam zu vergr\u00f6\u00dfern: Diese Zusammen schl\u00fcsse unterliegen h\u00e4ufig einer politisch extremen Beeinflus sung durch MHP und MSP, die in ihnen ein \"nat\u00fcrliches Potential\" f\u00fcr ihre Mitgliedergewinnung erblicken. 2.5 Ausschreitungen unter Beteiligung in Baden-W\u00fcrttem berg ans\u00e4ssiger t\u00fcrkischer Staatsangeh\u00f6riger 19. Januar 1980 T\u00fcrkische Linksextremisten versuchten in Balingen, Agitations material an Landsleute zu verteilen, die jedoch die Entgegen nahme verweigerten. Bei der sich daraufhin entwickelnden Schl\u00e4gerei wurden 2 Personen erheblich verletzt. 3. M\u00e4rz 1980 In Reutlingen wurde der t\u00fcrkische Journalist und Dolmetscher Halil TIRELI ermordet. TIRELI war jahrelang Leiter der rechtsex tremen \"T\u00fcrkischen Gemeinschaftsorganisation Reutlingen e. V.\" und Funktion\u00e4r der MHP. Das Tatmotiv konnte bisher allerdings nicht gekl\u00e4rt werden; es ist nicht auszuschlie\u00dfen, da\u00df politische Motive bei der Tat eine Rolle gespielt haben. 15. M\u00e4rz 1980 Brandanschlag auf das Vereinslokal des \"Nationalen t\u00fcrki schen Kulturvereins in Waiblingen und Umgebung e. V.\", eines Mitgliedsvereins der AD\u00dcTDF. 10. Mai 1980 Demonstration von etwa 1 000 rechtsextremistischen T\u00fcrken in Reutlingen anl\u00e4\u00dflich der Ermordung von Halil TIRELI bei gleich zeitiger Gegendemonstration von etwa 200 Personen, darunter zahlreiche Linksextremisten. 17. Mai 1980 W\u00e4hrend der Demonstration eines Mitgliedsvereins der AD\u00dcTDF in Hamburg ,,gegen den linken Terrorismus\" kam es durch linksextremistische Gegendemonstranten zu Ausschrei tungen gegen Polizeibeamte. Unter anderem wird ein T\u00fcrke aus Konstanz festgenommen. 30. Mai 1980 In Pforzheim gerieten t\u00fcrkische Linksund Rechtsextremisten miteinander in eine t\u00e4tliche Auseinandersetzung, in deren Ver lauf mehrere Personen leicht verletzt werden. 7. Juni 1980 In Mannheim wurden Angeh\u00f6rige einer t\u00fcrkischen rechtsextre mistischen Vereinigung, die Flugbl\u00e4tter verteilten, von etwa 30 Landsleuten t\u00e4tlich angegriffen. Nach polizeilichen Feststellun gen handelte es sich dabei um Mitglieder orthodox-kommuni stisch beeinflu\u00dfter Organisationen, die mit Eisenstangen und anderen Schlagwaffen auf ihre politischen Gegner einschlugen. 120","8. Juni 1980 Zwei Angeh\u00f6rige des linksorientierten \"Demokratisch fortschrittlich gesinnten Patriotenbundes Mannheim\" wurden vor ihrem Vereinslokal von 5 unbekannten T\u00fcrken mit Ketten und anderen Gegenst\u00e4nden niedergeschlagen. Beide mu\u00dften in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Unmittelbar nach dieser Auseinandersetzung formierten sich auf dem Mannheimer Marktplatz etwa 40 T\u00fcrken und bewegten sich im Laufschritt durch die Innenstadt. Innerhalb kurzer Zeit wuchs die Gruppe auf \u00fcber 200 Personen an. Vereinzelt kam es zu Schl\u00e4gereien. Die Polizei nahm 7 R\u00e4delsf\u00fchrer - alle Mitglieder des orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften \"T\u00fcrkischen Arbeiterbunds Mannheim\"vorl\u00e4ufig fest. Nach Aufl\u00f6sung der Spontandemonstration wurden mehrere Hiebund Stichwaffen in M\u00fcllbeh\u00e4ltern und anderen Verstecken aufgefunden, die offensichtlich beim Einschreiten der Polizei von Demonstranten weggeworfen worden waren. 17. Juni 1980 In Augsburg kam es anl\u00e4\u00dflich einer Veranstaltung des t\u00fcrkischen \"Islamischen Kulturvereins\" zu schweren Auseinandersetzungen mit aus den R\u00e4umen N\u00fcrnberg und Ulm angereisten t\u00fcrkischen Linksextremisten. Die Folgen: 11 zum Teil schwerverletzte Anh\u00e4nger des \"Islamischen Kulturvereins\" und \u00fcber 100 Festnahmen. 9. August 1980 In Sigmaringen wurde ein t\u00fcrkischer Staatsangeh\u00f6riger, der sich selbst als Kurde und Sozialist bezeichnet, von einem MHPMitglied mit einem Springmesser schwer verletzt. 24. August 1980 Etwa 100 T\u00fcrken versuchten in Mannheim, eine Versammlung des orthodox-kommunistisch orientierten \"T\u00fcrkischen Arbeiterbundes Mannheim\" zu sprengen. 16 Personen wurden vorl\u00e4ufig festgenommen. 4. September 1980 In Ulm wurden ein t\u00fcrkischer und zwei deutsche Journalisten von T\u00fcrken \u00fcberfallen, als sie versuchten, \u00fcber extrem nationalistische t\u00fcrkische Vereinigungen in Ulm zu recherchieren und Vereinseinrichtungen zu filmen. 6. September 1980 In Mannheim wurde ein T\u00fcrke von mehreren Landsleuten mit einer Holzstange zusammengeschlagen, nachdem er deren Aufforderung, stehenzubleiben, nicht nachgekommen war. In diesem Zusammenhang wurden 5 Personen festgenommen, bei einem von ihnen wird ein Flugblatt der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei/Marxisten-Leninisten\" gefunden. 17. September 1980 T\u00e4tlicher Angriff auf einen T\u00fcrken in Bad Schussenried, der als Vertrauensmann gewerkschaftlich aktiv ist. 17. Oktober 1980 In Mosbach wurde ein T\u00fcrke von zwei Landsleuten t\u00e4tlich 121 angegriffen und dabei im Gesicht verletzt. Er hatte sich gewei-","gert, ein offensichtlich von politisch andersdenkenden T\u00fcrken verteiltes Flugblatt anzunehmen. 18. Oktober 1980 In Ulm verletzten t\u00fcrkische Jugendliche den deutschen Leiter des ,.Zentralen Ulmer Jugendhauses\" mit einem Schlagstock schwer am R\u00fccken. Einige Tage zuvor war gegen T\u00fcrken ein Hausverbot ausgesprochen worden. 31. Oktober 1980 In Mannheim wurde ein T\u00fcrke, Sympathisant des extrem nationalistischen \"T\u00fcrkischen Kulturvereins Mannheim\", von 3 Landsleuten bewu\u00dftlos geschlagen. In seinem Fahrzeug werden eine rechtsextreme Propagandaschrift und ein W\u00fcrgeholz mit Kette sichergestellt. 3. Iraner Als Folge der tiefgreifenden Umw\u00e4lzung im Iran haben im Jahre Kr\u00e4fteverschiebung un1980 die das Regime des Ayatollah KHOMEINI unterst\u00fctzenden ter den extremistischen iranischen Studentengruppen weiter an Bedeutung gewonnen. iranischen StudentenErkl\u00e4rtes Ziel dieser Organisationen ist es, die \"Errungenschafvereinigungen. ten der islamischen Revolution\" zu festigen, die Reste des \"verderblichen westlichen Einflusses\" im Iran vollends zu beseitigen und die europ\u00e4ischen Staaten sowie die USA der Feindschaft gegen\u00fcber der \"Islamischen Republik\" zu \u00fcberf\u00fchren. Sammelbecken dieser Gruppierungen ist die \"Union der Islamischen Studentenvereine in Europa\" (UISA), eine Vereinigung religi\u00f6s-nationalistischer Anh\u00e4nger des Ayatollah KHOMEINI. 1980 f\u00fchrte die UISA bundesweit mehrere Demonstrationen durch und intensivierte ihre publizistische T\u00e4tigkeit. Dabei verteidigte sie ohne jede Einschr\u00e4nkung die Politik KHOMEINIs, richtete heftige Angriffe sowohl gegen die Vereinigten Staaten von Amerika als auch gegen die Bundesrepublik Deutschland und begr\u00fc\u00dfte die Geiselnahme zum Nachteil der amerikanischen Botschaftsangeh\u00f6rigen durch \"revolution\u00e4re Studenten\". In Baden-W\u00fcrttemberg waren - zumeist publizistische -Aktionen der UISA insbesondere in Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe und T\u00fcbingen festzustellen. Obwohl die UISA insgesamt weiter an Einflu\u00df gewonnen hat, gelang es ihr nicht, alle islamisch-nationalistisch ausgerichteten iranischen Gruppen unter ihrem Dach zusammenzuf\u00fchren. Vielmehr zeichnen sich in j\u00fcngster Zeit sogar auseinanderstrebende Tendenzen innerhalb der verschiedenen Organisationen ab. Andererseits zeigen sich erste Ans\u00e4tze einer organisatorischen Konsolidierung oppositioneller Gruppen. Gemeinsam ist ihnen allerdings im wesentlichen nur die strikte Ablehnung der derzeitigen Ordnung im Iran; in ihren dar\u00fcber hinausreichenden Zielvorstellungen unterscheiden sie sich freilich in grunds\u00e4tzlichen Positionen. W\u00e4hrend die ehemaligen Schah-Anh\u00e4nger unter F\u00fchrung des in Frankreich im Exil lebenden Generals OWEISSI sich f\u00fcr die Wiederherstellung der Monarchie einsetzen, sammeln sich die Bef\u00fcrworter einer demokratischen Regie122","rungsform westlicher Pr\u00e4gung um den letzten noch vom Schah eingesetzten Ministerpr\u00e4sidenten Dr. BAKHTIAR. Vernehmlicher melden sich neuerdings auch wieder die eindeutig linksextremistischen Gruppierungen und Zirkel zu Wort: Die vor der iranischen Revolution in der Bundesrepublik Deutschland sehr aktive Dachorganisation linksextremistischer iranischer Studentenvereinigungen, die Sozialrevolution\u00e4re \"Conf\u00f6deration iranischer Studenten-National-Union\" (CISNU), in der \u00fcberwiegend Gruppen der militanten \"Neuen Linken\" zusammengeschlossen sind, hat insgesamt zwar deutlich an Gewicht verloren, schickt sich aber dennoch an, in der \u00d6ffentlichkeit wieder verst\u00e4rkt in Erscheinung zu treten. Die orthodox-kommunistische \"TUDEH-Partei\" des Iran, die von der UISA als \"opportunistische Organisation\" abqualifiziert wird, bekennt sich neuerdings - wohl aus vordergr\u00fcndigtaktischen Beweggr\u00fcnden - zu den politischen Zielen des Ayatollah KHOMEINI, ruft zugleich aber zur Bildung einer \"Einheitsfront gegen den Imperialismus\" auf. Plakataufruf einer linksextremistischen iranischen Studentengruppe. SIVIIKU Der Beginn der neuen, revolution\u00e4ren\" Bewegung des * iranischen V o l k e s - '*** ****\"*\"\" * 123","4. Pal\u00e4stinenser Die pal\u00e4stinensischen Widerstandsorganisationen, allen voran Leichter R\u00fcckgang der die Sozialrevolution\u00e4r-nationalistische \"AL FATAH\", die marxiAktivit\u00e4ten extremististisch-leninistische \"Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" scher pal\u00e4stinensischer (PFLP) und die orthodox-kommunistische \"Demokratische Front Organisationen. f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" (DFLP) sind weiterhin untereinander zerstritten. Diese gegens\u00e4tzlichen Auffassungen spiegeln sich auch bei den im Bundesgebiet t\u00e4tigen pal\u00e4stinensischen Gruppen wider. Insgesamt zeigt sich hier eine Dominanz der Verfechter eines \"harten Kurses\". So wurde bei Versammlungen und Demonstrationen in verschiedenen St\u00e4dten auch unseres Landes wiederholt heftig gegen die Friedensbem\u00fchungen \u00c4gyptens und Israels protestiert. Auf einem vom \"Pal\u00e4stinensischen Studentenverband\" an einigen Universit\u00e4ten Baden-W\u00fcrttembergs verbreiteten Flugblatt wurde unter anderem gefordert: \"Nieder mit dem Camp-David-Abkommen!\" \"Nieder mit dem zionistischen Terror!\" \"Revolution bis zum Sieg\" \"Es lebe der Kampf des pal\u00e4stinensischen Volkes unter der F\u00fchrung der PLO!\" Auf einer \u00f6ffentlichen Veranstaltung zum \"15. Jahrestag der pal\u00e4stinensischen Revolution\" am 19. Januar 1980 in Mannheim rief der inoffizielle Vertreter der PLO beim Bonner B\u00fcro der \"Liga der Arabischen Staaten\" und Leiter der \"Informationsstelle f\u00fcr Pal\u00e4stina\", Dr. AL FRANGI, die Bundesregierung zur \"sofortigen Anerkennung der PLO als alleinige Vertreterin des pal\u00e4stinensischen Volkes\" auf. Dr. AL FRANGI, dessen Position durch seine Wahl zum Mitglied des Revolutionsrates der AL FATAH im Mai 1980 gest\u00e4rkt wurde, setzt sich engagiert f\u00fcr die Aktivierung bestehender und die Gr\u00fcndung weiterer \"Pal\u00e4stinensischer Arbeitervereine\" ein und versucht, seiner politischen Linie dort Geltung zu verschaffen. H\u00e4ufige vereinsinterne Auseinandersetzungen mit teils politischem, teils pers\u00f6nlichem Hintergrund sowie allgemeines Desinteresse der Mitglieder brachten jedoch die Arbeit in mehreren Vereinen seit einiger Zeit fast v\u00f6llig zum Erliegen. Auch der im August 1980 von Dr. AL FRANGI im Namen der PLO an Asylbewerber und sonstige in der Bundesrepublik Deutschland lebende Pal\u00e4stinenser gerichtete Aufruf, in den Nahen Osten zur\u00fcckzukehren, um dort in den Reihen der PLO aktiv f\u00fcr die \"pal\u00e4stinensische Sache\" zu k\u00e4mpfen, fand unter den Angesprochenen lediglich ein geringes Echo. Aus BadenW\u00fcrttemberg sind dem Appell nur wenige gefolgt. Die Ortsgruppen der \"Pal\u00e4stinensischen Arbeiterund Studentenvereine\" sowie der \"Generalunion der Arabischen Studenten in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin\" (GUAS) versuchten deshalb, ihre im Bundesgebiet lebenden arabischen Landsleute neu zu mobilisieren und wieder f\u00fcr 124","das \"gro\u00dfe Ziel\", die \"pal\u00e4stinensische Revolution\", zu begeistern. Der Erfolg dieser Bem\u00fchungen blieb freilich nahezu \u00fcberall bescheiden. Der \"Pal\u00e4stinensische Studentenverband in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin\" (PSV), der sich selbst als \"Basis der pal\u00e4stinensischen Revolution\" bezeichnet, hielt im Mai 1980 in Karlsruhe seinen 4. Regionalkongre\u00df ab. Dabei wurde unter anderem beschlossen: \" . . . Alle Regelungsabkommen und Kapitulationspl\u00e4ne, allen voran das Camp-David-Abkommen, werden abgelehnt und darauf hingewirkt, sie zu Fall zu bringen . . .\" Im Abschlu\u00dfkommunique wurde unmi\u00dfverst\u00e4ndlich festgestellt: \" .. . Unser Kongre\u00df best\u00e4tigt die Strategie des bewaffneten Kampfes und des nationalen Befreiungskrieges gegen das zionistische Wesen, um den gesamten pal\u00e4stinensischen Boden zu befreien und darauf einen demokratischen Staat zu errichten . . . \" Trotz dieser teilweise sehr aggressiven Sprache f\u00fchrender Vertreter der noch im Bundesgebiet agierenden pal\u00e4stinensischen Gruppen sind diese in bezug auf St\u00e4rke und Militanz nicht mehr in gleicher Weise wie noch vor wenigen Jahren aufgetreten. 5. Griechen Verst\u00e4rkte UnterwanVon den in der Bundesrepublik Deutschland organisatorisch derungsbem\u00fchungen vertretenen orthodox-kommunistischen Parteien Griechenlands der orthodox-kommuni(KKE) entfaltete nur die moskauorientierte KKE-Ausland eine stischen KKE-Ausland auch in der \u00d6ffentlichkeit erkennbare politische Aktivit\u00e4t. W\u00e4hbei den griechischen rend die eurokommunistisch ausgerichtete KKE-Inland bestrebt Gemeinden. war, unter den im Bundesgebiet lebenden Griechen neu Fu\u00df zu fassen und die Zahl ihrer Basisorganisationen zu vergr\u00f6\u00dfern, intensivierte die KKE-Ausland ihre Agitation erheblich. Unter anderem forderte sie die Abschaffung des nach ihrer Ansicht \"reaktion\u00e4ren Ausl\u00e4ndergesetzes\". Mit besonderem Nachdruck war sie au\u00dferdem bem\u00fcht, ihren Einflu\u00df auf den \"Verband griechischer Gemeinden in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin\" (OEK) weiter zu verst\u00e4rken. Durch geschicktes Vorgehen gelang es der Partei vor allem, in der Mehrzahl der \u00fcber 60 Mitgliedsvereinigungen des OEK, denen insgesamt etwa 16 000 Personen angeh\u00f6ren, eigene Mitglieder in die F\u00fchrungsgremien w\u00e4hlen zu lassen. In Baden-W\u00fcrttemberg existieren insgesamt 12 griechische Gemeinden mit etwa 4 700 Mitgliedern, die dem Dachverband angeschlossen sind. Sowohl die KKE-Ausland als auch die von ihr gesteuerten 125 griechischen Gemeinden haben in j\u00fcngster Zeit ihre Zusammen-","arbeit mit der \"Deutschen Kommunistischen Partei\" (DKP), der \"deutschen Bruderpartei\", enger gestaltet. Insbesondere auf \u00f6rtlicher Ebene werden vorhandene M\u00f6glichkeiten der praktischen Zusammenarbeit genutzt. Am 10. Mai 1980 veranstalteten mehrere, dem OEK angeschlossene griechische Gemeinden zusammen mit dem \"Verband der Vereine griechischer Eltern und Erziehungsberechtigter in Baden-W\u00fcrttemberg e. V.\" in Stuttgart eine Demonstration, an der nahezu 10 000 Personen teilnahmen. In einem in griechischer Sprache verfa\u00dften und anl\u00e4\u00dflich der Demonstration verteilten Flugblatt wurden die in unserem Lande lebenden griechischen Eltern aufgefordert, sich f\u00fcr den \"gerechten Kampf\" gegen eine Integration ihrer Kinder in den deutschen Schulen und gegen die \"schlechte Behandlung\" durch deutsche Beh\u00f6rden zur Wehr zu setzen. W\u00e4hrend bei der \"Kommunistischen Partei Griechenlands/ Marxisten-Leninisten\" (KKE-ML) eine politische Bet\u00e4tigung in j\u00fcngerer Zeit nicht mehr feststellbar war, ist die nach einer Flugblatt der,,Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei Griechenlands\" (ML-KKE). 126","weiteren Spaltung neugeordnete \"Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei Griechenlands\" (ML-KKE) immerhin durch vereinzelte Flugblattund Plakatklebeaktionen in einigen St\u00e4dten des Regierungsbezirks T\u00fcbingen \u00f6ffentlich in Erscheinung getreten. Auch die rechtsextremistische \"Fortschrittliche Vereinigung der Griechen in Deutschland\" (PEEG) hat 1980 kaum mehr Aktivit\u00e4ten entfaltet. Ein gemeinsam mit dem italienischen rechtsextremen \"Komitee f\u00fcr Italiener in der Bundesrepublik Deutschland e. V.\" (CTIM) verfa\u00dftes Flugblatt gegen den Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan dokumentierte jedoch erneut den Versuch, miteinander zusammenzuarbeiten. 6. Italiener Italienische LinksextreDie italienischen linksextremistischen Gruppierungen vermochmisten stagnieren - ten 1980 kaum mehr nennenswerte Aktivit\u00e4ten zu entfalten. Die Rechtsextremisten ver\"Kommunistische Partei Italiens\" (PCI) unternahm zwar erlieren an Einflu\u00df. hebliche Anstrengungen, um neue Mitglieder unter den im Bundesgebiet lebenden Italienern zu gewinnen; Erfolge blieben jedoch weitgehend aus. In einigen Gebieten mu\u00dfte sie sogar leichte Mitgliederverluste hinnehmen. Bundesweit sind gegenw\u00e4rtig noch etwas mehr als 4 000 Personen in der PCI organisiert. Versuche, ihre personelle Basis durch \u00dcbertritte aus der von ihr beeinflu\u00dften mitgliederstarken Betreuungsorganisation \"Italienischer Verband der Gastarbeiter und ihrer Familien\" (FILEF) zu erg\u00e4nzen und zu st\u00e4rken, gingen ebenfalls ins Leere. Das seit Jahren durch publizistische Aktivit\u00e4ten ein gewisses Interesse auf sich ziehende rechtsextreme \"Komitee f\u00fcr Italiener in der Bundesrepublik Deutschland e. V.\" (CTIM) konnte den Ausbau seiner Organisation nicht weiter vorantreiben. Nahezu \u00fcberall gingen die Mitgliederzahlen vielmehr sp\u00fcrbar zur\u00fcck: Im Bundesgebiet sind inzwischen noch knapp 3 000 Personen (1979: 3 500) im CTIM aktiv. Baden-W\u00fcrttemberg ist unver\u00e4ndert regionaler Schwerpunkt der T\u00e4tigkeit des \"Komitees\": Stuttgart ist nicht nur Sitz der von Bruno ZORATTO als Generalsekret\u00e4r geleiteten Zentrale der Organisation; hier erscheint auch das in einer Auflage von 15 000 Exemplaren verbreitete Organ \"OLTRECONFINE\". 7. Jugoslawen Spaltung der extremiBei den im Bundesgebiet aktiven Gruppen von Exiljugoslawen, stischen Exilkroaten. von denen sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen ausgehen, handelt es sich nahezu ausschlie\u00dflich um kroatische Vereinigungen, die unbeirrt an ihrem Ziel, der Wiederherstellung eines selbst\u00e4ndigen Staates Kroatien, festhalten. Obwohl der eindeutige Schwerpunkt der Aktivit\u00e4t militanter kroatischer Gruppierungen im Ausland - vor allem in Australien, Schweden, Kanada und den USAliegt, ist auch die Bundesre127 publik Deutschland unver\u00e4ndert Operationsfeld dieser Extremi-","sten. Allerdings ist es dem wichtigsten Dachverband kroatischer Emigrantenvereinigungen, dem \"Kroatischen Nationalrat\" (HNV), nicht mehr gelungen, seit langem schwelende pers\u00f6nliche und ideologische Gegens\u00e4tze innerhalb der eigenen Reihen zu \u00fcberwinden. Offensichtlich bestanden un\u00fcberbr\u00fcckbare Spannungen zwischen den strikt antikommunistisch eingestellten ,,Altemigranten\" und den linksorientierten Exilkroaten, die im wesentlichen von den Anh\u00e4ngern des \"Kroatischen Fr\u00fchlings\" - einer oppositionellen kommunistischen Bewegung in Jugoslawien Anfang der siebziger Jahre - repr\u00e4sentiert werden. Sie f\u00fchrten schlie\u00dflich Anfang 1980 faktisch zum Auseinanderbrechen des HNV: Zwar geh\u00f6ren die Vertreter des ,,Kroatischen Fr\u00fchlings\" offiziell noch dem Dachverband an; indes gr\u00fcndeten sie im M\u00e4rz 1980 in Schweden das \"Koordinationszentrum im Ausland lebender Kroaten\" (KCAK), dessen Sprachrohr die Zeitschrift \"HRVATSKI LIST\" ist. Darin k\u00fcndigte die Organisation bereits mehrfach an, ihr Ziel, den Vielv\u00f6lkerstaat Jugoslawien mit allen Mitteln zu zerschlagen und notfalls auch mit Unterst\u00fctzung der Sowjetunion ein \"Vereinigtes Kroatien\" zu errichten, unbeirrt weiterverfolgen zu wollen. Die F\u00fchrungspositionen im Rumpfverband HNV sind nach dem Ausscheren des linken Fl\u00fcgels zwischenzeitlich alle mit konservativ orientierten Exilkroaten besetzt worden. Die seit Jahren von allen kroatischen Extremistengruppen f\u00fcr die Zeit nach dem Tode des Staatspr\u00e4sidenten TITO angek\u00fcndigten Aktionen mit der erkl\u00e4rten Absicht, den jugoslawischen Staatsverband zu sprengen, sind weitgehend unterblieben. Die im Bundesgebiet operierenden Vereinigungen versuchten, dies durch eine gesteigerte Agitation gegen das Herkunftsland und durch vereinzelte Anschl\u00e4ge auf seine Einrichtungen im Ausland zu kompensieren. So kam es in Baden-W\u00fcrttemberg, das 1980 im Gegensatz zu fr\u00fcheren Jahren kein Schwerpunktbereich exilkroatischer Aktivit\u00e4ten war, am 8. November 1980 zu Sprengstoffanschl\u00e4gen gegen R\u00e4umlichkeiten jugoslawischer Vereine in Villingen-Schwenningen und Furtwangen, bei denen Sachschaden entstand. Der sp\u00fcrbare R\u00fcckgang gewaltt\u00e4tiger Ausschreitungen kroatischer Extremisten in Baden-W\u00fcrttemberg d\u00fcrfte nicht zuletzt darauf beruhen, da\u00df die Sicherheitsund Strafverfolgungsbeh\u00f6rden sowie die Gerichte des Landes in den zur\u00fcckliegenden Jahren energisch gegen die von kroatischen militanten Gruppen propagierten und mehrfach auch durchgef\u00fchrten Terroraktionen eingeschritten sind. So verurteilte etwa das Oberlandesgericht Stuttgart am 9. Oktober 1980 den kroatischen Extremisten Pero SEKERKO unter anderem wegen zweier Verbrechen des versuchten Mordes, der schweren und versuchten Brandstiftung sowie gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von 9 Jahren. Das Gericht sah es als erwiesen an, da\u00df SEKERKO in der Zeit von April 1978 bis Februar 1979 Pistolenund Brandanschl\u00e4ge auf jugoslawische Einrichtungen in Baden-W\u00fcrttemberg ver\u00fcbt und dabei in mehreren F\u00e4llen die T\u00f6tung argund wehrloser Menschen billigend in Kauf genommen hatte. 128","IV. Zur Situation auf dem Gebiet der Spionagebek\u00e4mpfung 1. Allgemeiner \u00dcberblick DDR-NachrichtenDie Nachrichtendienste des kommunistischen Machtbereiches dienste nach w i e vor waren 1980 in besonderem Ma\u00dfe bem\u00fcht, die nach dem Haupttr\u00e4ger der Aus\u00dcbertritt des ehemaligen hauptamtlichen Mitarbeiters des Minisp\u00e4hungsbem\u00fchungen. steriums f\u00fcr Staatssicherheit (MfS) der DDR, Oberleutnant Werner STILLER, eingetretenen R\u00fcckschl\u00e4ge durch verst\u00e4rkte geheimdienstliche Aktivit\u00e4ten wieder auszugleichen. Dies l\u00e4\u00dft sich erkennen an der im Vergleich zum Vorjahr erheblichen Zunahme der Zahl - der Werbungsversuche durch Angeh\u00f6rige der Nachrichtendienste des kommunistischen Machtbereiches (Zunahme um 50%) - derjenigen Personen, die von sich aus bereit waren, Kontakte zu einem gegnerischen Nachrichtendienst zu offenbaren (Zunahme um 19%) Erkannte Auftr\u00e4ge gegen BadenW\u00fcrttemberg Durch Nachrichtendienste Zeitraum 1970-1980. 78,3% sachliche Zielrichtung 7,2% DDR CSSR Polen UdSSR Rum\u00e4nien JugoBulUngarn slawien garien 129","- der erkannten Kontakte von Personen zu einem Nachrichtendienst des kommunistischen Machtbereiches (Zunahme um 22%). Im Gegensatz zu dieser Entwicklung h\u00e4lt der bereits 1979 festzustellende R\u00fcckgang der bei den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden anfallenden allgemeinen Verdachtshinweise an. Ein Vergleich der Intensit\u00e4t der Spionaget\u00e4tigkeit der OstblockNachrichtendienste gegen unser Bundesland l\u00e4\u00dft erkennen, da\u00df die DDR-Dienste noch immer die Haupttr\u00e4ger aller Aussp\u00e4hungsbem\u00fchungen sind. Auff\u00e4llig ist jedoch, da\u00df im Jahre 1980 der Anteil der erkannten, durch Nachrichtendienste der DDR erteilten Auftr\u00e4ge deutlich zur\u00fcckgegangen ist: Nachdem er 1979 noch 84% betragen hatte, reduzierte er sich nun auf rund 68%. Daf\u00fcr intensivierten die Dienste der CSSR, Polens und der Sowjetunion ihre T\u00e4tigkeit. Erkannte Auftr\u00e4ge gegen Durch Nachrichtendienste BadenW\u00fcrttemberg 67,7% im Jahr 1980 sachliche Zielrichtung DDR CSSR Polen UdSSR Rum\u00e4nien JugoBulslawien garien Das sachliche Schwergewicht der erkannten Aussp\u00e4hungsbem\u00fchungen der Nachrichtendienste des kommunistischen Machtbereiches lag 1980 in Baden-W\u00fcrttemberg erstmals wieder seit 1975 mit knapp 30% bei der politischen Spionage, gefolgt von der milit\u00e4rischen Spionage mit etwa 25% und der Wirtschaftsspionage mit nahezu 20%. Die \u00fcbrigen Auftr\u00e4ge waren vorbereitender und unterst\u00fctzender Art. In den einzelnen Bereichen konzentrierte sich die Spionaget\u00e4tigkeit der gegnerischen Dienste auf folgende Schwerpunkte: 130","Politik - Parteien - Verwaltungsbeh\u00f6rden - Ostemigration Milit\u00e4r - Bundeswehr - NATO-Dienststellen Wirtschaft - Forschungseinrichtungen - Energieversorgungsunternehmen - Datenverarbeitung Die Zusammenarbeit der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden mit den im Blickfeld gegnerischer Nachrichtendienste stehenden sicherheitsempfindlichen und deshalb in besonderem Ma\u00dfe aussp\u00e4hungsgef\u00e4hrdeten Beh\u00f6rden, Unternehmen und Institutionen (Zielobjekte) sowie die sonstigen breitgef\u00e4cherten Abwehrma\u00dfnahmen hatten insgesamt zur Folge, da\u00df verst\u00e4rkt nachrichtendienstlich relevante Hinweise und Aufkl\u00e4rungsergebnisse anfielen und da\u00df Ermittlungsverfahren eingeleitet werden konnten; au\u00dferdem nahm die Zahl der Personen, die Kontakte zu gegnerischen Geheimdiensten einr\u00e4umten, weiter zu. Das Oberlandesgericht Stuttgart verurteilte im Jahre 1980 insgesamt 11 Personen (1979: 2) wegen geheimdienstlicher Agentent\u00e4tigkeit zu Freiheitsstrafen zwischen 4 Monaten und 4 Jahren. In diesen F\u00e4llen konnten die Nachrichtendienste der DDR und der UdSSR in je 5 F\u00e4llen sowie derjenige Bulgariens in einem Fall als Auftraggeber festgestellt werden. 2. Der Umfang der erkannten T\u00e4tigkeit kommunistischer Geheimdienste Werbungsversuche, Werbungen und Auftr\u00e4ge sind operative Spionageaktivit\u00e4ten; sie verdeutlichen die von fremden Nachrichtendiensten ausgehende Spionagebedrohung. Erkenntnisf\u00e4lle schlie\u00dfen die gegen die Bundesrepublik Deutschland gerichtete nachrichtendienstliche T\u00e4tigkeit ein, ber\u00fccksichtigen dar\u00fcber hinaus aber auch Verbindungen zu gegnerischen Nachrichtendiensten, bei denen es weder zu Werbungen noch zur 131 Erteilung von Auftr\u00e4gen gekommen ist.","2.1 Werbungen und Werbungsversuche 1980 Nachrichtendienste erkannter Anteil in Prozent DDR 73,6 (81) CSSR 9,7 ( 9) UdSSR 8,3 ( 6) Polen - ( 2) Jugoslawien 2,8 ( 2) Rum\u00e4nien 2,8 ( - ) Bulgarien 1,4 ( - ) Ungarn 1,4 ( - ) 2.2 Auftr\u00e4ge Nachrichtendienste erkannter Anteil in Prozent DDR 67,7 (84,0) CSSR 11,5 ( 7,0) UdSSR 8,5 ( 3,0) Polen 8,5 ( 2,0) Rum\u00e4nien 2,4 ( 1,5) Ungarn - ( 1,5) Jugoslawien 0,7 ( 1,0) Bulgarien 0,7 ( - ) 2.3 Erkenntnisf\u00e4lle 1980 Nachrichtendienste erkannter Anteil in Prozent DDR 46,5 (41) Rum\u00e4nien 25,2 (29) CSSR 12,4 (10) Polen 7,3 (10) UdSSR 4,1 ( 7) Ungarn 1,6 ( 2) Jugoslawien 1,6 ( D Bulgarien 1,3 ( - ) ( ) Zahlen des Vorjahres 3. Werbung von Agenten 3.1 Kontaktanl\u00e4sse Werbungsmethoden der gegnerischen NachDie gegnerischen Nachrichtendienste nutzen f\u00fcr eine Anbahrichtendienste nur unnung vorwiegend folgende Anl\u00e4sse: wesentlich ver\u00e4ndert. a) Aufenthalte von Personen aus der Bundesrepublik Deutschland im kommunistischen Machtbereich (z. B. Verwandtenbesuche, Messeund sonstige Gesch\u00e4ftsaufenthalte), b) Antr\u00e4ge von Bewohnern kommunistischer Staaten auf Obersiedlung in die Bundesrepublik Deutschland, c) Stellengesuche in \u00fcberregionalen Tageszeitungen der Bundesrepublik Deutschland. 132","3.2 Kontaktaufnahme Bei Reisen in Staaten des ,,sozialistischen Lagers\" bleibt den jeweiligen Nachrichtendiensten vor der Einreise von Besuchern noch ausreichend Zeit, um anhand der eingereichten Antr\u00e4ge auf Aufenthaltsgenehmigung die f\u00fcr ihre Zwecke interessanten und geeignet erscheinenden Personen auszuw\u00e4hlen. Die zu verwendenden Antragsformulare enthalten Fragen nach allen f\u00fcr die Kontaktierung wichtigen Daten des Einreisewilligen. W\u00e4hrend eines Aufenthaltes von B\u00fcrgern der Bundesrepublik Deutschland im Ostblock erfolgen die Kontaktaufnahmen durch die dortigen Dienste grunds\u00e4tzlich in Form pers\u00f6nlicher Gespr\u00e4che, die teils unter Offenlegung, teils auch unter Verschleierung der wirklichen Absichten gef\u00fchrt werden. Bei den Personen, die au\u00dferhalb des kommunistischen Machtbereiches angesprochen werden sollen, wird der erste nachrichtendienstliche Kontakt immer h\u00e4ufiger auf brieflichem oder telefonischem Wege gesucht. 3.3 Zielpersonen Die kommunistischen Nachrichtendienste zeigen weiterhin besonderes Interesse an Personen, die aufgrund ihrer Ausbildung, ihres T\u00e4tigkeitsgebietes oder ihrer gesellschaftlichen Position Zugang zu nachrichtendienstlich bedeutsamen Erkenntnissen haben oder erhalten k\u00f6nnten. Zielpersonen waren 1980 insbesondere Angeh\u00f6rige des \u00f6ffentlichen Dienstes sowie Architekten, Journalisten, Juristen und Wissenschaftler. 3.4 Werbungsmethoden Die in den letzten Jahren angewandten Werbungsmethoden der gegnerischen Nachrichtendienste, wie - Inaussichtstellen oder Gew\u00e4hren von Vorteilen verschiedenster Art, - Ausnutzung menschlicher Beziehungen oder charakterlicher Schw\u00e4chen, - N\u00f6tigung, - Drohungen und T\u00e4uschungen, haben sich auch 1980 nur unwesentlich ver\u00e4ndert. Die Ansprachen unter \"falscher Flagge\" und unter Legende, wie sie vorwiegend durch die Nachrichtendienste der DDR praktiziert werden, haben zum Ziel, den Angesprochenen \u00fcber den wahren Auftraggeber und die wirkliche Natur der ihm angesonnenen T\u00e4tigkeit zu t\u00e4uschen. Zu diesem Zweck werden bei den Werbungsversuchen die verschiedensten Tarnbezeichnungen, so beispielsweise \"Institut f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit\" \"Institut f\u00fcr Internationale Politik und Wirtschaft\" \"Presseund Informationsb\u00fcro, Bezirk . . .\" 133 \"Unternehmensberatung HINZ und Partner\",","verwendet, die h\u00e4ufig einen Bezug zum jeweiligen T\u00e4tigkeitsgebiet der Zielperson erkennen lassen. 3.5 Hinweise f\u00fcr das Verhalten . . . 3.5.7 . . . vor Antritt einer Reise in den kommunistischen Machtbereich: Grunds\u00e4tzlich bietet sich die M\u00f6glichkeit, vor Antritt einer Reise im Rahmen eines Gespr\u00e4chs mit dem Geheimschutz-/Sicherheitsbeauftragten des Arbeitgebers oder in besonderen F\u00e4llen mit einem Mitarbeiter des Verfassungsschutzes* Informationen \u00fcber die Arbeitsmethoden gegnerischer Nachrichtendienste sowie \u00fcber das zweckm\u00e4\u00dfige eigene Verhalten im Falle einer Ansprache einzuholen. * Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Baden-W\u00fcrttemberg ist unter der Anschrift: ,,7000 Stuttgart 1, Breitscheidstra\u00dfe 4, Geb\u00e4ude 23\", sowie unter der Fernsprechnummer (Vorwahl: 07 11) 29 98 91 erreichbar. 3.5.2 . . . nach R\u00fcckkehr in die Bundesrepublik Deutschland: Der nachrichtendienstliche Hintergrund vieler, oft als \"zuf\u00e4llig\" angesehener Kontakte ist nicht immer eindeutig zu erkennen. Es ist deshalb, nicht zuletzt auch im Interesse des Betroffenen selbst, ratsam, die bereits oben (Ziff. 3.5.1) genannten sachkundigen Stellen alsbald \u00fcber alle erw\u00e4hnenswert erscheinenden Vorg\u00e4nge zu unterrichten, damit eine beabsichtigte, bevorstehende oder bereits versuchte Ansprache entweder erkannt oder zweifelsfrei ausgeschlossen werden kann. Nur auf diesem Wege ist einer nachrichtendienstlichen Verstrickung und ihren Folgen wirksam vorzubeugen. 4. Die F\u00fchrung von Agenten Die Ostblock-Nachrichtendienste setzen neuerdings f\u00fcr ihre Aussp\u00e4hungsbem\u00fchungen in der Bundesrepublik Deutschland im Gegensatz zu fr\u00fcheren Jahren \u00fcberwiegend Einzelagenten ein. Diese werden grunds\u00e4tzlich von ihren Zentralen innerhalb des kommunistischen Machtbereichs gef\u00fchrt. Die Betreuung von Agenten durch \"legale Residenturen\" - d a s sind nachrichtendienstliche St\u00fctzpunkte in amtlichen und halbamtlichen Auslandsvertretungen - ist eine von gegnerischen Diensten in unterschiedlichem Ma\u00dfe praktizierte F\u00fchrungsmethode. Die Enttarnung nachrichtendienstlicher Aktivit\u00e4ten von Angeh\u00f6rigen solcher \"legaler Residenturen\" f\u00fchrt oft zu einer vor\u00fcbergehenden Einschr\u00e4nkung oder gar zu einer zeitweiligen Einstellung der geheimdienstlichen T\u00e4tigkeit dieser F\u00fchrungsstellen. Betreuung und Steuerung der Agenten erfolgen bei pers\u00f6nlichen Treffs durch \"F\u00fchrungsoffiziere\" (dieser Begriff ist nicht im milit\u00e4rischen Sinne zu verstehen), die wiederum eng an ihre 134","jeweilige Zentrale angebunden sind. Der F\u00fchrungsoffizier bedient sich au\u00dfer routinem\u00e4\u00dfiger Kontaktaufnahmen mit seinen Agenten der verschiedensten F\u00fchrungsmittel. Diese sind in erster Linie: - Instrukteure, - Kuriere, - Tote Briefk\u00e4sten. Im Anfangsstadium einer nachrichtendienstlichen Verbindung bevorzugen gegnerische Dienste um ihrer Sicherheit willen zun\u00e4chst im Regelfall Trefforte im eigenen Machtbereich. Mit zunehmendem Vertrauen zu dem neu geworbenen Agenten und falls dieser sich durch Reisen in den Ostblock verd\u00e4chtig machen w\u00fcrde (etwa weil er Geheimnistr\u00e4ger ist), werden Treffs zumeist in das neutrale westliche Ausland verlegt. Ein Treffort im Bundesgebiet wird allgemein erst dann gew\u00e4hlt, wenn sich ein besonders enges Vertrauensverh\u00e4ltnis zwischen den unmittelbar beteiligten Personen entwickelt hat. 5. Einzelf\u00e4lle Beispiele der ArbeitsNachstehend werden, um einen konkreteren Eindruck von der weise gegnerischer Arbeitsweise der kommunistischen Nachrichtendienste zu verNachrichtendienste. mitteln, zwei aktuelle Einzelf\u00e4lle dargestellt: 5.1 Nachrichtendienste der DDR Nach umfangreichen nachrichtendienstlichen Ermittlungen des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz konnte Dr. A. am 5. Juli 1980 durch Beamte des Landeskriminalamtes Baden-W\u00fcrttemberg festgenommen werden. Aufgrund des vorliegenden Beweismaterials sah es das Oberlandesgericht Stuttgart als erwiesen an, da\u00df Dr. A. f\u00fcr das Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit der DDR geheimdienstlich gegen die Bundesrepublik Deutschland t\u00e4tig gewesen war. Er wurde im Dezember 1980 wegen geheimdienstlicher Agentent\u00e4tigkeit zu 2 Jahren und 6 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskr\u00e4ftig. Im Jahre 1978 hielt sich ein B\u00fcrger (B.) der Bundesrepublik Deutschland zu Besuch bei Verwandten in der DDR auf. W\u00e4hrend dieses Aufenthaltes wurde B. von Dr. A. unter Verschleierung der tats\u00e4chlichen nachrichtendienstlichen Absichten aufgesucht. Er versuchte, von B. Ausk\u00fcnfte \u00fcber seine qualifizierte berufliche T\u00e4tigkeit zu erlangen. Erst im Fr\u00fchjahr 1980 nahm Dr. A. bei einem erneuten Besuch des B. in der DDR wieder Kontakt zu diesem auf und bat ihn um technische Unterlagen, die er f\u00fcr seine Dissertation ben\u00f6tige. An den Universit\u00e4ten Bochum und Stuttgart seien diese nicht greifbar gewesen. Nach seiner R\u00fcckkehr beschaffte B. einen Teil der erbetenen Unterlagen und unterrichtete hier\u00fcber Dr. A. Anfang Juli 1980. Wenige Tage sp\u00e4ter suchte dieser B. zu Hause auf und teilte ihm mit, da\u00df er den Doktorgrad bereits erworben 135 habe, indes weiterhin der Unterst\u00fctzung bed\u00fcrfe, um auch","k\u00fcnftig schnell an technisches Informationsmaterial gelangen zu k\u00f6nnen. Unter Hinweis darauf, da\u00df er nicht mehr in die Bundesrepublik Deutschland reisen d\u00fcrfe, lud er B. nach Innsbruck/\u00d6sterreich ein. Dr. A. wurde auf der R\u00fcckfahrt von Stuttgart nach Berlin (Ost) festgenommen. 5.2 Nachrichtendienst der Sozialistischen Republik Rum\u00e4nien Ermittlungen des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz f\u00fchrten am 11. Oktober 1980 zur Festnahme des Agenten C. und dessen F\u00fchrungsoffizier durch Beamte des Landeskriminalamtes Baden-W\u00fcrttemberg. Der F\u00fchrungsoffizier konnte als U., Angeh\u00f6riger einer legalen Residentur der Sozialistischen Republik Rum\u00e4nien identifiziert werden. Aufgrund seines Gest\u00e4ndnisses und des weiter vorliegenden Beweismaterials besteht der dringende Verdacht, da\u00df C. seit dem Jahre 1972 f\u00fcr den rum\u00e4nischen Nachrichtendienst Securitate t\u00e4tig gewesen ist. Die nachrichtendienstliche Anbahnung erfolgte im Zusammenhang mit seiner \u00dcbersiedlung von Rum\u00e4nien in die Bundesrepublik Deutschland. In mehr als 20 Treffs mit verschiedenen F\u00fchrungsoffizieren im neutralen westlichen Ausland und im Bundesgebiet hatte C. von ihm gefordertes Material geliefert und \u00fcber die jeweils gew\u00fcnschten Themenbereiche berichtet. 6. Folgerungen Den verst\u00e4rkten Aktivit\u00e4ten der Nachrichtendienste des kommuVerfassungsschutz: nistischen Machtbereiches konnte die Spionageabwehr im Erster Ansprechpartner Jahre 1980 wirksam entgegentreten. Dies wird nicht nur durch in Sachen Spionagedie Aufkl\u00e4rung spektakul\u00e4rer Spionagef\u00e4lle und die Festnahme abwehr. von Agenten offenkundig, sondern ist auch an Erfolgen abzulesen, die der \u00d6ffentlichkeit mitunter aus zwingenden Geheimhaltungsgr\u00fcnden verborgen bleiben m\u00fcssen. Die Bev\u00f6lkerung in Baden-W\u00fcrttemberg hat gerade im vergangenen Jahr durch ihre Aufmerksamkeit und die Informationsbereitschaft gegen\u00fcber dem Verfassungsschutz wesentlich zu den Erfolgen der Spionageabwehr beigetragen. Die sachgerechte Unterrichtung der \u00d6ffentlichkeit \u00fcber die Aussp\u00e4hungsziele und die Methoden gegnerischer Nachrichtendienste hat sich als ein geeignetes Mittel erwiesen, die Sensibilit\u00e4t der B\u00fcrger dieses Landes f\u00fcr nachrichtendienstlich relevante Sachverhalte zu erh\u00f6hen und die Bereitschaft zur rechtzeitigen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Verfassungsschutz zu steigern. 136","Gruppen-, Organisationsund Publikationsregister Seite A ALFATAH 124 Arbeiterkampf 53 Arbeiterund Bauernpartei der T\u00fcrkei (TIKP) 117 B Bewegung 2. Juni 20,31,35 British Movement (BM) 93 B\u00fcrgerund Bauerninitiative e.V. (BBI) 86 f., 93 Bund f\u00fcr Deutsche Einheit-Aktion Oder-Nei\u00dfe e.V. (AKON) 99, 101 Bund Heimattreuer Jugend (BHJ) 103 Bund Kommunistischer Intellektueller (BKI) 52 Bund Sozialistischer Arbeiter (BSA) 54 Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) 18, 38, 43 ff., 76 Bundesverband der Soldaten der ehemaligen Waffen-SS e.V. - 103 ff. Kreisgemeinschaft Ostalb (HIAG) C Circulo Espanol de Amigos de Europa (CEDADE) 91 Column88 93 Conf\u00f6deration Iranischer Studenten-National-Union (CISNU) 112,123 Courrier du Continent 93 D Dansk Nationalsocialisk Ungdom (DNSU) - Nordland Forlag 93 Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (DFLP) 124 Demokratischer fortschrittlich gesinnter Patriotenbund 121 Mannheim Deutsch-V\u00f6lkische Gemeinschaft (DVG) 87, 88 Deutsche Aktionsgruppen 80 ff., 86, 87, 88, 90 Deutsche B\u00fcrgerinitiative (DBI) 82, 86, 87 Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte Kriegsdienstgegner 71, 73 f. (DFG-VK) Deutsche Friedensunion (DFL)) 71 ff. Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 19, 54 ff.,126 Deutsche National-Zeitung (DNZ) 99, 100, 105","Seite Deutsche Reichspartei (DRP) 103 Deutsche Stimme 106 Deutsche Volksunion (DVU) 99 Deutsche Volkszeitung 64 Deutsche Wochenzeitung (DWZ) 105 Deutscher Anzeiger (DA) 100, 105 Deutschland in Geschichte und Gegenwart 106 DEVRIMCI YOL 117 Die Bauernschaft 86, 87 die tat 64 DKP-Informationen 61 DKP-Pressedienst 61 E elan * 68 Europ\u00e4ische Kameradschaft ehemaliger Soldaten (EKS) 104 Europ\u00e4ische Neuordnung (ENO) 93 F~ Fantasia-Druckkollektiv 25 f., 31 F\u00f6deration d'Action Nationale et Europeenne (F.A.N.E.) 91 F\u00f6deration Demokratischer T\u00fcrkischer Idealistenvereine in 118 ff. Europa (AD\u00dcTDF) F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (ATIF) 115,116 F\u00f6deration der Arbeitervereine aus Kurdistan in der 118 Bundesrepublik Deutschland (KOMKAR) F\u00f6deration der T\u00fcrkischen Arbeitervereine in der Bundesrepublik 114 Deutschland e.V. (FIDEF) F\u00f6deration T\u00fcrkischer Volksvereinigungen in Europa (HBF) 117 Fortschrittliche Vereinigung der Griechen in Deutschland (PEEG) 127 Freiburger Stadtzeitung 36 Freies Landvolk 49 Freiheitlicher Rat 99,101 FUERZANUEVA 91 Gemeinschaft Ostund Sudetendeutscher Grundeigent\u00fcmer 99 und Gesch\u00e4digterBundesverband e.V. (GOG-BV) Generalunion der Arabischen Studenten in der Bundesrepublik 124 f. Deutschland und Westberlin (GUAS) Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik (Gf P) 102,103 Graue W\u00f6lfe 114,116,118 Gruppe Internationale Marxisten (GIM) 53 Gruppe Revolution\u00e4rer Studenten (GRS) 54 Gruppe Z 19","Seite H HALKIN KURTULUSU 117 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren 84 Angeh\u00f6rige e. V. (HNG) HNG-Information 84 HRVATSKILIST 128 l,J Informationsdienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten 35 (ID) Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nder-Begrenzung (I.f.A.) 78,99, 100 Internationale Sozialistische Arbeiterorganisation (ISA) 54 Irische Republikanische Armee (IRA) 30 f. ItalienischerVerband der Gastarbeiter und ihrer Familien (FILEF) 127 Jugendbund Adler (JBA) 99 Junge Front (JF) 85 Junge Nationaldemokraten (JN) 94, 96 ff., 103 Junge Pioniere - Sozialistische Kinderorganisation (JP) 69 f. K Kampfgruppe PRIEM e. V. (KGP) 87 Kampfgruppe Z\u00fcndel 92 Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) 71 Komitee f\u00fcr Italiener in der Bundesrepublik Deutschland e.V. 127 (CTIM) Komitees f\u00fcr Demokratie und Sozialismus (KDS) 19,45 Kommunismus und Klassenkampf (KUK) 39 Kommunistische Hochschulgruppe (KHG) 38, 45, 75 f. Kommunistische Liga (KL) 54 Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) 18, 46 ff. Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) 18, 46 ff. -KPDKommunistische Partei Griechenlands (KKE) (Ausland) 125 Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) (Inland) 125 Kommunistische Partei Griechenlands/Marxisten-Leninisten 126 (KKE-ML) Kommunistische Partei Italiens (PCI) 127 Kommunistische Studentengruppe (KSG) 52, 76 Kommunistische Volkszeitung (KVZ) 40, 41, 42 Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands (KABD) 50 ff., 76 Kommunistischer Bund (KB) 19, 52 f. Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) 18, 38 ff., 64, 76 Kommunistischer Jugendbund (KJB) 43","Seite Konf\u00f6deration der Studenten aus der T\u00fcrkei/Ausland (T\u00d6K-YD) 115,116,117 Koordinationszentrum im Ausland lebender Kroaten (KCAK) 128 Kroatischer Nationalrat (HNV) 128 L Landrevue - Informationen f\u00fcr die Landbev\u00f6lkerung 61 Liberty Bell Publications 92 M Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei Griechenlands 127 (ML-KKE) Marxistisch-Reichistische Initiative (MRI) 76 Marxistische Arbeiterbildung (MAB) 62 Marxistische Bl\u00e4tter 61 Marxistische Gruppen (MG) 76 Marxistische Studenten-Zeitung (MSZ) 76 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB) 74 f. MUT 106 N NATION EUROPA 106 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 79, 93 ff. Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) 99 National-Freiheitliche Rechte 78, 99 ff. National Front 93 Nationale Heilspartei (MSP) 118 ff. Nationaler t\u00fcrkischer Kulturverein in Waiblingen und Umgebung 120 e.V. Nouvelle Droite (ND) 90 NS-Gruppe NEUFELD 87 NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation (NSDAP-AO) 91 NSDAP - Gau W\u00fcrttemberg-Hohenzollem 88 O OLTRECONFINE 127 P Pal\u00e4stinensische Befreiungsorganisation (PLO) 111, 124 Pal\u00e4stinensischer Studentenverband in der Bundesrepublik 124, 125 Deutschland und West-Berlin (PSV) Partei der Nationalen Bewegung (MHP) - t\u00fcrkische - 110,116, 118,120 Politische Berichte 43, 44 Praxis 61","Seite R Revolution\u00e4re Gewerkschaftsopposition (RGO) 48, 49 Revolution\u00e4re Kommunistische Partei der T\u00fcrkei (TDKP) 117 Revolution\u00e4re Landvolkbewegung (RLB) 47, 49 Revolution\u00e4re Soldatenzeitung 45 Revolution\u00e4re Zellen (RZ) 17,31 ff. Revolution\u00e4rer Jugendverband Deutschlands (RJVD) 52 Revolution\u00e4rer Zorn 32 Rote Armee Fraktion (RAF) 17, 20 ff. Rote Fahne 52 Rote Garde 47, 48 Rote Hilfe Deutschlands (RHD) 47,48 Roter Morgen 46 Roter Rebell 48 S Samisdat Publishers Ltd. 92 s' Bl\u00e4ttle - Stadtzeitung f\u00fcr Stuttgart und Umgebung 31 Soldatengruppe Immendingen 45 Sozialistische Arbeitergruppe (SAG) 54 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) 66 ff. Sozialistischer Hochschulbund (SHB) 75 Sozialistischer Jugendbund (SJB) 54 Spartacus 53 Spartacusbund 53 Studentenf\u00f6deration der T\u00fcrkei in Deutschland e. V. (AT\u00d6F) 115, 116, 117 T Trotzkistische Liga Deutschlands (TLD) 53 T\u00fcrkische Arbeiterund Bauernbefreiungsarmee (TIKKO) 116 T\u00fcrkische Gemeinschaftsorganisation Reutlingen e.V. 120 T\u00fcrkische Kommunistische Partei (TKP) 114 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten 115 (TKP-ML) T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei-Front (THKP-C) 117 T\u00fcrkischer Arbeiterbund Mannheim 121 T\u00fcrkischer Kulturverein Mannheim 122 TUDEH-Partei 123 U Union der Islamischen Studentenvereine in Europa (UISA) 112, 122 Unsere Zeit (UZ) 55,60","; Seite V Verband griechischer Gemeinden in der Bundesrepublik 125 f. Deutschland und West-Berlin (OEK) Vereinigung der Kurdischen Studenten in Europa (KSSE) 118 Vereinigung der Studenten Kurdistans im Ausland (AKSA) 118 Vereinigung der Verfolgten des NaziregimesBund der 71, 73 Antifaschisten (WN-BdA) Vereinigung f\u00fcr revolution\u00e4re Volksbildung (VRV) 39,45 Vereinigung f\u00fcr revolution\u00e4re Volksbildung - Soldaten und 43 Reservisten (VRV-SR) Vlaamse Militanten Orde (VMO) 92 Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie (VOGA) 78,99,100,101 Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (PFLP) 124 Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg, f\u00fcr Freiheit 47,49, 64 und Demokratie, Wohlstand und Frieden (Volksfront) Volkssozialistische Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit 84 f. (VSBD/PdA) W Was tun 53 Wehrsportgruppe Hoffmann (WSG) 83, 85 White Power Publications 92 Wiking-Jugend (WJ) 88, 99, 101 f. Willibald 70 Z Zentrales Komitee (ZK) 43","Nachtr\u00e4ge: 143","Impressum Herausgeber und verantwortlich f\u00fcr den Inhalt: Innenministerium Baden-W\u00fcrttemberg Dorotheenstra\u00dfe 6 7000 Stuttgart 1 Layout und Produktion: Klaus Grundgeiger Weifenstra\u00dfe 54a 7000 Stuttgart 70 Fotos: Joachim Bertsch Olgastra\u00dfe 31 7000 Stuttgart 1 Druck: Druckhaus Waiblingen 7050 Waiblingen Nachdruck nur mit Genehmigung des Herausgebers ISSN 0720-3381 144"],"title":"Verfassungsschutzbericht 1980","year":1980}
